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Institut für Binnenfischerei e.V.
Potsdam-Sacrow
Im Königswald 2
14469 Potsdam
Umsetzungsbericht 2012 zu den Aalbewirtschaftungsplänen
der deutschen Länder 2008
Auftraggeber: Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft,
Verbraucherschutz und Landesentwicklung
Referat 102 Fischwirtschaft
Calenberger Str. 2
30169 Hannover
Bearbeiter:
Dipl.-Fischereiing. Erik Fladung
Dipl.-Agraring. Janek Simon
Dr. Uwe Brämick
Juni 2012

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
2
Übersicht der federführenden Bearbeiter in den Aaleinzugsgebieten, von denen Daten,
Modellierungsergebnisse und Informationen zusammengestellt und übermittelt wurden:
Aaleinzugsgebiet
Bearbeiter
Eider
Siegfried Spratte, LLUR Schleswig-Holstein
Elbe
Erik Fladung, IfB Potsdam-Sacrow
Ems
Markus Diekmann, LAVES Niedersachsen
Maas
Karin Schindehütte, MKULNV Nordrhein-Westfalen
Oder
Erik Fladung, IfB Potsdam-Sacrow
Rhein
Karin Schindehütte, MKULNV Nordrhein-Westfalen
Schlei/Trave
Siegfried Spratte, LLUR Schleswig-Holstein
Warnow / Peene
Malte Dorow, LFA Mecklenburg-Vorpommern
Weser
Markus Diekmann, LAVES Niedersachsen

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
3
Inhalt
1
Zusammenfassung ................................................................................................. 4
2
Einleitung ................................................................................................................ 5
3
Entwicklung des Aalbestandes in den deutschen Aaleinzugsgebieten ............ 5
3.1
Material und Methoden ............................................................................................... 5
3.1.1 Aalbestandsmodell (GEM II) .................................................................................... 5
3.1.2 Datengrundlagen ..................................................................................................... 6
3.1.3 Ermittlung der Blankaalabwanderung gemäß Artikel 9 der Verordnung (EG) Nr.
1100/2007 sowie weiterer Parameter nach Annex 1 des „Draft proposal“ ............... 7
3.1.4 Alternative Ermittlung der Blankaalabwanderung über Markierung-Rückfang-
Versuche zur Verifizierung der Modellierungsergebnisse ........................................ 7
3.2
Ergebnisse .................................................................................................................. 7
3.2.1 Aktuelle Blankaalabwanderung (B
current
), Referenzwert (B
0
) und Abwanderung
ohne anthropogene Einflüsse (B
best
) ........................................................................ 7
3.2.2 Fischereiaufwand und Fangmengen ..................................................................... 10
3.2.3 Sonstige anthropogene Mortalitätsfaktoren (ΣH) ................................................... 13
3.2.4 Natürliche Sterblichkeit .......................................................................................... 15
3.2.5 Prädation durch Raubtiere (hier Kormoran) als eine spezielle Komponente der
natürlichen Sterblichkeit ........................................................................................ 17
3.2.6 Fang von Aalen < 12 cm (Glasaalfischerei) und Entwicklung der Marktpreise
für Aale < 12 cm (Glasaale) ................................................................................... 18
4
Stand der Umsetzung der Aalbewirtschaftungspläne (AMP 2008) .................. 19
4.1
Umsetzung geplanter Managementmaßnahmen ...................................................... 19
4.2
Umsetzung zusätzlicher Maßnahmen ....................................................................... 24
4.3
Probleme bei der Umsetzung der Aalbewirtschaftungspläne .................................... 25
5
Ausblick ................................................................................................................ 27
6
Empfehlungen / Vorschläge für Änderungen der EU-Aalverordnung und
zur Sicherung einer Bestandserholung des Aals .............................................. 28
7
Annex 1 ................................................................................................................. 29
8
Literatur ................................................................................................................. 29
9
Anlagen
Anlage 1
Stand der Umsetzung der im AMP 2008 vorgesehenen sowie Übersicht der
alternativ bzw. zusätzlich vorgenommenen Managementmaßnahmen in den
einzelnen deutschen Aaleinzugsgebieten
Anlage 2
Positionspapier der deutschen Wasserkraftbetreiber (BdEW)

 
Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
4
1 Zusammenfassung
Gemäß Artikel 9 der Verordnung (EG) Nr. 1100/2007 mit Maßnahmen zur Wiederauffüllung des
Bestandes des Europäischen Aals wird der erste Dreijahresbericht für Deutschland vorgelegt.
Der Inhalt des Berichts orientiert sich an den Vorgaben der Expertengruppe "Fischereikontrolle"
des Komitees für Fischerei und Aquakultur der EU vom 27.02.2012 („Draft proposal for a
reporting template“).
Die aktuelle Blankaalabwanderung aus den deutschen Aaleinzugsgebieten (Mittelwert der
Jahre 2008-10) beträgt 38 %, gemessen am Referenzzustand ohne anthropogene Beeinflus-
sung (B
0
) und ermittelt über das deutsche Aalbestandsmodell (GEM II). Damit wird die in Art. 2
Abs. 4 der Verordnung (EG) 1100/2007 benannte Zielgröße von 40 % knapp unterschritten. Es
ist zu erwarten, dass die Blankaalabwanderung trotz der ergriffenen Managementmaßnahmen
in den kommenden Jahren weiter absinkt. Die Ursache dafür liegt in einer zeitlich verzögerten
Wirkung der umgesetzten Managementmaßnahmen auf die Blankaalabwanderung. Die von der
Berufs- und Angelfischerei in den letzten Jahrzehnten durchgeführten umfangreichen Besatz-
maßnahmen in deutschen Binnengewässern führen zu der Besonderheit, dass die aktuelle
Abwanderung an Blankaalen (B
current
) den potentiell möglichen Wert der heutigen Blankaalab-
wanderung auf Basis des natürlichen Aalaufstiegs und unter Abwesenheit aller anthropogenen
Einflüsse (B
best
) übersteigt.
Mit der Umsetzung der in den Aalbewirtschaftungsplänen der Bundesländer (AMP 2008) aufge-
führten Maßnahmen wurde mehrheitlich nach Genehmigung der Pläne im April 2010 begonnen.
Daher können im vorliegenden Bericht nur Erfahrungen und Entwicklungen aus einer acht-
monatigen Umsetzungsphase reflektiert werden. Zu einer Reihe von Aspekten sind derzeit noch
keine fundierten Beurteilungen und daraus resultierende Ableitungen von Empfehlungen und
Änderungsvorschlägen der Verordnung möglich.
Unter die in Umsetzung befindlichen Maßnahmen fallen in Übereinstimmung mit Artikel 2 (8)
der Verordnung (EG) 1100/2007 fischereiliche Maßnahmen wie Besatzmaßnahmen und Maß-
nahmen zur Reduzierung der Aalentnahme durch Erwerbs- und Freizeitfischerei (Erhöhung der
Schonmaße, teilweise temporäre und/oder lokale Fangverbote und weitere Entnahmebe-
schränkungen). Hinzu kommen außerfischereiliche Maßnahmen wie die Verbesserung der
Durchgängigkeit
von
Flüssen
im
Zusammenhang
mit
der
Umsetzung
der
EG-
Wasserrahmenrichtlinie, Maßnahmen zur Reduktion der durch die Turbinen von Wasserkraftan-
lagen bedingten Verluste bei Blankaalen sowie die Verbringung von Blankaalen in Flussunter-
läufe mit freien Abwanderungsmöglichkeiten (Fang & Transport). Während sich für den über-
wiegenden Teil der Maßnahmen eine Umsetzung im geplanten Umfang abzeichnet, wurden bei
einigen Maßnahmen Abweichungen festgestellt. Zur Kompensation wurden teilweise alternative
und zusätzliche Maßnahmen ergriffen.
Die Hauptwirkung der bisher umgesetzten Maßnahmen - insbesondere Besatz, Erhöhung
fischereilicher Schonmaße, Ausweitung von Schon- und Schutzbestimmungen - liegt in einem
Anstieg der jüngeren Altersklassen des Bestandes. Auf dieser Basis und bei Weiterführung der
Umsetzung der geplanten Maßnahmen ist daher etwa ab dem Jahr 2020 mit einer erheblichen
Steigerung der Menge abwandernder Blankaale aus den deutschen Aaleinzugsgebieten zu
rechnen. Die in der Verordnung (EG) 1100/2007 vorgegebene Zielgröße von 40 % der ur-
sprünglichen Blankaalabwanderung (B
0
) scheint bei fristgerechter Umsetzung aller im deut-
schen AMP 2008 verankerten Maßnahmen nach den Ergebnissen der Modellrechnung inner-
halb eines Zeitraumes von 15-20 Jahren erreichbar zu sein.
Die derzeitig verfügbare Datenlage erfordert bei einer Reihe von Bestandskenngrößen und
deren Entwicklung Hochrechnungen und Annahmen. Im Rahmen der weiteren Umsetzung der
deutschen Aalbewirtschaftungspläne ist die Fortsetzung spezieller Untersuchungen zur Schlie-
ßung von bestehenden Kenntnislücken vorgesehen.

 
Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
5
2 Einleitung
Mit der Erstellung des ersten Dreijahresberichts gemäß Verordnung (EG) 1100/2007 wurde das
Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow (IfB) von den obersten Fischereibehörden der
Bundesländer beauftragt. Die notwendigen Daten und Materialien stellten die Bearbeiter der
jeweiligen Bewirtschaftungspläne der neun Aaleinzugsgebiete zur Verfügung. Auch die Modell-
rechnungen zur Dynamik des Bestandes und zur Höhe der heutigen Blankaalabwanderung
sowie zur Abwanderung im Referenzzustand wurden in den Aaleinzugsgebieten und in der
Verantwortung der jeweiligen Bearbeiter durchgeführt. Im vorliegenden Bericht selbst wird bei
der Darstellung der Daten aus den Aaleinzugsgebieten aus Gründen der Praktikabilität auf
Quellenverweise bzw. eine Benennung aller beteiligten Personen verzichtet. Die jeweils feder-
führenden Bearbeiter in den Aaleinzugsgebieten sind auf der Innenseite des Titelblattes aufge-
führt.
Der Inhalt des nachfolgenden Berichts orientiert sich an den Vorgaben des „Draft proposal for a
reporting template“ vom 27.02.2012, wurde jedoch zur besseren Darstellung von Zusammen-
hängen anders strukturiert. Nachfolgende Übersicht soll ein Auffinden der im „Draft proposal“
geforderten Angaben im vorliegenden Bericht erleichtern.
Angabe gemäß „Draft proposal for a reporting template“
zutreffender Abschnitt im
vorliegenden Bericht
1. Monitoring effectiveness and outcome Eel management plan
1
2. (a) current silver eel escapement relative to target level 40 %
3.2.1
2. (b) level of fishing effort + catches and reduction effort
3.2.2
2. (c) level of mortality factors outside fishery and reduction effected
3.2.3
2. (d) amount of eel <12 cm caught and proportions of utilization
3.2.6
3. Have all the foreseen measures been fully implemented?
4
4. List of measures foreseen and implemented / not implemented
4, Anlage 1
5. Explanation for measures not been implemented and list of alternative
measures
4.1, 4.2, Anlage 1
6. Difficulties encountered in the implementation of the plan
4.3
7. Suggestions for amendments to the Regulation
6
8. Annual report required in line with Article 7(5)
3.2.6
Annex 1
7
3 Entwicklung des Aalbestandes in den deutschen Aaleinzugsgebieten
3.1 Material und Methoden
Die deutschen Aalbewirtschaftungspläne umfassen neun Aaleinzugsgebiete. Innerhalb der
Aaleinzugsgebiete wurden Binnen- bzw. Übergangs- und teilweise Küstengewässer als ge-
meinsamer Aallebensraum betrachtet. Bezüglich der Lage und Beschreibung der Gebiete wird
auf den deutschen AMP 2008 verwiesen. Der nachfolgende Bericht bezieht sich ausschließlich
auf die dort beschriebenen Aaleinzugsgebiete.
3.1.1 Aalbestandsmodell (GEM II)
Die Aussagen zur Entwicklung des Aalbestandes in den deutschen Aaleinzugsgebieten basie-
ren auf einer Modellierung der Bestandsdynamik. Das hierfür genutzte „German Eel Model“
(GEM I) wurde 2007 in Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Binnenfischerei e.V. (IfB)
Potsdam-Sacrow und dem Institut für Ostseefischerei des Johann Heinrich von Thünen-
Institutes (vTI) entwickelt und kam bei der Erarbeitung des AMP im Jahr 2008 zum Einsatz
(ANONYMUS 2008). Ausgehend von den Bestandseingangsgrößen (Besatz + natürlicher Auf-
stieg) schätzt das Modell unter Berücksichtigung verschiedener Mortalitätsfaktoren (natürliche
Sterblichkeit, Erwerbs- und Freizeitfischerei, Kormoran, Wasserkraftanlagen) die abwandernde
Blankaalmenge auf Basis von Stückzahlen. Die Umrechnung auf Biomasse erfolgt über Alters-
Längen-Gewichts-Relationen. Das Modell enthält ein Prognosetool und wurde mit Modifizierun-
gen für die Kalkulation sowohl des Referenzwertes, der aktuellen Abwanderung als auch der

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
6
zukünftigen Blankaalabwanderung (Prognose) verwendet. Im Jahr 2011 erfolgte eine Überar-
beitung einzelner Parameter und Funktionen des Modells (GEM II, OEBERST & FLADUNG 2012).
Für die Flussgebietseinheiten Eider und Schlei/Trave war angesichts der dominierenden Flä-
chenanteile der Küstengewässer die Datenbasis für die Anwendung des GEM II nicht ausrei-
chend, sodass die Abwanderung von Blankaalen für diese beiden Einzugsgebiete mittels einer
alternativen Methodik kalkuliert wurde. Diese ist in den Plänen dieser beiden Flussgebietsein-
heiten innerhalb des AMP 2008 näher erläutert (ANONYMUS 2008).
3.1.2 Datengrundlagen
Die Ermittlung der für die Bestandsmodellierung erforderlichen Eingangsgrößen basiert auf dem
aktuellen Datenstand in den jeweiligen Flussgebietseinheiten. Soweit die Datenlage lückenhaft
war, wurden Annahmen, Hochrechnungen und Schätzungen vorgenommen. Detailliertere
Beschreibungen dazu finden sich in den 2008 eingereichten und genehmigten Bewirtschaf-
tungsplänen für die neun deutschen Aaleinzugsgebiete (AMP 2008). Seit 2008 werden syste-
matische Datenerhebungen, v.a. bezüglich der Erwerbs- und Angelfischerei, durchgeführt.
Nachfolgend wird nur auf wesentliche Änderungen bei den Datengrundlagen eingegangen, die
sich seit der Erstellung des AMP im Jahr 2008 ergeben haben.
Natürliches Steigaalaufkommen
In Reaktion auf die Evaluation des deutschen AMP 2008 durch ICES (Report of the ICES
Secretariat, Review Service: Evaluation of the Eel Management Plans, ICES Secretariat, Nov.
2009) wurde auf Basis eines örtlich und zeitlich erweiterten Monitorings aufsteigender Aale im
Aaleinzugsgebiet des Flusssystems Elbe (SIMON et al. 2006) die Abschätzung des natürlichen
Aalaufstiegs überarbeitet. Dazu wurden weitere Monitoringstationen für den Aalaufstieg im
Einzugsgebiet der Elbe etabliert und unter Bezugnahme auf Durchflussmengen und Flächenre-
lationen Abschätzungen für den Aufstieg in die gesamte Flussgebietseinheit Elbe getroffen.
Besatz
Für den größten Teil der deutschen Aaleinzugsgebiete lagen originale bzw. hochgerechnete
Besatzangaben vor, für einige Teileinzugsgebiete mussten hingegen fehlende Daten durch
Schätzungen ergänzt werden. Ausgehend von den zumeist als Biomasseangabe (kg) vorlie-
genden Besatzmengen wurde auf Grundlage bekannter oder geschätzter Durchschnittsstück-
massen die Zahl der besetzten Aale getrennt nach nunmehr bis zu 6 Altersgruppen (AG 0-5)
errechnet.
Natürliche Sterblichkeit
Belastbare Daten zur Höhe der natürlichen Mortalität von Aalen in deutschen Aaleinzugsgebie-
ten liegen derzeit nicht vor. Die Berechnung der natürlichen Sterblichkeit der einzelnen Aalal-
tersgruppen erfolgt im GEM II nach BEVACQUA et al. 2011, angepasst entsprechend der regio-
nalen Gegebenheiten für folgende Verhältnisse: mittlere Wassertemperatur 12 °C, weiblicher
Aalbestand, Bestandsdichte in der Mitte des Jahres. Da die natürliche Sterblichkeit mit der
Bestandsdichte positiv korreliert, wurden von BEVACQUA et al. 2011 altersabhängige Sterblich-
keiten für drei verschiedene Bestandsdichteklassen (niedrig, mittel, hoch) bestimmt. Für die
aktuelle Situation 2008-2010 in den deutschen Aaleinzugsgebieten wurde entschieden, Sterb-
lichkeiten bezogen auf eine mittlere Bestandsdichte zu verwenden. Basis dafür war ein exemp-
larischer Vergleich von Bestandsdichteschätzungen im Einzugsgebiet der Elbe mit den Anga-
ben von BEVACQUA et al. 2011 für die verschiedenen Dichteklassen. Aufgrund des deutlich über
dem heutigen Niveau liegenden Referenzwertes für die Blankaalabwanderung ist davon auszu-
gehen, dass zu diesem Zeitpunkt auch eine höhere Bestandsdichte vorlag. Daher wurde für die
Modellierung der Referenz die natürliche Sterblichkeit eines Bestandes mit hoher Dichte zu
Grunde gelegt. Für die in die Ostsee mündende Oder wurde aufgrund der generell niedrigeren
Aalbestandsdichten von einer geringen Bestandsdichte (aktuell) bzw. mittleren Bestandsdichte
(Referenz) ausgegangen.

 
Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
7
Fischereiliche Sterblichkeit
Die von Fischern und Anglern gemeldeten Fangerträge werden im GEM II auf den Gesamtaal-
bestand (Gelb- und Blankaale) der betreffenden Altersgruppen und nicht mehr allein auf den
Gelbaalbestand bezogen. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass von Fischern und
Anglern auch Blankaale gefangen und entnommen werden.
Wachstum
Den Modellen der Aaleinzugsgebiete Elbe, Oder und Warnow/Peene (Küste) wurden auf Basis
von aktuellen Altersbestimmungen an Blankaalen flussgebietsspezifische Wachstumskurven
zugrunde gelegt. Von den übrigen Aaleinzugsgebieten wurden in Ermangelung spezifischer
Daten die Wachstumsverläufe aus dem Aaleinzugsgebiet Elbe übernommen.
3.1.3 Ermittlung der Blankaalabwanderung gemäß Artikel 9 der Verordnung (EG)
Nr. 1100/2007 sowie weiterer Parameter nach Annex 1 des „Draft proposal“
Die Ermittlung der Blankaalabwanderung im aktuellen Zustand (B
current
), im Referenzzustand
(B
0
) sowie im aktuellen Zustand bei Abwesenheit anthropogener Einflüsse (B
best
) erfolgte für
sieben Aaleinzugsgebiete auf Grundlage des GEM II (siehe Abschnitt 2.1.1 sowie OEBERST &
FLADUNG 2012). Dazu wurden zur Kalkulation des letztgenannten Parameters (B
best
) die Mo-
delleingangsgrößen fischereiliche Sterblichkeit (Fischer und Angler), Sterblichkeit durch Was-
serkraftanlagen sowie der Besatz als anthropogene Einflussgrößen über den gesamten Model-
lierungszeitraum (1985-2010) gleich Null gesetzt. Als verbleibender Mortalitätsparameter wirkt
hier nur die natürliche Sterblichkeit. Die Abschätzung der fischereilichen (ΣF) und sonstigen
anthropogen verursachten Mortalitätsraten (ΣH) erfolgte ebenfalls mit Hilfe des GEM II.
Für die Aaleinzugsgebiete Eider und Schlei/Trave wurden alle genannten Parameter nach einer
anderen Methode abgeschätzt, da die Datenlage in den Küstengewässern die Anwendung des
Modells derzeit nicht zulässt. Eine detaillierte Beschreibung der Vorgehensweise findet sich in
den Teilberichten Eider bzw. Schlei/Trave zum deutschen AMP 2008 (ANONYMUS 2008).
3.1.4 Alternative Ermittlung der Blankaalabwanderung über Markierung-
Rückfang-Versuche zur Verifizierung der Modellierungsergebnisse
Ergänzend und zur Evaluierung der Modellierungsergebnisse auf Basis des GEM II wurde
beispielhaft im Aaleinzugsgebiet Elbe mit einem Monitoring der Blankaalabwanderung durch
Markierung und Rückfang an Hamen 95 km oberhalb der Tidegrenze begonnen (Fladung,
unveröff. Daten). Dazu wurden im Herbst 2011 insgesamt 1.014 gefangene Blankaale mittels
Elastomer-Farbstoffen (VIE) und Coded Wire Tags (CWT) markiert und mehrere Kilometer
oberhalb der Hamen wieder ausgesetzt. Über den Rückfang der markierten Aale, die sich
daraus ergebende Fängigkeit der am Standort befindlichen Aalhamen sowie unter Nutzung
ganzjährig geführter Fangstatistiken ist so eine Quantifizierung der Blankaalabwanderung am
betreffenden Standort möglich.
Ein ähnlicher Versuchsansatz wird auch im Einzugsgebiet der Warnow/Peene zur Quantifizie-
rung der Blankaalabwanderung und zur Überwachung der Abwanderungsdynamik angewendet
(DOROW & UBL 2011a). Der in der Warnow befindliche Hamen liefert seit 2008 Daten zur
Blankaalabwanderung. Nach Abschluss der fünften Befischungssaison im Jahr 2012 soll dort
ein erster Abgleich zwischen beobachteter Blankaalabwanderung und modellbasierter Vorher-
sage erfolgen.
3.2 Ergebnisse
3.2.1 Aktuelle Blankaalabwanderung (B
current
), Referenzwert (B
0
) und Abwanderung ohne
anthropogene Einflüsse (B
best
)
Die aktuelle Blankaalabwanderung aus den deutschen Aaleinzugsgebieten (Mittelwert der
Jahre 2008-2010) beträgt gemäß GEM II 38 % gemessen am Referenzzustand ohne anthropo-

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Umsetzungsbericht 2012
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gene Beeinflussung und unterschreitet damit die in der Verordnung (EG) 1100/2007 genannte
Zielgröße knapp (Tab. 3.2.1). Im Zeitraum 2005-2007 wurde dieser Wert auf Basis des damali-
gen Bestandsmodells GEM I noch auf 56 % geschätzt. Eine vergleichende Wertung beider
Schätzungen ist allerdings mit Unsicherheiten behaftet, da das aktuell verwendete GEM II wie
oben beschrieben einige Weiterentwicklungen gegenüber dem Vorgängermodell aufweist.
Dennoch war ein kurzfristiger weiterer Rückgang der Blankaalabwanderung beispielsweise für
das Aaleinzugsgebiet Elbe bereits mit dem GEM I im Jahr 2008 prognostiziert worden, was die
hier getroffenen Aussagen untermauert.
Basierend auf der aktuellen Bestandsmodellierung ist zu erwarten, dass die Blankaalabwande-
rung in den kommenden Jahren trotz der ergriffenen Maßnahmen aufgrund der zeitlichen
Verzögerung ihrer Wirkungen auf die Blankaalabwanderung zunächst weiter absinkt und damit
die Zielgröße der Verordnung (EG) 1100/2007 erst mittelfristig wieder erreicht werden kann
(siehe Abschnitt 5). Dies liegt darin begründet, dass die ergriffenen Maßnahmen vor allem die
jüngeren Altersklassen betreffen, weshalb ein Bestandsanstieg der älteren Altersklassen und
damit auch der Menge abwandernder Blankaale erst zeitlich verzögert erfolgen kann.
Tab.3.2.1
:
Bilanzierung der Blankaalabwanderung aus den deutschen Aaleinzugsgebieten
Aaleinzugs-
gebiet
Bereich
Referenz
(B
0
)
Zielgröße
40 %
aktuelle Blankaalabwanderung
(B
current
,
2008-10)
(t)
(t)
Blankaalmenge
(t)
im Vergleich zum
Referenzwert (%)
Eider
Binnen- u. Küsten-
gewässer
240
96
109
46
Elbe
Binnen- u. Über-
gangsgewässer
1.450
580
186
13
Ems
Binnen- u. Über-
gangsgewässer
711
284
390
55
Maas
Binnengewässer
4
2
<1
9
Oder
Binnen- u. Über-
gangsgewässer
118
47
19
16
Rhein
Binnengewässer
288
115
154
53
Schlei/Trave
Binnen- u. Küsten-
gewässer
641
256
290
45
Warnow / Peene
Binnen- u. Küsten-
gewässer
1.395
558
539
39
Weser
Binnen- u. Über-
gangsgewässer
605
242
357
59
Gesamt
5.453
2.181
2.045
38
Die ermittelten Referenzwerte (B
0
) für die Abwanderung von Blankaalen unter unbeeinflussten
Bedingungen belaufen sich auf 1,5-3,8 kg/ha für die in die Ostsee entwässernden Flüsse Oder,
Schlei/Trave, Warnow/Peene) und 0,5-7,2 kg/ha für die in die Nordsee entwässernden Flüsse
Eider, Elbe, Maas und Rhein. Für die Flusseinzugsgebiete Weser und Ems (Nordsee) wurden
auf Basis historischer Referenzzahlen (Wehr Herbrum, Ems) bzw. früherer Einschätzungen
(TESCH et al. 1967) mit dem weiterentwickelten Aalbestandsmodell GEM II deutlich höhere
Werte von 10,9 bzw. 16,4 kg/ha geschätzt. Die ermittelten Referenzwerte liegen im Rahmen
von Angaben aus anderen mitteleuropäischen Flüssen (ICES 2011a, Tab. 3.1).
Insgesamt ergibt sich für alle Aaleinzugsgebiete ein summarischer Wert für B
0
von 5.453 t, was
im Mittel 3,4 kg/ha entspricht. Im Vergleich dazu wird die aktuelle Blankaalabwanderung (B
current
)
für die deutschen Aaleinzugsgebiete auf 2.045 t bzw. 1,3 kg/ha geschätzt.

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9
Gemäß „Draft proposal for a reporting template“ ist neben der Blankaalabwanderung im Refe-
renzzustand sowie im aktuellen Zustand auch die potentielle heutige Blankaalabwanderung
ohne anthropogene Einflüsse (B
best
) zu quantifizieren. Im Mittel der Jahre 2008-2010 ergibt sich
für diese Schätzgröße ein Wert von 1.687 t bzw. 1,0 kg/ha (Tab. 3.2.2). Dieses Ergebnis liegt
um rund 360 t bzw. 17 % niedriger als die derzeitige aktuelle Blankaalabwanderung in Höhe
von 2.045 t. Der Hauptgrund dafür ist in der Tatsache zu suchen, dass in den deutschen Aal-
einzugsgebieten seit mehr als 100 Jahren Besatzmaßnahmen auf beträchtlichem Niveau
durchgeführt werden. (VON DER WENGEN 1892, MEYER 1951). Damit rekrutieren sich die heuti-
gen Aalbestände in den Binnengewässern überwiegend aus dem von Erwerbs- und Angelfi-
schern durchgeführten Besatz. In der Konsequenz führt das zu einer höheren Blankaalabwan-
derung im Vergleich zu einem Szenario ohne menschliche Einflüsse auf den Bestand und somit
auch ohne Besatz (B
best
).
Nach den Modellierungsergebnissen bleibt Besatz auch in Zukunft ein entscheidendes Instru-
ment zur Erhöhung der Aalbestände und der daraus resultierenden Blankaalabwanderung und
ist unverzichtbar zur mittel- bis langfristigen Wiedererreichung der Zielabwanderungsrate von
40 % in den deutschen Aaleinzugsgebieten. Daher wurden die Besatzbemühungen weiter
intensiviert, was in den kommenden Jahren weiter für ein Verhältnis B
best
< B
current
sorgen wird.
Tab.3.2.2
: Schätzung der aktuell (
2008-10) abwandernden Blankaalmenge bei Abwesenheit
aller anthropogenen Einflüsse (B
best
) im Vergleich zur aktuellen Blankaalabwande-
rung (B
current
)
Aaleinzugs-
gebiet
Bereich
B
best
(t)
B
current
(t)
Differenz (t)
B
best
- B
current
Eider
Binnen- u. Küsten-
gewässer
146
109
+37
Elbe
Binnen- u. Über-
gangsgewässer
118
186
-68
Ems
Binnen- u. Über-
gangsgewässer
235
390
-155
Maas
Binnengewässer
1
0
+1
Oder
Binnen- u. Über-
gangsgewässer
9
19
-10
Rhein
Binnengewässer
17
154
-137
Schlei/Trave
Binnen- u. Küsten-
gewässer
384
290
+94
Warnow / Peene
Binnen- u. Küsten-
gewässer
614
539
+75
Weser
Binnen- u. Über-
gangsgewässer
163
357
-194
Gesamt
1.687
2.045
-357
Um die Plausibilität der Modellierung einschätzen zu können, wurde im Jahr 2011 beispielhaft
im Aaleinzugsgebiet der Elbe mit einem Monitoring der Blankaalabwanderung durch einen
Markierung-Rückfang-Versuch begonnen (siehe Abschnitt 3.1.4). Auf Basis der bisherigen
Daten kann die abgewanderte Blankaalmenge für die Jahre Saison 2010/2011 vorläufig auf ca.
150.000-200.000 Tiere geschätzt werden. Dem gegenüber stehen mit dem GEM II für B
current
ermittelte Werte von 280.000 (2010) bzw. 215.000 (2011) abwandernden Blankaalen. Die in der
Größenordnung gut übereinstimmenden Schätzungen deuten darauf hin, dass die Blankaalab-
wanderung aus deutschen Aaleinzugsgebieten mit Hilfe des GEM II realitätsnah modelliert wird.

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Institut für Binnenfischerei
Umsetzungsbericht 2012
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3.2.2 Fischereiaufwand und Fangmengen
Fischereiaufwand der Erwerbsfischerei
Das Hauptfanggerät der Erwerbsfischerei auf Aal sind Reusen, die in verschiedenen Konstruk-
tionen und Größen von der Stromreuse bis zur Bunge zum Einsatz kommen. Über 90 % aller
Fanggerätetage für den Aalfang entfallen auf diese Gerätegruppe (Tab. 3.2.3). Langleinen,
Aalschnüre und Aalpuppen werden regional v.a. in den Einzugsgebieten Warnow/Peene, Oder
und Schlei/Trave verwendet. In deutlich geringerem Umfang werden in einigen Aaleinzugsge-
bieten auch Hamen zur Aalfischerei eingesetzt. Darüber hinaus sind in einigen kleineren Ne-
benflüssen fest installierte Vorrichtungen unterschiedlicher Bauart zum Fang abwandernder
Aale vorhanden, die nachfolgend als „stationäre Aalfänge“ bezeichnet werden. Der Einsatz von
Elektrogeräten zum Fang von Aalen ist auf eine vergleichsweise geringe Zahl von Betrieben
und Einsatztagen im Jahr beschränkt. Beim Einsatz weiterer Geräte wie Zugnetze und Baum-
kurren treten Aale in sehr geringer Menge als Beifang auf, sind aber nicht die Zielart dieser
Fischerei. Daher werden diese beiden Fanggeräte in Deutschland nicht zu den Geräten für den
Aalfang gezählt.
Tab. 3.2.3
: Fischereiaufwand („Fanggerätetage“ = Anzahl der Aalfanggeräte multipliziert mit
der Anzahl der Einsatztage je Jahr) der Haupt- und Nebenerwerbsfischerei in den
deutschen Aaleinzugsgebieten im Jahr 2010 sowie prozentuale Veränderung im
Vergleich zum Jahr 2008 (vor Implementierung des AMP 2008)
Flussgebiets-
einheit
Kleinreusen
Großreusen
Langleinen /
Aalschnur
(a 100 Haken)
Aalpuppen
Hamen
Stationäre
Aalfänge
Elektrofisch-
fanggeräte
Eider
25.379
0
0
197
0
0
Elbe
403.531
309.032
301
10.965
4.130
872
69
Ems
3.410
16.892
0
0
5.209
0
0
Maas
0
0
0
0
0
30
0
Oder
373.285
60.838
83.478
12.300
1.599
0
30
Rhein
112.860
6.214
6
0
167
0
290
Schlei/Trave
623.181
3.027
0
0
0
8
Warnow / Peene
3.429.488
53.625
430.663
2.250
0
197
21
Weser
155.621
3.540
0
0
844
18
0
Gesamt
5.126.755
450.141
517.475
25.515
12.146
1.117
418
Veränderung *
2008-2010 (%)
-12
+16
0
-73
-26
-44
-30
* ohne Land Brandenburg, da hier keine Vergleichszahlen aus dem Jahr 2008 vorlagen
Bei Aussagen zur Entwicklung bestimmter Bemessungsgrößen im Rahmen dieses Berichtes
wird entsprechend der Vorgaben des „Draft proposal“ der Zeitraum vor Implementierung des
deutschen AMP (Mittel der Jahre 2005-2007) sowie nach Entwicklung und Einreichung dessel-
ben (Mittel der Jahre 2008-2010) verglichen. Für den Fischereiaufwand der Erwerbs- und
Angelfischerei war das nicht möglich, da die Erfassung dieser Größen erstmalig im Jahr 2008
erfolgte. Im Vergleich zu diesem Jahr ist der Fischereiaufwand der Erwerbsfischerei auf Aal im
Jahr 2010 bei der Mehrzahl der eingesetzten Geräte zurückgegangen (Tab. 3.2.3). Besonders
bedeutsam ist in diesem Zusammenhang der Rückgang der Fanggerätetage in der Geräte-
gruppe Kleinreusen um rund 12 %, da sie mit derzeit etwa 5,1 Mio. Fanggerätetagen das mit
Abstand bedeutendste Aalfanggerät in Deutschland darstellen.

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
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Umsetzungsbericht 2012
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11
Die Gründe für den markanten Rückgang des Befischungsaufwands bei vielen Fanggeräten der
Erwerbsfischerei sind vielfältig. Angesichts sich stetig verschlechternder Rahmenbedingungen
für die Fischerei und mangelhafter ökonomischer Rentabilität geht die Zahl an Betrieben der
Erwerbsfischerei in Deutschland seit Jahren beständig zurück (BRÄMICK 2011). Nähere Erläute-
rungen werden im Abschnitt 4.1 gegeben. Speziell im Zusammenhang mit der Fischerei auf Aal
führten z.B. regionale, zum Teil ganzjährige Schonzeiten und Vermarktungsverbote, eine
Reduzierung der Zahl stationärer Blankaalfänge und z.T. Veränderungen in der betriebswirt-
schaftlichen Ausrichtung von Fischereibetrieben zu einer Verringerung des Fischereiaufwandes.
Fischereiaufwand der Angelfischerei
In der Angelfischerei gibt es keine generelle Verpflichtung zur Dokumentation der Angelzeit, des
Fischereiaufwands (z.B. Angeltage) sowie des Fanges. Konform zu Art. 11 der Verordnung
(EG) 1100/2007 sind von den Mitgliedstaaten die Zahl der Freizeitfischer (zu denen die Angler
gehören) sowie ihre Fänge zu schätzen. Die Zahl der Angler ist in den meisten Bundesländern
lediglich über die Zahl der Inhaber eines gültigen Fischerei- bzw. Erlaubnisscheines abschätz-
bar.
Gemäß einer aktuellen Erhebung im Rahmen des vorliegenden Berichtes verfügen aktuell in
den deutschen Aaleinzugsgebieten insgesamt rund 870.000 Personen über einen gültigen
Fischerei- bzw. Erlaubnisschein, der auch zum Fang von Aalen berechtigt. Diese Zahl ist im
Vergleich zum Zeitraum vor Inkraftsetzung des AMP 2008 nahezu unverändert geblieben (Tab.
3.2.4).
Tab. 3.2.4
:
Anzahl der Personen mit gültigem Fischerei- bzw. Erlaubnisschein in den deut-
schen Aaleinzugsgebieten im Zeitraum 2008-2010 sowie prozentuale Verände-
rung der aktuellen Zahl (2010) im Vergleich zum Jahr 2008
Flussgebiets-
einheit
Bezugsfläche
2008
2009
2010
Veränderung
2008 zu 2010 (%)
Eider
Binnen- u. Küsten-
gewässer
20.000
20.000
20.000
0
Elbe
Binnen- u. Über-
gangsgewässer
332.933
333.897
323.181
-3
Ems
Binnen- u. Über-
gangsgewässer
49.145
48.907
48.660
-1
Maas *
Binnengewässer
7.461
7.305
6.821
-9
Oder
Binnen- u. Über-
gangsgewässer
32.009
32.867
30.080
-6
Rhein *
Binnengewässer
180.614
179.878
178.845
-1
Schlei/Trave
Binnen- u. Küsten-
gewässer
20.000
20.000
20.000
0
Warnow / Peene
Binnen- u. Küsten-
gewässer
133.820
137.358
134.655
+1
Weser
Binnen- u. Über-
gangsgewässer
109.476
105.748
105.755
-3
Gesamt
885.458
885.960
867.996
-2
* In den Aaleinzugsgebieten Rhein und Maas wurde die Anzahl aktiver Angler mit gültigen Fischereischeinen zugrunde gelegt
Inwieweit Angler tatsächlich auf Aal angeln, war Gegenstand einer bislang unveröffentlichten
Studie aus dem Jahr 2010 für ein Teileinzugsgebiet der Elbe (Havelgebiet). Demnach angelte
nur in etwa die Hälfte (42-57 %) von den insgesamt berechtigten Anglern auf Aal. Von diesen
wiederum war nur etwa ein Drittel erfolgreich. Zudem unterschieden sich die Angler hinsichtlich
ihrer Angelaktivitäten und ihrer Angelerfolge außerordentlich, was die Aussagekraft der Anzahl
gültiger Fischereischeine für den Befischungsaufwand und Angelerfolg auf Aal deutlich ein-
schränkt. Zu vergleichbaren Ergebnissen kam eine für das Land Mecklenburg-Vorpommern im

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Jahr 2006/2007 durchgeführte landesweite Anglerstudie (DOROW & ARLINGHAUS 2008, 2009).
Basierend auf einer einjährigen Angelbuchstudie konnte gezeigt werden, dass rund 5 % der
Angler ca. 50 % des Aalfangs realisieren. Im Durchschnitt (gewichteter Mittelwert) wurden
0,67 kg Aal pro Angler und Jahr aus den Gewässern entnommen.
Aalfänge der Erwerbs- und Angelfischerei (Fischereiliche Mortalität ΣF)
Die Ermittlung der Aalfänge durch die Erwerbsfischerei erfolgte auf Basis der Fangmeldungen
der Fischer bzw. Fischereibetriebe. Für die Angelfischerei wurden die Aalfänge in einigen
Bundesländern in Ermangelung direkter Fangmeldungen (siehe vorangegangener Abschnitt) im
Rahmen dieses Berichts überwiegend durch Multiplikation der Anzahl der Inhaber von Fische-
rei- bzw. Erlaubnisscheinen mit einem Einheitsfang von 0,2-0,7 kg/Angler*Jahr (nach regional
vorliegenden Fangstatistiken und Anglerstudien) hochgerechnet. In anderen Bundesländern, so
z.B. in Niedersachsen, lagen z.T. direkte Fangmeldungen im Rahmen von Jahresmeldungen
vor.
Im Vergleich zum Zeitraum vor der Implementierung des AMP 2008 (Mittel der Jahre 2005-
2007) sank der Gesamtaalfang der Erwerbs- und Angelfischerei in Deutschland im Mittel der
Jahre 2008-2010 um 18 % (Tab. 3.2.5). Lediglich im Aaleinzugsgebiet der Elbe gab es eine
leichte Steigerung der Fangmengen, während in allen anderen Aaleinzugsgebieten die Aalfän-
ge zum Teil stark rückläufig waren. Für die rückläufigen Fänge in den meisten Gebieten ist
neben den oben erwähnten generellen Rückgängen bei der Anzahl der Erwerbsfischereibetrie-
be auch die Umsetzung von Maßnahmen im Rahmen des AMP 2008 verantwortlich, die auf
eine Beschränkung der Fang- bzw. Entnahmemengen durch Fischer und Angler in den Ein-
zugsgebieten abzielen (siehe Abschnitt 5.1, Anlage 1). Bei einem Vergleich ist jedoch auch zu
beachten, dass frühere Schätzwerte (bis 2007) durch konkrete Daten aus der Fangerfassung
auf Basis einer neuen Rechtsnorm ersetzt wurden.
Tab. 3.2.5
: Aalfänge (t) der Erwerbs- und Angelfischerei
*
in den deutschen Aaleinzugsgebie-
ten im Zeitraum 2005-10 sowie prozentuale Veränderung der aktuellen Fangmen-
gen (
2008-10) im Vergleich zum Zeitraum vor Implementierung des AMP
( 2005-07)
Flussgebiets-
einheit
2005
2006
2007
2008
2009
2010
Veränderung (%) aktuell ( 2008-10)
zum Wert vor Implementierung AMP
( 2005-07)
Eider
25
23
23
21
22
23
-8
Elbe
288
306
294
297
313
296
+2
Ems
34
32
25
18
19
20
-37
Maas
<1
<1
<1
<1
<1
<1
-72
Oder
28
28
27
25
25
23
-12
Rhein
139
141
139
103
82
64
-40
Schlei/Trave
79
80
65
49
42
59
-33
Warnow/Peene
136
145
125
126
114
112
-13
Weser
100
100
94
69
61
50
-39
Gesamt
830
855
792
708
679
647
-18
*
Fänge der Erwerbsfischerei über Fangstatistiken ermittelt, Fänge der Angelfischerei in einigen Bundesländern über Anzahl von
Fischereischeinen/Erlaubnisscheinen und Durchschnittsfänge hochgerechnet
Aus den Fangmengen der Erwerbs- und Angelfischerei resultiert bei einer Bestandsmodellie-
rung mit dem GEM II eine mittlere jährliche fischereiliche Mortalitätsrate für den Gesamtbestand
(ΣF) in Höhe von durchschnittlich 1,8 % für den Zeitraum 2008-2010 (Tab. 3.2.6). Im Zeitraum
vor Inkrafttreten des AMP waren es noch durchschnittlich 2,1 % pro Jahr.

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Tab.3.2.6
: jährliche fischereiliche Aalsterblichkeitsrate (summarische Betrachtung von Fischern
und Anglern) im modellierten Gesamtbestand (ΣF) von sieben deutschen Aalein-
zugsgebieten (bezogen auf Stückzahl)
Aaleinzugsgebiet
Sterblichkeitsrate ΣF (%) im Gesamtbestand
2005-07
2008-10
Veränderung (%)
Elbe
4,2
3,8
-10
Ems
0,7
0,5
-18
Maas
7,7
1,8
-77
Oder
2,6
2,6
-1
Rhein
3,0
2,0
-34
Warnow/Peene
1,0
0,9
-13
Weser
1,8
1,3
-27
Gesamt
2,1
1,8
-12
3.2.3 Sonstige anthropogene Mortalitätsfaktoren (ΣH)
Fischverluste an Wasserkraftanlagen und Kühlwasserentnahmen wirken als anthropogen
bedingte Mortalitäten insbesondere auf den Blankaalbestand, da die Blankaale stromab mit der
Hauptströmung wandern und dadurch in Turbinen und Pumpen gelangen. Gelbaale sind zu-
mindest an Wasserkraftanlagen weniger stark von Verlusten betroffen, wenngleich auch wäh-
rend der Wachstumsphase potamodrome Wanderungen belegt sind und damit auch Gelbaale
einer gewissen Mortalität an Wasserkraftanlagen unterliegen. Abhängig vom individuellen
Verhaltensmuster sind jedoch die Wahrscheinlichkeit der Passage von Wasserkraftanlagen und
Kühlwasserentnahmestellen und die daraus resultierenden Sterblichkeiten in der Gelbaalphase
sehr verschieden und beim derzeitigen Erkenntnisstand nicht repräsentativ quantifizierbar.
Speziell für Kühlwasserentnahmestellen liegen nur wenige Untersuchungen mit konkreten
Mortalitätsraten vor, die dazu noch sehr standort- und betriebsspezifisch und damit kaum
verallgemeinerbar sind. Aus diesen Gründen wurden im Zuge der Bestandsmodellierung aus
der Literatur bekannte Mortalitäten für Wasserkraftanlagen und ausgewählten Kühlwasserent-
nahmestellen ausschließlich für den abwandernden Blankaalbestand zum Ansatz angebracht.
Tab. 3.2.7
: Ergebnisse der Schätzungen der Blankaalsterblichkeit (t) durch Wasserkraftanla-
gen und Kühlwasserentnahmen in den deutschen Aaleinzugsgebieten im Zeitraum
2005-2010 sowie prozentuale Veränderung der aktuellen Schätzungen (
2008-
2010) im Vergleich zum Zeitraum vor Implementierung des AMP (
2005-2007)
Aaleinzugs-
gebiet
2005
2006
2007
2008
2009
2010
Veränderung (%) aktuell ( 2008-10)
zum Wert vor Implementierung AMP
( 2005-07)
Eider
12
12
12
12
12
12
0
Elbe
137
120
96
74
55
43
-51
Ems
6
6
6
5
5
5
-13
Maas
<1
<1
<1
<1
<1
<1
-34
Oder
1
1
1
<1
<1
<1
-61
Rhein
165
170
167
151
135
129
-17
Schlei/Trave
23
23
23
23
23
23
0
Warnow/Peene
<1
<1
<1
<1
<1
<1
-48
Weser
86
86
83
78
73
70
-14
Gesamt
431
418
389
344
304
283
-25

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Die meisten Blankaale werden den Berechnungen zu Folge durch die Wasserkraftanlagen und
Kühlwasserentnahmen im Rhein (2010: 129 t) getötet. Es folgen Weser (70 t), Elbe (43 t),
Schlei/Trave (23 t), Eider (12 t) und Ems (5 t). In Maas, Oder und Warnow/Peene liegen die
kalkulierten Verluste bei Blankaalen unter 1 t pro Jahr (Tab. 3.2.7).
Die geschätzte Höhe der Aalmortalität an Wasserkraftanlagen und ausgewählten Kühlwasser-
entnahmestellen summierte sich über alle Aaleinzugsgebiete im Mittel der Jahre 2008-2010 auf
310 t. Dieser Wert liegt etwa 25 % unter dem Ausgangswert vor Inkrafttreten des AMP (Tab.
3.2.7). Ursache für den Rückgang der Menge durch Wasserkraftanlagen und Kühlwasserent-
nahmestellen getöteter Aale ist jedoch nicht eine Abnahme der Anzahl von Anlagen oder eine
Verringerung der Sterblichkeiten durch wirksame Schutzmaßnahmen. Stattdessen führt die in
Abschnitt 3.2.1 dargestellte Verringerung der Blankaalabwanderung auch bei gleichbleibenden
Sterblichkeitsraten automatisch zu verringerten absoluten Verlustmengen.
Gemäß der Vorgabe für die Berichterstattung im „Draft proposal“ ist die Rate der Sterblichkeit
durch Wasserkraftanlagen und Kühlwasserentnahmestellen (ΣH) bezogen auf den Gesamtaal-
bestand auszuweisen. Im Ergebnis der Modellierung mit dem GEM II liegt diese im Mittel der
Jahre 2008-2010 bei 0,6 % (Tab. 3.2.8) und ist im Vergleich zum Zeitraum vor Inkraftsetzung
des AMP um rund 21 % zurückgegangen. Aber auch dieser Vergleich ist nicht geeignet, um die
Entwicklung der durch Wasserkraftanlagen und Kühlwasserentnahmen verursachten Sterblich-
keiten zu beurteilen. Seit dem Jahr 2006 haben umfangreiche Besatzmaßnahmen mit Jungaa-
len (siehe Kapitel 4.1) den Aalbestand massiv verjüngt. Gleichzeitig sank die Menge abwan-
dernder Blankaale. Berechnet man die jährliche Sterblichkeitsrate ΣH (%) durch Wasserkraftan-
lagen und Kühlwasserentnahmen über alle Altersklassen in Relation zum Gesamtbestand, dann
muss diese Rate allein durch die Verjüngung des Bestandes und den damit verbundenen
Rückgang bei den einer Sterblichkeit durch Wasserkraftanlagen unterliegenden Bestandsfrakti-
onen sinken. Dieser rechnerische Effekt tritt vor allem bei Flüssen mit aktuell starkem Besatz
auf (z.B. Elbe) und weniger in Flüssen mit konstanten Besatzmengen und daher gleichbleiben-
den Altersstrukturen des Bestandes (Rhein, Weser).
Einen realistischen Eindruck von der Entwicklung der Sterblichkeitsraten an Wasserkraftanla-
gen erhält man, wenn die Verluste auf den Blankaalbestand und damit die tatsächlich betroffe-
ne Fraktion bezogen werden (
ΣH
2
). Aus den in Tabelle 3.2.8 dargestellten Ergebnisse wird
deutlich, dass die so berechnete Sterblichkeitsrate in fünf von sieben Aaleinzugsgebieten im
Zeitraum 2005-10 gleich geblieben ist und sich nur in zwei Einzugsgebieten (u.a. durch Fang &
Transport) leicht verringert hat. Bezogen auf alle sieben betrachteten Aaleinzugsgebiete blieb
die Sterblichkeitsrate nahezu konstant.
Tab.3.2.8
:
jährliche Aalsterblichkeitsrate im modellierten Gesamtbestand (
ΣH
) sowie im
Blankaalbestand (
ΣH
2
) von sieben deutschen Aaleinzugsgebieten durch Wasser-
kraftanlagen und Kühlwasserentnahmen (bezogen auf Stück)
Flussgebiets-
einheit
Sterblichkeitsrate ΣH (%) im Gesamtbestand Sterblichkeitsrate ΣH
2
(%) im Blankaalbestand
2005-07
2008-10
Veränderung (%)
2005-07
2008-10
Veränderung (%)
Elbe
1,0
0,5
-55
23,5
23,5
0
Ems
0,1
0,1
+20
1,2
1,2
0
Maas
0,9
0,5
-37
10,2
10,2
0
Oder
0,1
<0,1
-54
1,8
1,8
0
Rhein
2,5
2,5
0
51,7
47,3
-9
Warnow /
Peene
<0,1
<0,1
-41
<0,1
<0,1
-14
Weser
1,1
1,2
+13
17,1
17,1
0
Gesamt
0,7
0,6
-21
20,3
19,7
-3

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15
Sofern es nicht gelingt, die Sterblichkeit insbesondere durch Wasserkraftanlagen in den großen
Flüssen der Aaleinzugsgebiete deutlich zu verringern, ist in den nächsten Jahren mit einem
erneuten Ansteigen der getöteten Blankaalmengen zu rechnen. Denn zukünftig werden die
Aale, die als junge Tiere in der Vergangenheit besetzt wurden, in die Blankaalgrößen hinein-
wachsen und damit vermehrt stromabwärts wandern.
Generell ist davon auszugehen, dass es in Umsetzung der Aalbewirtschaftungspläne sowie der
EU-Wasserrahmenrichtlinie (Richtlinie 2000/60/EG) mittel- und langfristig zu einer Verringerung
der Sterblichkeit durch Wasserkraftanlagen und Kühlwasserentnahmen kommen wird (siehe
Abschnitt 4.1). Die in den Aaleinzugsgebieten vorliegenden Daten und Informationen führen
allerdings zu dem Schluss, dass bisher nur wenige Anlagen seit Inkrafttreten des AMP 2008 für
Blankaale stromab passierbar gestaltet wurden. Demzufolge blieb der Einfluss der Wasser-
kraftanlagen auf die abwandernden Blankaale bzw. die Sterblichkeitsraten an diesen Anlagen in
den letzten Jahren ( 2008-2010) nahezu gleich (s. Tabelle 3.2.8).
Zu den sonstigen anthropogenen Mortalitätsfaktoren zählt weiterhin die Kontamination von
Aalen mit unterschiedlichsten potenziell schädigenden Substanzen. Ihre Wirkung auf die Sterb-
lichkeit von Aalen bzw. den Reproduktionserfolg kann derzeit jedoch nicht quantifiziert und auch
nicht von der Wirkung natürlicher Mortalitätsursachen (z.B. Fraß durch Raubfische, Sauerstoff-
mangelsituationen u.ä.) abgegrenzt werden. Einige Informationen zur Belastungssituation von
Aalen in deutschen Aaleinzugsgebieten mit Substanzen wie PCB oder Dioxinen finden sich bei
BAER et al. (2011) sowie IKSR (2011). In die Modellierung des Aalbestandes konnte diese
potenzielle Mortalitätsursache jedoch mangels Quantifizierbarkeit nicht einfließen.
3.2.4 Natürliche Sterblichkeit
Neben den anthropogen bedingten Mortalitäten ist die natürliche Sterblichkeit des Aalbestandes
eine wesentliche Einflussgröße für das Verständnis der regionalen Populationsdynamik des
Aals. Der natürlichen Sterblichkeit kommt dabei quantitativ betrachtet die mit weitem Abstand
höchste Bedeutung unter den Mortalitätsfaktoren zu. Belastbare spezifische Werte für deutsche
Aaleinzugsgebiete liegen derzeit noch nicht vor. Im Rahmen der Modellierung der Aalbestände
wurde daher auf Angaben von BEVACQUA et al. (2011) zurückgegriffen (siehe Abschnitt 3.1.2).
Im Ergebnis beläuft sich die Schätzung der natürlichen Sterblichkeitsrate (ohne Kormoran) in
den deutschen Aaleinzugsgebieten im Mittel der Jahre 2008-2010 auf 18,3 % (Tab. 3.2.9).
Tab.3.2.9
:
jährliche natürliche Aalsterblichkeitsrate (ohne Kormoran) im modellierten Ge-
samtbestand (bezogen auf Stück) von sieben deutschen Aaleinzugsgebieten
Aaleinzugsgebiet
Jährliche natürliche Sterblichkeitsrate (%)
2005-07
2008-10
Veränderung (%)
Elbe
14,0
17,6
+26
Ems
11,5
9,9
-13
Maas
9,9
19,4
+97
Oder
24,9
27,0
+8
Rhein
12,6
11,8
-6
Warnow/Peene
23,9
24,6
+3
Weser
10,6
9,5
-10
Gesamt
16,9
18,3
+8
Vor Implementierung des AMP lag dieser Wert bei gleichem Modellansatz noch bei 16,9 %. Die
Ursache für den Anstieg der Sterblichkeitsrate liegt in strukturellen Veränderungen des Aalbe-
standes. Aufgrund eines vorangegangenen Rückgangs der Aalbesatzmengen zwischen 1990

image
image
Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
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Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
16
und 2005 und der nachfolgenden Erhöhung im Zuge von Maßnahmen zur Stabilisierung des
Bestandes ab dem Jahr 2006 hat eine Verjüngung des Aalbestandes stattgefunden (Abb.
3.2.1). Gemäß BEVACQUA et al. (2011) liegen die natürlichen Sterblichkeitsraten in jungen
Altersklassen am höchsten und nehmen danach ab (Abb. 3.2.2). Somit weisen jüngere Bestän-
de, wie sie in Folge der intensivierten Besatzbemühungen in einigen deutschen Aaleinzugsge-
bieten entstanden sind, folgerichtig höhere natürliche Sterblichkeitsraten auf.
Abb.3.2.1
: Aalbesatz in den deutschen Aaleinzugsgebieten im Zeitraum 1985-2010
Abb.3.2.2
: Jährliche natürliche Sterblichkeitsrate im Aalbestand für 3 Bestandsdichteklassen
(niedrig, mittel, hoch) nach BEVACQUA et al. (2011), angepasst für folgende Verhält-
nisse: mittlere Wassertemperatur 12 °C, weiblicher Aalbestand, Bestandsdichte in
der Mitte des Jahres

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17
Durch Parasiten und Krankheitserreger ausgelöste Mortalitäten konnten für die Aalbestände in
den deutschen Aaleinzugsgebieten nicht quantifiziert werden. Sie sind daher nicht als separate
Parameter in die Modellierung des Bestandes eingeflossen, sondern wurden als Bestandteil der
summarischen natürlichen Mortalität betrachtet. Zwar ist z.B. der Schwimmblasennematode
A.
crassus
durch menschliches Wirken in den Lebensraum des europäischen Aals verfrachtet
worden und wäre somit ggf. als anthropogen bedingte Verlustursache zu bezeichnen. Es gibt
jedoch derzeit keine Angaben dazu, welche Sterblichkeiten einzelne Parasiten oder Krankhei-
ten bei Aalen in natürlichen Lebensräumen auslösen. Eine Trennung zwischen den Wirkungen
anthropogen eingeschleppter und natürlich vorkommender Parasiten und Krankheitserreger ist
ebenso unmöglich wie eine Quantifizierung der krankheitsbedingten Mortalitäten insgesamt.
3.2.5 Prädation durch Raubtiere (hier Kormoran) als eine spezielle Komponente der
natürlichen Sterblichkeit
Der Kormoran (im Falle Deutschlands
Phalacrocorax carbo sinensis
) ist als einheimisches
Raubtier a priori ein Bestandteil der natürlichen Sterblichkeit. Aufgrund seiner Bestandsentwick-
lung in den letzten 20-25 Jahren (Abb. 3.2.3) wurde in Übereinstimmung mit Artikel 2 (10) der
Verordnung (EG) Nr. 1100/2007 eine gesonderte Abschätzung der Aalsterblichkeit durch
Kormorane vorgenommen. Die methodische Vorgehensweise ist im AMP (ANONYMUS 2008)
dargestellt.
Die durch Kormorane verursachte Sterblichkeit im Aalbestand gemessen an der von Kormora-
nen gefressenen Aalbiomasse ist aktuell (
2008-2010) im Vergleich zum Zeitraum vor Imple-
mentierung des deutschen AMP 2008 in sieben von neun Flussgebietseinheiten rückläufig,
lediglich in zwei Gebieten (Eider, Weser) gab es einen Anstieg (Tab. 3.2.10). Bezogen auf alle
deutschen Aaleinzugsgebiete gingen die Schätzungen für die Aalfraßmengen von Kormoranen
um etwa 14 % zurück und belaufen sich aktuell auf 245 t (
2008-2010). Damit liegt die Aals-
terblichkeit durch Kormorane bei etwa 80% der Sterblichkeit durch Wasserkraftanlagen (310 t)
und entspricht ca. ⅓ der fischereilichen Sterblichkeit (678 t). Bei der Bestandsmodellierung mit
dem GEM II ergibt sich daraus eine aktuelle Mortalitätsrate durch den Kormoran in Höhe von
1,0 % (
2008-2010), die unter Berücksichtigung der Darstellung in Abschnitt 3.2.4 den Ge-
samtwert für die natürliche Mortalität auf 19,3 % steigen lässt.
Tab.3.2.10
: Ergebnisse der Schätzungen der Aalfraßverluste (t) durch Kormorane in den
deutschen Aaleinzugsgebieten im Zeitraum 2005-10 sowie prozentuale Verände-
rung der aktuellen Fraßmengen (
2008-10) im Vergleich zum Zeitraum vor Im-
plementierung des AMP 2008
Aaleinzugs-
gebiet
2005
2006
2007
2008
2009
2010
Veränderung (%) aktuell ( 2008-10)
zum Wert vor Implementierung AMP
( 2005-07)
Eider
26
27
28
29
29
28
+6
Elbe
127
111
97
93
82
75
-25
Ems
4
4
3
3
3
2
-23
Maas
<1
<1
<1
<1
<1
<1
-30
Oder
33
24
21
21
21
19
-23
Rhein
16
15
15
13
12
12
-20
Schlei/Trave
82
86
90
81
83
79
-6
Warnow / Peene
11
8
8
8
7
6
-18
Weser
5
5
5
9
9
9
+83
*
Gesamt
303
281
268
257
246
231
-14
*
Sprung zwischen 2007 und 2008 u.a. auf Änderungen in der Datenlage und -bewertung zurückzuführen

image
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18
Der Rückgang der von Kormoranen gefressenen Biomasse an Aal im Vergleich zum Zeitraum
vor Inkraftsetzung des AMP ist auf drei Entwicklungen zurückzuführen. Zum einen änderte sich
– wie schon mehrfach erläutert – in Folge der Besatzmaßnahmen die Altersstruktur des Aalbe-
standes hin zu einer Dominanz junger Altersklassen und damit kleineren Aalen. Dadurch sinkt
selbst bei gleicher Stückzahl gefressener Aale die hier ausgewiesene Biomasse. Zum zweiten
lag auch die Größe des Aalbestandes in der Summe der deutschen Aaleinzugsgebiete im Mittel
der Jahre 2008-2010 etwa 8 % unter dem Wert des Vergleichszeitraumes vor Inkrafttreten des
AMP. Da der Aalanteil in der Kormorannahrung im Aalbestandsmodell GEM II an die Bestands-
entwicklung der von Kormoranfraß betroffenen Aalaltersgruppen gekoppelt ist (bei niedrigen
Bestandsgrößen dieser Altersgruppen auch geringere Anteile von Aalen in der Kormorannah-
rung), führt ein Rückgang der Bestandsgröße dieser Altersgruppen auch zu einem Rückgang
der durch Kormorane verursachten Sterblichkeit im Gesamtaalbestand – sowohl bezüglich der
Biomasse als auch der Sterblichkeitsrate.
Abb. 3.2.3
:
Entwicklung der Zahl der Kormoranbrutpaare in Deutschland im Zeitraum 1980-
2010 (Quelle: KIECKEBUSCH, Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten)
Schließlich zeigte die Entwicklung des Brutpaarbestandes an Kormoranen – und diese wurde
bei den Modellierungen mit Ausnahme vereinzelter Angaben zu Durchzüglern/Rastvögeln zu
Grunde gelegt - zwar einen starken Anstieg bis zum Jahr 2004, danach stagnierte der Brut-
paarbestand jedoch im Zeitraum 2004-09 bei 23-25 Tsd. Paaren und war im Jahr 2010 stärker
rückläufig (Abb. 3.2.3). Dieser Rückgang trug ebenfalls zur Verringerung der von Kormoranen
verursachten Sterblichkeit im Aalbestand bei. Welche Gründe zum beobachteten Rückgang des
Kormoranbestandes führten, ist nicht geklärt. In Umsetzung der Aalbewirtschaftungspläne
wurden bislang keine speziellen Maßnahmen ergriffen, die einen solchen Rückgang erklären
könnten.
3.2.6 Fang von Aalen < 12 cm (Glasaalfischerei) und Entwicklung der Marktpreise für
Aale < 12 cm (Glasaale)
In den deutschen Aaleinzugsgebieten existiert keine Fischerei auf Aale < 12 cm Länge. Insofern
ist ein Preisbeobachtungs- und Berichterstattungssystem für Glasaale nach Maßgabe der
Verordnung (EG) 1100/2007 nicht erforderlich und auch nicht existent.

 
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4 Stand der Umsetzung der Aalbewirtschaftungspläne (AMP 2008)
Die deutschen Aalbewirtschaftungspläne (ANONYMUS 2008) wurde zum 31.12.2008 fristgerecht
bei der Europäischen Kommission eingereicht und am 8. April 2010 genehmigt. Dieses Datum
markiert den Beginn der flächendeckenden Umsetzung der im Plan verankerten Management-
maßnahmen. In einigen Aaleinzugsgebieten wurden jedoch schon seit dem Jahr 2006 im Zuge
von Pilotprojekten spezielle Maßnahmen (insbesondere die Verstärkung des Besatzes von
Binnengewässern mit Jungaalen) zur Stabilisierung des Aalbestandes ergriffen und entspre-
chend des AMP auch im Zeitraum zwischen dessen Einreichung und Genehmigung umgesetzt.
Abgesehen vom verspäteten Beginn, der durch die verzögerte Genehmigung bedingt war,
konnte die Mehrzahl der im AMP 2008 verankerten Managementmaßnahmen in vollem Umfang
umgesetzt werden. Bei einigen Maßnahmen gab es jedoch auch Abweichungen (Tab. 4.1,
Anlage 1). Die Gründe dafür sind unterschiedlich und werden detailliert unter Pkt. 4.1 bzw. 4.2
dargelegt. Zur Kompensation wurden teilweise alternative und darüber hinaus weitere zusätzli-
che Maßnahmen umgesetzt. Durch die bislang realisierten und weiterhin geplanten Manage-
mentmaßnahmen soll sichergestellt werden, dass mittel- bis langfristig die Blankaalabwande-
rung aus den Aaleinzugsgebieten den Referenzwert von 40 % wieder übersteigt. Dies war noch
bis zum Jahr 2007 der Fall.
Tab. 4.1
:
Übersicht über die Umsetzung der im AMP 2008 konkret vorgesehenen Manage-
mentmaßnahmen in den Aaleinzugsgebieten
Kurzbeschreibung der Maßnahmen
Eider
Elbe
Ems
Maas
Oder
Rhein
Schlei/
Trave
Warnow/
Peene
Weser
Aufrechterhaltung bzw. Steigerung des Besatzes
Erhöhung des Schonmaßes
Einrichtung einer Schonzeit
Beschränkung der Aalfischerei in Küstengewässern
Wiederherstellung der Durchgängigkeit
Fang & Transport (catch & carry)
Reduzierung stationärer Aalfänge
Abwendung von Schäden durch Kormorane
Wissenschaftliche Untersuchungsprogramme
Datenerhebungen
Umsetzung Rechtsvorschriften
Farblegende
: grau: nicht geplant, grün: geplant und entsprechend Zeitplan umgesetzt, gelb: geplant und teilweise umgesetzt
bzw. derzeit in Umsetzung, rot: geplant und nicht umgesetzt
4.1 Umsetzung geplanter Managementmaßnahmen
Aalbesatz
Der Besatz mit Jungaalen ist in den meisten deutschen Aaleinzugsgebieten die wichtigste
fischereiliche Managementmaßnahme. Eine Erhöhung der Blankaalabwanderung auf mindes-
tens 40 % des Referenzwertes bzw. deren Absicherung setzt eine Erhöhung der Aalbestände in
den Binnengewässern voraus. Aufgrund des geringen natürlichen Aalaufstiegs und der Verbau-
ung der Wanderwege kann aus heutiger Sicht die mittelfristige Erreichung und Absicherung der
Zielvorgabe ohne den Rückgriff auf Besatz nicht erreicht werden (ANONYMUS 2008). Für den

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20
Zeitraum 2008-2010 war ein Besatz deutscher Aaleinzugsgebiete mit insgesamt 10,5 Mio.
Glasaalen, 26,8 Mio. vorgestreckten Aalen und 1,3 Mio. Satzaalen geplant (Tab. 4.2).
Der Grad der Realisierung des geplanten Besatzes ist in den einzelnen Aaleinzugsgebieten
unterschiedlich. Auf 35 % der deutschen Aaleinzugsgebietsfläche wurden die Zielgrößen
erreicht, auf dem überwiegenden Teil der Fläche gab es jedoch Abweichungen (Tab. 4.1).
Insgesamt wurden im hier betrachteten Zeitraum 2008-2010 rund 6,1 Mio. Glasaale, 23,5 Mio.
vorgestreckte Aale und 1,5 Mio. Satzaale besetzt. Somit ergab sich bei Satzaalen eine Steige-
rung des Besatzes gegenüber den Planwerten, bei vorgestreckten und Glasaalen jedoch eine
Verringerung.
Tab. 4.2
: geplante (SOLL) und realisierte (IST) Aalbesatzmengen mit Glasaalen (A
0
), vorge-
streckten Aalen (A
V
) und Satzaalen (A
S
) in den deutschen Aaleinzugsgebieten im
Zeitraum 2008-10 sowie Höhe der Abweichung vom SOLL-Wert (in Mio. Stück)
Aaleinzugs-
gebiet
SOLL 2008-2010
IST 2008-10
Differenz IST-SOLL
A
0
A
V
A
S
A
0
A
V
A
S
A
0
A
V
A
S
Eider
0
0
0
0
0
0
0
0
0
Elbe
0
15,750
0,900
4,345
15,872
0,267
+4,345
+0,122
-0,633
Ems
0,450
1,500
0
0,328
0,665
0,036
-0,122
-0,835
+0,036
Maas
0,030
0,030
0
0,015
0,004
0,002
-0,015
-0,026
+0,002
Oder
0
0,243
0,129
0
0,220
0,192
0
-0,023
+0,063
Rhein
2,250
3,300
0
1,011
3,349
0,079
-1,239
+0,049
+0,079
Schlei/Trave
7,625
0
0
0
0,539
0,279
-7,625
+0,539
+0,279
Warnow / Peene
0
3,000
0,281
0,062
1,125
0,217
+0,062
-1,875
-0,064
Weser
0,150
3,000
0
0,310
1,772
0,432
+0,160
-1,228
+0,432
Gesamt
10,5
26,8
1,3
6,1
23,5
1,5
-4,4
-3,3
+0,2
Die hauptsächlichen Ursachen für die nicht vollständig erreichten Besatzziele liegen in der
späten Genehmigung der deutschen Aalmanagementpläne im Jahr 2010 sowie in der Verfüg-
barkeit und den Preisen des Besatzmaterials. So wurden die geplanten Besatzmaßnahmen in
einigen Aaleinzugsgebieten aufgrund der Unsicherheiten in Bezug auf die Genehmigung des
AMP erst 2010 in vollem Umfang umgesetzt. Zudem sind die Preise für Besatzaal entgegen der
Erwartungen nicht gesunken, was eine Finanzierung der geplanten Besatzsteigerungen er-
schwerte. Nicht zuletzt aufgrund der sich verschlechternden Verfügbarkeit von Glasaalen wurde
daher in einigen Aaleinzugsgebieten auf flächendeckenden Besatz verzichtet. Stattdessen
wurden bevorzugt vorgestreckte Aale in Gewässerbereichen mit geringen anthropogenen
Mortalitäten besetzt, um den Effekt der Besatzmaßnahmen für den Aalbestand und die spätere
Abwanderung von Blankaalen zu optimieren.
Letztendlich hat der bisherige Besatz aber dazu geführt, dass die Größe des Aalbestandes über
alle deutschen Aaleinzugsgebiete ab dem Jahr 2010 nicht weiter absinkt und bei einer Fortset-
zung des Besatzes wieder zunehmen wird. Damit wird die Basis für einen Anstieg der
Blankaalabwanderung im nächsten Jahrzehnt geschaffen (s. Abschnitt 5).
Einschränkungen der Erwerbs- und Angelfischerei
Auf rund 65 % der gesamtdeutschen Aaleinzugsgebietsfläche erfolgte eine Erhöhung des für
Erwerbsfischer und Angler gültigen Schonmaßes für den Fang von Aalen auf 45 bzw. 50 cm, für
35 % der Gewässerfläche läuft derzeit noch das gesetzgeberische Umsetzungsverfahren (Tab.
4.1, Anlage 1). Auch hier hat letztlich die späte Genehmigung der Aalbewirtschaftungspläne
durch die Europäische Kommission die rechtliche Umsetzung verzögert. Weiterhin wurde auf
27 % des deutschen Aaleinzugsgebietes eine Schonzeit eingeführt bzw. ist deren Einführung
noch in Umsetzung.

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21
Das geplante Verbot der Schleppnetzfischerei auf Aal in den inneren Küstengewässern außer-
halb der Gemeinschaftsgewässer des Aaleinzugsgebiets Warnow/Peene wurde im Zuge der
Anpassung der Küstenfischereiverordnung Mecklenburg-Vorpommerns umgesetzt. Die Ein-
schränkung der Fischerei in den Gemeinschaftsgewässern seeseitig der Aalleinzugsgebiete
gemäß Art. 8 der Verordnung (EG) 1100/2007 ist in den Nordseezuflüssen Ems, Weser und
Elbe (südwestlicher Teil) noch in Umsetzung. Da hier aber derzeit keine Aalfischerei stattfindet,
ist aus der noch nicht erfolgten Umsetzung keine negative Folge für die Zielerreichung zu
erwarten. Im schleswig-holsteinischen Teil des Aaleinzugsgebietes Elbe ist die Aalfischerei
gemäß der Landesverordnung über die Ausübung der Aalfischerei seeseitig der Basislinie seit
2009 vollständig verboten.
Stationäre Aalfänge
Eine Reduzierung von stationären Aalfängen bzw. deren Stilllegung oder ausschließliche
Nutzung für wissenschaftliche Zwecke ist in den Aaleinzugsgebieten Elbe und Oder vorgesehen
und wurde bereits in Angriff genommen. Da es sich nahezu ausschließlich um private Fang-
rechte handelt, müssen diese entschädigt oder abgelöst bzw. bei einer entschädigungslosen
Aufgabe verfassungskonforme Übergangsfristen gewährt werden. Dazu sind die Schaffung
einer entsprechenden Rechtsgrundlage und die Bereitstellung von Geldern, beispielsweise über
die Einrichtung eines Entschädigungsfonds, notwendig. Das im AMP (ANONYMUS 2008) vorge-
gebene Ziel wird daher erst mittel- bis langfristig zu erreichen sein. Andererseits befinden sich
stationäre Aalfänge zumeist in Nebengewässern am Rande der Aaleinzugsgebiete und haben
in Bezug auf die Reduzierung der abwandernden Blankaalmenge eine untergeordnete Bedeu-
tung.
Durchwanderbarkeit und Wasserkraftanlagen
Die Wiederherstellung der Durchwanderbarkeit in überregionalen Vorranggewässern im Zuge
der Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie ist ein langfristiges Projekt (s. ANONYMUS
2008). Seit 2008 wurde damit begonnen, Wasserkraftanlagen mit Fischschutzvorrichtungen
bzw. Abstiegshilfen auszurüsten die eine Verringerung der Sterblichkeit für Blankaale an eini-
gen Standorten erwarten lassen. Allerdings umfassen die im Rahmen der EU-WRRL geplanten
Maßnahmen nicht nur Verbesserungen der Fischpassierbarkeit von Wasserkraftanlagen für
Aale, sondern z.B. auch die Anbindung von Altgewässern, deren Auswirkungen auf den Aalbe-
stand nicht prognostiziert werden können. In den meisten Fällen sind allerdings noch keine
Verbesserungen an Wasserkraftanlagen im Hinblick auf die Blankaalabwanderung erfolgt oder
Informationen bzw. Abschätzungen zur Verringerung der Aalsterblichkeit infolge ggf. getätigter
Maßnahmen sind nicht verfügbar, so dass diese bei der Berechnung der summarischen Sterb-
lichkeit für Blankaale in den betreffenden Aaleinzugsgebieten bislang nicht berücksichtigt
werden konnten. Zukünftig soll durch weitere Datenerhebungen und eine Intensivierung des
Datenaustausches zwischen den entsprechenden Behörden die bisherige Abschätzung der
Aalsterblichkeit an Wasserkraftanlagen weiter präzisiert und aktualisiert werden.
Neben der Umsetzung von praktischen Maßnahmen zur Verbesserung der Durchgängigkeit von
Wasserkraftanlagen für Fische in den Vorranggewässern nach Richtlinie 2000/60/EG wurden
und werden auch weitere einschlägige Rechtsvorschriften schrittweise aktualisiert und ange-
passt. So sollen neue Wasserkraftanlagen zukünftig nur noch mit funktionsfähigen Auf- und
Abstiegsanlagen genehmigt werden. Für bereits bestehende Wasserkraftanlagen sind insbe-
sondere im Hinblick auf die Blankaalabwanderung z. B. folgende Optionen vorgesehen:
a)
langfristig: Nachrüstung bestehender Wasserkraftanlagen mit Fischschutzeinrichtungen
und funktionierenden Fischableitvorrichtungen (Bypass) nach dem jeweils neuesten Stand
b)
kurz-mittelfristig: zeitweilige Abschaltung/Drosselung der Wasserkraftanlagen mit dem Ziel
der Reduktion der Aalmortalität zu den Hauptwanderzeiten des Aals
c)
kurzfristig: Fang & Transport-Maßnahmen („catch & carry“)

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22
Einen weiteren, wichtigen Beitrag zur Verbesserung der aufwärts gerichteten Durchgängigkeit
in den deutschen Aaleinzugsgebieten könnte das Priorisierungskonzept des Bundesministeri-
ums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zur „Erhaltung und Wiederherstellung der ökologi-
schen Durchgängigkeit der Bundeswasserstraßen“ darstellen. Im Zuge dieses Priorisierungs-
konzeptes sollen in drei Umsetzungsphasen rund 250 Staustufen in deutschen Bundeswasser-
straßen mit Fischaufstiegsanlagen ausgestattet werden. Die erste Umsetzungsphase beinhaltet
46 Maßnahmen, deren Umsetzung noch vor 2015 in Angriff genommen werden soll (BMVBS
2012).
Insgesamt wird eingeschätzt, dass es im Rahmen der Umsetzung der Europäischen Wasser-
rahmenrichtlinie und des deutschen Priorisierungskonzeptes zur Durchgängigkeit in Bun-
deswasserstraßen zu einer Verbesserung der Durchwanderbarkeit der Gewässersysteme
kommen wird. Allerdings ist dies ein mittel- bis langfristiger Prozess.
Der Bau weiterer Wasserkraftanlagen und Kühlwasserentnahmestellen würde hingegen den
Bemühungen zur Verringerung der Aalsterblichkeit entgegenstehen und zu einer entsprechen-
den weiteren Verringerung der Menge abwandernder Blankaale führen, da auch nach dem
Stand der heutigen Technik kein vollständiger Schutz abwandernder Blankaale möglich ist. So
wirken sich kumulative Effekte von Stauketten vielerorts weiterhin schädigend auf abwandernde
Blankaale aus und insbesondere für das Problem des effektiven Fischschutzes an großen
Wasserkraftanlagen gibt es derzeit noch keine zufriedenstellenden Lösungen.
Fang & Transport und Turbinenmanagement
Der Fang von abwandernden Blankaalen oberhalb von Wasserkraftanlagen und der anschlie-
ßende Transport in hindernisfreie Unterläufe bzw. Mündungsgebiete („Fang & Transport“) wird
im Bereich der Mosel/Sauer (Teileinzugsgebiet des Rheins) seit 1997 und in Main und Neckar
seit 2009 durchgeführt. In den Aaleinzugsgebieten von Eider und Schlei-Trave befinden sich
derartige Maßnahmen derzeit in Vorbereitung. Die Managementmaßnahme „Fang & Transport“
wird als eine kurz- bis mittelfristige Übergangslösung angesehen, da sie nur artspezifisch wirkt
und nicht alle abwanderungswilligen Aale gefangen werden können. Zudem wäre in begleiten-
den Untersuchungen zu klären, inwieweit die transportierten Aale ihre Wanderungsaktivitäten
zeitnah fortsetzen.
Im Jahr 2012 werden erstmals alle Moselkraftwerke in Phasen der Blankaalabwanderung durch
Umsetzung eines dafür entwickelten Betriebshandbuches fischangepasst gefahren. Im Weser-
hauptstrom ist aktuell die Erarbeitung von angepassten Betriebsparametern zur Verringerung
der Blankaalmortalität (Turbinenmanagement) durch den Energiebetreiber der meisten größe-
ren Wasserkraftwerke in der Untersuchungs- und Entwicklungsphase. Auch diese Maßnahme
wird als eine Übergangslösung angesehen, bis durch bauliche Lösungen eine ungehinderte
Aalabwanderung gewährleistet ist.
Kormoran
Im AMP 2008 wurde bezüglich der Eindämmung der Aalsterblichkeit durch Kormorane in
deutschen Binnengewässern nur eine konkrete Maßnahme geplant. Diese wurde im Jahr 2011
umgesetzt und betraf die Verlängerung der Verordnung zur Abwendung von Schäden durch
Kormorane im Bundesland Schleswig-Holstein (Aaleinzugsgebiete Eider und Schlei/Trave
sowie anteilig Elbe). Insgesamt gibt es aktuell in 11 von 16 Bundesländern spezielle Regelun-
gen zur Abwehr von erheblichen Schäden durch Kormorane an Fischbeständen einschließlich
des Aalbestandes. Neben der o.g., im AMP verankerten, Maßnahme wurden seitens der Fi-
scherei die Bemühungen zur Etablierung eines deutschlandweiten Managementplans für den
Kormoranbestand fortgesetzt. In diesem Zusammenhang wurde u.a. eine Arbeitsgruppe aus
Vertretern des Bundes (Ministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie
für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit) und der Länder (für Fischerei und Naturschutz
zuständige Ministerien) gebildet, die die Möglichkeiten eines deutschlandweiten Kormoranma-
nagements prüfen soll.

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Datenerhebungen und Weiterentwicklung des Aalbestandsmodells
Neben den eigentlichen Managementmaßnahmen wurden im deutschen AMP 2008 zahlreiche
weitere Vorhaben beschrieben, die schwerpunktmäßig auf die Erfassung und Untersuchung der
Aalbestände in den einzelnen Einzugsgebieten abzielen:
Steigaalmonitoringprogramme wurden kurzfristig in 3 Aaleinzugsgebieten an insgesamt 14
Standorten umgesetzt (Anlage 1). Teilweise waren diesbezügliche Aktivitäten allerdings
nicht erfolgreich, weil diese vom Bau von Fischaufstiegsanlagen abhängig waren (z.B.
Schwentine, Elbe), die nicht planmäßig fertiggestellt wurden oder weil keine geeigneten
Monitoringstandorte vorhanden waren (Oder). In weiteren 3 Aaleinzugsgebieten (Ems,
Maas, Rhein) ist ein Steigaalmonitoring für den Zeitraum 2012-14 geplant.
Ein Gelbaalmonitoring wird in allen deutschen Aaleinzugsgebieten überwiegend im Rahmen
des operativen Fischmonitorings (EU-WRRL) durchgeführt. Im Küstenbereich des
Warnow/Peene-Einzugsgebietes wurde ein Forschungsprojekt zur Bestimmung der Aaldich-
te in verschiedenen Habitaten der Küstengewässer begonnen (DOROW & UBL 2011b). Dar-
über hinaus wird in zwei Teileinzugsgebieten (Havel, Schwentine) seit 2008 ein For-
schungsprojekt zur Quantifizierung von Sterblichkeitsfaktoren beim Aal durchgeführt.
Die Umsetzung von Blankaalmonitoringprogrammen wurde in 5 Aaleinzugsgebieten (Elbe,
Oder, Rhein, Warnow/Peene, Schlei/Trave) begonnen bzw. abgeschlossen und beinhaltet
Untersuchungen zur Bewertung der Laicherqualität (Belastungssituation abwandernder
Blankaale hinsichtlich Parasiten, Viren und Schadstoffen (HANEL et al. 2008)), die Registrie-
rung abwandernder Blankaalmengen (SIMON & FLADUNG 2009, DOROW & Ubl 2011a) und
der maßgeblichen Sterblichkeitsfaktoren bei der Blankaalabwanderung (SIMON et al. 2011)
sowie die Abschätzung der insgesamt abwandernden Blankaalmenge durch Markierung und
Wiederfang (DOROW & Ubl 2011a). Weiterhin erfolgten im Jahr 2008/2009 Untersuchungen
zur Blankaalabwanderung in der Weser (SCHWEVERS et al. 2011).Die seit dem Jahr 2004
laufenden telemetrischen Studien zu Blankaalen im Rheinsystem werden in Zusammenar-
beit mit niederländischen Institutionen fortgeführt (KLEIN BRETELER et al. 2007).
Das Aalbestandsmodell GEM II wurde weiterentwickelt (siehe Punkt 3.1.2) und an die spezifi-
schen Verhältnisse in den verschiedenen Aaleinzugsgebieten angepasst.
Insgesamt werden die vorgestellten Datenerhebungen und Forschungsprojekte die Datensitua-
tion zum Aalbestand und seiner Dynamik in deutschen Binnen- und Küstengewässern zukünftig
deutlich verbessern und damit eine präzisere Einschätzung der Auswirkungen von Manage-
mentmaßnahmen auf die Bestandssituation sowie die Blankaalabwanderung aus den deut-
schen Aaleinzugsgebieten ermöglichen.
Für die Etablierung von erfolgreichen und durch die Nutzer akzeptierten Managementmaßnah-
men ist neben der Prognose möglicher biologischer Effekte auch das Verständnis der sozio-
ökonomischen Folgen von Managementstrategien unerlässlich. In Mecklenburg-Vorpommern
wurden hierfür beispielhaft die biologischen und sozio-ökonomischen Auswirkungen einer
geänderten angelfischereilichen Nutzung des Aals untersucht (DOROW et al. 2009, DOROW et al.
2010, BEARDMORE et al. 2011, DOROW & ARLINGHAUS 2012). Generell waren Aalangler bereit,
zum Erhalt der Aalbestände moderat restriktivere Aalfangbestimmungen (z.B. Schonmaßerhö-
hung, Fangbegrenzung) zu akzeptieren. Besonders hohe Akzeptanz erfuhren ausbalancierte
Aalmanagementpläne, die neben der Aalentnahme durch Angler auch andere Mortalitätsfakto-
ren (z.B. Berufsfischerei, Wasserkraft, Kormoran) beim Aal berücksichtigten. Eine abschließen-
de ökonomische Bewertung verschiedener Aalmanagementszenarien zeigte auf, dass die
Implementierung höchst restriktiver Aalschutzmaßnahmen beim Aalangeln zu ökonomischen
Verlusten in Millionenhöhe führen würde.
Gleichwohl bleibt weiter ungelöst, wie die Datenanforderungen nach der Aalverordnung im
tidebeeinflussten Küstenbereich methodisch umgesetzt werden können. Bisherige Ansätze
tragen diesen nur teilweise Rechnung bzw. stehen in keiner sinnvollen Kosten-Nutzen-Relation.

 
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Umsetzung von Rechtsvorschriften zur Datenerhebungs- und -aufzeichnungspflicht
Die in der Verordnung (EG) Nr. 1100/2007 verankerten Datenerhebungs- und -aufzeichnungs-
pflichten wurden bzw. werden in den 16 Bundesländern durch entsprechende Rechtsverord-
nungen in nationales Recht umgesetzt. Diese regeln je nach Bundesland u.a. die:
Registrierung der gewerblichen Aalfischerei,
Registrierung der Fischereifahrzeuge für die Aalfischerei,
Aufzeichnungspflicht für die Erwerbsfischerei bezüglich Befischungsaufwand, Aalfangmen-
gen und Aalbesatz,
Nachweispflicht für Erstvermarkter von Aalen,
Beschränkung der Aalfischerei seeseitig der Aallebensräume,
Im Zusammenhang mit der Verordnung (EG) 338/97 (EUROPÄISCHE UNION 1997) bestehen für
Aale auch nach Bundesnaturschutzgesetz bzw. Bundesartenschutzverordnung Nachweis-,
Melde- und Buchführungspflichten.
4.2
Umsetzung zusätzlicher Maßnahmen
Neben den im AMP verankerten Maßnahmen wurden im Laufe der Umsetzung des Plans in
einigen deutschen Aaleinzugsgebieten weitere zusätzliche Managementmaßnahmen ergriffen
(Tab. 4.3 Anlage 1).
Tab. 4.3
: Übersicht über die Umsetzung zusätzlicher (nicht im AMP 2008 geplanter) Manage-
mentmaßnahmen in den Aaleinzugsgebieten
Kurzbeschreibung der Maßnahmen
Eider
Elbe
Ems
Maas
Oder
Rhein
Schlei/
Trave
Warnow/
Peene
Weser
Regelungen für die Förderung von Aalbesatz
Beschränkungen der Aalentnahmemengen durch
Angler und Hobbyfischer
Regionale Nachtangelverbote
Reduzierung stationärer Aalfänge
Regionale Limitierung oder Einstellung der
Erwerbsfischerei auf Aal
Einrichtung bzw. Ausweitung von Schonzeiten
Festlegung besonderer Schutzbestimmungen für
den Aal (z.B. Zielartenkulisse)
Fang & Transport (catch & carry), Turbinen-
management
Verbesserung der Fischereiaufsicht
Wiederherstellung der Durchgängigkeit an weiteren
Wasserkraftwerken, technischen Anlagen etc.
zusätzliche Datenerhebungen
Wissenschaftliche Untersuchungsprogramme
Einrichtung von zusätzlichen Melde- und Erfas-
sungssystemen
Farblegende
: grau: nicht vorgesehen, gelb: alternativ bzw. zusätzlich in Umsetzung¸ grün: alternativ bzw. zusätzlich umgesetzt

 
Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
25
So wurden z.B. die Aalentnahmemenge durch Angler im Land Brandenburg auf drei Aale pro
Fangnacht beschränkt und regionale Nachtangelverbote im Land Berlin ausgesprochen. Im
deutschen Rheineinzugsgebiet wurde aufgrund der eingeleiteten Maßnahmen die gewerbliche
Aalfischerei sehr stark reduziert, in manchen Bereichen wie im Hochrhein oder südlichen
Oberrhein nahezu komplett eingestellt. Für die Angelfischerei gilt in weiten Bereichen des
Rheins seit 2009 eine allgemeine Schonzeit für den Aal von Oktober bis Februar, regional auch
länger. Die Aalentnahmen durch Angler wurden durch diese Maßnahmen reduziert.
Weiterhin wurden in den Aaleinzugsgebieten Eider und Schlei/Trave zur Umsetzung der Aal-
Verordnung kurzfristig hauptamtliche Fischereiaufseher eingestellt sowie die ehrenamtliche
Fischereiaufsicht aufgestockt.
In einigen Aaleinzugsgebieten werden durch die Angelvereine seit 2008 freiwillig die jährlichen
Fang- und Besatzzahlen gemeldet. Konform zu Art. 11 (2) der Aal-Verordnung können auf
dieser Basis die Anglerzahlen und -fänge zukünftig präziser geschätzt werden.
4.3
Probleme bei der Umsetzung der Aalbewirtschaftungspläne
Durch die unsichere Rechtslage bis zur Genehmigung der deutschen Aalbewirtschaftungspläne
im April 2010, d.h. angesichts drohender Einschränkungen für die fischereiliche Bewirtschaftung
der Aalbestände, wurden von der Fischerei die ursprünglich im AMP 2008 vorgesehene Maß-
nahmen z.T. nicht wie geplant umgesetzt.
Weiterhin war eine flächendeckende Förderung von Aalbesatz mit Mitteln des Europäischen
Fischereifonds erst nach Genehmigung der deutschen Aalbewirtschaftungspläne möglich. Da
anschließend der Aufbau von Förderstrukturen ebenfalls Zeit in Anspruch nahm, konnte oftmals
erst 2011 mit der Förderung von Aalbesatz begonnen werden. In Teileinzugsgebieten waren
keine zusätzlichen privaten Mittel oder andere Fördermittel für die Steigerung der Besatzmen-
gen verfügbar. Hinzu kommt, dass die Erwerbs- und Angelfischerei spätestens seit 2005 durch
die öffentlichen Diskussionen über Maßnahmen zum Schutz des Aals und die Zukunft der
Aalfischerei verunsichert waren. In der Konsequenz konnte die wichtigste fischereiliche Ma-
nagementoption in den Aaleinzugsgebieten - die Aufrechterhaltung bzw. Steigerung des Aalbe-
satzes – nicht im geplanten Umfang umgesetzt werden.
Der Preis für Besatzaal ist entgegen der Erwartungen nicht gesunken und die Verfügbarkeit von
Besatzmaterial nach wie vor eingeschränkt. Es ist derzeit nicht absehbar, ob das Aufkommen
von Glasaalen an den europäischen Küsten zukünftig für die Umsetzung der im AMP 2008
vorgesehenen Besatzmaßnahmen ausreichen wird. Nach derzeitigem Stand ist das zumindest
theoretisch noch der Fall, da der Glasaalfang in der Saison 2010/2011 und der Bedarf für die
Besatzmaßnahmen aller europäischen Länder in etwa auf die gleiche Größenordnung von 40 t
geschätzt werden (ICES 2011b). Allerdings werden nach wie vor Anteile angelandeter Glasaale
für den menschlichen Verzehr genutzt oder in Fischzuchtanlagen zu Speiseaalen aufgezogen
und stehen damit nicht für den Besatz europäischer Gewässer zur Verfügung. Vor diesem
Hintergrund kommt der Fortschreibung des derzeit geltenden Exportverbots für Glasaal in
Staaten außerhalb der europäischen Gemeinschaft (EUROPEAN COMMISSION 2011) eine große
Bedeutung zu.
Durch die späte Genehmigung der Aalbewirtschaftungspläne verzögerte sich weiterhin auch die
rechtliche Umsetzung von verschiedenen weiteren Managementmaßnahmen wie z.B. die
Erhöhung des Schonmaßes oder die Einführung von Schonzeiten für den Aal.
Bei der Reduzierung der Aalsterblichkeit durch Wasserkraftanlagen erschweren ein nicht
aktueller Datenstand und je nach Fallgestaltung längere Genehmigungs- und Umsetzungsver-
fahren bei der Nachrüstung von Wasserkraftanlagen eine genaue Einschätzung des aktuellen
und zukünftigen Stands der Gewässerdurchgängigkeit für abwandernde Aale. Erhebungen zu
Querbauwerken und Wasserkraftanlagen werden zwar durchgeführt, allerdings i.d.R. in größe-
ren zeitlichen Abständen. Die Fischerei in Deutschland hat in Abhängigkeit von der jeweiligen
Ländergesetzgebung nur begrenzte rechtliche Handhabe, die Nachrüstung von Wasserkraftan-

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
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Umsetzungsbericht 2012
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lagen mit Fischschutzeinrichtungen bzw. Fischabstiegshilfen oder die zeitlich befristete Ab-
schaltung von Kraftwerksturbinen durchzusetzen. Vielmehr wird aktuell die Energiegewinnung
aus Wasserkraft als regenerative Energiequelle finanziell besonders gefördert, was den Anreiz
zur Errichtung weiterer Anlagen erhöht.
Vor diesem Hintergrund haben Vertreter des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft
und Verbraucherschutz sowie aus Interessensgemeinschaften der Fischerei bereits 2008 erste
Gespräche mit Betreibern von Wasserkraftanlagen zu Möglichkeiten der Reduzierung von
Blankaalverlusten geführt. Mit dem deutschen Bundesverband der Energie- und Wasserwirt-
schaft als Interessenvertreter der Wasserkraftbetreiber besteht ein fortgesetzter Kontakt mit
dem Ziel der Verbesserung der Durchwanderbarkeit der Fließgewässer und der Reduzierung
der Mortalität von Aalen an Wasserkraftanlagen (siehe Anlage 2).
Lokale Maßnahmen (z.B. Kormoranverordnungen der Länder) zur Reduzierung der Aalverluste
durch Kormorane (z.B. Vergrämungsabschüsse) führen i.d.R. nicht zu einer nachhaltigen
Bestandsreduzierung, da die Verluste im Kormoranbestand durch Zuzug aus den Nachbarlän-
dern wieder ausgeglichen werden. Für eine effektive Schadensbegrenzung kormoranbedingter
Aalverluste fehlen länderübergreifende bzw. europaweit koordinierte Kormoranmanagement-
maßnahmen. Wie unter Pkt. 3.2.5 dargestellt, stagniert der Kormoranbrutbestand in Deutsch-
land derzeit auf hohem Niveau und ist zukünftig möglicherweise auch rückläufig.
Mit der Reduzierung von stationären Aalfängen bzw. deren Stilllegung oder ausschließlicher
Nutzung für wissenschaftliche Zwecke ist in einigen Aaleinzugsgebieten bzw. Teileinzugsgebie-
ten begonnen worden. Sie gestaltet sich aber schwierig, da es sich oftmals um private Fang-
rechte handelt, die abgelöst bzw. entschädigt werden müssen. Dazu sind die Schaffung einer
entsprechenden Rechtsgrundlage und die Bereitstellung von Geldern für einen Entschädi-
gungsfond notwendig. Zu beachten ist auch, dass die meisten stationären Aalfänge in kleineren
Nebengewässern der Aaleinzugsgebiete liegen und daher nur eine untergeordnete Rolle bei
der Reduzierung der abwandernden Blankaale spielen.
Nicht zuletzt ist eine weitergehende, grenzüberschreitende Koordinierung der Programme und
Maßnahmen in den internationalen Flussgebietseinheiten notwendig. Hierzu könnte ein Aus-
tausch mit und in den Internationalen Flussgebietskommissionen einen wichtigen Beitrag
leisten, da das Thema Durchgängigkeit in vielen der Kommissionen ein grundlegendes was-
serwirtschaftliches Problem darstellt.
Ein solcher Austausch findet z.B. bereits auf Ebene der Internationalen Kommission zum
Schutz des Rheins statt. Diese Kommission hat im Jahr 2009 den „Masterplan Wanderfische
Rhein“ als Grundlage für ein koordiniertes Vorgehen zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit
im Einzugsgebiet des Rheins für Wanderfische (u.a. den Aal) verabschiedet. Eine detailliertere
Übersicht über die unterschiedlichen nationalen Maßnahmen zum Aal in den Niederlanden,
Deutschland, Luxemburg und Frankreich wird ein Kapitel des im Jahr 2012 erscheinenden
IKSR-Berichts zum Fortschritt der Umsetzung des „Masterplan Wanderfische Rhein“ geben.
Während Frankreich, Belgien, Deutschland und die Niederlande für die Flussgebietsgemein-
schaft Maas zunächst nationale Aalbewirtschaftungspläne erstellt haben, wurde im Rahmen der
internationale Koordinierung der gemeinsamen Flussgebietsbewirtschaftung nach Wasserrah-
menrichtlinie der „Masterplan Wanderfische“ durch die Expertengruppen der Internationale
Maas Kommission (IMK) erarbeitet. Dieser ist jedoch nicht wie ursprünglich angestrebt im Jahr
2009, sondern erst im November 2011 in Kraft getreten, so dass auf dieser Basis erst in den
kommenden Jahren eine vertiefte Zusammenarbeit z. B. bei der Aalbewirtschaftung in der Maas
auf internationaler Ebene möglich sein wird.
Die angestrebte Erarbeitung gemeinsamer Aalbewirtschaftungspläne für die internationalen
Aaleinzugsgebiete Oder und Elbe ist bislang über Erstkontakte zwischen den zuständigen
Behörden in Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik nicht hinausgekommen.
Auch hier soll versucht werden, die bestehenden Strukturen zur internationalen Koordination bei
Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie zu nutzen.

image
 
Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
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Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
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5 Ausblick
Die Aalbewirtschaftungspläne der deutschen Länder (AMP 2008) zielen gemäß der Verordnung
(EG) 1100/2007 darauf ab, die Blankaalabwanderung aus den Aaleinzugsgebieten auf mindes-
tens 40 % des Referenzwertes ohne anthropogene Beeinträchtigungen zu steigern. Aktuell wird
dieser Wert mit etwa 38 % knapp unterschritten. Trotz der bereits umgesetzten und noch in
Umsetzung befindlichen Maßnahmen im Rahmen des AMP 2008 wird es kurzfristig zu einem
weiteren Absinken der Blankaalabwanderung kommen. Ursache dafür ist die 8-20 Jahre wäh-
rende Gelbaalphase von Aalen in deutschen Binnen- und Küstengewässern vor Erreichen des
Blankaalstadiums.
Besatzmaßnahmen mit Jungaalen stellen derzeit eine essentielle Voraussetzung für die Erhal-
tung und den Aufbau der Aalbestände in den deutschen Binneneinzugsgebieten und damit für
die Erreichung der Zielabwanderung dar (siehe AMP 2008). In allen Aaleinzugsgebieten werden
deshalb Anstrengungen unternommen, die Aalbestände in den Binnengewässern und damit
mittelfristig die Blankaalabwanderung zu erhöhen. Hierbei ist herauszustellen, dass durch die
Berufs- und Angelfischerei erhebliche Finanzmittel und Arbeitsleistungen investiert werden, um
den Aal in weiten Teilen der deutschen Einzugsgebiete zu erhalten. Das hat dazu geführt, dass
die Gelbaalbestände in den deutschen Aaleinzugsgebieten nach den Rückgängen in der Ver-
gangenheit zukünftig wieder allmählich ansteigen werden (Abb. 5.1).
Abb. 5.1
: Prognose der Blankaalabwanderung aus sieben der neun deutschen Aaleinzugsge-
biete (ohne Eider, Schlei/Trave) bei Realisierung der vorgeschlagenen Manage-
mentmaßnahmen und nachfolgendem Anstieg des natürlichen Steigaalaufstiegs
Der eingeleitete Bestandszuwachs bei Gelbaalen wird bei fortgeführter Umsetzung des AMP zu
einer deutlichen Steigerung der Menge abwandernder Blankaale etwa ab dem Jahr 2020
führen. Die Wiedererreichung der Zielgröße von 40 % der ursprünglichen Blankaalabwanderung
scheint bei fristgerechter Umsetzung aller im deutschen AMP verankerten Maßnahmen dem-
nach innerhalb eines Zeitraumes von 15-20 Jahren möglich zu sein (Abb. 5.1).
Für diese Entwicklung ist eine Weiterführung von Besatzmaßnahmen im geplanten Umfang
unerlässlich. Diese Besatzmaßnahmen werden zum großen Teil durch die Erwerbs- und Angel-
fischerei durchgeführt und finanziert. Die damit verbundenen erheblichen Aufwendungen
werden weiterhin jedoch nur geleistet werden, wenn die Möglichkeiten zur Aalfischerei erhalten

 
Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
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bleiben. Wesentliche Einschränkungen der Aalfischerei würden umgehend zu einer Verringe-
rung oder Einstellung von Besatzmaßnahmen führen, wie dies im Zeitraum nach Abgabe des
AMP 2008 und vor dessen Genehmigung im April 2010 bereits der Fall war. Die beschriebene
mittelfristige Erreichung der Zielgröße für die Blankaalabwanderung wäre dann nicht mehr
realisierbar.
Stärker in den Fokus genommen werden muss zukünftig die Wiederherstellung der Durchgän-
gigkeit der Gewässer und geeigneter Aalhabitate. Hierfür ist eine stärkere Koordination mit den
Aktivitäten zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie sowohl auf nationaler als auch auf
internationaler Ebene in Kooperation mit den Internationalen Flussgebietskommissionen anzu-
streben. Auch eine bessere Koordinierung mit den Aktivitäten des Naturschutzes kann hier
einen wichtigen Beitrag leisten.
Im Problemfeld der Verringerung der Mortalität durch Wasserkraftnutzung besteht erheblicher
Forschungsbedarf. Hierzu zählen auch Untersuchungen zur Wirksamkeit von Rechen und
Bypässen. Ein gezieltes und durchgängiges Monitoring von neuen und bestehenden Schutzvor-
richtungen bzw. Fischabstiegshilfen ist dafür unerlässlich.
Auch bei anderen Aspekten wird ein dringlicher weiterer Forschungsbedarf gesehen. So z.B. in
Form von Untersuchungen, ob besetzte Aale trotz des damit erzwungenen örtlichen Wechsels
den Weg zum Laichgebiet finden. Ebenso sind weitere Forschungen zu den maßgeblichen
Ursachen des Bestandsschwundes beim Aal und ihre Gewichtung sowie Möglichkeiten zur
Verminderung ihrer Auswirkungen auf den Aalbestand dringend nötig.
6 Empfehlungen / Vorschläge für Änderungen der EU-Aalverordnung und zur
Sicherung einer Bestandserholung des Aals
Die Umsetzung der in den deutschen Aalbewirtschaftungsplänen verankerten Maßnahmen zur
Erhöhung der Blankaalabwanderung aus den Aaleinzugsgebieten begann mehrheitlich nach
der Annahme der Pläne durch die Europäische Kommission im April 2010. Im vorliegenden
Bericht können somit nur Erfahrungen und Entwicklungen aus einer 8-monatigen Umsetzungs-
phase reflektiert werden. Daher sind zu einer Reihe von Aspekten derzeit noch keine fundierten
Beurteilungen und daraus resultierende Ableitungen von Empfehlungen und Änderungsvor-
schlägen der Verordnung möglich.
Ein Hinweis speziell zum Aspekt der Notwendigkeit von Tierversuchen im Zusammenhang mit
der Umsetzung der Verordnung soll jedoch gegeben werden. Vor dem Hintergrund, dass
Untersuchungen zum Aalbestand mittels Fang-Wiederfang-Experimenten mit markierten Aalen
die Genehmigung eines Tierversuchs erforderlich machen, wäre eine Auflistung geeigneter
Methoden in der Verordnung hilfreich. Hintergrund hierfür ist, dass es als hinreichend angese-
hen werden könnte, Anträge ohne langwieriges Genehmigungsverfahren und unter Vorlage bei
der nationalen Ethik-Kommission etc. zeit- und aufwandsmindernd nach Anzeige/Antrag ge-
nehmigen zu lassen. Das ist ohne eine konkrete Benennung von Markierung und Rückfang in
der Verordnung (EG) 1100/2007 als eine adäquate Methode zur Bestandsschätzung nicht
möglich.
Neben diesem speziellen Aspekt wird abschließend eine generelle Anmerkung zur Sicherung
der Bestandserholung des Aals für notwendig erachtet. Die Verordnung 1100/2007 basiert auf
der grundsätzlichen Annahme, dass eine Erhöhung der Blankaalabwanderung aus den einzel-
nen Aaleinzugsgebieten in der Folge auch zu einer Stärkung des Laicherbestandes des Euro-
päischen Aals und einer Erhöhung der Rekrutierung führt. Bei dem nach wie vor sehr be-
schränkten Erkenntnisstand zu den maßgeblichen Faktoren für die Dynamik des panmiktischen
Gesamtaalbestandes und insbesondere zur Größe der effektiven Laicherpopulation ist dieser
pragmatische Ansatz der Verordnung derzeit der einzig mögliche. Ob dadurch tatsächlich der
Gesamtbestand und dessen Rekrutierung gestützt werden können, ist jedoch unklar. Wie im

 
Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Umsetzungsbericht 2012
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AMP 2008 dargestellt, ist der Aal neben seiner Bedeutung als Bestandteil der heimischen
Fischfauna und damit der Biodiversität aquatischer Ökosysteme in Deutschland auch von hoher
sozioökonomischer Bedeutung sowohl für die Erwerbs- als auch die Angelfischerei. Daraus
erwächst ein originäres Interesse der deutschen Fischerei an einer Stabilisierung des Gesamt-
aalbestandes. Es wird daher vorgeschlagen, aufbauend auf der weiteren Umsetzung der
Verordnung (EG) 1100/2007 stärkere Anstrengungen auf europäischer Ebene zur Evaluation
der Wirkungen regionaler Maßnahmen auf den europäischen Gesamtaalbestand zu unterneh-
men.
7 Annex 1
Tab. 7.1
: Übersicht der im „Draft proposal for a reporting template“ für den Annex 1 geforderten
Schätzergebnisse für die Parameter B
0
, B
current
, B
best
, ΣF, ΣH, R, ΣA
Parameter
Einheit
Schätzung für den Zeitraum:
Veränderung (%)
vor 1980
2005-07
2008-10
2005-07 zu 2008-10
B
0
t
5.453
B
current
t
2.045
B
best
t
1.687
ΣF *
% **
2,1
1,8
-12
ΣH *
% **
0,7
0,6
-21
R
t
-
-
-
ΣA *
% **
2,8
2,4
-14
* außer Aaleinzugsgebiete Eider und Schlei/Trave ** bezogen auf den Gesamtaalbestand in Stück
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Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
32
Anlage 1: Stand der Umsetzung der im AMP 2008 vorgesehenen sowie Übersicht der alternativ bzw. zusätzlich vorgenommenen
Managementmaßnahmen in den einzelnen deutschen Aaleinzugsgebieten
Umsetzung der im AMP 2008 konkret vorgesehenen Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Eider
Kurzbeschreibung der geplanten
bzw. alternativen Maßnahmen
Quantifizierung SOLL 2008-2010
Quantifizierung IST 2008-2010
Zeitplan SOLL
Umsetzungsstand
Erhöhung des Schonmaßes
45 cm
35 cm
mit Genehmigung AMP
nicht umgesetzt
Abwendung von Schäden durch
Kormorane
Fortführung der Aktivitäten zur
Schadensabwehr auf Basis der
Kormoranverordnung vom
11.03.2006
Fortführung der Aktivitäten zur
Schadensabwehr auf Basis der
Kormoranverordnung vom
28.03.2011
fortlaufend
umgesetzt
Proaktive Beteiligung an einem
europäischen Kormoran-
Management
keine Vorgabe
Teilnahme an Kormoran AG
(BMELV/BMU) am 9. März 2012
fortlaufend
schrittweise Umsetzung
Nachrüstung von Wasserkraftanla-
gen und, wo technisch möglich,
Schöpfwerken mit Fischschutzein-
richtungen und mit für die Passage
geeigneten Fischwanderhilfen
keine Vorgabe
Alle Wasserbehörden in SH 2012
kontaktiert
fortlaufend
schrittweise Umsetzung
Fang & Transport (catch & carry)
keine Vorgabe
Aalschongebiet Untereider für Fang
& Transport eingerichtet
Umsetzung ab 2011
schrittweise Umsetzung
Monitoringprogramme
Steigaalmonitoring
Gelbaalmonitoring
Blankaalmonitoring
Steigaalmonitoring seit 2010 etabliert
Gelb- und Blankaalmonitoring wird
im Rahmen des operativen Fisch-
monitoring (EU WRRL) durchgeführt
fortlaufend
umgesetzt
Umsetzung Rechtsvorschriften
-Registrierung Aalfischerei zu
Erwerbszwecken
-Registrierung Fischereifahrzeuge
Aalfischerei
-Aufzeichnungspflicht Aalfischerei
und Aalbesatz
-Aufzeichnungspflicht Erstvermarkter
-Beschränkung Aalfischerei in
Küstengewässern, zeitliche und
räumliche Beschränkung Aalfischerei
Landesverordnung über die Aus-
übung der Aalfischerei (Aalverord-
nung- Aal VO 19. April 2010)
mit Genehmigung AMP
umgesetzt

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
33
Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung zusätzlicher (nicht im AMP 2008 geplanter) Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Eider
Maßnahme
Kurzbeschreibung
Umsetzungsstand
Aufzeichnungspflicht Aalfischerei
2009 Formblatt zur freiwilligen Registrierung Aalfischerei zu Erwerbszwecken
umgesetzt
Datenerhebung registrierte Aalfi-
scherei
Aaldatenbank Schleswig-Holstein (AalDB SH)
umgesetzt
Datenerhebung Aalfischerei in
hegeplanpflichtigen Gewässern
Hegeplandatenbank HDB SH (auch Angelfischerei)
schrittweise Umsetzung
Hauptamtliche Fischereiaufsicht in
Binnengewässern
Einstellung einer hauptamtlichen Arbeitskraft zur Umsetzung der Aal VO
umgesetzt
Ehrenamtliche Fischereiaufsicht
Aufstockung von 34 auf 37 ehrenamtliche Fischereiaufseher
umgesetzt
Wissenschaftliche Untersuchungs-
programme
Feststellung der Belastungssituation abwandernder Blankaale hinsichtlich Parasiten, Viren
und Schadstoffen
umgesetzt
Wiederherstellung der Durchgängig-
keit
Umsetzung von Maßnahmen nach RL 200/60/EG durch MLUR SH
schrittweise Umsetzung
Reduzierung stationärer Aalfänge
Die Errichtung neuer und die Erweiterung bestehender ständiger Fischereivorrichtungen in
Binnengewässern ist verboten (§ 18 (2) LFischG vom 26. Oktober 2011
schrittweise Umsetzung

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
34
Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung der im AMP 2008 konkret vorgesehenen Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Elbe
Kurzbeschreibung der geplanten
bzw. alternativen Maßnahmen
Quantifizierung SOLL 2008-2010
Quantifizierung IST 2008-2010
Zeitplan SOLL
Umsetzungsstand
Aufrechterhaltung bzw. Steigerung
des Besatzes
Besatz von 15,75 Mio. vorgestreckten
Aalen und 0,9 Mio. Satzaalen
Besatz von 4,5 Mio. Glasaalen, 15,8
Mio. vorgestreckten Aalen und 0,4
Mio. Satzaalen
ab Genehmigung AMP umgesetzt
Erhöhung des Schonmaßes
45 cm (HH, NI, SH)
50 cm (B, BB, MV, SN, ST, TH)
35 cm (NI, SH)
45 cm (B, HH, ST, TH)
50 cm (BB, MV, SN)
bis 2014
entsprechend Zeitplan
umgesetzt
Beschränkung der Aalfischerei in
Küstengewässern
Reduktion des Fischereiaufwandes
seeseitig der FGE Elbe um 50 %
in SH umgesetzt
in NI noch in Arbeit
ab Genehmigung AMP teilweise umgesetzt
Wiederherstellung der Durchgängig-
keit an 138 Querbauwerken in
Vorranggewässern
keine konkreten Vorgaben
46 Querbauwerke umgebaut bzw.
durchgängig gestaltet
bis 2015
entsprechend Zeitplan
umgesetzt
Stilllegung von 38 stationären
Aalfängen
keine konkreten Vorgaben
3 Aalfänge geschlossen
bis 2019
in Umsetzung
Wiss. Untersuchungsprogramme
Steig- und Blankaalmonitoring in
ausgewählten Nebenflüssen und im
Hauptstrom
Gelbaalmonitoring in ausgewählten
Gewässern
Quantifizierung von Sterblichkeiten in
Binnengewässern (Havel)
Weiterentwicklung des GEM I
Steigaalmonitoring in Löcknitz, Havel,
Tanger, und Mulde
Blankaalmonitoring in Havel und Elbe
Gelbaalmonitoring in Havel, Spree
Quantifizierung der Sterblichkeiten in
der Havel
Entwicklung des GEM II
ab Genehmigung AMP umgesetzt
Datenerhebungen
Vollständige Erfassung Besatz
Erhebung Daten zu nat. Sterblichkeit
Erfassung / Schätzung Aalfänge
Erwerbsfischerei + Angler
Erfassung Fischereiaufwand
Präzisierung Abschätzung Aalent-
nahme Kormoran
Vollständige Erfassung relevanter
Wasserkraftanlagen
Bewertung pot. Sterblichkeitsfaktoren
(Schadstoffe, Parasiten, Krankheiten)
Vollständige Erfassung Besatz
Erhebung Daten zu nat. Sterblichkeit
Erfassung / Schätzung Aalfänge
Erwerbsfischerei + Angler
Erfassung Fischereiaufwand
laufend
teilweise umgesetzt
Umsetzung Rechtsvorschriften
Anpassungen fischereirechtlicher
Regelungen der Länder in Bezug auf
die Aal-VO und AMP
Umsetzung in B, HH, NI und TH noch
nicht auf rechtlicher Grundlage, aber
auf freiwilliger Basis
ab Genehmigung AMP teilweise umgesetzt

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
35
Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung zusätzlicher (nicht im AMP 2008 geplanter) Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Elbe
Maßnahme
Kurzbeschreibung
Umsetzungsstand
Beschränkung der Aalentnahme-
mengen durch Angler
Beschränkung der Aalentnahmemengen durch Angler auf maximal 3 Aale pro Fangnacht im
Land Brandenburg
umgesetzt
Nachtangelverbot
Lokale Nachtangelverbote im Land Berlin
umgesetzt
Beschränkung der Aalfischerei in
Küstengewässern
Vollständige Einstellung der Erwerbsfischerei in den Küstengewässern in SH
umgesetzt
Identifizierung & Nachrüstung von
weiteren Wasserkraftanlagen,
technischen Anlagen und Schöpf-
werken mit Fischschutzeinrichtun-
gen und Fischaufstiegshilfen
Initiative der oberen Fischereibehörde Schleswig-Holstein zur Verbesserung des Fisch-
schutzes an Wasserkraftwerksstandorten
Durchführung von Arbeiten zur Verbesserung der Durchgängigkeit und Fischschutz in MV
schrittweise Umsetzung

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
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Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung der im AMP 2008 konkret vorgesehenen Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Ems
Kurzbeschreibung der geplanten
bzw. alternativen Maßnahmen
Quantifizierung SOLL 2008-2010
Quantifizierung IST 2008-2010
Zeitplan SOLL
Umsetzungsstand
Aufrechterhaltung des Besatzes
Besatz von 150 Tsd. Glasaalen und
500 Tsd. vorgestreckten Aalen
Besatz von 109 Tsd. Glasaalen, 221
Tsd. vorgestreckten Aalen und 12
Tsd. Satzaalen
ab Genehmigung AMP teilweise umgesetzt
Steigerung des Besatzes
Besatzerhöhung (möglichst Verdopp-
lung auf 1 Mio. vorgestreckte Aale)
siehe oben
bis 2014
entsprechend Zeitplan
umgesetzt
Erhöhung des Schonmaßes
45 cm (NI), 50 cm (NW)
35 cm (NI); 50 cm (NW)
ab Genehmigung AMP teilweise umgesetzt
Beschränkung der Aalfischerei
seeseitig der Aaleinzugsgebiete
(entspricht den Küstengewässern
gemäß EG-WRRL)
Reduktion um mindestens 50 %
bislang keine Reduktion
ab Genehmigung AMP nicht umgesetzt
Umsetzung Rechtsvorschriften
Anpassungen fischereirechtlicher
Regelungen der Länder in Bezug auf
die Aal-VO und AMP
in NW erfolgt,
in NI in Arbeit, Umsetzung aber
bereits auf freiwilliger Basis
ab Genehmigung AMP teilweise umgesetzt

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Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung zusätzlicher (nicht im AMP 2008 geplanter) Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Ems
Maßnahme
Kurzbeschreibung
Umsetzungsstand
Begrenzung der Mortalität durch
Kormorane
Die aktuelle Prädation durch Kormorane darf möglichst nicht weiter ansteigen, weshalb
einem eventuellen weiteren Anstieg des Kormoranbestands zu begegnen wäre. Derzeit
liegen keine Hinweise für einen weiteren Bestandsanstieg beim Kormoran in der FGE Ems
vor.
derzeit kein Handlungsbedarf
Begrenzung der Mortalität durch
Wasserkraftanlagen (WKA)
WKA haben derzeit nur eine untergeordnete Bedeutung in der FGE Ems. Allerdings
bestehen Überlegungen zum Ausbau an mehreren Stellen, so dass sich dieses Bild zukünf-
tig ändern kann.
derzeit kein Handlungsbedarf
Verbesserung der Durchgängigkeit
(ohne Wasserkraft)
Arbeiten im Kontext der EG-WRRL sollten sich positiv auf den Aal auswirken, z.B. Festle-
gung einer Gewässerkulisse für den Aal als katadrome Zielart im WRRL-BWP, in der für
den Aal besondere Schutzbestimmungen gelten (NW)
schrittweise Umsetzung
Regelungen für die Förderung von
Aalbesatz
Förderung von Aalbesatz zur Umsetzung der Maßnahme "Besatzsteigerung" mit Landes-
und meistens auch EU-Mitteln; hierzu Etablierung von Förderstrukturen in den Ländern
(z.B. Förderrichtlinien, Etablierung von Antragsverfahren etc.) notwendig
umgesetzt
Wissenschaftliche Untersuchungs-
programme
Unterstützung des vTI bei Datensammlung im Rahmen des DCR;
Blankaal-, Gelbaal- und Steigaalmonitoring in Ems und Dortmund-Ems-Kanal ab 2012
vorgesehen (NW)
schrittweise Umsetzung
Melde- und Erfassungssysteme
Einführung von Melde- und Erfassungssystemen für Aalfänge, Aalbesatz und Fischereiauf-
wand der Erwerbsfischerei sowie gebietsweise für Aalfänge und Aalbesatz der Angelfischer
ab 2010 (teilweise ab 2008)
umgesetzt

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Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung der im AMP 2008 konkret vorgesehenen Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Maas
Kurzbeschreibung der geplanten
bzw. alternativen Maßnahmen
Quantifizierung SOLL 2008-2010
Quantifizierung IST 2008-2010
Zeitplan SOLL
Umsetzungsstand
Besatzmaßnahmen
jährlicher Besatz von ca. 10.000
Glasaalen und ca. 10.000 vorge-
streckten Aalen
jährlicher Besatz von 5.000 Glasaa-
len, 1.400 vorgestreckten Aalen und
800 Satzaalen (
2008-2010)
ab 2009
teilweise umgesetzt
Erhöhung des Schonmaßes
50 cm
50 cm
ab Genehmigung AMP umgesetzt
Umsetzung Rechtsvorschriften
Anpassung / Änderung der Fischerei-
rechtlichen Vorschriften gemäß Aal-
VO und AMP
erfolgt
ab Genehmigung AMP umgesetzt
Umsetzung zusätzlicher (nicht im AMP 2008 geplanter) Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Maas
Maßnahme
Kurzbeschreibung
Umsetzungsstand
Reduzierung der Blankaalmortalität
an Kraftwerken
keine neuen WKA-Standorte im deutschen Maaseinzugsgebiet eingerichtet
derzeit kein Handlungsbedarf
Einbau / Planung von Abwande-
rungshilfen an geeigneten Standor-
ten,
Schwalm, Niers (Maas): Bau einer Fischtreppe an der Schwalm und Entfernung von Wehr-
anlagen und Anschluss von Nebengewässern an der Niers sowie weiteren Renaturierungs-
maßnahmen im Rahmen des INTERREG IVa-Projekts „Natürliche Grenzgewässer (Nagre-
wa)“ (Laufzeit: 2009-2012)
in Umsetzung
Wissenschaftliche Untersuchungs-
programme
1) Erfassung von Gelbaalbeständen (2009)
2) besatzbegleitendes Aalbestandsmonitoring (Blank-Gelb- und Steigaale) im Rahmen von
Projekten zur Ausarbeitung und Umsetzung von Maßnahmen für eine effiziente Wiederauf-
füllung der Aalbestände (2012-2014)
1) umgesetzt
2) in Umsetzung
Einrichtung von Melde- und Erfas-
sungssystemen
Einführung von Melde- und Erfassungssystemen für Aalfänge und Aalbesatz ab 2010
umgesetzt
Festlegung einer Zielartenkulisse für
den Aal
Festlegung einer Gewässerkulisse für den Aal als katadrome Zielart im WRRL-BWP, in der
für den Aal besondere Schutzbestimmungen gelten
umgesetzt
Rechtliche Regelungen zum Aalbe-
satz
Einrichtung von Förderinstrumenten für den Aalbesatz
Besatzförderung nach Kulissensystem, in dem barrierefreie und barrierearme Gewässerbe-
reiche bevorzugt berücksichtigt werden (seit 2010)
umgesetzt

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
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Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
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Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung der im AMP 2008 konkret vorgesehenen Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Oder
Kurzbeschreibung der geplanten
bzw. alternativen Maßnahmen
Quantifizierung SOLL 2008-2010
Quantifizierung IST 2008-2010
Zeitplan SOLL
Umsetzungsstand
Aufrechterhaltung des Besatzes
Besatz von 225 Tsd. vorgestreckten
Aalen und 135 Tsd. Satzaalen
Besatz von 220 Tsd. vorgestreckten
Aalen und 192 Tsd. Satzaalen
ab Genehmigung AMP umgesetzt
Erhöhung des Schonmaßes
50 cm (BB, MV)
50 cm (BB, MV)
bis 2014
umgesetzt
Stilllegung von 5 stationären Aalfän-
gen
keine konkreten Vorgaben
keine Aalfänge stillgelegt
bis 2019
in Umsetzung
Wiss. Untersuchungsprogramme
Steig- und Blankaalmonitoring in
Teileinzugsgebieten der Oder
Weiterentwicklung des GEM I
Steigaalmonitoring in der Uecker
Blankaalmonitoring in der Westoder
Entwicklung des GEM II
ab Genehmigung AMP überwiegend umgesetzt
Datenerhebungen
Vollständige Erfassung Besatz
Erfassung / Schätzung Aalfänge
Erwerbsfischerei + Angler
Erfassung Fischereiaufwand
Vollständige Erfassung Besatz
Erfassung / Schätzung Aalfänge
Erwerbsfischerei + Angler
Erfassung Fischereiaufwand
laufend
umgesetzt
Umsetzung Rechtsvorschriften
Anpassungen fischereirechtlicher
Regelungen der Länder in Bezug auf
die Aal-VO und AMP
Anpassungen fischereirechtlicher
Regelungen der Länder in Bezug auf
die Aal-VO
ab Genehmigung AMP umgesetzt
Umsetzung zusätzlicher (nicht im AMP 2008 geplanter) Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Oder
Maßnahme
Kurzbeschreibung
Umsetzungsstand
Beschränkung der Aalentnahme-
mengen durch Angler
Beschränkung der Aalentnahmemengen durch Angler auf maximal 3 Aale pro Fangnacht im
Land Brandenburg
umgesetzt
Identifizierung & Nachrüstung von
weiteren Wasserkraftanlagen,
technischen Anlagen und Schöpf-
werken mit Fischschutzeinrichtun-
gen und Fischaufstiegshilfen
Durchführung von Arbeiten zur Verbesserung der Durchgängigkeit und Fischschutz in MV
schrittweise Umsetzung

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
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Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung der im AMP 2008 konkret vorgesehenen Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Rhein
Kurzbeschreibung der geplanten
bzw. alternativen Maßnahmen
Quantifizierung SOLL 2008-2010
Quantifizierung IST 2008-2010
Zeitplan SOLL
Umsetzungsstand
Aufrechterhaltung des Besatzes auf
dem Niveau der Jahre 2006/07
jährlicher Besatz von ca. 750.000
Glasaalen und ca. 1,1 Mio. vorge-
streckten Aalen
jährlicher Besatz von 337.000
Glasaalen, 1,1 Mio. vorgestreckten
Aalen und 27.000 Satzaalen
(
2008-2010)
ab 2009
überwiegend umgesetzt
Erhöhung des Schonmaßes
50 cm (NW, RP, HE, BW, BY)
50 cm (NW, RP, HE, BW, BY)
ab Genehmigung AMP umgesetzt
Einrichtung einer Schonzeit
Schonzeit 1.10. bis 1.3. im Rhein-
hauptstrom (NW, RP, HE, BW)
Schonzeit 1.11. bis 28.2. im Aal-EZG
(BY)
Schonzeit 1.10. bis 1.3. im Rhein-
hauptstrom (NW, RP, HE, BW),
Schonzeit 1.11. bis 28.2. im Aal-EZG
(BY)
ab Genehmigung AMP umgesetzt
Fischereiliche Regelungen
Grundsätzliche Beibehaltung beste-
hender fischereilicher Regelwerke
Grundsätzliche Beibehaltung beste-
hender fischereilicher Regelwerke
ab 2009
umgesetzt
Gesetzliche Regelungen zum
Aalschutz (Fang & Transport)
Erteilung von Ausnahmegenehmi-
gungen
Erteilung von Ausnahmegenehmi-
gungen
ab 2009
umgesetzt
Begrenzung der Mortalität durch
Kormorane
Fortführung der Aktivitäten zur
Schadensabwehr
Es existieren Kormoran-VO (RP,
BW, BY, NI) und ein Kormoran-
Erlass (HE); die Kormoran-VO in NW
ist seit 31.3.2010 ausgelaufen
derzeit keine Hinweise für einen
Anstieg des Gesamtbestands beim
Kormoran in der FGE Rhein
ab Genehmigung AMP überwiegend umgesetzt
Umsetzung Rechtsvorschriften
Anpassung/Änderung der fischerei-
rechtlichen Vorschriften gemäß Aal-
VO und AMP
in NW, RP, HE, BW, BY erfolgt,
in NI in Arbeit, Umsetzung aber
bereits auf freiwilliger Basis
ab Genehmigung AMP überwiegend umgesetzt

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Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung zusätzlicher (nicht im AMP 2008 geplanter) Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Rhein
Maßnahme
Kurzbeschreibung
Umsetzungsstand
Schonzeit
planmäßige Schonzeit (1.10.-1.3) für den Rheinhauptstrom wurde in einigen Ländern räum-
lich (auf Nebengewässer) und/oder zeitlich (ganzjährig) erweitert (RP, HE, BW)
umgesetzt
Mindestanforderungen bei Errichtung
neuer Wasserkraftanlagen (funktions-
fähige Auf- und Abstiegsanlagen)
es wurden nach derzeitigem Datenstand vereinzelt Querbauwerke für die WKA-Nutzung
umgebaut und mit Fischwegen ausgestattet
umgesetzt
Nachrüstung von WKA mit Schutzein-
richtung & funktionierender Bypass
in 12 Rheinzuflüssen wurden ca. 30 Querbauwerke mit Schutzeinrichtungen und/oder
Bypässen versehen (BW)
umgesetzt
Fang & Transport (catch & carry)
im Zeitraum 1997-2010 > 61 t Blankaale aus der Mosel sowie im Zeitraum 2009-2010 > 11 t
Blankaale aus Main und Neckar in barrierefreie Bereiche des Rheinsystems überführt (RP,
BY, BW)
in Umsetzung
Reduzierung der Blankaalmortalität an
WKA, Erforschung von Meldesystemen
für die Hauptabwanderungszeiten
1) Projekt zum Fischschutz an der WKA Unkelmühle, Sieg (NW)
2) Forschungsprojekte zur Untersuchung der Blankaalabwanderung im Rhein mittels Trans-
pondertechnologie (NW, mit Niederlande)
in Umsetzung
Inspektion stationärer Aalfänge
Erfassung aller vorhandenen stationären Aalfänge und Erhebung von Bewirtschaftungsform
und -umfang (BY)
in Umsetzung
Wissenschaftliche Untersuchungspro-
gramme
1) Monitoring des Aalbestandes durch Auswertung von Elektrobefischungen (BW)
2) Erfassung von Gelbaalbeständen (2009)
3) Besatzbegleitendes Aalbestandsmonitoring (Steig-, Gelb- und Blankaale) im Rahmen von
Projekten zur Ausarbeitung und Umsetzung von Maßnahmen und für eine effiziente Wieder-
auffüllung der Aalbestände (2011, 2012-14; NW)
4) Blankaalmonitoring Mosel (ab 1997) / Blankaalmonitoring Rhein (ab 2011; RP)
5) Forschungsprojekte zur Untersuchung der Blankaalabwanderung im Rhein mittels Trans-
pondertechnologie (NW, mit Niederlande)
6) Forschungsprojekt zum Fischschutz an der WKA Unkelmühle, Sieg (NW)
1) in Umsetzung
2) umgesetzt
3) teilweise umgesetzt
4) in Umsetzung
5) in Umsetzung
6) in Umsetzung
Melde- und Erfassungssysteme
Einführung von Melde- und Erfassungssystemen für Aalfänge, Aalbesatz und Fischereiauf-
wand (ab 2010)
teilweise umgesetzt
Festlegung einer Zielartenkulisse
Festlegung einer Gewässerkulisse für den Aal als katadrome Zielart im WRRL-BWP, in der
für den Aal besondere Schutzbestimmungen gelten (NW)
umgesetzt
Rechtliche Regelungen zum Aalbesatz
1) Einrichtung von Förderinstrumenten für den Aalbesatz
2) Besatzförderung nach Kulissensystem, in dem barrierefreie und barrierearme Gewässer-
bereiche bevorzugt berücksichtigt werden (NW, seit 2010)
1) teilweise umgesetzt
2) umgesetzt

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
42
Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung der im AMP 2008 konkret vorgesehenen Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Schlei/Trave
Kurzbeschreibung der geplanten
bzw. alternativen Maßnahmen
Quantifizierung SOLL 2008-2010
Quantifizierung IST 2008-2010
Zeitplan SOLL
Umsetzungsstand
Aufrechterhaltung bzw. Steigerung
des Besatzes
2008: keine Vorgabe
2009: 1.000 kg Glasaaläquivalente
2010: 1.050 kg Glasaaläquivalente
2008: 289,2 kg Glasaaläquivalente
2009: 321,7 kg Glasaaläquivalente
2010: 536,7 kg Glasaaläquivalente
ab Genehmigung AMP teilweise umgesetzt
Erhöhung des Schonmaßes
45 cm
35 cm
Novellierungen von
BiFO und KüFO in
2012
nicht umgesetzt
Reduzierung des Fangaufwandes in
Küstengewässer
max. 60 Bundgarnfangstellen
(Großreusen) im Küstenbereich
max. 60 Bundgarnfangstellen
(Großreusen) im Küstenbereich
ab Genehmigung AMP umgesetzt
Abwendung von Schäden durch
Kormorane
Fortführung der Aktivitäten zur
Schadensabwehr auf Basis der
Kormoranverordnung vom
11.03.2006
Fortführung der Aktivitäten zur
Schadensabwehr auf Basis der
Kormoranverordnung vom
28.03.2011
fortlaufend
umgesetzt
Proaktive Beteiligung an einem
europäischen Kormoran-
Management
keine Vorgabe
Teilnahme an Kormoran AG
(BMELV/BMU) am 9. März 2012
fortlaufend
schrittweise Umsetzung
Nachrüstung von Wasserkraftanla-
gen und Schöpfwerken mit Fisch-
schutzeinrichtungen und Fischwan-
derhilfen
keine Vorgabe
alle Wasserbehörden in SH 2012
kontaktiert
fortlaufend
schrittweise Umsetzung
Fang & Transport (catch & carry)
keine Vorgabe
Aalschongebiet Untereider für Fang
& Transport eingerichtet.
Umsetzung ab 2011
schrittweise Umsetzung
Monitoringprogramme
Steigaalmonitoring
Gelbaalmonitoring
Blankaalmonitoring
- kein Steigaalmonitoring
- Machbarkeitsstudie Aalmonitoring
Küstengewässer
- Gelb-/Blankaalmonitoring wird im
Rahmen des operativen Fischmoni-
toring (EU WRRL) durchgeführt
- Aalmonitoring Einzugsgebiet
Schwentine
ab Genehmigung AMP schrittweise Umsetzung

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
43
Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung der im AMP 2008 konkret vorgesehenen Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Schlei/Trave
Kurzbeschreibung der geplanten
bzw. alternativen Maßnahmen
Quantifizierung SOLL 2008-2010
Quantifizierung IST 2008-2010
Zeitplan SOLL
Umsetzungsstand
Umsetzung Rechtsvorschriften
-Registrierung Aalfischerei zu
Erwerbszwecken
-Registrierung Fischereifahrzeuge
Aalfischerei
-Aufzeichnungspflicht Aalfischerei
und Aalbesatz
-Aufzeichnungspflicht Erstvermarkter
-Beschränkung Aalfischerei in
Küstengewässern, zeitliche und
räumliche Beschränkung Aalfischerei
Landesverordnung über die Aus-
übung der Aalfischerei (Aalverord-
nung- Aal VO 19. April 2010)
ab Genehmigung AMP umgesetzt
Umsetzung zusätzlicher (nicht im AMP 2008 geplanter) Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Schlei/Trave
Maßnahme
Kurzbeschreibung
Umsetzungsstand
Aufzeichnungspflicht Aalfischerei
2009 Formblatt zur freiwilligen Registrierung Aalfischerei zu Erwerbszwecken
umgesetzt
Datenerhebung registrierte Aalfi-
scherei
Aaldatenbank Schleswig-Holstein (AalDB SH)
umgesetzt
Datenerhebung Aalfischerei in
hegeplanpflichtigen Gewässern
Hegeplandatenbank HDB SH (auch Angelfischerei)
schrittweise Umsetzung
Hauptamtliche Fischereiaufsicht in
Binnengewässern
Einstellung einer hauptamtlichen Arbeitskraft zur Umsetzung der Aal VO
umgesetzt
Ehrenamtliche Fischereiaufsicht
Aufstockung von 34 auf 37 ehrenamtliche Fischereiaufseher
umgesetzt
Wissenschaftliche Untersuchungen
Feststellung der Belastungssituation abwandernder Blankaale hinsichtlich Parasiten, Viren
und Schadstoffen
umgesetzt
Wiederherstellung der Durchgängig-
keit
Umsetzung von Maßnahmen nach RL 200/60/EG durch MLUR SH
schrittweise Umsetzung
Reduzierung stationärer Aalfänge
Verbot der Errichtung neuer und der Erweiterung bestehender ständiger Fischereivorrich-
tungen in Binnengewässern (§ 18 (2) LFischG vom 26. Oktober 2011)
schrittweise Umsetzung
Einschränkung der Langleinen-
fischerei
Keine Genehmigung von Langleinen für die Hobbyfischerei, Langleinen sind zukünftig
ausschließlich der Erwerbsfischerei vorbehalten (§ 31 LFischG vom 26. Oktober 2011)
umgesetzt

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
44
Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung der im AMP 2008 konkret vorgesehenen Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Warnow/Peene
Kurzbeschreibung der geplanten
bzw. alternativen Maßnahmen
Quantifizierung SOLL 2008-2010
Quantifizierung IST 2008-2010
Zeitplan SOLL
Umsetzungsstand
Aufrechterhaltung bzw. Steigerung
des Besatzes
Besatz der Binnengewässer mit
insgesamt 3 Mio. vorgestreckten
Aalen und 0,3 Mio. Satzaalen
Besatz mit insgesamt 1,1 Mio.
vorgestreckten Aalen und mit 57 Tsd.
Satzaalen
ab Genehmigung AMP teilweise umgesetzt
Erhöhung des Schonmaßes
50 cm
50 cm
ab Genehmigung AMP umgesetzt
Einrichtung einer Schonzeit
Binnen- und Küstengewässer: 1.12.-
28.2. für Angler
Küste außerhalb 3 sm Zone: 1.1.-
30.6. für Angler und Erwerbsfischer
Binnen- und Küstengewässer: 1.12.-
28.2. für Angler und Erwerbsfischer
Küste außerhalb 3 sm Zone: 1.10.-
30.4. für Angler und Erwerbsfischer
ab Genehmigung AMP umgesetzt
Beschränkung der Aalfischerei in
Küstengewässern
Verbot der Schleppnetzfischerei
Verbot der Schleppnetzfischerei
ab Genehmigung AMP umgesetzt
Abwendung von Schäden durch
Kormorane
Einführung eines Bestandsmanage-
ment, so dass der bestehende
Bestand nicht weiter anwächst
Minderung des Bruterfolges
Durchführung einer wissenschaftli-
chen Studie, Formulierung von
Managementempfehlung
fortlaufend
teilweise umgesetzt
Wiss. Untersuchungsprogramme
Steigaal-, Gelbaal- und Blankaalmo-
nitoring in den Binnen- und Küsten-
gewässern
Bewertung des Einflusses des
Kormorans
Wissenschaftliche Betreuung des
Aalbesatzes
Weiterentwicklung des vorhandenen
Aalmodells
- Etablierung Steigaal- und
Blankaalmonitoring
- Überwachung der fischereilichen
Mortalität
- Bestandsschätzung in Küstenge-
wässern
- Studien zur Entwicklung und
Einflussnahme des Kormorans
- wissenschaftliche Begleitung
Aalbesatz
- Anpassungen des Aalmodells
ab Genehmigung AMP
entsprechend Zeitplan
umgesetzt
Datenerhebungen
- Dokumentation Aalfang, Fischerei-
aufwand, Handelstätigkeit
- Dokumentation Aalfang, Fischerei-
aufwand, Handelstätigkeit
ab Genehmigung AMP umgesetzt

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
45
Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung der im AMP 2008 konkret vorgesehenen Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Warnow/Peene
Kurzbeschreibung der geplanten
bzw. alternativen Maßnahmen
Quantifizierung SOLL 2008-2010
Quantifizierung IST 2008-2010
Zeitplan SOLL
Umsetzungsstand
Umsetzung Rechtsvorschriften
Kontroll- und Fangüberwachung bei
Ausübung Aalfischerei (EC 2007)
- Zulassung und Kennzeichnungs-
pflicht des Aalverkaufs
-Zulassung der Fischer als Erstver-
markter
- Kennzeichnung der Fischereifahr-
zeuge
- Einführung eines Aufnahme- und
Auslieferungsbuchs je zugelassenen
Fischereibetrieb
Kontroll- und Fangüberwachung bei
Ausübung Aalfischerei (EC 2007)
- Zulassung und Kennzeichnungs-
pflicht des Aalverkaufs
-Zulassung der Fischer als Erstver-
markter
- Kennzeichnung der Fischereifahr-
zeuge
- Einführung eines Aufnahme- und
Auslieferungsbuchs je zugelassenen
Fischereibetrieb
ab Genehmigung AMP umgesetzt
Umsetzung zusätzlicher (nicht im AMP 2008 geplanter) Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Warnow/Peene
Maßnahme
Kurzbeschreibung
Umsetzungsstand
Identifizierung & Nachrüstung von
weiteren Wasserkraftanlagen,
technischen Anlagen und Schöpf-
werken mit Fischschutzeinrichtun-
gen und Fischaufstiegshilfen
Erhöhung der Durchgängigkeit von Fließgewässern im Zuge der Umsetzung der Wasser-
rahmenrichtlinie
schrittweise Umsetzung
Reduzierung von stationären
Aalfängen
vorhandene stationäre Aalfänge im Einzugsgebiet auf Grund der geringen Fangmengen
kaum noch genutzt, langfristig Einstellung dieser Form der Fischerei
schrittweise Umsetzung
Überwachung der Laicherqualität
beim Aal
Überwachung der Parasitierung und Schadstoffbelastung von Blankaalen
schrittweise Umsetzung

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
46
Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung der im AMP 2008 konkret vorgesehenen Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Weser
Kurzbeschreibung der geplanten
bzw. alternativen Maßnahmen
Quantifizierung SOLL 2008-2010
Quantifizierung IST 2008-2010
Zeitplan SOLL
Umsetzungsstand
Aufrechterhaltung des Besatzes
Besatz mit 50.000 Glasaalen und
1 Mio. vorgestreckten Aalen
Besatz von 103.000 Glasaalen,
590.000 vorgestreckten Aalen und
144.000 Satzaalen
ab 2008
teilweise umgesetzt
Steigerung des Besatzes
Besatzerhöhung (Verdopplung) auf
2 Mio. vorgestreckte Aale
siehe oben
bis 2014
entsprechend Zeitplan
umgesetzt
Erhöhung des Schonmaßes
45 cm (HB, NI)
50 cm (HE, NW, ST, TH)
35 cm (NI)
45 cm (HB, TH, ST)
50 cm (HE, NW)
ab Genehmigung AMP teilweise umgesetzt
Beschränkung der Aalfischerei
seeseitig der Aaleinzugsgebiete
(Küstengewässern gemäß EG-
WRRL)
Reduktion um mindestens 50 %
bislang keine Reduktion
ab Genehmigung AMP nicht umgesetzt
Umsetzung Rechtsvorschriften
Anpassungen fischereirechtlicher
Regelungen der Länder in Bezug auf
Aal-VO und AMP
in HE, HB und NW erfolgt,
in NI, ST und TH in Arbeit, Umset-
zung in NI und TH aber bereits auf
freiwilliger Basis
ab Genehmigung AMP teilweise umgesetzt

Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
47
Fortsetzung Anlage 1: Umsetzung zusätzlicher (nicht im AMP 2008 geplanter) Managementmaßnahmen im
Aaleinzugsgebiet Weser
Maßnahme
Kurzbeschreibung
Umsetzungsstand
Kurz- und mittelfristige Maßnahmen
zur Begrenzung der Mortalität durch
Wasserkraftanlagen (WKA)
Trap-&-Truck oder Turbinenmanagement zur Reduktion der Aalmortalität ab 2011
schrittweise Umsetzung
Langfristige Maßnahmen zur
Begrenzung der Mortalität durch
Wasserkraftanlagen (WKA)
Bauliche Verbesserung an WKA zur dauerhaften Verringerung der Mortalität beginnend ab
2012/2013.
in Umsetzung
Verbesserung der Durchgängigkeit
(ohne Wasserkraft)
Arbeiten im Kontext der EG-WRRL
schrittweise Umsetzung
Begrenzung der Mortalität durch
Kormorane
Die aktuelle Prädation durch Kormorane darf möglichst nicht weiter ansteigen, weshalb
einem eventuellen weiteren Anstieg des Kormoranbestands zu begegnen wäre. Derzeit
liegen keine Hinweise für einen weiteren Bestandsanstieg beim Kormoran in der FGE
Weser vor.
derzeit kein Handlungsbedarf
Förderung von Aalbesatz
Förderung von Aalbesatz zur Umsetzung der Maßnahme "Besatzsteigerung" mit Landes-
und meistens auch EU-Mitteln; hierzu Etablierung von Förderstrukturen in den Ländern
(z.B. Förderrichtlinien, Etablierung von Antragsverfahren etc.) notwendig
umgesetzt
Schonzeit
im Rahmen der landesweit geltenden (Hessen) oder geplanten (Thüringen) allgemeinen
Schonzeiten für Teileinzugsgebiete der Weser
schrittweise Umsetzung
Wissenschaftliche Untersuchungs-
programme
Unterstützung des vTI bei Datensammlung im Rahmen des DCR;
Blankaalabwanderung und Mortalität durch WKA 2008/2009 in der Mittelweser im Rahmen
eines F&E-Projektes des Umweltbundesamtes
umgesetzt
Melde- und Erfassungssysteme
Einführung von Melde- und Erfassungssystemen für Aalfänge, Aalbesatz und Fischereiauf-
wand der Erwerbsfischerei sowie gebietsweise für Aalfänge und Aalbesatz der Angelfischer
ab 2010 (teilweise ab 2008)
umgesetzt

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BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e
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Reinhardtstraße 32 .10117 Ber
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Bundesministerium für
Ernährun~bat,,",~
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schaft und Verbraucherschutz
Bundesminislerium für Ernahrung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Frau Ursula Posseit
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Referat 613
Rochusstraße1
53123
Bonn
zur nationalen Berichterstattung zum Aalmanagement gemäß Artikel
9 der VO (EG) Nr
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1100/2007
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Maren
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GeschiiltstJereichsleiterin
Erzeugung
Telefon +
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9 30 3001991300
Telefax +49 30 300199-3300
Maren.H
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Reinllardtstraße 32
10117 Ser
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Hildegard
MOlier
(Vorsitzende)
Roger
Kohlmann
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Anke Tuschek
Martin Weyand
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Cha~ottenburg
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da Cortenbergh 52
1000
BrOssel
Belgien
Bankverbindung
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ksbank
Konto:
8 848
041 000
BlZ
:
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tc
1
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Sehr geehrte Frau Posseit
,
mit diesem Schreiben übermitteln
wir
Ihnen eine
Aktualisierung
der
BDEW-Position
vom
16. September 2008 zur nationalen Berichterstattung
zum Aalmanagement
gemäß
Artikel
9
der
VO
(EG) Nr
,
1100/2007,
Die
von
der Bundesregierung im Jahr 2011 auf den
Weg gebrachte
"
Ener-
giewende
"
zielt insbesondere da
r
auf ab
,
Erneuerbare Energien als eine
tragende Säule zukünftiger Energieversorgung zu implementieren
.
Hierzu
zählt zweifelsohne auch die
Wasserkraftnutzung
in Deutschland
.
Wasserkraft
ist die ursprünglichste Form der
Stromerzeugung
aus Erneu-
erbaren Energien und nach
wie
v
or bedeutend für eine langfristig
C02
-
neutrale Energieversorgung
in
Deutschland
.
Diese
wichtige
Rolle der
Wasserkraft
hat der
BDEW im Jahr 2011 mit einer eigenen Broschüre
"W
asserkraft in Deutschland
"
beleuchtet (s
i
ehe Anlage
1: Broschüre
"
Wasserkraft
in
Deuts
c
hland
').
Gleichzeitig
begrüßen
und unterstützen die
Wasserkraftwerksbetreiber
auch
weiterhin
die Bemühungen zum Schutz
von
Natur und Umwelt. Die
Vorlage
eines Berichts der Bundesregierung zum
Aalmanagement
gemäß
Artikel 9 der
VO (EG)
Nr.
1100/2007
sollte aber jegliche Wettbewerbsver-
zerrung und eine Benachteiligung der deutschen
Wasserkraftwerksbetrei-
ber
vermeiden,
da diese nach
w
ie
vor
in einem
starken internationalen
Wettbewerb
stehen,
Se~e
1 von 3
Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
Anlage 2: Positionspapier der deutschen Wasserkraftbetreiber (BdEW)

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Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
49
Se
il
e
2 von
3
Fortsetzung Anlage 2:
Positionspapier der deutschen Wasserkraftbetreiber (BdEW)
Vor diesem Hintergrund sollten bei der Berichterstattung zum nationalen
Aalmanagement folgende
Aspekte
berücksichtigt
werden:
Zur Erreichung des
40
%-Zieles
können Maßnahmen zum Schutz des
Aals
an
Wasserkraftwerken
nur einen beschränkten Beitrag liefern.
Andere
Gewässernutzungen und Populationsgefährdungen
(Glasaal-
befischung
,
Räuber
wie z.
B
.
Kormorane
,
etc.) sind in die Betrachtun-
gen mit einzubeziehen. Besatzmaßnahmen und
andere
die
Aalpopu-
lation
stützende
Maßnahmen müssen die Bemühungen
zur Erzielung
einer
ausreichenden
Abwanderquote flankieren.
Insbesondere an größeren bestehenden
Wasserkraftanlagen,
sind
technische Lösungen zum Aalschutz praktisch nicht realisierbar
.
Nach derzeitigem Stand
der Technik sind entsprechende Lösungen
bei kleineren Anlagen mit einem hohen konstruktiven und finanziellen
Aufwand
verbunden.
Mit Hilfe
von
Pilotanlagen
wie z.
B. der Pilotanla-
ge zum Fischschutz am Standort Unkelmühle (Gemeinschafts projekt
von
MKUNLV NRW
,
Bezirksregierung Köln und RWE Innogy GmbH;
siehe
Anlage
2) können die
ökologischen,
technischen und
wirtschaft-
lichen
Wirkungen
von
Feinrechen und speziellen
Aalableitungssyste-
men untersucht sowie die Praxisreife
der Systeme entwickelt und ge-
testet werden.
(An/age
2
:
Broschure Unke/muh/e)
Für den kurzfristigen Aalschutz
ist
"
Fang & Transport" an dafür geeig-
neten Gewässersystemen
,
wie
z.B. an der Mosel
,
der derzeit erfolg-
versprechendste Weg
.
Eine
weitere
Möglichkeit kann eine fischangepasste Betriebsweise
der Kraftwerke für begrenzte Zeiträume hoher Aalabwanderung sein
,
wenn
ausreichend zuverlässige Informationen über die einsetzende
Aalabwanderung verfügbar
sind
(s.
u. Forschung
&
Entwicklung)
.
bdew
Energ
i
e. Wasser leb!'!n

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Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
50
Fortsetzung Anlage 2:
Positionspapier der deutschen Wasserkraftbetreiber (BdEW)
Forschung und Entwicklung
von
fischangepassten Turbinen und
von
Ab
leitsy
stemen
in Verbindung mit einem
"By-Pass"
müssen als Ge-
meinschaftsaufgabe
vorangetrieben werden.
Bei der fischangepassten Betriebsweise kann auf unterschiedliche
Weise, wie
z.B. durch eine maximale Beaufschlagung der aktiven
Turbinen
oder ein gezieltes Zurückfahren
,
das
Ve
rletzungsrisiko
der
Aa
le
gesenkt
werden.
Neben Versuchen zu einer fischangepassten
Betriebsweise ist die Prüfung
vo
n
Vorhersagesystemen oder Detekti-
onssystemen
zu den
Wanderzei
ten
erforderlich
.
Im Rahmen
von Ko-
operationen zwischen
Fachbehörden
,
Kraftwerksbetreibern
und
Be-
rufsfischern
we
rden
bereits einige Studien
in dieser Richtung durch-
geführt
(z.
B.
Anlage
3) und
weite
re
sind
in
Planung
.
(Anlage
3:
Pressenotiz
zu
DIDSON Studie NRW/Lippe)
Erheblicher
Forschungsbedarf besteht
we
iterhin
hinsichtlich
der aktu-
ellen Aal-Bestandsdichte
,
dem Aalwanderverhalten
im Bereich des
Turbineneinlaufs
,
der
Vorhersage und
Eing
re
nzung
der Wanderungs-
zeiträume sowie der ökologischen Wirksamkeit
von
technischen Maß-
nahmen zum Aalschutz.
Der
eingeschlagene Weg
,
Schutzmaßnahmen auf Aal-Vorranggewässer
zu konzentrieren
bz
w.
Gewässerabschnitte oder Querbauwerke mit
Priori-
täten
zu
verse
hen
,
ist auch aus Sicht der Kraftwerkbetreiber sinnvoll.
Für Rückfragen steht
Ihnen
in
der BDEW-Hauptgeschäftsstelle
Herr
Ma-
thias
Timm
(03
0-300
199
1316
,
Mathias
.
Timm@bde
w.de)gern
zur Verfü-
gung
.
Mit freundlichen Grüßen
~
\)
jQ\\n~
Dr
.
Maren
Hille
Der
Bundesverband der
Energie.
und Wasserwirtschaft (BDEW)
,
Be~in
,
vertritt rund 1 BOO Unternehme
n
.
Das Spektrum
der M
i
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i
eder reicht von lokalen und kommunalen Ober
regionale
bis hin
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u Oberregionalen Un
t
ernehmen
.
Sie reprilsent
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e.
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rund 90 Prozenl des Stromabsatzes
,
gut 60
Prozent
des
Nah- und Fernwärmeabsalzes. 90
Prozent
des
Erdgasabsat-
zes
sowie
BO
Prozent
der Trinkwasser-Förderung und rund ei
r.
Drittel der AbWasse
r
-Entsorgung in Deutsch
l
and
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Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
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Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
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Fortsetzung Anlage 2:
Positionspapier der deutschen Wasserkraftbetreiber (BdEW)

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Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
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Fortsetzung Anlage 2:
Positionspapier der deutschen Wasserkraftbetreiber (BdEW)

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Deutsche Aalbewirtschaftungspläne nach EU-Verordnung (EG) Nr. 1100/2007
Institut für Binnenfischerei
Anlagen zum Umsetzungsbericht 2012
Potsdam-Sacrow
53
Fortsetzung Anlage 2:
Positionspapier der deutschen Wasserkraftbetreiber (BdEW)
PressemiUeilung
01.12.201
1
Bezirksregierung Düsseldorf bewilligt
Förderm
itte
l
für Untersuchungen
zur
Vereinbarkeit
von
Wasserkraftanlagen
mit dem Naturschutz
Die Bezirksreg
i
erung DOsseidorf hat der RWE
I
nnogy GmbH, Essen
,
einen Betrag von rund 186
.
000
,
- Euro fIlr das Pro
j
ekt "Unte
rsu
chu
n
gen
von
FIschwanderungen
z
ur
Erarbeitung
e
in
es
Echtzeitwarnsystems
an Wasserkraftan
l
agen" bewilligt.
Mit
dem Projekt sollen
Fischaktivitäten
vor
wasserkraftanlagen erkundet und bewertet werden
.
Dabei erfolgt die Erfassung der Fische und ihrer
genauen
,
artspezifischen Verhaltensweisen vor den Barrieren
mittels eines Sonargerätes, das die Daten auf Basis einzelner Schallkegel erfasst.
Wesentlicher Bestandtei
l
des Projektes ist die Entwicklung einer dafOr geeigneten Auswertungssoftware, um fOr die Turbinen in
.
Echtze
ll'
ein
räumlich und zeitlich fischschonendes Management zu entw
i
ckeln
,
das eine zeitnahe Wanderung der Fische
i
n das Unterwasser ermögtlcht. Aus
Grtlnden des Klimaschutzes soll zukünftig vermehrt Energie durch Wasserkraft erzeugt werden. Nach den
europarechllichen
Vorschriften der
EU-wasserrahmenr
i
chtlinie besteht jedoch die Verpflichtung,
die Oberflächengewässer in einen öko
l
ogisch guten Zustand zu versetzen
.
H
i
erzu
gehört auch e
i
n entsprechender
F
i
schbestand
.
Das Projekt soll dazu dienen
,
Konflikte zwischen Energienutzung und Naturschutz zu mindern. Untersucht werden sollen insbesondere der
i
n
se
i
nem Bestand stark gefährdete Aal
,
aber auch der Lachs und andere Fischarten.
Projeklträger ist die
RIfoJE
I
nnogy GmbH in Essen
,
die das Vorhaben zusammen mit dem Ruhrverband,
dem
BOro für Umwelt planung
,
Gewässermanagemenl
und Fischerei in Bielele
l
d und dem Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e
.
V. und we
i
teren Beteiligten durchfllhren
w
i
rd
.
All
der Finanzierung des Gesamtbetrages von rund
305.500,-
Euro beteil
i
gen s
i
ch RVIIE
I
nnogy GmbH und der Ruhrverband
.
Bezirksreg
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erung
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DOsseidorf
V
Ansprechpartnerlin
Pr
esseste
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e
r
Bezirksregierung
Düsseldorf
E
-
Mail an Ansprechpartnernn Pressestelle der Bezirksregierung Dllsseldorf
Te
l.:
0211 475-2284
Fax:
0211
475-2040