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4. Forstbericht
der Sächsischen Staatsregierung
Berichtszeitraum 1. Januar 2008 bis 31. Dezember 2012

| 01
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ............................................................................................................................................................................................3
1
Nachhaltigkeit – Ein Erfolgsmodell aus Sachsen ...........................................................................................................................5
2
Der Wald in Sachsen ........................................................................................................................................................................7
2.1 Waldfläche ............................................................................................................................................................................................................................................7
2.1.1
Aktuelle Waldfläche und Waldverteilung ...................................................................................................................................................................................7
2.1.2
Waldflächenentwicklung, Waldflächenbilanz und Waldmehrung .....................................................................................................................................8
2.2 Waldeigentum .....................................................................................................................................................................................................................................9
2.3
Baumarten, Altersstruktur, Holzvorrat, Holzzuwachs ..........................................................................................................................................................11
2.3.1 Baumarten ..........................................................................................................................................................................................................................................11
2.3.2 Altersstruktur .....................................................................................................................................................................................................................................12
2.3.3
Holzvorrat und Holzzuwachs........................................................................................................................................................................................................12
3
Sicherung der Nachhaltigkeit von Wald und Forstwirtschaft ......................................................................................................15
3.1
Gesetzliche Grundlagen der Waldbewirtschaftung ..............................................................................................................................................................15
3.1.1
Sicherung einer gesetzeskonformen Wirtschaftsführung im Privatwald .....................................................................................................................15
3.1.2
Vorbildliche Bewirtschaftung des Staats- und Körperschaftswaldes .............................................................................................................................15
3.2
Waldfunktionen-, Waldbiotop- und Standortkartierung ....................................................................................................................................................16
3.2.1 Waldfunktionenkartierung ............................................................................................................................................................................................................16
3.2.2 Waldbiotopkartierung .....................................................................................................................................................................................................................17
3.2.3 Standortkartierung ..........................................................................................................................................................................................................................17
3.3
Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft ............................................................................................................................................................................18
4
Stand und Entwicklung der Forstwirtschaft .................................................................................................................................21
4.1 Holzabsatz ...........................................................................................................................................................................................................................................21
4.2
Wettbewerbsfähigkeit der Forstwirtschaft .............................................................................................................................................................................23
4.3 Rohholzaufkommensstudie...........................................................................................................................................................................................................25
5
Förderung des privaten und körperschaftlichen Waldbesitzes .....................................................................................................27
5.1
Beratung und Betreuung des Privatwaldes .............................................................................................................................................................................27
5.1.1 Beratung ..............................................................................................................................................................................................................................................27
5.1.2 Betreuung ...........................................................................................................................................................................................................................................28
5.2
Betriebsleitung und Revierdienst im Körperschaftswald ....................................................................................................................................................28
5.2.1 Betriebsleitung ..................................................................................................................................................................................................................................28
5.2.2
Forsteinrichtung für den Körperschaftswald ..........................................................................................................................................................................29
5.2.3 Revierdienst ........................................................................................................................................................................................................................................29
5.3
Fachliche Aus- und Fortbildung der Waldbesitzer ................................................................................................................................................................30
5.4
Finanzielle Förderung des Privat- und Körperschaftswaldes ............................................................................................................................................30
5.4.1
Entwicklung der forstlichen Förderung ....................................................................................................................................................................................31
5.4.2
Förderung des Waldumbaus .........................................................................................................................................................................................................32
5.4.3
Förderung des forstwirtschaftlichen Wege- und Brückenbaus ........................................................................................................................................32
5.4.4
Förderung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse ...........................................................................................................................................................33
5.4.5
Förderung des Naturschutzes im Wald .....................................................................................................................................................................................33
5.4.6
Bodenschutzkalkung im Wald ......................................................................................................................................................................................................34
5.4.7
Hilfe aus dem Europäischen Solidaritätsfonds (EUSF) .........................................................................................................................................................35
5.4.8
Förderung der ökologischen Waldmehrung (Erstaufforstung) .........................................................................................................................................35

02 |
6
Entwicklung der Wälder mit besonderem Status .........................................................................................................................37
6.1
Kraft Gesetzes geschützte Wälder ..............................................................................................................................................................................................37
6.1.1
Schutzwald gemäß § 29 Abs. 1 SächsWaldG ..........................................................................................................................................................................37
6.1.2
Besonders geschützte Biotope gemäß § 30 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und § 21 SächsNatSchG.................................................38
6.1.3
Kulturdenkmale gemäß § 2 Sächsischem Denkmalschutzgesetz (SächsDSchG) .........................................................................................................39
6.2
Durch Rechtsverordnungen und Satzungen geschützte Wälder .....................................................................................................................................40
6.2.1
Schutzgebiete gemäß Naturschutzrecht ..................................................................................................................................................................................40
6.2.2
Schutzgebiete gemäß Wasserrecht ............................................................................................................................................................................................41
7 Waldzustand ...................................................................................................................................................................................43
7.1 Kronenzustand ..................................................................................................................................................................................................................................43
7.1.1
Allgemeine Situation .......................................................................................................................................................................................................................43
7.1.2
Regionale Ausprägung....................................................................................................................................................................................................................44
7.1.3
Kronenzustand an Nadelbäumen ................................................................................................................................................................................................45
7.1.4
Kronenzustand an Laubbäumen ..................................................................................................................................................................................................45
7.2 Waldschutz .........................................................................................................................................................................................................................................46
7.2.1
Abiotische Schäden ..........................................................................................................................................................................................................................46
7.2.2
Biotische Schäden ............................................................................................................................................................................................................................47
8
Bedeutende Schadereignisse ..........................................................................................................................................................51
8.1
Sturm „Emma“ 2008 ........................................................................................................................................................................................................................51
8.2
Tornado Pfingsten 2010 .................................................................................................................................................................................................................52
8.3
Schneebruch 2010 und 2012 ........................................................................................................................................................................................................53
9
Wald und Wild ...............................................................................................................................................................................55
9.1
Neuregelungen des Jagdrechtes .................................................................................................................................................................................................55
9.2
Wild und Jagd ....................................................................................................................................................................................................................................55
9.3
Ergebnisse Verbiss- und Schälschadenserhebung .................................................................................................................................................................58
9.3.1 Verbisserhebung ................................................................................................................................................................................................................................58
9.3.2 Schälschadenserhebung .................................................................................................................................................................................................................59
10 Forstverwaltung .............................................................................................................................................................................61
10.1 Forstbehörden ....................................................................................................................................................................................................................................61
10.1.1
Verwaltungs- und Funktionalreform .........................................................................................................................................................................................61
10.1.2
Oberste Forstbehörde ......................................................................................................................................................................................................................61
10.1.3
Obere Forstbehörde..........................................................................................................................................................................................................................62
10.1.4
Untere Forstbehörden .....................................................................................................................................................................................................................62
10.1.5 Großschutzgebiete ...........................................................................................................................................................................................................................63
10.1.6
Personal, Aus- und Fortbildung ...................................................................................................................................................................................................66
10.2
Besondere Aufgaben des Staatsbetriebes Sachsenforst......................................................................................................................................................69
10.2.1 Organisationsstruktur .....................................................................................................................................................................................................................69
10.2.2
Bewirtschaftung des Staatswaldes.............................................................................................................................................................................................71
10.2.2.1 Grundsätze der Waldbewirtschaftung ......................................................................................................................................................................................71
10.2.2.2 Waldbau ...............................................................................................................................................................................................................................................71
10.2.2.3 Waldpflege und Holzernte im Berichtszeitraum ....................................................................................................................................................................73
10.2.3 Verwaltungsjagd ...............................................................................................................................................................................................................................74
10.2.4 Staatswaldvermögen .......................................................................................................................................................................................................................76
10.2.5
Naturschutz und Kompensationsleistungen ...........................................................................................................................................................................76
10.2.6
Erholung im Wald .............................................................................................................................................................................................................................77
10.2.7
Forstliche Öffentlichkeitsarbeit, Waldpädagogik und Umweltbildung ...........................................................................................................................78
10.2.8
Forschung, Umweltmonitoring, Generhaltung .......................................................................................................................................................................81
11
Aktuelle Herausforderungen ..........................................................................................................................................................83
11.1
Waldumbau – Untersuchungen zur Anpassungsfähigkeit der Fichte ............................................................................................................................83
11.2
Bewahren der biologischen Vielfalt............................................................................................................................................................................................84
11.3
Entwicklung des Staatsbetriebes Sachsenforst ......................................................................................................................................................................87
Anhang .................................................................................................................................................................................................................................................88
Glossar .................................................................................................................................................................................................................................................91

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| 03
Vorwort
Der sächsische Wald ist ein elementarer und prägender Teil unserer abwechslungsreichen Kul-
turlandschaft. Seine ganz verschiedenen Leistungen sind in vielerlei Hinsicht, ob ökonomisch,
ökologisch oder sozial betrachtet, unverzichtbar für die Menschen in unserem Land. Das Wald-
gesetz für den Freistaat Sachsen gibt deshalb vor, den Wald nachhaltig und multifunktional zu
bewirtschaften. Die Verkündigung des Sächsischen Waldgesetzes liegt zwar mehr als 20 Jahre
zurück, aber sein Inhalt beschreibt auch heute noch außerordentlich klar und eindeutig, dass
dies der richtige Weg für eine fruchtbare Zukunft einer der wichtigsten Lebensgrundlagen un-
seres Landes ist.
So ist kontinuierlich gewährleistet, dass der umweltfreundliche, nachwachsende und heimische
Rohstoff Holz erzeugt und den Verbrauchern durch die Holzwirtschaft zur Verfügung gestellt
wird. Dadurch werden gerade im ländlichen Raum Arbeit und Einkommen erhalten und geschaf-
fen. Ebenso schützt der Wald unsere natürlichen Ressourcen Wasser und Boden, beherbergt
vielfältige und insbesondere für gefährdete Pflanzen und Tiere bedeutsame Lebensräume, sorgt
für ein ausgeglichenes Klima und wirkt der Hochwasserentstehung entgegen. Für die sächsi-
schen Bürgerinnen und Bürger sind sicherlich die vielfältigen Möglichkeiten für Freizeit- und
Sportaktivitäten, die der Wald bietet, besonders wichtig. So können sie vielerorts und unkom-
pliziert einem zunehmend stressbelasteten Alltag entfliehen und sich in der Natur regenerieren.
Nicht zuletzt profitiert der Klimaschutz, indem durch den Einsatz von Holz dauerhaft Kohlenstoff
gebunden oder weniger klimafreundliche Rohstoffe ersetzt werden. All diese ganz verschiede-
nen Leistungen erbringt das Ökosystem Wald in der Regel auf der gleichen Fläche und zur glei-
chen Zeit. Zwar haben auf einigen Waldflächen einzelne Funktionen wie Natur- oder Wasser-
schutz Vorrang, trotzdem ist die Integration unterschiedlicher Nutzerinteressen im Zuge der
multifunktionalen Forstwirtschaft die beste Lösung, um Konflikte zu vermeiden.
Wie sich Wald und Forstwirtschaft im Freistaat Sachsen entwickelt haben, zeigt in einem um-
fassenden Überblick der „4. Forstbericht der Sächsischen Staatsregierung für den Berichtszeit-
raum 1. Januar 2008 bis 31. Dezember 2012". Er informiert über den Zustand des Waldes und
seiner Funktionen, die Situation der Forstwirtschaft sowie die Tätigkeit der Forstverwaltung in
den Jahren von 2008 bis 2012.
Wald und Forstwirtschaft im Freistaat Sachsen haben sich im Berichtszeitraum insgesamt posi-
tiv entwickelt. Ganz im Sinne des Sächsischen Oberberghauptmannes Hans Carl von Carlowitz,
der vor 300 Jahren in seinem forstlichen Werk „Sylvicultura oeconomica“ erstmals den Begriff
der „nachhaltenden Nutzung“ prägte. Im Ergebnis wurde die gesetzlich geforderte Sicherung
einer umfassenden forstlichen Nachhaltigkeit von Waldbesitzern – wie Forstverwaltung – er-
folgreich umgesetzt. In welcher Form dies geschehen ist, wird auf den nachfolgenden Seiten
anhand von Daten und Fakten ausführlich dargestellt.
Frank Kupfer
Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft

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04 |

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| 05
1 Nachhaltigkeit – Ein Erfolgsmodell aus Sachsen
Das Jubiläum von „300 Jahre Nachhaltigkeit“
im Jahr 2013 bietet die Gelegenheit, mit einer
Vielzahl von Aktivitäten auf den forstlichen
und sächsischen Ursprung dieses heutzutage
in nahezu allen Sphären der gesellschaftlichen
Entwicklung geforderten Prinzips hinzuweisen.
Da das Jubiläum zwar nicht im Berichtszeit-
raum, jedoch im Erscheinungsjahr des vierten
Forstberichtes begangen wird und dieses Er-
folgsmodell aus Sachsen stammt, ist es sinn-
voll und geboten, auch an dieser Stelle darauf
angemessen einzugehen.
Sylvicultura oeconomica
Im Jahr 1713 wurde Nachhaltigkeit (genauer
gesagt: „nachhaltende Nutzung“) als Begriff
von dem sächsischen Oberberghauptmann
Hans Carl von Carlowitz in seinem für Forst-
wirtschaft wie Kameralistik gleichermaßen
grundlegenden Werk „Sylvicultura oeconomi-
ca oder hauswirthliche Nachricht und Natur-
mäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht“
erstmals eingeführt und für die Praxis gefor-
dert. In den folgenden Jahrzehnten entwickel-
te sich dieser Begriff zum Schlüsselkonzept
der Forstwirtschaft.
Historischer Kontext
Aufgrund der großen Bedeutung des Waldes,
seiner Leistungen und Produkte gerieten die
mitteleuropäischen Wälder spätestens im
12. Jahrhundert in vielen Regionen unter gro-
ßen Druck durch Holzplünderung, Viehweide,
Streunutzung und andere menschliche Aktivi-
täten. Zwar gab es erste Rodungsverbote be-
reits in der Karolingerzeit (Capitulare de villis),
aber bis zum 14. Jahrhundert wurde die Wald-
fläche des Deutschen Reiches schätzungswei-
se auf rund ein Viertel ihrer ursprünglichen
Ausdehnung dezimiert.
Die Natur erholte sich angesichts zeitweiser
starker Bevölkerungsrückgänge infolge von
Pestwellen und Kriegen bis zum 17. Jahrhun-
dert vielerorts wieder. Ein starker Bevölke-
rungsanstieg ab Ende des 17. Jahrhunderts er-
höhte den Druck auf die Ressource Holz aber
erneut.
Dürre, Sturm und Käfer
In den Jahren bis 1710 erlebte von Carlowitz
als Vize-Berghauptmann schwerwiegende Na-
turkatastrophen wie extrem niederschlagsar-
me Sommer, Stürme und Borkenkäferbefall,
die allesamt den Wäldern seiner Heimatregion
schweren Schaden zufügten. Insbesondere der
wirtschaftlich bedeutsame Tannen- und Fich-
tenbestand wurde damals schwer in Mitlei-
denschaft gezogen. Noch bedeutender für sei-
ne Überlegungen war aber der Raubbau am
Wald für den sächsischen Bergbau. Im Erzge-
birge, einer der bedeutendsten europäischen
Montanregionen, hingen Wohl und Wehe am
Holz. Es war der wichtigste Baustoff für den
Grubenausbau, wurde aber vor allem in Form
von Holzkohle in großer Menge für die Ver-
hüttung der Erze benötigt. Eine Holzverknap-
pung hätte den schleichenden Niedergang
dieser Industrie bedeutet.
Vor diesem Hintergrund schrieb von Carlowitz
sein Werk „Sylvicultura oeconomica“. Er wid-
mete es dem Kurfürsten Friedrich August I.
von Sachsen (August der Starke). Es wurde
1713 auf der Leipziger Ostermesse vorgestellt,
übrigens gemeinsam mit dem ersten weißen
Böttger-Porzellan.
Aktuelle Bedeutung
Als Leitmotiv der soziokulturellen, ökologi-
schen und ökonomischen Entwicklung im
21. Jahrhundert hat das Nachhaltigkeitsprin-
zip Konjunktur wie nie zuvor – gerade auch in
der von Carlowitz ursprünglich beabsichtigten
gesamtgesellschaftlichen Bedeutung. Denn
von Carlowitz fasste die Ziele nachhaltiger
Forstpolitik in seinem epochalen Werk folgen-
dermaßen zusammen:
„Zum Besten des gemeinen Wesens geht es
um das Aufnehmen des Landes und der Un-
tertanen, die Hebung von Handel und Wandel,
die florierende Commercia (…) Die Ökonomie
hat der Wohlfahrt des Gemeinwesens zu die-
nen. Sie ist zu einem schonenden Umgang mit
der gütigen Natur verpflichtet und an die Ver-
antwortung für künftige Generationen gebun-
den.“
Multifunktionale Forstwirtschaft
In der multifunktionalen Forstwirtschaft ist
der Nachhaltigkeitsgedanke tiefer verankert
als in vielen anderen Wirtschaftsbranchen.
Zum einen deshalb, weil ihre Produktion na-
turgebunden ist, und zum anderen, weil die
Produktion entsprechend dem langsamen
Wachstum der Bäume weit in die Zukunft hi-
nein planen muss. Von Carlowitz selbst war
eher skeptisch, was die konsequente Übertra-
gung seiner Lehren in die forstliche Praxis an-
ging – aber auch hinsichtlich der Erkenntnis-
fähigkeit der Menschheit im Allgemeinen. Er
prophezeite: „Wenn uns nicht die höchste
Noth hierzu zwinget, so wird man sonsten
schwerlich daran gehen, ehe und bevor uns
das Wasser bis zum Hals und ins Maul reichet.“
Weitere Informationen zur deutschen Forst-
wirtschaft und zum Jubiläumsjahr „300 Jahre
Nachhaltigkeit“ finden Sie unter:
www.forstwirtschaft-in-deutschland.de.
Bild 1.1: Titelzeilen des berühmten Werkes aus dem
Jahr 1713.
Bild 1.2: Hans Carl von Carlowitz, sächsischer Ober-
berghauptmann

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06 |

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| 07
2 Der Wald in Sachsen
2.1 Waldfläche
2.1.1 Aktuelle Waldfläche und Waldverteilung
Die Waldfläche im Freistaat Sachsen beträgt
laut Waldflächenstatistik des Staatsbetriebes
Sachsenforst insgesamt 524.627 ha
1
(Stand
31. 12. 2012). Dies entspricht 28,4 % der Lan-
desfläche sowie einer Waldfläche von ca.
0,13 ha pro Einwohner. Im Vergleich der Bun-
desländer ist Sachsen damit unterdurch-
schnittlich bewaldet (Tab. 2.1).
Die Waldverteilung in Sachsen ist sehr un-
gleichmäßig. Der Süden mit Erzgebirge, Vogt-
land und der Sächsischen Schweiz sowie der
Nordosten mit der Lausitzer Heidelandschaft
sind waldreich, während besonders die inten-
siv landwirtschaftlich genutzten Lössgebiete
Sachsens unterdurchschnittlich bewaldet oder
sogar zum Teil äußerst waldarm sind.
Diese differenzierte Waldverteilung spiegelt
sich auch in der Flächenbilanz der zehn Land-
kreise und der drei Kreisfreien Städte wider
(Tab. 2.2). Der Erzgebirgskreis hat mit über
85.400 ha nach dem Landkreis Bautzen die
zweitgrößte absolute Waldfläche und mit rund
47 % den höchsten Waldanteil. Dagegen liegt
dieser in den Landkreisen Meißen und Leipzig
mit rund 15 % wesentlich darunter.
Abb. 2.1: Waldverteilung im Freistaat Sachsen
Tab. 2.1 Vergleich der Bewaldung im Freistaat Sachsen und in der Bundesrepublik Deutschland
Freistaat Sachsen
Bundesrepublik
Gesamtfläche
[Tha]
1.845
35.703
Waldfläche
[Tha]
525
11.100
Waldanteil
[%]
28,4
31,1
Waldfläche pro Einwohner
[ha]
0,13
0,14
1
Waldflächenstatistik des Staatsbetriebes Sachsenforst nach digitaler Luftbildauswertung
Staatsgrenze
Landesgrenze
Waldfläche

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08 |
Tab. 2.2: Waldfläche, Waldanteil und Pro-Kopf-Bewaldung in den Landkreisen und Kreisfreien Städten
(der Waldanteil in Prozent ergibt
sich jeweils aus dem Verhältnis der Waldfläche zur Territorialfläche des Landkreises bzw. der Kreisfreien Stadt)
Landkreis/Kreisfreie Stadt
Waldfläche
[ha]
Waldanteil
[%]
Pro-Kopf-Waldfläche
[ha]
Stadt Chemnitz
3.208
14,5
0,01
Stadt Dresden
7.628
23,2
0,01
Stadt Leipzig
2.266
7,6
0,00
Erzgebirgskreis
85.360
46,7
0,24
Mittelsachsen
34.376
16,2
0,11
Vogtlandkreis
56.964
40,3
0,24
Zwickau
16.721
17,6
0,05
Bautzen
88.181
36,8
0,28
Görlitz
79.103
37,4
0,29
Meißen
22.104
15,2
0,09
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
60.908
36,8
0,24
Leipzig
24.758
15,0
0,09
Nordsachsen
43.050
21,2
0,21
2.1.2 Waldflächenentwicklung, Waldflächenbilanz und Waldmehrung
Waldflächenentwicklung
Die Waldfläche im Freistaat Sachsen hat wei-
ter zugenommen und sich seit dem ersten Be-
richtszeitraum um 15.745 ha erhöht (Tab. 2.3).
Diese positive Waldflächenentwicklung basiert
zum einen darauf, dass neuer Wald durch Suk-
zession (insbesondere in den Bergbaufolge-
landschaften) entsteht. Zum anderen nimmt
die Waldfläche aufgrund von Erstaufforstun-
gen entweder gemäß § 10 Waldgesetz für den
Freistaat Sachsen (SächsWaldG) oder infolge
von anderen rechtlichen Vorgaben zu. Darüber
hinaus sorgen verbesserte Methoden (z. B.
durch Aufnahme schon existierender, aber bis-
her nicht erfasster Waldflächen) für genauere
Daten.
Tab. 2.3: Waldflächenentwicklung in den Berichtszeiträumen der jeweiligen Forstberichte
Waldfläche
[ha]
Waldanteil
[%]
1. Forstbericht, Berichtszeitraum 1993 bis 1997
508.882
27,6
2. Forstbericht, Berichtszeitraum 1998 bis 2002
516.572
28,1
3. Forstbericht, Berichtszeitraum 2003 bis 2007
518.325
28,2
4. Forstbericht, Berichtszeitraum 2008 bis 2012
524.627
28,4
Waldflächenbilanz
Die Waldinanspruchnahme betrug im Be-
richtszeitraum 953 ha und war damit im Ver-
gleich zum letzten Berichtszeitraum um
150 ha größer. Gründe für Waldflächenverlus-
te sind vor allem der Rohstoffabbau und der
Bedarf für Gewerbe-, Industrie- und Verkehrs-
flächen (Tab. 2.4). Zum Ausgleich des Flächen-
verlustes und der nachteiligen Wirkungen von
Waldumwandlungen (Flächenzerschneidung,
Verinselung, Wegeunterbrechung usw.) wer-
den in der Regel Ersatzaufforstungen vorge-
schrieben.
Den größten Anteil an der Waldflächenzunah-
me von 2.036 ha hat mit 1.405 ha die Erstauf-
forstung von in der Regel landwirtschaftlich
genutzten Flächen. Durch die Rekultivierung
Bild 2.1: Forstliche Rekultivierung auf einer ehemaligen Bergbaufläche
von Kippenflächen des Braunkohletagebaus
wurden 359 ha Wald neu begründet (Bild 2.1).
In der Waldflächenbilanz werden nur die im
Rahmen von Genehmigungsverfahren durch
die Forstbehörden dokumentierten Waldflä-
chenänderungen dargestellt. Im Berichtszeit-
raum resultierte daraus im Saldo eine Wald-
flächenzunahme von 1.083 ha (Tab. 2.4). Die
natürliche Wiederbewaldung auf Sukzessions-
flächen wird statistisch dagegen nicht in der

| 09
Waldflächenbilanz erfasst und kann lediglich
auf Basis von Luftbildanalysen und terrestri-
scher Verifizierung ermittelt werden.
Tab. 2.4: Waldflächenbilanz
2
nach Regionen der Landesdirektion Sachsen und für den
Freistaat Sachsen gesamt
Waldfläche
Landesdirektion Sachsen, Regionen
Sachsen
Dresden
[ha]
Chemnitz
[ha]
Leipzig
[ha]
[ha]
Flächenabgang gesamt
855
72
26
953
Braunkohleabbau und Rekultivierung von
Bergbaufolgelandschaften
694
11
1
706
Abbau oberflächennaher Rohstoffe
20
19
3
42
Gewerbe- und Industrieflächen
96
16
3
116
Wohnbebauung
7
2
7
17
Verkehrsflächen
17
1
3
21
Sonstiges
20
23
9
52
Flächenzugang gesamt
1.256
534
247
2.036
forstliche Rekultivierung
315
0
44
359
Erstaufforstung
772
466
168
1.405
Ersatzaufforstung
169
69
35
273
Waldflächenbilanz
401
462
220
1.083
Waldmehrung
Im Landesentwicklungsplan Sachsen 2013
(LEP) wird wie im vorhergehenden LEP als Ziel
genannt, den Waldanteil im Freistaat Sachsen
auf 30 % zu erhöhen. Der landesweite
Schwerpunkt der Waldmehrung liegt in den
verdichtungsraumnahen Tagebauen im Süd-
raum Leipzig. Allgemein soll die Waldmehrung
vorrangig in waldarmen Regionen erfolgen so-
wie in Gebieten, die erosionsgefährdet sind
und bei denen Hochwasserentstehungsgefahr
besteht. Ebenso soll Waldmehrung in Berei-
chen, die in der Naherholungszone von Sied-
lungsbereichen mit hoher Einwohnerdichte
liegen und in denen das lokale Klima nur in
geringem Umfang vor nachteiligen Wind- und
Kaltlufteinwirkungen sowie sommerlicher Hit-
ze durch Wald entlastet wird, ausgleichend
wirken. Außerdem soll die Waldmehrung zur
Sicherung des Biotopverbundes über Wande-
rungskorridore beitragen.
Des Weiteren sollen landwirtschaftlich ge-
nutzte Gebiete mit hohem Ertragsausfallrisiko
in Wald umgewandelt und gewässerbegleiten-
de Wälder, insbesondere Auwälder an großen
Flüssen, erweitert werden. Dagegen sollen
landwirtschaftliche Flächen mit hoher natür-
licher Ertragsfähigkeit im Wesentlichen nicht
in Anspruch genommen werden.
Zur Unterstützung der Zielstellung im LEP
werden in der Regionalplanung Vorrang- und
Vorbehaltsgebiete Waldmehrung ausgewiesen.
Eine wichtige Planungsgrundlage bildet hier-
für die zwischen 1997 und 2003 als Teil der
Forstlichen Rahmenplanung von der Staats-
forstverwaltung erarbeitete Waldmehrungs-
planung.
2
Flächenbilanzierung aus forstrechtlichen Genehmigungsverfahren ohne Planfeststellungsverfahren
Grundsätzlich liegt die Entscheidung zur
Erstaufforstung bei den Flächeneigentümern
bzw. -nutzern. Ebenso beeinflussen konkurrie-
rende Flächennutzungen wie Landwirtschaft
oder Naturschutz Umfang und Geschwindig-
keit der Waldmehrung in Sachsen. Im Be-
richtszeitraum wurden 795 Anträge auf Ge-
nehmigung zur Erstaufforstung gemäß § 10
SächsWaldG auf einer Fläche von 1.405 ha von
den zuständigen unteren Landwirtschaftsbe-
hörden positiv beschieden (Tab. 2.5).
Tab. 2.5: Erteilte Genehmigungen (einschließlich Teilgenehmigungen) gemäß § 10
SächsWaldG
(ohne Anlage von Weihnachtsbaum- und Schmuckreisigkulturen)
Jahr
Anzahl Anträge Erstaufforstung
Genehmigte Erstaufforstungsfläche [ha]
2008
170
455
2009
141
269
2010
137
238
2011
169
242
2012
178
201
Summe
795
1.405
2.2 Waldeigentum
Die Anteile und Flächengrößen der verschie-
denen Eigentumsarten am sächsischen Wald
(Stand: 31.12.2012) sowie deren räumliche
Verteilung werden durch die Abb. 2.2 und 2.3
sowie durch Tab. 2.6 wiedergegeben.
Im Freistaat Sachsen ist der Anteil des Staats-
waldes (Landes- und Bundeswald) mit 45 %
höher als im Bundesdurchschnitt (30 % Lan-
deswald, 4 % Bundeswald), der Anteil des Kör-
perschafts- und Kirchenwaldes mit gut 10 %
Abb. 2.2: Anteile der Waldeigentumsarten in Sachsen (Stand 31.12.2012)
39 %
6 %
2 %
8 %
44 %
1 %
Landeswald
Bundeswald
Körperschaftswald
Kirchenwald
Privatwald
Wald der BVVG (Treuhand)

image
10 |
dagegen niedriger (Bundesdurchschnitt:
20 %). Der Privatwaldanteil in Höhe von 44 %
entspricht annähernd dem Bundesdurch-
schnitt (Abb. 2.2).
Die verschiedenen Waldeigentumsarten sind
in Sachsen regional sehr unterschiedlich ver-
teilt. Die größten zusammenhängenden Lan-
deswaldflächen befinden sich im Erzgebirge,
im Vogtland und in der Sächsischen Schweiz.
Das östliche Sachsen ist dagegen beinahe aus-
nahmslos durch Privat-, Körperschafts- und
Kirchenwald geprägt. Eine Besonderheit der
nordsächsischen Kieferngebiete sind die gro-
ßen, überwiegend bewaldeten Truppen-
übungsplätze der Bundeswehr, deren Wald
(Bundeswald) durch die regional zuständigen
Bundesforstbetriebe der Bundesanstalt für Im-
mobilienaufgaben bewirtschaftet wird.
Im Wesentlichen entspricht damit inzwischen
die Verteilung des Waldeigentums auf Staats-,
Körperschafts- und Privatwald annähernd den
Verhältnissen, wie sie sich in Sachsen seit Mit-
te des 19. Jahrhunderts entwickelt und bis
Ende des Jahres 1945 erhalten haben.
Abb. 2.3: Waldverteilung im Freistaat Sachsen nach Waldeigentumsarten
Tab. 2.6: Waldflächen in ha nach Eigentumsarten und Landkreisen und Kreisfreien Städten, in Klammern Anteil in Prozent
(Stand 31.12.2012)
Landkreis / Kreisfreie Stadt
Staatswald
Körperschafts- und Privatwald
Sonderstatus
Summe
Freistaat
Bund
Körperschaft
Kirche
Privat
BVVG
Stadt Chemnitz
1.824
(56,8)
26
(0,8)
808
(25,2)
6
(0,2)
544
(17,0)
0
(0,0)
3.208
(100)
Stadt Dresden
5.916
(77,6)
70
(0,9)
432
(5,7)
37
(0,5)
1.155
(15,1)
18
(0,2)
7.628
(100)
Stadt Leipzig
256
(11,3)
86
(3,8)
1.613
(71,2)
2
(0,1)
305
(13,4)
4
(0,2)
2.266
(100)
Erzgebirgskreis
55.207
(64,7)
2.510
(2,9)
8.080
(9,5)
866
(1,0)
17.981
(21,1)
716
(0,8)
85.360
(100)
Mittelsachsen
16.592
(48,3)
126
(0,4)
2.281
(6,6)
579
(1,7)
14.571
(42,4)
226
(0,6)
34.376
(100)
Vogtlandkreis
23.799
(41,8)
27
(0,0)
4.881
(8,6)
815
(1,4)
26.921
(47,3)
522
(0,9)
56.964
(100)
Zwickau
3.313
(19,8)
1.344
(8,0)
1.593
(9,5)
440
(2,6)
10.030
(60,0)
1
(0,0)
16.721
(100)
Bautzen
21.908
(24,8)
2.243
(2,5)
3.990
(4,6)
3.965
(4,5)
55.415
(62,8)
660
(0,8)
88.181
(100)
Görlitz
3.647
(4,6)
17.063
(21,6)
8.778
(11,1)
1.770
(2,2)
46.884
(59,3)
961
(1,2)
79.103
(100)
Meißen
5.139
(23,2)
1.367
(6,2)
531
(2,4)
295
(1,3)
14.736
(66,7)
36
(0,2)
22.104
(100)
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
40.325
(66,2)
124
(0,2)
3.229
(5,3)
488
(0,8)
16.243
(26,7)
499
(0,8)
60.908
(100)
Leipzig
7.716
(31,1)
119
(0,5)
1.510
(6,1)
319
(1,3)
14.531
(58,7)
563
(2,3)
24.758
(100)
Nordsachsen
17.720
(41,2)
6.354
(14,8)
3.190
(7,4)
794
(1,8)
14.443
(33,5)
549
(1,3)
43.050
(100)
Freistaat Sachsen
203.362
(38,8)
31.459
(6,0)
40.916
(7,8)
10.376
(2,0)
233.759
(44,5)
4.755
(0,9)
524.627
(100)
Administrative Gliederung
Staatsgrenze
Landesgrenze
Waldeigentumsarten
Landeswald
Körperschaftswald
Privatwald
Bundeswald
Wald der BVVG (Treuhand)
Kirchenwald

image
image
| 11
2.3 Baumarten, Altersstruktur, Holzvorrat, Holzzuwachs
3
2.3.1 Baumarten
Die Baumartenanteile in den sächsischen Wäl-
dern setzen sich, bezogen auf die gesamte
Holzbodenfläche (inkl. Lücken und Blößen), zu
je einem Drittel aus Fichte, einem Drittel aus
Kiefer und Lärche sowie einem Drittel aus
Laubbaumarten zusammen (Abb. 2.4). Fichte
und Kiefer haben in den sächsischen Wäldern
völlig unterschiedliche regionale Verteilungs-
muster. Die Fichte hat mit einer Gesamtfläche
von 166.000 ha (34,6 %) ihre regionalen
Schwerpunkte im Erzgebirge, im Erzgebirgsvor-
land und im Vogtland. In diesen Regionen do-
miniert sie und zeigt die typischen Waldbilder
des Altersklassenwaldes. Im Landeswald ist
Fichte die Hauptbaumart. Sie hat dort einen
höheren Anteil als in den Wäldern aller ande-
ren Eigentumsarten (Abb. 2.5). Die Kiefer hat
mit 144.000 ha bzw. einem Anteil von 30,0 %
dagegen einen anderen Verbreitungsschwer-
punkt. Sie ist die Baumart des Tieflandes im
Norden Sachsens und stockt überwiegend auf
den standörtlich benachteiligten Sandböden.
Bei den Laubbäumen prägen Arten mit niedri-
ger Lebensdauer, insbesondere Birke, Aspe,
Pappel und Eberesche, das Bild. Es handelt sich
um typische Sukzessions- und Rohbodenpio-
nierbaumarten, die einen Anteil von insgesamt
16,1 % an der Holzbodenfläche einnehmen.
Sie sind meist temporäre Mischbaumarten in
den Hauptbeständen. Weitere flächenmäßig
bedeutende Laubbaumarten sind die Eiche mit
7,4 % und die Buche mit 3,4 %. Während der
Eichenanteil im Privatwald etwas größer ist als
im Landeswald, ist dort der Buchenanteil grö-
ßer. Diese Unterschiede sind vor allem auf die
regionale Verteilung der Eigentumsarten und
die unterschiedlichen Standortansprüche der
Baumarten zurückzuführen.
Abb. 2.4: Baumartenanteile im Hauptbestand über alle Eigentumsarten bezogen auf den
Holzboden, inkl. Lücken und Blößen
(ALN = andere Laubbäume niedriger Lebensdauer wie Aspe, Birke, Eberesche, Pappel
ALH = andere Laubbäume hoher Lebensdauer wie Ahorn, Esche, Linde)
Abb. 2.5: Baumartenanteile im Hauptbestand nach Eigentumsarten bezogen auf den
Holzboden
(inkl. Lücken und Blößen)
Eiche
Buche
ALH
ALN
Fichte
Tanne
Douglasie
Kiefer
Lärche
Lücke
Blöße
7,4 %
3,4 %
3,0 %
16,1 %
34,6 %
30,0 %
0,2 %
3,4 %
1,2 %
0,7 %
Lücke
Blöße
0
20
30
40
50
60
70
80
90
Anteile in [%]
Bundes-
wald
Landes-
wald
Körper-
schaftswald
Privat-
wald
Wald der
BVVG
alle
Eiche
Buche
ALH
ALN
Fichte
Tanne
Douglasie
Kiefer
Lärche
100
10
3
Datengrundlage: Ergebnisse der zweiten Bundeswaldinventur (BWI²) Stichtag 01.10.2002, Auswertung im Berichtszeitraum.
Die Ergebnisse der Bundeswaldinventur (BWI³) Stichtag 01.10.2012 lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor.
Bild 2.2: Fichtenwald im Erzgebirge
Bild 2.3: Kiefernreinbestand im sächsischen Tiefland

12 |
Abb. 2.6: Baumartenflächen nach Altersklassen
(nur Hauptbestand; alle Eigentumsarten)
2.3.3 Holzvorrat und Holzzuwachs
4
Fläche in [ha]
Eiche
Buche
ALH
ALN
Fichte
Tanne
Douglasie
Kiefer
Lärche
0
10.000
20.000
30.000
40.000
50.000
60.000
70.000
80.000
90.000
100.000
110.000
120.000
1-20
21-40
41-60
61- 80
81-100
101-120
121-140
141-160
>160 [Jahre]
Die zweite Bundeswaldinventur (BWI²) von
2002 weist für die sächsischen Wälder einen
Gesamtholzvorrat von 126 Mio. m³ mit einem
durchschnittlichen Vorrat von 262 m³ pro
Hektar aus. Sachsens Wälder verfügen damit
über 3,7 % des Gesamtholzvorrates aller Bun-
desländer von 3,4 Mrd. m³ (320 m³/ha).
Der Holzvorrat im sächsischen Landeswald
nimmt aufgrund des Fichtenreichtums mit
etwa 52 Mio. m³ (41,3 %) einen überpropor-
tional hohen Anteil am Gesamtholzvorrat ein.
Der Privatwald einschließlich Restflächen der
Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH
(BVVG, „Treuhand“) hat einen Vorrat von ca.
56 Mio. m³ (44,4 %) Holz. Relativ geringe
Holzmengen stocken im Körperschaftswald
mit rund 13 Mio. m³ (10,3 %) sowie im Bun-
deswald mit etwa 5 Mio. m³ (4,0 %).
In Sachsens Wäldern wachsen jedes Jahr ca.
4,4 Mio. m³ Holz zu. Dieser hohe Zuwachs von
9,4 m³ pro Jahr und Hektar resultiert im We-
sentlichen aus dem hohen Anteil von Bestän-
den, die sich in einem jüngeren und damit zu-
wachsstarken Alter befinden. Vom Holzzuwachs
werden lediglich gut die Hälfte jährlich stoff-
lich oder energetisch genutzt. Die Zuwachsleis-
Holzvorrat in [m
3
]
Eiche
Buche
ALH
ALN
Fichte
Douglasie
Kiefer
5 Mio.
Lärche
52 Mio.
13 Mio.
42 Mio.
14 Mio.
0
5.000.000
10.000.000
15.000.000
20.000.000
25.000.000
30.000.000
35.000.000
40.000.000
45.000.000
50.000.000
55.000.000
BW
LW
KW
PW
BVVG
Abb. 2.7: Holzvorräte nach Waldbesitzarten und Baumarten
(BW = Bundeswald, LW = Landeswald, KW = Körperschaftswald, PW = Privatwald,
BVVG = Waldflächen der BVVG)
2.3.2 Altersstruktur
Aufgrund hoher Kriegs- und Nachkriegsnutzun-
gen, einer fast zwanzig Jahre dauernden Phase
industrieller Produktionsmethoden in der Forst-
wirtschaft der DDR sowie der ab den 1970er
Jahren eklatanten Waldschäden sind alte Wald-
bestände in Sachsen deutlich unterrepräsentiert
(Abb. 2.6). Deswegen sind weniger als 15 % der
Wälder älter als 100 Jahre, während der Schwer-
punkt bei den in der Nachkriegszeit wieder auf-
geforsteten Flächen der heutigen III. Altersklas-
se mit 109.896 Hektar (23 %) liegt. Die im
Vergleich zu den 21- bis 40- bzw. 41- bis
60-jährigen Beständen geringere Fläche der ers-
ten Altersklasse (1 bis 20 Jahre) kennzeichnet
eine waldbauliche Trendwende. Die heute zeit-
gemäßen Verjüngungsverfahren arbeiten über-
wiegend unter dem Schirm des Vorbestandes
und nutzen waldbaulich geeignete Naturverjün-
gungen oder Voranbauten. Dadurch besteht zu-
sätzlich zu der I. Altersklasse eine Verjüngungs-
schicht unter dem Hauptbestand, die in Abb. 2.6
nicht dargestellt wird.
4
Die Berechnungen beziehen sich auf die Holzbodenfläche. Der unbestockte Teil der Waldfläche wie Wege, Holzlagerplätze, Blößen etc. wird nicht berücksichtigt.
tungen der Hauptbaumarten in Sachsen und
Deutschland sind in Abb. 2.8 dargestellt.
Es ist zu erwarten, dass trotz der im Berichts-
zeitraum eingetretenen Kalamitäten, sowohl
der Holzvorrat, als auch der Holzzuwachs über
alle Eigentumsarten hinweg, angestiegen ist.
Genaueres wird die Auswertung der dritten
Bundeswaldinventur ergeben, die derzeit noch
nicht vorliegt.

| 13
Abb. 2.8: Laufender jährlicher Holzzuwachs pro Hektar von 2003 bis 2012 für Sachsen und die Bundesrepublik Deutschland
über alle Eigentumsarten
0,0
5,0
10,0
15,0
20,0
Alle Baumarten
Lärche
Douglasie
Kiefer
Fichte
Buche
Eiche
laufender Zuwachs [m³/a/ha]
25,0
Sachsen 2003 bis 2012
Bundesrepublik 2003 bis 2012
9,4
10,3
10,7
11,1
16,1
23,4
8,6
8,2
12,9
15,1
9,4
9,8
7,0
6,9

image
14 |

image
| 15
3 Sicherung der Nachhaltigkeit von Wald
und Forstwirtschaft
3.1 Gesetzliche Grundlagen der Waldbewirtschaftung
3.1.1 Sicherung einer gesetzeskonformen Wirtschaftsführung im Privatwald
Das Waldgesetz für den Freistaat Sachsen
(SächsWaldG) gibt jedem Waldbesitzer eine
Reihe von Grundpflichten für die Bewirtschaf-
tung seines Waldes vor. Ziel ist die Sicherung
einer nachhaltigen, pfleglichen und planmä-
ßigen Waldbewirtschaftung, die nach aner-
kannten forstlichen Grundsätzen erfolgt, so-
dass der Wald seine Funktionen stetig und auf
Dauer erfüllen kann.
Zur pfleglichen Bewirtschaftung gehört unter
anderem, Waldbestand und Waldboden zu er-
halten oder zu verbessern, die dazu notwen-
digen forstlichen Maßnahmen rechtzeitig und
sachgemäß durchzuführen, Schäden vorzu-
beugen, Schädlinge rechtzeitig und ausrei-
chend zu bekämpfen sowie den Wald im not-
wendigen Umfang mit Wegen zu erschließen.
Dabei soll in der Regel ohne Kahlhiebe gear-
beitet werden. Zudem sind bei der Waldbe-
wirtschaftung ökologische Grundsätze zu be-
achten. So sollen zum Beispiel ökologisch
stabile Wälder mit einem hinreichenden Anteil
standortheimischer Baumarten sowie natur-
nahe und natürliche Biotope erhalten oder ge-
schaffen werden. Ebenso sind die Wildbestän-
de auf eine ökologisch begründete Höhe zu
begrenzen, welche eine natürliche Waldver-
jüngung ermöglicht.
Im Rahmen dieser rechtlichen Vorgaben legt
jeder private Waldbesitzer die Ziele für die
Bewirtschaftung seines Waldeigentums ei-
genständig fest. Genauso entscheidet er
selbstverantwortlich über deren Umsetzung,
beispielsweise die Art und Weise der Durch-
führung von forstlichen Maßnahmen. Um die
Waldbesitzer, insbesondere im überwiegend
durch strukturell bedingte Bewirtschaftungs-
erschwernisse charakterisierten Kleinprivat-
wald, bei der Bewirtschaftung zu unterstützen,
formuliert das SächsWaldG verschiedene Ins-
trumente. Dazu gehören die Beratung, die
Aus- und Fortbildung, die Betreuung, die
Forstförderung (Kap. 5) und die technische
Hilfe. Mit den Revierleitern des Staatsbetriebes
Sachsenforst stehen den Waldbesitzern dazu
fachkundige Ansprechpartner auf der Fläche
zur Verfügung.
3.1.2 Vorbildliche Bewirtschaftung des Staats- und Körperschaftswaldes
Der Staatswald besitzt eine besondere Allge-
meinwohlverpflichtung. An den damit verbun-
denen Zielsetzungen soll sich der Körper-
schaftswald unter Beachtung der besonderen
Zweckbestimmung des Körperschaftsvermö-
gens, seiner Eigenart und der Eigentümerinte-
ressen orientieren. Der öffentliche Wald ist
vorbildlich zu bewirtschaften, sodass die
höchstmögliche Menge wertvollen Holzes bei
gleichzeitiger Sicherung der Schutz- und Er-
holungsfunktionen des Waldes geliefert wird.
Um dieses Ziel zu erfüllen, wird im Staatswald
des Freistaates Sachsen das integrative Konzept
der multifunktionalen Waldbewirtschaftung
angewendet. Es ist besonders gut geeignet, die
divergierenden gesellschaftlichen Ansprüche an
den Wald miteinander in Einklang zu bringen
und damit den erforderlichen Interessenaus-
gleich herbeizuführen. Das schließt keinesfalls
aus, dass in begrenztem Umfang lokal einzelne
Funktionen Vorrang genießen. Beispiele dafür
sind Ge- und Verbote in Naturschutzgebieten,
Vorgaben in Wasserschutzgebieten oder Be-
wirtschaftungseinschränkungen durch Skiloi-
pen (Kap. 6 und 10.2).
Ein wesentliches Instrument der Bewirtschaf-
tung des Staats- und Körperschaftswaldes sind
periodische Betriebspläne, deren Aufstellung für
diese Eigentumsarten gesetzlich vorgeschrieben
ist und durch den Staatsbetrieb Sachsenforst
erfolgt. Neben einer bestandesweisen waldbau-
lichen Einzelplanung werden dabei auch die Er-
gebnisse der Waldfunktionen-, Waldbiotop-
und Standortkartierung sowie bestehende
Rechtsnormen berücksichtigt und in die Pla-
nungen integriert (Kap. 3.2, 5.2.2, 6.2 bzw. 10.2).
Bild 3.1: Periodische Betriebsplanung
(Forsteinrichtung) im Körperschaftswald

image
16 |
3.2 Waldfunktionen-, Waldbiotop- und Standortkartierung
3.2.1 Waldfunktionenkartierung
Der Wald in Sachsen erbringt vielfältige Leis-
tungen für die Gesellschaft. So schützt er un-
ter anderem den Boden vor Erosion, liefert
sauberes Wasser, bietet größtmöglichen
Schutz gegen Oberflächenwasserabfluss von
Starkniederschlägen und wirkt somit der Ent-
stehung von Hochwasser entgegen. Wald ist
nicht nur Lebensraum für Tiere und Pflanzen
sondern prägt das Landschaftsbild und bietet
dabei vielfältige Erholungsmöglichkeiten in
der freien Natur. Gleichzeitig dient er der Er-
zeugung des nachwachsenden, umweltfreund-
lichen Rohstoffes Holz und ist Arbeitsplatz
und Einkommensquelle im ländlichen Raum.
Nahezu jede Waldfläche erfüllt demzufolge
zur gleichen Zeit und auf gleicher Fläche
Nutz-, Schutz-, Erholungs- und Sozialfunk-
tionen in jeweils unterschiedlichem Maße. Die
Nachhaltigkeit aller Funktionen des Waldes,
d. h. das Bereitstellen des gesamten Leistungs-
spektrums des Waldes in mindestens gleicher
Qualität und Quantität für die nachfolgenden
Generationen, wird am besten durch eine mul-
tifunktionale, naturnahe Waldbewirtschaftung
gewährleistet. Der fortdauernde Wandel in
Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Umwelt usw.
führt zu stetig steigenden Ansprüchen der
Menschen an die Schutz- und Erholungsleis-
tung von Wald und Forstwirtschaft.
Das SächsWaldG betrachtet gemäß § 1 alle
Waldfunktionen als gleichrangig. Die Wald-
funktionenkartierung erfasst und dokumentiert
als reine Zustandsinventur flächendeckend und
eigentumsübergreifend die besonderen, über
das normale Maß hinausgehenden Schutz-
und Erholungsfunktionen des Waldes.
Die Waldfunktionenkartierung wird auf Grund-
lage von § 6a SächsWaldG vom Staatsbetrieb
Bild 3.2: Erholungsfunktion des Waldes
Sachsenforst in enger Zusammenarbeit mit an-
deren Fachverwaltungen, den Landkreisen und
Kreisfreien Städten, Waldbesitzern und wissen-
schaftlichen Institutionen durchgeführt. Sie
wird kontinuierlich fortgeschrieben. Ihre Ergeb-
nisse liegen in Form von Waldfunktionenkarten
und Ergebnisberichten analog wie digital vor.
Sie werden vom Staatsbetrieb Sachsenforst al-
len interessierten Planungsträgern, Waldbesit-
zern und Bürgern zur Verfügung gestellt.
Die Träger öffentlicher Vorhaben haben bei
Planungen und Maßnahmen, die eine Inan-
spruchnahme von Wald vorsehen oder die in
ihren Auswirkungen Waldflächen betreffen
können, die Funktionen des Waldes angemes-
sen zu berücksichtigen. Die Ergebnisse der
Waldfunktionenkartierung gehen in andere
Fachplanungen ein. Die Waldfunktionenkarte
visualisiert die vorhandenen besonderen
Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes
und soll damit die Waldbesitzer und Vorha-
bensträger in die Lage versetzen, den oben ge-
nannten gesetzlichen Verpflichtungen durch
entsprechende Beachtung der Waldfunktionen
nachzukommen. Gleichzeitig ist die Waldfunk-
tionenkartierung Basis für ein langfristiges
Monitoring. Sie wird bei der Forstbetriebspla-
nung und bei forstbetrieblichen Maßnahmen
berücksichtigt.
Die wichtigsten Resultate der Kartierung ge-
hen aus Tab. 3.1 hervor.
Insgesamt wurden 1.344.759 ha Wald mit –
sich teilweise überlagernden – besonderen
Schutz- und Erholungsfunktionen erfasst. Das
sind knapp 260 % der Waldfläche Sachsens und
bedeutet, dass jeder Hektar Wald im Durch-
Tab. 3.1: Flächen und Flächenanteile von Wäldern mit besonderen Schutz- und Erholungsfunktionen in Sachsen
(Stand 01.05.2011)
Funktionenbereich
Funktionen (Beispiele)
Fläche
[ha]
Anteil
[%]
Boden
Schutzwald kraft SächsWaldG, Boden-, Anlagen-, Straßenschutz
52.269
10,0
Wasser
Wasserschutzgebiete, Wasserschutz, Schutz vor Hochwasser
216.028
41,2
Luft
Klima-, Lärm-, Immissionsschutz
81.883
15,6
Natur
Schutzgebiete nach Naturschutzrecht, geschützte und sonstige wertvolle Biotope, Naturwaldzellen, Generhaltung
378.466
72,1
Landschaft
Landschaftsschutzgebiete, landschaftsbildprägende Wälder
267.158
50,9
Kultur
Biosphärenreservat, Kulturdenkmale, Denkmalschutz
24.240
4,6
Erholung
Naturparke, Wälder mit besonderer Erholungsfunktion
324.715
61,9
Summe
1.344.759
256,3

image
| 17
schnitt 2,6 besondere Waldfunktionen erfüllt.
Die Ergebnisse der Waldfunktionenkartierung
belegen nachdrücklich, welche landeskulturel-
3.2.2 Waldbiotopkartierung
Im Berichtszeitraum wurde die Waldbiotopkar-
tierung in einem zweiten Durchgang (2006 bis
2012) für den öffentlichen Wald, d. h. für den
sächsischen Landes- und Körperschaftswald,
aktualisiert (Kap. 6.1.2). Ziel war es, zu prüfen,
ob und wie sich die Waldbiotope seit dem ers-
ten Kartierdurchgang von 1994 bis 2000 ent-
wickelt haben. Darüber hinaus wurden zusätz-
lich Waldlebensraumtypen gemäß der FFH-
Richtlinie als Waldbiotope erfasst und bewer-
tet. So wurden auch jüngere Wälder der jewei-
ligen Waldgesellschaft als naturschutzfachlich
wertvolle Waldbiotope beschrieben. Das vor-
malige Aufnahmekriterium „älter als die halbe
Umtriebszeit“ war somit aufgehoben. Diese
Änderung der Methode war nötig, um den Be-
richtspflichten gemäß FFH-Richtlinie nachzu-
kommen. So wird gleichzeitig eine zusätzliche,
eigenständige und wesentlich kostenintensi-
vere, landesweite Kartierung unnötig.
Im Privatwald ist der zweite Kartierdurchgang
noch nicht abgeschlossen. Aus diesem Grund
liegen zum Ende des Berichtszeitraums noch
keine aktualisierten Biotopdaten für den ge-
samten sächsischen Wald vor. Als wichtiges
Zwischenergebnis für den Landeswald lässt
sich aber festhalten, dass die Gesamtflächen
vor allem der Buchen-, Eichen- und Fichten-
waldgesellschaften zugenommen haben. Bei
der Interpretation der Daten sind die geänder-
ten Aufnahmekriterien zu beachten (Tab. 3.2).
Tab. 3.2: Zwischenergebnisse der zweiten Waldbiotopkartierung für den Landeswald
Natürliche Waldgesell-
schaften
(führende
Hauptbaumart)
Erstkartierung
1994 bis 2000
[ha]
Zweitkartierung
2006 bis 2012
[ha]
Hauptursache
(geänderte Aufnahmekriterien)
Buche
4.896
7.786
Aufnahme jüngerer Wälder
Eiche
1.480
1.992
Aufnahme jüngerer Wälder
Fichte
137
9.254
Aufnahme einer kompletten
zusätzlichen Waldgesellschaft
(Montane Fichtenwälder, FFH-
Lebensraumtyp 9410)
le, ökologische und soziale Relevanz der Wald
für die Gesellschaft hat. Der volkswirtschaft-
liche Wert der Schutz- und Erholungsfunktio-
nen des Waldes ist immens, aber im Gegensatz
zur Nutzfunktion monetär nicht oder nur
schwierig quantifizierbar.
Bild 3.3: Waldbiotopkartierung im Zittauer Gebirge
3.2.3 Standortkartierung
Standortgerechte Waldbewirtschaftung ge-
mäß SächsWaldG bedeutet, sich bei allen
forstlichen Handlungsweisen an die häufig
kleinräumig wechselnden, aber immer zusam-
menwirkenden Faktoren Boden, Klima und Re-
lief anzupassen. Sie ist zudem auf die Erhal-
tung und Verbesserung der Waldböden und
ihrer Produktionskraft ausgerichtet. Standort-
gerechte Waldbestände haben nicht nur öko-
logische, sondern auch ökonomische Vorteile,
insbesondere da sie deutlich stabiler gegen-
über Schadereignissen (Sturm, Schädlinge
usw.) sind. Sie sind der beste Garant dafür,
dass ihre vielfältigen Funktionen nachhaltig
und stetig erfüllt werden.
Wichtige Voraussetzung für die standortge-
rechte Waldbewirtschaftung ist unter anderem
die Standortkartierung. Sie liefert Informatio-
nen über die natürlichen Wuchsbedingungen
und ist Grundlage für wichtige waldbauliche
Entscheidungen wie Baumartenwahl oder Ver-
jüngungsart. Für nahezu den gesamten säch-
sischen Wald liegen über 900 analoge, nach
einem einheitlichen Verfahren erstellte Kar-
tenblätter, digitale Standortkarten sowie die
zugehörigen Erläuterungsberichte vor. Die
Fortschreibung und Ergänzung der Standort-
kartierung im Wald aller Eigentumsarten er-
folgt durch den Staatsbetrieb Sachsenforst. Im
Berichtszeitraum wurde eine Waldfläche von
2.090 ha standortkundlich bearbeitet.
Die Beachtung klimatischer Veränderungen ist
in der Forstwirtschaft von entscheidender Be-
deutung, da insbesondere mit der Baumarten-
wahl fast immer über Ereignisräume von weit
mehr als einem Jahrhundert entschieden wird.
Unter Beibehaltung des bewährten vegetati-
onsökologischen Ansatzes wurde dementspre-
chend durch den Staatsbetrieb Sachsenforst
eine neue, dynamisch anwendbare Klimaglie-
derung entwickelt.
Hierbei sind die Vegetationszeitlänge und die
klimatische Wasserbilanz – letzte entspricht
der Differenz aus Niederschlag und potenziel-
ler Verdunstung während der Vegetationszeit
– die pflanzenphysiologisch wirksamen Haupt-
bezugsgrößen.

image
image
18 |
Vegetationszeitlänge
[Tage / Jahr]
subme­
diterran
> 190
VII
trocken & submediterran
sommer­
warm
165 –190
VI
trocken &
sommerwarm bis mäßig kühl
V
mäßig trocken bis
mäßig frisch &
sommerwarm bis mäßig kühl
mäßig
warm
140 –165
III
sehr frisch bis feucht
& mäßig warm
mäßig
kühl
1 10 –140
IV
mäßig frisch
& mäßig kühl
II
sehr frisch bis feucht
& mäßig kühl
winter­
kalt
80 –1 10
I
sehr frisch bis feucht
& winterkalt
­40 ... ­ 25
­25 ... ­ 12,5
­12,5 ... 0
0 ... 12,5
12,5 ... 50
extrem som­
mertrocken
stark som­
mertrocken
mäßig trocken
mäßig frisch
sehr frisch
feucht
Klimatische Wasserbilanz
[mm/ Vegetationszeitmonat]
Abb. 3.1: Dynamische Klimagliederung für Sachsen (Kartendarstellung auf Basis der
Reihe 1971-2000)
3.3 Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft
Seit 300 Jahren gehört nachhaltige Forstwirt-
schaft zum Grundverständnis forstlichen Han-
delns. Der Begriff nachhaltige Forstwirtschaft
hat sich in diesem Zeitraum weiterentwickelt
und die Anforderungen sind komplexer gewor-
den. Mit der Zertifizierung nachhaltiger Be-
wirtschaftung soll unter anderem sichergestellt
werden, dass alle Nutz-, Schutz- und Erho-
lungsfunktionen eines Waldes nachfolgenden
Generationen mindestens in gleichem Maß wie
heute zur Verfügung stehen. Nachhaltige
Waldbewirtschaftung wurde auf der Minister-
konferenz 1993 zum Schutz der Wälder in Eu-
ropa allumfassend definiert und orientiert sich
an den dort beschlossenen Kriterien:
1. Erhaltung und angemessene Verbesserung
der forstlichen Ressourcen und ihres Beitra-
ges zu globalen Kohlenstoffkreisläufen.
2. Erhaltung der Gesundheit und Vitalität von
Forstökosystemen.
3. Erhaltung und Förderung der Produktions-
funktion der Wälder (Holz- und Nichtholz-
produkte).
4. Bewahrung, Erhaltung und angemessene
Verbesserung der biologischen Vielfalt in
Waldökosystemen.
5. Erhaltung und angemessene Verbesserung
der Schutzfunktionen bei der Waldbewirt-
schaftung (vor allem Boden und Wasser).
6. Erhaltung sonstiger sozioökonomischer
Funktionen und Bedingungen.
Bild 3.4: Bodenprofil eines Schiefer-Braunerde-Podsols
Die durch den Klimawandel bedingten Stand-
ortänderungen (Temperaturerhöhung, gerin-
gere und ungleichmäßig verteilte Niederschlä-
ge mit der Konsequenz vermindert nutzbarer
Wasserdargebote) erfordern eine Anpassung
des waldbaulichen Handelns an die veränder-
ten Umweltbedingungen. Von besonderer Be-
deutung sind hierbei Kenntnisse über das
Wasserspeichervermögen der Waldböden. Des-
halb bilden Untersuchungen der hydrologi-
schen Eigenschaften forstlicher Standorte und
die Entwicklung einer aus der Standortkartie-
rung abgeleiteten Substratfeuchtekarte einen
neuen Arbeitsschwerpunkt der Standortkartie-
rung.

image
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| 19
Ein Waldbesitzer garantiert durch eine nach-
haltige Bewirtschaftung seines Waldes, dass
diese Kriterien eingehalten werden.
Mit der Zertifizierung nachhaltiger Forstwirt-
schaft durch unabhängige Organisationen
wird die Einhaltung nachhaltiger Bewirtschaf-
tungsstandards überprüft. Um ein Zertifikat zu
erhalten, muss sich der Waldbesitzer freiwillig
zur Einhaltung der vorgegebenen ökologi-
schen, ökonomischen und sozialen Standards
in der Waldbewirtschaftung verpflichten. Zer-
tifizierung beschränkt sich nicht nur auf die
reine Waldbewirtschaftung. Dem steigenden
Umweltbewusstsein der Verbraucher von Holz-
produkten wird Rechnung getragen, indem die
gesamte Produktions- und Lieferkette vom
Waldbesitzer über Sägewerke, die holzverar-
beitende Industrie bis zum Endverbraucher
zertifiziert wird. Für die Verarbeiter von Holz
dient das Zertifikat auch als Nachweis für eine
legale Holznutzung und damit zur betriebli-
chen Risikominimierung. In Deutschland gibt
es verschiedene Zertifizierungssysteme. Flä-
chenmäßig am bedeutsamsten sind:
PEFC
Programme for the Endorsement of
Forest Certification Schemes
FSC
Forest Stewardship Council
Gegenwärtig sind mit 291.162 ha ca. 56 % der
Gesamtwaldfläche Sachsens nach PEFC zerti-
fiziert. FSC spielt mit einem geschätzten Anteil
von ca. 1 % nur eine untergeordnete Rolle im
Freistaat Sachsen. Für die Betreuung der säch-
sischen PEFC-Mitglieder ist die Regionale
PEFC-Arbeitsgruppe Sachsen e. V. verantwort-
lich. Die nach PEFC zertifizierte Waldfläche
verteilt sich auf die Waldbesitzarten wie in
Tab. 3.3 dargestellt.
Bild 3.5: PEFC-Audit in der Holzernte
Bild 3.6:
Information zu PEFC-Standards bei der nachhaltigen
Waldbewirtschaftung
(z. B. biologisch abbaubare Treib- und Schmierstoffe)
Tab. 3.3: Nach PEFC zertifizierte Waldflä-
che im Freistaat Sachsen
(Stand 31.12.2012)
Besitzart
Waldfläche
[ha]
Landes- und Bundeswald
230.996
Privatwald
26.776
Forstliche Zusammenschlüsse
28.974
Körperschaftswald
4.416
Summe
291.162
PEFC überprüft die Einhaltung der Zertifizie-
rungsstandards mit einer jährlich durchge-
führten Kontrollstichprobe durch einen un-
abhängigen Gutachter. 2012 wurde diese
Stichprobe auf ca. 21 % der Waldfläche in al-
len Eigentumsformen durchgeführt. Im
Staatsbetrieb Sachsenforst wurden im Be-
richtszeitraum jährlich ca. 30.000 ha Landes-
wald einbezogen. Im Auditjahr 2012 gab es
dabei keinerlei Abweichungen von den PEFC
Standards.
Am 20. Juni 2011 wurde nach Begutachtung
des regionalen Waldberichts das PEFC-Zertifi-
kat für die Region Sachsen erneuert und gilt
nun bis 2016. Damit besteht für jeden sächsi-
schen Waldbesitzer weiterhin die Möglichkeit,
sich mit seiner Waldfläche an dem Prozess der
freiwilligen PEFC-Zertifizierung zu beteiligen
und dem Verbraucher Holz aus zertifizierter
nachhaltiger Waldbewirtschaftung anzubieten.

image
20 |

image
| 21
4 Stand und Entwicklung der Forstwirtschaft
4.1 Holzabsatz
Der nachwachsende Rohstoff Holz ist mit wei-
tem Abstand das wirtschaftlich relevanteste
vermarktungsfähige Produkt der Forstbetriebe
im Freistaat Sachsen. Da keine umfassende
Statistik über den Holzverkauf aller Forstbe-
triebe im Freistaat Sachsen existiert, können
Rückschlüsse zum Holzabsatz nur auf der Ba-
sis der über den Staatsbetrieb Sachsenforst
vermarkteten Holzmengen erfolgen. Die da-
raus ableitbaren Ergebnisse zu Absatzstruktur
Nadelholzsägewerk; Kapazität >200.000 m
3
(fm)/ a
Nadelholzsägewerk; Kapazität ca. 10.000 m
3
(fm)/ a
Nadelholzsägewerk; Kapazität ca. 5.000 m
3
(fm)/ a
Laubholzsägewerk; Kapazität ca. 20.000 m
3
(fm)/ a
Holzwerkstoffindustrie
Autobahn
Bahnstrecke zweigleisig
Bahnstrecke eingleisig
Abb. 4.1: Ausgewählte Betriebe der holzverarbeitenden Industrie in Sachsen
und Entwicklung im Berichtszeitraum sind
trotz der eingeschränkten Datengrundlage all-
gemein gültig.
Ein maßgeblicher Einflussfaktor auf die Ent-
wicklung des Holzabsatzes im Berichtszeit-
raum ist die Verarbeitungskapazität der Säge-
und Holzindustrie. Auch wenn sich bei der
Sägeindustrie der Aufbau von Einschnittkapa-
zitäten in Sachsen gegenüber dem vorherigen
Berichtszeitraum deutlich abgeschwächt hat,
stehen mit einer potenziellen Verarbeitungs-
kapazität von ca. 2 Mio. m
3
und unter Beach-
tung des Einschnittvolumens in benachbarten
Regionen (Bayern, Thüringen, Brandenburg)
genügend Möglichkeiten für eine effektive
Verwertung des anfallenden Sägerohholzes zur
Verfügung (Abb. 4.1). Strukturell ist die Säge-
industrie in Sachsen durch die großindustriel-
len Sägewerke im ostsächsischen Kodersdorf
Dresden
Chemnitz
Leipzig

image
22 |
sowie im nordsächsischen Torgau geprägt. Ne-
ben diesen existieren zahlreiche kleinere Säge-
werke, die trotz geringerer Betriebsgrößen eine
erwerbswirtschaftliche Funktion im strukturell
vergleichsweise schwächeren ländlichen Raum
erfüllen und eine wichtige Bereicherung der
Verarbeitungsstruktur darstellen. Entsprechend
dem Holzartenaufkommen dominieren tradi-
tionell nadelholzverarbeitende Sägebetriebe.
Laubholzsägewerke von überregionaler Bedeu-
tung gibt es im Erzgebirge in Pockau sowie
Deutscheinsiedel. Die Holzwerkstoffindustrie
Aufgrund der das Holzaufkommen in Deutsch-
land überschreitenden Verarbeitungskapazität
für Rohholz bestand während des gesamten
Berichtszeitraums eine hohe bis sehr hohe
Nachfrage nach Waldholz. Die Auswirkungen
von Schadereignissen auf den Holzmarkt wa-
ren, abgesehen vom Jahr 2008, grundsätzlich
gering. Diese hohe Nachfrage führte insbeson-
dere ab 2010 zu einem für Sachsen seit 1990
einmalig hohen Preisniveau für die wichtigs-
ten Waldholzsortimente (s. Abb. 4.2). Lediglich
zu Beginn des Berichtszeitraums mussten die
Forstbetriebe geringe Preisabschläge in Kauf
nehmen – Ursache dafür waren vermutlich
vorhandene Restlagerbestände aus Schadholz-
mengen des Jahres 2007 (Sturm „Kyrill“). Auch
die weltweite Wirtschaftskrise führte im Zeit-
raum von 2008 bis Anfang 2010 zu einem
temporären Druck auf die Holzmärkte und da-
mit auch auf die Verkaufspreise von Waldholz.
Maßgeblich war dabei der Zusammenbruch
des US-amerikanischen Immobilienmarktes im
Jahr 2008, was insbesondere in der exportab-
hängigen Sägegroßindustrie zu Absatzschwie-
rigkeiten bei den Schnittholzprodukten und
infolgedessen zu Preisrückgängen beim Roh-
holz führte. Die gesamtwirtschaftliche Ent-
wicklung in Deutschland sowie die Folgen
konjunkturpolitischer Maßnahmen („Konjunk-
turpaket II“) bewirkten jedoch eine zeitnahe
Stabilisierung des Holzmarktes. Spätestens seit
Ende 2010 war insbesondere auf dem Säge-
rohholzmarkt ein signifikanter und bislang
kontinuierlicher Preisanstieg zu beobachten.
Durch den Staatsbetrieb Sachsenforst wurden
jährlich ca. 1,0 bis 1,2 Mio. m
3
Waldrohholz
vermarktet, davon ca. 10 % aus dem Privat-
und Körperschaftswald. Eine Studie der TU
Dresden im Auftrag des SMUL kam im Jahr
2008 auf der Basis einer Waldbesitzerbefra-
gung zu dem Ergebnis, dass im Privatwald
jährlich insgesamt ca. 1 Mio. m
3
Holz einge-
schlagen werden. Im Kleinprivatwald wird der
überwiegende Teil des Holzes als Brennholz
selbst genutzt. In Betrieben unter 10 ha liegt
der Eigenverbrauch an Brennholz über 75 %
des Einschlags, unter 5 ha Besitzgröße sogar
über 80 %. Allein in Kleinfeuerungsanlagen
werden rund 250.000 m
3
Holz verfeuert. Im
Großprivatwald fallen hingegen jährlich so
große Holzmengen an, dass der Eigenbedarf
nur einen unbedeutenden Anteil ausmacht
und das Holz verkauft wird. Insgesamt ist da-
von auszugehen, dass in Sachsen jährlich
schätzungsweise 2 Mio. m³ Rohholz einge-
schlagen werden, also etwa die Hälfte des
jährlichen Zuwachses.
Abb. 4.2: Entwicklung der durchschnittlichen Preise ausgewählter Holzsortimente
(L = Langholz; LAS = Langholzabschnitte; IS = Industrieholz kurz)
2007
2008
2009
2010
2012
L Fichte
LAS Fichte
LAS Kiefer
IS
100,00
90,00
80,00
70,00
60,00
50,00
40,00
30,00
20,00
10,00
0,00
[Euro]
2011
in Sachsen konzentriert sich auf ein Werk im
nordsächsischen Lampertswalde, welches
„Mitteldichte Faserplatten“ (MDF) produziert.
Dieses Werk hat eine jährliche Verarbeitungs-
kapazität von ca. 1 Mio. m
3
(fm) Waldholz und
Sägerestholz. Zur energetischen Nutzung von
Holz existieren in Sachsen mehrere Pelletwer-
ke. Neben dieser gewerblichen energetischen
Nutzung wird Waldholz auch direkt von den
Waldbesitzern selbst genutzt bzw. von diesen
als Brennholz an zahlreiche Privathaushalte
veräußert.
Bild 4.1: Rundholzlagerplatz in einem großindustriellen Sägewerk

image
| 23
Wirtschaftliche Bedingungen im Privat-
und Körperschaftswald
Nach der endgültigen Privatisierung der rest-
lichen Waldflächen der BVVG wird fast die
Hälfte des sächsischen Waldes in Privateigen-
tum sein. Gegenwärtig besitzen die insgesamt
etwa 85.000 privaten und körperschaftlichen
Waldbesitzer rund 285.000 ha Wald. Allerdings
besitzen mehr als 90 % der privaten und ca.
44 % der körperschaftlichen Waldbesitzer we-
niger als 5 ha Wald, die dazu häufig noch auf
mehrere Flurstücke verteilt sind. Kleine Eigen-
tumseinheiten erschweren in der Regel eine
ordnungsgemäße Bewirtschaftung, insbeson-
dere weil sie oft unzureichend mit Wegeinfra-
struktur erschlossen sind. Hinzu kommt, dass
den Waldbesitzern häufig die notwendigen
forstlichen Kenntnisse und Fähigkeiten für
eine effektive Waldbewirtschaftung fehlen.
Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse
Zur Überwindung dieser und weiterer Bewirt-
schaftungsnachteile insbesondere im kleine-
ren und kleinen Privatwald stehen verschie-
dene Instrumente zur Verfügung. Neben
Beratung, Betreuung und forstlicher Förde-
rung (Kap. 5) sind das die Bildung von forst-
wirtschaftlichen Zusammenschlüssen nach
dem Bundeswaldgesetz (z. B. anerkannte Forst-
betriebsgemeinschaften) und von temporären
Nutzungsgemeinschaften. Sie sollen als Selbst-
hilfeeinrichtungen helfen, strukturelle Nach-
teile, z. B. durch Bündelung von Waldpflegear-
beiten oder durch gemeinsamen Holzverkauf,
zu überwinden. In Sachsen liegt der Organisa-
tionsgrad der Waldbesitzer in forstwirtschaft-
lichen Zusammenschlüssen mit bisher ca. 16 %
der Fläche des Privat- und Körperschaftswal-
des deutlich unter dem Bundesdurchschnitt
von knapp der Hälfte.
Zwischen 2008 und 2012 blieb die Mitglieds-
fläche der Forstbetriebsgemeinschaften mit
rund 47.000 ha konstant, ihre Zahl verringerte
sich geringfügig auf 28. Insgesamt haben sich
in forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen
etwa 2.000 private und körperschaftliche
Waldbesitzer zusammengeschlossen. Erfreulich
ist die weitere Professionalisierung sächsischer
Forstbetriebsgemeinschaften. So konnte der
Holzverkauf durch die Forstbe triebs gemein-
schaften von 2008 bis 2011 von 158.000 Fest-
meter auf 214.000 Festmeter gesteigert wer-
den. Zudem haben sich mittlerweile neun
Forstbetriebsgemeinschaften zur Forstwirt-
schaftlichen Vereinigung Sachsen w. V. zusam-
mengeschlossen. Demgegenüber partizipieren
insbesondere die Besitzer kleiner Waldflächen
Betriebsgrößenklasse
Privatwald
Körperschaftswald
Anzahl [%]
Fläche [%]
Anzahl [%]
Fläche [%]
0 bis 1 ha
54,7
6,3
11,5
0,1
1 bis 5 ha
35,6
24,6
30,6
1,5
5 bis 10 ha
6,3
12,6
16,0
2,2
10 bis 20 ha
2,1
9,1
15,0
3,9
20 bis 50 ha
0,7
6,7
13,7
8,0
50 bis 100 ha
0,2
4,3
4,8
6,5
100 bis 200 ha
0,2
8,4
3,8
10,2
200 bis 500 ha
0,1
12,8
2,3
13,4
500 bis 1.000 ha
0,1
9,4
1,1
13,4
über 1.000 ha
0,0
5,8
1,2
40,8
Summe
100,0
100,0
100,0
100,0
Tab. 4.1: Betriebsgrößenklassen im Privat- und Körperschaftswald
noch nicht im gewünschten Maße vom Instru-
ment der forstwirtschaftlichen Zusammen-
schlüsse.
Säge- und Wertholzsubmission
Alljährlich organisiert der Staatsbetrieb Sach-
senforst in der Dresdner Heide die Säge- und
Wertholzsubmission. Dabei werden wertvolle
Laub- und zunehmend auch Nadelhölzer auf
einem Lagerplatz zur Besichtigung ausgelegt.
In- und ausländische Kunden begutachten das
Holz und geben bis zu einem Stichtag in einem
geschlossenen Umschlag Gebote ab. Das
höchste Gebot erhält den Zuschlag. Zum Bei-
spiel wurden im Januar 2012 auf der 13. Ver-
4.2 Wettbewerbsfähigkeit der Forstwirtschaft
Bild 4.2: Exkursion mit Waldbesitzern und der Waldgemeinschaft Zschepa zu Verfahren bei der Pflege von
Waldbeständen
anstaltung dieser Art 1.101 hochwertige Stäm-
me (1.370 m
3
Holz von 23 Baumarten) aus
nachhaltiger Forstwirtschaft angeboten.
80 Prozent des Holzes stammte von über 100
sächsischen privaten und körperschaftlichen
Waldbesitzern sowie ein kleiner Teil (50 m
3
) von
tschechischen Waldbesitzern. Die Abnehmer
reichen dabei von Orgelbauern und Handwer-
kern aus der Region bis zu großen Furnierher-
stellern. Insgesamt erbrachte das Meistgebots-
verfahren 2012 einen Gesamterlös von rund
365.000 EUR, wobei ein sogenannter „Riegel-
ahorn" eines Lausitzer Privatwaldbesitzers den
höchsten Preis erzielte. Die Säge- und Wert-
holzsubmission ist gerade für private und kör-

image
24 |
6
22
-
40
13
-7
20
-28
25
33
39
-16
93
57
68
194
245
22
37
27
94
- 75
- 50
- 25
0
25
50
75
100
125
150
175
200
225
250
275
Reinertrag I (ohne Förderung)
im Privat- und Kirchenwald
Reinertrag II (mit Förderung)
im Privat- und Kirchenwald
im Körperschaftswald
2008
2009
2010
2011
Mittel 2008 - 2011
[EUR/ha Holzbodenfläche]
Reinertrag II (mit Förderung)
im Körperschaftswald
Reinertrag I (ohne Förderung)
perschaftliche Waldbesitzer eine günstige
Möglichkeit, qualitativ hochwertige Hölzer op-
timal zu vermarkten.
Testbetriebsnetz Forstwirtschaft
Im Testbetriebsnetz des Bundesministeriums für
Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucher-
schutz werden jährlich aktuelle Informationen
zur wirtschaftlichen Lage der Forstwirtschaft
bereitgestellt. Dazu werden Buchfüh rungsab-
Reinertragentwicklung im Privat- und Körperschaftswald (ab 200 ha)
Abb. 4.3: Auswertung der Testbetriebsnetzdaten 2008 bis 2011 im Privat- und Körperschaftswald
Bild 4.3: Auswertung der Säge- und Wertholzsubmission mit dem Staatsbetrieb Sachsenforst,
den Waldbesitzern und dem Sächsischen Waldbesitzerverband e. V.
schlüsse ausgewählter Betriebe ab 200 ha Holz-
bodenfläche anonym ausgewertet. In einem für
alle Waldbesitzarten einheitlichen Erhebungs-
bogen stellen die freiwillig mitarbeitenden Be-
triebe ihre Wirtschaftsergebnisse jährlich dar.
Für den Berichtszeitraum liegen bisher die Er-
gebnisse für die Jahre 2008 bis 2011 vor. Für
2012 werden die Daten noch erhoben bzw. aus-
gewertet.
Die Auswertungen aus dem Testbetriebsnetz
zur Einkommenssituation des nichtstaatlichen
sächsischen Waldes zeigen, dass derzeit auch
bei voller Ausnutzung des möglichen Hieb-
satzes ohne staatliche Förderung positive
Reinerträge nur unter wirtschaftlich günstigen
Rahmenbedingungen (hohes Holzpreisniveau)
erwirtschaftet werden können.
Die Reinerträge ohne staatliche Förderung la-
gen zum Beginn des Berichtszeitraumes nahe-
zu durchgängig im negativen Bereich. Gründe
dafür waren zum einen die schlechte Ertrags-
lage nach den Stürmen „Kyrill" und „Emma"
und zum anderen die Auswirkungen der Wirt-
schaftskrise. Im Jahr 2011 konnten infolge ho-
her Holzeinschläge und gestiegener Holzprei-
se positive Reinerträge auch ohne staatliche
Förderung erzielt werden.
Die wirtschaftliche Situation der nichtstaatli-
chen Forstbetriebe bleibt trotz der positiven
Entwicklung im Berichtszeitraum angespannt.
Die Einnahmen werden fast ausschließlich aus
dem Holzverkauf generiert. Die Reinerträge
sind damit stark von der Holzmarktlage ab-
hängig. Zudem gibt es deutliche Unterschiede
zwischen sogenannten Fichten- und Kiefern-
betrieben. So blieben im Berichtszeitraum bei-
spielsweise die Reinerträge in den privaten
Kiefernbetrieben selbst unter Hinzuziehung
von Fördermitteln in der Regel negativ.

image
| 25
4.3 Rohholzaufkommensstudie
Im Jahr 2008 wurde eine Studie abgeschlos-
sen, in der für den Untersuchungszeitraum
2002 bis 2006 unter anderem das tatsächliche
Rohholzaufkommen sowie die Bedeutung des
nachwachsenden Rohstoffes Holz für den Kli-
maschutz im Freistaat Sachsen ermittelt wur-
de. Die im Auftrag des SMUL durch die Tech-
nische Universität Dresden und weitere
wissenschaftliche Einrichtungen erarbeitete
Untersuchung hat auf Grundlage der amtli-
chen Statistik, die für den Staats- und Körper-
schaftswald sichere Werte angibt, und den Er-
gebnissen einer Waldbesitzerbefragung für
ganz Sachsen das tatsächliche Rohholzauf-
kommen quantifiziert.
Im öffentlichen Waldbesitz schwankt die Holz-
einschlagsmenge im Zeitraum von 2002 bis
2006 zwischen 1 und 1,3 Mio. m
3
jährlich. Im
Privatwald können für diese Periode durch-
schnittlich 1 Mio. m
3
pro Jahr angenommen
werden. Daraus ergibt sich, dass in Sachsen im
Untersuchungszeitraum 2 bis 2,3 Mio. m
3
Rohholz im Jahr eingeschlagen worden sind,
wovon ca. 1,5 bis 1,8 Mio. m
3
an den Markt
abgegeben wurden. Die restliche Menge wur-
de direkt von den privaten Waldbesitzern für
den Eigenbedarf, im Wesentlichen als Brenn-
holz, verwendet.
Die Waldflächen Sachsens und deren Bewirt-
schaftung zur Bereitstellung der Ressource
Bild 4.4: Viele private Waldbesitzer nutzen vor allem Brennholz für den Eigenbedarf
Holz leisten einen wichtigen Beitrag zur Errei-
chung des klimaschutzpolitischen Ziels des
Freistaates Sachsen, die CO
2
-Emissionen zu
senken. Während der ersten 100 Jahre seines
Bestandeslebens bindet 1 ha Wald in etwa die
Kohlenstoffmenge von 1.000 t CO
2
(ca. 1 t
CO
2
/m³ Holz). Bei einem Gesamtvorrat von
ungefähr 126 Mio. m
3
(Kap. 2.3.3) sind in
Sachsens Wäldern folglich 126 Mio. t CO
2
ge-
bunden. Ein weiterer positiver Effekt geht von
der Zunahme der Waldfläche in Sachsen aus.
Bei einem Holzzuwachs von 9,4 m
3
pro Jahr
und ha und einer Gesamtwaldfläche von
524.627 ha errechnet sich ein jährlicher Holz-
zuwachs von rund 4,9 Mio. m
3
. Damit werden
der Atmosphäre jährlich rund 4,9 Mio. t CO
2
entzogen.

image
26 |

image
| 27
5 Förderung des privaten und
körperschaftlichen Waldbesitzes
Der Staatsbetrieb Sachsenforst stellt den
sächsischen Waldbesitzern auf Grundlage des
SächsWaldG und der Sächsischen Privat- und
Körperschaftswaldverordnung (SächsPK-
WaldVO) vielfältige Leistungen zur Verfügung.
Private Waldbesitzer können im Interesse einer
ordnungsgemäßen Bewirtschaftung ihres Wal-
des auf die kostenlose Beratung zurückgreifen
sowie auf Antrag die Angebote der fallweisen
oder ständigen Betreuung durch den Staats-
betrieb Sachsenforst nutzen.
Die körperschaftlichen Waldbesitzer können
die Leistungen der forsttechnischen Betriebs-
leitung und des forstlichen Revierdienstes für
ihren Wald in Anspruch nehmen. Für die Wäl-
der der Körperschaften wird außerdem die
Forsteinrichtung durch den Staatsbetrieb
Sachsenforst kostenfrei durchgeführt. Darüber
hinaus besteht für alle nichtstaatlichen Wald-
besitzer die Möglichkeit der finanziellen Un-
terstützung forstlicher Maßnahmen im Rah-
men von Förderrichtlinien des Freistaates
Sachsen.
5.1 Beratung und Betreuung des Privatwaldes
5.1.1 Beratung
Die Beratung im Privatwald gemäß § 23 Abs. 2
und § 49 SächsWaldG ist eine Kernaufgabe des
Staatsbetriebes Sachsenforst. Sie soll den
Waldbesitzern, die nicht über forstliche Fach-
kräfte verfügen, helfen, ihren Wald unter Be-
achtung der gesetzlichen Bestimmungen ord-
nungsgemäß zu bewirtschaften und die
Bild 5.1: Beratung eines privaten Waldbesitzers
Eigentümerpflichten wahrzunehmen. Mit der
Beratung wird, entsprechend den jeweiligen
Zielen und Bedürfnissen der einzelnen Wald-
besitzer, Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Die Re-
vierleiter des Staatsbetriebes Sachsenforst
fungieren dabei als unparteiische und fachlich
wie örtlich kompetente Ansprechpartner auf
der Fläche.
Die überdurchschnittlich hohe Zahl an Beratun-
gen im Jahr 2008 beruht auf dem großen Be-
darf der Waldbesitzer zur Schadensbeseitigung,
2008
18.769
17.222
16.423
16.486
16.301
2009
2010
2011
2012
Beratungs-
gespräche
20.000
18.000
16.000
14.000
12.000
10.000
8.000
6.000
4.000
2.000
0
zum Waldschutz, zur Vermarktung des Holzes
und zur Wiederaufforstung nach den Stürmen
„Kyrill" und „Emma" (s. Abb. 5.1).
Das Interesse der Privatwaldbesitzer an Bera-
tungsthemen wie Anpassung des Waldes an
den Klimawandel, praktischer Waldbau, Wald-
bewirtschaftung in Schutzgebieten und bioti-
scher wie abiotischer Waldschutz wird künftig
zunehmen. Eine weitere Aufgabe in der Bera-
tung besteht in der Mobilisierung von Holz-
reserven insbesondere im Kleinprivatwald.
Abb. 5.1: Anzahl Beratungsgespräche im Privatwald

28 |
5.1.2 Betreuung
Die Betreuung im Privatwald kann als Maß-
nahmen bezogene fallweise Betreuung oder
durch eine längerfristige Übernahme als stän-
dige Betreuung durch den Staatsbetrieb Sach-
senforst erfolgen. In beiden Fällen werden auf
Antrag des Waldbesitzers Vereinbarungen zwi-
schen ihm und dem Forstbezirk geschlossen.
Die Kosten der fallweisen Betreuung ergeben
sich aus dem vom Waldbesitzer gewählten
Leistungsumfang. Die Kostenbeiträge für die
ständige Betreuung enthalten einen nach Be-
triebsgröße gestaffelten Flächenbeitrag und
Tab. 5.2: Forstbetriebsarbeiten im Privatwald im Rahmen der Betreuung durch den Staatsbetrieb Sachsenforst
Bestandespflege
[ha]
Durchforstungen
[ha]
Erstaufforstungen
[ha]
Verjüngungen im Wald
[ha]
Einschlag und Sortierung des Holzes
[ha]
2008
357
1.260
35
161
36.685
2009
341
1.374
17
94
33.694
2010
198
1.479
16
84
41.469
2011
100
1.019
4
39
39.613
2012
32
773
5
54
48.727
Summe
1.028
5.905
77
432
200.188
5.2 Betriebsleitung und Revierdienst im Körperschaftswald
5.2.1 Betriebsleitung
flächenbezogene Beiträge für die gewählten
Leistungsmodule.
Betreut werden Privatwaldbesitzer nur, wenn
sie über keine eigenen forstlichen Fachkräfte
verfügen und ihnen auch nicht anderweitig
forstlicher Sachverstand zur Verfügung steht.
Tab. 5.1 gibt einen Überblick über die Inan-
spruchnahme der Betreuungstätigkeit des
Staatsbetriebes Sachsenforst im Berichtszeit-
raum.
Tab. 5.1: Betreuungsleistungen des Staatsbetriebes Sachsenforst im Privatwald
Jahr
Fallweise Betreuung
Ständige Betreuung
Erstellung
Wirtschaftsplan
[ha]
Auszeichnen von
Waldbeständen
[ha]
Organisation
Holzeinschlag
[fm]
Sonstige Forst-
betriebsarbeiten
[Std.]
Fläche
[ha]
Anzahl
Waldbesitzer
2008
137
255
10.111
480
3.659
865
2009
846
401
9.502
639
4.151
1.084
2010
854
442
28.104
570
3.753
1.043
2011
0
575
13.942
310
4.118
1.094
2012
494
486
19.185
320
4.034
1.057
Ø / Jahr
466
432
16.169
464
3.943
1.029
Schwerpunkte der ständigen Betreuung im
Privatwald sind das Auszeichnen von Waldbe-
ständen und die Organisation des Holzein-
schlages. Die ständige Betreuung wird vor al-
lem von Waldbesitzern kleiner Flächen auf
insgesamt knapp 2 % der Privatwaldfläche
Sachsens in Anspruch genommen. Tabelle 5.2
zeigt einige ausgewählte Forstbetriebsarbei-
ten, die zusammen mit den Privatwaldbesit-
zern realisiert wurden.
Der Staatsbetrieb Sachsenforst hat die forst-
technische Betriebsleitung für alle Wald besit-
zenden Körperschaften mit Ausnahme der
Städte Chemnitz, Leipzig, Zittau und der Land-
kreise Bautzen, Görlitz, Leipzig sowie der
kirchlichen Forstverwaltung des Domstifts St.
Petri. Im Jahr 2012 wurde sie für insgesamt
903 Kommunen, Kirchgemeinden, Stiftungen
und Anstalten des öffentlichen Rechts auf ei-
ner Fläche von 40.182 ha durchgeführt.

image
| 29
5.2.2 Forsteinrichtung für den Körperschaftswald
Der § 48 SächsWaldG weist dem Staatsbetrieb
Sachsenforst die Aufgabe zu, periodische Be-
triebspläne (i. d. R. aller 10 Jahre) aufzustellen.
Dabei werden der gegenwärtige Waldzustand
erfasst, die Ziele des Waldbesitzers in lang- und
mittelfristigen Planungen umgesetzt und die
Verwirklichung der Ziele und Planungen aus
der zurückliegenden Periode beurteilt. Vor dem
Beginn der Forsteinrichtung formulieren die
Körperschaften ihre spezifischen Wirtschafts-
und Betriebsziele, die mit den Forstbezirken ab-
gestimmt und bei der Umsetzung der periodi-
schen Betriebspläne beachtet werden müssen.
In den zurückliegenden fünf Jahren wurden für
298 Forstbetriebe periodische Betriebspläne er-
arbeitet. Die eingerichtete Waldfläche betrug
25.616 ha. Im Körperschaftswald unter 10 ha
wurden in den Jahren 2011 und 2012 von den
Forstbezirken 55 Betriebsgutachten in einem
Umfang von 134 ha aktualisiert.
5.2.3 Revierdienst
0
20
40
60
80
100
120
140
160
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
2008
2009
2010
2011
2012
Anzahl der
Fläche in [ha]
Betriebe
bearbeitete Fläche
Forstbetriebe
Abb. 5.2: Forsteinrichtung im Körperschaftswald
Der Revierdienst im Körperschaftswald um-
fasst die forstlichen Tätigkeiten des Betriebs-
vollzuges. Die Körperschaften können den
Revier dienst selbst ausführen oder den Revier-
dienst des Staatsbetriebes Sachsenforst gegen
einen Kostenbeitrag in Anspruch nehmen. Ne-
ben der Organisation von Verjüngungs-, Pfle-
ge-, Durchforstungs- und Erntemaßnahmen
wird das gewonnene Holz in verkaufbare Sor-
timente eingeteilt und zu Verkaufslosen zu-
sammengefasst.
Im Jahr 2012 hatten 741 Körperschaften des
öffentlichen Rechts und Kirchgemeinden mit
28.338 ha Fläche Vereinbarungen über den
forstlichen Revierdienst abgeschlossen. Die er-
brachten Leistungen im Rahmen des Revier-
dienstes sind in Tab. 5.3 dargestellt.
Tab. 5.3: Leistungen des Staatsbetriebes Sachsenforst für den Körperschaftswald
Jahr
Bestandespflege
[ha]
Durchforstungen/ Ernte
[ha]
Erstaufforstungen
[ha]
Verjüngungen im Wald
[ha]
Einschlag und Sortierung des Holzes
[m
3
]
2008
165
878
1
191
80.047
2009
169
1.301
10
147
82.640
2010
161
1.643
11
109
128.217
2011
165
1.799
13
153
128.017
2012
129
1.792
8
134
137.599
Summe
789
7.413
43
734
556.520
Bild 5.2: Revierförster von Sachsenforst im Gespräch mit Vertretern der Kommune Schneeberg

image
image
30 |
5.3 Fachliche Aus- und Fortbildung der Waldbesitzer
Der Privatwald wird unter anderem durch
fachliche Aus- und Fortbildung gefördert.
Fortbildungen finden zu vielfältigen Themen
der Waldbewirtschaftung statt. Die Bandbrei-
te reicht von Halbtagesveranstaltungen auf
der Fläche über Waldbesitzerversammlungen
bis zu zweitägigen Motorsägenlehrgängen.
Letztere werden gemeinsam mit der Sozialver-
sicherung für Landwirtschaft, Forsten und
Gartenbau angeboten. Damit sollen die priva-
ten Waldbesitzer in die Lage versetzt werden,
ihren Wald unter Beachtung der arbeits-
schutzrechtlichen Bestimmungen selbst zu
bewirtschaften. Der Umfang der Aus- und
Fortbildung von privaten Waldbesitzern ein-
schließlich der Motorsägenlehrgänge ist aus
der Abb. 5.3 ersichtlich.
Bild 5.3: Fortbildung von privaten Waldbesitzern zum Thema Bestandesbegründung und Waldumbau
0
200
400
600
800
1.000
1.200
1.400
1.600
0
20
40
60
80
100
120
140
2008
2009
2010
2011
2012
Anzahl Veranstaltungen
Anzahl Teilnehmer
Veranstaltungen
Teilnehmer
Abb. 5.3: Aus- und Fortbildung von privaten Waldbesitzern durch Staatsbetrieb
Sachsenforst
Durch forstliche Dienstleistungsunternehmen
wurde 2009 ein Konzept für die „Qualifizie-
rung privater Waldbesitzer im Rahmen der
Strukturfondsförderung Europäischer Sozial-
fonds (ESF) im Freistaat Sachsen 2007 – 2013"
für das SMUL erarbeitet. Damit soll das fach-
spezifische Wissen und Können privater Wald-
besitzer mittels Weiterbildungsprojekten im
Sinne des ESF grundlegend und umfassend
verbessert werden. Im Ergebnis sollen sich so-
wohl die Beschäftigungsfähigkeit als auch die
Möglichkeiten zur Einkommenserzielung ins-
besondere im ländlichen Raum verbreitern.
5.4 Finanzielle Förderung des Privat- und Körperschaftswaldes
Abb. 5.4: Das sächsische Entwicklungsprogramm für
den ländlichen Raum (EPLR) wird überwie-
gend aus Mitteln des Europäischen Land-
wirtschaftsfonds für die Entwicklung des
Ländlichen Raumes (ELER) finanziert
Bewilligungen und Auszahlungen von Förder-
mitteln für forstliche Maßnahmen im Privat-
und Körperschaftswald erfolgten auf Grundlage
der in Tabelle 5.4 dargestellten Förderrichtlinien.

| 31
Tab. 5.4: Im Berichtszeitraum geltende Richtlinien der Forstförderung
Nr.
Titel der Richtlinie
Laufzeit
RL 52/04
Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zur Förderung der naturna-
hen Waldbewirtschaftung und der Forstwirtschaft
Grundlage:
Operationelles Programm zur Strukturfondsförderung des Freistaates Sachsen für den Zeitraum 2000 bis 2006
Finanzierung:
EU-Mittel (75 %) und Landesmittel (25 %)
02.12.2004 bis 31.12.2006
Leitlinie Kyrill
Leitlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zur Durchführung des EU-
Solidaritätsfonds zur Bewältigung der durch den Sturm „Kyrill“ in der Bundesrepublik Deutschland am
18./19. Januar 2007 entstandenen Schäden der öffentlichen Hand im forstlichen Bereich
Grundlage:
Entscheidung der Kommission vom 10.12.2007 zur Gewährung einer Finanzhilfe aus dem Solidaritätsfonds der Eu-
ropäischen Union zur Finanzierung von Nothilfemaßnahmen infolge des Sturmes vom Januar 2007 in Deutschland
Finanzierung:
EU-Mittel (100 %)
16.04.2008 bis 31.12.2008
RL WuF/2007
Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zur Förderung der naturnahen
Waldbewirtschaftung, forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse und des Naturschutzes im Wald im Freistaat
Sachsen (Förderrichtlinie Wald und Forstwirtschaft – RL WuF/2007)
Grundlage:
Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen 2007 - 2013 (EPLR)
Gesetz über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) sowie der
jeweils geltende GAK-Rahmenplan
Finanzierung:
EPLR: EU-Mittel (75 bis 80 %) und Landesmittel (20 bis 25 %)
GAK: Bundesmittel (60 %) und Landesmittel (40 %)
01.10.2007 bis 31.12.2013
5.4.1 Entwicklung der forstlichen Förderung
Abb. 5.5: Ausgezahlte Fördermittel
Im Rahmen der laufenden EU-Förderperiode
2007 bis 2013 ist die RL WuF/2007 zum 1. Ok-
tober 2007 in Kraft getreten. Nachdem die
Rahmenbedingungen zu Beginn der Förderpe-
riode nicht optimal waren, wurde das Förder-
programm zunehmend wirksamer. Im Be-
richtszeitraum konnten gut 8.220 TEUR an die
privaten und körperschaftlichen Waldbesitzer
ausgezahlt werden. Dabei bildeten der forst-
wirtschaftliche Wege- und Brückenbau, der
Waldumbau sowie die Unterstützung forst-
wirtschaftlicher Zusammenschlüsse die inhalt-
lichen Schwerpunkte. Auf diese Förderbereiche
entfielen mit einer Auszahlungssumme in
Höhe von 7.469 TEUR ca. 91 % der Gesamt-
auszahlungssumme 2008 bis 2012.
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
ausgezahlte Fördermittel in [TEUR]
52 /04
Leitlinie Kyrill
WuF/2007
2008
2009
2010
2011
2012
Im Berichtszeitraum wurden Fördermittel in
Höhe von 9.484,7 TEUR auf Grundlage von
1.111 Auszahlungsbescheiden an 438 private
und körperschaftliche Waldbesitzer ausgezahlt
(Abb. 5.5).
Aufgrund der zum 31. Dezember 2006 zu
Ende gegangenen EU-Förderperiode 2000 bis
2006 stand die RL 52/04 im Berichtszeitraum
ausschließlich für die Abfinanzierung der in-
nerhalb der Laufzeit bereits bewilligten För-
dervorhaben zur Verfügung. So wurden letzt-
malig im Jahr 2008 ca. 372 TEUR ausgezahlt,
wobei hiervon mit fast 350 TEUR knapp 94 %
auf Maßnahmen der Bodenschutzkalkung im
Privat- und Körperschaftswald entfielen.
Zur Bewältigung der durch den Sturm „Kyrill"
im Januar des Jahres 2007, auch in den öffent-
lichen Wäldern Sachsens, entstandenen Schä-
den stellte die Europäische Kommission mit
Entscheidung vom 10. Dezember 2007 Finanz-
mittel aus dem Europäischen Solidaritätsfonds
zur Verfügung. Auf Basis der Leitlinie Kyrill
wurden im Jahr 2008 in drei Tranchen ca.
892 TEUR als Zuschüsse vor allem für notwen-
dige Instandsetzungen von Forstwegen sowie
für den Mehraufwand bei der Holzaufarbeitung
an körperschaftliche Waldbesitzer ausgezahlt.

image
image
32 |
5.4.2 Förderung des Waldumbaus
Historisch bedingt haben die Waldbestände
auf fast ¾ der Waldfläche nicht die von Natur
aus vorkommende Baumartenzusammenset-
zung. Die Wälder, in denen die Laumbbaum-
arten gegenwärtig deutlich unterrepräsentiert
sind, sind damit nur bedingt stabil bzw. elas-
tisch, um auf aktuelle und künftige Einfluss-
faktoren reagieren zu können. Waldumbau-
maßnahmen dienen dem Aufbau naturnaher,
vielfältig strukturierter, stabiler und leistungs-
fähiger Mischbestände.
Für die Förderung des Waldumbaus ein-
schließlich notwendiger Schutzmaßnahmen
gegen Wildschäden wurden 2.743 TEUR der
Fördermittel eingesetzt. Im Rahmen der geför-
derten Vorhaben wurde eine Waldumbauflä-
che in Höhe von 1.151 ha durch die privaten
und körperschaftlichen Waldbesitzer realisiert
(Tab. 5.5). Die Vorhaben betrafen auf 993 ha
Wald umbaumaßnahmen außerhalb von
Schutzgebieten mit standortgerechten Laub-
baumarten, Weißtannen und Douglasien. Inner-
halb von Schutzgebieten wurden auf etwa
158 ha vor allem standortheimische Laubbaum-
arten und Weißtannen eingebracht.
Tab. 5.5: Förderung von Waldumbaumaßnahmen
Waldumbau
2008
[TEUR]
2009
[TEUR]
2010
[TEUR]
2011
[TEUR]
2012
[TEUR]
gesamt
[TEUR]
RL 52/04
22,8
0,0
0,0
0,0
0,0
22,8
RL WuF/2007
436,7
716,8
582,5
533,4
451,2
2.720,6
gesamt
459,5
716,8
582,5
533,4
451,2
2.743,4
[ha]
[ha]
[ha]
[ha]
[ha]
[ha]
RL 52/04
11,0
0,0
0,0
0,0
0,0
11,0
RL WuF/2007
216,0
324,6
222,3
192,6
184,8
1.140,3
gesamt
227,0
324,6
222,3
192,6
184,8
1.151,3
5.4.3 Förderung des forstwirtschaftlichen Wege- und Brückenbaus
Bild 5.4: Geförderter Waldumbau mit Bergahorn
Die ausreichende Erschließung des Waldes mit
Wegen ist Grundvoraussetzung für seine ord-
nungsgemäße und nachhaltige Bewirtschaf-
tung. Deswegen sollen Waldbesitzer im Rah-
men ihres Leistungsvermögens notwendige
Wege bauen und unterhalten (§ 21 Sächs-
WaldG). Verschiedene Untersuchungen bele-
gen, dass die aktuelle Erschließungssituation
im Privat- und Körperschaftswald im Freistaat
Sachsen häufig unzureichend ist. Zudem ge-
nügt der Zustand der forstlichen Infrastruktur
vielerorts nicht mehr den Anforderungen der
heutigen Holztransporttechnik. Die Förderung
des forstwirtschaftlichen Wege- und Brücken-
baus stellt somit ein wesentliches Instrument
zur Intensivierung der Waldpflege, zur Holz-
nutzung und zur Sicherung des Zugangs bei
Prävention und Bewältigung von Schadereig-
nissen im Privat- und Körperschaftswald dar.
Außerdem ist das Vorhandensein gut instand
gehaltener Wege eine wichtige Voraussetzung
für die zunehmende Nutzung des Waldes als
Erholungsort und erhöht damit die Attraktivi-
tät für den Tourismus.
Auf die Förderung des forstwirtschaftlichen
Wege- und Brückenbaus nach der RL WuF/2007
entfielen gut 40 % der im Berichtszeitraum
ausgezahlten Fördermittel. Mit 3.832 TEUR
wurden mehr als 127 km Wege und eine Brü-
cke durch private und körperschaftliche Wald-
besitzer gebaut bzw. instand gesetzt (Tab. 5.6).
Darüber hinaus wurden körperschaftliche
Waldbesitzer im Rahmen der Leitlinie „Kyrill“
bei der Instandsetzung der durch den Sturm
„Kyrill" 2007 geschädigten forstlichen Infra-
struktur unterstützt (s. Kap. 5.4.7)
Bild 5.5: Geförderter Bau eines forstwirtschaftlichen
Weges

image
image
| 33
Tab. 5.6: Förderung des forstwirtschaftlichen Wege- und Brückenbaus im Berichtszeitraum (lfdm = laufende Meter)
Wege- und Brückenbau
2008
[TEUR]
2009
[TEUR]
2010
[TEUR]
2011
[TEUR]
2012
[TEUR]
gesamt
[TEUR]
RL WuF/2007
63,8
1.092,0
957,3
794,5
924,0
3.831,6
[lfdm]
[lfdm]
[lfdm]
[lfdm]
[lfdm]
[lfdm]
RL WuF/2007
2.772
38.717
32.709
24.903
28.073
127.174
5.4.4 Förderung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse
Um die sich aus der Kleinteiligkeit ergebenden
Bewirtschaftshemmnisse zu überwinden, ha-
ben private, kirchliche und körperschaftliche
Waldbesitzer auch im Freistaat Sachsen forst-
liche Zusammenschlüsse gebildet (Kap. 4.2).
Deren Erweiterung insbesondere unter stärke-
rer Einbeziehung des Kleinprivatwaldes sowie
die weitere Professionalisierung ihrer Ge-
schäftstätigkeit sind Ziele der sächsischen
Forstpolitik. Die finanzielle Unterstützung der
forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse stellt
neben der Beratung ein wichtiges Instrument
zur Unterstützung der Zielerreichung dar.
Für die Förderung der forstwirtschaftlichen
Zusammenschlüsse wurden im Berichtszeit-
raum ca. 917 TEUR der Fördermittel einge-
setzt. Die Förderung erfolgte als De-minimis-
Beihilfe nach der RL WuF/2007. Ausgereicht
wurden erfolgsabhängige Zuwendungen für
die überbetriebliche Zusammenfassung des
Holzangebotes durch Forstbetriebsgemein-
schaften sowie die Koordinierung des überre-
gionalen Holzabsatzes durch forstwirtschaft-
liche Vereinigungen im Umfang von fast
460.000 m³ Nutzholz (Tab. 5.7).
Tab. 5.7: Förderung der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse im Berichtszeitraum
Zusammenschlüsse
2008
[TEUR]
2009
[TEUR]
2010
[TEUR]
2011
[TEUR]
2012
[TEUR]
gesamt
[TEUR]
RL WuF/2007
48,7
193,0
252,0
143,5
279,8
917,0
[m³]
[m³]
[m³]
[m³]
[m³]
[m³]
RL WuF/2007
24.366
94.203
123.546
74.749
139.914
456.778
5.4.5 Förderung des Naturschutzes im Wald
Wälder sind Lebensraum einer Vielzahl – auch
gefährdeter – Tier- und Pflanzenarten. Naturna-
he Wälder mit entsprechend den standörtlichen
Bedingungen vielfältig wechselnder Biotop-
struktur bieten hervorragende Voraussetzungen
für die Erfüllung von Zielen des Biotop- und Ar-
tenschutzes. Der Erhalt und die Wiederherstel-
lung bestimmter Lebensraumtypen im Wald sind
in manchen Fällen nur durch aktive Investitions-
maßnahmen möglich. Darum bietet die RL
WuF/2007 finanzielle Unterstützung unter an-
derem für Maßnahmen zugunsten von be-
stimmten naturschutzfachlich erwünschten
Baumarten oder von Sonderbiotopen im Wald
an. Die Naturschutzförderung im Wald zielt da-
rauf ab, die Habitate für eine charakteristische,
artenreiche, naturnahe Tier- und Pflanzenwelt
zu sichern bzw. wieder herzustellen.
Im Berichtszeitraum wurden 751 TEUR an För-
dermitteln (Tab. 5.8) vor allem für den Erhalt
und die Wiederherstellung von Feuchtbioto-
pen im Wald (ca. 644 TEUR) sowie für den Er-
halt von Biotopbäumen und von starkem Tot-
holz (ca. 101 TEUR) ausgezahlt.
Bild 5.6: Erhalt und Wiederherstellung von Feuchtbiotopen im Wald

image
image
34 |
Tab. 5.8: Förderung des Naturschutzes im Wald
Naturschutz im Wald
2008
[TEUR]
2009
[TEUR]
2010
[TEUR]
2011
[TEUR]
2012
[TEUR]
gesamt
[TEUR]
RL WuF/2007
45,4
58,4
128,4
178,3
340,5
751,0
5.4.6 Bodenschutzkalkung im Wald
Waldböden nehmen mit ihrer Filter-, Puffer-
und Speicherfunktion im Naturhaushalt eine
zentrale Stellung ein. Nur ein gesunder Wald-
boden garantiert vitale Waldökosysteme sowie
sauberes Wasser. Neben der weiteren Vermin-
derung waldschädigender Emissionen müssen
alle Mittel genutzt werden, um mögliche
Schäden an den Schutzgütern (Boden, Wald
und Wasser) zu begrenzen, um auch für nach-
folgende Generationen die Multifunktionalität
der Waldökosysteme nachhaltig zu sichern.
Neben einer naturnahen Waldbewirtschaftung
und dem langfristigen Umbau von Nadel-
baumreinbeständen in standortgemäße, viel-
schichtige, stabile und leistungsfähige Misch-
wälder hat die Bodenschutzkalkung im Wald
dabei eine Schlüsselrolle.
Die Bodenschutzkalkung hat das Ziel, die Vi-
talität und Stabilität der Waldökosysteme zu
verbessern. Sie kann die Säureeinträge kom-
pensieren und damit die pH-Werte in versau-
erten Waldböden anheben. Dadurch werden
unter anderem die Lebensbedingungen wie
das Artenspektrum der Bodenlebewesen er-
höht, der Schutz des Quell- und Grundwassers
vor Schwermetall- und Säureeinträgen gestei-
gert, eine ausgeglichene Nährstoffversorgung
gewährleistet sowie der Freisetzung des für
Pflanzen giftigen Aluminiums entgegenge-
wirkt.
Direkte Auszahlungen von Fördermitteln für
Maßnahmen der Bodenschutzkalkung im Wald
an private und körperschaftliche Waldbesitzer/
innen erfolgten im Berichtszeitraum letztma-
lig im Jahr 2008 nach RL 52/04. Für die Kal-
kung von 1.215 ha Privat- und Körperschafts-
wald wurden ca. 350 TEUR ausgezahlt. Im
Rahmen des EPLR 2007 bis 2013 wird die Bo-
denschutzkalkung im Wald seit dem Jahr 2008
eigentumsübergreifend vom Staatsbetrieb
Sachsenforst vorbereitet, durchgeführt, doku-
mentiert und abgerechnet. Eine direkte Förde-
rung privater und körperschaftlicher Waldbe-
sitzer im Rahmen einer Förderrichtlinie erfolgt
nicht mehr. Die Tabelle 5.9 gibt einen Überblick
über die im Berichtszeitraum geförderte und
durch den Staatsbetrieb Sachsenforst als
Maßnahmeträger im Privat- und Körper-
schaftswald durchgeführten Bodenschutzkal-
kungen.
Tab. 5.9: Flächen und Erstattungsbeträge für Maßnahmen der Bodenschutzkalkung
Bodenschutz-
kalkung
2008
[TEUR]
2009
[TEUR]
2010
[TEUR]
2011
[TEUR]
2012
[TEUR]
gesamt
[TEUR]
RL 52/04
349,4
0,0
0,0
0,0
0,0
349,4
RL WuF/2007
0,0
1.516,4
884,5
937,4
1.019,4
4.357,7
gesamt
349,4
1.516,4
884,5
937,4
1.019,4
4.707,1
[ha]
[ha]
[ha]
[ha]
[ha]
[ha]
RL 52/04
1.215
0
0
0
0
1.215
RLWuF/2007
0
4.784
3.930
4.662
4.915
18.291
gesamt
1.215
4.784
3.930
4.662
4.915
19.506
Bild 5.7: Bodenschutzkalkung im Wald

image
| 35
5.4.7 Hilfe aus dem Europäischen Solidaritätsfonds (EUSF)
Der am 18. und 19. Januar 2007 über Deutsch-
land hinweggezogene Sturm „Kyrill" stellte für
die Forstwirtschaft im Freistaat Sachsen das
mit Abstand bedeutendste Sturmereignis der
vergangenen Jahrzehnte dar. Die Schadens-
bilanz lag bei rund 1,8 Mio. m³ Bruch- und
Wurfholz in den sächsischen Wäldern und ent-
sprach damit in etwa dem durchschnittlichen
Jahreseinschlag aller Waldeigentümer.
Mit der Leitlinie Kyrill vom 16. April 2008 wur-
den die zwischen dem Bund und der EU-Kom-
mission für Deutschland vereinbarten Opera-
tionen für den Freistaat Sachsen festgelegt.
Zusammengefasst gab es folgende Maßnah-
mengruppen:
Maßnahmen zur Instandsetzung von forst-
wirtschaftlichen Abfuhrwegen und Brücken
im öffentlich-rechtlichen Eigentum, die ent-
weder mittelbar (z. B. durch Forsttechnik
oder Transportfahrzeuge) oder unmittelbar
(z. B. durch umgestürzte Bäume) geschädigt
wurden
Mehrkosten für die Aufarbeitung des Sturm-
holzes der Baumarten Fichte und Lärche
durch den Einsatz Dritter, um der Ausbrei-
tung von Forstschädlingen vorzubeugen
Kosten für die Behandlung von Holzpoltern
der Baumarten Fichte und Lärche mit Insek-
tiziden durch Dritte zur Verhinderung bzw.
Bekämpfung von Schädlingsbefall
Kosten für den Transport des Sturmholzes
der Baumarten Fichte und Lärche zu Lager-
plätzen im Eigentum bzw. Besitz der öffent-
lichen Hand durch Dritte sowie Kosten für
Einrichtung, Reparatur und Unterhaltung
dieser Lagerplätze durch Dritte.
Zur Schadensbewältigung konnten im Rahmen
der Leitlinie Kyrill im Jahr 2008 rund 892 TEUR
an körperschaftliche Waldbesitzer ausgezahlt
werden (Tab. 5.10). Die dem Freistaat Sachsen
aus dem EUSF gewährte Finanzhilfe hat damit
einen wirksamen Beitrag zur Schadensbewäl-
tigung in den körperschaftlichen Wäldern ge-
leistet.
Tab. 5.10: Unterstützung körperschaftlicher Waldbesitzer aus dem EUSF im Jahr 2008
Maßnahme
Menge
EUSF-Mittel
[EUR]
Wegeinstandsetzung
86.200 [lfdm]
541.832
Aufarbeitungszuschüsse
115.636 [m
3
]
346.848
Behandlung von Holzpoltern
2 Stück
3.642
gesamt
892.322
5.4.8 Förderung der ökologischen Waldmehrung (Erstaufforstung)
Die Zuständigkeiten für die Förderung der
ökologischen Waldmehrung (Erstaufforstung)
wurden zum 1. Januar 2007 von der Staats-
forstverwaltung auf die Landwirtschaftsver-
waltung übertragen. Die ökologische Wald-
mehrung auf bisher meist landwirtschaftlich
genutzten Flächen wird von dieser im Rahmen
der Richtlinie Agrarumweltmaßnahmen und
Waldmehrung (RL AuW/2007) umgesetzt (Tab.
5.11). Für weiterführende Informationen zur
Förderung der Erstaufforstung im Freistaat
Sachsen wird auf die jährlich erscheinenden
sächsischen Agrarberichte verwiesen.
Tab. 5.11: Förderung der ökologischen Waldmehrung gemäß RL AuW/2007
2008
2009
2010
2011
2012
Gesamt
Geförderte Erstaufforstungsfläche [ha]
29
29
30
57
60
205
Investitionsförderung [TEUR]
88
113
110
225
267
603
Bild 5.8: Erstaufforstungsfläche

image
36 |

image
image
| 37
6 Entwicklung der Wälder mit besonderem Status
Viele Waldflächen unterliegen einem besonde-
ren Status, weil dies zur Erreichung eines be-
stimmten Schutzzweckes erforderlich ist. Der
besondere Status ergibt sich entweder direkt
aufgrund fachgesetzlicher Bestimmungen
oder resultiert aus Festsetzungen in Rechts-
verordnungen oder Satzungen. Flächenmäßig
die größte Bedeutung haben dabei Schutzge-
6.1 Kraft Gesetzes geschützte Wälder
Bestimmungen im SächsWaldG, im Gesetz
über Naturschutz und Landschaftspflege im
Freistaat Sachsen (SächsNatSchG), im Sächsi-
schen Wassergesetz (SächsWG) und im Gesetz
zum Schutz und zur Pflege der Kulturdenkma-
le im Freistaat Sachsen (SächsDSchG) stellen
ohne einen weiteren förmlichen Rechtsakt
Waldflächen, die eine von den Fachgesetzen
definierte Eigenschaft aufweisen, unter beson-
deren Schutz. Die rechtlichen Folgen und
mögliche Einschränkungen auf der Waldfläche
aufgrund des besonderen Schutzstatus erge-
ben sich aus dem jeweiligen Gesetz.
Bild 6.1: Naturschutzfunktion des Waldes
6.1.1 Schutzwald gemäß § 29 Abs. 1 SächsWaldG
Schutzwald gemäß § 29 Abs. 1 SächsWaldG
(Bodenschutzwald) ist Wald auf erosionsge-
fährdeten Standorten, insbesondere auf
rutschgefährdeten Hängen, auf felsigen oder
flachgründigen Steilhängen oder auf Flug-
sandböden. Bodenschutzwald kommt beson-
ders häufig auf Steilhängen im Elbsandstein-
gebirge oder an den Ufern der sächsischen
Flüsse (> 30° Hangneigung) sowie auf Binnen-
dünen in Nordostsachsen vor.
biete nach Naturschutz- und Wasserrecht. Mit
dem Schutzstatus können Einschränkungen in
der Nutzung, der Verfügbarkeit und dem wirt-
schaftlichen Wert der Fläche verbunden sein.
Bild 6.2: Bodenschutzwald nach
§ 29 Abs. 1 SächsWaldG
In der aktualisierten Waldfunktionenkartie-
rung (Kap. 3.2.1) ist für den Kraft Gesetzes
bestehenden Schutzwald eine Waldfläche von
24.099 ha angegeben (Tab. 6.1) und im Be-
richtszeitraum wurde dessen ortsübliche Be-
kanntmachung durch die Landkreise und
Kreisfreien Städte als untere Forstbehörden
fortgeführt.

image
image
38 |
6.1.2 Besonders geschützte Biotope gemäß § 30 Bundesnaturschutzgesetz
(BNatSchG) und § 21 SächsNatSchG
Die nach Naturschutzrecht unmittelbar ge-
schützten Biotope sind durch besondere
Standortverhältnisse, eine typische Arten-
zusammensetzung sowie sonstige Eigenschaf-
ten definiert. Viele dieser Biotope liegen im
Wald (z. B. höhlenreiche Einzelbäume, natur-
nahe Bachläufe, Quellbereiche, kleinere Moo-
re). Außerdem sind bestimmte Wälder Kraft
Gesetzes als naturnahe Relikte natürlicher
Waldgesellschaften (z. B. Bruch-, Schlucht-,
Hangschuttwälder, Wälder trockenwarmer
Standorte) geschützt. Im Ergebnis der laufen-
den Aktualisierung der Waldbiotopkartierung
(Kap. 3.2.2) wurden bis zum Ende des Be-
richtszeitraumes 15.700 ha geschützte Bioto-
pe im Wald erfasst (Abb. 6.1).
Bild 6.3: Naturnahe Bachläufe sind gemäß § 30 BNatSchG geschützt.
2.109
1.304
887
264
797
1.108
1.439
626
7.166
Fels-, Gesteins- und Rohbodenbiotope
Heiden/Magerrasen
Grünland
Staudenflure/Säume
Moore/Sümpfe
Stillgewässer/Verlandungsbereiche
Fließgewässer/Quellen
Gebüsche/Hecke/Gehölze
Wälder
[ha]
Abb. 6.1: Flächen der nach § 30 BNatSchG und § 21 SächsNatSchG besonders
geschützten Biotope im Wald
(Stand 31.12.2012, s. Kap. 3.2.2)
Bild 6.4: Besonders geschützter höhlenreicher
Einzelbaum mit Schwarzspechthöhle

image
| 39
6.1.3 Kulturdenkmale gemäß § 2 Sächsischem Denkmalschutzgesetz (SächsDSchG)
Kulturdenkmale im Sinne von § 2 SächsDSchG
sind von Menschen geschaffene Sachen, Sach-
gesamtheiten, Teile und Spuren von Sachen
einschließlich ihrer natürlichen Grundlagen.
Voraussetzung ist, dass deren Erhaltung bei-
spielsweise wegen ihrer geschichtlichen,
künstlerischen oder landschaftsgestalteri-
schen Bedeutung im öffentlichen Interesse
liegt. Gegenstand des Denkmalschutzes kann
auch die Umgebung eines Kulturdenkmals
sein. Typische Kulturdenkmale im Wald sind
Baudenkmale (z. B. Steinbrücken, Wegekreuze,
Grenzsteine), technische Denkmale (z. B. Flö-
ßerei, Bergbauanlagen) und archäologische
Bodendenkmale (z. B. Reste von Siedlungsan-
lagen, Wüstungen, Grabanlagen).
Nach den Ergebnissen der Waldfunktionenkar-
tierung sind im sächsischen Wald auf 5.569 ha
Kulturdenkmale vorhanden (Tab. 6.1). Insge-
samt sind die Einschränkungen für die Wald-
besitzer Kraft des Gesetzes geschützter Kul-
turdenkmale von eher geringer Bedeutung.
Tab. 6.1: Kraft Gesetzes geschützte Waldflächen in Sachsen
Schutzzweck
Gesetzliche Grundlage
Fläche
[ha]
Anteil am Gesamtwald
[%]
Schutzwald
§ 29 SächsWaldG
24.099
4,6
Geschützte Biotope
(Stand Waldbiotopkartierung 2000)
§ 30 BNatschG
§ 21 SächsNatSchG
17.229
3,3
Kulturdenkmale
§ 2 SächsDSchG
5.569
1,1
Bild 6.5: Bodendenkmal (Altbergbau) im Wald

image
40 |
Tab. 6.2: Flächenanteil der wesentlichen Schutzkategorien im Wald
Schutzgebietskategorie
Gesamtfläche
[ha]
davon Wald
Anteil am Gesamtwald
[%]
Fläche
[ha]
Anteil
[%]
Naturschutzgebiet
53.150
38.251
72
7,3
Nationalpark
9.362
8.664
93
1,7
Landschaftsschutzgebiet
555.605
221.281
40
42,2
Biosphärenreservat
30.133
16.114
53
3,1
Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH)
168.657
103.484
61
19,7
Vogelschutzgebiet
(SPA = Special Protecteted Area))
248.961
132.834
53
25,3
Bild 6.6: Naturschutzgebiet im Wald
Umsetzung der FFH-Richtlinie im Wald
Im Freistaat Sachsen sind 270 FFH-Gebiete
ausgewiesen. Für diese sollen planerische Vor-
gaben entwickelt werden, damit diese Gebiete
mit ihren ausgewählten Lebensräumen und
Arten besonders geschützt werden. Im Be-
richtszeitraum wurde diese FFH-Management-
planung nahezu vollständig für Sachsen ab-
geschlossen. Darüber hinaus wurden im
Landeswald wichtige Bausteine zur Umset-
zung der Richtlinie auf den Weg gebracht.
Dazu zählen:
Hinweise und Vorgaben für die Forsteinrich-
tung im öffentlichen Wald
Generalregeln für die Waldbewirtschaftung
der FFH-Gebiete im Landeswald
aus diesem Regelwerk abgeleitete Vorgaben
zur dauerhaften Markierung von Biotop-
baumgruppen in FFH-Lebensräumen und
Anhang II Arthabitaten
kartografische Informationssysteme (Natur-
schutzkartenexplorerprojekt)
6.2 Durch Rechtsverordnungen und Satzungen geschützte Wälder
Wenn die Schutzwürdigkeit und Schutzbe-
dürftigkeit eines Gebietes gegeben sind und
der Schutzzweck nicht mit anderen Instru-
menten erreicht werden kann, können auf der
Grundlage verschiedener Fachgesetze Wald-
flächen unter Schutz gestellt werden.
6.2.1 Schutzgebiete gemäß Naturschutzrecht
Tabelle 6.2 zeigt, wie sich die für den Wald
wesentlichen Schutzgebietskategorien in ihrer
flächigen Wirkung verteilen. Demnach haben,
wie bereits im vorherigen Berichtszeitraum,
die Natura 2000 Gebiete weiterhin die größte
Bedeutung für den Wald.

image
image
| 41
Bild 6.7: Wasserschutzgebiet mit Wassergewinnungsanlage im Wald
6.2.2 Schutzgebiete gemäß Wasserrecht
Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) in Verbin-
dung mit dem SächsWG sieht insbesondere zum
Schutz vor Hochwasser und zum Trinkwasser-
schutz mehrere Instrumente vor, wie Wasser-
schutz-, Überschwemmungs-, Hochwasserent-
stehungsgebiete oder Gewässerrandstreifen.
Wasserschutzgebiet
Um einen umfassenden Gewässerschutz zu
gewährleisten sowie die Wassergewinnung für
die öffentliche Wasserversorgung und für die
Heilquellen dauerhaft qualitativ wie quantita-
tiv zu sichern, werden Wasserschutzgebiete
festgesetzt. In der Regel werden sie in drei
Schutzzonen unterteilt, für die mit zunehmen-
der Entfernung von den Wassergewinnungs-
anlagen abgestufte Schutzbestimmungen
festgelegt werden.
Wald hat für den Gewässerschutz eine beson-
dere Bedeutung, da Niederschlagswasser im
Waldboden mechanisch und biologisch gerei-
nigt wird. Die vergleichsweise extensive Be-
wirtschaftung des Waldes mit weitgehendem
Verzicht auf den Einsatz von Düngung und
Pflanzenschutzmitteln verursacht nahezu keine
Belastungen der Grund- wie Oberflächenge-
wässer und vermindert den Aufwand für die
Trinkwasseraufbereitung. Im Verhältnis zum
Waldanteil in Sachsen von 28,4 % haben Wäl-
der darum mit über 43 % einen überproporti-
onalen Anteil an der Gesamtfläche der Wasser-
schutzgebiete im Freistaat Sachsen (Tab. 6.3).
Hochwasserschutz
Durch die außerordentlich hohe Speicherkapa-
zität stark durchwurzelter Waldböden vermin-
dern Waldflächen den Oberflächenabfluss
deutlich und tragen somit zum Hochwasser-
schutz bei. Dies ist gerade in Hochwasserent-
stehungsgebieten bedeutsam, da in diesen das
natürliche Wasserversickerungs- und Wasser-
Tab. 6.3: Waldflächen und Waldflächenanteile in Wasser- und Heilquellenschutzgebieten sowie Überschwemmungs- und
Hochwasserentstehungsgebieten gemäß SächsWaldG einschließlich vorläufig angeordneter Schutzgebiete
(Stand 31.12.2012)
Schutzgebietskategorie
Gesamtfläche
Waldanteil
Anteil am Gesamtwald
[ha]
[ha]
[%]
[%]
Wasserschutzgebiet
145.012
62.700
43,2
12,0
Heilquellenschutzgebiet
4.745
3.222
68,0
0,6
Überschwemmungsgebiet
77.376
6.671
8,6
1,3
Hochwasserentstehungsgebiet
14.408
6.853
47,6
1,3
Bild 6.8: Ein hoher Waldanteil in Hochwasserentstehungsgebieten vermindert und verzögert den Wasserabfluss bei Starkniederschlägen.
rückhaltevermögen zu erhalten und zu verbes-
sern sind. Insbesondere sollen die Böden so
weit wie möglich entsiegelt und geeignete Ge-
biete aufgeforstet werden. In Überschwem-
mungsgebieten soll ein schadloser Abfluss von
Hochwasser sowie eine Hochwasserrückhal-
tung gewährleistet werden. Diese Schutzfunk-
tion hat aufgrund der Zunahme von außerge-
wöhnlichen Hochwasserereignissen in Sachsen
eine zunehmende Bedeutung erlangt.

image
42 |

| 43
7 Waldzustand
Wälder werden durch eine Vielzahl von Um-
weltfaktoren beeinflusst. Schadstoffeinträge,
klimatische Veränderungen und biotische
Schäden stellen hohe Belastungen dar, welche
die Vitalität und die vielfältigen Schutzfunk-
tionen der Wälder beeinträchtigen.
Forstliches Umweltmonitoring
Der Staatsbetrieb Sachsenforst betreibt ein
forstliches Umweltmonitoring, welches zum
einen aus den zwei Aufnahmeebenen Level I
(Wald- bzw. Bodenzustandserhebung) und Le-
vel II (Dauerbeobachtungsflächen) sowie zum
anderen aus einem Netz von 18 Waldklima-
stationen besteht (Kap. 10.2.8). Auf diese Wei-
se werden kontinuierlich der Zustand der Wäl-
der, auftretende Umwelteinflüsse und die
Reaktion der Waldökosysteme erfasst.
Die Waldzustandserhebung erfasst den Kro-
nenzustand der Waldbäume in Sachsen wie in
ganz Deutschland. Speziell geschultes Fach-
personal des Staatsbetriebes Sachsenforst be-
gutachtet alljährlich nach einheitlichen Krite-
rien über visuelle Einschätzungen in den
Sommermonaten insgesamt rund 6.800
Baumkronen auf Verfärbungen und Verluste
von Nadeln und Blättern. Dafür muss eine zu-
verlässige, qualifizierte sowie räumlich und
zeitlich vergleichbare Einstufung z. B. der Kro-
nenverlichtung oder der Vergilbung gewähr-
leistet sein. Deshalb finden jährlich nationale
Abstimmungskurse statt. Eine aktuelle Aus-
wertung der Kurse von 1992 bis 2011 zeigt,
dass Sachsen im Bundesländervergleich mit
die geringsten Schätzfehler aufweist.
Kronenzustand
Der Kronenzustand ist insbesondere bei älte-
ren Bäumen ein gut sichtbares Merkmal für
seine aktuelle physiologische Verfassung. Auf-
grund temporärer Anpassungsreaktionen der
Bäume kann jedoch nicht jeder Nadel- oder
Blattverlust einem Schaden gleichgesetzt wer-
den. Eine Vielzahl von natürlichen Einflussfak-
toren wie beispielsweise Fruchtbildung und
Witterungsverlauf prägen den Kronenzustand
und verursachen jährliche Veränderungen. Die
Erfassung des Belaubungs- bzw. Benadelungs-
zustandes kann nur ein Indikator für den
Waldzustand sein.
Witterung
Witterungszustände und Bodenwassergehalte
üben einen wesentlichen Einfluss auf das
Wachstum und den Gesundheitszustand der
Bäume aus. Insbesondere Extreme wie inten-
sive Sonneneinstrahlung, die bei Trockenheit
zu Hitzeschäden an den Blättern führt, anhal-
tendes Ausbleiben von Niederschlägen, wel-
ches intensiven Trockenstress zur Folge hat
oder Stürme, die Bäume entwurzeln oder
Stämme brechen, führen zu direkt sichtbaren
Schäden (Kap. 7.1.2).
Stoffeinträge
Luftbürtige Stoffeinträge beeinflussen mit ih-
ren Nähr- und Schadstoffgehalten insbeson-
dere den Zustand nährstoffarmer und stark
die Luftmassen und Niederschläge filternder
Ökosysteme. Diese Kriterien treffen auf weite
Teile der sächsischen Wälder zu. Derzeit sind
akute „klassische“, durch Schwefelsäureeintrag
bedingte Schädigungen nicht mehr zu ver-
zeichnen. Grund hierfür ist die seit Anfang der
1990er Jahre forcierte Luftreinhaltepolitik in
Sachsen, Tschechien und Polen. Der Waldzu-
stand wird jedoch derzeit insbesondere von
Stickstoffeinträgen und –anreicherungen be-
einflusst, die deshalb intensiv überwacht wer-
den. Zusammenfassend können die anhaltend
hohen, über die kritische Belastungsgrenze hi-
nausgehenden Stickstoffeinträge als proble-
matisch für die weitere Entwicklung des Wald-
zustandes und der Waldböden eingeschätzt
werden. Deswegen hat die Bodenschutzkal-
kung in der Immissionsschadzone im Erzgebir-
ge weiterhin hohe Bedeutung (Kap. 5.4.6).
7.1 Kronenzustand
7.1.1 Allgemeine Situation
Jedes Jahr wird der Kronenzustand von 6.792
Probebäumen auf 283 Stichprobenpunkten er-
fasst. Er hat sich in den letzten fünf Jahren,
über alle Baumarten und Altersklassen zusam-
men betrachtet, weiter stabilisiert. Die Probe-
bäume wiesen eine mittlere Kronenverlichtung
von 16,6 % auf. Der Wert liegt nur 0,6 Pro-
zentpunkte über dem Minimum der gesamten
22-jährigen Messreihe. Insbesondere die emp-
findlicheren älteren Bäume über 60 Jahre zei-
gen seit Beginn der Waldzustandserhebung
1991 eine stabile und positive Entwicklung.
Insgesamt zeigen 43 % der Wälder keine, 41 %
schwache und lediglich 16 % deutliche Schä-
den. Die Einordnung in diese Schadstufen be-
ruht auf einer Kombination von Kronenver-
lichtung und Vergilbung.

44 |
7.1.2 Regionale Ausprägung
Aussagen zur regionalen Ausprägung des Kro-
nenzustandes können anhand der in Sachsen
vorkommenden forstlichen Wuchsgebiete
(WG) erfolgen. Bezogen auf die deutlichen
Schäden haben sich die Werte im Vergleich
zum vorhergehenden Berichtszeitraum wenig
verändert.
Abb. 7.1: Mittlerer Nadel-/Blattverlust aller Stichprobenbäume
So verbessert sich der mittlere Nadel-/Blatt-
verlust im Tiefland (Mittleres nordostdeut-
sches Altmoränenland / Düben-Niederlausitzer
Altmoränenland, WG 14/15) und im Erzgebir-
ge (WG 45) leicht auf 10 bzw. 17 %, während
die Werte für das östliche Hügelland (Westlau-
sitzer Platte und Elbtalzone / Lausitzer Löss-
Hügelland, WG 27/28) und die östlichen Ge-
birge (Elbsandsteingebirge / Oberlausitzer
Bergland / Zittauer Gebirge, WG 46/47/48) auf
17 und 24 % etwas ansteigen. Die Daten für
das Vogtland (WG 44) und das westliche Hü-
gelland (WG 25) bleiben unverändert bei 13
bzw. 23 %.
Abb. 7.2: Nadel-/Blattverlust (NBV) in ausgewählten Wuchs gebieten Sachsens:
Spannweiten und Mittelwerte der Jahre 2008 bis 2012 (links) und 1999 bis 2007 (rechts).
1991
1997
1998
1999
2000
2001
1996
alle Bäume
Bäume bis 60 Jahre
Bäume über 60 Jahre
30
25
20
15
10
5
0
[%]
1992
1993
1994
1995
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
45,00
40,00
35,00
30,00
25,00
20,00
15,00
10,00
5,00
0,00
WG 14/15
WG 25
WG 27/28
WG 44
WG 45
WG 46/47/48
Mittlerer Nadel-/Blattverlust [%]
45,00
40,00
35,00
30,00
25,00
20,00
15,00
10,00
5,00
0,00
WG 14/15
WG 25
WG 27/28
WG 44
WG 45 WG 46/47/48
Mittlerer Nadel-/Blattverlust [%]

| 45
7.1.3 Kronenzustand an Nadelbäumen
Bei der Fichte stabilisierte sich der Anteil
deutlich geschädigter Bäume bei 16 %, wobei
insgesamt seit Beginn der Erhebungen ein
kontinuierlicher Rückgang dieser Schadstufe
erkennbar ist. Im Alter über 60 Jahre dominie-
ren die Bäume mit schwachen, unter 60 Jah-
ren dagegen diejenigen ohne Schäden. Die
tung lag über alle Alter bei 15 %, was einer
Verbesserung von zwei Prozentpunkten ge-
genüber dem letzten Berichtszeitraum ent-
spricht.
mittlere Kronenverlichtung schwankte im Be-
richtszeitraum nur geringfügig und lag bei nur
15,7 %.
Bei der Kiefer blieb der Anteil deutlich geschä-
digter Bäume auf einem konstant niedrigen
Niveau von 8 %. Die mittlere Kronenverlich-
Abb. 7.3: Zeitliche Entwicklung der Schadstufenverteilung bei Fichte (links) und Kiefer (rechts)
7.1.4 Kronenzustand an Laubbäumen
0
20
40
60
80
100
2008
2009
2010
2011
2012
[%]
0
20
40
60
80
100
2008
2009
2010
2011
2012
[%]
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt
Bei der Buche schwankte der Anteil deutlich
geschädigter Bäume im Berichtszeitraum zwi-
schen 29 und 56 %. Die mittlere Kronenver-
lichtung erreichte 25 %.
Insgesamt ist seit 1991 ein erheblicher Anstieg
der deutlich geschädigten Bäume wie auch der
Blattverluste festzustellen. Dies kann auf eine
zunehmende Alterung der Bestände, auftre-
tende Witterungsextreme (z. B. Trockenheit
2003) und den Anstieg der Fruktifikationshäu-
figkeit zurückgeführt werden.
Der Anteil deutlich geschädigter Eichen blieb
im Mittel der Jahre 2008 bis 2012 mit 43 % auf
konstant hohem Niveau, während nur 16 % der
Bäume als ungeschädigt eingeschätzt werden
konnten. Hauptursache ist der Insektenfraß. So
erreichte die Fraßfläche 2012 mit ca. 5.000 ha
den größten Wert im Berichtszeitraum.
Abb. 7.4 Zeitliche Entwicklung der Schadstufenverteilung bei Buche (links) und Eiche (rechts)
0
20
40
60
80
100
2008
2009
2010
2011
2012
[%]
0
20
40
60
80
100
2008
2009
2010
2011
2012
[%]
deutlich geschädigt
schwach geschädigt
ungeschädigt

image
46 |
7.2 Waldschutz
7.2.1 Abiotische Schäden
Im Berichtszeitraum wurde die Waldschutzsi-
tuation maßgeblich durch die Einwirkungen
von abiotischen Schadfaktoren bestimmt. Re-
gional waren die Auswirkungen auf den Wald-
zustand erheblich.
Das Jahr 2008 begann mit einem bedeutenden
Schadereignis. Der Sturm „Emma“ verursachte
am 1. März 2008 landesweit ca. 150.000 m³
Wurf- und Bruchholz. Das entsprach weniger
als 10 % der Schadholzmenge, die im Jahr
vorher durch den Sturm „Kyrill“ angefallen
war. Ende 2009/Anfang 2010 führten im Nord-
osten Sachsens starke Schneefälle bei wech-
selnden Temperaturen zu überdurchschnittli-
chen Bruchschäden in Kiefernbeständen. Die
Waldschutzsituation des Jahres 2010 prägten
überdurchschnittliche Niederschläge. Am
Pfingstmontag 2010 hinterließ ein Wirbel-
sturm eine ca. 80 km lange Schneise der Ver-
wüstung, wovon auch eine ganze Reihe von
Waldgebieten betroffen waren. Die Wald-
schutzsituation des Jahres 2011 wurde ähnlich
der des Vorjahres durch reichliche Nieder-
schläge besonders am Anfang des Jahres und
in der Mitte der Vegetationszeit beeinflusst.
Die Niederschläge in den beiden ersten Mona-
ten des Jahres 2011 führten in Verbindung mit
wechselnden Temperaturen gebietsweise zu
starken Schnee- und Eisanhängen mit an-
schließenden Druck-, Bruch- und Wurfschä-
den. Betroffen waren meist entsprechend den
jeweiligen Temperaturgradienten definierte
Höhenbereiche im gesamten Erzgebirge und
dem Vogtland. Der April 2011 war nach 2007
der zweitwärmste seit 1881. Dieses hohe Wär-
meangebot führte zu einem raschen und fast
synchronen Austrieb aller Baumarten. Im Mai
setzte sich die überwiegend trockenwarme
Witterung fort. In der ersten Maidekade wur-
den dann an fast allen Waldklimastationen
Frosttemperaturen registriert. Die Minima der
Lufttemperatur lagen dabei im Bereich von bis
zu -4° C. In den bodennahen Luftschichten
(5 cm Höhe) fielen die Temperaturen sogar bis
auf -9° C. Dieses ausgeprägte Spätfrostereig-
nis verursachte an fast allen Baumarten sehr
auffällige Schäden (Bild 7.1). Neben dem Ab-
sterben von Teilen der Maitriebe wurde in ei-
nigen Bereichen, wahrscheinlich bedingt
durch das zeitliche Zusammentreffen einer ex-
tremen Frostlage mit dem weit vorangeschrit-
tenen Austrieb, der komplette Maitrieb zum
Absterben gebracht.
Der Winter 2011/2012 war der vierte Winter in
Folge, dessen Witterung verglichen mit den
langjährigen Mittelwerten von 1971 bis 2000
zu kalt und relativ niederschlagsreich ausfiel.
Zum Teil ergiebige Schauer und Gewitter führ-
ten im Sommer 2012 zu überdurchschnittli-
chen Niederschlagssummen. Anfang Juli 2012
traten lokal extreme Niederschlagsereignisse
auf, sodass im Bereich einzelner Flusseinzugs-
gebiete Bäche und Flüsse anschwollen. Anfang
Juli führte ein kräftiges Tiefdruckgebiet, das
neben Schauern und Gewittern von Hagel und
starken Windböen begleitet war, lokal zu direk-
ten Schäden an Waldbeständen. Neben Blatt-
und Nadelverlusten wurden durch Hagelschlag
auch ganze Triebe abgebrochen bzw. die Rinde
z. B. von Kiefern in der Laußnitzer Heide irre-
versibel geschädigt, sodass es kleinflächig zum
Absterben von Kiefern kam. In der Sächsischen
Schweiz kam es zu flächigen Schäden, vorran-
gig in Fichtenbeständen. Es entstand eine
Schadholzmenge von zirka 7.900 m³. Ein sehr
zeitiger und regional sehr intensiver Nass-
schneefall am 27. Oktober 2012 verursachte
Schneebruch- und –druckschäden. Ende No-
vember traten erneut intensive Nassschneefäl-
le in den unteren und mittleren Lagen auf.
Die jährliche Anzahl und Größe der Waldbrän-
de bewegte sich im Berichtszeitraum im übli-
chen Rahmen (Abb. 7.5).
Bild 7.1: Spätfrostschäden in einer Eichen-Dickung im Forstbezirk Marienberg im Mai 2011
Abb. 7.5: Übersicht der von 2008 bis 2012 in Sachsen aufgetretenen Waldbrände
(ohne Bundeswald)
2008
2009
2010
2011
2012
Anzahl (N)
Fläche Laubb. (ha)
0
Fläche Nadelb. (ha)
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Anzahl [N]
Fläche [ha]

image
image
image
| 47
7.2.2 Biotische Schäden
Fichte
Die Waldschutzsituation in den fichtendomi-
nierten Landesteilen wurde 2008 durch eine
Massenvermehrung von Borkenkäfern (Buch-
drucker, Kupferstecher) geprägt, wie sie in den
letzten 40 Jahren noch nicht aufgetreten war.
Im Befallsjahr 2008 wurden landesweit an
mehr als 10.000 Waldorten ca. 130.000 m³
Holz Stehendbefall durch den Buchdrucker,
zum Teil in Kombination mit dem Kupferste-
cher registriert. Das war fast das Dreifache des
Vorjahreswertes. Das Schadausmaß überstieg
das Niveau der Jahre 2003 und 2004, als in-
folge des extrem warmen und trockenen
„Jahrhundertsommers“ insgesamt 125.000 m³
Befallsholz erfasst wurden.
Die hohen Befallsmengen 2008 resultieren aus
einem Ursachenkomplex. Zum einen sind sie
die Folge der vorangegangenen abiotischen
Sturmschadereignisse „Kyrill“ 2007 und
„Emma“ 2008. Trotz intensiver, zeitlich gestaf-
felter Aufarbeitung des Wurf- und Bruchhol-
zes kam es lokal zum Anstieg der Käferdichten.
Vorgeschädigte Bestände (Feinwurzelabrisse)
sowie neu entstandene Bestandesränder bo-
ten dem Buchdrucker ideale Befallsbedingun-
gen. Da andererseits aber auch Waldbestände
mit geringen Sturmschäden stark befallen wur-
den, verdeutlichte dies, dass auch das hohe Be-
fallsniveau der Vorjahre und die generell erhöh-
te Prädisposition alter Fichtenbestände infolge
des angespannten Wasserhaushaltes Ursachen
für diese Situation waren. Die Jahre nach 2008
waren durch tendenziell abnehmende Stehend-
befallsholzmengen gekennzeichnet (Abb. 7.6).
Bereits 2011 erreichte die registrierte Befalls-
holzmenge wieder das sehr geringe Niveau der
Jahre vor 2003. Neben den günstigeren Witte-
rungsbedingungen ist die konsequente Umset-
zung eines integrierten Bekämpfungskonzeptes
in den Wäldern aller Eigentumsarten verant-
wortlich für diesen Rückgang.
Kiefer
Die Überwachung der nadelfressenden Schmet-
terlingsart Nonne mittels Pheromonfallen wies
bis 2010 auf einen Anstieg der Populations-
dichten hin. Fraßschäden waren aber noch
nicht zu erwarten. Im Gegensatz zu den nörd-
lich angrenzenden Befallsgebieten in Branden-
burg setzte sich der befürchtete Dichteanstieg
in den Folgejahren nicht fort (Abb. 7.7).
Auch die mittels Winterbodensuche überwach-
ten anderen nadelfressenden Kiefernschad-
insekten wiesen schwankende Dichten, mit teil-
weise zunehmenden Trends auf, ohne allerdings
kritische Dichten zu erreichen. Im Frühjahr 2012
zeichnete sich vor allem in den nördlichen Teilen
der Landkreise Bautzen und Görlitz ein Anstieg
der Populationsdichten der Forleule ab. Deren
Puppenbelagsdichten erreichten bzw. über-
schritten die kritischen Werte. Aufgrund der da-
raus abgeleiteten Gefährdung von Kiefernwäl-
dern durch bestandesbedrohende (Kahl-)
Fraßschäden wurden weitere Überwachungs-
maßnahmen durchgeführt und Gegenmaßnah-
men in Form von aviotechnischen Pflanzen-
schutzmittelanwendungen vorbereitet.
Insgesamt waren davon 2.700 ha betroffen,
verteilt auf mehrere 80 bis 900 ha große
Waldgebiete. Bis Ende April wurden in diesen
Gebieten jedoch nur sehr geringe Eidichten
der Forleule festgestellt, sodass letztendlich
keine Gegenmaßnahmen erforderlich waren.
0
20.000
40.000
60.000
80.000
100.000
120.000
140.000
2008
2009
2010
2011
2012
Befallsholz
[m³]
registriert
Januar - Mai
im Folgejahr
registriert
Juni - Dezember
im Befallsjahr
Laubbaumarten
Insbesondere ab 2011 zeichnet sich eine Zu-
nahme der Schadfläche durch die Eichenfraß-
gesellschaft ab, die 2012 zu umfangreichen
Schäden führte (Abb. 7.8). Die Frostspannerar-
ten, hauptsächlich der Gemeine Frostspanner,
verursachten 2012 eine ca. 3.300 ha große Be-
falls- bzw. Fraßfläche in den Wäldern. Das war
mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vor-
jahr und stellte damit das Maximum für die
Jahre ab 1990 dar. Die aufgetretenen fraßbe-
dingten Blattverluste waren regional differen-
ziert verteilt. Besonders betroffen war der
westliche Landesteil, südlich von Leipzig bis
zum Erzgebirgsvorland (Abb. 7.9).
In einzelnen Eichenbeständen zeigten sich be-
reits erkennbare Vitalitätseinbußen in Form
von überdurchschnittlichen Laubverlusten,
Trockenästen und Auftreten sekundärer Schad-
erreger (Eichenprachtkäfer).
Abb. 7.6: Durch Borkenkäfer (Buchdrucker, zum Teil in Kombination mit Kupferstecher)
befallene Holzmenge
Bild 7.2: Starker Fraß an Eiche durch die Eichen-
fraßgesellschaft
Bild 7.3: Aufbaumende Larve des Gemeinen (links)
und des Großen Frostspanners (rechts)

48 |
Abb. 7.7: Ergebnisse der Pheromonfallenfänge von Nonne für alle Überwachungsbestände nach Landkreisen und Kreisfreien Städten
(dargestellt wird jeweils das höchste summarische Fangergebnis in der gesamten Schwärmzeit für eine Falle)
0
200
400
600
800
1.000
1.200
1.400
1.600
1.800
KfS Chemnitz
Landkreis Leipzig
KfS Dresden
Zwickau
Mittelsachsen
Erzgebirgskreis
Vogtlandkreis
Bautzen
Meißen
Nordsachsen
Sächsische
Schweiz/
Osterzgebirge
Görlitz
2008
2009
2010
2011
2012
max. Fang Falter/Falle
Ende Juni 2012 wurde am nördlichen Stadt-
rand von Dresden und der Dresdener Heide
das Auftreten des Eichenprozessionsspinners
an wenigen Befallsstellen festgestellt. Für den
Landkreis Nordsachsen deuten bereits seit
mehreren Jahren Fangzahlen in Pheromonfal-
len auf das Vorkommen dieses, besonders aus
humanhygienischer Sicht relevanten Schadin-
sektes in Sachsen hin. Trotz tendenziell anstei-
gender Populationsdichten wurde in dieser
Region bisher kein Befall in Eichenbeständen
beobachtet.
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
2008
2009
2010
2011
2012
[ha]
Eichenwickler
2008
2009
2010
2011
2012
Frostspanner
stark befressen
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
[ha]
merklich befressen
Abb. 7.8: Befallsflächen durch den Eichenwickler (links) und den Frostspanner (rechts)
Schäden durch Pilze
Wirtschaftlich relevant war im Berichtszeit-
raum das Auftreten des Eschentriebsterbens.
Eine Stichprobenerhebung zeigt eine landes-
weite Verbreitung der typischen Schadsymp-
tome dieses pilzlichen Schaderregers in Sach-
sen. Eine Bekämpfung des Pilzes ist nicht
möglich. Aussagen zur Regenerationsfähigkeit
befallener Eschen sowie zu Änderungen des
Anteils befallener Eschen und der Befalls-
intensität können nur auf der Grundlage eines
über mehrere Jahre durchgeführten Monito-
rings und demzufolge zum gegenwärtigen
Zeitpunkt nicht getroffen werden. Der Anbau
der Esche ist gegenwärtig im Landeswald aus-
gesetzt. Dem entsprechen auch die Empfeh-
lungen für Forstbetriebe der anderen Wald-
eigentumsformen.
Schäden durch Säugetiere
Neben den Verbiss- und Schälschäden durch
wiederkäuende Schalenwildarten (Kap. 9.3)
verursachen Kurzschwanzmäuse Schäden an
Verjüngungen, insbesondere mit Laubbaumar-
ten. Die Abb. 7.10 zeigt die jährlich registrier-
ten Befallsflächen. Die Schäden können durch
Bekämpfungsmaßnahmen nur bedingt einge-
grenzt werden. Entscheidend ist die Prävention

image
| 49
Abb. 7.9: Verteilung der Befallsfläche (Fraß) durch Frostspannerarten in 2012 (für alle Eigentumsarten nach Landkreisrevieren)
Fläche [ha]
keine Meldung
0
ab 50
bis 50
ab 100
ab 300
durch waldbauliche Maßnahmen. Dement-
sprechend ist die Entstehung von Lebensräu-
men zu vermeiden, die für Mäuse besonders
ge eignet sind. Die Verjüngung von gefährdeten
Baumarten setzt eine integrierte Mäuse-
bekämpfung voraus. Das erfordert gegebenen-
falls eine Flächenvorbehandlung mit Herbi ziden
(Lebensraumveränderung), hohe Pflanzenzah-
len (schnelle Entstehung von bodenvegeta-
tionsfreien Dickungsstadien) und nur in Aus-
nahmen direkte Bekämpfungsmaßnahmen.
Beutegreifer (Fuchs, Greifvögel) können die
Spitze von Massenvermehrungen abschöpfen,
regulieren aber die Mäusepopulation nicht auf
einem waldökologisch wirksamen Niveau.
0
100
200
300
400
500
600
700
2008
2009
2010
2011
2012
Schäden [ha]
Jahr
Nageschäden
Winter
Nageschäden
Sommer
Abb. 7.10: Durch Schadmäuse befallene Fläche von 2008 bis 2012

image
50 |

image
| 51
8 Bedeutende Schadereignisse
8.1 Sturm „Emma“ 2008
Der Winter 2007/2008 war überdurchschnitt-
lich warm und niederschlagsarm. Die Monats-
mitteltemperaturen lagen im Januar und
Februar zwischen 1 und 3 Kelvin über den
langjährigen Mittelwerten von 1971 bis 2000.
Der März 2008 war durch häufigere Tiefdruck-
gebiete mit höheren Niederschlägen und leicht
Bild 8.1: Frische Würfe nach dem Sturm „Emma“ am Rand einer beräumten „Kyrill“-Schadfläche
unterdurchschnittlichen Temperaturen ge-
prägt. Das forstlich bedeutendste Schadereig-
nis war das Sturmtief „Emma“ am 1. März.
Durch den Sturm fielen landesweit zirka
150.000 m³ Wurf- und Bruchholz an. Das war
zwar weniger als 10 % der Schadholzmenge,
die 2007 der Sturm „Kyrill“ verursachte, brach-
te aber trotzdem vor allem in den am stärksten
betroffenen Forstbezirken Eibenstock, Adorf
und Plauen mit Schadholzmengen von jeweils
ca. 25.000 m³ einen beträchtlichen Aufarbei-
tungsaufwand mit sich.

image
image
52 |
Welche Dynamik die Atmosphäre entwickelt,
wenn warme und kalte Luftmassen aufeinan-
der treffen, zeigte sich am Nachmittag des
24. Mai 2010. An diesem Pfingstmontag ver-
änderten kurze, heftige Gewitter mit Starkre-
gen, Hagel und Sturmböen den Waldzustand
massiv. Mit einer geschätzten Windgeschwin-
digkeit von 250 Stundenkilometern rotierte
ein Wirbelsturm auf einer rund 80 km langen
Schneise von Torgau über Belgern, Großenhain
und Ottendorf-Okrilla bis Großröhrsdorf. In
dieser Sturmschneise fielen 134.000 m³ Wurf-
und Bruchholz an. Mit 68.000 m³ Schadholz
konzentrieren sich die Schäden auf Waldge-
biete im Forstbezirk Dresden. Bedingt durch
die regionalen Waldeigentumsverhältnisse war
mit 93.000 m³ Sturmholz hauptsächlich der
Privat- und Körperschaftswald betroffen, im
Staatswald entstanden 41.000 m³ Wurf- und
Bruchholz.
8.2 Tornado Pfingsten 2010
Bild 8.3: Schäden im Wald durch den Wirbelsturm am 24. Mai 2010 im Forstbezirk Dresden
Abb. 8.2: Luftaufnahme der Schäden durch den Wirbelsturm am 24. Mai 2010

image
image
image
| 53
Bild 8.4: Schneedruckschäden im Wald nach dem Winter 2009/10 im Forstbezirk Taura
8.3 Schneebruch 2010 und 2012
Die Monate Januar/Februar 2010 waren für die
Tieflandsregionen durch ungewöhnlich starke
Schneefälle mit Schneelagen von reichlich
30 cm Höhe geprägt. Gebietsweise, insbeson-
dere in den Kieferngebieten im nordwestlichen
Sachsen, ging diesen ein Schneeregen voraus,
der zu Eisanhang in den Baumkronen führte.
In diesen Gebieten hatte der starke Schneefall
im Winter erhebliche Bruchschäden durch
Schneedruck zur Folge. Von diesen Ereignissen
besonders betroffen wurde der Forstbezirk
Taura mit einem Schadholzanfall von
84.000 m³. Für Sachsen insgesamt blieben die
Schäden aus dem Winter 2009/10 jedoch im
langjährigen Mittel.
Ein sehr zeitiger und regional sehr intensiver
Nassschneefall am 27. Oktober 2012 führte zu
erheblichen Schneebruch- und -druckschäden.
Betroffen waren fast ausschließlich die zu die-
sem Zeitpunkt noch belaubten Baumarten.
Vorrangig wurden dichte Jungwüchse und
Bestände mit vorwüchsigen Mischbaumarten
geschädigt ebenso wie Bäume in Randlagen
zu benachbarten Altbeständen (Bilder 8.4 und
8.5). Ende November traten erneut intensive
Nassschneefälle in den unteren und mittleren
Lagen auf. Besonders betroffen waren prä-
disponierte Höhenlagen in den Forstbezirken
Plauen, Chemnitz, Bärenfels, Neustadt und
Oberlausitz. Die Schadholzmenge wurde auf
Bild 8.5: Schneedruckschäden durch Nassschnee Ende Oktober 2012
Bild 8.6: Vom Nassschnee geschädigter Eichen-Jungbestand
fast 270.000 m³ geschätzt. Neben Laubbaum-
arten waren vor allem Kiefern- aber auch
Fichten- und Lärchenbestände in den jüngeren
und mittleren Altersklassen betroffen.
Die Schäden traten häufig in frisch gepflegten
und durchforsteten Beständen auf und ihre
Form war meist einzelbaumweise oder in Form
von Bruchnestern, was den Aufwand für die
Aufarbeitung wesentlich erhöhte. Neben der
Verhinderung von Folgeschäden durch Bor-
ken käferbefall erforderte diese Situation Maß-
nahmen zur Sicherung der Entwicklungspo-
tenziale der vorhandenen Umbauflächen. Dazu
gehört neben dem Wiederherstellen von Wild-
schutzzäunen auch die Sanierung geschädig-
ter Laubholzjungwüchse und -bestände.

image
54 |

| 55
9 Wald und Wild
9.1 Neuregelungen des Jagdrechtes
Im letzten Jahr des Berichtszeitraumes wurde
das sächsische Jagdrecht umfassend neu ge-
regelt. Seit dem 1. September 2012 ist das
neue Jagdgesetz für den Freistaat Sachsen
(SächsJagdG) gültig. Die dazugehörige Verord-
nung des Sächsischen Staatsministeriums für
Umwelt und Landwirtschaft über die Jagd
(SächsJagdVO) ist am 15. September 2012 in
Kraft getreten.
Die Neuregelung war notwendig, da das bis-
her ige Landesjagdgesetz vom 8. Mai 1991 den
heutigen rechtlichen Anforderungen und ge-
sellschaftlichen Ansprüchen an die Jagd nicht
mehr ausreichend gerecht wurde. So liegt eine
Vielzahl neuer Erkenntnisse zur Wildbiologie
und zur Ökologie der Wildbestände sowie zu
ihren Lebensräumen vor. Natur- und Tierschutz
haben in den letzten Jahren einen deutlich hö-
heren Stellenwert in der Gesellschaft erlangt.
Zudem waren Anpassungen zur Umsetzung
der FFH- und Vogelschutzrichtlinie in Bezug
auf die streng geschützten Wildarten erfor-
derlich. Das neue sächsische Jagdrecht ist da-
rauf ausgerichtet, dass einerseits bewährte
Grund elemente des deutschen Jagdrechts, wie
dessen Bindung an das Grundeigentum, das
Reviersystem oder die Hegeverpflichtung bei-
behalten werden. Andererseits werden die
Rechte ebenso wie die Eigenverantwortung so-
wohl von Grundeigentümern, insbesondere
von Waldbesitzern und Landwirten, als auch
der Jagdausübungsberechtigten vor Ort ge-
stärkt. Weiterentwicklungen im Sinne eines
ökologischen Wildtiermanagements sowie im
Tier- und Artenschutz finden Berücksichtigung.
Wesentliche Änderungen sind unter anderem:
Regelungen zu geschützten Wildarten ge-
mäß Naturschutzrecht wie Meldepflichten
oder Aneignungsverbote für streng ge-
schütztes Wild
Verpflichtung der Jagdausübungsberechtig-
ten zur Mitwirkung am Wildmonitoring
Festschreibung der Vorbildfunktion für
Jagdausübung und Wildhege in den Verwal-
tungsjagdbezirken
Möglichkeit zur Bildung von Eigenjagdbezir-
ken durch anerkannte Forstbetriebsgemein-
schaften
sofortige Jagdpachtfähigkeit durch volljäh-
rige Jagdscheininhaber
Verbot der Verwendung bleihaltiger Schrot-
munition bei der Jagd auf Wasserwild und
generell ab dem 1. April 2014
gutachtliche Stellungnahme der Forstbehör-
de zum Zustand der Vegetation im Wald für
gemeinschaftliche Jagdbezirke im Zusam-
menhang mit der Abschussplanbestätigung.
Aufhebung der Schalenwildgebiete
Möglichkeit zur Aufstellung von Gruppen-
abschussplänen durch Hegegemeinschaften
Erlegung des Rehwildes ohne behördlichen
Abschussplan
Entfall der Anmeldepflicht von Wildschäden
bei der Behörde
Angleichung von wesentlichen Jagd- und
Schonzeiten, wie z. B. einheitlicher Jagdbe-
ginn für Rot-, Dam- und Muffelwild am
1. August sowie Jagdende für diese Wildar-
ten einschließlich Rehwild am 31. Januar.
9.2 Wild und Jagd
Wald und Wild stellen eine untrennbare Ein-
heit dar. Etwa 33 % der Gesamtjagdfläche im
Freistaat Sachsen ist bewaldet. Wald ist Le-
bensraum für viele Wildarten. Als Einstands-
gebiet und Nahrungsquelle hat er für die
Schalenwildarten Rot-, Dam-, Muffel-, Reh-
und Schwarzwild eine große Bedeutung, wo-
bei die beiden zuletzt genannten Arten flä-
chendeckend in Sachsen vorkommen.
Seit dem Jahr 1997 waren für Rot-, Dam- und
Muffelwild sogenannte Schalenwildgebiete
(SWG) durch Rechtsverordnung festgesetzt. In
diesen durfte neben Reh- und Schwarzwild,
jeweils nur eine weitere Schalenwildart gehegt
werden. Das Vorkommen dieser Arten war auf
diese SWG einschließlich unterschiedlich gro-
ßer Randbereiche, lokaler Rudelvorkommen
und Wanderkorridore beschränkt. Tab. 9.1
zeigt die bis September 2012 bestehende An-
zahl der SWG sowie deren Flächengrößen und
Waldanteile. Mit Inkrafttreten des neuen
Sächsischen Jagdgesetzes wurden die SWG
aufgehoben.
Das Leitbild der Jagd ist die nachhaltige Nut-
zung der Wildbestände, die Erhaltung eines
artenreichen und gesunden Wildbestandes so-
wie die Sicherung und Verbesserung der na-
türlichen Lebensgrundlagen des Wildes. Mit
der Jagd ist jedoch nicht nur die Verant-
wortung für das Wild verbunden, sondern
gleichzeitig auch die Verantwortung für sei-
nen Lebensraum. Daher wird in § 24 Abs. 2
SächsWaldG gefordert, die Wildbestände auf
eine ökologisch begründete Bestandshöhe zu
begrenzen, welche die natürliche Waldverjün-
gung ermöglicht. Die Jäger sind darum gesetz-
lich verpflichtet, die Hege so durchzuführen,
dass Beeinträchtigungen einer ordnungsgemä-
ßen Forstwirtschaft durch Wildschäden mög-
lichst vermieden werden.

image
image
56 |
Tab. 9.1: Anzahl und Flächen der Schalenwildgebiete (bis 2012) im Freistaat Sachsen
Wildart
SWG
[Zahl]
Fläche
[ha]
Anteil Waldfläche
[%]
Anteil Jagdfläche
[%]
Rotwild
10
569.924
55,0
35,8
Damwild
4
138.183
6,6
8,7
Muffelwild
9
103.039
5,4
6,5
Gesamt
23
811.145
67,0
51,0
Die Waldlebensräume des Schalenwildes im
Freistaat Sachsen sind überwiegend noch
durch Fichten- und Kiefernreinbestände ge-
prägt. Die kontinuierlich durchgeführten
Waldumbaumaßnahmen zur Schaffung stabi-
ler, standortgerechter und leistungsfähiger
Mischwälder verbessern mittel- bis langfristig
wesentlich die natürlichen Lebensgrundlagen
des Wildes. Allerdings stellen die im Zuge des
notwendigen Waldumbaus eingebrachten
Baumarten, vor allem Buche, Eiche und Tanne,
vielerorts eine attraktive Nahrungsquelle dar.
Überhöhte Wildbestände gefährden deswegen
den Waldumbau durch Verbiss und Schäle, tra-
gen gleichzeitig zur Wertminderung von Wald-
beständen bei und erfordern kostenträchtige
Schutzmaßnahmen. In der Konsequenz werden
die Waldbesitzer durch erhöhte Aufwendun-
gen für Schutz sowie Mindereinnahmen wirt-
schaftlich unverhältnismäßig belastet.
Jagdstreckenentwicklung
Die Jagdstrecken des Schalenwildes und des
Fuchses (einschließlich des registrierten Fall-
und Unfallwildes) im Berichtszeitraum können
den Abb. 9.1 bis 9.3 entnommen werden.
Rotwild
Damwild
Muffelwild
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
4.000
4.500
2008/2009
2009/2010
2010/2011
2011/2012
2012/2013
Stück
Jagdjahr
Abb. 9.1: Streckenergebnisse für Rot-, Dam- und Muffelwild der Jagdjahre 2008/2009 bis
2012/2013 im Freistaat Sachsen
Bild 9.1. Die Schalenwildgebiete z. B. für Muffelwild wurden mit Inkrafttreten des
neuen Jagdgesetzes im September 2012 aufgehoben
Bild 9.2: Streckelegen nach einer Drückjagd

image
| 57
Abb. 9.2: Streckenergebnisse für Reh- und Schwarzwild der Jagdjahre 2008/2009 bis
2012/2013 im Freistaat Sachsen
Bild 9.3: Schwarzwild
Abb. 9.3: Streckenergebnis für den Fuchs der Jagdjahre 2008/2009 bis 2012/2013 im
Freistaat Sachsen
Rehwild
2008/2009
2009/2010
2010/2011
2011/2012
2012/2013
Schwarzwild
Stück
Jagdjahr
20.000
22.000
24.000
26.000
28.000
30.000
32.000
34.000
36.000
38.000
2008/2009
2009/2010
2010/2011
2011/2012
2012/2013
Fuchs
Stück
Jagdjahr
15.000
17.000
19.000
21.000
23.000
25.000
27.000
29.000

image
image
58 |
9.3.1 Verbisserhebung
Bild 9.5: Leittriebverbiss an einem jungen Bergahorn
Der Anteil von Verjüngungsflächen, die vor
Wildverbiss geschützt waren, fiel 2009 im Ver-
gleich zur vorangegangenen Erhebung gering-
fügig niedriger aus. Mit 35 % bezogen auf die
Gesamtzahl von Verjüngungsflächen war die-
ser Wert allerdings immer noch sehr hoch. Das
gilt besonders für Laubbaumverjüngungen,
von denen ca. 1/3 geschützt waren. Insgesamt
ist seit Beginn der Erhebungen ein abnehmen-
der Trend der Verbissintensität zu verzeichnen
(Abb. 9.4).
Obwohl im Berichtszeitraum erhebliche An-
strengungen zur Reduzierung überhöhter
Schalenwildbestände unternommen worden
sind, lässt die derzeitige Verbisssituation eine
natürliche Verjüngung des Waldes, wie sie im
SächsWaldG gefordert wird, in weiten Teilen
Sachsens nicht in ausreichendem Maße zu.
Angesichts der Herausforderungen für Wald
und Forstwirtschaft durch den Klimawandel
9.3 Ergebnisse Verbiss- und Schälschadenserhebung
Im Berichtszeitraum wurde gemäß der gelten-
den gesetzlichen Regelungen im Jahr 2009
eine landesweite Verbiss- und Schälschadens-
erhebung durchgeführt. Nach der erstmaligen
Erhebung der Daten 1995 wurden Aufnahmen
zur Verbisssituation in den Jahren 1998, 2000
und 2003 (jeweils April/Mai) bzw. zur Schäl-
situation 1998 und 2002 (jeweils September/
Oktober) durchgeführt. 2006 und 2009 erfolg-
ten die Aufnahmen zu Verbiss und Schäle zeit-
gleich im April und Mai.
Bild 9.4: Zaunschutz von Verjüngungen verursacht hohe Kosten für Forstbetriebe
ist der Waldumbau in unvermindeter Intensi-
tät jedoch notwendig. Deswegen ist es weiter-
hin unverzichtbar, örtlich differenziert die Po-
pulationen wiederkäuender Schalenwildarten
konsequent zu reduzieren. Der Schutz der Ver-
jüngung durch Zäune ist keine Alternative,
weil damit einerseits hohe Aufwendungen
verbunden sind und andererseits nur eine ein-
geschränkte Wirksamkeit gegen Wild erzielt
wird.

image
| 59
Abb. 9.4: Vergleich der Leittriebverbissprozente wichtiger Baumarten für die Erhebungen 1995, 1998, 2000, 2003, 2006 und 2009
1995
1998
2000
2003
2006
2009
Leittriebverbiss [%]
GFI
GKI
TA
DGL
sonstiges NH
RBU
TEI/SEI
AH
HBU
GES
sonstiges LH
0
10
20
30
40
50
60
9.3.2 Schälschadenserhebung
Schälschäden wurden in den ausgewiesenen
Schalenwildgebieten für Rot- und Muffelwild
erhoben. Zusätzlich wurden Waldflächen im
Grenzbereich zu Schalenwildgebieten unter-
sucht, in denen regelmäßig Rotwild zum Ab-
schuss kommt. Da Waldbestände in Abhängig-
keit von der Baumart zwischen 10 und 60
Jahre lang schälgefährdet sind, kann sich der
Schaden durch beständige jährliche Neuschä-
le vervielfachen. Es wird davon ausgegangen,
dass neue Schälschäden, die bis zu 1 % der
vorherrschenden und herrschenden Bäume ei-
nes Bestandes betreffen, tolerierbar sind. 2009
ging landesweit der Flächenanteil mit nicht
tolerierbaren Schälschäden nochmals deutlich
zurück. Das ermittelte Schälprozent ging in-
nerhalb der Schalenwildgebiete von 3,0 % in
2002 über 2,8 % in 2006 auf 2,0 % in 2009
zurück. Bei der ersten Erhebung 1995 war die-
ser Wert mit 1,4 % noch deutlich niedriger.
Bild 9.6: Schälschaden durch Rotwild an einer
jungen Weißtanne

image
60 |

| 61
10 Forstverwaltung
10.1 Forstbehörden
10.1.1 Verwaltungs- und Funktionalreform
Im Rahmen der Verwaltungs- und Funktional-
reform des Freistaates Sachsen gab es ab dem
1. August 2008 auch im Geschäftsbereich des
SMUL strukturelle, organisatorische und per-
sonelle Veränderungen. Die gleichzeitig neu
gebildeten 10 Landkreise und drei Kreisfreien
Städte übernahmen Aufgabenteile des Staats-
betriebes Sachsenforst, der ehemaligen Staat-
lichen Ämter für Landwirtschaft, aus dem Be-
reich der Umweltverwaltung und vollständig
die Aufgaben der ehemaligen Staatlichen Äm-
ter für Ländliche Entwicklung. Des Weiteren
wurden nahezu alle Aufgaben der Sächsischen
Landesanstalt für Landwirtschaft, des Landes-
amtes für Umwelt und Geologie, der Abteilung
Landwirtschaft des Regierungspräsidiums
Chemnitz und der Staatlichen Ämter für Land-
wirtschaft sowie die Koordinierung der Länd-
lichen Entwicklung im Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie (LfULG) zusam-
mengeführt. Ebenso entstand der dem SMUL
nachgeordnete Staatsbetrieb Staatliche Be-
triebsgesellschaft für Umwelt und Landwirt-
schaft.
So gingen Vollzugsaufgaben als untere Forst-
behörde nach dem SächsWaldG sowie einzelne
hoheitliche Vollzugsaufgaben nach sonstigen
gesetzlichen Bestimmungen im Forstbereich
wie Pflanzenschutzgesetz, Bienenschutzver-
ordnung, Forstvermehrungsgutgesetz oder
Bundesbodenschutzverordnung an die Land-
kreise und Kreisfreien Städte über (Kap. 10.1.3).
Mit den Aufgaben wechselten gleichzeitig
193 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom
Staatsbetrieb Sachsenforst zu den neuen un-
teren Forstbehörden. Damit verbunden war
eine teilweise Neustrukturierung des Staats-
betriebes Sachsenforst (Kap. 10.2.1).
Mit der Umsetzung der Verwaltungs- und
Funktionalreform zum 1. August 2008 wurden
die streng hoheitlichen von den wirtschaftli-
chen sowie schlichthoheitlichen Aufgaben ge-
trennt und damit das bis dahin praktizierte
Modell der Einheitsforstverwaltung abgelöst.
Private und körperschaftliche Waldbesitzer
haben seitdem als Ansprechpartner zum einen
die Beratungs- und Betreuungsrevierleiter in
den Forstbezirken und zum anderen die für
hoheitliche Fragen zuständigen unteren Forst-
behörden.
10.1.2 Oberste Forstbehörde
Das Sächsische Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft ist oberste Forstbehörde.
Eine wesentliche Aufgabe besteht zum einen
in der umfassenden Fachaufsicht über den
Staatsbetrieb Sachsenforst einschließlich Füh-
rung der Geschäftsstelle des Verwaltungsrates.
Zum anderen bilden alle Wald und Forstwirt-
schaft in Sachsen betreffenden Grundsatzan-
gelegenheiten den Schwerpunkt der Tätigkeit.
Dies betrifft z. B.:
die Vertretung der Interessen von Wald und
Forstwirtschaft in Gremien auf Landes- wie
Bundesebene
die Führung der Geschäftsstelle für den Lan-
desforstwirtschaftsrat
die Richtlinienverantwortung für die
RL WuF/2007
die Prüfungsbehörde für die Laufbahn des
höheren Forstdienstes
die Raumordnung und Landesplanung für
den Bereich Wald und Forstwirtschaft
den Cluster Forst und Holz.
Die Aufgaben wurden zu Beginn des Berichts-
zeitraums von zwei forstlichen Referaten er-
füllt, die in der Abteilung Klima, Wald, Immis-
sions- und Klimaschutz angesiedelt waren.
Zum 1. Januar 2009 wurden diese in die Ab-
teilung Naturschutz, Wald und Forstwirtschaft
integriert, um dann ein Jahr später Teil der Ab-
teilung Land- und Forstwirtschaft zu werden.
Im Juni 2011 wurden die beiden Forstreferate
zum Referat Wald und Forstwirtschaft, Forst-
und Jagdbehörde zusammengelegt.

62 |
10.1.3 Obere Forstbehörde
Der Staatsbetrieb Sachsenforst ist obere Forst-
behörde und hatte im Berichtszeitraum unter
anderem folgende Tätigkeitsschwerpunkte:
Zusammenarbeit mit den unteren Forstbe-
hörden
Die obere Forstbehörde übt die Fachaufsicht
über die unteren Forstbehörden aus. Im Rah-
men der Fachaufsicht werden diese bei der
Wahrnehmung ihrer Aufgaben beispielsweise
durch Schulungs- und Informationsveranstal-
tungen unterstützt. Außerdem wird in den
„Forstbehördlichen Informationen“ über neu-
este Entwicklungen im forstbehördlichen Be-
reich berichtet. Eine weitere Aufgabe ist die
Zusammenarbeit bei der Beantwortung von
Landtagsanfragen, Petitionen usw., beispiels-
weise betraf das Themen wie Verkehrssiche-
rungspflicht, nachbarschaftsrechtliche Fragen
oder das Betretungsrecht des Waldes.
Waldumwandlungen
Die obere Forstbehörde ist Genehmigungsbe-
hörde, wenn ein Landkreis bzw. eine Kreisfreie
Stadt im Verfahren beispielsweise als Flächen-
eigentümer oder Vorhabensträger selbst betei-
ligt ist. Bei Landeswaldflächen ist die obere
Forstbehörde zuständig für die Prüfung, ob die
Voraussetzungen für eine Zulässigkeit einer
Waldinanspruchnahme vorliegen. Hier nimmt
die obere Forstbehörde die Funktion eines Trä-
gers öffentlicher Belange wahr.
Stellungnahmen zu Planungen und Vorha-
ben
Im Berichtszeitraum wurde zu den verschie-
densten Planungen und Vorhaben, die Landes-
wald betrafen, Stellung genommen. Besonders
im Fokus standen dabei die Bereiche Schutz vor
Hochwasser, Ausbau von Bahnstrecken sowie
Errichtung von Freizeit- und Erholungseinrich-
tungen. Gerade das Aufkommen neuer Freizeit-
aktivitäten im Wald wie das Nutzen von Klet-
terwäldern hat zu einer Zunahme bei den
dazugehörigen Planungsvorhaben geführt. Des
Weiteren wurden zahlreiche fachliche Stel-
lungnahmen in der gesamten Bandbreite von
Landes- und Regionalplanung abgegeben.
Durchführung und Auswertung der Wald-
funktionenkartierung
Die obere Forstbehörde hat im Berichtszeit-
raum die Waldfunktionenkartierung fortge-
schrieben und ihre Ergebnisse in Form der
Waldfunktionenkarte, der Erläuterungsberich-
te sowie digitaler Geometrie- und Sachdaten
den unteren Forstbehörden, den Trägern öf-
fentlicher Belange, Planungsbüros usw. für de-
ren Tätigkeit zur Verfügung gestellt (Kap. 3.2.1).
Behördliche Waldschutzaufgaben
Der Deutsche Wetterdienst (Abt. Agrarmeteo-
rologie in Leipzig) berechnet auf der Grundlage
einer gemeinsamen Verwaltungsvereinbarung
mit dem Staatsbetrieb Sachsenforst vom Janu-
ar 2008 auf Basis des Verfahrens M68 von Mit-
te Februar bis Ende Oktober eines jeden Jahres
täglich aktuelle und prognostische Waldbrand-
warnstufen für die derzeit 31 sächsischen Vor-
hersageregionen der Landkreise und Kreisfrei-
en Städte. Deren tägliche Visualisierung erfolgt
im Internet unter
www.sachsenforst.de.
Darüber hinaus koordiniert und bündelt die
obere Forstbehörde die Berichte der unteren
Forstbehörden zum Waldschutz (z. B. zur
Waldbrandstatistik oder zu den Quarantäne-
schadorganismen) und gibt die ausgewerteten
Informationen und Daten an das zuständige
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und
Geologie weiter.
Durchführung des Forstvermehrungsgut-
gesetzes (FoVG)
Zweck des FoVG ist es, den Wald mit seinen
vielfältigen positiven Wirkungen durch die Be-
reitstellung von hochwertigem und identitäts-
gesichertem forstlichen Vermehrungsgut in
seiner genetischen Vielfalt zu erhalten und zu
verbessern sowie die Forstwirtschaft und ihre
Leistungsfähigkeit zu fördern.
Der Staatsbetrieb Sachsenforst ist für die lan-
desweite Zulassung und Überprüfung von
Forstvermehrungsgutbeständen aller Katego-
rien sowie die Zuordnung der Forstvermeh-
rungsgutbestände zu den Herkunftsgebieten
zuständig. Er führt ein Erntezulassungsregis-
ter und stellt dieses den Waldbesitzern, Fach-
institutionen sowie den Forstsamen- und
Forstpflanzenbetrieben zur Verfügung. Darü-
ber hinaus gibt der Staatsbetrieb Sachsenforst
für die einzelnen Baumarten Herkunftsemp-
fehlungen zum Anbau geeigneter Herkünfte
heraus und berät auf dieser Grundlage die
Waldbesitzer und Betriebe (Forstsaatgutbera-
tungsdienst).
Das Register und die Liste über zugelassenes
Ausgangsmaterial nach § 6 FoVG umfasst
27 Baumarten und künstliche Hybriden. In den
Wuchsgebieten Sachsens sind für die Gewin-
nung forstlichen Vermehrungsgutes 780 Ern-
tebestände der Kategorie „ausgewählt“ mit ei-
ner Gesamtfläche von 3.276 ha ausgewiesen
und im Erntezulassungsregister dokumentiert.
Von diesen befinden sich 508 im Landes-,
85 im Körperschafts- sowie 187 im Privatwald.
Die zugelassenen Erntebestände müssen ent-
sprechend den gesetzlichen Regelungen be-
stimmte Anforderungen erfüllen. Sie repräsen-
tieren in Form und Habitus sowie hinsichtlich
Leistung und Vitalität die besten Bestände der
jeweiligen Baumart. Außerdem gibt es in
Sachsen 43 Samenplantagen sowie Kreu-
zungskombinationen der Kategorie „geprüft“
bzw. „qualifiziert“ mit einer Gesamtfläche von
58,6 ha. Samenplantagen sind Anpflanzungen
vegetativ vermehrter Einzelbäume (Klonsa-
menplantagen) oder generativ vermehrter
Einzelbäume (Sämlingssamenplantagen). Die
zugelassenen Erntebestände und Samen-
plantagen werden regelmäßig auf das weite-
re Vorliegen der Zulassungsvoraussetzungen
überprüft.
10.1.4 Untere Forstbehörden
Die Landkreise und Kreisfreien Städte sind un-
tere Forstbehörden. Sie nehmen eine Vielzahl
von Aufgaben nach dem SächsWaldG sowie
anderen Fachgesetzen (z. B. FoVG) wahr. Nach-
folgend werden einige dieser Tätigkeitsberei-
che kurz dargestellt und beispielhaft wird auf
die im Berichtszeitraum wahrgenommenen
Aufgaben nach dem FoVG näher eingegangen.
Genehmigungsbehörde
Die unteren Forstbehörden sind Genehmi-
gungsbehörde beispielsweise für die Um-
wandlung von Waldflächen in eine andere
Nutzungsart, für die Beseitigung des Baum-
bestandes zur Anlage einer Leitungsschneise,
für Kahlhiebe oder für die Sperrung von Wald.
Außerdem sind sie zuständig für die Entschei-
dung über die Erteilung einer Umwandlungs-
erklärung, wenn eine Gemeinde in einem
Flächennutzungs- oder Bebauungsplan für
Waldflächen eine andere Nutzungsart vor-
sieht.
Eine für den Tourismus und damit insbesonde-
re für die Entwicklung des ländlichen Raumes
wichtige Aufgabe erfüllen die unteren Forst-

| 63
behörden bei der Ausweisung und Kennzeich-
nung von Reitwegen. Außerdem nehmen Sie
die Anzeige von Reitwegeschäden entgegen,
führen Vor-Ort-Termine zur Schadensbegut-
achtung durch und geben hierzu Stellungnah-
men gegenüber der oberen Forstbehörde ab.
Träger öffentlicher Belange
Bei Planungen und Maßnahmen, die in ihren
Auswirkungen Waldflächen betreffen können,
werden die unteren Forstbehörden von der je-
weiligen Genehmigungsbehörde beteiligt und
nehmen dazu Stellung. Typische Vorhaben sind
beispielsweise die Regionalplanung, Raumord-
nungs- und Planfeststellungsverfahren, die
Bauleitplanung sowie weitere Verfahren nach
verschiedenen Fachgesetzen (z. B. Immissions-
schutz-, Wasser-, Straßen-, Bergrecht).
Bei Bauvorhaben, die den 30 m Mindestab-
stand zu Waldflächen unterschreiten, nehmen
die unteren Forstbehörden gegenüber der un-
teren Baurechtsbehörde Stellung. Außerdem
treffen die unteren Landwirtschaftsbehörden
die Entscheidung über einen Erstauffors-
tungsantrag im Benehmen mit den unteren
Forstbehörden. Im Rahmen der Ausweisung
von Schutzgebieten, beispielsweise nach Na-
turschutz- oder Wasserrecht, bringen sie sich
intensiv in die Verfahren ein, damit die forst-
lichen Belange in der jeweiligen Rechtsverord-
nung Berücksichtigung finden.
Bei gemeinschaftlichen Jagdbezirken nehmen
die unteren Forstbehörden gegenüber den un-
teren Jagdbehörden zu dem Zustand der Ve-
getation, den Verbiss- und Schälschäden und
dem Stand der Waldverjüngung im Zusam-
menhang mit der Abschussplanaufstellung
gutachtlich Stellung.
Forstaufsicht
Als Forstaufsichtsbehörde haben die unteren
Forstbehörden im Privat- und Körperschafts-
wald darauf zu achten, dass die Waldbesitzer
ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkom-
men. Des Weiteren sollen sie Zuwiderhandlun-
gen der Waldbesitzer verhüten, verfolgen und
ahnden.
Forstschutz
Die unteren Forstbehörden üben den Forst-
schutz aus. Dies umfasst unter anderem die
Aufgabe, Gefahren, die dem Wald durch Drit-
te drohen, abzuwehren und Störungen der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung im Wald
zu verhindern oder zu beseitigen. Außerdem
sind die unteren Forstbehörden für die Ahn-
dung von Ordnungswidrigkeiten nach dem
SächsWaldG zuständig.
Behördliche Waldschutzaufgaben
Die unteren Forstbehörden nehmen Aufgaben
der Waldbrandverhütung wahr. Beispielsweise
wird das Automatische Waldbrandfrüherken-
nungssystems „AWFS FireWatch“ mit seinen
17 Detektionseinheiten, den Turm- und Zen-
tralstandorten nach der vom Staatsbetrieb
Sachsenforst zum 1. August 2008 erfolgten
Übergabe von den Landkreisen Bautzen, Gör-
litz, Meißen und Nordsachsen betrieben.
Die Wahrnehmung von Aufgaben im Pflan-
zenschutz stellte im Berichtszeitraum einen
weiteren Arbeitsschwerpunkt dar. Hier haben
die unteren Forstbehörden unter anderem
eine entscheidende Funktion bei der Überwa-
chung der Waldbestände zum Auftreten
forstlich relevanter Schadorganismen (z. B.
rindenbrütende Borkenkäfer, Schwammspin-
ner, Forleule) einschließlich sogenannter Qua-
ran täne schadorganismen (z. B. Kiefernholz-
nematode, Citrus-Bockkäfer).
Durchführung des FoVG
Die unteren Forstbehörden sind im Rahmen
des Vollzugs des FoVG insbesondere für die
Überwachung der Saatguternte, die Ausstel-
lung der Stammzertifikate für forstliches Ver-
mehrungsgut sowie die Kontrolle der Forstsa-
men- und Forstpflanzenbetriebe zuständig.
Bei einer durchschnittlichen Ernte werden
ca. 120 Forstvermehrungsgutbestände be-
erntet. Für das gewonnene Vermehrungsgut
werden jährlich ca. 200 Stammzertifikate für
private, körperschaftliche und staatliche Wald-
und Baumbesitzer durch die unteren Forstbe-
hörden ausgestellt. Mit diesem wird die Iden-
tität des Vermehrungsgutes amtlich bestätigt,
damit es in den Verkehr gebracht werden kann.
In Abhängigkeit von der Baumblüte, Witterung
und Lage fruktifizieren die Waldbaumarten und
Erntebestände in den einzelnen Jahren sehr
unterschiedlich. So betrug die Erntemenge im
Erntejahr 2008/2009 lediglich 18.820 kg. Im
darauf folgenden Erntejahr konnte sie auf
140.975 kg gesteigert werden. Ähnlich verhielt
es sich mit den Erntejahren 2010/2011 und
2011/2012, in denen die Erntemenge zwischen
22.047 kg bzw. 147.030 kg schwankte.
245 Forstsamen- und Forstpflanzenbetriebe,
das sind 97 Betriebe mehr als im vergangenen
Berichtszeitraum, erzeugen im Freistaat Sach-
sen forstliches Vermehrungsgut und bringen
dieses in Verkehr. Entsprechend den Bestim-
mungen des FoVG müssen sich diese Betriebe
bei den unteren Forstbehörden anmelden.
10.1.5
Großschutzgebiete
Im Jahr 2008 wurde dem Staatsbetrieb Sach-
senforst die Aufgabe als Amt für Großschutz-
gebiete übertragen. Ihm gehören die National-
parkverwaltung Sächsische Schweiz, die
Bios phärenreservatsverwaltung
Oberlausitzer
Heide- und Teichlandschaft sowie die Natur-
schutzgebietsverwaltung Königsbrücker Hei-
de / Gohrischheide Zeithain an.
Nationalparkverwaltung Sächsische
Schweiz
Innerhalb des Staatsbetriebes Sachsenforst ist
die Nationalparkverwaltung seit 1. 1. 2013 den
Forstbezirken gleichgestellt und hat unter an-
derem folgende Aufgaben:
Fachbehörde des Naturschutzes für die Na-
tionalparkregion (Nationalpark und Land-
schaftsschutzgebiet Sächsische Schweiz mit
einer Fläche von rund 38.100 ha).
Entwicklung und Pflege des Landeswaldes im
Nationalpark (rund 8.700 ha).
Nationalparkwacht für den Nationalpark
Sächsische Schweiz.
Forstverwaltung für den Nationalpark Säch-
sische Schweiz und angrenzende Bereiche
(rund 10.900 ha) einschließlich der Betreu-
ung von Privat- und Körperschaftswald.
Bei seiner Tätigkeit verfolgt die Nationalpark-
verwaltung immer das Ziel, den grenzüber-
schreitenden Charakter des Naturraums Elb-
sandsteingebirge zu betrachten. Deswegen
arbeitet sie eng mit der Verwaltung des an-
grenzenden tschechischen Nationalparks
„Böhmische Schweiz“ zusammen. Die Aktivi-
täten in diesem Zusammenhang wurden im
europäischen Maßstab als vorbildlich be-
wertet und führten im Oktober 2012 zur Zer-
tifizierung „Transboundary Parks“ durch die
EUROPARC Federation.
Wesentliche Arbeitsschwerpunkte der Natio-
nalparkverwaltung im Berichtszeitraum waren
unter anderem:
Gebietsentwicklung
Managementplanungen für die FFH-Gebiete
Erstellung eines Rahmenkonzepts sowie ei-
ner Bergsportkonzeption für das Land-
schaftsschutzgebiet
rund 1.500 naturschutzfachliche Stellung-
nahmen

image
64 |
Vorbereitung und Durchführung der Perma-
nenten Stichprobeninventur 2012
Pflege- und Entwicklungsplan für das lan-
deseigene Offenland
zahlreiche Erfassungen einzelner natur-
schutzfachlich relevanter Arten und Arten-
gruppen (z. B. Weißtanne).
Waldentwicklung
Auf Grundlage der 2008 verabschiedeten
Waldbehandlungsgrundsätze leitete die
National parkverwaltung das Projekt der teil-
flächenkonkreten Waldentwicklungsplanung
für den Pflegebereich ein. Im Nationalpark er-
folgen entsprechend der Vorgaben des Natio-
nalparkprogramms auf 38 % der Waldflächen
keine Maßnahmen der Waldpflege. So konnte
sich dort der Wald gemäß dem Schutzzweck,
„Natur Natur sein lassen“, entwickeln. Pflege-
und Entwicklungsmaßnahmen im Winterhalb-
jahr konzentrieren sich auf die Förderung
standortheimischer Baumarten, die naturnä-
here Ausprägung fichtenreicher Bestände so-
wie das Zurückdrängen gebietsfremder Baum-
arten (vor allem Lärche, Weymouthskiefer und
Roteiche). Dabei fielen von 2008 bis 2012
jährlich ansteigend zwischen 25.000 und
33.000 m
3
Holz an. Auf der Basis von Saat-
und Pflanzgut aus der Sächsischen Schweiz
wird die Wiedereinbringung und Bestandssi-
cherung der Weißtanne vorangetrieben.
Erholung im Nationalpark
Die Unterhaltung des Netzes von touristischen
Wegen sowie Abfuhrwegen mit Steiganlagen
und Brücken erfordert jährlich 1,5 Mio. EUR.
Dabei stellte die Beseitigung der 2010 entstan-
denen Hochwasserschäden am Wegenetz eine
besondere Herausforderung dar.
Um die Zahl der Besucher zu erhöhen, die zu
spezifischen Informationen über den National-
park informiert werden, wurden 2009 weitere
Nationalparkführer ausgebildet und zertifi-
ziert. Mit Ihnen konnte ein zuverlässiges und
servicefreundliches System von Turnuswande-
rungen etabliert werden. Zusätzlich baute die
Verwaltung das Netz der Informationsstellen
im Gelände von vier auf sieben aus.
Nationalparkwacht
Die Nationalparkwacht führt jährlich durch-
schnittlich rund 15.000 Besuchergespräche im
Gelände. Sie sieht sich zunehmend einem ver-
änderten Besucherverhalten gegenüber. Zum
einen sind immer mehr Besucher ohne Bezug
zum Klettersport festzustellen, die die Aus-
nahmen zur Freiübernachtung nutzen, zum
anderen wird in großem Umfang gegen das
Verbot Feuer anzuzünden und zu betreiben
verstoßen.
Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit
Im Berichtszeitraum wurden rund 2.400 ge-
führte Wanderungen, Vorträge, Veranstaltun-
gen zur Wildnis- und Waldpädagogik sowie
Austauschprogramme für Jugendliche mit ins-
gesamt rund 46.000 Teilnehmern durchgeführt.
Die Nationalparkverwaltung hat ihre Zahl der
Publikationen und Presseveröffentlichungen
im Berichtszeitraum deutlich erhöht. Des Wei-
teren wurde 2010 ein umfangreiches grenz-
überschreitendes Veranstaltungsprogramm
zum 20-jährigen Jubiläum des Nationalparks
durchgeführt.
2009 begann das Projekt Nationalparkpartner.
Neben der Nationalparkgemeinde Hinter-
hermsdorf gehören aktuell 37 Nationalpark-
partnerbetriebe aus Hotellerie, Gastronomie,
sowie von Kultur- und Verkehrsträgern der
Region zu einem regionalen Netzwerk. Diese
dokumentieren die Unterstützung des Natio-
nalparks sichtbar für die Öffentlichkeit. Im
Netzwerk konnte die Etablierung und Vermark-
tung regionaler Produkte gestärkt werden.
Mithilfe der Verkehrsträger unter den Partnern
konnte eine engere Zusammenarbeit zur För-
derung des öffentlichen Nahverkehrs und da-
mit einem Anliegen des Nationalpark-Schutz-
zwecks in der Sächsischen Schweiz erreicht
werden. Nach außen sichtbar wurde dies in
den Projekten „Wanderfahrpläne Sächsisch-
Böhmische Schweiz“, „Wanderbusse“, „Fahrziel
Natur Award“ und „Bahnhof des Jahres“.
Naturschutzgebietsverwaltung Königsbrü-
cker Heide / Gohrischheide Zeithain
Die NSG-Verwaltung im Staatsbetrieb Sach-
senforst wurde mit der Übernahme der Flä-
chen der beiden Naturschutzgebiete Königs-
brücker Heide (ca. 7.000 ha Fläche) sowie
Gohrischheide und Elbniederterrasse Zeithain
(ca. 1.600 ha Fläche) zum 1. Januar 2007 ge-
gründet.
In der NSG-Verwaltung bündeln forstliche Lie-
genschaftsverwaltung, fachbehördlicher Na-
turschutz und gebietsbezogene Öffentlich-
keits- und Bildungsarbeit ihre Kompetenz, um
landesbedeutsame Naturschutzziele auf mit
Kampfmitteln belasteten Flächen zu verwirk-
lichen und darüber anschaulich zu informie-
ren. Arbeitsgrundlage bilden die Rechtsverord-
nungen zu beiden Naturschutzgebieten (NSG)
einschließlich des Pflege- und Entwicklungs-
planes für das NSG Königsbrücker Heide sowie
die FFH-Managementpläne. Der Management-
plan für das FFH Gebiet Königsbrücker Heide
wurde im Jahr 2011 fertiggestellt.
In beiden NSG erfolgen in der 50 km² großen
Naturentwicklungszone (NSG Königsbrücker
Heide) und der 4,5 km² großen Sonderschutz-
zone (NSG Gohrischheide und Elbniederterras-
se Zeithain) keine forstlichen Maßnahmen.
Die im Jahr 2007 geplanten Maßnahmen zur
Öffnung des NSG „Königsbrücker Heide“ wur-
den ab 2008 verstärkt umgesetzt. So konnten
der 32 m hohe Aussichtsturm auf dem Hasel-
berg und der Heideturm in der Zochauer Hei-
de gebaut und der Öffentlichkeit übergeben
werden. Das Projekt des Dresdner Heidebogens
– die Ausweisung des Radrundweges Kö-
nigsbrücker Heide – wurde durch die NSG-
Verwaltung unterstützt. Eine Teilstrecke von
ca. 10 km verläuft auf den Liegenschaften des
Staatsbetriebes Sachsenforst. Zu beiden Tür-
men entstanden Besucherpfade, der Turmpfad
und der Zochauer Heidepfad mit Wanderpark-
plätzen, Informationstafeln und Besucherbän-
Bild 10.1: Touristisches Wegenetz im Nationalpark Sächsische Schweiz

image
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| 65
ken. 2010 folgte die Umgestaltung des Heide-
waldpfades und 2011 die des Biberpfades.
Auch diese beiden Besucherpfade erhielten In-
formationstafeln, Bänke etc. Am Biberpfad im
Bereich See der Freundschaft Königsbrück ist
die „Biberhütte“ gebaut worden.
Im April 2010 zog die NSG-Verwaltung in ein
neues Gebäude in Königsbrück. Vorträge und
Veranstaltungen können nun im eigenen Haus
stattfinden. Seit 2011 werden monatlich Vor-
träge, Filmvorführungen und Exkursionen im
Rahmen einer jährlichen Veranstaltungsreihe
durchgeführt. Schließlich konnte am 5. Okto-
ber 2012 auf ca. 120 m² Fläche die Ausstel-
lung zum Thema „Nach vorn zurück – Mission
Naturlandschaft Naturschutzgebiet Königs-
brücker Heide“ eröffnet werden. 2012 wurde
sie von knapp 5.000 Personen besucht.
Seit 2007 werden kontinuierlich von Mitte
April bis Mitte Oktober Busführungen angebo-
ten. Dazu wird seit April 2012 ein neuer grö-
ßerer Geländebus eingesetzt. Im Berichtszeit-
raum konnten so über 13.000 Personen das
NSG Königsbrücker Heide kennenlernen.
Biosphärenreservatsverwaltung Oberlau-
sitzer Heide- und Teichlandschaft
Die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft
zeichnet sich aufgrund der Vielfalt von Le-
bensräumen durch eine ungewöhnliche Fülle
geschützter Tier- und Pflanzenarten aus. Um
dem gleichberechtigten Miteinander von wirt-
schaftlicher Nutzung und Naturerhaltung eine
dauerhafte Chance zu geben, entstand hier
auf der Grundlage des Sächsischen Gesetzes
über Naturschutz und Landschaftspflege vom
Dezember 1992 mit der einstweiligen Sicher-
stellung des Gebietes im Jahre 1994 eines von
insgesamt 15 von der UNESCO anerkannten
Biosphärenreservaten in Deutschland. Das
Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und
Teichlandschaft ist nicht nur größtes sächsi-
sches und siebtgrößtes deutsches Natur-
schutzgebiet, sondern vereint auch Sachsens
größtes Fauna-Flora-Habitat-Gebiet und das
größte sächsische Vogelschutzgebiet mitein-
ander.
Im Biosphärenreservat sollen aufgrund wis-
senschaftlicher Erkenntnisse nachhaltige Nut-
zungsstrategien umgesetzt und damit ein
dauerhafter Schutz der Biosphäre erreicht
werden. Eine Ausnahme bilden dabei die Flä-
chen der Kernzone. Dieser Leitgedanke gibt die
Arbeitsschwerpunkte im Biosphärenreservat
Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft vor.
Die erfolgreiche Umsetzung der Biosphären-
reservatsidee setzt die aktive Bereitschaft der
Akteure der Region voraus. Eine umfassende
Information und Umweltbildung kann helfen,
die notwendigen Voraussetzungen zu schaf-
fen. Die Umweltbildungsangebote umfassen
Exkursionen, Projekttage, Sommerferiencamps
und Freizeitgruppenbetreuung für Schüler,
aber auch Vorträge und Wochenendseminare
für Erwachsene. Das hohe Niveau der Bil-
dungsprojekte im Biosphärenreservat zeigt
auch die prestigeträchtige Auszeichnung mit
dem DEKADE-Preis „Bildung für nachhaltige
Entwicklung“ der Deutschen UNESCO-Kom-
mission in den Jahren 2010 und 2011. Mit der
Eröffnung des neuen Informations- und Be-
sucherzentrums des Biosphärenreservates
Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, dem
Haus der Tausend Teiche in Guttau/Wartha, im
März 2012 wurden die Voraussetzungen ge-
schaffen, auch überregional Publikum anzu-
sprechen. Neben der Möglichkeit, sich über die
Biosphärenregion zu informieren, zieht vor al-
lem die Dauerausstellung die Besucher an.
Als besondere Höhepunkte können die War-
thaer Naturmärkte gelten, die vom Staatsbe-
trieb Sachsenforst gemeinsam mit dem sorbi-
schen Heimatverein und dem Förderverein für
die Natur der Oberlausitzer Heide- und Teich-
landschaft organisiert werden. Hier finden re-
gionale Produzenten naturnaher Produkte ihre
Kunden und tausende Besucher neben gesun-
den Lebensmitteln auch ein reichhaltiges An-
gebot sorbischer Kultur und Folklore. In den
vergangenen Jahren wurden Naturerlebnispfa-
de, ein Kräutergarten und ein alle Gemeinden
Bild 10.3: Busexkursion im Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide
verbindender Radrundweg eingerichtet.
Bild 10.2: Teichbewirtschaftung im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft

66 |
Von besonderer Bedeutung für die Umsetzung
der Biosphärenreservatsziele ist die Etablie-
rung nachhaltiger Nutzungssysteme. Heute
sind alle Land- und Teichwirtschaftsbetriebe
mit großen Teilen ihrer Flächen in Vertragsna-
turschutzprogrammen, die die Biosphärenre-
servatsverwaltung fachlich begleitet, inte-
griert. Das Biosphärenreservat wurde als
europäisches Fischwirtschaftsgebiet ausge-
wiesen und ein erfolgreiches System der Zu-
sammenarbeit mit der Teichwirtschaft entwi-
ckelt. Mit dem Projekt „Imagesteigerung
Karpfen“ wird die Marketingkampagne um den
„Oberlausitzer BioKarpfen“ auf den konventi-
onell erzeugten Karpfen erweitert. In Zusam-
menarbeit mit regionalen Akteuren, angefan-
gen bei den Produzenten bis hin zur lokalen
Gastronomie soll eines der hochwertigsten,
ökologisch nachhaltig erzeugten, heimischen
Lebensmittel über Produktneuentwicklungen
neue Marktnischen erschließen. Die Nutzung
der für die Oberlausitzer Heide- und Teich-
landschaft prägenden Bewirtschaftungsform
trägt direkt zum Erhalt von Arbeitsplätzen,
wertvollen Lebensräumen und nicht zuletzt ei-
ner der bemerkenswertesten Kulturlandschaf-
ten bei. Beide Projekte wurden aus Mitteln des
Europäischen Fischereifonds, EFF, gefördert
und mit dem von EUROPARC Deutschland e. V.
sowie der Deutschen UNESCO-Kommissi-
on e. V. verliehenen „Blue Skies Award“ gewür-
digt.
Im Bereich der Biotoppflege und des Arten-
schutzes bildeten in den vergangenen Jahren
insbesondere Projekte zur Offenlandpflege von
Heiden und Feuchtwiesen, zur Herstellung der
Durchgängigkeit von Fließgewässern (z. B.
Fischaufstiegshilfe an der Spree) und speziel-
le Artenschutzprogramme (z. B. Fischotter,
Weißstorch, Fledermäuse) oder das Projekt zur
Förderung der Honigbiene und der Wildinsek-
ten Schwerpunkte.
10.1.6 Personal, Aus- und Fortbildung
Personalentwicklung
Der Personalbestand in der Staatsforstverwal-
tung hat seit 1995 durch Organisationsverän-
derungen insgesamt um mehr als die Hälfte
abgenommen. Bezogen auf den fünfjährigen
Berichtszeitraum ist im Staatsbetrieb Sachsen-
forst eine Verringerung um 258 (rund 16 %)
auf 1.335 Bedienstete (Stand 31.12.2012) zu
verzeichnen gewesen (Tab. 10.1).
Personalbudgetierung
Durch das Modellprojekt Personalbudgetie-
rung wurde der Staatsbetrieb Sachsenforst
2011 ermächtigt, eine Verstärkung des Stellen-
plans bis zu 10 % bezogen auf die im Stellen-
soll C ausgebrachten Stellen der Angestellten
und Waldarbeiter in Anspruch zu nehmen.
Die Finanzierung der durch die Personalbud-
getierung entstehenden Mehrausgaben erfolgt
durch Einsparungen oder Mehrerlöse. Einspa-
rungen können zum einen im unmittelbaren
Personalbereich realisiert werden (z. B. Wegfall
der Entgeltfortzahlung bei längerer Krankheit
oder Winterruhe, vorübergehende Nichtbeset-
zung von Stellen, Nichtbesetzung von Stellen-
resten im Rahmen von Teilzeit und Altersteil-
zeit). Außerhalb des Personalbereiches können
Einsparungen durch geringere Unternehmer-
kosten und Mehrerlöse (zum Beispiel durch
bessere Holzpreise) für die Finanzierung der
Tab.10.1: Entwicklung des Personalbestandes im Staatsbetrieb Sachsenforst
Personalbestand*
2003
2005
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Höherer Dienst
179
167
174
160
130
128
137
137
Gehobener Dienst
517
471
466
433
371
375
378
379
Mittlerer/Einfacher Dienst
235
241
234
208
204
205
202
203
Waldarbeiter
807
776
719
670
661
655
644
616
Gesamt
1.738
1.655
1.593
1.471
1.366
1.363
1.361
1.335
* Anzahl tatsächlich beschäftigter Personen ohne Auszubildende, ohne Drittmittelstellen; ab 2008 inkl. 8 Projektstellen und ab 2011 inkl. Personalbudgetstellen (2011: 34 / 2012: 32)
Personalbudgetierung verwendet werden. Das
Modellprojekt galt zunächst für den Doppel-
haushalt 2011/2012 und wurde 2012 erstma lig
evaluiert. Zum 31. Dezember 2012 waren
32 Personen auf Budgetstellen beschäftigt.
Waldarbeiter
Ende 2012 waren im Staatsbetrieb Sachsen-
forst 616 Waldarbeiter beschäftigt, davon üb-
ten 72 eine Tätigkeit in den Maschinenstatio-
nen, Baumschulen und in der überbetrieblichen
Forstwirtausbildung bzw. Fortbildung aus.
Der Anteil an weiblichen Beschäftigten in der
Waldarbeiterschaft betrug 3,1 %. Gegenüber
dem vergangenen Berichtzeitraum hat sich der
Waldarbeiterstand um 14,3 % verringert
(Tab. 10.1). Bezogen auf das Jahr 1995 wurden
1.451 staatliche Waldarbeiterstellen abgebaut.
Mit Auslaufen des Bezirkstarifvertrages zur
Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen
mit der IG BAU erhöhte sich die durchschnitt-
liche regelmäßige Arbeitszeit der Waldarbeiter
in Vollbeschäftigung zum 1. Januar 2011 von
36 h auf 40 h/Woche. 134 Waldarbeiter (rund
22 %) befanden sich zum 31. Dezember 2012
auf Basis einer freiwilligen Vereinbarung weiter
in Teilzeit. Darüber hinaus nahmen zum 31. De-
zember 2012 99 Waldarbeiter die Altersteilzeit-
regelung in Anspruch, davon 44 bereits in der
Freistellungsphase. Aufgrund der genannten
umfangreichen freiwilligen Teilzeit- und Al-
tersteilzeitvereinbarungen im Waldarbeiterbe-
reich entsprechen die 616 Personen rund 569
Vollzeitstellen.
Die weiter sinkenden Personalzahlen im Wald-
arbeiterbereich erfordern eine neue Orga-
nisation der Waldarbeit. Mit perspektivisch
380 Waldarbeitern zum 1. Januar 2021 kann
die klassisch einem Revier zugeordnete Wald-
arbeiterrotte nicht mehr aufrechterhalten
werden. Um neue Formen der Organisation in
der Waldarbeit zu prüfen und zu entwickeln,
wurde 2012 das Projekt „Flexible Arbeitsgrup-
pen“ ins Leben gerufen.
Waldarbeit und Arbeitsschutz
Die Waldarbeit gehört zu den besonders ge-
fahrengeneigten Tätigkeiten im heutigen Be-
rufsleben. Insbesondere das Fällen von Bäu-
men und die Arbeit mit der Motorsäge sind
gefährlich. Als Arbeitgeber trägt der Staats-
betrieb Sachsenforst als Vertreter des Freistaa-
tes Sachsen Verantwortung für die Gesundheit
der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für den
Staatsbetrieb Sachsenforst gehören darum Ar-
beitssicherheit und Unfallschutz zum Selbst-
verständnis des Unternehmens und sind nicht
unerheblich für den Unternehmenserfolg. Ar-
beitsschutz ist dabei integrativer Teil des
Quali tätsmanagements. Regelmäßige Schu-

image
image
| 67
lungen und Audits trugen im vergangenen Be-
richtszeitraum dazu bei, dass das erreichte
hohe Niveau Bestand hatte. Dies zeigt sich am
deutlichsten in der Entwicklung des Unfallge-
schehens. Der positive, sinkende Trend bei der
Anzahl der Arbeits- und Wegeunfälle setzte
sich im Berichtszeitraum weiter fort (Abb.
10.1). Vor allem im Bereich der im Anteil an
der Arbeitszeit wieder zunehmenden Holzern-
te mit eigenen Arbeitskräften ist im Jahr 2012
ein minimaler Wert von unter 80 Unfällen je
1 Mio. produktive Stunden erreicht worden. Im
Bundesvergleich nimmt der Staatsbetrieb
Sachsenforst damit weiterhin eine Spitzenpo-
sition ein.
Aus- und Fortbildung
Vorbereitungsdienst für die Laufbahn des
höheren Forstdienstes
Die staatliche Forstverwaltung bildet Forstre-
ferendare im zweijährigen Turnus aus. Dabei
absolvieren die Referendare verschiedene Aus-
bildungsabschnitte in den Forstbezirken, den
unteren Forstbehörden, die Bearbeitung von
Projekten in den Bereichen Landespflege/Na-
turschutz und Standortskunde/Forstein-
richtung sowie in der Geschäftsleitung des
Staatsbetriebes Sachsenforst. Der Vorberei-
tungsdienst dauert zwei Jahre und schließt
mit der Großen Forstlichen Staatsprüfung.
Den erfolgreichen Forstreferendaren wird der
Titel „Assessor/Assessorin des Forstdienstes“
verliehen. Sachsenforst übernimmt seinen Be-
rufsnachwuchs fast ausschließlich aus der ei-
genen Laufbahnausbildung und gibt den bes-
ten Absolventen der Staatsprüfung damit die
Möglichkeit des Berufseinstieges. Die Über-
nahmequote befristet und unbefristet betrug
im Durchschnitt der letzten 10 Jahre 64 %.
Abb. 10.1: Entwicklung der Arbeits- und Wegeunfälle (nur gesetzlich Versicherte)
Laufbahnausbildung für den gehobenen
Forstdienst
Im Jahr 2008 wurde die Thüringer Fachhoch-
schule für Forstwirtschaft Schwarzburg ge-
schlossen. Damit absolvierte der letzte Jahr-
gang die vierjährige verwaltungsinterne
Ausbildung zum Diplom-Forstingenieur (FH),
die auf der Grundlage einer Verwaltungsver-
einbarung bis dahin von der sächsischen und
der thüringer Staatsforstverwaltung gemein-
sam durchgeführt worden war.
Mit Inkrafttreten der neuen Ausbildungs- und
Prüfungsordnung für den gehobenen Forst-
dienst im Jahr 2009 wurde dem Staatsbetrieb
Sachsenforst die Aufgabe der eigenständigen
Laufbahnausbildung für den gehobenen Forst-
dienst übertragen.
Die ersten 12 Forstinspektoranwärter wurden
im Oktober 2009 in den einjährigen Vorberei-
tungsdienst als Beamte auf Widerruf einge-
65
62
62
62
58
54
56
58
60
62
64
66
2008
2009
2010
2011
2012
Anzahl
Bild 10.4: Laufbahnausbildung für den höheren Forstdient
Bild 10.5: Absolventen der Laufbahnausbildung zum gehobenen Forstdienst 2012

image
68 |
stellt. Die Anwärter absolvieren praktische
Ausbildungsabschnitte in den Ausbildungsre-
vieren des Staatsbetriebes Sachsenforst, in der
Geschäftsleitung sowie bei den unteren Forst-
behörden und ebenfalls fachspezifische Lehr-
gänge und Exkursionen. Die Ausbildung endet
mit der Laufbahnprüfung. Wie bei der Lauf-
bahnausbildung zum höheren Forstdienst
übernimmt Sachsenforst auch im gehobenen
Forstdienst regelmäßig die besten Absolventen
der Ausbildung. Im Durchschnitt der letzten
10 Jahre wurden 63 % befristet oder unbefris-
tet eingestellt.
Berufsausbildung
Der Staatsbetrieb Sachsenforst bietet derzeit
120 Ausbildungsplätze für den Beruf Forst-
wirt/in an und garantiert damit knapp 90 %
des Ausbildungsplatzangebotes für diesen Be-
ruf im Freistaat Sachsen. Dazu werden in den
Forstbezirken neun betriebliche Einrichtungen
mit 20 Lehrausbildern vorgehalten.
Mit Stand zum 1. September 2011 waren in
Sachsen außerdem sechs private Forstunter-
nehmen sowie zwei kirchliche und ein kommu-
naler Waldbesitzer als Ausbildungsbetriebe für
die Berufsausbildung zum/zur Forstwirt/in zu-
gelassen. 2012 nahm ein innovativer Zusam-
menschluss von Forstunternehmern, die „Aus-
bildungsinitiative Forst e. V.“, seine Tätigkeit
auf, der das Ziel hat, durch Zusammenarbeit die
strukturellen Nachteile der kleinen Ausbil-
dungs betriebe zu überwinden, um damit zu-
sätzliche Ausbildungsplätze für Forstwirte/in-
nen zu schaffen. 2012 konnten die ersten drei
Lehrverträge abgeschlossen werden. Der Staats-
betrieb Sachsenforst unterstützt die Ausbil-
dungsinitiative im Rahmen der Möglichkeiten.
An der Forstlichen Ausbildungsstätte des
Staatsbetriebes Sachsenforst in Morgenröthe
wird die überbetriebliche Lehrausbildung als
Tab. 10.2: Ausbildung zum höheren und gehobenen Forstdienst
Jahr
Höherer Forstdienst
Gehobener Forstdienst
Anzahl Prüflinge
davon bestanden
davon übernommen
Anzahl Prüflinge
davon bestanden
davon übernommen
2008
-
-
-
15
15
9
2009
8
8
3 / 2*
-
-
-
2010
-
-
-
12
12
5 / 1*
2011
6
6
6*
14
14
5 / 5*
2012
-
-
-
12
12
1 / 8*
* befristet eingestellt
wichtiger Bestandteil der Berufsausbildung für
alle Auszubildenden und die Berufsschule in
zwei Fachklassen zentral durchgeführt. Träger
der Berufsschule und des dazugehörigen
Wohnheims ist der Vogtlandkreis.
Aufbauend auf langjährigen Erfahrungen konn-
te die Qualität der Ausbildung zum/zur Forst-
wirt/in in den vergangenen Jahren immer wei-
ter verbessert werden und befindet sich im
Bundesvergleich auf sehr hohem Niveau. Die
Nachfrage der Unternehmen nach jungen
Forstwirten/innen überstieg in den vergangenen
Jahren regelmäßig die Zahl der Absolventen.
Zusätzlich wurden im Berichtszeitraum jeweils
zwei Fachinformatiker, Gärtnerinnen und Tier-
pflegerinnen ausgebildet. Im Gegensatz zum
Ausbildungsberuf Forstwirt/in besteht in die-
sen Bereichen kein ständiges Ausbildungs-
platzangebot.
Fortbildung
Die steigenden Anforderungen an die Aufga-
benerfüllung der Beschäftigten des Staatsbe-
triebes Sachsenforst sind nur mit einer zeitge-
mäßen, forstfachlich fundierten und qualitativ
hochwertigen Fort- und Weiterbildung aller
Mitarbeiter zu bewältigen. Deshalb erfolgt
eine ständige Aktualisierung und Evaluierung
der Fort- und Weiterbildungsangebote unter
Einbeziehung aller Fachbereiche. Schwerpunk-
te sind dabei die forstfachliche, die Führungs-
kräfte- und die IT-Fortbildung.
Im Berichtszeitraum nahmen 8.071 Mitarbeiter
an rund 1.393 verschiedenen Lehrgängen teil.
Der überwiegende Teil der Fortbildungsver-
anstaltungen wurde durch die Staatliche Fort-
bildungsstätte Reinhardtsgrimma bzw. die
Akademie für öffentliche Verwaltung des Frei-
staates Sachsen angeboten.
Bild 10.6: Berufsausbildung zum Forstwirt

| 69
10.2 Besondere Aufgaben des Staatsbetriebes Sachsenforst
10.2.1 Organisationsstruktur
Verwaltungsrat
Geschäftsleitung
Personal, Organisation, Recht
Staatsforstbetrieb
Finanzmanagement
Forstliche
Ausbildungsstätten
Nationalparkverwaltung
Sächsische Schweiz
(5 Schutzgebietsreviere)
Biosphärenreservatsverwaltung
Oberlausitzer Heide­ und
Teichlandschaft
(4 Schutzgebietsreviere)
NSG­Verwaltung
Königsbrü ­
cker Heide / Gohrischheide,
Elbniederterrasse Zeithain
(1 Schutzgebietsrevier)
63 Privat­ und
Körperschafts waldreviere
Zentrum für forstliches
Vermehrungsgut
2 Maschinenstationen
108 Staatswaldreviere
3 Waldschulheime
Lehrlingsausbildung
SACHSENFORST
Sächsisches Staatsministerium für
Umwelt und Landwirtschaft
stellvertretender Geschäftsführer
Geschäftsführer
Innenrevision
Büro der Geschäftsleitung
3 Großschutzgebiete
12 Forstbezirke
Amt für Großschutzgebiete
Kompetenzzentrum
Wald und Forstwirtschaft
Obere Forst- und Jagdbehörde,
Großschutzgebiete
Infolge der Funktional- und Verwaltungsre-
form des Freistaates Sachsen (Kap. 10.1.1)
wurde die Aufbau- und Ablauforganisation im
Staatsbetrieb Sachsenforst zum 1. September
2008 angepasst. Diese stellt sich zum Ende des
Berichtszeitraums wie folgt dar:
Gemäß der Verwaltungsvorschrift des Sächsi-
schen Staatsministeriums für Umwelt und
Landwirtschaft über den Staatsbetrieb Sach-
senforst vom 22. September 2008 (VwV SBS)
gehören zum Staatsbetrieb Sachsenforst die
Betriebsteile: Geschäftsleitung, Kompetenz-
zentrum Wald und Forstwirtschaft, die Obere
Forst- und Jagdbehörde, das Amt für Groß-
schutzgebiete sowie die Forstbezirke und Son-
dereinrichtungen entsprechend der Anlagen.
Im Jahr 2012 wurde der Staatsbetrieb Sach-
senforst evaluiert.
Die Verwaltung des Biosphärenreservates
Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ist
seit dem 1. August 2008 Bestandteil des
Staatsbetriebes Sachsenforst und bildet zu-
Abb. 10.2: Struktur des Staatsbetriebes Sachsenforst (Stand 31.12.2012)
sammen mit den bereits früher dem Staatsbe-
trieb Sachsenforst zugeordneten Schutz-
gebietsverwaltungen des Nationalparks
Sächsische Schweiz und der Naturschutzge-
biete Königsbrücker Heide/Gohrischheide und
Elbniederterrasse Zeithain das Amt für Groß-
schutzgebiete. Die vollständige wirtschaftliche
Integration des Biosphärenreservates Oberlau-
sitzer Heide- und Teichlandschaft wurde ab
dem 1. Januar 2009 wirksam.
Zum 1. September 2008 wurden die drei Forst-
bezirke Kamenz, Bautzen und Weißwasser mit
Ausnahme der Flächen des Biosphärenreser-
vates Oberlausitzer Heide- und Teichland-
schaft zum neuen Forstbezirk Oberlausitz ver-
einigt. Durch die zusätzliche Integration des
Nationalparkamtes in das Amt für Groß-
schutzgebiete verringerte sich die Anzahl der
Forstbezirke von ursprünglich 15 zur Grün-
dung des Staatsbetriebes auf aktuell 12 Forst-
bezirke.
Infolge der Aufgaben- und Personalverände-
rungen war insbesondere in den Forstbezirken
die Organisationsstruktur anzupassen. We-
sentliche Aufgaben der bis dahin existierenden
Stabsstelle Forsthoheit gingen auf die unteren
Forstbehörden über, sodass diese aufgelöst
wurde. Die verbleibenden Aufgaben wurden in
den neu gebildeten Zentralbüros integriert. Ab
dem 1. September 2008 werden im Zentralbü-
ro die Aufgaben der bisherigen Verwaltungs-
stelle, der Öffentlichkeitsarbeit/Waldpädago-
gik, der Liegenschaftsverwaltung sowie des
Bereiches Waldökologie/Naturschutz erfüllt.
Die „Abteilung Privat- und Körperschaftswald“
wurde in „Stabsstelle Privat- und Körper-
schaftswald“ umbenannt und erhielt von der
ehemaligen Stabsstelle Forsthoheit die Aufga-
ben der Forstförderung auf Forstbezirksebene.
Die Revierstruktur im Landeswald wurde zu-
nächst nur in den Forstbezirken Chemnitz,
Plauen, Neudorf, Eibenstock und Adorf verän-
dert. In weiteren Forstbezirken erfolgte die An-

image
70 |
Abb. 10.3: Organisationsstruktur der Forstbezirke
Landes waldrevier
Landes waldrevier
Landes waldrevier
Landes waldrevier
Landes waldrevier
Landes waldrevier
Landes waldrevier
Landes waldrevier
Leiter
Staatsforstbetrieb
SB Funktional
Holzlogistik
Wegebau / Forstliche
Infrastruktur
Forsttechnikeinsatz
Zentralbüro
Sekretariat
Personalverwaltung / Lohnabrechnung
Haushalt / Budget / EDV / IT / NSM
Liegenschaften / Vertragswesen / Gestattungen
Service / Marketing
Waldökologie / Waldnaturschutz / hoheitliche
Aufgaben
Öffentlichkeitsarbeit / Waldpädagogik
Sondereinheiten (Waldschulheim / Wildgehege)
Stabsstelle Privat- und Körperschaftswald
Forstförderung
Beratung und Betreuung
Wirtschaftsverwaltung
Privat­ und Körperschaftswald
Privat­ und Körperschafts­
waldrevier
Privat­ und Körperschafts­
waldrevier
Privat­ und Körperschafts­
waldrevier
Privat­ und Körperschafts­
waldrevier
Privat­ und Körperschafts­
waldrevier
Bild 10.7: Sitz der Geschäftsleitung des Staatsbetriebes Sachsenforst in Pirna, Ortsteil Graupa
passung der Organisationsstruktur im Rahmen
der Forsteinrichtung. Die Revierstruktur der
Privat- und Körperschaftswaldreviere erfuhr
aufgrund des Übergangs von wesentlichen
Aufgaben der Revierleiter an die Landkreise
und Kreisfreien Städte in allen Forstbezirken
einen Neuzuschnitt.
Durch die Neustrukturierung reduzierte sich
die Anzahl der Reviere gegenüber dem letzten
Berichtszeitraum (223 Reviere) deutlich. Zum
Stichtag 1. September 2008 bestanden im
Staatsbetrieb Sachsenforst insgesamt 185 Re-
viere, davon 110 Landeswald-, 65 Privat- und
Körperschaftswald, und 10 Schutzgebietsrevie-
re. Das Prinzip der „eigentumsreinen“ Reviere
wurde beibehalten. Lediglich die Forstreviere
innerhalb des Amtes für Großschutzgebiete
umfassen alle Waldeigentumsarten.
Im weiteren Verlauf des Berichtszeitraums bis
zum Ende des Jahres 2012 wurden weitere zwei
Landeswaldreviere (Forstbezirk Marienberg) und
zwei Privat- und Körperschaftswaldreviere
(Forstbezirke Oberlausitz und Marienberg) auf-
gelöst, sodass zum Stichtag 31. Dezember 2011
181 Forstreviere (108 Landes wald-, 63 Privat-
und Körperschaftswald- und 10 Schutzgebiets-
reviere) bestehen.
Infolge der Evaluierung des Staatsbetriebes
Sachsenforst im Jahr 2011 wird die Organi-
sationsstruktur weiter angepasst. Zum 1. Ja-
nuar 2013 wurde das Büro des Amtes für
Großschutzgebiete aufgelöst. Der Staatsbe-
trieb Sachsenforst nimmt ab diesem Zeitpunkt
die Aufgaben als Amt für Großschutzgebiete
im Rahmen der bestehenden Behördenstruktur
wahr. Die Schutzgebietsverwaltungen werden
den Forstbezirken organisatorisch gleichge-
stellt. Des Weiteren erfolgt die Zuordnung der
Forstbezirke und Schutzgebietsverwaltungen
zu vier Controllinggruppen. Die Leiter der Ab-
teilungen 1, 2, 4 und 5 der Geschäftsleitung
übernehmen als Gebietsbeauftragte jeweils
eine Controllinggruppe.

| 71
10.2.2 Bewirtschaftung des Staatswaldes
10.2.2.1
Grundsätze der Waldbewirtschaftung
Die staatliche Forstverwaltung bewirtschaftet
gemäß § 37 in Verbindung mit § 45 des Sächs-
WaldG die landeseigenen Waldflächen ökolo-
gisch, ökonomisch und sozial nachhaltig. Der
Wald ist gemäß § 17 SächsWaldG so zu be-
wirtschaften, dass seine Nutz-, Schutz- und
Erholungsfunktionen stetig und auf Dauer er-
füllt werden (Nachhaltigkeit).
Für die Bewirtschaftung des Landeswaldes er-
geben sich daraus unter anderem folgende
Aufgaben:
standörtlich und funktional differenzierter
Waldumbau, mit dem Ziel, naturnahe, stabi-
le, leistungsfähige und strukturreiche Misch-
wälder zu begründen, die an die Klimaände-
rungen angepasst sind
den Waldboden und die Bodenfruchtbarkeit
zu erhalten oder zu verbessern
Schaffung ökologisch und wirtschaftlich
tragbarer Wilddichten
zuverlässige Versorgung der Gesellschaft mit
dem nachwachsenden Rohstoff Holz unter
Optimierung von Holzabsatz und Holzerlösen
der Gefahr einer erheblichen Schädigung des
Waldes durch Naturereignisse, Waldbrände,
tierische und pflanzliche Forstschädlinge
vorzubeugen
bestmögliche forstliche Aus- und Fortbil-
dung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Waldpäda-
gogik
Berücksichtigung der Anforderungen des
Naturschutzes bei der Waldbewirtschaftung
Beachtung der Interessen der Waldbesucher