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Stand: 27.09.2021
Merkblatt
zur Ausübung der Jagd/verstärkten Bejagung/Entnahme
von Schwarzwild in den ASP-Restriktionsgebieten
Zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) hat die Landesdirektion Sachsen (LDS)
am 13. Juli 2021 zwei Allgemeinverfügungen für die ASP-Restriktionsgebiete der
Sperrzone I [Pufferzone]
und Sperrzone II [gefährdetes Gebiet],
angeordnet. Diese beiden Allgemeinverfügungen wurden von der LDS durch zwei Allgemeinver-
fügungen vom 8. September 2021 geändert. Die konsolidierten Fassungen sind auf Homepage
der LDS veröffentlicht (unter Bekanntmachungen Tierseuchenbekämpfung zur Sperrzone II vgl.
https://www.lds.sachsen.de/bekanntmachung/?ID=18064&art_param=810
bzw. zur Sperrzone I
https://www.lds.sachsen.de/bekanntmachung/?ID=18066&art_param=810
In Bezug auf die im Rahmen der Allgemeinverfügungen angeordneten verstärkten Bejagung des
Schwarzwildes in den Sperrzonen I und II sowie der veterinärbehördlich per Einzelanordnung
angeordneten Entnahme von Schwarzwild einschließlich veterinärbehördlich angeordneter Fang
und Tötung von Schwarzwild in der Sperrzone II gilt Folgendes
Regelungen für die angeordnete verstärkte Bejagung des Schwarzwildes
Solange keine gesonderte veterinärbehördliche Anordnung zur Entnahme von Schwarzwild
zwecks Tilgung der ASP besteht (eine Entnahme von Schwarzwild würde außerhalb des Jagd-
rechts auf Grundlage des Veterinärrechtes, nicht auf Grundlage des Jagdrechtes erfolgen) gelten
im Hinblick auf die bei der Jagd zulässigen Mittel die einschlägigen jagd- und waffenrechtlichen
Regelungen.
Das bestehende Regelwerk ist den Jägerinnen und Jägern bekannt!
Wesentliche Rechtsgrundlagen
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Bundesjagdgesetz (BJagdG), Sächsisches Jagdgesetz (SächsJagdG), Sächsische Jagd-
verordnung (SächsJagdVO), Waffengesetz (WaffG).
Was ist erlaubt?
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Jagdausübung unter Beachtung der jagd- und waffenrechtlichen Bestimmungen,
-
Verwendung von Nachtsichtvorsätzen und Nachtsichtaufsätzen (Wärmebildgeräte, Rest-
lichtverstärker ohne Infrarotaufheller) in Verbindung mit Jagdlangwaffen bei der Jagdaus-
übung auf Schwarzwild,
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Verwendung von Schalldämpfern,
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Einsatz künstlicher Lichtquellen, soweit diese nicht direkt mit der Jagdwaffe verbunden
sind, bei der Jagdausübung auf Schwarzwild,
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ganzjährige Bejagbarkeit des Schwarzwildes unter Beachtung von § 22 Absatz 4 BJagdG
(Schutz der zur Aufzucht notwendigen Elterntiere – das heißt, Bachen dürfen zwar ganz-
jährig, aber erst dann erlegt werden, wenn sie keine abhängigen Frischlinge mehr führen),
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Fangjagd auf Schwarzwild mit Genehmigung der zuständigen Jagdbehörde.

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Legitimation
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gültiger Jagdschein, Waffenbesitzkarte, ggf. Genehmigung der Jagdbehörde (Fangjagd),
Jagdausübung im Jagdbezirk als Jagdausübungsberechtigter mit voller Befugnis oder als
angestellter Jäger oder als Jagdgast mit beschränkter Befugnis zur Jagdausübung.
Sonderfall
Für Jagdausübungsberechtigte sowie mit deren Zustimmung für angestellte Jäger und Jagdgäste
besteht die Möglichkeit, in den Sperrzonen I und II eine waffenrechtliche Legitimation zur Ver-
wendung von künstlichen Lichtquellen wie Taschenlampen oder Infrarotaufhellern in Verbindung
mit Jagdlangwaffen zu erlangen. Hierzu müssen diese ein veterinärbehördliches Beauftragungs-
schreiben zur verstärkten Bejagung von Schwarzwild beim Landestierseuchenbekämpfungszent-
rum (krise.tierseuche@lds.sachsen.de) mit nachfolgenden Angaben beantragen:
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Name, Vorname
-
Geburtsdatum
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Anschrift
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Landkreis, Gemeinde, Gemarkung, Jagdbezirk(e)
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mindestens Kopie des Jagdscheins sowie Kopie der Waffenbesitzkarte
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ggf. Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten.
Mit einer solchen veterinärbehördlichen Einzelanordnung zur verstärkten Bejagung zwecks Til-
gung der ASP
können über ggf. weitergehende waffenrechtliche Legitimationen vermittelt
werden
(etwa hinsichtlich des Einsatzes künstlicher Lichtquellen wie Taschenlampen und Infra-
rotaufheller in Verbindung mit Jagdlangwaffen). Es ist jedoch nicht möglich, innerhalb einer der-
artigen Einzelanordnung zur Bejagung Ausnahmen von jagdrechtlichen Bestimmungen zuzulas-
sen.
Regelungen für die veterinärbehördlich per Einzelanordnung angeordnete Entnahme von
Schwarzwild einschließlich veterinärbehördlich angeordneter Fang und Tötung von
Schwarzwild
Soweit eine veterinärbehördliche Anordnung zur Entnahme von Schwarzwild und/oder ein vete-
rinärbehördlich angeordneter Fang und Tötung
als Einzelanordnung an eine Person ergangen
ist
, erfolgt die Tötung und/oder der Fang mit anschließender Tötung des Schwarzwildes auf
Grundlage des Veterinärrechtes, nicht auf Grundlage des Jagdrechtes.
Rechtsgrundlagen
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Entnahme erfolgt auf Grundlage einer tierseuchenrechtlichen Einzelanordnung – es
handelt sich nicht um Jagd im Sinne des Jagdrechtes,
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mithin greifen die für die Jagd geltenden rechtlichen Regelungen – auch die für die befugte
Jagdausübung nach § 13 Absatz 6 des Waffengesetzes (WaffG) geltenden waffenrecht-
lichen Privilegierungen für Jäger – nicht,
-
es bedarf einer eigenen waffenrechtlichen Legitimation der mit der Tötung beauftragten
Personen,
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Legitimation zum Führen von Waffen besteht innerhalb der Reichweite der (veterinär)be-
hördlichen Beauftragung (=Beauftragung im Sinne von § 40 Absatz 2 WaffG).
Was ist erlaubt?
Jagdrechtliche Verbote finden keine Anwendung. Die zuständige Veterinärbehörde legt unter
Berücksichtigung von Tierschutzaspekten in der
Einzelanordnung
fest, ob und welche über

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die Möglichkeiten der regulären Jagdausübung hinausgehende Handlungsoptionen einge-
räumt werden. Erlaubt ist das, was die zuständige Veterinärbehörde im gesetzlich zulässigen
Rahmen für geboten hält und
in der Einzelanordnung festlegt.
Dies kann zum Beispiel die
Erlaubnis umfassen,
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auf einzelne gestreifte Frischlinge aus einer Entfernung von höchstens 30 Metern auch
mit Schrot zu schießen, wenn eine ausreichende Tötungswirkung gewährleistet ist,
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Wildschweine auch mit halbautomatischen Waffen, die mit mehr als drei und höchstens
10 Patronen geladen sind, zu töten,
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zur Aufzucht der Jungtiere notwendige Elterntiere zu töten mit der Verpflichtung, im
Anschluss darauf hinzuwirken, dass die Jungtiere ebenfalls zeitnah entnommen wer-
den,
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Schwarzwild in Saufängen mit Kopfschuss unter Verwendung von Büchsenpatronen
unter 6,5 mm und einer Auftreffenergie auf 100 m (E 100) von weniger als 2000 Joule
zu erlegen; das Mindestkaliber ist 5,6 mm lfB (.22 l.r.).
o
beim Fang von Schwarzwild die kontrollierte Fernüberwachung und Fernauslösung zu
praktizieren,
o
beim Fang von Schwarzwild Kirrmittel nach Art und Umfang abweichend vom jagd-
rechtlichen Regelwerk einsetzen zu können.
Legitimation:
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Entnahme und/oder Fang mit anschließender Tötung erfolgen im Rahmen einer
personenbezogenen veterinärbehördlichen Beauftragung mit Festlegung des Zeitraumes,
Zuweisung auf Fläche, ggf. Behördenkoordinierung durch ortsansässige Jagdausübungs-
berechtigte, Jagdgäste, angestellte Jäger oder durch Beauftragung von Dritten (zum Bei-
spiel Berufsjäger, Polizei), der räumliche Einsatz ist dabei nicht zwingend an Jagdbezirks-
grenzen gebunden.