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Pressemitteilung
Verleihung des Deutschen Preises für Denkmalschutz 2018
// Bekanntmachung der Preisträgerinnen und Preisträger
// Preisverleihung am 29. Oktober 2018 in Straßburg
Montag, 30. Juli 2018
Das Präsidium des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz verleiht in diesem Jahr
zwölf Persönlichkeiten und Personengruppen, die sich in besonderem Maße um die Erhaltung
des baulichen und archäologischen Erbes verdient gemacht haben, den Deutschen Preis für
Denkmalschutz.
Der Deutsche Preis für Denkmalschutz ist die höchste Auszeichnung auf diesem Gebiet in der
Bundesrepublik Deutschland. Die Auszeichnung kann in folgenden Kategorien verliehen
werden: Der Karl-Friedrich-Schinkel-Ring, die Silberne Halbkugel, der Journalistenpreis und
der Internetpreis.
Den Karl-Friedrich-Schinkel-Ring erhalten:
Dr. Jerzy Ilkosz (Breslau, Polen)
Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (Rheinland-Pfalz)
Die Silbernen Halbkugeln erhalten:
Arbeitskreis für Erdstallforschung e. V. (Bayern)
Förderkreis Bahnhof Belvedere e. V. Köln-Müngersdorf (Nordrhein-Westfalen)
Bauhütte Stadtgottesacker e. V. (Sachsen-Anhalt)
Freundeskreis Schloss Wildenfels e. V. (Sachsen)
Verein Wassermühle Karoxbostel e. V. (Niedersachsen)
Den Journalistenpreis erhalten:
Kathrin Beck (Zweites Deutsches Fernsehen)
Daniela Lentin und Simone Augustin (RadioBERLIN 88,8, rbb)
Till Raether (Süddeutsche Zeitung)
Manfred Kubiak und Arthur Penk (Heidenheimer Zeitung)

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Den Internetpreis erhält:
Dr. Karin Berkemann, Daniel Bartetzko und Julius C. Reinsberg
(www.moderne-regional.de)
Zusammenfassende Begründungen für die diesjährige Vergabe der Preise sind dieser
Information beigefügt.
Die Preise werden am
29. Oktober 2018 im Palais du Rhin in Straßburg (Frankreich)
durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz
feierlich überreicht. Zu dieser
Preisverleihung um
14:30 Uhr
ist die Presse herzlich eingeladen. Die Geschäftsstelle bittet
um vorherige Anmeldung und Akkreditierung.
Anmeldung und weitere Informationen:
Geschäftsstelle des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz
bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien - K 54,
Köthener Straße 2, 10963 Berlin
caecilie.flossdorf@bkm.bund.de
www.dnk.de
Zur Begründung:
Der Karl-Friedrich-Schinkel-Ring soll an folgende Preisträger vergeben werden:
Dr. Jerzy Ilkosz (Breslau, Polen)
für sein jahrzehntelanges, ehrenamtliches Engagement für die transnationale
Zusammenarbeit bei der Erforschung, Vermittlung und Erhaltung des gemeinsamen
Kulturerbes von Deutschen und Polen. Als hochgeschätzter, international herausragender
Wissenschaftler und Vermittler versteht er es, kulturelle Brücken zu schlagen und durch
Ausstellungen und Publikationen die Baukunst der Moderne in Schlesien einer breiten
Öffentlichkeit grenzübergreifend nahe zu bringen. Hierbei sucht er stets mit hoher
Sachkenntnis den Dialog zwischen Politik, Investoren, Fachleuten und Öffentlichkeit und
leistet dabei einen großen Beitrag zur Verständigung zwischen Polen und Deutschen.
Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (Rheinland-Pfalz)
für sein Lebenswerk als leidenschaftlicher Förderer des Denkmalschutzgedankens zur
Erhaltung und Pflege des kulturellen Erbes. Über viele Jahrzehnte hinweg profitierte nicht nur
das familieneigene, kriegszerstörte Schloss Bendorf-Sayn von seinem Engagement, sondern
auch etliche Burgen am Rhein, die durch seinen unermüdlichen Einsatz für die europäische
Burgenlandschaft restauriert und ertüchtigt werden konnten und so der Weg für eine
angemessene Nutzung geebnet worden war. Darüber hinaus ist er über viele Jahrzehnte
hinweg in zahlreichen ehrenamtlichen Funktionen auf nationaler wie internationaler Ebene
aktiv. So hat er auch als Präsident der Deutschen Burgenvereinigung e.V. wesentlich zum
Erhalt, aber auch zur Erforschung der deutschen Burgenlandschaft beigetragen. Alexander
Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn hat sich als Netzwerker und Vermittler zwischen
Burgenbesitzern und der institutionellen Denkmalpflege große Anerkennung verschafft.

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Die Silbernen Halbkugeln sollen an folgende Preisträger vergeben werden:
Arbeitskreis für Erdstallforschung e. V. (Bayern)
für seine großen Verdienste bei der wissenschaftlichen Erforschung, Dokumentation und
Sicherung von Erdställen und anderen vergleichbaren unterirdischen Anlagen in Bayern. Sie
unterstützen Eigentümer beratend und zwischen ihnen und den Fachstellen vermittelnd bei
anstehenden Sicherungsarbeiten bis hin zur Antragsstellung von erforderlichen
Genehmigungen. Durch ihren Einsatz mit einem hohen Maß an ehrenamtlichen
Arbeitsstunden, Eigenmitteln und eingeworbenen Spenden konnten zahlreiche Erdställe vor
Einstürzen gesichert und somit das Denkmal erhalten werden. Die wichtige Pionierarbeit zum
Erhalt der Bodendenkmäler und Vermittlung deren Denkmalwerte ist einzigartig in dieser
besonderen Denkmalgattung.
Förderkreis Bahnhof Belvedere e. V. Köln-Müngersdorf (Nordrhein-Westfalen)
für sein hohes und unermüdliches Engagement, um den Bahnhof Belvedere vor einer
Abwärtsspirale aus Unternutzung und fehlenden Investitionen zu schützen. Es brauchte
dringend das Engagement dieser kreativen, selbstlosen Bürgerinitiative mit rund 250
Mitgliedern, um die Bedeutung des Gebäudes wieder zu erkennen. Dem Ende 2010
gegründeten Förderkreis Bahnhof Belvedere e. V. gelang es, in zahlreichen Gesprächen mit
der Verwaltung und dem zuständigen Landesministerium ein Nutzungskonzept samt
Wirtschaftsplan zu initiieren, Gutachten zum Denkmalwert und zum baulichen Zustand zu
beauftragen, Fördermittel zu akquirieren und auch einige Instandsetzungsarbeit zu
ermöglichen.
Bauhütte Stadtgottesacker e. V. (Sachsen-Anhalt)
für seine Rettung und denkmalgerechte Instandsetzung des 1557 bis 1594 nach dem Vorbild
italienischer Camposanto-Anlagen errichteten halleschen Stadtgottesackers. Mit einem über
fast zwei Jahrzehnte währenden, herausragenden bürgerschaftlichen Engagement gelang es
dem Verein, mit Hilfe von internationalen Freiwilligen-Camps und Künstlern die Ausstattung
der Anlage, die mehr als 400 Jahre Kunst-, Architektur- und Stadtgeschichte in einem
architektonischen Gesamtkontext vereint, instand zu setzen. Dabei wurde die wertvolle
Originalsubstanz aus dem 16. Jahrhundert weitestgehend konserviert und notwendige
Neueinfügungen zeugen von großer Umsicht und Respekt vor dem sensiblen historischen
Bestand.
Freundeskreis Schloss Wildenfels e. V. (Sachsen)
für ihr jahrelanges, vielfältiges bürgerschaftliches Engagement, um ein einzigartiges kulturelles
Erbe zu bewahren, es über die Grenzen Sachsens und Deutschlands hinaus
bekanntzumachen und immer größere Teile des Gebäudes in angemessener Form zu nutzen.
Auf einem Bergsporn in der Nähe von Zwickau gelegen, geht Schloss Wildenfels auf eine
mittelalterliche Burganlage zurück, die im ausgehenden 18. Jahrhundert sein heutiges
Aussehen – inklusive der wertvollen Ausstattung mit bedeutendem klassizistischem Interieur
und einem außergewöhnlich großen Bestand an originalen Seiden- bzw.
Seidenapplikationstapeten – erhielt. Die Gemeinde Wildenfels übernahm das Schloss, um es
vor dem 1945 beschlossenen Abbruch zu retten, aber erst dem 1998 gegründeten
Freundeskreis gelang es, die repräsentativen Räumlichkeiten und die kostbare Ausstattung zu
restaurieren, Spendengelder in großem Maße einzuwerben und schließlich das Schloss
wieder vielseitig nutzbar zu machen.

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Verein Wassermühle Karoxbostel e. V. (Niedersachsen)
für seine fachgerechte, behutsame Sanierung des Denkmal-Ensembles aus dem
15. Jahrhundert, welches von einer Ruine zu einem lebendigen Ort der Begegnung und zu
einem außerschulischen Lernstandort im Rahmen des Nationalen Aktionsplans „Bildung für
nachhaltige Entwicklung“ (BNE) entwickelt wurde. Erst 2012 erwarb der damals aus knapp 90
Mitgliedern bestehende Verein das Ensemble und konnte so die Abbruchgefahr dieses
„historischen Kleinods“ abwenden. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten achtete der Verein auf
einem denkmalfachlich hohen Niveau stets darauf, dass die Authentizität und Zeugniskraft
weitestgehend erhalten werden konnte. Die so sanierten Gebäude werden auch für vielfältige
kulturelle Veranstaltungen in den Bereichen Theater, Musik, Tanz, Literatur, Märchen sowie
Pflege und Erhalt der Niederdeutschen Sprache genutzt.
Der Journalistenpreis soll an folgende Preisträger vergeben werden:
Kathrin Beck (Zweites Deutsches Fernsehen)
und ihrem Team für ihre Dokumentation Hitlers Architektur: Spuren vom Westwall bis zur
Autobahn innerhalb der Reihe „Böse Bauten“, in der sie sich auf differenzierte Art und Weise
mit den „unbequemen“ Baudenkmalen, den sperrigen architektonischen Hinterlassenschaften
der NS-Zeit befasst. Von der gigantischen ehemaligen Nazi-Ordensburg Vogelsang in der
Eifel über die „Reichsautobahn“ bis zur ersten Spannbetonbrücke der Welt spannt Kathrin
Beck gekonnt den Bogen, der diese Zeit mit den daraus erwachsenden Bauwerken
repräsentiert. Dabei gelingt es ihr, auch tragische und komplexe Zusammenhänge eingängig
und für die Zuschauer nachvollziehbar in diesem erfolgreichen und innovativen Format
darzustellen und dabei stets der Frage nachzugehen, wie wir mit dem problematischen Erbe
umgehen sollen.
Daniela Lentin und Simone Augustin,(RadioBERLIN 88,8, rbb)
für ihre wöchentliche, multimediale Serie „Bauzombies – Was wird aus den Ruinen unserer
Stadt“, in der sie Möglichkeiten und Grenzen der Wiederbelebung der Gebäude aus BRD- und
DDR-Zeiten unter aktiver Mithilfe der Zuhörer, die leerstehende Gebäude oder verfallene
Areale aus ihrem Kiez vorschlagen, ausloten. Der Denkmalschutz wird dabei immer wieder
thematisiert, vor allem im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen und persönlichen
Interessen –
und so fragen die Reporter hartnäckig bei Behörden und Eigentümern nach. Oft
durften sie auch selbst die Objekte besichtigen und schildern für den Hörer gut
nachvollziehbar – geradezu erlebbar – wie der sonst verschlossene Ort aussieht. Diese
Hörfunkbeiträge werden durch gut aufbereitete Fotostrecken und 360-Grad-Aufnahmen für die
Social Media Kanäle flankiert. Einige Beiträge wurden auch für die Abendschau des rbb
Fernsehens produziert und vermitteln multimedial die Geschichte des Objektes an die breite
Öffentlichkeit.
Till Raether (Süddeutsche Zeitung)
für seine Beiträge, mit denen er die lange verachteten brutalistischen Betonbauten in ein
anderes Licht rückt und der breiten Öffentlichkeit diesen Architekturstil des Brutalismus –
abgeleitet von seinem Baustoff „béton brut“ (roher, unverkleideter Beton) – näher bringt.
Schließlich stehen allein in Deutschland tausende dieser oft stadtbildprägenden Gebäude, wie
z.B. Gemeindezentren, Universitäten, Wohnanlagen, Schulen, Sakralbauten oder auch das
Olympische Dorf in München. Man kann den Brutalismus nur in ihrer Zeit verstehen: es waren
Bauten für die Massen, Skulpturen für eine selbstbewusste, demokratische Gesellschaft. Nun
gilt es diesen auf Grund des vornehmlich verwendeten Baustoffs in die Jahre gekommenen, in
vieler Hinsicht herben, kompromisslosen, aber auch ehrlichen Bauwerken mit Respekt zu
begegnen und auch die Entscheidung über Abriss oder Sanierung vor diesem Hintergrund zu
treffen.

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Manfred Kubiak und Arthur Penk (Heidenheimer Zeitung)
für ihren vorbildlichen Einsatz zur Erhaltung von Glocken als Denkmale in ihrer crossmedialen
Serie „Heiliger Bimbam“, die nicht nur im Kulturteil der Heidenheimer Zeitung erschien,
sondern auch parallel über das Online-Portal der Zeitung sowie YouTube verbreitet wurde.
Auf diesem Wege ist es den Autoren eindrucksvoll gelungen, eine größere Reichweite zu
erzielen und das Thema Kirchenglocken mit ihrem kulturgeschichtlichen Hintergrund nicht nur
lesbar, sondern auch seh- und hörbar aufzubereiten. Glocken gliederten einst den
Tagesrhythmus der Menschen und sind aus dem täglichen Leben nicht wegzudenken. Nun
bringen Manfred Kubiak und Arthur Penk sie durch ihre spannenden Reportagen wieder ins
Bewusstsein der Bevölkerung.
Der Internetpreis soll vergeben werden an:
Dr. Karin Berkemann, Daniel Bartetzko und Julius C. Reinsberg
(www.moderne-regional.de)
für ihre Website
www.moderne-regional.de,
die sich seit 2014 als Newsmedium mit der
Kulturlandschaft der Nachkriegsmoderne befasst und deren vielfältige und unterschiedliche
Facetten wissenschaftlich fundiert und mediengerecht aufgearbeitet darstellt. Hierbei stehen
sowohl denkmalgeschützte wie auch nicht denkmalgeschützte Bauwerke bzw.
architektonische Details im Fokus. Durch das kombinierte Angebot von Kurzinformationen,
Veranstaltungshinweisen und dem dazugehörigen Online-Magazin zeigt die Website, unter
Verwendung der sozialen Medien, eindrucksvoll eine Variante der modernen Informations-
und Baukulturvermittlung. Die Website und das Online-Magazin dienen als unterstützendes
Element der Öffentlichkeitsarbeit der Denkmalfachbehörden bei der Sensibilisierung der
Bevölkerung für Denkmale der Nachkriegsjahrzehnte.
Pressekontakt:
Björn Bernat
Geschäftsstelle des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz
bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien – K54
bjoern.bernat@bkm.bund.de
030 32091-776
0160 - 96611204