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Ferienjob, Praktikum oder Ausbildung:
Mit dem Einstieg in die Arbeitswelt beginnt für
dich ein spannender, völlig neuer Lebensab-
schnitt. Du erhältst dein erstes eigenes Geld, eine
neue Unabhängigkeit und Lebensqualität. Damit
die Arbeit lange Freude macht, dich erfüllt und du
leistungsfähig bleibst, sorgt das Jugendarbeits-
schutzgesetz (JArbSchG) dafür, dass du vor ar-
beitsbedingten Erkrankungen und Belastungen
wie Stress geschützt wirst. Im Gesetz ist festge-
schrieben, unter welchen Voraussetzungen Kin-
der und Jugendliche beschäftigt werden können.
Jeder Azubi/Jugendliche sollte seine Rechte ken-
nen und auf die Durchsetzung dringen. Denn dei-
ne Gesundheit ist dein wichtigstes Gut.
Das JArbSchG gilt für die Beschäftigung von
Personen, die noch nicht 18 Jahre alt sind
und die Arbeitnehmer/innen oder Auszubil-
dende sind oder in einem ausbildungsähnli-
chen Verhältnis stehen (§1 JArbSchG).
Die wichtigsten Vorschriften:
Arbeitszeit und Schichtzeit
(§§ 8,12,15 JArbSchG)
Jugendliche dürfen täglich nicht länger als
8 Stunden und wöchentlich nicht mehr als
40 Stunden beschäftigt werden. Für sie gilt die
5-Tage-Woche.
Die maximale tägliche Arbeitszeit darf 8,5 Stun-
den betragen, wenn dadurch ein freier Brücken-
tag zwischen Feiertagen und Wochenende durch
Mehrarbeit an anderen Werktagen ausgeglichen
wird oder wenn sie an anderen Werktagen der-
selben Woche verkürzt wird.
Die Schichtzeit (gilt einschließlich Ruhepausen)
darf 10 Stunden nicht überschreiten und in Be-
trieben des Gaststättengewerbes, in der Land-
wirtschaft, in der Tierhaltung sowie auf Bau- und
Montagestellen höchstens 11 Stunden be-
tragen.
Ruhepausen (§ 11 JArbSchG)
Nach 4,5 bis 6 Stunden Arbeitszeit steht dir eine
Pause von mindestens 30 Minuten zu. Bei mehr
als 6 Stunden beträgt die Pause mindestens
60 Minuten.
Tägliche Freizeit (§ 13 JArbSchG)
Die ununterbrochene Freizeit zwischen zwei Ar-
beitstagen muss mindestens 12 Stunden betragen.
Nachtruhe (§ 14 JArbSchG)
Jugendliche dürfen nur in der Zeit zwischen 6
und 20 Uhr beschäftigt werden. Sonderregelun-
gen gelten für über 16-Jährige im Gaststätten-
und Schaustellergewerbe (bis 22 Uhr), in mehr-
schichtigen Betrieben (bis 23 Uhr),
in der Landwirtschaft (ab 5 Uhr oder
bis 21 Uhr), in Bäckereien und Kon-
ditoreien (ab 5 Uhr). Jugendliche
über 17 Jahre dürfen in Bäckerei-
en ab 4 Uhr arbeiten.
Ruhe an Samstagen,
Sonn- und Feiertagen
(§§ 15 - 18 JArbSchG)
An Samstagen, Sonn- und Fei-
ertagen dürfen Jugendliche
grundsätzlich nicht arbeiten.
Für bestimmte Branchen und
Einrichtungen gelten Son-
derbestimmungen: z. B. in
Krankenhäusern sowie in Al-
ten-, Pflege- und Kinder-
heimen; in der Landwirt-
schaft und Tierhaltung; bei
Musikaufführungen, Thea-
Die tägliche maximale Arbeitszeit beträgt 8 Stunden
und die wöchentliche 40 Stunden (§§ 4, 8 JArbSchG). Zur
Arbeitszeit zählen auch das Vorbereiten des Arbeitsplat-
zes sowie sonstige Vor- und Abschlussarbeiten, außer-
dem theoretischer Unterricht und Praxislehrgänge. Nicht
hinzugerechnet werden Ruhepausen.
Gleich ist Feierabend! Badesee ich komme!
Valentin
frohlockt.
Schnell noch die beiden Räder korrekt anmontieren und das
Kundenauto auf den Werkstatthof fahren. Da biegt sein Chef um
die Ecke und wedelt schon von weitem mit einer Auftragsmappe.
Oh nein! Dem 17-jährigen Azubi schwant nichts Gutes. Und tatsäch-
lich – ein Eilauftrag. Er soll ein anderes Auto innen und außen kom-
plett reinigen. Das dauert mindestens eine Stunde! Badesee ade?
Nein, sein Chef weiß natürlich um die Bestimmungen des JArbSchG.
Er bittet ihn, die Arbeit gleich morgen früh als erstes zu erledigen.
Sicher
ist sicher!
Ú
www.arbeitsschutz.sachsen.de
westfotos.de (fotolia.com)
Monkey Business (fotolia.com)

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tervorstellungen und anderen Aufführungen so-
wie bei Direktsendungen im Rundfunk und Fern-
sehen; im Gaststättengewerbe; beim Sport; im
ärztlichen Notdienst; samstags auch in offenen
Verkaufsstellen, in Bäckereien und Konditoreien,
im Friseurhandwerk, im Marktverkehr, in Repara-
turwerkstätten für Kraftfahrzeuge und bei außer-
betrieblichen Ausbildungsmaßnah-
men. Generell dürfen Jugendliche
nicht am 25.12., am 1.1., am Os-
tersonntag und am 1.5. (§ 18 JArb-
SchG) beschäftigt werden; am
24.12. und 31.12. nur bis 14 Uhr.
Weiterhin regelt das JArbSchG fol-
gende Situationen: § 19 den Ur-
laubsanspruch; §§ 9, 10 die Berufs-
schulunterrichtszeit und Prüfungen;
der § 22 Beschäftigungsverbote und
-beschränkungen bei gefährlichen
Arbeiten; § 23 die Akkordarbeit; § 24
Arbeiten unter Tage; § 25 das Verbot
der Beschäftigung durch bestimm-
te Personen; §§ 51, 54 die Aufsicht;
§§ 32 - 35, 39, 43, 44 die gesund-
heitliche Betreuung; §§ 28 - 31, 47-
49 die Pflichten des Arbeitgebers;
§ 21a die Tariföffnungsklausel; §§
58, 59 Straf- und Buß-
geldvorschriften.
Jugendliche dürfen ohne Ruhepausen nicht länger als 4,5 Stunden hintereinander be-
schäftigt werden (§11 JArbSchG). Die Ruhepausen müssen bei mehr als 4,5 bis 6 Stunden
Arbeitszeit 30 Minuten und bei mehr als sechs Stunden 60 Minuten betragen. Ruhepau-
sen zählen nicht zur Arbeitszeit und dauern mindestens 15 Minuten.
Der Arbeitgeber hat Jugendliche für die Teilnahme am Berufsschulunterricht frei-
zustellen (§ 9 JArbSchG). Er darf dich nicht beschäftigen vor einem vor 9 Uhr be-
ginnenden Unterricht (dies gilt auch für Personen, die über 18 Jahre alt und noch
berufsschulpflichtig sind) sowie einmal in der Woche an einem Berufsschultag mit
mehr als 5 Unterrichtsstunden, außerdem in Berufsschulwochen mit einem plan-
mäßigen Blockunterricht von mindestens 25 Stunden an mindestens fünf Tagen.
Im § 22 Abs. 1 JArbSchG werden die Bereiche gefährlicher
Arbeiten aufgezählt, mit denen Jugendliche grundsätzlich
nicht beschäftigt werden dürfen. Das sind Arbeiten, die
deine physische und psychische Leistungsfähigkeit über-
schreiten; dich sittlichen Gefahren aussetzen; die mit Un-
fallgefahren verbunden sind, von denen anzunehmen ist,
dass du diese aus Mangel an Sicherheitsbewusstsein und
Erfahrung nicht erkennen oder abwenden kannst; bei de-
nen deine Gesundheit durch außergewöhnliche Hitze,
Kälte, Nässe gefährdet wird oder du schädlichen Einwir-
kungen durch Lärm, Erschütterungen, Strahlen; Chemi-
kalien bzw. biologischen Arbeitsstoffen ausgesetzt wirst.
Sami
hat sich nach dem Berufsschultag mit seinen
Freunden zum Chillen verabredet. Nun hat ihm sein
Chef über die Berufsschullehrerin ausrichten lassen,
dass er dringend im Ausbildungsbetrieb benötigt
wird. Da Sami letzte Woche 18 Jahre alt geworden ist,
hilft kein Diskutieren und außerdem – tröstet
er sich – macht ihm die Arbeit richtig Spaß.
â
Scheut euch nicht, bei Fragen oder Pro-
blemen die den Jugendarbeitsschutz in
den Schulen und Berufsschulen betref-
fen, eure Lehrerinnen und Lehrer anzu-
sprechen. Während der Berufsausbildung im
Betrieb stehen die Ausbilderinnen und Aus-
bilder in der Verantwortung. Weitere An-
sprechpartner sind Jugend- und Auszubil-
dendenvertreter, Betriebs- oder Personalräte
sowie Gewerkschaften. Bei Problemen, die
die Sicherheit bei der Arbeit anbelangen und
die sich trotz aller Bemühungen im Be-
Seit Stunden ist
Maike
(16 Jahre, 1. Ausbildungsjahr zur Köchin) ununterbrochen
im Dienst und auf den Beinen. Erst bei der Speisenzubereitung mitge holfen,
dann alles zum Kunden transportiert und angerichtet. Nun legt sie den Gästen
der Firmenfeier Häppchen um Häppchen auf die Teller. Langsam tun
ihr die Beine weh und der Magen knurrt. Doch die Schlange am Büffet
wird nicht kürzer. Keine Chance auf eine Pause? Da kommt ihre Chefin, deutet
auf die Uhr und flüstert: „Break“. Das lässt sich Maike nicht zweimal sagen.
trieb nicht lösen lassen, könnt ihr euch
auch an die Arbeitsschutzbehörden wen-
den:
www.arbeitsschutz.sachsen.de
Anika
, als angehende Chemielaborantin, ist
froh, dass bei ihr im Institut regelmäßig Arbeits-
schutzunterweisungen stattfinden. Sie weiß des-
halb, dass sie nur unter Aufsicht durch fachkun-
diges Personal im Labor tätig sein darf. Außerdem
gilt für sie ein generelles Arbeitsverbot für gifti-
ge, krebserregende und hautresorbierende Stof-
fe. Ihre Ausbilderin achtet sehr auf die Einhaltung
der Bestimmungen, denn sie weiß um die Gefah-
ren, die Anika ja noch gar nicht einschätzen kann.
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