Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Referat 34 „Direkt- und Ausgleichszahlungen“
Ansprechpartner: Wenzel, Bettina
Telefon: (0351)564-2343
Mail:
Bettina.Wenzel@smul.sachsen.de
Mai 2017
1
Neuabgrenzung von Natur aus benachteiligter Gebiete in Sachsen (ab
2018)
Rechtliche Grundlagen
Die im Jahr 1975 EU-weit eingeführte Beihilferegelung zugunsten von Landwirten in
„Berggebieten und anderen, aus naturbedingten oder anderen spezifischen Gründen
benachteiligten Gebieten“ wird mit der VO (EU) 1305/2013 fortgeführt
1
. Benachteiligte
Gebiete können in drei Kategorien ausgewiesen werden
a. Berggebiete,
b. andere Gebiete als Berggebiete, die aus erheblichen naturbedingten Gründen
benachteiligt sind, und
c. andere, aus anderen spezifischen Gründen benachteiligte Gebiete.
In diesen Gebieten kann „ein Ausgleich der Gesamtheit oder eines Teils der zusätzlichen
Kosten und Einkommensverluste gewährt werden, die den Landwirten aufgrund von
Nachteilen für die landwirtschaftliche Erzeugung […] entstehen“
1
.
Vor der Neuabgrenzung sind in der Europäischen Union (EU) rund 55 % der
landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) als benachteiligt eingestuft
2
. In den Mitgliedsstaaten
kamen dabei unterschiedlichste Kriterien bei der Ausweisung der anderen Gebiete als
Berggebiete, die aus erheblichen naturbedingten Gründen benachteiligt sind (sonstige
benachteiligte Gebiete) und der aus spezifischen Gründen benachteiligten Gebiete
(spezifische Gebiete) zur Anwendung. Um den effizienten Einsatz der Unionsmittel und die
Gleichbehandlung der Landwirte in der gesamten Union zu gewährleisten, forderte der EU-
Rechnungshof 2003 eine Revision der bestehenden Gebietskulisse der sonstigen
benachteiligten und spezifischen Gebiete. Zugleich soll eine Neuausweisung dieser
sonstigen
benachteiligten
Gebiete
anhand
europaweit
einheitlicher,
objektiver
biophysikalischer Kriterien erfolgen
2
.
Das Joint Research Centre (JRC) wurde daraufhin mit der Entwicklung eines
entsprechenden EU-weiten Systems beauftragt. Die Arbeiten begannen 2005 und wurden
mit einem Abschlussbericht 2014 beendet
3
. Mit der VO (EU) 1305/2013
Art. 32 ist die
Neuabgrenzung für alle Mitgliedstaaten bis spätestens 2018 verpflichtend umzusetzen.
Umsetzung in Sachsen - Datengrundlagen
Mit der Neuabgrenzung der sonstigen benachteiligten Gebiete setzt Sachsen die EU-
Forderungen um. Zur Ausweisung der Fachkulisse werden offizielle Daten und Informationen
der amtlichen Statistik und Verwaltung genutzt. Tabelle 1 enthält eine Übersicht der genutzten
Kriterien und Indikatoren.
1
Verordnung (EU) Nr. 1305/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Dezember 2013
2
Europäischer Rechnungshof (2003), Sonderbericht Nr. 4/2003, ABl. C 151 vom 27.6.2003
3
European Commission; Joint Research Centre; Institute for Environment and Sustainability (Luxembourg 2014):
JRC science and policy reports - Updated common bio-physical criteria to define natural constraints for agriculture
in Europe - Definition and scientific justification for the common biophysical criteria

Mai 2017
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Tabelle 1: Kriterien und Indikatoren
Gruppe
Kriterium
Datenquelle
Biophysikalische Kriterien (1. Stufe)
Klima
niedrige Temperatur
Trockenheit
Deutscher Wetterdienst
Referenzperiode 1971 bis 2000
Boden
Wasserführung
Bodentextur und Steinigkeit
Durchwurzelungstiefe
Sächsisches Bodenbewertungs-
instrument 1:50.000
Relief
Hangneigung
Bundesamt für Kartographie und
Geodäsie DGM25
Boden und Klima
Bodenfeuchte
Deutscher Wetterdienst
Referenzperiode 1971 bis 2000
Statistische Indikatoren (2. Stufe)
strukturelle und
wirtschaftliche
Merkmale
Anbauverhältnis
Viehbesatz
Dauerkulturanteil
Sächsisches Staatsministerium für
Umwelt und Landwirtschaft
InVeKoS 2011 bis 2015
Ertrag
Statistisches Landesamt Sachsen
Ernte und Betriebsberichterstattung
2011 bis 2015
Ab 2018 werden in Sachsen ausschließlich sonstige benachteiligte Gebiete ausgewiesen.
Berggebiete und Spezifische Gebiete werden in Sachsen nicht gesondert ausgewiesen.
Umsetzung in Sachsen
Ergebnis
Die neu abgegrenzte Kulisse benachteiligter Gebiete umfasst ab 2018 annähernd 1/3 der
landwirtschaftlich
genutzten
Fläche
in
Sachsen.
Sie
bildet
die
naturräumliche
Benachteiligung für Landwirtschaftsbetriebe in Sachsen realistisch ab und deckt sich im
Wesentlichen mit den langjährigen Erfahrungen der landwirtschaftlichen Praxis.
Mit Einführung der neuen Kulisse in Sachsen im Jahr 2018 tritt die bisherige Kulisse
4
außer
Kraft.
4
gemäß der Richtlinie 86/465/EWG des Rates, im Sinne der Richtlinie 75/268/EWG, zuletzt geändert durch die
Richtlinie des Rates 92/92/EWG und durch Entscheidungen der Kommission, zuletzt durch die Entscheidung der
Kommission 97/172/EG

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Mai 2017
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Abbildung 1: Benachteiligte Gebiete ab 2018 in Sachsen
Weitere Informationen zur Neuabgrenzung finden Sie im 2. EPLR Änderungsantrag Anlage 7
unter
https://www.smul.sachsen.de/foerderung/3531.htm
.
Informationen zur neuen Gebietskulisse auf Ebene der Gemarkung finden Sie unter
https://www.smul.sachsen.de/foerderung/126.htm
.