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Ausgrabungen an der FGL 19 und 20 (NFL Lausitz, BA 1)
Von der Eiszeit zur mittelalterlichen Burg

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Von Oktober 2015 bis Februar 2016 wurden im Vorfeld des ersten Bauabschnittes der Neuverle-
gung der Ferngasleitungen 19 und 20 der ONTRAS Gastransport GmbH nördlich von Hoyerswerda
– zwischen der brandenburgischen Landesgrenze bei Tätzschwitz bis südlich des Industrieparks
Schwarze Pumpe – archäologische Untersuchungen durchgeführt.
Dazu waren 24 Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie Sachsen in bis zu sechs Teams an
der Trasse tätig. Auf einer untersuchten Fläche von insgesamt 13,3 ha wurden 611 archäologische
Befunde ausgegraben und 14.412 Funde geborgen. Die Ergebnisse der Untersuchungen tragen
dazu bei, das Wissen über die ur- und frühgeschichtliche Besiedlung dieser Region zu erweitern.
SPL-16
SPL-17
TAT-02 Brunnen
TAT-02 Holzkohlemeiler
TAT-03
Fundstellen
Trassenverlauf Bauabschnitt 1
Landesgrenze
Trassenverlauf Bauabschnitt 2
170 m
50 m
Inhalt
Landschaftsgeschichtliche Aspekte ........................................................................................................... 2
TAT-03 - Eine jungbronzezeitliche Siedlung ........................................................................................... 3
TAT-03 - Eine Niederungsburg des späten Mittelalters? ..................................................................... 4
TAT-02 - Besondere Befunde ....................................................................................................................... 6
SPL-16 - Jungbronzezeitliche Siedlungsspuren ....................................................................................... 7
SPL- 16 - Eine geologische Besonderheit ..................................................................................................... 8
Fazit .................................................................................................................................................................... 10

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2
Landschaftsgeschichtliche Aspekte
Die Trasse verläuft durch das Oberlausitzer Bergbaurevier - eine stark durch die jahrzehntelange
Tagebautätigkeit überprägte Landschaft. Auch wenn die beiden Gasleitungen auf natürlich ge-
wachsenem Boden verlegt werden, so ist auch dieser Bereich, beispielsweise durch Umverlegungen
von Flüssen oder eine teils starke Grundwasserabsenkung, durch die umliegenden Tagebauflächen
beeinflusst. Während der westliche Trassenabschnitt wesentlich durch die Schwarze Elster geprägt
ist, gehört der östliche Abschnitt zum Spreewitzer Heideland, der einzigen großflächig unverritz-
ten Heidefläche des Oberlausitzer Bergbaureviers.
Altarme von Schwarzer Elster und Kleiner Spree
Die Schwarze Elster und die Kleine Spree sind im Umfeld der Trasse stark begradigt und kanali-
siert, teils verlegt worden. Mehrfach kreuzt die Trasse alte Flussschleifen und Auenbereiche die-
ser Flüsse, wodurch es notwendig wurde, in Zusammenarbeit mit einem Geoarchäologen Fragen
zur Landschaftsgeschichte nachzugehen. Dass die Uferbereiche von Flüssen in ur- und frühge-
schichtlicher Zeit immer wieder Siedlungsschwerpunkte waren, bezeugen auch die untersuchten
Fundstellen bei Tätzschwitz und Spreewitz, die auf Niederterrassen der Schwarzen Elster bzw. der
Kleinen Spree liegen.
Abb. 5 (unten). Flussschleife der Schwarzen Elster im
Rohrgrabenprofil. Entzerrte Fotomontage.
Binnendünen
Südlich von Spreewitz fällt im Dreieck von Spree und Kleiner Spree ein größeres Dünengebiet auf.
Derartige Binnendünen sind in der Lausitz vielfach als Fundstellen der Mittleren Steinzeit wie
auch späterer Epochen bekannt. Aus diesem Grund war es notwendig, den Abtrag mehrerer Dü-
nen im Arbeitsstreifen archäologisch zu begleiten. Dabei konnten jedoch keine archäologischen
Fundstellen festgestellt werden.
Abb. 1. Entnahme von Bodenprofilen für weitergehen-
de geoarchäologische Analysen.
Abb. 2. Im Luftbild sind die alten Flusschleifen der
Schwarzen Elster zu erkennen.
In einem ersten Grabungsabschnitt wurde ent-
lang der gesamten Trasse ein Streifen archäo-
logiegerecht geöffnet. Hierzu wurde mit Hilfe
eines Baggers der Oberboden bis auf das ar-
chäologisch relevante Niveau abgetragen und
auf archäologische Befunde begutachtet.
Hierbei wurden drei umfangreiche Fundstellen
sowie einige herausragende einzelne Befunde
aufgedeckt, die im Folgenden näher vorgestellt
werden sollen.
Grabung 1
Abb. 4 (oben). Blick auf einen archäologischen Schnitt
nach Abtrag des Oberbodens.
Abb. 3. Im Profilschnitt einer Düne
sind mehrere Schichtungen zu
erkennen. Sie deuten auf unter-
schiedliche Windrichtungen wäh-
rend des Auftrags der Düne hin.

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3
TAT-03 - Eine jungbronzezeitliche Siedlung
Nordwestlich von Tätzschwitz, auf der Niederterrasse der Schwarzen Elster gelegen, wurden die
Überreste einer Siedlung der Jungbronzezeit (ca. 1250–1050 v. Chr.) ausgegraben. Die 72 Gruben
und 13 Pfostengruben verteilen sich auf einer Fläche von 1800 m².
Ein Hausgrundriss
Etwa mittig in der Grabungsfläche gruppieren sich die Pfostengruben zu einem 7 m breiten und
mindestens 14 m langen, nordnordost-südsüdwest-ausgerichteten Hausgrundriss (in der Abbil-
dung 6 türkis dargestellt), der ursprünglich möglicherweise über die Grabungsgrenzen hinaus-
reichte.
Wie groß die Siedlung war, lässt sich beim derzeitigen Kenntnisstand nicht genau sagen. Anhand
der Lage der Befunde ist jedoch zu erkennen, dass sich das Siedlungsareal im Norden und Süden
über die in der Trasse erfassten Grenzen hinaus erstreckt hat. Vermutlich wird es sich dennoch
eher um eine kleinere Ansiedlung, vielleicht ein Einzelgehöft, gehandelt haben.
Eine Vorratsgrube mit besonderem Inhalt
Während die meisten der dokumentierten Siedlungsgruben eine unspezifische Form aufwiesen,
war die Grube 192 kesselförmig. Diese Form ist typisch für Vorratsgruben dieser Zeit, in denen
beispielsweise Getreide gelagert wurde.
Zudem fällt diese Grube durch einen besonderen Fund auf: Aus ihrer Verfüllung wurde ein na-
hezu vollständig erhaltenes doppelkonisches Gefäß geborgen. An sich eine zeittypische Form
fällt dieses Exemplar durch seinen Fundort im Siedlungszusammenhang auf. Zumeist werden
solche Doppelkoni aus Gräbern dieser Epoche geborgen, wo sie als Urne oder als Beigefäß
dienten. Im Vergleich zu den meisten Grabfunden fällt das Tätzschwitzer Exemplar durch seine
geringe Größe auf.
Aus dem übrigen Fundmaterial der Siedlung sticht das Gefäß auch durch seinen guten Erhal-
tungszustand heraus. Die übrige Keramik dieser Fundstelle ist stark zerscherbt und verrollt.
Ein bemerkenswerter Fund
Einen besonderen Fund stellt eine Pfeilspitze aus Feuerstein
dar. Sie ist typisch für die späte Jungsteinzeit und damit
gut tausend Jahre älter als die bronzezeitlichen Befunde.
Auch fällt sie aus dem regionalen Rahmen: Ihre Form ent-
spricht typologisch den Pfeilspitzen der sogenannten Glo-
ckenbecherkultur (ca. 2500-2200 v. Chr.), von der bisher
keine Fundstellen aus der Oberlausitz bekannt sind.
Die Pfeilspitze und eine kleine Keramikscherbe derselben
Zeit wurden in einer zugeschwemmten Rinne zusammen
mit bronzezeitlicher Keramik aufgefunden. Da keiner der
Siedlungsbefunde dem späten Neolithikum zugeordnet
werden kann, lässt sich der ursprüngliche Kontext der
Pfeilspitze beim derzeitigen Kenntnisstand nicht näher er-
schließen.
Abb. 7 (oben). Die Grube 192 im Profil.
Abb. 8 (rechts). Das aus dieser Grube geborgene doppelkonische
Abb. 6. Vermessungsplan der jungbronzezeitlichen Siedlungsstrukturen. Zeitlich nicht dazu gehören die moder-
Gefäß.
nen Gräben (im Plan gelb dargestellt) sowie die zugeschwemmten Rinnen im Osten der Grabungsfläche (braun).
Abb. 9 (unten). Klein, aber be-
merkenswert: Silexpfeilspitze.
Legende:
grün - Gruben;
türkis - Pfostengruben eines Hausgrundrisses;
braun - Erdbefunde und Kolluvien;
gelb - moderne Gräben (20. Jh. n. Chr.)

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TAT-03 - Eine Niederungsburg des späten Mittelalters?
Räumlich deutlich von diesen vorgeschichtlichen Siedlungsspuren getrennt, wurden direkt am
heutigen Kanal der Schwarzen Elster Befunde des späten Mittelalters dokumentiert. Es handelt
sich um einen ringförmigen Graben und einen Hausgrundriss, deren Ende ins 14. bis frühe 15.
Jahrhundert datiert werden kann. Zudem wurde hier ein etwas jüngerer Brunnen des 16. Jahr-
hunderts ausgegraben.
Als herausragend ist zunächst der Ausschnitt eines Grabensystems zu nennen, das vermutlich
kreisförmig einen Innenbereich mit einem Durchmesser von etwa 24 m umschloss. Im Profil ist
der detaillierte Aufbau des Grabens zu erkennen: Der etwa 10 m breite und 1,2 m tiefe Graben
besaß schräge bis flachschräge Wandungen und eine horizontale Sohle. Die innere Wandung war
zusätzlich verstärkt, wobei sich mindestens zwei Erneuerungsphasen erkennen lassen (s. Abb. 12
und 13).
Zunächst wurden dem Verlauf der Wandung folgend Torfsoden horizontal aufgeschichtet. Dar-
unter befand sich eine hölzerne Unterkonstruktion, vermutlich um ein Absacken der Soden zu
verhindern. Hierzu waren am Übergang von der Wandung zur Sohle – dem Grabenverlauf fol-
gend – eine Reihe Baumstämme auf Stoß verlegt. Schräg eingeschlagene Holzpfähle mit einem
Abb. 10. Nach Abtrag des Oberbodens sind die unter-
schiedlichen Einfüllschichten des Grabens im Planum
anhand ihrer Farbe und Beschaffenheit gut voneinan-
der zu unterscheiden.
Abb. 11. Vermessungsplan des spätmittelalterlichen
Grabensystems (gelb) sowie des zeitgleichen Haus-
grundrisses im Süden (türkis). Im Osten ist schraffiert
ein weitere kreisförmige Struktur dargestellt, wie
sie sich im Luftbild zeigte - ein Graben konnte hier
jedoch nicht nachgewiesen werden.
Durchmesser von etwa 10 cm sollten vermutlich ein Wegrollen der Stämme ins Grabeninnere
verhindern. In einer zweiten Ausbauphase wurde dieser Aufbau deutlich gekappt und durch eine
neue, baugleiche Wandung ersetzt. In einer dritten Phase wurde die innere Grabenböschung
schließlich mit einem Konglomerat aus gebranntem Hüttenlehm, Sand und Ton befestigt.
Im 14. bis frühen 15. Jahrhundert wurde der Graben zum Teil aufgegeben und sukzessive mit
Siedlungsschutt verfüllt. Besonders sind hier mehrere Fragmente von Becherkacheln hervorzuhe-
ben. Sie weisen auf ein beheizbares Wohngebäude in der Nähe hin, was in dieser Zeit noch das
Privileg wohlhabender Haushalte war. Spuren einer Bebauung der vom Graben umschlossenen
Innenfläche konnten nicht festgestellt werden.
Der Ringgraben
Abb. 14. Querschnitt durch den Graben mit verschiedenen Einfüllschichten und Ausbauphasen.
Abb. 12. Im Profil lassen sich die drei Ausbauphasen
der Grabenwand verfolgen.
Abb. 13. Im Planum wird die Verstärkung der Graben-
wand durch horizontal verlegte Baumstämme und
vertikal eingeschlagene Holzpfähle deutlich.
Hausgrundriss
Legende:
gelb - Gräben;
grün - Gruben;
braun - Erdbefunde;
magenta - Brunnen;
türkis - Hausbefund;
Schraffur - rekonstruierte
Ergänzungen der Befunde
Ringgraben

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TAT-03 - Eine Niederungsburg des späten Mittelalters?
Ein zeitgleicher Hausgrundriss
Unweit dieser Anlage hat jedoch ein langrechteckiges, auf Pfählen gegründetes Gebäude ge-
standen. Es hatte eine Grundfläche von mindestens 12 mal 6 m und ist bei einem Brand zerstört
worden.
Abb. 17 und 18. Der Brunnen des 16. Jahrhunderts in der Aufsicht und im Profilschnitt.
Ein Brunnen des 16. Jahrhunderts
Ein etwas weiter südwestlich gelegener Brunnen scheint hingegen jünger als die eben beschrie-
bene Anlage zu sein. Ausweislich der Keramik wurde er im 16. Jahrhundert aufgegeben. Zudem
spricht auch seine Lage außerhalb des Grabenringes gegen eine Verbindung mit der eben vorge-
stellten Anlage. Da keine weiteren Befunde dieser Zeit ausgegraben wurden, kann sein ursprüng-
licher Kontext derzeit nicht näher benannt werden.
Eine bisher unbekannte Niederungsburg?
Nach bisherigem Erkenntnisstand scheint eine Interpretation der gesamten Anlage als spätmit-
telalterliche Wasserburg mit einem außenliegenden Wirtschaftshof als wahrscheinlich. In der
Mitte des gesicherten Ringgrabens könnte auf einem aufgeschütteten Turmhügel ein hölzerner
Wehrturm gestanden haben. Die Verfüllungen von Graben und Hausgrube deuten auf ein Ende
der Anlage durch ein Brandereignis hin. Denkbar wäre, dass dieses in Zusammenhang mit kriege-
rischen Handlungen gestanden hat, an deren Ausgang die vollständige Schleifung und Einebnung
der Turmhügelburg stand. Weitere Forschungen, insbesondere auch zu historischen Schriftquel-
len, können hier sicher noch interessante Aufschlüsse erbringen.
Für das Gebäude war eine große, etwa 1 m tiefe Baugrube ausgehoben worden, die mit einem
homogenen tonig angereicherten Sandpaket ausgekleidet war. Dies diente wohl der Stabilisie-
rung in dem lockeren Sandboden wie auch als Schutz vor Feuchtigkeit. Auch die Hausgrube selbst
war in den Boden eingetieft und an ihrer Sohle durch einen Stampflehmboden befestigt. Vermut-
lich wurde diese kellerartige Eintiefung unter dem Haus als Lagerraum genutzt.
Vier Holzpfosten sowie Reste gebrannten Lehms weisen darauf hin, dass es sich um ein Fach-
werkgebäude gehandelt hat. Aus den Verfüllungen des
Hauses konnte auffallend viel Keramik geborgen werden.
Es handelte sich vor allem um Töpfe, Krüge und Schüsseln
aus klingend hart gebrannter Irdenware mit profilierten
Kragenrändern. Zudem konnten einige Fragmente einer
qualitativ hochwertigen, fein gemagerten Ware geborgen
werden, wie sie beispielsweise aus der Wasserburg Baruth
bekannt ist. Ausweislich der Keramik ist das Haus spätes-
tens im frühen 15. Jahrhundert abgebrannt.
Abb. 16. Auf der Sohle des eingetieften Kellers wurden zahlreiche
intakte Gefäße aufgefunden.
Abb. 15. Im Pro-
fil sind die große
Baugrube sowie die
mit Holzkohle und
Brandschutt verfüll-
te Kellergrube des
Hauses zu erkennen.

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TAT-02 - Besondere Befunde
Brunnen oder Schöpfstelle
Zwischen Geierswalde und Neuwiese-Bergen wurde im Trassenabschnitt nördlich der Schwar-
zen Elster ein Brunnen oder eine Schöpfstelle dokumentiert (Befund 2053). Es handelt sich um
eine wannenförmige Grube mit unten steilschräg abfallenden Wänden. Im unteren Bereich der
Verfüllung hat sich ein senkrecht eingelassener ausgehöh lter Baumstamm erhalten. Leider sind
die Reste des Baumstammes nicht für eine Datierung mittels Dendrochronologie geeignet. Auch
enthielt der Befund nur wenige kleine Keramikfragmente, die keine datierenden Merkmale auf-
weisen. Jedoch fanden sich in der Verfüllung einige verkohlte Fragmente von Kiefernzapfen. Eine
14
C-Datierung dieser Fragmente ist derzeit in Arbeit.
Ein neuzeitlicher Holzkohlemeiler
Südlich des Elstergrabens zwischen Geierswalde und Neuwiese-Bergen wurden im Trassenverlauf
die Reste eines neuzeitlichen Holzkohlemeilers ausgegraben. Es handelt sich hierbei um einen
kreisförmigen Graben mit einem Außendurchmesser von knapp 13,5 m. Die einzelnen Graben-
fragmente waren durchschnittlich 70 cm breit und enthielten sehr viel Holzkohle, die teilweise in
bis zu 10 cm großen Stücken vorlag.
Abb. 18. Profilschnitt durch den Brunnen.
Abb. 19. Nach Entnahme der Verfüllung sind die Reste
des ausgehöhlten Baumstammes in der Baugrube des
Brunnens sichtbar.
Der Befund zeugt vom Standort eines sogenannten Ringmeilers, in dem Holzkohle hergestellt
wurde. Hierzu wurden Holzscheite zu einem kegelförmigen Haufen aufgestapelt und anschlie-
ßend mit einem Gemisch aus Grassoden, Streu und Sand abgedeckt. Nach Abschluss des Verkoh-
lungsprozesses wurde der Haufen auseinandergezogen und die Holzkohle entnommen. Hierbei
gelangten auch Holzkohlestücken in den beim Aushub des Abdeckmaterials entstandenen Gra-
ben, durch den der Meiler im archäologischen Befund nachgewiesen werden kann.
Das Köhlerhandwerk war in der frühneuzeitlichen Lausitz weit verbreitet. Benötigt wurde die
Holzkohle vor allem für die Öfen in den Eisenhütten. In der Niederlausitz konnte im Tagebau
Jänschwalde ein Meilerfeld mit mehr als 2000 Meilern identifiziert werden. Einige der Meiler
wurden mit Hilfe der Dendrochronologie in das 18. und 19. Jahrhundert datiert. Ein ähnliches
Alter ist auch für den an der Trasse der FGL 19/20 aufgefundenen Meiler anzunehmen.
Abb. 20. Der kreisförmige, mit Holzkohle verfüllte Graben im Planum. Er ist der letzte Hin-
weis auf einen neuzeitlichen Holzkohlemeiler.
Befund 5022
Im selben Trassenabschnitt wurden die Reste
einer kesselförmigen Grube ausgegraben. Im
oberen Bereich war sie durch frühere Boden-
eingriffe komplett zerstört. In ihrer stark holz-
kohlehaltigen Verfüllung wurden eine Lage
kantiger Steine sowie wenige Gramm ver-
brannter Knochen dokumentiert. Aufgrund der
schlechten Erhaltung und des Fehlens weite-
rer Befunde in der näheren Umgebung ist die
Funktion der Grube unklar. Neben einer Nut-
zung im Siedlungszusammenhang wäre auch
denkbar, dass es sich um die Überreste eines
Grabes oder Einäscherungsplatzes handelt.
Abb. 21. Befund 5022 im Planum und Profil. Es
sind eine Lage ungeordneter Bruchsteine sowie die
schwarze Verfärbung der Verfüllung aufgrund des
hohen Holzkohleanteils zu erkennen.

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SPL-16 – Jungbronzezeitliche Siedlungsspuren
Westlich von Spreewitz wurden auf einer 3747 m² großen Fläche 219 Befunde freigelegt und
dokumentiert. Es handelt sich dabei zum großen Teil um Siedlungsgruben und einzelne Pfosten.
Im nördlichen Grabungsabschnitt lagen mit einem 17 m langen und etwa 1 m breiten Gräbchen
Hinweise auf Siedlungsstrukturen vor. In unmittelbarer Nähe wurden zahlreiche Wandbewurf-
fragmente aus Lehm mit dreieckigem Querschnitt – sogenannte Lehmkeile – aufgefunden. Sie
stammen von verputzen Wänden in Blockbautechnik und belegen somit indirekt den Standort
eines Hauses. Da Häuser in Blockbautechnik in der Regel keine in den Boden eingetieften Kons-
truktionselemente, wie beispielsweise Pfosten, besitzen, sind derartige Gebäude im archäologi-
schen Befund nur schwer nachzuweisen.
Abb. 22. Vermessungsplan der
nördlichen Grabungsfläche mit den
jungbronzezeitlichen Befunden.
Abb. 23. Die nörd-
liche Grabungs-
fläche mit den
jungbronzezeitli-
chen Befunden.
Abb. 24. Diese un-
scheinbaren Lehm-
keile weisen auf ein
Gebäude in Block-
bautechnik hin.
Abb. 25. Eine als
Lesefund geborgene
verzierte Glasper-
le der Römischen
Kaiserzeit wurde
vermutlich aus
einer Fundstelle in
der Umgebung auf
die Grabungsfläche
geschwemmt.

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SPL-16 – Eine geologische Besonderheit
Eine Besonderheit stellt eine im südlichen Grabungsabschnitt dokumentierte etwa 30 m lange
und bis zu 6 m breite, unregelmäßige rote Verfärbung im anstehenden Sand-Kies-Gemisch dar.
Bereits nach dem Baggerabzug konnten hier größere Mengen an jungbronzezeitlicher Keramik
(ca. 1250–1050 v. Chr.) geborgen werden, die in relativ großen Fragmenten vorlag und kaum
verrollt war. Daher wurde auf der nordwest-südost-ausgerichteten Struktur ein Quadrantensys-
tem mit versetzt zu grabenden Kästen angelegt, sodass durchgehende Längs- und Querprofile
dokumentiert werden konnten. In diesen wurden unterhalb der roten Sandschicht tonige, zum
Teil humose Ablagerungen freigelegt, die bis zu 60 cm mächtig waren.
Nach den Untersuchungen durch einen Geoarchäologen deutet die Situation darauf hin, dass
sich hier während der letzten Eiszeit an der Grenze zweier Terrassen unter Permafrostbedingun-
gen pingoartige Strukturen gebildet hatten. Deren vereiste Kerne schmolzen am Ende der letzten
Kaltzeit durch die Klimaerwärmung und führten zur Bildung von Hohlformen. Die tonig-humosen
Ablagerungen weisen darauf hin, dass diese noch längere Zeit mit Wasser gefüllt waren. Wie al-
lerdings die zahlreichen jungbronzezeitlichen Keramikfragmente, die teils regelrechte Scherben-
packungen bilden, in die oberen Verfüllschichten aus rotem Sand gelangten, muss vorerst noch
offen bleiben. Die Größe der Keramikfragmente, ihr guter Erhaltungszustand sowie ihre Lagerung
sprechen gegen eine Einschwemmung des Fundmaterials.
Abb. 26. Durch die intensiv rote Färbung sind die Reste der eiszeitlichen Pingos im Planum gut zu erkennen.
Abb. 27 (links). Vermessungsplan des
südlichen Bereiches der Grabung mit
eiszeitlichem Pingo.
Abb. 28 (unten). Durch die
eiszeitliche Struktur wurde ein
Quadrantensytem gelegt, um
Längs- und Querprofile doku-
mentieren zu können.

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SPL-16 – Eine geologische Besonderheit
Abb. 30. Anhand der verschiedenen Schichten lässt sich die zeitliche Abfolge der Verfüllung der während der
letzten Kaltzeit entstandenen Hohlformen rekonstruieren.
Abb. 29. Das Quadranten-
system aus der Luft.
Abb. 31. Jüngerbronzezeitliches Kegelhalsgefäß aus den oberen roten Schichten der eiszeitlichen Struktur.
Abb. 32. Auswahl an bronzezeitlicher Keramik aus der
eiszeitlichen Struktur.
Abb. 33. Aus dem Rahmen der Keramikfunde fällt
dieses Miniaturgefäß.

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Fazit
Dank der umsichtigen und guten Zusammenarbeit aller Beteiligten gelang es, entlang der Trasse
der Ferngasleitungen 19 und 20 wichtige archäologische Befunde vor ihrer Zerstörung auszu-
graben, zu dokumentieren, die Funde zu bergen und somit der Nachwelt zu erhalten. Als neue
Mosaiksteine ergänzen die Fundstellen bei Tätzschwitz und Spreewitz das Siedlungsbild der
nördlichen Oberlausitz in ur- und frühgeschichtlicher Zeit. Gelegen in einer Landschaft, in der in
der Vergangenheit große Flächen durch die Tagebaue archäologisch weitgehend unbeobachtet
abgebaggert und damit unzählige historische Dokumente unwiederbringlich zerstört worden
sind, ist ihre Bedeutung umso größer.
Unser Dank gilt allen, die zum Gelingen des Projektes beitrugen:
Investor:
ONTRAS Gastransport GmbH, Leipzig
Bauoberleitung:
PLE Pipeline Engineering GmbH, Berlin
Bauüberwachung:
Ingieneurbüro Weishaupt, Grimma
ARGE Neubau Ferngasleitungen FGL 19/FGL 20, 1. BA:
Friedrich Vorwerk GmbH KG (GmbH & Co.), Petersberg
Einhaus Anlagenservice GmbH, Geeste
PPS Pipeline Systems GmbH, Schkeuditz
Streicher GmbH & Co. KG a. A., Deggendorf
Vermessungsbüro:
Peukert & Schwarz, Ingieneurbüro für Vermessung und Markscheidewesen, Benndorf
Kampfmittelräumung:
Dresdner Bohrgesellschaft mbH, Dresden
Landesamt für Archäologie Sachsen
Referatsleiter:
Dr. Harald Stäuble
Projektleitung:
Matthias Conrad, Frauke Kreienbrink
GrabungsleiterInnen:
Mathias Bertuch, Susanne Schöne
Grabungstechniker:
Kay Mauksch, André Schindler
Zeichnerinnen:
Corina Franke, Kathrin Laube, Susann Lentzsch, Conny Spillmann, Sabine Zimmer
GrabungsarbeiterInnen:
Marco Dreßler, Frank Eberhardt, Heiko Eberhardt, René Fiedler, Bernd Grützner, Rico Jung, Rico Naumann,
Ramona Ramisch, Dorothea Rettke, Olaf Richter, Ulrike Richter, Andreas Syre
Vermessung:
Ute Krämer
Geoarchäologie:
Dr. Christian Tinapp
Impressum:
Landesamt für Archäologie Sachsen
September 2016
Besucheradresse und Postanschrift:
Zur Wetterwarte 7
01109 Dresden
Telefon: 0351 8926 199
Telefax: 0351 8926 999
E-Mail: info@lfa.sachsen.de
Web:
www.archaeologie.sachsen.de
Text/Layout: Matthias Conrad, Frauke Kreienbrink, Mathias Bertuch, Susanne Schöne
Geodaten © Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen 2016