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Analysen zum
Innovationsstandort Sachsen
Kurzfassung
Januar 2019

Diese Untersuchung wurde im Auftrag des Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Ver-
kehr des Freistaats Sachsen (SMWA) erstellt.
Das SMWA hat auf die Ergebnisse keinen Einfluss genommen, diese liegen allein in der Ver-
antwortung der Autoren und der ausführenden Institute.
Autoren des Berichts
ZEW:
Marius Berger
Josefine Diekhof (Projektleitung)
Thorsten Doherr
Jürgen Egeln (Projektleitung)
Sandra Gottschalk
Martin Hud
Mila Köhler
Christian Rammer
Fraunhofer ISI:
Henning Kroll
Peter Neuhäusler
Patricia Helmich
Prognos:
Jan-Philipp Kramer
Friedemann Koll
Adriana Cruz
Janosch Nellen
Moritz Schrapers
Caroline Winkelmann

3
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung
4
2.
Smart-Specialisation-Ansatz für die Sächsische Innovationsstrategie 2019
5
Zukunftsfelder und Schlüsseltechnologien
5
Überlegungen zu Themenfeldern einer Innovationsstrategie
15
3.
Wichtige Ergebnisse
19
Innovationsgeschehen in Sachsens Wirtschaft
19
Kooperationsverhalten
21
Internationale Position
22
Regionale Unterschiede
24
4.
Überlegungen zur Innovations- und Wirtschaftspolitik
27

 
4
1. Einleitung
Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), das Fraunhofer-Institut für System-
und Innovationsforschung (ISI) und die Prognos AG legen hier die Kurzfassung des Berichts
zur Studie zu „Analysen zum Innovationsstandort Sachsen“ vor. In dieser Studie werden die
innovationsbezogenen Aktivitäten, Kompetenzen und Potenziale von Unternehmen und Wis-
senschaft in Sachsen analysiert und bewertet. Die Befunde dienen auch als eine wichtige In-
formationsgrundlage für die Weiterentwicklung der aus dem Jahr 2013 stammenden Sächsi-
schen Innovationsstrategie.
Gerade mit Blick auf die neue Innovationsstrategie für Sachsen liegen Schwerpunkte der Be-
trachtung auf Analysen zu den bisherigen Zukunftsfeldern der Sächsischen Innovationsstrate-
gie (Umwelt, Rohstoffe, Mobilität, Digitale Kommunikation, Gesundheit, Energie) und zu den
von der EU-Kommission definierten „Key Enabling Technologies“ (KETs oder Schlüsseltech-
nologien: Mikro- und Nanoelektronik, Software- und Web-Technologien, Nanotechnologien,
Neue und intelligente Materialien und Werkstoffe, Fortgeschrittene Produktionstechnologien,
Photonik, Biotechnologie). Für die einzelnen Zukunftsfelder und Schlüsseltechnologien wer-
den das wirtschaftliche Potenzial sowie die Kompetenz und die Expertise von Sachsens Wis-
senschaft und Wirtschaft analysiert. Darauf aufbauend erfolgt eine Bewertung zum weiteren
Verbleib der Zukunftsfelder in der neuen Innovationsstrategie und den Interdependenzen zwi-
schen Zukunftsfeldern und KETs. Neben der grundsätzlichen Beurteilung der einzelnen Zu-
kunftsfelder werden – basierend auf Patent- und Publikationsanalysen und der Analyse des
Innovationsverhaltens der Unternehmen sowie auf inhaltlichen und technologischen Einschät-
zungen von Experten – Subthemen der Zukunftsfelder identifiziert, die als zukunftsträchtig und
chancenreich anzusehen sind und sich dadurch anbieten, in einer neuen Innovationsstrategie
adressiert zu werden.
Darüber hinaus untersucht die Studie weitere Bereiche, die von hoher Bedeutung für die Inno-
vationsfähigkeit und die technologische Leistungsfähigkeit von Wissenschaft und Wirtschaft
im Freistaat Sachsen sind. In dieser Kurzfassung werden die Befunde zu Innovationsstrate-
gien der sächsischen Wirtschaft und den Innovationsträgern in Sachsen, zum Kooperations-
verhalten sächsischer Innovatoren, zur internationalen Position Sachsens hinsichtlich ausge-
wählter Innovationsindikatoren sowie zu regionalen Unterschieden bei Forschung und Innova-
tion sowie beim Gründungsgeschehen dargestellt.
Die Kurzfassung schließt mit Überlegungen zur innovationsorientierten Wirtschaftspolitik und
zu möglichen Zielkonflikten.

 
5
2. Smart-Specialisation-Ansatz für die Sächsische
Innovationsstrategie 2019
Zukunftsfelder und Schlüsseltechnologien
In der Sächsischen Innovationsstrategie des Jahres 2013 nahmen die Zukunftsfelder Umwelt,
Rohstoffe, Mobilität, Digitale Kommunikation, Gesundheit und Energie sowie die Schlüssel-
technologien Mikro- und Nanoelektronik, Software- und Web-Technologien, Nanotechnologien,
Neue und intelligente Materialien und Werkstoffe, Fortgeschrittene Produktionstechnologien,
Photonik und Biotechnologien eine privilegierte Position ein. Hier wurden die vorhandenen
Kompetenzen und künftigen Chancen für Sachsen als besonders erfolgversprechend einge-
stuft. Die damalige Innovationsstrategie setzte auf einen Spezialisierungsansatz, der vorhan-
dene Stärken und Expertise nutzen sollte, um so auf Feldern in den Wettlauf um neue techno-
logische Entwicklungen und wirtschaftlichen Erfolg einzutreten, in denen die Innovationsak-
teure des Freistaats bereits einen Vorsprung aufweisen.
Als Informationsgrundlage für die Weiterentwicklung der Sächsischen Innovationsstrategie
wird im Rahmen dieser Analysen zum Innovationsstandort Sachsen untersucht, inwieweit sich
die damals definierten Zukunftsfelder und die von der EU benannten Schlüsseltechnologien
nach wie vor – zumindest grundsätzlich – für eine Ausrichtung der neuen Sächsischen Inno-
vationsstrategie eignen, inwieweit die damals unter dem „Dach“ dieser Bereiche genannten
Schwerpunktthemen noch relevant sind und welche thematischen Neuausrichtungen gegebe-
nenfalls in den Zukunftsfeldern und Schlüsseltechnologien – aber auch außerhalb – angeraten
sein können.
Für diese Untersuchungen werden unterschiedliche Zugänge kombiniert:
Für die
Zukunftsfelder
werden über eine Branchenabgrenzung die Bedeutung, Stärken
und Schwächen der Unternehmenspopulationen ermittelt, die in den jeweiligen Zukunfts-
feldern potenziell als Anbieter von Produkten und Leistungen aktiv werden können. So wird
gleichsam der Wirkungsraum aufgespannt, von dem innovationsrelevante Aktivitäten in den
Zukunftsfeldern ausgehen können.
Durch eine Analyse von Publikations- und Patentanmeldezahlen sowie Förderdaten in den
Zukunftsfeldern und
den
Schlüsseltechnologien
zugeordneten Wissenschaftsfeldern
bzw. Technologiebereichen wird das Entstehen von neuem Wissen und neuen Technolo-
gien in den Zukunftsfeldern und den Schlüsseltechnologien im Zeitablauf sowie im inner-
deutschen und internationalen Vergleich deutlich.
Unternehmerische Innovationsträger, die Leistungen
für
die
Zukunftsfeldaktivitäten
er-
bringen, werden über eine bibliometrische Analyse der Webseiten identifiziert, solche, die
in den
Schlüsseltechnologien
neue Technologien oder neues Wissen für Technologien

 
6
kreieren, über entsprechende Patentanmeldungen. Dies ermöglicht es, das Innovationsver-
halten dieser Unternehmen genau zu betrachten.
Eine Web-basierte Betrachtung der Geschäftstätigkeiten und Angebote von sächsischen
Innovatoren mit Marktneuheiten bringt Erkenntnisse darüber, in welchen konkreten
Zu-
kunftsfeldern und Schlüsseltechnologien
bereits heute grundlegende Innovationen her-
vorgebracht werden – und auch in welchen Feldern außerhalb der derzeitigen Abgrenzung
von Zukunftsfeldern und Schlüsseltechnologien.
Interviews mit 60 Wissenschaftlern, Intermediären und externen Experten zu den verschie-
denen
Zukunftsfeldern
liefern Informationen über ihre Sicht auf Entwicklungspotenziale,
Anknüpfungspunkte zu Schlüsseltechnologien und zukunftsträchtige Themenbereiche in-
nerhalb der jeweiligen Zukunftsfelder.
Zukunftsfelder
Der Innovationsstandort Sachsen verfügt in einzelnen Zukunftsfeldern über klare Stärken und
thematische Schwerpunkte. Hieran kann im Sinne einer erfolgsbasierten Weiterentwicklung
angeknüpft werden. Zugleich weist der Standort aber auch gewisse Schwächen und struktu-
relle Defizite auf, die es in Zukunft abzubauen gilt. Die Stärken und Schwächen bilden die
aktuelle Ausgangslage der Zukunftsfelder ab. Die zentralen Aussagen der Ergebnisse der ver-
schiedenen Analyseschritte und unterschiedlichen empirischen Zugänge werden synoptisch
in einem Gesamtprofil (SWOT-Analysen: Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats) für
die einzelnen Zukunftsfelder zusammengefasst (Tabelle 1 bis Tabelle 6).
Die endogene Betrachtung bezieht sich dabei auf die Leistungsfähigkeit und Entwicklung der
den jeweiligen Zukunftsfeldern zuzurechnenden Branchen, technologischen und wissen-
schaftlichen Feldern, unternehmerischen Innovationsträgern sowie thematischen bzw. struk-
turellen Stärken und Schwächen. Die exogene Betrachtung fasst in komprimierter Form die
Befunde zu den perspektivischen Bedarfen und Trends zusammen.

7
Zukunftsfeld Umwelt:
Sachsen ist ein etablierter Standort der Umwelttechnik und zeichnet
sich durch Schwerpunkte in der Bioökonomie, Wasserwirtschaft und Kreislaufwirtschaft aus.
Auch bestehen vielfältige Schnittstellen zu anderen Zukunftsfeldern wie Energie, Rohstoffe
und Mobilität.
Tabelle 1:
SWOT Zukunftsfeld Umwelt
Stärken (endogen)
Schwächen (endogen)
Sektorale Entwicklung
Hoher Spezialisierungsgrad und überdurchschnittlicher
Produktivitätszuwachs in der Wasserversorgung und -ent-
sorgung, Beseitigung von Umweltverschmutzungen (LQ =
1,3)
Insgesamt Beschäftigungsrückgang für das Zukunftsfeld
Umwelt sichtbar (v.a. in der Land- und Forstwirtschaft so-
wie der Wasserversorgung und -entsorgung, Beseitigung
von Umweltverschmutzungen)
Insgesamt geringe Produktivität und niedrigeres Produkti-
vitätswachstum des Zukunftsfeldes Umwelt im bundes-
weiten Vergleich
Publikationen und Patente
Zentraler Stärkenbereich hinsichtlich Publikationen;
in diesem Bereich auch stark positiver Trend
Erhebliches Patentaufkommen
Wachstum im Patentbereich nur durchschnittlich
Unternehmerische Innovationsträger
Im Vergleich zu Deutschland überdurchschnittlicher Anteil
von potenziellen Innovationsträgern im Feld Umwelt
starke Konzentration auf Land- und Forstwirtschaft, Was-
serversorgung und -entsorgung sowie Baugewerbe
Thematisch und strukturell
Aktuelle thematische Schwerpunkte:
Bioökonomie,
Wasserwirtschaft und -forschung, Recycling und Kreis-
laufwirtschaft, Öko-Systeme der Zukunft, Smarte Modelle
und (Umwelt-)Monitoring
Renommierte Forschungszentren und Hochschulen:
Fachrichtung Hydrowissenschaften ein Alleinstellungs-
merkmal an der TU Dresden mit Blick auf die gesamt-
deutsche Wasserwirtschaft, Vielzahl außeruniversitärer
Forschungseinrichtungen
Systemdenken:
Ganzheitliche Perspektive in der Was-
serwirtschaft ist innovativ und wird bereits von sächsi-
schen Kompetenzträgern international umgesetzt
Anlagentechnik:
Alleinstellungsmerkmale im Anlagen-
bau, insb. für kompakte, dezentrale Anlagen und Verfah-
renstechnik (z.B. Abluft- oder Filtertechniken), der zent-
rale Innovationen für das Feld Umwelt liefert
Wenig große Unternehmen:
Die Größe der Unterneh-
men in Sachsen ist ein Schwachpunkt. Die kleinen und
mittleren Unternehmen des Zukunftsfelds stehen vor der
Schwierigkeit, ausreichend Kapital und Personal für lang-
fristige Innovationsprojekte bereitzuhalten
Innovationspotenziale:
Unternehmen des Zukunftsfelds
schöpfen ihr Potenzial für Innovationen noch nicht voll
aus
Sensorik, Softwareentwicklung und -technologien:
Vorhandene Zukunftskompetenzen noch ausbaufähig
Außendarstellung:
Die Präsentation der sächsischen
Schwerpunkte und Kompetenzen, insbesondere in der
Wasserwirtschaft, ist nicht ausreichend
Wissenstransfer:
Transfer von der Wissenschaft in die
Wirtschaft ist weiter ausbaufähig
Chancen (exogen)
Herausforderungen (exogen)
Kreislaufwirtschaft/Circular Economy
Aufkommende Bioökonomie
Globale Wasserversorgung
Technologiebrüche in den Branchen Wasser, Ressour-
cen, Energie können neue Kompetenzen erfordern
Veränderung von Geschäftsmodellen bedingt durch
Klimawandel
Trendverläufe in der Neo-Ökologie
Quelle: ZEW, ISI, Prognos, 2018
Weiterführende Informationen in der Langfassung der Studie (Kap. 5.1 bis 5.3).

8
Zukunftsfeld Rohstoffe:
Sachsen weist eine jahrhundertelange Bergbautradition auf und ist
ein führendes Zentrum der Rohstoffforschung. FuE-Aktivitäten finden in allen Bereichen der
Rohstoff-Wertschöpfungskette statt, von der Erkundung und Gewinnung von Primärrohstoffen
bis zur Aufbereitung von Sekundärrohstoffen.
Tabelle 2:
SWOT Zukunftsfeld Rohstoffe
Stärken (endogen)
Schwächen (endogen)
Sektorale Entwicklung
Hohe Konzentration der Metallindustrie in der sächsi-
schen Gesamtbeschäftigung (LQ=1,16) und im Vergleich
zur Gesamtwirtschaft höheres Umsatz- und BWS-Wachs-
tum
Hohe Bedeutung des Maschinenbaus für das Zukunfts-
feld Rohstoffe (LQ = 1,16)
Deutlicher Rückgang an SvB im Bergbau, darunter in der
Gewinnung von Steinen und Erden
Geringe Spezialisierung in der chemischen Industrie (LQ
= 0,5)
Publikationen und Patente
Noch nennenswertes Patentaufkommen
Geringes Publikationsaufkommen
In beiden Bereichen nur durchschnittlicher Trend;
merklicher Einbruch bei Patenten
Unternehmerische Innovationsträger
Der höchste Anteil von potenziellen Innovationsträgern im
Feld Rohstoffe im Regionenvergleich
Unternehmerische Innovationsträger
Starke Konzentration der potenziellen Innovationsträger
auf die Branchen Wasserversorgung, Baugewerbe und
Ingenieurbüros
Thematisch und strukturell
Aktuelle thematische Schwerpunkte:
Exploration von
Rohstoffen, Gewinnung und Aufbereitung von Rohstoffen,
Recycling von Sekundärrohstoffen, Weiterverarbeitung
von Rohstoffen
Heimische Lagerstätten:
Erze und Spate, Kohle, Steine
und Erden, darunter strategische Rohstoffe für Hightech-
Produkte (z.B. Lithium, Nickel, Kobalt, Zink, Blei) („Sach-
sen ist steinreich“)
Dichte Forschungslandschaft:
TU Bergakademie Frei-
berg europaweit einzige Uni, die die ganze Kette vom
Bergwerk bis zum fertigen Produkt abdeckt, u.a. For-
schungs- und Lehrbergbau („Wir haben ein eigenes Feld-
labor vor der Haustür“)
Gesamte Innovationskette:
Geschlossene Wertschöp-
fungskreisläufe von Recyclingunternehmen/ innovativen
Entsorgungsbetrieben bis zu (mittelständischen) Hütten
(in Nischenmärkten aktiv)
Recycling-Wirtschaft:
z.B. Einsatz innovativer Recyc-
ling- und Verhüttungs-Verfahren, Verknüpfung von Pri-
mär- und Sekundärrohstoffen („Sachsen ist das Herz der
Circular Economy“)
Attraktive Förderquoten:
Grundstoffindustrie (z.B. Um-
wandlung nachwachsender Rohstoffe in Grundstoffe für
Pharma, Chemie) kann Magnet für weitere produzierende
Unternehmen sein
Imagestärke und internationale Wahrnehmung:
Sach-
sen steht für Rohstoffe („Man glaubt den Sachsen, dass
sie das Thema wirklich wollen“). Sachsen kann im Bund
Vorreiter für Nutzung heimischer Rohstoffe sein
Fehlende Großindustrie:
Kleinteiligkeit ist eine Schwä-
che, es fehlen die Forschungslabors der Großindustrie
(z.B. keine Chemieparks)
Transfer von Forschungsergebnissen:
Schwächen in
der Überführung neuen Wissens in die industrielle An-
wendung
Vernetzung:
Zusammenarbeit der Kompetenzträger aus
Wirtschaft und Wissenschaft hat Potenzial, weiter intensi-
viert zu werden
Politische Rahmenbedingungen:
teilweise fehlendes
Rohstoffbewusstsein, zu geringe Investitionen in zukünf-
tige Innovationsstandorte
Weltmarkabhängigkeit:
Rohstoff-Sektor ist stark von
Weltmarkt abhängig (z.B. werden innovative Recycling-
Verfahren unattraktiver, wenn der Weltmarktpreis fällt)
Chancen (exogen)
Herausforderungen (exogen)
Zunehmende Bedeutung der Kreislaufwirtschaft
Steigende Nachfrage nach Metallen und weiteren strate-
gischen Rohstoffen
Smart Mining
Ressourcenknappheit
Steigende und volatile Rohstoffpreise
Internationale Marktdynamiken
Quelle: ZEW, ISI, Prognos, 2018
Weiterführende Informationen in der Langfassung der Studie (Kap. 5.1 bis 5.3).

9
Zukunftsfeld Digitale Kommunikation
: Sachsen ist das größte europäische Mikroelektronik-
Cluster („Silicon Saxony“). Jeder dritte in Europa produzierte Chip kommt aus dem Freistaat.
In Sachsen ist die gesamte Innovationskette von der Grundlagenforschung an renommierten
Forschungseinrichtungen bis hin zur Produktion von Halbleitern, Chips, Wafern und Photo-
lithografie-Masken vorhanden. Auch bestehen Kompetenzen im Bereich Themen der Digitali-
sierung und 5G.
Tabelle 3:
SWOT Zukunftsfeld Digitale Kommunikation
Stärken (endogen)
Schwächen (endogen)
Sektorale Entwicklung
Insgesamt positivere SvB-, Umsatz-, BWS- und Produkti-
vitätsentwicklung des Zukunftsfelds Digitale Kommunika-
tion als Gesamtdeutschland
Insbesondere sehr positive Entwicklung der IT- und Infor-
mationsdienstleistungen in Sachsen.
Produktivität des Zukunftsfelds Digitale Kommunikation
liegt insgesamt weiterhin unterhalb des deutschen Durch-
schnitts
Publikationen und Patente
Nennenswertes Publikationsaufkommen; in diesem Be-
reich auch positiver Trend
Noch zentrales Stärkenfeld im Bereich Patente
Seit 2010 erheblich zurückgehendes Patentaufkommen;
Niveau nachhaltig gesunken, keine Erholungstendenz ab-
sehbar
Unternehmerische Innovationsträger
Stärken bei Data Analytics und Softwareentwicklung
Die potenziellen Innovationsträger konzentrieren sich
stark auf den Softwarebereich
Thematisch und strukturell
Aktuelle thematische Schwerpunkte:
Mikroelektronik-
produktion, fünfte Generation der Mobilfunkkommunika-
tion (5G), Hardwarekompetenzen, IT- und Software, Na-
noelektronik; weitere Innovationsthemen: Smart City,
Smart Production, Künstliche Intelligenz, Robotik, Auto-
mation
Clusterstrukturen:
Größtes europäisches Mikroelektro-
nik-Cluster („Silicon Saxony“) bildet gesamte Innovations-
kette von Grundlagenforschung bis Produktion von Halb-
leitertechnologie ab
Spezialisierte öffentliche Forschungslandschaft
(Uni-
versitäten und Forschungseinrichtungen), 5G Lab Ger-
many (einer der größten interdisziplinären Forschungsein-
heiten IKT), Verbindung zwischen Soft- und Hardware
Räumliche Nähe:
Der Software- und Big-Data-Sektor
(ganze Wertschöpfungskette) profitiert von räumlicher
Nähe zu relevanten Branchen wie der Mikroelektronik
Kooperation:
Vernetzung zwischen mittelständischen
Unternehmen, Wissenschaft und Industrie ist gut
Zusammenarbeit an Schnittstellen zu anderen Zu-
kunftsfeldern:
Zusammenwirken von Kompetenzen im
Feld Digitale Kommunikation mit anderen Anwendungs-
feldern z.B. in Maschinenbau, Medizin/Biotechnologie,
Energie, Agrartechnik und Mobilität
Breitbandausbau:
teilweise unzureichend, gerade in
ländlichen Regionen
Fehlende Unternehmenszentralen der produzierenden
Großunternehmen:
kleine und mittelständische Unter-
nehmen überwiegen
Branchenübergreifende Vernetzung:
Interdisziplinarität
und Austausch über Branchengrenzen hinweg ausbaufä-
hig
Fehlende kritische Masse:
Sachsen ist als „Hub“ im di-
gitalen Bereich noch zu wenig entwickelt und hat noch
keine kritische Masse, Start-up-Szene ist zu wenig ausge-
prägt
Chancen (exogen)
Herausforderungen (exogen)
Big-Data-Anwendungen
Digital Lifestyle und Sharing Economy
Wertschöpfungsanteil von IKT-Unternehmen
Internationaler Wettbewerb: Der härteste Wettbewerb
kommt von außerhalb Europas
Künstliche Intelligenz: Veränderte Kompetenzanforderun-
gen und Qualifizierungsprofile
Fachkräftemangel und Auswirkungen der Industrie 4.0
Cloud- und Multi-Cloud-Lösungen als Standard für private
und Business User
Quelle: ZEW, ISI, Prognos, 2018
Weiterführende Informationen in der Langfassung der Studie (Kap. 5.1 bis 5.3).

10
Zukunftsfeld Energie:
Sachsen ist ein traditioneller Standort des Maschinen- und Anlagen-
baus und verfügt über eine hohe Dichte an Forschungseinrichtungen im Energiebereich. An
den sächsischen Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen finden sich eine Vielzahl von
Forschungsaktivitäten in Energiethemen wie Energieverteilung, -nutzung und -umwandlung,
Materialforschung für die Energiewende und Anlagenbau für die Energie- und Kraftstofftechnik.
Tabelle 4:
SWOT Zukunftsfeld Energie
Stärken (endogen)
Schwächen (endogen)
Sektorale Entwicklung
Hohe Produktivität, insbesondere in der Energieversor-
gung
V.a. starkes Produktivitätswachstum in der Herstellung
von elektrischen Ausrüstungen
Hoher Spezialisierungsgrad des Maschinenbaus im Zu-
kunftsfeld Energie (LQ = 1,26)
Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft geringeres SvB-, Um-
satz- und BWS-Wachstum für das Zukunftsfeld Energie
Insbesondere rückläufige Produktivität und geringes
BWS-Wachstum in der Energieversorgung
Publikationen und Patente
Erhebliches Publikationsaufkommen,
positiver Trend
Noch zentrales Stärkenfeld im Bereich Patente
Kürzlich merklicher Rückgang der Patentzahlen
Unternehmerische Innovationsträger
Im Vergleich zu Deutschland überdurchschnittlicher Anteil
von potenziellen Innovationsträgern im Feld Energie
Abdeckung der gesamten Kette von Energieproduktion
über -speicherung bis zur -verteilung
Von den identifizierten Innovationsträgern stammen we-
nige Unternehmen aus der Branche der Informations- und
Kommunikationstechnologien
Thematisch und strukturell
Aktuelle thematische Schwerpunkte:
Energiespeiche-
rung, Energiemanagement, Energieeffizienz, Energiean-
lagentechnik und -verfahrenstechnik, Biomasseverflüssi-
gung
Grundlagen- und angewandte Forschung:
breit aufge-
stellte Forschungslandschaft (z.B. Fraunhofer und Univer-
sitäten)
Einbindung in überregionale FuE-Projekte:
Kooperati-
onen und Teilnahme an nationalen und (teilweise interna-
tionalen) Forschungsprojekten
Marktorientierung:
Starke Anwendungsorientierung der
Forschungs- und Innovationsaktivitäten
Entfernung zu wichtigen (Industrie-)Kunden:
Zentrale
Kunden und Anwender sind i.d.R. nicht in der Region ver-
ortet
Vernetzung:
Kooperation innerhalb der Wissenschaft
und zwischen Wissenschaft und Wirtschaft weiter aus-
baufähig
Finanzierung von Innovationsprojekten:
Finanzie-
rungsmöglichkeiten für Unternehmen sind eine Schwä-
che. Daher investieren überwiegend nur große Unterneh-
men in Projekte mit einem Renditehorizont von mehr als 5
Jahren
Chancen (exogen)
Herausforderungen (exogen)
Real-Labore: Langjährige Feldtests, um neue Technolo-
gien marktreif zu gestalten
Weiterentwicklung von Speichertechniken
Biotechnologie in der Energiegewinnung und -effizienz
(u.a. organische Photovoltaik)
Verstärkte Nutzung von Biomasse für Verkehr und Indust-
rie
Digitalisierung der Energiewirtschaft
3D-Druck und Robotik in der Errichtung und Wartung von
Energienetzen
Quelle: ZEW, ISI, Prognos, 2018
Weiterführende Informationen in der Langfassung der Studie (Kap. 5.1 bis 5.3).

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Zukunftsfeld Mobilität:
In Sachsen befinden sich fünf Produktionswerke für Fahrzeuge und
Motoren sowie rund 780 Zulieferer. Etwa jeder achte in Deutschland gebaute Pkw wird in
Sachsen produziert. Der Freistaat verfügt über zentrale Kapazitäten in Zukunftsthemen wie
Batterie, Leichtbau, automatisiertes Fahren oder Intelligente Verkehrssysteme.
Tabelle 5:
SWOT Zukunftsfeld Mobilität
Stärken (endogen)
Schwächen (endogen)
Sektorale Entwicklung
Im Vergleich zu den anderen neuen sowie alten Ländern
stärkstes SvB-, Umsatz-, BWS- und Produktivitätswachs-
tum für das Zukunftsfeld Mobilität
Positivste Entwicklungen v.a. im Wirtschaftszweig des
Fahrzeugbaus
Produktivitätsniveau des Bundesdurchschnitts noch nicht
erreicht
Publikationen und Patente
Nennenswertes Patentaukommen;
dort auch lange Zeit positiver Trend
Geringes Publikationsaufkommen
Im Publikationsbereich nur durchschnittlicher Trend;
kürzlich auch merklicher Rückgang im Bereich Patente
Unternehmerische Innovationsträger
Stärken bei Verkehrs- und Logistiksystemen sowie neuen
Fahrzeugkonzepten
Von den identifizierten Innovationsträgern stammen we-
nige Unternehmen aus der Branche der Informations- und
Kommunikationstechnologien
Thematisch und strukturell
Aktuelle thematische Schwerpunkte:
Intelligente Ver-
kehrssysteme, automatisiertes und autonomes Fahren
(insb. Infrastruktur und Verkehrssicherheit), Elektromobili-
tät, Fahrzeugkomponenten, Leichtbau: Weitere Innovati-
onsthemen: Brennstoffzellen, Ladeinfrastruktur für E-Mo-
bilität, Dienstleistungen für Energiemanagement, Lasten-
management, Abrechnungssysteme
Zukunftsthemen
: Ein Zentrum des Leichtbaus in
Deutschland (z. B. Kompetenz Strukturleichtbau und
Funktionsintegration), Co-Präsenz zum Halbleiterstand-
ort, Vorhandensein von Batterierohstoffen
Forschungsaktivitäten automatisiertes Fahren:
Syste-
mischer Ansatz hinsichtlich Infrastruktur, Vernetzung,
Sharing-Konzepte, Verkehrssicherheit, Daten
Nationale Sichtbarkeit als Produktions- und Innovati-
onsstandort:
In wichtigen Zukunftsthemen wie Batterien,
Elektrotechnik oder Leichtbau ist Sachsen national sicht-
bar
Anwendungs- und Demonstrationsprojekte
der Elekt-
romobilität und des automatisierten Fahrens
Fehlende FuE-Zentralen
der Automobilhersteller in
Sachsen; keine großen Unternehmenszentralen von Au-
tomobilzulieferern in Sachsen verortet, dies erschwert
Forschungskooperationen
Zusammenarbeit und Vernetzung:
Regionale Cluster
schöpfen Potenzial für die Zusammenführung von For-
schungsergebnissen noch nicht aus
Internationale Sichtbarkeit
: Mangelnde Wahrnehmung
der sächsischen Forschungs- und Innovationsleistungen
Anwendungsorientierung:
Transfer und Anwendungs-
bezug von Forschungsprojekten steigerungsfähig
Wirtschaftspolitische Begleitung:
Koordinierung von
Industrie- und Technologiethemen teilweise eine Schwä-
che
Chancen (exogen)
Herausforderungen (exogen)
VW-Unternehmensstrategie zur Elektromobilität:
Sachsen kann Leuchtturmregion für E-Mobilität werden;
Produktionsbeginn in Zwickau
Alternative Antriebstechnologien
Automatisiertes und autonomes Fahren
Komfortelektronik
Wachsender Konkurrenzdruck durch internationale Wett-
bewerber
Veränderung der Wertschöpfungsarchitekturen erhöht
Druck auf Automobilzulieferer
Fachkräftemangel
Quelle: ZEW, ISI, Prognos, 2018
Weiterführende Informationen in der Langfassung der Studie (Kap. 5.1 bis 5.3).

12
Zukunftsfeld Gesundheit:
Der Freistaat verfügt über eine breit gefächerte Wissenschafts-
und Forschungslandschaft im Gesundheitsbereich. Aktuelle Schwerpunkte liegen u.a. in den
Bereichen Krebsforschung, Regenerative Medizin, Stammzellenforschung, Genetik, Biotech-
nologie, Infektionskrankheiten, Metabolik, Diabetes, neurodegenerative Erkrankungen, Bild-
gebungstechnik, Magnetresonanztomographie, Datenanalysemethoden und Medizintechnik.
Tabelle 6:
SWOT Zukunftsfeld Gesundheit
Stärken (endogen)
Schwächen (endogen)
Sektorale Entwicklung
Höherer BWS-Anteil des Gesundheitswesens an der Ge-
samtwirtschaft als im bundesweiten Durchschnitt
Hoher Produktivitäts- sowie SvB-Zuwachs im Gesund-
heitswesen
Weiterhin geringe Bedeutung der Pharmaindustrie in
Sachsen (LQ = 0,5) trotz positiver SvB-Entwicklung
Publikationen und Patente
Erhebliches Publikationsaufkommen; in diesem Bereich
auch stark positiver Trend
Nennenswertes Patentaufkommen
Im Patentbereich nur durchschnittlicher Trend; kürzlich
zusätzlich merklicher Rückgang
Unternehmerische Innovationsträger
Stärken in der Health-Care-Industrie
Im Regionenvergleich geringster Anteil an Innovationsträ-
gern im Gesundheitswesen
Thematisch und strukturell
Aktuelle thematische Schwerpunkte:
Krebsforschung,
Regenerative Medizin, Stammzellenforschung, Genetik,
Biotechnologie, Infektionskrankheiten, Metabolik, Diabe-
tes, neurodegenerative Erkrankungen, Bildgebungstech-
nik, Magnetresonanztomographie, Datenanalysemetho-
den, Medizintechnik
Grundlagenforschung und angewandte Forschung:
Ansiedlungspolitik von Forschungseinrichtungen ab An-
fang der 1990er Jahre zahlt sich aus; national wahrnehm-
bare Schwerpunkte
Enge Vernetzung und funktionierende interdiszipli-
näre Zusammenarbeit:
Forschungseinrichtungen, Uni-
versitäten/Unikliniken und Unternehmen
Förderlandschaft:
Sächsische Technologieförderung
schließt erste Phasen klinischer Studien mit ein. Das wird
von Unternehmen international wahrgenommen
Fehlende Großunternehmen:
keine nennenswerte
Großindustrie der Gesundheitswirtschaft und Lebenswis-
senschaften, die FuE-Aktivitäten durchführen
Umsetzung von Forschungsergebnissen:
Bedarf be-
steht, Innovationen schneller in die Anwendung zu be-
kommen (z.B. E-Health, Patente, Medizingeräte), Trans-
lation der Technologien in die Anwendung
Fehlendes (Risiko-)Kapital für KMU:
Generell nicht
ausreichend Kapital, um die langen Entwicklungszeit-
räume in den Lebenswissenschaften finanzieren zu kön-
nen
Chancen (exogen)
Herausforderungen (exogen)
Altersbezogene Krankheitsbilder als Treiber der For-
schung
Personalisierte Medizin und Genombearbeitung
Miniaturisierung in der Medizintechnik
E-Health und Self-Medication
Smart Health und KI
Quelle: ZEW, ISI, Prognos, 2018
Weiterführende Informationen in der Langfassung der Studie (Kap. 5.1 bis 5.3).

 
13
Die SWOT-Tabellen verdeutlichen, dass Sachsen in allen betrachteten Zukunftsfeldern über
Stärken verfügt, an die angeknüpft werden kann. In den Zukunftsfeldern zeichnen sich abge-
leitet aus den jeweiligen mittel- bis langfristigen Trends zwar einige Risiken, aber auch zahl-
reiche inhaltliche und wirtschaftliche Chancen ab. Insbesondere letztere sollten als Herausfor-
derungen begriffen und aufgegriffen werden. Den Risiken dagegen sollte mit geeigneten Ge-
genmaßnahmen begegnet werden, damit sich rückläufige Entwicklungen nicht im Zuge von
Selbstverstärkungsprozessen weiter verschärfen.
Für die unternehmerischen Innovationsaktivitäten (die empirisch auf einer Zusatzstichprobe
für Sachsen im Rahmen des Mannheimer Innovationspanels basieren) konnte aus statisti-
schen Gründen keine nach Zukunftsfeldern differenzierte Analyse vorgenommen werden, da
die Anzahl der identifizierten potenziellen Innovationsträger in der Stichprobe dafür zu klein
war. Gleichwohl lassen sich aus den über alle Zukunftsfelder aggregierten Betrachtungen ei-
nige interessante Erkenntnisse für Sachsen gewinnen. So zeichnen sich die sächsischen Un-
ternehmen in den Zukunftsfeldern im Vergleich zu Unternehmen in denselben Zukunftsfeldern
in den alten Ländern und den sonstigen neuen Ländern durch eine höhere FuE-Orientierung
und höhere Innovations- und FuE-Ausgaben aus. Der Umsatzanteil mit neuen Produkten ist
ähnlich hoch wie in den Vergleichsräumen, der mit Marktneuheiten allerdings deutlich niedriger.
Allerdings sind diese Unterschiede zwischen Sachsen und den anderen Regionen in Deutsch-
land nicht spezifisch für Unternehmen in den Zukunftsfeldern, sondern gelten für die gesamte
sächsische Wirtschaft. Die Innovationsaktivitäten der Unternehmen in den Zukunftsfeldern un-
terscheiden sich somit nicht signifikant von denen der Unternehmen außerhalb der Zukunfts-
felder. Dies bedeutet wiederum, dass es auch außerhalb der Zukunftsfelder innovationsstarke
Bereiche in der sächsischen Wirtschaft gibt.
Schlüsseltechnologien
Gemessen an der Anzahl der Publikationen bilden die Neuen und intelligenten Materialien und
Werkstoffe die größte Schlüsseltechnologie in Sachsen, Mikro- und Nanoelektronik die zweit-
größte. Auch hinsichtlich der Anzahl der Patentanmeldungen sind diese beiden Bereiche an
der Spitze zu finden, ergänzt um Fortgeschrittene Produktionstechnologien.
Allerdings ist seit 2010 in der Mikro- und Nanoelektronik ein deutlicher Rückgang der Patent-
anmeldezahlen zu verzeichnen, während die Anzahl der Patentanmeldungen in den Fortge-
schrittenen Produktionstechnologien sowie bei Neuen und intelligenten Materialien und Werk-
stoffen kontinuierlich angestiegen ist.
Aggregiert für alle Schlüsseltechnologien zeigen die Analysen, dass den Schlüsseltechnolo-
gien eine zentrale Bedeutung für das sächsische Innovationssystem zukommt. Etwa jede
vierte sächsische Patentanmeldung ist einer der Schlüsseltechnologien zuzurechnen, für

14
Deutschland insgesamt beträgt der Anteil der Schlüsseltechnologien an allen Patentanmel-
dungen nur 17 %. Zum letzten erfassbaren Zeitpunkt (2015) wurden von sächsischen Erfin-
dern jährlich ca. 450 Patente in den Schlüsseltechnologien angemeldet, was einem Anteil von
etwas mehr als 6 % an allen deutschen Patentanmeldungen in den Schlüsseltechnologien
entspricht. Dabei weist Sachsen einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Patentanmeldun-
gen von KMU sowie aus der Wissenschaft auf.
Auch die Zahl der Publikationen in für Schlüsseltechnologien relevanten Bereichen ist in den
vergangenen Jahren stetig angestiegen. Etwa ein Viertel aller wissenschaftlichen Aktivitäten
in Sachsen fällt in diesen Bereich, während der entsprechende Anteil in Deutschland nur
ca. 16 % beträgt. Aktuell werden jährlich fast 2.000 wissenschaftliche Zeitschriftenartikel säch-
sischer Autoren in den Schlüsseltechnologien veröffentlicht, was einem Anteil von 13 % aller
deutschen Publikationen entspricht. Dies schlägt sich auch in den welt- sowie deutschland-
weiten Anteilen Sachsens an wirtschaftlichen Aktivitäten in den Schlüsseltechnologien nieder.
Mit Ausnahme der Software- und Web-Technologien erreicht der Freistaat in nahezu jeder
Schlüsseltechnologie überdurchschnittliche Anteile und oftmals auch hohe Spezialisierungs-
grade.
Die Analyse der
unternehmerischen Innovationsträger
kann nur einen Ausschnitt der in den
Schlüsseltechnologien aktiven Unternehmen betrachten, da die Aktivität lediglich über das
Merkmal einer Patentanmeldung (zumindest eine seit dem Jahr 2015) gemessen wird. Natür-
lich zählt nur ein kleiner Teil aller Unternehmen mit Innovations- und erst recht mit wirtschaft-
lichen Aktivitäten in einer der Schlüsseltechnologien zu den patentierenden Unternehmen,
weswegen ein Vergleich von so identifizierten Schlüsseltechnologie-Unternehmen mit ande-
ren Unternehmen wegen der methodenbedingten Unterschätzung nicht sehr aussagekräftig
ist.
Aussagekräftig sind allerdings Vergleiche zwischen (patentierenden) Schlüsseltechnologie-
Unternehmen in Sachsen mit denen in den anderen Vergleichsräumen in Deutschland. So
wurde auf Basis auf der Zusatzstichprobe Sachsen des Mannheimer Innovationspanels fest-
gestellt, dass der Anteil der Unternehmen, die Innovationen eingeführt haben, in Sachsen
deutlich niedriger ist als in den alten und den sonstigen neuen Ländern. Auch der Anteil der in
Schlüsseltechnologien patentierenden sächsischen Unternehmen, die kontinuierlich FuE trei-
ben, liegt deutlich unter dem Durchschnitt der entsprechenden Unternehmen für die alten und
sonstigen neuen Länder, anders als dies generell der Fall ist. Während der Anteil der Innova-
tions- sowie FuE-Ausgaben am Umsatz der über Patente identifizierten sächsischen Schlüs-
seltechnologie-Unternehmen sich kaum von dem in Gesamtdeutschland unterscheidet, liegt
der Umsatzanteil von Produktinnovationen und insbesondere Marktneuheiten deutlich hinter
dem der sonstigen neuen Länder sowie der alten Länder.

 
15
Überlegungen zu Themenfeldern einer Innovationsstrategie
Die Analysen zeigen, dass die durch die Zukunftsfelder abgesteckten Themenbereiche auch
gegenwärtig noch hinreichend thematische Chancen bieten, die durch Kompetenz und Exper-
tise aus der Wissenschaft und den Unternehmen des Freistaats erfolgversprechend in Angriff
genommen werden können. Diese Felder können weiterhin Teil einer Spezialisierungsstrate-
gie der neuen Innovationsstrategie sein. Allerdings sollte darauf geachtet werden, innerhalb
der Zukunftsfelder thematische Konkretisierungen vorzunehmen, die Schlüsseltechnologien
einzubeziehen und auch vielversprechende Themen außerhalb von Schlüsseltechnologien
und Zukunftsfeldern nicht zu vernachlässigen.
Die hier vorgenommenen Überlegungen zur Identifikation von Themenfeldern der neuen Inno-
vationsstrategie, die die vorgenannten Aspekte berücksichtigen, basieren auf mehreren empi-
rischen Grundlagen:
Auf einer Analyse der Schnittstellen von Zukunftsfeldern und Schlüsseltechnologien bei
Sachsens wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmensgeschäftsfeldern, gemes-
sen über
Patenanmeldungen in den Technologiebereichen der Zukunftsfelder und Schlüsseltech-
nologien, sowie
die Geschäftsfelder von sächsischen Innovationsträgern, die in den Zukunftsfeldern und
Schlüsseltechnologien aktiv sind.
Auf einer Auswertung der Geschäftsfelder von sächsischen Unternehmen, die in den ver-
gangenen vier Jahren Marktneuheiten eingeführt haben.
Auf den Einschätzungen von 60 Wissenschaftlern, Intermediären und externen Experten
zu den erfolgversprechenden Zukunftsthemen in den Zukunftsfeldern.
Die Schnittstellen von Zukunftsfeldern und Schlüsseltechnologien sind Tabelle 7 zu entneh-
men. Sowohl die Betrachtung der Patenanmeldungen (sozusagen der Vorstufe einer techno-
logischen Entwicklung auf dem Weg zur Marktfähigkeit) als auch der Geschäftsfelder sächsi-
scher Innovationsträger geben klare Hinweise auf die in Sachsen vorhandenen Schnittstellen.
So zeigt sich die Bedeutung von Digitaler Kommunikation für den Bereich Energie für fortge-
schrittene Produktionstechnologien, für Mikro- und Nanoelektronik, für Photonik, aber auch für
neue Materialien und Werkstoffe. Mikro- und Nanoelektronik sowie Neue Materialien und
Werkstoffe spielen auch für das Zukunftsfeld Energie eine Rolle. Insgesamt lassen sich schon
anhand der Schnittstellen einige Zusammenhänge erkennen: Der Bereich der Digitale Kom-
munikation weist im Vergleich zu den Vorarbeiten zur „alten“ Innovationstrategie breitere
Schnittstellenbereiche auf. Das Zukunftsfeld Energie hat zu zahlreichen Technologien Bezüge,
fußt somit auf einer breiten technologischen Basis. Die Anwendung der Schlüsseltechnologie

16
Software- und Webtechnologien ist inzwischen relativ breit, aber hier gibt es sicher noch Po-
tenziale. Auch die Schlüsseltechnologie der Neuen Materialien und Werkstoffe gewinnt an Be-
deutung für etliche Zukunftsfelder.
Tabelle 7: Schnittstellen Zukunftsfelder und Schlüsseltechnologien in Sachsen, Patentanmeldungen und
Unternehmensgeschäftsfelder
Anzahl der Patentanmeldungen aus Sachsen am DPMA, 2013 - 2015
Biotechnologien
Fortgeschrittene
Produktions-tech-
nologien
IKT
Mikro- und Nano-
elektronik
Nano-
technologien
Neue Materialien
Photonik
Energie
5
47
8
145
5
298
47
Gesundheit
25
9
3
2
3
2
5
Digitale Kommunikation
12
124
52
386
13
69
120
Mobilität
5
26
5
3
1
9
2
Rohstoffe
5
5
0
1
0
8
0
Umwelt
5
16
2
6
0
38
3
Quelle: Analysen des Fraunhofer ISI auf Basis von EPA PATSTAT
Anzahl der Unternehmen von Innovationsträgern in Sachsen, 2016
Biotechnologien
Fortgeschrittene
Produktions-tech-
nologien
IKT
Mikro- und Nano-
elektronik
Nano-
technologien
Neue Materialien
Photonik
Energie
11
10
19
12
4
17
8
Gesundheit
7
5
11
4
2
7
3
Digitale Kommunikation
5
29
37
13
3
12
12
Mobilität
0
9
8
5
1
2
6
Rohstoffe
2
5
5
4
2
6
4
Umwelt
5
3
5
0
0
2
2
Quelle: ZEW, 2018
Auf Basis der Erkenntnisse aus den unterschiedlichen empirischen Analysen, die im Rahmen
der Studie durchgeführt wurden, lassen sich mögliche Themenfelder für die neue Innovations-
strategie sowie deren Bezüge zu den Branchen der Wirtschaft ableiten (Abbildung 1).

17
Abbildung 1: Themenfelder, Schnittstellen, Branchenbezüge
Quelle : ZEW, ISI, Prognos 2018
nachhaltige
Rohstofferschließung
sowie
Kreislaufwirtschaft
(Circular Economy)
Materialkreislauf,
Produktlebensdauer
Dematerialisierung,
Materialeffizienz
Aufbereitung und
Kombination von
Sekundärrohstoffen
Gewinnung und
Exploration von
Rohstoffen
neue Materialien
für multiple
Anwendungen
inkl. multipurpose
Materialien
fortschrittliche
Halbleitertechnik
Umwelttechnik
(Geopolymere für
Abwasseranlagen)
moderne Baustoffe
(incl. Keramik und
Nanomaterialien)
technische und
Spezialtextilien
Energietechnik
Batterietechnik
Energiespeicherung
i.w.S.
Energieverteilungs-
systeme,
Energienetze
Kraft-Wärme-
Energiesysteme
fortschrittliche
Produktionswirtschaft
incl. ressourcen- und
energieeffiziente
Produktion
Industrie 4.0/
Robotik
Smart Production
EMSR für
energieeffiziente
Produktionssysteme
Sonder-
maschinenbau
(z.B. für Textilsektor)
intelligente und
zukunftsfähige
Mobilität
Verkehrsinfrastruktur-
konzepte
intelligente und
vernetzte Verkehrs-
und Logistikkonzepte
emissionsfreie
Antriebstechniken
Leichtbau
Softwareentwicklung
und Big Data
High Performance
Computing,
Big Data Analytics
IT- und
Datensicherheit
Plattformökonomie,
Web-
Geschäftsmodelle
Building Information
Modeling
Hardware und
Rechnerarchitektur
Halbleiter -
produktion
Mobilfunktechnik
(
5G
)
Sensorik und
Aktuatorik
energieeffiziente
Leistungselektronik
Schnittstelle zur
Optik/ Photonik
medizinische
Biotechnologie /
Gesundheits-
wirtschaft
Health-Care-Industrie
(neue Therapien)
digitale
Gesundheitswirtschaft
E-Health für
Diagnostik
Biotechnologie für
Umwelttechnik
Umwelt
X
Fortschrittliche
Produktionstechnologien
Gesundheit
X
Biotechnologie
Umwelt
X
Neue Materialien
Mobilität
X
Softwaretechnologie und
Produktionstechnologien
Elektro- und Elektronikindustrie und IKT-Dienstleister
Maschinenbau
Fahrzeugbau
pharmazeutische
Industrie
chemische Industrie
Metallverarbeitung
Textilindustrie
Digitale Kommunikation
X
fortschrittliche
Produktionstechnologien
Energie
X
Mikro-/ Nanoelektronik und
Produktionstechnologie
Digitale Kommunikation
X
Mikro- und Nanoelektronik sowie
Softwaretechnologie

18
In Abbildung 1 zeigen die senkrechten Blöcke die für Sachsen als chancenreich identifizierten
Themenfelder. Die „Kreise“ darüber benennen die Schnittstellen aus Zukunftsfeldern und
Schlüsseltechnologien, soweit sie die Themenfelder definieren. Darüber hinaus sind auch Fel-
der benannt, in denen Sachsens Unternehmen nennenswert aktiv sind und entsprechende
Innovationserfolge aufweisen, wenn diese nicht ohne weiteres den Zukunftsfeldern oder
Schlüsseltechnologien zugerechnet werden können. Dies gilt beispielsweise für den Sonder-
maschinenbau oder technische Textilien. Angesichts der breiten thematischen Ausrichtung
der Innovationsaktivitäten von unternehmerischen Innovationsträgern sollte eine Fokussierung
auf Zukunftsfelder nicht dazu führen, dass Innovationsaktivitäten außerhalb der Zukunftsfelder
nennenswert benachteiligt würden. Die grünen Blöcke unter den Themenfeldern symbolisieren
die in Sachsen gegenwärtigen Branchen, die diese Themen bereits jetzt adressieren.
In vielen Bereichen befassen sich Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen bei ihren
Innovationsaktivitäten bzw. bei ihrer Forschung mit neuen Technologien oder Problemlösun-
gen, die nur in Kombination mit anderen Erkenntnissen oder Technologien – oft auch aus ganz
anderen Forschungs- oder Technologiefeldern – in komplexen Systemen oder Vernetzungen
ihr wirtschaftliches Potenzial entfalten können. So tragen die einzelnen Unternehmen oder
Institute oft nur einzelne Bausteine zu der Lösung eines gesellschaftlichen Problems bei, da
die Umsetzung von ganzheitlichen Konzepten nicht gut gelingt. Um die tatsächliche Tauglich-
keit solch ganzheitlicher Ansätze unter realen Bedingungen zu prüfen, sollte erwogen werden,
entsprechende Systeme als große „Feldversuche“ unter Realbedingungen zu installieren. Dies
kann nur unter einer starken Koordination geschehen, unter freier Zusammenarbeit der Markt-
teilnehmer ist so etwas kaum realisierbar. Als Themenbereiche zur Zusammenführung von
Teilelementen aus Wissenschaft, Unternehmen und öffentlicher Administration in ganzheitli-
chen Systemen böten sich beispielsweise „Modellregionen-Mobilitätswende“ oder „CO
2
-neut-
rale Energieversorgung in Modell-Stadtquartieren“ an.

 
19
3. Wichtige Ergebnisse
Zu ausgewählten Themen werden in dieser Kurzfassung die wesentlichen Befunde vorgestellt.
Innovationsgeschehen in Sachsens Wirtschaft
Innovationsaktivitäten
Die Innovationsaktivitäten der Unternehmen in Sachsen weisen an einigen Stellen Besonder-
heiten im Vergleich zur deutschen Wirtschaft insgesamt sowie zu den anderen neuen Ländern
auf. Die hervorstechendste Besonderheit ist der hohe Anteil von Unternehmen mit kontinuier-
lichen internen FuE-Aktivitäten. Dieser steht in engem Zusammenhang mit der deutlich weiter
verbreiteten Förderung von FuE-aktiven Unternehmen in Sachsen. Außerdem ist der Anteil
der Unternehmen, die FuE-Aufträge an Dritte vergeben (FuE-Dienstleister, Hochschulen, For-
schungseinrichtungen), höher als im bundesweiten Durchschnitt. Allerdings unterscheidet sich
der Anteil von Unternehmen mit Produkt- oder Prozessinnovationen in Sachsen kaum von
dem in Deutschland insgesamt. Die stärkere Ausrichtung auf FuE schlägt sich also nicht in
einer höheren Innovationsbeteiligung nieder.
Die FuE-Ausgaben in Sachsen sind – gemessen am Umsatz des Wirtschaftssektors – trotz
des höheren Anteils von Unternehmen, die FuE betreiben, niedriger als im bundesweiten
Durchschnitt. Dies liegt primär daran, dass die Großunternehmen in Sachsen geringere FuE-
Ausgaben in Relation zum Umsatz aufweisen als Großunternehmen in den alten Ländern. Bei
KMU in Sachsen dagegen sind die FuE-Ausgaben in Relation zum Umsatz relativ hoch. Ins-
gesamt nimmt Sachsen eine Zwischenstellung zwischen dem stark von großen Konzernen
bestimmten FuE-System in den alten Ländern und dem stark von KMU bestimmten FuE-Sys-
tem in den anderen neuen Ländern ein. Aus sektoraler Sicht besonders augenfällig ist das fast
vollständige Fehlen von größeren FuE betreibenden Unternehmen im Automobilbau, die in
den alten Ländern das mit weitem Abstand höchste FuE-Ausgabenvolumen aufweisen. In
Sachsen liegen die sektoralen Schwerpunkte dagegen in den Branchen Software, Elektronik,
FuE-Dienstleistungen und Ingenieurbüros sowie Maschinenbau.
Für den Innovationserfolg der sächsischen Wirtschaft spielt der Automobilbau, gemeinsam mit
dem Maschinenbau, dagegen eine sehr große Rolle. Fast die Hälfte des Umsatzes, den säch-
sische Unternehmen mit Produktinnovationen erzielen, geht auf diese beiden Branchengrup-
pen zurück. Der sächsische Automobilbau weist dabei ein modernes, junges Produktportfolio
auf, dem allerdings nur in geringem Umfang eigene Entwicklungsaktivitäten vor Ort gegen-
überstehen; die Innovationsimpulse kommen aus den FuE-Abteilungen an anderen Standor-
ten.

 
20
Das wichtigste externe Innovationshemmnis für die Unternehmen in Sachsen ist aktuell der
Fachkräftemangel. Der Mangel an geeignetem Fachpersonal am Arbeitsmarkt hemmt jedes
fünfte sächsische Unternehmen stark. In den anderen neuen Ländern ist dieses Hemmnis
noch weiter verbreitet, in den alten Ländern dagegen seltener anzutreffen. Im Jahr 2017
konnte in Sachsen fast ein Viertel der offenen Stellen nicht besetzt werden. Das entspricht
1,8 % der Beschäftigung. Nicht innovierende Unternehmen waren dabei stärker betroffen als
Unternehmen mit Produkt- oder Prozessinnovationen.
Innovationsträger und Innovationsstrategien
„Innovationsträger“ sind Unternehmen, die mit ihren anspruchsvollen Innovationsstrategien die
Innovationsleistung der sächsischen Wirtschaft wesentlich bestimmen, neue innovative Lö-
sungen hervorbringen und damit ein Motor des innovationsbasierten Strukturwandels sind. Die
Messung von Innovationsträgern ist dabei nicht einfach, da je nach Markt und Technologiefeld
andere Innovationsstrategien für solche strukturverändernden Erneuerungsprozesse notwen-
dig sind. Zwei wichtige Merkmale von Innovationsträgern sind die
eigene, systematische und
substanzielle Befassung mit neuen Technologien
und die Hervorbringung von
Marktneu-
heiten
, d.h. Produktinnovationen, die ein neues Marktangebot darstellen. Der Anteil dieser
Unternehmen ist besonders hoch im Maschinen- und Fahrzeugbau (15 % aller Unternehmen)
und in der Elektroindustrie (12 % aller Unternehmen). Auf diese beiden Branchen entfallen
rund 45 % der rund 400 sächsischen Innovationsträger-Unternehmen. Eine größere Zahl sol-
cher Innovationsträger findet sich außerdem in den technischen und FuE-Dienstleistungen so-
wie den IT-Dienstleistungen. Diese Branchen sind auch für die sächsischen Zukunftsfelder
von großer Bedeutung.
Innovationsträger zeichnen sich durch eine hohe Kooperationsneigung, einen hohen Anteil
öffentlich geförderter Unternehmen, eine hohe Exportorientierung und eine überdurchschnitt-
liche Produktivität aus. Sie sind also nicht nur besonders innovativ, sondern auch wirtschaftlich
besonders erfolgreich.
Neben den FuE betreibenden Innovationsträgern können aber auch Unternehmen, die keine
eigene FuE-Tätigkeit aufweisen, anspruchsvolle Innovationsstrategien verfolgen. Diese kön-
nen anhand hoher Innovationsausgaben und der Einführung von Marktneuheiten identifiziert
werden. Solche nicht forschenden Innovationsträger gibt es in Sachsen nur etwa halb so viele
wie forschende Innovationsträger. Die nicht forschenden Innovationsträger sind deutlich klei-
ner als die forschenden, und sie sind vor allem außerhalb der forschungsintensiven Industrie
zu finden (Konsumgüter, Metallwaren, Grundstoffe und Materialbearbeitung).
Für den Produktinnovationserfolg der Unternehmen in Sachsen spielt die eigene FuE-Tätigkeit
eine besonders große Rolle. Zum einen bedeutet dies, dass forschende Unternehmen ihre

 
21
FuE-Ergebnisse effektiv in Umsatzerlöse im Markt umsetzen können. Zum anderen deutet es
aber auch auf Schwächen bei den nicht forschenden Unternehmen hin, die in Sachsen stärker
als in anderen Regionen gegenüber den forschenden Unternehmen zurückfallen. Dies liegt
vermutlich an der größeren Verbreitung einer FuE-basierten Innovationsstrategie (die u.a. ein
Ergebnis des umfangreichen Angebots an FuE-Förderung ist). Es ist zu vermuten, dass, nicht
zuletzt durch die breite FuE-Förderung in Sachsen, dort auch Unternehmen FuE betreiben,
die dies, hätten sie ihren Standort außerhalb des Freistaates, keine FuE-Tätigkeit aufweisen
würden.. Dadurch entfällt in Sachsen ein größerer Teil der Innovationserfolge auf die Gruppe
der forschenden Unternehmen, während die nicht forschenden Unternehmen zu einem gerin-
geren Teil innovationsstarke Unternehmen einschließen. Interessant ist dabei, dass die FuE-
Tätigkeit in Sachsen primär auf die produktseitigen Innovationserfolge positiv wirkt, während
der Einfluss auf den Prozessinnovationserfolg, anders als in anderen Regionen Deutschlands,
nicht signifikant ist.
Andere Ausgaben der Unternehmen, die mit dem Aufbau oder der Stärkung von Wissen zu-
sammenhängen, wie sonstige Innovationsausgaben sowie Ausgaben für Weiterbildung, Mar-
keting und Software/Datenbanken, spielen für den Innovationserfolg der sächsischen Unter-
nehmen eine sehr geringe Rolle. Dies ist in den alten Ländern und den anderen neuen Län-
dern zum Teil anders. Auch daran zeigt sich die starke FuE-Ausrichtung der Innovationsstra-
tegien der sächsischen Unternehmen. Wenngleich diese Ausrichtung zu höheren Innovations-
erfolgen beiträgt, so liegt die Vermutung nahe, dass bei den Investitionen in neues Wissen
jenseits von FuE gerade in Sachsen noch ein größeres Potenzial liegt (gerade auch bei nicht-
technischen Innovationen), um die Innovationsperformance der sächsischen Wirtschaft weiter
zu steigern.
Kooperationsverhalten
Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ist im Freistaat Sachsen gut etab-
liert. Im Zeitraum 2015-2017 haben rund 2.900 Unternehmen in insgesamt fast 7.800 Koope-
rationsprojekten mit Wissenschaftseinrichtungen zusammengearbeitet. Damit ist die Wissen-
schaftszusammenarbeit in Sachsen weiter verbreitet als in anderen Regionen Deutschlands.
Die Unternehmen nutzen dabei sehr unterschiedliche Kanäle für den Wissensaustausch.
Diese reichen von Forschungskooperationen, die in gemeinsame Publikationen münden, bis
zur informellen Zusammenarbeit. Die wichtigsten Partner auf Wissenschaftsseite sind Techni-
sche Universitäten, Fachhochschulen, Fraunhofer-Institute und gemeinnützige Industriefor-
schungseinrichtungen.
Mehr als die Hälfte der kooperierenden Unternehmen hat öffentliche Förderungen für die Wis-
senschaftszusammenarbeit genutzt. Die wichtigsten Förderprogramme hinsichtlich der Anzahl

 
22
der erreichten Unternehmen sind Bundesprogramme (ZIM, Fachprogramme inkl. Unterneh-
men Region). Landesförderungen und EU-Förderungen erreichen demgegenüber deutlich we-
niger Unternehmen. Die Interaktion zwischen Wirtschaft und Wissenschaft wird außerdem
über ein gut ausgebautes Netzwerk an intermediären Organisationen und Unterstützungsinf-
rastruktur gefördert.
Kooperationen von Unternehmen sind in Sachsen sehr stark regional ausgerichtet. Mehr als
80 % der Kooperationspartner der Unternehmen stammen aus dem Freistaat. Dies gilt für
Wissenschaftskooperationen ebenso wie für Innovationskooperationen mit Unternehmens-
Partnern. Für Wissenschaftseinrichtungen stellt sich dies s anders dar. Gemessen an den Ko-
Publikationen befinden sich die meisten Unternehmenspartner der sächsischen Wissenschaft
außerhalb des Freistaates.
Insgesamt verfolgt ein relativ hoher Anteil der innovationsaktiven Unternehmen in Sachsen
offene Innovationsprozesse, d.h. sie nutzen aktiv und breit externes Wissen und gehen häufi-
ger Innovationskooperationen mit externen Partnern ein. Im Vergleich zu anderen Unterneh-
men in Deutschland spielen nicht nur Kooperationen mit der Wissenschaft, sondern auch Ko-
operationen entlang der Wertschöpfungskette (d.h. mit Kunden) eine größere Rolle.
Internationale Position
Innovationsindikatoren
Im Regional Innovation Scoreboard der Europäischen Kommission, das die Innovationsleis-
tung von Regionen anhand von 13 Indikatoren untersucht, positionieren sich die sächsischen
Regionen im internationalen, europäischen Vergleich in der zweitstärksten Gruppe, den
„Strong Innovators“. Innerhalb dieser Gruppe sind die Regierungsbezirke Dresden und Leipzig
dem oberen Drittel zuzuordnen, während der Regierungsbezirk Chemnitz dem unteren Drittel
angehört. Darüber hinaus zeigen die Einzelindikatoren des
Regional Innovation
Scoreboards
, dass Sachsen eine relative
Stärke
bei der Anzahl von KMU mit Innovationsko-
operationen aufweist. Der sächsische Indikatorwert ist hier nicht nur gegenüber der EU, son-
dern auch im Vergleich zur stärksten Gruppe, den „Innovation Leaders“, überdurchschnittlich.
Außerdem erreicht Sachsen einen mit den „Innovation Leaders“ vergleichbar hohen Wert bei
den Einzelindikatoren „nicht-FuE-basierte Innovationsausgaben“, „intern innovierende
KMU“ und „Export von Mittel- und Hochtechnologiewaren“. Auffällig ist jedoch, dass Sachsen
zwar überdurchschnittlich hohe FuE-Ausgaben des Staatssektors, aber unterdurchschnittliche
FuE-Ausgaben des Unternehmenssektors aufweist. Außerdem ist in Sachsen der Anteil der
Bevölkerung mit Hochschulabschluss im Regionenvergleich eher niedrig.

 
23
Bei den drei zentralen Innovationsindikatoren „FuE-Aufwendungen“, „FuE-Personal“ und „Be-
schäftigte in innovationsorientierten Wirtschaftszweigen“ positioniert sich Sachsen stets über
dem europäischen Durchschnitt. Bei einer disaggregierten Betrachtung der FuE-Aufwendun-
gen und des FuE-Personals nach Sektoren wird deutlich, dass die geringfügig unterdurch-
schnittlichen Werte im Unternehmenssektor durch höhere Indikatorwerte im Hochschulsektor
sowie in der außeruniversitären Forschung kompensiert werden.
Wissenschaftliche Position in Zukunftsfeldern und Schlüsseltechnologien
Hinsichtlich der internationalen Position Sachsens in den einzelnen
Zukunftsfeldern
ist fest-
zustellen, dass sich Sachsens technologische Potenziale (gemessen über die Anzahl der Pa-
tentanmeldungen) im Zukunftsfeld Digitale Kommunikation seit ca. 2010 nur unterdurch-
schnittlich entwickelt haben. Im Hinblick auf die wissenschaftlichen Potenziale (gemessen über
die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen) konnte zwar der deutsche, nicht aber der
gesamteuropäische Trend übertroffen werden.
Eindeutig überdurchschnittlich entwickelten sich demgegenüber die wissenschaftlichen Poten-
ziale in den Zukunftsfeldern Gesundheit, Energie und Umwelt. Lange galt dies in den Feldern
Gesundheit und Energie auch für die technologischen Potenziale. Allerdings zeigen sich hier
im internationalen Vergleich Anzeichen einer negativen Trendwende. Im Zukunftsfeld Umwelt
haben sich die technologischen Potenziale schon seit einiger Zeit eher durchschnittlich entwi-
ckelt. Im Zukunftsfeld Mobilität hingegen zeigten sich lange Zeit im internationalen Vergleich
überdurchschnittliche Entwicklungen im technologischen Bereich, begleitet von lediglich
durchschnittlichen Entwicklungen im wissenschaftlichen Bereich.
Insgesamt durchschnittlich stellen sich demgegenüber die Entwicklungen im Zukunftsfeld
Rohstoffe dar. Die Entwicklung der wissenschaftlichen Potenziale liegt hier zwar noch über
dem deutschen, aber nicht mehr über dem europäischen Trend, und die Entwicklung der tech-
nologischen Potenziale ist jüngst stark zurückgegangen. Dies verdeutlicht den insgesamt für
den Rohstoffsektor in Deutschland zu beobachtenden Strukturwandel.
Hinsichtlich der
Schlüsseltechnologien
sind wissenschaftsseitig (Anzahl der Publikationen)
nur in den eher kleineren Bereichen Biotechnologie und Fortschrittliche Produktionstechnolo-
gien überdurchschnittliche Entwicklungen festzustellen, in der Mikro- und Nanoelektronik kam
es kürzlich zu einem erheblichen Rückgang. Technologieseitig (Anzahl der Patentanmeldun-
gen) finden sich in den Neuen Materialien und Photonik überdurchschnittliche Entwicklungen.
Jene in der Mikro- und Nanoelektronik sind hingegen schon seit einigen Jahren unterdurch-
schnittlich.
Während die Aktivitäten im wissenschaftlichen Bereich also entweder in etwa dem globalen
Trend entsprechen oder ihn sogar übertreffen, zeigen sich aus technologischer Perspektive

 
24
Anzeichen zunehmender Volatilität. So beispielsweise in den Zukunftsfeldern Energie, Mobili-
tät, Gesundheit und Rohstoffe; sie weisen einen Verlust an Dynamik auf. Oder auch in der
strukturellen Schwächung im Feld Digitale Kommunikation, das sich von der Insolvenz zentra-
ler FuE-Akteure nie ganz erholt hat. In den vergangenen Jahren hat also die vormals vorhan-
dene Dynamik in unterschiedlichen Bereichen nachgelassen bzw. wurde durch maßgebliche
Einzelereignisse beeinträchtigt.
Sachsens wissenschaftliche Position indes erscheint im Vergleich zur Technologieentwicklung
auch im internationalen Vergleich weitgehend stabil. Der Trend der wissenschaftlichen Publi-
kationstätigkeit ist in vielen Bereichen mindestens durchschnittlich, oft auch überdurchschnitt-
lich. Sachsen hält in verschiedenen Bereichen mit globalen wissenschaftlichen Entwicklungen
Schritt, darunter auch noch in jenen, in denen sich bis vor kurzem auch die technologischen
Aktivitäten in der Region nachhaltig positiv entwickelt hatten.
Regionale Unterschiede
Wissenschaftspotenziale
Sachsen weist nach wie vor eine starke Konzentration der wissenschaftlichen Aktivitäten auf
die drei Hauptstandorte Dresden, Leipzig und Chemnitz auf. Eine Ausnahme bildet lediglich
der Landkreis Mittelsachsen als Standort der TU Bergakademie Freiberg. Bei allgemeiner Be-
trachtung sticht aus wissenschaftlicher Perspektive unter den drei Hauptstandorten Dresden
als deutlich führend heraus, gefolgt von zunächst Leipzig und dann Chemnitz.
Auf Ebene der Teilregionen liegen die regionalen Unterschiede innerhalb Sachsens insgesamt
nicht über dem Schnitt vergleichbarer Flächenländer mittlerer Größe. Im Vergleich zu anderen
ostdeutschen oder norddeutschen Flächenländern sind sie durch die Verteilung auf immerhin
drei zentrale Standorte sogar vergleichsweise moderat.
Innovationsaktivitäten der Unternehmen
Die FuE- und Innovationsbeteiligung der Unternehmen weist in Sachsen erhebliche regionale
Unterschiede auf, die größer sind als für die Indikatoren zu den FuE-Aufwendungen und zum
FuE-Personal. Dies bedeutet, dass sich in der Gruppe der kleinen und mittleren Unternehmen,
die ganz wesentlich die Indikatoren zur FuE- und Innovationsbeteiligung bestimmen, beson-
ders starke Stadt-Land-Unterschiede zeigen. KMU in den ländlich geprägten Kreisen betrei-
ben deutlich seltener intern FuE auf einer kontinuierlichen Basis und führen weniger häufig
neue Produkte oder Prozesse ein.
Dessen ungeachtet bestehen allgemein erhebliche Unterschiede zwischen urbanen, semiur-
banen und ländlichen Räumen. Letztere weisen in der Regel nicht nur geringe Forschungs-

 
25
und Entwicklungsaktivitäten auf, sondern fallen, anders als z.B. in Regionen des deutschen
Südwestens, auch hinsichtlich unternehmerischer Innovationsaktivitäten merklich zurück.
Gründungsgeschehen in forschungs- und wissensintensiven Branchen
Im Vergleich zu den sonstigen neuen und zu den alten Bundesländern weist das Gründungs-
geschehen in Sachsen einige regionale Besonderheiten auf. In den alten Bundesländern fan-
den knapp 30 % aller Unternehmensgründungen der Jahre 2010-2017 in Großstädten statt, in
den neuen Ländern (ohne Sachsen) waren es lediglich 12 %. Sachsen sticht hervor, weil mehr
als 40 % aller Gründungen der betrachteten Jahre in den Großstädten Dresden, Leipzig und
Chemnitz zu verorten sind. Die Anteile von Gründungen in den Nicht-Großstädten und deren
Umlandgemeinden sowie in den ländlichen Gemeinden sind in Sachsen erheblich niedriger
als in den Vergleichsräumen.
Dieses Muster findet sich auch, wenn man die regionale Verteilung der Gründungen in den
forschungs- und wissensintensiven Wirtschaftszweigen
der letzten 8 Jahre betrachtet.
Das Gros der Gründungstätigkeit in den alten Bundesländern findet in den Ballungsräumen
statt (das sind die Großstädte und andere Städte). Die eher ländliche Prägung der neuen Bun-
desländer (ohne Berlin und Sachsen) spiegelt sich auch in der Gründungstätigkeit wider. Sach-
sen nimmt aufgrund seiner drei großen Agglomerationskerne und der demgegenüber eher
dünn besiedelten Gemeinden eine Sonderstellung ein. Während Hightech-Industrieunterneh-
men zu einem immerhin noch nennenswerten Anteil auch in ländlichen Regionen errichtet
werden, spielt sich das Gründungsgeschehen im technologieorientierten- und wissensintensi-
ven Dienstleistungsbereich hauptsächlich in Städten ab. In Sachsen ist die schiefe Verteilung
zugunsten seiner Großstädte besonders ausgeprägt: So sind 68 % der Softwareunternehmen,
56 % der technologieorientierten Dienstleistungen und 61 % der wissensintensiven Dienstleis-
tungen, die zwischen 2010 und 2017 gegründet wurden, in Dresden, Leipzig oder Chemnitz
ansässig.
Insbesondere für die Dienstleistungsbranchen findet sich das Muster einer sehr starken Kon-
zentration auf die großstädtischen Räume auch dann, wenn nicht die relative Verteilung der
Gründungen betrachtet wird, sondern die Gründungsintensitäten (Anzahl der Gründungen in
einer Branche in einer Regionenkategorie pro 10.000 Erwerbsfähige der Regionenkategorie)
nach den Gemeindetypen.
Diese Entwicklung führt in Sachsen dazu, dass die Unternehmensbestände in den ländlichen
Räumen weitaus stärker zurückgehen als in den urbanen Regionen. Die Diskrepanz in den
wirtschaftlichen Möglichkeiten zwischen städtischen und ländlichen Regionen nimmt weiter zu.
Das führt dazu, dass potenzielle Gründerinnen und Gründer aufgrund der geringen Anzahl an

26
gewerblichen und privaten Kunden sowie der vergleichsweise geringeren Chancen, bedarfs-
gerecht Arbeitskräfte zu finden, Standorte in den ländlichen Regionen zunehmend meiden.

 
27
4. Überlegungen zur Innovations- und Wirtschafts-
politik
In den vergangenen Jahrzehnten war in Sachsen die öffentliche Förderung von Forschung
und Entwicklung sowohl für wissenschaftliche Akteure als auch für innovierende Unternehmen
überaus bedeutsam. Nicht zuletzt aus den Europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESI-
Fonds) standen dem Freistaat hierzu Mittel in erheblicher Höhe zur Verfügung. Es ist davon
auszugehen, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird, wenn auch wegen der zu erwarten-
den Einschnitte in etwas geringerem Umfang. In ihrer Wirkung auf das regionale Innovations-
geschehen werden diese ergänzt durch Landesmittel sowie parallel zum Einsatz kommende
Bundesmittel. Für die Gesamtheit der auf Ebene des Freistaats zur Verfügung stehenden Ge-
staltungsmöglichkeiten gilt es, für die kommende Förderperiode eine zukunftsweisende Inno-
vationsstrategie zu entwerfen.
Die Analysen im Rahmen dieser Studie belegen, dass Sachsens Wissenschaft und Wirtschaft
in zahlreichen Wissenschafts- und Technologiefeldern über hohe FuE-Kompetenzen und Ex-
pertise verfügen. Zudem arbeiten viele sächsische Unternehmen mit anspruchsvollen Innova-
tionsstrategien an der Umsetzung dieser Kompetenzen am Markt. Dadurch kann für Sachsen
in etlichen technologischen Bereichen eine starke, teilweise auch führende, Position konsta-
tiert werden. Diese Stärke zeigt sich auch ganz wesentlich in thematischen Schwerpunkten
der Zukunftsfelder (gemäß der 2013er Innovationsstrategie des Freistaats Sachsen) und den
Schlüsseltechnologien.
Mit Blick auf die technologische Leistungsfähigkeit des Innovationstandorts Sachsen und die
Position der sächsischen Wirtschaft im Innovationswettbewerb auf den nationalen und inter-
nationalen Märkten spricht somit einiges für eine Innovationsstrategie, die einem Spezialisie-
rungsansatz folgt und auf diese Stärken setzt. Durch eine solche Strategie kann die Innovati-
onspolitik Entwicklungen anstoßen, welche die Durchsetzungskraft der sächsischen Innovati-
onsakteure auf den Märkten weiter festigt – gerade wegen der schon starken Position. Eine
Spezialisierungsstrategie, die vorhandene Ressourcen auf nicht zu viele, aber besonders er-
folgversprechende Optionen bündelt, lässt eben wegen der durch sie möglichen hohen Durch-
setzungskraft zunächst eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit und damit höhere Erträge er-
warten.
Allerdings birgt eine Strategie der Spezialisierung, wenn diese zu eng auf zu wenige Bereiche
ausgerichtet ist, auch Risiken, denn die Konzentration auf wenige technologische Bereiche
kann zu Abhängigkeiten von diesen und von den sie nutzenden Unternehmen führen. Kommt

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es aufgrund von externen Ursachen (Handelspolitik, Nachfrageänderungen, Umwelterforder-
nisse u.v.m.) zu nachhaltigen negativen Veränderungen, kann daraus dann ein Problem für
die Gesamtwirtschaft des Freistaats resultieren. Eine innovationspolitische Strategie sollte of-
fen genug sein und zu enge Spezialisierungen vermeiden, um nicht das Entstehen von Struk-
turen zu ermöglichen, die beharrend wirken könnten.
Die Befunde der Studie zeigen, dass sich unter dem Dach der Zukunftsfelder und der Schlüs-
seltechnologien bereits jetzt zahlreiche technologische und nicht-technologische Bereiche und
Geschäftsmodelle durch entsprechende Kompetenz bei den Innovationsakteuren als „Zielkor-
ridore“ einer Spezialisierungsstrategie anbieten. Gerade die Einbeziehung auch der Schlüs-
seltechnologien bietet einen hinreichend großen technologischen Raum dafür. Wichtig er-
scheint insbesondere die weitere Stärkung in den Bereichen Digitale Kommunikation, Software
und Webtechnologien, denen eine außerordentliche Querschnittsrelevanz für zahlreiche The-
menfelder in den anderen Zukunftsfeldern zukommt. Es sollte aber auch erfolgversprechen-
den Ansätzen an den Rändern, Schnittstellen und ggf. auch außerhalb der Zukunftsfelder und
Schlüsseltechnologien Aufmerksamkeit geschenkt werden und ihnen, falls sie Erfolgspotenzi-
ale aufweisen, eine Unterstützung nicht versagt werden. Hierbei kann die Verfolgung einer
„Related Variety“- Strategie, bei der die Unternehmen neue Strategien nahe bei den vorhan-
denen Stärken suchen, oder auch einer „Hidden-Champions“-Strategie (Kombination von
technologischer Kompetenz und Kundennähe in Nischenmärkten), bei der die konkrete Tech-
nologie auch außerhalb von typischen Spezialisierungsfeldern liegen kann, eine Rolle spielen.
Neben den, in der Gesamtschau positiven, Befunden zur Position des Innovationsstandorts
Sachsen insgesamt, hat die Studie auch gezeigt, dass sich die Innovationskapazitäten der
wissenschaftlichen Einrichtungen und auch die der innovationsstarken Unternehmen auf we-
nige Regionen Sachsens konzentrieren. Dies sind insbesondere die drei Großstädte Dresden,
Leipzig und Chemnitz sowie deren direktes Umland und einige wenige andere Städte. Die
Betrachtung der Gründungstätigkeit in den für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung be-
sonders wichtigen forschungs- und wissensintensiven Branchen folgt diesem Muster, die Kon-
zentration der Innovationskapazitäten wird durch eine Konzentration der Wirtschaftsaktivitäten
noch verstärkt. Zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg sehen die Gründer und Gründerinnen fast
nur in den urbanen Regionen, nicht im ländlichen Raum, wie ihre Standortentscheidungen für
die neuen Unternehmen zeigen. Dies hat auch seine Gründe. Die regionale Konzentration von
Innovationskapazitäten erleichtert Kooperationen zwischen den Innovationsakteuren und er-
weitert die Spillover-Optionen erheblich. Dies ist gerade für Strategien der Smart-Specialisa-
tion von Bedeutung, ist doch dafür eine kritische Mindestmasse an Innovationskapazitäten
nötig, die oft nur in den Konzentrationen der sächsischen Agglomerationsräume zu finden ist.

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Aus den Befunden kann durchaus ein Zielkonflikt für die Wirtschafts- und Strukturpolitik des
Landes resultieren. Wachstumsfördernde Innovationspolitik auf der einen Seite, welche eine
Stärkung der Kompetenzzentren fokussiert und klassische Regionalpolitik auf der anderen
Seite, die einen Abbau von Disparitäten als ein wesentliches Ziel verfolgt, verlangen unter-
schiedliche Strategien. Allerdings kann auch die Einbindung wichtiger Einzelakteure außer-
halb der Zentren Sachsens als ein wichtiger Beitrag zur Stärkung des (regionalen) Innovati-
onssystems insgesamt betrachtet werden.
Somit ist eine Politik gefragt, die in ihrer Gesamtheit darauf abzielt, die Vorteile von Speziali-
sierung und regionaler Konzentration mit dem Erfordernis der Entwicklung peripherer Regio-
nen in Einklang zu bringen. Wichtig ist hierbei nicht unbedingt, dass die Standorte von Inno-
vationskapazitäten breit über das Land verteilt sind, sondern dass die Unternehmen, For-
schungseinrichtungen und Arbeitskräfte ländlicher Regionen durch innovative Infrastruktur
und Vernetzung (moderne ÖPNV-Anbindung, Breitbandnetz, Mobilfunkstandard mindestens
4G) an die Entwicklung der Zentren angebunden sind. Das Ziel einer möglichst breiten regio-
nalen Verteilung der Standorte von Innovationskapazitäten sollte kein Selbstzweck sein. Statt-
dessen sollte versucht werden, bestehende Aktivitätsschwerpunkte und Kompetenzen ländli-
cher Regionen in die durch führende Zentren getriebene Entwicklung des Freistaats einzube-
ziehen bzw. einbezogen zu halten, um einer weiteren Verschärfung regionaler Disparitäten
vorzubeugen.
Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass sich sowohl der Zuschnitt der definierten
Zukunftsfelder als auch die von der EU benannten Schlüsseltechnologien nach wie vor für eine
Weiterentwicklung der Sächsischen Innovationsstrategie eignet. In den benannten Themen-
bereichen setzen die Zukunftsfelder an den bestehenden Kompetenzen der sächsischen In-
novationsakteure aus Wissenschaft und Wirtschaft an und bieten weiterhin vielfältige Zu-
kunftspotenziale.
In einer weiterentwickelten Innovationsstrategie sollten jedoch innerhalb der Zukunftsfelder an
aktuelle Entwicklungen angepasste thematische Konkretisierungen vorgenommen werden
und auch relevante potenzialträchtige Themen außerhalb der Zukunftsfelder und Schlüssel-
technologien berücksichtigt werden.