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Bayerisches Staatsministerium des
Innern
Bayerisches Staatsministerium für
Landesentwicklung und Umweltfragen
Bergwandern –
sicher und
umweltbewusst

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Unterwegs in den Bergen
Wandern in den Alpen und Mittelgebirgen ist eine der
beliebtesten Urlaubs- und Freizeitaktivitäten. Menschen
jeden Alters suchen in den Bergen Erholung durch
Naturgenuss, Bewegung, Gruppenerlebnis oder auch
Bergeinsamkeit. Für Erholung, Fitness und Erlebnis ist
Bergwandern einfach ideal und jeder kann sich seine
Unternehmung nach eigenem Gutdünken gestalten,
ob er nun geruhsame Almwege oder anspruchsvolle,
bereits mit einer Brise Ungewissheit gewürzte Gipfel-
touren machen will.
Die Freude an der Bergnatur, die Genugtuung auf dem
Gipfel, das Erlebnis Berge setzen aber die Beachtung
einiger Verhaltensregeln voraus, um sich selbst und
andere nicht zu gefährden und auch schonend mit
unserer wertvollen Bergnatur umzugehen.
Diese Broschüre möchte Ihnen dazu wichtige Tipps an
die Hand geben, verbunden mit dem Wunsch für eine
erholsame Wanderzeit und eine gute Rückkehr ins Tal.
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Inhalt
Planung und Vorbereitung einer Bergtour
4
Abmarschbereit – Durchführung der Tour
12
Zukunft schützen – Natur erleben
Bergsport und Naturschutz beim Deutschen Alpenverein
16
Umweltbewusst unterwegs in den Bergen 18
Bei Anruf Hilfe
20
Die Notrufmeldung
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Die Rettungskette
22
Lebensrettende Sofortmaßnahmen
23
So helfen Sie den Rettern
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Für Sie im Einsatz
Die Bergwacht Bayern
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3

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Planung und Vorbereitung
einer Bergtour
1. Wissen, was auf einen zukommt:
Die Anforderungen beim Bergwandern
Schwindelfreiheit und Trittsicherheit:
Bergwege sind oft sehr naturbelassen und bestehen
manchmal nur aus markierten Pfadspuren. Geröll,
Felsplatten, lose Steine müssen sicher begangen wer-
den, Stolpern kann fatale Absturzfolgen haben.
Höhenwege liegen teilweise oft bis weit in den Sommer
hinein unter steilen Altschneefeldern, auf denen man
leicht ausrutschen kann; ihre Begehung verlangt
Trittsicherheit und stabile Bergschuhe. Und wenn der
Weg am Steilhang entlang führt, darf den Wanderer
kein Schwindel befallen, der Tiefblick muss ihn „cool“
lassen.
Was tun?
■Mit
leichten Touren anfangen und bei gutem
Gefühl steigern
Einen Bergwanderkurs mitmachen und
bewusst an Steilheit gewöhnen, Gehen auf
Geröll und Schnee lernen
Gute Kondition und Kraftausdauer in den Beinen
1000 Höhenmeter Aufstieg und mehr sind durchaus
normal, mehrstündige Gehstrecken bis zur nächsten
Hütte oder zurück ins Tal verlangen eine solide
Grundlagenausdauer sowie Kraftausdauer in der
Beinmuskulatur. Vorbereitendes Ausdauertraining
schützt vor Herztodrisiko beim Bergwandern, dem
gerade Personen über 45 Jahre ausgesetzt sind.
Was tun?
Regelmäßig Ausdauersport treiben (Radfahren,
Laufen) gezielt Anstiege trainieren (Hügelwandern,
nordic walking)
4
Gute Kenntnisse in Orientierung mit Karte,
Kompass und Höhenmesser
Verirren im Gebirge kann vor allem wegen der
Absturzgefahr tödlich sein! Der gekonnte Umgang mit
einer topographischen Karte, am besten im Maßstab
1:25.000, mit dem Kompass und dem Höhenmesser
ist deshalb - gerade bei längeren hochalpinen Touren -
unumgänglich. Normalerweise reichen zwar die Markie-
rungen und Wegtafeln in Verbindung mit der Wander-
karte aus, sobald aber Nebel einfällt (was in den
Bergen sehr schnell passieren kann) oder Schnee die
Wegzeichen überdeckt, ist der zusätzliche Einsatz von
Kompass und Höhenmesser gefragt. Ein perfektes
Hilfsmittel für die Orientierung im anspruchsvollen
Gelände ist zudem das Satelliten-Navigations-System
(GPS).
Was tun?
■Lernen
Sie den Umgang mit Karte und Kompass;
versuchen Sie z.B. bei einer kurzen Wanderung, ihren
Standort im Gelände zu bestimmen. Für das GPS-
Gerät gilt: Der Umgang mit dem elektronischen Gerät
muss vor der Tour ausführlich geübt werden!
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Verlassen Sie sich nicht auf Ihren natürlichen Orien-
tierungssinn. Nutzen Sie stets Karte und (bei längeren,
hochalpinen Touren) ggf. auch Kompass und Höhen-
messer.
Üben Sie den Umgang mit diesen Hilfsmitteln:
Höhenlinien, Kartensymbole und Entfernungsangaben
wollen richtig gelesen werden, um Umwege und
Enttäuschungen zu vermeiden.
Wenn Sie unerfahren sind, machen Sie Ihre ersten
alpinen Gehversuche zusammen mit einem örtlichen
Wanderführer oder mit erfahrenen Begleitern.
Der einfachste Weg zur erfahrenen Begleitung führt
über eine Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV).
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2. Mit der Planung fängt alles an –
wichtige Informationen vor der Tour
Die richtige Auswahl und Planung Ihrer Bergtour ist
entscheidend für das Gelingen. Informieren Sie sich im
Vorfeld über Schwierigkeitsgrad, Gipfelhöhe und
Gehzeiten. Dazu gibt es vielfältige Literatur. Viele nützli-
che Informationen erhält man auch von bergerfahrenen
Freunden und Kollegen.
Als wichtigste Informationsquellen dienen Ihnen
Landkarten, z.B.
Alpenvereinskarten für die Hochgebirgsregionen
(Maßstab 1:25.000)
Topographische Karten des Bayerischen
Landesvermessungsamtes (Maßstab 1:50.000)
Alpine Literatur
Gebietsführer mit Routenbeschreibung
■Sachbücher
zu Ausrüstung und Verhalten
Auskünfte
■alpine
Auskunftsstellen des DAV (089/294940) und
OeAV (0043/512-291600) sowie der örtlichen
Alpenvereinssektion
von Fremdenverkehrsämtern und örtlicher
Bergwachtbereitschaft
von Kennern der Berggebiete
von Einheimischen (z.B. Hüttenwirte)
■aus
dem Internet
(Tourenvorschläge, aktuelle Verhältnisse)

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Bei Prognosen für zweifelhafte Wetteraussichten:
Frühzeitig aufbrechen, kürzere Tour planen
Wetterentwicklung genau beobachten
■Kleidung
gegen Regen und Kälte mitnehmen
Wetterauskünfte erhalten Sie bei folgenden Stellen:
Alpenvereinswetterbericht
Tel.: 089 - 29 50 70
■Alpine
Auskunft des DAV
Tel.: 089 - 29 49 40
■Internet
des DAV
www.alpenverein.de
Wetterbericht Alpen allgemein
Tel.: 0190 - 11 60 11
■Bergwetter
auf der Zugspitze
Tel.: 0190 - 11 60 12
■Wetterbericht
Gardasee Berge Tel.: 0190 - 11 60 16
■Wetterbericht
Schweizer Alpen Tel.: 0190 - 11 60 17
Wetterbericht Ostalpen
Tel.: 0190 - 11 60 18
Wetterbericht Bayer. Alpen
Tel.: 0190 - 11 60 19
Wetterbericht Französische
Alpen/Oberitalien
Tel.: 0190 - 11 60 21
Alpenwetterbericht in Österreich
(nur in Österreich anwählbar)
Tel.: 0900-91156680
Wetterbericht Schweiz
Tel.: 0041/1 – 162
3. Wenn es blitzt und donnert –
Wetterumschwünge im Gebirge
In Höhen über 2000 m können ganz andere Witte-
rungsverhältnisse herrschen als beim Aufbruch im Tal
oder von der tiefer gelegenen Hütte. Kaltfronten und
Gewitter wirken sich dort wesentlich extremer aus. Auf
2000 Meter kann es auch im Hochsommer zu Schnee-
fall kommen. Wer unvorbereitet davon überrascht wird,
kann in Lebensgefahr geraten.
Regen oder gar Schneeregen erschweren das Begehen
der Bergwege, Rutschgefahr und Sturzgefahr steigen.
Dichter Nebel oder rasch aufziehende Wolken können
die Sicht so verschlechtern, dass die Orientierung
erschwert und das Weiterkommen verzögert wird. Eisi-
ger Wind kühlt den ungeschützten Wanderer innerhalb
von Minuten aus, und die Kombination von Unterküh-
lung und Erschöpfung ist verhängnisvoll. Die nächste
Schutzhütte ist oft weit entfernt.
Erkundigen Sie sich im Vorfeld genau über das Wetter
und nehmen Sie die Ankündigungen von Kaltfronten
oder Gewittern sehr ernst.
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Handy:
verkürzt in der Regel die
Rettungszeit erheblich, bei
„Funklöchern“ Standort wechseln
Karten, Kompass:
Topografische Karten des
Bayer. Landesvermessungsamtes
(Maßstab 1:50.000)
Alpenvereinskarten
(Maßstab 1:25.000)
Rucksack:
Inhalt 20-30 l für Tagestouren, mit
Deckel- und Seitentaschen
Stöcke:
Teleskopstöcke, zur Entlastung der
Gelenke, besonders beim Bergab-
gehen
Getränke und Verpflegung
Um eine längere Tour durchzuhalten, muss dem Körper
regelmäßig Flüssigkeit und Energie zugeführt werden.
Getränke:
mindestens 1 Liter, isotonische
Durstlöscher, wenig gesüßte Säfte
oder Früchtetee
Verpflegung:
kleine Brotzeit entsprechend
der Tourenlänge und Einkehr-
möglichkeiten, Energie- oder
Müsliriegel, Trockenobst
Abfalltüte:
wir nehmen Abfälle wieder mit
ins Tal!
Weitere Ausrüstung
Nur mitnehmen, was gebraucht wird, ohne jedoch
die Sicherheit zu gefährden! Auch ein zu schwerer
Rucksack kann ein Sicherheitsrisiko sein!
Nützlich sind jedoch:
Taschenmesser:
mit mehreren Funktionen
Taschenlampe
für Spätherbsttouren oder
oder Stirnlampe:
Hüttenübernachtungen
Signalpfeife:
für Hilfe und Ortungssignale
4. Gut gerüstet –
Schuhe und Bekleidung für Bergwanderungen
Schuhe:
Je schlechter der Weg und je länger die Tour, desto
spezieller müssen die Schuhe sein. Für einen gut
hergerichteten Wanderweg genügen leichte
Wanderschuhe, eine anspruchsvolle Bergtour über
Felsen und Schnee erfordert knöchelhohe Bergstiefel
mit Profilsohle; Obermaterial Leder, Gore- oder
Sympatexeinlage.
Bekleidung:
Bergwandern ist schweißtreibend, am Gipfel kann es
aber auch schnell empfindlich kalt werden. Je nach
angestrebter Höhe und der voraussichtlichen Wetter-
entwicklung ist Kälte- und Wetterschutzkleidung nach
dem Mehrschichtprinzip notwendig:
Unterhemd und Hemd aus schweißtransportieren-
dem Material (Funktionswäsche)
Wollpullover oder Faserpelzjacke
Lange Hosen: strapazierfähiges und elastisches
Kunstfasermaterial
Wetterschutzjacke: wind- und wasserabweisendes
Material mit Kapuze
Mütze und Handschuhe
Ersatzwäsche: zum Wechseln nach schweißtreiben-
dem Anstieg, nach Regenfall
Strümpfe: verstärktes Fußbett, Mischgewebe, Frottee
5. Gut gepackt –
die richtige Ausrüstung
Sonnenschutz:
Sonnenbrille mit 100% UV-Schutz,
Sonnencreme mit hohem
Lichtschutzfaktor, Lippenschutz,
Cap oder Mütze zum Schutz von
Gesicht u. Nacken
Erste Hilfe Set
:
um kleine Verletzungen selbst zu
versorgen, vor allem Wasserblasen!
Rettungsdecke:
wichtig zum Schutz vor Unterküh-
lung bzw. generell bei
Verletzung
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Informieren Sie Angehörige, Mitwanderer, Hüttenwirt
oder Zimmervermieter über Tourenverlauf und voraus-
sichtliche Rückkehrzeit.
Ein frühzeitiger Aufbruch (z.B. bei Sonnenaufgang)
ist u.a. sinnvoll bei:
■sehr
langen Wanderungen (über 8 Stunden)
starker Tageserwärmung
Gewitterneigung am Nachmittag
Sollten Sie Ihre Pläne während der Tour ändern
(z.B. Übernachtung in einer Berghütte etc.), müssen
Sie sicherstellen, dass die betreffende Person im Tal
oder auf der Hütte davon erfährt und keine unnötige
Suchaktion auslöst.
Abmarschbereit –
Durchführung der Tour
1. Anpassung an dünne Luft
und Schutz vor UV-Strahlung
Die Höhe der Berge macht gerade ihren Reiz
aus, aber sie birgt auch einige Risiken:
Sauerstoffgehalt und Luftdruck nehmen mit der Höhe
ab, der nicht angepasste „Flachländer” spürt den
Sauerstoffmangel bereits ab 2500 Meter deutlich.
Leichtes Schwindelgefühl und nachlassende
Leistungsfähigkeit sind die Folgen. Vorbeugung: Die
ersten drei Tage des Bergurlaubes langsam angehen
und sich erst einmal an die Höhenluft gewöhnen.
Die dünne Luft in der Höhe lässt die gefährliche
UV-Strahlung viel stärker durch, es kommt schnell zu
Sonnenbrand und Augenreizung. Vorbeugung: Haut
immer mit Kopfbedeckung und Kleidung schützen,
im Gesicht Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor
auftragen, Augen mit guter Sonnenbrille schützen
(100% UV-Schutz).
2. Wichtiges vor dem Aufbruch
Folgende wichtige Eckdaten sollten vor der Tour
bekannt sein:
■Höhenmeter
Aufstieg und Abstieg
Entfernungskilometer
■Höhe
der Übergänge und Gipfel
Geländebeschaffenheit, Wegeverhältnisse
Mögliche Anlaufpunkte (bewirtschaftete Hütten,
Seilbahnstationen)
Gesamtlänge mit Zeitdauer
Planen Sie Ihren Aufbruch so, dass genügend
Reservezeit für die Rückkehr vor Einbruch der
Dunkelheit bleibt. Planen Sie auch ausgiebige
Pausen ein.
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4. Sicherheit geht vor
Einen Gipfel zu erreichen ist ein schönes Erfolgser-
lebnis. Man darf ihn aber nicht unter allen Umständen
„erzwingen“. Treten überraschend Schwierigkeiten
wie Wegunterbrechungen, steile, harte Schneefelder
und ähnliche gefährliche Situationen auf, ist es besser
umzukehren, als Risiken einzugehen.
Bei schlechter Sicht sollten Sie:
■immer
auf dem Weg bleiben und Markierungen folgen
■zum
letzten bekannten Punkt zurückgehen, wenn
Sie die Markierung verloren haben oder unsicher sind
keinesfalls versuchen, sich „irgendwie durchs
Gelände zu schlagen“
■in
der Gruppe zusammenbleiben
Haben Sie sich im Nebel verlaufen, so bleibt nichts
anderes übrig, als auf bessere Sicht zu warten und
sich vor Kälte zu schützen (Rettungsdecke).
Ein Abstieg durch unbekanntes Gelände kann lebens-
gefährlich sein.
Verhalten bei Gewitter
Bei Blitz und Donner ist es lebenswichtig
■Gipfel,
ausgesetzte Grate, nasse Rinnen, eisengesi-
cherte Steiganlagen und die Nähe von Einzelbäumen
zu verlassen
■nicht
in Panik zu fliehen, sondern Ruhe zu bewahren
eine kauernde oder sitzende Haltung auf isolierender
Unterlage einzunehmen (z.B. Rucksack)
Übrigens:
Höhlen und Grotten sind nur dann sicher, wenn sie
genügend Rücken- und Kopffreiheit sowie genügend
Abstand von der Außenkante bieten.
3. Endlich unterwegs! So wandern Sie richtig.
Beginnen Sie ihre Bergwanderung gemütlich und in
gleichmäßigen Schritten. Der Körper sollte langsam
„warmlaufen“, so finden Sie am besten „Ihr“ Tempo.
Vorsicht!
Nach starker nächtlicher Abkühlung im Herbst ist an
Bachübergängen und Wasserfällen mit Vereisung zu
rechnen!
Bedenken Sie auch:
Sommersmog, also eine erhöhte Ozonkonzentration,
tritt meist bei längeren Schönwetterperioden auf. Bei
Werten ab 180 μg/m
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sollten empfindliche Personen
übermäßige Anstrengungen vermeiden bzw. den
anstrengenden Aufstieg am Vormittag absolvieren. Die
Ozonwerte sind in den Morgenstunden am niedrigsten.
Um gut durchzuhalten, sollten Sie:
■rechtzeitig
und regelmäßig trinken (schon eine
Stunde nach Abmarsch); der Körper braucht bei
Anstrengung viel Flüssigkeit
■Pausen
zur Erholung in regelmäßigen Abständen
einlegen. Die erste längere Rast (20-30 Minuten)
macht man am besten nach ca. 2 Stunden Gehzeit
■sich
in den Pausen bei einer kleinen Brotzeit stärken
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Umweltbewusst
unterwegs in den Bergen
Nachdenkenswert
Die Alpen sind weltweit Erholungs- und Tourismus-
region Nr. 1 (120 Millionen Gäste, 500 Millionen
Übernachtungen pro Jahr). Nirgendwo genießen mehr
Menschen das Erlebnis Natur. Wir wollen dass das
auch in Zukunft so bleibt. Sie auch? Tatsache ist:
Längst haben die Belastungen in den Alpen Dimensio-
nen erreicht, die folgenschwere Probleme verursachen.
Wenn wir diesen Prozess umkehren wollen, kommt es
auf den Beitrag jedes Einzelnen an. Denn es ist immer
die Summe aller Beeinträchtigungen, die zu Belastun-
gen führt.
Wir alle sind mitverantwortlich und müssen mehr
Rücksicht nehmen:
■auf
die natürlichen Ressourcen Wasser, Boden, Luft,
■auf
die wildlebenden Pflanzen und Tiere und deren
Lebensräume und
■auf
die soziale und kulturelle Identität der Bewohner
in den Alpenregionen
Liebe Bergwanderer und Bergsteiger,
beherzigen deshalb auch Sie unsere Tipps!
Für die Anfahrt
■Am
besten: Benutzen Sie, wenn immer möglich,
öffentliche Verkehrsmittel
■Lassen
Sie Ihr Auto auf einem Parkplatz im Tal
stehen
■Parken
der Autos an Wegrändern oder gar in Wiesen
verursacht Schäden, die Natur und Landschaft
beeinträchtigen
■Fahrradfahrer
und Mountainbiker: Halten Sie sich
an das Wegegebot und nehmen Sie Rücksicht auf
Wanderer
■Achtung!
Verzichten Sie aufs Rauchen und auf
offenes Feuer. Trockene Wiesen und Wald geraten
schnell in Brand
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Für den Aufstieg
Schliessen Sie Viehgatter: Entlaufenes Almvieh kann
in der Natur erhebliche Schäden anrichten und bringt
dem Bergbauern oder Senner zusätzliche Arbeit oder
sogar Schaden
■Bleiben
Sie auf den Wegen: Latschenfelder, alpine
Rasen und Gebirgswald sind Überlebensräume der
Wildtiere
■Denken
Sie daran: Alpenblumen in der Hand verblü-
hen schnell. Verpflanzt an andere Standorte sind sie
nicht überlebensfähig
■Wildtiere
reagieren auf „normales“ Verhalten der
Erholungssuchenden ohne Stress. Deshalb: Nicht
Flüstern, Anpirschen oder gar Verjagen. Nebenbei:
Hunde sollten Sie nur an der Leine mitführen
■Nehmen
Sie besonders im Winter Rücksicht auf
Wildtiere. Bei Flucht im Schnee verbrauchen die
Tiere besonders viel Energie, zu deren Erneuerung in
dieser Jahreszeit zu wenig Nahrung vorhanden ist
Für den Gipfelaufenthalt
■Denken
Sie daran: Die meisten Besucher suchen auf
dem Gipfel die Ruhe und wollen die Faszination der
Bergwelt geniessen
■Was
man hinaufgetragen hat, nimmt man wieder mit
hinunter, also auch die Abfälle wieder mitnehmen
Für den Rückweg
■Bleiben
Sie auf Wegen und Pfaden, vermeiden Sie
Abkürzungen. Die alpine Vegetation ist trittempfind-
lich. In Falllinie zum Berg entstehende Rinnen können
zu Erosionen bis hin zu Hangrutschungen führen
■Lostreten
von Steinen steigert die Erosionsgefahr
und gefährdet Menschen
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Die Notrufmeldung
Die fünf „W“ der Alarmierung
Notrufnummern
Mit dem Handy
1.) Notruf Europaweit (ohne Ortsvorwahl)
112
(ausgenommen Schweiz
114)
2.) Rettungsleitstellen in Bayern: Ortsvorwahl+19222
Kempten:
0831/19222
Weilheim: 0881/19222
Traunstein:
0861/19222
Im Festnetz
(ohne Ortsvorwahl)
1.) Rettungsleitstellen in Bayern
19222
Ausnahme: integrierte Leitstelle
der Landeshauptstadt München
112
2.) Polizei
110
3.) Feuerwehr
112
Bei Anruf Hilfe
Die Alarmierung der Bergwacht Bayern
Wenn trotz guter Vorbereitung doch einmal etwas
passiert, ist die zuständige Rettungsleitstelle in Bayern
der richtige Ansprechpartner.
Bei dieser Leitstelle geht in der Regel der Notruf ein
und von dort aus werden alle zum Einsatz nötigen
Rettungsmittel ausgewählt, disponiert und koordiniert.
(Bergwacht, Notarzt, Hubschrauber, Krankenwagen,
Hundestaffel, usw.)
Der sogenannte Disponent löst danach bei der
zuständigen Bergwachtbereitschaft Alarm aus. Dies
geschieht in der Regel über sogenannte Funkmelder.
Der alarmierte Einsatzleiter hört dann auf seinem
Funkmelder den Alarmton mit aufgesprochenem Text
des Disponenten. Je nach Meldebild entscheidet er
in Absprache mit der Leitstelle, wer noch alarmiert
werden soll, und leitet weitere Schritte zur Rettung ein.
Sehr hilfreich ist es für den Rettungsablauf, wenn
der Verunfallte bzw. Anrufer bei der Leitstelle seinen
Notruf per Handy getätigt hat. So kann der örtliche
Einsatzleiter der Bergwacht direkt mit dem Verunfallten
bzw. Anrufer Kontakt aufnehmen und sich über nähere
Einzelheiten am Unfallort erkundigen.
Unbedingt eigene Handynummer angeben!
Für den Einsatzleiter ist es von großem Vorteil, wenn
er sehr präzise und detaillierte Angaben vom Anrufer
erfährt (siehe auch nächste Seite).
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• eindeutige Ortsangabe
• Geländeverhältnisse
• Name, Rückrufnummer
• Selbst am Unfall beteiligt?
• Uhrzeit des Unfalls
Wer meldet
den Notfall?
Was ist passiert?
Wo?
Wieviele?
Wann?
• Art und Schwere der
Verletzung
• Unfallhergang
• Anzahl der Verletzten

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Lebensrettende
Sofortmaßnahmen
Allgemeine Unterkühlung
Ursachen!
Unzureichende und/oder feuchte Kleidung bei
niedriger Umgebungstemperatur, ggf. bedingt durch
Sturz ins kalte Wasser, meist in Verbindung mit Wind,
großer Höhe, Erschöpfung und Bewegungsarmut.
Erkennen!
Phase 1: Erregungssteigerung (37-34°C)
■kalte,
blasse Haut
Frieren mit Muskelzittern
Phase 2: ...Erregungsabnahme (34-25°C)
Muskelsteifigkeit bis Starre
Bewußtseineintrübung bis Bewußlosigkeit
■Verlangsamung
von Puls und Atmung
Selbstschutz des Körpers!
Ausschließliche Durchblutung des Körperkerns mit
den lebenswichtigen Organen
■Arme
und Beine werden nach und nach nicht mehr
durchblutet
Gefahr!
Vorsicht Bergungstod! Vermischung des kalten
Schalenblutes mit Körperkernblut
Lebensgefahr!
Handeln!
Phase 1:
Unterkühlten aktiv bewegen
Vor weiterer Auskühlung schützen
■Wärmezufuhr
durch heiße und gezuckerte Getränke
Phase 2:
Unterkühlten NICHT bewegen
Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) nur wenn
ununterbrochene Fortführung möglich ist
Die Rettungskette
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Unfall
Erste Hilfe am Unfallort
Notfallmeldung:
• verletzte Person selbst
• oder Melder/Ersthelfer
RETTUNGSLEITSTELLE
Kommunikation
Unterstützung durch
Partner:
• Luftrettung
• Landrettung
• Wasserrettung
• Polizei
• Bundeswehr
• Bundesgrenzschutz
Bergwacht
Sichere Rettung des
Verletzten. Transport ins
Krankenhaus

Lebensrettende
Sofortmaßnahmen
Lebensbedrohliche Blutungen
Erkennen!
Vorsicht! Blutende Wunden können durch Kleidungs-
stücke oder durch die Lage des Verletzten verdeckt
werden!
Es ist eine sichtbare Blutung, oder blutet durch die
Kleidung, der Blutfleck an der Kleidung vergrößert sich,
es rinnt aus der Kleidung!
Gefahr!
Der Verletzte verblutet, unter den Anzeichen des
Schocks!
Daher gilt: Nicht nur auf direkt sichtbare Verletzungen
achten, sondern den Verletzten genau untersuchen!
Schock? Anzeichen!
Schneller und schwächer werdender, schließlich kaum
noch tastbarer Puls! Kalte Haut, fahle Blässe, frieren,
Schweiß im Gesicht und eine auffallende Unruhe sind
Anzeichen für einen Schock!
Maßnahmen!
Verletzungen der unterschied-
lichen Körperregionen:
am Arm
Arm hochhalten
am Bein
Bein hochhalten
am Kopf
mit der Hand auf
die Blutungsstelle
pressen
Blutgefäße abdrücken
Jede Wunde soll keimfrei
bedeckt werden!
Blutung mit einem Verband, bei
starker Blutung mit einem Druck-
verband stillen!
ggf. Schocklagerung,
Wärmeerhaltung
Lebensrettende
Sofortmaßnahmen
Herzstillstand
Bewußtsein kontrollieren!
Verletzten ansprechen, ggf. auch
durch Körperkontakt (mit der Hand an
der Schulter schütteln) Bewusstsein
prüfen!
Atmung vorhanden?
Kopf überstrecken und Atemkontrolle
Gefahr!
Erstickungsgefahr durch Fremdkörper,
Erbrochenes oder die eigene Zunge!
Atemwege frei?
Atemwege von Fremdkörpern
mit Finger ggf. mit Taschentuch
freiräumen, bei Flüssigkeit Kopf
seitlich drehen!
Keine Atmung? Atemspende!
Über Mund zu Mund oder Mund zu
Nase erfolgen zwei Beatmungen, bis
der Brustkorb sich deutlich anhebt!
Suche nach Anzeichen von
Kreislauffunktion
Eigenatmung, Schlucken, Husten,
Würgen, Bewegungen und Hautfär-
bung gelten als Anzeichen von einer
Kreislauffunktion
Keine Atmung! Kein Kreislauf!
Die Wiederbelebung kann durch einen
oder zwei Helfer durchgeführt werden,
abwechselnd:
15x Herzdruckmassage
2x Beatmungen
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Landeplatz
■mindestens
25 x 25 m
absolut hindernisfrei (keine Leitungen!)
■fester
Untergrund, mindestens 4 x 4 m
zum Aufsetzen der Kufen
■Start
und Landung nicht unmittelbar neben
dem Patienten
Verhalten als Einweiser
1.) Stellen Sie sich mit dem Rücken zum Wind auf und
machen Sie das abgebildete „Yes-Zeichen“
2.) Bleiben Sie am Rand der Aufsetzfläche stehen
3.) Entfernen Sie sich nicht, wenn der Hubschrauber
direkt auf Sie zufliegt
4.) Nähern Sie sich dem Hubschrauber erst nach
absolutem Stillstand der Rotoren oder nach
Anweisung der Hubschrauberbesatzung!
So helfen Sie den Rettern
Verhalten bei Bergunfällen
■Bewahren
Sie Ruhe und handeln Sie überlegt!
■Leisten
Sie Erste Hilfe nach eigenem Können und
Ihren Möglichkeiten
■Sorgen
Sie vor allem für Kälteschutz (Rettungsdecke)
■Sollten
Sie ein Handy zur Verfügung haben, setzen
Sie einen präzisen Notruf ab; vergessen Sie dabei
nicht ihre eigene Rückrufnummer zu nennen
(siehe S.21)
■Sprechen
Sie dem Verletzten gut zu und lassen
Sie ihn möglichst nicht allein
Signale zum Einweisen des
Rettungshubschraubers
Professionelle Hilfe kommt in den Bergen häufig
aus der Luft.
■Sehen
Sie sich nach einem geeigneten Landeplatz
für den Rettungshubschrauber um
■Verwenden
Sie zum Einweisen des Hubschraubers
die abgebildeten Notzeichen!
Achten Sie auf Gegenstände, die lose herumliegen
(Kleidung, Rucksäcke, Skistöcke,....) Sie können die
Funktion der Rotoren bzw. die Steuerung behindern
oder beschädigen und schlimmstenfalls zum Absturz
des Hubschraubers führen!
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Unsere Aufgaben
Rettung Sommer
Rettung Winter
Natur- und Umweltschutz
Luftrettung
Canyon-
und Höhlenrettung
Katastrophenschutz
Auslandshilfe
Jugendarbeit
Für Sie im Einsatz
Die Bergwacht Bayern
4900 aktive ehrenamtliche Bergretter/-innen
220 ausgebildete Bergwachtärzte/-innen
ca. 850 auszubildende Anwärter/-innen
119 Standorte in Bayern
334 Meldestellen
ca. 200.000 Stunden für Aus- und Fortbildung der
Bergretter/-innen pro Jahr in Bayern
über 60.000 Stunden für aktiven Natur- und
Umweltschutz pro Jahr in Bayern
über 1.000.000 Stunden für Aufgaben im
Rettungsdienst pro Jahr in Bayern
über 10.000 Einsätze pro Jahr in Bayern
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HERAUSGEBER
Bayerisches Staatsministerium des Innern
Odeonsplatz 3
80539 München
Internet:
www.innenministerium.bayern.de
E-Mail: poststelle@stmi.bayern.de
Bayerisches Staatsministerium
für Landesentwicklung und Umweltfragen
Rosenkavalierplatz 2
81925 München
Internet:
www.umweltministerium.bayern.de
E-Mail: poststelle@stmlu.bayern.de
IN ZUSAMMENARBEIT MIT
Deutscher Alpenverein e.V. (DAV)
Von-Kahr-Straße 2-4
80997 München
Tel. 089/140 03-0
Fax 089/140 03-11
Internet:
www.alpenverein.de
E-Mail: info@alpenverein.de
Bergwacht Bayern
Am Moosfeld 11
81829 München
Tel. 089/42 71 83-60
Fax 089/42 71 83-80
Internet:
www.bergwacht-bayern.de
E-Mail: info@bergwacht-bayern.de
Grafik: Georg Lechner, BfGuK München
Druck: Offsetdruck Feuerlein, Markt Erlbach
Titelfoto: Bernd Ritschel
Fotos innen: DAV und Bergwacht
Skizzen: Georg Sojer