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SÄCHSISCHER STAATSPREIS
FÜR DESIGN 2020/2021

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Sächsischer Staatspreis für Design 2020/2021
Katalog

Inhaltsverzeichnis
5
Grußwort des Staatsministers
7
Zum Wettbewerb
10
Die Jury
16
Auftaktgespräch
18
Jurysitzung
20
Die Nominierungen
78
Die virtuelle Leistungsschau
86
Ausstellung der nominierten Designleistungen im Kunstgewerbemuseum der SKD, Schloss Pillnitz
94
Feierliche Preisverleihung, Kunstgewerbemuseum der SKD, Schloss Pillnitz
100
Feierliche Preisverleihung, Kunstgewerbemuseum der SKD, Schloss Pillnitz,
Ausstellungsrundgang mit Martin Dulig und Thomas Geisler
105
Überblick
106
Preisgekrönte Designleistungen
130
Ausstellung der nominierten und preisgekrönten Designleistungen im Kunstquartier Bethanien, Berlin
138
Ausstellung der nominierten und preisgekrönten Designleistungen im Industriemuseum Chemnitz
144
Interview zum Sonderpreis
150
Partner des Sächsischen Staatspreises für Design 2020/2021
152
Impressum

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Grußwort
Der Sächsische Staatspreis für Design verfolgt ein zentrales Thema: Nachhaltigkeit durch Design und
Verantwortung für die Zukunft.
Im Fokus steht Design als Mittler zwischen Mensch und Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt - ökologisch,
ökonomisch und sozial. Gerade wenn wir von Guter Arbeit sprechen, zeigt Design seine große soziale
Verantwortung. Dieser wird mit der Auslobung des deutschlandweit einzigartigen Sonderpreises
„Design macht Arbeitsschutz attraktiv“ begegnet.
Der Preis hat sich – bedingt durch die Corona-Pandemie – zu einem ganz besonderen Wettbewerb
entwickelt. Er zeigt sich in einem vollkommen neuen Gewand, primär digital und virtuell. Mein Dank gilt
allen Beteiligten, der Jury, den Partnern und Sponsoren. Sie alle heben den Wettbewerb auf einen Sockel
mit herausragendem Niveau.
Die 17. Auflage des Designpreises ist mit diesem Katalog am spannendsten Punkt angekommen. Das
Geheimnis, welches Design im Freistaat aktuell ganz nach vorn rangiert, wird auf den folgenden Seiten
gelüftet. Die vorliegende Dokumentation präsentiert darüber hinaus alle von der hochkarätigen Jury
nominierten Einreichungen.
Ich beglückwünsche alle Preisträgerinnen und Preisträger sowie die Nominierten in den Kategorien
Produktdesign im Industrie- und Konsumgüterbereich, Kommunikationsdesign, Design im Handwerk,
Nachwuchsdesign und des Sonderpreises „Design macht Arbeitsschutz attraktiv“ auf das Herzlichste.
Alle tragen dazu bei, dass Design in Sachsen für Nachhaltigkeit und Funktionalität steht und zugleich
Motor für die Wirtschaft sein kann. Insbesondere das Nachwuchsdesign macht auf sich aufmerksam
und zeigt: die nächste Generation der Designerinnen und Designer ist sich ihrer nachhaltigen
Verantwortung bewusst.
Martin Dulig
Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Martin Dulig

Der Sächsische Staatspreis für Design 2020/2021

Zum Wettbewerb
Das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr verleiht den Sächsischen Staatspreis
für Design 2020/2021 bereits zum 17. Mal. Der Staatspreis wirkt auf die nachhaltige Aktivierung und
Verankerung des Wirtschaftsfaktors Design sowie die Einbindung in wirtschaftliche und kreativ-gestaltende
Entwicklungsprozesse des Freistaates Sachsen hin. Ziele des Wettbewerbes sind:
• die Verankerung des Wirtschaftsfaktors Design in sächsischen Unternehmen,
• die Leistungsfähigkeit von (sächsischem) Design aufzeigen,
• die Förderung der sächsischen Designwirtschaft,
• die Förderung von Nachwuchsdesign.
Der mit insgesamt 50.000 Euro und einer Porzellan-Preisstatue der Staatlichen Porzellan-Manufaktur
Meissen GmbH dotierte Designpreis wird in der aktuellen Edition in den Kategorien
Produktdesign im
Industrie- und Konsumgüterbereich
,
Kommunikationsdesign
und
Design im Handwerk
vergeben.
Zusätzlich wird in jeder Kategorie junges und innovatives
Nachwuchsdesign
aus Sachsen prämiert. Mit
dem bundesweiten Sonderpreis „
Design macht Arbeitsschutz attraktiv“
steht Design als Mittler und
Gestalter einer lebenswerten, gesunden und sicheren Arbeitswelt im Fokus.
Der Sächsische Staatspreis für Design 2020/2021 umfasst die öffentlichen Veranstaltungen
und Ausstellungen:
15. Juni 2020
Digitales Auftaktgespräch
ab 22. Januar 2021
Virtuelle Leistungsschau
7. Mai - 8. August 2021
Ausstellung der Nominierten und Preisträger:innen im Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz der
Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
5. Juli 2021
Preisverleihung im Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
13. - 22. August 2021
Ausstellung der Nominierten und Preisträger:innen im Kunstquartier Bethanien, Berlin
1. September - 3. Oktober 2021
Ausstellung der Nominierten und Preisträger:innen im Industriemuseum Chemnitz
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Herstellung der Preisstatue
Mit freundlicher Unterstützung von

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Die Jury
Prof. em. Dr. Uta Brandes
Uta Brandes ist eine deutsche Design-Expertin, -Theoretikerin und -Autorin. Von 1995 bis 2015 war sie
Professorin für Gender und Design sowie für Designforschung an der Köln International School of
Design, TH Köln. Sie war und ist Mitglied vieler Jurys und lehrt(e) als Gastdozentin – neben deutschen
Hochschulen – auch z. B. in New York, Hong Kong, Shanghai, Taipei, Sydney, Tokio und Fukuoka.
Prof. Jacob Strobel
Jacob Strobel ist gelernter Tischler. Beseelt vom Wunsch, die Einzelanfertigungen noch weiter zu
perfektionieren und durch serielle Multiplikationen vielen Nutzern als gereifte Produkte zugänglich zu
machen, studierte er an der Westsächsischen Hochschule Zwickau, Fakultät Angewandte Kunst
Schneeberg Holzgestaltung. In den Jahren 2009 bis 2014 prägte Jacob Strobel als Head of Design bei
TEAM 7 maßgeblich das Bild und Portfolio des österreichischen Naturmöbelherstellers TEAM 7. Er entwarf
zahlreiche preisgekrönte Produkte, wie den Tisch ‚flaye‘ (2013), das Programm ’nox‘ oder den Couchtisch
’stern‘. Seit 2015 leitet der 1978 in Würzburg geborene Strobel selbst, als Professor für Holzgestaltung, in
Schneeberg die Studienrichtung Holzgestaltung mit dem Schwerpunkt Möbel- und Produktdesign. Darüber
hinaus ist er weiterhin für TEAM 7 freiberuflich als Designer tätig. In den vergangenen Jahren hat Jacob
Strobel für seine Entwürfe zahlreiche international renommierte Design-Awards erhalten.
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Die Jury
Björn Duphorn
Björn Duphorn studierte Business Management, u.a. in Honolulu. Neben seinem Ehrenamt als Vizepräsident
des Unternehmerverbandes Sachsen e.V. ist er Geschäftsführer der Messeprojekt GmbH und der INUMA GmbH,
einer Tischlerei u.a. für hochwertigen Innenausbau von Büro- und Geschäftsgebäuden. Die Messeprojekt
GmbH ist eines der führenden Messebauunternehmen weltweit. Sie hat sich den Nachhaltigkeitsziele der
Agenda 2030 (Sustainable Development Goals) verschrieben, die alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit
– Soziales, Umwelt, Wirtschaft – gleichermaßen berücksichtigen.
Barbara Preißner
Barbara Preißner studierte Rechtswissenschaften in Hamburg und absolvierte ihre juristische Referendar-
ausbildung, u. a. in Washington D.C., USA. Ihre berufliche Laufbahn führte über den Verwaltungsdienst
der Freien und Hansestadt Hamburg u. a. mit einer Tätigkeit in der Hamburger Landesvertretung beim
Bund in Bonn im Jahr 1989 zum Deutschen Patent- und Markenamt. Sie war von 2006 bis 2010 Leiterin
der Markenabteilung 3.2 mit den Schwerpunkten Markenprüfung sowie nationales und internationales
Markenrecht. Seit 2010 ist Barbara Preißner Leiterin der Hauptabteilung Marken und Designs.

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Die Jury
Prof. Katrin Hinz
Katrin Hinz studierte Architektur und Grafik mit dem Diplom in Architektur an der Kunsthochschule Berlin
in Weißensee. Sie ist seit 1994 als Gründungsprofessorin und Professorin im Studiengang Kommunikations-
design an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin im Fachbereich Gestaltung und Kultur mit
den Schwerpunkten Universal Design Thinking, Verpackung, Farbgestaltung, Corporate Design, Orientie-
rung und Designmanagement tätig. Im Jahr 2011 gründete sie den Studiengang Industrial Design.
Prof. Katrin Hinz ist Mitglied in zahlreichen Jurys und Beiräten, u. a. im IDZ Berlin. Von 2002 bis 2004
war sie Vizepräsidentin der HTW Berlin. Sie ist international tätig als Gastprofessorin an der German
University in Cairo (seit 2008), NID India (seit 2009) und Honorarprofessorin an der BIT Zhen Chen, China
(seit 2018). Prof. Hinz ist Mitbegründerin von »use Identity and Design Network in Berlin« und Member
of INAREA international Identity & Design Network.
Johannes Hünig
Johannes Hünig ist Designjournalist und publiziert Texte für Publikums- und Fachmedien sowie Architektur-
büros und Unternehmen aus der Designbranche. Als Kunsthistoriker liegt sein fachlicher Schwerpunkt
auf Architektur und Design. Hünig ist u.a. tätig für die Zeitschrift SCHÖNER WOHNEN (Gruner + Jahr).

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Die Jury
Thomas Geisler
Thomas Geisler ist ausgebildeter Keramiker und Produktgestalter. Er wechselte nach mehrjähriger Studio-
praxis als Ausstellungsmacher und Autor in das theoretische Fach. In Lehre und Forschung tätig, war er
maßgeblich an der Gründung der Victor J. Papanek Foundation an der Universität für angewandte Kunst
in Wien beteiligt, bevor er als Kurator und Leiter der Sammlung Design an das MAK – Österreichisches
Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst geholt wurde. Geisler leitete den Werkraum
Bregenzerwald und ist Mitbegründer der Vienna Design Week und hat zuletzt Beiträge zur Vienna Biennale
und London Design Biennale kuratiert. Er gehört internationalen Gremien und Jurys an und verantwortete
2019 als Chefkurator die BIO26 in Ljubljana, Europas älteste Design-Biennale. Seit 2019 ist Thomas Geisler
Direktor des Kunstgewerbemuseums Pillnitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
Steve Hauswald
Steve Hauswald ist gelernter Industriemechaniker. Er studierte Industriedesign an der Hochschule
Magdeburg und ist Gründer und Geschäftsführer der Leipzig School of Design (LOSD), einer privaten
Bildungseinrichtung. Er ist Spezialist für Studienvorbereitung und Weiterbildung in Sachen Design sowie
Leiter des LSOD Studio (Full Service Agentur für Produktentwicklung, Industriedesign, 3D-Animation und
Visualisierung).

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Die Jury
Prof. Fons Hickmann
Juryvorsitzender
Fons Hickmann studierte Fotografie und Kommunikationsdesign in Düsseldorf, Ästhetik und Medientheorie
in Wuppertal. Sein Designstudio Fons Hickmann m23 in Berlin legt Schwerpunkte auf die Entwicklung
komplexer Kommunikationssysteme, Buch-, Plakat-, Magazin-, Corporate Design und digitale Medien.
Seit 2007 lehrt Hickmann an der Universität der Künste Berlin, zuvor war er sieben Jahre ordentlicher
Professor an der Universität für angewandte Kunst Wien und dozierte an der Universität Essen und der
FH Dortmund. Er ist Mitglied im Type Directors Club of New York, dem Art Directors Club Deutschland
sowie der Alliance Graphique Internationale. Das interdisziplinäre Designlabor Bremerhaven berief ihn
von 2006 bis 2012 in den Vorstand. Seit 2018 ist Hickmann Präsident des bedeutendsten deutschsprachigen
Plakatwettbewerbs „100 Beste Plakate“. Das Studio Fons Hickmann m23 zählt zu den renommiertesten
weltweit und erhielt über 200 international relevante Auszeichnungen, u. a. Golden Bee Award Moskau,
Lead Award in Gold, iF Award in Gold, ADC Award von Deutschland, Europa und den USA, den Joseph
Binder Award in Gold, Silber und Bronze. 2012 ehrte die Triennale Trnava Fons Hickmann für sein
Gesamtwerk mit dem Master's Eye Award. Hickmann hat das CD der Semperoper Dresden erstellt.

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Die beratenden Jurymitglieder für den Sonderpreis
Dr. Frank Dittrich
Frank Dittrich studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Chemnitz und arbeitet seit 2009 an der
Professur für Arbeitswissenschaft und Innovationsmanagement. Er bearbeitete die beiden Forschungs-
und Entwicklungsprojekte „Kompetenzinitiative Usability“ und "Kompetenzzentrum Usability für den
Mittelstand", bei dem er auch als Projektgeschäftsführer fungierte. 2015 promovierte er zum Thema
„Instrumentarium zur Unterstützung einer nutzerzentrierten Entwicklung in kleinen und mittleren
Unternehmen am Beispiel betrieblicher Anwendungssoftware“. Seit 2014 leitet er das Forschungscluster
Product Engineering, das schwerpunktmäßig zu Themenstellungen aus dem Bereich Mensch-Technik-
Interaktion und nutzerzentrierte Entwicklung forscht.
Dipl. Ing. Nicole Gottschalk
Nicole Gottschalk ist Sicherheitsfachkraft, Strahlenschutzbeauftragte, Störfallbeauftragte, Umwelt-,
Energie-, Sicherheits- und Qualitätsmanagementbeauftragte. Sie ist Mitglied im VDSI - Verband für
Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit e.V. und berät vielfältige Unternehmen bei der
Gestaltung gesundheitsförderlicher und sicherer Arbeitsbedingungen.

Auftaktgespräch
Veröffentlichung am 15. Juni 2020 als Beginn der Bewerbungsphase
(bis 30. September 2020)
Die ursprünglich geplante Auftaktveranstaltung wurde aufgrund der Corona-Pandemie online als Auftaktgespräch
realisiert. Im Zentrum des Gespräches stand die Frage, wie Design als integraler Bestandteil des Produktes, der Idee und
der Kampagne im Sinne einer Cross-Innovation entwickelt werden kann.
Beteiligt waren:
Martin Dulig
, Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr des Freistaates Sachsen
Thomas Geisler
, Direktor des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (Jurymitglied)
Prof. Fons Hickmann
, Kommunikationsdesigner, Professor an der Universität der Künste Berlin (Jurymitglied)
Prof. Jacob Strobel
, Dekan der Fakultät für Angewandte Kunst Schneeberg, Westsächsische
Hochschule Zwickau (Jurymitglied)
Steven Busch
, Ski-Designer, Preisträger im Nachwuchsdesign (Produktdesign) 2018
Dr. Christian Felten
, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit
bei der Arbeit (Basi) e.V.
Nicole Scheller
, Modedesignerin, Nominierte im Nachwuchsdesign 2018
Nicole Gottschalk
, Sicherheits- und Qualitätsmanagementbeauftragte (beratendes Jurymitglied)
Nils Bader
, Geschäftsführer der White Lobster GmbH & Co. KG und des Green Product Award
Björn Duphorn
, Vizepräsident des Unternehmerverbands Sachsen e.V., Geschäftsführer
der Messeprojekt GmbH und der INUMA GmbH (Jurymitglied)
Cherie Birkner
: Fotografin und Gründerin von Sustainable Fashion Matterz (Gesprächsführung)
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Jurysitzung
20. bis 21. Januar 2021
Die zweitägige Jurysitzung des Sächsischen Staatspreises für Design 2020 wurde aufgrund der weiterhin bestehenden
Beschränkungen durch die Corona-Pandemie vollständig digital durchgeführt.
In einem mehrstufigen Online-Verfahren wurden nach fachlich anspruchsvollen und intensiven Diskussionen aus
unterschiedlichsten Perspektiven die Nominierten und Preisträger:innen des Designpreises gewählt.

Die Nominierungen

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Produktdesign im Industriegüterbereich
Senorics Senocorder
Design:
Marco Zichner / neongrau GbR
, Dresden
Team: Alexander Wiefel, Matthias Jahnel, Sascha Ulbrich
Herstellung: Senorics GmbH
Bei wenigen Industriefeldern klaffen technische Innovationskraft und gestalterischer Anspruch so
weit auseinander wie bei der Messtechnik. Unauffällige Geräte, ergonomisch und funktional, aber ohne
darüber hinausgehende Ambitionen – so stellt sich die Realität größtenteils noch immer dar. Einen gänzlich
anderen, mutigeren Weg weist das Unternehmen neongrau mit seinem Kompakt-Spektroskop
„Senocorder“ auf.
Schon die gestalterische Umsetzung überzeugt. Mit seinem minimalistischen, handfreundlich gerundeten
Kunststoffgehäuse erinnert es eher an ein modisches Gadget denn an ein High-Tech-Messgerät. Genau
das aber ist es, was sich im Innern verbirgt: ein technisch anspruchsvolles, innovatives Spektroskop in
neuartiger Kompaktbauweise. Mit dem Senocorder ist es gelungen, die dafür notwendige Messtechnik zu
miniaturisieren und mit einem Sensor-Chip monolithisch zu konzipieren. Die Bedienung scheint, soweit
die Renderings diesen Schluss zulassen, intuitiv und niedrigschwellig. Die Spektroskopie hat damit die
Chance, nicht länger auf Labore beschränkt zu bleiben, sondern in vielen Bereichen alltagsnäher genutzt
zu werden – etwa in der Landwirtschaft, im Handwerk oder der Medizin.
Die Jury hebt lobend hervor, dass sich die Kreativität und der Ehrgeiz des beteiligten Teams nicht
nur auf funktionale Aspekte richtete, sondern zugleich auch auf eine ansprechende Produktgestaltung,
die dem intendierten Einsatzzweck jenseits des Labors Rechnung trägt. Im Ergebnis steht somit ein
durchdachtes und in zweifacher Weise gelungenes Produkt, das die Innovationskraft des Standorts
Sachsen unterstreicht.
Johannes Hünig
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Nominierungen

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Produktdesign im Industriegüterbereich
TracePen
Design:
Paul Judt / Wandelbots GmbH
, Dresden
Team: Christoph-Philipp Schreiber, Frank Mühlbauer
Der TracePen ist ein hervorragendes Beispiel für den Wissens- und Technologietransfer von Universitäten
in die Wirtschaft. Die Produktkonzeption entstand im Rahmen einer Diplomarbeit an der TU Dresden im
Bereich Technisches Produktdesign und wurde als prototypischer Entwurf vom Wandelbots Designteam
bis zur Serienreife weiterentwickelt und ab Oktober 2020 an die ersten Industrieunternehmen ausgeliefert.
Der TracePen ist ein hochinnovatives Tracking-Device, welches Nicht-Fachleuten ermöglicht, Industrie-
roboter anzulernen und dies ohne die konventionell aufwendige Roboterprogrammierung. Die
Benutzer*innen führen verschiedene Tätigkeiten wie Schweißen, Kleben oder Entgraten mit dem Stift in
der Hand auf einem Tablet beispielhaft aus und das optische Positionierungstracking der Software wandelt
die aufgezeichneten Bahnpfade in Automatisierungsskripte für den Roboter um. Das Lernen
neuer Tätigkeitsabläufe und Produktphasen wird damit enorm verkürzt und vereinfacht. Mit der
TracePen-Plattform kann eine große Breite verschiedener Automatisierungsapplikationen abgebildet
werden. Für die verschiedenen Anwendungsgebiete wurden jeweils spezifische TracePen-Spitzen
entwickelt.
In einer Welt, in der Roboter eine immer umfassendere Rolle im globalen Handel spielen, ebenso wie
in der Warenlagerung und Produktion, sind Flexibilität und Schnelligkeit in der Anpassung, verbunden
mit nutzerfreundlichen Tools für sich permanent wandelnde Prozesse, ein wirklicher Gewinn.
Der TracePen hat die Jury mit seiner innovativen Lösung, der Aktualität des Themas und dem
überzeugenden Design mit einer ausgezeichneten Usability voll überzeugt.
Prof. Katrin Hinz
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Nominierungen

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Produktdesign im Industriegüterbereich
LED Lichtsystem R-SL-16
Design:
corporate friends ® GmbH
, Kamenz
Teammitglieder: Philipp Stosch
Normalerweise liegt im Museum die Aufmerksamkeit auf den Exponaten an der Wand, auf Podesten oder
in den Vitrinen. Hier ist es anders. Die schlichte Schönheit des LED Lichtsystems R-SL-16 von
corporate friends GmbH stiehlt beinahe jedem Kunstwerk die Schau, obwohl es eigentlich dezent im
Hintergrund bleiben möchte. Lichtquellen im Museum sollen nicht auffallen, sondern das Objekt im
besten Licht präsentieren. Mit dem LED Lichtsystem R-SL-16 gelingt beides vorzüglich.
Das System basiert auf einer LED-Profil-Leuchte mit minimalem Durchmesser, die gleichzeitig ein lineares
wie auch punktuelles Licht aufnehmen kann. Das wirkungsvolle Einleuchten von Exponaten ist eine Kunst
für sich. Dabei hilft es, wenn das Beleuchtungssystem maximale Flexibilität bietet. Neben der Grundausleuchtung
über das lineare Licht, ermöglichen die aufsteckbaren Einzelstrahler eine zusätzliche Akzentuierung von
bestimmten Exponaten innerhalb der Vitrine. Dabei hilft das gesamte Zubehörprogramm wie Wabenraster,
Torblenden und vieles mehr. Die Leuchte kann horizontal, vertikal und in Kombination mit und ohne
Einzelstrahler zum Einsatz kommen.
Die schlichte Formgebung, die sich aus der Funktionalität und Flexibilität des Lichtkörpers ergibt, ist
bestechend. Entsprechend dem Einsatz im Umfeld kostbarer Objekte ist die hochwertige und auf
Langlebigkeit ausgerichtete Verarbeitung und Materialität hervorzuheben. Die sehr engen Spielräume
für die Gestaltung sind sehr überzeugend genutzt. Das technische Produkt wird selbst zu einem
ästhetischen Artefakt.
Thomas Geisler
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Nominierungen

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Nachwuchsdesign
Produktdesign im Industriegüterbereich
Entwicklung eines taktilen Trainingssystems für
Laparoskopie (Zange)
Design:
Yichen Fan
, TU Dresden
„Schlüsselloch-Chirurgie“ - der chirurgische Beruf ist zu einem großen Teil „Handwerk“, der viele
manuelle, oft komplizierte Fähigkeiten erfordert. In der minimalinvasiven Chirurgie (MIC) werden im
Vergleich zur offenen Chirurgie zusätzlich auch noch spezielle Fertigkeiten und Fähigkeiten benötigt.
Dadurch ist das Training dieser Fertigkeiten außerhalb des Operationssaales absolut notwendig, damit
chirurgische Maßnahmen routiniert und sicher ablaufen. Des Weiteren haben sich minimalinvasive
Verfahren durch eine merklich vitalere Rekonvaleszenz zusätzlich fest etabliert. Diese haben viele
konventionelle Operationsverfahren ersetzt.
Mit seiner Designarbeit hat der Dresdner Yichen Fan einen bemerkenswerten Beitrag geleistet, um
zukünftig verschiedenste minimalinvasive Operationsverfahren mittels eines pneumatisch taktilen
Trainingsystems nahezu realistisch zu simulieren. Beachtenswert sind Auswahl und Zusammenspiel der
jeweiligen Fachbereiche unter Einbeziehung technischer Weiterentwicklungen. Dabei ist bereits ein
funktionsfähiger Prototyp mittels neuster haptischer Sensor- und Aktuatortechnik auf Basis thematischer
Analysen unter Einbeziehung chirurgischer Arbeitsabläufe entstanden.
Trotz der spezifischen Anforderungen ist die formale Gestaltung konsequent durchdacht und fein auf
die entsprechenden ergonomischen Bedingungen abgestimmt. Überdies wirkt die gesamte Anmutung
sehr ästhetisch, klar und hochwertig. Die Jury hat vor allem die beachtliche Komplexität der Produkt-
entwicklung sowie das Potenzial dieser beispielhaften Designarbeit überzeugt.
Steve Hauswald
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Nominierungen

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Nachwuchsdesign
Produktdesign im Industriegüterbereich
Tram 2030
Design:
Jonathan Meuer
, HTW Dresden
Tram 2030 widmet sich einem wichtigen Zukunftsthema, der Mobilität in der Stadt und urbanen
Räumen. Während über das autonome Fahren von Fahrzeugen für den Individualverkehr schon ein
weitgehender Konsens herrscht und es nur noch eine Frage des Wann und unter welchen gesetzlichen
Regelungen zu sein scheint, wird über autonome Verkehrsmittel im öffentlichen Nahverkehr weit weniger
gesellschaftlich kommuniziert. Dabei ist dies eine der großen Zukunftsfragen für lebenswertere, grüne
und gesundere Städte. Der ÖPNV der nahen Zukunft hat sich den wandelnden Ansprüchen der
Nutzer*innen anzupassen, der Konkurrenz des autonomen Individualverkehrs zu stellen und sollte um
ein anderes Image werben.
Der Entwurf von Jonathan Meurer stellt sich diesen Anforderungen und konzipiert eine Tram für das
starke Dresdner Straßenbahnnetz, welches Straßenbahnen verschiedenster Größen als flexible Module
nutzt. Mit einem flexiblen Modulkonzept autonomer Elemente können verschiedene Einsatzbereiche,
Szenarien und lokale Bedürfnisse abgedeckt werden.
Einzelne Fahrzeuge können extra optimiert oder unterschiedlich gestaltet werden und für die verschiedenen
Kapazitäten in den verschiedenen Tageszeiten oder saisonalen Bedingungen für Bewohner*innen,
Tourist*innen, Familien genutzt und optimiert werden.
Die Tram 2030 adaptiert auf moderne Weise die historischen Tatra-Bahnen und passt sich mit den
eleganten und runden Formen der Barockstadt ebenso wie dem modernen Dresden als Großstadt an.
Das zeitgemäße Thema, die komplexe Fragestellung und das erarbeitete Konzept überzeugten die Jury.
Prof. Katrin Hinz
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Nominierungen

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Nachwuchsdesign
Produktdesign im Industriegüterbereich
TRACE
Design:
Lenard Opeskin
, TU Dresden
Es existieren mittlerweile viele Studien, Prototypen und auch Funktionsmodelle zum breiten Bereich
Mobilität. Die Konzepte hinsichtlich regionaler bis internationaler Fortbewegungsmittel, Individual-
versus öffentlicher Verkehr und diverser Share-Konzepte sind zahlreich und reichen von realistischen
Jetzzeit-Projekten bis zu futuristischen Entwürfen.
Zurecht weist der Entwurf „Trace“ des an der TU Dresden als Research Associate Tätigen Lenard Opeskin
darauf hin, dass jedoch viele individualisierte Mobilitätskonzepte die Gruppe der „(sub)urbanen Besser-
verdienenden“ adressieren. „Trace“ dagegen fokussiert zwei andere Ausrichtungen, die zugleich das soziale
Potenzial neuer Technologien zum Vorschein bringen sollen: Menschen jeden Alters und Einkommens
in strukturschwachen Regionen – wobei sein spezielles Augenmerk älteren und nicht sehr mobilen
Menschen gilt. „Trace“, das auf Deutsch sowohl „Spur“ als auch „Verfolgen“ und „Nachspüren“ bedeuten
kann, ist nach Analysen des Mobilitätsverhaltens älterer Menschen und einem Workshop entstanden:
ein vollautomatisches viersitziges Ride-Sharing Vehikel, das robust ist, Sicherheit bei Ein- und Ausstieg
sowie bei der Fahrt garantiert und zudem noch in der Sitzanordnung Kommunikation ermöglichen soll.
Realistisch wird die mögliche Umsetzung für 2035 avisiert, denn bis dahin müssen noch viele organisato-
rische, politische und ökonomische Bedingungen erfüllt sein.
Die Jury überzeugte bei diesem Nachwuchsprojekt, dass der Einreicher den Fokus auf nichtstädtische
Räume, ältere sowie eingeschränkte und ärmere Menschen legte – insgesamt eher vernachlässigte
Kriterien bei der allgemeinen Mobilitätsdebatte. Auch die sorgfältige Recherche-, Analyse- und praktische
Arbeit in Kooperation mit anderen Partnern und der Aspekt der Kommunikation der Personen, die dieses
Fahrzeug benutzen, mitzubedenken, beeindruckte die Jury. Das Innenraumkonzept, auf dem der Schwer-
punkt liegt, ist nicht einfach nach Kriterien von „nett“, „schön“ oder „funktional“ angelegt, sondern
achtet auf Aspekte, die von Sicherheit über Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung bis zu Kommunikations-
und kollektiven Aktivitätsmöglichkeiten reichen. So soll den Menschen in strukturschwachen Regionen
auch im Alter und bei körperlichen und psychischen Einschränkungen die Selbstverfügung und die
Partizipation an Ereignissen aller Art ermöglicht werden.
Prof. em. Dr. Uta Brandes
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Nominierungen

Produktdesign im Konsumgüterbereich
raijn - Regenbekleidung für Radfahrer:innen
Design:
Lydia Kluge
/ Texlock GmbH, Leipzig
Teammitglieder: Elkana Stöckel
Folgt man der Idee, dass das Fahrrad auf dem besten Wege ist, dem Auto den Rang in Sachen
Statussymbol abzulaufen, so können Produkte, Services und Ideen, welche das Radfahren sicherer,
komfortabler und attraktiver machen, diese erfreuliche Entwicklung beschleunigen. raijn könnte
diesbezüglich ein Turbo für die regnerischen Tage sein und zwar vom Nieselregen bis zum Wolkenbruch,
denn es handelt sich um wandelbare Regenbekleidung in zwei Tragevarianten. Die unkomplizierte
Regenjacke verwandelt sich in wenigen Handgriffen zum wasserabweisenden Overall und umgekehrt.
An einer ganzen Reihe von bemerkenswerten Features konnte die Jury ablesen, dass bei der Entwicklung
auf dem Fahrrad erfahrene Designer*innen am Werk waren:
Angefangen bei der helmkompatiblen Kapuze mit Perforation im Ohrbereich zur Wahrnehmung von
Umgebungsgeräuschen über die windfesten Ärmelbündchen aus Jersey, die der gestreckten Armhaltung
auf dem Bike Rechnung tragen, bis hin zur innenliegenden Fronttasche für den Schnellzugriff auf die
Essentiales der aktuellen Betätigung. Wasserabweisende Reißverschlüsse und Taschen, sorgfältig von
innen getapte Nähte und eine Wassersäule von 20.000 mm bei einer Atmungsaktivität von
25.000 gr/m²/24h lassen auf ausreichende Reserven schließen, auch bei heftigen Witterungsbedingungen
und sportlichem Einsatz. Und wenn die Sonne wieder raus kommt, verwandelt sich das Ganze ganz
klassisch in eine unscheinbare Gürteltasche von gerade mal 500 g.
Mit raijn wird ein Produkt gewürdigt, dessen Innovationsgehalt nach Ansicht der Jury insbesondere darin
besteht, eine bestechend einfache Idee konsequent mit den höchsten Ansprüchen an Qualität und
Sicherheit in einer angemessenen unaufgeregten Ästhetik umzusetzen. Mit dem einfachen Wechsel
zwischen Regenmantel und Regenoverall, je nach Regenintensität, wird nicht nur die Produktion, der
Erwerb und das Mitführen eines weiteren Produktes (z.B. einer Regenhose) obsolet, die Ansprache einer
breiten Zielgruppe von Pendler*innen, Alltags- und Reiseradfahrer*innen mag auch dafür sorgen, dass in
vielen Fällen selbst bei wechselhaftem Wetter oder gar heftigem Regen die Wahl voller Freude auf
das Fahrrad statt aufs Auto fällt. Sofern bei Nutzer*innen von raijn das Auto überhaupt noch eine
Rolle spielt.
Prof. Jacob Strobel
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Nominierungen

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Produktdesign im Konsumgüterbereich
Kohleurne
Design:
SchupplerSchwarz GmbH
, Leipzig
Schon rein äußerlich besticht diese Bestattungsurne durch ihre auffallend schnörkellose Schlichtheit
und klassische Schönheit.
Dies zum einen in der Formgebung: Seitenwand und Deckel weisen ausnahmslos geradlinige Konturen
auf und stoßen in sanft abgeschrägten, aber deutlich wahrnehmbaren Kanten aufeinander. Auf dekorative
Formelemente wie „weichzeichnende“ Rundungen, Henkel- bzw. Kugelgriffe o.ä. ist vollkommen
verzichtet worden. Zum anderen entbehrt die ganz und gar einfarbig schwarz gehaltene Oberfläche des
Urnenkorpus jeglicher farblichen oder bildlichen Ausgestaltung, wie sie sonst häufig zu finden ist. Einzige
Ausnahme: die beiden deutlich kontrastierenden, nicht eigentlich Teil der Urne bildenden Schmuckelemente
an der Frontseite; der goldfarben schimmernde Kreis und die vereinzelten gebundenen Blüten-, Ähren-
und Gräserstängel.
Diese scheinbar einfache, elegante und zurückhaltende Gestaltung lenkt die Aufmerksamkeit stark auf
den dominanten schwarzen Korpus, der wiederum klar auf den Verwendungszweck des Behälters
hindeutet. Die beiden Schmuckelemente an der Vorderseite verstärken mit ihrer eindringlichen und
vielfältigen Symbolik und dem feierlichen Farbspiel Gold auf Schwarz diesen Eindruck noch. Anders als
bei sonst gängigen Schmuckurnen wird hier nicht versucht, die Härte des Themas Tod abzumildern oder
davon abzulenken. Vermittelt wird vielmehr ein beeindruckendes Bekenntnis zur Vergänglichkeit des
Menschen, aber auch zu seiner tröstlich wirkenden Eingebundenheit in die Gesamtheit des Kosmos.
Erreicht wird diese starke Aussagekraft durch die Wahl des Grundmaterials Holzkohle und durch die klar
wahrnehmbare Trennung zwischen dem hieraus bestehenden, mit dem/r Verstorbenen assoziierten
Behälter und den optisch deutlich davon abgesetzten Schmuckelementen.
Zudem trägt diese Materialwahl entscheidend zur Nachhaltigkeit dieses Designs bei und verleiht ihm
hohe Qualität im Hinblick auf ökologische Folgewirkung und Benutzbarkeit. Die verwendeten natürlichen
Stoffe sind nicht nur irgendwann, irgendwie biologisch abbaubar – sie sind geradezu dazu gedacht, sich
in überschaubarer Zeit zu zersetzen, wieder in den natürlichen Kreislauf einzugehen und dabei auch
noch gespeicherte Nährstoffe und Wasser an das umgebende Erdreich abzugeben, mithin die Boden-
qualität zu verbessern. Also ein ganz anderes Konzept als bei einer Urne beispielsweise aus Metall,
Keramik, Holz o.ä., die auf Dauer oder jedenfalls über lange Zeit als Fremdkörper im Boden verbleiben
würde. Mit einer Feuerbestattung lassen sich damit leicht auch Elemente der Erdbestattung verbinden –
der bekannte liturgische Satz „Von Erde bist Du genommen, zu Erde sollst Du werden“ kann so auch in
solchen Fällen ohne weiteres verwirklicht werden. So wird weitere Flexibilität in der individuell situations-
gerechten Wahl der Bestattungsmethoden gewonnen.
Barbara Preißner
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Nominierungen

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Produktdesign im Konsumgüterbereich
tex—lock eyelet: das textilbasierte Fahrradschloss
Design:
Elkana Stöckel
/ Texlock GmbH, Leipzig
Teammitglieder: Alexandra Baum, Suse Brand
Die Faustregel für möglichst diebstahlsicheres Anschließen eines Fahrrads lautete lange, mehrere und
möglichst unterschiedliche Systeme zu nutzen. tex—lock eyelet scheint sich diesen Ansatz zum Grundsatz
gemacht zu haben und vereint um einen gehärteten Stahlkern gleich mehrere Lagen Hightech-Fasern
mit speziellen Funktionen, um jeweils Angriffen mit Feuer, Schnitt- oder Schlagwerkzeugen möglichst
lange stand zu halten.
Dieser Strang mit seiner textilen haptischen Qualität und den damit verbunden positiven Eigenschaften
ist an den Enden mit einer großen und einer kleineren gehärteten Stahlöse versehen. Ein Mini-Bügel-
schloss verschließt diese Ösen entweder direkt miteinander oder erlaubt, als Schlinge mit beeindruckender
Reichweite gelegt, das Anschließen am Fahrradrahmen oder einem festen Gegenstand.
Die Jury honoriert die überraschend vielfältigen Anschlussmöglichkeiten, die sich aus dem elementar
einfachen System ergeben und den breiten Einsatzbereich, welcher es mit drei erhältlichen Längen von
80cm bis 160cm erlaubt, Fahrräder, E-Bikes, Lastenräder und Fahrradanhänger flexibel an den
unterschiedlichsten Gegenständen anzuschließen. In Anerkennung des im Vergleich zur Vorgängerversion
erneut erhöhten und vielfältig bestätigten Sicherheitsstandards würdigt die Jury die ikonische
Gestaltungsqualität und die überragende Usability. Das Handling vermittelt auch unabhängig von
faktischen Gewichtsvorteilen Leichtigkeit und sorgt selbst in schwierigen Situationen mit befriedigender
Geschmeidigkeit für sicheres Anschließen. Auch unterwegs spielt die weiche Textiloberfläche ihre Vorteile
voll aus: sie ist schonend zu Mensch und Material, egal ob quer über die Schulter getragen oder um den
Rahmen des Fahrrads geschlungen.
Prof. Jacob Strobel
38
Nominierungen

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Nachwuchsdesign
Produktdesign im Konsumgüterbereich
Die Maker der Zukunft. Mobile Gestaltungsräume für Kinder
Design:
Andreas Mikutta
, Leipzig
Schon auf den ersten Blick bemerkenswert ist der pädagogische Ansatz dieser Einreichung: Als Gestaltungs-
spielzeuge für Kinder werden üblicherweise vor allem angeboten - Bausteine und ganze Bausätze aus
Holz, Stein, Ton o.ä. mit natürlicher Funktionsweise (d.h. nach den Gesetzen der Physik stapelbar oder
auch dauerhaft verbunden verbaubar), kindgerecht abgewandelte Schrauben, Nägel, Muttern, Beilag-
scheiben o.ä. sowie
Schraubenzieher, Schraubenschlüssel, Hämmer o.ä. – alles meist aus Holz und damit
eher groß und klobig - Klemmbausteine aus Plastik, kleiner und leichter, einfach zu verbauen und wieder
abzubrechen, aber nicht den Gesetzen der Physik entsprechend.Als Handwerksausstattung für Kinder
findet man beispielsweise größenangepasste Werkbänke, Werkzeuge, Schnitzmesser, Hobel, etc.. Solche
Spiel- und Werkzeuge sind im Wesentlichen zum praktischen Nachbauen von Bekanntem geeignet:
von Häusern, Maschinen, Autos, durch Bearbeitung von Holz geformten Alltagsgegenständen.
Anders das vorliegende Konzept, das im Kern einen höhenverstellbaren Arbeitstisch mit rutschfest
beschichteter Oberfläche und einen rollbaren Behälter zur Verwahrung von Werkzeugen und Materialien
bietet. Es lädt dazu ein, sich selbst Gedanken zu machen, was man „bauen“ möchte und wie man das
technisch am besten gestalten kann. Dabei werden die Kinder in ihrer fortschreitenden intellektuellen
Entwicklung ernstgenommen – als Entwerfer wie auch als die Ideen praktisch umsetzende Gestalter. Ihre
natürliche Kreativität wird nicht durch vorgegebene Baumaterialien und fertige Bauteile eingeengt; sie
bleiben völlig frei bei der Gestaltung und können die funktionalen Eigenschaften der Materialien und
Formen realistisch erfahren und begreifen lernen. Dabei benutzen sie echte Werkzeuge. Die Tische sind
gefällig geformt und kindgerecht aus (besonders formstabilem) Buchenholz und anderen Naturmaterialien
gestaltet – mit großzügig abgerundeten Ecken, abwischbar und in freundlichen Farbtönen gehalten,
wachsen in der Höhe mit und sind damit langlebig und nachhaltig. Abgerundet wird das Konzept durch
einen Transportwagen für die Tische oder andere Materialien, der einen mobilen Einsatz ermöglicht und
die Nutzerinnen und Nutzer weitgehend unabhängig von fremder Hilfe macht – jedenfalls wenn sie beim
Transport evtl. im Team arbeiten. So lässt sich diese „fliegende“ Werkstatt beispielsweise gut in Schulen
und Kitas einsetzen und auch für nur einzelne Unterrichts-/Übungseinheiten aufbauen. Und ganz
nebenbei kann sie auch Selbstständigkeit und Zusammenarbeit fördern.
Barbara Preißner
41
Nominierungen

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Nachwuchsdesign
Produktdesign im Konsumgüterbereich
voids
Design:
Bianca Bluhm
, Zwickau
Ebenso kurz und prägnant wie der Name dieser Schalen (voids), die sich für die unterschiedlichsten
Befüllungen eignen, ist die Beschreibung dieser Objekte: Sie sind aus sehr nachhaltigem Material,
Sinuswabenplatten, zu Schalen unterschiedlicher Größe handgefertigt. Das verleiht dem einzelnen Objekt
– neben der ohnehin feinen und puren Anmutung – eine hohe Individualität, denn auch Unregelmäßigkeiten
gehören zum bewussten Produktionsprozess. Die Jury begeisterten die Klarheit, Schönheit und Schlichtheit
dieser Schalen, die andererseits aus einem bereits bestehenden und ökologisch korrektem Material
(recyceltes Papier) gearbeitet sind. Und dennoch strahlen „voids“ eine subtile und klare Wertigkeit aus,
die nichts mit dem ansonsten eher zu grob und preiswert aussehenden Produkten verarbeitet werden.
Die Innovation dieser Schalen besteht zudem in der überraschenden Transformation eines
existierenden Materials, eben Sinuswabenplatten der Firma SWAP (mit der die Designstudentin für dieses
Projekt kooperierte), in eine ganz andere Form und Funktion.
Auch der Name ist klug gewählt: „void“, das leichte Nichts, die Leere, der Hohlraum, der sich im Plural
„voids“ auch als das leere Innere der Wabenstruktur des Universums entpuppt. Denn Simulationen auf
Supercomputern haben gezeigt, dass das Universum großräumig nicht homogen ist, sondern eben jene
Wabenstruktur besitzt.
All dies zusammengenommen führte die Jury zu der Entscheidung, dass „voids“ in seiner feinen zurück-
haltenden und dennoch ungewöhnlichen Form und seiner nachhaltigen Materialität nicht als ein weiterer
Staubfänger im privaten Ambiente sein unnützes Dasein fristet, sondern den Alltag belebt und die
Menschen nachhaltig erfreut.
Prof. em. Dr. Uta Brandes
43
Nominierungen

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Nachwuchsdesign
Produktdesign im Konsumgüterbereich
Experimentelle Materialuntersuchung -
Neuinterpretation Spitze
Design:
Magdalena Sophie Orland
, Leipzig
Wir kennen das alle, wenn wir Spitze hören, haben wir automatisch altmodische Fenstergardinen oder
Sofadeckchen vor Augen. Für Magdalena Sophie Orland, eine Absolventin des Masterstudiengangs
Conceptual Textile Design an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, war es ein Ansporn, in
ihrer Abschlussarbeit einen frischen Akzent für das zu Unrecht verstaubte Image der Spitze zu setzen.
Und das ist ihr gelungen!
Die experimentelle Materialuntersuchung basiert auf der theoretischen Auseinandersetzung zur fort-
schreitenden Digitalisierung der Gesellschaft. Ihr Einfluss auf den Umgang mit Textilien wurde exemplarisch
an der Spitze erforscht und führte so zu einem zeitgenössischen Ausdruck des Materials.
Metaphorisch steht das luftig zusammengesetzte Textil aus feinen Fäden und Plättchen mit seinen
gefüllten und leeren Räumen für Materialität und Immaterialität, das Analoge und das Digitale. Seine
auf Haptik ausgerichtete Anmutung entspricht dem Bedürfnis des digitalen Menschen nach taktilen und
sinnlichen Erlebnissen. Die kontrastierende Farbigkeit und das optische Spiel der Muster erzeugen einen
besonderen Auftritt. Eine Materialqualität, die obwohl noch nicht als Bekleidung verarbeitet, bereits die
Individualität der Trägerin oder des Trägers erahnen lässt.
Magdalena Sophie Orland bedient sich klassischer textiler Herstellungsverfahren und mixt diese frech
mit neuen konstruierenden Techniken. Unter Einfluss von Temperatur und Druck entsteht somit ein
innovatives Spitzenwerk, das sowohl in der Raumgestaltung wie in der Mode wirkungsvoll Anwendung
finden kann.
Thomas Geisler
45
Nominierungen

Kommunikationsdesign
Veto – Magazin für Protest und Verantwortung
Design:
Mandy Münzner
, Dresden
Herstellung: Die Rederei gUG
Kommunikationsdesign kann mehr als hübsch ausschauen und schön verpacken. Kommunikationsdesign
kann sowohl eine Haltung einnehmen als auch ein Medium zur Botschaft machen. Möglicherweise
intuitiv, ist hier eine medientheoretische Weisheit des kanadischen Philosophen Marshall McLuhan
»The Medium is the Message« eingetroffen. Ein Magazin wird zum Botschafter und beeinflusst durch
seine Eigenschaften unser gesellschaftliches Verhalten.
Veto Magazin hat es sich zur Aufgabe gestellt, engagierten Menschen eine Stimme zu geben und sie
sichtbar werden zu lassen. Täglich leisten Menschen einen Dienst an ihren Mitmenschen, sie helfen
Unterprivilegierten, lindern ehrenamtlich die Not von Bedürftigen und springen ein, wo Politik und
Gesellschaft Defizite hinterlässt. Sie schauen dorthin, wo unser Alltag zu oft einen blinden Fleck aufweist,
dahin wo Zuversicht und Kraft benötigt werden. Diesen mutigen Menschen widmet sich dieses Magazin
und wird im McLuhanschen Sinne nicht nur Träger von Information, es wird selbst zur Botschaft.
Die Jury des Designpreises lobt hier nicht nur das Design aus, sondern stellvertretend auch die Magazin-
macher:innen. Was für ein Glück, dass mit Mandy Münzner eine Gestalterin agiert, ohne die die Wirkung
des Magazins nicht die Stärke hätte, die es braucht. Münzners Gestaltung ist plakativ, optimistisch, zeitge-
nössisch, flexibel, kommunikativ, farbenfroh und klar. Das Magazin belegt, wie wichtig gelungenes
Kommunikationsdesign ist und welche Verantwortung es trägt. Das Heft ist von der Typografie bis zum
Bildediting gelungen und inhaltlich sowie gestalterisch durchdacht.
Herzlichen Glückwunsch und ein großes Dankeschön für diese Hefte geht an alle Beteiligten aus
Journalismus, Fotografie und Design!
Prof. Fons Hickmann
46
Nominierungen

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Kommunikationsdesign
Kiosk der Moderne
Design:
Gestalterkollektiv Basis Leipzig Heiland Pfeifer GbR
, Leipzig
Teammitglieder: Romy Heiland, Christian Pfeifer
Mit dem Kiosk der Moderne haben die Designer:innen vom Gestalterkollektiv Basis Leipzig Heiland Pfeifer
GbR Romy Heiland und Christian Pfeiffer einen innovativen Verkaufs- und Kommunikationskubus
geschaffen. Ihrem Anspruch „mit guter Gestaltung Menschen zu erreichen“ sind sie mehr als gerecht
geworden. Ein Kommunikationskubus, der bis ins kleinste Detail durchdacht und präzise umgesetzt wurde.
Besonders hervorzuheben sind seine Flexibilität und Mobilität.
Der Wettbewerbsteilnehmer im Bauhausjahr 2019 überzeugte auch die Klassik Stiftung Weimar, welche
den Kiosk als Vertreter der Weimarer Moderne auswählte. Mit seiner Optik und all seinen Facetten greift
der Kiosk die Prinzipien der Moderne auf und überträgt sie in die heutige Zeit. Für Besucher:innen war
der Kommunikationskubus Anlaufpunkt für Informationen und den Erwerb von Eintrittskarten.
Es ist mit dem Kiosk der Moderne gelungen sowohl Design und Funktionalität, als auch die banalen
Anforderungen der Straßenverkehrsordnung in Einklang zu bringen. So dient das Hubdach im Straßen-
verkehr als Schutzhülle, während es im ausgefahrenen Zustand vor allem als Eyecatcher in der Ferne
wirkt. Durch das hinterleuchtete Dach erzeugt der Kiosk eine besondere Faszination und Aufmerksamkeit
vor allem bei Dunkelheit.
Die Jury überzeugte nicht zuletzt die bis ins Detail konstruierte Formensprache. Die Gesamtproportionen
wirken äußerst aufgeräumt und die Außenform ist klar und stringent. Alle Funktionen fügen sich nahtlos
in das Gesamtkonstrukt ein.
Funktionalität und Design sind hier im Einklang und durchdacht bis in den letzten Winkel. Gewicht,
dynamische Lasten und die Nachhaltigkeit im Einsatz des Kiosks wurden berücksichtigt. Und auch in
Bezug auf Nachhaltigkeit kann der Kommunikationskubus punkten. Für spätere eventuell auftretende
Nachbesserungsarbeiten wurden die eloxierten Außenoberflächen vorausschauend foliiert. Die
Designer:innen des Gestalterkollektiv Basis Leipzig Heiland Pfeifer GbR haben mit diesem Kommuni-
kationskubus nicht nur ein einzigartiges Objekt geschaffen, sondern ebenso einen wesentlichen Beitrag
geleistet, die touristische und wirtschaftliche Entwicklung der Region voranzutreiben.
Björn Duphorn
48
Nominierungen

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Kommunikationsdesign
Gestaltung einer Plattencover-Serie
Design:
doppeldenk
, Leipzig
Auftrag/Herstellung: Uncanny Valley, Dresden
Es ist ein Glücksfall, das Besondere unter den Besonderen zu finden. Im Universum des heutigen Musik-
business erlebt die Vinyl Platte seit Jahren ein überraschendes Comeback. Der Marktanteil der schwarzen
Scheiben ist in den letzten 10 Jahren um 700% gestiegen. Signifikant an diesem Phänomen ist, dass die
Kleinen hier die Großen vorführen. Denn kleine Lables wie Uncanny Valley haben dieses Medium mit
Leidenschaft und Verstand wiederbelebt, mittlerweile folgen alle großen Lables diesem Trend. Ein schöner
Beleg dafür, dass Kreativität von unten nach oben wirkt. Durch die übermächtig scheinende Medienpräsenz
großer Akteure, vergessen wir gelegentlich die Wirkung der Kleinen. Schön, dass uns die Arbeit von
Uncanny Valley daran erinnert, dass das Neue stets dort entsteht, wo sich künstlerische Individualität
entwickeln kann.
Die siebenteilige Sonderedition zur 50. Plattenpremiere von Uncanny Valley interpretiert auf den Platten-
covern den Namen des Lables in 7 typografischen Varianten. Die Gestaltung des Leipziger Designerduos
Doppeldenk referiert in ihrer Experimentierfreude die musikalischen Ausdrucksformen elektronischer
Musik. Die Edition ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Musik und Grafikdesign in der Popkultur
zusammenfinden und den Zeitgeist transformieren. Die Jury hat hier eine Perle gefunden, die man in
ihre Einzigartigkeit eher in Tokyo als in Dresden erwartet hätte. Uncanny Valley, das »Phänomen des un-
heimlichen Tals«, ist nicht nur eine selbstironische Referenz auf das Entstehungsgebiet der Produktionen,
es bezieht sich auch auf medientheoretische Reflexionen darüber, dass technische und reale Welten in
einer Art Wechselwirkung zueinanderstehen. Die Korrelation zwischen elektronischer Musik und analogem
Grafikdesign wird in diesem Beispiel deutlich.
Je länger ich mir das Projekt anschaue, um so stärker entwickelt es einen Widerhall. Wenn wir aufmerksam
sind, hören wir ein Echo im ahnungslosen Tal, wenn wir länger hinsehen, entsteht durch die komple-
mentären Farben der Cover ein Nachbild auf der Netzhaut. Großartig!
Prof. Fons Hickmann
50
Nominierungen

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Nachwuchsdesign
Kommunikationsdesign
Wissenschaftliches Exponat „Schere, Stein, Papier“
Design:
Stefan Teubner
, TU Dresden
Teammitglieder: Lisa-Marie Lüneburg, Tina Bobbe, Jan Ljubimov, Professur für Akustik und Haptik
(AHA, TUD), Institut für Textilmaschinen und Hochleistungswerkstofftechnik (ITM, TUD)
Wir alle kennen das mit Handgesten gespielte Gewinnspiel „Schere, Stein, Papier“. Eine universale
Zeichensprache die im frühen Alter erlernt und weltweit verstanden wird. Was sprichwörtlich auf der
Hand liegt, war für das interdisziplinäre Team an Wissenschafter*innen an der TU Dresden Ausgangspunkt
einer Forschung im Bereich der Mensch-Roboter-Interaktion, mehr noch, man wollte zugleich ein
anschauliches Exponat zur Wissensvermittlung insbesondere für Kinder und Jugendliche entwickeln.
In den Handschuh eingestrickte Sensoren ermöglichen das Steuern eines Roboterarms. Die Bewegung
der eignen Hand und der Finger werden an den humanoiden Spielpartner übertragen. In diesem Fall ein
endloses Spiel, denn das Patt führt zur ständigen Wiederholung. Hier geht es aber nicht um das Gewinnen,
sondern um die Demonstration von Reaktionszeit und Netzgeschwindigkeit. Dieser spielerische Ansatz
soll die Möglichkeiten des Taktilen Internets – die Datenübertragung in Echtzeit – veranschaulichen. Die
Latenz von Sender zu Empfänger wird visuell und haptisch erlebbar gemacht. Die Zukunft des Internets
soll rasend schnell werden, um beispielsweise Operationen zu ermöglichen, wo die Chirurgin in Boston
einen Eingriff macht und in Kapstadt von einem medizinischen Roboter an einem Patienten ausgeführt wird.
Diese über Gestik gesteuerte Kommunikation und das sinnliche Erleben von Reaktionsgeschwindigkeit
in Bezug auf einen sonst technoiden Fachdiskurs hat die Jury überzeugt. Die spielerische Interaktion an
der Mensch-Maschine-Schnittstelle ermöglicht eine Vermittlungsebene für technikaffine und weniger
affine Zielgruppen auf Augenhöhe – zudem eine fast empathische Begegnung mit künstlicher Intelligenz.
Thomas Geisler
52
Nominierungen

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Nachwuchsdesign
Kommunikationsdesign
TIKKAmobil
Design:
Laura Därr / daerrstudio
, Leipzig
TIKKAmobil ist ein animierter Motiondesign-Erklärfilm für eine Startnext-Kampagne.
Immer mehr innovative Geschäftisideen von Gründer*innen fangen mit der Aufgabe an, Geld für die
Umsetzung der Ideen zu sammeln und das passiert mehr und mehr über Kampagnen auf Plattformen im
Internet und über ihre Verbreitung durch Soziale Medien. Besonders junge Zielgruppen werden damit
bestens erreicht. Um dies erfolgreich umzusetzen, sind packende Stories, originelle und überzeugende
visuelle Erzählweisen gefragt. TIKKAmobil wirbt in konzentrierten 1:42 Minuten überzeugend für die
Idee eines veganen Kochs für nachhaltiges, gesundes Essen mit Lieferservice mittels eines Lastenrades.
Der kleine Film nutzt einen Mix aus klassischen analogen Animationstechniken, wie Illustration und
Risographie, die digital bearbeitet wurden und durch Schnitt und Ton zu einem sinnlichen und divers
anmutenden modernen Video zusammengesetzt wurden. Die Figuren erzählen mit einem feinen Sinn für
Humor und sanfter Ironie als fliegende Gurken oder sprechende Tomaten über gesunde und nachhaltige
Ernährung. Damit setzt sich der Animationsstil von der zunehmend perfekten 3-D-Ästhetik der großen
Studios ab und passt stilistisch, glaubhaft und überzeugend zum beworbenen Konzept der Kampagne.
Er eignet sich hervorragend für den Einsatz in Social Media und vermittelt den Spaß und die Leidenschaft
des Gründers.
Der sympathische Film überzeugte die Jury durch den Zweck, den Inhalt und die gestalterische Umsetzung.
Prof. Katrin Hinz
54
Nominierungen

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Nachwuchsdesign
Kommunikationsdesign
Gestaltungsentwurf App: "Viruses don't discriminate.
But systems do."
Design:
Ella Zickerick
, Dresden
Das Virus trifft alle Menschen gleich – diesen Satz hört und liest man seit dem Ausbruch der
Corona-Pandemie häufig. Doch so logisch er in der Theorie klingt, so falsch ist er in der Realität.
Denn tatsächlich sind die Gefahren, sich zu infizieren, einen schlechten Krankheitsverlauf zu
erleben oder sogar am Virus zu sterben, in der Gesellschaft durchaus ungleich verteilt. Und auch
die sozialen, wirtschaftlichen und psychischen Folgen treffen Menschen unterschiedlich hart.
Auf theoretischer Ebene sind die strukturellen Benachteiligungen, die durch das Virus sichtbar
werden, längst gut dokumentiert, in der alltäglichen Wahrnehmung aber noch wenig präsent. Die
App "Viruses don't discriminate. But systems do.“ hat sich zum Ziel gesetzt, den Blick auf diesen
Aspekt der Pandemie zu schärfen. Mit ansprechender, zeitgemäßer Gestaltung und schlüssiger
Informationsarchitektur informiert die App ihre Nutzer:innen etwa über Frauen in systemrelevanten
Berufen, die einer besonderen Gefährdung ausgesetzt sind, über die Abhängigkeit der Infektions- und
Sterberaten von sozioökonomischen Status und über den Anstieg häuslicher Gewalt während
der Lockdown-Phasen.
Die Jury lobt nicht nur das frische Design der App, sondern insbesondere den konzeptuellen
Ansatz, das Bewusstsein für schon längerfristig bestehende Ungleichheiten zu schärfen, die durch
die Pandemie sichtbar und statistisch belegbar werden. So kann diese App Anstoß sein,
gesellschaftliche Realitäten zu hinterfragen, neu zu denken und auf ein nachhaltig soziales
Miteinander ohne strukturelle Diskriminierungen hinzuarbeiten.
Johannes Hünig
56
Nominierungen

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59 Nominierungen
Design im Handwerk
QuickModul
Design:
Bernd Schreiber / Schreiber Innenausbau GmbH
, Geyer
Eine Vitrine ist eine Vitrine, ist eine Vitrine, ist eine Vitrine, usw. … was lässt sich daran noch verbessern?
Dieser kniffeligen Aufgabe stellt sich das mittelständische Unternehmen Schreiber Innenausbau GmbH
seit einigen Jahren. Mit eigener Glaserei, Schlosserei und Tischlerei hat sich der Handwerksbetrieb auf
die Entwicklung innovativer Vitrinen für Museums- und Ausstellungsausbau spezialisiert. Mit dem Quick-
Modul wird eine einfache und geniale Antwort als modulares Glasvitrinenkonzept präsentiert, das dem
Kundenwunsch entsprechend konfiguriert werden kann.
Basis ist ein auf 10 Millimeter reduziertes Aluminiumprofil, in das Glasscheiben flächenbündig eingebracht
werden. Die Glaselemente werden an Decke und Boden miteinander verschraubt. An den Seitenkanten
stoßen die Glasscheiben profillos in Gehrung aufeinander. Es entsteht eine schützende und sichere Glas-
kabine, bei der rundum kein Rahmen oder Profil den Blick auf das Ausstellungsstück stört. Der modulare
Aufbau ermöglicht eine schnelle und einfache Installation in extrem niedrigen Räumen oder Nischen
mit geringer Einbauhöhe. Die Vitrine kann demontiert, platzsparend eingelagert und problemlos
wiederverwendet werden. Die Modularität erlaubt die Nachrüstung für Licht- und Klimaregulierung.
Die Reduktion auf das Wesentliche – Schutz und Sicherheit – ohne gestalterische Attitüden macht den
Entwurf bestechend schön und zeitlos. Die Innovation liegt in den Detaillösungen der Verbindungen,
wie auch im ganzheitlichen Konzept eines ressourcenschonenden Einsatzes von Vitrinen in der Museums-
logistik. Ein auf Langlebigkeit und Wiederverwendung ausgelegtes System, das sich jeder individuellen
Ausstellungsgestaltung anpasst.
Thomas Geisler

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61 Nominierungen
Design im Handwerk
Innovatives Design einer Headless-Gitarre
Design:
Tim Walter
, Burgstädt
Teammitglieder: Roy Fankhänel
Herstellung: Odem Guitars
Mit der Entwicklung der Headless- Signal Cut - Gitarre Modell Gignera trifft musikalische Leidenschaft
auf handwerkliche Perfektion. Obwohl die konzeptionell höchst interessante Version von Headless-
Gitarren bereits in den 70er Jahren entwickelt wurde, hatte es dieses Design bisher sehr schwer sich
durchzusetzen. Obwohl klanglich einer Gitarre mit Kopf in nichts nachstehend, stört sich doch der eine
oder andere offenbar an der ungewohnten Gestaltung.
Diese Einstellung ist angesichts der fließenden Linien und sanften Kurven, die der Gignera ihr elegantes
Aussehen verleihen, fast nicht vorstellbar. Der Korpus aus Nussbaum und Erle wird harmonisch ergänzt
durch ein Griffbrett aus Sonowood und goldfarbener Hardware wie die Volumen- und Tonregler. Durch
die in die Brücken integrierten Stimmer direkt am Korpus wird nicht nur das Gewicht reduziert, es gibt
dieser Gitarre auch die ultimative Balance. Zusätzlich ermöglicht der rechte Cutaway einen bequemeren
Zugang zum Bund des Griffbrettes.
Bei der Herstellung verfolgen Tim Walter und Roy Fankhänel strikt den Weg der regionalen Kreislauf-
wirtschaft mit Holz aus lokalen Ressourcen und setzen auf absolute Transparenz der eigenen Produktions-
prozesse. Das für das Griffbrett verwendete Sonowood wird auch Swiss Ebony genannt und besteht zu
100% aus Holz ohne jegliche Zusatzstoffe.
Diese konsequente Verschmelzung von Leidenschaft verbunden mit einer nachhaltigen Fertigung sowie
der handwerklicher Präzision haben die Jury letztlich überzeugt.
Steve Hauswald

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63 Nominierungen
Design im Handwerk
Linolbodengestaltung
Design:
Michael Grzesiak
, Leipzig
Teammitglieder: Christoph Ruckhäberle
Linoleum als Bodenbelag erlebt seit einigen Jahren ein erstaunliches Comeback – erstaunlich
deshalb, weil viele das Material mit Turnhallen, Ämterfluren und 50er-Jahre-Muff verbinden. Bei
genauerer Betrachtung überrascht der Linoleum-Boom aber keineswegs. Denn der Bodenbelag
bringt vieles mit, das auch heute wieder gefragt ist: Gefertigt aus Leinöl, Korkmehl und
Jutegewebe verbindet er natürliche Inhaltsstoffe mit gesundheitlicher Unbedenklichkeit und einer
zeitlosen Optik. Wobei sich letztere bemerkenswert wenig weiterentwickelt hat: Tatsächlich zeigen
die Kataloge der Linoleumhersteller mit unifarbenen und marmorierten Dessins heute fast das
gleiche Bild wie vor Jahrzehnten.
Genau hier setzt der Wettbewerbsbeitrag von TheZimmer an. Der Architekt, Gestalter und
Produzent Michael Grzesiak und der Künstler Christoph Ruckhäberle schufen in Leipzig
gemeinsam ein 500m2 großes Bodenbild aus unterschiedlich gefärbtem Linoleum, das per
Wasserstrahlschnitt präzise zugeschnitten und in abstrakten Formen passgenau verlegt wurde. In
drei übereinander liegenden Fluren des Bildungswissenschaftlichen Zentrums entstand so ein
visuell und handwerklich ansprechender Bodenbelag, der zum Hüpfen, Spielen oder einfach zum
Betrachten animiert.
Die Jury lobt ausdrücklich den Anspruch, eine zeitgemäße Nutzungsmöglichkeit des Materials
Linoleum aufzuzeigen und das gestalterische Potential dieses Stoffs im Zusammenspiel mit
Architektur und Funktion eines Ortes auszuloten. Die künstlerische Gestaltung, die mit ihren
abstrakten Formen, geschwungenen Linien und der expressiven Farbigkeit unverkennbar auf
andere Arbeiten Ruckhäberles verweist, überzeugte dabei ebenso wie die handwerkliche
Ausführung.
Johannes Hünig

Nachwuchsdesign
Design im Handwerk
erzclique
Design:
Luise Ullrich
, Schneeberg
Team: Matthias Schilling
Herstellung: Emil A. Schalling KG
Räucher-und Bergmänner, Nussknacker, (Erz)Engel: Holzfiguren aus dem Erzgebirge sind geschützt,
international bekannt und blicken auf eine lange Tradition zurück. Diese kann jedoch zugleich auch zu
einer Bürde werden. Denn angesichts des Lebens im 21. Jahrhundert zwischen sozialen Medien, Globalität
und Diversität mag den erzgebirgischen Figuren eine vielleicht nicht mehr so grandiose Zukunft beschieden
sein. Und da kommt die „erzclique“ gerade richtig: eine fröhliche (aber nicht alberne), eine behutsame
(aber nicht krampfhaft originelle), eine gestalterisch einfallsreiche (aber nicht überambitionierte)
Modernisierung der Holzfiguren hat hier stattgefunden. Die Charaktere, große und kleine, haben an
Vielfalt gewonnen: Bergmann, Engel, Mädchen, Jungen, die aber alle keine stereotypen Geschlechter-
merkmale aufweisen, und die sich, dank des drehbaren Sockels, zueinander wenden, sich küssen, sich
aber auch voneinander abwenden können. Um Stimmungen unterschiedlicher Art auszudrücken, können
zudem die Köpfe mittels Magneten verstellt werden. Zusammen bilden die Figuren ein munteres und
lustiges Grüppchen. Holz bildet weiterhin das Ausgangsmaterial, seine Bemalung ist sorgfältig, farblich
nicht zu grell und nicht klischeebehaftet. Insgesamt, so beschied die Jury, eine ebenso gelungene wie
leichte Transformation der traditionellen erzgebirgischen Holzfiguren; ein Entwurf, der diesem alten
Handwerk eine Zukunft weisen könnte. Eine einzige Kritik konnte sich die Jury der „erzclique“ allerdings
nicht ersparen: Der Sockel der Figuren aus Acrylglas untergräbt die Stimmigkeit des Material, es passt
nicht zur Gesamtanmutung.
Prof. em. Dr. Uta Brandes
64
Nominierungen

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Nachwuchsdesign
Design im Handwerk
FINE - Ein Möbelensemble aus Eiche und Leder
Design:
Heidemarie Tauber
, Dresden
Das FINE Möbelensemble besticht sofort durch seine filigrane Verarbeitung. Ein weiteres Highlight des
Ensembles, bestehend aus Schreibtisch mit dazugehörigem Stuhl, mit dem es das Augenmerk der Jury
sofort auf sich ziehen konnte, ist seine ungewöhnliche Größe.
Beide Elemente stehen für zeitlose und schlichte Eleganz. Die klaren und geradlinigen Formen dienen
nicht nur der Konstruktion, sondern werden wie ganz nebenbei zum gestalterischen Element. Das
Ensemble überzeugte sowohl mit der stringenten Linienführung als auch mit der Wahl der Materialien.
Die Stollenzargenverbindung des Gestells schließt die lederbezogene Schreibfläche passend ein. Das
ungeölte und geräucherte Eichenholz schmiegt sich mit einem leichten Grün-Ton behutsam dem
grün-geräucherten Rindsleder an. Dieser ausgesuchte Materialmix sticht nicht nur durch seine als Einheit
anmutende Komposition hervor, sondern punktet ebenso im Thema Nachhaltigkeit, einerseits in der
Nutzung von Holz aus regionalen Wäldern, andererseits in Bezug auf die Lebensdauer des Produkts.
Bei entsprechender Handhabe bieten beide Materialien eine lange Halbwertszeit.
Ein weiterer, überzeugender Aspekt, der die Jury ebenfalls beeindruckt hat, ist die Funktionalität. Im Hinblick
auf moderne Arbeitswelten bietet das Ensemble die Möglichkeit im Sitzen und Stehen zu arbeiten und
erfüllt durch den gewählten Materialeinsatz und dessen Verarbeitung bestmöglich die ergonomischen
Voraussetzungen an einen modernen Arbeitsplatz. Die großräumige Arbeitsfläche bietet Platz für
Kreativität und Teamarbeit. Damit födert FINE auch noch ein weiteres wichtiges Kriterium: das soziale
Miteinander, den kommunikativen Austausch und stellt somit eine Begegnungsstätte für kreative Ideen
dar. FINE schafft mit seiner einzigartigen Form und bestechenden Schlichtheit ein offenes und
kommunikatives Arbeitsumfeld.
Björn Duphorn
66
Nominierungen

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69 Nominierungen
Nachwuchsdesign
Design im Handwerk
Alloy925
Design:
Anne Kaden
, Leipzig
Betrachtet man Erinnerungen als den Versuch, spezifische Begebenheiten in Zeit und Raum festzuhalten,
so bietet alloy925 die Möglichkeit, diesen ansonsten flüchtigen Moment mit dem entsprechenden Ort
förmlich zu einer physischen Manifestation zu verschmelzen. Schmuckrohlinge aus 925er Silber werden
direkt im Erdboden geschmolzen und lassen eigenwillige Formen und überraschende Farbspiele auf der
Oberfläche des Edelmetalls entstehen, die je nach Beschaffenheit des Untergrundes variieren. Alternativ
zur unmittelbaren Fertigung an Ort und Stelle können die in einer erinnerungswürdigen Situation
gesammelten „Bodenproben“ im selben Verfahren auch in der Werkstatt zu Schmuckstücken verarbeitet
werden. In beiden Fällen werden die Ergebnisse aus der namensgebenden, experimentellen Legierung
handwerklich zu tragbaren und doch höchst individuellen Schmuckstücken weiter verarbeitet.
Neben den faszinierenden und facettenreichen formalen Qualitäten, welche alloy925 mit lässiger Geste
in der Gegenwart der Schmuckgestaltung verorten, hat die konzeptionelle Klarheit mit ihrer poetischen
Dimension die Jury überzeugt. Die individuellen Erinnerungsstücke - an große Ereignisse, eine besondere
Reise oder intime Momente - haben als schmückende, dingliche Momentaufnahmen das Potential für
Nutzer:innen einen persönlichen Wert zu entwickeln, der entschieden über den Material- und
Produktwert hinaus geht. Das Ausgangsmaterial selbst, 925er Silber, hat dabei zumeist schon eine eigene
Vita und ist, mit Blick auf die Ressourcenschonung, bereits aus Schmuck, Münzen oder Besteck recycelt.
alloy925 lässt in einem sehr experimentellen Setting Unikate entstehen, deren Erscheinung sowohl für
KundInnen als auch für die Gestalterin selbst nur sehr eingeschränkt absehbar ist. Die Jury würdigt daher
den großem Mut zum Experiment mit offenem Ausgang und die gestalterische Hingabe an einen Prozess,
der es einerseits erfordert den eignen Gestaltungswillen zu zügeln und andererseits, einer Improvisation
gleich, verlangt, unmittelbar und sensibel auf den Moment, respektive die individuelle Verschmelzung,
zu reagieren.
Prof. Jacob Strobel

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71 Nominierungen
Sonderpreis
Design macht Arbeitsschutz attraktiv
Paexo Back
Design:
Emese Papp
, Professur für Technisches Design, TU Dresden
Herstellung: Ottobock SE & Co. KGaA
Unter arbeitsbedingten Muskel- und Skelettbeschwerden und -erkrankungen leiden allein in Deutschland
Millionen von Arbeitnehmer:innen. Maßnahmen zur Gestaltung gesünderer Arbeitsplätze vor allem in
der Industrie, Logistik und dem Handwerk sind deshalb gefragter denn je. Hier setzt der Paexo Back der
Firma Ottobock an. Das körpergetragene Assistenzsystem ermöglicht eine deutliche Entlastung der
Lendenwirbelsäule bei Hebetätigkeiten. Ein Energiespeicher nimmt beim Beugen Kraft auf und gibt sie
beim Heben wieder ab. Die Last wird hierbei von der Schulter in die Oberschenkel geleitet. Der Bereich
der Lendenwirbel wird entlastet.
Das Design nimmt sich verschiedener Herausforderungen der Akzeptanz von Exoskeletten an und schafft
mit innovativen Ansätzen eine aufgabenangemessene Nutzbarkeit und einen hohen Tragekomfort.
Besonders hervorsticht hierbei eine neuartige Automatik auf Hüfthöhe, die ohne jegliche Elektronik
zwischen Beugen und Gehen unterscheidet. Dadurch wird die volle Bewegungsfreiheit auch bei anderen
Tätigkeiten sichergestellt. Der Paexo Back passt sich automatisch an und integriert sich damit intuitiv in
den Arbeitsalltag. Eine deutliche Verbesserung!
Überzeugen kann der Paexo Back zudem durch seine funktionale und dennoch ästhetische Gestaltung.
Das durchdachte System ist besonders leicht und für Nutzer:innen schnell an- und auszuziehen. Eine
hohe Anpassbarkeit nach dem Prinzip „One fits All“ sorgt zusätzlich für eine hohe Flexibilität seiner
Einsetzbarkeit. Ein hinsichtlich der Farb- und Grafikgestaltung schlichtes und eindeutiges Bediensystem
sichert eine einfache Handhabung und rundet das Ergebnis zusammen mit einer sehr hohen Verarbeitungs-
qualität ab. Das Produkt besticht durch seine Nutzungsfreundlichkeit und beeindruckt durch innovative
Gestaltungslösungen, welche die Akzeptanz für eine Nutzung deutlich verbessern. Das Ergebnis zeigt,
wie Design Arbeitsschutz attraktiver machen kann.
Dr. Frank Dittrich

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73 Nominierungen
Sonderpreis
Design macht Arbeitsschutz attraktiv
Die digitale ZUKUNFT DER BRANDSCHUTZSIMULATION
Design:
A4VR GmbH
, Düsseldorf
Teammitglieder: Team Flamecoach (Daimler AG, Olaf Gersbeck, Maike Vahrenhorst)
Durch den Flamecoach® wird ein wichtiger Beitrag zum präventiven Brandschutz im beruflichen Alltag
wie auch Privatleben geleistet. Rund 80% aller Entstehungsbrände können mit mobilen Feuerlöschern
bekämpft werden. Durch die Nutzung eines realen Feuerlöschers in der virtuellen Realität ist ein hoher
Praxisbezug gegeben. Zusätzlich erfolgt eine multisensorische Simulation von Wärme und realistischem
Brandgeruch. Der Feuerlöscher muss in der Realität entsichert und scharfgestellt werden. In der anschließenden
Simulation wird mit Hilfe des Feuerlöschers ein Entstehungsbrand gelöscht. Es werden VR-Tracker genutzt,
die millimetergenau die Position abgleichen, als auch Handtracking für die Übertragung der eigenen
Handbewegungen in die virtuelle Realität.
Die praktische Feuerlöschübung kann wetter- und verbrauchsunabhängig durchgeführt werden. Der
Flamecoach® ist wartungsarm und benötigt kein Löschmittel (CO2-neutral). Die Löschübungen können
bequem in geschlossenen Räumen durchgeführt werden. Hierdurch kann die praktische Feuerlöschübung
einem breiteren Teilnehmerkreis angeboten werden.
Verschiedene gesetzliche Bestimmungen, darunter das Arbeitsschutzgesetz §10, aber auch andere wie
die DGUV Vorschrift 1 und ASR A2.2 fordern vom Betreiber oder Eigentümer eines Unternehmens oder
einer Einrichtung, dass die Beschäftigten praktische Löschübungen mit den im Unternehmen vorhandenen
Löschmitteln durchführen. Unabhängig von den gesetzlichen Bestimmungen ist es das Ziel eines jeden
Unternehmens, möglichst viele Beschäftigte im Umgang mit dem Feuerlöscher zu schulen.
Durch den Flamecoach® werden viele Probleme aus der Praxis gelöst. Die Jury begeisterte das ansprechende
Design der Simulationen, die betriebsspezifisch angepasst werden können. Diese Leistung würdigte
die Jury mit einer Nominierung und der Preisträgerauszeichnung in der Kategorie „Design macht
Arbeitsschutz attraktiv“.
Nicole Gottschalk

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75 Nominierungen
Sonderpreis
Design macht Arbeitsschutz attraktiv
recalm - Making noise disappear
Design:
Lukas Henkel / recalm GmbH
, Hamburg
Teammitglieder: Marc von Elling
Arbeiten, bei denen der Tages-Lärmexpositionspegel überschritten wird, kommen in vielen Gewerbezweigen
vor. Recalm funktioniert auf dem Prinzip von Active Noise Cancelling. Mehrere Mikrofone nehmen die
vorhandenen Umgebungsgeräusche auf. Mittels Mikroprozessor wird daraus dann ein Schallsignal mit
entgegengesetzter Polarität entwickelt. Oder um es einfacher auszudrücken: Auf Knopfdruck wird ein
Antischall erzeugt, der störende und schädliche Geräusche von Fahrzeugen reduziert. Hierdurch wird ein
wichtiger Betrag zum Thema Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz geleistet. Arbeitsmedizinische
Studien haben gezeigt, dass Lärm stresst und krank macht. Bei jedem störenden Geräusch gerät der
menschliche Körper in Alarmbereitschaft. Er schüttet Stresshormone aus, das Herz schlägt schneller, der
Blutdruck steigt und die Atemfrequenz nimmt zu.
Die berufsbedingte Lärmschwerhörigkeit gehört zu den „führenden“ Berufskrankheiten. Dabei ist eine
Heilung nicht möglich. Zusätzlich sinkt durch Lärm die Produktivität und die Wahrscheinlichkeit von
Arbeitsunfällen steigt. Akustische Gefahrensignale bzw. Warnrufe von Kollegen werden durch Lärm nicht
bzw. nicht rechtszeitig wahrgenommen. Reclam reduziert störende tieffrequente Maschinengeräusche
und wichtige akustische Signale (z.B. Stimmen) sind weiterhin hörbar. Individuelle Einstellungen und
Nutzerprofile können komfortabel über eine App auf dem Smartphone gesteuert werden. Durch das
Produkt wird ein positives Nutzererlebnis mit einem durchdachten Interaktions-Design geboten.
Recalm wird durch die Integration im Fahrersitz vom Nutzer nicht als störend empfunden wie dies zum
Beispiel bei einem klassischen Gehörschutz (z.B. Gehörschutzstöpsel, Gehörschutzkapseln) bzw.
Otoplastiken häufig der Fall ist. Gefahren durch eine ungenügende Reinigung (z.B. Entzündungen in den
Gehörgängen) sind nicht vorhanden.
Der Einklang zwischen einem ansprechenden Design und einem wichtigen Beitrag zur Arbeitssicherheit
und dem Gesundheitsschutz überzeugte die Jury zur Nominierung in der Kategorie „Design macht
Arbeitsschutz attraktiv“.
Nicole Gottschalk

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Sonderpreis
Design macht Arbeitsschutz attraktiv
Interaktive Gefahrenschulung für Staplerfahrer
mittels VR und 360° Medien
Design:
Manuel Dudczig / VRENDEX GmbH
, Königshain-Wiederau
Team/Auftraggeber: Rhenus AL, Chemnitz
Die Durchführung von Gefahrenschulungen und Sicherheitsunterweisungen gehören zu den Pflichtaufgaben
jedes Unternehmens. Gefährdungen und Arbeitsunfälle am Arbeitsplatz effektiv zu vermeiden, stellen
besonders bei industriellen Tätigkeiten große Herausforderungen dar. Die Schulungen und Unterweisungen,
traditionell oft textbasiert oder in Form von Frontalunterricht vermittelt, zählen bei den Mitarbeitenden
hingegen nicht immer zu den beliebtesten Tätigkeiten.
Neue Lösungen sind gefragt! Hier kommen innovative Interaktionstechniken der Virtual Reality (VR) ins
Spiel. Die von den VR-Spezialisten des Unternehmens VRENDEX GmbH zusammen mit dem Logistikunter-
nehmen Rhenus Automotive entwickelte Anwendung, steht unter dem Motto: Lernen durch Erleben!
Mittels VR-Brille tauchen Anwender:innen in virtuelle, aber real wirkende Gefahrensituationen beim
Führen von Gabelstaplern in einem 360° Logistikszenario ein. Der Stapler wird dabei aus der Ego-Perspektive
frei gesteuert. Reale haptische Rückmeldungen mittels in die VR eingebundener Pedale sowie eines Lenkrads
erzeugen zusätzliche Immersion. Mit ihrem Systemdesign haben Manuel Dudczig und sein Team gleich
mehrere Probleme traditioneller Arbeitsschutzunterweisungen angepackt. Während mittels Text, Bild
oder Video stets nur ein Teil der Gefahrensituation abstrakt vermittelt wird, erzeugt das Nacherleben
einen hohen Sensibilisierungs- und Lerneffekt und bleibt nachhaltig im Bewusstsein verankert. Zudem werden
Reaktionsvermögen und richtiges Handeln geschult. Sicherheitskritische Situationen können dadurch
erstmalig gefahrlos trainiert und ohne Aufwand und unnötigen Ressourceneinsatz beliebig oft wiederholt
werden. Gamification-Ansätze sorgen für Nutzungsfreude und erhöhen die Motivation der Anwender:innen.
Die Anwendung überzeugt neben ihrer hohen Effektivität und Effizienz durch ein interaktives
Schulungskonzept sowie eine hohe Flexibilität. So können Trainer:innen von außen auf die Gefahren-
situationen dynamisch einwirken. Reaktionen der Lernenden werden über einen Bildschirm für eine
größere Lerngruppe sichtbar gemacht und ausgewertet. Die Übertragung der Inhalte auf mobile Endgeräte
wie Tablets ermöglicht ein zusätzliches orts- und zeitunabhängiges Lernen.
Die vorgestellte VR-Lösung zeigt, wie neue Interaktionstechnologien eingestaubte Vorgehensweisen im
Arbeitsschutz für Mitarbeiter:innen attraktiv machen können und dabei sowohl hoch produktiv als auch
nachhaltig wirken.
Dr. Frank Dittrich

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Die virtuelle Leistungsschau
Veröffentlichung am 21. Januar 2021
13 individuell konzipierte Ausstellungsräume mit allen 188 zur Jurysitzung zugelassenen Einreichungen des Designpreises
als CAD- und 3D-Darstellungen, Fotos, Fotofilme und Videos.
www.designpreis-sachsen.de/2020/leistungsschau
Dank
Wir bedanken uns herzlich bei allen Bewerberinnen und Bewerbern für ihre Teilnahme
am Sächsischen Staatspreis für Design 2020/2021!
Jan Eickhoff, Andrea Haupt, Volker Queck, Peter Döllmann, Aram Haydeyan, Matthias Sperling, Rico Genau, Sascha Winkler,
Stephan Kube, Marc Herrmann, Thomas Theling, Mirko Jedynak, Bernd Wacker, Marco Zichner, Paul Judt, Frank Hermsdorf,
Ralf Donner, Stephanie Oppitz, Tom Nowak, Jana Schindelhauer, Matthias Meister, Ingo Schuppler, Alexander Paul Finke,
Christoph Beyer, Paul Pius Nitschke, Andre Schnabel, Tony Gauser, Andreas Landrock, Katrin Kirmse, Jan Hartmann, Daniel
Conrad, Lydia Kluge, Conrad Schneider, Christian Schulz, Jan Hartmann, Matthias Sperling, André Massow, Elkana Stöckel,
Falk Neubert, Mario Korösi, Clemens Beyerlein, Michael Zinn, Jonathan Meuer, Lenard Opeskin, Constantin Kärgling, Yichen
Fan, Martin Tomaschewski, Magdalena Sophie Orland, Theresa Pazek, Franziska Welke, Samuel Bodner, Johanna Eger, Ronja
Gorges, Wiete Sommer, Celine Wolf, David Mantilla, Stefan Teubner, Jessica Janik, Steven Finke, Jacob Schmidt, Julian
Kühme, Bianca Bluhm, Andreas Mikutta, Jessica Haustein, Till Gringmuth, Paul Weiß, Jim Kühnel, Janine Thaler, Jim Kühnel,
Wolfgang Schwärzler, Gerda Raidt, Sascha Herrmann, Philip Schambelan, Romy Heiland, André Borchert, Christin Michel,
Anke Isabell Friedrich, Michaela Weber, Andreas Geisler, Ivo Zibulla, Antje Mönnig, Laura Lauber, Tobias Retschke, Robert
Ludwig, Martin Driemel, Jan Thiele, Torben Knye, Henriette Roth, René Spengler, Michael Chlebusch, Kay Hedrich, Simone
Fass, Christian Chalupka, Jan König, Alexander Paul Finke, Sylvi Weidlich, André Wandslebe, Mario Lehmann, Jana Dichelle,
Fabian Gießler, Conrad Kaden, Marcel Baer, Alexander Hilsky, Peggy Reuter-Heinrich, Mandy Münzner, Marie Schuster,
Carl-Johannes Schulze, Martin Fiedler, Franziska Weißgerber, Henning Jesswein, Michael Lange, Franziska Fallenstein, Marie
Schuster, Tony Gauser, André Wandslebe, Stefan Theiss, Laura Därr, Ella Zickerick, Vanessa Voigt, Josefin Schneider, Anna
Hauptmann, Rebecca Bach, Claudia Koch, Stefan Teubner, Sofia Gerstlacher, Elze Tomasiunaite, Marius Meiertokrax,
Sebastian Groß, Ronald Mettke, Jens Eberlein, Sophie Reichelt, Dr. Eszter Csepe-Bannert, Bernd Schreiber, Tim Walter, Sven
Schwalm, Jost von Huene, Ulrich Czerny, Michael Grzesiak, Katy Ullrich, Billy Deger, Beate Pfefferkorn, Tobias Loschke,
Ulrich Czerny, Sylva-Michèle Sternkopf, Katja Fietz, Ulrike Sandner, Heike Schönfeld, Stephanie Wilfert, Anne Kaden, Judith
Anders, Luise Ullrich, Tom Ziegenspeck, Maxi Böhme, Norman Horatzscheck, Rebekka Weise, Hannes Schneider, Steffen
Schuster, Werner Lorke, Jan Wabst, Reinhard Lenz, Emese Papp, Reinhard Lenz, Nils Fitzner, Jana Richter, Melanie Teichmann,
Jan Thiel, Paul-Vincent Sternkopf, Lukas Henkel, Franziska Dickerhof, Manuel Dudczig, Paula Ellguth, Ferdinand Kroll
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Ausstellung der nominierten Designleistungen im
Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen
Dresden, Schloss Pillnitz
Das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Schloss Pillnitz ist die erste
Station für die Ausstellung der nominierten Designleistungen zum Sächsischen Staatspreis für Design.
Mit dem verzögerten Saisonstart des Kunstgewerbemuseums wurden die Nominierungen in den
Kategorien PRODUKTDESIGN, KOMMUNIKATIONSDESIGN und DESIGN IM HANDWERK im Wasser- und
Bergpalais von Schloss Pillnitz präsentiert. Weiterhin wurde junges innovatives NACHWUCHSDESIGN
jeder Kategorie gezeigt. Diese Auswahl komplettiert die nominierten Projekte zum Sonderpreis „DESIGN
macht ARBEITSSCHUTZ attraktiv“.
„Alle Nominierungen sind herausragende Designleistungen“, betont Martin Dulig, Sächsischer Staatsminister
für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. „Die Ausstellungsreihe der Preisträger:innen, Nominierten und des
Publikumspreises ist ein wichtiger Bestandteil des Sächsischen Staatspreises für Design. Ziel ist es, die
Leistungsfähigkeit von Design aufzuzeigen, die sächsische Designwirtschaft zu fördern sowie Design als Beitrag
zur Gestaltung eines attraktiven Arbeitsschutzes in Sachsen sichtbar zu machen“, so Martin Dulig weiter.
Thomas A. Geisler, Direktor des Kunstgewerbemuseums und Designpreis-Jurymitglied informiert dazu:
„Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung erwartete ein spannender und überraschender Parcours.
Die nominierten Designprojekte waren als Interventionen in der Dauerausstellung integriert und ergaben
verblüffende Erzählungen aus Designkulturgeschichte und heutigen Innovationen.“
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Feierliche Preisverleihung
Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden,
Schloss Pillnitz, Bergpalais
Die besten Designleistungen der 17. Wettbewerbsedition des Sächsischen Staatspreises für Design wurden
im Rahmen der festlichen und sommerlich beschwingten Preisverleihung am 5. Juli 2021 im Bergpalais
des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Kunstsammlungen im Schloss Pillnitz ausgezeichnet.
Wir gratulieren allen Preisträgerinnen und Preisträgern.
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Feierliche Preisverleihung
Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden,
Schloss Pillnitz
Ausstellungsrundgang mit Martin Dulig und Thomas Geisler
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Überblick
Dotierung der Preisträger:innen
Gesamtpreisgeld
: 50.000
Design
Produktdesign im Industriegüterbereich: 5.000
Produktdesign im Konsumgüterbereich: 5.000
Kommunikationsdesign: 5.000
Design im Handwerk: 5.000
Nachwuchsdesign
Produktdesign im Industriegüterbereich: 5.000
Produktdesign im Konsumgüterbereich: 5.000
Kommunikationsdesign: 5.000
Design im Handwerk: 5.000
Sonderpreis
: 2 x 4.500
Publikumspreis
: 1.000
Einreichungen
Insgesamt wurden 200 Designleistungen eingereicht. Hiervon wurden für die Jurysitzung
am 20. und 21. Januar 2021 188 Einreichungen in den folgenden Kategorien zugelassen:
Produktdesign im Industriegüterbereich: 16
Produktdesign im Konsumgüterbereich: 28
Kommunikationsdesign: 57
Design im Handwerk: 21
Nachwuchsdesign
Produktdesign im Industriegüterbereich: 6
Produktdesign im Konsumgüterbereich: 21
Kommunikationsdesign: 12
Design im Handwerk: 8
Für den
Sonderpreis „Design macht Arbeitsschutz attraktiv“
wurden 19 Designleistungen eingereicht.
105

Preisgekrönte Designleistungen

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Produktdesign im Industriegüterbereich
TracePen
Design:
Paul Judt / Wandelbots GmbH
, Dresden
Teammitglieder: Christoph-Philipp Schreiber, Frank Mühlbauer
109
Preisgekrönte Designleistungen

Nachwuchsdesign
Produktdesign im Industriegüterbereich
Entwicklung eines taktilen Trainingsystems für
Laparoskopie (Zange)
Design:
Yichen Fan
, TU Dresden
110
Preisgekrönte Designleistungen

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Produktdesign im Konsumgüterbereich
raijn - Regenbekleidung für Radfahrer:innen
Design:
Lydia Kluge
, Leipzig
Teammitglieder: Elkana Stöckel
Herstellung: Texlock GmbH
112
Preisgekrönte Designleistungen

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Nachwuchsdesign
Produktdesign im Konsumgüterbereich
Die Maker der Zukunft.
Mobile Gestaltungsräume für Kinder
Design:
Andreas Mikutta
, Leipzig
114
Preisgekrönte Designleistungen

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Kommunikationsdesign
Veto – Magazin für Protest und Verantwortung
Design:
Mandy Münzner
, Dresden
Teammitglieder: Die Rederei gUG
116
Preisgekrönte Designleistungen

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Nachwuchsdesign
Kommunikationsdesign
Wissenschaftliches Exponat „Schere, Stein, Papier“
Design:
Stefan Teubner
, TU Dresden
Teammitglieder: Lisa-Marie Lüneburg, Tina Bobbe, Jan Ljubimov, Professur für Akustik und Haptik
(AHA, TUD), Institut für Textilmaschinen und Hochleistungswerkstofftechnik (ITM, TUD)
119
Preisgekrönte Designleistungen

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Design im Handwerk
Innovatives Design einer Headless-Gitarre
Design:
Tim Walter
, Burgstädt
Teammitglieder: Roy Fankhänel
Herstellung: Odem Guitars
121
Preisgekrönte Designleistungen

Nachwuchsdesign
Design im Handwerk
Alloy925
Design:
Anne Kaden
, Leipzig
122
Preisgekrönte Designleistungen

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Sonderpreis
Design macht Arbeitsschutz attraktiv
Paexo Back
Design:
Emese Papp
, Professur für Technisches Design, TU Dresden
Partner: Ottobock SE & Co. KGaA
124
Preisgekrönte Designleistungen

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Sonderpreis
Design macht Arbeitsschutz attraktiv
Die digitale ZUKUNFT DER BRANDSCHUTZSIMULATION
Design:
A4VR GmbH
, Düsseldorf
Teammitglieder: Team Flamecoach (Daimler AG, Olaf Gersbeck, Maike Vahrenhorst)
126
Preisgekrönte Designleistungen

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Publikumspreis
VAIO - sensual dining - Alternative Essgeräte
und -gefäße für die fünf Sinne
Design:
Judith Anders
, Weißenberg
129
Preisgekrönte Designleistungen

Ausstellung der Designleistungen
im Kunstquartier Bethanien, Berlin
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66 Ausstellungseröffnung im Kunstquartier Bethanien

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66 Ausstellungseröffnung im Kunstquartier Bethanien

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66 Ausstellungsansichten im Kunstquartier Bethanien

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Ausstellung der Designleistungen
im Industriemuseum Chemnitz
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66 Ausstellungseröffnung im Kunstquartier Bethanien

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66 Ausstellungseröffnung im Kunstquartier Bethanien

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Sonderpreis
Design macht Arbeitsschutz attraktiv
Interview
Der Sächsische Staatspreis für Design würdigt auch kreative Lösungen im Arbeitsschutz
Ein Interview mit den Preisträger:innen Emese Papp und Jan Thiel
Erstmalig zeichnete der Sonderpreis „Design macht Arbeitsschutz attraktiv“ im Rahmen des Sächsischen
Staatspreises für Design besonders gelungene Design-Lösungen im Bereich Arbeitsschutz aus. Das Team
um Emese Papp, TU Dresden, gewann mit dem Exoskelett „Paexo Back“ und Jan Thiel mit seinem Team
von der A4VR GmbH Düsseldorf mit dem „Flamecoach“, einem virtuellen Brandschutztraining.
Die Preisträger erzählten im Interview näheres über ihre Lösungen.
Herzlichen Glückwunsch nochmals, Frau Papp und Herr Thiel, zu diesem schönen Erfolg. Design
und Arbeitsschutz - für manchen liegt diese Kombination nicht gleich auf der Hand. Was war Ihre
Motivation, sich am Wettbewerb zu beteiligen?
Emese Papp
: Design ist im professionellen Kontext extrem wichtig. Ein renommierter Designwettbewerb
wie der Sächsische Staatspreis für Design kann dazu beitragen, Arbeitsschutz oder speziell Exoskelette
einem breiteren Publikum zu vermitteln. Die Reichweite eines solchen Wettbewerbs kann außerdem
andere Akteure aus der Arbeitsschutzbranche motivieren, mit der Kultur- und Kreativwirtschaft
zusammen menschenzentrierte Lösungen zu erlangen.
Jan Thiel
: Dem kann ich nur zustimmen. Ich finde es ist toll, dass es so einen Preis gibt. Wir sind
visuelle Menschen. Wir sind tagtäglich mit Design konfrontiert. Da kann man nicht sagen: nur, weil
es Arbeit ist vernachlässige ich das. Arbeitsschutz benötigt durchdachte Lösungen, auch im Design.
Das bietet Möglichkeiten.
Frau Papp, was war die Ausgangsproblematik für die Produktentwicklung des Paexo Back?
Emese Papp
: Die Problematiken des Arbeitskräftemangels und des demographischen Wandels sind nicht
neu. Sie prägen unsere Zeit und üben einen großen Leistungsdruck auf die Beschäftigten und Unternehmen
in Industrie, Logistik und Handwerk aus. In der Logistikbranche, für die der Paxeo Back entwickelt wurde,
haben wir 25 Ausfalltage pro Kopf pro Jahr. Das ist eine enorme Zahl, die aufgrund der hohen physischen
Belastungen zustande kommt. An diesem Punkt setzen die Paexo-Skelette der Ottobock-Reihe an. Sie
bieten den Menschen Entlastung und ermöglichen es, der Arbeit auf eine gesundheitsschonende Art und
Weise nachzugehen und physische Schäden zu minimieren.
144

Was ist das Besondere an dem Paexo Back und was unterscheidet es von anderen Exoskeletten?
Emese Papp
: Jedes Exoskelett ist anders. Je nachdem, welche Körperregion unterstützt wird, unterscheiden
sich die Form, Größe und das Aussehen. In unserem Fall haben wir geschaut, welche Wettbewerber
bereits auf dem Markt sind und welche Probleme mit den Produkten auftauchen. Wir wollten diese
Probleme bewusst angehen. Dabei spielen auch die Akzeptanz und das Erleben der Nutzerinnen und
Nutzer eine wichtige Rolle.
Soziale und psychologische Aspekte, die beim Tragen der Exoskelette auftreten, berücksichtigen wir daher
bereits bei der Konzeptionierung. Wenn ein Exoskelett acht Stunden am Tag getragen werden soll, dann
wird es Teil des Erscheinungsbildes der Mitarbeitenden und begleitet sie einen ganzen Tag.
Was waren technische und gestalterische Lösungen, die zur Entwicklung des Paexo Back führten?
Emese Papp
: Durch das Tragen des Exoskeletts erfahren die Nutzer und Nutzerinnen eine Entlastung des
unteren Rückens bis zu 25 kg. Das heißt, wenn sie in einem gebeugten Zustand sind, wird die Last auf
dem unteren Rücken minimiert. Dabei wird die Last an der Schulter abgenommen und mithilfe der
Stützstruktur des Exoskeletts in den Oberschenkel umgeleitet.
Das Exoskelett arbeitet dabei mit Expandern: Sie speichern Energie beim Beugen und geben diese beim
Aufrichten wieder ab. Das Besondere am Paexo Back ist, dass es sich dabei um ein passives System handelt.
Es hat keine elektronischen Teile. Die Schaltung auf Hüfthöhe sorgt außerdem dafür, dass zwischen
Laufen und Beugen unterschieden wird.
Usability, Nutzerfreundlichkeit und Einstellbarkeit waren ein riesiges Thema beim Finden der gestalterischen
Lösung. Unser Ziel war es, ein System zu designen, das nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen
geeignet ist. Das ist die größte Herausforderung bei Exoskeletten überhaupt: mit einem System alle
möglichen Menschen, alle möglichen Anatomien zu bedienen. Und es muss intuitiv bedienbar sein, die
Nutzerinnen und Nutzer müssen es leicht verstehen können.
Und welche Rolle spielt Design bei Exoskeletten?
Emese Papp
: Design ist wichtig, um ein ganzheitliches positives Erleben zu schaffen. Das reicht weit über
die intuitive Bedienung und den Tragekomfort hinaus. Es ist vielmehr mit Akzeptanz verbunden: Wie
fühlt sich der Mensch, der ein Exoskelett trägt? Wie wird er damit präsentiert? Für uns war es
z. B. wichtig, dass durch die Designsprache des Exoskeletts die Kompetenz des Trägers verstärkt wird,
d.h. dass eine professionelle Anmutung durch das System vermittelt wird und dadurch eine positive
Einstellung zum Arbeitsschutz entstehen kann.
Das System ist von vorn gesehen außerdem stark reduziert. Die ganze Struktur befindet sich auf der
Rückseite, damit die Beschäftigten einen großen Bewegungsfreiraum haben. So können sie ungestört
arbeiten, aber auch mit anderen Menschen problemlos interagieren. Ziel war es, dass Teamarbeit
dadurch ebenfalls ungestört bleibt. Die Gestaltung muss diese Aspekte visuell unterstreichen und
den Körper organisch ergänzen.
145

Herr Thiel, wie war das beim Flamecoach? Wie war hier die Ausgangsproblematik?
Jan Thiel
: Unser Ausgangspunkt war das Thema als solches: „Feuer ist immer brandgefährlich“. Jedes
Unternehmen muss jährlich seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Brandschutz unterweisen. Als
A4VR sind wir auf AR- und VR-Lösungen spezialisiert. In Kooperation mit der Daimler AG entstand so
die Idee, diese Technologien zu nutzen, um die Brandschutzhelferausbildung schneller und effizienter
zu machen. Der Lösung haben wir uns nach und nach angenähert. Das war durchaus herausfordernd.
Und worin besteht die Lösung? Was genau ist der Flamecoach?
Jan Thiel
: Viele Leute gehen lieber einen beherzten Schritt nach hinten, als zum Löscher zu greifen.
Das ist ein Problem. Mit dem Flamecoach kann man diese Hemmung abbauen: mittels Feuerlöscher und
VR-Brille erlernt man die Bedienung eines Feuerlöschers, teils haptisch, teils virtuell.
Die VR-Technologie ermöglicht es, dass man die Gefahrensituation in einem natürlichen Szenario
erlebt. Ungefährlich und nicht „in echt“, dafür ressourcenschonend: Man macht nichts schmutzig,
man hat kein Löschmittel, das in der Gegend herumgespritzt wird, es gibt kein offenes Feuer und es
ist nicht gefährlich. Bei uns gibt es keine Unfälle.
Unser Ziel ist es dabei, die Realität und damit auch die reale Gefahrensituation möglichst genau nach-
zubilden. Wir haben eine Brandtextur entworfen, so dass es in der VR-Umgebung richtig brennt. Und
wir arbeiten auch mit Geruch- und Wärmesimulation. Das heißt, wir haben die komplette Haptik des
Feuerlöschers nachgebildet und können mittels VR simulieren, wie man ihn bedient.
Mittlerweile haben wir 12-14 Szenarien entworfen, in denen das Feuerlöschen erprobt werden kann:
in der Küche, auf der Baustelle, im Kindergarten, in der Schule oder im Krankenhaus und anderen
Einrichtungen.
Ist der Flamecoach eine Dienstleistung, die Sie anbieten, oder ein Produkt, das man kaufen kann?
Jan Thiel
: Der Flamecoach ist ein Produkt. Unser Ansatz und Anspruch war: wir bauen ein hochtech-
nologisches System, das jeder bedienen kann, auch wenn er nicht computeraffin und noch nicht
VR-erprobt ist. Das heißt, wir haben den Flamecoach soweit bedienbar gemacht, dass er sehr einfach in
der Handhabung ist und gleich genutzt werden kann.
Unser System ist schnell und effizient. Und die Brandschutzübung kann überall durchgeführt werden.
Das kann in der Kantine passieren oder im Büro. Der Lehrer holt einfach einen nach dem anderen zur
Übung dazu. Wir verkaufen das also als komplettes System, das der Lehrer dann bedienen kann.
Wie greifen konzeptionelle Lösung und gestalterische Umsetzung beim Flamecoach ineinander?
Durch die VR-Brille wird ja das Erlebnis geschaffen.
Jan Thiel
: Unser Anspruch ist die Realität. Wir wollen sie so gut es geht, fotorealistisch nachbauen. Das
ist natürlich auch an die echten Realitäten gekoppelt wie: Wie gut funktioniert die Brille, was kann der
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Rechner, den wir natürlich portabel halten müssen. Unser System ist so ausgelegt, dass es mit einem
Stecker auskommt und mit Normalstrom funktioniert. Es lässt sich leicht auf- und abbauen und
gut transportieren.
Und: derjenige, der die Schulung durchführt, muss es akzeptieren; er muss die virtuelle Welt als Realität
akzeptieren. Der Prozess dahin ist sehr vielschichtig: angefangen von der detaillierten Gestaltung der
virtuellen Umgebung über den 360 Grad Sound für Umgebungsgeräusche hin zum UX-Design, d.h. die
elektronische Bedienbarkeit durch den User. Es ist ein nie abgeschlossener Prozess. In zwei Jahren passiert
in der Entwicklung eine Menge. Ein spannender Prozess, den wir immer wieder versuchen zu innovieren.
Die eingereichten Produkte, speziell beim Sonderpreis des Sächsischen Staatspreises für Design
mussten auch den Arbeitsschutzbestimmungen entsprechen. Wie haben Sie während des
Entwicklungsprozesses die Maßstäbe im Arbeitsschutz berücksichtigt?
Emese Papp
: Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Ein Gemeinschaftsarbeitsausschuss, der sich
der Standardisierung und Normung von Exoskeletten widmet, wurde beim DIN, dem Deutschen Institut
für Normung, erst im Januar dieses Jahres gegründet. Bei den Exoskeletten muss also noch viel geregelt
werden und bestimmte Vorschriften und Vorgaben müssen noch getroffen werden.
Bei der Entwicklung des Paexo Backs war z.B. unsicher, in welche Kategorie Exoskelette fallen: Sind es
technische Hilfsmittel, persönliche Schutzausrüstungen oder fallen sie unter die Maschinenrichtlinie?
Das war problematisch. Anders herum muss man sagen, dass bei Ottobock, unserem Kooperationspartner,
eine langjährige Expertise in der Medizintechnik besteht. Hier sind die Vorschriften bezüglich der
Materialien und Mechanismen extrem streng. Diese Grundhaltung sorgte dafür, dass man sehr bedacht
im Entwicklungsprozess vorgegangen ist. Arbeitsschutzrichtlinien sind also etwas sehr Komplexes bei
Exoskeletten, weil sie noch nicht so lange am Markt sind.
Jan Thiel
: Das ist bei uns ähnlich spannend und auch hier ist längst nicht alles geklärt. Wahrscheinlich,
weil unser Medium sehr neu in diesem Bereich ist und weil es auch eine neue Richtlinie gibt. So ist noch
nicht ganz klar, wie die Regelungen ab nächstem Jahr greifen, denn eigentlich gelten rein virtuelle
Lösungen nicht in der Brandschutzvorbereitung. Der Flamecoach ist aber streng genommen keine rein
virtuelle Lösung, weil wir unser System vollimmersiv nutzen. Daher suchen wir gerade aktiv das Gespräch
mit der DGUV und nach einer Möglichkeit, das final zu klären.
Wir kommen zu einer letzten Frage und wagen einen Blick in die Zukunft: Wo geht die Reise hin?
Wird der Arbeitsschutz einen neuen Entwicklungsschub erhalten mit solcherart Lösungen?
Jan Thiel
: Ja, auf jeden Fall. Es wird immer mehr solcher Lösungen wie den Flamecoach und das
Exoskelett benötigen. Technologie wird ein Teil davon sein. Wir sehen dies in der Sicherheit. Aber
auch, dass Technologie im Lernen und im methodisch und didaktischen Aufbereiten von verschiedenen
Elementen eine zunehmend größere Rolle spielen wird. Auch weil es natürlich eine gewisse Effizienz
beinhaltet und das Lernen dadurch schneller geht. Wir können Prozesse zeigen, wir können auch
Akzeptanz für Dinge direkt erlebbar machen. Auch die reine Ausbildung im Arbeitsmarkt wird sich
zunehmend virtueller Elemente annehmen.
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Emese Papp
: Dem kann ich nur zustimmen. Bei uns am Lehrstuhl des Technisches Designs an der
TU Dresden laufen auch Projekte, die die Ausbildung im Medizinbereich, von Chirurgen, ins Visier nehmen.
Jan Thiel
: Man bedient so auch psychologische Komponenten: man kann nicht nur Tools probieren,
sondern auch verschiedene Rollen erproben. Man kann Stresssituationen erzeugen, die, weil sie keine
echten sind, nicht schlimm sind. Sie simulieren Realität, damit können dann auch Rückschlüsse auf
das Verhalten in der Realität gezogen werden.
Emese Papp
: Zum Thema Exoskelette und Zukunft: Da ist es ähnlich. Einerseits sind die Probleme, die
wir in der Ausgangssituation beschrieben haben – der demographische Wandel, Arbeitskräftemangel –
Dinge, die nicht so schnell gelöst werden können. Der Mensch wird aus den Produktionsketten nicht
so schnell verschwinden, weil er so flexibel ist. Aus diesen Gründen werden wir wahrscheinlich in der
Zukunft auch immer mehr Exoskelette verwenden. Und ich denke, die Exoskelette werden nicht nur in
der Industrie, Logistik und im Handwerk Anwendung finden, sondern auch in anderen Bereichen, wie
z.B. in der Pflege oder den Krankenhäusern. Außerdem denke ich, dass die Vernetzung mit Produktions-
ketten oder dem Internet of Things auch eine wichtige Rolle spielen wird. Das wird sehr spannend, was
das alles noch bringen kann.
Beide Beispiele zeigen, wie komplex Designprozesse sind und was sie im Arbeitsschutz bewirken
können. Sie führen vermutlich zu mehr Akzeptanz und sorgen auch für mehr Sicherheit?
Emese Papp
: Ganz genau. Ich sage immer: Man kann als Designer zwei Arten von Produkten machen:
Produkte, die die Menschen wollen, vor allem im Consumer-Bereich. Oder man kann Produkte machen,
die die Menschen brauchen, wie im Arbeitsschutz. Aus denen sollen dann Produkte werden, die die
Menschen auch wollen. Das ist die Herausforderung. Den Menschen im Fokus zu behalten ist wichtig,
damit die Technologien nicht am Menschen vorbei entwickelt werden. So wie der Nutzer oder die
Nutzerin das braucht.
Jan Thiel:
Das sehe ich auch so. Der Mensch im Fokus ist das allerwichtigste. Was wir gemerkt haben,
der Mensch macht Fehler. Aber aus Fehlern kann man eben auch lernen. Da setzen wir an, ein Bewusstsein
zu schaffen.
Vielen Dank für das Interview!
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Im Interview sprachen:
Emese Papp
, wissenschaftliche Mitarbeiterin und PhD Studentin am Lehrstuhl für Technisches Design
der TU Dresden und spezialisiert auf Gesundheitspräventionen in der Designwirtschaft. Mit dem Exo-
skelett Paexo Back, entworfen für Ottobock, gewann die Designerin den Sonderpreis des Sächsischen
Staatspreises für Design.
Technische Universität Dresden
Professur für Technisches Design
01062 Dresden
Tel.: +49 (0) 351/463-357 52
E-Mail: Emese.Papp@tu-dresden.de
www.tu-dresden.de/design
Jan Thiel
ist gemeinsam mit Michael Albrecht Gründer und Geschäftsführer der A4VR GmbH - The
Agency of Virtual Reality mit Sitz in Düsseldorf. Mit dem Projekt „Flamecoach“ wurde das Unterneh-
men mit dem Sonderpreis des Sächsischen Staatspreises für Design ausgezeichnet.
A4VR GmbH - Agency for Virtual Reality
Kronprinzenstr. 12-16
40217 Düsseldorf Germany
mobil:+49 (0) 171 8372343
office: +49 211 92414790
E-mail: thiel@a4vr.com
http://www.a4vr.com
Das Interview führten:
Juliane Horn
Referentin im Referat Handel, Handwerk, Dienstleistungen, Kultur- und Kreativwirtschaft
Tel.: +49 351 564-83405
juliane.horn@smwa.sachsen.de
Carmen Scholtissek
Referentin im Referat Sicherheit und Gesundheit in der Arbeitswelt
Tel: +49 351 564-82510
carmen.scholtissek@smwa.sachsen.de
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Wilhelm-Buck-Straße 2 | 01097 Dresden | Postanschrift: PF 10 03 29 | 01073 Dresden
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Partner des Sächsischen Staatspreises für Design 2020/2021
Wir bedanken uns herzlich bei unseren Partnern.
Mit freundlicher Unterstützung von
Ausstellungspartner
Partner
Kunstgewerbemuseum
Kunstquartier Bethanien, Berlin
Sächsisches Industriemuseum Chemnitz
Staatliche Kunstsammlungen Dresden

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Impressum
Herausgeber
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Wilhelm-Buck-Straße 2 | 01097 Dresden
Telefon: +49 351 564-80605
Telefax: +49 351 564-80680
presse@smwa.sachsen.de
www.smwa.sachsen.de
Redaktion
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Pressestelle/Referat 34
Redaktionsschluss
Oktober 2021
www.designpreis.sachsen.de
Gestaltung
büro müller
www.buero-mueller.net
Abbildungen
Foto Martin Dulig, S.4: SMWA, ronaldbonss.com,
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sächsischen Staatspreises für Design 2020/2021,
büro müller, SMWA, Industriemuseum Chemnitz
Copyright
Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt.
Alle Rechte, auch die des Nachdruckes von Auszügen und der
fotomechanischen Wiedergabe, sind dem Herausgeber vorbehalten.

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