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Fachthemen
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STRIMA II – Sächsisch-Tschechisches Hochwasserrisikomanagement
Katrin Hänsel, Sarah Bittig
Mit dem EU-Projekt STRIMA II (Sächsisch-Tschechisches Hoch-
wasserrisikomanagement II) wird seit Juli 2017 das Hochwas-
serrisikomanagement im Grenzraum Tschechien – Sachsen
fortgeführt. Gemeinsam mit vier weiteren Projektpartnern aus Deutschland und der Tschechi-
schen Republik bearbeitet das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
(LfULG) als Lead-Partner die thematischen Schwerpunkte rund um das Hochwasserrisikoma-
nagement. Ziel ist die Verbesserung der Schadensvorsorge bei Hochwasser und Starknieder-
schlägen und die Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit insbesondere auf
kommunaler Ebene. Das über drei Jahre laufende Projekt wird vom EU-Kooperationsprogramm
zur Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen und
der Tschechischen Republik 2014-2020 finanziert.
1.
Ausgangslage
Nachdem es im Vorgängerprojekt STRIMA (Juli 2013 bis Februar 2015) gelang grenzüberschrei-
tende Kooperationen beim Hochwasserschutz aufzubauen und auch die Grundlagen für eine
grenzüberschreitende Schadensbewertung geschaffen wurden, erfolgt nun in STRIMA II die
Entwicklung und Bewertung von Strategien zur Risikobewältigung und -verminderung im säch-
sisch-tschechischen Grenzraum .
Bei abgelaufenen Hochwasserereignissen in Sachsen und Tschechien ist festzustellen, dass
Gebäude und Infrastrukturen wiederholt von Überflutungen betroffen waren. Deutlich wird da-
bei immer wieder, dass die Möglichkeiten der Vorsorge unzureichend genutzt werden. Im Projekt
sollen deshalb geeignete und wirtschaftliche Vorsorgemaßnahmen abgeleitet und Betroffenen
präsentiert werden.
Durch die Darstellung von Maßnahmen in Leistungskatalogen soll für typische Schadensbilder
an Wohngebäuden sowie Verkehrsinfrastrukturen (besonders an sehr schnell reagierenden klei-
nen Fließgewässern) die Umsetzung der Hochwasservorsorge wesentlich verbessert werden.
Des Weiteren soll ein Aufbau bzw. Ausbau von gemeinsamen Informations- und Kommunikati-
onsmitteln zu den Risiken und Verminderungsmaßnahmen erfolgen.
Für die Realisierung der Themenschwerpunkte werden vier Arbeitspakete von den Projektpart-
nern sowie dem Lead Partner umgesetzt.
2.
Arbeitspakete
2.1
Minderung von Hochwasserschäden an Wohngebäuden
Es sollen methodische Grundlagen für die Minderung von Hochwasserschäden
an Gebäuden erarbeitet werden. Diese werden anschließend in einem Katalog
als Handlungsempfehlung zur Schadensminderung an Wohngebäuden zusam-
mengefasst. Ein webbasiertes Informationssystem in deutscher und tschechi-
scher Sprache soll Interessierten und Betroffenen dazu dienen sich mit dem
Thema Hochwasserschäden und Vorsorge vertraut zu machen.
Schwerpunkte:
• Katalog und Handlungsempfehlungen zur Schadensvorsorge
• webbasiertes Informationssystem
• Wirkungsanalyse von Maßnahmen in Pilotgebieten in Sachsen und Tschechien

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Fachthemen
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2.2
Minderung von Hochwasserschäden an Umweltschutzgütern und Landnutzungen
Methodische Grundlagen für die Minderung von Hochwasserschäden an Um-
weltschutzgütern und Landnutzungen sollen erarbeitet werden, um diese dann
in konkrete Maßnahmen zur Schadensminderung umzusetzen. Hierbei müssen
Methoden entwickelt werden, um Schäden an Landnutzungen und Landwirt-
schaft zu analysieren. Maßnahmen werden systematisiert und an konkreten
Flächen getestet und dokumentiert. Der Abschluss dieses Arbeitspaketes sieht
eine Handlungsempfehlung mit Vorsorgestrategien für Kommunen vor.
Schwerpunkte:
• Methodenentwicklung zur Schadensermittlung in der Landwirtschaft
• Systematisierung von Maßnahmen zur Schadensminderung in der Landnutzung
2.3
Minderung von Hochwasserschäden an technischen Infrastrukturen
Ein methodischer Ansatz zur Typisierung relevanter Schadensbilder an Gewäs-
sern, ihren Bauwerken und der Verkehrsinfrastruktur soll entwickelt werden.
Das Schadensverhalten von Hochwasserereignissen auf technische Infrastruk-
turen und deren Verletzbarkeit wird analysiert. Maßnahmen zur Schadensmin-
derung für ausgewählte Infrastrukturtypen werden in einem Maßnahmenkata-
log zusammengefasst.
Schwerpunkte:
• Katalog zur Schadensminderung an ausgewählten Infrastrukturtypen
• Pilotanwendungen im sächsisch-tschechischen Grenzraum und Überprüfung der
Übertrag-
barkeit
2.4
Kommunikation des Hochwasserrisikos
Die interdisziplinäre Veranstaltungsreihe des grenzüberschreitenden Hoch-
wasserrisikomanagement-Forums soll fortgeführt werden. Dieses Forum
bietet Experten, Praktikern, Interessensgruppen und den Kommunen eine
Plattform zum Wissens- und Erfahrungsaustausch. Dafür sind diverse Veran-
staltungen in Tschechien und Sachsen geplant, auf denen fachliche Schwer-
punkte unter Berücksichtigung der regionalen Gegebenheiten thematisiert
werden. Das kommunale Hochwasserinformations- und Managementsystem
INGE soll fortentwickelt und weiter in die Praxis implementiert werden. Die Grundlagen für die
Entwicklung einer webbasierten, interaktiven Informations- und Kommunikationsplattform
(APP) werden erarbeitet. Diese soll von Fachplanern, Eigentümern und Betroffenen genutzt wer-
den, um sich über potenzielle, gebäudetypenspezifische Hochwasserschäden und deren Minde-
rungspotenziale zu informieren.
Schwerpunkte:
• Kommunikationskonzept
• INGE Software
• APPs zur Hochwasserinformation
• Katalog zu Fördermöglichkeiten für Hochwasserschutzmaßnahmen
2.5
Hochwasserrisikomanagement-Foren
Um der allgemeinen Öffentlichkeit das Thema Hochwasser im Gedächtnis zu halten und das Ri-
sikobewusstsein dafür zu schärfen, werden im Rahmen des Projektes unter anderem zweimal
jährlich Hochwasserrisikomanagement-Foren veranstaltet, welche abwechselnd in Sachsen

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Fachthemen
201
und der Tschechischen Republik stattfinden.
Zuletzt lud am 11. September 2018 das Säch-
sische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie (LfULG) zum 2. Hochwasserrisi-
komanagement-Forum nach Dresden-Pillnitz
ein. Anschließend an interessante Fachvor-
träge konnten sowohl deutsche und tschechi-
sche Projektpartner als auch Interessierte und
Betroffene aus Gemeinden und Kommunen in
gemeinsamen Diskussionen ihre Meinungen
äußern und zu neuen Ideen anregen. Die Ver-
anstaltung war hervorragend dafür geeignet
neue Kontakte zu knüpfen und einen umfang-
reichen Erfahrungs- und Informationsaus-
tausch zu schaffen. Abgerundet wurde die Ver-
anstaltung am darauffolgenden Tag mit einer
sehr interessanten Exkursion nach Coswig, bei
der zwei Pilotprojekte besichtigt wurden. Die Teilnehmer wurden über das Projekt HUeBro infor-
miert, welches sich mit der Anhebung von Häusern als alternatives Konzept der Hochwasservor-
sorge beispielhaft für das an der Elbe liegende Dorf Brockwitz befasst. Bei einer anschließen-
den Vor-Ort-Begehung am Lockwitzbach wurde den Teilnehmern die durchgeführte nachhaltige
Hochwasserschadensbeseitigung durch ingenieurbiologische Bauweisen näher gebracht.
2.6
Hochwassermanagementsoftware INGE
Die kostenlose Software INGE »Interaktive Gefahrenkarte für den
kommunalen Hochwasserschutz« visualisiert den Katastrophen-
abwehrplan örtlicher Behörden und Einsatzleitungen und ist so ein
hilfreiches Instrument für Entscheidungen bei der Planung, Durch-
führung und Nachbereitung der Katastrophenabwehr.
In der INGE Datenbank werden zu allen wichtigen Objekten hochwasserrelevante Informationen
und der jeweilige „kritische Wasserstand“ hinterlegt. Über eine Datenbankabfrage zusammen
mit der Eingabe eines vorhergesagten Wasserstandes (z. B. vom Landeshochwasserzentrum)
oder der Alarmstufe eines Pegels, kann somit schnell ermittelt werden, welche Objekte von dem
zu erwartenden Hochwasser betroffen sein können. Diese werden automatisch auf dem hinter-
legten Kartenmaterial visualisiert. Weiterhin ist es möglich mit INGE die Maßnahmen zu planen,
welche im Katastrophenfall auszuführen sind. Aktive Maßnahmen können in INGE mittels Status-
protokollen verfolgt werden.
Mit INGE lassen sich alle wichtigen Informationen für ein bestimmtes Objekt (z. B. Krankenhaus:
Lage, Bettenanzahl, Wasserstand bei dem die Überschwemmung/ Räumung erfolgt, durchzufüh-
rende Maßnahmen bis hin zur Telefonnummer des Klinikdirektors) schnell und einfach ermitteln,
anzeigen, versenden und drucken. Ebenso unkompliziert und schnell lassen sich Listen von be-
troffenen Objekten erstellen, so zum Beispiel eine Liste aller Objekte, für die die Feuerwehr zu-
ständig ist. Diese Listen können über E-Mail verteilt oder ausgedruckt weitergereicht werden und
ermöglichen somit eine gezielte Koordinierung der Katastropheneinsatzkräfte im Hochwasserfall.
Die Software INGE ermöglicht mit den Werkzeugen des GIS (Geoinformationssystem), der Daten-
bank, den einzubindenden multimedialen Datenformaten und den Komponenten der operativen
Katastrophenschutzarbeit (Maßnahmevorlagen, Maßnahmestatuserfassung und Statusprotokoll)
das Erstellen sinnvoller inhaltlicher Verknüpfungen zwischen ohnehin zu erfassenden Informa-
tionen. Diese können eine deutliche Erleichterung und Beschleunigung der Arbeit des wasser-
Abbildung 1: Exkursion im Rahmen des
2. Hochwasserrisikomanagement-Forums

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Abbildung 2: Visualisierung gefährdeter Objekte mit der INGE-Software
wirtschaftlichen Katastrophenschutzes sowohl im Falle von Hochwasserereignissen als auch in
den Phasen von Planung, Nachbereitung und Training unterstützen.
In INGE werden also die im Hochwasserfall relevanten Informationen gebündelt. Dies setzt
natürlich ein sorgfältiges Eingeben und Pflegen (Aktualisieren) der vorhandenen Daten in die
INGE-Datenbank voraus. Diese Eingabe erfolgt unkompliziert und ohne Datenbankkenntnisse
über spezielle INGE-Abfragen.
Durch eine vorhandene Sprachdatenbank wird das unkomplizierte Übersetzen der Benutzer-
oberfläche von INGE in jede beliebige andere Sprache unterstützt. Derzeit gibt es neben der
deutschen Sprachoption erste Versionen in Englisch, Bulgarisch, Kroatisch, Tschechisch, Unga-
risch, Polnisch, Rumänisch, Slowakisch und Slowenisch.
Die aktuell verfügbare Version INGE.17, welche im April 2017 erschienen ist, kann auf der INGE
Website unter
www.inge-web.de
heruntergeladen werden. Innerhalb dieses Jahres sind jedoch
weitere Aktualisierungen und Funktionserweiterungen geplant, so dass bis zum Ende des Jahres
mit INGE.19 zu rechnen ist.
3.
Ausblick
Vor allem in Zeiten von länger anhaltender Trockenheit und Dürre, wie es beispielsweise 2018
der Fall war, ist es schwierig das Thema Hochwasser und das Risikobewusstsein dafür im Ge-
dächtnis der Menschen zu halten. Dafür werden in STRIMA II zweimal jährlich Hochwasser-
risikomanagement-Foren veranstaltet, welche zum intensiven Informations- und Erfah-
rungsaustausch zwischen Betroffenen und Akteuren aus dem Bereich Wasser anregen. Im
Frühjahr 2019 wird es wieder soweit sein und auf tschechischer Seite ein Forum mit vielen
interessanten Fachvorträgen geben. Im Anschluss an dieses Forum wird ein Projektkoordinati-
onstreffen mit allen Projektpartnern zur Abstimmung der weiteren Vorgehensweise abgehalten.

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Fachthemen
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Das Forum im Herbst 2019 in Sachsen wird
begleitet werden von einer Exkursion zum
Thema Hochwasserschutz und Eigenvorsorge.
Zwischenzeitlich wird STRIMA II bei anderen
Veranstaltungen wie beispielsweise beim 2.
Sächsischen Hochwassertag in Frankenberg
teilnehmen und über Strategien zur Schadens-
verminderung und Vorsorgemaßnahmen bei
Hochwasser informieren.
Mitte 2019 steht die Erreichung des 2. Mei-
lensteins an und zugleich beginnt das letzte
Drittel der Projektlaufzeit, in welchem das Au-
genmerk größtenteils auf Pilotanwendungen
im sächsisch-tschechischen Grenzraum liegt.
Mit dem 2. Meilenstein soll unter anderem
der Katalog mit den Handlungsempfehlungen
zur Schadensminderung an Wohngebäuden
und das webbasierte Informationssystem aus dem ersten Arbeitspaket vollendet werden. Zu-
dem wird das Arbeitspaket zur Minderung von Hochwasserschäden an Umweltschutzgütern und
Landnutzungen, bis auf die Pilotanwendungen, abgeschlossen.
STRIMA II – kurz und knapp zusammengefasst:
Was?
Sächsisch-Tschechisches Hochwasserrisikomanagement
Ziel?
Verbesserung der Schadensvorsorge bei Hochwasser und Intensivierung
grenzüberschreitender Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
Wann?
07/2017 bis 06/2020
Wer?
Lead Partner: LfULG (Dresden)
PP1: Agentura regionálního rozvoje, spol. S.r.o. (Liberec)
PP2: Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. (Dresden)
PP3: Univerzita Jana Evangelisty Purkyně v Ústí nad Labem (Ústí nad Labem)
PP4: České vysoké učení technické v Praze (Prag)
Budget? 2,1 Mio. EUR (EU-Förderung)
Weitere Infos?
www.strima.sachsen.de
Abbildung 3: Zusammenkommen der Projekt-
partner zum 3. Projektkoordinationstreffen im
Dezember 2018
Autorinnen:
Katrin Hänsel
katrin.haensel@smul.sachsen.de
Sarah Bittig
sarah.bittig@smul.sachsen.de
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
01109 Dresden