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Zuwanderung und Integration
gut gestalten – Zusammenhalt leben
Zuwanderungs- und Integrationskonzept II
des Freistaats Sachsen
VON MENSCH ZU MENSCH.

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Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
sehr geehrte Damen und Herren,
"Zuwanderung und Integration gut gestalten – Zusammenhalt leben.
" Das ist die Leitidee
des fortgeschriebenen Zuwanderungs- und Integrationskonzeptes für den Freistaat Sachsen
(ZIK II), welches im April 2018 von der Sächsischen Staatsregierung verabschiedet wurde.
Hierbei wird an das Vorgängerkonzept aus dem Jahre 2012 angeknüpft.
Das ZIK II entstand unter breiter Öffentlichkeitsbeteiligung und berücksichtigt aktuelle Ent-
wicklungen, Chancen und Aufgaben. Dazu gehört insbesondere die humanitäre Verantwortung
und Solidarität für Flüchtlinge. Das ZIK II dient als Richtschnur für das Regierungshandeln,
möchte aber auch weiterhin Diskussionspapier sein. Es handelt sich um ein dynamisches
Konzept, das im Rahmen der Umsetzung bewusst flexibel ausgestaltet ist. Kommen Sie also
gern mit uns und Ihren Ideen und Anregungen ins Gespräch!
Für mich ist aktive Integrationspolitik eine nachhaltige Investition in unsere gemeinsame
Zukunft. Viele Menschen mit Migrationshintergrund in Sachsen sind motiviert und leisten
täglich ihren wichtigen Beitrag für ein gutes Miteinander. Viele Neuangekommene wollen sich hier
etwas aufbauen, das gilt insbesondere für Flüchtlinge. Ich bin der festen Überzeugung, dass jede
Investition in Integration gleichzeitig eine Investition in Wohlstand, Sicherheit und Zusammen-
halt unserer Gesellschaft ist. Integration kostet, aber keine Integration wird noch viel mehr
kosten. Denn die Integration Einzelner wirkt sich immer auch auf die gesamte Gesellschaft aus. Sie
geht jeden von uns etwas an. Lassen Sie uns jetzt gemeinsam beginnen. Jeder an seinem Ort.
Petra Köpping
Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration

Vorbemerkung 4
01 Sachsen: Weltoffen und zukunftsorientiert
6
1.1
Das Leitbild der Staatsregierung für Zuwanderung und Integration
8
1.2
Das sächsische Integrationsverständnis
11
1.3
Potenziale von Menschen mit Migrationshintergrund für Sachsen erkennen –
Qualifizierte Zuwanderung und humanitäre Verantwortung
12
1.3.1 Qualifizierte Zuwanderung als Chance für Sachsen
13
1.3.2 Respekt und Offenheit als Standortfaktor
16
1.3.3 Humanitäre Verantwortung und Solidarität Sachsens mit Flüchtlingen
19
1.3.4 Fazit und Ausblick
22
02
Wege nach Sachsen: Daten und Fakten
24
2.1
Migration als Teil sächsischer Geschichte
27
2.2
Überblick: Sächsische Bevölkerung mit Migrationshintergrund
28
2.2.1 Unionsbürger und freizügigkeitsprivilegierte Drittstaatsangehörige
36
2.2.2 Spätaussiedler
37
2.2.3 Sonstige Drittstaatsangehörige
38
2.2.4 Familiennachzug
42
2.3
Zuwanderungs- und Integrationsakteure
44
2.3.1 Staatliche und kommunale Akteure
44
2.3.2 Nichtstaatliche Akteure
46
2.3.3 Vernetzung der Akteure
47
03 Gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Menschen
mit Migrationshintergrund: Ziele und Maßnahmen
48
3.1
Sprache und Verständigung
51
3.2
Frühkindliche und schulische Bildung
55
3.3
Nachholende Bildung
58
3.4
Hochschulbildung/Wissenschaft
60
3.5
Aus- und Weiterbildung / Arbeit
65
3.6
Wohnen/Wohnumfeld
67
3.7
Gesundheit und Pflege
71
3.8
Gleichstellung von Frau und Mann
72
3.9
Gewaltschutz
73
3.10
Antidiskriminierungspolitik
74
3.11
Interkulturelle Öffnung – „Charta der Vielfalt“
75
3.11.1 Veränderungsprozess in Verwaltung konstruktiv gestalten
76
3.11.2 Unterstützung von Wirtschaft und Zivilgesellschaft
79
INHALT

04 Gesellschaftlicher Zusammenhalt: Ziele und Maßnahmen
80
4.1
Die Zufriedenheit mit der Demokratie stärken und zur aktiven Mitwirkung anregen 85
4.1.1 Zivilcourage und Demokratiebewusstsein stärken
86
4.1.2 Konstruktive Konflikt- und Mitwirkungskultur fördern
88
4.1.3 Politisches Engagement fördern
89
4.1.4 Freiwilliges gesellschaftliches Engagement stärken
90
4.2
Für gegenseitigen Respekt und Offenheit gegenüber kultureller Vielfalt werben
93
4.2.1 Alltagsorientierung von Menschen mit Migrationshintergrund verbessern
94
4.2.2 Begegnungen, Dialog und interkulturelles Verständnis fördern
96
4.2.3 Akzeptanz von Menschen mit Migrationshintergrund durch sachgerechte
Information stärken
99
4.3
Staatliche Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit und Prävention
gegen Extremismus den Erfordernissen anpassen
100
4.3.1 Sicherheitsrelevante Maßnahmen
100
4.3.2 Sicherheit von Menschen mit Migrationshintergrund gewährleisten
101
4.3.3 Extremismusprävention
102
05 Umsetzung des ZIK II: Strategisches Integrations
management, Forschung
und Monitoring
104
06
Anhang 110
6.1
Haushaltsvorbehalt
112
6.2
Anmerkung zur geschlechtersensiblen Sprache
112
6.3
Glossar
113

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
VORBEMERKUNG
3
Vgl. Koalitionsvertrag CDU/SPD Sachsen 2014-2019, S. 71; S. 73.
4
Vgl. Gemeinsame Erklärung der Fachkräfteallianz Sachsen „Fachkräfte gewinnen. Fachkräfte halten. Sachsens Zukunft sichern.“ vom 07.04.2016, S. 2.
1
Vgl. Gutachten des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) „Integration von Zuwanderern im Freistaat
Sachsen - Situationsbeschreibung und Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Integrationsmaßnahmen im Rahmen der Umsetzung des
Sächsischen Zuwanderungs- und Integrationskonzeptes (ZIK) 2014, S. 2 (im Folgenden: SVR-Gutachten [2014]).
2
Vgl. SVR-Gutachten (2014), a.a.O., S. 3-4.
Seit dem Jahr 2012 organisiert der Freistaat
Sachsen Zuwanderung und Integration nach
einem Grundsatzdokument (Zuwanderungs-
und Integrationskonzept, ZIK), das die sächsi-
schen migrations- und integrationspolitischen
Zielsetzungen enthält. Vor fünf Jahren führte
diese proaktive Verbindung von gesteuerter
Zuwanderung und unterstützender Integration
zu einem neuen Politikansatz.
Das sächsische ZIK war als ein dynamisches
Instrument angelegt, um flexibel auf aktuelle
Herausforderungen reagieren zu
können. Als Ergebnis einer im
Jahr 2014 durchgeführten wis-
senschaftlichen Evaluation stand
fest, dass Sachsen mit dem ZIK
eine Vielzahl wichtiger Schritte
eingeleitet hatte,
1
um die gesteu-
erte Zuwanderung von Fachkräften und Stu-
dierenden sowie deren Integration in zentrale
Bereiche des gesellschaftlichen Zusammen-
lebens zu fördern. Damit bestimmte Faktoren
nachhaltiger Integration noch effizienter
wirken können, wurden konkrete Handlungs-
empfehlungen vorgeschlagen.
2
Ein „Beirat für
Migration und Integration“, in den Vertrete-
rinnen und Vertreter der kommunalen Ebene,
der Zivilgesellschaft sowie Expertinnen und
Experten aus Wissenschaft und Verwaltung
berufen wurden, begleitet seither als Prozess-
beirat wichtige Integrationsprojekte.
Der Koalitionsvertrag von CDU und SPD aus
dem Jahre 2014 gibt die Eckpunkte der säch-
sischen Zuwanderungs- und Integrationspoli-
tik in der laufenden Legislaturperiode vor. Für
weitergehende integrationspolitische Schritte
ist die Fortschreibung des ZIK vereinbart. Dies
beinhaltet neben der erstmaligen Einbezie-
hung der Situation von Flüchtlingen auch
einen breiten öffentlichen Diskurs und eine
Beratung im parlamentarischen Raum.
3
Zuwanderung und Integration sind Quer-
schnittsaufgaben, verknüpft mit allen wichtigen
Zukunftsaufgaben wie Globalisierung, Digitali-
sierung, Anforderungen der Wissensgesellschaft
und demografischer Wandel. Dafür wirtschaft-
lich tragfähige Lösungen zu erarbeiten, ist für
die weitere Entwicklung des Wirtschafts- und
Arbeitsstandortes Sachsen von grundlegender
Bedeutung.
4
Zur Sicherung und Förderung des
derzeitigen Lebensniveaus gilt es, auch die
Potenziale von Zuwanderinnen und Zuwan-
derern mit ihren Kindern und Enkelkindern zu
mobilisieren und zu nutzen. Im Rahmen ihrer
jeweiligen aufenthaltsrechtlichen Situation ist
ihnen die gleichberechtigte Teilhabe am Ge-
meinwesen eröffnet. Erklärtes Ziel ist, allen
Menschen in Sachsen ein gutes Zusammen-
leben in Vielfalt zu ermöglichen und gleichzeitig
die Heimatverbundenheit zu stärken.
Im Jahr 2016 begann die Fortschreibung
des ZIK unter Federführung des Geschäfts-
bereichs Gleichstellung und Integration im
Sächsischen Staatsministerium für Soziales
und Verbraucherschutz. Neben dem Pro-
zessbeirat arbeitete eine „Interministerielle
Arbeits gruppe“ aktiv am Konzeptentwurf, in
die Vertreterinnen und Vertreter der Staats-
kanzlei und aller sächsischen Ressorts ein-
bezogen waren (IMAG Fortschreibung ZIK II).
VORBEMERKUNG
Als Ergebnis einer im Jahr 2014
durchgeführten wissenschaft-
lichen Evaluation stand fest,
dass Sachsen mit dem ZIK eine
Vielzahl wichtiger Schritte
eingeleitet hatte.

4
5
5
Dieser Begriff liegt dem Konzept zugrunde. Nach der aktuellen Defi
nition des Statistischen Bundesamtes (Destatis 2017) verfügt eine Person über
einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren ist. Dazu gehören:
• zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländerinnen und Ausländer,
• zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte,
• (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler,
• mit deutscher Staatsangehörigkeit geborene Nachkommen der drei zuvor genannten Gruppen.
In einem weiteren Schritt hat der Geschäfts-
bereich Gleichstellung und Integration im
Sächsischen Staatsministerium für Soziales
und Verbraucherschutz gemeinsam mit den
Mitgliedern der IMAG Fortschreibung ZIK II
eine Bestandsaufnahme aller bestehenden
und geplanten Maßnahmen der Sächsischen
Staatsregierung - unterteilt nach Handlungs-
feldern - vorgelegt. Dieser Maßnahmen-
katalog bildete die Grundlage für den Dialog
und den Gedankenaustausch mit Akteurinnen
und Akteuren aus allen relevanten Bereichen
von Zuwanderung und Integration, mit der
Zivilgesellschaft, mit Vertreterinnen und Ver-
tretern der Migrantenselbstorganisationen,
mit Amts- und Verantwortungsträgerinnen
und -trägern in Kommunen sowie aus Wirt-
schaft und Wissenschaft (unter anderem
auf der Ebene eines „Praxismonitorings“ und
den „Verbändegesprächen Integration“). Einer
interessierten Öffentlichkeit stand die Mög-
lichkeit offen, über die Online-Beteiligungs-
plattform der Staatsregierung Vorschläge und
Hinweise in die Beratungen von Beirat und
IMAG einzubringen.
Um die Gesamtheit der mit Zuwanderung
und Integration verbundenen Ar-
beitsfelder abzubilden, wurden
verschiedene Handlungsfelder
identifiziert, die die Grundstruk-
tur des vorliegenden Konzeptes
bilden. Dieses umfasst zum einen
Aufgabenbereiche, in denen die
soziale Integration von Menschen
mit Migrationshintergrund
5
in die Gesell-
schaft unterstützt wird (Teil 3). Zum anderen
wird auch beschrieben, wie bei gelingender
Integration der gesellschaftliche Zusammen-
halt gefördert wird (Teil 4).
Erklärtes Ziel ist, allen Menschen in Sachsen ein gutes Zusammenleben in Vielfalt zu
ermöglichen und gleichzeitig die Heimatverbundenheit zu stärken.
Um die Gesamtheit der mit
Zuwanderung und Integration
verbundenen Arbeitsfelder ab-
zubilden, wurden verschiedene
Handlungsfelder identifiziert,
die die Grundstruktur des vor-
liegenden Konzeptes bilden.

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01
SACHSEN:
WELTOFFEN UND
ZUKUNFTSORIENTIERT

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
Der Freistaat Sachsen versteht sich als ein
weltoffenes und zukunftsorientiertes Land.
6
Dieser Anspruch sächsischer Landespolitik für
alle Menschen im Freistaat, soll das Denken
und Handeln aller Ebenen und Gliederungen
staatlicher und kommunaler Behörden prägen.
Angestrebt wird hier ein Klima frei von Angst
und Ausgrenzung, frei von Misstrauen und
Diskriminierung. In diesem Rahmen kommt
gelingender Integration von Menschen mit
Migrationshintergrund eine hohe
Bedeutung zu. Diese hat in den
vergangenen Jahren in der säch-
sischen Landespolitik eine deut-
liche Aufwertung erfahren und
wird in ihrer Bedeutung für die
nächsten Jahrzehnte noch zuneh-
men. Zu nennen ist beispielsweise
die Einrichtung eines Geschäfts-
bereiches Gleichstellung und
Integration im Staatsministerium für Soziales
und Verbraucherschutz, der von einer Staats-
ministerin geführt wird.
Die Freizügigkeit der Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer innerhalb der Europäischen
Union (EU) und die gesteuerte Zuwanderung
von Fach- und Nachwuchskräften sowie
Unternehmerinnen und Unternehmern aus
Drittstaaten können und sollen dazu beitra-
gen, Sachsens wirtschaftliche Zukunft zu
sichern. Zuwanderung beschreibt in diesem
Sinne einen Weg, die internationale Markt-
und Wettbewerbsposition der sächsischen
Wirtschaft und der Wissenschaft zu verbes-
sern. Zuwanderungs- und Integrationspoli-
tiken sind für die Staatsregierung zugleich
in eine Gesamtstrategie
7
integriert, die auf
den sozialen und kulturellen Zusammenhalt,
die Bewältigung des demografischen Wan-
dels, auf Chancengerechtigkeit und auf den
Ausbau und Erhalt der Wirtschaftskraft für
künftige Generationen ausgerichtet ist. Mit
einer Einbürgerungskampagne sollen mehr
berufstätige Menschen in Sachsen ohne
deutschen Pass dafür gewonnen werden, die
deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen.
In diesem Zusammenhang bemüht sich die
Staats regierung, die Einbürgerungsverfah-
ren im Zuständigkeitsbereich des Freistaates
Sachsen zu beschleunigen.
8
Der Freistaat steht zu seiner humanitären
Verantwortung gegenüber schutzbedürftigen
Flüchtlingen. Menschen, die zu Recht Hilfe be-
anspruchen, brauchen unsere gesellschaftliche
Unterstützung. Dafür fördert die Staatsregie-
rung ein Klima der Akzeptanz, Empathie und des
gemeinsamen rücksichtsvollen Miteinanders.
Die Staatsregierung steht für eine starke De-
mokratie mit breitem zivilgesellschaftlichem
Engagement, Sicherheit für die Einwohnerinnen
und Einwohner Sachsens sowie für kulturelle
1.1 DAS LEITBILD DER STAATSREGIERUNG
FÜR ZUWANDERUNG UND INTEGRATION
6
Vgl. Koalitionsvertrag CDU/SPD Sachsen 2014-2019, S. 71.
7
Vgl. Nachhaltigkeitsstrategie Sachsen (2013, derzeit in Überarbeitung), Nachhaltigkeitsbericht „Sachsen hat Zukunft“ (2016); Handlungskonzept
Demographie „Den demographischen Wandel gestalten“ (2010, derzeit in Überarbeitung); Fachkräftestrategie Sachsen 2020 (2012, in
Überarbeitung), Fachkräfteallianz Sachsen (gemeinsame Erklärung der Fachkräfteallianz Sachsen vom 07.04.2016 „Fachkräfte gewinnen.
Fachkräfte halten. Sachsens Zukunft sichern.“, Beschluss „Zuwanderung“ als Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs“ vom 02.11.2016),
Digitalisierungsstrategie „Sachsen Digital“ (2017), Leitlinien zur Entwicklung des ländlichen Raumes im Freistaat Sachsen „Ländlicher Raum – Vielfalt
leben“ (2012, derzeit in Überarbeitung), „Positionspapier zur nachhaltigen Integration von Migrantinnen und Migranten in ländlichen Räumen –
Landentwicklung im Lichte der Flüchtlingssituation“ der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft ARGE Landentwicklung (2016).
8
Vgl. Koalitionsvertrag CDU/SPD Sachsen 2014-2019, S. 72.
SACHSEN: WELTOFFEN UND ZUKUNFTSORIENTIERT
Die Bedeutung gelingender
Integration von Menschen mit
Migrationshintergrund hat in
den vergangenen Jahren in der
sächsischen Landespolitik eine
deutliche Aufwertung erfahren
und wird in ihrer Bedeutung für
die nächsten Jahrzehnte noch
zunehmen.

8
9
Vielfalt. Sie stärkt die soziale, kulturelle und
demokratische Teilhabe aller Menschen in
Sachsen unabhängig von ihrer Herkunft.
9
Erfolgreiche Integration setzt zugleich ein
selbstbewusstes Engagement aller Menschen
in Sachsen für den gesellschaftlichen Zusam-
menhalt voraus.
Eine funktionsfähige Demokratie reagiert bereits
im Ansatz entschieden auf ein Unterlaufen der
verfassungsmäßigen Ordnung, gleich welcher
Art. Achtung gegenüber unserer Rechts- und
Werteordnung und Sicherheit für die gesamte
Bevölkerung sind ein hohes Gut. Zu einem
weltoffenen und zukunftsorientierten Sachsen
gehört eine Kultur des Respekts und der
Offenheit für Menschen aus allen Teilen der
Welt – ganz gleich, ob sie bei uns als Fachkräfte
tätig sind, an Sächsischen Hochschulen oder
Universitäten studieren, eine Lehre absolvieren
oder als Flüchtlinge auf unsere Solidarität und
Mitmenschlichkeit angewiesen sind.
Gleichzeitig sollen Menschen mit Migrations-
hintergrund ihre Bereitschaft zur Integration
zeigen und eigene Integrationsanstrengungen
unternehmen. Sachsen unter-
stützt in diesem Zusammenhang
die Initiative der Bundesregie-
rung zu aktiver Vorinformation
potentieller Zuwanderinnen und
Zuwanderer in ihren Herkunfts-
ländern hinsichtlich der Einreisemöglichkeiten
sowie der Integrationserwartungen und
-anforderungen in Deutschland. Anliegen
dieses Konzeptes ist es, Sachsen weiterhin
zu einer guten Heimat für alle Menschen zu
machen, die hier leben.
9
Vgl. Koalitionsvertrag CDU/SPD Sachsen 2014-2019, S. 5.
Zuwanderung beschreibt einen Weg, die
internationale Markt- und Wettbewerbspo-
sition der sächsischen Wirtschaft und der
Wissenschaft zu verbessern.
Zu einem weltoffenen und zukunftsorientier-
ten Sachsen gehört eine Kultur des Respekts
und der Offenheit für Menschen aus allen
Teilen der Welt.
Menschen mit Migrations-
hintergrund sollen ihre Bereit-
schaft zur Integration zeigen
und eigene Integrationsan-
strengungen unternehmen.

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
SACHSEN: WELTOFFEN UND ZUKUNFTSORIENTIERT

10
11
Die Staatsregierung versteht unter der Integ-
ration
10
von Menschen mit Migrationshinter-
grund einen gesamtgesellschaftlichen und
generationenübergreifenden Prozess, der auf
eine gleichberechtigte Teilhabe in allen Berei-
chen des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen,
kulturellen und politischen Lebens abzielt.
Dieser Prozess wird bedarfsorientiert durch
verschiedene Leistungen und Angebote un-
terstützt. Art und Umfang der Teilhabemög-
lichkeiten des Einzelnen richten sich hierbei
nach dem aufenthaltsrechtlichen Status.
Integration ist eine zentrale Querschnitts-
aufgabe mit Chancen und gleichzeitigen
Heraus forderungen für Sachsen. Erfolgreiche
Integration trägt dazu bei, vor dem Hinter-
grund des demografischen Wandels und einer
zunehmenden Globalisierung, die Handlungs-
und Leistungsfähigkeit des Gemeinwesens
nachhaltig zu stärken, aktiv zu gestalten und
weiterzuentwickeln. Integration beinhaltet
grundsätzlich zwei Perspektiven: Zum einen
die Einbindung von Menschen mit Migrations-
hintergrund in das gesellschaftliche Gefüge,
zum anderen die Bewahrung und Förderung
des Zusammenhalts der Gesellschaft.
Integration wird dann gelingen, wenn sich alle
in Sachsen lebenden Menschen unabhängig
von ihrer kulturellen und sozialen
Herkunft auf der Grundlage der
freiheitlichen demokratischen
Grundordnung, deren Ordnungs-
prinzipien und Wertvorstellungen
mit Respekt und Toleranz begegnen. Alle hier
lebenden Menschen sind für das Gelingen der
Integration verantwortlich. Eine hohe Mo-
tivation aller Beteiligten zu Veränderungs-
und Verantwortungsbereitschaft bildet den
Schlüssel für erfolgreiche Integration und
für eine starke demokratische Gesellschaft.
Integration schafft Zusammenhalt.
1.2 DAS SÄCHSISCHE INTEGRATIONSVERSTÄNDNIS
10
Das Wort „Integration“ stammt aus dem Lateinischen und steht für die Schaffung einer Einheit aus einer Vielzahl.
Integration ist eine zentrale
Querschnittsaufgabe mit Chan-
cen und gleichzeitigen Heraus-
forderungen für Sachsen.
Integration beinhaltet die Einbindung von
Menschen mit Migrationshintergrund in das
gesellschaftliche Gefüge...
...und zum anderen die Bewahrung und För-
derung des Zusammenhalts der Gesellschaft.
Bild: Verbändegespräch Integration Chemnitz

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
Die unterschiedlichen Potenziale von Menschen
mit Migrationshintergrund können Chance
und Bereicherung für Sachsen sein und zu
seiner nachhaltigen Entwick-
lung beitragen. Eine wertschät-
zende und potenzialorientierte
Integration von Menschen mit
Migrationshintergrund unter
Berücksichtigung ihrer individu-
ellen Rahmenbedingungen ist ein
wichtiger Standortfaktor.
Es gilt, die Potenziale aller vorhandenen
Zuwanderungsgruppen (vor allem Spätaus-
siedler, Unions bürger und Drittstaatsange-
hörige) sichtbar zu machen, anzuerkennen
und zu nutzen, international Studierende zu
gewinnen und zu halten sowie Fach- und
Nachwuchskräfte gezielt anzuwerben. Ak-
zeptanz, Chancen gleichheit im Rahmen der
gesetzlichen Regelungen und ein möglichst
gleichberechtigter Zugang insbesondere zu
Arbeit und Bildung sind Voraussetzung für die
Entfaltung von menschlichen Potenzialen und
für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben
in Sachsen.
Gleichzeitig gebietet es die humanitäre Ver-
antwortung und verpflichten die gesetzlichen
Maßgaben den Freistaat Sachsen, Flücht-
linge aufzunehmen und denjenigen mit einer
mittelfristigen oder dauerhaften Bleibepers-
pektive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben
zu ermöglichen.
1.3 POTENZIALE VON MENSCHEN MIT MIGRATIONS-
HINTERGRUND FÜR SACHSEN ERKENNEN –
QUALIFIZIERTE ZUWANDERUNG UND HUMANITÄRE
VERANTWORTUNG
SACHSEN: WELTOFFEN UND ZUKUNFTSORIENTIERT
Eine wertschätzende und
potenzialorientierte Integration
von Menschen mit Migrations-
hintergrund unter Berück-
sichtigung ihrer individuellen
Rahmenbedingungen ist ein
wichtiger Standortfaktor.

12
13
11
Die Innovationsindikatoren des Innovationsanzeigers der EU-Kommission setzen auf die technologischen Innovationen (vor allem
Patentanmeldungen). Gemessen wird der Grad der Beschäftigung in wissensintensiven Bereichen. Außerdem wird die Wettbewerbsfähigkeit
wissensintensiver Güter und Dienstleistungen untersucht, indem der Beitrag von High-Tech und Medium-Tech-Produkten zur Wirtschaftsleistung
eines Landes ermittelt wird.
12
European Innovation Scoreboard 2017, zugänglich unter: https://ec.europa.eu/growth/industry/innovation/facts-figures/scoreboards_en; Regional
Innovation Scoreboard 2017, zugänglich unter: https://ec.europa.eu/growth/industry/inno-vation/facts-figures/regional_en.
13
Vgl. Standortwerbung Sachsen unter: https://standort-sachsen.de;
https://www.silicon-saxony.de/der-standort/.
1.3.1 QUALIFIZIERTE ZUWANDERUNG
ALS CHANCE FÜR SACHSEN
Auch im Jahre 2017 zählte Deutschland
zu den zehn europäischen Innovationsfüh-
rern.
11
Dabei gehörte der Freistaat Sachsen
mit Dresden, Leipzig und Chemnitz zu den
stärksten europäischen Innovationsregi-
onen.
12
„Silicon Saxony“
13
, die Region zwi-
schen Freiberg, Chemnitz und Dresden, ist
Europas größter Mikroelektronikstandort
mit insgesamt 60.000 Beschäftigten in der
Informations- und Kommunikationstechnolo-
gie, deren Arbeitgeber vielfach ausländische
Firmen und Investoren sind. Diese innova-
tiven und modernen Unternehmen agieren
international und haben weltweit Standorte,
die alle miteinander vernetzt sind. Zur Wert-
schöpfung tragen viele hervorragend ausge-
bildete ausländische Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter bei.
Einen wichtigen Innovationsbeitrag leistet
zudem die breit aufgestellte, renommierte
und international agierende Forschungs- und
Wissenschaftslandschaft Sachsens. Mit 14
staatlichen Hochschulen
14
, weiteren kirchlichen
und privaten Hochschulen, der Berufsaka-
demie Sachsen und den Verwaltungsfach-
hochschulen sowie einer großen Dichte an
namhaften außeruniversitären Forschungs-
einrichtungen ist der Wissenschaftsstandort
Sachsen exzellent aufgestellt.
15
Die einzelnen
Einrichtungen sind untereinander und auch mit
der in- und ausländischen Wirtschaft vernetzt.
Der Anteil internationaler Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler ist in diesen Bereichen sehr
hoch und nicht selten wird als gemeinsame
Verkehrssprache Englisch gewählt.
Gesteuerte qualifizierte Zuwan-
derung ist von zunehmender Be-
deutung für den Wirtschafts- und
Innovationsstandort Sachsen. Sie
kann selbst als Jobmotor wirken.
Gut qualifizierte Menschen mit
Migrationshintergrund tragen
zum wirtschaftlichen Wohlstand in Sachsen
bei, sei es als Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder
als Unternehmensgründer. Sie tragen damit
auch zum Steueraufkommen und Erhalt der
Systeme der sozialen Sicherung in Sachsen
bei und stärken durch den Binnenkonsum die
einheimische Wirtschaft.
14
Die Technische Universität Dresden (TUD) zählt seit dem Jahre 2012 zum Kreis der elf deutschen Exzellenzuniversitäten und trat 2017 mit acht
Antragsskizzen in der Förderlinie „Exzellenzcluster“ der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder an. Sechs der acht Antragsskizzen wurden
von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Ende September 2017 ausgewählt, Vollanträge einzureichen. Zwei Exzellenzcluster sind
Voraussetzung, um sich am 10. Dezember 2018 wieder um den Titel als Exzellenzuniversität bewerben zu können. Die TUD gehört außerdem mit Platz
26 zu den 100 innovativsten Universitäten Europas („Reuters Top 100: Europe’s Most Innovative Universities 2017“).
15
Namhafte außeruniversitäre Einrichtungen im Freistaat Sachsen: 14 Institute und Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft, sechs Max-
Planck-Institute mit dem Zentrum für Systembiologie, acht Institute und zwei Außenstellen der Leibniz-Gemeinschaft, zwei Helmholtz-Zentren,
zwei Helmholtz-Institute, Partnerstandorte von drei Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung, Standort des Nationalen Zentrums für
Tumorerkrankungen und acht landesfinanzierte Einrichtungen. Zum Forschungsstandort Sachsen siehe ferner unter:
https://www.forschung.sachsen.
de/forschungsstandort-sachsen-3906.html; Broschüren des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst: „Spitzenforschung in Sachsen“ (2017),
„Wissenschaftsland Sachsen“ (2. A. 2014).
Gesteuerte qualifizierte Zuwan-
derung ist von zunehmender
Bedeutung für den Wirt-
schafts- und Innovationsstand-
ort Sachsen. Sie kann selbst als
Jobmotor wirken.

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
16
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit (eigene Berechnungen): Anteil der Exporte am BIP (2016) - Sachsen: 31 Prozent,
Deutschland: 38,4 Prozent.
17
Statistisches Bundesamt zur Exporteurquote (2014): Sachsen: 8,1 Prozent, Deutschland: 11,0 Prozent.
Ein Drittel seiner Wirtschaftsleistung er-
bringt der Freistaat Sachsen im Export
16
;
dennoch schöpfen sächsische Unternehmen
ihr Poten zial auf internationalen Märkten
noch nicht aus
17
. Ein Ziel der sächsischen
Außenwirtschaftspolitik ist es, die Export-
quote der sächsischen Wirtschaft zu stei-
gern und zugleich mehr Unternehmen für
das Auslandsgeschäft zu gewinnen. Daher
unterstützt der Freistaat Sachsen besonders
kleine und mittlere Unternehmen bei der
Erschließung neuer Märkte. Darüber hinaus
kann es für Unternehmen wertvoll sein, von
interkulturell versierten Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern Kenntnisse über andere Länder
aus erster Hand zu erhalten. Damit können
Wirtschaftskontakte aufgebaut und neue
Märkte erschlossen werden.
Sachsen ist auch für künftige
Nachwuchskräfte aus dem Aus-
land als Studien- und Ausbil-
dungsort interessant. Um auch im
innerdeutschen Wettbewerb der
Wirtschaftsregionen bestehen zu
können, müssen jungen und gut
qualifizierten Menschen aus dem
Ausland, die in Sachsen studieren, frühzeitig
Perspektiven des Arbeitens und Lebens im
Freistaat Sachsen aufgezeigt und eine Bindung
an die hiesige Wirtschaft gefördert werden.
Gleiches gilt für ausländische Auszubildende,
die Sachsen als Facharbeiterinnen und Fach-
arbeiter langfristig gewinnen möchte. Diese
Nachwuchskräfte sind auch bei Rückkehr in ihre
Heimatländer wichtige Partner und Botschafter
für Sachsen.
Infolge der fortschreitenden Globalisierung
und Öffnung der Märkte, der zunehmenden
Arbeitskräftemobilität, des Wandels zur
digitalen Dienstleistungs- und Wissensge-
sellschaft
18
und nicht zuletzt der demogra-
fischen Entwicklung steht Sachsen in einem
regionalen, nationalen und internationalen
Wettbewerb um die besten Talente.
Sachsen ist vom demografischen Wandel
besonders betroffen.
19
Auch wenn in den
Großstädten des Freistaates Sachsen die Zahl
der Menschen durch Geburten und Zuzüge
aus anderen Regionen und Ländern wieder
wächst, muss Sachsen insgesamt weiter mit
einer zahlenmäßig rückläufigen und alternden
Bevölkerung rechnen.
20
Die Sicherung von Fachkräften wird zu-
nehmend zu einer Schlüsselfrage für die
18
Wie in den meisten Industriegesellschaften findet in Deutschland aktuell ein Strukturwandel hin zu einer digitalen Dienstleistungs- und
Wissensgesellschaft statt. So weist die IT-Branche schon seit Jahren einen hohen Bedarf an Fachkräften auf. Mit der Einführung von „Arbeit
und Industrie 4.0“ (Digitalisierung der Arbeitsprozesse) wird er weiterhin ansteigen. Grundsätzlich gibt es bereits Lücken bei den sogenannten
MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Generell verändern sich durch die Automatisierung auch die Berufsbilder.
Klassische Berufsbilder verschwinden, neue entstehen mit einem interdisziplinären Ansatz (zum Beispiel Wandlung des Automechanikers zum Kfz-
Mechatroniker [Mechanik, Elektrotechnik, Informatik]).
19
Prognosen zufolge wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 65 Jahren in Sachsen bis 2030 um etwa 16 Prozent zurückgehen.
Demgegenüber steigt der Anteil der Senioren von 65 und älter im gleichen Zeitraum um rund 17 Prozent (siehe
https://www.medienservice.sachsen.
de/medien/news/203253?page=2). Rund ein Viertel der Bevölkerung in Sachsen hatte bereits 2015 das 65. Lebensjahr erreicht oder überschritten.
Der Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung lag 1990 noch bei 16 Prozent (siehe
https://www.statistik.sachsen.de/download/200_MI-
2017/MI-45-2017.pdf). Zu beachten sind ferner regionale Disparitäten. Dafür ist – wie in allen ostdeutschen Bundesländern – neben der allgemein
gestiegenen Lebenserwartung der starke Geburtenrückgang nach der Wende sowie die Abwanderung jüngerer qualifizierter Bevölkerungsteile
verantwortlich.
20
Vgl. 6. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung für den Freistaat Sachsen bis 2030, zugänglich unter:
https://www.demografie-portal.de/
SharedDocs/Aktuelles/DE/2016/160419_SN_Bevoelkerungsvorausberechnung_2030.html.
SACHSEN: WELTOFFEN UND ZUKUNFTSORIENTIERT
Jungen und gut qualifizierten
Menschen aus dem Ausland
müssen frühzeitig Perspektiven
des Arbeitens und Lebens im
Freistaat Sachsen aufgezeigt
und eine Bindung an die hiesige
Wirtschaft gefördert werden.

14
15
Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes
Sachsen. Noch kann man nicht von einem
generellen Mangel an Fachkräften sprechen
– aber die Engpässe, die sich bereits in einzel-
nen Berufsgruppen, Branchen und Regionen
abzeichnen, werden sich in den kommenden
Jahren auf alle Wirtschafts- und die Sozi-
albereiche sowie den öffentlichen Dienst
ausdehnen und betreffen nahezu alle Quali-
fikationsstufen.
21
Qualifizierte Zuwanderung
aus dem Ausland wie auch die Wanderung
qualifizierter Menschen mit Migrationshin-
tergrund aus anderen Bundesländern kann zur
nachhaltigen Sicherung des Fachkräftebe-
darfs beitragen. So leisten viele ausländische
Fachkräfte in den Gesundheitsberufen bereits
jetzt einen sehr wichtigen Beitrag zur medi-
zinischen Versorgung der Bevölkerung.
22
Die
größte Gruppe bei den akademischen Heilbe-
rufen bilden die ausländischen Ärzte, deren
Anzahl sich im Jahr 2017 weiter erhöht hat.
Zum 31.12.2017 waren 2.677 (+160) Ärzte aus
98 Nationen, insbesondere aus Staaten der
Europäischen Union, in Sachsen gemeldet.
Jeder fünfte Krankenhausarzt in Sachsen war
2017 bereits ein Ausländer beziehungsweise
eine Ausländerin.
23
Immer mehr Unternehmen
suchen für ihre freien Ausbildungsplätze auch
nach Auszubildenden aus dem Ausland, inves-
tieren in Sprachkurse und bieten zusätzliche
Unterstützungsleistungen.
Eine weitere Herausforderung ergibt sich
aus den Unterschieden zwischen der Bevöl-
kerungsentwicklung in den Großstädten ei-
nerseits und in den Städten und Gemeinden
im ländlichen Raum andererseits. Der global
zu beobachtende Trend zur Verstädterung
stellt auch die sächsischen Regionen zuneh-
mend vor Probleme.
24
Da den Städten und
Gemeinden im ländlichen Raum traditionell
eine wichtige stabilisierende Funktion für
das Gemeinwesen und die Volkswirtschaft
zukommt, muss hier der Freistaat Sachsen
gemeinsam mit den Kommunen weiterhin an
nachhaltigen Zukunftskonzepten für ein at-
traktives Leben im ländlichen Raum arbeiten.
Dabei ist es sinnvoll, einen stärkeren Fokus
auf die positiven Auswirkungen von Zuwan-
derung und Integration zu setzen
und diesen entsprechend zu kom-
munizieren. Durch die Stärkung
der Integrationsarbeit können
auch Integrationspotenziale in
den Städten und Gemeinden im
ländlichen Raum immer besser
gefördert und genutzt werden.
21
Gemeinsame Erklärung der Fachkräfteallianz Sachsen (2016), S. 2. Es wird erwartet, dass beispielsweise im öffentlichen Dienst in den kommenden
zehn Jahren in Sachsen doppelt so viele Menschen altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden, wie neue Berufstätige eintreten. Der IHK-
Fachkräftemonitor für Sachsen 2015 prognostiziert, dass der Wirtschaft bis zum Jahr 2021 bereits rund 124.000 Fachkräfte weniger zur Verfügung
stehen werden als heute.
22
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz, Medieninformation vom 20.08.2017 „Ausländische Fachkräfte im
Gesundheitswesen in Sachsen willkommen“, zugänglich unter:
https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/212856.
23
Vgl. Sächsische Landesärztekammer (SLÄK), Pressemitteilung vom 23.03.2018, zugänglich unter:
http://www.slaek.de/media/
dokumente/04presse/2018/PM_05_Arztzahlen_Sachsen_2017.pdf. Danach waren Hauptherkunftsländer im Jahr 2017 die Tschechische Republik
(389), die Slowakei (278), Polen (249), Syrien (223), Rumänien (180), die Russische Föderation (154), Bulgarien (110), Ukraine (110), Ungarn (88),
Österreich (72), Ägypten (69), Serbien (64). Die Anzahl syrischer Ärztinnen und Ärzte hat sich in den letzten vier Jahren von 52 auf 223 mehr als
vervierfacht. Von insgesamt 9.655 Ärzten, die zum 31.12.2017 im stationären Bereich tätig waren, waren 1.803 ausländischer Herkunft.
24
Während insbesondere die beiden Großstädte Leipzig und Dresden immer weiter wachsen, wird sich der Bevölkerungsschwund in den kleineren
Kommunen im ländlichen Raum weiter fortsetzen. Siehe 6. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung für den Freistaat Sachsen bis 2030, a.a.O.
Durch die Stärkung der Inte-
grationsarbeit können auch
Integrationspotenziale in den
Städten und Gemeinden im
ländlichen Raum immer besser
gefördert und genutzt werden.

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
1.3.2 RESPEKT UND OFFENHEIT ALS STANDORTFAKTOR
Der Wandel zur digitalen Wissensgesellschaft
bringt es mit sich, dass zukünftig vor allem
Wirtschaftsregionen, in denen besondere
Kreativität möglich ist, herausragende Inno-
vationen und Wachstum generieren
werden. Ein tolerantes, vielfältiges
und kulturell anregendes Klima
für Menschen ungeachtet ihrer
Herkunft ist damit richtungs-
weisend für eine nachhaltige
Zukunft des Freistaates Sachsen.
Im Wettbewerb um die besten Talente hängt
Sachsens Attraktivität für hochqualifizierte
und qualifizierte Menschen mit Migrations-
hintergrund auch vom Respekt und der Offen-
heit seiner Bevölkerung gegenüber kultureller
Vielfalt ab. Die Rahmenbedingungen müssen
stimmen, damit diese Zielgruppe nach Sachsen
kommt, sich hier wohlfühlt und langfristig in
Sachsen bleibt.
Verschiedene Studien hatten bereits vor dem
hohen Flüchtlingsaufkommen der Jahre 2014
bis 2016 gezeigt, dass es in Sachsen wie in
ganz Ostdeutschland deutlich häufiger Vorbe-
halte gegen Menschen mit Migrationshinter-
grund sowie rechtsextremistische, auslän-
der-, fremden- und menschenfeindliche
Einstellungen gibt.
25
Die Lebenssituation von
Menschen mit Migrationshintergrund und
daneben auch der Ruf des Freistaates Sach-
sen haben durch fremdenfeindliche sowie
rechtsextreme Ereignisse in den vergangenen
Jahren stark gelitten. Die Erhebungen des
„Sachsen-Monitors“ in den Jahren 2016 und
2017, der in einer repräsentativen Umfrage
die Haltungen zur Demokratie, extremistische
Einstellungen sowie Einstellungen zu Medien
und zu Europa abfragte, sind bezogen auf
Fremdenfeindlichkeit im Freistaat Sachsen
Besorgnis erregend.
26
Ohne weitere Erklärungsmodelle in Frage
zu stellen, ist es wichtig, die Besonderheit
der Zuwanderung in Sachsen und den neuen
Bundesländern zu betrachten. Die Wieder-
vereinigung im Jahre 1990 hat zu deutlichen
Veränderungen der Zuwanderung in Sachsen
geführt. War diese zu Zeiten der DDR durch
die Anwerbung von Vertragsarbeiterinnen
und -arbeitern nur von geringem Umfang
und überwiegend temporär geprägt, stieg sie
in den Jahren nach der friedlichen Revolution
von 1989 deutlich an.
25
Vgl. SVR-Gutachten (2014, [Fn. 1]) mit weiteren Nachweisen, S. 73.
26
Sachsen-Monitor (2017), zugänglich unter:
https://www.staatsregierung.sachsen.de/sachsen-monitor-2017-4556.html;
Sachsen-Monitor (2016),
zugänglich unter:
https://www.staatsregierung.sachsen.de/sachsen-monitor-2016-4038.html.
SACHSEN: WELTOFFEN UND ZUKUNFTSORIENTIERT
Ein tolerantes, vielfältiges und
kulturell anregendes Klima für
Menschen ungeachtet ihrer
Herkunft ist damit richtungs-
weisend für eine nachhaltige
Zukunft des Freistaates Sachsen.
Die Wiedervereinigung im Jahre 1990 hat zu deutlichen Veränderungen der
Zuwanderung in Sachsen geführt.

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16
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16
17
Ausländische Bevölkerung in Sachsen nach Herkunftsgruppen
2007 bis 2013 und 2017
27
Das Ausländerzentralregister (AZR) bildet nur die Bestandszahlen zum Stichtag 31.12. des jeweiligen Jahres ab, nicht die Zuwanderungszahlen
pro Jahr. Kroaten, die sich im Beitrittsjahr 2013 in Sachsen aufhielten, sind in der Statistik von 2013 noch den europäischen Nicht-EU-Staaten
zugeordnet (s. SVR-Gutachten [2014], S. 42 [Fn. 53]). In den Jahren 2016 und 2017 ist die letzte Erweiterung um Kroatien berücksichtigt.
Quelle: Abbildung SVR-Gutachten (2014) und eigene Berechnungen (Datengrundlage jeweils AZR)
27
EU26
EU27
Afrika
europäische Nicht-EU-Staaten
Amerika
andere Staaten, staatenlos und ungeklärt
Asien
Australien und Ozeanien

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
Ein positives Erleben von Zuwanderung anhand
von Alltagskontakten konnte in den neuen
Bundesländern nur in begrenztem Maße statt-
finden. Der Kontakt mit DDR-Vertragsarbei-
terinnen und -arbeitern war vor 1989 kaum
möglich. Lediglich an den Hochschulen gab es
durch ausländische Studierende und Promo-
venden sowie internationale Forschungsaus-
tausche bereits vor 1989 intensivere Kontakte.
Zuwanderung wurde auch nach der friedlichen
Revolution lediglich als temporäre Situation
begriffen, da sie vor allem durch
Zuweisung von (Spät-)Aussiedlern
beziehungsweise jüdischen Kon-
tingentflüchtlingen und anderen
Flüchtlingen durch den Bund
geprägt war. Nach Erreichen der
Freizügigkeit wanderten diese Personengruppen
oft in die alten Bundesländer ab.
28
Allein die
sächsischen Großstädte verzeichneten einen
gewissen Wanderungszuwachs im Arbeits-
markt- und Wissenschaftsbereich. In den
ländlichen Raum hingegen zogen nur vereinzelt
Menschen mit Migrationshintergrund.
29
Zudem verlangten die Anforderungen der Nach-
wendezeit vielen Menschen ein Höchstmaß an
Neuorientierung ab. Hinzu kommt ein bis heute
bestehendes Gefühl unzureichender Anerken-
nung in Teilen der sächsischen Bevölkerung.
Diese besonderen Rahmenbedingungen und
Erfahrungen sind ein Erklärungsmodell,
keines wegs eine Entschuldigung, für vorhan-
dene Vorurteile und Missverständnisse. Zu-
gleich sind sie aber auch eine Chance für eine
gelingende Integration. Aufgabe der Politik
ist es, Zuwanderung als Zukunftsaufgabe zu
vermitteln, für interkulturelle Kompetenz zu
werben und Vorbehalte abzubauen. Dieser
gesamtgesellschaftliche Erfahrungsprozess
stellt alle Beteiligten vor große Herausfor-
derungen. Für eine lebenswerte Zukunft des
Freistaates ist er unerlässlich.
28
Ausführlich vgl. SVR-Gutachten (2014, [Fn. 1]), S. 16f.
29
Vgl. Memorandum vom 13.01.2003 „Zuwanderung und Integration in den neuen Bundesländern. Chancen. Risiken. Aufgaben.“ S. 4 (im Folgenden:
Memorandum [2003]), zugänglich unter:
http://dienhong.de/wp-content/uploads/2011/03/memorandum.2003.pdf.
SACHSEN: WELTOFFEN UND ZUKUNFTSORIENTIERT
Aufgabe der Politik ist es, Zu-
wanderung als Zukunftsaufgabe
zu vermitteln, für interkulturelle
Kompetenz zu werben und
Vorbehalte abzubauen.

18
19
1.3.3 HUMANITÄRE VERANTWORTUNG UND
SOLIDARITÄT SACHSENS MIT FLÜCHTLINGEN
Aufgrund anhaltender Krisensituationen in
vielen Herkunftsländern wird der Zuwande-
rungsdruck weiterhin anhalten und viele der
angekommenen Flüchtlinge werden lang-
fristig bleiben.
Die humanitäre Verantwortung und die gesetz-
lichen Maßgaben verpflichten den Freistaat
Sachsen als Teil der Bundesrepublik Deutsch-
land, Flüchtlinge aufzunehmen und denjenigen
mit einer Bleibeperspektive im Rahmen ihrer
aufenthaltsrechtlichen Situation Teilhabe am
gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen,
insbesondere durch Bildung und Arbeit. Eine
unverzügliche Integration ist für alle von
größtem Nutzen, da sie den gesellschaftlichen
Zusammenhalt fördert.
Die humanitäre Aufnahme der Flüchtlinge
vor allem seit dem Jahre 2015 hat deutsch-
landweit erhebliche Kosten verursacht. Viele
Flüchtlinge werden auch kurz- bis mittelfristig
auf sozialstaatliche Leistungen und Förde-
rung angewiesen sein. Zusätzliche staatliche
Investitionen sind zum Beispiel für die Unter-
bringung, den Spracherwerb, weitere Plätze in
Kitas und Schulen sowie für Qualifizierungs-
maßnahmen notwendig. Mit der vom Frei-
staat Sachsen geförderten hauptamtlichen
Flüchtlingssozialarbeit sowie der im Aufbau
befindlichen kommunalen Integrationskoor-
dination wurden in Sachsen nachhaltige
Integrationsstrukturen aufgebaut.
Bei den derzeit in Sachsen lebenden Flücht-
lingen handelt es sich überwiegend um junge
Männer mit einer für den hochindustriali-
sierten deutschen Arbeitsmarkt nicht oder
unzureichend befähigenden Qualifikations-
struktur. Sie benötigen für die Aufnahme
einer Ausbildung oder Beschäftigung in der
Regel über einen längeren Zeitraum hinweg
besondere Unterstützung und Vorbereitung.
Oft liegt nur eine geringe Schulbildung vor
oder diese fehlt völlig. Auch werden nicht
alle beruflichen Kompetenzen in Deutschland
anerkannt, obgleich viele dieser Menschen
berufliches Wissen und Fertigkeiten sowie
berufsrelevante Erfahrungen mitbringen.
Gerade bei den Flüchtlingen ohne Berufs-
abschluss kommt der Berufsausbildung eine
zentrale Integrationsaufgabe zu,
denn ein erfolgreicher Berufsein-
stieg ist der Schlüssel für eine
gelingende Integration. Wer eine
Berufsausbildung durchlaufen
hat, beherrscht die deutsche
Sprache, erfährt wie unsere Ge-
sellschaft, das Arbeitsleben und
unsere Kultur funktionieren und arbeitet täg-
lich mit anderen Menschen zusammen.
Gleichfalls besonders zu fördern ist die Er-
werbsbeteiligung von Frauen mit Migrations-
hintergrund. Ihre Erwerbsbeteiligung ist
deutschlandweit im Vergleich zu anderen
Bevölkerungsgruppen deutlich geringer, obwohl
der Wunsch bei einer deutlichen Mehrheit
der Frauen vorhanden ist.
30
Es ist eine gemeinsame Aufgabe der Migra-
tions- und Arbeitsmarktberatung, Kompetenzen
und Potenziale zu erkennen und entsprechende
Gerade bei den Flüchtlingen
ohne Berufsabschluss kommt
der Berufsausbildung eine
zentrale Integrationsaufga-
be zu, denn ein erfolgreicher
Berufseinstieg ist der Schlüssel
für eine gelingende Integration.
30
Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Kurzanalyse 1/2017 „Geflüchtete Frauen in Deutschland. Sprache, Bildung und Arbeitsmarkt“,
zugänglich unter:
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Kurzanalysen/kurzanalyse7_gefluchetete-frauen.pdf?_
blob=publicationFile.

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
SACHSEN: WELTOFFEN UND ZUKUNFTSORIENTIERT
Bild oben: Aktion Perspektivwechsel in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Dresden
Bild unten: Veranstaltung im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft
und Kunst mit Flüchtlingen und Integrationsakteuren

20
21
Maßnahmen einzuleiten. Damit kann gege-
benenfalls mittel- bis langfristig ein Teil der
Kosten durch steigende Steuereinnahmen
kompensiert werden.
31
Zugleich ist in be-
sonderem Maße die Zivilgesellschaft bei der
Integration gefordert, Flüchtlinge auf ihrem
Weg in unsere Gesellschaft zu begleiten und
zu unterstützen. Viele ehrenamtliche Helfe-
rinnen und Helfer sind seit Jahren Brücken-
und Bindeglieder zwischen den Neuangekom-
menen und der Gesellschaft. Dabei geht es
nicht nur um Fragen der Alltagsorientierung,
sondern vor allem um die Vermittlung von
grundlegenden Prinzipien und Werten unserer
Rechtsordnung in der direkten menschlichen
Begegnung. Staatliche Orientierungskurse
vermögen nur ein allererstes Grundver-
ständnis zu vermitteln. Integration ist ein
Marathon, kein Sprint. Daher muss dieses für
den gesellschaftlichen Zusammenhalt uner-
lässliche Engagement weiter gefördert und
verstetigt werden.
31
In diesem Sinne auch die Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln, zugänglich unter:
https://www.iwkoeln.de/presse/
pressemitteilungen/beitrag/migrationseffekte-integration-schafft-wachstum-321603.
Integration ist ein Marathon, kein
Sprint. Daher muss dieses für den
gesellschaftlichen Zusammenhalt uner-
lässliche Engagement weiter gefördert
und verstetigt werden.
Zugleich ist in besonderem Maße die
Zivilgesellschaft bei der Integration
gefordert, Flüchtlinge auf ihrem Weg in
unsere Gesellschaft zu begleiten und zu
unterstützen.

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
1.3.4 FAZIT UND AUSBLICK
Attraktive Rahmenbedingungen sind eine
wichtige Voraussetzung dafür, dass Hoch-
qualifizierte, Fach- und Nachwuchskräfte
sowie Unternehmerinnen und Unternehmer
aus Deutschland, der Europäischen Union
und Drittstaaten nach Sachsen ziehen und
hier heimisch werden. Zu diesen Rahmen-
bedingungen gehört auch eine offene und
demokratische Gesellschaft, die sich in ih-
rer humanitären Verantwortung gegen-
über Flüchtlingen, die zu Recht
Hilfe beanspruchen, empathisch
zeigt.
32
Gesteuerte qualifizierte Zuwan-
derung ist eine Chance für die Be-
wältigung demografischer und ökonomischer
Herausforderungen. Neben anderen notwen-
digen staatlichen Maßnahmen
33
kann quali-
fizierte Zuwanderung Sachsen und seinen
Regionen im nationalen und internationalen
Wettbewerb dienen. Gesteuerte qualifizierte
Zuwanderung stärkt die Zukunftsfähigkeit der
Systeme der sozialen Sicherung. Mit einer Zu-
wanderung vornehmlich jüngerer Menschen
kann zugleich einer Alterung der Gesellschaft
entgegengewirkt werden.
Die Integration verlangt zugleich der Zivil-
gesellschaft als „Brückenbauer“ viel ab. Aber
auch hier gilt es, bestehende Potenziale zu
nutzen und die Herausforderungen mit einer
gelingenden Integrationsstrategie positiv
anzugehen.
32
Vgl. Koalitionsvertrag CDU/SPD Sachsen 2014-2019, S. 73.
33
Vgl. Gemeinsame Erklärung der Fachkräfteallianz Sachsen 2016, S. 3. Hinsichtlich der demografisch bedingten Fachkräftesituation tritt qualifizierte
Zuwanderung neben Maßnahmen wie die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von jungen Menschen, Frauen, Älteren, Menschen mit Behinderungen,
Geringqualifizierten, und Langzeitarbeitslose, Verlängerung der Lebensarbeitszeit mit flexiblen Arbeitszeitmodellen für ältere Arbeitnehmer oder
Investitionen in die berufliche und schulische Ausbildung.
SACHSEN: WELTOFFEN UND ZUKUNFTSORIENTIERT
Gesteuerte qualifizierte Zuwan-
derung ist eine Chance für die
Bewältigung demografischer
und ökonomischer Herausfor-
derungen.
Bild: Einheit in Vielfalt gestalten

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02
WEGE NACH SACHSEN:
DATEN UND FAKTEN

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
Sachsen liegt in der Mitte Europas. Mit der
Osterweiterung der Europäischen Union in
den Jahren 2004 und 2007 ist der Freistaat
innerhalb der Union von einer
Randlage ins Zentrum gerückt.
Sachsen ist daher ein Bundesland
mit Brückenfunktion, das Ost und
West, Nord und Süd miteinander
verbindet. Als Staatsziel ist dies in Artikel 12
der Verfassung des Freistaates Sachsen nie-
dergelegt. Danach strebt der Freistaat die
grenzüberschreitende regionale Zusammen-
arbeit an, die auf den Ausbau nachbarschaftli-
cher Beziehungen, auf das Zusammenwachsen
Europas und auf eine friedliche Entwicklung in
der Welt gerichtet ist.
Sachsen profitiert von der engen Zusammen-
arbeit mit den direkten Nachbarn, der Repu-
blik Polen und der Tschechischen Republik.
Aber auch die vielfältigen Verbindungen zu
den anderen EU-Mitgliedstaaten und anderen
Staaten weltweit bereichern den Freistaat.
WEGE NACH SACHSEN: DATEN UND FAKTEN
Sachsen ist ein Bundesland mit
Brückenfunktion, das Ost und
West, Nord und Süd miteinan-
der verbindet.
Bild: 20 Jahre Europastadt Görlitz/Zgorzelec

26
27
2.1 MIGRATION ALS TEIL SÄCHSISCHER GESCHICHTE
Migration ist ein Teil europäischer Geschichte.
Die zentraleuropäisch gelegenen Gebiete des
heutigen Deutschlands und Sachsens waren
immer wieder vielfältigen Wanderungsbewe-
gungen ausgesetzt. Die 3. Sächsische Landes-
ausstellung „via regia – 800 Jahre Bewegung
und Begegnung“ hat eindrucksvoll beschrieben,
welche kulturellen, wissenschaftlichen, wirt-
schaftlichen, politischen und damit immer auch
personellen Verbindungen, Austausche und
Bewegungen quer durch Sachsen führten. Die
Vorfahren der heutigen Sachsen waren zumeist
Zuwanderinnen und Zuwanderer, die in damali-
gen slawischen Gebieten siedelten.
34
Bereits am weltoffenen sächsischen Hof
Augusts des Starken wirkten hervorragende
Künstler aus dem In- und Ausland. Nach
Sachsen kamen Bergleute aus dem Harz und
aus Böhmen, Maschinenbauer aus dem Elsass
und England, Autopioniere aus Dänemark, In-
vestoren aus dem Nahen Osten sowie Künst-
ler und Wissenschaftler aus allen Erdteilen.
Sie alle haben Sachsen geprägt und entwi-
ckelt. Wirtschaftlich, wissenschaftlich und
kulturell brachten sie Neues nach Sachsen.
Sie integrierten sich erfolgreich in die Gesell-
schaft und identifizierten sich mit ihrer neuen
sächsischen Heimat.
35
Die wirtschaftliche und industrielle Entwick-
lung Sachsens hin zum heutigen traditionsrei-
chen und international angesehenen Indus-
trie- und Wissenschaftsstandort mit seiner
hohen Dichte an international
renommierten Forschungsein-
richtungen und Hochschulen ist
immer mit Zuwanderung verbun-
den gewesen.
Im Ergebnis des Zweiten Welt-
krieges kam es zu einem Zustrom
hunderttausender Flüchtlinge aus den vor-
mals deutschen Gebieten, die maßgeblich
zum Wiederaufbau beigetragen haben.
36
In diesem Zusammenhang ist auch der Beitrag
der DDR-Vertragsarbeiterinnen und -arbeiter
aus Polen und Ungarn, später aus Vietnam,
Kuba, Angola und Mosambik zu würdigen, die
ab den 1960er Jahren in der DDR arbeiteten.
34
Vgl. Bünz, Müller, Schattkowsky, Spieker (Hrsg., Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde), „Sachsen Weltoffen! Mobilität – Fremdheit –
Toleranz“, Dresden 2016 (gefördert von der Staatsministerin für Gleichstellung und Integration sowie dem Sächsischen Ausländerbeauftragten).
35
Vgl. Broschüre des Sächsischen Staatsministeriums des Innern „Integration durch Leistung – Vertriebene, Spätaussiedler und Zuwanderer als
Unternehmer in Sachsen“, Begleitpublikation zur Wanderausstellung unter Schirmherrschaft des Staatsministeriums des Innern 2014, S. 6 (im
Folgenden: SMI-Broschüre „Integration durch Leistung“ [2014]).
36
Vgl. SMI-Broschüre „Integration durch Leistung“ (2014), a.a.O.
Die wirtschaftliche und industri-
elle Entwicklung Sachsens hin
zum heutigen traditionsreichen
und international angesehenen
Industrie- und Wissenschafts-
standort ist immer mit Zuwan-
derung verbunden gewesen.
Nach Sachsen kamen Bergleute, Maschi-
nenbauer, Autopioniere, Investoren, Künst-
ler und Wissenschaftler aus allen Erdteilen.
Die Vorfahren der heutigen Sachsen
waren zumeist Zuwanderer, die in da-
maligen slawischen Gebieten siedelten.

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
2.2 ÜBERBLICK: SÄCHSISCHE BEVÖLKERUNG MIT
MIGRATIONSHINTERGRUND
Den Ergebnissen der aktuellen Bevölkerungsbe-
fragung des Statistischen Bundesamtes (Desta-
tis) im Rahmen des Mikrozensus zufolge lebten
im Jahre 2016 im Freistaat Sachsen
267.000 Menschen mit Migrations-
hintergrund. Davon waren knapp
37 Prozent (98.000) deutsche
Staatsbürgerinnen und -bürger.
37
Im Jahr
2016 haben sich in Sachsen 1.453 Menschen
einbürgern lassen.
38
Der Anteil von Menschen
mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevöl-
kerung betrug nach der Umfrage im Jahre 2016
in Sachsen 6,5 Prozent. Das bedeutet eine Steige-
rung um 2,4 Prozent gegenüber dem Jahr 2012.
39
Statistisch verlässlichere Zahlen für den
Freistaat Sachsen liegen derzeit nur für die
zahlenmäßig größte Gruppe der Ausländer
vor, das heißt der Menschen mit Migrations-
hintergrund, die keine deutsche Staatsange-
hörigkeit haben.
40
Zum 31.12.2016 lebten in
Sachsen insgesamt 4.081.783 Menschen.
41
Davon besaßen 171.631 eine ausländische
Nationalität, was eine Steigerung gegenüber
dem Vorjahr um 8,1 Prozent bedeutete. Insge-
samt entsprach die Zahl einem Ausländeran-
teil von knapp 4,2 Prozent, der zum Stichtag
weit unter dem bundesweiten Anteil von mehr
als 11 Prozent lag.
42
Zum Stichtag 31.12.2017
lebten laut Ausländerzentralregister (AZR)
195.227 ausländische Menschen in Sachsen.
43
Laut Ausländerzentralregister lebten im Jahre
2017 Menschen mit über 190 unterschied-
lichen Staatsangehörigkeiten in Sachsen.
Die größte Gruppe der in Sachsen lebenden
Ausländer waren Menschen syrischer (22.873),
polnischer (15.828), russischer (11.132), afgha-
nischer (9.191), rumänischer (8.876) und vietna-
mesischer Herkunft (8.163).
Während die deutsche Bevölkerung im Freistaat
Sachsen im Jahre 2015 im Durchschnitt 46,6
Jahre alt war,
44
lag das Durchschnittsalter der
in Sachsen lebenden Ausländerinnen und Aus-
länder bei 31,9 Jahren.
45
Damit waren schon im
Jahre 2015 Ausländerinnen und Ausländer im
Schnitt fast 15 Jahre jünger als die deutsche
Bevölkerung in Sachsen. Die zum 31.12.2017
am stärksten vertretene Altersgruppe unter den
Ausländerinnen und Ausländern ist mit 53.467
Personen die der 25- bis 35-jährigen. Dies ent-
spricht einem Anteil von 27 Prozent. Der Anteil
der unter 18-jährigen ausländischen Personen
beläuft sich auf 18 Prozent.
46
Die meisten Ausländer (ca. 59 Prozent) sind
männlich.
47
37
Ergebnisse des Mikrozensus 2016 zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Jahre 2016, S. 42, zugänglich unter:
https://www.destatis.de/DE/
Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/MigrationIntegration/Migrationshintergrund2010220167004.pdf?__blob=publicationFile.
39
Ergebnisse des Mikrozensus 2012 zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Jahre 2012, S. 41, zugänglich unter:
https://www.destatis.de/DE/
Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/MigrationIntegration/Migrationshintergrund2010220127004.pdf?__blob=publicationFile.
40
Bundesweit werden die Bevölkerungsstatistiken auf ein neues technisches Aufbereitungsverfahren umgestellt. Aufgrund damit verbundener
Verzögerungen bei der Bereitstellung von Einwohnerzahlen lagen zum Redaktionsschluss keine Daten aus dem Jahr 2016 vor. Die Einwohnerzahlen
zum Stand 31.12.2016 werden Ende März 2018 erwartet.
41
Vgl. Statistisches Landesamt Sachsen,
https://www.statistik.sachsen.de/download/010_GB-Bev/Bev_Z_Kreis_akt.pdf.
42
Angabe des Statistischen Landesamtes Sachsen unter
https://www.statistik.sachsen.de/html/369.htm.
43
Vgl. Statistik des Ausländerzentralregisters (AZR-Statistik) zum 31.12.2017. Insgesamt lebten zum 31.12.2016 laut Ausländerzentralregister 182.245
Ausländer in Sachsen, 28.179 davon waren Kinder unter 16 Jahren.
38
Sächsisches Staatsministerium des Innern, zitiert nach:
http://sab.landtag.sachsen.de/de/service/statistiken/statistiken-6757.cshtml.
Zum Stichtag 31.12.2017
lebten 195.227 ausländische
Menschen in Sachsen.
44
Vgl. Angabe des Statistischen Landesamtes Sachsen unter:
https://www.statistik.sachsen.de/html/369.htm.
45
Vgl. Broschüre des Statistischen Landesamtes Sachsen „Ausländische Mitbürger in Sachsen“ (2016),
https://www.statistik.sachsen.de/
download/300_Voe-Faltblatt/FB_AuslaendischeMitbuerger_2016.pdf.
46
Staatsministerium des Innern auf der Grundlage des Ausländerzentralregisters (Stand: 31.12.2017).
47
Vgl. Ausländerzentralregister (AZR-Statistik) zum 31.12.2017.
WEGE NACH SACHSEN: DATEN UND FAKTEN

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28
29
28
29
Anzahl der Ausländer in Sachsen 2017
nach dem Herkunftskontinent
Quelle AZR, Stand: 31.12.2017
TOP 20 der Staatsangehörigkeiten in Sachsen
Stand: 31.12.2017

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
WEGE NACH SACHSEN: DATEN UND FAKTEN
Quelle: Ausländerzentralregister (AZR-Statistik).
WEGE NACH SACHSEN: DATEN UND FAKTEN
Geschlechterverhältnis der
ausländischen Bevölkerung in Sachsen
Stand: 31.12.2017
Altersstruktur der ausländischen Bevölkerung in Sachsen
Stand: 31.12.2017
Quelle: Ausländerzentralregister (AZR-Statistik).

30
31
Zum Stichtag 31.12.2017 lebten in Sachsen
26.612 Personen mit einer Niederlassungs-
erlaubnis und 61.067 Personen mit einer
Aufenthaltserlaubnis, davon 14.269 für Aus-
bildung beziehungsweise Erwerbstätigkeit.
Der Anteil ausländischer Studierender an
sächsischen Hochschulen im Geschäftsbe-
reich des Sächsischen Staatsministeriums
für Wissenschaft und Kunst ist in den letz-
ten Jahren stetig gestiegen, ebenso die Zahl
der ausländischen Auszubildenden. Von den
knapp 105.000 im Wintersemester 2016/17
Immatrikulierten waren 15.700 ausländische
Studierende. Dies entspricht einem Anteil
von etwa 15 Prozent, die meisten davon aus
China (3.049) und Österreich (1.590). Gab es
2012 knapp 2.000 ausländische Absolventin-
nen und Absolventen, waren es 2016 schon
2.700. Das bedeutet, dass etwa jeder achte
Absolvent aus dem Ausland kam. 38 Prozent
dieser ausländischen Absolventinnen und
Absolventen machten 2016 ihren Abschluss
in einer Ingenieurswissenschaft, gefolgt von
den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissen-
schaften mit 34 Prozent und Mathematik
und Naturwissenschaften mit 10 Prozent.
48
Sachsen ist aber auch für junge Menschen
aus dem Ausland interessant, die hier eine
Berufsausbildung absolvieren wollen. Im Jahr
2005 lag die Zahl der ausländischen Auszu-
bildenden noch bei lediglich 242 Personen.
Elf Jahre später absolvierten mehr als viermal
so viele Ausländerinnen und Ausländer (1.165
Personen) eine Berufsausbildung in Sachsen,
davon 60 Prozent im Bereich Industrie/Handel
und 30 Prozent im Handwerk.
49
Etwa 24 Prozent der im Jahr 2017 erstmals
erteilten Aufenthaltstitel wurden zum Zweck
des
Familiennachzugs
erteilt.
50
Zum Stand
31.12.2017 hielten sich nach dem Ausländer-
zentralregister insgesamt ca. 17.383 Personen
mit einer Aufenthaltserlaubnis aus familiären
Gründen im Freistaat Sachsen auf.
Die Anzahl der
Flüchtlinge
, die in Deutsch-
land Asyl beantragt haben, war in den Jahren
2015 bis 2016 unter anderem aufgrund der
Zunahme der Intensität bewaffneter Kon-
flikte in der Welt gestiegen.
51
Die Anzahl der
Zugänge in den sächsischen Erstaufnahme-
einrichtungen (EAE) hatte sich in diesem Zeit-
raum stark erhöht. Im Jahr 2016
nahm Sachsen rund 14.860 Asyl-
begehrende gegenüber 69.900
Personen im Jahr 2015 in den EAE
auf. Die Hauptherkunftsländer im
Jahre 2016 waren Syrien (2.787), Afghanistan
(1.977) und der Irak (1.568). Bis Ende 2017
wurden insgesamt 9.183 Zugänge in den EAE
des Landes registriert.
52
48
Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (Stand 2017).
49
Vgl. Statistisches Landesamt Sachsen: Statistischer Bericht: Auszubildende im Freistaat Sachsen (2016).
50
Vgl. Statistik der Landesdirektion Sachsen zu den erteilten Aufenthaltserlaubnissen (Stand: 2017).
52
Vgl. Asylstatistik der Landesdirektion Sachsen.
51
Vgl. Hintergrund zu den weltweiten Fluchtbewegungen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:
https://www.
bmz.de/de/themen/Sonderinitiative-Fluchtursachen-bekaempfen-Fluechtlinge-reintegrieren/hintergrund/index.jsp; „Global Peace Index 2017“ des
Institutes für Wirtschaft und Frieden (IEP), zugänglich unter:
http://visionofhumanity.org/app/uploads/2017/06/GPI17-Report.pdf.
Im Jahr 2016 nahm Sachsen
rund 14.860 Asylbegehrende
gegenüber 69.900 Personen im
Jahr 2015 in den EAE auf.

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
Zum Stichtag 31.12.2017 lebten in Sachsen
insgesamt 23.917 Asylbewerber (mit laufen-
den Anträgen im Asylverfahren und mit ab-
gelehnten Anträgen).
53
Seit dem Jahr 2012 hat
der Freistaat Sachsen zudem insgesamt knapp
2.000 Menschen im Rahmen der Aufnahme-
programme des Bundes für syrische Flücht-
linge, des Landesaufnahmeprogramms und
anderer humanitärer Aufnahmeprogramme
aufgenommen.
54
Zum 31.12.2017 lebten 24.872 anerkannte
Asylbewerber, das heißt Personen mit Auf-
enthaltserlaubnissen nach § 25 Abs. 1 bis 3
AufenthG, in Sachsen.
55
Eine weitere wichtige Gruppe der Menschen
mit Migrationshintergrund in Sachsen sind
die seit 1991 aufgenommenen
Spätaussied-
ler und ihre Familienangehörigen
aus den
Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjet-
union. Bis Ende 2017 hat Sachsen
insgesamt 117.104 Spätaus-
siedlerinnen und Spätaussiedler
aufgenommen.
56
Die Anzahl der
tatsächlich in Sachsen dauer-
haft verbliebenen Menschen wurde im Jahre
2012 auf 46.000 geschätzt.
57
Erst seit der
Verschärfung der Bestimmungen durch das
Zuwanderungsgesetz im Jahre 2005 sind die
Einreisen zurückgegangen. Im Jahre 2016
wies das zuständige Bundesverwaltungsamt
Sachsen 331 und im Jahre 2017 344 Spätaus-
siedlerinnen und -aussiedler (Deutsche
Staatsangehörigkeit) und deren Angehörige
zu.
58
Hauptherkunftsländer waren Kasachstan,
die Russische Föderation und die Ukraine.
Eine weitere bedeutsame Zuwanderergruppe
sind die seit 1991 aufgenommenen sogenann-
ten
jüdischen Kontingentflüchtlinge
, von
denen bis zum 31.12.2017 insgesamt 10.967
nach Sachsen kamen.
59
Auch hier sind die
Einreisen seit der Veränderung der Bestim-
mungen durch das Zuwanderungsgesetz im
Jahre 2005 zurückgegangen. Schließlich ist
auch die Zuwanderergruppe der
ehemaligen
DDR-Vertragsarbeiter
und ihrer Familien-
angehörigen in Sachsen präsent. Unter den
DDR-Vertragsarbeiterinnen und -arbeitern,
die trotz der aufenthaltsrechtlich schwierigen
Lage seit der deutschen Wiedervereinigung
in Sachsen blieben, sind die Vietnamesen die
größte Gruppe. Laut Ausländerzentralregister
waren ca. 35 Prozent aller Vietnamesen, die
sich 2012 in Sachsen aufhielten – insgesamt
2.759 Personen –, zwischen 1992 und 2002
nach Deutschland zugewandert.
60
53
Landesdirektion Sachsen (Stand: 31.12.2017).
54
Sächsisches Staatsministerium des Innern (Stand: 2017).
55
Vgl. Ausländerzentralregister (AZR-Statistik) zum 31.12.2017.
56
Landesdirektion Sachsen in Jahresübersicht 2017.
58
Vgl. Bundesverwaltungsamt (BVA), Jahresstatistik für die Jahre 2016 und 2017, zugänglich unter:
http://www.bva.bund.de.
57
Spätaussiedler sind Deutsche und werden daher in der amtlichen Statistik nicht gesondert erfasst. Über die gegenwärtige Größe der Gruppe in der
Bevölkerung sind nur Schätzungen möglich. Das Sächsische Zuwanderungs- und Integrationskonzept ZIK I (2012), S. 14, spricht von schätzungsweise
46.000 in Sachsen lebenden Menschen. Das SVR-Gutachten (2014, [Fn. 1]), S. 19, geht von 38.200 bis 57.900 in Sachsen verbliebenen Menschen
aus.
WEGE NACH SACHSEN: DATEN UND FAKTEN
59
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Stand: 2017). Es ist unklar, wie viele Kontingentflüchtlinge in Sachsen verblieben sind. Die jüdischen
Kontingentflüchtlinge wurden aufgrund einer ungekündigten Aufnahmezusage der DDR vor dem Hintergrund antisemitischer Haltungen in den
Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion aufgenommen.
60
Vgl. SVR-Gutachten (2014, [Fn. 1]), S. 16ff.
Bis Ende 2017 hat Sachsen
insgesamt 117.104 Spätaus-
siedlerinnen und Spätaussiedler
aufgenommen.

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32
33
32
33
Quelle: Asylstatistik der Landesdirektion
Quelle: Landesdirektion Sachsen, Jahresübersicht 2017
Zugänge in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Sachsen 2015 – 2017
Zugänge von Spätaussiedlern nach Sachsen 1991 – 2017

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
WEGE NACH SACHSEN: DATEN UND FAKTEN

34
35
34
35
ÜBERSICHT HAUPTZUWANDERUNGSGRUPPEN IM FREISTAAT SACHSEN
UNIONSBÜRGER
und privilegierte
Drittstaatsangehörige
SPÄTAUSSIEDLER
SONSTIGE
DRITTSTAATSANGEHÖRIGE
Drittstaatsangehörige sind
Personen, die nicht die
Staatsangehörigkeit eines
EU-Mitgliedsstaates besit-
zen und nicht gleich einem
Unionsbürger privilegiert
sind, vor allem
Bildungsmigranten
Ausbildungs- und Erwerbs-
migranten
Völkerrechtlich/Humanitär/
Politisch Schutzsuchende
und Schutzberechtigte (§§
22 - 25 AufenthG), d.h.
aufgrund Asylverfahren
(AsylG) und außerhalb von
Asylverfahren (zum Beispiel
humanitäre Anordnungen,
Resettlement).
Spätaussiedler sind laut
dem Bundesvertriebe-
nengesetz (§§ 1, 4 BVFG)
deutsche Volkszugehörige
aus den Nachfolgestaaten
der ehemaligen Sowjetunion
und anderen osteuropä-
ischen Staaten. Mit der
Anerkennung erhalten sie
kraft Gesetzes die deutsche
Staatsangehörigkeit.
Staatsangehörige anderer
Mitgliedstaaten der Europä-
ischen Union (Unionsbürger)
haben uneingeschränkten
Zugang zum deutschen
Arbeitsmarkt (FreizügG/EU).
Sie benötigen weder Visum
noch Aufenthaltserlaubnis.
Ihnen gleichgestellt sind
Staatsangehörige des Eu-
ropäischen Wirtschaftsraums
(Island, Liechtenstein und Nor-
wegen; vgl. § 12 FreizügG/EU).
Auch Staatsangehörige
der Schweiz genießen
Freizügigkeit innerhalb der
Europäischen Union, die
ihnen durch eine deklara-
torische Aufenthaltserlaub-
nis-Schweiz bescheinigt
wird (vgl. § 28 AufenthV).
Privilegiert sind auch
türkische Staatsangehörige
aufgrund des EU-Assoziati-
onsrechts.
Im Abschnitt 6 des AufenthG (Aufenthalt aus familiären Gründen gemäß §§ 27ff.) ist zur Herstellung und Wah-
rung der familiären Lebensgemeinschaft für ausländische Familienangehörige zum Schutz von Ehe und Familie
gemäß Artikel 6 des Grundgesetzes Familiennachzug vorgesehen und gilt entsprechend für die Herstellung und
Wahrung einer lebenspartnerschaftlichen Gemeinschaft im Bundesgebiet.
FAMILIENNACHZUG

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
2.2.1 UNIONSBÜRGER UND FREIZÜGIGKEITSPRIVILEGIERTE
DRITTSTAATSANGEHÖRIGE
Unionsbürger sind zum Stichtag 31.12.2017
mit knapp 30 Prozent die größte Bevölke-
rungsgruppe der ausländischen
Bevölkerung Sachsens. Jeder
dritte Nichtdeutsche, der im Zeit-
raum 2011 bis 2015 nach Sachsen
zugezogen ist, hatte bereits die
Staatsangehörigkeit eines der
anderen EU-Mitgliedstaaten.
61
Am 31.12.2017
lebten laut Ausländerzentralregister 63.703
Unionsbürgerinnen und Unionsbürger in
Sachsen. Hauptherkunftsländer waren Polen
(15.828), Rumänien (8.876), Tschechische Re-
publik (5.860), Ungarn (5.478), Italien (3.796),
Bulgarien (3.619), Griechenland (3.030), Slo-
wakische Republik (2.776), Spanien (2.039),
Frankreich (1.779), Österreich (1.728) und
Portugal (1.638).
62
Voraussetzungen und Umfang des Freizügig-
keitsrechts richten sich nach EU-Recht und
dessen nationaler Umsetzung (EU-Freizügig-
keitsrichtlinie / FreizügG/EU). Unionsbürger
sowie ihnen in der Freizügigkeit aufgrund
von völkerrechtlichen Abkommen auf EU-
Ebene gleichgestellte Drittstaatsangehörige
aus Liechtenstein, Island und Norwegen
(EWR-Assoziierungsabkommen) und der
Schweiz (EU-Schweiz-Freizügigkeitsabkommen)
benötigen kein Visum für die Einreise. Sie
benötigen grundsätzlich auch keine Aufent-
halts- oder Arbeitserlaubnis.
Sonderregelungen gelten auch für türkische
Staatsangehörige aufgrund des EU-Asso-
ziationsrechts (EU-Türkei-Assoziierungs-
abkommens mit Zusatzprotokoll, Assozia-
tionsratsbeschluss 1/80), das ihnen an der
EU-Freizügigkeit orientierte Rechte vermittelt
und sie privilegiert. 4.806 Menschen mit
türkischer Staatsangehörigkeit lebten zum
31.12.2017 in Sachsen.
63
61
Vgl. Ergebnisse der 2. Sächsischen Wanderungsanalyse (2017) „Wanderungsströme aus und nach Sachsen 1991-2015“ unter:
https://www.statistik.
sachsen.de/download/200_MI-2017/MI-59-2017.pdf.
62
Vgl. Statistik des Ausländerzentralregisters (AZR-Statistik) zum 31.12.2017.
63
Vgl. Statistik des Ausländerzentralregisters (AZR-Statistik) zum 31.12.2017.
WEGE NACH SACHSEN: DATEN UND FAKTEN
Unionsbürger sind zum Stich-
tag 31.12.2017 mit knapp 30
Prozent die größte Bevölke-
rungsgruppe der ausländischen
Bevölkerung Sachsens.

36
37
2.2.2 SPÄTAUSSIEDLER
Spätaussiedler im Sinne des § 4 des Gesetzes
über die Angelegenheiten der Vertriebenen
und Flüchtlinge (Bundesvertriebenengesetz
- BVFG) sind deutsche Volkszugehörige, die
nach dem Zweiten Weltkrieg in ihren ange-
stammten Siedlungsgebieten in Osteuropa
oder aber in jenen Gebieten, in die sie von
dort aus vertrieben worden waren, blieben
oder die dort vor dem 1. Januar 1993 geboren
sind. Spätaussiedlerinnen und -aussiedler
haben nach Durchlaufen eines Aufnahme-
verfahrens einen Anspruch auf Einreise nach
Deutschland. Zur Aufrechterhaltung der
Familien einheit können sie zusammen mit
ihrem Familienverband einreisen.
Dabei werden Abkömmlinge (Kinder, Enkel,
Urenkel und so weiter), die selbst nicht die
Spätaussiedlereigenschaft erfüllen, und Ehe-
partner in den Aufnahmebescheid zum Zweck
der gemeinsamen Aussiedlung einbezogen (§ 7
Abs. 2, § 15 Abs. 2, § 27 Abs. 1 Satz 2 BVFG).
Weitere ausländische Familienangehörige
von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern
(insbesondere Schwiegertöchter und -söhne)
werden nach Maßgabe des im Aufenthaltsge-
setz geregelten Familiennachzugs (zu Deut-
schen) ebenfalls aufgenommen.
Das landesrechtliche Aufnahmeverfahren
findet sich im Sächsischen Spätaussied-
lereingliederungsgesetz (SächsSpAEG).
Spätaussiedler benötigen zur Einreise nach
Deutschland einen Aufnahmebescheid und
ein Visum. Zuvor haben sie den ersten Teil des
Zuerkennungsverfahrens nach dem BVFG im
Herkunftsland absolviert.

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
2.2.3 SONSTIGE DRITTSTAATSANGEHÖRIGE
Zuwanderinnen und Zuwanderer aus Dritt-
staaten, die nicht-freizügigkeitsprivilegiert
sind, benötigen für die Einreise in der Regel
ein Visum
64
. Ausnahmen gelten in Fällen, in
denen ein Aufenthaltstitel aus humanitären
Gründen erteilt wird. Nationale Visa (Typ D)
sind meist drei Monate gültig und berechti-
gen zur Einholung einer Aufenthaltserlaubnis
in Deutschland.
Für den Aufenthalt in Deutschland benötigen
Drittstaatsangehörige einen Aufenthaltstitel.
Die Voraussetzungen dafür sind im Aufent-
haltsgesetz geregelt. Erforderlich
sind in der Regel eine geklärte
Identität, der Passbesitz, die
e
igen
st
änd
ige
L
ebensu
nter
ha
lt
s-
sicherung sowie Unbescholten-
heit. Es gibt befristete Aufent-
haltstitel (Visum, Aufenthaltserlaubnis, Blaue
Karte EU) und unbefristete Aufenthaltstitel
(Niederlassungserlaubnis, Erlaubnis zum Dau-
eraufenthalt/EU).
Aufenthaltstitel nach dem Aufenthaltsgesetz
werden erteilt zum Zwecke der Erwerbstätig-
keit (Arbeitnehmer, Hochschulabsolventen,
Forscher, Selbstständige, Arbeitssuchende,
§§ 18–21 AufenthG), der Ausbildung (Schüler,
Auszubildende, Studierende, Anpassungsqua-
lifizierende, § 16ff. AufenthG), aus humanitä-
ren, völkerrechtlichen und politischen Gründen
(§§ 25–26 AufenthG) des Familiennachzugs
(§§ 27–36 AufenthG) sowie aus besonderen
Gründen (§§ 37 und 38a AufenthG).
2017 wurden in Sachsen an die 26.700 Auf-
enthaltstitel erteilt, davon allein 7.300 zur
Ausbildung und Erwerbstätigkeit sowie über
6.000 zum Familiennachzug. Aus humanitä-
ren, völkerrechtlichen und politischen Grün-
den wurden über 12.700 Aufenthaltstitel
erstmals erteilt. Insgesamt wurden im Jahr
2017 mehr als doppelt so viele Aufenthalts-
titel erstmals erteilt wie im Jahr 2012.
65
Im Rahmen der
humanitären Aufnahme
von
schutzsuchenden Drittstaatsangehörigen ist
zu unterscheiden zwischen
1) dem Asylverfahren und
2) der Aufnahme aufgrund humanitärer Auf-
nahmeanordnungen des Landes oder des
Bundes sowie
3) aufgrund von Härtefallersuchen.
1)
Das Asylverfahren ist im Asylgesetz gere-
gelt. Nach Grenzübertritt müssen Schutzsu-
chende einen Asylantrag stellen. Asylsuchende
melden sich in einer Erstaufnahmeeinrichtung
des Landes (EAE), wo sie untergebracht, regis-
triert und medizinisch erstuntersucht werden
und einen Ankunftsnachweis erhalten. Die
Umverteilung in eine andere Erstaufnahme-
einrichtung, auch in einem anderen Bundes-
land, ist bei Vorliegen bestimmter Gründe auf
Antrag oder aufgrund herkunftslandspezifi-
scher Zuständigkeiten sowie zum Ausgleich
der Aufnahmequoten möglich.
Während des Aufenthalts in der für ihn zu-
ständigen EAE hat der Asylsuchende in der zu-
geordneten Außenstelle des BAMF seinen Asyl-
antrag zu stellen. Dies ermöglicht zunächst
die Prüfung der Zuständigkeit Deutschlands
für das Asylverfahren (europäischer Daten-
abgleich, Dublin-System).
64
Vgl. Staatenliste zur Visumspflicht, zugänglich unter:
http://www.auswaertiges-amt.de.
65
Sächsisches Staatsministerium des Innern (Stand: 2017).
WEGE NACH SACHSEN: DATEN UND FAKTEN
Für den Aufenthalt in Deutsch-
land benötigen Drittstaatsan-
gehörige einen Aufenthaltstitel.
Die Voraussetzungen dafür sind
im Aufenthaltsgesetz geregelt.

38
39
Sofern Deutschland zuständig ist, ist der
nächste Verfahrensschritt in der Regel die
persönliche Anhörung beim BAMF, bei der
die Gründe der Schutzsuche glaubhaft zu
machen sind. Der Asylbewerber erhält bis
zum Abschluss des Asylverfahrens eine Auf-
enthaltsgestattung (§ 55 AsylG), die seinen
Aufenthalt in Deutschland für die Dauer des
Asylverfahrens legitimiert.
Der Asylbewerber ist zunächst verpflichtet,
bis zu sechs Wochen, längstens jedoch bis
zu sechs Monaten und unter bestimmten
Voraussetzungen noch länger, in der EAE
zu wohnen. Für Asylbewerber aus sicheren
Herkunftsstaaten im Sinne von § 29a AsylG
besteht die Wohnverpflichtung während des
gesamten Asylverfahrens und gegebenenfalls
sogar bis zur Ausreise oder zum Vollzug der
Abschiebungsandrohung oder -anordnung.
Nach Ende der Wohnverpflichtung in der
EAE werden die Schutzsuchenden von den
Kommunen auf Landkreis- beziehungsweise
Kreisfreier Stadtebene untergebracht (Ge-
meinschaftsunterkunft, Wohnung).
Das Asylverfahren kann im Wesentlichen
zu vier Schutzarten führen: Asylberechti-
gung, Flüchtlingsschutz nach der Genfer
Flüchtlingskonvention, subsidiärer Schutz
und Abschiebungsverbot. Je nach Schutzart
erhalten die Schutzberechtigten eine befris-
tete Aufenthaltserlaubnis (§ 25 Abs. 1 bis 3
AufenthG) mit einer Dauer von einem bis drei
Jahren und der Möglichkeit der Verlängerung
beziehungsweise des Übergangs in einen
D
au
e
r
au
f
e
n
t
h
a
lt
.
Schutzberechtigte mit einer Aufenthalts-
erlaubnis nach § 25 Abs. 1 bis 3 AufenthG
oder Personen, denen aus völkerrechtlichen
oder dringenden humanitären Gründen eine
Aufenthaltserlaubnis erteilt worden ist und
die ihren Lebensunterhalt nicht eigenständig
sichern können, unterliegen der gesetzlichen
Verpflichtung zur Wohnsitznahme in Sach-
sen nach § 12a Abs. 1 Satz 1 AufenthG für
einen Zeitraum von maximal drei Jahren. Im
Freistaat Sachsen machen die Ausländerbe-
hörden seit dem 1. April 2018 Gebrauch von
den Einzelfallermächtigungen nach § 12a Abs. 2
oder 3 AufenthG. Hat das BAMF keine der
vorgenannten Schutzarten im Asylverfahren
zuerkannt, ist der abgelehnte Asylbewerber
vollziehbar ausreisepflichtig. Ist ihm die Aus-
reise nicht möglich und kann er aus rechtli-
chen oder tatsächlichen Gründen nicht abge-
schoben werden, wird eine
Duldung
erteilt.
Die Duldung ist lediglich die vorübergehende
Aussetzung einer Abschiebung (§ 60a AufenthG).
Die Ausreisepflicht bleibt bestehen.
Sofern das Abschiebungshindernis unver-
schuldet entstanden ist und voraussichtlich
länger bestehen bleibt, kann eine befristete
Aufenthaltserlaubnis erteilt werden (§ 25
Abs. 5 AufenthG).
66
Gut integrierte Geduldete können unter be-
stimmten Umständen eine Aufenthaltser-
laubnis nach §§ 18a, 25a oder 25b AufenthG
erhalten. Mit der Neufassung des § 60a Abs. 2
Satz 4 AufenthG gibt es zudem seit dem Jahre
2016 die Möglichkeit, eine Duldung für die
Dauer einer qualifizierten Berufsausbildung
zu erhalten. Im Falle einer anschließenden
66
Die Aufenthaltserlaubnis „soll“ gemäß § 25 Abs. 5 Satz 2 AufenthG nur unter der weiteren Bedingung der vorherigen 18-monatigen Duldung erteilt
werden.

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
Erwerbstätigkeit im Ausbildungsberuf besteht
ein Rechtsanspruch auf eine Aufenthaltserlaub-
nis für zwei Jahre (sogenannte „3+2 Regelung“,
vergleiche § 18a Abs. 1a i.V.m. 60a Abs. 2
Satz 4 AufenthG). Überdies können
auch Inhaber einer Duldung nach
§ 60a Abs. 2 Satz 3 AufenthG nach
erfolgreichem Berufsausbildungs-
abschluss eine Aufenthaltserlaubnis
nach § 18a AufenthG erhalten.
2)
Schutzbedürftige werden auch aufgrund
der Bundes- oder Landesanordnungen auf-
genommen (§ 23 AufenthG). Sie erhalten be-
reits im Herkunftsland oder aufnehmenden
Drittstaat auf Antrag eine Schutzberech-
tigung und reisen mit Visum ein. Teilweise
ist das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten
Nationen (UNHCR) bei der Auswahl betei-
ligt, zum Beispiel im Fall des Resettlements
(„Neuansiedlung“).
Folgende Differenzierungen der sonstigen
Schutzberechtigten aus völkerrechtlichen,
humanitären, politischen Gründen ergeben
sich (derzeit):
Resettlementflüchtlinge, § 23 Abs. 4 AufenthG,
• Bundesaufnahmeanordnung Syrische
Flüchtlinge, § 23 Abs. 2 AufenthG,
• Landesaufnahmeanordnung Syrische
Flüchtlinge, § 23 Abs. 1 AufenthG,
• Bundesaufnahmeanordnung Afghanische
Ortskräfte, § 22 S. 2 AufenthG,
• Bundesaufnahmeanordnung Jüdische Zu-
wanderer ehem. SU, § 23 Abs. 2 AufenthG.
Im sogenannten Resettlement-Verfahren
(Aufnahme und Neuansiedlung besonders
schutzbedürftiger Flüchtlinge aus Drittstaa-
ten in Zusammenarbeit mit dem UNHCR)
werden jährlich Flüchtlinge unterschiedlicher
Staatsangehörigkeit oder Staatenlose aufge-
nommen. Sachsen hat seit dem Jahr 2012 137
Personen aufgenommen.
67
Zudem nimmt Sachsen auch syrische Schutz-
suchende aus der Türkei auf. Im November
2016 haben sich Bund und Länder darauf ver-
ständigt, dass die Aufnahme als dauerhafte
Neuansiedlung im Wege des Resettlements
erfolgt. Die Aufnahme läuft seit Anfang des
Jahres 2017 und bislang hat Sachsen 135
Personen aufgenommen.
68
Der Freistaat Sachsen hat sich an drei Auf-
nahmeprogrammen des Bundes für syrische
Flüchtlinge in den Jahren 2013 und 2014
beteiligt. Zudem hat das Sächsische Staats-
ministerium des Innern ergänzend im Novem-
ber 2013 eine Landesaufnahmeanordnung
für syrische Familienangehörige erlassen. Im
Rahmen der Aufnahmeprogramme des Bun-
des für syrische Flüchtlinge hat Sachsen seit
dem Jahr 2013 insgesamt fast 1.000 Syrer
aufgenommen und im Rahmen des Landes-
aufnahmeprogramms nochmals 534 syrische
Familienangehörige.
69
Aufgrund der Ratsbeschlüsse der EU vom
September 2015 erfolgt überdies eine Um-
siedlung von Asylbewerbern aus Italien und
Griechenland als vorübergehende Aufnahme
(Relocation). Bisher hat Sachsen 184 Perso-
nen aus Griechenland und 323 Personen aus
Italien aufgenommen.
70
69
Sächsisches Staatsministerium des Innern (Stand: 30.09.2017).
70
Sächsisches Staatsministerium des Innern (Stand: 31.12.2017).
WEGE NACH SACHSEN: DATEN UND FAKTEN
Es besteht die Möglichkeit, eine
Duldung für die Dauer einer
qualifizierten Berufsausbildung
zu erhalten.
67
Sächsisches Staatsministerium des Innern (Stand: 31.12.2017).
68
Sächsisches Staatsministerium des Innern (Stand: 31.12.2017).

40
41
Um ihrer Fürsorgepflicht gegenüber afgha-
nischen Mitarbeitern gerecht zu werden,
haben sich die in Afghanistan tätigen
Bundesressorts Ende 2013 zur Aufnahme
von afghanischen Ortskräften (jeweils mit
deren Familien) verständigt, die aufgrund
ihrer Tätig keit für deutsche Behörden als
individuell gefährdet eingestuft wurden. Seit
Januar 2014 wurden 40 Ortskräfte mit Fa-
milienangehörigen (121 Personen) Sachsen
zugewiesen. Besteht der Aufnahmegrund
weiterhin fort, werden die Aufenthaltser-
laubnisse in Abstimmung mit dem BMI bis
zum 31. Dezember 2018 verlängert.
3)
Aufgrund eines Ersuchens der Härtefall-
kommission kann das Sächsische Staats-
ministerium des Innern die Erteilung einer
Aufenthaltserlaubnis anordnen, wenn drin-
gende persönliche oder humanitäre Gründe
die weitere Anwesenheit des vollziehbar aus-
reisepflichtigen Ausländers im Bundesgebiet
rechtfertigen (§ 23a AufenthG).

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
2.2.4 FAMILIENNACHZUG
Zur Herstellung beziehungsweise Wahrung
der familiären Lebensgemeinschaft werden
Drittstaatsangehörigen Aufent-
haltserlaubnisse erteilt (gebundene
und Ermessensentscheidungen).
Geschützt ist insbesondere die
sogenannte Kernfamilie, das
heißt die Beziehungen unter
Ehepartnern sowie Eltern und minderjäh-
rigen Kindern.
Das Aufenthaltsrecht der Familienangehörigen
von Unionsbürgern und freizügigkeitsberech-
tigten Drittstaatsangehörigen entsteht mit
dem Vorliegen der unionsrechtlichen Voraus-
setzungen und ist im FreizügG/EU geregelt.
Familienangehörige genießen grundsätzlich
ebenfalls das Recht auf Freizügigkeit und
haben uneingeschränkten Zugang zum Arbeits-
markt unabhängig davon, ob sie selbst Bürgerin
oder Bürger eines EU-Mitgliedstaates, eines
EWR-Staates oder der Schweiz sind.
Bei den Spätaussiedlern macht zwischenzeit-
lich der Anteil der nichtdeutschen Familien-
angehörigen fast 80 Prozent aus, die bis
2004 häufig ohne deutsche Sprachkennt-
nisse waren. Bis Mitte der 1990er Jahre war
das Verhältnis genau umgekehrt. Hierzu sieht
das Zuwanderungsgesetz 2004 insofern eine
deutliche Veränderung vor: Der Gesetzgeber
hat – soweit hier in Rede stehend – insbe-
sondere darauf reagiert, dass der Anteil der in
den Aufnahmebescheid einbezogenen nicht-
deutschen Ehepartner und Abkömmlinge oder
sonstiger auf ausländerrechtlicher Grundlage
mitreisender Verwandter stark zugenommen
hat, indem er für die Einbeziehung von nicht-
deutschen Ehepartnern und Abkömmlingen
seit dem 1. Januar 2005 auch Grundkennt-
nisse der deutschen Sprache verlangt (§ 27
Abs. 2 Satz 1 BVFG).
Der Familiennachzug berechtigt zur Erwerbs-
tätigkeit. Das Visum zum Familiennachzug zu
Ausländern, die in Deutschland eine Ausbil-
dung absolvieren, bedarf der Zustimmung der
Ausländerbehörde. Das Gesetz differenziert
im Wesentlichen zwischen Familiennachzug zu
Deutschen und Familiennachzug zu Ausländern.
Der Familiennachzug zu anerkannten Flücht-
lingen, Asylberechtigten und subsidiär
Schutzberechtigten
71
setzt neben der Füh-
rung einer familienrechtlichen Lebensgemein-
schaft in Deutschland und dem Nachweis der
familiären Beziehungen auch eine gesicherte
Rechtsposition des hier lebenden Ausländers
voraus (Aufenthaltstitel). Eltern eines minder-
jährigen Schutzberechtigten zum Beispiel
haben einen Anspruch auf Familiennachzug,
sofern sich in Deutschland nicht bereits ein
personensorgeberechtigter Elternteil aufhält.
In der Regel ist ein Visum erforderlich; hier
sind Ausnahmen möglich. Im Rahmen des
sogenannten „Asylpakets“ vom 17. März 2016
ist bis zum 31. Juli 2018 der Familiennachzug
zu Personen, die nach dem 17. März 2016
den Status als subsidiär Schutzberechtigter
erhalten haben, ausgesetzt.
71
Die Schutzquote wird über folgende vier Kategorien abgeleitet: Laut Ausländerzentralregister (Stand: 30.04.2017) sind für den Bereich Sachsen
folgende Aufenthaltserlaubnisse erteilt worden: Nach § 25 Abs. 1 AufenthG (Asylberechtigter) – 121 Personen; nach § 25 Abs. 2 AufenthG
(Flüchtlingseigenschaft zuerkannt) – 14.565 Personen; nach § 25 Abs. 2 AufenthG (subsidiärer Schutz) – 3.667 Personen; nach § 25 Abs. 3 AufenthG
(Abschiebungshindernisse) – 1.542 Personen.
WEGE NACH SACHSEN: DATEN UND FAKTEN
Zur Herstellung beziehungs-
weise Wahrung der familiären
Lebensgemeinschaft werden
Drittstaatsangehörigen Aufent-
haltserlaubnisse erteilt.

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42
43
42
43
Quelle: Asylstatistik der Landesdirektion
Übersicht über die Entwicklung der Ersterteilung von Aufenthaltstiteln
nach Aufenthaltszwecken im Freistaat Sachsen zwischen 2012 und 2017
Zweck der Ausbildung
Zweck der Erwerbstätigkeit
völkerechtliche, humanitäre
oder politische Gründe
familiäre Gründe
besondere Aufenthaltsrechte

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
2.3 ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSAKTEURE
Maßgebend für den Erfolg der Zuwande-
rungs- und Integrationspolitik im Freistaat
Sachsen ist eine gute Zusammenarbeit und
Vernetzung aller beteiligten Akteure.
2.3.1 STAATLICHE UND KOMMUNALE AKTEURE
Wichtigste Akteure sind auf staatlicher Seite
der Bund und der Freistaat Sachsen. Daneben
sind die Kommunen als Lebensmittelpunkte
zentral. Die föderale Struktur Deutschlands
stellt besondere Herausforderungen an die
Vernetzung der beteiligten Akteure.
Bund und Länder betreiben eine aktive und
strategisch ausgerichtete Integrationspolitik mit
Konzepten, Aktionsplänen und umfangreichen
Fördermaßnahmen. Integration
und Partizipation erfolgen auf
bundesgesetzlicher Grundlage
und zudem auf landesgesetzli-
cher Grundlage in Baden-Würt-
temberg, Bayern, Berlin und
Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen eines ko-
operativen Föderalismus stimmen die Länder
ihre politischen Maßnahmen unter anderem im
Rahmen der Integrationsministerkonferenzen
untereinander und mit dem Bund ab.
Die inhaltlichen Vorgaben im Bereich Zu-
wanderung und Integration kommen maß-
geblich vom Bund, der wiederum oftmals
europarechtliche Vorgaben umsetzt. Dem
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
(BAMF, Aufsicht: Bundesministerium des
Innern) mit den Außenstellen in Chemnitz,
Dresden und Leipzig obliegt neben der Ent-
scheidung der Asylverfahren zugleich die
Umsetzung der Bundesintegrationspolitik,
insbesondere die Gestaltung und Implemen-
tierung der allgemeinen und berufsbezogenen
Deutschsprachförderung. Die Bundesagentur
für Arbeit (BA, Aufsicht: Bundesministerium
für Arbeit und Soziales) mit ihrer Regional-
direktion Sachsen in Chemnitz unterstützt
insbesondere Flüchtlinge schon während des
Asylverfahrens bei der Arbeitssuche und der
Verbesserung der Qualifikationen.
Die Erstaufnahme und die Fachaufsicht über
die Ausländer- und Unterbringungsbehörden
ist Aufgabe der Landesdirektion Sachsen und
des Sächsischen Staatsministeriums des Innern.
Das Zusammenspiel der Akteure ist komplex,
eine Zusammenarbeit daher unerlässlich. Auf
Landesebene wirken zunächst für die Exekutive
WEGE NACH SACHSEN: DATEN UND FAKTEN
Bund und Länder betreiben eine
aktive und strategisch ausge-
richtete Integrationspolitik mit
Konzepten, Aktionsplänen und
umfangreichen Fördermaßnahmen.

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44
45
der Geschäftsbereich Gleichstellung und In-
tegration im Sächsischen Staatsministerium
für Soziales und Verbraucherschutz sowie alle
anderen Ressorts im Rahmen ihrer Fachzu-
ständigkeit. Dazu existiert als Ombudsmann
für die hier lebenden Ausländer ein Sächsi-
scher Ausländerbeauftragter, der beim Säch-
sischen Landtag angesiedelt ist.
Integration geschieht maßgeblich vor Ort in
den Kommunen. Wichtige Akteure sind hier
neben den Bürgermeisterinnen und Bürger-
meistern sowie Landrätinnen und Landräten
die kommunalen Ausländer- und Integrati-
onsbeauftragten und die sich gerade etab-
lierenden kommunalen Integrations- sowie
Bildungskoordinatoren. Ferner sind neben
Jugend- und Sozialämtern vor allem Schulen,
Berufsschulen, Kindertageseinrichtungen sowie
staatliche Beratungsstellen (zum Beispiel Ge-
sundheitsämter) von Bedeutung. Hinzu treten
Migrationsberatungsdienste (des Bundes)
72
und kommunale sowie staatlich finanzierte
Flüchtlingssozialarbeit
73
.
72
Vgl. § 45 Satz 1 AufenthG (Integrationskurs soll durch weitere Integrationsangebote des Bundes und der Länder, insbesondere sozialpädagogische
und migrationsspezifische Beratungsangebote, ergänzt werden).
73
Vgl. Förderrichtlinie Soziale Betreuung Flüchtlinge vom 08.07.2015.
Bild: Akteure vernetzen und Synergien nutzen

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
2.3.2 NICHTSTAATLICHE AKTEURE
Auf nichtstaatlicher Seite zeigt sich eine
engagierte Zivilgesellschaft in Form von
Migrantenselbstorganisationen (mittlerweile
mit einem sächsischen Dachverband) und
Flüchtlingsräten, von Ehrenamtsinitiativen,
von Vereinen, durch Träger der freien Wohl-
fahrtspflege, Initiativen der Wirtschaft und
Gewerkschaften, Wissenschaft und Kultur,
Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie
Stiftungen. Weiterhin gibt es beispielsweise
projektbezogene Integrationsakteure unter
anderem bei der Umsetzung von Landespro-
grammen (zum Beispiel Sprachkursträger) sowie
die Handwerks- und die Industrie- und Han-
delskammer als Schnittstelle zu sächsischen
Unternehmen.
Bild: Dachverband Sächsischer Migrantenorganisationen e.V. (DSM)
WEGE NACH SACHSEN: DATEN UND FAKTEN

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46
47
2.3.3 VERNETZUNG DER AKTEURE
Es gibt überregionale Netzwerke der Integ-
rations- und Arbeitsmarktakteure wie das
IQ Netzwerk Sachsen sowie die IvAF-Pro-
jekte (Resque 2.0 und Resque Continued), das
Verbändegespräch Integration, das Netzwerk
Integration und Migration oder den Jour Fixe
Arbeitsmarktintegration Geflüchteter. Hinzu
treten zahlreiche regional und operativ ar-
beitende Netzwerke in den Landkreisen und
Kreisfreien Städten.
74
74
Übersicht siehe unter:
http://sab.landtag.sachsen.de/de/wegweiser/netzwerke-sachsen/netzwerke-sachsen-9372.cshtml.
Bild: Verbändegespräch Integration Dresden

03
GLEICHBERECHTIGTE
GESELLSCHAFTLICHE
TEILHABE VON
MENSCHEN MIT
MIGRATIONSHINTERGRUND:
ZIELE UND MASSNAHMEN

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
75
Menschen mit Migrationshintergrund und ausländischer Staatsbürgerschaft haben aus rechtlichen Gründen unterschiedliche Möglichkeiten der
Teilhabe. Die weitestgehenden Rechte wie deutsche Staatsangehörige haben Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der Europäischen Union, des
Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) und der Schweiz. Staatsangehörige aus anderen Staaten benötigen einen Aufenthaltstitel, der je nach Zweck
und Dauer des Aufenthaltes unterschiedliche Zugänge ermöglicht.
76
Chancengleichheit bezeichnet in modernen Gesellschaften das Recht auf einen gleichen Zugang zu Lebenschancen. Dazu gehört wesentlich das
Verbot von Diskriminierung (vgl. Artikel 3 Grundgesetz, Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz).
Menschen mit Migrationshintergrund soll eine
weitestgehend
75
gleichberechtigte Teilhabe
am gesellschaftlichen Leben des Freistaa-
tes Sachsen ermöglicht werden.
Nur wer gleichberechtigt am
Gemeinwesen teilhaben kann,
wird sich mit diesem auch voll-
ständig identifizieren. Gute deut-
sche Sprachkenntnisse sind eine wesentliche
Voraus setzung für eine gelingende Teilhabe
am gesellschaftlichen Leben.
Ziel ist, dass Menschen mit Migrationshinter-
grund ihre Potenziale entfalten können, ohne
durch ethnische oder sonstige diskriminierende
Rollenzuweisungen eingeschränkt zu wer-
den. Teilhabe und Chancengleichheit
76
gilt es
in zentralen Bereichen des gesellschaftlichen
Lebens zu fördern. Dies betrifft insbesondere
den Zugang zu Bildung, Ausbildung bezie-
hungsweise Arbeit, kultureller und sozialer
Teilhabe ebenso wie die Gleichstellung der
Geschlechter in Verwirklichung von Artikel 3
Grundgesetz und des Allgemeinen Gleichbe-
handlungsgesetzes (AGG). Auch Menschen
mit Migrationshintergrund und Behinderungen
sollen in allen Lebensbereichen gemäß dem
Inklusions gedanken der UN Behinderten-
rechtskonvention Unterstützung erfahren.
Nur eine vorurteilsfreie, offene und plurale
Gesellschaft kann Menschen unabhängig von
ihrer Herkunft oder ihren Wurzeln eine gleich-
berechtigte gesellschaftliche Teilhabe ermög-
lichen. Zentral ist eine Interkulturelle Öffnung
des Staates und der Gesellschaft.
Nur wer gleichberechtigt am
Gemeinwesen teilhaben kann,
wird sich mit diesem auch
vollständig identifizieren.
GLEICHBERECHTIGTE GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: ZIELE UND MASSNAHMEN

50
51
3.1 SPRACHE UND VERSTÄNDIGUNG
Deutsch sprechen, lesen und schreiben zu
können, ist unabdingbare Voraussetzung
für eine gelingende Integration. Ein konti-
nuierlicher Spracherwerb ist zu fördern und
einzufordern.
Individuelle Sprachmittlung soll Menschen
mit Migrationshintergrund frühzeitig eine
gute Verständigung mit der einheimischen
Bevölkerung und insbesondere mit den Be-
hörden ermöglichen. Auf diese Weise kön-
nen anfangs bestehende Sprachbarrieren
überwunden werden.
Die Sächsische Staatsregierung setzt sich
daher im Bereich
Spracherwerb
dafür ein,
• einen schnellen Zugang zu Sprachkursen
entsprechend dem jeweiligen Sprachni-
veau zu ermöglichen,
• den Menschen mit Migrationshintergrund,
die über keinen Zugang zu bundesfinan-
zierten Sprach- beziehungsweise Integ-
rationskursen verfügen, landesfinanzierte
Sprachkurse anzubieten,
• den selbständigen, anwendungsorientier-
ten Spracherwerb zu unterstützen.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Weitere Finanzierung von Landessprach-
kursen in Form von
- Alphabetisierungskursen
- Deutsch sofort - Kursen (bis A1)
- Deutsch qualifiziert - Kursen (bis B1)
- Deutsch Beruf - Kursen (bis B2).
• Sprachkurse zur Vorbereitung auf das
Studium für studieninteressierte und
zugangsberechtigte Flüchtlinge werden
ebenfalls fortgeführt.
• Ehrenamtliche Sprachkurse zur vertiefen-
den Anwendung des Spracherwerbs, hier
vor allem Maßnahmen zum selbstgesteu-
erten Lernen („Lernen zu Lernen“) sowie
selbständige Sprachanwendungen fördern
(zum Beispiel ehrenamtliche Sprachpa-
tenschaften bewerben, Verknüpfung der
Sprachkurse mit Praktika).
• Qualitätsstandards für die Sprachkurse des
Freistaates Sachsen durchsetzen.
• Diskussion über die Überarbeitung der In-
halte der BAMF-Integrationskurse initiieren.
• Gegenüber dem Bund auf eine bessere
Steuerung des Sprachkurszugangs hin-
wirken. Parallel dazu das kooperative
Steuerungsmanagement zur regionalen
Koordinierung der Spracherwerbsange-
bote von EU, Bund und Land optimieren
(zum Beispiel durch Zusammenarbeit aller
Akteure wie Regionalkoordinatoren und
Referat 322 – Berufsbezogene Sprachför-
derung BAMF, kommunale Koordinatoren,
Träger von Sprachkursen, Staatsregierung).
• Vorhandene Informationsplattformen des
Bundes zur besseren Darstellung der ak-
tuellen Kursangebote unter Verpflichtung
zur Veröffentlichung der Landessprach-
kurse auf den vorhandenen Plattformen
des Bundes nutzen.
• Auf eine stärkere Wahrnehmung der Ver-
pflichtung zur Teilnahme von Berechtigten
an BAMF-Integrationskursen nach § 44a
AufenthG durch Ausländerbehörden und
Jobcenter (Reduktion Wartezeiten) drängen.
• Im Rahmen der Fachaufsicht der zuständigen

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
Landesministerien die kommunalen Träger
der Leistungen nach dem AsylbLG auffor-
dern, dass diese von der Verpflichtung zur
Teilnahme an einem BAMF-Integrationskurs
von Asylbewerbern mit guter Bleibepers-
pektive Gebrauch machen
77
(§ 44 Abs. 4,
§ 44a AufenthG; § 5b AsylbLG i.V.m. § 44
Abs. 4 AufentG für arbeitsfähige, nicht er-
werbstätige Leistungsberechtigte, die das
18. Lebensjahr vollendet haben und der
Vollzeitschulpflicht nicht mehr unterliegen).
• Das Angebot an Sprachkursen für
nicht-deutschsprachige Gefangene im
Justizvollzug wird ausgeweitet, um eine
Kommunikation mit den JVA-Beamtinnen
und JVA-Beamten zu ermöglichen.
Die Sächsische Staatsregierung setzt sich
im Bereich der
sprachlichen und kulturellen
Verständigung
dafür ein,
in lebensrelevan-
ten Situationen eine gute Sprachmittlung zu
ermöglichen.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• „Erstorientierungskurse für Asylsuchende“
(ehemals „Wegweiserkurse“; erste sprachliche
Grundkenntnisse und kulturelle Alltags-
orientierung) in allen sächsischen Erst-
aufnahmeeinrichtungen als Regelangebot
verankern.
• Servicestellen für Sprach- und Integrations-
mittler (SprInt) zur Unterstützung der
Kommunen beim Aufbau lokaler Sprach-
mittlerdienste fördern.
• Kita, Schule und Hort durch Sprachmittler
professionell begleiten, hierbei Prüfung
eines ressortübergreifenden Landespro-
gramms für Kultur- und Sprachmittler
unter besonderer Berücksichtigung des
Integrationsfeldes Kita und Schule.
• Den Bund zur Prüfung der bundesein-
heitlichen Finanzierung von Sprach- und
Integrationsmittlereinsätzen und Dol-
metschereinsätzen in den bisher recht-
lich nicht eindeutig geregelten Bereichen
auffordern.
• Verständigung mit nicht-deutschsprachi-
gen Gefangenen im Justizvollzug verbes-
sern (zum Beispiel Einstellung von Dol-
metschern, Einsatz von Piktogrammen,
Prüfung von Orientierungsangeboten für
nicht-deutschsprachige Gefangene).
77
Vgl. § 44 Abs. 4, § 44a AufenthG; § 5b AsylbLG i.V.m. § 44 Abs. 4 AufentG für arbeitsfähige, nicht erwerbstätige Leistungsberechtigte, die das
18. Lebensjahr vollendet haben und der Vollzeitschulpflicht nicht mehr unterliegen.
GLEICHBERECHTIGTE GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: ZIELE UND MASSNAHMEN
Bild rechts: Motivierte Teilnehmer im Sprachkurs

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52
53

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
GLEICHBERECHTIGTE GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: ZIELE UND MASSNAHMEN
Bild unten: Schulische Integration
Bild oben: Deutschunterricht in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Dresden

54
55
3.2 FRÜHKINDLICHE UND SCHULISCHE BILDUNG
Frühkindliche und schulische Bildung schaf-
fen die nachhaltige Grundlage für gelin-
gende Integration und individuelle Erfolge.
Sie sind Voraussetzungen für Zukunfts-
chancen und Teilhabegerechtigkeit. Inves-
titionen in Bildung und lebenslanges Lernen
stärken zudem den Wirtschaftsstandort und
schaffen eine sichere Basis zur Deckung des
Fachkräftebedarfs.
Die Sächsische Staatsregierung ist daher
bestrebt,
• den gesamten Bildungsverlauf von der früh-
kindlichen Bildung über die Schule hin zur
Erstausbildung/Studium als einen durchgän-
gigen Bildungsprozess (Kita, Grundschule,
weiterführende Schule, Berufsausbildung/
Studium) weiter zu verbessern und dessen
Übergänge optimal zu gestalten,
• die sprachliche Bildung zur Entwicklung ei-
ner bildungssprachlichen Kompetenz in der
deutschen Sprache weiter zu optimieren und
die Zwei- und Mehrsprachigkeit als beson-
dere Bildungsressource weiter zu fördern.
Die Sächsische Staatsregierung setzt sich da-
her im
Bereich der frühkindlichen Bildung
für die Herstellung von Chancengerechtigkeit
durch Angebote früher Bildung, Erziehung
und Betreuung (Kindertagespflege, Krippe,
Kindergarten, Hort) auf der Grundlage des
sächsischen Bildungsplans ein.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Informations- und Beratungsangebote
auf die Bedürfnisse der Familien anpassen
(zum Beispiel Anregung an die Kommunen
zur Bereitstellung von mehrsprachigem In-
formationsmaterial zur Kinderbetreuung).
• Kitas zu Eltern-Kind-Zentren weiterent-
wickeln (zum Beispiel durch Stärkung der
Elternarbeit).
• Frühe Sprachförderung stärken (zum Bei-
spiel durch Wahrnehmung der vorschu-
lischen Früherkennungsuntersuchungen
und der Sprachintensivförderung unmit-
telbar vor Schulbeginn).
• Willkommens- und Sprachkitas ausbauen
und ein integrationsförderndes Klima
schaffen.
• Fachkräfte in interkultureller Kompetenz
aus- und fortbilden, Sprachkompetenzen
verbessern sowie bedarfsgerecht Fach-
kräfte und Freiwillige mit Migrationshin-
tergrund, Sprachkenntnissen und interkul-
tureller Kompetenz gewinnen.
• Prüfen, ob Einrichtungen, in denen mehr als
10 Prozent der Kinder einen Migrationshin-
tergrund haben, zu unterstützen sind.
• Kitas in sozial benachteiligten Quartieren
durch gezielte personelle, finanzielle oder
materielle Maßnahmen fördern.
• Sprachmittlung in Kita und Hort gewähr-
leisten.
• Elternarbeit kultursensibel gestalten, um
die Betreuungsquote von Kindern mit
Migrationshintergrund zu verstärken.
Die Sächsische Staatsregierung setzt sich im
Bereich der schulischen Bildung
für die Her-
stellung von Chancengerechtig-
keit ein. Dieses Vorhaben beruht
auf der Grundlage des Sächsi-
schen Schulgesetzes und des
sächsischen Konzeptes zur Inte-
gration von Migranten vom 01.08.2000
78
und
soll für jede Schülerin und jeden Schüler den
bestmöglichen Schul- und Berufsabschluss
ermöglichen.
78
Vgl. Sächsisches Staatsministerium für Kultus, Internetseite „Migration und Schule“
http://www.schule.sachsen.de/1752.htm.
Die Sächsische Staatsregierung
setzt sich im Bereich der schuli-
schen Bildung für die Herstellung
von Chancengerechtigkeit ein.

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Bildungssprache und sprachliche Bildung
systematisch entwickeln als Aufgabe je-
des Unterrichtsfaches durch den Einsatz
der Niveaubeschreibungen Deutsch als
Zweitsprache für die Primarstufe, Sekun-
darstufe I und II (unter anderem durch
Sicherstellung des Unterrichtsfaches
Deutsch als Zweitsprache [DaZ]).
• Zwei- und Mehrsprachigkeit als Bildungs-
ressource fördern (zum Beispiel im Rah-
men der Ganztagsangebote und des her-
kunftssprachlichen Unterrichts).
• Ausbildungskapazitäten für DaZ-Lehrende
an den lehramtsausbildenden Universitä-
ten sichern und ausbauen.
• Schulen mit Vorbereitungsklassen unter-
stützen (zum Beispiel durch spezifische
Beratungs- und Unterstützungsangebote).
• Bei Bedarf individuelle Lernförderung für
einen bestmöglichen Schulerfolg vermit-
teln (zum Beispiel durch Förderung ehren-
amtlicher Bildungspatenschaften).
• Die Rolle der Betreuungslehrerin bezie-
hungsweise des Betreuungslehrers als Be-
rater, Mentor und Integrationsbegleiter im
schulischen Integrationsprozess stärken
und den Einsatz der schulartübergreifen-
den Koordinatorinnen und Koordinatoren/
Ansprechpartnerinnen und Ansprechpart-
nern für Migration und Integration in der
Schulaufsicht weiterführen.
• Schulsozialarbeit weiterhin entsprechend
den örtlichen (inklusive interkulturellen)
Bedarfen unterstützen, verbunden mit
Maßnahmen zu einer geeigneten schul-
psychologischen Betreuung.
• Partizipation von Eltern als Teil der Bildungs-
und Erziehungspartnerschaft stärken (zum
Bild: Zuckertütenfest der Arbeiterwohlfahrt
GLEICHBERECHTIGTE GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: ZIELE UND MASSNAHMEN

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56
57
Beispiel durch mehrsprachige Elterninfor-
mationen über das Schul- und Bildungs-
system, den Einbezug von Sprachmittlung,
die Mitwirkung in Elternräten sowie die
Öffnung und Gründung von Elternnetz-
werken).
• Stipendien für neuzugewanderte moti-
vierte junge Menschen mit Migrationshin-
tergrund (zum Beispiel das START-Stipen-
dium) ausbauen.
• Den professionellen Umgang mit sprachli-
cher, kultureller und sozialer Heterogenität
und Vielfalt stärken (zum Beispiel durch
Schaffung eines integrationsfördernden
Klimas an Schulen und Förderung der
Eltern zusammenarbeit und Kooperation
mit außerschulischen Partnern).
• Kinder und Jugendliche mit stark unter-
brochenen Bildungsbiografien oder ohne
Schulbesuch unterstützen (zum Beispiel
durch die Erarbeitung von neuen Lösungs-
wegen zur Fortführung der Bildungslauf-
bahn unter Nutzung der Möglichkeiten des
ersten und zweiten Bildungsweges und deren
mittelfristige Etablierung im Regelsystem
sowie durch den Ausbau der Kooperation
zwischen Betreuungslehrerin beziehungs-
weise Betreuungslehrer und Berufsberaterin
beziehungsweise Berufsberater der Bundes-
agentur für Arbeit und der Jobcenter).
• Individuelle Übergänge kultursensibel ge-
stalten und Anschlüsse sichern.
• Gleichmäßige Verteilung von Schülerinnen
und Schülern mit Migrationshintergrund
an Schulen sicherstellen.
• Kindern und Jugendlichen, welche ver-
pflichtet sind, länger als drei Monate in der
Erstaufnahmeeinrichtung zu wohnen, wird
der Zugang zu Bildung ermöglicht (verglei-
che EU-Aufnahmerichtlinie 2013/33/EU).
Bild: Lerngruppe mit Flüchtlingskindern

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
GLEICHBERECHTIGTE GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: ZIELE UND MASSNAHMEN
3.3 NACHHOLENDE BILDUNG
Flüchtlingen fehlt neben Deutschkenntnissen
vielfach auch die erforderliche schulische
Vorbildung für den Einstieg in eine Berufs-
ausbildung. Gleichzeitig ist das Potenzial für
Helfertätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt be-
grenzt und tendenziell rückläufig. Die Ver-
mittlung in Anlerntätigkeiten kann folglich
nur für einen kleineren Teil der Flüchtlinge
eine Lösung darstellen.
Eine wichtige Aufgabe gelingender Integ-
ration muss es daher sein, möglichst viele
junge Flüchtlinge in eine Berufsausbildung
zu führen. Damit können ihre Chancen auf
nachhaltige Arbeitsmarktintegration erhöht
und es kann mittel- bis langfristig ein Bei-
trag zur Sicherung des zukünftigen Fach-
kräftebedarfs geleistet werden.
Die Instrumente der Bundesagentur für
Arbeit zur Förderung der Ausbildungsreife
(Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme,
Einstiegsqualifizierung) setzen im Hinblick
auf die schulische Bildung bereits eine gra-
duelle Reife voraus, da sie nach der üblichen
Schullaufbahn ansetzen. Das heißt, es wird
ein schulischer Kenntnisstand benötigt, der
mit einer Bildungslaufbahn von mindestens
acht Jahren im deutschen Schulsystem ver-
gleichbar ist. Bei Flüchtlingen mangelt es
durch die Verhältnisse in ihrem Heimatland
jedoch oft an einer vergleichbaren schuli-
schen Vorbildung, speziell in Mathematik,
Naturwissenschaften sowie Informations-
technik. Aufgrund der zu geringen schu-
lischen Vorbildung stellt auch der zweite
Bildungsweg keine realistische Alternative
für diese Zielgruppe dar.
Die Sächsische Staatsregierung setzt sich
daher im Bereich
Nachholende Bildung
dafür ein,
• die Kompetenzen der Teilnehmenden in
einer konzertierten Maßnahme zur Her-
stellung der Anschlussfähigkeit zur Aus-
bildungsvorbereitung so weit zu erhöhen,
dass ein erfolgreicher Übergang in beste-
hende weiterführende Wege der beruflichen
Bildung (innerhalb des 4-Phasen-Modells
der Bundesagentur für Arbeit) und / oder
Beschäftigung am allgemeinen Arbeits-
markt möglich wird. Die Integration in eine
Berufsausbildung durch Herstellung von
Ausbildungsreife ist das vorrangige Ziel.
Wechselt eine Teilnehmerin oder ein Teil-
nehmer unmittelbar nach dem Durchlaufen
dieser Phase in ein Arbeitsverhältnis, ist
das Ziel ebenfalls erreicht.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
dem Bereich (Auswahl):
• Bildungsmodul des Sächsischen Staats-
ministeriums für Kultus „Berufsbe-
reichsbezogene Grundbildung für junge
Erwachsene mit Migrationshintergrund
ohne oder mit stark unterbrochener Bil-
dungslaufbahn“ zum Erwerb einer be-
rufsbereichsbezogenen Grundbildung
(Schwerpunkte: Mathematik, Naturwis-
senschaften, Informationstechnik und
berufsbereichsbezogene Fachsprache),
ergänzt durch Angebote der Bundesagentur
für Arbeit (zum Beispiel durch betriebliche
Praktika oder Arbeitsgelegenheiten).

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Bilder: Produktionsschule Moritzburg

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
3.4 HOCHSCHULBILDUNG / WISSENSCHAFT
Der Zugang zu den Hochschulen steht Unions-
bürgern und Drittstaatenangehörigen zu den
gleichen Bedingungen offen wie Deutschen.
Internationale Studierende sind ein wachsen-
des Potenzial für den sächsischen Arbeitsmarkt
und stellen in der positiven Wanderungsbilanz
Sachsens einen wichtigen Faktor dar. Die Wis-
senschaft kann durch den Zugewinn an inter-
nationalen Nachwuchskräften und Experten
an Qualität und Innovationskraft gewinnen.
Die Sächsische Staatsregierung ist daher
bestrebt,
• die sächsischen Hochschulen und For-
schungseinrichtungen als Orte der gelebten
Internationalität zu stärken und sie als
wichtige Akteure im Bereich von Bildung,
Forschung, Entwicklung und Innovation
einzubeziehen sowie ihre Rolle bei der För-
derung des interkulturellen Dialoges und
der interkulturellen Handlungskompetenz
hervorzuheben,
• sächsische Hochschulen und Forschungs-
einrichtungen sowie deren Studiengänge
beziehungsweise Forschungs- und Nach-
wuchsförderprogramme auch attraktiv
für ausländische Studieninteressierte und
Wissenschaftler zu gestalten,
• den Zugang zu den Hochschulen für aus-
ländische Studieninteressierte zu erleich-
tern und Zugangshürden abzubauen,
• wissenschaftliche Exzellenz als Magnet für
ausländische Wissenschaftlerinnen und Wis-
senschaftler sowie Studierende zu nutzen,
• die Absolventen gut auf den Übergang
in den Arbeitsmarkt vorzubereiten, um
fehlende Fachkräfte für den deutschen
Arbeits markt zu gewinnen,
• das vorhandene akademische Potenzial auch
in der Gruppe der Flüchtlinge zu erschließen.
Bild links: Berufseinstieg mit dem Career Service
Bild rechts: Forschung auf internationalem Spitzenniveau
GLEICHBERECHTIGTE GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: ZIELE UND MASSNAHMEN

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
Die Sächsische Staatsregierung setzt sich
daher im Bereich
„Hochschulbildung/Wis-
senschaft“
dafür ein,
• für fördernde Rahmenbedingungen zum
weiteren Ausbau von exzellenter Wissen-
schaft, Lehre, Forschung und Entwicklung,
von Wissenstransfer und Entrepreneurship
zu sorgen,
• die im Hochschulentwicklungsplan 2025
als Ziel festgelegte weitere Internationali-
sierung der Hochschulen umzusetzen,
• dafür Sorge zu tragen, dass die Hochschulen
ausländische Studieninteressierte weiter-
hin adäquat beraten und ihnen damit den
Einstieg ins Studium erleichtern,
• für eine Willkommenskultur an den Hoch-
schulen und Forschungseinrichtungen zu
werben,
• fluchtspezifische Zugangshürden auch
weiterhin zu überwinden (unter anderem
wurde eine Handreichung für Hochschulen
zum Umgang mit studierwilligen Flücht-
lingen und Beweiserleichterungen beim
Nachweis der Hochschulzugangsberech-
tigung erstellt, bekannte sozialrechtliche
Problemstellungen an den Schnittstellen
von SGB und BAföG geklärt und in Abstim-
mung mit der Bundesagentur für Arbeit/
Regionalagentur Chemnitz Lösungswege
aufgezeigt),
• die von den vier großen Forschungs-
organisationen (Fraunhofer-Gesellschaft,
Leibniz-Gemeinschaft, Max-Planck-Ge-
sellschaft und Helmholtz-Gemeinschaft)
vorbildhaft verabredete „Wissenschafts-
initiative Integration“ bei der Umsetzung
von Pilotvorhaben im Freistaat Sachsen zu
unterstützen,
• die Hochschulen zu ermuntern, die Förder-
möglichkeiten der Deutschen Forschungs-
gemeinschaft (DFG) zu nutzen und aus ihren
Heimatländern geflohene angehende oder
promovierte Wissenschaftlerinnen und Wis-
senschaftler über Zusatzanträge in bereits
geförderte Forschungsprojekte einzubinden.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Die Hochschulen schreiben jeweils ihre
spezifischen Strategien zur Internationa-
lisierung fort und entwickeln sie weiter.
Ähnliches gilt für die außeruniversitären
Forschungseinrichtungen, insbesondere
jene Institute/Einrichtungen der vier großen
Forschungsorganisationen.
• Die Akademischen Auslandsämter der
GLEICHBERECHTIGTE GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: ZIELE UND MASSNAHMEN
Die Wissenschaft kann durch den Zugewinn an internationalen Nachwuchskräften und
Experten an Qualität und Innovationskraft gewinnen.

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Universitäten und Hochschulen für Ange-
wandte Wissenschaften wurden personell
verstärkt, um dem erhöhten Beratungs-
bedarf Rechnung zu tragen. Auch die
Career Services der Hochschulen sowie
ausgebaute Welcome-Center leisten ihren
Beitrag zur Beratung von ausländischen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft-
lern sowie Studierenden.
Durch die Umsetzung hochschulinterner
Projekte (zum Beispiel Mentorenpro-
gramme, Propädeutika und Sprachkurse)
soll der Studienerfolg von ausländischen
Studierenden verbessert werden.
• Fünf Hochschulen in Sachsen haben zu-
sätzliche Sprachkurse zur Vorbereitung
von Flüchtlingen auf die Deutsche Sprach-
prüfung für den Hochschulzugang (DSH)
eingerichtet. Diese Sprachkurse haben
das Eingangsniveau B2 GER und sind dem
Grunde nach BAföG-fähig.
• Die an fast allen sächsischen Hochschulen
etablierten Career Services machen zum
Beispiel gemeinsam mit Fachkräfte-
allianzen und ähnlichen Netzwerken
Wirtschaftsunternehmen noch stärker
auf das große Potenzial von Menschen
mit Migrationshintergrund aufmerksam.
Auf diese Weise unterstützen sie die Absol-
ventinnen und Absolventen beim Eintritt in
den
A
r
b
eit
s
mar
k
t
.
• Verschiedene Wissenschaftseinrichtungen
stellen zusätzliche Praktikums- und Ausbil-
dungsplätze, Einstiegsqualifizierungen und
befristete Beschäftigungsmöglichkeiten
für anerkannte Asylbewerber bereit. Dies
erfolgt insbesondere durch die vom Frei-
staat Sachsen geförderten Pilotvorhaben der
Fraunhofer-Einrichtungen und Leibniz-In-
stitute in Sachsen als standortspezifische
Umsetzung der "Wissenschaftsinitiative
Integration". Anerkannte Asylbewerberin-
nen und Asylbewerber mit entsprechen-
den Grundvoraussetzungen sollen damit
gezielt auf ein Studium beziehungsweise
den Einstieg in das spätere Berufs- und
Erwerbsleben vorbereitet werden.

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
GLEICHBERECHTIGTE GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: ZIELE UND MASSNAHMEN
Bild oben: Potenziale nutzen, Chancen ergreifen
Bild unten: Junger Afghane in der Ausbildung

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3.5 AUS- UND WEITERBILDUNG / ARBEIT
Gut ausgebildete Menschen mit Migrations-
hintergrund können zur Fachkräftesicherung
in Sachsen beitragen. Durch ihre Kompetenzen
und ihre Ideen können sie Impulse für Inno-
vationen geben. Ihre Sprachkenntnisse und
Kontakte in die Heimatländer können dem
Aufbau und der Pflege weltweiter wirt-
schaftlicher Beziehungen dienen.
Die Sächsische Staatsregierung ist daher
bestrebt,
• die Zuwanderung von Hochqualifizierten,
Fachkräften, Nachwuchskräften (Auszubil-
dende, Studierende) und Unternehmerinnen
und Unternehmern aus anderen EU Mitglied-
staaten und Drittstaaten zu fördern,
• die Bedeutung der Arbeitnehmerfreizügig-
keit innerhalb der Europäischen Union
und für eine Integration der Arbeits- und
Ausbildungsmärkte im sächsisch-tsche-
chischen und sächsisch-polnischen Grenz-
raum zu betonen,
• Menschen mit Migrationshintergrund
(insbesondere Flüchtlinge) entsprechend
ihrem aufenthaltsrechtlichen Status
bei der erfolgreichen Integration in den
sächsischen Arbeitsmarkt zu unterstüt-
zen, damit diese ihren Lebensunterhalt
selbst bestreiten und einen Beitrag zur
Fachkräfte sicherung leisten können.
Um diese Ziele zu erreichen, wird die Säch-
sische Staatsregierung
1) sich dafür einsetzen, dass die Regelungen
und Verfahren zur Erteilung von Aufent-
haltstiteln zum Zweck der Ausbildung und
Erwerbstätigkeit beziehungsweise von Be-
schäftigungserlaubnissen den Beteiligten
verständlich gemacht werden, aufbauend
auf den bereits vorhandenen Angeboten,
2) prüfen, welche arbeitsmarktpolitischen
Bedarfe und Möglichkeiten es für eine
weitere Öffnung der Zuwanderungsmög-
lichkeiten für ausländische Fach- und
Nachwuchskräfte (Auszubildende, Stu-
dierende) sowie Unternehmerinnen und
Unternehmer gibt und wie diese Mög-
lichkeiten genutzt werden
können,
3) die sächsischen Arbeitgebe-
rinnen und Arbeitgeber darin
bestärken, gute Arbeits-
bedingungen und eine faire
Entlohnung im Sinne von „Gute Arbeit für
Sachsen“ zu bieten, um auf diese Weise
ihre Attraktivität für Fachkräfte aus dem
In- und Ausland zu steigern,
4) sich dafür einsetzen, dass ausländische
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,
insbesondere aus anderen EU-Staaten,
vor Ungleichbehandlung aus Gründen
der Staatsangehörigkeit geschützt und
einheimische Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer sowie Arbeitgeberinnen
und Arbeitgeber vor unfairem Wettbewerb
bewahrt werden,
5) für den Standort Sachsen um Fach- und
Nachwuchskräfte werben,
6) Menschen mit Migrationshintergrund
bedarfs- und zielgruppenorientiert In-
formationen, Beratung und Orientierung
bieten, insbesondere zu Arbeits- und
Lebensbedingungen, Ausbildungs- und
Beschäftigungsmöglichkeiten sowie Un-
terstützungsangeboten,
7) kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei
der Gewinnung und Integration ausländischer
Fach- und Nachwuchskräfte unterstützen,
8) sich dafür einsetzen, dass die Qualifi-
kationen und Kompetenzen von nach
Gut ausgebildete Menschen mit
Migrationshintergrund können
durch ihre Kompetenzen und
ihre Ideen Impulse für Innovati-
onen geben.

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
Sachsen kommenden Menschen mit
Migrationshintergrund frühzeitig erfasst,
geprüft und anerkannt werden,
9) darauf hinwirken, dass ausreichend Ange-
bote zur Qualifizierung und beruflichen
Weiterbildung für Menschen mit Migrati-
onshintergrund mit entsprechendem Un-
terstützungsbedarf vorgehalten werden,
10) jüngere Menschen mit Migrationshinter-
grund ohne abgeschlossene Berufsausbil-
dung bei der Aufnahme und dem erfolg-
reichen Abschluss einer Berufsausbildung
unterstützen,
11) dafür werben, dass sich Unternehmen
stärker für die Ausbildung und Beschäfti-
gung von Menschen mit Migrationshinter-
grund öffnen,
12) die Zusammenarbeit und Vernetzung der
für die Fachkräftegewinnung und Arbeits-
marktintegration relevanten Akteure
weiter stärken.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Mit der Beratungsstelle für ausländische
Beschäftigte in Sachsen (BABS) in Sach-
sen tätige Arbeitnehmerinnen und Arbeit-
nehmer aus anderen EU-Staaten bei der
Wahrnehmung ihrer Freizügigkeitsrechte
unterstützen.
• Regionale und übergreifende Maßnah-
men zur Fachkräftesicherung im Rahmen
der Fachkräfterichtlinie des Sächsischen
Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit
und Verkehr (SMWA) fördern.
• Das Modellprogramm „Arbeitsmarktmen-
toren für Geflüchtete“ umsetzen.
• Den „Jour fixe Arbeitsmarktintegration
Geflüchteter“ des SMWA zur engen Ab-
stimmung mit den wichtigsten Arbeits-
marktpartnern in Sachsen weiterführen.
GLEICHBERECHTIGTE GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: ZIELE UND MASSNAHMEN

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3.6 WOHNEN / WOHNUMFELD
Ziel ist es, dass Menschen mit Migrations-
hintergrund in Sachsen im Rahmen ihrer
wirtschaftlichen Möglichkeiten selbstbe-
stimmt am Wohnungsmarkt teilnehmen.
Diese Menschen sind auf gute Nachbar-
schaft und ein Miteinander im Quartier
sowie auf Orte der Integration angewiesen,
unabhängig davon, ob ihr Aufenthalt lang-
fristig oder vorübergehend ist. Dabei sind
ausgewogene Bewohnerstrukturen anzu-
streben. Eine Segregation von Menschen
mit Migrationshintergrund, das heißt eine
räumliche Konzentration und Isolation,
verbunden mit sozialer Ausgrenzung, soll
vermieden werden.
Die Sächsische Staatsregierung ist daher
bestrebt,
• sich für eine gleichberechtigte Teilhabe
von Menschen mit Migrationshintergrund
am Wohnungsmarkt einzusetzen und
Städte und Gemeinden dabei entsprechend
zu unterstützen,
• auf sozial und ethnisch ausgewogene Be-
wohnerstrukturen in einem gut gestalteten
Wohnumfeld hinzuwirken,
• gute Bedingungen für die zentrale und
dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen
sicherzustellen.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele im
Bereich Wohnen/Wohnumfeld (Auswahl):
• Die staatliche Förderung des sozialen
Wohnungsbaus in einzelnen Städten mit
entsprechendem Bedarf fortführen, um
dort bedarfsgerechten und bezahlbaren
Wohnraum für einkommensschwache
Haushalte zu schaffen.
• Die aus den Bund-Länder-Programmen der
Städtebauförderung bekannte Institution des
Quartiersmanagers zu einem Quartiers-
und Integrationsmanager (QIM) weiter-
entwickeln.
• Die Städte und Gemeinden anregen, ihre
Integrierten Städtebaulichen Entwick-
lungskonzepte (INSEK) um
den Aspekt der Aufnahme von
Menschen mit Migrationshin-
tergrund zu erweitern.
• Im Rahmen des Bund-Län-
der-Programms „Soziale Stadt“
zur Aufwertung von Gebieten
mit besonderem sozialen Entwicklungs-
bedarf beitragen, den „Investitionspakt
soziale Integration im Quartier 2017“ um-
zusetzen und durch die Förderrichtlinie
Nachhaltige soziale Stadtentwicklung ESF
2014–2020 niedrigschwellige, informelle
Vorhaben zur Bildung, sozialen Integration
und Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit
zu fördern.
79
• Attraktive Angebote für Flüchtlinge im länd-
lichen Raum gemeinsam mit den Kommunen
anbieten (Wohnung, Sprache, Arbeit) und
dies zum Beispiel auch auf der Grundlage von
LEADER-Entwicklungsstrategien umsetzen.
• Der Erhalt, der Ausbau und die Sanierung
der Wohnheimbestände der Studentenwerke
wirken allgemein positiv auf die Verfügbar-
keit eines preiswerten Wohnraumangebots.
In dieser Hinsicht leisten die Studentenwerke
einen wichtigen Beitrag zur diskriminie-
rungsfreien Unterbringung ausländischer
Studierender. Dabei ist auf ein ausgewogenes
Verhältnis von einheimischen und ausländi-
schen Studierenden zu achten.
79
Im EU-Förderzeitraum 2014 bis 2020 werden soziale nicht-investive Projekte einer nachhaltigen sozialen Stadtentwicklung auf Grundlage
des Operationellen Programmes des Freistaates Sachsen für den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Bezogen auf die Zielgruppen
Langzeitarbeitslose, Einkommensschwache und Migranten werden vor allem niedrigschwellige und informelle Vorhaben in benachteiligten
Stadtgebieten zu den Themen Kinder- und Jugendbildung, lebenslanges Lernen/Bürgerbildung, soziale Eingliederung/Integration in Beschäftigung
und Wirtschaft im Quartier durchgeführt. Die Projekte haben zum Teil unmittelbar die Themen Asyl, fremde Kulturen oder Willkommenskultur
zum Gegenstand. Gemäß der Zielrichtung der ESF-Förderung ist eine wenigstens mittelbare Ausrichtung auf die Verbesserung der
Beschäftigungsfähigkeit der Teilnehmenden notwendig.
Eine Segregation von Menschen
mit Migrationshintergrund, das
heißt eine räumliche Konzentra-
tion und Isolation, verbunden
mit sozialer Ausgrenzung, soll
vermieden werden.

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69
• Unterbringungskapazitäten für ausländi-
sche Studierende durch die Studenten-
werke regelmäßig prüfen und bei Bedarf
weiter ausbauen.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele
im Bereich Unterbringung von Flüchtlingen
(Auswahl):
• Erstaufnahmekapazitäten bedarfsgerecht
bereitstellen.
• Gewaltschutzkonzept für Erstaufnahme-
einrichtungen umsetzen und evaluieren.
• Heim-TÜVs auf dezentrale kommunale Un-
terbringung ausweiten, soweit diese einen
heimähnlichen Charakter aufweist (Säch-
sischer Ausländerbeauftragter).
• Gleichmäßige Verteilung der unbegleiteten
minderjährigen Ausländer (UMA) auf alle
Landkreise und Kreisfreien Städte als ört-
liche Träger der öffentlichen Jugendhilfe
nach dem Verhältnis der Einwohnerzahlen
unter Berücksichtigung typischer beson-
derer Bedarfslagen beibehalten.
• Bedarfsgerechte Förderung des Ausbaus
von Unterbringungskapazitäten für UMA
fortsetzen.
Die Staatsregierung hält es weiterhin für
erforderlich,
• Zugangsdiskriminierungen abzubauen und
zu verhindern (durch Förderung der Zu-
sammenarbeit zwischen Kommunen und
Wohnungsgesellschaften sowie des Einsatzes
von Kommunalen Integrationskoordinatoren
[KIK] und weiteren Modellprojekten),
• den Wechsel von der Unterbringung in
den Wohnungsmarkt zu begleiten (durch
mehrsprachige Informationen für Flücht-
linge und Spätaussiedler) sowie anerkannte
Asylbewerber mit kurzem Voraufenthalt
in Deutschland bei der Wohnungssuche
zu unterstützen (zum Beispiel durch
Patenschaften oder im Rahmen des
KIK-Projektes),
• gegebenenfalls Anwohnerinnen und An-
wohner und Vermieterinnen und Vermieter
näher über die Flüchtlingsthematik zu
infor mieren und Flüchtlinge als Mieterin-
nen und Mieter vorzubereiten (zum Bei-
spiel Übertragung des „Meißner Modells“
in die Fläche, das heißt Zusammenarbeit
der Jobcenter mit kommunalen Wohn-
ungsgesellschaften bei der Errichtung/Er-
öffnung von sogenannten „Wohnschulen“),
• eine Identifikation mit dem Wohnquartier
zu schaffen (unter anderem durch den Ein-
bezug der Menschen mit Migrationshinter-
grund in Planungen durch gezielte Anspra-
chen), Perspektiven für junge Menschen
im Quartier zu schaffen (Einrichtung von
Jugendtreffs, aufsuchende Sozialarbeit),
• wohnungspolitische Maßnahmen zu ergreifen,
um günstige Bedingungen für dauerhafte
Integration zu schaffen (zum Beispiel durch
Verfügung von landkreisbezogenen bezie-
hungsweise gemeindescharfen Wohnsitz-
zuweisungen nach § 12a Abs. 2 oder 3
AufenthG für anerkannte Asylbewerberin-
nen und Asylbewerber ab dem 1. April 2018
durch die unteren Ausländerbehörden
80
).
80
Nach § 12a Abs. 1 Satz 1 AufenthG besteht grundsätzlich eine gesetzliche Verpflichtung zur Wohnsitznahme im Bundesland der Erstzuweisung. Mit
Erlass des Staatsministeriums des Innern vom 16. Februar 2018 wurden die Landkreise und Kreisfreien Städte angewiesen, ab 1. April 2018 von den
gesetzlichen Ermächtigungen nach § 12a Abs. 2 oder 3 AufenthG Gebrauch zu machen.
Bild: "Willkommen, daheeme!"

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71
3.7 GESUNDHEIT UND PFLEGE
Die gleichberechtigte Teilhabe an der
gesund
heitlichen Versorgung (Inanspruch-
nahme des Leistungsangebotes, Zugang) ist
entsprechend der rechtlichen Möglichkeiten
sicherzustellen. Die wachsende kulturelle
Vielfalt erfordert eine kultursensible Leis-
tungserbringung.
Die Sächsische Staatsregierung ist daher
bestrebt,
• eine entsprechende qualitativ hochwertige
und kultursensible medizinische Versor-
gung umzusetzen und
• die Zusammenarbeit der Akteure im
Gesundheitswesen zu unterstützen.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Zielgruppenspezifische Informations-
und Beratungsangebote zum deutschen
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n
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• Informationen über gesundheitliche Auf-
klärung und Prävention sowie die Beglei-
tung und Unterstützung präventiver und
gesundheitsförderlicher Konzepte bereit-
stellen.
• Fortbildungsmaßnahmen zur Qualifizie-
rung von Fachkräften der Kinder- und
Jugendhilfe zur sexuellen Bildung junger
Flüchtlinge fortführen.
• Die psychische Gesundheit fördern auf der
Grundlage einer abgestimmten Kommu-
nikation und engen Zusammenarbeit der
maßgeblichen Institutionen, wie Gesund-
heits- und Jugendämter, Träger betreuender
Einrichtungen sowie der Angebote ambu-
lanter und stationärer psychiatrischer Ver-
sorgung (zum Beispiel durch Angebote der
Psychosozialen Beratungszentren Sach-
sens, die Teilhabe am gemeindepsychia-
trischen Versorgungsystem in den Land-
kreisen und Kreisfreien Städten oder
durch die kultursensible Behandlung von
Tr
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gen
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ge
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en
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all
s
auch durch den Einsatz mobiler Ambulanzen).
• Die bestmögliche interkulturelle Aus- und
Weiterbildung medizinischer Fachkräfte
fördern, auch hinsichtlich der Sensibilisie-
rung für Traumafolgen, hinwirken auf die
Aufnahme in alle relevanten Ausbildungs-
und Studienordnungen im Freistaat.
• Interkulturelle Sensibilisierungskurse und
-schulungen bereitstellen für fest ange-
stellte und ehrenamtlich Beschäftigte in
der gemeindepsychiatrischen Versorgung
und im sonstigen Hilfesystem.
• Die Weiterbildung und Sensibilisierung der
(nicht einschlägig ausgebildeten) Mitar-
beiterinnen und Mitarbeiter fördern, die
in den Erstaufnahmeeinrichtungen, Ge-
sundheits- und Sozialämtern usw. arbeiten
(hinsichtlich der Anzeichen, Symptome und
Alarmsignale für psychische Belastungen,
Störungen einschließlich Traumafolgen).
• Niederschwellige Kriseninterventionsmög-
lichkeiten in den Erstaufnahmeeinrichtun-
gen (zum Beispiel Gespräche) fördern.
• Personen mit Migrationshintergrund für
Tätigkeiten in der Pflege und medizinischen
Versorgung gewinnen, unter Berücksichti-
gung vorhandener Berufsabschlüsse.
• Zusammenarbeit der Akteure im Gesund-
heitswesen zur medizinischen Versorgung
von Flüchtlingen auf der Grundlage des
Asylbewerberleistungsgesetzes durch ef-
fektive Vernetzung unterstützen.
Bild: Junger syrischer Mediziner in Dresden

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
3.8 GLEICHSTELLUNG VON FRAU UND MANN
Die Umsetzung von Maßnahmen zur Gleich-
stellung von Frau und Mann erfordert ange-
sichts differierender geschlechtsspezifischer
Rollen- und Rechtsvorstellungen in anderen
Kulturen teilweise eine besondere Aufklär-
ungs-, Sensibilisierungs- und Beratungs-
arbeit für beide Geschlechter. Initiativen
zur Demokratisierung der Geschlechter-
verhältnisse im Migrationsbereich dürfen
sich nicht wie bisher fast ausschließlich an
Frauen richten – sie müssen auch die Män-
ner
mit Migrationshintergrund als Akteure
einbeziehen. In Angeboten für Flüchtlinge
ebenso wie für Akteurinnen und Akteure
der Flüchtlingshilfe und der Jugendhilfe
sind die in den Kulturen differierenden
Bilder von Männlichkeit und Vaterschaft
ebenso zu thematisieren wie männerspezi-
fische Reaktionen auf Zugangsbarrieren und
Diskriminierungserfahrungen.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Das Thema Gleichstellung von Frau und
Mann durch gezielte Information be-
ziehungsweise Aufklärung in den Fokus
einer umfangreichen Sensibilisierung
stellen, unter Beachtung der kulturellen
Unterschiede in den Einstellungen und
Geschlechterrollen (Rollenbilder von Frau
und Mann insbesondere bei Menschen mit
Migrationshintergrund aus nicht-westli-
chen Kulturkreisen, gegebenenfalls geson-
derte Bedarfe für Frauen mit Migrations-
hintergrund).
• Ein breites präventives Angebot zur Auf-
klärung über Gleichberechtigung und das
Selbstbestimmungsrecht von Frauen bereit-
stellen insbesondere für Menschen mit
Migrationshintergrund aus nicht-westli-
chen Kulturkreisen.
• Die geschlechtsspezifische Integration von
Flüchtlingen neben den obligatorischen
Erstorientierungskursen fördern und ins-
besondere die Kommunen bei der Unter-
breitung von niedrigschwelligen Angebo-
ten insbesondere für junge Mädchen und
Frauen unterstützen.
• Geschlechtssensible Vorgehensweise der
staatlichen und nichtstaatlichen Akteurin-
nen und Akteure fördern, insbesondere bei
der Beratung von Frauen mit Migrations-
hintergrund und bei der Unterbreitung von
Angeboten (dazu gehört auch gegebenen-
falls die Bereitstellung von geschützten
Räumen für Frauen und die Schaffung indi-
vidueller Angebote von Frauen für Frauen).
• Für die Lebensbedingungen von Frauen und
Müttern aus nicht-westlichen Kulturkrei-
sen sensibilisieren (zum Beispiel hinsicht-
lich der Bereitstellung einer Kinderbetreu-
ung zur Wahrnehmung von Angeboten).
GLEICHBERECHTIGTE GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: ZIELE UND MASSNAHMEN
Die Umsetzung von Maßnahmen zur Gleichstellung von Frau und Mann erfordert ange-
sichts differierender geschlechtsspezifischer Rollen- und Rechtsvorstellungen in anderen
Kulturen teilweise eine besondere Aufklärungs-, Sensibilisierungs- und Beratungsarbeit
für beide Geschlechter.

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72
73
3.9 GEWALTSCHUTZ
Geschlechtsspezifische Rollenbilder stel-
len oft eine gravierende Barriere für den
Zugang zum Hilfesystem zur Bekämpfung
häuslicher Gewalt dar. Es ist das Ziel der
Staatsregierung, dass Menschen mit Migra-
tionshintergrund einen uneingeschränkten
Zugang zum Hilfesystem bekommen. Als
eine weitere besonders vulnerable Gruppe
haben auch LSBTTIQ mit Migrationshinter-
grund Anspruch auf Schutz und Beratung
in Fällen von häuslicher, sexueller und hass-
motivierter Gewalt.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Frauen (gegebenenfalls auch Männer) und
ihre Kinder schützen, die von häuslicher
oder sexualisierter Gewalt betroffen sind.
• Einrichtung des ersten Schutzhauses für
geflüchtete Frauen in Sachsen durch den
Verein "Frauen für Frauen e.V.", gefördert
durch Förderrichtlinie Chancengleichheit,
Infokampagne.
• Gewaltschutzkonzept für Erstaufnahme-
einrichtungen des Freistaates Sachsen vom
02.02.2016 (sofern die örtlichen Bege-
benheiten es zulassen, dient das Konzept
auch zur Orientierung für Kommunen bei
der Unterbringung von Flüchtlingen in
Gemeinschaftsunterkünften).
• Frauen und Männer, die von Zwangsehen
betroffen sind, schützen und beraten.
• Vulnerable Gruppen bei Prostitution und
Menschenhandel zum Zweck der sexuellen
Ausbeutung schützen.
• Gewaltbetroffene LSBTTIQ schützen und
beraten.
• Sensibilisierungen und Schulungen für
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemein-
schaftsunterkünfte, kommunaler Behörden
und Institutionen sowie Ehrenamtlichen zu
homo- und transphober Gewalt gegenüber
LSBTTIQ-Flüchtlingen.
Bild: Kampagnenmotiv SMGI,
www.she-leipzig.de

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
3.10 ANTIDISKRIMINIERUNGSPOLITIK
Diskriminierungen sind ein schwerwiegendes
Hindernis für eine gelingende Integration.
Antidiskriminierungspolitik dient dem
Schutz der Betroffenen, stärkt sie und hilft
ihnen bei der Durchsetzung von Rechts-
ansprüchen. Menschen mit Migrationshinter-
grund, insbesondere Flüchtlinge, sind eine
wichtige Zielgruppe bei der „Strategie zum
Schutz vor Diskriminierung und Förderung
von Vielfalt im Freistaat Sachsen“, die auch
gegen Mehrfachdiskriminierungen wirksam
vorgehen will. Der Landesaktionsplan zur
Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen
bezieht auch die Belange von LSBTTIQ mit
Migrationshintergrund mit ein.
Antidiskriminierungspolitik nützt auch
der Verwaltung und der Wirtschaft, indem
sie durch gezielte Förderung von Vielfalt
Potenziale erschließt, die der Gesellschaft
durch faktische Diskriminierung und
Ausgrenzung sonst verloren gehen. Im
Rahmen seiner Vielfaltspolitik befördert
der Freistaat Sachsen deshalb in seinem
Zuständigkeitsbereich Maßnahmen zur
interkulturellen Öffnung und unterstützt
private Arbeitgeber und Wohlfahrtsver-
bände bei Maßnahmen zur interkulturellen
Sensibilisierung.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• „Strategie zum Schutz vor Diskriminie-
rung und zur Förderung von Vielfalt im
Freistaat Sachsen“ durch die Staatsre-
gierung umsetzen (Federführung durch
Staats ministerin für Gleichstellung und
Integration; Antidiskriminierungspolitik als
politische Querschnittsaufgabe innerhalb
der Staatsregierung, Einrichtung des „Len-
kungsausschusses zur Bekämpfung von Dis-
kriminierung in Sachsen“, Einrichtung eines
Qualitäts- und Beschwerdemanagements im
Rahmen der Antidiskriminierungsstrategie,
Beitritt des Freistaates Sachsen zur „Koalition
gegen Diskriminierung“).
Das Modellprojekt zum Aufbau einer flächen-
deckenden Antidiskriminierungsberatung in
Sachsen 2017 bis 2020 (unter anderem durch
die effektive Vernetzung zwischen Antidis-
kriminierungsberatung und Migrationsbera-
tung) realisieren.
• Den „Landesaktionsplan zur Akzeptanz der
Vielfalt von Lebensentwürfen“ umsetzen.
GLEICHBERECHTIGTE GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: ZIELE UND MASSNAHMEN
Bild: Beitritt Sachsens zur Koalition gegen Diskriminierung

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3.11 INTERKULTURELLE ÖFFNUNG –
„CHARTA DER VIELFALT“
Die Anerkennung, Wertschätzung und Ein-
beziehung von Vielfalt in den Organisatio-
nen schafft ein Arbeitsumfeld, das frei von
Vorurteilen ist. Alle Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter sollen Wertschätzung erfahren
– unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer
Herkunft oder Nationalität, ihrer Religion
oder Weltanschauung, einer eventuellen
Behinderung, ihrem Alter, ihrer sexuellen
Orientierung und Identität. Dies sind die
Grund gedanken der „Charta der Vielfalt“.
Ein wichtiger Schwerpunkt ist dabei die inter-
kulturelle Öffnung. Diese zielt als Entwicklungs-
prozess innerhalb einer Organisation darauf
hin, jene Hürden abzubauen, die Menschen mit
Migrationshintergrund den Zugang zu der
ihnen zustehenden sozialen, rechtlichen, ge-
sundheitlichen und wirtschaftlichen Teilhabe
am gemeinschaftlichen Leben erschweren
beziehungsweise verhindern. Vor dem Hinter-
grund, dass bundesweit mehr als die Hälfte
aller Menschen mit Migrationshintergrund
die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen
81
und viele weitere Personen keinen rechtlichen
Einschränkungen unterliegen, ist die interkul-
turelle Öffnung eine wichtige Voraussetzung
dafür, dass die Potenziale dieser Zielgruppe
auch tatsächlich entfaltet werden können.
Bei der interkulturellen Öffnung der öffent-
lichen Verwaltung geht es außerdem darum,
dass sich die Zusammensetzung der Bevöl-
kerung auch in der Mitarbeiterschaft der
Behörden widerspiegelt. Auf diese Weise soll
die spezielle Lebenssituation von Menschen
mit Migrationshintergrund angemessen
berücksichtigt und spezifisches kulturelles
und interkulturelles Wissen nutzbar gemacht
werden.
81
Vgl. Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), „Fakten zur Einwanderung in Deutschland 2016“, S. 1, zugänglich
unter:
https://www.stiftung-mercator.de/media/downloads/3_Publikationen/SVR_Fakten_zur_Einwanderung_Okt_2016.pdf.
Im Jahr 2016 waren es
bundesweit 9,3 Millionen Menschen.
Bild unten: Vielfalt macht bei uns Karriere

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
3.11.1 VERÄNDERUNGSPROZESS IN VERWALTUNG
KONSTRUKTIV GESTALTEN
Die Erhöhung des Anteils von Menschen
mit Migrationshintergrund in der öffent-
lichen Verwaltung spiegelt die Vielfalt der
Gesellschaft wider und stärkt insbesondere
das Vertrauen von Menschen mit Migrati-
onshintergrund in staatliche Institutionen.
Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompe-
tenz sind als wichtige zusätzliche
Qualifikationen anerkannt und
müssen im Rahmen von Aus- und
Fortbildungen gefördert werden.
Interkulturelle Kompetenz soll in
der Landesverwaltung als Qualitätskriterium
verankert werden.
82
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• „Charta der Vielfalt“ durch die Sächsische
Staatsregierung unterzeichnen.
• Respektvolle, wertschätzende Haltung
und Offenheit an die Bediensteten der
öffentlichen Verwaltung vermitteln (zum
Beispiel durch partizipatorisch erstellte
Leitbilder der Wertschätzung von Vielfalt
auf Führungs- und Mitarbeiterebene mit
Berichtspflichten).
• Strategische Organisationsentwicklung
im Sinne eines Vielfaltsmanagements
(„Diversity Management“) ermöglichen,
unter anderem durch die Wahrneh-
mung von Führungsverantwortung für
Veränder ungsprozesse, das Verständnis
von Vielfalt als Querschnittsaufgabe, neue
Kommunikationswege und veränderte
Außendarstellung (zum Beispiel durch die
Kommunikation des Leitbildes nach außen,
die interkulturelle Orientierung im Behör-
denauftritt durch Mehrsprachigkeit in der
Internetpräsentation sowie in schriftlichen
Publikationen).
• Interkulturelle Fortbildung der Beschäf-
tigten der Sächsischen Landesverwaltung
sicherstellen und Teilnahme erhöhen (unter
anderem durch regelmäßige Mitarbeiter-
schulungen zur interkulturellen Sensibi-
lisierung und Handlungskompetenz mit
abgestimmten Curricula zum Beispiel im
Fortbildungsangebot der Hochschule für
öffentliche Verwaltung und Rechtspflege
[FH], Fortbildungszentrum des Freistaates
Sachsen [HSF]).
• Interkulturelle Bildung und Kompetenzen
in allen Ausbildungs- und Studiengängen
für die öffentliche Verwaltung vermitteln
(dazu gehören auch Mehrfachausgren-
zungsprozesse global benachteiligter
Gruppen wie LSBTTIQ mit Behinderungen,
Sinti und Roma).
• Kommunikationskompetenz in der Ver-
waltung verbessern hinsichtlich fachbe-
zogener Sprachkenntnisse sowie durch den
ergänzenden Einsatz von Sprachmittlung
insbesondere bei Dienstleistungen und
vermehrtem Kontakt zu Menschen mit
Migrationshintergrund. Dazu gehört auch,
interkulturelle Kompetenz sowohl als festen
Ausbildungsbestandteil als auch als Ein-
stellungsmerkmal anzuerkennen
• Menschen mit Migrationshintergrund für
den öffentlichen Dienst gewinnen und ein-
stellen: Wichtig ist dabei die Erkennung
und Überwindung von Zugangshemm-
nissen. Ausbildung und Einstellung von
Menschen mit Migrationshintergrund för-
dern (zum Beispiel durch offene Hinweise
in Stellenausschreibungen mit gezielter
Ansprache von Personen mit Migrations-
hintergrund, beziehungsweise durch den
Einsatz der Arbeitgebermarke „Freistaat
Sachsen“).
82
Vgl. Koalitionsvertrag CDU/SPD Sachsen 2014–2019, S. 98.
GLEICHBERECHTIGTE GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: ZIELE UND MASSNAHMEN
Interkulturelle Kompetenz soll
in der Landesverwaltung als
Qualitätskriterium verankert
werden.

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76
77
Bild oben: Willkommenskultur in Behörden
Bild unten: Verbändegespräch Integration Dresden

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
GLEICHBERECHTIGTE GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: ZIELE UND MASSNAHMEN
Bild oben: Die WätaS Wärmetauscher Sachsen GmbH erhielt 2017 den Sächsischen Integrationspreis für ihr Projekt
„Recruiting – nicht leicht , aber erfolgreich“. Im Zeitraum von Anfang 2016 bis Ende 2017 waren bei der
WätaS GmbH 28 Mitarbeiter mit Migrationshintergrund fest und unbefristet eingestellt.
Bild unten: Integrationsmesse in Chemnitz

78
79
3.11.2 UNTERSTÜTZUNG VON WIRTSCHAFT
UND ZIVILGESELLSCHAFT
Öffentliche und private Institutionen sind für
Öffnungsprozesse zu sensibilisieren und dabei
zu unterstützen.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Interkulturelle Sensibilisierung von kleinen
und mittleren Unternehmen (KMU) bezüglich
der Ausbildung und Einstellung von Men-
schen mit Migrationshintergrund fördern,
das heißt:
- Den Gedanken der Vielfalt in die betrieb-
lichen Prozesse verankern und Schaffung
eines Arbeitsumfelds frei von Vorurteilen
mit Wertschätzung aller Mitarbeiterin-
nen und Mitarbeiter unabhängig von Ge-
schlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft,
Religion, Weltanschauung, Behinderung,
Alter, sexueller Orientierung und Identität
(hier: Best-Practice für gelingende be-
triebliche Integration wie Sensibilisierung
der Belegschaft, Mentoring durch Lotsen,
Angebot von Coachingprogrammen zur
Einführung von Interkultureller Öffnung,
Veröffentlichung von Best-Practice-Bei-
spielen zur Interkulturellen Öffnung mit
Anregung zur Vernetzung).
• Berufsverbände für die Einstellung und
Ausbildung von Menschen mit Migrations-
hintergrund sensibilisieren sowie Berufs-
verbände über Fördermöglichkeiten informieren.
• Akzeptanz von Vielfalt als positiven Faktor
für die sächsische Wirtschaft in der „Fach-
kräfteallianz Sachsen“ thematisieren.
• Den neu gegründeten Verein „Wirtschaft
für ein weltoffenes Sachsen e.V.“ unter-
stützen.
• Die Verleihung des Titels „Unternehmen
für Toleranz“ des Vereins „Arbeit und Le-
ben Sachsen e.V.“ für Unternehmen und
Niederlassungen in Sachsen, die sich
für Werte wie Vielfalt und Toleranz und
gegen Diskriminierung einsetzen, weiter
unterstützen.
• Aufnahme von Interkultureller Öffnung
als Qualitätsstandard für die staatliche
Fördermittelvergabe prüfen.
• Zusammenarbeit zur Interkulturellen Öff-
nung zwischen sozialen Organisationen
und Migrantenselbstorganisationen för-
dern (Menschen mit Migrationshinter-
grund als Experten in eigener Sache und
als Zielgruppe der Interkulturellen Öffnung
gegenüber anderen Migrantengruppen).

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04
GESELLSCHAFTLICHER
ZUSAMMENHALT:
ZIELE UND MASSNAHMEN

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
Der Aspekt des gesellschaftlichen Zusam-
menhalts
83
fragt nach der Qualität des soli-
darischen Miteinanders unserer Gesellschaft.
Gesellschaftliche Prozesse fordern den Zu-
sammenhalt in unserer Gemein-
schaft permanent heraus. Dazu
zählen unter anderem der demo-
grafische Wandel, die soziale
Ungleichheit, eine zunehmende
Pluralisierung individueller Lebenslagen, aber
auch die Zunahme kultureller Vielfalt durch
Zuwanderung. Zu nennen sind hier ferner die
zunehmende Urbanisierung und daraus resul-
tierende strukturelle Unterschiede zwischen
Stadt und Land sowie neue politische Bewe-
gungen und die wachsende Notwendigkeit,
demokratische Grundwerte zu verteidigen.
Gleichzeitig werden die Bindungskräfte traditi-
oneller Institutionen, wie zum Beispiel Fami-
lien, Parteien und Kirchen, schwächer, und
die technologische Entwicklung durch die
Digitalisierung schreitet rasant voran. Ist der
Zusammenhalt gefährdet, sind es auch die
Grundwerte unserer Gesellschaft – von der
Gleichberechtigung über die Gewaltfreiheit
bis hin zu den demokratischen Prinzipien.
Die Frage, wie sich der gesellschaftliche Zusam-
menhalt einer sich dynamisch unter dem Einfluss
von zunehmender Vielfalt und Inte-
gration entwickelnden Gesellschaft
auf der Grundlage unserer freiheit-
lichen demokratischen Grundord-
nung wahren und fördern lässt, ist
besonders präsent. Allerdings sind Spannungen
und Konflikte in einem stabilen Gemeinwesen
nicht nur alltäglich, sie können – ausgetragen
im Rahmen demokratischer Prozesse – auch
förderlich sein und damit zur gesellschaft-
lichen und ökonomischen Entwicklung bei-
tragen. Vor allem durch eine Gesprächs- und
Konfliktkultur, die auf unseren demokratischen
Werten basiert, wird der soziale Frieden ge-
wahrt werden, damit auch das Potenzial von
Vielfalt für Innovation und Fortschritt ausge-
schöpft werden kann.
In der Diskussion um die Themen Zuwan-
derung und Integration ist, wie bundesweit
feststellbar, auch die sächsische Bevölkerung
gespalten. Die öffentliche Wahrnehmung der
Integrations- und Asylpolitik wurde dabei
wegen der starken Zuwanderungszahlen auf
einen Teil der Menschen mit Migrationshinter-
grund – nämlich Flüchtlinge – eingeengt. Die
vielen sehr gut integrierten Menschen mit
Migrationshintergrund, die schon lange in
Sachsen leben oder im Zuge der Arbeitsmigra-
tion nach Sachsen kamen und beispielsweise
in Industrie, Handwerk, Dienstleistung oder
Wissenschaft am Wohlstand mitwirken, ge-
rieten und geraten dabei leider aus dem Blick.
Insgesamt hat die Zuwanderung nach Sachsen
den Freistaat an kultureller Vielfalt bereichert.
Heute haben 6,5 Prozent aller Einwohnerinnen
und Einwohner einen Migrationshintergrund.
Die sächsische Gesellschaft hat bereits durch
die Zuwanderung der letzten Jahre und Jahr-
zehnte eine dynamische Änderung erfahren.
Neben einer beachtlichen Hilfsbereitschaft
und Zuwendung vieler Menschen für Flücht-
linge traten Vorbehalte, Ängste und Wider-
stand – bis hin zu gewaltsamen Übergriffen –
jedoch gerade in jüngster Zeit gehäuft zutage.
83
Definition nach Untersuchung „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt“ der Bertelsmann-Stiftung (Vgl. Unzicker, Was die Gesellschaft im
Innersten zusammenhält, in: „Der Kitt der Gesellschaft - Perspektiven auf den sozialen Zusammenhalt in Deutschland“, Gütersloh 2016, S. 16:
Die Qualität des gemeinschaftlichen Miteinanders drückt sich in drei Aspekten aus - 1) Belastbare soziale Beziehungen zwischen Menschen und
Gruppen, 2) positive emotionale Verbundenheit der Menschen mit dem Gemeinwesen als solchem und dessen Institutionen sowie 3) ausgeprägte
Gemeinwohlorientierung, d. h. die Bereitschaft der Gesellschaftsmitglieder, Verantwortung für andere und für das Gemeinwesen zu übernehmen.
Gesellschaftliche Prozesse
fordern den Zusammenhalt in
unserer Gemeinschaft perma-
nent heraus.
Insgesamt hat die Zuwan-
derung nach Sachsen den
Freistaat an kultureller Vielfalt
bereichert.
GESELLSCHAFTLICHER ZUSAMMENHALT: ZIELE UND MASSNAHMEN

82
83
Das beeinflusst die politische Kultur in den
letzten Jahren in Sachsen mit Folgen auch für
den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sicht-
bar wurde die Spaltung der sächsischen Be-
völkerung insbesondere durch die in Dresden
und Leipzig demonstrierenden Bürgerinnen
und Bürger im Kontext der Fluchtentwicklun-
gen. Dem hat sich die Staatsregierung gestellt
und ist unter anderem in unterschiedlichen
Formaten auch mit Unzufriedenen ins Ge-
spräch gekommen.
Die Teilnehmerzahlen bei den Demonstrationen
gingen zurück, gleichwohl radikalisierten sich
die "Gida-Bewegungen". Außerdem kam es in
den Jahren 2015 und 2016 im Freistaat
Sachsen zu einer Zunahme politisch moti-
vierter Straftaten insbesondere im rechten
Spektrum, sowie zu einem sprunghaften An-
stieg von politisch motivierten Angriffen auf
Unterkünfte von Asylsuchenden.
Die Sicherheitslage in Sachsen hat sich grund-
legend verändert. Eine Neuausrichtung des
polizeilichen Staatsschutzes erfolgte mit der
Einrichtung eines Polizeilichen Terrorismus-
und Extremismus-Abwehrzentrums zum Okto-
ber 2017, weil die Bedrohungslage durch den
islamistischen Terrorismus gewachsen ist, die
Fremdenfeindlichkeit innerhalb der rechten
Szene weiter zunimmt und in Teilen der linken
Szene weiterhin eine hohe Gewaltbereitschaft
herrscht. Zudem gibt es Wechselwirkungen
zwischen den verschiedenen Szenen.
84
Parallel
dazu hat die Zahl der mehrfach und inten-
siv tatverdächtigen Zuwanderer zugenom-
men. Diese relativ kleine Gruppe ist für eine
hohe Zahl von Straftaten durch Zuwanderer
tatverdächtig.
85
Dies hat ebenfalls zu einem
Gefühl der Unsicherheit in der Bevölkerung
beigetragen.
Kriminalität, Extremismus, gruppenbezogene
Menschenfeindlichkeit (Antisemitismus,
Islamfeindlichkeit, Antiziganismus, Homo-
phobie und Transphobie) sind
wesentliche Bedrohungen für den
gesellschaftlichen Zusammen-
halt. Im Mittelpunkt staatlicher
Vorsorge steht, die Sicherheit aller
in Sachsen lebenden Menschen zu
gewährleisten und insbesondere die Abwehr-
kräfte gegen Extremismus und Diskriminierung
nachhaltig zu stärken. Staat und Gesellschaft
in Sachsen müssen so stark sein, dass sich
Extremismus und jede Form gewaltbereiter
Auseinandersetzung nicht ausbreiten können.
Es gilt zudem, extremistische Ideologien und
Bewegungen aufmerksam zu beobachten,
die Öffentlichkeit über deren Aktivitäten zu
informieren und in rechtsstaatlichen Formen
entgegenzutreten.
Aber auch die Mitverantwortung eines jeden
hier lebenden Menschen für das demokrati-
sche Gemeinwesen und die Integration sind
wesentliche Beiträge zur Kriminal- sowie Ex-
tremismusprävention, da sie die Gefahr, dass
sich Einzelne von Staat und Gesellschaft
abwenden, verhindern können.
Zuwanderung und Integration sind in unserer
globalisierten Welt und vor dem Hintergrund
der demografischen Entwicklung in Sachsen
wichtige Zukunftsthemen. Die transparente
und klare Kommunikation dieser Themen und
84
Vgl. Sächsisches Staatsministerium des Innern, Medieninformation vom 26.09.2017 „Polizeiliches Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum
nimmt Arbeit auf/Staatsschutz in Polizeidirektionen wird gestärkt“, zugänglich unter:
https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/213642.
85
Sächsisches Staatsministerium des Innern, Kriminalitätsentwicklung in Sachsen im Jahr 2017: Etwa 35 Prozent aller durch Zuwanderer begangenen
Straftaten wurden im Jahre 2017 durch mehrfach-/intensiv tatverdächtige Zuwanderer (MITA) verübt. Der Anteil der MITA an allen Zuwanderern lag
demgegenüber im Jahre 2017 bei lediglich etwas mehr als einem Prozent.
Kriminalität, Extremismus,
gruppenbezogene Menschen-
feindlichkeit sind wesentliche
Bedrohungen für den gesell-
schaftlichen Zusammenhalt.

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
deren Auswirkungen für Sachsen an die Bevöl-
kerung durch die Sächsische Staatsregierung,
verbunden mit einem fortlaufenden Dialogan-
gebot auf Augenhöhe, bieten Orientierung und
fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Im Sinne der
Förderung und Wahrung des
Gesellschaftlichen Zusammenhalts im Frei-
staat Sachsen
ist die Sächsische Staatsre-
gierung daher bestrebt,
die Verbundenheit der in Sachsen lebenden
Menschen unabhängig von ihrer Herkunft zu
stärken sowie ihre Identifikation mit dem de-
mokratischen Gemeinwesen als solchem und
dessen Institutionen unter Berücksichtigung
der jeweiligen Rahmenbedingungen in Groß-
städten sowie in Städten und Gemeinden im
ländlichen Raum Sachsens zu unterstützen und
zugleich die aktive Mitwirkung der Menschen
am Gemeinwesen und deren grundsätzlicher
Orientierung am Gemeinwohl zu fördern.
Um diese Ziele zu erreichen, wird die Säch-
sische Staatsregierung
die Zufriedenheit mit der Demokratie stär-
ken und zur aktiven Mitwirkung anregen,
für gegenseitigen Respekt und Offenheit
gegenüber kultureller Vielfalt werben und
staatliche Maßnahmen zur Gewährleis-
tung der Sicherheit und zur Prävention
gegen Extremismus den Erfordernissen
anpassen.
Das bedeutet im Einzelnen:
GESELLSCHAFTLICHER ZUSAMMENHALT: ZIELE UND MASSNAHMEN
Bild: Sachsengespräch / SK, Bürgerhaus Niesky

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84
85
4.1 DIE ZUFRIEDENHEIT MIT DER DEMOKRATIE STÄRKEN
UND ZUR AKTIVEN MITWIRKUNG ANREGEN
Demokratie braucht Zustimmung und Beteili-
gung. Sie lebt davon, dass die in dieser Gesell-
schaftsform lebenden Menschen Vertrauen in
die politischen Institutionen haben und sich
unter Beachtung demokratischer Spielregeln
beteiligen. Das heißt, für das Gemeinwesen
einzutreten, es aktiv mitzugestalten und
Positionen in die gesellschaftliche Debatte
einzubringen. In der freiheitlichen Demokratie
ist jeder aufgefordert, an den demokratischen
Prozessen mitzuwirken und das Gemeinwesen
mitzugestalten.
Ein größeres Verständnis für demokratische
Prozesse, Wissen um Mitbestimmungs- und
Mitgestaltungsmöglichkeiten sowie eine Be-
teiligung vieler Menschen in Sachsen an Pla-
nungs- und Entscheidungsprozessen schaffen
Vertrauen und Zugehörigkeitsgefühl. Dabei
sind – auch unter Beteiligung gesellschaft-
licher Akteure – differenzierte Ansätze zur
Demokratie– und Bürgerbeteiligung für den
gesamten Freistaat zu entwickeln bezie-
hungsweise anzuregen. Entscheidend ist die
Etablierung einer konstruktiven Konflikt– und
Mitwirkungskultur.
Die Menschen in Sachsen sollen ermutigt
werden, demokratische Verantwortung zu
übernehmen und sich aktiv für ein friedli-
ches und demokratisches Zusammenleben
einzusetzen. Wo viele Menschen
zusammenleben, sind unter-
schiedliche Interessen und Mei-
nungen sowie Konflikte normal.
In der Demokratie geht es genau
darum, diese Konflikte friedlich
und gewaltfrei zu lösen. Der Staat schützt
die Rechte und Freiheiten des Einzelnen, aber
jeder Einzelne trägt auch die Verantwortung,
sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Dazu
gehört zum einen, die Mitbestimmungs-
möglichkeiten wahrzunehmen, und zum an-
deren, sich freiwillig zu engagieren. Durch
Zivilcourage kann menschenfeindlichen und
verachtenden Positionen glaubhaft entge-
gengetreten werden.
In der freiheitlichen Demokratie
ist jeder aufgefordert, an den
demokratischen Prozessen mit-
zuwirken und das Gemeinwesen
mitzugestalten.

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
4.1.1 ZIVILCOURAGE UND DEMOKRATIEBEWUSSTSEIN STÄRKEN
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Aktives Mitgestalten durch Verstärkung
des Wissens und der Kompetenzen hin-
sichtlich des demokratischen Engagements
erleichtern (unter anderem durch Informa-
tion der Bevölkerung über demokratisches
Handeln und Mitwirkungsrechte, Auffor-
derung zur Nutzung der Mitbestimmungs-
rechte und Stärkung der Medienkompe-
tenzen).
• Politische Bildung und demokratische
Schulentwicklung auf der Grundlage der
Umsetzung des Handlungskonzeptes
„W wie Werte“ der Expertenkommis-
sion
86
stärken. Hierzu zählt zum Beispiel
auch die zwischen den Staatsministerien
für Kultus und für Justiz abgestimmte
Gesamtkonzeption für „Unterrichtsmodule
zur Unterstützung der Demokratieerzie-
hung an sächsischen Oberschulen“.
• Formen der Aktivierung kooperativen Han-
delns zwischen Bildungseinrichtungen und
zivilgesellschaftlichen Akteuren etablieren
(Verstetigung und Streuung von Modell-
versuchserfahrungen wie zum Beispiel
„Starke Lehrer – Starke Schüler“).
• Politische Erwachsenenbildung aktiv stärken
(Demokratie- und Menschenrechtsbildung
als Aufgabe lebenslangen Lernens
87
, unter
anderem Anregung zur Teilnahme an der
politischen Bildung sowie deren Förderung
im Rahmen der Weiterbildungsförderungs-
verordnung [WBFöVO]).
• Bevölkerung zu zivilcouragiertem Ver-
halten anregen (zum Beispiel Verbreitung
von Handlungsansätzen zur Stärkung von
Zivilcourage in Schulen, Hochschulen, Be-
trieben und der Gesellschaft, Anregung
zu Empathie und Perspektivwechsel durch
positive Beispiele).
• Über Sinn und Zweck beziehungsweise die
Funktionsweise der Europäischen Union
durch Politik, Gesellschaft und politische
Bildung informieren und aktuelle Diskus-
sionen aufnehmen.
• Die Bundesprogramme „Demokratie leben!“
und „Zusammenhalt durch Teilhabe“ durch
zahlreiche zivilgesellschaftliche und kom-
munale Projekte umsetzen und Menschen
mit Migrationshintergrund in die Erstel-
lung der lokalen Handlungskonzepte der
„Partnerschaften für Demokratie“ einbe-
ziehen sowie Trägervereine, Initiativen,
Verbände und Modellprojekte, die sich
für die Stärkung der Demokratie im Land
engagieren, durch das „Demokratie-Zen-
trum Sachsen“ vernetzen.
• Zivilgesellschaftliches Engagement über
das Landesprogramm „Weltoffenes Sach-
sen für Demokratie und Toleranz“ (WOS)
stärken (zum Beispiel durch Projekte zum
Abbau gruppenbezogener Menschenfeind-
lichkeit und pauschalisierender Ableh-
nungskonstruktionen).
• Den gesellschaftlichen Zusammenhalt
durch die Richtlinie zur Förderung der so-
zialen Integration und Partizipation von
Personen mit Migrationshintergrund und
der Stärkung des gesellschaftlichen Zu-
sammenhalts (Förderrichtlinie Integrative
Maßnahmen) fördern.
86
Vgl. „W wie Werte - Handlungskonzept zur Stärkung der demokratischen Schulentwicklung und politischen Bildung an sächsischen Schulen“ vom
20.09.2017, zugänglich unter:
http://www.schule.sachsen.de/download/download_bildung/17_09_20_Handlungskonzept_Demokratie.pdf.
87
Zielsetzungen der KMK im Bereich Demokratieerziehung, unter anderem Unterzeichnerin der Charta des Europarates zur Demokratie- und
Menschenrechtsbildung (EDC/HRE). Näheres unter:
https://www.kmk.org/themen/allgemeinbildende-schulen/weitere-unterrichtsinhalte/
demokratieerziehung.html.
GESELLSCHAFTLICHER ZUSAMMENHALT: ZIELE UND MASSNAHMEN

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86
87
• Mitgestaltung und Mitbestimmung re-
gionaler Prozesse über die Richtlinie zur
Umsetzung von LEADER-Entwicklungs-
strategien fördern.
• Demokratisches Engagement würdigen
(zum Beispiel Marwa El-Sherbini-Stipen-
dium für zukünftige Führungskräfte, die
sich für Freiheit, Demokratie und Men-
schenrechte einsetzen, Verleihung des
Sächsischen Bürgerpreises an Initiativen,
Institutionen oder Einzelpersonen für ihren
herausragenden Einsatz für die Gesell-
schaft, für Toleranz und Demokratie).
Bild unten: Gemeinsam und aktiv für Demokratie und Zivilcourage

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
4.1.2 KONSTRUKTIVE KONFLIKT- UND MITWIRKUNGSKULTUR
FÖRDERN
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Die Dialog- und Konfliktfähigkeit im demo-
kratischen Gemeinwesen stärken (zum
Beispiel Bildungsangebote für Schulen,
Hochschulen, Betriebe, Zivilgesellschaft zu
den Themen „Miteinander fair reden“, „Der
Wert einer Debatte mit unterschiedlichen
Positionen“, „Kritische Reflektion“. Den
„Lasst uns streiten“-Ansatz der Landes-
zentrale für politische Bildung fortsetzen
[derzeit moderierter Online-Dialog zu
ge
s
ell
s
c
haf
t
s
p
o
litis
c
hen
T
hemen]
).
• Beratung und Moderation in Konflikten
fördern (Beispiele: Projekt „Schule im
Dialog“ der Landeszentrale für politische
Bildung, Moderation von Beteiligungspro-
zessen, Schulung lokaler ehrenamtlicher
Konfliktlotsen).
• Verstärkte Bürgerbeteiligung auf Lan-
desebene durch informelle Beteiligungs-
verfahren, wie beispielsweise regionale
Dialogveranstaltungen, aber auch stärkere
Online-Beteiligung über das Beteiligungs-
portal des Freistaates Sachsen, um der Be-
völkerung die Möglichkeit zu geben, aktiv
an Entscheidungsprozessen von Politik und
Verwaltung mitzuwirken.
GESELLSCHAFTLICHER ZUSAMMENHALT: ZIELE UND MASSNAHMEN
Bild: Verbändegespräch Integration Dresden

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88
89
4.1.3 POLITISCHES ENGAGEMENT FÖRDERN
Politische Teilhabe bedeutet aktive Gestal-
tung des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Auch Menschen mit Migrationshintergrund
haben ein großes Interesse an politischen
Entscheidungen und Mitbestimmung. Die
aktive Mitwirkung in einer Partei oder poli-
tischen Initiative steht jedem Menschen mit
Migrationshintergrund in Deutschland frei.
Die Teilnahme an Wahlen ist demgegenüber
rechtlich eingeschränkt.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Erhöhung der Wahlbeteiligung von neu
Eingebürgerten bei Wahlen sowie von
Unions bürgern bei Kommunalwahlen (ver-
gleiche Art. 28 GG).
• Deutsche mit Migrationshintergrund zur
aktiven Mitwirkung anregen.
• Menschen ohne deutsche Staatsbürger-
schaft zur aktiven Mitwirkung anregen.
• Unterstützung bei der Gründung kommu-
naler Ausländer- und Integrationsbeiräte.
• Zahl der Vereinsgründungen von interkul-
turellen „Migrantenselbstorganisationen“
erhöhen, um als gesellschaftlicher Akteur
wahrgenommen zu werden.
• Zur Mitarbeit im Dachverband sächsischer
Migrantenorganisationen e.V. (DSM) an-
regen.
• Dachverband sächsischer Migrantenorga-
nisationen e.V. weiter unterstützen.
Bild: Verbändegespräch Integration Dresden

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
4.1.4 FREIWILLIGES GESELLSCHAFTLICHES
ENGAGEMENT STÄRKEN
Das freiwillige gesellschaftliche Engagement
ist Ausdruck von Verantwortungsbereitschaft
des Einzelnen gegenüber den Mitmenschen
und damit gegenüber dem freiheitlichen
demo kratischen Gemeinwesen. Weiterhin ist
es Ausdruck einer lebendigen demokratischen
Kultur, einer zivilgesellschaftlichen Bewegung
für gesellschaftliche Offenheit und Respekt,
die auch die Abwehrkräfte gegenüber rassis-
tischen und extremistischen Anschauungen
langfristig stärkt.
Die letzten Jahre haben eine starke öffentli-
che Beteiligung und freiwilliges Engagement in
allen Teilen der Gesellschaft her-
vorgebracht. Gerade im Flücht-
lingsbereich ist das sehr deutlich
geworden. Die Ankunft der Flücht-
linge hat auch in Sachsen einen
beispielhaften Anstieg des freiwil-
ligen gesellschaftlichen Engagements bewirkt.
Diese besondere Aktivierung zivilgesell-
schaftlichen Handelns mit allen damit ver-
bundenen positiven Entwicklungen gilt es
zu verstetigen. Es ist wichtig, das Interesse
für das freiwillige Engagement für Flücht-
linge aufrechtzuerhalten und auszubauen.
Außerdem sollte gegebenenfalls frei werden-
des Engagement in neue Kontexte überführt
werden. Viele gemeinwohlorientierte Ein-
richtungen, wie beispielsweise die Freiwillige
Feuerwehr in den Dörfern und Städten oder
der Katastrophenschutz, sind auf freiwilliges
Engagement angewiesen.
Insbesondere Menschen mit Migrationshinter-
grund sind zu ermutigen, sich aktiv für das
Gemeinwesen einzusetzen. Die menschlichen
Begegnungen im Engagement können inter-
kulturelle Lernprozesse, das Gemeinschafts-
gefühl sowie die Identifikation fördern. Aus
ihnen können Miteinander und Integration
erwachsen. Das Engagement der Menschen
in Sachsen für die Gemeinschaft ist gesell-
schaftlich anzuerkennen und wertzuschätzen.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
Allgemeine Förderung des Ehrenamtes
• Programm zur Förderung des bürger-
schaftlichen Engagements „Wir für Sachsen“
fortführen (Bereiche Soziales, Umwelt,
Kultur und Sport).
• Zivilgesellschaftliche Beteiligungsformate
für Menschen unterschiedlichen Alters und
unterschiedlicher Bereitschaft zum frei-
willigen Engagement unter Berücksichti-
gung der jeweiligen Rahmenbedingungen
in Großstädten sowie Städten und Ge-
meinden im ländlichen Raum passgenau
entwickeln (zum Beispiel Öffentlichkeits-
kampagnen, Aufzeigen von Perspektiven
im Ehrenamt beim Übergangsmanagement
vom Beruf in den Ruhestand).
• Informations- und Hilfsangebote für
Ehren amtliche verbessern (zum Beispiel
bei Bedarf Bildungs-, Begleit- und Quali-
fizierungsangebote für Ehrenamtliche
bereitstellen).
GESELLSCHAFTLICHER ZUSAMMENHALT: ZIELE UND MASSNAHMEN
Bild unten: Sport Vereint, Volleyballturnier/Fußballturnier
Die letzten Jahre haben eine
starke öffentliche Beteiligung
und freiwilliges Engagement
in allen Teilen der Gesellschaft
hervorgebracht.
Bild oben: Schulung Kommunaler Integrationskoordinatoren (KIK)

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91

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
• Auf gute Kooperation und Koordination
zwischen Haupt- und Ehrenamt hinwirken
(zum Beispiel durch Schulungen).
• Öffentliche Würdigung (zum Beispiel Ver-
leihung des Sächsischen Bürgerpreises).
Ehrenamt mit Fokus auf Menschen mit
Migrationshintergrund
• Menschen mit Migrationshintergrund zur
Teilnahme an Freiwilligendiensten (FÖJ,
FSJ, FDaG, BFD) sowie zur ehrenamt-
lichen Mitwirkung am Vereinswesen, in
Jugendverbänden, in Freiwilliger Feuer-
wehr, DRK, THW, DLRG (Paten als Lotsen
nutzen) ermutigen.
• Integrierte Menschen mit Migrations-
hintergrund ermutigen, sich als Integra-
tionsbegleiter für (neuangekommene)
Menschen mit Migrationshintergrund
einzubringen (zum Beispiel in Zusammen-
arbeit mit dem Dachverband sächsischer
Migrantenorganisationen).
• Wandlungs- und Entwicklungsprozesse bei
Flüchtlingsinitiativen begleiten.
• Selbstorganisation von Flüchtlingen im
Rahmen ehrenamtlichen Engagements
aktivieren und stärken (unter anderem
durch Wissensvermittlung zu freiwilligem
Engagement).
• Öffentliche Würdigung verstärken (zum
Beispiel Verleihung des Sächsischen
Bürgerpreises mit der Kategorie Flücht-
lingshilfe seit 2016, Sächsischer Integra-
tionspreis seit 2009, Marwa-El-Sherbini-
Stipendium seit 2010).
Bild: Gemeinsames generationenübergreifendes Lernen
GESELLSCHAFTLICHER ZUSAMMENHALT: ZIELE UND MASSNAHMEN

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92
93
4.2 FÜR GEGENSEITIGEN RESPEKT UND OFFENHEIT
GEGENÜBER KULTURELLER VIELFALT WERBEN
Das Grundgesetz und die Verfassung des
Freistaates Sachsen schützen die Würde
des Menschen.
88
Jeden einzelnen Menschen
schützen sie davor, wegen seines Geschlech-
tes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner
Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines
Glaubens, seiner religiösen oder politischen
Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt
zu werden. Dies ist die Grundlage für ein
friedvolles und respektvolles Zusammenleben
aller Menschen in Sachsen.
Gegenseitiger Respekt ist auch die Grundlage
gelingender Integration. Toleranz und Offen-
heit gegenüber kultureller Vielfalt kann von
der Staatsregierung nicht verordnet werden.
Der gegenseitige Respekt jedoch bildet die
Grundlage unseres demokratischen Gemein-
wesens und des Miteinanders vor
Ort. Als solcher ist er von allen
Beteiligten in jeder Situation
zu fordern und zu fördern. Hier
handelt es sich um einen dauer-
haften gesamtgesellschaftlichen
Lern- und Erfahrungsprozess,
der nie spannungsfrei ist und immer wieder
neu gestaltet werden muss. Vorurteile und
Stereotype auf allen Seiten können am besten
in direkten Begegnungen abgebaut werden.
Bild: Musik als universelle Sprache
88
Vgl. nur Art. 14 SächsVerf: (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2)
Die Unantastbarkeit der Würde des Menschen ist Quelle aller Grundrechte.
Gegenseitiger Respekt ist die
Grundlage gelingender Integra-
tion. Toleranz und Offenheit
gegenüber kultureller Vielfalt
kann von der Staatsregierung
nicht verordnet werden.

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
4.2.1 ALLTAGSORIENTIERUNG VON MENSCHEN MIT MIGRATIONS-
HINTERGRUND VERBESSERN
Menschen mit Migrationshintergrund können,
insbesondere wenn sie direkt aus dem Ausland
nach Sachsen kommen, im Alltag
einen hohen Informations- und
Beratungsbedarf zum gesellschaft-
lichen Leben und zur staatlichen
Ordnung haben. Ankommen wird
erleichtert, wenn möglichst pass-
genaue Informations- und Be-
ratungsangebote bereitgestellt
werden, die eine selbstbestimmte Integration
in die Gesellschaft ermöglichen.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Neuankommenden soll weiterhin schnellst-
mögliche Unterstützung bei der kulturellen
Erstorientierung durch aufeinander abge-
stimmte, mehrsprachige Informations-
und Bildungsangebote gegeben werden.
• Willkommensportale des Freistaates Sachsen
weiter ausbauen.
• Sächsische Welcome App weiter unterstüt-
zen, um Menschen mit Migrationshinter-
grund sowie ehrenamtlich Engagierten
einen guten Überblick über die Strukturen
in Deutschland und in Sachsen mit seinen
Regionen zu ermöglichen.
• Neuauflage der Broschüre „Willkommen im
Freistaat Sachsen“ prüfen.
• Die 2017 neu aufgelegte Broschüre „Orien-
tierungshilfe für Asylsuchende“ regelmäßig
überarbeiten (Informationen über Werte und
das Zusammenleben in Deutschland).
• Rechtsstaats- und Demokratieverständnis
für bestimmte Zielgruppen aus Ländern
und Regionen, die dieses politische System
nicht kennen, vermitteln (zum Beispiel
„Polizei als Freund und Helfer“, freie Mei-
nungsäußerung, Gewaltfreiheit, freie
geheime Wahlen).
• Breite Nutzung der BAMF-Integrations-
kurse durch Berechtigte sicherstellen (An-
gebot des Bundes enthält einen Sprachkurs
zur Vermittlung ausreichender Sprach-
kenntnisse sowie einen Orientierungskurs
zur Vermittlung von Wissen zur Rechtsord-
nung, Geschichte und Kultur in Deutsch-
land, siehe Näheres 3.1 Spracherwerb).
• „Erstorientierungskurse für Asylsuchende“
(ehemals „Wegweiserkurse“, Vermittlung
erster Sprachkenntnisse sowie grundle-
gender Werte und praxisnahen Alltags-
wissens durch Kulturmittler in der Mut-
tersprache der Asylsuchenden
89
) in allen
sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen
als Regelangebot verankern.
• Flüchtlingssozialberatung nach der Förder-
richtlinie Soziale Betreuung und Abstimmung
mit den Strukturen des Bundes im Rahmen
der Migrationsberatungsdienste „Migra-
tionsberatung für erwachsene Zuwande-
rer (MBD)“ und „Jugendmigrationsdienste
(JMD)“ für junge Zugewanderte bis 27 Jahren
nach § 45 AufenthG weiter fördern.
• Aus- und Weiterbildungen von haupt- und
ehrenamtlichen Personen, die sich im Be-
reich Integration engagieren, fördern.
• Bereitstellung mehrsprachiger Informati-
onen über besondere Angebote wie zum
Beispiel Familienberatung, Schwangeren-
konfliktberatung, HIV/STI-Beratung,
Suchtberatung, Maßnahmen zur Verbrau-
cherbildung (zum Beispiel Giro-Konto,
Mobilfunkverträge, Haustürgeschäfte)
insbesondere für Flüchtlinge unterstützen.
• Angebote zur Unterstützung beson-
ders schutzbedürftiger Gruppen in
Er
st
auf
nahme einrichtungen
be
st
ärken
(zum Beispiel durch Bereitstellung nied-
rigschwelliger Informationen zur Kontakt-
aufnahme zu Minderheitenverbänden).
89
Kernthemen der Erstorientierungskurse sind: Werte, Normen und Gesetze in Deutschland; Mobilität und räumliche Orientierung; Das deutsche
Bildungssystem; Einkaufen; Gesundheit und Umwelt; Das Leben in der Erstaufnahmeeinrichtung; Der Ablauf des Asylverfahrens.
GESELLSCHAFTLICHER ZUSAMMENHALT: ZIELE UND MASSNAHMEN
Ankommen wird erleichtert,
wenn möglichst passgenaue
Informations- und Beratungs-
angebote bereitgestellt wer-
den, die eine selbstbestimmte
Integration in die Gesellschaft
ermöglichen.

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95
Bild oben: Welcome Center Dresden
Bild unten: Interkulturelles Lehren und Lernen

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
4.2.2 BEGEGNUNGEN, DIALOG UND INTERKULTURELLES
VERSTÄNDNIS FÖRDERN
Zugehörigkeit und Integration entstehen im
Austausch und im Miteinander. Dafür sind
zunächst der individuelle Kontakt und Aus-
tausch der Menschen vor Ort prägend. Aktive
Nachbarschaft sowie kollegialer Umgang im
beruflichen Leben fördern Akzeptanz und Zu-
sammenhalt. Wertevermittlung erfolgt am
besten im direkten Kontakt. Fair ausgetra-
gene Konflikte ermöglichen ein Lernen über
die Gesellschaft. So können Hemmungen und
Vorurteile von Menschen unterschiedlicher
Herkunft, Weltanschauung und Lebensstile
abgebaut werden.
Kunst und Kultur haben ebenso wie der Sport
die Kraft, über Sprachbarrieren hinweg Men-
schen zu verbinden, die sich gleichberechtigt
austauschen und sich gegenseitig bereichern
können. Kulturelle Bildung und
Begegnungen verbessern die
Akzeptanz von Vielfalt und kul-
tureller Diversität. Die Kunst- und
Kulturförderung des Freistaates
unterstützt dieses Ziel. Sportver-
eine werden für Mitglieder oft zu
einem zweiten Zuhause. Es ist von
zentraler Bedeutung, Menschen mit Migrati-
onshintergrund langfristig in den regulären
Sport- und Spielbetrieb zu integrieren. Dazu
ist es unerlässlich, durch interkulturelle Sensi-
bilität Berührungsängsten und Vorurteilen
entgegenzuwirken.
Als Folge der geschichtlichen Situation und
eines anhaltenden Säkularisierungsprozesses
gibt es bei vielen Menschen in Sachsen nur
noch wenig fundiertes Wissen über religiöse
Traditionen. Die mit der Fluchtzuwanderung
einhergehende Zunahme der Vielfalt und Be-
deutung von Religion erfordert noch stärker
als bisher in der überwiegend konfessions-
freien Gesellschaft in Sachsen, Religion auch
als einen Gegenstand der Bildung zu begreifen,
damit Vorurteile abgebaut werden und ein
konstruktiver Umgang mit Unterschieden
durch vielfältige Lebensweisen möglich ist.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• In Wohnquartieren und im öffentlichen
Raum in Stadt und Land Begegnungs-
räume fördern.
90
Wissenschaftliche und
öffentliche Bibliotheken und andere Kultur-
einrichtungen als Treffpunkte, Sprach- und
Kulturlernorte für die Integrationsarbeit,
Sprachförderung und für Multiplikatoren-
fortbildungen im Bereich politischer wie
kultureller Bildung verstärkt nutzen.
• Kommunen weiterhin bei der bedarfs-
gerechten Bereitstellung von Jugendclubs
und Einrichtungen mit sozialpädagogi-
scher Betreuung unterstützen.
• Gelingende Integration in Stadtteilen und
Kommunen sichtbar machen, damit beste-
hende oder latent vorhandene Vorbehalte
abgebaut werden.
• Kunst und Kultur können den kulturellen
Austausch unterschiedlicher sozialer
Gruppen fördern, zum Beispiel kann die
Soziokultur mit ihren kleinteiligen, flexiblen
und offenen Strukturen direkt vor Ort
wirken. Auch kann zu freiwilligem Enga-
gement im Kunst- und Kulturbereich an-
geregt werden.
• Sportvereine für kulturelle Vielfalt sensi-
bilisieren und öffnen.
91
90
Zum Beispiel Begegnungscafés, Kulturhäuser für Austausch, Veranstaltungen und interkulturelle Feiern, Anregung der Kommunen zur Unterstützung
durch ein Quartiersmanagement in den Städten und soziale Dorfentwicklung auf dem Lande.
91
Siehe Gemeinsames Konzept der Staatsregierung und des Landessportbundes, Anregung der Kommunen zur Ansprache der Vereine, Einbindung der
Kreissportbünde.
GESELLSCHAFTLICHER ZUSAMMENHALT: ZIELE UND MASSNAHMEN
Kunst und Kultur haben ebenso
wie der Sport die Kraft, über
Sprachbarrieren hinweg Men-
schen zu verbinden, die sich
gleichberechtigt austauschen
und sich gegenseitig bereichern
können.

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97
Bild oben: Gemeinsames Fastenbrechen
Bild unten: "Welcome to Saxony!" Internationale Studierende in Sachsen

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
• Unterstützung von Formaten direkter inter-
kultureller Begegnung, wie die jährlich durch-
geführte „Interkulturelle Woche (IKW)“.
• Sächsisch-Polnische und Sächsisch-Tsche-
chische Grenzräume zu „Räumen der Be-
gegnung“ weiter aufwerten (unter ande-
rem durch Nutzung des neu eingerichteten
Förderprogramms „Internationaler kultu-
reller Dialog“ bei der Kulturstiftung Sach-
sen). Das Lernen der Nachbarsprachen in
den Grenzregionen nach dem Vorbild des
frühsprachlichen Erwerbs in Kitas, Schulen
et cetera weiter anregen (Prüfung einer
Analyse von Fremdsprachenangebot und
-spracherwerb im sächsisch-polnischen
und sächsisch-tschechischen Grenzraum,
Unterstützung von Sprachtandems).
• Interkulturelle Kulturarbeit über landes-
weites Konzept für kulturelle Kinder- und
Jugendbildung in Sachsen ausbauen sowie
Schulen nutzen, um Wissen im Bereich Zu-
wanderung und Integration zu vermitteln.
Europäische und internationale Erfahrungen
durch internationale Jugendbegegnun-
gen und -freizeiten frühzeitig fördern,
Fortführung und Ausbau von Schul- und
Hochschulpartnerschaften mit anderen
Ländern. Angebote der außerschulischen
Jugendarbeit weiterhin stärken, unter an-
derem durch Förderung von Jugendver-
bänden, die sich zum Beispiel auch der
Thematik des verantwortlichen Umgangs
mit Diversität stellen.
• Zielgruppenorientierte Angebote in inter-
kultureller Kompetenz für alle Menschen in
Sachsen erweitern, insbesondere Stärkung
der interkulturellen Kommunikations- und
Konfliktlösungskompetenzen (zum Beispiel
Volkshochschule, Landeszentrale für poli-
tische Bildung Sachsen).
• Interkulturelle Kompetenz und interkultu-
relle Bildung als Teil der Lehrerbildung und
Erzieherausbildung stärken (zum Beispiel
Verbesserung der Weiterbildungsangebote).
• Den Erfahrungsaustausch zwischen den
Generationen stärken (zum Beispiel durch
Sichtbarmachung des Einzelnen in einer
Gruppe wie im Format „Lebendige Biblio-
thek“ mit Flüchtlingen, Vertriebenen, Men-
schen verschiedenen Glaubens oder Wel-
tanschauung, Menschen mit Brüchen in
der Biographie durch die Nachwendezeit).
• Religionsgemeinschaften bei der (inter-)
religiösen Bildung für alle vor Ort lebenden
Menschen mit und ohne Migrationshinter-
grund stärker einbeziehen. Die Entwicklung
von Dialogformaten zwischen konfessi-
onsfreien Menschen und Menschen mit
religiöser Bindung anregen. Eine Erweite-
rung des Ethikunterrichtes an Schulen prü-
fen (gegebenenfalls stärkere Vermittlung
von Religionswissen als Bestandteil des
Ethikunterrichts und in diesem Rahmen
die gesellschaftlichen Grundwerte mit
dem Erwerb von Sozialkompetenzerwerb
verbinden durch Rollenspiele sowie regel-
mäßige Projekttage).
• Einen dauerhaften Dialog mit den mus-
limischen Vereinen in Sachsen instituti-
onalisieren.
GESELLSCHAFTLICHER ZUSAMMENHALT: ZIELE UND MASSNAHMEN

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98
99
4.2.3 AKZEPTANZ VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTER-
GRUND DURCH SACHGERECHTE INFORMATION STÄRKEN
Eine offensive und transparente Kommuni-
kation, die Fakten klar benennt, ist für die
Akzeptanz von Menschen mit Migrationshin-
tergrund in der Bevölkerung unerlässlich. In
Zeiten von „Fake News“ und Desinformation
kommt insbesondere der faktenbasierten und
sachgerechten Information der Bevölkerung
über die Themen Zuwanderung und Integra-
tion eine große Bedeutung zu. Diese Fakten
können einen wertvollen Beitrag leisten, Dis-
kussionen zu versachlichen und die Akzeptanz
von Zuwanderung zu erhöhen. Sie bilden zudem
eine wichtige Grundlage für die Fortsetzung der
bereits begonnenen Dialogprozesse der Staats-
regierung mit den Bürgerinnen und Bürgern in
Sachsen mit Blick auf Zukunftsaufgaben.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Faktenbasierte und sachgerechte Infor-
mation der Bevölkerung bereitstellen über:
- die Zukunftsaufgaben im Zusammen-
hang mit Zuwanderung (unter anderem
demografischer Wandel, zunehmende Be-
völkerungsalterung, Fachkräftesituation,
vielfältiges weltweites Wanderungsge-
schehen) und Integration (Zusammenhalt
schaffen; Ergebnisse Integrationsberichts-
erstattung, Maßnahmen ZIK II),
- den Stand der Zuwanderung,
- die Integration von Menschen mit Migrati-
onshintergrund (insbesondere
durch Darstellung der Verant-
wortungsbereiche, Ansprech-
partner und geeigneter Ange-
botsstrukturen),
- die geordnete Rückführung
von Ausreisepflichtigen
auf der Grundlage rechts-
staatlicher Prinzipien (unter
anderem durch den Ausbau der Bera-
tungsangebote zur freiwilligen Rückkehr
in die Herkunftsländer im Rahmen der
Flüchtlingssozialberatung).
• Sensibilisierungs- und Informationsstrategien
für Menschen, die nicht aktiv Informationen
suchen, anwenden (zum Beispiel durch Multi-
plikatoren, Straßen- und ÖPNV-Werbung).
• Den Dachverband der sächsischen
Migranten organisationen (DSM) zur ge-
zielten Ansprache und Information von
migrantischen Gemeinschaften anregen.
In Zeiten von „Fake News“ und
Desinformation kommt insbe-
sondere der faktenbasierten
und sachgerechten Informa-
tion der Bevölkerung über die
Themen Zuwanderung und
Integration eine große Bedeu-
tung zu.
Bild: Vorurteile?Nachfragen!-Kampagne SMGI

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
4.3 STAATLICHE MASSNAHMEN ZUR GEWÄHRLEISTUNG
DER SICHERHEIT UND PRÄVENTION GEGEN
EXTREMISMUS DEN ERFORDERNISSEN ANPASSEN
Die öffentliche Sicherheit ist zu gewährleisten.
Kriminalität sowie politischem oder poli-
tisch-religiösem Extremismus müssen klare
Grenzen aufgezeigt werden. Es darf in unserem
Land auch künftig keine Parallelgesellschaf-
ten geben, die für sich existieren. Derartigen
Entwicklungen muss durch Aufklärung,
Prävention und Intervention entgegengewirkt
werden. Extremismus – ganz gleich ob rechts,
links, islamistisch oder anderweitig motiviert
– muss mit allen rechtsstaatlichen Mitteln
entgegengetreten werden. Extremistischen
Positionen wird auch durch präventive Arbeit
vorgebeugt.
GESELLSCHAFTLICHER ZUSAMMENHALT: ZIELE UND MASSNAHMEN
4.3.1 SICHERHEITSRELEVANTE MASSNAHMEN
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
Allgemeine sicherheitsrelevante Maßnahmen
• Die Innere Sicherheit und damit verbunden
das subjektive Sicherheitsgefühl in der Be-
völkerung durch eine bessere personelle
Ausstattung und Ausrüstung im Bereich
der Sicherheitsbehörden stärken.
• Analysen zur Kriminalitätsentwicklung im
Kontext von Zuwanderung bereitstellen
sowie kontinuierliches Monitoring (Polizei-
liche Kriminalstatistik, Lagedarstellung
Zuwanderung).
• Zuwanderer, die mehrfach intensiv straffällig
geworden oder mit schweren Straftaten
in Erscheinung getreten sind, konsequent
verfolgen sowie aufenthaltsbeendende
Maßnahmen veranlassen.
• Alle zur Verfügung stehenden präventiven
und repressiven Möglichkeiten ausschöp-
fen, um politisch oder religiös motivierte
Straftaten im Vorfeld zu verhindern be-
ziehungsweise rasch, umfassend und
zuverlässig aufzuklären, sodass die Täter
möglichst tatnah und zügig abgeurteilt
und alsbald einem wirksamen Strafvollzug
zugeführt werden können.
• Eine Strategie und Konzepte zur Bekämp-
fung der Politisch motivierten Kriminalität
(PMK) überprüfen und an aktuellen Er-
fordernissen ausrichten sowie Einrichtung
eines Polizeilichen Terrorismus- und Extre-
mismus-Abwehrzentrums (PTAZ).
Spezielle sicherheitsrelevante Maßnahmen
• Gefangene zur Vorbereitung auf ein künf-
tiges Leben ohne Straftaten deradikalisieren
(Fortsetzung extremismuspräventiver Pro-
jekte) unter dem Dach des Demokratie -
Zentrums Sachsen.
• Bewerberinnen und Bewerber mit Migrati-
onshintergrund für den Polizeidienst gewin-
nen (zum Beispiel durch Werbefilme und
mehrsprachige Informationsbroschüren).
• Präventive Maßnahmen der sächsischen
Polizei durchführen, Kontaktaufnahme und
-pflege zu Migrantenselbstorganisationen
sowie interkulturelle Sensibilisierung der
Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten sowie
Beamtinnen und Beamten im Justizvollzug.

100
101
4.3.2 SICHERHEIT VON MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTER-
GRUND GEWÄHRLEISTEN
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Sicherheit von Menschen mit Migrations-
hintergrund gewährleisten (unter anderem
durch die Sicherheit von Flüchtlingsunter-
künften – Regelungen im „Sicherheitsrah-
menkonzept Erstaufnahmeeinrichtungen
(EAE)“, Schulungskonzepte für Mitarbei-
terinnen und Mitarbeiter der EAE; Abbau
von Zugangsbarrieren zur Opferberatung).
• Politisch motivierte Straftaten mit einem
fremdenfeindlichen Hintergrund durch die
Organisationseinheiten des Polizeilichen
Staatsschutzes der sächsischen Polizei
konsequent bekämpfen.

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
GESELLSCHAFTLICHER ZUSAMMENHALT: ZIELE UND MASSNAHMEN
4.3.3 EXTREMISMUSPRÄVENTION
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Das Demokratie-Zentrum Sachsen mit der
dort angesiedelten „Koordinierungs- und
Beratungsstelle Radikalisierungspräven-
tion" ausbauen (KORA für die fachlichen
Themengebiete “gewaltbereiter Islamismus“
beziehungsweise „Salafismus/Jihadismus“
sowie “Islam- und Muslimfeindlichkeit“).
Das Demokratie-Zentrum und die KORA
wirken dabei an folgenden Aufgaben mit:
- Information der Bevölkerung und der
Migrantenselbstorganisationen über
terroristische oder extremistische Struk-
turen und Handlungsmöglichkeiten bei
Verdachtsfällen (unter anderem durch
Sensibilisierung von Schulen und Eltern-
schaft sowie Migranten-Communities
durch einen Leitfaden zur Erkennung und
Differenzierung von Rechtsextremismus,
linker Militanz, gewaltbereitem Islamis-
mus / Salafismus / Jihadismus,
Aufnahme
der Themen in Erstorientierungskurse für
Flüchtlinge und Sensibilisierung der Ehren-
amtlichen).
- Gezielte, mobile und kostenfreie Fort-
bildung der Fachkräfte der Kinder- und
Jugendhilfe, der Flüchtlingssozialarbeite-
rinnen und -sozialarbeiter für junge Er-
wachsene und der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter in Behörden wie dem Ju-
gendamt, der Kommunalverwaltung und
den Arbeitsagenturen in Bezug auf die
Themen „Islam“, „Muslimfeindlichkeit“
und „Früherkennung von Radikalisie-
rungsanzeichen“.
- Förderung der gesellschaftlichen Aus-
einandersetzung mit verschiedenen
extremistischen Phänomenbereichen
in Zusammenarbeit mit dem Landesamt
für Verfassungsschutz (Vortrags- und
Diskussionsveranstaltungen, Information
kommunaler Verantwortungsträgerinnen
und träger, Fachtagungen, Broschüren, In-
ternet, Ausstellung: „In guter Verfassung“).
- Etablierung und Ausbau von interkulturel-
len und -religiösen Dialogen hinsichtlich
der Extremismusprävention (mit Einbezug
von Menschen ohne Konfession).
- Aussteigerprogramm Sachsen: berät
und begleitet Menschen, die freiwil-
lig aus extremistischen Gruppen oder
Szenen aussteigen möchten sowie bei
Bedarf deren Angehörige und Freunde
(Förderrichtlinie Aussteigerprogramm
Sachsen – FRL APro).
• Förderung von Projekten im Rahmen des
Landesprogramms „Weltoffenes Sachsen
für Demokratie und Toleranz“ (WOS).

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103
Bild oben: Faltblatt KORA »Intervention. Radikalisierung wirksam begegnen«
Bild unten: Informations- und Sensibilisierungsveranstaltung für junge Menschen

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05
UMSETZUNG DES ZIK II:
STRATEGISCHES
INTEGRATIONS-
MANAGEMENT,
FORSCHUNG UND
MONITORING

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
Integrationspolitik benötigt verlässliche Aus-
sagen darüber, wie sich Integrationsprozesse
vollziehen und inwieweit Erfolge
in den Feldern der strukturellen,
sozialen, kulturellen und identifi-
katorischen Integration messbar
sind. Dazu gibt es sowohl auf
Bundes- wie auf Landes- und
kommunaler Ebene verschiedene
Anstrengungen.
Bereits mit dem ersten Zuwanderungs- und
Integrationskonzept des Freistaates Sachsen
von 2012 wurde der Aufbau einer aussage-
kräftigen Integrationsberichterstattung be-
schlossen. Diese besteht im Wesentlichen aus
fünf Säulen.
(1)
Auf Grundlage vorliegender Daten im
Bereich Integration wird quartalsweise ein
„Kennzahlenbericht Integration Sachsen“
vorgelegt. Hauptaufgabe dieses Berichtes ist
die Herstellung der Transparenz zu den ver-
fügbaren Daten aus dem Integrationsbereich.
(2)
Die Länderauswertung Sachsen des alle
zwei Jahre erscheinenden „Integrationsmoni-
toring der Länder“ zielt darauf ab, Integra-
tionserfolge dahingehend messbar zu ma-
chen, dass die Unterschiede in der Teilhabe
in Kernbereichen der Sozialintegration von
Menschen mit und ohne Migrationshinter-
grund aufgezeigt werden. Die erste Länder-
auswertung für Sachsen wurde im 1. Quartal
2018 vorgelegt. Das Integrationsmonitoring
erlaubt einen objektiven Vergleich der Sozi-
alintegration von Menschen mit und ohne
Migrationshintergrund sowie eine Einschät-
zung zum Stand der Integration im Vergleich
mit der Bundesrepublik insgesamt.
(3)
Wissenschaft und Forschung können ge-
nerell einen wichtigen Beitrag dazu leisten,
die Voraussetzungen für erfolgreiche Integra-
tion zu identifizieren und die damit verbun-
denen gesellschaftlichen Herausforderungen
zu verstehen. Ziel ist es, die Erfolgsfaktoren
für Integration und gesellschaftlichen Zusam-
menhalt zu stärken. Es werden unter anderem
folgende Maßnahmen durch den Freistaat
Sachsen unterstützt:
• Gründung des „Zentrums für Integrati-
onsstudien“ (ZfI) an der TU Dresden, an
dem die Erfordernisse für eine Integration
als gesamtgesellschaftliche Aufgabe er-
forscht werden.
• Gründung des Forschungsnetzwerks IFRIS
– Integrations-, Fremdenfeindlichkeits-
und Rechtsextremismusforschung in
Sachsen. Ziel: Erarbeiten von Wissen, das
nachhaltig zur Fundierung der Debatte um
die Integration von Flüchtlingen und um
die Möglichkeiten der Eindämmung von
Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremis-
mus in Sachsen beitragen soll.
(4)
Im Rahmen einer begleitenden wissen-
schaftlichen Wirkungsforschung von In-
tegrationsmaßnahmen wird derzeit unter
anderem ein „Wirkungscontrolling zur För-
derung im Rahmen der Richtlinie Integrative
Maßnahmen vom 13. August 2015“ erar-
beitet. Das Wirkungscontrolling ermöglicht
eine Einschätzung der Wirksamkeit dieses
Förder instruments entsprechend der in der
Richtlinie benannten Förderbereiche. Darüber
hinaus können über weitere wissenschaftliche
Forschungen zu Teilbereichen der Integration,
zu Integrationsverläufen oder spezifischen
Gruppen Aussagen zum Erfolg oder zu Pro-
blemen von Integration gemacht werden.
UMSETZUNG DES ZIK II: STRATEGISCHES INTEGRATIONSMANAGEMENT, FORSCHUNG UND MONITORING
Integrationspolitik benötigt
verlässliche Aussagen darüber,
wie sich Integrationsprozesse
vollziehen und inwieweit Erfol-
ge in den Feldern der struktu-
rellen, sozialen, kulturellen und
identifikatorischen Integration
messbar sind.

106
107
(5)
Zusätzlich soll regelmäßig eine Sonder-
auswertung des „Integrationsbarometers“ des
Sachverständigenrates deutscher Stiftungen
für Integration und Migration (SVR) erfolgen.
Dieses Integrationsbarometer ist eine reprä-
sentative Bevölkerungsumfrage unter Men-
schen mit und ohne Migrationshintergrund in
Deutschland. Es ergänzt die oben genannten
Ansätze durch Befragungsergebnisse zur sub-
jektiven Wahrnehmung von Integrationspro-
zessen und zu den sonst eher wenig beleuch-
teten Dimensionen der Integration (kulturelle,
soziale und identifikatorische Dimension).
Weiterhin sollten Kommunen über den Ansatz
des kommunalen Integrationsmonitorings infor-
miert werden. Dieses Instrument kann auf wei-
tere, auf Landesebene nicht vorliegende Daten
zurückgreifen und kann damit auch für regio-
nale sozialplanerische Prozesse eingesetzt wer-
den. Mit kommunalem Integrationsmonitoring
kann der Verlauf der tatsächlichen Integration
vor Ort beobachtet, gemessen und eingeschätzt
werden. Hier dient das sogenannte „Wiesba-
dener Modell“ (2003) als „Blaupause“ für viele
Kommunen in Deutschland, die den Stand des
Integrationsprozesses in ihrer Kommune aufzei-
gen und interpretieren wollen. Dabei können
über die Abbildung von Zeitreihen Entwick-
lungen vor Ort kontinuierlich verfolgt und
konkreter Handlungsbedarf abgeleitet wer-
den. Kommunales Integrationsmonitoring
nach diesem Modell kann damit auch die
Funktion einer Frühwarnung sowie eine un-
terstützende Funktion bei der Steuerung von
Integrationsprozessen übernehmen.
Die fünf Säulen der Integrationsberichter-
stattung des Freistaates Sachsen sowie eine
kommunale Integrationsberichterstattung
mit sozialplanerischem Ansatz gehören zum
kooperativen Integrationsmanagement und
tragen zur Bewertung des Erfolgs der säch-
sischen Integrationspolitik bei.
Maßnahmen für die Erreichung der Ziele in
diesem Bereich (Auswahl):
• Einen detaillierten und flexiblen Umset-
zungsplan zum ZIK als Grundlage für die
Begleitung des Umsetzungsfortschrittes
durch Prozessbeirat und IMAG veröf-
fentlichen unter
http://www.willkommen.
sachsen.de, regelmäßige wissenschaftliche
Evaluation ermöglichen.
• Auf reibungslose Abläufe in den einzelnen
Handlungsfeldern (Schaffung von Integra-
tionsketten) hinwirken.
• Kooperative Abstimmung Bund/Land/
Kommune fortsetzen sowie die Zusam-
menarbeit und Vernetzung der weiteren
Akteure gewährleisten.
• Integrationsmonitoring für den Freistaat
Sachsen entwickeln:
- Erstmalige Aufbereitung des Integrations-
monitorings der Länder 2013 bis 2015
für den Freistaat Sachsen als Startpunkt
für ein regelmäßiges Monitoring und als
Baustein, um Stand und Entwicklungspro-
zesse in den Bereichen Integration und
Migration regelmäßig abzubilden und um
bundesweite Vergleichbarkeit zu sichern.
- Mitwirkung in der Länderoffenen Arbeits-
gruppe „Indikatorenentwicklung und
Monitoring“ der Konferenz der für Inte-
gration zuständigen Ministerinnen und
Minister/Senatorinnen und Senatoren der
Länder (zum Beispiel durch Überprüfung
von Art und Umfang des Berichtszeitraums
für das Integrationsmonitoring der Länder).
- Anregung von Integrationsmonitorings auf
kommunaler Ebene in Zusammenarbeit mit
dem Statistischen Landesamt Sachsen.

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
- Quartalsweise Erstellung des Kennzahlen-
berichtes Integration als Sachstands-
bericht zu den wichtigsten Kennzahlen
im Integrationsbereich.
- Regelmäßige (derzeitiger Turnus: alle
zwei Jahre) Sonderauswertung des In-
tegrationsbarometers des Sachverstän-
digenrates deutscher Stiftungen für In-
tegration und Migration (SVR).
- Bedarfsorientierte Erstellung von
Sonder erhebungen
beziehungsweise
-auswertungen zu spezifischen Sach-
verhalten und Zuwanderergruppen.
- Zusätzliche Abbildung zur Thematik
„Gesellschaftlicher Zusammenhalt“
(zum Beispiel Sachsenmonitor, landes-
interne Lagedarstellung über Kriminali-
tätsentwicklungen, landesinterner Stand
Antidiskriminierung).
• Kommunen zu eigenem Integrations-
management unterstützen.
UMSETZUNG DES ZIK II: STRATEGISCHES INTEGRATIONSMANAGEMENT, FORSCHUNG UND MONITORING
Bilder: Verbändegespräch Integration Chemnitz

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06
ANHANG

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ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
6.1 HAUSHALTSVORBEHALT
6.2 ANMERKUNG ZUR GESCHLECHTERSENSIBLEN SPRACHE
Umfang und Zeitpunkt der Realisierung der
hier genannten Maßnahmen und Projekte
stehen unter dem Vorbehalt der vom Säch-
sischen Landtag zur Verfügung gestellten
Haushaltsmittel und Stellen und können nur
im Rahmen der den jeweiligen Ressorts zur
Verfügung stehenden Haushaltsmittel finan-
ziert und durchgeführt werden. Dabei ist die
Nutzung der durch Drittmittel finanzierten
Programme, insbesondere des Europäischen
Sozialfonds (ESF), vorrangig anzustreben.
Für die Publikation sind die Vorgaben des
„Leitfadens für die Sprach- und Textgestal-
tung“ (siehe Amt 24) des Freistaates Sach-
sen bindend. Vorgeschrieben werden dort
Kriterien der sprachlichen Gleichbehandlung
(Gender Mainstreaming), wonach Paarfor-
mulierungen wie „Einwohnerinnen und Ein-
wohner“, „Schülerinnen und Schüler“ sowie
neutrale Sprachformen wie „Studierende“
gezielt einzusetzen sind und außerdem die
Lesbarkeit zu berücksichtigen ist. Bei der
Verwendung eines maskulinen Substantives,
wenn männliche und weibliche Personen ge-
meint sind (zum Beispiel bezogen auf die je-
weilige Zuwanderungsgruppe Spätaussiedler),
sind kontextbezogen auch jeweils Personen
des weiblichen Geschlechtes mit gemeint.
ANHANG

112
113
6.3 GLOSSAR
Anerkannte:
Sind im originären Sinne dieje-
nigen Personen, denen die Asylberechtigung,
Flüchtlingsschutz oder subsidiärer Schutz
gewährt wurde oder Abschiebungsverbote
festgestellt wurden.
Asylbewerber:
Als Asylbewerber gelten dieje-
nigen Flüchtlinge, die einen förmlichen Asyl-
antrag beim Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge (BAMF) gestellt haben. Solange
die Bearbeitung des Asylantrages andauert,
sind sie Asylbewerber im laufenden Verfahren.
Wird der Asylantrag positiv beschieden, sind
sie anerkannte Asylbewerber/Anerkannte
(möglich sind vier Schutzarten: Asylberech-
tigung nach Art. 16a GG; Flüchtlingsstatus
nach der Genfer Flüchtlingskonvention nach
§ 3 AsylG, subsidiärer Schutzstatus nach § 4
AsylG, Abschiebungsverbot nach § 60 Abs.
5 oder 7 AufenthG, siehe 2.2.3). Wird der
Asylantrag negativ entschieden, gelten sie
als abgelehnte Asylbewerber.
Asylsuchende:
Es handelt sich um Personen,
die ein Asylgesuch geäußert, aber noch kei-
nen förmlichen Asylantrag beim Bundesamt
für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gestellt
haben und dort noch nicht als Asylantragsteller
erfasst sind. Der Asylsuchende verfügt über
einen Ankunftsnachweis (vormals BüMA). Mit
der Ausstellung des Ankunftsnachweises ist der
Aufenthalt in Deutschland gestattet. Mit Aus-
stellung der Aufenthaltsgestattung wird der
Ankunftsnachweis dann wieder eingezogen.
Ausländer:
Der Begriff „Ausländer“ wird vor-
nehmlich in rechtlicher und statistischer Hin-
sicht verwendet und bezieht sich auf Men-
schen, die keine deutsche Staatsangehörigkeit
im Sinne des Artikels 116 Abs. 1 GG haben.
Bildungssprache:
Der Begriff Bildungssprache
wird häufig in Abgrenzung zur Alltagssprache
benutzt. Gemeint ist eine Sprachgebrauchs-
form, die sich an den Regeln der Schrift-
sprache orientiert, auch dann, wenn sie im
Mündlichen vorkommt. Die Ausbildung bil-
dungssprachlicher Kompetenzen ist für den
Bildungserfolg und die weitere berufliche
Karriere ausschlaggebend.
Drittstaatsangehörige:
Es handelt sich um
Personen, die nicht die Staatsangehörigkeit
eines Mitgliedstaates der Europäischen Union
besitzen.
Extremismus:
Als extremistisch werden
Aktivitäten bezeichnet, die darauf abzielen,
die Grundwerte der freiheitlichen demokra-
tischen Grundordnung zu beseitigen.
Flüchtlinge:
Der Begriff „Flüchtlinge“ wird
im ZIK II als Oberbegriff für Asylsuchende,
Asylbewerber im Asylverfahren, anerkannte
Asylbewerber/Anerkannte sowie Schutzbe-
rechtigte aufgrund humanitärer Aufnahme-
anordnungen des Bundes oder des Landes
verwendet. Zur Gruppe der Flüchtlinge zählen
auch Personen, deren Asylantrag abgelehnt
wurde, bei denen aber die Vollziehbarkeit der
Ausreisepflicht vorübergehend ausgesetzt ist
(geduldete abgelehnte Asylbewerber).
Davon zu unterscheiden ist der rechtliche
Begriff „anerkannter Flüchtling“. Es handelt
sich um Asylbewerber, deren Asylantrag
erfolgreich war und die Schutz nach dem
Grundgesetz oder in Anlehnung an die Genfer
Flüchtlingskonvention (GFK) erhalten.

ZUWANDERUNGS- UND INTEGRATIONSKONZEPT II DES FREISTAATES SACHSEN
Förderrichtlinie Integrative Maßnahmen:
Vierteilige Richtlinie des Sächsischen Staats-
ministeriums für Soziales und Verbraucher-
schutz – Geschäftsbereich Gleichstellung
und Integration zur Förderung der sozialen
Integration und Partizipation von Personen
mit Migrationshintergrund und der Stär-
kung des gesellschaftlichen Zusammenhalts,
SächsABl. 2017