image
image
Abteilung 2, Ref. 23 - Ländliche Entwicklung
August-Böckstiegel-Str. 1, 01326 Dresden
Internet:
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
Bearbeiterin:
Dr. Ulrike Schumacher
E-Mail:
Angela.Kunz@smul.sachsen.de
Tel.:
0351 2612-2300; Fax: 0351 2612-2399
Redaktionsschluss: 09.12.2010
Gemeinsam anpacken
Ländliche Entwicklung braucht engagierte Menschen - Beispiele aus Sachsen

2
1.
Ziel und Herangehensweise .......................................................................................................... 3
2.
Was, wie, wo? – Steckbriefe der Projekte..................................................................................... 4
2.1
Leitbildentwicklung in Augustusburg – Wegweiser fürs Handeln................................. 4
2.2
Regionale Wertschöpfung und neue Beteiligungsmodelle – ein Nahwärmenetz für
Burkersdorf ......................................................................................................................... 6
2.3
Bürgergutachten in Erlbach (Vogtland)............................................................................ 9
2.4
Kirchliche Jugendarbeit auf neuen Wegen – das Projekt „imagine“ in Großgrabe .. 12
2.5
Der Hainewalder Kulturverein e. V. – im Verbund mit der Gemeinde den Ort
gestalten.............................................................................................................................. 15
2.6
Den demografischen Wandel gestalten – Hohnstein in der Sächsischen Schweiz....... 18
2.7
Förderverein „Kinder in Langenweißbach e. V.“ – sich verbünden zum Wohl der
Jüngsten ............................................................................................................................. 22
2.8
Lastau auf dem Weg: Viel geschafft und noch viel vor!................................................ 25
2.9
Erste Bürgersolaranlage in Lengefeld (Erzgebirge)....................................................... 27
2.10
Sanierung und Wiederbelebung des Erbgerichts in Reinhardtsgrimma..................... 29
2.11
Abriss und Neugestaltung in Reitzenhain (Erzgebirge)................................................. 32
2.12
„20 Jahre Wiedergeburt Sausedlitz“ – Dorfbewohner spielen ihre Geschichte.......... 35
3.
Essenzen und Schlussfolgerungen ............................................................................................. 38
3.1
Organisationsformen und Methoden der Bürgerbeteiligung........................................ 38
3.2
Menschliche Drehscheiben................................................................................................ 39
3.3
Wege der Finanzierung ..................................................................................................... 40
3.4
Lernen vor Ort................................................................................................................... 41
3.5
Hürden und Stolpersteine ................................................................................................. 42
3.6
Bürgerwillen und Förderprogramme zusammen bringen ............................................ 43
4.
Weiterführende Informationen...................................................................................................45
Literatur................................................................................................................................................ 46

3
1.
Ziel und Herangehensweise
Dieser Beitrag stellt gemeinschaftliche Aktivitäten in ländlichen Räumen Sachsens vor.
1
Im
Blickpunkt steht das gemeinsame Anpacken von Alt und Jung, von Vereinen und unter-
schiedlichen Partnern. Gezeigt wird das Engagement von Menschen, die gemeinsam Neues
aufgebaut haben.
Leitende Fragen waren:
Wie lassen sich gemeinsame Vorhaben im Dorf anpacken? Was kann man wie erreichen?
Welche Organisationsformen haben sich bewährt?
Wie sehen tragfähige Lösungen aus? Wie schafft man es, kritische Punkte zu überwinden?
Wurden die Interessen aller erfasst?
Wie werden die Menschen zum Mitmachen befähigt?
Warum diese Sammlung von Beispielen? Die Broschüre soll Geleistetes sichtbar machen
und als Anregung für die Praxis dienen. In den vorgestellten Projekten wurden wertvolle
Erfahrungen gemacht, die auch an anderen Orten und in anderen Zusammenhängen hilf-
reich sein könnten. Die „Macher“ stehen als Ansprechpartner bereit, hierzu sind ihre Kon-
taktdaten benannt.
Zum Aufbau: Zunächst werden in Kapitel 2 die zwölf Beispiele steckbriefartig vorgestellt:
Was ist passiert und wie ist man vorgegangen? Was sind die Ergebnisse und vor welchen
Herausforderungen steht man? Kapitel 3 fasst Essenzen im Hinblick auf die obigen Leitfra-
gen zusammen. Kapitel 4 bietet weiterführende Informationen, die beim Aufbau von Projek-
ten hilfreich sein könnten. Dies sind Hinweise zu Förderprogrammen, Fortbildungsreihen
oder guten Beispielen aus Deutschland und Europa.
Zur methodischen Vorgehensweise: Wie kam das Material zustande? Die Beispiele wurden
nach und nach auf der Grundlage von Internetrecherchen, Zeitungsartikeln und Empfehlun-
gen von Praxispartnern ausgewählt und die Projekte aufgesucht. Es wurden Interviews mit
den Projektverantwortlichen geführt; das Material wurde daraufhin ausgewertet und syste-
matisiert. Es sollte sich um Vorhaben handeln, bei denen viele Beteiligte zusammen wirken
und einen Fortschritt für den Ort erzielen. Es handelt sich damit einerseits um Leuchttürme.
Andererseits könnte die Beispielsammlung fortgesetzt werden, da an vielen Orten Projekte
angeschoben werden. Wiederum an anderen Orten hakt es vielleicht noch und Probleme
blockieren die weitere Entwicklung. In diesem Fall soll das Material ermutigen, dass es - neu
oder anders gedacht – doch gehen könnte.
1
Herzlicher Dank gilt den Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern, die Einblick in ihre tägliche Arbeit
gaben und ohne die das Material nicht zustande gekommen wäre. Der Fachbeitrag ist in einem partizipativen
Schreibprozess entstanden und wurde mit den Gesprächspartnern abgestimmt – sie hatten das letzte Wort.

image
4
2.
Was, wie, wo? – Steckbriefe der Projekte
2.1
Leitbildentwicklung in Augustusburg – Wegweiser fürs Handeln
Was
Die Stadt Augustusburg liegt unweit des Chem-
nitzer Ballungsgebietes auf einem Höhenrücken
zwischen den Tälern der Zschopau und der
Flöha und zählt mit ihren Ortsteilen Grünberg,
Erdmannsdorf, Kunnersdorf und Hennersdorf
rund 4.900 Einwohner. Im Jahre 2006 wurde ein
Leitbildprozess angestoßen, um Visionen für die
Zukunft der Stadt zu entwickeln und das Ge-
meinschaftsgefühl zwischen Stadt und Ortsteilen
zu befördern. Mit dem Leitbild sollen die Einwohner motiviert werden, vorhandene Potenziale
zu erhalten, zu pflegen, zu schützen und zu entwickeln und neue Möglichkeiten zu erschlie-
ßen. Die treibende Kraft zur Leitbildentwicklung ging von der Stadtverwaltung aus. Ange-
sichts wirtschaftlicher Trends und „der Konkurrenz von Regionen, Städten und Gemeinden
um Menschen, Wissens- und Kultureinrichtungen und Unternehmen“ (Stadtverwaltung Au-
gustusburg 2008) gilt es, Augustusburg als modernen Standort und Lebensraum zu profilie-
ren. Besonders unter dem Aspekt der demografischen Entwicklung sind daher auch „beste-
hende Strukturen auf den Prüfstand zu stellen“. Die Phase der Erarbeitung wurde 2008
abgeschlossen und das Leitbild wurde vom Stadtrat als Arbeitsgrundlage bestätigt. Seitdem
wird daran gearbeitet, die entwickelten Maßnahmen nach und nach umzusetzen.
Wie
Über 80 Bürgerinnen und Bürger wirkten in sechs Arbeitsgruppen und einer Koordinierungs-
gruppe an der Erarbeitung des Leitbilds mit. Ausgehend von einer Stärken-Schwächen-
Analyse wurde eine Agentur mit der weiteren Koordinierung beauftragt. Sie begleitete die
Beteiligten auf dem Weg der Beratungen, Abstimmungen und beim Verfassen von Ideen
und Entwürfen. Die Anregungen der Bürgerinnen und Bürger wurden in den Arbeitsgruppen
diskutiert und, wenn möglich, in das Leitbild übernommen. Dieses wurde als Broschüre an
alle Haushalte verteilt und soll seitdem zur Mitarbeit animieren: Der Prozess geht mit der
Umsetzung der Maßnahmen weiter. Es gilt, weiter ein Bewusstsein zu schaffen oder wach
zu halten, dass jeder aufgefordert ist, sich einzubringen. Die Bürgermeisterin Evelyn Jugelt
möchte noch stärker ein Umdenken hin zu Eigeninitiative fördern. Die Rolle der Stadtverwal-
tung sieht sie zukünftig verstärkt darin zu helfen, zu koordinieren und zu moderieren und
nicht darin,
„sich jedes Thema selbst auf den Tisch (zu) ziehen“.
Bürger mit Ideen werden
angeregt, diese auch zu Papier zu bringen, damit man sie diskutieren kann. Wichtig sind
umsetzbare, realistische Konzepte.
Stadt Augustusburg

image
image
5
Ergebnisse
Das Leitbild selbst ist ein wichtiges Ergebnis der gemein-
samen Arbeit. Mit den Arbeitsgruppen wurden neue Or-
ganisationsformen für die inhaltliche Auseinandersetzung
und Verständigung geschaffen. Einige der Arbeitsgruppen
sind momentan noch aktiv, andere ruhen oder sind der
Nährboden für neue Initiativen. So hat sich jüngst der „Verein zur Kulturförderung Augustus-
burg e. V.“ gegründet. Dessen wichtigstes Ziel ist es, die Altstadt von Augustusburg zu
beleben. Lösungen für leer stehende Ladenlokale und Gewerberäume im Bereich des
Marktplatzes sollen entwickelt werden. Daneben will der Verein auch Anlaufstelle für alle
sein, die Ideen oder Beschwerden haben. Der Informationsfluss soll gebündelt werden, und
man möchte sich gegenseitig bei der Durchführung von Initiativen helfen. Die Ausstellungs-
aktion „Marktbelebung“ im Sommer 2010 war eine der ersten öffentlich sichtbaren Aktivitäten
des Vereins. Ein weiteres Ergebnis ist der Gewerbestammtisch in Erdmannsdorf oder der
Kulturstammtisch, der zu aktuellen Themen berät, aber auch Studiokino anbietet oder Ver-
anstaltungen organisiert. Durch die Erstellung eines kommunalen Branchenverzeichnisses
haben die Menschen eine bessere Kenntnis der lokalen Anbieter und können deren Dienst-
leistungen und Produkte in Zukunft stärker nutzen.
Herausforderung
Die Umsetzung ist ein langfristiger Prozess in vielen Schritten, und die Bürgermeisterin ist
optimistisch, dass Augustusburg auf einem guten Weg ist. Eine der Kernfragen bleibt für sie,
wie man den Bürger erreichen kann, das heißt ihn anspricht, motiviert und einbindet. Dabei
sollten die Grenzen des Machbaren im Blick bleiben:
„Was ist das Maß für bürgerschaftli-
ches Engagement? Können, wollen, sollen alle?“ (Evelyn Jugelt)
Es geht auch in Zukunft darum, die Menschen für die demo-
grafische Entwicklung zu sensibilisieren. Die Integration der
Ortsteile soll weiter gefördert werden, hierzu dient u. a. das
Logo, das im Leitbildprozess geschaffen wurde und die
Ortsteile im Verbund zeigt. Im Hinblick auf die Umsetzung der
Ziele und Maßnahmen ist für Ende 2010 eine Bewertung
vorgesehen. Hier soll öffentlich thematisiert werden: Wo
stehen wir? Was haben wir erreicht? Wie geht es weiter?
Kontakt:
Stadtverwaltung Augustusburg
Evelyn Jugelt
Tel.: 037291-395-0
E-Mail:
stadt@augustusburg.de
Internet:
http://www.augustusburg.de/
Der Neugeborenenempfang
ist in der Stadt Augustus-
burg zu einer guten Traditi-
on geworden.

6
2.2
Regionale Wertschöpfung und neue Beteiligungsmodelle – ein Nahwär-
menetz für Burkersdorf
Was
Im Frauensteiner Ortsteil Burkersdorf (Erzgebirge) engagiert sich seit 2003 ein Ortsverein,
um satzungsgemäß die Lebensbedingungen im Ort zu verbessern und an der Umsetzung
der Ortsentwicklungskonzeption mitzuwirken.
Ein wichtiges aktuelles Vorhaben ist es, die Wärmeversorgung im Ort zu optimieren und neu
zu organisieren. Die Inspiration hierzu kam durch die Teilnahme eines Bürgers von Burkers-
dorf an einer Exkursion in das Bioenergiedorf Jühnde, wo Hinweise zur Nutzung örtlicher
Ressourcen aufgegriffen wurden. Unter Führung des Burkersdorfer Ortsvereins e. V. soll
vorhandenes Biogas in Burkersdorf effektiver genutzt und ein Nahwärme- und Mikrogasnetz
aufgebaut werden. Neben einer preisgünstigen Wärmeversorgung ist es das Ziel, zusätzli-
che Arbeitsplätze zu schaffen und die Standortattraktivität zu erhöhen: Mit dem Vorhaben
würden die Wohnnebenkosten verringert. Es würde sich zudem um eine Modelllösung han-
deln, da Burkersdorf ein Straßendorf mit großen Höhenunterschieden ist und vergleichbare
Erfahrungen bundesweit noch nicht vorliegen.
Wie
Die Schweineproduktion Burkersdorf GmbH und die Agrargenossenschaft „Burgberg e. G.“
betreiben im Ort bereits zwei Biogasanlagen. Außerdem soll eine dritte Anlage im Kompos-
tierwerk auf der Basis der Trockenfermentation entstehen, wodurch der gesamte Wärmebe-
darf des Dorfes gedeckt werden könnte. Um diese Anlagen herum ist durch Initiative und
stetes Bemühen des Ortsvereins ein Partnerschaftsmodell entstanden, mit dem das Vorha-
ben umgesetzt werden soll: Die Anlagenbetreiber, der Ortsverein, technische Dienstleister,
ein wissenschaftliches Institut, eine Rechtsanwaltskanzlei und die Stadtverwaltung Frauen-
stein bilden ein Konsortium mit verteilten Aufgaben. Aufbauen kann man auf einer Machbar-
keitsstudie, die bereits im Vorfeld erstellt wurde. Die Bevölkerung wurde durch eine Einwoh-
nerversammlung informiert und mittels einer Bedarfsabfrage um Mitwirkung gebeten. Kürz-
lich wurde ein Antrag zur Förderung auf Grundlage der Förderrichtlinie „Demografie“ der
Sächsischen Staatskanzlei bei der Sächsischen Aufbaubank eingereicht. Man hofft, bei
positivem Bescheid auf dieser Grundlage in die Umsetzung gehen zu können. Dann soll
auch ein Betreibermodell, z. B. eine Genossenschaft konzipiert und die Voraussetzungen zu
deren Gründung geschaffen werden.
Ein wichtiger Motor des Vorhabens ist Dr. Wulf Kühne, der in seiner früheren Berufstätigkeit
in der Gastechnik tätig war. Nun bringt er sein berufliches Können und seinen Erfahrungs-
schatz im Rahmen des Vereins ein. Damit bildet er eine „Schnittstelle“ zwischen Fachlichkeit
und der Bürgerschaft, indem er das Vorhaben vor Ort kommuniziert und allgemeinverständ-
lich erläutert. Als Senior-Experte wird Wulf Kühne neben dem Fachinstitut das Controlling
des Gesamtprozesses mit übernehmen. Außerdem moderiert er eine Arbeitsgruppe, in die
alle Beteiligten integriert sind und die das Vorhaben über die gesamte Laufzeit begleiten soll.

image
7
Vorgesehen ist, aufgrund des Modellcharakters auch Forschungsfragen zu benennen und
die Erkenntnisse für die Allgemeinheit aufzubereiten.
Standorte der Biogasanlagen (
) und theoretisch angenommener Nahwärme- (
)
und Mikrogasnetzverlauf (
) mit Nahwärmenetz (
) sowie schematisch dargestellte
(Mini-)BHKW-Standorte ( ) in Burkersdorf
Schematische Darstellung eines zukünftigen kombinierten Mikrogas- und Nahwärmenetzes
unter Nutzung der vorhandenen örtlichen Ressourcen

image
8
Ergebnisse
Durch die stete Öffentlichkeitsarbeit hat man eine Aufgeschlossenheit in der Bevölkerung
erreicht, zumal viele Bewohner vor notwendigen neuen Investitionen in ihre Heizanlagen
stehen. Mit dem Vorhaben wurde für die Energiethematik sensibilisiert und es wurden Zu-
sammenhänge zur demografischen Entwicklung deutlich gemacht: Moderne Infrastruktur,
regionale Wertschöpfung und die Lebenshaltungskosten/Lebensqualität stehen in engem
Verhältnis. Mit dem Konsortium entsteht eine neue Art Partnerschaft, die unterschiedliche
Kräfte bündelt. Es handelt sich um ein Modell, in dem Bürgerschaft, Unternehmen und
Kommunalverwaltung gemeinsam wirken. Zum Projektende soll die Planung für das Mikro-
gas- und Nahwärmenetz für Burkersdorf einschließlich aller rechtlichen und wirtschaftlichen
Fragen abgeschlossen und die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen für die
praktische Umsetzung geschaffen sein.
Herausforderung
Das Modell des Konsortiums ist komplex und die Koordination der gemeinsamen Arbeit eine
anspruchsvolle Aufgabe. Dabei ist darauf zu achten, dass die Aufgabenteilung logistisch gut
vorbereitet und aufeinander abgestimmt ist.
Kontakt:
Burkersdorfer Ortsverein e. V.
Ronny Bluth / Dr. Wulf Kühne
Tel.: 09623/7142
E-Mail: wulf.kuehne@t-online.de
Dr. Wulf Kühne

9
2.3
Bürgergutachten in Erlbach (Vogtland)
Was
In der rund 1800 Einwohner zählenden Gemeinde Erlbach im Vogtland wurde 2007 ein
Bürgergutachten durchgeführt. Dieses fand parallel zu einem Bürgergutachten im hessi-
schen Battenberg statt. Die Prozesse waren in eine sächsisch-hessische „Demografie-
Partnerschaft“ eingebettet, die von beiden Ländern ins Leben gerufen wurde. Mit dieser
Form der Bürgerbeteiligung sollten die Bewohner angeregt werden, sich mit den Folgen des
demografischen Wandels auseinander zu setzen und Ideen für mehr Lebensqualität zu
entwickeln. Seit dem 01. April 2009 baut eine Projektstelle auf den Ergebnissen des Gutach-
tens auf. Sie wird im Rahmen der Förderrichtlinie „Demografie“ der Sächsischen Staatskanz-
lei gefördert und von Kerstin Echtner und ihrer Kollegin Manuela Wolfram ausgefüllt. Beide
sind zeitlich befristet bei der Gemeindeverwaltung angestellt und die zentralen Ansprech-
partnerinnen für die örtlichen Vereine. Die weitere, auch touristische Entwicklung des Ortes
ist in vollem Gang. Hierzu gehört, dass Angebote und Strukturen, z. B. im Bereich der Mobi-
lität, an veränderte Bedarfe angepasst werden.
Wie
Die Erlbacher Bürgergutachter wurden mittels einer Zufallsauswahl gefunden. Koordiniert
durch die komet empirica GmbH wurden Handlungsfelder wie z. B. Dorfgemein-
schaft/Tourismus/Wirtschaft, Gesundheit, Familien/Kinder/Jugendliche oder Mobilität be-
nannt und Projektideen erarbeitet. Die Erfahrungen und Ergebnisse dieses Prozesses sind
im Internet abrufbar.
Die Ergebnisse dienen seitdem als Richtschnur und Kompass. Die ins Gutachten einbezo-
genen Bürger sind weiterhin ansprechbar, wenn Aktuelles anliegt, einige fragen von sich
aus, ob etwas ansteht und zu tun sei. Im Zuge ihrer Tätigkeit hat Kerstin Echtner ein beson-
deres Gespür für demografiebedingte Bedarfe in der Bevölkerung entwickelt. Bei ihr laufen
Informationen zusammen und werden Termine, z. B. Facharztbesuche von Senioren und
Fahrtzeiten des Bürgerbusses, gebündelt und aufeinander abgestimmt. Sie, wie auch der
Bürgermeister Klaus Herold leiten die Bedarfe aus vielen Gesprächen mit den Menschen vor
Ort ab. Der im Gutachten erarbeitete Maßnahmenkatalog wird nicht „stur“ verfolgt, sondern
man behält sich die nötige Flexibilität vor.
So wird z. B. die dort gewünschte „Steuerungsgruppe“ von Kerstin Echtner und ihrer Kollegin
als eine Anlauf- und Koordinierungsstelle für alle Vereine des Ortes, mit Sitz im Gemeinde-
amt, gebildet. Man versteht sich, gemeinsam mit Vereinsvertretern und weiteren Aktiven, als
ein Bürgerverein - wegen des zeitlichen Aufwands hat man aber davon abgesehen, einen
eingetragenen Verein zu gründen. Mit Blick auf das Gutachten geht es darum,
„überhaupt
was daraus zu machen“ (Bürgermeister Klaus Herold):
Gut sei,
dass
die Sachen angestoßen
wurden - man sieht sich auf einem langfristigen Weg.

image
10
Ergebnisse
Als ein Ergebnis des Gutachtens wurde die Koordinierungsstelle eingerichtet. Sie ist eine
strukturelle Neuerung in der Gemeindeverwaltung. Um die Mobilität nicht mobiler Bewohner
zu verbessern, wurde der Bürgerbus angeschafft. Er versteht sich als ein Fahrdienst für die
Bürger und wird vorrangig von Kerstin Echtner gefahren. Der Bus bringt ältere Mitbürger an
ausgewählten Tagen zum Einkaufen oder zu Arztbesuchen in die nächstgrößere Stadt Mark-
neukirchen. Daneben wird er zunehmend für Fahrten der Kindertagesstätte, des Hortes oder
der Grundschule (Kino, Freizeiteinrichtungen) und der in Vereinen organisierten Jugend in
Anspruch genommen: Die örtlichen Jungfußballer haben sich mit anderen Orten zu einer
Jugendmannschaft zusammengeschlossen und werden einmal wöchentlich zum Training
nach Schöneck gefahren. Damit sind sie ein Stück weit unabhängiger von den Eltern, die
den Fahrdienst auch aus beruflichen Gründen schwer organisieren können. Anfängliche
Unstimmigkeiten mit dem regionalen Ver-
kehrsträger konnten ausgeräumt werden, da
man die Fahrzeiten mit dessen Fahrplan
abgestimmt hat und nicht „auf Konkurrenz“
fährt. Der Betrieb ist nicht kostendeckend,
man versteht ihn aber als eine kommunale
Verpflichtung gegenüber der weniger mobilen
Bevölkerung. Als ein drängendes Problem
wurde im Gutachten die medizinische Versor-
gung benannt – dieses wurde entschärft, da
mittlerweile durch das Medizinische Versor-
gungszentrum Schöneck Sprechstunden im
Ärztehaus Erlbach abgehalten werden.
Als ein weiteres Ergebnis wurde eine Konzeption erarbeitet, um den alten Gasthof in der
Erlbacher Ortsmitte zu sanieren und wieder zu nutzen. Es soll ein lebendiges Dorfgemein-
schaftshaus entstehen, das unterschiedliche Angebote und Räumlichkeiten für Jung und Alt,
für Erlbacher und Touristen beherbergt. Nutzungsideen gibt es viele, so steht bspw. eine
Bibliothekarin im Ruhestand bereit, um das geplante Bibliotheks- und Lesezimmer zu betreu-
en. Bei diesem Projekt braucht es einen langen Atem, bis die für die Sanierung nötigen
Gelder aufgetrieben sind, aber
„alle Wünsche könnten in diesem Haus erfüllt werden“ (Klaus
Herold).
Insgesamt wurden das Gutachten und die Folgeaktivitäten bei der Bevölkerung zu 90 %
positiv aufgenommen, so eine Einschätzung des Bürgermeisters Klaus Herold. Die Erlba-
cher seien stolz, dass die angeregten Sachen auch gekommen sind und dass wichtige
Anliegen wie die Sicherung der medizinischen Versorgung gelöst wurden.
Kerstin Echtner und die Erlbacher Ju-
gendfußballmannschaft auf dem Weg
zum Training

image
11
Herausforderungen
Erlbach steht kurz vor der Anerkennung als Luftkurort. Die geplante Umnutzung des Gast-
hofs ist ein besonderes Anliegen von Gemeindeverwaltung und Bevölkerung, um den Dorf-
mittelpunkt zu beleben und Angebote zu bündeln. Vorgesehen sind Seminare und Vorträge
zum Thema Gesundheit und Ernährung, die gut zur ausgeprägten Wanderkultur in der
Region passen würden. Kerstin Echtner rechnet am ehesten in der regionalen Gesundheits-
und Wellnessbranche mit Arbeitsplätzen, die jungen Menschen eine Perspektive bieten
können. Der Bürgerbus wird bereits gut und
könnte noch besser angenommen werden:
Demnächst wird ein vertiefter Einstieg (zusätzli-
che Treppe) angebaut, um auch Gehbehinder-
ten den Zugang zu ermöglichen und somit die
Nutzergruppe zu erweitern. Zu der Gemeinde
Battenberg gibt es derzeit keinen Kontakt. Die-
ser könnte aber von Seiten Erlbachs gerne
wieder aktiviert werden, denn dadurch könnte
man noch mehr von den jeweiligen Vorgehens-
weisen und Erfahrungen lernen.
Die Vereine sind nach Einschätzung von Kerstin Echtner begeistert, dass nun an zentraler
Stelle die Vernetzungsarbeit geleistet wird. Um diese weiter zu entwickeln, soll im nächsten
Schritt aus dem Bürgerverein ein Bürgerbüro werden, als eine Koordinierungs- und Kontakt-
stelle für alle Einwohner für demografische Fragen und Probleme. Ende September 2010
wurde ein neues Projekt im Rahmen der Förderrichtlinie „Demografie“ für 2011/2012 einge-
reicht. Wichtig ist, dass die demografischen Aufgaben weiterhin abgedeckt werden und auf
mehreren Schultern ruhen.
Kontakt:
Gemeinde Erlbach
Klaus Herold, Kerstin Echtner
Tel.: 037422-6225
E-Mail: info@erlbach-vogtland.de
Internet:
www.erlbach-vogtland.de
http://www.demografie.sachsen.de/5443.htm
33-Std-Aktion - Kinderheim Tannenmühle

12
2.4
Kirchliche Jugendarbeit auf neuen Wegen – das Projekt „imagine“ in
Großgrabe
Was
Großgrabe ist ein landwirtschaftlich geprägter Ortsteil der Stadt Bernsdorf mit ca. 310 Ein-
wohnern. Seit dem Jahr 2000, einhergehend mit der Neubesetzung der Pfarrstelle, sind
neue Akzente im kirchlichen Gemeindeleben gesetzt worden. Besonders 2003 wurde zu
einem Jahr der Umorientierung, im Zuge einer „Zeltmission“, eines religiösen Camps zum
Thema „Sinnvoll leben“. Dort gestalteten Jugendliche selbständig eine Jugendwoche unter
dem Motto „imagine“, welches meint: „Stell dir vor – fang’ an zu träumen: was wäre wenn?
Trau dich, auszuprobieren, du kannst deine Realität verändern!“ Ausgehend von diesem
Event wurde die kirchliche Jugendarbeit in Großgrabe zu neuem Leben erweckt und trägt
seitdem den Namen „imagine“:
„Am Ende des Camps war das Zelt weg, aber eine begeisterte Schar motivierter Menschen
da, die weitermachen wollten. Die Innovationen bei der Jugend drängten und brauchten
Raum.“ (Pfarrer Gerald Brause).
Wie
In der Kirchgemeinde war eine Zehnten-Kasse vorhanden, da man im Jahre 2000 begonnen
hatte, durch das freiwillige Geben eines „Zehnten“ ein unabhängiges Budget zu gründen.
Nach drei Jahren Sammlung war eine Summe von 20.000 € vorhanden. Dieser „Platzhalter“
wurde genutzt, um zwei rein spendenfinanzierte Teilzeitstellen einzurichten.
„Die Hauptfinanzierung der Teilzeitstellen gelang, da sehr viele (v. a. junge) Menschen be-
geistert waren, leidenschaftlich dabei waren, ihre Begabungen, Talente, Zeit, Geld einsetz-
ten - keine Handvoll Leute mit großen Beträgen, sondern viele, die regelmäßig einen Teil
ihrer Einnahmen spendeten.“ (Matthias Dobutowitsch)
Der jetzige Jugendleiter und gelernte Holzbildhauer Matthias Dobutowitsch kam damals aus
dem Schwarzwald nach Großgrabe, weil eines der Gemeindemitglieder ihn angefragt hatte.
Mittlerweile ist er auf einer unbefristeten Stelle tätig -
„solange die Spenden fließen, d. h. die
Arbeit für gut befunden wird.“
Viele Bereiche wurden seit 2003 für neue Formen und die Wünsche der Jugendlichen geöff-
net – die Kirche wurde mit Kinosesseln bestuhlt, Musik und eine Atmosphäre zum Wohlfüh-
len sind wichtig. Die unterschiedlichen Veranstaltungen werden in Kleingruppen, den Krea-
tivteams, vorbereitet. Alle zwei Wochen findet, im Wechsel mit dem regulären Gottesdienst,
der von den Jungen gestaltete Gottesdienst „Prisma“ statt. Am wöchentlichen Jugendabend
„Input“ nehmen 60-80 junge Menschen teil. Die vorbereitenden Teams werden ehrenamtlich
jeweils durch Leiter und Co-Leiter (meistens ältere Jugendliche) moderiert. Die Leiter erhal-
ten regelmäßige Schulungen und stehen mit Matthias Dobutowitsch in engem Kontakt.
„Diese Arbeit in kleinen Zellen ist bewusst gewählt, gegen das Untergehen des Einzelnen,
Anonymität und für das persönliche Wachstum.“ (Matthias Dobutowitsch)

13
Seit 2009 werden außerdem Gemeindeurlaube mit rund 50 Teilnehmern durchgeführt.
Großgraber aller Altersgruppen sind dabei, Senioren, Kinder und Jugendliche, die mittlere
Altersgruppe und junge Eltern. Nach zögerlicher Anmeldung und skeptischen Fragen im
Vorfeld hat die Aktion dann
„eingeschlagen“. Die
gemeinsame Zeit wurde sehr positiv erlebt.
Ein weiteres Angebot sind Englisch-Sprachcamps mit ebenfalls großem Zuspruch. Mit dem
2007 gegründeten Förderverein „imagine e. V.“ wird die Arbeit strukturell unterstützt.
Wirkungen
Mit dem Projekt „imagine03“ haben sich Kirche und Gemeindearbeit in Großgrabe erneuert,
kam
„neues Leben in schlaffe Haut“ (Gerald Brause).
Die Kirche ist zum Gottesdienst „Pris-
ma“ voll, alle Altersgruppen
„von 0-100“
finden sich ein. Es kommen Leute mit
„null kirchli-
chem Hintergrund“
und aus der gesamten Region.
Die jungen Leute in Leitungsfunktionen haben sich nach Ansicht von Gerald Brause und
Matthias Dobutowitsch verändert und sind an ihren Aufgaben gewachsen:
„Sie lernen fürs
Leben und viele der Prozesse lassen reifen, z. B. das gemeinsame Arbeiten im Team, das
Übernehmen von Verantwortung für sich selbst und Andere, das Erleben, dass der Einzelne
wichtig ist und einen Unterschied machen kann, die Vorbereitung der Veranstaltungen oder
die geistliche Moderation der Gottesdienste und das Beten mit der Gemeinde.“
Die Leiter der
Kreativgruppen erfahren die regelmäßigen Schulungen und die leitende Tätigkeit als ge-
winnbringend, da sie viele „Basics“ lernen, die ihnen auch im späteren (Berufs)Leben zugute
kommen.
Die Akzeptanz im Dorf entwickelt sich Schritt für Schritt und war nicht von Anfang an gege-
ben. Verkehrsaufkommen und die Lärmkulisse bei musikalischen Veranstaltungen waren
Steine des Anstoßes für die ansässige Bevölkerung. Durch ein positives Medienecho und
außerplanmäßige Begegnungen, z. B. während des Public Viewing bei der Weltmeister-
schaft, wendet sich die Einstellung zum Positiven. Auch der Ortschaftsrat weiß mittlerweile
die Belebung zu schätzen.
Für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Projektarbeit ein wichtiges Bindeglied
zur Region. Von Seiten der Kirchgemeinde möchte man niemanden ketten und die jungen
Menschen sollen sich frei fühlen, zu gehen. Die Projektarbeit wird von einigen aber durchaus
als Grund angesehen, zurückzukommen - somit ist sie
„ein Standortfaktor wie Schule oder
Arzt“.
Einige der aktivsten Mitwirkenden sind nach Jahren in München oder Berlin in die
Region zurück gekehrt.
Herausforderungen
Auch die Kirchgemeinde Großgrabe/Oßling hat die Begleiterscheinungen der demografi-
schen Entwicklung zu bewältigen. Wegen des Wegzugsdrucks möchte man Kinder und
Jugendliche früh in die Gemeinde einbeziehen. Eine Gesamtgemeinde für Jung und Alt ist
das Ziel. Mit der Arbeit möchte man auch eine neue Kultur in der Region schaffen, Werte
und Sinn vermitteln.

14
Kontakt:
Projekt „imagine“ / Kirchgemeinde Oßling-Großgrabe
Matthias Dobutowitsch / Pfarrer Gerald Brause / Maria Lehmann
Tel.: 035797-709710
E-Mail: info@imagine03.de
Internet:
http://www.imagine03.de

image
15
2.5
Der Hainewalder Kulturverein e. V. – im Verbund mit der Gemeinde den
Ort gestalten
Was
Die rund 1.700 Einwohner zählende Gemeinde Hainewalde liegt im südwestlichen Teil des
Landkreises Görlitz, im Vorland des Zittauer Gebirges und wird von der Mandau durchflos-
sen. Der Hainewalder Kulturverein e. V. ist ein Motor des kulturellen Lebens im Ort und in
der Region. Im Veranstaltungshaus „Roaperradl“ konzentrieren sich die Aktivitäten und
finden Veranstaltungen wie Konzerte, Tanzpartys
oder Kabarett statt. Daneben verfolgt der Verein
weitere Projekte, so wurde z. B. historisches Materi-
al zur regionaltypischen Rosshaarweberei gesam-
melt und ausgestellt. Der Verein widmet sich der
Erhaltung, Pflege und Wiederherstellung historisch
wichtiger Kulturdenkmäler und pflegt die grenzüber-
schreitende Kulturarbeit mit der polnischen Nach-
barregion. Übergreifendes Ziel ist es, durch die
Aktivitäten das Miteinander zu stärken und das
Umfeld lebenswert zu gestalten.
Wie
Von 1996 bis 1999 war Hainewalde ein Programmdorf im Rahmen des Sächsischen Dorf-
entwicklungsprogramms. Damals arbeiteten zwei Bürger an der Dorfentwicklung mit, die
später den Kulturverein gründeten. Mit der Gründung wurde ein Ziel des Programmdorfes
realisiert: der Dorfmittelpunkt wurde durch den Umbau des Kuhstalles und des darüber
liegenden ehemaligen Futterbodens zum Vereins- und Veranstaltungshaus „Zum Roaper-
radl“ neu gestaltet.
Heute zählt der Hainewalder Kulturverein 28 Mitglieder aus allen Berufszweigen und Alters-
klassen; das jüngste Mitglied ist 21 und das älteste 70 Jahre jung. Der „harte Kern“ versam-
melt sich einmal monatlich, um Pläne und aktuelle Vorhaben zu besprechen. Die Mitglieder
wirken entsprechend ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse mit, z. B. das jüngste Mitglied im
PC-/Werbebereich, während der Senior seine internationalen Kontakte einbringt. Der Kultur-
verein stimmt seine Aktivitäten mit der Gemeinde Hainewalde ab. Dies wird dadurch erleich-
tert, dass zwei Vereinsmitglieder im Gemeinderat sind.
Zeitweilig wurde die Idee diskutiert, einen Dachverein für Hainewalde zu gründen, der die
örtlichen Aktivitäten koordiniert. Dieses Vorhaben wird momentan nicht weiter verfolgt, da
nicht alle Vereine darin einen Nutzen sehen oder sie keine Vorrangstellung eines Vereins
wünschen. So haben die lokalen Vereine weiter ihr „Eigenleben“ und es finden v. a. zeitliche
Abstimmungen statt, um Termindopplungen zu vermeiden. Vor allem bei speziellen Anläs-
sen wird zusammengearbeitet. Zeitweilig hat der Verein mit dem Beruflichen Schulzentrum
Zittau kooperiert. Für die Schule war er ein Praxispartner. Die jungen Leute sollten an das
Veranstaltungshaus „Roaperradl“

16
Berufs- und Arbeitsleben herangeführt und mit dem Aufgabenspektrum im Verein vertraut
gemacht werden.
„Das Schulzentrum und der Verein streben eine Zusammenarbeit an, die die Schule in ihrer
pädagogischen Arbeit durch stärkere Realitätsbezüge unterstützt und für Schülerinnen und
Schüler die Beruforientierung und -vorbereitung verbessert. Die Ziele der Kooperation be-
stehen darin, dass Schülerinnen und Schüler die Arbeitswelt des Vereins kennen lernen,
indem mit ihnen gemeinsame Projekte umgesetzt werden, um ein realistisches Bild über
Qualitätsanforderungen entwickeln zu können. Die Schülerinnen und Schüler sollen bei
ihrem Übergang von der Schule zur Ausbildung und Berufstätigkeit unterstützt werden.“
(Auszug aus der Kooperationsvereinbarung)
Die Zusammenarbeit war fruchtbar; so wurde z. B. ein Schülerwettbewerb zur Gestaltung
von Werbeträgern für den Verein durchgeführt – im Gegenzug für die kreativen Ideen erhiel-
ten die Teilnehmenden eine materielle Unterstützung für ihre persönlichen Bewerbungsun-
terlagen. Aufgrund geringer Schülerzahlen und da die beiden Initiatoren auf Seiten des
Vereins mittlerweile verzogen sind, wurde diese Kooperation nicht fortgesetzt.
Ergebnisse
Durch die Sanierung des Vereinshauses wurden der Ortskern von Hainewalde belebt und
Räume für Veranstaltungen und Begegnung geschaffen. Die lokale Identität wird durch
Traditionspflege und die Bewusstmachung der Ortsgeschichte (Rundweg) gestärkt. Der
Verein bereichert das kulturelle Angebot in der Region und wirkt damit über Hainewalde
hinaus.
Herausforderungen
Momentan wird die alte, leerstehende Schule aus Mitteln der ILE zu einem Mehrgeneratio-
nenzentrum umgestaltet. Sie bietet dann Raum für Aktivitäten aller Altersgruppen, sportliche
Betätigungsmöglichkeiten und historische Ausstellungen. Eine weitere Nutzungsidee ist,
dass sich die örtlichen Vereine präsentieren. Hierzu braucht es noch jemanden, der den Hut
aufsetzt und die „Schirmherrschaft“ übernimmt.
Die Eigeninitiative in der Bevölkerung soll nach Meinung des ehrenamtlichen Bürgermeisters
Jürgen Walther weiter angeregt werden: Unternehmerisches Handeln bezieht sich nicht nur
auf Gewerbetreibende, sondern auf alle, die etwas tun wollen. Dabei müsse man nicht
zwangsläufig Mitglied in einem Verein werden, sondern kann auch aktiv sein und helfen,
wenn es gebraucht wird. Das Ehrenamt könne man nicht erzwingen, sondern es müsse von
innen kommen. Erleichtert würde es aber, wenn es mehr Anerkennung erfahren würde, und
ihm nicht mit Misstrauen, z. B. von Seiten des Finanzamtes, begegnet würde.
Andere Herausforderungen in Hainewalde sind allgemeiner Art: hierzu gehört der Umgang
mit Leerstand, wo man auch das Land mit strategischer Hilfestellung und unterstützenden
Maßnahmen in der Pflicht sieht. Leistungen der Verwaltung müssen auch angesichts der
demografischen Entwicklung aufrecht erhalten werden. Ein grundsätzliches Problem ist der
Abwanderungsdruck, dem junge Leute wegen des niedrigen Lohnniveaus in der Region

17
ausgesetzt sind. Durch die vorherrschende Konsumgesellschaft werde die materielle Orien-
tierung (was habe ich, was hat der andere?) noch verstärkt.
Kontakt:
Gemeinde Hainewalde
Jürgen Walther (Bürgermeister)
Tel.: 035841-609911
E-Mail: info@hainewalde.de
Internet:
http://www.hainewalde.de/
Hainewalder Kulturverein e. V.
Maik Opitz
Tel.: 035841-36307
Internet:
http://roaperradl.de/

image
18
2.6
Den demografischen Wandel gestalten – Hohnstein in der Sächsischen
Schweiz
Was
Im Jahr 2006 wurde in Hohnstein (Sächsische Schweiz) ein Leitbild für die zukünftige Ent-
wicklung der Stadt und ihrer zehn Ortsteile erarbeitet. Möglich wurde dies im Rahmen des
Programms Leader+ der Europäischen Union. Ziel war es, „im Miteinander von Gemeinde-
politik, Verwaltung, Vereinen, Bürgerschaft, den Jungen und Alten aller Ortsteile“ die Zukunft
in den Blick zu nehmen. Es wurden Stärken und Schwächen analysiert, Entwicklungsziele
formuliert
und
Maßnahmen
erdacht
(
http://www.hohnstein.de/buerger/pdf-
dateien/Leitbild_Hohnstein_210906.pdf
). Die öffentliche Vorstellung der Ergebnisse wurde
als Auftakt für einen längerfristigen Prozess verstanden, in dem das Leitbild umgesetzt und
realisiert werden soll.
Ende 2008 konnte dann ein neues Projekt zur Gestaltung des demografischen Wandels
starten. Dieses wird im Rahmen der Förderrichtlinie „Demografie“ der Sächsischen Staats-
kanzlei gefördert. Damit konnte man auf dem Vorhandenen „aufsatteln“ und das Begonne-
ne, verstärkt durch eine Personalstelle, fortsetzen. Die junge Ines von Bardeleben hat seit-
dem verschiedene Projekte im Austausch mit Kommunalverwaltung und Bürgerschaft weiter
entwickelt und vorangebracht.
Wie
Wichtig ist ihr, kreative Potenziale in der Bevölkerung zu stärken und familienbejahende
Maßnahmen umzusetzen. Als Handlungsfelder wurden vor allem die Themen Kin-
der/Schule/Hort, Jugend, Senioren und Gemeinschaftliches bearbeitet. Hierzu fanden Tref-
fen mit Gruppen statt, wurden viele Gespräche geführt und Interessen erkundet. Nicht in
allen Bereichen war die Resonanz gleich hoch. So ist zum Beispiel die Betreuung der Senio-
ren in Hohnstein lange durch örtliche Träger eingespielt, daher meldeten sich nur Einzelne,
die um Hilfe bei der Umsetzung von Ideen baten. Bei den Jugendlichen wurden dagegen
konkrete Projekte wie ein Kaminbau im Jugendclub in Angriff genommen. Einzelmaßnah-
men aus dem Leitbild wurden
„abgeklopft“
und so hat sich herausgestellt, dass der Bedarf
nach einem Jugendparlament nicht groß genug war.
Stattdessen ist der Vorschlag entstanden, dass die
Ortschaftsräte 1 x pro Jahr in den Jugendclubs tagen.
Neben der Arbeit mit den „Zielgruppen“ ging es darum,
übergreifende Themen wie den Wohnungsleerstand
bewusster zu machen. Auch die Wohnsituation Älterer
oder das Wohnungsangebot für Lehrlinge standen auf
der Agenda. Die Themenpalette ist breit und es ist eine
Arbeit an vielen Stellschrauben. Rückkopplungen und
Abstimmungen mit der Stadtverwaltung sind nötig, um
gemeinsam die nächstbesten Schritte zu bestimmen.
Ideensuche mit der HTW Dres-
den für das Bad Hohnstein

image
19
Ergebnisse
Etliche positive Dinge sind - im Austausch der Kräfte vieler Partner - entstanden oder wur-
den in Bewegung gesetzt. Dazu gehören u. a.:
-
Der Kulturraum eines Ortsteils wurde in Eigenleistung der Dorfbewohner erneuert; er
brauchte
„frischen Wind“
und war vorher nur unter schwierigen Bedingungen nutzbar.
-
Es wurde mittels einer Befragung und Gebäudeanalyse untersucht, wie altersgerecht die
Wohnungen im kommunalen Bestand sind und ob Ältere in ihnen langfristig wohnen
bleiben können. Handlungsbedarf wurde festgestellt.
-
Der Leerstand bei kommunalen Häusern wurde erfasst.
-
Angeregt durch eine Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dres-
den wurde die Auslastung zweier örtlicher Freibäder untersucht: eins wird in Zukunft im
weiteren Sinne auch für Jugendveranstaltungen genutzt werden und lockt dadurch Besu-
cher aus dem weiteren Umkreis an.
-
In einer altersdurchmischten Gruppe wurde Werbematerial für die Vermarktung von
Hohnstein erstellt (Fotos, Kalender, Postkarten).
-
En Wanderweg wurde eingerichtet, der besonders für Familien geeignet ist.
-
Das Kletterprojekt Hohnstein ist ein gutes Stück vorangekommen und soll, eingebettet in
das Tourismuskonzept und in Übereinstimmung mit den Interessen des Nationalparks,
die touristische Attraktivität Hohnsteins erhöhen und die Lebensqualität verbessern.
-
Die Grundschule erhielt Ganztagsangebote und eine Schülerverpflegung für alle Schüler.
Das Hotel zum hohen Stein wartet auf neues Leben

20
Herausforderungen
Die begonnenen Maßnahmen, wie die altersgerechte Anpassung von Wohnungen oder das
Leerstandsmanagement und eine Vermarktungsstrategie für öffentliche Gebäude sind weiter
zu verfolgen. Als problematisch wird der schlechte Anschluss an den ÖPNV und die geringe
Angebotsvielfalt der örtlichen Läden (Waren des täglichen Bedarfs) benannt. Daher sollen
Anbindungsstrategien betrachtet und nach Möglichkeit ausgebaut werden. Der demografi-
sche Wandel wird in der Wahrnehmung der Bevölkerung von dem Thema Arbeitsplät-
ze/Arbeitslosigkeit überdeckt. Hier besteht momentan ein größerer Leidensdruck, was bei
Einigen die Bereitschaft zur Mitwirkung in örtlichen Belangen hemmt. Sollte das Projekt
fortgesetzt werden können, stehen die folgenden weiteren Schwerpunkte auf der Agenda:
Öffentlich-private Partnerschaften sollen aufgebaut und Spar- sowie Umverteilungspotenzia-
le bei den freiwilligen Aufgaben betrachtet werden. Der Wirtschaftszweig Tourismus soll
weiterhin unterstützt und das Thema Energie betrachtet und mittels konkreter Vorhaben,
So schätzt der Bürgermeister Daniel Brade das Demografieprojekt in Hohnstein ein:
Welche Erwartungen hatten Sie (zu Beginn) an das Demografieprojekt?
Dass Antworten auf die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft gefunden werden in
Form von Handlungsperspektiven; dass der Weg aufgezeigt wird, um die Entwicklung zu meis-
tern und damit umzugehen, dass neue Konzepte für Infrastruktur und Kommunalpolitik entste-
hen. Einfach ein weiter Blick nach vorn und Lösungsansätze zur Vorbereitung auf das vor uns
Liegende.
Welche Rolle spielt(e) der vorangegangene Leitbildprozess?
Eine große Rolle, da unter großer Beteiligung der Bürgerschaft deren Ideen und Sichtweisen auf
und für unser Gemeinwesen dokumentiert worden sind. Man hat einen Weg in der Gemeinde-
entwicklung. Es zeigt aber auch den Spagat der Wünsche der Menschen und des Machbaren in
der örtlichen Politik. Aber wichtig war, dass wir dabei unsere Vor- und Nachteile und unsere
Stärken und Schwächen herausgefunden haben.
Gab es aus Ihrer Sicht Knackpunkte, besondere Herausforderungen im Verlauf des Projekts?
Durch das Projekt wurden unkompliziert die Projekte aus dem Leitbild angefasst. Es wurden auf
einmal Lösungswege aufgezeigt, aber in der Umsetzung ist es dann doch nicht so einfach (Fi-
nanzierung, Mitwirkung der Bürgerschaft). Die Wahrnehmung der Demografie in den Köpfen
der Menschen ist nicht vorhanden, ist ihnen schwer zu vermitteln – man blendet diese Entwick-
lung im persönlichen Umfeld eben gerne aus.
Was hat das Projekt erreicht/gebracht?
Den Bürger, die Stadträte und die Stadtverwaltung einander näher gebracht – die Kommunika-
tion verbessert – neue Bürgerbeteiligung akquiriert – und einige Projekte aus dem Leitbild
verwirklicht oder voran gebracht.
Welche Rolle spielt dabei die Koordinationsstelle?
Eine entscheidende Rolle. Ohne Ansprechpartner und hauptamtliches Personal geht es nicht.
Aus den Beschäftigten der allgemeinen Verwaltung heraus ist diese Aufgabe nicht zu meistern.
Die Fähigkeit zur Kommunikation, zum Querdenken, zur Motivation, zur offensiven Projektar-
beit sollte die Person mitbringen. Wir sind sehr froh mit Frau von Bardeleben die richtige
Koordinatorin gefunden zu haben.

21
z. B. der Bewaldung von Brachflächen, in die Tat umgesetzt werden. Auch an der Umset-
zung des Leitbilds soll weiter gearbeitet werden, in Leitbildwerkstätten und indem jährlich
festgelegte Ziele angestrebt und verwirklicht werden.
Kontakt:
Gemeinde Hohnstein
Demografie-Projekt
Ines von Bardeleben
Tel.: 035975-86823
Internet:
http://www.hohnstein.de

image
22
2.7
Förderverein „Kinder in Langenweißbach e. V.“ – sich verbünden zum
Wohl der Jüngsten
Was
Die Gemeinde Langenweißbach (Landkreis Zwickau) besteht aus den drei Ortsteilen Lan-
genbach, Weißbach und Grünau und zählt rund 2.700 Einwohner. Im Frühling 2008 startete
ein durch die Förderrichtlinie Demografie der Sächsischen Staatskanzlei finanziertes Projekt.
Ziel war es, ein „fachübergreifendes Strategiekonzept zur Bewältigung des extremen demo-
grafischen Umbruchs in der Gemeinde Langenweißbach“ zu erarbeiten. Vorhandene Pla-
nungen sollten zusammen gebracht und neue Projekte entwickelt werden. Wie seitdem ein
Ganztagsangebot (GTA) aufgebaut und der Förderverein „Kinder in Langenweißbach e. V.“
gegründet wurde, wird nun dargestellt.
Wie
In einer Kreativwerkstatt zu Fragen des dörflichen
Miteinanders und der soziokulturellen Infrastruktur in
der Gemeinde wurden die Themen Bildung und Erzie-
hung gleich zu Beginn durch die Einwohner ins Blick-
feld gerückt. Der Erhalt der örtlichen Grundschule
wurde als wichtige Zielsetzung beschrieben. Somit war
ein Aufgabenfeld für die Demografiestudie erschlos-
sen. In einem eigens dazu gebildeten Arbeitskreis
Bildung und Erziehung“ wurden Ansatzpunkte für eine
Verbesserung des Bildungs- und Betreuungsangebo-
tes diskutiert. Neben familienfreundlichen Öffnungszei-
ten der Kitas, wurde auch die Qualität und Organisati-
on der Nachmittagsbetreuung in der Grundschule angesprochen. Dabei ergab sich, dass
von den Fördermöglichkeiten zur Durchführung von Ganztagsangeboten bislang noch nicht
Gebrauch gemacht wurde.
Durch die Demografiestudie gelang es, bestehende Vorbehalte aufzulösen und externe Hilfe
zu organisieren. Aus dem Arbeitskreis „Bildung und Erziehung“ wurde so die Steuerungs-
gruppe GTA, die sich fortan mit der Konzeption des Angebotes und der Antragstellung be-
schäftigte. Vertreter der Kitas, der Schule und der Verwaltung saßen gemeinsam mit Eltern-
vertretern und Vereinsvertretern an einem Tisch und berieten das Wie und Wann, das so
schnell Konturen annahm.
Eine Befragung der Eltern in allen drei Einrichtungen ergab, dass ein solches Angebot ge-
wünscht wurde. Die mit dem Projektmanagement beauftragte Katrin Geißler von der STEG
GmbH gab den Anstoß, bei der Bildungsagentur einen Antrag bereits für das kommende
Schuljahr zu stellen und so auch die Arbeit von zwei GTA-Koordinatoren zu finanzieren. Im
weiteren Verlauf gab es einige Verzögerungen aufgrund bürokratischer Schwierigkeiten,
aber man legte erfolgreich Widerspruch ein, so dass der Antrag letztlich bewilligt wurde.
Aufbau für das erste gemeinsame
Brunnenfest vom Förderverein
und Heimatverein Weißbach

image
23
Zwischenzeitlich hatte man sich auch bei der Sächsischen Bildungsagentur beraten lassen.
Hieran war wohltuend, dass man unterstützt, und nicht etwa
„kaltgestellt“
wurde.
Nach dieser Erfahrung waren die Beteiligten aufgeschlossen, den nächsten Schritt zu ge-
hen: einen gemeinsamen Förderverein der Kindertagesstätten und der Grundschule zu
gründen. Damit soll der Fortbestand der Einrichtungen gesichert und das Miteinander aller
gefördert werden, die vor Ort an der Bildung und Erziehung beteiligt sind. Auch soll der
finanzielle Handlungsspielraum erweitert werden, indem man gemeinsam neue Ressourcen,
z. B. Spenden, erschließt. Katrin Geißler begleitete die Langenweißbacher bei der Vereins-
gründung und gab ihre Erfahrungen dazu weiter. Fragen rund um das Prozedere wurden
geklärt und Vorbehalte ernst genommen: Welche Verantwortung habe ich? Was bringt das
zeitlich mit sich? Wie sehr bin ich gebunden?
„In einer Infoveranstaltung hat sich dann der Nebel um die Sache gelichtet“ (Katrin Geißler).
Es gab einige energische Fürsprecher und die Gründung wurde angegangen. Aufgabenbe-
reiche innerhalb des Vorstands wurden verteilt: Möglichst viele sollen durch die Übertragung
von Aufgaben eingebunden werden. Damit soll der typischen
„Vereinskrankheit“
vorgebeugt
werden, dass
„eine Handvoll für alles Zuständiger“
letztlich überlastet wird. Aus kommunal-
politischer Sicht erschien mit dem Verein ein neuer „Spieler“ auf der Bühne. Der Prozess war
ein Exempel dafür, die Zuständigkeiten mal anders zu organisieren.
Ergebnisse
Das Ganztagsangebot wird nun schon im zweiten Jahr sehr
gut angenommen und bereichert das Freizeitangebot der
Grundschüler. Die Hortbetreuung ist ein wichtiger Bestand-
teil des Konzeptes und ergänzt das abwechslungsreiche
Freizeitangebot.
Wichtig war für die Beteiligten im Rückblick, nicht alles auf
einmal anzugehen. Zunächst wurde das Vorhaben „Ganz-
tagsangebot“ geschultert und man machte die Erfahrung,
dass man den eigenen Willen praktisch umsetzen kann. Die
Schulleitung hat erlebt, dass Mitstreiter an ihrer Seite sind, die Vorhaben mit anschieben und
durchziehen – und sie damit auch entlasten. Mit dem Verein wurde ein Netzwerk geschaffen,
das viele unterschiedliche Kräfte bündelt. Dadurch ist es möglich, den Interessen der Schule
mehr Nachdruck zu verleihen.
Herausforderungen
Zusätzliche Ressourcen sollen gemeinsam beschafft werden. Dann ist transparent und
gemeinschaftlich auszuhandeln, wie die Mittel verwendet werden. Die Schule soll weiter
profiliert und stabilisiert werden, um der Gefahr einer Schließung vorzubeugen.
2. Spielebene am Sandkasten
der Kita Glühwürmchen

24
Kontakt
Förderverein „Kinder in Langenweißbach e. V.“
Annett Richter
Tel.: 037603-8167
E-Mail:
info@kinder-in-langenweissbach.de
http://langenweissbach.ikanet.de/
Katrin Geißler
STEG GmbH
Tel.: 0351–255 180
E-Mail: info@steg.de

25
2.8
Lastau auf dem Weg: Viel geschafft und noch viel vor!
Was
Lastau ist ein rund 250 Einwohner zählendes Straßendorf, das seit 1994 in die mittelsächsi-
sche Stadt Colditz eingemeindet ist. Mit dem Heimatverein Lastau, dem Jugend- und Senio-
renclub Lastau sowie der Kirchgemeinde Colditz-Lastau wird das Dorfleben in Gang gehal-
ten. Mit Mitteln der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) hat der Heimatverein einen
alten leerstehenden Gasthof saniert und zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut. Die
Namensgebung erinnert an das Aktionsprogramm „Mehrgenerationenhäuser“ des Bundes-
familienministeriums, das Haus ist aber unabhängig von diesem entstanden. Es bietet
Räumlichkeiten für Jung und Alt und zusätzliche Freiflächen für Feste und den Freizeitsport.
Wie
Die Gründung des Heimatvereins ging im Jahr 2000 von Jugendlichen und jungen Erwach-
senen aus: Sie nutzten damals zwei Räume im leerstehenden Gasthof und bildeten die
Vereinsstruktur, um Fördermittel einwerben zu können. Seit 2009 wurde der Gasthof mit
Mitteln der ILE und in viel Eigenleistung umgebaut. Diese wurde vor allem an den Wochen-
enden erbracht. Die Arbeiten wurden von der Arbeitsgruppe „Bau“ koordiniert, die auch die
Verantwortlichkeiten festlegte (z. B. Materialbesorgung, Leute ansprechen, Essenversor-
gung). Die Arbeitseinsätze wechselten sich ab, um Überlastungen bei Einzelnen vorzubeu-
gen. Vor allem die Handwerker des Ortes hatten sich stark eingebracht und bei Dorffesten
und Veranstaltungen packen viele Hände mit an. Es braucht aber auch jemanden, der den
Hut aufhat und die Aktionen koordiniert. Diese Aufgabe erfüllen vor allem die Vorstandsmit-
glieder Ronny Kriz und Ronny Meißner, die dabei auch ihre beruflichen Erfahrungen aus der
Bildungsarbeit mit Jugendlichen und dem Bankenwesen einbringen. In der Regel bringt sich
jeder nach seinen Fähigkeiten und zeitlichen Möglichkeiten ein, z. B. bei der Pflege der
Homepage, der Essenszubereitung und den Reinigungsarbeiten.
„Ohne die Mitwirkung aus dem gesamten Dorf hätten wir es bis jetzt nicht so weit geschafft.“
(Ronny Kriz)
Bei der Kommunikation steht die persönliche Absprache im Vordergrund, wo möglich wer-
den aber auch E-Mails genutzt. Die Stadt Colditz kann die Aktivitäten nicht in erster Linie
finanziell unterstützen, hilft aber bei allen Belangen der Verwaltung. Hemmnisse werden
darin gesehen, dass die private Vorfinanzierung der Fördergelder für einen kleinen Verein
eine große Verantwortung darstellt. Das nötige Geld wurde durch zahlreiche kleine Darlehen
der Dorfbewohner aufgebracht. Die zeitlichen Ressourcen der ehrenamtlichen Helfer sind
begrenzt durch eigenes Haus und Hof und die Erwerbsarbeit.
Ergebnisse
Im Herbst 2010 ist die Sanierung vollendet und das Mehrgenerationenhaus wurde am
04.11.2010 offiziell eingeweiht. Der Saal wird zukünftig u. a. für Schulungen dienen. Vorge-
sehen sind z. B. Verkehrsteilnehmerschulungen, Seminare zur Homepagepflege und Reise-

image
image
image
image
26
berichte. Mit dem Haus wurde ein Ort für vielfältige Aktivitäten geschaffen. Dadurch, dass
viele selbst mitgearbeitet haben, ist die Verbundenheit hoch.
Herausforderungen
Der Heimatverein erhielt 2008 eine Anerkennung für die Jugendarbeit im Rahmen des
7. Sächsischen Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“. Diese Teilnahme war ein
Meilenstein für die dörflichen Aktivitäten. Als nächstes Ziel ist die Beteiligung am erneuten
bundesweiten Wettbewerb im Jahr 2011 anvisiert.
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sollen attraktive Beschäftigungsmög-
lichkeiten für junge Leute im Wohnumfeld geschaffen werden. Drei- und Vierseithöfe sollen
möglichst erhalten werden, wobei dosierte Rückbaumaßnahmen zum Teil unumgänglich
sein werden. Als wichtig wird eingeschätzt, dass der örtliche Kindergarten erhalten bleibt.
Touristische Angebote sollen ausgebaut, verknüpft und auch vermarktet werden. Der Verein
will sich außerdem mittels Lobbyarbeit für die Wiederinbetriebnahme der Muldentalbahn
stark machen.
Bürgerbeteiligung bei der Entscheidung für die Wandgestaltung des Mehrgenerationenhauses:
Präsentation eines Vorschlags, Abstimmung und fertiges Wandbild
Kontakt:
Heimatverein Lastau e. V.
Ronny Kriz, Ronny Meißner
E-Mail:
info@lastau.de
Internet:
http://www.lastau.info/
Vereinsvorsitzender Ronny Kriz

27
2.9
Erste Bürgersolaranlage in Lengefeld (Erzgebirge)
Was
In Lengefeld, einer rund 5.000 Einwohner zählenden Kleinstadt im Erzgebirge, wurde im
Frühling 2010 auf dem Dach der Grundschule eine Bürgersolaranlage in Betrieb genommen.
Das Vorhaben wurde initiiert durch Lengefelder Bürger und Mitarbeiter der Stadtverwaltung
und im Rahmen einer GbR umgesetzt. Ziel ist die umweltverträgliche Stromerzeugung und
auch, „die
Menschen durch garantierte Erträge im Ort zu halten“ (Friedrich Uhlig, Stadtver-
waltung).
In der Öffentlichkeit soll das Bewusstsein für diese Technologie gestärkt werden.
Es geht nicht, wie Marina Volkmer aus der Geschäftsführung ausführt, um
„das große Geld,
sondern um überschaubare Beträge für den Einzelnen und darum, auch schon mit 1.000 €
langfristig etwas bewirken zu können“.
Wie
Um das Vorhaben umzusetzen, formierte sich die Lengefelder Solarinitiative zu einer Ge-
sellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). In dieser sind 11 Personen im Alter zwischen 20 und
80 Jahren als Anteilseigner zusammen gekommen.
In einer Informationsveranstaltung wurden zuvor die speziellen Bedingungen für die Errich-
tung von Bürgersolaranlagen von Friedrich Uhlig, dem Mitarbeiter der Stadtverwaltung und
Gerhard Sonntag, dem Vorsitzenden des Vereins Bürgerkraftwerk Chemnitzer Land e. V.,
erläutert. Aufgrund eines Stadtratsbeschlusses wurde den Lengefelder Bürgern ein halbjähr-
licher Vorrang bei der Investitionsbeteiligung eingeräumt – damit sollte erreicht werden, dass
das Projekt in erster Linie von Lengefeldern und nicht von auswärtigen Investoren gestemmt
wird. Nach positiven Interessensbekundungen und einer unverbindlich reservierten Anteils-
summe von 38.000 € fanden weitere Zusammenkünfte zur konkreten Projektvorbereitung
statt. Die Stadtverwaltung klärte Fragen zum Denkmalschutz und zur Tragfähigkeit der in
Frage kommenden Dächer. Die Initiatoren bereiteten die Gründung der „Bürgerkraftwerk 1
Lengefeld GbR“ vor und mussten sich dazu intensiv mit der Thematik GbR-Gründung sowie
technischen, rechtlichen und steuerlichen Fragen auseinander setzen. All das erfolgte eh-
renamtlich. In die Aufgaben der Geschäftsführung hat man sich „reingeteilt“: Drei Personen
sind für die Bereiche Finanzen/Buchhaltung, Versicherungsfragen und technische Fragen
zuständig. Vorgesehen ist, dass mit den Anteilseignern ein- bis zweimal im Jahr Treffen
stattfinden; bei aktuellen Fragen und Informationen lässt sich auch gut per E-Mail kommuni-
zieren.
Ergebnisse
Die 90 m² große Anlage hat eine elektrische Leistung von 12,15 Kilowatt. Die Leistung der
Anlage ist auf einem Display im Schulgebäude abzulesen, welches von einem regionalen
Unternehmen gesponsert wurde. Die Solarmodule wurden von einer Firma in der Region
produziert und die ausführenden Firmen (Montage und Installation) stammen aus dem Ort.

image
28
Eine örtliche Firma bei der Installation
der Solarmodule; Foto: N. Fugmann
Die anfängliche Skepsis in der Bevölkerung ist
einer
verhaltenen
Neugier
gewichen.
Im
Erzgebirge, einer
„vorsichtigen Region“,
mussten
der Mut und das Interesse erst geweckt werden.
Nun öffnen sich auch private Anlagenbauer und
fragen nach ersten Erfahrungen. Positiv wird
wahrgenommen, dass „nicht
nur darüber geredet
wurde, sondern in kürzester Zeit auch etwas
passiert ist.“ (Marina Volkmer)
Herausforderungen
Die Erträge sollen in der Öffentlichkeit kommuniziert werden, damit die Leute sehen, dass es
funktioniert. Auf der Schulhomepage soll ein Zugang zu den Ertragsdaten eingerichtet wer-
den, sodass das Projekt letztlich auch ein positives Aushängeschild für die Schule sein kann.
Die Zusammenarbeit mit der Schule soll verstärkt werden. Die Gründung und Installation
waren ein Kraftakt, da aufgrund der Absenkung der gesetzlichen Solarförderung im Sommer
2010 ein großer Zeitdruck bestand, das Vorhaben noch vor der Absenkung „durchzuziehen“.
Die gesetzliche Änderung ließ ein, zwei Interessierte abspringen und wurde von den Initiato-
ren als kontraproduktiv empfunden. Eventuell wird man in zwei, drei Jahren daran gehen,
weitere Dachflächen zu bestücken.
Kontakt
Bürgersolaranlage Schule Lengefeld 1 GbR
Tel.: 037367/83803
E-Mail: HeinerKlug@web.de

29
2.10 Sanierung und Wiederbelebung des Erbgerichts in Reinhardtsgrimma
Was
Reinhardtsgrimma ist ein rund 900 Einwohner zählender Ortsteil der Stadt Glashütte im
Osterzgebirge. In der Ortsmitte drohte in den 1990er Jahren das leerstehende Erbgericht
aus dem Jahre 1830 zu verfallen. Pläne des Gemeinderats sahen vor, es abzureißen. Zu
dieser Zeit war in Reinhardtsgrimma der Konsum geschlossen worden und es gab, außer
den Veranstaltungen des Schlosses Reinhardtsgrimma, im Ort keine kulturellen Angebote.
Der Betreiber einer örtlichen Baumschule, Gerhard Falz, wollte sich mit dieser Perspektive,
auch für seinen eigenen Lebensabend, nicht abfinden. Die für gemeinschaftliche Feiern
vorgesehene Turnhalle schien ihm atmosphärisch ungeeignet. Außerdem wäre je nach
Nutzungszweck dauerndes Umräumen erforderlich gewesen. Das Erbgericht dagegen war
auch in der Vergangenheit ein zentraler Ort des Dorflebens, woran sich Gerhard Falz noch
gut erinnern kann: Er ist erst Anfang der 90er Jahre aus Berlin zugezogen, stammt aber aus
Dresden. Gemeinsam mit Prof. Dr. Jürgen Roloff, Dr. Arndt Stelzer und Bernd Windisch
gründete der heute 73jährige den „Kulturverein Erbgericht Reinhardtsgrimma e. V.“. Dessen
Ziel war es, das Gebäude zu erhalten, zu sanieren und wieder zu beleben. Es sollten Räume
für gemeinschaftliche Veranstaltungen und kulturelle Angebote mit Niveau geschaffen wer-
den. Eingebunden wurden auch die Nachfahren des Erbauers Georg Konrad Ruschen-
busch, die in den alten Bundesländern leben.
Wie
Die Sanierungsarbeiten starteten 2006 nach eigenen Vorstellungen des Vereins. Konzeptio-
nelle Vorarbeiten hatte es durch Studierende gegeben, deren Ergebnisse öffentlich diskutiert
wurden. Ein zwischenzeitliches Nutzungskonzept der Gemeinde wurde abgelehnt, da der
Verein sich mit seinen Ideen nicht wiederfand und Vorstellungen zur Bewirtschaftung als
unrealistisch empfand (z. B. hohe Eintrittsgelder). Auf der Basis von Geld- und Sachspenden
sowie Zeitspenden vom regionalen Handwerk und Gewerbe (unentgeltliche Planungen,
Mitarbeit etc.) ging die Sanierung voran. Gerhard Falz’ wichtigstes Prinzip war, auf die Men-
schen (auch die Kunden seiner Baumschule) zuzugehen. Er warb für das Anliegen und bat
im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten um Mitwirkung, seien es künstlerische Darbietun-
gen, Material oder Mithilfe. Sich bietende Gelegenheiten wurden ergriffen: Einem Pilzexper-
ten aus der Region wurde mit seiner Sammlung eine Heimstatt geboten, weshalb das Erb-
gericht nun ein Pilzmuseum beherbergt. Ein Benefizkonzert band die jungen Musikschüler
des Ortes und weitere Vereine mit ein. Einige Langzeitarbeitslose aus dem Ort wirkten über
Beschäftigungsmaßnahmen am Aufbau mit. Die Initiatoren selbst brachten ihre Lebenser-
fahrung, z. B. beim Hausbau, mit ein. Gerhard Falz’ Ehefrau gestaltete ein Historienzimmer
zur Familie Ruschenbusch und das Museum, weitere Mitstreiter übernahmen das Schreiben
von Texten für die Öffentlichkeitsarbeit und den Aufbau einer Internetseite. So wurde fortlau-
fend, auch im Amtsblatt, über den Aufbau berichtet und die Öffentlichkeit informiert.
Gerhard Falz’ Motto bei der Gestaltung der Angebote war:
„Fühlen, was gebraucht wird“.
Für
den leerstehenden Gebäudeteil des ehemaligen Konsums suchte man einen Betreiber, um

image
image
30
die Nahversorgung zu verbessern. Mit Kornelia Matzker meldete sich eine Unternehmerin,
die gemeinsam mit ihrem Ehemann in Dresden eine Bäckerei geleitet hatte. Nachdem ihr
Mann in den Ruhestand ging und das Geschäft verkauft wurde, suchte sie, 55jährig, eine
neue Aufgabe. Mit dem Einkaufsmarkt möchte sie einen Kommunikationspunkt und auch
eine Geschäftsgrundlage für ihre in der Region lebende Tochter schaffen. Diese konnte zu
dem Zeitpunkt das Vorhaben „Dorfladen“ aufgrund ihrer Elternzeit nicht umsetzen. Das
Geschäft wurde auch mit Mitteln der ILE aufgebaut.
Ergebnisse
Das Erbgericht mit seinen unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten ist wieder zu einem Ort
der Begegnung geworden: Neben zwei Veranstaltungsräumen beherbergt es das Historien-
zimmer, das Pilzmuseum und den Einkaufsmarkt. In der Bevölkerung gab es anfangs auch
Skepsis gegenüber dem Vorhaben. Diese hat sich mehr und mehr in Akzeptanz gewandelt,
da die positiven Effekte erkannt werden – dies äußert sich auch in einer zunehmenden
Spendenbereitschaft.
Das Museum wird neben Schulklassen auch von Tagesausflüglern und Reisegruppen be-
sucht. Mit dem „Erbgericht“ soll den vor Ort ansässigen Händlern und Gastronomen keine
Konkurrenz gemacht werden. Vielmehr werden diese in Feierlichkeiten einbezogen, sodass
die Aktivitäten für sie einen Mehrwert bedeuten. Kornelia Matzker betont neben der besse-
ren Versorgung den immateriellen Aspekt:
„Das ist auch eine Art Reichtum, dass man sich
wieder unterhält“.
Nicht zuletzt bietet der Laden den Kindern des Ortes die Möglichkeit,
selbständig einkaufen zu lernen:
„Ich finde es gut, dass es den Laden gibt, da ich alleine
Süßigkeiten einkaufen kann“,
so bemerkt ein Kind aus Reinhardtsgrimma auf einer Glück-
wunschkarte anlässlich der Eröffnung. Ein anderes freut sich,
„dass wir nicht mehr wegfah-
ren müssen.“
Pilzmuseum
So schätzt der Bürgermeister der Stadt Glashütte, Markus Dreßler, das Projekt ein:
„Wir sind dankbar für das Engagement des Vereins. In gewisser Weise haben wir als dama-
lige Gemeinde Reinhardtsgrimma die Grundlage für das bürgerliche Engagement gelegt, in
Einkaufsmarkt zum Fasching 2010,
Cornelia Matzker (2.v.rechts)

image
31
dem wir nach jahrelangen Bemühungen feststellen mussten, dass eine Sanierung durch die
Kommune nicht möglich ist und ein Abriss angestrebt wurde. Diese Ankündigung nahmen
Herr Falz und andere zum Anlass um sich für den Erhalt zu engagieren. Im Ergebnis hat sich
die Unterstützung für das Objekt verfestigt und wir hatten von unserem Ziel, das Objekt zu
erwerben und es unter Zurechnung von Fördermitteln abzureißen, abgesehen. Es wurde
Unglaubliches erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun, nicht nur hinsichtlich der Sanierung
sondern auch und gerade hinsichtlich der Betreibung bleibt das Projekt eine besondere
Herausforderung. In der Bevölkerung überwog am Anfang ebenso wie im Gemeinderat die
Einschätzung: "Das ist nie zu schaffen". Dank der erfolgreichen Arbeit des Vereins ist auch
die Akzeptanz in der Bevölkerung und auch im Stadtrat sprunghaft gestiegen. So konnte die
Stadt in diesem Jahr erstmals einen direkten Zuschuss von 1.500 Euro im Haushalt einstel-
len. Wenn es dem Verein gelingt, weitere Mitstreiter zu finden, die sich ebenso engagieren
wie die bisherigen Mitglieder des Vereins, kann die Wiederbelebung des Erbgerichts schritt-
weise weiter erfolgreich voran gehen. Dabei wollen wir dem Verein als Stadt als konstrukti-
ver Partner zur Seite stehen.“
Herausforderungen
Der größere Saal im Obergeschoss wurde im Frühling 2010 mit einem Kinderflohmarkt
eingeweiht. Letzte Arbeiten an Beleuchtung und Elektrik sind noch zu tätigen, neue gespen-
dete Fenster werden demnächst eingesetzt. Während der Säulensaal bereits vielfältig ge-
nutzt wird, soll nun auch dieser Raum gut ausgelastet werden, damit er lebt.
Die Resonanz in der Bevölkerung bei der Eröffnung des Einkaufsmarkts war groß, nun geht
es um die langfristige Tragfähigkeit. Hier ist Kornelia Matzker auf ihre Kundschaft angewie-
sen: Viele baten anlässlich der Eröffnung um Zeit, um ihre Kaufgewohnheiten umstellen zu
können – ihre Kühltruhen waren noch
„voll vom Kaufland“.
Die Macher des Vereins sind
überwiegend Ältere. Daher stellt sich die Aufgabe, Nachwuchskräfte einzubinden und den
kulturellen Betrieb langfristig zu sichern.
Kontakt
Kulturverein Erbgericht Reinhardtsgrimma e. V.
Gerhard Falz
Tel.: 035053-48868
E-Mail:
kontakt@erbgericht.org
Internet:
http://erbgericht.org/
Gerhard Falz, Sprecher des Vereins

image
32
2.11 Abriss und Neugestaltung in Reitzenhain (Erzgebirge)
Was
Der rund 350 Einwohner zählende Ortsteil Reitzenhain liegt südöstlich der Großen Kreisstadt
Marienberg direkt an der ehemaligen Grenze zur Tschechischen Republik. Die letzten Jahre
waren durch einen strukturellen Wandel geprägt, der zum Verlust von Arbeitsplätzen und zu
Wohnungsleerstand führte: Mit der EU-Osterweiterung entfiel der Zollbetrieb und ein örtli-
ches Altenpflegeheim wurde geschlossen, wodurch auch Teile des Personals mitsamt Fami-
lien wegzogen. Aus rein strukturellen Erwägungen wäre die Zukunft von Reitzenhain durch-
aus kritisch zu sehen, doch interessiert sich die Jugend für das Dorf und siedeln sich junge
Familien an. Das Motto der Stadt Marienberg ist daher: Rückbau ja, aber nicht den Ort auf-
geben. Abrissmaßnahmen wurden seitdem initiiert, und eine altersübergreifende Gruppe von
Bürgern engagiert sich, um die Lebensqualität in Reitzenhain zu verbessern.
Wie
Die Stadtverwaltung beschloss, ein Entwicklungskonzept für den Ort zu erarbeiten und
befragte die Bürger zur Gesamtsituation, zu Mängeln, Missständen und möglichen Verbes-
serungen. Auf einer Informationsveranstaltung wurden die Ergebnisse öffentlich vorgestellt
und ausgewertet. Daraus wurden Maßnahmen wie der Abriss von Wohngebäuden, eines
ehemaligen Komplexes eines Altenpflegeheims und der alten Schule abgeleitet. Versuche,
die Gebäude zu verkaufen, waren bis dahin erfolglos geblieben. So stimmte die Bevölkerung
letztlich den Maßnahmen zu, auch wenn es nicht allen leicht fiel: Manch einer war dem
Pflegeheim emotional verbunden, da er lange dort gearbeitet hatte. Es bildete sich eine
Arbeitsgruppe aus rund 25 Personen. Diese hat seitdem, gemeinsam mit der Stadtverwal-
tung, Ideen zur Nachnutzung der entstehenden Freiflächen entwickelt. Die Stadtverwaltung
unterstützt die Aktivitäten: Die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Marienberg Gudrun Brück-
ner begleitet den Prozess, koordiniert und moderiert die Treffen der Arbeitsgruppe.
Dabei knüpft Gudrun Brückner an inhaltliche und
methodische Vorkenntnisse aus den 1990er Jahren
an, als bereits eine Arbeitsgruppe im Programm zur
Dorfentwicklung aktiv war.
„Wir geben Hilfestellung, aber nicht die Themen vor.“
(Gudrun Brückner)
Diese werden mit den Bürgern gemeinsam entwickelt
und umgesetzt.
Ergebnisse
Die brachliegenden Gebäude wurden mit Hilfe der Programme „Stadtumbau Ost“ und „Bra-
chenrevitalisierung“ abgerissen. Die frei gewordenen Flächen wurden in diesem Zuge rena-
Reitzenhainer Arbeitsgruppe bei
einer Ortsbegehung

image
image
image
33
Fläche des ehemaligen Altenpflegeheimes
turiert. Das Gelände des ehemaligen Altenpflegeheimes grenzt unmittelbar an ein Hoch-
moor, und so hat man „der
Natur wieder ein Stück Land übergeben“ (Gudrun Brückner).
Der
Abriss der ehemaligen Schule hat durchaus einige berührt, aber mit der Neugestaltung der
Fläche ist inmitten der Dorfbebauung ein
„Schandfleck“
weg und für die Bürgerschaft ein
Platz zum Verweilen geschaffen.
Herausforderungen
Die Gruppe kämpft nun dafür, den Ortskern zu erhalten und gemeinsam zu gestalten. Die
folgenden Maßnahmen sollen nach und nach umgesetzt werden:
-
Ein leerstehendes denkmalgeschütztes Wohngebäude soll als Gemeinschaftseinrichtung
dienen. Verschiedene Gruppen, wie der Heimatverein, die Sportvereine oder der Ju-
gendclub sollen die Räumlichkeiten für eigene Interessen und gemeinsame Aktivitäten
nutzen. Notwendig sind innere Sanierungsarbeiten wie der Einbau einer Heizung und
Sanitäranlagen, für die derzeit noch die Gelder fehlen. Hoffnung setzt man in einen
ILE-Antrag, der eingereicht werden soll.
„Die Bürgerschaft will dieses Haus – es
muss nicht mit goldenen Türklinken sein,
nur tauglich für die gemeinschaftliche
Arbeit.“ (Gudrun Brückner)
Fläche der ehemaligen Schule
Geplante Umnutzung eines leerstehen-
den
Wohngebäudes
als
Gemein-
schaftseinrichtung

-
Die angrenzende Gartenfläche soll neu gestaltet werden und für Jung und Alt Nut-
zungsmöglichkeiten bieten; auch ein kleiner Spielplatz ist hier geplant.
-
Das ehemalige Rathaus soll ein Dienstleistungszentrum werden, in dem Angebote wie
Physiotherapie, ein Nahversorgungsladen, Sparkasse und Arztpraxis gebündelt werden.
Der Erhalt der Praxis der Landärztin hat besondere Priorität.
-
Eine barrierefreie Gestaltung der Verkehrsräume soll die Verkehrssituation verbessern.
Kontakt:
Stadtverwaltung Marienberg
Gudrun Brückner
Sachbereich Stadtsanierung
Tel.: 03735-602144
E-Mail:
gudrun.brueckner@marienberg.de

35
2.12 „20 Jahre Wiedergeburt Sausedlitz“ – Dorfbewohner spielen ihre Ge-
schichte
Was
Das rund 270 Einwohner zählende Sausedlitz liegt am Rande des ehemaligen Tagebaus
Goitzsche und war in den 1980er Jahren für die Überbaggerung vorgesehen. Diese Pläne
konnten 1990 gestoppt werden, weshalb Sausedlitz im Jahr 2010 „20 Jahre Wiedergeburt
Sausedlitz“ feierte. Im Rahmen des Dorffestes fand eine musikalische Theateraufführung
statt: Rund 35 Sausedlitzer zwischen 5 und 71 Jahren führten unter künstlerischer Anleitung
ein Theaterstück zur jüngeren Geschichte des Dorfes auf. Die Premiere am 29.05.2010
schlug
„wie eine Bombe“
ein und war der aktuelle Höhepunkt dörflicher, Generationen über-
greifender Aktivitäten. Hierzu zählen auch Spiele- und Drachenfeste für den Ort und die
Region, die von den Landfrauen organisiert werden. Ebenso trugen Junge und Alte Material
zur Dorfgeschichte zusammen, das nun in einer Ausstellung zu sehen ist.
Wie
Ein weiterer Anknüpfungspunkt für das Theaterspiel liegt im Jahr 2000, als sich der 10.
(Wieder)Geburtstag jährte. Sausedlitz beteiligte sich damals am Wettbewerb zum europäi-
schen Dorferneuerungspreis. Es wurde eine Vision für die Zukunft erarbeitet und weiterhin
daran gearbeitet, den Bau- und Wohnungsbestand des 1990 fast leer gezogenen und ver-
wahrlosten Dorfes zu verbessern. Die Wettbewerbsteilnahme wurde durch Dr. Christine
Schiemann, eine lokal ansässige Planerin, koordiniert. Sie nahm den bevorstehenden 20.
Jahrestag, auch angeregt durch die regionale Wirtschaftsförderin, zum Anlass, wieder eine
Aktion vorzuschlagen. Frau Dr. Schiemann lud zu einer Informationsveranstaltung und
brachte verschiedene Ideen, wie die Produktion eines Videos oder die Aufführung eines
Theaterstücks, ein. Die Anwesenden entschieden sich für das Theaterstück. Daraufhin
wurden Mittel beim Sächsischen Staatsministerium des Innern im Rahmen des Programms
„20 Jahre friedliche Revolution“ beantragt, wovon die Hälfte 10.000 € bewilligt wurde.
Das Vorhaben wurde
„auf breite Füße gestellt“,
indem sich ein Projektteam bildete und
Zuständigkeiten verteilt wurden. Der regional ansässige Musikproduzent Christoph Zwiener
wurde mit der Anleitung beauftragt. Gemeinsam mit seiner Frau, einer Sängerin, begleitete
er ein Dreivierteljahr lang die Dorfbewohner durch den Prozess, vom Drehbuchschreiben
über das Casting und die Proben bis zur Aufführung. Das „Drumherum“, die Vorbereitung
des Dorffestes und Verpflegung, PC-Arbeiten und die Erstellung von Material für die Öffent-
lichkeitsarbeit, organisierten die beteiligten Dorfbewohner in Eigenregie.
Der Gemeinderat und der Bürgermeister der Gemeinde Löbnitz standen hinter dem Vorha-
ben und unterstützten es mit einem Eigenanteil von 1.200 €. Das im Jahr 2008 neu umges-
taltete Bürgerhaus, ein ehemaliger Konsum, war und ist ein Kristallisationspunkt für die
beschriebenen Aktivitäten.

image
image
image
36
Aufführung „20 Jahre Wiedergeburt Sausedlitz“
Ergebnisse
Die Aufführung war ein bleibendes Erlebnis und besonders bewegend für diejenigen Zu-
schauer, die die wechselvolle Geschichte selbst miterlebt haben. Darüber hinaus sind sicht-
und hörbare Ergebnisse entstanden: Ein Logo wurde geschaffen und eigene, auf das Dorf
zugeschneiderte Liedertexte (Dorfhymne) wurden komponiert. Diese sollen auch zukünftig
beim Auftakt von Festen gesungen werden. Besonders begeistert waren die Kinder, die sich
„um die Rollen gerissen haben“ (Christine Schiemann).
Für einige der Laiendarsteller war es
eine große Überwindung, auf die Bühne zu treten. Doch schließlich wurden während der
Aufführung alle mitgezogen:
„mitten in der Aufführung fasste ich die Hand von Uwe Sebasti-
an, um mich zu beruhigen - da habe ich gemerkt: er zitterte genauso wie ich“ (Mario Bud-
schigk, Laienspieler aus Sausedlitz).
Auch die Verantwortlichen im Projektteam seien durch das Tun über sich hinausgewachsen.
Als Effekte fasst Christine Schiemann zusammen:
-
Das Dorf ist an sich selbst gewachsen – hat an Ausstrahlung gewonnen.
-
Der Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft ist stärker geworden.
-
Das Zusammenspiel aller Vereine hat sich wesentlich verbessert.
-
Alt und Jung saßen an einem Tisch; es war eine Lehrstunde für die Jungen zur Ge-
schichte.
-
Die Dorf-Identität ist gewachsen: durch das Theaterspiel, das neu geschaffene Logo
und die Dorfhymne. Man ist stolz auf das Erreichte.
Herausforderungen
Höhepunkte wie das Theaterstück können nicht jährlich gesetzt werden. Für ein neues
Großprojekt wird man voraussichtlich im 10-Jahres-Rhythmus bleiben. Doch bis dahin wird
man weiter darauf hinwirken, die Heimatverbundenheit zu stärken, das Kennenlernen von Alt
und Jung zu unterstützen, das Wohnenbleiben Älterer und das Zurückkommen der Jugend
(nach Lehre und Ausbildung) zu ermöglichen. Die Feuerwehr, Kegler und Landfrauen sind
Partner in diesem Bestreben und kooperieren auch mit anderen Vereinen und Schulen in der
Region. Durch die Gemeinde wird in allen Ortsteilen vor allem auch die Mitgliedschaft von
Jugendlichen in den ca. 20 Vereinen der Gemeinde unterstützt. Jährlich werden 10 € Zu-

image
37
schuss je im Verein organisiertem Jugendlichen aus der Gemeindekasse für die Jugend
bereitgestellt. Als besondere Knackpunkte für die Lebensqualität in Sausedlitz werden der
Zugang zum schnellen Internet im Dorf und die Erreichbarkeit mit dem ÖPNV benannt.
Kontakt:
Dr. Christine Schiemann
Gründerin und Mitglied des Vorstandes der Ortsgruppe
Landfrauen Sausedlitz des Sächsischen Landfrauen-
verbands e. V.
Tel.: 034208 - 70089
Internet:
http://www.sausedlitz.de/

38
3.
Essenzen und Schlussfolgerungen
3.1
Organisationsformen und Methoden der Bürgerbeteiligung
In den Beispielen wurden unterschiedliche Organisationsformen genutzt, um örtliche Inte-
ressen zu verfolgen und auf Bedarfe zu reagieren, z. B. selbst organisierte oder angeleitete
Arbeitsgruppen, Vereine oder Stammtische. Die Impulse für Aktivitäten gingen von einzelnen
Initiatoren, Gruppen von Dorfbewohnern, der Stadtverwaltung oder der Kirche aus. Zum Teil
stand der Aufbau eines Objekts im Vordergrund, zum Teil wird an der Entwicklung des Ortes
als Ganzem gearbeitet. Einige Kommunen begannen, die Wünsche, Ideen und Bedarfe der
Bevölkerung in einem Leitbildprozess strukturiert heraus zu arbeiten. Dazu holten sie sich
zeitweilige personelle Verstärkung für die Moderation und Koordination. Solche Leitbildpro-
zesse wurden teils mit Hilfe öffentlicher Programme finanziert, teils aus der eigenen Tasche
bezahlt. Um den Vorstellungen der Bevölkerung von kommunaler Seite aus näher zu kom-
men, bieten sich unterschiedliche Formate an, wie z. B. Bürgergutachten, Planungszellen
oder Zukunftswerkstätten. Einen Überblick über mögliche Herangehensweisen bieten the-
matische Internetseiten, wie z. B. die Seite
www.buergergesellschaft.de
der Stiftung Mitar-
beit in Bonn.
Um die erarbeiteten Ziele langfristig umzusetzen, ist nach dem „Startschuss“, der Situati-
onsanalyse, dem Austausch von Ideen und der Festlegung von Maßnahmen eine koordinie-
rende, vernetzende Stelle hilfreich. Deren Aufgaben werden im nächsten Abschnitt 3.2 näher
beleuchtet. Wenn es darum geht, auch ökonomisch aktiv zu werden und Fördermittel einzu-
werben, gründen etliche Gruppen einen Verein. Auch Stiftungen können eine stimmige Form
sein, um Geld für sinnvolle Arbeit anzulegen. Wurden wirtschaftliche Aktivitäten (z. B. im
Bereich erneuerbarer Energien) durchgeführt und war der gemeinschaftliche Betrieb techni-
scher Anlagen zu organisieren, wurden die Geschäftsmodelle „Gesellschaft bürgerlichen
Rechts“ (GbR) oder Genossenschaft gewählt und angestrebt. Zunehmend werden überge-
ordnete Strukturen wie z. B. Dachvereine thematisiert, um lokale Interessen kraftvoller zu
organisieren. Hier sind die Meinungen geteilt und werden Vor- und Nachteile kontrovers
diskutiert: Pro-Argumente sind, dass durch gemeinsames Auftreten mehr Wirkung in der
Öffentlichkeit erzielt werden könne. Ressourcen können gebündelt und effizienter genutzt
werden. Dagegen wird gehalten, dass die „kleinen Einheiten“ an Sinn und Eigenansporn
verlieren könnten. Die Vorrangstellung eines Vereins könnte zu Unmut und Verstimmungen
bei den anderen führen.
Stets geht es darum, für das gemeinsame Wollen die optimale „Hülle“ zu erkunden und auf
den Weg zu bringen. Angesichts der Vielfalt möglicher Wege besteht durchaus Informati-
onsbedarf: Welcher Weg ist mit welchem Aufwand gangbar? Wer sollte ins Boot geholt
werden, um voranzukommen? Wenn möglich, sollten Erfahrungsträger vor Ort andere „an
die Hand nehmen“ und gemeinsam mit ihnen den Prozess, z. B. einer Vereinsgründung,
durchlaufen. Vorbehalte wie auch mögliche Fallstricke (z. B. Haftungsfragen) sollten zur
Sprache kommen. In anderen Fällen lassen sich Experten „einkaufen“, die zeitweise zu
spezifischen Fachfragen beraten. Auch staatliche Beratungsstellen oder Infoseiten (wie

39
bspw. die des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales,
www.wir-fuer-sachsen.de
)
geben Rat oder nennen Ansprechpartner. Vom Sächsischen Landeskuratorium Ländlicher
Raum e. V. wird derzeit eine Veranstaltungsreihe „Professionell im Ehrenamt“ angeboten,
als Reaktion auf eine starke Nachfrage bezüglich dieses Themas (s. Kap. 4). Von Praxissei-
te wird ein großer Schulungsbedarf auf regionaler Ebene zur Thematik des bürgerschaftli-
chen Engagements gesehen (z. B. Vereinscoaching und -beratung) - sachsenweit vorgehal-
tene Angebote seien hierzu nicht ausreichend und spezifisch genug.
3.2
Menschliche Drehscheiben
Die Beispiele zeigten, dass es nicht von allein und nicht ohne Schlüsselpersonen geht, die
die Dinge vorantreiben. Es bedarf der Macher, die vor Ort tätig sind. In einigen Fällen über-
nehmen Ehrenamtliche diese Rolle der „Spinne im Netz“. Dies kann z. B. ein aktiver Ruhe-
ständler im Ehrenamt sein, der sich mit Zeit und Kompetenzen einbringt (Gerhard Falz, Wulf
Kühne). In anderen Fällen wurden Koordinatoren längerfristig von Seiten der Gemeinde und
mit Hilfe öffentlicher Fördermittel eingesetzt (Erlbach, Hohnstein). Sie bilden eine Art
„Schaltzentrale“ oder „menschliche Drehscheibe“, die Ideen aufgreift und mit anderen Anlie-
gen oder Gruppen verknüpft.
Der Prozess wurde als ein Weg beschrieben, den man in vielen Einzelschritten geht. Es ist
eine Arbeit an vielen Stellschrauben, und
„man muss permanent dran sein und viel Zeit
investieren“ (Ines von Bardeleben, Hohnstein).
Die in einem Leitbild festgehaltenen Ideen
und Maßnahmen bleiben nicht automatisch in der Bevölkerung lebendig. Vielmehr bildet das
Leitbild eine Arbeitsgrundlage im Sinne eines Kompasses. Die Mitwirkungsbereitschaft muss
durch Taten und Umsetzungserfolge wach gehalten und beflügelt werden.
Zu den Aufgaben des Koordinators/der Koordinatorin gehört u. a.:
-
Themen und Ideen aufgreifen und sortieren
-
Versammlungen konzipieren und einberufen, in denen Prioritäten gesetzt und Schrit-
te festgelegt werden
-
Personen aller Altersgruppen finden, die Verantwortung übernehmen
-
externe Experten und Fachverstand hinzuziehen, um die Bearbeitung vor Ort zu qua-
lifizieren (z. B. Leerstandsmanagement, Freiflächengestaltung)
-
zwischen den Anliegen der Bürgerschaft und der Kommunalverwaltung vermitteln.
Die herkömmliche Personaldecke der Kommunalverwaltung ist zu dünn, um diese Aufgabe
zu stemmen und eine intensive Begleitung der Bürgerschaft aus dem Stand zu gewährleis-
ten. Der Aufgabenzuschnitt liegt quer zu den Ressorts und erfordert ein integratives, ganz-
heitliches Herangehen mit viel Kommunikationstalent und sozialer Kompetenz. Auch ist
Fingerspitzengefühl bei der Motivation zum Mitmachen gefragt, denn diese könnte auch als
Abwertung dessen verstanden werden, was bereits ehrenamtlich geleistet wird.

40
Der zeitlich befristete Einsatz von Koordinatoren reicht oft nur, um Handlungsfelder aufzuar-
beiten und beschlossene Maßnahmen in Gang zu setzen. Für die Nachhaltigkeit ist es wich-
tig, neue Vorhaben in die kommunalen Strukturen einzubetten und sie sinnvoll „anzudo-
cken“. Als problematisch wird eingeschätzt, wenn Aufgaben von einem hauptamtlichen
Koordinator an Ehrenamtliche herangetragen, diese aber nach dem Ende der Projektlaufzeit
damit allein gelassen werden. Gleichzeitig liegt es in der Natur der Sache, dass nicht alles
auf einmal abgearbeitet werden kann:
„Was dann liegen bleibt, da muss der Nächste ran“
(Ines von Bardeleben).
Damit wird ausgedrückt, dass es einen solchen „jemand“ geben
sollte - für die Verstetigung des Erreichten wäre eine solidere Basis zweckmäßig und wün-
schenswert.
3.3
Wege der Finanzierung
Die Macher vor Ort fanden unterschiedliche Wege, um ihre Vorhaben zu finanzieren. Hierzu
zählen öffentliche Fördermittel, z. B. auf Grundlage der Richtlinien „Integrierte Ländliche
Entwicklung“ (ILE) des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft,
„Demografie“ der Sächsischen Staatskanzlei oder des Programms „20 Jahre Friedliche
Revolution und Deutsche Einheit“ des Sächsischen Staatsministeriums des Innern. Daneben
nutzten die Akteure alternative Wege der Finanzierung, indem sie Spendengelder, Sachmit-
tel und unentgeltliche Mithilfe eingeworben haben. Hinzu kommen Mitgliedsbeiträge der
Vereine oder Einnahmen durch die Ausrichtung von Veranstaltungen. Diese Quellen und
Eigenleistungen sind oft miteinander verwoben; die Vorfinanzierung von Mitteln der ILE
wurde in Lastau mittels vieler Darlehen aus der Bevölkerung heraus gestemmt. Der Förder-
verein in Langenweißbach wurde für die gemeinsame Interessenvertretung gegründet, aber
auch, um gemeinsam neue und andere Ressourcen zu erschließen. Die „Zehntenkasse“ in
Großgrabe war im Sinne eines Fonds angelegt, um für wichtig erachtete Vorhaben aus
eigener Kraft umsetzen zu können. Es zeigte sich, dass mit vielen kleinen Beiträgen vieles
möglich ist, sogar die Finanzierung von zwei (befristeten) Teilzeitstellen. Die GbR in Lenge-
feld und das Vorhaben in Burkersdorf zielen darauf ab, regionale Stoff- und Wirtschaftskreis-
läufe zu stärken, heimisches Kapital zu binden und dessen Wegfluss aus der Region zu
mindern. Die Kommunen sind nicht immer zur direkten finanziellen Unterstützung in der
Lage, helfen aber mit geldwerten Leistungen wie der Bereitstellung räumlicher Infrastruktur,
allgemeinen Verwaltungsdienstleistungen oder Fahrdiensten. Sie beteiligen sich an neuen
lokalen Partnerschaften mit der Bürgerschaft. Allerdings können sie nur bedingt, z. B. als
Antragsteller, vorangehen, da die kommunalen Spielräume bei der Nutzung von Spenden-
geldern beschränkt sind und deren Einsatz sich unter Umständen förderschädlich auswirkt.
Auch im internationalen Maßstab zeigt sich die zunehmende Bedeutung bürgerschaftlicher
Kräfte bei der Bereitstellung und Organisation örtlicher Strukturen der Daseinsvorsorge. Das
zukünftige Management von Gemeingütern ist eine komplexe Herausforderung (Ostrom
2009) und erfordert zunehmend die Beteiligung von Zivilgesellschaft und Unternehmen.
Lokale Partnerschaften brauchen ausreichend Spielräume, um neue Wege erproben zu
können – dieses sollte sich auch in der Formulierung von Förderrichtlinien widerspiegeln.

41
Angesichts der demografischen Veränderungen übernehmen Begegnungsstätten eine be-
sondere Rolle in der Versorgung ländlicher Gemeinden, als Kommunikationspunkte, Orte für
Kultur, Bildung und Begegnung. Auf ihre Tragfähigkeit, aber auch nötige Flexibilität hinsicht-
lich der Angebote und Nutzungen ist zu achten. Ortsangepasste, optimale Trägerschafts-
und Betreibermodelle zu erkunden und zu erproben, ist ein Gebot der Stunde (Freitag/Braun
2007).
3.4
Lernen vor Ort
Entfaltung menschlicher Fähigkeiten
Die Stärkung menschlicher Potenziale und Talente wird als ein Schlüsselfaktor in der Ent-
wicklung ländlicher Räume angesehen (Europäische ARGE Landentwicklung und Dorfer-
neuerung 2010). Es werden mehr „Investitionen in Menschen“ gefordert (Interdisziplinärer
Arbeitskreis „Bleiwäscher Kreis“ 2010).
Kapitel 2 zeigte einige Beispiele, wo sich Menschen entfalten: beim gemeinsamen Theater-
spiel, der Übernahme neuer Verantwortungsbereiche, bei der selbstbestimmten Gestaltung
der Jugendarbeit und des (kirchlichen) Gemeindelebens. Die beschriebenen Projekte und
Aktionen waren der Rahmen und Ausgangspunkt solcher persönlichen Prozesse. Die Effek-
te sind nicht eindimensional zu sehen, sondern vernetzt: Dadurch, dass es in Rein-
hardtsgrimma den neuen Einkaufsmarkt gibt, können die Kinder eigenständiges Einkaufen
lernen. Zuversicht wächst Schritt für Schritt, wie das Vorgehen in Langenweißbach zeigt:
Nachdem man erfolgreich ein Ganztagsangebot etablieren konnte, hat man sich den nächs-
ten Schritt, die Gründung des Fördervereins „Kinder in Langenweißbach“ vorgenommen.
Das Zusammenspiel bei der Theateraufführung in Sausedlitz war so intensiv, dass schließ-
lich
„das ganze Dorf an sich gewachsen ist“ (Christine Schiemann)
– Grundlage davon war,
dass viele Einzelne über ihren Schatten gesprungen sind und sie dabei professionell beglei-
tet wurden.
„Von einem Feuerwerk haben wir abgesehen – wir wollten das Geld in die Menschen inves-
tieren und nicht in die Luft schießen.“ (Christine Schiemann)
Lernende Institutionen – Austarieren des Verhältnisses von Kommunalverwaltung
und Bürgerschaft
Anhand der beschriebenen Leitbildprozesse, aber auch der weiteren Beispiele in Kapitel 2
wurde deutlich, dass jede Kommune für sich ein Maß und einen Weg finden muss, um bür-
gerschaftliches Engagement einzubinden. Es gibt hier keine Patentrezepte. Die Offenheit für
mehr oder neue Formen der Beteiligung ist zudem stark personenabhängig.

42
Kernfragen sind:
-
Wie viel Mitarbeit/Mitwirkung kann und will man den Bürgern abverlangen?
-
Welche Art Unterstützung kann die Kommune – unabhängig vom Geld – leisten, um
„junge Pflänzchen“ und dörfliche Aktivitäten zu fördern?
-
Wie kann die Gemeinde/Kommunalverwaltung von einer „Allzuständigkeit“ und allzu
hohen Erwartungshaltung auf Seiten der Bevölkerung („Stadt, mach mal“) entlastet
werden?
Die neue Rolle wird darin gesehen, „zu
moderieren, zu helfen und zu koordinieren“ (Evelyn
Jugelt, Bürgermeisterin der Stadt Augustusburg).
Gemeindeverwaltungen
„nicht vorm Kar-
ren, sondern von hinten schiebend“ (Katrin Geißler, STEG GmbH).
Dazu braucht es Bürger,
die gewillt und in der Lage sind, ihre Anliegen anzugehen – die
„aus ihrem Willen etwas
machen und ihn Praxis werden lassen.“ (Katrin Geißler).
3.5
Hürden und Stolpersteine
In den beschriebenen Vorhaben konnten Dinge bewegt werden. Nicht alles klappte auf
Anhieb und manche Unternehmung braucht einen langen Atem. Einige der nun genannten
Hürden hat man überwinden können, andere sind gesellschaftlich bedingt und wirken als
allgemeine Rahmenbedingungen auf das Handeln vor Ort. Die in Gesprächen benannten
Hemmnisse, die teilweise objektiv nachweisbar, zumindest aber als „emotionale Hürde“ die
Bereitschaft zum Mitmachen beeinträchtigen können, werden nachstehend beispielhaft
beschrieben:
Rechtliche und institutionelle Hemmnisse:
-
Schwer realisierbare Auflagen im Brandschutz insbesondere bei Altbestand
-
Auflagen zur Hygiene erschweren möglicherweise wirtschaftliche Impulse (Mittags-
tisch, Imbiss)
-
Abstrakte Auflagen zu einer Mindestzahl von Parkplätzen ohne Kenntnis des Gelän-
des und alternativer Parkmöglichkeiten im Umfeld
-
Schulschließungen aufgrund starrer Maßzahlen ohne Berücksichtigung schädlicher
Nebeneffekte und ökonomischen Mehraufwands
-
„Misstrauen“ des Finanzamts gegenüber ehrenamtlicher Tätigkeit, Schwierigkeiten
bei der Steuererklärung für Vereine
-
Bürokratie in der Förderpolitik, Förderrichtlinien zum Teil zu kompliziert
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen:
-
Arbeitslosigkeit, Wertesystem: nur wer arbeitet, ist etwas wert

43
-
Lohngefälle zwischen Ost- und Westdeutschland, niedriges Lohnniveau in der Regi-
on
-
Berufspendlern fehlen Zeit und Kraft, um sich am Wochenende im Gemeinwesen
einzubringen
-
materielle Orientierung und vorherrschende Konsumgesellschaft
Mentale Hürden
-
die größten Stolpersteine sind wir Menschen und unsere menschlichen Probleme
-
die Leute meckern mehr, als dass sie etwas unternehmen; unternehmerisches Den-
ken ist nicht so ausgeprägt
-
Neid und Missgunst
-
Rückwärtsgewandtheit, Skepsis gegenüber neuen Vorhaben aufgrund lange zurück-
liegender Erlebnisse
-
Kirchturmdenken zwischen Gemeinden noch stark ausgeprägt
3.6
Bürgerwillen und Förderprogramme zusammen bringen
Die Beispiele zeigten, dass die Akteure die örtliche Entwicklung befördern, z. B.:
-
verbessern sie die Infrastruktur,
-
bringen neue Themen und Handlungsfelder auf die Agenda,
-
schaffen Werte und regen regionale Kreisläufe an,
-
stärken den Zusammenhalt oder
-
bereichern das kulturelle Angebot.
Sie schaffen, pflegen und vermehren allgemein Verfügbares (Helfrich et al. 2009: 45), ma-
chen sich dafür stark und fühlen sich verantwortlich. Mitunter kommen sie an Belastungs-
grenzen, aber Erfolge und Erreichtes entlohnen für die Mühen. Aus dem Blickwinkel nach-
haltiger Entwicklung können diese Leistungen nicht hoch genug geschätzt werden (vgl.
Bonas et al. 2006: 69ff.), denn nachhaltige Entwicklung „ist gleichzeitig ein Bottom-up- und
ein Top-down-Prozess“ (Stigson et al. 2009: 81). Daher gelingt sie nur, wenn die Zivilgesell-
schaft und ihre Aktivitäten umfassend einbezogen werden (ebd.).
Die Vermittlung zwischen Bottom-up und Top-down, zwischen politischer Gestaltung und
den Ideen der Bürger ist in ein komplexes, gesetzliches und institutionelles Regelwerk von
der EU- bis zur kommunalen Ebene eingebunden. Die Scharniere zwischen den Ebenen
greifen mal besser, mal schlechter und müssen justiert werden. In der Europäischen Politik

44
für die ländlichen Räume (ELER) wird seit 2007 der LEADER-Ansatz in die ländliche Ent-
wicklungspolitik als Gesamtheit integriert.
2
Die Umsetzung in Sachsen erfolgt über die Richt-
linie „Integrierte Ländliche Entwicklung“ (ILE). Damit wurde vor einigen Jahren die regionale
Ebene hervorgehoben und gestärkt. Es handelt sich also teils um „junge“ Prozesse, weshalb
es sich lohnt, genauer hinzuschauen und die Entwicklung (das Verhältnis der Ebenen) zu
optimieren.
Mit dieser Aufgabe sollten die Kommunen, Regionen und Länder nicht allein gelassen wer-
den. Derzeit findet z. B. eine Vernetzung auf Bundesebene im Rahmen des „Nationalen
Forums für Engagement und Partizipation“ statt. Dort wird gefordert, verlässliche und effek-
tive Infrastrukturen für eine aktive Bürgergesellschaft zu schaffen (Nationales Forum für
Engagement und Partizipation 2010). Ressourcen und Kompetenzen vor Ort sollten dauer-
haft entwickelt und Strukturen verstetigt werden – schließlich trage eine engagementför-
dernde Infrastruktur zur Innovation, Qualität und Attraktivität des jeweiligen Standorts bei
(ebd.: 4). Die föderalen Ebenen des Staates und die drei Sektoren (Staat, Wirtschaft, Zivil-
gesellschaft) sollten daher besser zusammen arbeiten (ebd.: 1).
Auf Sachsen und die ländliche Entwicklung bezogen heißt dies: Bestehende Programme wie
die ILE-Förderrichtlinie und das Wollen der Bürger, Möglichkeiten der Finanzierung und
Bedarfe vor Ort könnten noch stärker ineinander greifen. So unterstützt die Richtlinie bspw.
Konzepte und das Projektmanagement vor Ort:
(
http://www.smul.sachsen.de/foerderung/85.htm
; Kapitel H bzw. J). Auch die Förderrichtlinie
„Demografie“ ermöglicht den Personaleinsatz für Konzeptentwicklung, Strategiebildung und
Vernetzung der Akteure (weiterführende Informationen zu beiden Richtlinien finden sich im
(Kap. 4).
Eine gute Kommunikation zwischen Bürgern und lokalen Initiativen, der Kommune und
regionalen Gremien ist Dreh- und Angelpunkt einer positiven Entwicklung. Unterstützungs-
strukturen wie die Regionalmanagements sind auch für den „normalen Bürger“ gedacht und
der direkte Draht zu diesen sollte genutzt werden. Es geht also darum, wie miteinander und
zwischen den Ebenen kommuniziert wird. Dies spiegelt die jeweiligen Formen lokaler und
regionaler Steuerung (governance) wider - ob die Bürger nicht nur Rat suchen, sondern
auch verstärkt mitreden und -gestalten können. Hierzu kann es notwendig sein, dass sie
sich dauerhaft organisieren, um auf Augenhöhe verhandeln und als verlässlicher Partner im
Dreiergespann Staat, Markt und Gemeinschaft (Zivilgesellschaft) wirken zu können (Glasl
2010). Ein Rezept zur Förderung dieser Prozesse ist: sich miteinander bekannt machen, den
Dialog suchen, Beziehungen aufbauen und das Vertrauen wecken und pflegen.
2
LEADER steht für „Liaison entre Actions de Développement de L´Économie Rurale“ und bedeutet übersetzt:
„Verbindungen zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“.

45
4.
Weiterführende Informationen
Förderrichtlinie Integrierte Ländliche Entwicklung (FR ILE/2007):
Kapitel H:
Strategieentwicklung und deren Umsetzung im Rahmen der Integrierten Ländlichen Entwick-
lung (ILE-Gebiete):
http://www.revosax.sachsen.de/Details.do?sid=5545113693737&jlink=x13&jabs=14
Kapitel J:
Strategieentwicklung und deren Umsetzung im Rahmen von LEADER (LEADER-Gebiete):
http://www.revosax.sachsen.de/Details.do?sid=5545113693737&jlink=x14&jabs=15
Förderrichtlinie Demografie der Sächsischen Staatskanzlei:
http://www.demografie-sachsen.de
Übersicht zur Förderung von Studien und Konzepten sowie Projektmanagement in
Sachsen:
http://www.smul.sachsen.de/laendlicher_raum/1678.htm
Informationsseite „Wir für Sachsen“ des Sächsischen Staatsministeriums für Sozia-
les:
http://www.wir-fuer-sachsen.de/
Leitfaden Bürgermitwirkung bei der Dorfentwicklung, Sächsisches Staatsministerium
für Umwelt und Landwirtschaft:
http://www.smul.sachsen.de/laendlicher_raum/354.htm
Fortbildungsreihe „Professionell im Ehrenamt“, Sächsisches Landeskuratorium Länd-
licher Raum (SKL) e. V.
http://www.slk-miltitz.de/demografie_content.php?cmsin=demografie_2_4
Wegweiser Bürgergesellschaft, Stiftung Mitarbeit, Bonn:
http://www.buergergesellschaft.de/
Informationswebsite des österreichischen Bundesministeriums für Land- und Forst-
wirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft:
http://www.partizipation.at/index.php?id=home
Europäische Beispiele guter Praxis
Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung: Zeitschrift Dorferneuerung Inter-
national, verschiedene Jahrgänge,

46
http://www.landentwicklung.org/website/output.php?id=1023,
(nicht downloadbar, sondern
nur zu bestellen zum Preis von 12 €)
Europäische Kommission, Leader+: Vorbildliche Verfahren im Rahmen von Leader+,
http://ec.europa.eu/agriculture/rur/leaderplus/publications/bp_de.htm
Positionen und Stellungnahmen:
Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (2010): Forderung Nr.8: Infrastrukturen für
kommunale Engagementförderung stabilisieren und ausbauen!
http://www.b-b-e.de/index.php?id=14380
)
Nationales Forum für Engagement und Partizipation, Dialogforum „Infrastrukturförderung“
(2010): Ergebnisbericht,
http://www.b-b-
e.de/fileadmin/inhalte/aktuelles/2010/06/nl13_ergebnisbericht_infrastruktur.pdf
Literatur
Bonas, I, et al. (2006): Gemeinschaftsnutzungsstrategien für eine nachhaltige lokale Ent-
wicklung, oekom Verlag, München
Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung (2010): Leitbild für eine nachhalti-
ge Entwicklung europäischer Dörfer und Landgemeinden ARGE,
http://www.landentwicklung.org/website/output.php?id=1018&idcontent=1305
Freitag, T./Braun, D. (2007): Dörfliche Begegnungsstätten. Analyse, Bewertung und Ent-
wicklungsempfehlungen. Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft (Hrsg.), Dresden,
http://www.smul.sachsen.de/laendlicher_raum/871.htm,
geladen am 11.09.2010
Glasl, A. (2010): Bedeutet Local Governance das Ende der Bürgerbeteiligung? In:
http://www.partizipation.at/standpunkt-glas.html,
Standpunkt
Juli
2010,
geladen
am
19.11.2010
Helfrich, S./Kuhlen, R./Sachs, W./Siefkes, C. (2009): Gemeingüter – Wohlstand durch Tei-
len. Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.), Berlin,
http://www.boell.de/downloads/Gemeingueter_Report_Commons.pdf
Interdisziplinärer Arbeitskreis Dorfentwicklung „Bleiwäscher Kreis“ (2010): Dokumentation
des 17. Dorfsymposium am 3.-4. Mai in Bleiwäsche:
http://daten.verwaltungsportal.de/dateien/meldungen/113060/dokumentationbleiwaesche201
0.pdf
Nationales Forum für Engagement und Partizipation (2010): Dialogforum „Infrastrukturförde-
rung“ am 27.04.2010,
http://www.b-b-e.de
Ostrom, E. (2009): Gemeingütermanagement – eine Perspektive für bürgerschaftliches
Engagement, in: Helfrich, Silke, Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Wem gehört die Welt? Zur
Wiederentdeckung der Gemeingüter, S. 218-228
Stigson, B. et al. (2009): Sustainability „Made in Germany“ - We know you can do it. Peer
Review der deutschen Nachhaltigkeitspolitik, Rat für Nachhaltige Entwicklung (Hrsg.), texte
Nr. 29, Berlin