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Pressemitteilung
Verleihung des Deutschen Preises für Denkmalschutz 2021
// Bekanntmachung der Preisträgerinnen und Preisträger
// Preisverleihung am 22. Oktober 2021 in Berlin
Dienstag, 10. August 2021
Das Präsidium des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz verleiht in die-
sem Jahr elf Persönlichkeiten und Personengruppen, die sich in besonderem Maße
um die Erhaltung und Vermittlung des baulichen und archäologischen Erbes ver-
dient gemacht haben, den Deutschen Preis für Denkmalschutz.
Der Deutsche Preis für Denkmalschutz ist die höchste Auszeichnung auf diesem
Gebiet in der Bundesrepublik Deutschland. Sie wird in mehreren Kategorien verge-
ben: Der Karl-Friedrich-Schinkel-Ring für ein herausragendes Lebenswerk, die Sil-
bernen Halbkugeln für überdurchschnittliches Engagement einzelner oder mehrerer
Personen in der Denkmalpflege, der Journalistenpreis für engagierte und fachkun-
dige Berichterstattung über Kulturdenkmale sowie der Internetpreis für die Vermitt-
lung denkmalpflegerischer Inhalte
Den Karl-Friedrich-Schinkel-Ring erhält:
Eva Löber (Sachsen-Anhalt)
Die Silbernen Halbkugeln erhalten:
Alois Sailer (Bayern)
Denk mal an Berlin e.V. (Berlin)
Förderverein Eiszeitkunst im Lonetal e.V. (Baden-Württemberg)
Evangelische Kulturstiftung Görlitz (Sachsen)
Freunde und Förderer des historischen Ratsschiffes M/S Köln e.V. (Nordrhein-
Westfalen)
Rundlingsverein e.V. (Niedersachsen)

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Den Medienpreis erhalten:
Thomas Beyer (ARTE Re: in Zusammenarbeit mit dem MDR)
Swen Gummich, Christine Voges und Kathrina Edinger (ARTE/ZDF)
Karsten Gravert und Nicole Blacha (ZDF / 3sat)
Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.
Zusammenfassende Begründungen für die Vergabe der Preise sind dieser Informa-
tion beigefügt.
Die Preise werden am
22. Oktober 2021 im Berlin Congress Center (bcc) in Ber-
lin durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz
feierlich überreicht.
Zur Preisverleihung werden auch die Preise des vergangenen Jahres an die Preis-
träger überreicht, da die feierliche Übergabe 2020 aufgrund der Corona Pandemie
abgesagt werden musste. Informationen zu den Preisträgern sind ebenfalls dieser
Information beigefügt.
Zur feierlichen Preisverleihung um
14.30 Uhr
ist die Presse herzlich eingeladen.
Die Geschäftsstelle bittet um vorherige Anmeldung und Akkreditierung.
Anmeldung und weitere Informationen zur Preisverleihung:
Geschäftsstelle des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz
bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien - K 54,
Potsdamer Platz 1, 10785 Berlin
caecilie.schueren@bkm.bund.de
www.dnk.de
Pressekontakt:
Corinna Tell
Geschäftsstelle des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz
bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien – K54
Corinna.Tell@bkm.bund.de
030 18 681 - 43132

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Zur Begründung:
Preisträger 2021
Der Karl-Friedrich-Schinkel-Ring wird in diesem Jahr verliehen an:
Eva Löber (Sachsen-Anhalt)
für ihren über drei Jahrzehnte andauernden, unermüdlichen Einsatz zum Erhalt der
Cranach-Höfe in der Lutherstadt Wittenberg. Frau Löber trug durch das großange-
legte Denkmalpflege-, Kultur- und Bürgerprojekt maßgeblich zur Rettung der früh-
neuzeitlichen Baukomplexe der Cranach-Dynastie bei. Anfang der 1990er Jahre
waren aufgrund der desolaten wirtschaftlichen Situation während der politischen
Wende in der ehemaligen DDR historische Stadtzentren und -quartiere sehr gefähr-
det. Eva Löber schaffte es an der Spitze einer idealistischen Bewegung durch ihre
Energie und Zuversicht, Mut und Frustrationstoleranz und vor allem denkmalpfle-
gerische Haltung, dass beide Cranach-Höfe nun Orte sind, an denen Kultur und
kulturelle Bildung, Kunst, Wissenschaft und Gastfreundschaft einen festen Platz ha-
ben.
Die Silbernen Halbkugeln werden an folgende Preisträger*innen vergeben:
Alois Sailer (Bayern)
für sein einzigartiges, mehr als fünfzigjähriges Engagement zum Schutz von Kultur
und Natur. Als Heimatpfleger des Kreises Dillingen organisierte er seit den 1970er
Jahren den Widerstand gegen die damalige Praxis, barocke Pfarrhöfe und histori-
sche Bauernhäuser auf dem Land zugunsten von pflegeleichteren Wohnhäusern
abzubrechen. Er widmete sich aber nicht nur dem Schutz der identitätswahrenden
Bauten, sondern auch den großartigen, natürlichen Landschaften wie dem Donau-
ried, eine Flusslandschaft im westlichen Bayern. Dafür nahm er die Auseinander-
setzung mit der Landespolitik auf sich, um das Donauried nicht durch technische
(fragwürdige) Großprojekte überformen zu lassen. Seine Beharrlichkeit zahlte sich
aus.

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Denk mal an Berlin e. V. (Berlin)
für sein breit angelegtes und langjähriges Engagement, um das Bewusstsein für
das baukulturelle Erbe zu stärken. Der Verein engagiert sich für Vermittlungsar-
beit, Vernetzung, Restaurierungsmaßnahmen an Denkmalen, beteiligt sich an der
Berliner Dombauhütte, leistet eine vorbildliche Pressearbeit, gestaltet öffentliche
Debatten, startet politische Initiativen, lädt zu Exkursionen ein und organisiert das
Jugendprojekt „Werkstatt Denkmal“ in Zusammenarbeit mit Schulen. Diese her-
ausragende, vielseitige und nachhaltige Arbeit – insbesondere für Kinder und Ju-
gendliche – ist absolut vorbildlich.
Förderverein Eiszeitkunst im Lonetal e. V. (Baden-Württemberg)
für seine tatkräftige, ideelle und finanzielle Unterstützung der archäologischen Er-
forschung des Lonetals – Höhlenfundplätze aus der letzten Eiszeit vor ca. 115.000
und 11.700 Jahren–, der Vermittlung des archäologischen Erbes der Region, sowie
der Bewahrung der Fundplätze und ihrer Umgebung. Darüber hinaus hat der Verein
in diesem Zusammenhang stets um die Anerkennung archäologischer und denk-
malpflegerischer Arbeit gekämpft und die Vernetzung aktueller wissenschaftlicher
Erkenntnisse mit Denkmalpflege und interessierten Laien gefördert. Nicht zuletzt ist
es zu einem großen Teil dem Engagement des Vereins zuzuschreiben, dass die
Bewerbung um den UNESCO-Welterbetitel als erste deutsche altsteinzeitliche
Welterbestätte „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ erfolgreich war.
Auch bei der Gründung des als Erlebniszentrum konzipierten, heutigen Archäo-
parks Vogelherd war der Verein maßgeblich an der Planung, Finanzierung und dem
Unterhalt beteiligt.
Evangelische Kulturstiftung Görlitz (Sachsen)
für ihre herausragenden, bereits 25jährigen Verdienste zum Schutz, zur Pflege und
zum dauerhaften Erhalt Görlitzer Kulturdenkmale und Ensembles von europäi-
schem Rang. Der Stiftung gelang es, nicht mehr gottesdienstlich genutzte und ge-
fährdete Sakralbauten, die aus der Verantwortung der in finanziell schwieriger Lage
befindlichen evangelischen Kirche entlassen werden sollten, durch kluges Ehren-
amt und Ergreifen von Fördermöglichkeiten zu erhalten und zu pflegen. Die Bedeu-

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tung der Sakralbauten wird durch qualifizierte Führungen und niveauvolle Veran-
staltungen für die Bürger erlebbar. Darüber hinaus veranlasste die Kulturstiftung
auch neue Forschungen und wissenschaftliche Arbeiten zu den in ihrer Obhut be-
findlichen Denkmalen, um Anregungen für bessere zeitgemäße, nachhaltige Nut-
zungen erarbeiten zu können.
Freunde und Förderer des historischen Ratsschiffes M/S Köln e. V. (Nordrhein-
Westfalen)
für ihren erfolgreichen und vor allem leidenschaftlichen Einsatz zur Rettung des vom
Verfall bedrohten, denkmalgeschützten Ratsschiffes Köln, welches 1938 als reprä-
sentatives Empfangs- und Ausflugsschiff der Stadt gebaut worden war. Die Wah-
rung und Mehrung des Wissens über die Binnenschifffahrts- und Hafengeschichte
der Stadt Köln, über die Völkerverständigung durch den Austausch mit internatio-
nalen Gästen an Bord und die Teilnahme und Einbindung von Trägern der Kinder-
und Jugendhilfe in Projekte und Veranstaltungen ergänzen die Aktivitäten des Ver-
eins. Zusätzlich konnten durch ihre Initiative wichtige Geldgeber wie die Stadt Köln,
der Bund, das Land NRW und Private akquiriert werden. Auch und vor allem die
restauratorisch-technischen Aspekte sind beim schwimmenden Denkmal, das im-
mer wieder im Laufe seiner rund 80 Jahre umgebaut wurde, besonders herausfor-
dernd. Mit Beharrlichkeit und Fleiß stellt sich seit fast 10 Jahren der Verein bravou-
rös dieser Aufgabe.
Rundlingsverein e. V. (Niedersachsen)
für sein über 50-jähriges Engagement zum Schutz der Siedlungslandschaft Rund-
linge im Wendland, welches deutlich über das Übliche innerhalb der Brauchtums-
pflege hinausgeht. Der Rundlingsverein e.V. zeichnet sich durch eine hohe Konti-
nuität und Professionalität in der Vermittlung denkmalpflegerischer Positionen aus
und ist auch als Sprachrohr und Vermittler zwischen den Bewohnern in den Rund-
lingsdörfern des Landkreises Lüchow-Dannenberg und den (Denkmal)behörden
aufgetreten, bei Wahrung der nötigen kritischen Distanz und Unabhängigkeit in
beide Richtungen. So trennt der Verein nicht zwischen Natur- und Denkmalschutz,
sondern eint beide Interessen zum Wohle des Anliegens und zur verträglichen Wei-
terentwicklung der Rundlinge hinsichtlich Klima- und Artenschutz. Der Rundlings-

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verein verkörpert jenseits der behördlichen Denkmalpflege gleichermaßen als Kor-
rektiv und Verstärkung eine gemeinsame Verständigungsebene für alle gesell-
schaftlichen Gruppen.
Der Medienpreis wird in diesem Jahr an folgende Preisträger*innen vergeben:
Thomas Beyer (ARTE Re: in Zusammenarbeit mit dem MDR)
für seine einfühlsame Fernsehdokumentation „Konservatoren in Auschwitz – Arbei-
ten gegen das Vergessen“ über den Umgang mit den baulichen Hinterlassenschaf-
ten des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, 75 Jahre nach der Befreiung.
Die Bauten des Schreckens waren nicht für die Ewigkeit errichtet worden, sondern
für die schnelle Vernichtung zahlreicher Menschenleben. Da sie aber der unwieder-
bringliche, augenscheinliche Beweis der Verbrechen sind, werden sie voller Empa-
thie mit übergroßer Anstrengung von Fachleuten aller Genres restauriert, um sie
vor dem endgültigen Untergang zu bewahren. Ihr Ziel: das UNESCO-Weltkulturerbe
so authentisch wie möglich zu bewahren. Dabei ist die große Verantwortung und
Last, die das junge Team auf sich genommen hat, dank der sensiblen Kameraarbeit
eindrücklich zu spüren.
Swen Gummich und die Autorinnen Christine Voges und Kathrina Edinger (ARTE
/ ZDF)
für ihre äußerst kurzweilige Xenius-Sendung „Fachwerk – Bautechnik von gestern
für morgen“, mit der sie aufzeigen, was Fachwerk heute bedeutet, wie praktisch
gebaut wird und wie man alte Materialien wieder recycelt. Wenn man beim Bauen
im Zeitalter der Klimakrise von Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung spricht,
dann muss die alte Technik der Fachwerkkunst ganz oben stehen. Nah am Stoff,
locker und lebendig erzählt schaffen es der Regisseur und die Autorinnen zusam-
men mit einer dynamischen und hellwachen Kameraarbeit, dass den Zuschauerin-
nen und Zuschauern deutlich wird: alte Bautechniken haben große Chancen für die
Zukunft.

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Karsten Gravert und Nicole Blacha (ZDF / 3sat)
für ihre Fernseh-Dokumentation „Der große Denkmalsturz“, mit der sie einen auf-
klärenden Beitrag zur Auseinandersetzung über zeitgemäße Formen kollektiver Er-
innerungskultur im öffentlichen Raum leisten. Im Sommer 2020 hatte sich im Zu-
sammenhang mit der
Black Lives Matter
-Bewegung die Wut der anti-kolonialen Ak-
tivistinnen und Aktivisten auch an den Denkmälern kolonialer Herrschaft entladen.
Dieses polarisierende Thema wird nicht nur angemessen und respektvoll behan-
delt, sondern es kommen auch gegensätzliche Positionen zu Wort, wenn Helden
der Vergangenheit mit den moralischen Maßstäben der Gegenwart gemessen wer-
den. Die Zuschauer erfahren so, dass es keine einfachen Lösungen gibt, sondern
dass es differenzierterer Aushandlungsprozesse bedarf.
Verband Deutscher Kunsthistoriker e. V.
für seine „Rote Liste – ein Denkmalgewissen für Deutschland“, mit der er im Inter-
net auf bedrohte Kulturstätten und -einrichtungen aufmerksam macht, um damit
baukulturelles Erbe in Deutschland vor dem Verfall zu bewahren. Mit seinem Pro-
jekt lädt der Verband deutschlandweit Bürger*innen ein, sich direkt vor ihrer Haus-
tür auf die Suche nach gefährdeten Denkmalen zu machen, hierüber zu informie-
ren und durch die mediale Aufmerksamkeit zu Handlungsdruck vor Ort zu sorgen.
Es sollen zum einen Denkmalgefährdungen aller Art in Deutschland aufgespürt
und Lösungswege aufgezeigt werden und zum anderen von erfolgreichen Beispie-
len für gerettete Denkmale gelernt werden. Auf der Homepage des Verbandes
Deutscher Kunsthistoriker findet man eine benutzerfreundliche, in Text und Bild
ansprechende und verständlich gestaltete, regelmäßig aktualisierte Präsentation
der Denkmale, die zum Mitmachen einlädt.

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Preisträger 2020
Der Karl-Friedrich-Schinkel-Ring 2020 wird verliehen an:
Dipl.-Ing. Winfried Brenne (Berlin)
für sein weit über die Architektentätigkeit hinausgehendes, außergewöhnliches En-
gagement als anerkannter Spezialist für die denkmalgerechte Instandsetzung von
Bauten der klassischen Moderne. Seit den 1970er Jahren ist er ein Pionier in Be-
wertungsfragen, für die Bauforschung der Moderne, für restaurierungsethische wie
auch konstruktionsgeschichtliche Aspekte. Es gelang ihm mit seinem Büro metho-
disch wertvolle Grundlagenarbeit für die Erfassung und Bewertung von Konstrukti-
onen, Oberflächen und Schadensbildern zu leisten. Für die oft komplizierten Repa-
raturen und Instandsetzungen wurden mit bemerkenswerter Detaillierung, Geduld,
Erfindergeist und Erfahrungswissen immer wieder Lösungen gefunden, die bauphy-
sikalisch, erscheinungsbildlich und funktional angemessen sind. Darüber hinaus ist
Winfried Brenne stets als Vermittler deutschlandweit und international aktiv und
lässt so eine breite Fachwelt an seinem Wissen teilhaben.
Die Silbernen Halbkugeln 2020 werden an folgende Preisträger*innen verge-
ben:
Denkmalstiftung Walder Kirche e. V. (Nordrhein-Westfalen)
für ihren ambitionierten Einsatz zur Rettung dieser ortsbildprägenden, neoklassizis-
tischen Kirche mit 1.000 Jahre altem Turm, die inzwischen zu einem identitätsstif-
tenden Faktor für Solingen avanciert ist. Es ist der Stiftung gelungen, durch ihre
unermüdlichen Aktionen die gesamte Bürgerschaft von Jung bis Alt, Christen und
Muslime, Karneval und Politik mitzureißen. Ihr Vorgehen ist äußerst kreativ und er-
zielt eine große Breitenwirkung – Schneekugeln für Weihnachtsmärkte (die inzwi-
schen schon Sammler-Wert erreicht haben), Motto-Umzüge, Märkte bis hin zu
Fachvorträgen. Dabei ist die erreichte finanzielle Dimension ebenso beachtlich, mit
der sie die Kirchengemeinde – in Abstimmung mit der Denkmalpflege – bei Restau-
rierungsarbeiten der Kirche unterstützen.

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Studentendorf Schlachtensee eG (Berlin)
für ihr langfristiges, mutiges Engagement, ohne dieses das herausragende Ensem-
ble der 1950er Jahre nicht mehr existierte. Geschenkt von den Amerikanern sollte
dort die akademische Elite von morgen Demokratie lernen, üben und sich vor allem
als selbstbewusste Gemeinschaft empfinden, unterstützt durch die Architektur. Eine
Anlage mit hohem gestalterischen und vor allem ideellen Anspruch, die trotzdem
durch Instandhaltungsrückstau um die Jahrtausendwende akut gefährdet war. Es
ist allein der Genossenschaft, die sich 2002 aus Studierenden und Befürwortern
gegründet hatte und das Studentendorf 2003 vom Land erwarb, zu verdanken, dass
das denkmalgeschützte Ensemble behutsam modernisiert und saniert werden
konnte. So steht es noch heute für ökologisches, denkmalgerechtes Bauen und
Studierende, die zu selbstbewussten Menschen heranwachsen dürfen.
Achim Kramb (Hessen)
für seine behutsame, substanzschonende, mustergültige Sanierung eines Gasthau-
ses aus dem 16. Jahrhundert in der Innenstadt von Limburg. Hier handelt es sich
um eine behutsame Denkmalinstandsetzung, bei der die Nutzung stets mitgedacht
und die ursprüngliche Funktion fortgeführt wurde bei gleichzeitig sehr großem un-
ternehmerischem Risiko. Dies ist ein gelungenes Beispiel mit Vorbildfunktion in Zei-
ten des innerstädtischen Leerstands und der Suche nach geeigneten Nutzungskon-
zepten.
Kirchberger Natur- und Heimatfreunde des NABU Deutschlands Ortsgruppe Kirch-
berg e. V. (Sachsen)
für ihre über 30 Jahre hervorragende, umfassende Betreuung des bedeutenden
montanarchäologischen und historischen Flächendenkmals „Hoher Forst“ bei Kirch-
berg (Zwickau). Schwerpunkt ihrer Arbeit ist der Erhalt, die Pflege und die Vermitt-
lung der historischen Bergbaulandschaft inklusiv ihrer Relikte in Zusammenhang
mit Belangen des Naturschutzes. Es ist ihnen vortrefflich gelungen, Kulturlandschaft
und Kulturerbe miteinander zu verbinden und so die 700jährige Besiedelungs- und
Bergbaugeschichte der Region, eines der am besten erhaltenen ober- und untertä-

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gigen Zeugen des mittelalterlichen Bergbaus im Erzgebirge, einer breiten Öffent-
lichkeit näher zu bringen. Seit 2019 ist der Hohe Forst Teil des UNESCO-Welterbes
„Montanregion Erzgebirge/Krušnohori“.
Viadukt e. V. Verein zur Nutzung des Baulichen Erbes der Industrialisierung Chem-
nitz (Sachsen)
für ihren erfolgreichen Kampf um die Rettung des Chemnitzer Eisenbahnviaduktes.
Die Deutsche Bahn AG (DB AG) plante, als Eigentümerin der Brücke, diese abzu-
reißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Dem Verein ist es durch beispielloses
Engagement, mit Mut, Kreativität und Sachverstand gelungen, dass die DB AG
2018 durch das Eisenbahnbundesamt verpflichtet wurde, das Eisenbahnviadukt zu
erhalten, zu ertüchtigen und denkmalgerecht zu sanieren. Das technische Denkmal
Chemnitztalviadukt wird dank des Vereins auch künftig als Zeugnis für die Stahl-
baukunst um 1900 erhalten bleiben und zugleich den aktuellen Anforderungen des
Bahnverkehrs gerecht werden.
Heimatbund Bad Dürrenberg e. V. (Sachsen-Anhalt)
für sein ehrenamtliches Engagement zum Erhalt und zur Bewusstseinsbildung über
den Wert des überaus bedeutenden, unter Denkmalschutz stehenden Gradierwer-
kes dieser ehemals sächsischen Saline. Der Heimatbund kümmert sich bereits seit
25 Jahren um dieses technische Denkmal, die längste Gradieranlage Deutsch-
lands, die auch Teil der Route der Industriekultur ist. Sein bemerkenswertes Enga-
gement bei der permanenten Erhaltungsarbeit des Gradierwerks und sein erfolgrei-
ches Fundraising stellt einen stabilen finanziellen Hintergrund dar. Der Heimatbund
hat sich der „salzigen Geschichte“ des Ortes verschrieben und bemüht sich, diese
durch Schausiederei, eine Heimatsammlung und ehrenamtliche Gradierwerksfüh-
rungen lebendig und erlebbar zu halten.
Der Journalistenpreis 2020 wird an folgende Preisträger*in vergeben:
Uli Patzwahl (NDR)
für seine lebendige Fernsehdokumentation über Hamburgs Backsteinbauten der
1920er Jahre. Fachlich fundiert und mitreißend erzählt bringt er uns die Problematik

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des Erhalts und der Sanierung des Backsteins näher. Dabei erfährt der Zuschauer
etwas über die traditionelle Backsteinherstellung bis hin zu modernen Backstein-
bauten in der Hafencity, erlebt den Abwägungsprozess zwischen Denkmalschutz
und Wohnraumnot expandierender Städte inkl. Abrissproblematik und neuer Nut-
zungskonzepte. Über allem steht „Bewusstsein bestimmt das Handeln“ und es ist
Herrn Patzwahl gelungen, den Zuschauer in diesen Prozess miteinzubeziehen und
Nachdenken anzuregen.
Nils Werner und Alexander Roth (MDR)
für ihre 30-minütige, kundig moderierte Fernsehdokumentation, die mit viel histori-
schem Material über die Dresdner äußere Neustadt den Zuschauer auf Zeitreise
mitnimmt. Dabei geht es nicht um eine nostalgische Rückschau, sondern um „span-
nende Gegenwartsfragen in historischer Perspektive“, so der Sender. Das größte
nahezu unzerstörte Altbauensemble der Stadt bot den Bürgerinnen und Bürgern ein
bröckelndes, aber lebendiges Quartier, in dem sie neue Formen des Hausbesitzes
und auch der Instand(be)setzung wagten. Heute ist nicht mehr viel übrig vom er-
kämpften „bezahlbaren Wohnen“ in der geretteten Dresdner Neustadt, die nun ein
durchsaniertes, teures Vorzeigeviertel ist. Ihre Sendung „MDR-Zeitreise – Eigen-
heim im Plan“, die sich auch über Dresden hinaus mit den Problemen um Wohnei-
gentum in der DDR befasst, trägt eindrucksvoll auf der Höhe der Zeit zur Erinnerung
und Aufklärung im 30. Jahr der Wiedervereinigung bei.
Rita Neumaier (Stadtredaktion Landshuter Zeitung)
für ihre verdienstvolle Artikelserie, mit der sie sich seit rund 10 Jahren für den Erhalt
von Baudenkmalen in Landshut einsetzt. In der Wochenendausgabe veröffentlicht
sie regelmäßig sehr detailreiche und persönliche Porträts von Baudenkmalen und
ihren Bewohnern (Landshuter Häuserporträts) und trägt damit zu Akzeptanz und
Identifikation der Bevölkerung mit dem kulturellen Erbe der Stadt bei. Ihre nachhal-
tige, kritisch-konstruktive Berichterstattung mit aussagekräftigen Fotos ist vorbild-
haft.