Den Meisterbrief in der Tasche – und dann?
Bertram Zwahr, Garten- & Landschaftsgestaltung Zwahr, Großpostwitz
Zusammenfassung des Vortrages am 3.03.2017 zum Pillnitzer GaLaBau-Tag 2017
von Klaus Engelhardt – LfULG
Als Herr Zwahr bei uns in Pillnitz in der Meisterklasse saß, sei er oft müde gewesen
und musste von mir öfter sanft geweckt werden, damit er dem Unterricht folgen
konnte.
Wach, war er ein kritischer Geist, der nicht alles Dargebotene ohne weitere Erklärung
oder Diskussion akzeptierte. Er musste, obwohl er in einer Vollzeitausbildung war,
noch nebenher arbeiten. Körperliche Arbeit und das Sitzen in warmen
Klassenräumen verträgt sich schlecht, wie jeder Landschaftsgärtner weiß.
Sein Vater besaß einen kleinen Landschaftsbaubetrieb, in dem seine Arbeitskraft
gefragt war. Dass er diesen einmal übernehmen würde, war ihm zunächst nicht klar.
Nach dem Meisterabschluss stieg er trotzdem ein und fügte sich dem autokratischen
System seines Vaters. Das „Alphatier“, wie er seinen Vater scherzhaft nannte,
machte selbstverständlich alle Vorgaben und lebte nur für seinen Betrieb. Getreu
nach dem Motto: „ Gott schütze mich vor Sturm und Wind und Arbeitern, die zu
langsam sind!“ wurden die Mitarbeiter geführt.
Mit der Zeit ist in dem jungen Zwahr das Feuer erwacht und er begann langsam an
den festgefahrenen Strukturen zu arbeiten und das „Alphatier“ verlor nach und nach
an Einfluss.
Seit Anfang des Jahres ist er nun alleiniger Inhaber. Vieles hat sich geändert: Es wird
im Sommer ein Betriebsurlaub ermöglicht. Auf Beruf und Familie wird Rücksicht
genommen. Sonntags wird nicht gearbeitet. Ständige Weiterbildung wird
großgeschrieben. Wohnung und Betriebshof sind getrennt.
Tätigkeiten auf der Baustelle werden von Zwahr auch weiterhin angestrebt,
besonders wenn es anspruchsvolle Arbeiten sind. Die Büroarbeit geht teilweise noch
nicht schnell genug von der Hand. Hier gibt es noch einiges zu tun um die Prozesse
zu optimieren. Die Bürokratie verlangt leider viel Aufmerksamkeit.
Die Beziehung zu den Mitarbeitern beruht auf Vertrauen und Verantwortung wird
übertragen. Die leitenden Mitarbeiter müssen in der Lage sein, sich mit den Kunden
auf Augenhöhe zu unterhalten.
Probleme gibt es nach wie vor. Viele sind in anderen Firmen ähnlich. Der Austausch
mit anderen Unternehmern wird angestrebt und als wichtig, für die weitere
Entwicklung gesehen. Man bastelt das ganze Leben, damit es besser und leichter
wird.
Der Schwung ist bei Zwahr allgegenwärtig zu spüren und sein unkonventioneller und
ehrlicher Vortrag hat den Teilnehmern viel Freude bereitet.
Der Vater kann jetzt normal leben, auch ohne den Betrieb und genießt seine
neugewonnene Freiheit.