Informationen zur Ladung als Zeuge
Zu Ihrer Ladung als Zeuge in einem Strafprozess erhalten Sie dieses Informationsblatt mit
Hinweisen zum Gerichtsverfahren, der Stellung als Zeuge und Kontaktmöglichkeiten.
I.
Ablauf der Hauptverhandlung im Strafverfahren
-
Aufruf der Strafsache (Zeugen verlassen, soweit sie bereits für den Beginn der
Hauptverhandlung geladen waren, nach der Belehrung den Saal und warten bis zu
ihrem Aufruf als Zeuge)
-
Feststellung der Personalien des Angeklagten
-
Verlesen der Anklageschrift durch den Staatsanwalt
-
Äußerungsmöglichkeit des Angeklagten zur Sache
-
Beweisaufnahme (Zeugen werden gehört, Dokumente verlesen usw.)
-
Plädoyers von Staatsanwalt, Verteidiger und ggf. Nebenklagevertreter
-
„Letztes“ Wort des Angeklagten
-
Urteilsberatung, -verkündung und -begründung
II.
Ablauf der Zeugenvernehmung in der Hauptverhandlung
-
Aufruf zur Zeugenvernehmung in den Sitzungssaal
-
Belehrung zur Wahrheitspflicht (soweit nicht zu Beginn bereits erfolgt)
-
Aufnahme der Personalien (Name, Vorname, Alter, Wohnort, Beruf)
-
Gegebenenfalls Belehrung über Zeugnis- bzw. Auskunftsverweigerungsrecht
-
Zusammenhängende Darstellung des Geschehens durch den Zeugen
-
Befragung des Zeugen durch Gericht, Staatsanwalt, Verteidiger und Ange-klagten
(ggf. auch durch Sachverständige oder Nebenklagevertreter)
-
Vereidigung des Zeugen (nur in Ausnahmefällen)
-
Entlassung des Zeugen (auf der Ladung wird das Ende der Vernehmung zur
Geltendmachung der Zeugenentschädigung bescheinigt)
III. Rechte und Pflichten des Zeugen im Strafverfahren
-
Zeugnisverweigerungsrecht (als naher Verwandter des Angeklagten und als
Angehöriger bestimmter Berufsgruppen z.B. als Arzt)
-
Auskunftsverweigerungsrecht (soweit Angaben zu machen wären, die ein eigenes
strafbares Verhalten beschreiben würden)
-
Antragsrecht zum Ausschluss der Öffentlichkeit während der Vernehmung (nur wenn
in der Vernehmung z.B. Fragen des Intimlebens betroffen sind)
-
Antragsrecht zum Ausschluss des Angeklagten während der Vernehmung (nur wenn
mit dessen Anwesenheit eine erhebliche Gefahr für den Zeugen besteht)
-
Anwesenheitsrecht (bei öffentlicher Sitzung oder als Geschädigter Verbleib im
Sitzungssaal nach der Vernehmung)
-
Zeugenbeistandsrecht (Hinzuziehung einer Vertrauensperson zur Vernehmung)
-
Zeugenentschädigungsrecht (Ersatz der finanziellen Aufwendungen anlässlich der
Zeugenvernehmung)
-
Anwesenheitspflicht (bei Ladung besteht Pflicht zur Teilnahme am Termin; davon
kann nur der Richter bei Vorliegen außerordentlicher Gründe befreien)
-
Aussagepflicht (bei Verweigerung der Aussage ohne gesetzlichen Grund wird ein
Ordnungsgeld verhängt)
-
Wahrheitspflicht (Falschaussage ist strafbar)
IV. Allgemeines zum Verhandlungstermin
Die Strafprozessordnung schreibt für die Hauptverhandlung Formalien vor, die das Gericht
zu beachten hat. Dazu gehört auch die eingehende Zeugenbelehrung. Missverstehen Sie

Stand Januar 2020; erarbeitet durch A. Tschök, Rechtspfleger am AG Freiberg
diese Belehrung nicht als Ausdruck des Misstrauens gegenüber Ihrer Glaubwürdigkeit. Sie
dient vielmehr der Verdeutlichung Ihrer Pflichten als Zeuge und damit Ihrem Schutz.
Die Zeugenaussage im Strafprozess ist staatsbürgerliche Pflicht. Ihr Erscheinen ist
notwendig,
auch
wenn
Sie
gegebenenfalls
von
Ihrem
Zeugnis-
oder
Auskunftsverweigerungsrecht Ge-brauch machen wollen. Bei unentschuldigtem Fernbleiben
kann Ihr Erscheinen vom Gericht durch polizeiliche Vorführung erzwungen werden.
Trotz sorgfältiger Verhandlungsplanung kann es im Termin zu Verzögerungen kommen.
Planen Sie daher mögliche Wartezeiten ein.
V. Kontaktmöglichkeiten
Für Anfragen, die sich auf Ihre Rechte und Pflichten als Zeuge in einem Strafprozess
beziehen, steht Ihnen das Amtsgericht Freiberg mit weiteren Auskünften zur Verfügung:
Zeugenbetreuungsstelle
Rechtspfleger Herr Tschök
Zimmer 0.018
Zeugenentschädigungsstelle
Urkundsbeamte Frau Richter
Zimmer 1.015
09599 Freiberg
Heinrich-Heine-Straße 15
Tel.: 03731 – 3589-210 (oder 115)
09599 Freiberg
Heinrich-Heine-Straße 15
Tel.: 03731 – 3589-216
(Soweit diese Rufnummern nicht erreichbar sind, wählen Sie bitte 03731 – 3589-0 zur Vermittlung in
die zuständige Geschäftsstelle).
Opfer von Straftaten und deren Angehörige können sich auch an verschiedene
Einrichtungen der Opferhilfe wenden. Dort erhalten Sie Informationen über Ihre Rechte als
Opfer einer Straftat, zur Anzeigenerstattung und zum Gerichtsverfahren, psychosoziale
Beratung und Begleitung zu Zeugenaussagen, Anwälten und Gerichtsverhandlungen.
Opferhilfe Sachsen e.V.
Beratungsstelle Chemnitz
Weststraße 88
09116 Chemnitz
Tel.: 0371 – 433 1698
Opferhilfe Sachsen e.V.
Beratungsstelle Dresden
Heinrichstraße 12
01097 Dresden
Tel.: 0351 – 801 0139
Weißer Ring e.V.
Außenstelle Chemnitz
Kaßbergstraße 36
09112 Chemnitz
Tel.: 0371 – 354 2314
Weißer Ring e.V.
Außenstelle Dresden
Wittenstraße 2
01219 Dresden
Tel.: 0151 – 55164621
Weitere Kontaktanschriften entnehmen Sie bitte der Informationsschrift „Sächsische Ein-
richtungen der Opferhilfe“, herausgegeben vom Sächsischen Staatsministerium der Justiz.
Bei der Abrechnung der Zeugenentschädigung sind zwingend Ihre Kontoangaben im
SEPA-Verfahren notwendig (IBAN-Kontonummer und BIC-Bankleitzahl).