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Partnerschaften unter Horizont Europa & Biotechnologie
als Europäische Mission
Zweites Europäisches ERA CoBioTech Hub Meeting,
10./11. November 2020
Zusammenfassung
Das zweite Europäische CoBioTech Hub Meeting wurde am 10./11. November 2020 durch das
Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus (SMWK) organisiert.
Die Hub Meetings gehören zu den wichtigsten Instrumenten des Hub zur Erreichung der Zielsetzung,
fachlich zuständige Vertreter der Europäischen Kommission und strategischer, durch die
Mitgliedstaaten und Regionen unterstützte EU-Instrumente in den Bereichen Forschung und
Innovation, zum Erfahrungsaustausch zusammenzubringen.
Das spezielle Ziel dieses zweiten CoBioTech Hub Meetings war es, die Erfahrung der Teilnehmer
mit EU-Partnerschaften in Biotechnologien und Bioökonomie in Europa zu nutzen, um einen Beitrag
zu ihrer zukünftigen Gestaltung im EU Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont
Europa (2021-2027) zu leisten.
Aufgrund der COVID-19-Pandemie in den virtuellen Raum verlegt, konnten die Präsentationen,
Workshops und Podiumsdiskussionen von 79 Teilnehmern aus 14 europäischen Ländern
wahrgenommen werden. Die meisten Teilnehmer vertraten nationale oder regionale Ministerien und
Förderorganisationen; dazu kamen zwei Vertreter der Europäischen Kommission, GD Forschung
und Innovation. Der weitaus überwiegende Teil der Anwesenden verfügte zudem über umfangreiche
Erfahrungen mit Initiativen im europäischen Forschungsraum, z. B. mit ERA-Nets, ETPs, KICs oder
JTIs unter H2020, FP7 oder sogar FP6. Thematisch deckte das Treffen Weiße, Grüne und Rote
Biotechnologie ab, benachbarte Gesundheitsthemen und die mehr auf die Primärproduktion
fokussierten Aspekte der Bioökonomie.
Vorträge kamen von Vertretern der Europäischen Kommission, ERA CoBioTech, JTI BBI, SCAR,
KetBio, ERA-NET ERA-GAS, ERA-Net PerMed, cPPP SPIRE, JPI AMR, KIC EIT Health, ERA-Net
E-Rare 3, M-ERA.Net, ERA-MIN 2 und ForestValue.
„Partnerschaften unter Horizont Europa
Der erste Workshop und die folgende Podiumsdiskussion befassten sich mit den geplanten EU-
Partnerschaften unter Horizont Europa
. Im Vergleich zu Horizont 2020 wird es weniger
Partnerschaften geben (momentan gibt es in Säulen II, III und säulenübergreifend 49 Kandidaten),
und ihre möglichen Formen wurden auf drei reduziert: „co-programmed“, „co-funded“ und
institutionalisiert. Die Teilnehmer sprachen über ihre bisherigen Erfahrungen mit europäischen
Partnerschaften, diskutierten die Chancen und Risiken für Partnerschaften unter Horizont Europa,
und entwarfen Idealvorstellungen bezüglich künftiger Partnerschaften im Bereich
Bioökonomie/Lebenswissenschaften.
Ergebnisse
Chancen
der künftigen Strukturen mit weniger, aber größeren Partnerschaften sahen die Teilnehmer
z. B. in einem größeren Synergiepotential und geringerer Gefahr von thematischen

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Überschneidungen. Es könnte zudem für die jeweiligen Stakeholder einfacher werden, eine
Übersicht über Förderoptionen in einem bestimmten Gebiet zu erhalten. Zudem können
Mitgliedstaaten und Regionen mit dem Engagement in derselben Zahl an Partnerschaften ein
breiteres Themenfeld abdecken.
Zu diesen positiven Aspekten gesellte sich allerdings eine Reihe von
Risiken
und Befürchtungen.
Wertvolle, im Rahmen von H2020-ERA-Nets entwickelte Elemente – Wissen, Infrastrukturen,
Netzwerke, Vertrauen und Best Practice – könnten im Übergang verlorengehen, wenn die
Verantwortung für die neuen Partnerschaften auf nationaler/regionaler Ebene wechselt. Damit
Horizont-Europa-Partnerschaften von diesem „stillschweigenden Wissen“ profitieren können, das
über Jahre hinweg aufgebaut wurde, sollten Mechanismen entwickelt werden, die einen Transfer
sicherstellen.
Größere, hierarchischer aufgebaute Netzwerke könnten auch dazu führen, dass Themen mit der
größten Lobby sich durchsetzen, während andere vernachlässigt werden, da sie nicht mehr von
eigenen Initiativen unterstützt werden. Schwerpunkte könnten sich dadurch verschieben oder
Förderlücken entstehen.
Regionale Förderer äußerten zudem die Befürchtung, dass die Hürden für den Beitritt zu den neuen
Partnerschaften für sie zu groß seien, und dass regionale Prioritäten nicht zwingend nationalen
entsprechen – und diese Nuancen verlorenzugehen drohen. So nutzen einige regionale oder
kleinere Förderorganisationen Partnerschaften dezidiert dazu, Wissenschaftlern am Anfang oder in
der Mitte ihrer Laufbahn den Einstieg in internationale Projekte zu erleichtern. Es wurde nicht klar,
wie dies künftig möglich sein soll. Einige Teilnehmer erwähnten auch fehlende Strukturen für die
Beteiligung von Regionen: „co-funded“-Partnerschaften stellen die einzige echte Option für aktive
regionale Beteiligung dar. In der Konsequenz fällt diese demnächst im Bereich Biotechnologie
komplett weg.“
Vor diesem Hintergrund ist ersichtlich, warum die höheren Eintrittshürden besonders für Regionen
auch zu den Befürchtungen gehörten, die im Zusammenhang mit der JU BBI („Joint Undertaking
Biobased Industries“) geäußert wurden. Der regionale Aspekt der Bioökonomie ist einer der
Hauptschwerpunkte der europäischen Bioökonomiestrategie, aber wie dies mit der neuen Initiative
„Circular Bio-based Economy“ (CBE) verwirklicht werden kann, wurde nicht völlig klar –
möglicherweise auch, weil die genaue Struktur und das Mandat der geplanten „Deployment
Group“ der CBE noch nicht feststehen. Es wurde aber sehr deutlich, dass die große
Herausforderung darin bestehen wird, diese „Deployment Group“ so zu gestalten, dass sie echte,
wechselseitige Kommunikation anregt und somit auch einen sinnvollen Abgleich mit nationalen und
regionalen Programmen im Bereich Bioökonomie.
„Bioökonomie als europäische Mission“
Der zweite Workshop und die darauffolgende Podiumsdiskussion standen im Zeichen der
Bioökonomie als europäische Mission
. Die strategischen Biotechnologie-Stakeholder tauschten ihre
Meinungen zum Einfluss der Biotechnologieforschung und -entwicklung auf den Übergang von einer
fossilen zu einer biobasierten Wirtschaft aus. Die Gruppen diskutierten außerdem ihr Verständnis
einer biobasierten Wirtschaft, Kapazitäten für den Übergang und die Rolle von „Responsible
Research and Innovation“ (RRI).
Ergebnisse
Es wurde festgestellt, dass Begriffe wie „Bioökonomie“, „Nachhaltigkeit“ oder „Kreislauf“ nur in
bestimmten Bereichen klar definiert sind, vor allem in den produktionsorientierten. Im Bereich

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Gesundheit haben diese Begriffe momentan nicht die gleiche Relevanz. Die Treiber und
Herausforderungen der „Roten“ Biotechnologie unterscheiden sich häufig von denjenigen anderer
Biotechnologie-Felder.
Responsible Research and Innovation (RRI) wurde in den Netzwerken als gut anerkannt gesehen,
auch wenn es Raum für Entwicklung gibt. RRI-Aspekte werden in strategische Dokumente und in
Förderbekanntmachungen integriert, z. B. als Anforderungen an Antragsteller und in die
Bewertungssysteme. Manche Teilnehmer nutzen die Gutachtergremien als Chance für
Weiterbildung, da neue Gutachter von erfahrenen lernen. ERA CoBioTech ist eine der Initiativen, die
solch einen umfassenden Ansatz zur Integration von RRI haben.
Aus der Erfahrung und Sicht der strategischen Biotechnologie-Stakeholder sind wichtige Elemente
künftiger Partnerschaften in der Biotechnologieforschung -
außer gemeinsamen
Bekanntmachungen bzw. Forschungsförderung - die Einführung oder Stärkung (je nach Themenfeld)
des Kreislaufdenkens in der Biotechnologie, die fortgesetzte Förderung eines breiten TRL-
Spektrums und gutes Datenmanagement.
In einer stärker auf Gesundheitsthemen fokussierten Diskussionsgruppe wurde auch geäußert, dass
es der Personalisierten Medizin aktuell an Umsetzung im Gesundheitssektor mangelt, und dass
generell medizinische Forschung oft Grundlagenforschung bedeutet. Die Befürchtung war, dass die
künftigen Partnerschaften nicht auf diesen Umstand ausgelegt sind.
Diskussionen einer anderen Gruppe drehten sich um das Thema Digitalisierung, wobei anerkannt
wurde, dass diese ein wichtiges Werkzeug für eine Reihe von Themengebieten und Sektoren ist,
die aber auch als sehr aufgebauschtes Thema wahrgenommen wurde. Es sollte darauf geachtet
werden, Digitalisierung nicht als Selbstzweck, sondern stets als Mittel zu einem gut definierten Ziel
zu betrachten.
Auf Basis bisheriger Erfahrungen mit dem BBI JU und den vorgestellten Plänen für die neue CBE
identifizierten die Teilnehmer schließlich konkrete Themen, die innerhalb der CBE nicht
berücksichtigt sind. Biotechnologie-Themen, die mehrere TRL umfassen, wurden hier genannt,
ebenso Eco-design - ein Ansatz, der die Wiederverwendbarkeit in den Designprozess eines
Produkts (ob biobasiert oder nicht) integriert, grüne Energie für industrielle Prozesse und schließlich
Forstwirtschaft.
Zusammenfassung im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus
(SMWK): Karen Deprie