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Newsletter Wolf April / 11
1
Lausitzer Wölfe (Stand April 2011)
Aktuell sind in der Lausitz sechs Wolfsfamilien (Daubitzer-, Nochtener-, Milkeler-,
Daubaner-, Seenland- und Welzower-Rudel) und zwei Wolfspaare ohne Welpen
(Zschornoer- und Spremberger Wolfspaar) nachgewiesen. Davon leben fünf Rudel im
sächsischen Teil der Lausitz. Ein Rudel (Welzower Rudel) und eines der welpenlosen
Wolfspaare (Zschornoer Wolfspaar) leben im brandenburgischen Teil der Lausitz, das
zweite
Paar
(Spremberger
Wolfspaar)
hat
sein
Territorium
sowohl
auf
brandenburgischem als auch sächsischem Gebiet.
Im Sommer 2010 wurden 26 Wolfswelpen in den Lausitzer Rudeln gezählt, wie viele
davon aktuell noch am Leben sind, ist nicht bekannt.
Im Milkeler Revier wurde am 20.02.11 bei Bärwalde ein toter Wolfswelpe gefunden.
Der Welpe war zum Fundzeitpunkt vermutlich schon mehrere Wochen tot. Über die
Todesursache liegen noch keine Informationen vor. Der Kadaver wird am Institut für
Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW) untersucht.
Außerdem gab es seit Oktober 2010 drei Totfunde von erwachsenen Wölfen aus dem
Lausitzer Wolfsgebiet:
Am 29.10.2010 wurde der Rüde des Welzower Rudels (Süd-Brandenburg) auf der B97
kurz vor Groß Oßnig (südlich von Cottbus/ Südbrandenburg) überfahren. Bislang gibt
es noch keine Belege für die Anwesenheit eines neuen Rüden im Revier der
Welzower Wölfe.
Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz
Am Erlichthof 15 . 02956 Rietschen
Tel.: 035772 46762 . Fax: - 46771
E-Mail: kontaktbuero@wolfsregion-lausitz.de
Internet:
www.wolfsregion-lausitz.de
Aktuelles

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Newsletter Wolf April / 11
2
Am 16.01.11 wurde auf der B169 zwischen Senftenberg und Sedlitz (Landkreis OSL,
Süd-Brandenburg) das Vatertier des Milkeler Rudels (Sachsen) angefahren und von
einem Polizisten durch Fangschuss getötet. Der Unfall ereignete sich ca. 30 km
westlich des Territoriums des Rüden. Das Vatertier des Milkeler Rudels wurde
vermutlich von einem größeren, stärkeren Rüden verdrängt, der sich laut
Fotofallenaufnahmen und Spuren seit Anfang Januar im Milkeler Revier aufhält.
Am 27.02.11 wurde auf der B169, nördlich von Drebkau (Brandenburg, LK SPN), im
Randgebiet des Welzower Wolfsrudels, eine junge Wölfin von einem Auto angefahren
und schwer verletzt. Nach tierärztlicher Untersuchung und Abstimmung mit Fachleuten
wurde die Wölfin auf Anweisung der zuständigen Naturschutzbehörde eingeschläfert.
Aktuelle Wolfsnachweise außerhalb des bekannten Lausitzer Wolfsgebietes
Sachsen:
Außerhalb der Lausitz ist in Sachsen derzeit kein territoriales Wolfsvorkommen
bekannt. In drei Gebieten wurden innerhalb der letzten sechs Monate
Einzelnachweise erfasst:
Fotonachweis bei Burkau (Landkreis Bautzen)
Am 18.02.2011 wurde ein Wolf bei Burkau, ca. 20 km westlich des bekannten
Wolfsgebietes, von einem Bürger fotografiert. Danach gab es keine Wolfshin- oder
nachweise mehr aus diesem Gebiet. Möglicherweise handelte es sich um einen
jungen Wolf aus einem der Lausitzer Rudel, der sich auf Exkursion oder
Abwanderung befand.
Im Vorjahr gab es am westlichen Rand des Wolfsgebietes fast zur gleichen Zeit
ebenfalls Hinweise auf einen abwandernden Wolf. Nachdem dieser am 13.02.2010
bei Doberschütz (Landkreis Bautzen) fotografiert wurde, gingen mehrere Hinweise
(Sichtungen, Rehriss) aus dem Bereich östlich von Bautzen bis Schönbrunn ein, bis
sich seine Spur verlor.
Foto: Burkau 2011
Foto: Doberschütz 2010
Wolfsrisse in den Königshainer Bergen (Landkreis Görlitz)
In den Königshainer Bergen, die südlich an das Lausitzer Wolfsgebiet angrenzen,
wurden am 25.03.11 und 26.03.11 insgesamt 3 Mufflons gerissen. Die
Rissbegutachtungen ergaben, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um
Wolfsrisse handelt.
© T. Jordan

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Newsletter Wolf April / 11
3
Dahlener Heide (Landkreis Nordsachsen):
Aus der Region Dahlener Heide gibt es keine aktuellen Wolfshinweise. Bei Belgern
wurden im September 2010 zwei Losungen gefunden. Möglicherweise stammen die
Losungen von einer Exkursion des Wolfes, der im Herbst 2010 in der nahe gelegenen
Annaburger Heide (Dreiländereck Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, s. S. 5)
nachgewiesen wurde.
Brandenburg:
Außerhalb des bekannten Lausitzer Wolfsgebietes sind in Brandenburg sechs
Gebiete bekannt, in denen territoriale Wölfe leben. Reproduktion konnte dort bisher
nicht bestätigt werden, außer im Grenzgebiet zu Sachsen-Anhalt im Raum
Altengrabow (s. S. 4). In zwei weiteren Gebieten gibt es erst seit Kurzem bestätigte
Hinweise auf Wölfe. Darüber hinaus wurden innerhalb der letzten 6 Monate in zwei
Gebieten Einzelnachweise erfasst.
Lieberoser Heide
Im Bereich des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lieberose sind seit Dezember
2009 zwei Wölfe mehrfach über Fotofallen- und Videoaufnahmen, sowie Losungen
und Spuren nachgewiesen.
Ehemaliger Truppenübungsplatz Jüterbog
Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog südlich von Berlin ist seit Juni
2009 ein Wolfspaar über Fotofallenaufnahmen und Losungen nachgewiesen.
Truppenübungsplatz Brück/ Lehnin
Seit November 2009 gibt es bestätigte Hinweise (Losungen) auf die Anwesenheit von
zwei Wölfen. Im Januar 2010 gelang ein Fotofallennachweis. Bis Oktober 2010
wurden insgesamt 17 Losungsfunde erfasst.
Kyritz-Ruppiner Heide
Im Norden Brandenburgs auf dem Truppenübungsplatz Wittstock, an der Grenze zu
Mecklenburg-Vorpommern, ist seit April 2009 ein einzelner Wolf nachgewiesen. Das
Revier des Wolfes erstreckt sich vermutlich bis nach Mecklenburg-Vorpommern.
Raum Seese (LK OSL)
Im Bereich des ehemaligen Tagebaus Seese nördlich von Calau gibt es seit August
2010 bestätigte Wolfshinweise in Form von mehreren Losungen. Der aktuellste
bestätigte Hinweis ist vom Februar 2011.
Raum Altdöbern (LK OSL)
Aus dem Bereich des ehemaligen Tagebaus Greifenhain am nordwestlichen Rand des
bekannten Wolfsgebietes liegen aus dem Winter 2010/2011 bestätigte Wolfshinweise
auf Wölfe vor.
Annaburger Heide und Truppenübungsplatz Altengrabow
siehe Dreiländereck Sachsen-Anhalt/ Sachsen/ Brandenburg (S. 5) bzw. Sachsen-
Anhalt (S. 4)

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Newsletter Wolf April / 11
4
Fotonachweis bei Märkisch Buchholz (LK Dahme Spreewald)
Bei Märkisch Buchholz ca. 10 km östlich der A 13 wurde am 09.12.10 ein Wolf von
einem
Jäger
fotografiert.
Danach
wurden
aus
dem
Gebiet
mehrere
Sichtungsmeldungen erfasst.
Ansprechpartner zum Thema Wolf in Brandenburg:
Steffen Butzeck, Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
Steffen.Butzeck@LUGV.Brandenburg.de
Tel: 0355-4991 1343, 035603-69123
Mobil: 0174-1790316
Sachsen-Anhalt:
In Sachsen-Anhalt sind zwei Gebiete mit Wolfsvorkommen bekannt. Diese Gebiete
befinden sich jeweils im Grenzbereich des Bundeslandes, sie erstrecken sich auf
benachbarte Bundesländer (Brandenburg bzw. Sachsen).
Truppenübungsplatz Altengrabow
Im Bereich des aktiv genutzten Truppenübungsplatz Altengrabow lebt das einzige
nachgewiesene Wolfsrudel außerhalb der Lausitz. Auf dem Truppenübungsplatz, der
sich ca. zu zwei Dritteln in Sachsen-Anhalt und zu einem Drittel im Land Brandenburg
befindet, wurden die ersten bestätigten Hinweise im Januar 2009 gefunden,
wahrscheinlich
ist
jedoch
schon
ein
im
September
2008
südlich
des
Truppenübungsplatzes gerissenes Schaf den Altengrabower Wölfen zuzuordnen. Die
erste Bestätigung von Welpen wurde im Sommer 2009 per Fotofallenaufnahme
erbracht. Es wurden mindestens 5 Welpen aufgezogen, die noch bis zum Frühjahr
2010 mit Fotofallenaufnahmen nachweisbar waren.
Im Sommer 2010 wurden mindestens acht (wahrscheinlich 9) Welpen geboren.
Regelmäßig wird das Rudel durch Fotofallenaufnahmen, Spuren und Losungen
bestätigt. Anfang März 2011 wurden im nahe gelegenen Gollbogen bei Zerbst
(Sachsen-Anhalt, Landkreis Anhalt-Bitterfeld) 27 Schafe wahrscheinlich von Wölfen
gerissen.
Einzelnachweise:
Fotofallennachweis bei Klein Marzehns
(LK Potsdam-Mittelmark)
Im Westen Brandenburgs, unmittelbar an der
Grenze zu Sachsen-Anhalt südlich der A9 nahe
der Abfahrt Klein Marzehns, wurde am 15.09.10
ein Wolf mit einer automatischen Kamera
fotografiert (Fotofalle). Die Entfernung zu den
nächstgelegenen
bekannten
Vorkommens-
gebieten (TÜP Altengrabow in Sachsen-Anhalt,
TÜP Lehnin u. Jüterbog in Brandenburg) beträgt
jeweils ca. 30 km Luftlinie.
© Karl-Heinz Schriefer

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Newsletter Wolf April / 11
5
Im Rahmen eines bis 2012 angelegten Telemetrie-Projekts in der Trägerschaft des
Landesamtes für Umweltschutz (LAU), wurden im März 2011 zwei junge Wölfinnen
des Altengrabower Rudels mit GPS-GSM-Halsbandsendern versehen (FT5 und FT6).
Mit der Projektdurchführung wurde das Wildbiologische Büro LUPUS beauftragt.
Aktuelle
Informationen
zum
Projekt
sind
unter
http://www.sachsen-
anhalt.de/index.php?id=48565
zu finden.
Annaburger Heide
Siehe Dreiländereck Sachsen-Anhalt / Sachsen / Brandenburg (s. unten)
Ansprechpartner zum Thema Wolf in Sachsen-Anhalt:
Andreas Berbig, Landesverwaltungsamt, Referenzstelle Wolf
andreas.berbig@lvwa.sachsen-anhalt.de
Tel: 039321-51832, Mobil: 0173-8221752
und
Dr. Martin Trost, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Martin.Trost@lau.mlu.sachsen-anhalt.de
Tel: 0345-5704 670
Dreiländereck Sachsen-Anhalt / Sachsen / Brandenburg
Annaburger Heide
Seit Herbst 2010 ist in der Annaburger Heide ein einzelner Wolf u.a. durch Film - und
Fotoaufnahmen nachgewiesen. Erste Hinweise durch Bundesforstmitarbeiter gehen
zurück bis auf das Frühjahr 2010, erste bestätigte Hinweise stammen aus dem
August 2010. Die bislang letzten Fotofallenaufnahmen liegen aus dem November
2010 vor, hinzu kommen mehrere Sichtungen Anfang 2011.
Mecklenburg-Vorpommern:
In Mecklenburg-Vorpommern sind drei Gebiete bekannt, in denen territoriale Wölfe
leben. Reproduktion konnte bisher in keinem dieser Gebiete bestätigt werden.
Ueckermünder Heide
Seit 2007 gibt es in der Ueckermünder Heide, im Osten Mecklenburg-Vorpommerns,
durchgehend Nachweise bzw. bestätigte Hinweise eines Wolfes. Bilder aus 2010
zeigen, dass es sich um einen Rüden handelt. Die letzte Fotofallenaufnahme ist vom
März 2011.
Lübtheener Heide
In der Lübtheener Heide im Westen des Landes gibt es seit 2006 Hinweise auf die
Anwesenheit eines Wolfes, 2007 gelang der genetische Nachweis. Seit März 2008
wurde ein einzelner Wolfsrüde über Fotofallenaufnahmen, Spuren, Losungen und
Risse nachgewiesen.
Müritzregion
Im
Grenzbereich
zwischen
Brandenburg
und
Mecklenburg Vorpommern in der Region Kyritz-
Ruppiner Heide wurden seit Mitte 2010 sechs Wolf-
Übergriffe auf Gatterwild und Schafherden bekannt.

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Newsletter Wolf April / 11
6
Mitte Februar 2011 wurde ein Wolf im Landkreis Müritz in unmittelbarer Nähe eines
Gatters, in dem Ende Januar 2011 drei Rentiere gerissen wurden, mit einer vom WWF
gesponserten automatischen Kamera bestätigt.
Vermutlich handelt es sich dabei um den Wolf der in der Kyritz-Ruppiner Heide in
Brandenburg nachgewiesen wurde (s. S. 3).
Ansprechpartner zum Thema Wolf in Mecklenburg-Vorpommern:
Kristin Zscheile, Landesamt für Umwelt Naturschutz und Geologie
kristin.zscheile@lung.mv-regierung.de,
Tel: 03843-777 215
und
Norman Stier, TU Dresden - Forstzoologie, AG Wildtierforschung
stier@forst.tu-dresden.de
Mobil: 0171-4859789
Niedersachsen
Ende März wurde ein Wolf südlich von Hamburg bei Maschen (LK Harburg)
fotografiert. Vermutlich handelte es sich um einen Jungwolf auf Wanderschaft. Das
nächste bekannte Wolfsrudel befindet sich ca. 190 km entfernt in Sachsen-Anhalt im
Bereich des Truppenübungsplatzes Altengrabow.
Ansprechpartner zum Thema Wolf in Niedersachsen s. unten
Dreiländereck Hessen / Nordrhein-Westfalen
/ Niedersachsen:
Reinhardswald
Am 14.04.2011 wurde bekannt, dass der Reinhardswald Wolf tot aufgefunden wurde.
Der Kadaver wird veterinärmedizinisch untersucht.
Aus dem hessischen Reinhardswald gab es 2006 erste Hinweise auf einen Wolf. Seit
2008 wurde der Wolf über Fotos, Schafsrisse und Losungsfunde regelmäßig bestätigt.
Die genetische Untersuchung von Kot- und Haarproben, die das Senckenberg-Institut
in Gelnhausen im Auftrag der zuständigen Behörden vornahm, ergab, dass es sich um
einen männlichen Wolf handelte, der aus dem Lausitzer oder westpolnischen
Wolfsvorkommen stammt.
Im September 2008 wurde im angrenzenden niedersächsischen Solling ein Wolf
fotografiert. Im November 2008 gab es einen Übergriff auf eine Schafherde im Süd-
Solling, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einem Wolf zugeordnet wurde.
Im westlich an den Reinhardswald angrenzenden Nordrhein-Westfalen, unweit der
hessischen und niedersächsischen Grenze, wurden im November 2009 Schafsrisse
genetisch dem Wolf aus dem Reinhardswald zugeordnet.
Ansprechpartner zum Thema Wolf in Niedersachsen:
Bärbel Pott-Dörfer, Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten-
und Naturschutz
baerbel.pott-doerfer@nlwkn-h.niedersachsen.de
Tel: 0511-3034 3201, 05532-4538, Mobil: 0170-9488161
und
Britta Habbe, Wolfsbeauftragte Landesjägerschaft Niedersachsen
bhabbe@ljn.de
Mobil: 0511-5304318

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Newsletter Wolf April / 11
7
Hessen
Außerhalb des hessischen Reinhardswaldes (s.o. Dreiländereck Hessen / Nordrhein-
Westfalen / Niedersachsen) gab es im Januar 2011 in Hessen einen Einzelnachweis
im Landkreis Gießen.
Gießen
Am 09.01.11 wurde in Mittelhessen zwischen dem Gambacher Kreuz und Linden ein
Wolf von einem Auto angefahren, das Tier flüchtete nach der Kollision. Die
genetische Untersuchung von zwei Haarproben, die am PKW gesichert wurden,
durch das Senckenberg-Institut Gelnhausen ergab, dass es sich mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit um einen Wolf handelt, der aus der italienisch-
schweizerisch-französischen Population stammt. Nach dem Unfall wurden mehrere
Sichtungen eines offenbar verletzten Wolfes in der Region Gießen gemeldet, einen
bestätigten Hinweis oder Nachweis gibt es seither nicht.
Ansprechpartner zum Thema Wolf in Hessen:
Susanne Jokisch, Hessenforst FENA
Mobil: 0170-4488522
und
Dr. Norbert Teuwsen, Forstamt Reinhardshagen
Mobil: 05544- 951011
Bayern:
In Bayern ist ein Gebiet mit territorialem Wolfsvorkommen bekannt.
Bayrischzell / Wendelstein
Im Bereich Bayrischzell in Oberbayern gibt es seit Mai 2010 bestätigte Hinweise auf
die Anwesenheit eines Wolfes (Nutztierrisse). Erste unbestätigte Hinweise in Form
von Wildrissen gab es bereits seit Dezember 2009. Die Auswertung genetischer
Proben (u.a. Speichelproben an Rissen) ergab, dass es sich um einen Rüden
handelt, der aus Italien zugewandert ist. Das Tier wurde zuvor im Juni 2009 in
Graubünden (Schweiz) und im November 2009 in Vorarlberg (Österreich)
nachgewiesen. Der aktuellste bestätigte Wolfshinweis aus dem Gebiet Bayrischzell
ist ein Schafsriss im September 2010.
Ansprechpartner zum Thema Wolf in Bayern:
Manfred Wölfl, Bayerisches Landesamt für Umwelt
manfred.woelfl@lfu.bayern.de
Tel: 09281-18004653

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Newsletter Wolf April / 11
8
Ausland: Situation der Wölfe in Schweden (Überblick, Stand April 2011)
Die Freigabe zum Abschuss von 28 Wölfen Anfang 2010 und weiteren 20 Wölfen
Anfang 2011 durch das schwedische Umweltministerium, im Rahmen einer so
genannten „licensjakt", löste kontroverse Diskussionen über das schwedische
Wolfsmanagement aus, nicht nur in Schweden, sondern auch in Deutschland.
Anlässlich dieser aktuellen Diskussion soll die Situation des Wolfes in Schweden
beleuchtet werden.
1. Ausrottung und Rückkehr / Aktuelles Vorkommen
Noch in den 1820er Jahren lebten in Schweden ca. 4000 bis 5000 Wölfe. Es gab
reproduzierende Wölfe fast bis zur Südspitze Schwedens. Nach einem regelrechten
Ausrottungsfeldzug war der Wolf in den 1870er Jahren in den heutigen
Wolfsgebieten Mittelschwedens so gut wie ausgerottet, letzte Exemplare gab es in
Nordschweden. Einzelne Tiere wanderten immer wieder aus den russisch-finnischen
Grenzgebieten dort ein.
Hundert Jahre später, 1966, wurde der Wolf in Schweden unter Schutz gestellt
(Norwegen: 1972), reproduzierende Paare gab es in Skandinavien nicht mehr. Die
Gesamtzahl der Wölfe lag vermutlich unter zehn. In den 70er Jahren wurden
gelegentlich Einzelwölfe in Schweden und im angrenzenden Norwegen festgestellt.
1978 gab es im nördlichsten Zipfel Schwedens die erste Reproduktion, sie blieb eine
Ausnahme: Von diesem Wolfspaar und seinen Welpen blieben nur Einzeltiere übrig,
die sich verstreuten. Im Jahr 1980 wanderte ein Wolfspaar aus der russisch-
finnischen Population ein und zog in den Jahren 1983 bis 1985 in Mittelschweden
alljährlich Welpen auf. 1985 wurde die Fähe erschossen, im darauf folgenden Winter
verschwand der Rüde. Danach gab es Verpaarungen von Geschwistern.
Über viele Jahre blieb die Anzahl der Wölfe trotz ausreichender Nahrung sehr niedrig
(in den 80er Jahren nie mehr als 10 Wölfe im Winter), es gab verstreute Einzeltiere,
aber bis 1990 nur ein reproduzierendes Paar.
Im Jahr 1991 wurden zwei reproduzierende Paare nachgewiesen. Der Rüde des
zweiten Paars war aus der finnisch-russischen Population neu eingewandert. Diese
Zuwanderung brachte ein Wachstum der Gesamtzahl auf 39 Tiere bis 1995/96,
allerdings blieb es bis dahin bei zwei reproduzierenden Paaren. In den folgenden 10
Jahren gab es weitere Rudelbildungen wobei alle Tiere eine enge Verwandtschaft
aufwiesen. Erst 2007/2008 kamen zwei neue Einwanderer aus der finnisch-
russischen Population hinzu, die zwei neue Rudel etablierten. Im Jahr 2009 gab es in
Skandinavien 26 Reproduktionen (Abb. 1). Hinzu kamen 21 bis 24 reviermarkierende
Paare ohne Nachwuchs. Die geschätzte Gesamtzahl an Wölfen lag vor der Jagd des
Jahres 2011 bei 252 bis 291, von denen 219 bis 251 ganz oder teilweise in
Schweden zu Hause waren (die übrigen in benachbarten Gebieten Norwegens).
Info
Abb. 1:
Entwicklung des Wolfsbestandes in Skandinavien*:
Anzahl der Reproduktionen
* Norwegen und Schweden, Sverige = Schweden;
Quelle: Viltskadecenter

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Newsletter Wolf April / 11
9
2. Inzuchtprobleme
Alle ca. 150 Wölfe, die 2007 in Schweden lebten, stammten von nur drei Vorfahren.
Der so genannte Inzuchtkoeffizient lag deutlich über 0,25, d.h. all diese Wölfe waren
näher miteinander verwandt als leibliche Geschwister. Inzuchterscheinungen wie
geringere Lebensdauer, geringe Wurfgröße und andere traten auf. 2007 erreichten
zwei neue finnisch-russische Wölfe das Gebiet. Beide haben 2008 bis 2010
alljährlich Würfe gehabt und die genetische Situation leicht verbessert. Dass nicht
mehr Wölfe einwandern, liegt nicht an der weiten Strecke (ca. 1000 km), sondern
daran, dass sie in der Regel im Rentiergebiet abgeschossen werden (vgl.
Schutzjagd, s.u.). Es gab mehrere erfolglose Versuche.
3. Konflikte
3.1. Übergriffe auf Nutztiere
Die Erholung des Wolfsbestandes wurde von Beginn an durch intensive
Aufklärungsarbeit mit persönlicher Betreuung und Information der Nutztierhalter über
vorbeugende Maßnahmen begleitet. Die Zahl der Schäden stieg immer dann
überproportional, wenn einzelne Wölfe in Gebieten auftauchten, in denen
Nutztierhalter noch nicht darauf eingestellt waren. Abb. 2 zeigt die Anzahl aller von
1997 bis 2010 durch Wölfe angegriffenen Nutztiere. Es waren fast ausschließlich
Schafe („Får“). Dagegen spielten Rinder („Nöt“), Pferde („Häst“) und Ziegen (Get)
praktisch keine Rolle, obwohl zumindest Rinder und Pferde in großer Zahl im
Wolfsgebiet gehalten werden.
Eine Sonderstellung nehmen die Rentiere ein. Diese werden von den Samen, deren
Gemeinden sich im gesamten Nordschweden und in Teilen Dalarnas befinden,
gehalten. Für Wölfe sind sie eine leichte Beute. Auch das Verhalten der Rene wird
durch Wölfe stark beeinflusst. Die Tiere werden weit versprengt, so dass das
Einfangen für die Markierung der Kälber und für die Schlachtung erheblich
aufwändiger, nach Meinung der Samen sogar völlig unwirtschaftlich wird.
Abb. 2: Anzahl durch den Wolf angegriffener Nutztiere in den Jahren 1997 bis 2010 Quelle:
Viltskadecenter
3.2. Übergriffe auf Jagdhunde
Bei der Elchjagd, welche in Schweden einen herausragenden gesellschaftlichen und
persönlichen Stellenwert hat, bewegen sich die zum Einsatz kommenden Hunde oft
über weite Strecken frei und ohne Einwirkung des Besitzers. Wenn diese - oft sehr
teuren - Hunde auf Wölfe stoßen und versuchen, den Wolf zu stellen, ziehen sie den
Kürzeren. Die Anzahl vom Wolf getöteter Hunde schwankt, aber sie steigt tendenziell
mit Anzahl der Wölfe (vgl. Abb.3, 2008 ca. 40 Hunde, 2009: 48, 2010: 21). Die Wut
der Besitzer ist meist erheblich und wird kollektiv geteilt.

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Newsletter Wolf April / 11
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Abb. 3: Anzahl der durch geschützte Beutegreifer angegriffenen Hunde in den Jahren 1997 bis 2010
Björn = Bär; Kungsörn = Steinadler; Lodjur = Luchs; Varg = Wolf; Quelle: Viltskadecenter
4. Der Wolf als Symbol für einen Stadt-Land-Konflikt
In den ländlichen schwedischen Wolfsgebieten begegnen Teile der Bevölkerung dem
Wolf und der Politik, die seine Bestandserholung ermöglichte, schon seit dem ersten
neuen Rudel mit Unverständnis, Angst, Aggressivität und Hass. Der Wolf wird hier oft
gar nicht mehr als das Tier wahrgenommen, das er tatsächlich ist (mit den realen
Konflikten, die seine Präsenz mit sich bringt), sondern als Symbolfigur für eine
Politik, die auch in anderer Hinsicht schon seit langer Zeit als Fremdbestimmung und
fundamentaler Angriff auf die eigene, selbstbestimmte Lebensweise empfunden wird.
Eine Gruppe von Politikern nutzte diese Stimmung für ihren Wahlkampf und
versprach eine „Neue Raubtierpolitik“ mit Begrenzung von Wolf, Luchs und Bär und
stärker regionalisierten Zuständigkeiten. Diese neue Raubtierpolitik wurde nach dem
Gewinn der Wahlen im Reichstag beschlossen. Für den Wolf heißt dies vor allem:
Die Gesamtzahl soll durch „licensjakt“ auf maximal 210 Tiere begrenzt werden.
Mindestens 20 Reproduktionen pro Jahr sollen dabei sicher gestellt bleiben.
Um den genetischen Status zu verbessern, sollen höchstens 20 Wölfe aus der
russisch-finnischen Population neu eingeführt werden.
Die Politik und ein Teil der Wolfswissenschaftler versprechen sich hiervon eine
erhöhte Akzeptanz für den Wolf.
5. Wolfsmanagement
Schweden betreibt von Beginn der Wiederbesiedlung an ein sehr aufwändiges,
intensives
und
kostspieliges
Monitoring-
und
Forschungsprogramm.
Das
Wolfsmanagement sieht zur Minimierung von Konflikten unter anderem auch eine
Bejagung von Wölfen unter bestimmten Voraussetzungen vor. Eine derzeit wichtige
Zielstellung
ist
zudem
die
Verbesserung
der
genetischen
Situation
der
Wolfspopulation.
5.1. Jagd
Bei der so genannten
„Schutzjagd“ werden von der zuständigen Behörde
Abschussgenehmigungen für Wölfe erteilt, die z.B. ein sehr vertrautes Verhalten
zeigen, immer wieder Schafe reißen, sich an Rentieren vergreifen oder sich auf das
Töten von Hunden „spezialisiert“ haben. Das betreffende Individuum wird gezielt
gesucht und getötet. In Skandinavien wurden 2010 16 Wölfe bei Schutzjagden
geschossen: 5 in Norwegen, 11 in Schweden (Quelle: Skandulv 21.12.2010;
http://skandulv.nina.no/Nyhetsarkivoginfobrev/Artikkel/tabid/2350/ArticleId/1047/Info-
fran-Skandulv.aspx).

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Newsletter Wolf April / 11
11
Zudem wurde im Rahmen der „Neuen Raubtierpolitik“ die umstrittene „licensjakt"
eingeführt, die bislang zwei Mal (2010, 2011) stattfand. Es handelt sich dabei um
eine Quotenjagd mit einem jeweils neu festgelegten, streng einzuhaltenden Limit,
das sich am Zuwachs der Wolfspopulation, an der Anzahl der bei Schutzjagden
getöteten Wölfe, an der sonstigen Sterblichkeit und an der Zielstärke von 210 Wölfen
orientiert. Die Gesamtquote wird zu bestimmten Anteilen auf die Provinzen verteilt,
berücksichtigt wird dabei unter anderem, dass in den Revieren neu eingewanderter
„genetisch wertvoller“ Wölfe nicht gejagt werden darf. Strenge Regularien sollen bei
Strafandrohung sicherstellen, dass für jede Provinz die Maximalzahl nicht
überschritten wird. Bei der Jagd 2010 hat dies nicht optimal funktioniert, statt der
genehmigten 27 wurden 28 Wölfe geschossen, 2011 dagegen 19 statt 20.
5. 2. Verbesserung der genetischen Konstitution
Zur Verbesserung der genetischen Konstitution werden derzeit vom schwedischen
Umweltministerium verschiedene Möglichkeiten überprüft, darunter das Umsiedeln
von finnisch-russischen Einwanderern aus dem Rentiergebiet, das Einfangen in
Finnland mit anschließendem Aussetzen und das Aussetzen von genetisch
überprüften Zootieren. Es gibt zahlreiche Probleme, an deren Lösung gearbeitet
wird, z.B.:
-
Es gibt nicht viele Wölfe, die ins Rentiergebiet einwandern.
-
Seuchenhygienische Vorschriften fordern eine lange Quarantäne finnischer
Tiere in einem geeigneten Gehege.
-
Das Aussetzen könnte heftige Auseinandersetzungen mit den territorialen
Tieren mit sich bringen.
-
Finnische Stellen sind gegen ein Einfangen finnischer Wölfe.
-
Schwedische Zoo- und Tierparkbesitzer sind aus verschiedenen Gründen
gegen eine Verwendung ihrer Tiere.
Ein weiteres Problem ist die geringe Akzeptanz für das Einführen von Wölfen bei
einem Teil der Bevölkerung insbesondere bei Jägern.
5.3. Vertragsverletzungsverfahren bei der EU
Auf
Initiative
von
vier
schwedischen
Naturschutzverbänden
hat
der
Umweltkommissar der EU, Jan Potocnik, wegen der Wolfsjagden 2010 und 2011 ein
Vertragsverletzungsverfahren
gegen
Schweden
eingeleitet.
Zurzeit
werden
Argumente ausgetauscht. Hauptargumente des schwedischen Umweltministers sind
die angebliche Akzeptanzsteigerung für den Wolf durch die Jagd sowie die mit der
neuen Wolfspolitik verknüpfte Verbesserung der genetischen Situation durch das
Einführen frischer Wölfe. Ob so - „am Tropf“ genetischer Hilfsmaßnahmen bei
gleichzeitiger Reduktion der Anzahl - der durch das EU-Recht geforderte „günstige
Erhaltungszustand“ hergestellt werden kann, ist ein entscheidender Streitpunkt. Der
günstige Erhaltungszustand, d.h. die Wahrscheinlichkeit des Langzeit-Überlebens
der Population, ist derzeit nicht gesichert. Sie hängt sowohl von der Ausweitung der
genetischen Basis (Vielfalt) als auch der Größe der Population ab.
Quelle:
Dörfer, Karsten (2011): Situation der Wölfe in Schweden, unveränderter
Originalbeitrag im Internet:
http://www.wolfsregion-lausitz.de/infomaterialnewsletterdownloads/newsletter

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Newsletter Wolf April / 11
12
Zehn Jahre Wolfsvorkommen in der Lausitz – Ein Überblick
Sachsen ist derzeit das deutsche Bundesland mit der längsten Erfahrung im
Zusammenleben mit Wölfen. Seitdem erstmals wieder wildlebende Wölfe in der
sächsischen Lausitz Nachwuchs aufzogen sind 10 Jahre vergangen. Die beiden aus
Polen zugewanderten Wölfe, die im Jahr 2000 das erste Wolfsrudel (Muskauer Heide
Rudel) gründeten, leben nicht mehr. Nach genetischen Ergebnissen hörte das
Muskauer Heide-Rudel im Jahr 2005 auf zu existieren. Einige ihrer Nachkommen
haben in den Folgejahren, mit weiteren aus Polen zugewanderten Wölfen, freie
Territorien besetzt und Rudel gegründet. Die natürliche Wiederbesiedlung eines Teils
der Lausitz durch den Wolf vollzieht sich inzwischen über drei Wolfs-Generationen.
Die Reviere der Lausitzer Wölfe grenzen aneinander an und bilden ein
geschlossenes Vorkommensgebiet, das sich über ca. 2500 Quadratkilometer
nördlich der A 4 in Sachsen bis zur A 15 in Süd-Brandenburg erstreckt. Im Lausitzer
Wolfsgebiet sind derzeit sechs Rudel und zwei welpenlose Wolfspaare
nachgewiesen – insgesamt besteht der Bestand aus etwa 35-60 Wölfen.
Das
Sächsische
Wolfsmanagement
hat
sich
in
Folge
der
wachsenden
Wolfspopulation und den damit einhergehenden Herausforderungen in seinen
wichtigsten Aufgabenbereichen, dem Monitoring, dem Herdenschutz und der
Öffentlichkeitsarbeit,
weiterentwickelt.
Eine
wichtige
Maßnahme
in
diesem
Zusammenhang war die Erarbeitung des Managementplanes für den Wolf in
Sachsen, der im Mai 2009 veröffentlicht wurde.
Geburten und Todesfälle
Seit der ersten Rudelgründung im Jahr 2000 wurden in der Lausitz 136 Wolfswelpen
nachgewiesen. Die Anzahl der Wolfswelpen pro Wurf schwankte zwischen mind. 2
und 8 (Tab.1).
Wie bei den meisten Wildtieren ist beim Wolf die Sterbewahrscheinlichkeit innerhalb
des ersten Lebensjahres am höchsten. Von den fünfzehn toten Wölfen, die seit 2000
im Lausitzer Wolfsgebiet gefunden wurden, waren elf Wölfe weniger als ein Jahr alt
(Tab. 2). Sicherlich gab es außer den erfassten Totfunden noch weitere Verluste.
Info
Tab. 1: In der Lausitz nachgewiesene Wolfswelpen nach Jahren und Wolfsrudeln geordnet.
Jahr
Anzahl der
Wolfsrudel
Muskauer
Heide Rudel
Neustädter
Rudel
Nochtener
Rudel
Daubitzer
Rudel
Daubaner
Rudel
Milkeler
Rudel
Welzow er
Rudel
Seenland
Rudel
Gesamtzahl
Welpen
2000
1
4
4
2001
1
mind. 2
mind. 2
2002
1
mind. 3
mind. 3
2003
1
5
5
2004
1
mind. 2
mind. 2
2005
2
5
5
10
2006
3
6
8
mind. 4
mind. 18
2007
3
8
5
4
17
2008
5
5
8
mind. 2
mind. 3
mind. 4
mind. 22
2009
6
8
mind. 2
mind. 3
3
6
5
mind. 27
2010
6
4
mind. 3
mind. 5
5
6
3
mind. 26
Summe
mind. 16
24
38
mind. 15 mind. 11 mind. 12
12
8
mind. 136

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Newsletter Wolf April / 11
13
Die meisten tot aufgefunden Wölfe waren Verkehrsopfer (11 Wölfe), darunter 7
Welpen und 4 erwachsene Wölfe. Von den 4 erwachsenen Wölfe wurden 3 auf einer
dreispurigen Bundesstraße überfahren (29.10.2010 Rüde des Welzower Rudels, B97
/ 16.01.11 Rüde des Milkeler Rudels, B 169 / 27.02.2011 junge Fähe des Welzower
Rudels, B 169).
Neben den verkehrsbedingten Todesfällen kam eine Wölfin durch illegalen Abschuss
ums Leben und eine Jährlingsfähe wurde vermutlich von einem Wildschwein getötet.
Bei zwei weiteren Totfunden (Welpe des Nochtener Rudels im Oktober 2006 auf
dem Truppenübungsplatz Oberlausitz und Welpe des Milkeler Rudels im Februar
2011 bei Bärwalde, konnten die Todesursachen auf Grund der fortgeschrittenen
Verwesung nicht mehr eindeutig ermittelt werden. Die Umstände legen aber in
beiden Fällen eine natürliche Todesursache nahe.
Abwanderung
In verschiedenen internationalen Studien wurde gezeigt, dass junge Wölfe in der
Regel im Alter von 10-24 Monaten das elterliche Territorium verlassen, um ein
eigenes Revier und einen nicht verwandten Paarungspartner zu finden.
Um konkrete Erkenntnisse über die Abwanderung von Wölfen in der deutschen
Kulturlandschaft zu erhalten, hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln
des Bundesministeriums für Umwelt (BMU) ein Forschungsprojekt („Pilotstudie zur
Abwanderung und zur Ausbreitung von Wölfen in Deutschland“) realisiert. Im
Rahmen des Projektes wurden im Frühjahr 2009 und 2010 insgesamt sechs Wölfe
Tab. 2: Totfunde von Wölfen in der Lausitz seit 2000.
lfd. Nr. Funddatum Alter / Geschlecht
Fundort
Herkunft
Todesursache
1
10.02.2006
9 Mon. / weibl.
A 15 bei Forst
(Brandenburg)
Neustädter Rudel /
Aus dem Wurf 2005
überfahren
2
17.10.2006
5 Mon. / weibl.
TÜP Oberlausitz
Nochtener Rudel /
Aus dem Wurf 2006
verhungert?
3
08.02.2007
9 Mon. / weibl.
B 156 bei
Weißwasser
Nochtener Rudel /
Aus dem Wurf 2006
überfahren
4
07.08.2007
15 Mon. / weibl.
TÜP Oberlausitz
Neustädter Rudel /
Aus dem Wurf 2006
vermutlich
Wildschweinangriff
5
25.01.2008
8 Mon. / männl.
B 156 bei
Weißwasser
Nochtener Rudel /
Aus dem Wurf 2007
überfahren
6
07.01.2009
8 Mon. / weibl.
B 156 bei
Weißwasser
Nochtener Rudel /
Aus dem Wurf 2008
überfahren
7
21.01.2009
8 Mon. / weibl.
TÜP Oberlausitz,
Bahnstrecke
Nochtener Rudel /
Aus dem Wurf 2008
überfahren
8
22.01.2009
mind. 8 Mon. / weibl.
südl. Tagebau
Reichwalde
Nochtener Rudel /
Aus dem Wurf 2008
illegal geschossen
9
15.09.2009
4 Mon. / weibl.
B 156 bei
Weißwasser
Nochtener Rudel /
Aus dem Wurf 2009
überfahren
10
02.10.2009
5 Mon. / männl.
B 156 bei
Weißwasser
Nochtener Rudel /
Aus dem Wurf 2009
überfahren
11
13.12.2009
Jährling / männl.
B 156 bei
Weißwasser
Nochtener Rudel /
Aus dem Wurf 2008
überfahren
12
29.10.2010
Altwolf / männl.
B 97 bei Spremberg
Vatertier des
Welzower Rudels
überfahren
13
16.01.2011
Altwolf / männl.
B169 bei
Senftenberg (BB)
Vatertier des Milkeler
Rudels "Rolf"
überfahren
14
20.02.2011
Welpe / ?
Biosphärenreservat
bei Bärwalde
Milkeler Rudel /
Aus dem Wurf 2010
?
15
27.02.2011
Jährling / weibl.
B 169 bei Drebkau
(BB)
Welzower Rudel /
Jährling ?
überfahren

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Newsletter Wolf April / 11
14
aus dem Lausitzer Wolfsgebiet durch das Wildbiologische Büro LUPUS mit GPS-
GMS-Halsbandsendern versehen. 2009 wurden drei männliche Wölfe besendert:
zwei Jungwölfe aus dem Nochtener Rudel („Karl“ und „Alan“) und ein Altwolf aus
dem Milkeler Rudel („Rolf“). Im April 2010 erfolgte die Besenderung von drei
Wölfinnen: die Fähe des Nochtener Rudels („Einauge“), eine ihrer einjährigen
Töchter („Lisa“) sowie eine ebenfalls einjährige Fähe aus dem Seenlandrudel
(„Mona“).
Im Sommer 2011 wird die Pilotstudie abgeschlossen sein. Danach ist eine
Veröffentlichung der Ergebnisse in einem Abschlussbericht durch das BfN
vorgesehen. Die methodischen Grundlagen und Forschungsergebnisse werden den
Bundesländern zur Verfügung gestellt, die sie im Rahmen ihres Wolfsmanagements
nutzen können.
Ohne
dem
Abschlussbericht
mit
seinen
detaillierten
Darstellungen
und
Auswertungen der Telemetriedaten vorzugreifen, kann eine interessante Erkenntnis
zur Abwanderung anhand dieser Studie bereits getroffen werden. Dies ist die
Individualität des Abwanderungsverhaltens der besenderten Wolfsbrüder „Alan“ und
„Karl“. Alan hat im Alter von 11 1/2 Monaten sein Elternrevier im April 2009 verlassen
und ist mehr als 1500 km weit bis in das Grenzgebiet zwischen Weißrussland und
Litauen abgewandert. Sein Bruder „Karl“ stellte sich als deutlich weniger
wanderfreudig heraus. Nach einem ca. 3-wöchigen Ausflug nach Brandenburg (LK
Teltow-Fläming) im März 2009, wurde er im Alter 22 Monaten in einem Territorium
östlich von Spremberg, in der Nähe seines Elternterritoriums, sesshaft, wo er sich
seit Frühjahr 2010 zusammen mit einer jungen Fähe aufhält (Spremberger Paar).
Die Ansiedlung von einigen in der Lausitz geborenen Wölfen in der Nähe ihres
Elternterritoriums, konnte im Rahmen des Wolfsmonitorings auch über genetische
Analysen nachgewiesen werden. So wanderte eine Tochter des Muskauer Heide
Rudels 2002 nur ca. 30 km in die benachbarte Neustädter Heide und gründete das
Neustädter Rudel. Eine ihrer Töchter wanderte 2006 ebenfalls nur ca. 20 Kilometer
entfernt in die Zschornoer Heide und etablierte sich dort mit einem Rüden, allerdings
blieb das Paar welpenlos. Durch die Besiedlung direkt angrenzender Gebiete,
entstand das derzeit geschlossene Lausitzer Vorkommensgebiet.
Ein konkretes Beispiel für die Abwanderung eines Wolfes aus dem Lausitzer
Wolfsgebiet liefert bisher indes nur der Wolfsrüde „Alan“. Die genetischen Analysen
z.B. eines jungen Rüden, der 2007 in Schleswig-Holstein überfahren wurde und
eines Wolfsrüden der sich seit mind. 2008 im hessischen Reinhardswald aufhielt (s.
S. 6), ergaben zwar, dass es sich um Tiere aus dem „Lausitzer- oder westpolnischen
Wolfvorkommen“
handelt,
eine
genauere
Bestimmung
ihrer
Herkunft
(Rudelzugehörigkeit) war jedoch bisher nicht möglich. Die derzeit laufenden
genetischen Untersuchungen werden in dieser Hinsicht aber wahrscheinlich noch
neue Erkenntnisse bringen.
Warum einzelne Wölfe die Strategie verfolgen, sehr weit abzuwandern während
andere Individuen in der Nähe ihres Elternterritoriums bleiben, ist unklar.
Nutztierverluste
Im Jahr 2002, zwei Jahre nach der ersten Rudelbildung in Sachsen, wurden die
ersten Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere registriert. Damals wurden bei zwei
Übergriffen insgesamt 33 Schafe in einer Herde getötet. In den folgenden drei Jahren
wurden nur wenige Nutztiere gerissen (insgesamt 4), bis 2006 die Anzahl der
Nutztierschäden zunahm (insgesamt 40 Nutztiere). Im Jahr 2007 gab es den bislang
größten Verlust mit 72 toten bzw. verletzten Schafen und Ziegen. Seitdem nimmt die
Anzahl an Nutztierschäden wieder ab.

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Newsletter Wolf April / 11
15
Im Laufe der letzten 10 Jahre wurden bei 71 Übergriffen insgesamt 247 getötete,
verletzte oder vermisste Nutztiere in Sachsen registriert, bei denen ein Wolf als
Verursacher festgestellt oder nicht ausgeschlossen werden konnte.
Betrachtet man die zeitliche Entwicklung der Nutztierschäden in Relation zur
Wolfspopulation (siehe Abb. 1), so ist kein direkter Zusammenhang zwischen der
Anzahl der Wolfsrudel und der Höhe der Nutztierschäden ersichtlich. Jedoch ist die
Tendenz der Nutztierschäden von 2002 bis 2007 mit wachsender Anzahl der
Wolfsrudel steigend. Seit dem Jahr 2007 kehrt sich dieser Trend um. Trotz
steigender Anzahl der Wolfsrudel sind die Nutztierschäden seitdem rückläufig.
Vermutlich
lässt
sich
dies
auf
die
fachgerechte
Anwendung
von
Herdenschutzmaßnahmen zurückführen. Eine wachsende Wolfspopulation muss
demnach nicht zwangsweise zu wachsenden Schäden führen.
Ernährung
Seitdem die Wölfe nach Deutschland zurückgekehrt sind, werden im Rahmen des
Monitorings
Wolfslosungen
(Kot)
gesammelt
und
analysiert,
um
die
Ernährungsgewohnheiten und deren eventuelle Veränderungen zu erfassen.
Bisher wurden am Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz mehr als 3000
Wolfslosungen untersucht. Hierbei geben die in den Losungen enthaltenen
unverdauten Reste (Haare, Knochen) der konsumierten Beutetiere Aufschluss über
die Nahrungszusammensetzung. Die Bestimmung anhand artspezifischer Merkmale
der enthaltenen Beutetierhaare erfolgt hauptsächlich mikroskopisch. Darüber hinaus
können oft auch die in den Losungen enthaltenen Knochenfragmente, Hufe oder
Zähne bestimmt werden. Sie ermöglichen zudem eine Alterseinschätzung der
Beutetiere.
Demnach
erbeuten
die
Lausitzer Wölfe, wie auch
ihre
Artgenossen
in
anderen Teilen der Welt,
fast
ausschließlich
wildlebende Huftiere, die
insgesamt
einer
aufgenommenen Biomasse
von 95,4 % entsprechen
(Abb. 2).
Abb. 1:
Zeitliche Entwicklung der
Nutztierschäden in Relation zur
Wolfspopulation in Sachsen (Anzahl
Rudel)
Haus- und Nutztierschäden in Sachsen 2002 - 2010
Stand: 31.12. 2010
0
10
20
30
40
50
60
70
80
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
getötete, verletzte o.
vermißte Tiere
0
1
2
3
4
5
6
Anzahl Wolfsrudel
getötete, verletzte o. vermißte Tiere
Anzahl Wolfsrudel
24,7
16,3
1,5
0,7
0,1
3,5
0,2
0,1
0,8
52,2
0,1
+
+
+
0
10
20
30
40
50
60
Reh
Rothirsch
Wildschwein
Damhirsch
Mufflon
(Cervidae sp.)
Hasenartige
mittelgroße Säuger
Kleinsäuger
(Mammalia sp.)
Vögel
Fische
Früchte
Haustiere
Beuteart/ -kategorie
Biomasse %
Abb. 2: Konsumierte Biomasse der jeweiligen Beuteart

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Newsletter Wolf April / 11
16
Dabei dominiert insbesondere das Reh (Capreolus
capreolus)
mit einem
Biomasseanteil von 52,2 %, gefolgt vom Rothirsch (Cervus
elaphus)
mit 24,7 % und
Wildschwein (Sus
scrofa)
mit 16,3 % in der Wolfsnahrung. Der Damhirsch, der nur in
südlichen Teilen des aktuellen Wolfsgebietes vorkommt, bzw. das Mufflon, das nur
noch in Randgebieten zu finden ist, stellen mit 1,5 % bzw. 0,7 % lediglich einen
geringen Biomasseanteil dar.
Eine weitere Nahrungskategorie bilden die Hasen mit 3,5 %, überwiegend vertreten
durch den Feldhasen. Gelegentlich konnten neben mittelgroßen und kleinen
Säugern, wie Marderhund, Fuchs und verschiedener Wühlmausarten, auch diverse
Vögel, Fische und Früchte in der Wolfsnahrung nachgewiesen werden. Diese stellen
jedoch zumeist nur eine Gelegenheitsbeute für die Wölfe dar und bilden
zusammengefasst etwa 1 % der konsumierten Gesamtbiomasse.
Auch Nutztiere stellen mit 0,8 % nur einen sehr geringen Anteil der konsumierten
Biomasse dar.
In der Lausitz - einer Gegend mit relativ hoher Rothirschdichte – dominiert, im
Gegensatz zu weiten Teilen Polens, das Reh, in der Nahrung der Wölfe. Diese
Nahrungspräferenz stellt im Vergleich zu anderen europäischen Wolfspopulationen
eine Besonderheit dar. In der Lausitz sind Rehe in einer sehr hohen Dichte
anzutreffen, insbesondere innerhalb der landwirtschaftlich geprägten Flächen.
Aufgrund dieser Bedingungen treffen Wölfe auf ihren Steifzügen vermutlich häufiger
auf das flächendeckend verbreitete Reh.
Das Reh stellt also eine häufig vorkommende, wenig wehrhafte Beute dar. Darüber
hinaus zeigten erste Ergebnisse zur Kondition der Beutetiere, dass die von den
Wölfen gerissenen Rehe nur mäßig bis schlecht konditioniert waren (A
NSORGE et al.
2009).
Die Wölfe in der Lausitz bevorzugen deutlich Rothirschkälber gegenüber
ausgewachsenen und wehrhafteren Hirschen. Rehe dagegen werden nicht nach
dem Alter selektiert, der Anteil der Rehkitze an der Nahrung der Wölfe entspricht
etwa dem Anteil der Kitze am Gesamtbestand der Rehe.
Die Daten reichen noch nicht aus, um eine Aussage über die Selektion junger
gegenüber ausgewachsenen Wildschweinen zu treffen, da bisher zu wenige Risse
gefunden wurden. Es ist jedoch anzunehmen, dass juvenile Wildschweine deutlich
bevorzugt werden. Der Anteil der sehr jungen Beutetiere (<3 Monate alt), die meist
komplett verzehrt werden, ist eindeutig aus den Losungen bestimmbar. Daher geht
allein aus der Losungsanalyse hervor, dass mindestens 35 % der erbeuteten
Wildschweine Frischlinge sind.
Betrachtet man die Entwicklung der Nahrungszusammensetzung über die Jahre, so
wird deutlich, dass seit Beginn der nahrungsökologischen Untersuchungen zuerst ein
tendenzieller Anstieg des Rehanteils in der Wolfsnahrung beobachtet werden konnte.
Seit dem Jagdjahr 06/07 verlaufen die Anteile relativ konstant. Bei Betrachtung der
Biomasseanteile des Rothirsches hingegen wird deutlich, dass diese nach den
ersten beiden Jahren der Studie deutlich zurückgingen und sich seit dem Jagdjahr
03/04 auf einem relativ gleich bleibenden Niveau halten.
Die Biomasseanteile des Wildschweins in der Nahrungszusammensetzung der Wölfe
hingehen unterlagen jährlich deutlichen Schwankungen. Diese sind hauptsächlich
auf klimatische Bedingungen während der Wintermonate und das Nahrungsangebot
für diese potenzielle Beute zurückzuführen. So konnte beobachtet werden, dass die

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Newsletter Wolf April / 11
17
Anteile für Wildschwein in der Wolfsnahrung anstiegen, sofern durch ein hohes
Nahrungsangebot im Herbst und einen vergleichsweise milden Winter im
kommenden Frühjahr sehr viele leicht zu erbeutende Frischlinge zur Verfügung
standen.
Jagdstrecken
Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass die Beutejagd der Wölfe einen
regulierenden, wenn nicht sogar limitierenden Faktor für die Huftierpopulationen
darstellt (Mech & Boitani 2003). In Gebieten wie der Lausitz, in denen die
Bestandsdichten der Huftierpopulationen jedoch dauerhaft hoch sind, verliert die
Prädation durch den Wolf als regulierender Faktor an Bedeutung und stellt lediglich
einen weiteren natürlichen Mortalitätsfaktor für die Huftiere dar (Messier & Crete
1985).
Grundsätzlich existieren verschiedene Einflüsse auf den Wildbestand, wie Witterung,
Nahrungsangebot, Krankheiten, aber auch die Jagdintensität durch den Menschen,
die insgesamt mit der Anwesenheit der Wölfe sehr komplex wirken.
Betrachtet man vergleichend die Jagdstrecken für Reh, Rothirsch und Wildschwein
als langfristigen und großräumigen Indikator für die Wilddichten, so lassen sich zum
gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine eindeutigen Schlüsse zum Einfluss der Wölfe
auf die Huftierpopulationen ziehen. Die Jagdstrecken in der Lausitz weisen
vergleichbare Schwankungen und Trends auf, wie diejenigen aus Regionen
Sachsens ohne Wölfe (s. Abb. 3 – 5).
Abb. 3: Prozentuale Jagdstreckenentwicklung beim Rehwild in dem vom Wolf beeinflussten
Landkreis Bautzen (BZ) und dem alten Landkreis Niederschlesische Oberlausitz (NOL) im
Vergleich zur Streckenentwicklung im Freistaat Sachsen (SN); Jagdjahr 1992/1993 = 100%

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Newsletter Wolf April / 11
18
Abb. 4: Prozentuale Jagdstreckenentwicklung beim Rotwild in dem vom Wolf beeinflussten
Landkreis Bautzen (BZ) und dem alten Landkreis Niederschlesische Oberlausitz (NOL) im
Vergleich zur Streckenentwicklung im Freistaat Sachsen (SN); Jagdjahr 1992/1993 = 100%
Abb. 5: Prozentuale Jagdstreckenentwicklung beim Schwarzwild in dem vom Wolf beeinflussten
Landkreis Bautzen (BZ) und dem alten Landkreis Niederschlesische Oberlausitz (NOL) im
Vergleich zur Streckenentwicklung im Freistaat Sachsen (SN); Jagdjahr 1992/1993 = 100%

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Newsletter Wolf April / 11
19
Es
sollte
jedoch
berücksichtigt
werden,
dass
die
Ergebnisse
der
nahrungsökologischen Studie in der Lausitz zeigen, dass beispielsweise etwa
ebenso viele Rehe von den Wölfen gerissen werden, wie die Jagdstrecke an Rehen
im Wolfsgebiet ausmacht.
Einzig die Mufflons, die in den 70er Jahren zur Bereicherung der Wildbestände in die
Lausitz eingeführt wurden, sind heute weitgehend aus dem Wolfsgebiet
verschwunden. Zu Beginn der Untersuchungen konnte das Mufflon noch mit einem
Anteil von 8 % an der Gesamtbiomasse nachgewiesen werden.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Mufflons sind die Mittelmeerinseln Korsika
und Sardinien. Ihre Strategie bei androhender Gefahr in ihrem natürlichen
Lebensraum – die Flucht in steile Felshänge – lässt sich in der flachen Lausitz nicht
praktizieren. Aufgrund dieser unzureichenden Anpassung, die sich auch durch
Erkrankungen der Hufe (Wotschikowsky 2006) widerspiegelt, stellen die Mufflons
eine leichte Beute dar.
Quellen:
Monitoringergebnisse des Wildbiologischen Büro LUPUS.
Ergebnisse der Pilotstudie des BfN zum Abwanderungs- und Ausbreitungsverhalten
von Wölfen in Deutschland.
Klingenberger, A. (2011):
Prävention und Kompensation - Auswertung der
Maßnahmen zum präventiven Herdenschutz und der durch Wölfe verursachten
Nutztierschäden in Sachsen im Jahr 2010 (in Vorbereitung).
Holzapfel M., Wagner C. Kluth, G. Reinhardt, I. & H. Ansorge (2011): Fakten aus
Losungen - Zehn Jahre nahrungsökogische Untersuchungen am Wolf
(Canis lupus)
in der Lausitz.
Originalbeitrag im Internet:
http://www.wolfsregion-lausitz.de/infomaterialnewsletterdownloads/newsletter
Begutachtung von Wolfsrissen im Freistaat Sachsen
Die natürliche Rückkehr der streng geschützten Tierart Wolf (Canis
lupus)
in unsere
heimische Natur stellt die Tierhalter, insbesondere die Schaf- u. Ziegenhalter, vor
neue Herausforderungen. Verlorengegangenes Wissen zum Herdenschutz muss
wieder erlernt und fachgerecht angewandt werden. Dieser Prozess braucht Zeit.
Um die Tierhalter zu unterstützen, werden durch Wölfe hervorgerufene Schäden an
Nutztieren vom Freistaat Sachsen finanziell ausgeglichen. Grundlage dieses so
genannten Kompensationsverfahrens ist die Nutztierrissbegutachtung.
Die Begutachtung von Nutztierrissen ist im „Managementplan für den Wolf in
Sachsen“ geregelt. Sie wird seit Mai 2009 in dieser Form praktiziert. Wesentliche
Elemente des Verfahrens sind die Schadensmeldung sowie die Begutachtung. Auf
Grundlage des Gutachtens kann der Schadensausgleich erfolgen.
Thema

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Newsletter Wolf April / 11
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Meldung
Bei einem Nutztierschaden, bei dem ein Wolf als Verursacher vermutet wird, ist der
Tierhalter angehalten, innerhalb von 24 Stunden
die untere Naturschutz- oder
Forstbehörde
des
Landratsamtes
zu
informieren
,
um
zeitnah
einen
Begutachtungstermin zu vereinbaren.
Die Meldung kann alternativ auch an die landkreisübergeordneten Stellen des
Wolfsmanagementes gerichtet werden: André Klingenberger (Wolfsbeauftragter des
Freistaates Sachsen), Wildbiologisches Büro LUPUS (zentrale Stelle der
Wolfsforschung des Freistaates Sachsen), Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz (zentrale
Stelle für Öffentlichkeitsarbeit des Freistaates Sachsen).
An Wochenenden und Feiertagen gibt es einen Bereitschaftsdienst
,
der über
die Rettungs- und Polizeileitstellen vermittelt wird
.
Begutachtung
Der Tierhalter vereinbart mit dem Nutztierrissbegutachter einen Termin zur
gemeinsamen
Begutachtung.
Die
Begutachtung
erfolgt
kostenfrei.
Der
Nutztierrissbegutachter erfasst und dokumentiert vor Ort alle Hinweise und Spuren
sowohl am Kadaver (eventuelle Bisse und Hämatome) als auch in dessen
Umgebung (z.B. Schleifspuren, Trittsiegel). Der Kadaver wird abgehäutet, um
Verletzungen auf der Unterhaut erkennen zu können. Genetische Proben (z.B.
Speichel) werden nach Möglichkeit sichergestellt
Das Ergebnis der Begutachtung wird in einem Protokoll dokumentiert und dem
Tierhalter zur Kenntnis gegeben. Der Nutztierrissgutachter erstellt anhand des
Protokolls ein Gutachten, auf dessen Grundlage die Landesdirektion über einen
Schadensausgleich entscheidet.
Schadensausgleich
Der Tierhalter kann bei der zuständigen Landesdirektion einen Schadensausgleich
beantragen. Das Formular erhält er vom Nutztierrissgutachter; auch eine formlose
Beantragung ist möglich. Die Landesdirektion entscheidet auf Grundlage des Riss-
Gutachtens, ob Schadensausgleich gezahlt wird. Per schriftlichen Bescheid wird der
Tierhalter von der Landesdirektion über den Schadensausgleich und die
Schadenshöhe informiert. Die Schadenshöhe wird von einem Sachverständigen des
Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie anhand von aktuellen
Richtlinien ermittelt.
Im Wolfsgebiet und 30 km Umkreis (Förderkulisse)
wird Schadensausgleich
gezahlt, wenn der Tierhalter zumutbare Vorkehrungen zum Schutz der Nutztiere
getroffen hat (z.B. ein 120 cm hohen, festen Zaun mit Bodenabschluss oder ein 90
cm hohen Elektrozaun). Auch in unklaren Fällen, wenn nicht geklärt werden kann, ob
Wolf oder Hund der Verursacher war, wird Schadensausgleich gezahlt.
Außerhalb der Förderkulisse
wird Schadensausgleich gezahlt, wenn der Wolf
zweifelsfrei als Verursacher festgestellt worden ist. Die Zahlung erfolgt dort
unanhängig von der Einhaltung bestimmter Schutzmaßnahmen. Ausnahme:
angebundene Nutztiere werden nicht entschädigt.
Das Verfahren, von der Antragstellung bis zur Auszahlung, dauert in der Regel 4-6
Wochen.

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