image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Landesamt für Archäologie Sachsen
Archäologie beim Bau der Ortsumgehung
in Bad Düben
Von Bronzezeit, Eisenerz und Mittelalter
Ein Überblick
Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Bei den archäologischen Untersuchungen im
Zuge des Baues der Ortsumgehung (B2) nörd-
lich von Bad Düben wurden Fundstellen, die
aus mehreren Zeiten stammen, entdeckt. Es han-
delt sich um Spuren, die uns in die späte Bron-
zezeit, die späte römische Kaiserzeit und in das
Mittelalter führen. Dies zeigt, dass die Gegend
zwischen der Mulde im Westen und dem in der
Dübener Heide entspringenden Hammerbach
im Osten immer wieder von Menschen besiedelt
worden ist. Und dies, obwohl die Bodenqualität
für die Landwirtschaft hier schlecht ist und das
Gelände vor der modernen Trockenlegung teil-
weise sumpfig und feucht war. Es ist daher zu
vermuten, dass die Menschen in diesem wasser-
reichen Gebiet weniger vom Ackerbau, sondern
mehr von der Viehzucht lebten.
3D Geländemodell der Umgebung der Ortsumgehung (rot einge-
tragen). Das Modell ist überhöht, wodurch das Tal des Hammer-
baches gut sichtbar wird
Verlauf der Ortsumgehung (B2)
Ausschnitt aus dem digital erstellten Grabungsplan

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Unmittelbar östlich des heutigen Kreisverkehrs
an der Bitterfelder Straße fand sich ein Gruben-
komplex aus der späten römischen Kaiserzeit
(3.-4. Jh. n. Chr.). Die in den Gruben enthaltene
Eisenschlacke belegt die Eisenverhüttung an die-
sem Ort. Die Gruben sind somit die Überreste ei-
nes kleinen Verhüttungsplatzes aus dieser Zeit,
der außerhalb der Siedlung gelegen hat. In den
Gruben fanden sich auch Überreste der Schmelz-
öfen in Form von verziegelten Lehmstücken, die
teilweise mit der Schlacke versintert sind. Die Ei-
senschmelzöfen, die von den Archäologen auch
als Rennöfen bezeichnet werden, müssen sich in
unmittelbarer Nähe des Grubenkomplexes be-
funden haben.
Schnitt durch eine kaiserzeitliche Grube, in der Profilwand
sind Keramik und Schlacke zu erkennen
Modell eines Rennofens zur Eisen-
verhüttung

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Als Rohstoff für die Eisengewinnung wurde
das im gesamten Bereich der Trasse in guter
Qualität anstehende Raseneisenerz verwendet.
Raseneisenerz steht, wie der Name schon sagt,
meist nur wenige Zentimeter unter der Erdober-
fläche, direkt unter der Rasenkante, an. Es wird
heute wegen des starken Verunreinigungen und
der damit verbundenen schlechten Eisenquali-
tät nicht mehr zur Eisengewinnung verwendet.
In der Eisenzeit und in der römischen Kaiser-
zeit war es jedoch für die Menschen in diesem
Gebiet die einzige Rohstoffquelle zur Eisenge-
winnung.
Anstehende Raseneisenerzknollen im Profilschnitt
Im hohen und späten Mittelalter wurden Ra-
seneisenerzklumpen kaum noch zur Eisenge-
winnung werwendet, da meist besseres Erz aus
dem Bergbau zur Verfügung stand. Die Rasen-
eisenerzklumpen, wie sie im Hintergrund auf
dieser Seite abgebildet sind, wurden aber wei-
terhin „abgebaut“ und als Baumaterial genutzt.
Dies kann man in Bad Düben und in der Um-
gebung an mittelalterlichen Gebäuden häufig
beobachten. So wurden beispielsweise in der
Dübener Burg und in der Kirche Raseneisen-
erzsteine im großen Umfang vermauert.

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Eine weitere, weitaus größere Fundstelle wurde einige
100 m weiter östlich, etwa 80 m vom Verlauf des Ham-
merbaches entdeckt. Hierbei handelt es sich um eine Sied-
lung der späten Bronzezeit, etwa 1000-700 v. Chr. Von der
Siedlung haben sich hauptsächlich Gruben verschiedener
Art sowie einige Pfostenlöcher erhalten. Die ärchäologi-
schen Befunde der Siedlung gehen nach Norden und Sü-
den weit über den untersuchten Bereich innerhalb der
Baufeldgrenzen der Ortsumgehung hinaus.
Es handelt sich um eine einphasige Siedlung, das heißt,
die Siedlungsdauer an dem Ort war wahrscheinlich auf
etwa 1-3 Generationen begrenzt. Der untersuchte Bereich
der Siedlung war erwartungsgemäß relativ fundarm. Es
wurde in der Regel immer nur das zurückgelassen, was
keinen Gebrauchswert mehr hatte, wie beispielsweise ka-
putte Keramikgefäße. Bronze hingegen war kostbar und
wurde stets wieder eingeschmolzen. Daher finden sich in
bronzezeitlichen Siedlungen oft nur sehr wenige oder wie
in diesem Falle gar keine Bronzegegenstände.
Es ist zu vermuten, dass aufgrund der schlechten Böden
im Umfeld der Siedlung vor allem Viehzucht betreiben
wurde. In dem sauren, kiesigen Boden im Bereich der
Siedlung haben sich jedoch kaum Knochen erhalten, so
dass die Art der Viehhaltung nicht näher bestimmt wer-
den kann.
Die in den Siedlungsgruben gefundene Keramik war das
wichtigste Hilfsmittel zur Datierung der Siedlung. Es
handelt sich dabei hauptsächlich um Reste von einfachen
und unverzierten „Haushaltsgefäßen“, die jedoch wichti-
ge Hinweise auf die Lebensweise der einstigen Bewohner
geben können. Die Keramik wurde vor Ort, wahrschein-
lich von den Bewohnern der Siedlung selber hergestellt.
Zur Magerung des Tons wurde der im Bereich der Sied-
lung anstehende Sand genutzt. Oftmals fanden sich die
Reste von großen Vorratsgefäßen, in denen Lebensmittel
aufbewahrt wurden.
Bronzezeitliche Grube im Planum
Bronzezeitliche Keramik aus dem Bereich der, Siedlung

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Unter anderem wurde in der Siedlung ein Brunnen ent-
deckt. Unten bestand dieser aus einer doppelten, exakt
quadratischen Holzkastenkonstruktion. Der obere Be-
reich war rund und bestand aus Feldsteinen, die lose
übereinander geschichtet waren. Aufgrund der recht
guten Erhaltung des Holzes wird es vielleicht möglich
sein, den Brunnen über die Dendro-Chronologie (Jahr-
ring-Chronologie) genau zu datieren.
Arbeiterin beim Freilegen des Brunnens
Holzkastenkonstruktion
im unteren Teil des Brunnens
Holzkastenkonstruktion
Unmittelbar westlich des Hammerbaches fanden sich
zahlreiche Siedlungsspuren aus dem späten Mittelalter.
Hierbei handelt es sich zu einem großen Teil um Pfos-
tenlöcher, wahrscheinlich die Überreste von einstigen
Gebäuden. Auch die mittelalterliche Siedlung bestand
nur relativ kurze Zeit, da es zu keiner Bildung von Kul-
tur- oder Siedlungsschichten gekommen ist. Möglicher-
weise stand die spätmittelalterliche Besiedlung des un-
tersuchten Gebietes in Zusammenhang mit der nur etwa
250 m entfernten Obermühle. Erstaunlich ist, dass gera-
de in unmittelbarer Nähe des Hammerbaches, auf dem
damals sehr feuchten und sumpfigen Gebiet gesiedelt
wurde. Dies hängt augenscheinlich mit der Nutzung
des Hammerbaches als Fließgewässer zusammen.
M ittelalterliche Spinnwirtel

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Ferner fanden sich zwei Öfen oder Herdstel-
len aus dem Mittelalter, die aus verziegeltem
Lehm bestanden.
Neben zahlreichen Funden von mittelal-
terlicher Haushaltskeramik wurden auch 3
Spinnwirtel geborgen, die von der ländlichen
Textilproduktion des späten Mittelalters an
dieser Stelle zeugen.
Schnitt durch eine mittelalterliche Herdstelle
Verziegelter Lehm mit Astabdrüken
aus einer mittelalterlichen Herdstel-
le
Schnitt durch eine mittelalterliche Herdstelle
Verziegelter Lehm mit Astabdrüken
Durch die archäologischen Untersuchungen
im Vorfeld der Bauarbeiten zur Ortsumge-
hung wurde es letztlich möglich, wichtige
Erkenntnisse über die vorher kaum bekann-
te Ur- und Frühgeschichte der Landschaft
unmittelbar nördlich von Bad Düben zu ge-
winnen. Besonders im Zuge der historisch-
musealen Erschließung der Gegend durch
den Verein Obermühle e.V. und dem damit
verbundenen Ausbau des Kurtourismus hat
die archäologischen Erforschung der Gegend
eine vielschichtige Bedeutung.
Unser Dank für die sehr gute und den Inte-
ressen der Archäologie und Denkmalpflege
stets Beachtung schenkende Zusammenar-
beit geht an das Straßenbauamt Leipzig und
an die Bau- und Haustechnik Bad Düben
GmbH.
Thomas Manke

image
image
image
image
image
image
Impressum
©Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte
Besucheradresse:
Zur Wetterwarte 7
01109 Dresden
Telefon:
0351 - 8926 603
Telefax:
0351 - 8926 666
E-Mail:
presse@archsax.smwk.sachsen.de
www.archsax.sachsen.de
Vervielfältigung nur nach vorheriger Absprache mit dem LfA