0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
27
29
31
33
35
37
39
41
43
45
47
49
51
1
3
5
7
9
11
13
15
17
19
21
23
25
Kalenderwochen
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
0
5
10
15
20
25
30
35
40
Influenzavirusnachweise
Influenzavirusnachweise
Inzidenz 2009/2010
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
Inzidenz 2008/2009
ARE-/Influenza-Sentinel 2009/2010
LANDESUNTERSUCHUNGS-
ANSTALT FÜR DAS GESUNDHEITS-
UND VETERINÄRWESEN
im Freistaat Sachsen

│1
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zum ARE-/Influenza-Sentinel 2009/2010 im Freistaat Sachsen ......................................................................................................................................................2
1.
Auswertung des epidemiologischen ARE-/Influenza – Sentinels 2009/2010 im Freistaat Sachsen .......................................................................................3
1.1
Anfangsphase der Ausbreitung des pandemischen Influenzavirus A/H1N1v im Freistaat Sachsen (22.-39. Berichtswoche 2009) .........................3
1.2
Das ARE-/Influenza-Sentinel (40. BW 2009 bis 17. BW 2010) ................................................................................................................................................................6
2.
Auswertung des Influenza-Sentinels, mikrobiologischer Teil, 2009/2010 im Freistaat Sachsen ...........................................................................................12
2.1
Vorbemerkungen zum Influenza-Sentinel 2009/2010 ............................................................................................................................................................................12
2.2
Anpassung der Diagnostik an die epidemiologischen Besonderheiten ...........................................................................................................................................12
2.3
Ergebnisse des Sentinels vom Oktober 2009 bis April 2010 .................................................................................................................................................................12
3. Influenza-Impfstoff für die Saison 2010/2011 ...........................................................................................................................................................................................15

image
2 │
Aufmerksame und regelmäßige Leser des
jährlichen sächsischen Berichtes zum ARE-/
Infl uenza-Sentinel werden über längere Zeit
eine gewisse Gleichförmigkeit im Ablauf der
Infl uenzasaison im Vergleich der aufeinan-
derfolgenden Jahre bemerkt haben: wenige
Fälle im Herbst, Anstieg der Erkrankungs-
zahlen nach Beginn des neuen Jahres (mal
etwas früher, mal später), Gipfel einer Infl u-
enzawelle meist im Februar bis März, danach
Abfl auen der Erkrankungswelle, Ende der
Infl uenzasaison zum April. Mitunter trat nur
ein Virustyp (z. B. Infl uenza A) bzw. -Subtyp
(z B. ausschließlich A/H3N2) auf, in anderen
Jahren waren mehrere vertreten. Nicht sel-
ten ist ein sogenannter zweigipfl iger Verlauf,
d. h., auf eine Welle, die hauptsächlich durch
Infl uenza A bestimmt wird, folgt eine zweite,
in der Infl uenza B dominiert.
Die Übereinstimmung der zirkulierenden Vi-
russtämme mit den im aktuellen Impfstoff
enthaltenen Antigenen, die für die jeweilige
Saison von der WHO empfohlen werden, war
in der Regel gut.
Nachdem die letzte große Infl uenzaepidemie
des 20. Jahrhunderts bereits 40 Jahre zurück-
lag („Hongkong-Grippe“ 1968) war schon
seit längerem mit Besorgnis auf die nächste
Pandemie „gewartet“ worden. Zur Hongkong-
Grippe trat der Infl uenza-Subtyp A/H3N2 neu
auf. Anlässlich der „Russischen Grippe“ im
Jahr 1977, einer ausgedehnten Epidemie, war
das Wiederauftreten des Infl uenza A-Subtyps
H1N1 beobachtet worden. Es stellte sich die
spannende Frage, welcher Subtyp nun Aus-
löser der nächsten Pandemie sein könnte. In
den letzten Jahren erlangte das Thema „Vo-
gelgrippe“ in den Medien große Aufmerksam-
keit. Seit 1997 löste der Subtyp A/H5N1 (das
„Vogelgrippe-Virus“) nach Übertragung von
Vögeln auf den Menschen erstmals auch To-
desfälle aus, allerdings nur sporadisch. Eine
Mensch-zu-Mensch-Übertragung, wichtige
Voraussetzung für eine Pandemie, konnte bis-
her nicht bestätigt werden. Dennoch bestand
die nicht unbegründete Vermutung, dass die-
ses Virus der Verursacher der nächsten Infl u-
enza-Pandemie sein könnte. Die WHO hatte
schon seit längerem alle Mitgliedstaaten
aufgefordert, Pandemiepläne aufzustellen,
um für eine Pandemie, die sich erfahrungsge-
mäß nicht frühzeitig ankündigt, gewappnet
zu sein. Die Pandemiepläne wurden aus den
oben genannten Gründen auf eine durch das
Vogelgrippe-Virus H5N1 hervorgerufene Pan-
demie ausgerichtet.
In der vergangenen Infl uenza-Saison 2009/
2010 war nun alles anders als vorher. Eben
war die Saison 2008/2009 beendet, die Aus-
wertung sollte beginnen, da erhielten wir am
24. April 2009 vom Robert Koch-Institut die
Information über das Auftreten eines neuen
Infl uenzavirus vom Subtyp A/H1N1 in Nord-
amerika. Vor allem aus Mexiko wurde über
viele Erkrankungsfälle mit schwer verlaufen-
den Atemwegsinfektionen und einer hohen
Rate an Todesfällen berichtet. Der Begriff
„Schweinegrippe“ etablierte sich schnell, vor
allem in den Medien, obwohl es sich nicht
um eine Übertragung vom Schwein auf den
Menschen handelte. Das neuartige Virus
vom
bereits beim Menschen bekannten Sub-
typ A/H1N1 (siehe „Spanische Grippe“ 1918,
„Russische Grippe“ 1977) setzte sich aus vier
Anteilen zusammen: Klassisches Schweine-
virus (H1N1) aus Nordamerika, Eurasisches
Schweinevirus (H1N1), Vogel-H1N1-Virus aus
Nordamerika und Humanes H3N2-Virus. Der
treffendere Name für diese Neue Infl uenza
wäre „Mexikanische Grippe“ oder „Nordame-
rikanische Grippe“ gewesen.
In Deutschland trat der erste Fall in Gestalt
eines Reiserückkehrers aus Mexiko am 28. Ap-
ril
2009 in Bayern auf. Sachsen war erstmals
am 30. Mai 2009 betroffen, als das Virus bei
einem US-Staatsbürger identifi ziert wurde.
Am 11. Juni rief schließlich die WHO die pan-
demische Warnphase 6 (= Pandemie) aus.
Der Zeitraum des Infl uenza-Sentinels im Frei-
staat Sachsen erstreckte sich wie in jedem
Jahr von Oktober 2009 bis April 2010. In die-
sen Monaten wurden an der LUA fast 2.400
Probenmaterialien (Nasen-/Rachenabstriche
oder Rachenabstriche) aus allen 13 Landkrei-
sen bzw. kreisfreien Städten Sachsens unter-
sucht. In fast 40 % der Proben konnte das
Neue Infl uenzavirus A/H1N1 nachgewiesen
werden. Der Nachweis von Infl uenza B-Virus,
Infl uenza A/H3N2-Virus und saisonalem In-
fl uenza A/H1N1-Virus war nicht zu erbrin-
gen. Somit entsprachen unsere sächsischen
Ergebnisse den am Nationalen Referenzzen-
trum für Infl uenza am Robert Koch-Institut
(RKI) erhobenen.
Die Hoffnung, dass der aktuelle saisonale
Infl uenzaimpfstoff, der ja bekanntermaßen
seit 30 Jahren auch eine A/H1N1-Komponen-
te enthält, gegen dieses neue Infl uenzavirus
wirksam sein könnte, zerschlug sich leider
sehr schnell. Der neue H1N1-Virusstamm war
gegenüber den bisherigen H1N1-Stämmen
so verändert, dass man allenfalls mit einer
äußerst geringen, keinesfalls ausreichenden
Schutzwirkung rechnen konnte. Daraus ergab
sich die Notwendigkeit, in kurzer Zeit neue,
wirksame Impfstoffe zur Verfügung zu stel-
len, wozu auch die WHO die Impfstoffher-
steller aufforderte. Glücklicherweise waren
schon vor dem Beginn dieser Pandemie sog.
Musterimpfstoffe auf Basis des A/H5N1-Virus
hergestellt, getestet und zugelassen worden,
so dass man dann „nur“ den H5N1-Stamm ge-
gen den nun tatsächlichen Pandemiestamm
A/H1N1v
(„v“ steht für Variante, d. h. „Neues
Infl uenzavirus“) austauschen musste. Das
brachte einen großen Zeitvorteil.
Unser Sentinel konnte die gute Wirksamkeit
der Schutzimpfung gegen die Neue Infl uen-
za bestätigen. So betrug der Anteil geimpfter
Personen an allen mit Infl uenzavirusnachweis
nur 1 %. Auch dieses Ergebnis ist dem vom
RKI publizierten vergleichbar.
Wie in jedem Jahr halten wir es für wich-
tig darauf hinzuweisen, dass es sich bei den
Nachweisen in unserem Sentinel nicht um
die Gesamtanzahl der im Sentinelzeitraum in
Sachsen aufgetretenen Infl uenzaerkrankun-
gen handelt. Das Überwachungsprogramm
(= Sentinel) erfasst „nur die Spitze des Eis-
berges“, zeigt aber zuverlässig eine Zirkula-
tion von Infl uenzaviren an und bildet Trends
ab: Beginn, Gipfel, Ende, Verbreitung und
Intensität der Infl uenzawelle bzw. –epidemie,
Typen bzw. Subtypen der zirkulierenden Viren.
Die tatsächliche Anzahl der Infektionen liegt
vielfach höher.
Das sächsische ARE-/Infl uenza-Sentinel lie-
fert wissenschaftlich begründete und für die
Praxis wichtige Informationen für Prävention
und Therapie. Allen Beteiligten in Sentinel-
praxen, Krankenhäusern, Gesundheitsämtern
und sonstigen Institutionen danken wir sehr
herzlich für ihre engagierte Mitarbeit und bit-
ten sie, zum Erhalt und zur weiteren Vervoll-
kommnung dieser Arbeit beizutragen. Unser
Ziel ist es, Ihnen mit diesem Bericht einen
Einblick in eine wichtige Aufgabe des Öffent-
lichen Gesundheitsdienstes zu geben.
Dr. Gerlinde Schneider
Präsidentin m.d.W.b.
Vorwort zum ARE-/Infl uenza-Sentinel
2009/2010 im Freistaat Sachsen

│3
Die Infl uenzasaison 2009/2010 nimmt in
mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung im
Vergleich zu den Infl uenzawellen der vergan-
genen Jahre ein.
Zum einen führte das Auftreten des neuen
pandemischen A/H1N1v-Infl uenzavirus-Stam-
mes zu einer jahreszeitlich ungewöhnlichen
Infl uenzawelle in den Sommermonaten. Der
Höhepunkt der diesjährigen Infl uenzasaison
wurde zwischen der 46. und 48. Berichtswo-
che (BW) 2009 registriert, einem Zeitraum in
dem in Europa normalerweise nur vereinzelte
Infl uenzavirusnachweise geführt werden.
Zum anderen mussten auf Grund der Neu-
gliederung der Kreisgebiete in Sachsen (im
Jahr 2008) die Erfassung sowie vor allem
auch die Beurteilung der Daten, die akuten
respiratorischen Erkrankungen (ARE) betref-
fend, umgestellt werden. Eine Auswertung
der akuten respiratorischen Erkrankungen
anhand der „Altkreise“, wie sie in der ver-
gangenen Saison 2008/2009 noch möglich
war, konnte nun nicht mehr erfolgen. Eine
vergleichende Darstellung ist demzufolge
nicht mehr möglich. Da zur Bestimmung des
sog. epidemiologischen Normalgangs (NG)
und epidemiologischer Schwellenwerte Ver-
gleichszahlen für die verschiedenen Territo-
rien und Altersgruppen über mindestens fünf
zusammenhängende Jahre vorliegen müssen,
konnten in diesem Jahr auch dies betreffend
keine entsprechenden Auswertungen vorge-
nommen werden.
Die Ergebnisse der Infl uenzaüberwachung
der Saison 2009/2010 basieren ansonsten
wie bereits in den vergangenen Jahren (siehe
LUA-Mitteilungen sowie diesbezügliche Son-
derhefte) auf der Grundlage verschiedener
erhobener Daten.
Hierzu zählen aus epidemiologischer Sicht
insbesondere:
]
das Infl uenza-Sentinelsystem des öffentli-
chen Gesundheitsdienstes (ÖGD) in Sach-
sen bzw. der Arbeitsgemeinschaft Infl u-
enza (AGI) inklusive Sachsen in Deutsch-
land
]
der Erregernachweis (PCR und Anzucht)
u. a. zur Bestätigung epidemiologischer
Daten (Beginn/Ende einer Epidemie)
]
die Berücksichtigung entsprechender Be-
richte aus den anderen Bundes- und den
europäischen Nachbarländern, über Häu-
fungen, Informationen zu infl uenzatypi-
schen Krankheitsbildern, Komplikationen,
Altersspezifi tät, Mortalität etc.
Um trotz der erwähnten Umstellungen eine
gewisse Vergleichbarkeit mit den ARE-/Infl u-
enza-Sentinels der Vorjahre im Freistaat Sach-
sen zu erzielen, wird im Rahmen der vorlie-
genden Auswertung am bewährten Erfas-
sungszeitraum: 40. BW 2009 bis einschließ-
lich 17. BW 2010 festgehalten.
Dennoch erschien es uns unerlässlich, zu-
nächst den Beginn der pandemischen Infl u-
enzawelle und die ersten Erkrankungsfälle
in Sachsen, die bereits ab der 22. BW 2009
auftraten, zu beschreiben.
1.1 Anfangsphase der Ausbreitung des
pandemischen Infl uenzavirus A/H1N1v
im Freistaat Sachsen (22.-39. Be-
richtswoche 2009)
Am Freitag, dem 24. April 2009, informierte
das Robert Koch-Institut (RKI) die zustän-
digen Ansprechpartner der Ministerien und
Landesstellen über das Auftreten eines neu-
artigen Infl uenza A/H1N1-Virus. Nachdem
bereits ab Ende des Jahres 2008 vereinzelte
Erkrankungsfälle in Nordamerika (Kalifornien
und Texas) registriert worden waren, gingen
aus verschiedenen Provinzen Mexikos Mel-
dungen über größere Erkrankungsausbrüche
mit schwer verlaufenden Atemwegsinfektio-
nen ein. Die Situation wurde als besorgniser-
regend eingestuft, zumal zunächst Letalitäts-
raten von 7 % und mehr angegeben wurden,
die sich glücklicherweise später als falsch
herausstellen sollten. Auf Grund dessen, dass
es sich bei dem Virus um eine 4-fache Reas-
sortante mit den Anteilen: Schweine-Virus
aus Nordamerika, Schweine-Virus aus Eu-
ropa und Asien, humanes Virus und aviäres
Virus handelte, sprach man, bzw. die Medien,
schnell von der „Schweinegrippe“, obwohl alle
Fälle keinen bekannten Kontakt zu Schweinen
hatten.
Bereits am Nachmittag des 24. April fand
eine erste durch das RKI geleitete Telefon-
konferenz der Bundesländer und des Bun-
desgesundheitsministeriums statt, an der
auch die LUA Sachsen beteiligt war. In dieser
wie auch in vielen weiteren Besprechungen,
die zunächst sogar täglich anberaumt wur-
den, trafen die Beteiligten Absprachen eine
bundesweit einheitliche Strategie betreffend
und entwickelten Empfehlungen zur weiteren
Vorgehensweise und zu Maßnahmen. Diver-
se Dokumente mussten erstellt, in der Folge
ständig überarbeitet und aktualisiert werden.
Hierzu gehörten Handlungsempfehlungen
für den Öffentlichen Gesundheitsdienst und
die Ärzteschaft (der ambulanten Versorgung
und der Krankenhäuser), Informationsmate-
rial für betroffene Personen/Patienten bzw.
Kontaktpersonen, wie auch Hinweise für die
Bevölkerung. Beispielhaft erwähnt seien an
dieser Stelle:
Empfehlungen zum Vorgehen bei Verdachts-
fall Infl uenza A/H1N1; zum Umgang mit Kon-
taktpersonen und zur Diagnostik, Therapie
und Prophylaxe der Infektion mit dem Virus
der Neuen Infl uenza; Hinweise für Ärzte zur
Feststellung und Meldung eines Verdachtes,
der Erkrankung sowie des Todes an Neuer
Infl uenza; zur Probenentnahme; zum Patien-
tenmanagement im Krankenhaus; zu Hygie-
nemaßnahmen und Maßnahmen in Flugzeu-
gen und auf Flughäfen; zum Umgang mit
Verstorbenen; Informationen zur Hygiene-
maske u. v. m.
Auch an der Erstellung und Umsetzung der
„Verordnung über die Meldepfl icht bei Infl u-
enza, die durch das erstmals im April 2009
in Nordamerika aufgetretene neue Virus
(„Schweine-Grippe“) hervorgerufen wird“
vom 30.04.09, deren Änderung sowie ent-
sprechender Infobriefe an die Gesundheits-
ämter waren neben den Ministerien auch
Mitarbeiter der Landesstellen beteiligt. Zu-
dem wurden Meldeformulare und Erhebungs-
bögen erarbeitet. All diese Dokumente, die in
Folge der sich ständig ändernden epidemio-
logischen Situation laufend angepasst wur-
den, mussten den Adressaten entsprechend
erläutert werden. Außerdem fungierten wir
als Ansprechpartner für Gesundheitsämter
und Ärzte bei auftretenden Fragestellungen
und Problemen.
Neben einer intensiven Zusammenarbeit mit
dem RKI bestanden demzufolge ein sehr en-
ger Kontakt zu den sächsischen Gesundheits-
ämtern und eine Bindegliedfunktion zwischen
den verschiedenen Institutionen, die sich als
ausgesprochen wichtig herausstellten.
Erste Erkrankungsfälle in Deutschland und
Sachsen
Nachdem ein Reiserückkehrer aus Mexiko als
erster Infl uenza A/H1N1v-Erkrankungsfall in
Deutschland (Bayern) am 28.04.09 gemeldet
worden war, erreichte die Neue Infl uenza in
Gestalt eines US-Staatsbürgers schließlich
am 30.05.09 - also in der 22. Kalenderwo-
che
(KW) - auch den Freistaat Sachsen. Der
22-jährige Patient wurde in ein Leipziger Kli-
1. Auswertung des epidemiologischen ARE-/
Infl uenza Sentinels 2009/2010
im Freistaat Sachsen

4 │
nikum eingewiesen und erhielt eine antivirale
Therapie mit einem Neuraminidasehemmer.
Der zweite Fall betraf eine 23-jährige Studen-
tin aus Dresden, die direkt nach Reiserückkehr
aus New York erkrankte. Hier war eine Hospi-
talisierung auf Grund des milden Verlaufs bei
leichter respiratorischer Symptomatik nicht
erforderlich. Die ersten in Sachsen wie auch
bundesweit registrierten Erkrankungsfälle be-
trafen ausschließlich Personen, die sich zuvor
in den entsprechenden Risikoländern (zu-
nächst Mexiko und die USA, später auch Spa-
nien, Großbritannien usw.) aufgehalten hat-
ten bzw. deren enge Kontaktpersonen. In Ta-
belle 1 sind die ersten 30 im Freistaat regist-
rierten Erkrankungsfälle aufgelistet.
In 65 % der bis einschließlich der 30. KW 2009
gemeldeten Fälle handelte es sich um Reise-
rückkehrer, von denen sich wiederum mehr
als drei Viertel in Spanien aufgehalten hat-
ten. In besonderem Maße betroffen war die
Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen, der
60 % der Erkrankungsfälle zuzuordnen wa-
ren, gefolgt von den 25- bis 44-Jährigen mit
24 %.
Die Sommerferien und somit die Haupt-
reisezeit begannen in Sachsen in der 27. und
endeten nach der 32. Kalenderwoche 2009.
Nachdem in den Monaten April und Mai bun-
desweit vor allem importierte Einzelfälle und
Folgeinfektionen bei engen Kontaktpersonen
registriert worden waren, stiegen die Fallzah-
len deutschlandweit in den Ferienmonaten
deutlich an. Diese erste mit den Ferienzei-
ten korrelierende Infl uenzawelle war auch in
Sachsen zu beobachten (siehe Abbildung 1),
allerdings deutlich weniger ausgeprägt als
z. B. in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen,
Bayern und Baden-Württemberg.
Abbildung 1 verdeutlicht die Dominanz der
Tab. 1: Neue Influenza A/H1N1:
Von der 22. bis zur 30. BW 2009 erfasste Erkrankungsfälle in Sachsen
Fall
Kreis
statistisch
erfasst in BW
Geschlecht
Alter Infektionsquelle
mw
Fall 1
SK Leipzig
22.
x
22
USA (US-Bürger)
Fall 2
SK Dresden
23.
x
23
USA-Aufenthalt
Fall 3
SK Görlitz
24.
x
22
Kontakt zu Fall aus SK Cottbus
Fall 4
SK Dresden
24.
x
3
Kita Dresden
Fall 5
LK Sächs. Schweiz-Osterzgebirge
24.
x
52
Großmutter von Fall 4
Fall 6
LK Erzgebirgskreis
25.
x
28
England-Aufenthalt
Fall 7
SK Leipzig
26.
x
39
USA-Kanada-Rundreise
Fall 8
SK Leipzig
26.
x
26
USA
Fall 9
SK Dresden
26.
x
11
unbekannt
Fall 10
SK Dresden
27.
x
45
Kontakt
Fall 11
SK Dresden
27.
x
43
Kontakt
Fall 12
LK Sächs. Schweiz-Osterzgebirge
27.
x
41
Kontakt
Fall 13
SK Leipzig
27.
x
25
Australien
Fall 14
LK Bautzen
26.
x
22
Großbritannien
Fall 15
SK Dresden
27.
x
60
Kontakt
Fall 16
SK Leipzig
27.
x
20
Australien
Fall 17
SK Dresden
26.
29
unbekannt
Fall 18
LK Sächs. Schweiz-Osterzgebirge
27.
x
43
Kontakt
Fall 19
LK Zwickau
27.
x
11
Kontakt
Fall 20
LK Zwickau
28.
x
55
Indonesien
Fall 21
LK Meißen
28.
x
41
Spanien
Fall 22
LK Meißen
28.
x
36
Spanien
Fall 23
LK Zwickau
28.
x
62
USA
Fall 24
SK Leipzig
28.
x
37
Thailand
Fall 25
LK Sächs. Schweiz-Osterzgebirge
28.
x
31
Kontakt zu Fall 26
Fall 26
LK Bautzen
28.
x
25
unbekannt, autochthon
Fall 27
LK Sächs. Schweiz-Osterzgebirge
28.
x
20
Kontakt zu Fall 26
Fall 28
LK Meißen
28.
x
18
Spanien
Fall 29
LK Meißen
29.
x
18
Spanien
Fall 30
SK Leipzig
29.
x
17
Spanien
Abb. 1: Erkrankungsfälle an Neuer Infl uenza A/H1N1 in Sachsen; 22.-39. BW 2009 nach Infektionsort: Ausland - Deutschland
0
10
20
30
40
50
60
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
Meldewochen
Anzahl
Ausland
Deutschland

│5
im Ausland erworbenen Infektionen bis zur
37. Kalenderwoche 2009, also bis in den
September hinein. Es zeigt sich demzufolge
eine Korrelation mit der Reisezeit. Die Liste
der Länder, in denen sich sächsische Bürger
(von der 22. bis zur 39. KW 2009) außerhalb
Deutschlands infi zierten, wurde von Spanien
angeführt, mit deutlichem Abstand folgten
Bulgarien und die USA (siehe Abbildung 2).
Unter den mit dem Begriff „Sonstige“ zusam-
mengefassten Ländern befanden sich unter
anderem Thailand, Großbritannien, Griechen-
land, Italien, Malta und die Türkei. Allerdings
wurden jeweils nur einige wenige Erkran-
kungsfälle (zwischen 5 und 7) registriert, die
in diesen Ländern erworben wurden. Nur je
1-3 gemeldete Erkrankungen konnten den
Reisezielen Portugal, Australien, Indonesien,
Kanada, Argentinien, China, Österreich, Paki-
stan und Ungarn zugeordnet werden.
Aus Abbildung 3 wird ersichtlich, dass zu-
nächst vor allem Jugendliche und junge Er-
wachsene an Neuer Infl uenza erkrankten.
Jugendliche Touristen infi zierten sich in den
betroffenen beliebten Reiseländern.
Bis einschließlich der 39. BW 2009 traten in
Sachsen 360 labordiagnostisch bestätigte
Fälle an Neuer Infl uenza A/H1N1 auf. Zusätz-
lich wurden im direkten Zusammenhang 46
klinisch-epidemiologisch bestätigte Fälle er-
fasst.
In 60 % der Fälle (n = 227) handelte es sich
um Reiserückkehrer. Im besonderen Maße
betroffen war die Altersgruppe der 15- bis
24-Jährigen (48,9 % der Fälle). Nur jeweils
eine Erkrankung wurde bei Senioren (über
65-Jährigen) und Säuglingen (< 1 Jahr) re-
gistriert.
Von den sächsischen Gesundheitsämtern
wurden zudem diverse kleinere Erkrankungs-
häufungen innerhalb von Familien, Freundes-
kreisen, Reisegruppen, Kindereinrichtungen,
Schulen (ab der 33. BW 2009) und unter Ar-
beitskollegen übermittelt.
Todesfälle kamen in Sachsen bis zu diesem
Zeitpunkt (39. KW 2009) noch nicht zur Mel-
dung. Auch bundesweit wurde bis dato nur
ein Todesfall als Infl uenza bedingt gewer-
tet. Betroffen war eine 36-jährige chronisch
kranke und stark übergewichtige Patientin
aus Nordrhein-Westfalen, die nach bakteriel-
ler Superinfektion in der 40. KW an Multior-
ganversagen verstarb.
Intensivierte Surveillance
Das Fachgebiet Infektionsepidemiologie, Ge-
sundheitsberichterstattung, humanmedizi-
nische Informationssysteme führte während
der gesamten Zeit eine intensivierte Sur-
veillance durch, in deren Rahmen zunächst
zweimal wöchentlich (zum Teil sogar täglich),
zum Ende der Welle dann wöchentlich, ein
Abb. 2: Erkrankungsfälle an Neuer Infl uenza A/H1N1 in Sachsen, 22.-39. BW 2009 nach Infektionsland
Abb. 3: Erkrankungsfälle an Neuer Infl uenza A/H1N1 in Sachsen, 22.-39. BW 2009 nach Altersgruppen
Lagebericht für den Freistaat Sachsen er-
stellt wurde. Neben Erkrankungszahlen nach
Kreisen enthielten die Berichte eine Alters-
gruppenauswertung, Hospitalisierungsraten,
Infektionsquellen (Inland/Ausland nach Län-
dern), Angaben zu Todesfällen sowie nähere
Erläuterungen zu Erkrankungsausbrüchen,
vor allem auch in Gemeinschaftseinrichtun-
gen. Bei Bedarf bzw. auf Anforderung wurden
zusätzliche Auswertungen vorgenommen.
Um die Arbeitsbelastung der Gesundheitsäm-
ter zu senken, wurde bundesweit ab 18.11.09
ein geändertes Übermittlungsverfahren ein-
geführt. Hierbei mussten nur noch die ers-
ten 10 Fälle pro Woche und Kreis als sog.
Einzelfälle über die Landesstellen an das RKI
weitergemeldet werden, die übrigen Erkran-
kungen wurden als „aggregierte Fälle“ ge-
meinsam erfasst (summiert).
Auch im weiteren Verlauf nahm die Lan-
desuntersuchungsanstalt an wöchentlichen
epidemiologischen Lagekonferenzen und
außerordentlichen Abstimmungen teil. Die
umfangreichen telefonischen Beratungsleis-
tungen des ÖGD und der Ärzteschaft nahmen
nicht ab, die Themen änderten sich. Hatten
zunächst, als nur vereinzelte Erkrankungsfäl-
le in Deutschland auftraten, noch Fragen zur
Vermeidung, zur Infektkettenunterbrechung,
zur Vorgehensweise bei Verdacht bzw. Er-
krankung, Wiederzulassung von Erkrankten
etc. dominiert, interessierten später Themen
wie labordiagnostische Absicherung, anti-
virale Therapie und vor allem die Impfung.
Gerade die ausgeprägte und unsägliche Ver-
unsicherung der Bevölkerung und der Ärzte
den Impfstoff betreffend und die daraus re-
sultierenden Anfragen führten zu einer zum
Teil extremen zusätzlichen Belastung unserer
Mitarbeiter. Durch Teilnahme an Telefonforen
der Presse sowie an der Hotline des Sächsi-
schen Staatsministeriums für Soziales und
Verbraucherschutz und durch Vorträge zum
Thema im Rahmen von Fortbildungsveran-
staltungen des ÖGD, der Landesärztekammer
und von ärztlichen Qualitätszirkeln halfen wir
44%
35%
6%
3%
12%
Deutschland
Spanien
Bulgarien
USA
Sonstige
0
20
40
60
80
100
120
0 - 4
5 - 9
10 - 14
15 - 19
20 - 24
25 - 44
45 - 64
65 und älter
Jahre
Erkrankungen absolut
5,8 %
2,5 %
9,1 %
22,3 %
26,6 %
25,6 %
7,6 %
0,5 %

6 │
mit, entsprechende Informationsdefi zite aus-
zugleichen.
1.2 Das ARE-/Infl uenza-Sentinel
(40. BW 2009 bis 17. BW 2010)
Während in den vorherigen Influenzasaisons
erst zum Jahreswechsel hin die ersten verein-
zelten Influenzavirusnachweise geführt wur-
den, befand sich in der Saison 2009/2010 das
Influenzageschehen mit Sentinelbeginn in der
40. KW 2009 bereits in vollem Gange und er-
reichte zwischen der 46. und 48. KW 2009 in
Sachsen wie auch bundesweit seinen Höhe-
punkt (siehe Tabelle 2 und Abbildung 4).
Die identifizierten Influenza-Erkrankungen
betrafen während des Sentinelzeitraums in
Sachsen zu 47,2 % die Altersgruppe der Schul-
kinder (7-<17 Jahre). 32,5 % der Erkrankun-
gen wurden bei Erwachsenen (17-<60 Jahre)
und 16,9 % in der Altersgruppe der Klein- und
Vorschulkinder (1-<7 Jahre) registriert. In nur
0,8 % der Fälle waren über 60-jährige Patien-
ten betroffen. 2,2 % der Fälle ließen sich der
Hochrisikogruppe der unter 1-Jährigen zuord-
nen. Somit traten annähernd
2
/3 aller nachge-
wiesenen Infektionen bei Kindern und Jugend-
lichen auf, was nachfolgend in Tabelle 3 sowie
in Abbildung 5 dargestellt wird.
Tab. 2: Probeneinsendungen, Influenzavirusnachweise (mittels PCR) und Positivraten
KW*
Probeneinsendungen
Nachweise
Positivrate (in %)
40
65
13
20,0
41
60
18
30,0
42
58
12
20,7
43
57
13
22,8
44
127
32
25,2
45
419
149
35,6
46
518
251
48,5
47
278
151
54,3
48
191
90
47,1
49
137
69
50,4
50
115
46
40,0
51
84
38
45,2
52
32
11
34,4
53
27
10
37,0
1
21
2
9,5
2
12
1
8,3
3
21
1
4,8
4
18
7
38,9
5
11
3
27,3
6
200
7
17
2
11,8
8
700
9
7
1
14,3
10 - 17
80 0 0
Summe
2.364
920
38,9
* Kalenderwoche
Abb. 4: Probeneinsendungen und Infl uenzavirusnachweise (mittels PCR) nach Kalenderwochen (Tag der Probeentnahme) im Freistaat Sachsen 40. KW 2009-17. KW 2010
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.- 17.
2009
Kalenderwochen
2010
Anzahl
Probeneinsendungen
darunter Nachweise

│7
Im Sentinelzeitraum erkrankten also verhält-
nismäßig viele Schulkinder. In der vorherigen
Saison 2008/2009 hingegen waren die Alters-
gruppen 1-<7, 7-<17 und 17-<60 relativ
gleichmäßig betroffen gewesen.
Im Verlauf der Influenzawelle dieser Saison wa-
ren in den Sommermonaten zunächst vor allem
junge Erwachsene erkrankt (siehe Abbildung 3).
Die Krankheitslast verschob sich im Herbst auf
die Schulkinder und Jugendlichen.
Während zwischen der 40. und 44. KW 2009
noch zwischen 2,3 bis 14,5 % der Infektionen
im Ausland erworben wurden, erfolgte ab der
45. KW die Infektion in über 99 % der Fälle (ab
50. KW 2009 dann zu 100 %) in Deutschland.
Den klinischen Verlauf der diesjährigen Influen-
za-Erkrankungen beschrieben die behandeln-
den Ärzte einerseits als überwiegend leicht bis
mittelschwer und komplikationslos. Allerdings
kam es vor allem natürlich bei Risikopatienten,
die durch chronische Erkrankungen, Adipositas
etc. vorbelastet waren, aber auch bei ansons-
ten vollkommen gesunden Erwachsenen mitt-
leren Alters zu außerordentlich schweren und
langwierigen Verläufen. Diese Fälle erforderten,
verglichen mit den Vorjahren, sehr viel häufiger
eine zum Teil lang andauernde intensivmedi-
zinische Betreuung. Auch aus Kinderkliniken
wurde über ausgesprochen schwere Erkran-
kungsfälle berichtet.
Im Freistaat Sachsen verstarben in der Saison
2009/2010 insgesamt 8 ungeimpfte Patienten
im Alter zwischen 35 und 66 Jahren nachweis-
lich an Neuer Influenza. Der sich errechnende
arithmetische Mittelwert von 52 Jahren war
ausgesprochen niedrig. In zwei Fällen lagen
keine Grunderkrankungen bzw. Risikofaktoren
vor, bei zwei der Verstorbenen wurde eine chro-
nische Colitis - in einem Fall in Verbindung mit
Adipositas – angegeben. Ein weiterer Patient
wies neben dem Risikofaktor Adipositas auch
die Vorerkrankungen Diabetes sowie chronische
Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen auf.
Ebenfalls eine chronische Lungenerkrankung
galt als prädisponierender Faktor eines anderen
Todesfalles. Schließlich verstarben auch zwei
Leukämie-Patienten, die jeweils während eines
stationären Aufenthaltes zur Durchführung
einer Chemotherapie erkrankt waren. Diese
beiden
Todesfälle unterstreichen die Wichtig-
keit der Impfung einerseits für Risikogruppen,
andererseits auch für deren Kontaktpersonen
und vor allem für medizinisches Personal.
Eine antivirale Therapie mit Neuraminidase-
hemmer erfolgte nur in vier der Fälle und auch
nur bei einem dieser Patienten innerhalb von
24 Stunden nach Einsetzen der Symptome. Die
anderen Betroffenen hatten die Medikation
erst 6–12 Tage nach Erkrankungsbeginn erhal-
ten.
Tab. 3: Altersaufgliederung der Influenzavirusnachweise
(mittels PCR) in Sachsen und Chemnitz
Sachsen
Altersgruppen
Chemnitz
20
=
2,2 %
0
-
< 1
3
=
3,0 %
156
=
16,9 %
1
-
< 7
19
=
18,6 %
434
=
47,2 %
7
-
< 17
46
=
45,1 %
299
=
32,5 %
17
-
< 60
31
=
30,4 %
7
=
0,8 %
60
3
=
3,0 %
4
=
0,4 %
o.A.*
920
Gesamt
102
* ohne Angaben
Abb. 5: Infl uenzavirusnachweise (mittels PCR) nach Altersgruppen in Chemnitz und im Freistaat Sachsen
2009/2010
Abb. 6: Erkrankungsausbrüche nach Meldewochen 2009 und betroffener Einrichtung
Ab der 40. bis einschließlich der 53. KW 2009 ka-
men in Sachsen insgesamt
85 Neue Influenza
A/H1N1-Häufungen
zur Meldung. Im Jahr
2010 wurden keine Erkrankungsausbrüche
mehr registriert. 55 dieser Geschehen ereigne-
ten sich in Schulen, 16 innerhalb von Familien,
7 in Kindertagesstätten und weitere 7 in an-
deren Einrichtungen, z. B. in Ferienlagern. Im
Rahmen dieser Häufungen erkrankten jeweils
zwischen 2 und 70 Personen. Der mit 70 Er-
krankten größte Ausbruch ging zwischen der
39. und 43. KW 2009 von einer Leipziger Schu-
le aus. Aus Krankenhäusern, Seniorenheimen,
Kur- bzw. Reha-Einrichtungen wurden keine
Erkrankungshäufungen gemeldet (siehe auch
Abbildung 6).
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
0 < 1
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
60 und älter
Jahre
Prozent
Sachsen
Stadt Chemnitz
0
5
10
15
20
25
30
35
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
Meldewochen
Anzahl der Ausbrüche
Sonstige
Kitas
Familien
Schulen

8 │
Abb. 8: Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Sachsen 2009/2010
Abb. 9: Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Sachsen 2009/2010 Mittelwert pro meldende Praxis/Einrichtung
Abb. 7: Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) und Infl uenzavirusnachweise (innerhalb des Sentinelzeitraumes: 40. KW 2009 -17. KW 2010) in Beziehung zum
Normalgang 27. KW 2009 - 26. KW 2010, Stadt Chemnitz
Die Entwicklung der ARE-Morbidität korrelier-
te mit den Nachweisraten der Influenzaviren,
die von der 45.-53. BW 2009 zwischen 34,4
und 54,3 % und in dem Zeitraum von der 46.-
51. BW 2009 jeweils über 40 % betrugen. Die
Mehrzahl der Influenzafälle (bezogen auf den
Tag der Materialentnahme) wurde in den Wo-
chen der höchsten ARE-Inzidenz diagnostiziert,
wobei sich die diesjährige Influenzaepidemie,
verglichen mit der Vorsaison (und allen ande-
ren Jahren zuvor), deutlich früher ausbildete
(siehe auch Tabelle 2 sowie Abbildungen 7, 8
und 9).
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
27 29 31 33 35 37 39 41 43 45 47 49 51 1
3
5
7
9 11 13 15 17 19 21 23 25
Kalenderwochen
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
0
5
10
15
20
25
30
35
40
Influenzavirusnachweise
Influenzavirusnachweise
Inzidenz 2009/2010
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
Inzidenz 2008/2009
0
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
14.000
40
42
44
46
48
50 52/53
2
4
6
8
10
12
14
16
2009
Kalenderwochen
2010
Erkrankungen gesamt
0
10
20
30
40
50
60
Mittelwert
Erkrankungen
gesamt
Mittelwert pro
meldende Praxis/
Einrichtung
LK Bautzen
SK Chemnitz
LK Zwickau
LK Vogtlandkreis
LK Erzgebirgskreis
LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
LK Mittelsachsen
SK Dresden
LK Görlitz
LK Meißen
SK Leipzig
LK Nordsachsen
Mittelwert pro meldende Praxis/Einrichtung (40.KW´09 bis 17.KW´10
10 bis 20
20 bis 30
30 bis 40
40 bis 50

│9
den im Verlauf der Saison natürlich auch in
anderen entsprechenden Einrichtungen Infl u-
enzaerkrankungen labordiagnostisch nachge-
wiesen, gemäß IfSG an die zuständigen Ge-
sundheitsämter gemeldet und von diesen an
die LUA übermittelt.
Trotzdem gestaltete sich eine konkrete Fall-
zahlermittlung äußerst schwierig. Die vor-
liegenden gemeldeten Erkrankungen stellen
sicherlich nur einen Teil der tatsächlich auf-
getretenen Fälle dar. Auf Grund der über-
wiegend milden Krankheitsverläufe und der
begrenzten Laborkapazitäten wurden bei
weitem nicht alle Verdachtsfälle auf Infl uen-
zavirus A/H1N1v untersucht.
Als die Zahl der gemeldeten Infl uenza
A/H1N1-Fälle stark anstieg, wurde ab dem
18. November 2009 zudem ein geändertes
Übermittlungsverfahren eingeführt, um die
Arbeitsbelastung der Gesundheitsämter zu
senken und sicherzustellen, dass wichtige
Informationen - zumindest für einen Teil der
gemeldeten Fälle - weiterhin erhoben wur-
den. Demnach war es ab der 47. KW 2009
möglich, laborbestätigte Fälle von Neuer In-
fl uenza A/H1N1, die durch die zuständigen
Gesundheitsämter aus Kapazitätsgründen
nicht als Einzelfallmeldung in die Meldesoft-
ware eingegeben werden konnten, als aggre-
gierte Daten zu übermitteln. Hierbei mussten
nur noch die ersten 10 Fälle pro Woche und
Kreis als sog. Einzelfälle über die Landesstel-
len an das RKI weitergemeldet werden, die
übrigen Erkrankungen wurden als „aggre-
gierte Fälle“ gemeinsam erfasst (summiert).
Diese aggregierten Daten bestanden aus nach
drei Altersgruppen (0-14 Jahre, 15-59 Jahre,
60 Jahre und älter) stratifi zierten Gesamtfall-
zahlen pro Woche (siehe Abbildung 10).
In Sachsen wurden in der Saison 2009/2010
innerhalb des ÖGD-Sentinels insgesamt 920
Influenza A-Infektionen nachgewiesen. Bei 917
dieser Influenza A-Viren gelang mittels PCR die
Subtypisierung und der Nachweis von Influen-
za A/H1N1v.
Bemerkenswert für die Influenzawelle 2009/
2010 ist demnach das ausschließliche Auftreten
des neuen Influenzastammes, der alle anderen
Influenzatypen bzw. -subtypen verdrängte.
Detaillierte Angaben zu den sächsischen Er-
gebnissen sind im Teil 2 – Influenza-Sentinel/
mikrobiologischer Teil aufgeführt.
Mit insgesamt 2.364 Einsendungen (davon 920
mit positivem Ergebnis) allein während des
Sentinelzeitraumes (40. KW 2009 bis 17. KW
2010) wurden in unseren Laboratorien ähnlich
viele Proben wie bereits in der vorangegange-
nen Saison auf Influenzavirus untersucht. Die
Anzahl der nachgewiesenen Influenzavirus-
Infektionen und die Positivrate von 38,9 %, das
heißt der Prozentsatz, der den Anteil der Sen-
tinelproben darstellt, in denen Influenzaviren
nachgewiesen wurden, lag nochmals höher als
im vergangenen Jahr. Tabelle 4 liefert eine Ge-
genüberstellung der Sentinel-Erhebungen seit
1999 hinsichtlich Anzahl der Probeneinsen-
dungen bzw. Nachweise, der Positivraten sowie
der Influenzavirustypen und -subtypen. Zu be-
achten ist, dass es sich in der Saison 2009/2010
ausschließlich um das
Neue
Influenza A/H1N1-
Virus (A/H1N1v) handelte.
Meldedaten nach dem Infektionsschutz-
gesetz (IfSG)
Zusätzlich zu den in den Laboratorien der LUA
Sachsen und im Rahmen des ARE-/Infl uenza-
Sentinels identifi zierten Infl uenzaviren wur-
Tab. 4: In der LUA Sachsen erhobene Influenzavirusnachweise Saison 1999/2000 bis 2009/2010
Saison
Anzahl
Probeneinsen-
dungen
Anzahl
Nachweise
(Anzucht und/
oder PCR)
Positivrate
(%)
Anzahl
Proben
Nachweis
Infl. A
Anzahl
Subtyp
A(H1N1)
Anzahl
Subtyp
A(H1N2)
Anzahl
Subtyp
A(H3N2)
Anzahl
Proben
Nachweis
Infl. B
2009/2010
2.364
920
38,9
920
1)
917
-
-
-
2008/2009
2.296
826
36,0
679
2)3)
8
-
369
2)
149
2)
2007/2008
1.629
449
27,6
190
188
-
2
259
2006/2007
2.088
733
35,1
732
4)5)
16
3)
-
290
4)
1
2005/2006
1.183
181
15,3
48
6)
11
-
36
133
2004/2005
4.310
1.922
44,6
1.192
7)8)
110
-
194
748
7)
2003/2004
1.628
482
29,6
482
-
-
482
-
2002/2003
3.588
1.195
33,3
1.088
9)
1
1
1.086
110
9)
2001/2002
1.239
411
33,2
174
10)
-
3 171
241
10)
2000/2001
1.379
401
29,1
397
396
-
1
4
1999/2000 1.854
411
22,2 411
-
- 411
-
1)
davon 3 x nicht typisierbar
6)
davon 1 x nicht typisierbar
2)
davon 2 Doppelinfektionen Influenza A/H3N2 und B
7)
davon 18 Doppelinfektionen: 4 x Influenza A (H1N1) und B, 3 x Influenza A (H3N2) und B sowie 11 x Influenza A (nicht typisiert) und B
3)
davon 292 x nicht typisiert und 10 nicht typisierbar
8)
davon 888 x nicht typisiert
4)
davon 1 Doppelinfektion A/H1N1 und A/H3N2
9)
davon 3 Doppelinfektionen Influenza A und B
5)
davon 427 x nicht typisiert
10)
davon 4 Doppelinfektionen Influenza A und B
Abb. 10:
Infl uenza A/H1N1v 2009/2010 in Sachsen, Meldedaten nach IfSG
0
500
1000
1500
2000
2500
22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52
1
3
5
7
9 11 13 15 17
Meldewochen
Anzahl
aggregierte Fälle
Einzelfälle

10 │
Infl uenzavirusnachweise bei Geimpften
Auch hinsichtlich der Schutzimpfung nahm
die Saison 2009/2010 verglichen mit den
Vorjahren eine Sonderstellung ein. Nach An-
passung der im Vorfeld entwickelten Muster-
impfstoffe stand der pandemische Impfstoff
erst ab der 44. Kalenderwoche 2009 zur Ver-
fügung. Nachdem zunächst das sog. Schlüs-
selpersonal (medizinisches Personal, Polizei,
Feuerwehr) durch Mitarbeiter des öffentli-
chen Gesundheitsdienstes geimpft worden
war, begann die Durchimmunisierung der all-
gemeinen Bevölkerung in Sachsen schließlich
ab der 46. KW 2009, also zu einem Zeitpunkt,
an dem die Infl uenzawelle ihren Höhepunkt
erreichte. Während für Kinder unter 10 Jah-
ren und für die ältere Bevölkerung zunächst
eine zweimalige Impfung empfohlen worden
war, wurde nach der Bewertung von Immu-
nogenitätsstudien des Herstellers ab dem
14.12.2009 in Deutschland für alle Alters-
gruppen über 10 Jahren eine einmalige Imp-
fung mit einer Erwachsenendosis, für Kinder
unter 10 Jahren mit einer halben Erwachse-
nendosis empfohlen.
In diesem Zusammenhang ist zu beachten,
dass ein Impfschutz gegen die Neue Infl uen-
za A/H1N1 erst 14 Tage nach der Impfung als
komplett aufgebaut gilt.
Zu 2.007 der insgesamt untersuchten 2.364
Einsendungen liegen uns Angaben zum Impf-
status vor. Somit wurde bei 357 (15,1 %) der
Untersuchten anlässlich der Probeentnahme
leider kein Impfstatus erhoben. In der vor-
angehenden Saison 2008/2009 erfolgte bei
11,4 % der Probeneinsendungen keine Infl u-
enza-Impfanamnese oder zumindest keine
Eintragung derselben auf dem Probenbegleit-
schein. Unserem Ziel einer lückenlosen Erfas-
sung der Impfanamnese sind wir somit im-
mer noch nicht näher gekommen. Gegen die
trug insgesamt nur 1 %
(Anteil Ungeimpf-
ter: 99 %).
Zum Vergleich: In der Saison 2008/2009 er-
krankten 11,4 % Geimpfte und 88,6 % Un-
geimpfte, in der Saison 2007/2008 7 % Ge-
impfte und 93 % Ungeimpfte, in der Saison
2006/2007 13 % Geimpfte und 87 % Unge-
impfte sowie in der Saison 2005/2006 14,6 %
Geimpfte und 85,4 % Ungeimpfte (siehe Ab-
bildung 11).
Betrachtet man die 8 Probanden, die trotz
Impfung gegen Infl uenza A/H1N1v erkrank-
ten, so stellt man fest, dass bei 6 dieser Pa-
tienten die Impfung im „ungeschützten“
Zeitfenster, also innerhalb der 14 Tage vor
Erkrankungsbeginn durchgeführt worden
war, also höchstwahrscheinlich noch gar kein
vollständiger Impfschutz aufgebaut werden
konnte. Bei einem weiteren Patienten mit Ri-
Abb. 11:
Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit Infl uenzavirusnachweis
(Saison 2006/2007, 2007/2008, 2008/2009 und 2009/2010)
Neue Infl uenza geimpft waren nur insgesamt
23 (1,15 %) der Patienten, von denen Proben
bei uns eingegangen waren, 1.984 Proban-
den waren anamnestisch gegen Infl uenza
A/H1N1v ungeimpft. Gegen die saisonale
Infl uenza hatten sich hingegen 348 (17,3 %)
der Probanden im Vorfeld einer Impfung un-
terzogen.
Für die folgenden Berechnungen zu Erkran-
kung und Impfung wird die Anzahl von 2.007
Probanden bzw. von 813 Positiv-Nachweisen
mit erhobenem aktuellen Impfstatus Infl uen-
za A/H1N1v betreffend (geimpft oder unge-
impft) zugrunde gelegt.
Trotz gesicherter Impfung gegen Infl uenza
A/H1N1v erkrankten 8 Probanden unseres
Sentinels an Infl uenza A/H1N1v.
Der Anteil
geimpfter Personen an allen mit Infl uen-
zavirusnachweis (= Infl uenza-Positive) be-
Abb. 12:
ARE-Normalgang und Verlauf 2005 bis 2010, Stadtkreis Chemnitz (gesamt)
13
7
11
1
87
93
89
99
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2006/2007
2007/2008
2008/2009
2009/2010
Ungeimpfte
Geimpfte
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
27
32
37
42
47
52
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
3
8
13.18
23
28
33
38
43
48
1
6
11
16
21
26
31
36
41
46
51
4
9
14
19
24
29
34
39
44
49
2
7
12
17
22
Kalenderwochen/Jahre
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
Normalgang
epid. Schwelle
Inzidenz
2006/07
2007/08
2008/09
2005/06
2009/10
2005
2006
2007
2008
2009
2010

│11
sikofaktoren lag anamnestisch eine hochgra-
dige Immundefi zienz vor (AIDS, Hepatitis C,
chronische Bronchitis). Auch in diesem Fall
erfolgte eine zweite Impfung, die bei diesem
Krankheitsbild zum Erzielen eines ausreichen-
den Impfschutzes wohl indiziert war, erst in-
nerhalb der letzten zwei Wochen vor Erkran-
kungsausbruch. Demzufolge reduziert sich
die Anzahl geimpfter Erkrankungsfälle wäh-
rend der geschützten Erkrankungsperiode auf
nur noch einen einzigen bestätigten Fall.
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften
in der Gesamtgruppe der Infl uenza-Positiven
lag insgesamt bei 1 : 100,3; d. h.
unter den
Erkrankten waren 100-mal so viele Unge-
impfte wie Geimpfte.
Während für Geimpf-
te eine auf die Anzahl der Probeneinsendun-
gen (mit Angabe des Impfstatus) bezogene
Erkrankungsrate von 0,4 % ermittelt werden
konnte, betrug diese bei Ungeimpften insge-
samt 40,1 %.
Aus den Erkrankungsraten ist die jeweilige
„Ungeimpftenrate“ aus der Differenz der Er-
krankungsraten Ungeimpfter und Geimpfter
bezogen auf die Erkrankungsrate Ungeimpf-
ter zu errechnen. Diese lag durchschnittlich
bei 99 %. Die „Ungeimpftenrate“ gibt die
Verringerung der Erkrankungsrate bei den
Geimpften gegenüber den Ungeimpften an.
Bei kontinuierlicher Fortführung der Senti-
nelsysteme in Sachsen sind zukünftig noch
begründetere Aussagen möglich sowie Ent-
wicklungen über Jahre (z. B. zum Ausmaß
von Epidemien, zum zeitlichen Ablauf, zur
regionalen Ausbreitung, zu den jeweiligen
besonders betroffenen Altersgruppen etc.)
beurteilbar.
Auf Grund der im Jahr 2008 vollzogenen
Kreisgebietsreform im Freistaat kann anhand
der vorhandenen Daten ein 5-Jahres-Ver-
gleich nur mittels eines nicht „umstrukturier-
ten“ Kreises erfolgen.
Dies soll nachfolgend beispielhaft für die
letzten 5 Jahre am Stadtkreis Chemnitz (siehe
Abbildung 12) dargestellt werden..
Tabelle 5 stellt abschließend den zeitlichen
Ablauf der wichtigsten Ereignisse der Infl u-
enza-Pandemie in Deutschland dar.
Bearbeiter:
Dr. med. Dietmar Beier
Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
Irina Briem
Annett Friedrich
Tab. 5
Darstellung des zeitlichen Ablaufes der wichtigsten Ereignisse
Datum
Ereignis
15.11.08
Bericht über ersten Erkrankungsfall bzw. den Nachweis eines neuen
A/H1N1-Virus bei einem 14-jährigen Texaner
24.04.09
Erste Information durch RKI, erste Telefonkonferenz mit allen
Bundesländern und dem BMG
25.04.09
WHO stuft Infl uenza A/H1N1v als gesundheitliches Risiko von in-
ternationaler Bedeutung ein
27.04.09
WHO: Ausrufung der pandemischen Warnphase 4
28.04.09
1. Fall in Deutschland (Bayern): Reiserückkehrer aus Mexiko
29.04.09
WHO: Ausrufung der pandemischen Warnphase 5
30.04.09 (Inkrafttreten
01.05.09)
Verordnung über die Meldepfl icht bei Infl uenza, die durch das
erstmals im April 2009 in Nordamerika aufgetretene neue Virus
(„Schweine-Grippe“) hervorgerufen wird
30.04.09
Hinweise zur Übermittlung von Fällen der neuen Infl uenza, die
durch das erstmals im April 2009 in Nordamerika aufgetretene
neue Virus hervorgerufen wird (Infobrief 21)
30.05.09 (22. KW 2009))
Erster Erkrankungsfall in Sachsen (US-Staatsbürger)
11.06.09
WHO: Ausrufung der pandemischen Warnphase 6
17.07.09 (29. KW 2009)
Wegfall der Übermittlung von Verdachtsfällen auf Neue Infl uenza
40. KW 2009
Erster registrierter Todesfall in Deutschland (NRW)
Oktober 2009
STIKO: Empfehlung zur Impfung gegen die Neue Infl uenza A/H1N1
ab 44. KW 2009
Beginn Auslieferung des Impfstoffs und Impfung des Schlüssel-
personals
ab 46. KW 2009
Impfung Bevölkerung
09.11.09 (Inkrafttreten:
14.11.09)
Verordnung zur Änderung der Verordnung über die Meldepfl icht
bei Infl uenza, die durch das erstmals im April 2009 in Nordame-
rika aufgetretene neue Virus („Schweine-Grippe“) hervorgerufen
wird
12.11.09 (46. KW 2009)
Erster registrierter Todesfall in Sachsen
46. bis 48. KW 2009
Höhepunkt der pandemischen Welle in Sachsen und bundesweit
13.11.09 (Inkrafttreten:
18.11.09)
Aktualisierte Hinweise zur Übermittlung von Fällen der Neuen In-
fl uenza A/H1N1: Aggregierte Übermittlung (Infobrief 25)
Pandemieentwicklung
Meldewesen
WHO-Aktivitäten
Prophylaxemaßnahmen

12 │
Vorbemerkungen zum Infl uenza-Sentinel
2009/2010
Das Infl uenza-Sentinel vom Oktober 2009
bis April 2010 nimmt (wie bereits im 1. Teil
des Sentinel-Berichtes erwähnt) eine Sonder-
stellung ein und hat eine Vorgeschichte, die
bei der Auswertung nicht unberücksichtigt
bleiben kann sowie eine Vergleichbarkeit mit
vorangegangenen Jahren problematisch er-
scheinen lässt.
Mit dem Auftreten des Neuen Infl uenzavirus
A/H1N1 ergab sich eine veränderte epidemio-
logische Situation. In den sonst Infl uenza-ru-
higen Sommermonaten entwickelte sich eine
ungewöhnliche Infl uenzaaktivität durch das
Neue (pandemische) Infl uenzavirus A/H1N1,
die hohe Anforderungen an die Labordiag-
nostik stellte.
Das betraf die kurzfristige Bereitstellung der
Abstrichmaterialien in bisher nicht bekannter
Größenordnung, die Erweiterung der Labor-
kapazität zur Bewältigung der hohen Ein-
sendezahlen einschließlich Absicherung der
zusätzlichen Bereitschaftsdienste (anfangs
24-Stunden-Bereitschaftsdienst) und die
schnelle Aktualisierung der Diagnostik nach
den Vorgaben des Nationalen Referenzzen-
trums (NRZ) für Infl uenza am RKI. Um alle
anstehenden Aufgaben bewältigen zu kön-
nen, wurde die molekularbiologische Diag-
nostik zusätzlich zum PCR-Labor am Stand-
ort Chemnitz auch im PCR-Laborbereich am
Standort Dresden etabliert und durchgeführt.
Dieses Vorgehen wurde auch während des
Sentinels beibehalten.
Anpassung der Diagnostik an die epide-
miologischen Besonderheiten
Das diagnostische Procedere wurde entspre-
chend den Empfehlungen des NRZ Infl uenza
am RKI den Gegebenheiten angepasst. Zu
Beginn der Pandemie wurden alle eingesand-
ten Probenmaterialien zunächst mit der im
Sentinel bisher bewährten PCR auf Infl uenza
A-Viren, die einen spezifi schen Genombereich
des Matrixproteins erfasst, untersucht und
positive Proben zur Bestätigung an das NRZ
Infl uenza weitergeleitet. Der erste bestätigte
Fall in Sachsen datiert vom 31.05.09.
Nachdem in Genomanalysen des Neuen In-
fl uenzavirus A/H1N1 Veränderungen in dem
Genombereich, den die bisher eingesetzte
PCR erfasste, festgestellt wurden, konnte
die Möglichkeit falsch negativer Befunde
nicht ausgeschlossen werden. Deshalb wurde
schnellstmöglich eine spezifi sche PCR für die
neue Variante des Infl uenza A-Virus, eine real
time-PCR zum Nachweis des H1-Gens des
Neuen Infl uenzavirus A/H1N1, eingeführt.
Die Weiterleitung PCR-positiver-Proben an
das NRZ Infl uenza erfolgte bis zur Anerken-
nung der beiden LUA-PCR-Labore als Bestäti-
gungslabore am 08.07.09.
Versuche zum kulturellen Nachweis dieser
neuen Variante des Infl uenza A-Virus wurden
unter entsprechenden Sicherheitsvorkeh-
rungen bald nach dem Beginn der Zirkula-
tion dieses Virus mit einem Referenzstamm
durchgeführt. Mit der routinemäßigen An-
zucht dieser Viren nach einem positiven PCR-
Ergebnis wurde im November 2009 begon-
nen, nachdem der Ausschuss für Biologische
Arbeitsstoffe (ABAS) das Neue Infl uenzavirus
A/H1N1 in die Risikogruppe 2 (vorher 3) ein-
gestuft hatte.
Die Anzucht erfolgte wie in den vorherigen
Infl uenza-Sentinels mittels MDCK-Zellen.
Die Anzuchtversuche verliefen sehr erfolg-
reich, so dass ausreichend Virusmaterial aus
allen epidemischen Phasen und Regionen
Sachsens für weiterführende serologische
und molekularbiologische Untersuchungen
zur Verfügung stand. Isolierte Virusstämme
wurden durch den Vergleich mit einem Re-
ferenzstamm mittels eines monospezifi schen
Antiserums gegen das Neue Infl uenzavirus
A/H1N1 feintypisiert. Parallel dazu erfolg-
te die Weiterleitung von Virusisolaten zur
intratypischen Differenzierung an das NRZ
Infl uenza. Seitens des NRZ wurde die Anzahl
der Virusstämme, die eingeschickt werden
sollten, auf 15 pro Woche festgelegt. Auf-
grund dieser Begrenzung und der günstigen
Erfolgsquote beim kulturellen Nachweis wur-
de die Anzahl der Virusanzuchtversuche in
der Zeit mit hohen Einsendezahlen und einem
großen Anteil PCR-positiver Materialien auf
50 Patientenproben pro Woche beschränkt.
Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass alle Re-
gionen Sachsens möglichst adäquat vertreten
waren. In der präepidemischen (Rückgriff auf
aufbewahrtes Probenmaterial aus der Zeit vor
Beginn des Sentinels) und der postepidemi-
schen Phase wurde aus allen PCR-positiven
Proben eine Virusanzucht versucht.
Des Weiteren wurden darauf geachtet, dass
aus Materialien von Patienten mit angegebe-
ner Impfanamnese (Impfung gegen das Neue
Infl uenzavirus A/H1N1) und positivem PCR-
Ergebnis der kulturelle Nachweis in jedem Fall
versucht wurde.
Mit dem festgelegten Beginn des Infl uenza-
Sentinels in der 40. Kalenderwoche 2009
entsprach die diagnostische Vorgehensweise
den Erfordernissen der epidemiologischen
Situation. Zunächst wurde das Probenmate-
rial mittels molekularbiologischer Methoden
(PCR) auf das Neue Infl uenzavirus A/H1N1
untersucht, bei negativem Ergebnis schloss
sich jeweils eine PCR zum Nachweis der „sai-
sonalen“ Infl uenza A- und Infl uenza B-Viren
an. Bei ausgewählten Untersuchungsproben
mit positivem PCR-Ergebnis wurde der Erre-
gernachweis mittels Virusanzucht einschließ-
lich Typisierung veranlasst. Der Umfang der
Einsendungen von Virusisolaten an das NRZ
richtete sich nach dessen Vorgaben.
Ergebnisse des Sentinels vom Oktober
2009 bis April 2010
Die Probenzahlen und Ergebnisse der unge-
wöhnlichen Infl uenza-Aktivität in den Som-
mermonaten werden bei dieser Auswertung
nicht berücksichtigt. Die dabei erhobenen
Daten sind in vielen aktuellen Mitteilun-
gen bzw. Lageberichten
während der
Anfangsphase täglich, im späteren Verlauf
der Ausbreitung des Neuen Infl uenzavirus
A/H1N1 zwei- bzw. einmal wöchentlich
veröffentlicht worden. Der Zeitraum des
Sentinels von der 40. KW 2009 bis 17. KW
2010 stellt nur einen Abschnitt innerhalb der
Viruszirkulation dar, was bei allen statisti-
schen Betrachtungen und Vergleichen zu be-
rücksichtigen ist.
Insgesamt wurden im Zeitraum des Sentinels
von Oktober 2009 bis April 2010 2.364 Ma-
terialien (Nasen-/Rachenabstriche oder Ra-
chenabstriche) untersucht. Die Verteilung der
Probenzahlen auf die einsendenden Einrich-
tungen (Sentinel-Arztpraxen, Krankenhäuser,
Gesundheitsämter) geht aus der Tabelle 1, die
Verteilung nach territorialen Gesichtspunkten
aus Tabelle 2 hervor.
Die Laborkapazität der LUA Sachsen wurde im
Sentinel-Zeitraum 2009/2010 von deutlich
mehr Einsendern genutzt als im Vorjahres-
Sentinel (144 Einrichtungen 2008/2009 zu
238 Einrichtungen 2009/2010). Die Proben-
zahlen können aufgrund des andersartigen
epidemiologischen Verlaufs nicht verglichen
werden (beträchtliche Untersuchungszahlen
in den Sommermonaten, die hier nicht be-
2. Auswertung des Infl uenza-Sentinels, mikrobio-
logischer Teil, 2009/2010 im Freistaat Sachsen

│13
Tab. 1: Probeneinsender, Probenanzahl, Positive und Positivrate nach PCR-Diagnostik
Einsender
Anzahl der Proben
Anzahl der
PCR-positiven Proben
Positivrate in %
Sentinelpraxen
990
466
47,0
Krankenhäuser
1.016
317
31,2
Gesundheitsämter/Institute
358
137
38,3
Gesamt
2.364
920
38,9
Tab. 2: Aufschlüsselung der Probeneinsendungen und der positiven Influenzavirus-Genom-
nachweise nach territorialen Gesichtspunkten
Kreis
Anzahl der
Einsender
Anzahl der
Einsendungen
Anzahl positiver
Influenzavirus-
Genomnachweise
Direktionsbezirk Chemnitz (5 Kreise)
Chemnitz/Stadt
20
224
102
Erzgebirgskreis
54
513
221
Mittelsachsen
16
186
66
Vogtlandkreis
30
142
46
Zwickau
20
90
37
Gesamt
(Vergleich dazu 2008/2009)
140
(62)
1.155
(1.022)
472
(409)
Direktionsbezirk Dresden (5 Kreise)
Bautzen
14
73
32
Dresden/Stadt
6
167
62
Görlitz
15
69
20
Meißen
16
149
61
Sächsische Schweiz/Osterzgebirge
12
38
15
Gesamt
(Vergleich dazu 2008/2009)
63
(44)
496
(660)
190
(220)
Direktionsbezirk Leipzig (3 Kreise)
Leipzig/Stadt
8
116
30
Leipzig
11
278
73
Nordsachsen
16
319
155
Gesamt
(Vergleich dazu 2008/2009)
35
(38)
713
(614)
258
(199)
Gesamtsumme
(Vergleich dazu 2008/2009)
238
(144)
2.364
(2.296)
920
(828)
höchsten (siehe auch Tabelle 2 des 1. Teils des
Sentinel-Berichtes).
215 der 395 Anzuchtversuche waren erfolg-
reich (54,4 %). 193 Virusstämme wurden fein-
typisiert und davon 114 zur weiteren mole-
kularbiologischen Untersuchung an das NRZ
Infl uenza weitergeleitet.
Bei zwei Patienten mit angegebener Impf-
anamnese gegen das Neue Infl uenzavirus
A/H1N1 und positivem PCR-Ergebnis gelang
aus Nasen-/Rachenabstrichen auch der kul-
turelle Nachweis des Erregers.
Aus Pathologiematerial dreier verstorbener
Patienten, bei denen der Verdacht auf eine
Beteiligung des Neuen Infl uenzavirus A/H1N1
bestand, ergab die PCR bei zwei Betroffenen
ein positives Ergebnis, bei dem dritten Patien-
ten war die PCR aufgrund von Inhibitoren im
Untersuchungsmaterial nicht bewertbar. Eine
Virusanzucht gelang nicht.
Alle an der LUA isolierten und feintypi-
sierten Stämme des Neuen Infl uenzavirus
A/H1N1 gehören serologisch der Virusvarian-
te A/California/7/09 an. Diese Ergebnisse sind
identisch mit denen, die vom NRZ für die dort
überprüften Stämme mitgeteilt wurden.
Aus den PCR- sowie den Typisierungsergeb-
nissen der Virusanzucht ergibt sich die ein-
deutige Dominanz des Neuen Infl uenzavirus
A/H1N1. Die sogenannten saisonalen Infl uen-
za A- und Infl uenza B-Viren spielten in dem
Probenmaterial, das an die LUA Sachsen ein-
gesandt und untersucht wurde, keine Rolle
(siehe Zusammenfassung im Kasten).
Die Abbildungen 2 und 3 zeigen die Vertei-
lung der Infl uenzavirus-Typen/Subtypen pro
Infl uenzatyp (Abbildung 2) bzw. pro Jahrgang
Zusammenfassung der Ergebnisse:
Anzahl eingesandter Proben innerhalb des Sentinel-Zeitraumes:
2.364
Anzahl der Proben mit positivem Ergebnis in der PCR:
920 (38,9 %)
davon Influenza A-Virus
920
davon Neues Influenzavirus A/H1N1
917
nicht typisierbar
3
Anzahl der durchgeführten Virus-Anzuchtversuche:
395
davon Virusnachweise
215 (54,4 %)
durchgeführte Feintypisierungen
193
alle Isolate:
Neues Influenzavirus A(H1N1) Variante A/California/7/09
rücksichtigt sind).
Insgesamt gelang in 920 der 2.364 Proben-
materialien des Sentinel-Zeitraumes mittels
molekularbiologischer Methoden (PCR) der
Nachweis von Infl uenza A-Viren, in 917 da-
von der Nachweis des Neuen Infl uenzavirus
A/H1N1. Dies entspricht Positivraten von
38,9 % bzw. 38,8 %. Während des Sentinels
zirkulierte somit fast ausschließlich das Neue
Infl uenzavirus A/H1N1. (s. Abbildung 1)
Während der Monate, die im Sentinel berück-
sichtigt werden, lagen die höchsten Einsen-
dezahlen zwischen der 44. und 51. Kalender-
woche 2009. Die meisten Proben (518 Proben,
davon 251 mit positiver PCR) wurden in der
46. KW 2009 eingesandt. Das letzte posi tive
PCR-Ergebnis stammt von Anfang März 2010
(Probenabnahme 03.03.10), der letzte An-
zuchterfolg von Mitte Februar 2010.
In durchschnittlich 38,9 % der Untersu-
chungsmaterialien konnte bei der molekular-
biologischen Untersuchung Infl uenzavirus-
Genom nachgewiesen werden. In der 47.
KW 2009 lag die Positivrate mit 54,3 % am
(Abbildung 3) ab der Saison 2002/2003 bis
2009/2010. Die Gegenüberstellung zeigt, dass
die extreme Vorherrschaft eines Infl uenza-
Virustyps innerhalb einer Saison nicht zum
ersten Mal aufgetreten ist.

14 │
Abb. 1: Relation von Probenanzahl zur Anzahl PCR-positiver Proben, aufgeschlüsselt nach Kalenderwochen während des Infl uenza-Sentinels 2009/2010
*
0,3 % Influenza A nicht typisierbar
Abb. 2: Anteil der Typen/Subtypen an der Gesamtzahl der Infl uenzavirusnachweise in Prozent, beginnend mit der Saison 2002/2003 pro Virustyp
0
100
200
300
400
500
600
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
2009
Kalenderwoche
2010
Probenzahl
Proben
PCR-Positive
Anzahl eingesandte Proben: 2.364
Anzahl PCR-Positive:
920
0,1
22,2
6,1
5,2
41,9
1,7
90,5
100,0
20,4
94,7
0,4
80,3
9,3
73,5
0,1
57,7
18,0
99,7
39,2
38,6
0
20
40
60
80
100
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
Jahre
Prozent
A (H1N1)
A (H3N2)
B
A (H1N1)v
*

│15
* 0,3 % Influenza A nicht typisierbar
Abb. 3: Anteil der Typen/Subtypen an der Gesamtzahl der Infl uenzavirusnachweise in Prozent, beginnend mit der Saison 2002/2003 pro Jahrgang
Unter Einbeziehung aller labordiagnostischen
Befunde aus der Infl uenzasaison 2009/2010
wurde von der WHO für die Nordhalbkugel im
kommenden Winter (Saison 2010/2011) die
folgende Impfstoffzusammensetzung emp-
fohlen:
]
A/California/7/2009 (H1N1)-like virus
]
A/Perth/16/2009 (H3N2)-like virus
]
B/Brisbane/60/2008-like virus
A (H1N1)
A (H3N2)
B
A (H1N1v)
Somit ist der Infl uenza B-Virusstamm iden-
tisch mit der Empfehlung für die Saison
2009/2010. Die beiden Infl uenza A-Stämme
wurden ausgetauscht, wobei der A/H1N1-
Stamm das Virus der Neuen Infl uenza ist
(A/H1N1v).
Diese Impfstoffzusammensetzung wird ge-
genwärtig schon im aktuellen Infl uenzaimpf-
stoff für die Südhalbkugel angewendet.
Bearbeiter: Dr. med. Dietmar Beier
3. Infl uenza-Impfstoff für die Saison 2010/2011
Bearbeiter: Dr. med. Ingrid Ehrhard
Dipl.-Biol. Gertraude Helbig
Schlussendlich sei allen an den verschiede-
nen Sentinelsystemen beteiligten Arztpra-
xen, Gesundheitsämtern, Krankenhäusern
und sonstigen Einrichtungen für die enga-
gierte Mitarbeit, ohne die eine aussagefähi-
ge epidemiologische Analyse nicht möglich
wäre, herzlich gedankt. Gerade die Saison
2009/2010 stellte auf Grund des Auftretens
des neuen Virusstammes A/H1N1v eine große
Herausforderung für uns alle dar und brachte
sämtliche Strukturen des Gesundheitswesens
an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Innerhalb
kürzester Zeit mussten zahlreiche Regelungen
vermittelt und etabliert werden. Informatio-
nen waren parallel zu einer sehr heterogenen
Berichterstattung der Öffentlichkeit schnell
und fachlich fundiert an die Beteiligten wei-
terzugeben. Zwangsläufi g gestaltete sich dies
nicht immer reibungslos und fehlerfrei. Trotz
aller Schwierigkeiten möchten wir jedoch aus
unserer Sicht die Kommunikation innerhalb
des ÖGD im Freistaat Sachsen als ausgespro-
chen positiv bewerten.
Schließlich möchten wir Sie wie schon in den
vergangenen Jahren im Sinne der Qualität
unseres Sentinels auch für die nächste Sai-
son um eine lückenlose Datenerhebung, also
das komplette Ausfüllen der Probenbegleit-
scheine, bitten.
Neben aller zusätzlichen Arbeitsbelastung
war die vergangene Saison für uns im beson-
deren Maße lehrreich und interessant und so
freuen wir uns auf eine weiterhin effektive
Zusammenarbeit in der kommenden Saison
2010/2011.
Bearbeiter: Alle am Infl uenza-Sentinel
beteiligten LUA-Mitarbeiter
_________________________________________________________________________________________________________________
0,1
0
22,2
6,1
5,2
41,9
1,7
99,7
90,5
100
39,2
20,4
94,7
0,4
80,3
0
9,3
0
38,6
73,5
0,1
0
57,7
18,0
0
20
40
60
80
100
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
Jahre
Prozent
*

0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
27
29
31
33
35
37
39
41
43
45
47
49
51
1
Kalenderwoche
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
Herausgeber:
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen
Jägerstr. 8/10, 01009 Dresden
Redaktion:
Dr.-med. Dietmar Beier, LUA Sachsen Standort Chemnitz, Zschopauer Str. 87, 09111 Chemnitz
Redaktionskollegium:
Dr.-med. Dietmar Beier, LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Tel. 0371/6009 200
Dr.-med. Ingrid Ehrhard, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144 313
Gestaltung und Satz:
FG 2.2, LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Zschopauer Str. 87, 09111 Chemnitz,
Tel.: 0371/6009 206, Fax: 0371/6009 109
Druck:
ALINEA Digitaldruck GbR, Königsbrücker Str. 96, 01009 Dresden, Tel.: 0351/646400
Redaktionsschluss:
30
. Juni 2010
Bezug:
Dieses offi zielles Mitteilungsblatt der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und
Veterinärwesen des Freistaates Sachsen wird über Verteilerliste versandt und kann kostenfrei im
Internet abgerufen werden:
www.lua.sachsen.de
Titelbild:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) und Infl uenzavirusnachweise (innerhalb des Sentinel-
zeitraumes: 40. KW 2009 -17. KW 2010) in Beziehung zum Normalgang 27. KW 2009 - 26. KW
2010, Stadt Chemnitz