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LUA-Mitteilungen 01/2017
LANDESUNTERSUCHUNGS-
ANSTALT FÜR DAS GESUNDHEITS-
UND VETERINÄRWESEN

 
│1
Inhaltsverzeichnis
Humanmedizin
Epidemiologische Information für den Freistaat Sachsen ......................................................................................................................................... 2
Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung von Hepatitis E-Infektionen im Freistaat Sachsen ........................................................... 7
Der WHO-Strategieplan für die globale Polioeradikation und das Laborcontainment von Polioviren –
Auswirkungen für das Labor ............................................................................................................................................................................................13
Lebensmitteluntersuchungen
Belastungssituation bei Bio-/Öko-Lebensmitteln mit ausgewählten Rückständen und Kontaminanten –
Ergebnisse aus dem Jahr (2016) .....................................................................................................................................................................................16
Der unsichtbare Begleiter an der Hand - Noroviren in Lebensmitteln aus der Perspektive der LUA Sachsen .........................................20
Veterinärmedizinische Tierseuchen- und Krankheitsdiagnostik
Hochpathogene Aviäre Influenzaviren (HPAI) in Sachsen – ein Zwischenbericht aus diagnostischer Sicht
..........................................22
Neue Rechtsbestimmungen im Bereich des LFGB – Oktober 2016 bis Dezember 2016 ................................................................................28
Neue Rechtsbestimmungen Veterinärmedizin - Oktober 2016 bis Dezember 2016 .......................................................................................31
Beschwerdeproben-Report für Lebensmittel und Bedarfsgegenstände sowie Tabakerzeugnisse (4. Quartal 2016) .............................32
BSE - Untersuchungen 4. Quartal 2016 .......................................................................................................................................................................33
Tollwutuntersuchungen 4. Quartal 2016 .....................................................................................................................................................................33
Salmonellenberichterstattung im Freistaat Sachsen - 4. Quartal 2016 .............................................................................................................34

2 │
Epidemiologische Information für den Freistaat
Sachsen
4. Quartal 2016 (vom 03.10.2016 – 01.01.2017)
Adenovirus-Keratokonjunktivitis
Bereits im vorangegangenen Quartal wurde über eine Häufung
von Keratokonjunktividen in einem Seniorenheim berichtet. Be-
troffen waren Bewohner unterschiedlicher Wohnbereiche und
Personal der Einrichtung. In einem Fall gelang mittels PCR der
Nachweis von Adenovirus aus Konjunktivalabstrich. Bis Ende
Oktober konnten weitere Infektionen im epidemiologischen
Zu-
sammenhang erfasst werden, so dass sich ein Endstand von 35
Fällen ergab.
Borreliose
Die Anzahl der erfassten Fälle lag im 4. Quartal etwa ein Drittel
über dem 5-Jahres-Mittelwert. Bei ca. 4 % der Infektionen wur-
den neurologische (10 x) bzw. arthritische (8 x) Ausprägungen
diagnostiziert.
Chikungunyafieber
Eine 24-Jährige erkrankte nach ihrer Rückkehr von einem 3-wö-
chigen Aufenthalt in Indien mit Fieber. Die Infektion konnte se-
rologisch bestätigt werden.
Clostridium difficile-Infektion, schwerer Verlauf
Im Quartal wurden 62 schwere Verläufe einer
Clostridium dif-
ficile
-Infektion erfasst. 17 Patienten im Alter zwischen 61 und
93 Jahren verstarben.
Creutzfeld-Jakob-Krankheit (CJK)
Aus dem Landkreis Mittelsachsen erfolgte die Übermittlung
eines CJK-Todesfalles. Es handelte sich um einen 65-jährigen
Mann, der mit typischer Symptomatik erkrankte und wenige
Wochen später verstarb. Eine Sektion fand nicht statt.
Ein zweiter Fall wurde in der Stadt Leipzig registriert. Bei der
67-jährigen Patientin erfolgte die klinische Diagnosestellung
3 Monate nach Erkrankungsbeginn.
Denguefieber
Die 6 im Quartal gemeldeten Denguefieber-Fälle betrafen
Rei-
serückkehrer nach Aufenthalten in Bali, Kambodscha, Thailand
bzw. Vietnam. Bei den Patienten handelte es sich um Erwachse-
ne im Alter zwischen 24 und 63 Jahren.
Enterovirus
Mit 243 Fällen lag die Zahl der im Berichtszeitraum
übermittel-
ten Infektionen noch immer auf einem hohen Niveau. Im Ver-
gleich zum 5-Jahres-Mittelwert (2 Erkrankungen pro 100.000
Einwohner) wurden deutlich mehr Infektionen gemeldet (6 Er-
krankungen pro 100.000 Einwohner).
126 betroffene Patienten wiesen eine respiratorische, 52 eine
gastroenteritische und 8 eine meningitische Symptomatik
(Nachweis aus Liquor) auf. Weitere 57 Erregernachweise wur-
den ohne bekanntes klinisches Bild erfasst. Ausbrüche kamen
nicht zur Meldung.
FSME
Bei zwei der drei erfassten FSME-Infektionen erfolgte die Expo-
sition mit hoher Wahrscheinlichkeit in Sachsen (Vogtlandkreis
bzw. Sächsische Schweiz-Osterzgebirge). Betroffen waren eine
18-Jährige sowie ein 34-Jähriger.
Die dritte Infektion bei einer 36-jährigen Patientin ereignete
sich vermutlich während des Aufenthaltes in einem bayrischen
FSME-Risikogebiet (LK Miltenberg).
Alle Patienten mussten stationär behandelt werden und hatten
noch nie eine FSME-Impfung erhalten.
Haemophilus influenzae
Es kamen im Berichtszeitraum 10 Erkrankungen und 2 Labor-
nachweise ohne bestehendes klinisches Bild zur Meldung. Be-
troffen waren Patienten im Alter zwischen 24 und 86 Jahren.
Bei einem Patienten, der mit meningitischer Symptomatik er-
krankte, gelang der Nachweis aus Liquor, bei allen anderen aus
Blut.
Eine 61-jährige Frau mit bestehenden Grunderkrankungen (Di-
abetes, Gerinnungsstörung, Anämie) musste mit akutem Nie-
renversagen stationär aufgenommen werden. Trotz intensiv-
medizinischer Behandlung verstarb die Patientin kurz darauf an
septischem Schock und Multiorganversagen. Aus Blut gelang
der Nachweis von
Haemophilus influenzae
Kapseltyp f.
Ein zweiter Todesfall betraf eine 80-jährige Frau, ebenfalls mit
bestehenden Grunderkrankungen. In diesem Fall konnte kein
Kapseltyp bestimmt werden.
Hantavirus
Eine 33-jährige Frau sowie ein 52-jähriger Mann aus verschie-
denen Landkreisen erkrankten mit Fieber, Gliederschmerzen und
Nierenfunktionsstörungen. Die Infektionen konnten serologisch
bestätigt werden.
Der Patient wohnt auf einem Bauernhof und es ist anzunehmen,
dass dort die Exposition erfolgte. Bei der Frau ergaben sich keine
Hinweise auf die mögliche Infektionsquelle.
Hepatitis A
Von den 11 im Quartal übermittelten Hepatitis A-Infektionen
kam eine als krankheitsbedingt verstorben zur Meldung. Betrof-
fen war ein 75-jähriger Mann, bei dem schwere Vorerkrankun-
gen bestanden.
Hepatitis C
Unter den 71 Hepatitis C-Fällen wurde eine Todesfallmeldung
registriert. Es handelte sich um einen 58-jährigen Mann, der an
chronischer Leberinsuffizienz und anderen Vorerkrankungen litt.
Hepatitis E
Im aktuellen Berichtszeitraum wurden im Freistaat Sachsen 68
Virushepatitis E-Fälle übermittelt (Vergleich 5-Jahres-Mittel-
wert 4. Quartal: 22 Fälle). 27 Betroffene mussten stationär be-
handelt werden. Todesfälle kamen nicht zur Meldung.

│3
HUS
Aus der Stadt Dresden wurde der Fall eines 3-jährigen Mädchens
übermittelt. Das Kind erkrankte zunächst mit Durchfall und
musste einige Tage später wegen typischer HUS-Symptomatik
stationär behandelt werden. Ein labordiagnostischer Nachweis
gelang nicht, auch konnte die epidemiologische Ursache nicht
geklärt werden.
Influenza
Mit der 40. KW 2016 hat die Influenzasaison 2016/2017
begon-
nen. Bis Jahresende konnten in Sachsen kumulativ 444 Infek-
tionen registriert werden (Vorjahr 2015: 144). Die am
häufigs-
ten betroffenen Altersgruppen waren die Erwachsenen (45 bis
64 Jahre), gefolgt von den Senioren (über 65-Jährige).
Die Hospitalisierungsrate, das heißt der Anteil der Patienten, die
im Krankenhaus behandelt werden mussten, lag insgesamt bei
18 %.
Drei Patienten im Alter von 74 bis 96 Jahren verstarben an den
Folgen einer Influenza A-Infektion.
Die Influenzawelle hat in diesem Jahr deutlich früher als in den
letzten Jahren begonnen. Die Gesamtfallzahl im Vergleichszeit-
raum zur Vorsaison 2015/2016 (144 Influenzavirus-Nachweise)
war um das 3-Fache höher.
Aktuell steigen die Meldezahlen kontinuierlich an.
Legionellose
Die 24 übermittelten Infektionen betrafen 14 Männer und 9
Frauen im Alter zwischen 21 und 78 Jahren sowie ein 3-jähriges
Mädchen. Bei lediglich 10 Patienten, darunter auch das seit Ge-
burt geschädigte Kind, entwickelte sich eine Pneumonie.
Die meisten Betroffenen infizierten sich wahrscheinlich im
häuslichen Umfeld, lediglich ein Patient berichtete über einen
Hotel-Aufenthalt auf der Insel Kos.
Leptospirose
Ein 74-Jähriger klagte über allgemeine Krankheitszeichen, litt
unter Nierenfunktionsstörungen und musste stationär behan-
delt werden. Serologisch konnte eine Leptospirose diagnostiziert
werden. Eine mögliche Infektionsquelle fand sich nicht.
Listeriose, angeborene Infektion
Aus dem Landkreis Bautzen wurde die Infektion eines neugebo-
renen Jungen gemeldet. Das Kind erkrankte mit Atemstörungen
und meningitischer Symptomatik. Aus Blut gelang der Nachweis
von
Listeria monocytogenes
. Zur Mutter lagen keine Angaben
vor.
Malaria
Eine 35-jährige Frau aus Guinea, die sich bereits seit länge-
rer Zeit in Deutschland aufhält, reiste mit ihrem 4-jährigen, in
Deutschland geborenen Sohn in ihre Heimat nach Westafrika.
Nach der Rückkehr erkrankten beide an einer Malaria tropica.
Bei zwei weiteren Betroffenen, die an einer Malaria tropica er-
krankten, handelte es sich um eine 38-jährige deutsche Frau
nach einem 2-monatigen Aufenthalt in Uganda und einen
52-jährigen deutschen Mann, der sich in Westafrika (Elfenbein-
küste) aufgehalten hatte.
Keiner der Erkrankten hatte eine Chemoprophylaxe durchge-
führt.
Masern
Ein einjähriger Junge erkrankte mit typischer Symptomatik trotz
altersentsprechender Masernimpfung und musste stationär be-
handelt werden. Der Nachweis gelang mittels PCR aus Rachen-
abstrich des Kindes. Eine Genotypisierung wurde veranlasst, ver-
lief jedoch mit negativem Ergebnis. Eine Infektionsquelle konnte
nicht eruiert werden.
Somit erhöhte sich die Zahl der im Jahr 2016 im Freistaat
Sach-
sen übermittelten Masern-Erkrankungen auf 34 sowie einem
Masernvirus-Nachweis ohne klinische Symptomatik.
Meningitiden
Im Quartal wurden 33 Erkrankungen übermittelt. Durch welche
Erreger diese verursacht waren, ist aus Tabelle 1 ersichtlich. Be-
rücksichtigt sind hier nur die Fälle, bei denen der Erregernach-
weis aus dem Liquor der Patienten erfolgte.
Tabelle 1: Erkrankungen mit dem klinischen Bild Meningi-
tis/Enzephalitis in Sachsen (Vergleich 4. Quartal
2016 zu 2015)
Erreger
4. Quartal 2016
4. Quartal 2015
Erkran-
kung
Tod Inzi-
denz
Erkran-
kung
Tod Inzi-
denz
bakt. Erreger gesamt
13
1
0,3
12
-
0,2
Borrelien
3
-
0,07
5
-
0,07
Haemophilus influenzae
1
-
0,02
2
-
0,04
Listerien
1
-
0,02
-
-
-
Pneumokokken
6
1
0,2
4
-
0,05
Staphylococcus aureus
1
-
0,02
1
-
-
sonstige
1
-
0,02
-
-
-
virale Erreger gesamt
20
-
0,5
24
-
0,6
Enterovirus
8
-
0,2
13
-
0,2
FSME-Virus
1
-
0,02
-
-
-
Herpesvirus
-
-
-
3
-
0,07
Varizella-Zoster-Virus
11
-
0,3
8
-
0,4
Gesamtzahl
33
1
0,8
36
-
0,9
Meningokokkenerkrankung, invasiv
Ein ungeimpfter 42-Jähriger musste mit Dyspnoe und Sepsis
stationär behandelt werden. Aus Blut gelang der Nachweis von
Neisseria meningitidis
, Serogruppe B. Der Patient, der vor 2 Jah-
ren an einem Plastozytom erkrankte, hatte eine Stammzellthe-
rapie erhalten und gilt als immunsupprimiert.
Im Zusammenhang mit dieser Meningokokken-Infektion wurde
bei etwa 20 Personen aus dem privaten und medizinischen Um-
feld des Mannes eine Chemoprophylaxe durchgeführt.
MRSA-Infektion (invasive Erkrankung)
Im Berichtszeitraum wurden 62 Infektionen übermittelt. Betrof-
fen war hauptsächlich die Altersgruppe der über 65-Jährigen.
Die MRSA-Nachweise wurden aus Blut bzw. bei einem Pati-
enten zusätzlich aus Liquor geführt. Jeweils drei Männer und
Frauen zwischen 65 und 83 Jahren verstarben an den Folgen
der Infektion.
caMRSA-Nachweis
Im aktuellen Quartal kamen 11 Nachweise (6 Infektionen und 5
Kolonisationen) zur Übermittlung. Betroffen waren ein 2-jähri-
ger Junge, eine 15-Jährige sowie 9 Erwachsene im Alter von 23
bis 79 Jahren. 4 Fälle waren vermutlich auslandsassoziiert.

4 │
Multiresistente Erreger (MRE) mit Carbapenem-Resistenz
Im Berichtszeitraum kamen 134 Nachweise zur Erfassung (Er-
regeraufschlüsselung in Tabelle 2). Den größten Anteil (61 %)
stellten
Pseudomonas aeruginosa
, gefolgt von
Klebsiella
spp.
mit 18 %.
Eine 66-jährige, schwer vorgeschädigte Frau, die mit Pneumo-
nie, Sepsis und Nierenversagen erkrankt war und sich als Lang-
zeitpatientin in stationärer Behandlung (ITS) befand, verstarb
an einer Infektion mit
P. aeruginosa
(Carbapenemasetyp VIM).
An einer Infektion durch
Klebsiella pneumoniae
verstarben zwei
Männer im Alter von 81 bzw. 82 Jahren.
Tabelle 2: Gramnegative Bakterien mit erworbener Carba-
penemase/Carbapenem-Resistenz im 4. Quartal
2016
Erreger
Infektion Kolonisation Gesamt-
Fallzahl
dav. Tod
Acinetobacter spp.
-
5
5
-
Enterobacter spp.
2
13
15
-
Escherichia coli
-
6
6
-
Klebsiella spp.
6
18
24
2
Morganella spp.
-
1
1
-
Pseudomonas aeruginosa
17
65
82
1
Serratia spp.
-
1
1
-
Gesamtzahl
26
108
134
3
Norovirus-Gastroenteritis
Gegenüber dem letzten Quartal wurde eine überaus deutliche
Zunahme der Norovirus-Infektionen registriert; die
Erkran-
kungszahlen stiegen um das 3 ½fache an. Die Inzidenz betrug
90 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Verglichen mit dem
5-Jahres-Mittelwert (92 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner)
lag die erfasste Quartalsinzidenz jedoch etwas darunter.
Es kamen im Berichtszeitraum 157 Erkrankungshäufungen zur
Meldung. Betroffen waren überwiegend Kindertagesstätten
(70), Seniorenheime (51) sowie medizinische Einrichtungen (27).
Im Rahmen von zwei Norovirus-Ausbrüchen in einem Kranken-
haus und einem Seniorenheim kam es zu letalen Krankheitsver-
läufen bei zwei 87- bzw. 93-jährigen Patientinnen.
Paratyphus
Ein 49-jähriger Mann erkrankte bereits während eines Aufent-
haltes in Argentinien mit Fieber und Durchfall. Aus Stuhl des
Patienten konnte
Salmonella Paratyphi B
nachgewiesen werden.
Pertussis
Im letzten Quartal des Jahres ergab sich aus den übermittelten
126 Erkrankungen eine Neuerkrankungsrate von 3 Erkrankun-
gen pro 100.000 Einwohner und somit keine Veränderung ge-
genüber zum dritten Quartal. Im Vergleich zum Vorjahreszeit-
raum wurde ebenfalls keine deutliche Veränderung registriert.
77 % der Betroffenen waren nicht bzw. nur unvollständig gegen
Keuchhusten geimpft.
Zusätzlich wurden 45 Keimträger identifiziert, bei denen das
kli-
nische Bild fehlte bzw. nicht vollständig ausgeprägt war.
Es wurde im Berichtsquartal über 11 Pertussis-Häufungen be-
richtet. Betroffen waren Kindertagesstätten, Schulen und Fami-
lien mit zwischen 2 bis 8 Betroffenen.
Im Berichtszeitraum kamen zusätzlich 59 Parapertussis-Fälle
zur Meldung.
Aus dem Landkreis Mittelsachsen wurde über 7 Ausbrüche von
Parapertussis in Kindertagesstätten und einer Grundschule be-
richtet, bei denen insgesamt 42 Personen (je Einrichtung zwi-
schen 2 und 13 Patienten) betroffen waren.
Pneumokokken-Erkrankung (invasiv)
Insgesamt wurden 75 Erkrankungen sowie eine Infektion ohne
bestehendes klinisches Bild registriert. Bei den Patienten han-
delte es sich bis auf ein 3-jähriges Kind um Erwachsene zwi-
schen 24 und 94 Jahren.
Bei 6 Betroffenen, die mit meningitischer Symptomatik erkrank-
ten, erfolgte der Erregernachweis aus Liquor, bei allen anderen
aus Blut.
Es kamen 5 Todesfälle zur Meldung. Betroffen waren vier Män-
ner im Alter zwischen 55 und 73 Jahren sowie eine 76-jährige
Frau.
Salmonellose
Im 4. Quartal wurde eine deutlich niedrigere Neuerkrankungsra-
te (6 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner) erreicht als im Vor-
quartal. Diese lag deutlich unter dem 5-Jahresmittelwert von 12
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Die Serovare
Salmonella
Enteritidis
und
Salmonella Typhimurium
dominierten mit einem
Anteil von jeweils 30 bzw. 29 % des Salmonella-Vorkommens.
Erkrankungsausbrüche in Gemeinschaftseinrichtungen kamen
im Berichtszeitraum nicht zur Meldung. Es wurde über eine
S. Typhimurium
-Häufung unter 1- bis 2-jährigen Kindern in
einer Kindertagespflege mit 4 Betroffenen berichtet. Eine
In-
fektionsquelle konnte nicht eruiert werden. Aufgrund des Er-
krankungszeitraumes kann von Schmierinfektionen unter den
Kindern ausgegangen werden.
Shigellose
Von 16 Teilnehmern eines Vereines, die sich auf einer 8-tägigen
Reise nach Georgien befunden hatten, erkrankten 6 Personen im
Alter zwischen 12 und 16 Jahren mit Durchfall und teils auch
Fieber. Darüber hinaus kam es zu einer Sekundärinfektion in
der Familie eines Erkrankten. Bei 4 Patienten konnte
Shigella
sonnei
nachgewiesen werden. Die Reisenden waren in privaten
Unterkünften untergebracht. Eine Infektionsquelle konnte nicht
ermittelt werden.
Im Berichtszeitraum kamen weiterhin zwei
S. sonnei
-Erkran-
kungen zur Meldung. Diese betrafen eine Reisegruppe mit ins-
gesamt 10 Teilnehmern, Frauen im Alter von 51 und 57 Jahren,
die einer Marokko-Privatreise zugeordnet werden konnten.
Darüber hinaus erkrankten eine 26-Jährige infolge einer Rei-
se nach Indien sowie ein 56-Jähriger nach einem Aufenthalt in
Usbekistan. Bei einem 45-Jährigen, der ebenfalls mit
S. sonnei
infiziert war, konnte keine Infektionsquelle ermittelt werden.
Tularämie
Ein einjähriges Mädchen musste wegen unklarem Fieber und
Lymphknotenschwellung stationär behandelt werden. Mittels
PCR konnte eine Tularämie diagnostiziert werden. Das Kind hat-
te Kontakt zu einem Kaninchen. Eine Untersuchung des Tieres
fand nicht statt, da das Kaninchen entlaufen war.
Typhus abdominalis
Ein 33-jähriger indischer Student erkrankte mit Fieber und
Durchfall, was eine stationäre Behandlung nötig machte. Aus

│5
der Blutkultur gelang der Nachweis von
Salmonella Typhi
. Der
Mann war kurz vor Erkrankungsbeginn aus Indien eingereist.
Zikavirus
Ein 27-jähriger Mann erkrankte einen Tag vor seiner Rückkehr
von einem zweiwöchigen Urlaubsaufenthalt in den USA (Florida,
Miami bzw. Miami Beach). Die labordiagnostische Bestätigung
der Zikavirus-Infektion erfolgte mittels PCR aus Urin.
Weiterhin erkrankte eine 25-jährige Frau nach ihrer Rückkehr
von einem zweiwöchigen Aufenthalt in Peru mit Fieber, Binde-
hautentzündung und feinfleckigem Exanthem. Die
labordiag-
nostische Bestätigung der Zikavirus-Infektion erfolgte mittels
IgM-Ak-Nachweis.
Die dritte Infektion bei einem 30-jährigen Mann verlief sym-
ptomlos. Der Mann ist Kaffeeimporteur und reist daher häufig
nach Nicaragua. Die Diagnostik erfolgte auf eigenen Wunsch.
Tod an sonstiger Infektionskrankheit
Die im vierten Quartal übermittelten Fälle betrafen 18 Männer
und 13 Frauen im Alter von 52 bis 89 Jahren (Median: 76 Jahre).
Tabelle 3: Todesfälle gemäß IfSGMeldeVO § 1 Absatz 2 im
4. Quartal 2016
Erreger
Anzahl
Klinisches Bild
Enterococcus faecium
3
Sepsis
Escherichia coli
6
Sepsis, Nierenversagen
Klebsiella pneumoniae
1
Sepsis, Nierenversagen
Morganella spp.
1
Urosepsis
Pneumocystis jirovecii
3
Pneumonie, Sepsis
Pseudomonas aeruginosa
2
Sepsis
Staphylococcus spp.
10
Nieren- bzw. Multiorganversagen,
Sepsis
Streptococcus spp.
5
Pneumonie, Sepsis
Nosokomiale Ausbrüche
Aus dem Vogtlandkreis wurde ein Cluster mit 6
K. pneumoniae
-
Kolonisationen auf einer neonatologischen Station erfasst.
Verantwortlich:
Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
und Mitarbeiter des FG Infektionsepidemiologie
LUA Chemnitz
Übermittelte Infektionskrankheiten im Freistaat Sachsen
4. Quartal 2016 und kumulativer Stand 2015 und 2016
4. Quartal
40. - 52. MW 2016
kumulativ
2016
2015
Fälle
T
Fälle
T
Fälle
T
Adenovirus-Enteritis
659
2.189
2.684
Adenovirus-Infektion, respiratorisch
280
958
666
Adenovirus-Konjunktivitis
64
126
36
Amöbenruhr
6
35
52
Astrovirus-Enteritis
166
1.186
1.629
Borreliose
468
2.124
1.362
Brucellose
1
2
Campylobacter-Enteritis
1.269
5.766
5.522
1
Chikungunyafieber
1
1
5
Chlamydia trachomatis-Infektion
946
4.036
4.184
Clostridium difficile-Enteritis
1.118
4.617
4.792
Clostridium difficile-schwerer Verlauf
62
17
178
59
56
31
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
2
1
8
5
5
2
Denguefieber
6
32
20
Ebolafieber
1
1
Echinokokkose
4
EHEC-Infektion
42
145
287
Enterovirus-Infektion
243
931
451
Escherichia coli-Enteritis
209
813
1.123
FSME
3
10
15
Gasbrand
3
1
8
2
Giardiasis
109
418
360
Gonorrhoe
234
859
739
GBS-Infektion*
647
3.048
2.445
1
Haemophilus influenzae-Erkrankung, invasiv
12
2
33
3
20
Hantavirus-Infektion
2
3
9
Hepatitis A
11
1
40
1
34

6 │
4. Quartal
40. - 52. MW 2016
kumulativ
2016
2015
Fälle
T
Fälle
T
Fälle
T
Hepatitis B
113
542
251
Hepatitis C
71
1
313
2
338
Hepatitis D
1
Hepatitis E
68
340
3
98
1
Herpes zoster
289
1.353
1
1.019
HUS
1
2
2
Influenza
444
3
11.410
18
442
16
Kryptosporidiose
86
231
258
Legionellose
24
60
1
44
2
Leptospirose
1
6
4
Listeriose
20
72
5
75
1
Malaria
4
13
22
Masern
1
35
7
Meningokokken-Erkrankung, invasiv
1
8
7
1
MRE-Nachweis mit Carbapenem-Resistenz
134
3
548
11
636
7
MRSA-Infektion, invasiv
62
6
267
17
254
14
caMRSA-Nachweis
11
64
22
Mumps
5
24
31
Mycoplasma hominis-Infektion
253
883
687
Mycoplasma-Infektion, respiratorisch
479
1.460
715
Norovirus-Enteritis
4.028
2
9.309
3
9.061
2
Ornithose
2
Parainfluenza-Infektion, respiratorisch
232
593
294
Paratyphus
1
2
1
Parvovirus B19-Infektion
63
290
250
Pertussis
171
618
722
Pneumokokken-Erkrankung, invasiv
76
5
299
16
218
16
Q-Fieber
4
5
Rotavirus-Erkrankung
340
3.184
3.287
1
Röteln
1
8
10
RS-Virus-Infektion, respiratorisch
848
2.503
1.008
Salmonellose
241
1.117
3
1.555
3
Scharlach
615
2.466
2.198
Shigellose
11
22
30
Syphilis
57
215
231
Toxoplasmose
25
122
74
Tuberkulose
38
210
2
144
2
Tularämie
1
1
2
Typhus abdominalis
1
2
Windpocken
328
2.007
1.991
Yersiniose
121
414
279
Zikavirus-Infektion
3
8
Zytomegalievirus-Infektion
91
343
296
angeborene Infektion
1
7
7
Tod an sonstiger Infektionskrankheit
31
89
26
T = Todesfälle
* GBS-Infektion = Gruppe B-Streptokokken-Infektion

│7
Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung
von Hepatitis E-Infektionen im Freistaat Sachsen
- Sächsisches Herdbekämpfungsprogramm Hepatitis E -
Stand: Oktober 2016
1
Epidemiologie
1.1
Erreger
Das Hepatitis E-Virus (HEV) ist ein unbehülltes Einzel-Positivstrang-RNA-Virus mit einer Größe von
27 bis 34 nm aus der Familie Hepeviridae, Gattung Orthohepevirus. Das beim Menschen vorkommen-
de HEV der Spezies Orthohepevirus A kann in die Genotypen 1 bis 4, die unterschiedliche geogra-
fische Verteilung zeigen, eingeteilt werden. Genotyp 1 und 2 kommen nur beim Menschen vor und
sind in Asien und Afrika endemisch, in Deutschland werden sie bei reise-assoziierten HEV-Infektionen
nachgewiesen. Die Genotypen 3 und 4 infizieren den Menschen und haben weltweit ein Reservoir
in Schweinen, Wildschweinen und anderen Säugetieren. Bei autochthonen Infektionen in Nord- und
Mitteleuropa handelt es sich in erster Linie um zoonotische Infektionen mit dem Genotyp 3.
Das Virus weist eine hohe Umweltstabilität auf.
1.2
Inkubationszeit
15 bis 64 Tage (im Durchschnitt 40 Tage)
1.3
Übertragung
Die Übertragung erfolgt meist fäkal-oral durch kontaminierte Lebensmittel (Wasser) oder in unseren
Breiten (Genotyp 3) in Ausnahmefällen durch engen Kontakt zu Infizierten. Bei reise-assoziierten
HEV-Infektionen mit Genotyp 1 oder 2 kann auch eine Kontaktübertragung (Schmierinfektion) statt-
finden, z. B. unter Haushaltsangehörigen. Autochthone Erkrankungen in Deutschland sind
wahr-
scheinlich oftmals auf mangelnde Hygiene bei der Zubereitung oder auf den Genuss von ungenügend
gegartem Fleisch bzw. Innereien infizierter Tiere (z. B. Schweine, Wildschweine) zurückzuführen.
Eine intrauterine Übertragung kann beim HEV-Genotyp 1 vor allem im dritten Trimenon vorkommen
und ist mit einer erhöhten Sterblichkeit des Neugeborenen und der Schwangeren verbunden. Die
parenterale Übertragung durch Blutprodukte oder gemeinsam genutztes Spritzenbesteck bei i. v.-
Drogenabhängigen ist möglich, eine sexuelle Übertragung fraglich.
1.4
Dauer der Anste-
ckungsfähigkeit
Ab ein bis zwei Wochen vor Erkrankungsbeginn wird das Virus über die Galle ausgeschieden. In Stuhl
und Blut treten die höchsten Viruskonzentrationen in der späten Inkubationsphase bis in die frühe
akute Phase auf. Die Virus-Exkretion im Stuhl kann bis zu 14 Tagen, ggf. auch länger, nach Auftreten
des Ikterus erfolgen, wobei die HEV-Infektion weniger kontagiös ist als eine Hepatitis A-Infektion
und eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung in Ländern mit einem hohen Hygienestandard sehr selten
beobachtet wird. Die sekundären Attackraten unter Haushaltskontaktpersonen sind bei HEV 0,7 bis
2,2 %, bei HAV zum Vergleich 15 % bis 20 %.
1.5
Immunität
Vermutlich besteht eine Immunität nach durchgemachter Erkrankung über mehrere Jahre durch das
Persistieren von Antikörpern. Ob eine lebenslange Immunität vorliegt, ist nicht bekannt.
1.6
Vorkommen
In Südost- und Zentralasien, im Mittleren Osten, Afrika und Südamerika kommt die Hepatitis E
en-
demisch vor und ist dort eine der häufigsten Virushepatitiden beim Menschen. Größere Ausbrüche
z. B. durch kontaminiertes Trinkwasser werden in diesen Regionen in der Regel durch die Genotypen
1 und 2 verursacht.
In Deutschland tritt die Hepatitis E als reise-assoziierte Erkrankung (überwiegend Genotyp 1, sel-
tener 2) und als autochthone Infektion (dann meist als Zoonose, überwiegend Genotyp 3) auf. Seit
einigen Jahren steigt in Deutschland die Anzahl der gemeldeten HEV-Infektionen an, von 53 Fällen
2004 auf 670 Fälle 2014, im Jahr 2015 waren es bereits 1.265 Fälle. Dabei wurde Deutschland 2004
bei 40 % der Fälle als möglicher Infektionsort genannt, 2014 bei 84 % der Fälle.
Sachsen war im Jahr 2014 das Bundesland mit der deutschlandweit höchsten Inzidenz (1,9/100.000
Einwohner). Von der Infektion sind am häufigsten Männer höheren Lebensalters betroffen.
Die Seroprävalenz von Anti-HEV liegt in Deutschland bei 16,8 %, wobei regionale Unterschiede
möglich sind. Angesichts der niedrigen Meldezahlen und aufgrund des häufig subklinischen oder
unspezifischen Verlaufes ist von einer deutlichen Untererfassung auszugehen.
Laut Bundesinstitut für Risikobewertung liegt die Durchseuchung mit HEV unter deutschen Haus-
schweinen bei 40 bis 50 %, bei Wildschweinen beträgt sie 2 bis 68 %.

8 │
1.7
Falldefinition des
RKI
Über die zuständige Landesbehörde (Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veteri-
närwesen Sachsen) werden folgende Fälle an das RKI übermittelt:
]
klinisch-labordiagnostisch bestätigte Erkrankungen (siehe 3.2)
]
klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankungen (epidemiologischer Zusammenhang mit einer
labordiagnostisch nachgewiesenen Erkrankung bei einem Menschen oder Verzehr eines Lebens-
mittels, in dem HEV nachgewiesen wurde)
]
labordiagnostisch nachgewiesene Erkrankungen bei nicht erfülltem oder unbekanntem klinischen
Bild
2
Klinik
Die Mehrzahl der Infektionen verläuft asymptomatisch, insbesondere bei Kindern.
Symptomatische Verläufe sind in der Regel gutartig und selbstlimitierend. Dauer: 2 bis 5 Wochen,
selten bis 3 Monate.
Typische Symptome bei Erkrankung:
]
allgemeines Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Fieber
]
Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe
]
Ikterus
]
Oberbauchbeschwerden
]
Hepatomegalie, Transaminasen-Erhöhung
]
Juckreiz
]
selten extrahepatische Manifestation (Arthralgien, Vaskulitiden)
Die Letalität liegt mit 0,5 bis 4 % allerdings höher als bei der Hepatitis A (0,2 %). Der Schweregrad
der Erkrankung korreliert wahrscheinlich mit der Infektionsdosis.
Fulminantes Leberversagen kommt in bis zu 3 % der Fälle vor, bei Schwangeren mit Genotyp 1-In-
fektionen (vor allem im dritten Trimenon) deutlich häufiger, darüber hinaus besteht die Gefahr einer
Früh- oder Fehlgeburt. Eine HEV-Infektion im dritten Trimenon verläuft in bis zu 20 % der Fälle letal.
Chronische Verläufe wurden sehr selten und bislang nur bei Transplantierten oder stark immun-
supprimierten Personen beobachtet. Das Risiko einer Leberzirrhose oder eines Leberzellkarzinoms
scheint in dieser Gruppe geringer als bei chronischen Virushepatitiden anderer Genese zu sein.
Bei Patienten mit chronischer Hepatitis B oder C sowie bei Patienten mit einer Leberzirrhose kann
eine HEV-Infektion zu einer lebensbedrohlichen Exazerbation führen.
3
Labordiagnostik
Eine sichere Diagnose allein aufgrund des klinischen Bildes ist nicht möglich. Ein labordiagnostischer
Nachweis oder die epidemiologische Bestätigung sind zwingend.
3.1
Untersuchungs-
material
]
Serum/Plasma
]
Stuhl
Blutproben für die PCR (Vollblut oder am besten EDTA-Blut) sollten innerhalb von 6 Stunden das
Labor erreichen.
Stuhlproben sollten innerhalb von 24 Stunden im Labor ankommen. Bei längerer Transportdauer ist
Kühlung bei 4-8 °C notwendig. Für die Antikörper-Bestimmung und die PCR-Diagnostik aus Blut
möglichst getrennte Probenröhrchen einsenden.
3.2
Diagnostische
Verfahren
]
direkter Erregernachweis mittels RT-PCR (Reverse Transkriptase-Polymerase-Ketten-Reaktion) in
Serum, Plasma oder Stuhl
]
indirekter serologischer Nachweis im Serum:
1. IgM-Antikörper-Nachweis (z. B. ELISA, Immunoblot) oder
2. deutlicher Anstieg zwischen zwei Proben beim IgG-Antikörper-Nachweis (z. B. ELISA, Im-
munoblot)
]
Enzymdiagnostik der Lebertransaminasen (ALAT, ASAT)
Die RT-PCR ist der Goldstandard hinsichtlich Spezifität bei der Diagnose einer akuten HEV-Infektion.
Allerdings sind die vorhandenen HEV-RNA-Mengen im Allgemeinen niedrig. Die Sensitivität der HEV-
RT-PCR ist daher sehr abhängig vom Zeitpunkt der Materialentnahme im Krankheitsverlauf und von
der Einhaltung der Entnahme- und Transportvorschriften.
Der Nachweis von HEV-RNA in Blut und im Stuhl durch die PCR ist in der Regel ab ein bis zwei Wo-
chen vor Krankheitsbeginn bis meist etwa zwei bis zu vier Wochen danach möglich.

│9
3.2
Diagnostische
Verfahren
(Fortsetzung)
Das Auftreten der IgM-Antikörper, die Erhöhung der Transaminasen sowie der Symptombeginn fallen
zeitlich meist zusammen, der IgG-Nachweis gelingt in der Regel einige Tage später. IgM-Antikörper
sind bei 90 % der akut infizierten Patienten zwischen 1 und 8 Wochen nach Krankheitsbeginn
vor-
handen. Sie fallen in der Rekonvaleszenz rasch ab. 2 bis 4 Wochen nach Symptombeginn wird der
maximale IgG-Antikörper-Titer nachgewiesen. IgG-Antikörper scheinen für Jahre zu persistieren.
Für die HEV-Serologie existiert bislang noch kein Goldstandard, die Sensitivitäten und Spezifitäten
verschiedener Testkits sind unterschiedlich. Bei der Diagnostik einer akuten HEV-Infektion sollte da-
her am besten sowohl die HEV-Antikörper-Bestimmung als auch immer die HEV-PCR durchgeführt
werden. Dies gilt insbesondere, wenn die Betroffenen keine typischen klinischen Symptome zeigen.
Da die Anti-HEV-Serologie bei Immunsupprimierten als unzuverlässig gilt, muss bei dieser Patien-
tengruppe immer eine PCR durchgeführt werden. Sollte zudem eine antivirale Therapie im Einzelfall
durchgeführt werden, ist ein Monitoring der Viruslast zu empfehlen, um einem zu zeitigen Therapie-
ende und somit der Gefahr des Wiederaufflammens der Erkrankung vorzubeugen.
4
Therapie
Es erfolgt eine symptomatische Therapie (Bettruhe, fettarme Kost und Alkoholabstinenz). Die Ein-
nahme von Medikamenten ist immer in Rücksprache mit einem Arzt durchzuführen. Einige - auch
freiverkäufliche - Medikamente besitzen eine potentiell leberzellschädigende Wirkung (z. B. auch
Paracetamol), die den Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen könnte. Im Einzelfall kann bei
Immunsupprimierten eine antivirale Medikation (z. B. Ribavirin) eingesetzt werden. Bei fulminantem
Leberversagen ist ggf. eine Lebertransplantation indiziert.
5
Prophylaxe
Seit 2012 gibt es in China einen zugelassenen Hepatitis E-Impfstoff. Aktuell existiert in Deutschland
kein zugelassener Impfstoff und es besteht auch keine allgemeine Impfempfehlung.
Bei Reisen in Endemiegebiete gelten die allgemeinen hygienischen Vorsorgemaßnahmen zur Prophy-
laxe der Hepatitis A und E sowie zahlreicher Darmpathogene: Vermeiden ungekochter Lebensmittel
und Abkochen von potentiell kontaminiertem Trinkwasser.
Zur Vermeidung autochthoner Infektionen sollte beim Zerlegen und Zubereiten von Schweine- und
Wildfleisch auf eine gute Küchenhygiene geachtet und Kreuzkontaminationen vermieden werden.
Fleisch und Innereien der Tiere sollten vor dem Verzehr gut durcherhitzt werden (mindestens 71 °C
über 20 min).
Kontaktpersonen von Infizierten sollten über Frühsymptome einer Erkrankung aufgeklärt werden, bei
denen sofort ein Arzt aufzusuchen ist.
6
Antiepidemische
Maßnahmen
6.1
Meldepflicht
Namentliche Meldung an das zuständige Gesundheitsamt bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und
Tod nach § 6 Abs. 1 IfSG sowie bei direktem oder indirektem Erregernachweis nach § 7 Abs. 1 IfSG
durch das untersuchende Labor. Erlangt der Leiter einer Gemeinschaftseinrichtung Kenntnis über die
Erkrankung eines Betreuten oder Angestellten, ist er ebenfalls zur Meldung gegenüber dem Gesund-
heitsamt verpflichtet.
6.2
Maßnahmen in
Gemeinschaftsein-
richtungen
Erkrankte und Krankheitsverdächtige:
Tätigkeits- und Besuchsverbot für Beschäftigte und Betreute bis zum Abklingen der Symptome. Wie-
derzulassung, wenn keine Weiterverbreitung der Erkrankung mehr zu befürchten ist und die Hygi-
eneregeln (siehe 6.4) eingehalten werden. Bewährt hat sich dafür ein Zeitraum von etwa 14 Tagen
nach Auftreten der Symptomatik.
Kontaktpersonen:
Als Kontaktpersonen gelten in erster Linie die Mitglieder der Wohngemeinschaft eines Erkrankten.
Weitere Kontaktpersonen sind erforderlichenfalls in Abhängigkeit von der jeweiligen epidemiologi-
schen Situation festzulegen.
Da eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung unter engen Kontaktpersonen zwar prinzipiell nicht aus-
geschlossen werden kann, in der Praxis aber offensichtlich bei dem in Deutschland endemisch vor-
kommenden Genotyp 3 ein sehr seltenes Ereignis ist, sollten Haushaltskontaktpersonen nicht au-
tomatisch als ansteckungsverdächtig gelten. Zwar gilt nach § 34 Abs. 3 IfSG ein Tätigkeits- und
Beschäftigungsverbot auch für empfängliche (Anti-HEV-IgG-negative) Beschäftigte und Betreute,
die mit einem an Hepatitis E-Erkrankten in einer Wohngemeinschaft leben bis 5 Wochen nach letzt-
maligem Kontakt mit dem Infektiösen. In Absprache mit dem Gesundheitsamt können aber unter
Einhaltung aller notwendigen Hygienegrundregeln (siehe 6.4) gegebenenfalls Ausnahmen gemacht
werden. Die Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit eines Besuchsverbots von Gemeinschaftsein-
richtungen sollte daher genau geprüft werden.

10 │
6.2
Maßnahmen in
Gemeinschaftsein-
richtungen
(Fortsetzung)
Die Maßnahmen des Gesundheitsamtes sollten vor allem auch auf eine umfassende Information
sowie die strikte Einhaltung der Hände- und Toilettenhygiene für die Dauer der Inkubationszeit in
den Einrichtungen abzielen.
Desinfektion:
Alle Patientenkontaktflächen mit einem viruziden VAH-gelisteten Desinfektionsmittel
(Wirkungsbe-
reich AB), das auch in der Liste des RKI verzeichnet ist.
6.3
Maßnahmen im
Krankenhaus/medi-
zinischen Bereich
Patienten:
]
Räumliche Isolierung für mindestens 2 Wochen nach Erkrankungsbeginn
Behandelndes Personal:
]
Pflege mit patientenbezogenem Schutzkittel
]
Handschuhe bei möglichem Kontakt mit erregerhaltigem Material bzw. kontaminierten Flächen
]
Hygienische Händedesinfektion vor und nach Patientenkontakt, nach Kontakt zu erregerhaltigem
Material/kontaminierten Flächen und nach Ablegen der Handschuhe
Desinfektion und Entsorgung:
]
Mit viruziden Desinfektionsmitteln und -verfahren (Wirkungsbereich AB).
]
Es sind Mittel der VAH-Liste, die auch in der Liste des RKI verzeichnet sind, einzusetzen.
]
Mindestens tägliche bzw. bei Kontamination sofortige Flächen-Wischdesinfektion aller patien-
tennahen Flächen.
]
Instrumentendesinfektion möglichst im Reinigungs-Desinfektionsgerät (RDG), Transport kontami-
nierter Instrumente in geschlossenen Behältern.
]
Geschirr sollte in geschlossenen Behältern der Desinfektion im Geschirrspülautomaten zugeführt
werden.
]
Die Wäsche muss mit einem desinfizierenden Waschverfahren aufbereitet werden.
]
Schlussdesinfektion der Matratzen, Kissen und Decken mit Mitteln und Verfahren der RKI-Liste.
]
Entsorgung der Abfälle: AS 18 01 04 bzw. 18 01 01 gemäß LAGA-Vollzugshilfe vom Januar 2015.
]
Fäzes und Urin können undesinfiziert der Kanalisation zugeführt werden.
Erkranktes und krankheitsverdächtiges medizinisches Personal:
]
Tätigkeits- und Beschäftigungsverbot bis 14 Tage nach Erkrankungsbeginn.
6.4
Maßnahmen im
häuslichen Bereich
]
Distanzierungsmaßnahmen: keine gemeinsame Nutzung von Handtüchern, Wäsche und Hygiene-
artikeln, wenn möglich Nutzung eines separaten WCs.
]
Direkten Kontakt zum Patienten und zu erregerhaltigem Material meiden, Handschuhe tragen.
]
Hygienische Händedesinfektion des Erkrankten und der Kontaktpersonen für die Dauer der Inku-
bationszeit sowie Flächendesinfektion wie unter 6.3.
]
Patientenwäsche kann in der Haushaltswaschmaschine, möglichst bei 90 °C, gewaschen werden.
]
Geschirr wird in der Spülmaschine oder per Hand mit heißem Wasser und einem Reinigungsmittel
gereinigt.
]
Erregerhaltige Materialien können mit Papier umhüllt mit dem Hausmüll entsorgt werden.
]
Erkrankter sollte während der ersten 14 Tage der Erkrankungsphase kein Essen zubereiten und den
Kontakt zu Schwangeren und Immunsupprimierten meiden.
6.5
Maßnahmen im
Lebensmittelbe-
reich
Erkrankte und Krankheitsverdächtige:
Tätigkeits- und Beschäftigungsverbot nach § 42 Abs. 1 IfSG
]
beim Herstellen, Behandeln oder Inverkehrbringen der in § 42 Abs. 2 IfSG genannten Lebensmittel
]
in Küchen von Gaststätten und sonstigen Einrichtungen mit oder zur Gemeinschaftsverpflegung
bis 14 Tage nach Erkrankungsbeginn
Kontaktpersonen:
In Anbetracht der deutlich geringeren Kontagiosität von HEV im Vergleich zu HAV kann bei den
Kontaktpersonen nicht automatisch von einem Krankheits- bzw. Ansteckungsverdacht ausgegangen
werden. Deshalb sollten auch hier die Aufklärung und Hinweise auf die nötige strikte Einhaltung
der Hände- und Toilettenhygiene im Vordergrund stehen. Das Aussprechen eines Tätigkeits- und
Beschäftigungsverbotes für empfängliche (Anti-HEV-IgG-negative) Personen bis fünf Wochen nach
letztmaligem Kontakt mit dem Infektiösen sollte vom Einzelfall abhängig gemacht werden.

│11
6.6
Aufgaben des
erstbehandelnden
Arztes
]
Unverzügliche namentliche Meldung an das zuständige Gesundheitsamt (Wohnort des Patienten)
bei Krankheitsverdacht, Erkrankung sowie Tod an Hepatitis E (§ 6 Abs. 1 IfSG)
]
Erfassung von Kontaktpersonen in der Familie und Festlegung von Absonderungsmaßnahmen in
Absprache mit dem Gesundheitsamt
6.7
Aufgaben des Ge-
sundheitsamtes
]
Erfassung von Kontaktpersonen
]
Erfassung des wahrscheinlichen Infektionsortes zur Unterscheidung autochthoner vs. reise-asso-
ziierter Erkrankungen
]
Festlegen notwendiger Absonderungsmaßnahmen für Erkrankte, Krankheitsverdächtige und Kon-
taktpersonen (s. Punkt 6.2 bis 6.5)
]
Ausführliche Aufklärung aller Beteiligten über Übertragung, Krankheitssymptome und Präventi-
onsmaßnahmen
]
Epidemiologische Analyse bei Ausbrüchen, Ermittlung der Infektionsquelle
]
Sicherstellen der erforderlichen Labordiagnostik an der Landesuntersuchungsanstalt für das Ge-
sundheits- und Veterinärwesen Sachsen, u. U. in Zusammenarbeit mit den LÜVÄ
]
Übermittlung aller gemeldeten Fälle an die Landesuntersuchungsanstalt (§ 11 IfSG)
Quellen:
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ASM Press, 9th edition, 2007: 1424-1436
2.
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bl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 2008; 51 (1): 90-97
3. Bundesinstitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten zur Übertragung des Hepatitis E- Virus durch Wild- und Haus-
schweine und daraus gewonnene Lebensmittel. FAQ des BfR vom 9. Februar 2016
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Centers for Disease Control and Prevention: Hepatitis E - FAQs for Health Professionals. Updated 18 December 2015
5.
Labrique A, Thomas D, Stoszek S, Nelson K. Hepatitis E: An Emerging Infectious Disease. Epidemiol Rev 1999; 21 (2): 162-179
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8.
Meisel H. Hepatitis-E-Virus. In: Neumeister B, Geiss HK, Braun RW, Kimmig P. Mikrobiologische Diagnostik, Georg Thieme Ver-
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9.
Neßler A u. Drechsler R. Hepatitis E-Infektionen und ihre Diagnostik in der LUA. LUA-Mitteilungen 2009; 1: 14-16
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ran-
domised, double-blind placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet 2010; 376 (9744): 895-902

12 │
Bearbeiter:
Dr. med. Ingrid Ehrhard
LUA Dresden
Dr. med. Katrin Flohrs
LUA Dresden
Dr. med. Tilo Hackel
LUA Dresden
Dr. med. Axel Hofmann
LUA Chemnitz
Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
LUA Chemnitz
Lydia Sommer
LUA Chemnitz
AG Infektionsschutz des Landesverbandes Sachsen der
Ärzte und Zahnärzte des ÖGD (Lt. Dr. med. Ingrid Möller)

│13
Der WHO-Strategieplan für die globale Polioeradi-
kation und das Laborcontainment von Polioviren –
Auswirkungen für das Labor
Als im Jahr 1988 die
Globale Polioeradikationsinitiative
(GPEI)
zur weltweiten Ausrottung der Poliomyelitis (Polio) startete,
waren insgesamt nahezu 350.000 Poliofälle in 125 Ländern
registriert worden (1). Inzwischen ist diese Erkrankung dank
massiver globaler Anstrengungen auf drei endemische Länder
zurückgedrängt worden (Afghanistan, Pakistan und Nigeria) (2).
Vier von sechs WHO-Regionen haben das Zertifikat „poliofrei“
erhalten: der amerikanische Kontinent im Jahr 1994, der west-
pazifische Raum im Jahr 2000, Europa im Juni 2002 und
Süd-
ostasien im Jahr 2014.
Im Jahr 2016 registrierte die WHO weltweit nur noch 37 durch
Polio-Wildviren (WPV) verursachte Poliofälle (2). Es waren 20 in
Pakistan, 13 in Afghanistan und 4 Poliofälle in Nigeria zu ver-
zeichnen (2). Im Jahr 2015 wurden insgesamt noch 74 Poliofälle
registriert (2).
In den letzten fünf Jahren waren neue Poliofälle ausschließlich
durch Polio-Wildviren vom Serotyp 1 (WPV1) beobachtet wor-
den. Polio-Wildviren Typ 2 (WPV2) sind seit 1999 eradiziert und
der Serotyp 3 (WPV3) wurde letztmalig 2012 nachgewiesen (3).
Der Erfolg der weltweiten GPEI basiert vor allem auf beispiello-
sen Polio-Impfaktionen mit dem oralen Lebendimpfstoff (siehe
Infokasten). Seit 2000 wurden weltweit an nahezu drei Billionen
Kinder (meist im Vorschulalter) mehr als 10 Billionen Impfdosen
als Mehrfach-Schluckimpfung verabreicht (4).
Die Poliomyelitis (Kinderlähmung) ist eine oft epidemieartig
auftretende Infektionskrankheit, die durch Polioviren (Familie
der Enteroviren) hervorgerufen wird. Bei den Polioviren wird
zwischen den drei Serotypen 1, 2 und 3 unterschieden. Der
Mensch ist das einzig epidemiologisch relevante Reservoir für
Polioviren. Die Übertragung erfolgt meist fäkal-oral. Die In-
fektion mit Polio-Wildviren führt zu einer typenspezifischen
lebenslangen Immunität.
Zwei Impfstoff-Typen stehen für Polio-Schutzimpfungen zur
Verfügung:
orale Lebend-Impfstoffe (OPV, oral polio vac-
cine/„Sabin“)
und
inaktivierte Polio-Impfstoffe (IPV, inac-
tivated polio vaccine/„Salk“)
, die aus nicht lebenden Polio-
Virusstämmen der drei Serotypen zusammengesetzt sind. Bei
den Oralen Lebend-Impfstoffen (OPV) wird zwischen dem
trivalenten Polioimpfstoff (tOPV), der aus attenuierten Polio-
Virusstämmen aller drei Serotypen zusammengesetzt ist, und
dem bivalenten Polioimpfstoff (bOPV) mit den Poliovirus-Ty-
pen 1 und 3 unterschieden (Näheres siehe unten).
Die Polioimpfung wird in den meisten der 194 WHO-Mit-
gliedstaaten als mehrfache „Schluckimpfung“ mit OPV
durchgeführt. IPV kommt dagegen vor allem in den Industrie-
ländern zum Einsatz (in Deutschland seit 1998). Der OPV ist
gegenüber dem IPV wesentlich kostengünstiger, kann auch
von Nicht-Gesundheitspersonal verabreicht werden, bewirkt
Für die letzte Etappe auf dem Weg zu einer globalen Polioeradi-
kation hat die WHO einen neuen Strategieplan für den Zeitraum
2013 bis 2018 erstellt, den
Global Action Plan
(GAP III) (6).
Im Mai 2015 wurde die Bedeutung dieses WHO-Strategiepla-
nes von den Vertretern der 194 WHO-Mietgliedstaaten auf der
Weltgesundheitsversammlung (WHA) in der Resolution WHA
68.3 nochmals bekräftigt.
Mit der Umsetzung des WHO-Strategieplanes GAP III sollen im
Wesentlichen drei Ziele parallel verfolgt werden:
1. Die
Beendigung der weltweiten Übertragung von Polio-
Wildviren (WPV)
. Dieses Ziel soll etappenweise durch eine
typenspezifische Eradikation der Polioviren erreicht werden,
wobei mit der Eradikation von WPV Typ 2 begonnen wird.
2. Die
global koordinierte Umstellung der Impfstrategie
durch
den Wechsel vom oralen Polio-Lebend-Impfstoff (OPV) auf
den inaktivierten Polio-Impfstoff (IPV). Mit dieser Maßnahme
soll in Zukunft das Risiko sowohl von Impfstoff-assoziierten
Poliomyelitis-Erkrankungen (
vaccine-associated paralytic
Polio, VAPP) als auch das Auftreten von cVDPV-assoziierten
Ausbrüchen minimiert und letztendlich eliminiert werden.
3. Die globale Einführung eines
Laborcontainments von Polio-
viren
.
Zum Laborcontainment von Polioviren zählen alle
erforder-
lichen Maßnahmen zur sicheren Nutzung und Lagerung von
Polioviren (WPV, OPV, VDPV) bzw. Poliovirus-haltigen Mate-
rialien in mikrobiologischen und anderen Laboren. Ziel ist es,
das Risiko einer unbeabsichtigten oder absichtlichen Freiset-
zung von Polioviren aus Laborbeständen zu minimieren. Eine
derartige Freisetzung von Polioviren wäre nach einer erfolg-
reichen globalen Eradikation von WPV und der kompletten
Einstellung der Verwendung von OPV noch die einzige poten-
zielle Infektionsquelle von Polioviren.
eine intestinale Immunität und fördert die Herden-Immuni-
tät über fäkal-orale Ausbreitung der Impfviren (1).
Bei der Schluckimpfung mit OPV besteht insbesondere in
Bevölkerungsgruppen, die nicht über einen ausreichenden
Immunschutz gegenüber Polioviren verfügen, ein Restrisiko,
durch mutierte Impfviren an Polio zu erkranken. Veränderte
Impfviren, die durch Mutationen wieder pathogene Eigen-
schaften von Polio-Wildviren ausprägen, werden als zirku-
lierende, vom Impfstoff abgeleitete Polioviren (cVDPV,
circu-
lating vaccine-derived
Polio-Virus) bezeichnet. Im Zeitraum
zwischen 2000 und 2011 wurden weltweit insgesamt 20
cVDPV-bedingte Ausbrüche mit ca. 580 Poliofällen registriert
(2). Mehr als 90 % aller cVDPV-Polioerkrankungen waren auf
mutierte Polio-Impfviren vom Typ 2 (cVDPV2) zurückzufüh-
ren (5). 2016 wurden weltweit insgesamt fünf cVDPV2-asso-
ziierte Poliofälle registriert - jeweils ein Fall in Nigeria und
Pakistan, sowie 3 Poliofälle in Laos (2).

14 │
In Vorbereitung des Laborcontainments für Polioviren fordert
die WHO, die Anzahl der nationalen Labore und Einrichtungen,
die gezielt mit Polioviren arbeiten soweit wie möglich zu redu-
zieren. Darüber hinaus werden alle Mitgliedstaaten aufgefor-
dert, weltweit maximal 20 Speziallabore für Polioviren zu etab-
lieren, sogenannte
poliovirus essential facilities
(PEF). In Zukunft
sollen der gezielte Umgang und die Lagerung von Polioviren und
Polioviren-haltigen Materialien nur noch in diesen PEFs erfol-
gen. Für die Errichtung und den Betrieb von PEFs gelten außer-
ordentliche, von der WHO definierte Sicherheitsanforderungen
(6). Jedes dieser PEFs muss von der zuständigen nationalen Be-
hörde genehmigt und in einem Auditverfahren von der WHO
akkreditiert werden. In Europa ist als PEF unter anderem das
Rijksinstitut voor Volksgesondheid en Milieu (RIVM) in Bilthoven
(Niederlande) im Gespräch (5).
Die globale Umsetzung des GAP III verläuft im Wesentlichen in
drei Hauptphasen
, wobei wir uns aktuell in der zweiten Reali-
sierungsphase befinden. In jeder Phase ist die Umsetzung
fol-
gender Hauptaktivitäten vorgesehen:
Phase 1
a) Die WHO-Mitgliedstaaten sind aufgefordert, alle nationalen
Labore und Einrichtungen, die Polioviren handhaben oder la-
gern zu erfassen, sowie ein Nationales Register zu erstellen
bzw. zu vervollständigen.
b) Im September 2015 erklärte die Globale
Zertifizierungskom-
mission für Polioeradikation (GCC, Global Commission for the
Certification of Poliomyelitis Eradication) die weltweite
Era-
dikation der Polio-Wildviren Typ 2 (WPV2). Damit wurde die
erste Polioviren-typenspezifische Eradikationsetappe von der
WHO gestartet.
c) Laut GAP III müssen jeweils drei Monate nach offizieller
Era-
dikation eines Poliovirustyps der Einsatz und die Lagerung
entsprechender Poliomaterialien außerhalb von PEFs einge-
stellt werden. Demnach ist weltweit seit Ende 2015 der Um-
gang mit WPV2 in Laboren und Einrichtungen, die nicht als
nicht PEF zertifiziert sind, nicht mehr zulässig. Entsprechende
Materialien waren zu vernichten bzw. konnten im besonde-
ren Fall an ein PEF überführt werden. Nach aktuellem Stand
haben 175 Länder der WHO gemeldet, mit Polioviren Typ 2
(außerhalb von inzwischen insgesamt 18 designierten PEFs)
nicht mehr zu arbeiten bzw. diese nicht mehr zu lagern ((2)
Stand: 17.01.2017)
.
Phase 2
a) Im April 2016 startete die weltweit synchronisierte Umstel-
lung der Polioimpfstrategie in mit OPV-impfenden Ländern.
Innerhalb von zwei Wochen wurde in insgesamt 155 Ländern
der trivalente orale Polioimpfstoff (tOPV) durch den bivalen-
ten oralen Polio-Impfstoff ohne Typ-2-Komponente (bOPV)
ersetzt. Der tOPV-Impfstoff darf seitdem nicht mehr einge-
setzt und Restbestände an tOPV müssen vernichtet werden.
In den nationalen Impfprogrammen wurde der Einsatz des
bOPV - kombiniert mit mindestens einer Dosis des inaktivier-
ten Polioimpfstoffes (IPV) - festgeschrieben. Mit dem Weg-
fall der OPV2-Komponente im Impfstoff soll das Risiko einer
Übertragung von cVDPV2 minimiert werden.
b) Nach der weltweiten Umstellung auf bOPV muss innerhalb
von drei Monaten auch das Laborcontainment von Polio-
Impfviren Typ 2 umgesetzt sein. Dementsprechend dürfen ab
dem 01.08.2016 Polio-Impfviren Typ 2 (OPV2) in mikrobio-
logischen Laboren bzw. Einrichtungen (außerhalb von PEF)
nicht mehr eingesetzt und gelagert werden.
Phase 3
Ziel der dritten Phase des GAP III ist die Zertifizierung der
glo-
balen Polioeradikation. Dazu sind weitere verpflichtende
Aktivi-
täten und Maßnahmen erforderlich, die zum Teil noch im Detail
entwickelt bzw. den aktuellen Entwicklungen und Erkenntnissen
angepasst werden müssen. Dabei liegen die Hauptaktivitäten
insbesondere auf zwei Schwerpunkten:
a. Das vollständige Laborcontainment aller Polioviren außerhalb
sogenannter PEF. (Das Laborcontainment soll voraussichtlich
ab 2019 auf die Polioviren Typ 1 und Typ 3 ausgeweitet wer-
den (5)).
b. Der globale Wechsel von bOPV zu IPV.
Die Umsetzung des Laborcontainments von Polioviren in
Deutschland
Deutschland ist 1997 der GPEI beigetreten und hat damit die
Verpflichtung übernommen, alle entsprechenden
WHO-Emp-
fehlungen wie auch die Festlegungen im WHO-Strategieplan
GAP III auf nationaler Ebene umzusetzen. Der letzte einheimi-
sche Poliofall in Deutschland war im Jahr 1990 zu verzeichnen.
Wesentliche Grundpfeiler aller Anstrengungen in Deutschland,
die seit 1997 von der
Nationalen Kommission für die Polioe-
radikation
koordiniert werden, sind die Gewährleistung hoher
Impfraten in der Bevölkerung, eine funktionsfähige bundesweite
Überwachung der Poliofreiheit (erfolgt seit 2010 ausschließlich
im Rahmen der bundesweiten
Enterovirus
-Surveillance) und die
Einführung des Laborcontainments für Polioviren.
Die ersten Aktivitäten bezüglich Laborcontainment wurden am
Niedersächsischen Landesgesundheitsamt in Hannover begon-
nen. Seit April 2010 liegt das Laborcontainment ausschließlich
im Aufgabenbereich des Robert Koch-Institutes (RKI).
Entsprechend dem GAP III und in Vorbereitung für das Laborcon-
tainment wurde 2001 in Deutschland ein bundesweites Register
von den Laboren erstellt, die mit WPV arbeiten oder die bekannt
Poliovirus-haltiges bzw. potenziell Poliovirus-enthaltendes Ma-
terial lagern (siehe Infokasten).
Als
potenziell Poliovirus-enthaltendes Material
zählen
vornehmlich Stuhlproben, respiratorische Patientenproben
sowie Abwasserproben, die in Zeiten bzw. geografischen
Re-
gionen gewonnen wurden, in denen Polioviren (WPV, cVD-
VP) zirkulierten bzw. mit OPV geimpft worden ist. Laut RKI
müssen alle in Deutschland vor 1990 gewonnenen Proben
als potenziell Poliovirus-haltiges Material betrachtet werden.
Darüber hinaus sollten „abgeleitete Materialien“ wie zum
Beispiel Zellkulturüberstände von Virusanzuchtsversuchen,
mikroskopische Präparate, Stamm- oder Probensammlun-
gen, die im Allgemeinen in einem anderen Zusammenhang
angelegt worden waren, dazu gerechnet und deren Bestand
geprüft werden. Für den generellen Umgang mit potenziell
Poliovirus-haltigem Material bzw. für die weitere Vorgehens-
weise erarbeitet die WHO derzeit eine bindende Empfehlung
(5).

image
│15
Im Rahmen einer bundesweiten Umfrage im Jahr 2001 hatten
insgesamt 54 Labore auf freiwilliger Basis angegeben, über WPV
bzw. potenziell Poliovirus-enthaltendes Material zu verfügen
(5). Davon gaben 29 Labore die verbindliche Erklärung ab, diese
Materialien bis Ende 2004 zu vernichten. Die restlichen Einrich-
tungen haben sich verpflichtet, das Material unter besonderen
Sicherheitsbedingungen zu lagern (5). Im Ergebnis einer Aktu-
alisierungsabfrage 2015/2016 werden noch acht Einrichtungen
in Deutschland im nationalen Register vermerkt (5). Es wird eine
erneute Aktualisierung des nationalen Registers auf der Basis
einer gesetzlichen Regelung, die in Vorbereitung ist, vom RKI
angestrebt (5).
Die Konsequenzen für die LUA Sachsen
1. An der LUA Sachsen werden Polio-Impfvirusstämme bei
Untersuchungen von humanen Serumproben auf Antikör-
per gegen Polioviren mittels Neutralisationstest eingesetzt.
Entsprechend dem im WHO-Strategieplan GAP III (Phase 2)
festgelegten Laborcontainment von Polio-Impfviren Typ 2
wird an der LUA Sachsen seit dem 01. August 2016 nicht
mehr mit diesem Polio-Impfvirustyp gearbeitet. Demzufolge
werden die Antikörperbestimmungen nur noch für Polioviren
Typ 1 und Typ 3 durchgeführt. Der gesamte Bestand an Polio-
Impfvirusstämmen Typ 2 wurde vernichtet.
2. Die bundesweite Überwachung der andauernden Poliofrei-
heit in Deutschland im Rahmen des WHO-Projektes Polio-
eradiaktion wird seit 2010 ausschließlich auf der Basis der
Enterovirus-Surveillance durchgeführt. Dazu dient ein bun-
desweites Labornetzwerk für Enterovirus-Diagnostik (LaNED),
das 2005 vom Nationalen Referenzzentrum für Poliomyelitis
und Enteroviren (NRZ PE) koordiniert wird. Die LUA
Sach-
sen ist ein Kooperationspartner im LaNED und stellt die not-
wendige Enterovirus-Diagnostik (PCR/Virusanzucht/Virusty-
pisierung) zur Verfügung. Die Untersuchungen werden in
Stuhl- oder Liquorproben für pädiatrische und neurologische
Kliniken zur differentialdiagnostischen Abklärung von viralen
Meningitiden bzw. Enzephalitiden angeboten. Durch dieses
Untersuchungsangebot können Aussagen zu zirkulierenden
Enteroviren und damit auch zum Auftreten von Polioviren in
Deutschland gemacht werden.
Aktuell haben sich nach dem WHO-Strategieplan und im
Zu-
sammenhang mit der Umsetzung des Laborcontainments für
Polioviren keine Änderungen bzw. Maßnahmen für die
Durch-
führung der Enterovirus/Poliovirus-Untersuchungen ergeben.
Im Fall von Proben mit Verdacht auf Polioviren bzw. zum Aus-
schluss von Polioviren werden diese entsprechend der Koopera-
tionsverpflichtung an das NRZ PE weitergeleitet.
Quellen:
(1) Müller O. et al. Poliomyelitis-Herausforderungen in der
Endphase des globalen Eradikationsprogramms;
Gesund-
heitswesen 2016; 78: 227-229
(2)
http://www.polioeradication.org
http://polioeradication.org/polio-today/preparing-for-a-
polio-free-world/containment/
(3)
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/66357/polio
(4)
http://www.who.int/features
(5)
Der WHO Global Action Plan zur Polioeradikation und Kon-
sequenzen für die Labore in Deutschland. Epidemiologi-
sches Bulletin 2016; 24: 205-208
(6) WHO Global Action Plan for Poliovirus containment (GA-
PIII).
www.polioeradication.org/Portals/O/Document/Re-
sources/PostEradication/GAPIII_2014.pdf
Bearbeiter: DB Ursula Reif
LUA Dresden
Abbildung 1: Bearbeitung von Patientenproben im Rahmen der Enterovirus-
Surveillance an der LUA Sachsen

16 │
Belastungssituation bei Bio-/Öko-Lebensmitteln mit
ausgewählten Rückständen und Kontaminanten –
Ergebnisse aus dem Jahr (2016)
Ausgangssituation
Die Nachfrage der deutschen Verbraucher nach Öko-Lebens-
mitteln steigt kontinuierlich an. Die ökologisch bewirtschaftete
Fläche in Sachsen ist von 12.776 ha im Jahr 1999 auf 36.663 ha
im Jahr 2014 gestiegen, also um 23.887 ha bzw. 187 Prozent.
Die Anzahl der Betriebe hat sich im selben Zeitraum von 184
auf 526 erhöht. Die Ökobetriebe nehmen einen Anteil von 8,3 %
aller Landwirtschaftsunternehmen in Sachsen ein [1].
Im Jahr 2016 wurde deshalb in Sachsen wieder ein spezielles
Untersuchungsprogramm im Bereich ökologisch erzeugter Le-
bensmittel durchgeführt. Dabei wurden Lebensmittel aus öko-
logischem Landbau auf Rückstände und Kontaminanten unter-
sucht.
Ziel
Die Belastungssituation bei ausgewählten Bio-Lebensmitteln
von sächsischen Erzeugern soll überprüft werden. Dazu sollen
– abgestimmt zwischen den LÜVÄ und der Landesdirektion - 20
Proben Bio-Getreide, 15 Proben Bio-Möhren, 25 Proben Bio-
Äpfel, 20 Proben Bio-Kartoffeln und 10 Proben Bio-Erbsen auf
Pflanzenschutzmittel, Schwermetalle, Nitrat und Mykotoxine
(einschließlich Mutterkornalkaloide) untersucht werden.
Ergebnisse
Im Jahr 2016 wurden im Rahmen dieses Untersuchungspro-
gramms insgesamt 80 ausgewählte Bio-Lebensmittel unter-
sucht. Dabei handelte es sich ausschließlich um unverarbeitete
pflanzliche Lebensmittel. Zu den Ergebnissen im Einzelnen:
1. BIO-Getreide
Insgesamt wurden 17 Proben an Getreide untersucht. Dabei
wurden Weizen-, Dinkel-, Hafer- und Roggenkörner zur Unter-
suchung eingereicht. Insgesamt sieht die Belastungssituation
zufriedenstellend aus.
Rückstände an Pflanzenschutzmitteln
Vorne weg gesagt werden muss, dass in vielen Proben Bromid
nachgewiesen wurde. Bromid kommt in Getreide natürlicher-
weise vor. Bromid bzw. Methylbromid wurde früher, und wird
teilweise auch noch heute, zur Begasung in der Schädlingsbe-
kämpfung eingesetzt. In Deutschland ist es seit dem 01.09.2006
nicht mehr zugelassen. Für das Bromid-Ion liegt der Höchst-
gehalt derzeit bei 50 mg/kg. Bei den nachgewiesenen Mengen
kann man von einem natürlichen Ursprung ausgehen.
Herkunft
Sachsen
Pro-
ben-
zahl
Proben mit
Rückstän-
den > 0,01
mg/kg
Proben mit
Rückständen
> Höchst-
menge
Proben mit
Mehrfach-
rückstän-
den
Bean-
standet
Weizen
4
0
0
0
-
Roggen
6
0
0
0
-
Dinkel
3
0
0
0
-
Hafer
4
0
0
0
-
Summe
Sachsen
17
0
-
Einzelbefunde
Probe
Herkunft
Wirkstoffe
Gehalt [mg/kg]
Weizen
Sachsen
Bromid
1,90
Roggen
Sachsen
Bromid
1,80
Roggen
Sachsen
Bromid
1,60
Roggen
Sachsen
Bromid
1,60
Roggen
Sachsen
Bromid
2,90
Roggen
Sachsen
Bromid
2,30
Roggen
Sachsen
Bromid
1,40
Dinkel
Sachsen
Bromid
2,10
Dinkel
Sachsen
Bromid
1,90
Hafer
Sachsen
Bromid
1,00
Hafer
Sachsen
Bromid
3,50
Elemente
Sächsische Getreidebauern haben mit der geogen relativ ho-
hen Belastung mit Schwermetallen, insbesondere Cadmium, zu
kämpfen. Bei den vorliegenden Proben kam es bei drei Proben zu
einer Cadmium-Höchstgehaltsüberschreitung. Cadmium wird
derzeit viel diskutiert und man spricht in diversen Bereichen von
Höchstgehaltsabsenkungen, da die Gesamtexposition verhält-
nismäßig hoch ist und die tolerierbare wöchentliche Aufnahme-
menge (TWI) nach der aktuellsten Stellungnahme der EFSA auf
2,5 µg pro Kilogramm Körpergewicht herabgesetzt wurde. Hier
ist damit zu rechnen, dass es bei Herabsetzung der Höchstge-
halte zu einem kurzfristigen Anstieg der Beanstandungen kom-
men kann.
Eine Probe Hafer wies einen auffällig hohen Gehalt an Arsen
von 0,29 mg/kg auf, zudem fiel eine Probe Roggen durch einen
Aluminium-Gehalt von 55 mg/kg auf. Für diese Metalle exis-
tieren allerdings für die hier untersuchten Getreidearten keine
Höchstgehalte.
Herkunft
Sachsen
Proben-
zahl
Proben mit
Rückständen
> Höchst-
menge
Element
Gehalt
[mg/kg]
Beanstan-
det
Weizen
4
0
-
Roggen
6
0
-
Dinkel
3
1
Cadmium
0,41
1
Hafer
4
2
Cadmium
0,34/0,35
2
Summe-
Sachsen
17
3
(18 %)
3
(18 %)
Mykotoxine
Im Bereich der Mykotoxine kam es zu keiner Höchstmengen-
überschreitung. Allerdings ist anzumerken, dass in lediglich
3 Proben (18 %) keine Mykotoxine nachgewiesen werden konn-
ten. Hauptvertreter, welche in den vorliegenden Proben fest-
gestellt wurden, sind Deoxynivalenol (DON) und Ochratoxin A
(OTA), sowie Ergotalkaloide (Mutterkorn) bei Roggen. Außerdem

│17
wurde auch auf T-2- und HT-2-Toxine untersucht. Hier sind
derzeit jedoch noch keine konkreten Höchstgehalte festgesetzt
worden. Derzeit orientiert man sich an Richtwerten, welche in
der Empfehlung der Kommission vom 27.03.2013 (2013/165/
EU) niedergelegt sind. In erster Linie steht hier die Datensamm-
lung im Vordergrund.
Herkunft
Sachsen
Myko-
toxine
> NWG
Myko-
toxine >
Höchst-
menge
Wirkstoff [µg/kg]
Summe
Alkaloide
OTA
DON
T-
2-Toxin
HT-
2-Toxin
Weizen
1
0
0,42
Weizen
2
0
1,14
41
Roggen
2
0
42
0,11
Roggen
1
0
24
Roggen
1
0
25
Roggen
2
0
1,18
33
Roggen
1
0
499
Roggen
1
0
30
Dinkel
3
0
0,54
2,5
12,1
Dinkel
3
0
0,13
1,1
11,6
Hafer
3
0
49
18,1
58,6
Hafer
3
0
68
9,7
28,5
Hafer
3
0
0,16
31,7
78,9
Hafer
3
0
1,05
4,5
16,5
NWG: Nachweisgrenze
2. BIO-Möhren
Bei BIO-Möhren wurden 12 Proben von sächsischen Erzeugern
untersucht:
Probe
Herkunft
Beanstandung
Bio Bund-Möhren Landkreis Meißen
nicht zu beanstanden
Öko Speisemöhre
Landratsamt Landkreis Leipzig
nicht zu beanstanden
Möhren
Landratsamt Landkreis Leipzig
nicht zu beanstanden
Bio Möhren
Landratsamt Landkreis Leipzig
nicht zu beanstanden
Bio Möhren
Landkreis Nordsachsen
nicht zu beanstanden
Bio-Möhren
Landkreis Nordsachsen
nicht zu beanstanden
Bio-Möhren
Landeshauptstadt Dresden
nicht zu beanstanden
Bio-Möhren
Stadt Leipzig
nicht zu beanstanden
Möhren
Landkreis Görlitz
nicht zu beanstanden
Bio-Möhren
Stadt Chemnitz
nicht zu beanstanden
Bio Möhren
Landkreis Nordsachsen
nicht zu beanstanden
Bio Möhren
Landkreis Nordsachsen
nicht zu beanstanden
Rückstände an Pflanzenschutzmitteln
Alle 12 Proben waren rückstandsfrei, das heißt ihre Rückstän-
de lagen unterhalb der analytischen Bestimmungsgrenze von
0,01 mg/kg.
Elemente
Zudem wurde bei diesen Proben BIO-Möhren der Gehalt an
aus-
gewählten Elementen sowie der Nitratgehalt bestimmt.
Hinsichtlich des Elementgehaltes waren keine Auffälligkeiten
feststellbar. In der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 ist für Wur-
zelgemüse sowohl für Blei als auch für Cadmium ein Höchst-
gehalt von 0,10 mg/kg festgelegt. Die in den vorliegenden Pro-
ben Möhren bestimmten Gehalte an Blei lagen im Bereich von
0,0098 bis 0,034 mg/kg, die Gehalte an Cadmium lagen zwi-
schen 0,013 und 0,0655 mg/kg.
Somit lagen bei allen Proben die bestimmten Gehalte an Blei und
Cadmium unter den in der der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006
festgelegten Höchstgehalten.
Verschiedenes Gemüse kann aufgrund einer erhöhten Alumini-
um-Anreicherung aus dem Boden relativ viel Aluminium ent-
halten. Für den Aluminiumgehalt in Möhren sind derzeit jedoch
keine Höchstgehalte festgelegt.
In den vorliegenden Bio-Möhren wurden Aluminiumgehal-
te von 0,345 bis 3,75 mg/kg bestimmt. Der MEDIAN liegt bei
1,37 mg/kg.
Zum Vergleich dazu werden die Ergebnisse aus dem
MONITO-
RING-Bericht 2015 des BVL herangezogen. Bei den untersuch-
ten pflanzlichen Lebensmitteln lagen die Mediane der Gehalte
überwiegend zwischen 0,500 mg/kg (Paranüsse) und 2,90 mg/kg
(Teeaufgussgetränke).
Blei (mg/kg)
Cadmium (mg/kg) Aluminium (mg/kg)
Bio Bund-Möhren
0,0340
0,0425
1,30
Speisemöhre-Öko
0,0340
0,0165
0,700
Möhren
0,0270
0,0195
0,380
Möhren Bio
0,0225
0,0235
1,45
Bio-Möhren
0,0195
0,0175
1,60
Bio-Möhren
0,0240
0,0190
2,30
Bio-Möhren
0,0300
0,0655
3,75
Bio-Möhren
0,0130
0,0150
0,920
Möhren
0,0098
0,0175
0,345
Bio-Möhren
0,0160
0,0130
2,25
Möhren-Bio
0,0190
0,0250
0,520
Nitrat
In der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 sind Höchstgehalte für
Nitrat in Spinat (frisch und haltbar gemacht), Kopfsalat, Eis-
bergsalat, Rucola und für Getreidebeikost sowie andere Beikost
für Säuglinge und Kleinkinder festgelegt. Für Möhren existiert
derzeit kein Wert für den Höchstgehalt an Nitrat.
Zur Einordnung der im Rahmen dieses Untersuchungsprogramms
festgestellten Nitratgehalte wurden deshalb die Werte für Möh-
ren aus dem MONITORING-Bericht 2008 des BVL herangezogen.
So betrug hier der mittlere Nitratgehalt 115 mg/kg und der Me-
dian 80 mg/kg. Die maximalen Gehalte bewegten sich in der
Regel im Bereich zwischen 600 und 700 mg Nitrat/kg.
Der höchste Nitratgehalt in Möhren im Rahmen dieses Unter-
suchungsprogramms wurde mit
857 mg/kg
bei einer Probe aus
dem Landkreis Nordsachsen bestimmt. Gleichzeitig lag aber bei
drei der untersuchten Proben Möhren der Nitratgehalt unter der
Nachweisgrenze von 10 mg/kg.
Proben-
zahl
Nitratgehalt (mg/kg)
Beanstan-
det
< 10
10-200 201-600 601-1000
BIO-Möhren
12
3
7
1
1
-
3. BIO-Äpfel
Im Rahmen dieses Untersuchungsprogramms wurden 23 Proben
Bio-Äpfel von sächsischen Erzeugern auf das Vorhandensein von
Pflanzenschutzmittelrückständen untersucht.
Probe
Herkunft
Beanstandung
Bio Apfel Sorte: Ru-
binstep
Landkreis Nordsachsen
nicht zu beanstanden
Bio Apfel Sorte: Reanda Landkreis Nordsachsen
nicht zu beanstanden
Bio Äpfel
Landkreis Meißen
nicht zu beanstanden
Bio Äpfel
Landkreis Meißen
nicht zu beanstanden
Bio Äpfel
Landratsamt Erzgebirgskreis nicht zu beanstanden
Bio Äpfel
Landkreis Görlitz
nicht zu beanstanden
Bio Apfel Sorte Rubino-
la 2. Wahl
Landkreis Görlitz
nicht zu beanstanden

18 │
Probe
Herkunft
Beanstandung
Bio Äpfel Sorte Fiesta
2. Wahl
Landkreis Görlitz
nicht zu beanstanden
Bio Äpfel, Sorte Goldcat
Landratsamt Mittelsachsen
nicht zu beanstanden
Bio Äpfel, Sorte Roter
Boskoop
Landratsamt Mittelsachsen
nicht zu beanstanden
Bio Äpfel Delbar
Landratsamt Mittelsachsen
nicht zu beanstanden
Bio Äpfel
Landratsamt Landkreis
Leipzig
nicht zu beanstanden
Äpfel aus biolgischem
Landbau Elstar
Landkreis Bautzen
nicht zu beanstanden
Äpfel aus biolgischem
Landbau Sorte: Cham-
pion
Landkreis Bautzen
nicht zu beanstanden
Pinova Apfel
Landeshauptstadt Dresden
nicht zu beanstanden
Bio Äpfel Sorte
RE-
ANDA
Landratsamt Landkreis
Leipzig
nicht zu beanstanden
Bio Äpfel Sorte Herma
Landkreis Meißen
nicht zu beanstanden
Bio Baumann Risette
Äpfel
Landkreis Meißen
nicht zu beanstanden
Bio Berner Rosen Äpfel
Landkreis Meißen
nicht zu beanstanden
Bio Äpfel Regional
Landratsamt Erzgebirgskreis nicht zu beanstanden
Bio Äpfel
Landratsamt Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge
nicht zu beanstanden
Äpfel Belfleur
Stadt Leipzig
nicht zu beanstanden
Äpfel Pinova
Landeshauptstadt Dresden
nicht zu beanstanden
Rückstände an Pflanzenschutzmitteln
Alle untersuchten Bio-Äpfel von sächsischen Erzeugern waren
rückstandsfrei, das heißt ihre Rückstände lagen unterhalb der
analytischen Bestimmungsgrenze von 0,01 mg/kg.
4. BIO-Kartoffeln
Insgesamt wurden 18 Proben sächsische BIO-Kartoffeln auf
Pflanzenschutzmittel-Rückstände untersucht. Außerdem wurde
der Gehalt an ausgewählten Elementen sowie der Nitratgehalt
bestimmt.
Probe
Herkunft
Beanstandung
Speisekartoffeln Annabel Landratsamt Mittelsachsen nicht zu beanstanden
Biokartoffeln
Landkreis Bautzen
nicht zu beanstanden
Kartoffeln vom Erzeuger
Landratsamt Erzgebirgs-
kreis
nicht zu beanstanden
Biokartoffeln Sorte
Balerina
Landkreis Nordsachsen
nicht zu beanstanden
Bio Speisekartoffeln
Sorte Laura, vorwiegend
festkochend
Landkreis Meißen
nicht zu beanstanden
Biokartoffel, Sorte
Anuschka
Landratsamt Landkreis
Leipzig
nicht zu beanstanden
Kartoffeln Sorte Ditta
Landratsamt Mittelsachsen nicht zu beanstanden
Speisekartoffeln Bio
Sorte: Belana
Landkreis Meißen
nicht zu beanstanden
Kartoffeln
Landkreis Meißen
nicht zu beanstanden
Bio Kartoffeln
Landratsamt Vogtlandkreis nicht zu beanstanden
Kartoffeln Laura
Landratsamt Mittelsachsen nicht zu beanstanden
Kartoffeln
Landratsamt Landkreis
Leipzig
nicht zu beanstanden
Landkartoffeln Sorte
Ballerina, festkochend
Landkreis Görlitz
nicht zu beanstanden
Bio Speiskartoffeln
Landratsamt Mittelsachsen nicht zu beanstanden
Bio Speisekartoffeln
Sorte Anabell
Landkreis Bautzen
nicht zu beanstanden
Biokartoffeln festko-
chend
Landkreis Görlitz
nicht zu beanstanden
Kartoffel Ditta
Landratsamt Landkreis
Leipzig
nicht zu beanstanden
Biokartoffeln
Landkreis Nordsachsen
nicht zu beanstanden
Rückstände an Pflanzenschutzmitteln
Auch die BIO-Kartoffeln aus Sachsen waren rückstandsfrei, das
heißt ihre Rückstände lagen unterhalb der analytischen Bestim-
mungsgrenze von 0,01 mg/kg.
Elemente
Bei diesen Proben BIO-Kartoffeln wurden ebenfalls der Gehalt
an ausgewählten Elementen sowie der Nitratgehalt bestimmt.
Hinsichtlich des Elementgehaltes waren bei keiner Probe Auf-
fälligkeiten feststellbar. Bei allen Proben lagen die bestimmten
Gehalte an Blei und Cadmium unter den in der Verordnung (EG)
Nr. 1881/ 2006 festgelegten Höchstgehalten.
Bis auf 2 Ausnahmen war bei den vorliegenden Proben Kartof-
feln Blei nicht nachweisbar bzw. nicht bestimmbar. Das heißt,
der Gehalt an Blei lag unter 0,0028 (Nachweisgrenze) bzw.
0,008 mg/kg (Bestimmungsgrenze).
Die festgestellten Gehalte an Kadmium lagen im Bereich von
0,0070 bis 0,0310 mg/kg. Der MEDIAN betrug 0,017 mg/kg. Im
MONITORING-Bericht 2014 des BVL wird für den Cadmiumge-
halt der im Rahmen dieses Programms untersuchten Kartoffeln
ein MEDIAN von 0,014 mg/kg angegeben. Das Maximum lag bei
0,119 mg/kg.
Auch hinsichtlich ihres Gehaltes an Aluminium waren die vor-
liegenden Proben unauffällig, es wurden Gehalte von 0,119 bis
1,70 mg/kg bestimmt. Der MEDIAN liegt bei 0,60 mg/kg.
Im Vergleich dazu lag der MEDIAN bei den im Rahmen des Le-
bensmittel-Monitorings 2014 untersuchten Proben Kartoffeln
bei 0,500 mg/kg und das Maximum bei 266 mg/kg.
Blei (mg/kg)
Cadmium
(mg/kg)
Aluminium
(mg/kg)
Landkartoffeln Sorte
Ballerina, festkochend
nb
0,0310
0,185
Speisekartoffeln Annabel
nb
0,0250
1,10
Biokartoffeln
nn
0,0087
0,620
Kartoffeln vom Erzeuger
0,0190
0,0185
0,620
Biokartoffeln Sorte
Balerina
nn
0,0165
0,590
Bio Speisekartoffeln
Sorte Laura, vorwiegend
festkochend
nn
0,0230
0,119
Biokartoffel, Sorte
Anuschka
nn
0,0125
0,255
Kartoffeln Sorte Ditta
0,0340
0,0265
0,515
Speisekartoffeln Bio
Sorte: Belana
nb
0,0140
0,765
Biokartoffeln
nb
0,0075
0,835
Kartoffeln
nb
0,0091
0,205
Kartoffeln
nn
0,0070
1,70
Kartoffeln Laura
nb
0,0275
1,40
Bio Speisekartoffeln
nn
0,0120
0,175
Bio Speisekartoffeln
nb
0,0140
0,805
Kartoffeln
nb
0,0215
1,23
Biokartoffeln festkochend
nn
0,0180
0,355
Landkartoffeln handsor-
tiert Sorte: Dritta
nb
0,0170
0,335
nn: nicht nachweisbar
nb: nicht bestimmbar
Nitrat
Da in der Verordnung (EG) Nr.1881/ 2006 nur Höchstgehalte
für Nitrat in Spinat (frisch und haltbar gemacht), Kopfsalat, Eis-
bergsalat, Rucola und für Getreidebeikost sowie andere Beikost
für Säuglinge und Kleinkinder festgelegt sind, existiert derzeit
auch für Kartoffeln kein Höchstgehalt an Nitrat.

│19
Da Kartoffeln hierzulande eine herausragende Bedeutung für
die Ernährung besitzen, werden sie regelmäßig im Rahmen des
Lebensmittel-Monitorings (letztmalig 2014) untersucht. Der
Parameter Nitrat in Kartoffeln war 2008 Bestandteil des Le-
bensmittel-Monitorings. Zur Einordnung der im Rahmen dieses
Untersuchungsprogramms festgestellten Nitratgehalte werden
deshalb die Werte aus dem MONITORING-Bericht 2008 des BVL
herangezogen.
So betrug der im Rahmen des Lebensmittel-Monitorings 2008
für Kartoffeln festgestellte mittlere Nitratgehalt 165 mg/kg, der
Median 156 mg/kg und der maximale gefundene Nitratgehalt
466 mg/kg. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass
sich das Lebensmittel-Monitoring nicht nur auf Produkte aus
biologischen Anbau bezieht, sondern Produkte sowohl aus kon-
ventionellem als auch biologischem Anbau erfasst.
Bei den untersuchten sächsischen Bio-Kartoffeln lag bei 5 Pro-
ben der Nitratgehalt unter der Nachweisgrenze von 10 mg/kg,
der festgestellte Nitrat-Gehalt lag im Median bei 108,1 mg/kg
und im Maximum bei 202,0 mg/kg.
Insgesamt wiesen somit die sächsischen Bio-Kartoffeln eine
sehr geringe Nitrat-Belastung auf.
Proben-
zahl
Nitratgehalt (mg/kg)
Beanstan-
det
< 10 10-100 101-200 201-300
BIO-Kartoffeln
18
5
3
8
2
-
5. BIO-Erbsen
Es wurden 10 Proben BIO-Erbsen von sächsischen Erzeugern
untersucht. Dabei waren in keiner Probe Rückstände von
Pflan-
zenschutzmittel-Wirkstoffen nachweisbar.
Probe
Herkunft
Beanstandung
Erbsen Sorte Prelado
Landkreis Nordsachsen
nicht zu beanstanden
Bio-Erbsen
Landkreis Nordsachsen
nicht zu beanstanden
Erbsen
Landratsamt Mittelsachsen nicht zu beanstanden
Bio-Erbsen ungereinigt
Sorte Prelado
Landkreis Meißen
nicht zu beanstanden
Bio-Erbsen ungereinigt
Sorte Prelado
Landkreis Meißen
nicht zu beanstanden
Bio-Erbsen ungereinigt
Sorte Prelado
Landkreis Meißen
nicht zu beanstanden
Bio-Erbsen ungereinigt
Sorte Sherwood
Landkreis Meißen
nicht zu beanstanden
Bio Erbsen
Landratsamt Landkreis
Leipzig
nicht zu beanstanden
Bio-Erbsen
Landkreis Nordsachsen
nicht zu beanstanden
Gemüseerbsen
Landratsamt Landkreis
Leipzig
nicht zu beanstanden
Zusammenfassung
Insgesamt lässt sich einschätzen, dass die Rückstandsbelas-
tung bei sächsischem Bio-Obst, Bio-Gemüse, Bio-Getreide und
Bio-Kartoffeln außerordentlich gering ist. In allen untersuchten
Proben wurden keine Rückstände von Pflanzenschutzmittel-
Wirkstoffen nachgewiesen. Dies entspricht insofern den Er-
wartungen an Bio-Lebensmittel, da gemäß EU-Bio-Recht die
Anwendung chemisch synthetischer Pestizidwirkstoffe nicht
zugelassen ist. Das Repertoire erlaubter Pflanzenschutzmittel
ist für den ökologischen Landbau stark eingeschränkt. Erlaubt
sind beispielsweise natürliche Extrakte aus Blüten (Pyrethrum)
oder den Samen des Neembaumes oder auch bestimmte anor-
ganische Verbindungen aus Kupfer und Schwefel.
Außerdem wiesen die sächsischen Bio-Kartoffeln und Bio-Möh-
ren eine sehr geringe Nitrat-Belastung auf. Dies kann auf einen
geringeren Düngemitteleinsatz zurückzuführen sein.
Bei drei Proben Getreide wurde jedoch eine Überschreitung
des Cadmium-Höchstgehaltes festgestellt. Sächsische Getrei-
debauern haben mit der geogen relativ hohen Belastung mit
Schwermetallen, insbesondere Cadmium, zu kämpfen. Landwirt-
schaftlich genutzte Böden können naturbedingt oder infolge des
Bergbaus zum Teil deutlich mit Cadmium belastet sein. Zudem
verteilt sich Cadmium durch mittlerweile regelmäßig auftreten-
de Hochwässer in den Flussauen.
Quelle:
[1]
https://www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/
download/konzept_oekolandbau_24082015.pdf
Bearbeiter: DLC Heike Ansorge
LUA Chemnitz

image
image
20 │
Der unsichtbare Begleiter an der Hand
Noroviren in Lebensmitteln aus der Perspektive der LUA Sachsen
Bei Noroviren handelt es sich um die häufigsten Auslöser
infek-
tiöser Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland und gleich-
zeitig die Erkrankung mit den höchsten Meldezahlen. Jährlich
werden etwa 100.000 labordiagnostisch bestätigte Norovirus-
Erkrankungen an das Robert-Koch-Institut übermittelt. Auf-
grund der Falldefinition nach Infektionsschutzgesetz ist mit
einer deutlichen Unterrepräsentation der tatsächlich aufgetre-
tenen Fallzahlen zu rechnen [1]. Gemeldete Fälle stammen in
Deutschland zumeist aus Gemeinschaftseinrichtungen, wo sie
von Mensch zu Mensch übertragen werden. Jedoch wird auch
von einem erheblichen Anteil an Lebensmittel-assoziierten
Norovirus-Infektionen ausgegangen [2]. Anhand verschiedener
Studien kann von etwa 10 - 50 % an allen lebensmittelbeding-
ten Ausbrüchen ausgegangen werden, was wiederrum bedeu-
tet, dass in Deutschland jährlich mit mindestens 20.000 durch
Lebensmittel übertragene Norovirus-Infektionen zu rechnen ist
[3, 4].
Probenart
Anzahl der
Untersuchungen
Nachweise von
Noroviren
Lebensmittelproben
88
4
Umgebungsuntersu-
chungen mittels Tupfer
(in der Regel 5 - 10)
56
(insges. 452 Einzeltupfer)
17
(insges. 29 Einzeltupfer)
Untersuchungsergebnisse an der LUA im Jahr 2016
Eine Untersuchung von Lebensmitteln und Umgebungstupfern
aus dem Lebensmittelbereich auf Noroviren ist an der LUA Sach-
sen seit April 2013 routinemäßig möglich. Eine Konfrontation
der sächsischen Lebensmittelüberwachung mit diesem Thema
ist daher noch relativ jung und sorgt aufgrund erheblicher Un-
terschiede zu bakteriellen Untersuchungen für Unsicherheiten.
Einige der vordergründigen Besonderheiten sollen im Folgenden
aus der Perspektive der LUA näher erläutert werden.
Fall 1: Spurensuche auf der Burg
Am 14.09.2016 berichtete die Sächsische Zeitung über starke
Magen-Darm-Beschwerden bei fast 40 Kindern, welche bei ei-
ner Klassenfahrt auf einer Burg in der Sächsischen Schweiz un-
tergebracht waren [5]. Durch den naheliegenden Verdacht auf
eine Infektionserkrankung wurde das zuständige Gesundheits-
amt eingeschaltet. Proben von Erkrankten, sowie vom Küchen-
personal wurden entnommen und am Standort Dresden der LUA
Sachsen auf Noroviren untersucht. In drei Proben Erbrochenem
von betroffenen Schülern, sowie in einer Stuhlprobe des Kochs
und zwei Stuhlproben des Küchenpersonals konnten Noroviren
der Genogruppe II nachgewiesen werden. Parallel dazu wurden
Proben vom zuständigen Lebensmittelüberwachungs- und Ve-
terinäramt (LÜVA) entnommen und am Standort Chemnitz der
LUA Sachsen auf Noroviren untersucht. In einer Probe Weiß-
krautsalat, sowie Gulasch und geschnittenen rohen Paprika
und Radieschen konnten ebenfalls Noroviren der Genogruppe II
nachgewiesen werden. Die Nachweise in den Lebensmittelpro-
ben waren allesamt an der Nachweisgrenze.
Die minimale Infektionsdosis von Noroviren liegt bei nur etwa
10 bis 100 Viruspartikeln. Die Nachweisgrenze ist - abhängig
vom untersuchten Lebensmittel - allerdings höher als 100 Vi-
ruspartikel, sodass ein Nachweis in potenziell krankmachenden
Lebensmitteln nicht immer erfolgreich sein muss. Kontaminierte
Lebensmittel enthalten - im Gegensatz zu Erbrochenem oder
Stuhlproben - häufig nur eine geringe Viruslast, auch
verkom-
pliziert die Vielzahl an unterschiedlichen Lebensmittelmatrizes
die RT-PCR Untersuchung, sodass mit einem erhöhten Risiko
für falsch-negative Ergebnisse zu rechnen ist. Um einen ein-
deutigen Zusammenhang zwischen dem Erkrankungsgeschehen
und den kontaminierten Lebensmitteln sicher herzustellen, soll-
ten zudem die Norovirus-Genome aus den Lebensmittelproben
sequenziert und mit denen der Erkrankten verglichen werden.
Diese Untersuchung scheiterte jedoch im geschilderten Fall an
der geringen Viruslast der Lebensmittelproben, welche in der
Sequenzierung kein Ergebnis erbrachte.
Fall 2: Ein Beispiel für Umweltstabilität und Übertragungs-
wege
Aufgrund einer Erkrankung gingen am 29.11.2016 Tupferpro-
ben des LÜVA Stadt Leipzig an der LUA Sachsen ein. Bereits
am nachfolgenden Tag lagen die Ergebnisse vor. Noroviren der
Genogruppe II wurden von Abstrichen einer Alufolienrolle für
Döner, sowie dem Plastikgriff eines Elektromessers und dem
Plastikgriff eines Dönermessers nachgewiesen. Zudem wurde
ein geringer Keimgehalt von
E. coli
im Tupfer eines Behälters
für rohen Salat festgestellt. Nach Reinigung und Desinfektion
erreichte am 02.12.2016 erneut eine Tupfereinsendung aus in-
tensiver Beprobung dieser Einrichtung das Labor. Wieder konn-
Abbildung 1:
Der genetische Fingerabdruck - Untersuchungen zur Etablierung
einer Nested-PCR, um Norovirus-Funde in Lebensmitteln mit
Nachweisen aus humanen Ausscheidungen abzugleichen

image
│21
ten Noroviren der Genogruppe II an den Türgriffen des WCs,
sowie der WC-Spülung und des Türgriffs zur Vorbereitung der
Erzeugnisse nachgewiesen werden. Nach erneuter Anordnung
von Reinigung und Desinfektion rückte das zuständige LÜVA am
07.12.2016 ein weiteres Mal aus. Es wurden die WC-Spülung
(Drückerplatte) und die Türklinken (innen und außen) des Perso-
nal-WCs, sowie der Griff der Tiefkühltruhe aus dem Bereich der
Lebensmittelvorbereitung positiv getestet. Bei einer weiteren
Tupferprobenentnahme vom 12.12.2016 wurde an der Armatur
des Handwaschbeckens ein weiterer Nachweis geführt.
An diesen Ereignissen ist eindrucksvoll darstellbar, dass die
Tupferprobenahme bei sorgfältiger Durchführung eine geeig-
nete Methode darstellt, um Noroviruskontaminationen zu er-
kennen. Weiterhin sind die Verbreitungswege der Viren hier als
beispielhaft anzusehen. Diese beginnen zumeist in der Toilette,
von wo aus sie sich vorzugsweise über die Hände, aber auch
über Aerosole ausbreiten können, die sich auf Gegenständen wie
z. B. Kleidungsstücken ablagern. Bei allen in diesem Fall positiv
getesteten Tupferproben konnte der Nachweis erneut nur im
Bereich der Nachweisgrenze geführt werden, da es sich nicht
um direkte Kontaminationen, sondern lediglich um sekundäre
Verschleppung von Viruspartikeln handelte und somit nur sehr
geringe Virusgehalte vorhanden waren. Dies verdeutlicht das
Risiko, dass auch belastete Oberflächen nicht immer zuverlässig
zu einem Nachweis führen müssen. Zum Ausschluss des
Vor-
handenseins von Noroviren ist deshalb eine ausreichende An-
zahl von Tupfern (in der Regel 10 Stück), welche sorgfältig und
von Stellen mit einem hohen Kontaminationsrisiko entnommen
worden sind, von großer Bedeutung.
Dekontamination
Werden Lebensmittel oder Oberflächen in
Lebensmittelbetrie-
ben mit Noroviren kontaminiert, stellt sich natürlich nicht nur
die Frage nach der Ursache, sondern auch die der Dekontami-
nation. Unstrittig ist, dass das Vorkommen dieser Viren in Le-
bensmittelbetrieben inakzeptabel ist und eine Erhitzung eines
kontaminierten Lebensmittels und somit Inaktivierung der Viren
keine geeignete Methode ist, um das Erzeugnis „sicher“ im
Sin-
ne der Verordnung (EG) 178/2002 zu machen. Da es sich bei
einer Norovirus-Kontamination letztlich auch immer um eine
Kontamination mit menschlichen Ausscheidungen handelt, ist
ein betroffenes Lebensmittel auch nach Hitzebehandlung für
den menschlichen Verzehr ungeeignet. Offen angebotene ver-
zehrsfertige Lebensmittel, welche sich in einem nur mittelbaren
räumlichen Zusammenhang wie primäre Ausscheidungen von
Erkrankten mit Erbrechen befinden, gelten als nicht sicher. Das
Risiko einer Übertragung durch Aerosole ist hoch.
Vordergründig kann die Frage nach der Dekontamination also
nur für betroffene Oberflächen ernsthaft betrachtet werden.
Noroviren besitzen eine für Viren erstaunliche hohe Wider-
standsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen. Auch wenn eine
Vermehrung außerhalb des Menschen nicht stattfindet, so ist
die Inaktivierung über die Zeit mit großen Unsicherheiten
be-
haftet, sodass die Viren über Wochen - bei Tiefkühltemperatu-
ren gegebenenfalls auch Jahre - infektiös bleiben können. Alko-
hol- und propanolhaltige Desinfektionsmittel sind unabhängig
von Empfehlungen mancher Hersteller nachgewiesenermaßen
unwirksam. Darüber hinaus gibt es wenige wissenschaftliche
Studien, welche die Wirksamkeit von anderen Mitteln unter-
suchten. Gemäß Codex Alimentarius werden folgende Desinfek-
tionsmittel als wirksam anerkannt [6]:
]
Natriumhypochlorit 1.000 ppm für 5 - 10 min
]
Vernebeltes Wasserstoffperoxid: > 100 ppm für 1 h
]
UV-Bestrahlung: >40mWs/cm2 (=mJ/cm
2
)
Aufgrund der einfachen Anwendung und Verfügbarkeit von Na-
triumhypochlorit sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass
Chlor einen Eiweißfehler aufweist, welcher die Wirksamkeit der
Desinfektion bei Anwesenheit von Proteinen vermindert. Es wird
daher empfohlen, bei der Beseitigung von Erbrochenem zuerst
eine Desinfektion durchzuführen, anschließend die Kontami-
nation wegzuwischen und die gereinigte Oberfläche erneut zu
desinfizieren.
Der Vollständigkeit halber soll hier erwähnt werden, dass jüngst
gezeigt werden konnte, dass sich auch Peressigsäure (2 %, 2.000
ppm, 5 min) hinsichtlich der Inaktivierung von humanen Norovi-
ren auf Oberflächen als viruzid erweist [7].
Nach einer erfolgreichen Desinfektion von Oberflächen ist auch
ein negatives Laborergebnis aus der RT-PCR zu erwarten, da das
freigesetzte Genom entweder vom Desinfektionsmittel selbst
oder aufgrund seiner Empfindlichkeit gegenüber
Umweltein-
flüssen schnell zerstört wird.
Bearbeiter: Mathias Ferl
LUA Chemnitz
Literatur:
[1]
http://www.bfr.bund.de/de/zoonosenberichterstattung_
durch_das_bfr-300.html
[2]
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Jahrbuch/Jahr-
buch_2015.pdf?__blob=publicationFile
[3]
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Ar-
chiv/2014/Ausgaben/19_14.pdf?__blob=publicationFile
[4] Painter et al., 2013, Attribution of Foodborne Illnesses,
Hospitalizations, and Deaths to Food Commodities by using
Outbreak Data, United States, 1998–2008
[5]
http://www.sz-online.de/nachrichten/virus-befaellt-schu-
eler-auf-burg-hohnstein-3492886.html
[6]
http://www.verbraucherschutz.sachsen-anhalt.de/filead-
min/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MS/LAV_Verbrau-
cherschutz/lebensmittelsicherheit/puplikationen/Viren_
Codex_Leitlinien_230912V2.pdf
[7] Becker/Pfannebecker, Lebensmittelassoziierte Viren –
Norovirus, Behrs Verlag, 1. Auflage 2016
Abbildung 2:
Real-time PCR System ABI 7500 an der LUA Sachsen

22 │
Hochpathogene Aviäre Influenzaviren (HPAI) in
Sachsen – ein Zwischenbericht aus diagnostischer
Sicht
Das derzeitige Auftreten von Geflügelpest hat in Europa und
Deutschland ein bislang nicht gekanntes Ausmaß angenommen,
auch Sachsen ist hiervon betroffen. Seit den ersten Nachwei-
sen Anfang November 2016 hat sich HPAI H5N8 mit großer
Geschwindigkeit über weite Bereiche Europas, aber auch Nord-
afrika, den mittleren Osten und Indien ausgebreitet. Laut Fried-
rich-Loeffler-Institut (FLI) wurde das Virus bis Mitte Februar in
26 europäischen Staaten nachgewiesen, in Deutschland sind bis
auf das Saarland alle Bundesländer betroffen (vergleiche Risi-
kobewertung des FLI vom 13.02.2017). Neben HPAI H5N8 ist
seit Mitte Dezember sowohl bei gehaltenen Vögeln als auch bei
Wildvögeln vereinzelt ein weiterer HPAI-Subtyp, H5N5, nach-
gewiesen worden. Zum 13.02.2017 erfolgten in Deutschland
69 Nachweise bei gehaltenen Vögeln (54 Geflügelhaltungen,
15 Zoologische Gärten bzw. Tierparks). Sachsen ist mit bislang
drei Ausbrüchen (4,34 %) vergleichsweise wenig betroffen.
Deutlich höher sind die Nachweise bei Wildvögeln; in Sachsen
erfolgten 7,4 % (74 von 999) der in Deutschland im Tierseuchen-
nachrichtensystem (TSN) dokumentierten Feststellungen, nicht
mit eingerechnet weitere 14 Verdachtsfälle, die noch durch das
FLI zu bestätigen sind (Stand 26.02.2017, Quelle: TSN).
Untersuchungen und Nachweise im Rahmen der
Überwa-
chungs- und Bekämpfungsmaßnahmen (seit November
2016)
Seit Beginn des Seuchengeschehens (01.11.2016) wurden mehr
als 3.700 Proben (Stand 26.02.2017) virologisch untersucht
(siehe Tabelle 1). Dies ist eine deutliche Probensteigerung ge-
genüber den Vormonaten.
Tabelle 1: Übersicht über die an der LUA zwischen dem
01.11.2016 bis 26.02.2017 durchgeführten Un-
tersuchungen auf Aviäre Influenza (Quelle: LUA)
Virologische
Untersuchungen
Serologische
Untersuchungen
Tierart
Anzahl
Infl A Virus
positiv
Anzahl
ELISA Ak
positiv
Bemer-
kung
Hausgeflügel
1.154
35
633
21
Huhn
377
0
62
0
Gans
109
0
253
1
nicht
typisiert
Ente
150
0
286
19
2 x H5
Pute
455
35*
32
1
nicht
typisiert
Sonstige
63
0
0
0
sonstige Vögel
2.606
190
26
0
Strauße
481
0
26
0
Zoo- und
Heimvögel
584
18**
0
0
Wildvögel
1.541
172***
0
0
Gesamt
3.760
225
659
21
* 35 x H5 positiv
** 18 x H5 positiv; davon 17x HPAI H5N8 bestätigt;
*** 165 x H5 positiv, davon 161x HPAI H5N8 bestätigt, 2x HPAI H5N5 bestätigt, 1x HPAI H5Nx,
2x LPAI H5Nx; in 7 Fällen war aufgrund niedriger Virusmengen keine Typisierung möglich;
Die 35 HPAI H5N8 Nachweise beim Hausgeflügel stammen alle
aus einem Putenmastbestand (Landkreis (LK) Nordsachsen),
bei dem Ende Januar 2017 innerhalb kurzer Zeit hohe
Verlus-
te auftraten. Nach der Verdachtsdiagnose der LUA (AIV H5 am
31.02.2017) und Weiterleitung der Proben zum Nationalen Re-
ferenzlabor am FLI, erfolgte dort die abschließende Bestätigung
und weitere Charakterisierung des Erregers. Zuvor waren im
Landkreis bereits 6 Fälle von HPAI H5N8 bei Wildvögeln nach-
gewiesen worden, zuletzt (Einsendung vom 18.01.2017) bei ei-
ner Reiherente in unmittelbarer Umgebung des Ausbruchsbe-
triebes. Die zwei weiteren Ausbrüche betrafen gehaltene Vögel
im Zoo Dresden (Indextier: Kragenente, Verdachtsbefund am
03.02.2017) sowie in einem Tierpark im LK Bautzen (Indextier:
Trauerschwan, Verdachtsbefund am 06.02.2017). Im Rahmen
der epidemiologischen Abklärungsuntersuchungen konnten
bei insgesamt 17 gehaltenen Vögeln in den beiden Einrich-
tungen HPAI H5N8 nachgewiesen werden, in einem weiteren
Fall konnte das Influenzavirus aufgrund zu geringer Viruslast
nicht typisiert werden. Auch in diesen beiden Fällen wurde vor-
ab bei Wildvögeln HPAI H5N8 nachgewiesen werden (Dresden:
ab dem 10.01.2017; LK Bautzen ab dem 01.02.2017). Diese
drei Feststellungen in Betrieben mit gehaltenen Vögeln zo-
gen umfangreiche Abklärungsuntersuchungen (Kontaktbetrie-
be, epidemiologischen Einheiten, Kontrolluntersuchungen im
Sperrbezirk/Beobachtungsgebiet unter anderem) nach sich. Pa-
rallel erfolgten weitere virologische und serologische Untersu-
chung zur Abklärung von Verlustgeschehen bzw. Überwachung
der Bestände. Hervorzuheben sind dabei die virologischen Un-
tersuchungen von Straußen und anderen Läufvögeln (zumeist
Sammelkotproben), die aufgrund der Ausnahmegenehmigungen
von der landesweiten Aufstallungspflicht regelmäßig beprobt
werden müssen. Bislang verliefen alle diese Untersuchungen er-
freulicherweise negativ.
Untersuchungen und Nachweise bei Wildvögeln
Eine zeitliche Übersicht über die Untersuchungen und Nach-
weise in Sachsen ist in Abbildung 1 dargestellt. Tabelle 2 zeigt
die monatlichen Probenzahlen und Nachweise bei Wildvögeln,
verteilt auf die LK und kreisfreien Städte. Aus beiden Darstel-
lungen ist klar ersichtlich, dass sich das Infektionsgeschehen bei
Wildvögeln seit November 2016 fulminant entwickelt hat und
noch nicht abgeschlossen ist (Stand: 26.02.2017). Aufgrund der
Melderhythmen an die AI-Wildvogelmonitoring-Datenbank (AI-
DB) des FLI sind die aus dem Labormanagementsystem der LUA
ermittelten Zahlen höher (siehe Tabelle 1); gleichzeitig sind sie
aber auch Beleg für das sich aktuell schnell verändernde Seu-
chengeschehen in Sachsen.
Die derzeitigen Untersuchungen und Ergebnisse belegen ein-
drucksvoll, dass das Risiko des Eintrags von HPAI aus der Umwelt
bzw. durch direkten oder indirekten Kontakt mit Wildvögeln in
Betrieben mit Nutzgeflügel, Hobbygeflügelhaltungen sowie
Tierparks/Zoos in Sachsen nach wie vor unvermindert hoch ist.

image
│23
Der erste Nachweis von HPAI H5N8 bei einem Wildvogel in
Sachsen erfolgte bei einer verendeten Reiherente vom Cospu-
dener See, LK Leipzig (Einsendung vom 09.11.2016, Feststellung
am 12.11.2016) und damit bereits kurz nach dem Auftreten
der ersten Fälle in Deutschland (Plöner See, Bodensee;
Fest-
stellungen am 08.11.2016). Im Raum Leipzig erfolgten im No-
vember noch weitere Nachweise, die neben den Seen im Süden
von Leipzig auch das Stadtgebiet betrafen. Noch im November
mussten aufgrund von weiteren Nachweisen bei Wildvögeln am
Pratzschwitzer See (LK Sächsische Schweiz) und in Delitzsch
(LK Nordsachsen) zwei weitere Restriktionsgebiete eingerich-
tet werden. Im Gegensatz zum Südraum Leipzig, wo regelmä-
ßig tote Wildvögel in niedriger Zahl aufgefunden und getestet
wurden, kam es am Pratzschwitzer See zu einem größeren Ver-
lustgeschehen. Betroffen waren, wie auch am Cospudener See,
insbesondere Reiherenten.
Abbildung 1:
Übersicht über die monatlichen Probenzahlen und HPAI-Nachweise bei Wildvögeln in Sachsen (Quelle: AI-DB des FLI; Stand 26.02.2017)
Tabelle 2: HPAI bei Wildvögeln in Sachsen - Untersuchungen und Nachweise - Stand 26.02.2017
(Quelle: AI-Wildvogeldatenbank, FLI und LUA)
Datum
Januar-Oktober
2016
November 2016
Dezember 2016
Januar 2017
Februar 2017
Summe
pos
Erstnach-
weis
Proben
pos.
Proben
pos.
Proben
pos.
Proben
pos.
Proben
pos.
Proben
pos.
LK Leipzig Land
09.11.2016
18
0
14
4
7
1
33
1
51
9
123
15
Leipzig Stadt
14.11.2016
12
0
12
4
8
0
30
2
36
4
98
10
LK Sächs.
Schweiz-Erzgeb.
18.11.2017
12
0
15
4
8
4
13
0
26
0
74
8
Nordsachsen*
21.11.2016
3
0
12
1
18
2
45
4
30
2
108
9
LK Meißen
09.01.2017
9
0
4
0
13
0
26
7
32
8
84
15
Dresden Stadt*
10.01.2017
17
0
27
0
37
0
32
8
47
2
160
10
LK Mittelsachsen
18.01.2017
4
0
12
0
8
0
43
3
47
0
114
3
Vogtlandkreis
21.01.2017
3
0
0
0
3
0
9
4
16
0
31
4
LK Görlitz
27.01.2017
11
0
18
0
12
0
12
1
68
33
121
34
LK Bautzen*
01.02.2017
27
0
6
0
2
0
4
0
42
13
81
13
Chemnitz Stadt
---
14
0
2
0
1
0
9
0
13
0
39
0
LK Zwickau
---
6
0
6
0
0
0
1
0
3
0
16
0
Erzgebirgskreis
---
10
0
1
0
1
0
1
0
0
0
13
0
Sachsen
146
0
129
13
118
7
258
30
411
71
1.062
121
* Ausbrüche bei Nutzgeflügel/gehaltenen Vögeln (LUA-Befunde: Nordsachsen 31.01.2017 / Stadt DD 3.02.2017 / LK Bautzen 6.2.2017)
gelb markiert = positive Nachweise bei Wildvögeln

image
image
image
image
image
24 │
Im Dezember beschränkten sich in Sachsen die weiteren Fest-
stellungen auf die bereits bestehenden Landkreise und die Zahl
der Nachweise ging von 13 (November) auf 7 (Dezember) zurück.
Während sich im LK Sächsische Schweiz das Geschehen auf den
Praschwitzer See begrenzte (letzter Nachweis am 19.12.2016),
mussten im Südraum Leipzig sowie im LK Nordsachsen aufgrund
weiterer einzelner Nachweise neue Restriktionsgebiete ausge-
wiesen werden (unter anderem Störmthaler See, Torgau, Dahlen,
Rackwitz).
Seit Januar 2017 steigen die Nachweise in Sachsen deutlich an,
gleichzeitig ist eine erhebliche geographische Ausbreitung fest-
zustellen (siehe Tabelle 2). Vermehrt positive Befunde traten ab
Mitte Januar zeitgleich im Stadtgebiet Dresden sowie im an-
grenzenden LK Meißen (unter anderem Radebeul, Moritzburg)
auf. Kurz darauf waren erstmalig auch der LK Mittelsachsen so-
wie der Vogtlandkreis mit je 2 Restriktionsgebieten betroffen.
Ende Januar, Anfang Februar erreichte das Infektionsgeschehen
schließlich die Landkreise Görlitz und Bautzen. Am Quitzdorfer
See (LK Görlitz) sowie in Malschwitz am Olba-See (LK Baut-
zen) kam es jeweils zu Verendungen einer größeren Anzahl von
Schwänen (LK Görlitz 29 Nachweise, LK Bautzen 7 Nachweise),
so dass diese Landkreise derzeit die meisten Nachweise zu ver-
zeichnen haben.
Eine kartographische Übersicht über die Verteilung der Fundorte
der untersuchten Wildvögel in Sachsen liefert Abbildung 2. In
Abbildung 3 sind die (bislang) 74 im TSN dokumentierten Fest-
stellungen sowie die 14 Verdachtsfälle bei Wildvögeln in Sach-
sen (Stand: 26.02.2017) dargestellt.
Bei der Betrachtung der
Probenverteilung
sind Gebiete entlang
größerer Fließwässer (z. B. Elbe, Oder, Mulde, Havel, Elster) so-
wie Seengebiete, die aufgrund des vermehrten Vorkommens von
Wildvögeln als Risikogebiete einzustufen sind, besonders häu-
fig vertreten. Im Nachgang von HPAI-Nachweisen (z. B. in den
Ballungsräumen Dresden und Leipzig), die zum Teil schon seit 4
Monaten kontinuierlich zu verzeichnen sind (LK Leipzig, Nord-
und Mittelsachsen), wurden zudem weitere zusätzliche Proben
eingesandt. Zudem erfolgen Einsendungen im Zusammenhang
mit erhöhten Verlustgeschehen (z. B. LK Görlitz – Quitzdorfer
See, LK Bautzen - Malschwitz), zusätzliche Proben zur Abklä-
rung aus Restriktionsgebieten sowie Proben, die aufgrund der
erhöhten Aufmerksamkeit der Bevölkerung (Verfügungen der
LÜVÄ, Berichterstattung in den Medien), durch die
Veterinäräm-
ter übersandt wurden. In den südlichen Mittelgebirgsregionen
von Sachsen sind aufgrund der geographischen Gegebenheiten
(weniger Rastgebiete) deutlich weniger Wildvögel eingesandt
worden. Trotz zum Teil hoher Einsendungszahlen (Stadt Chem-
nitz) sind dort, sowie in den LK Zwickau und im Erzgebirgskreis
bislang noch keine Nachweise von HPAI-H5N8 bei Wildvögeln
erfolgt. Die LK Zwickau und Görlitz sowie der Vogtlandkreis
wa-
ren zudem von landesübergreifenden Restriktionszonen (HPAI-
Nachweise bei gehaltenen Vögeln und Wildvögeln in Thüringen,
Bayern, Polen) betroffen.
Bei den absoluten
Nachweisen
in Sachsen ist – ähnlich wie bei
der Gesamtprobenzahl - ein Nord-Süd-Gefälle vorhanden. In
den Mittelgebirgsregionen im Süden sind bislang nur verein-
zelt Nachweise (vor allem an Flussläufen/Seen) zu verzeichnen,
während im nördlichen und östlichen sächsischen Tiefland HPAI
H5N8 nahezu flächendeckend anzutreffen ist. Beim zeitlichen
Verlauf ergibt sich, mit Ausnahme der Nachweise am Pratz-
schwitzer See, eine generelle Ausbreitungsrichtung von Nord-
West Richtung Süd-Ost. Ende Januar/Anfang Februar waren
die LK Bautzen und Görlitz erstmalig betroffen und vermelden
aufgrund von zwei größeren Verlustgeschehen bei Schwänen
derzeit die meisten Nachweise.
Die Statistik der betroffenen
Wildvogelspezies
führen in Sach-
sen derzeit die Schwäne (höchste Zahl an Nachweisen, höchste
Nachweiserate) aufgrund der beiden größeren Verlustgeschehen
im Februar in den LK Görlitz und Bautzen an. Zu Beginn des
Geschehens waren vor allem Wildenten (vor allem Reiherenten
sowie 3 weitere Entenarten) betroffen, gefolgt von Wildgänsen
(4 Arten) mit ebenfalls hohen Nachweisraten sowie Schwänen.
Bei Greifvögeln (vor allem Bussard) und anderen aasfressenden
Wildvögeln ist die Nachweisrate deutlich niedriger, obwohl seit
Mitte Januar bei diesen Spezies vermehrt Nachweise erfolgen
und sie neben den Schwänen inzwischen die Einsendestatistik
anführen. Dieser „Wechsel“ bei den Tierarten passt zur normalen
Entwicklung eines HPAI-Seuchengeschehens, bei dem zunächst
Abbildung 2: Übersicht über die geographische Verteilung der zwischen dem
01.11.2016 und 26.02.2017 untersuchten Proben von Wildvö-
geln in Sachsen (Quelle: AI-DB des FLI)
Abbildung 3: Übersicht über die im TSN dokumentierten Feststellungen und
Verdachtsfälle von HPAI bei Wildvögeln (Zeitraum 01.11.2016
bis 26.02.2017)

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image
│25
empfängliches Wassergeflügel den Erreger direkt und indirekt
verbreitet bzw. abhängig von der Empfänglichkeit verendet. In
einer zweiten „Welle“ infizieren sich aasfressende Vögel
(Greif-
vögel, Krähen, Möwen) an den Tierkadavern. Durch die lange
Kälteperiode im Januar/Anfang Februar verbunden mit einer na-
hezu durchgängigen Schneedecke wurde dieser Effekt sicherlich
noch forciert, da Kadaver eine leicht zu erreichende Futterquelle
sind. Parallel führten die ständig niedrigen Temperaturen zu ei-
ner langen Überlebenszeit des Virus in den Kadavern und der
Umwelt. Weiterhin gab es bislang 3 Nachweise bei Reihern. Ins-
gesamt wurden in Sachsen Proben von mehr als 25 unterschied-
lichen Tierarten untersucht. Die große Breite der betroffenen
Wildvögel entspricht ebenfalls dem bundesweiten Trend. Hier
sind (Stand Mitte Februar 2017) allerdings mit 51 % die Wild-
enten die am häufigsten betroffene Wildvogelart, gefolgt von
Schwänen (19 %), Möwenvögeln (12 %), Greifvögeln (7 %) und
Wildgänsen (6 %). Bislang erfolgten in Deutschland Nachweise
bei 47 verschiedenen Wildvogelarten (Quelle: FLI, Risikobewer-
tung vom 13.02.2017); auch diese hohe Zahl unterschiedlicher
betroffener Spezies zeichnet den aktuellen Seuchenverlauf als
außergewöhnlich aus.
Im Rahmen der
Diagnostik
waren bei den mittels Realtime-PCR
positiv getesteten Tieren (Tupferproben wie Organen) zumeist
ungewöhnlich hohe Virusmengen nachweisbar, die üblicher-
weise erst nach Vermehrung des Erregers in Zellkultur oder im
embryonierten Hühnerei erreicht werden. Nur in wenigen Fällen
Abbildung 4:
HPAI bei Wildvögeln in Sachsen - Untersuchungen und Nachweise in Sachsen aufgeschlüsselt nach Tierarten im Zeitraum 1.11.2016 bis 27.02.2017
(Quelle.: AI-DB des FLI)
Abbildung 5A): Fundort einer toten Reiherente am Pratzschwitzer See (Land-
kreis Sächsische Schweiz), HPAI H5N8 positiv getestet
(Quelle: LÜVA Sächsische Schweiz-Osterzgebirge).
Abbildung 5B): Tot aufgefundene Reiherente vom Cospudener See (Landkreis
Leipzig) HPAI H5N8 positiv; äußerlich ohne
pathologisch-ana-
tomische Veränderungen

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26 │
war aufgrund der niedrigen Viruslast keine Typisierung des Er-
regers möglich. Weitere Hinweise für die rapide und effiziente
Vermehrung des Virus in den betroffenen Wildvögeln fanden
sich in der Regel der Sektion (vergleiche Abbildungen 5 und 6).
Äußerlich waren, unabhängig vom AIV-Status, bei Greifvögeln
zum Teil hochgradige Abmagerungen feststellbar. Ansonsten
konnten in der Regel keine besonderen Anzeichen für eine In-
fektion mit HPAI festgestellt werden. Bei den positiv getesteten
Wildvögeln zeigte sich im Sektionsbild bei einigen Tieren (vor
allem Wildenten) lediglich eine generalisierte akute Stauung in
den Blutgefäßen und Organen, ein Hinweis für ein akutes Herz-
kreislaufversagen (Abbildung 6 A). In anderen Fällen zeigten sich
makroskopisch ausgeprägte, zum Teil konfluierende petechiale
Blutungen an verschiedenen Organserosen (z. B. Schwäne) so-
wie Nekrosen (z. B. Wildgans), die erste Hinweise für eine HPAI-
Infektion lieferten (Abbildung 6 B-D).
Neben HPAI H5N8 wurde bei Wildvögeln in Sachsen in zwei
Fällen LPAI H5 (Reiherente, Pratzschwitzer See, LK Sächsische
Schweiz Osterzgebirge, November 2016/Saatgans, Stadtge-
biet Leipzig, Januar 2017) nachweisen. Weiterhin konnte HPAI
H5N5 bei einem tot aufgefundenen Schwan aus Zschepplin (LK
Nordsachsen, Mitte Dezember 2016) sowie bei einem Bussard
(Stadt Görlitz, Anfang Februar 2017) diagnostiziert werden.
Zeitgleich erfolgten Nachweise des gleichen Subtyps bei
Wild-
vögeln in Niedersachsen und Schleswig Holstein sowie bei Puten
in Schleswig-Holstein. Davor wurde dieser Subtyp bereits in den
Niederlande, Montenegro, Italien und Kroatien sowie zuletzt im
Februar in Tschechien nachgewiesen. Somit ist mindestens noch
ein weiterer HPAI-Subtyp am aktuellen Seuchengeschehen in
Sachsen beteiligt.
Aktuelle Erkenntnisse zur Herkunft der aktuellen HPAI-
Viren
Im Gegensatz zu den HPAI H5N8-Ausbrüchen 2014/2015, bei
denen in Europa die Verluste auf Hausgeflügel beschränkt waren
und der Erreger nur bei einer begrenzten Zahl gesunder
Wild-
vogelspezies nachgewiesen werden konnte, verenden bei dem
aktuellen Seuchengeschehen neben gehaltenen Vögeln eine
Vielzahl verschiedener Wildvogelarten. Dieser erste Hinweis auf
einen neuen Virustyp wird durch die bisherigen phylogenetische
Analysen gestützt. Die aktuellen HPAI H5N8-Stämme weisen
die höchste Übereinstimmung mit Isolaten auf, die im Mai 2016
bei Wildvögeln (gejagt bzw. tot aufgefunden) am Uvs-Nuur-See
im russisch-mongolischen Grenzgebiet nachgewiesen wurden.
Diese gehören zu einer Gruppe neuer H5N8-Reassortanten (cla-
de 2.3.4.4. Gruppe B), die in Zentralasien entstanden sind und
deren Vorläufer aus Ostasien stammen (Genomsegmente HA,
N und NS von H5N8 clade 2.3.4.4. Gruppe B aus Ostchina; die
restlichen 5 Segmente von LPAI-Stämmen, die in der Mongolei,
China, Vietnam zirkulieren). Demgegenüber gehören die in Euro-
pa 2014/15 nachgewiesenen HPAI H5N8-Viren zur clade 2.3.4.4.
Gruppe A und weisen, trotz vergleichbarem intravenösen Patho-
genitätsindex in infizierten Hühnern, deutliche genetische
Un-
terschiede auf; eine Zirkulation dieses Typs in Europa zwischen
2014 und 2016 konnte nicht festgestellt werden.
Entsprechend wird nach derzeitigem Kenntnisstand von einem
neuen Eintrag ausgegangen, wobei hinsichtlich des Verbrei-
tungsweges von identischen Routen wie 2014/15 ausgegan-
gen wird (2014 gelangte HPAI H5N8 von China, Zentralasien,
Russland durch Wildvögel nach Europa; parallel fand eine
Aus-
breitung nach Nordamerika statt, dort führten Reassortanten
Abbildung 6D): Pankreas, Saatgans (Stadt Leipzig): multiple Nekrosen, Nachweis
niedriger Virusmengen
Abbildung 6 C) Situs Körperhöhle, Schwan (Quitzdorfer See, LK Görlitz): Leber
geschwollen, massenhaft miliare Nekrose, zum Teil konfuierend;
Magen-Darm-Kanal mit ausgeprägten Blutungen, besonders im
Bereich des Drüsenmagens; Nachweis hoher Virusmengen;
Abbildung 6B): Lunge, Stockente (Cospudener See, Landkreis Leipzig):
flächen-
hafte Blutungen in der Lunge; Nachweis moderater
Virusmen-
gen;
Abbildung 6A): Makroskopische Organveränderungen
Situs Körperhöhle, Reiherente (Cospudener See, Landkreis Leip-
zig): akute Stauung und vereinzelt petechiale Blutungen (Myo-
kard); Nachweis sehr hoher Virusmengen;

image
│27
(H5N1, H5N2) zu massiven Verlusten bei Nutzgeflügel). Auf
dem Weg zwischen Zentralasien und Europa muss es bei dem
aktuellen HPAI H5N8 zusätzlich zu mindestens einem Reassor-
tierungsereignis (Austausch der Genomsegmente PA und NP)
gekommen sein. Ob möglicherweise diese Austausche für die
erhöhte Virulenz bei Wasservögeln verantwortlich sind, muss
erst durch weitere Untersuchungen geklärt werden.
Auch das seit Mitte Dezember bei Wildvögeln (unter anderem in
Sachsen) zirkulierenden HPAI H5N5, das zwischenzeitlich auch
bei verendetem Nutzgeflügel außerhalb von Sachsen
nachge-
wiesen werden konnte, zeigt eine Verwandtschaft zu den HPAI-
H5N8 Isolaten aus dem russisch-mongolischen Grenzgebiet.
Laut FLI handelt es sich aber um eine „Reassortante auf Basis
des ursprünglichen H5N8“. Bei beiden aktuell zirkulierenden
HPAI-Typen gibt es bislang keine Hinweise auf eine Infektion
des Menschen.
Bei der Untersuchung konnten in den meisten der betroffenen
Wildvogelspezies sehr hohe Virusmengen nachgewiesen wer-
den, so dass mit einer massiven Kontamination der Umwelt
gerechnet werden muss. Die durchgehend tiefen Temperatu-
ren der letzten Wochen haben einerseits zu einer vermehrten
Wanderung der Zugvögel auf der Suche nach Futter- und
Rast-
plätzen geführt. Zudem bleiben AIV unter diesen
Bedingun-
gen länger infektiös, so dass das Risiko einer fortschreitenden
Verbreitung und Verschleppung weiterhin bestehen bleibt. AIV
reagieren in der Umwelt empfindlich auf steigende
Temperatu-
ren, UV-Strahlung, höhere Salzkonzentrationen sowie das Vor-
handensein einer bakteriellen Begleitflora. Untersuchungen mit
verschiedenen Subtypen haben gezeigt, dass AIV in Geflügelkot
bei Temperaturen von 20 °C bis zu 7 Tage infektiös bleiben. Bei
einer Temperatur von 4 °C verlängert sich dieser Zeitraum auf 8
Wochen. In kontaminiertem Wasser konnten bei Temperaturen
zwischen 0 °C und 10 °C Überlebenszeiten zwischen 18 und 320
Tagen bei den getesteten Stämmen (verschiedene LPAI-Stämme
unterschiedlichen H-Subtyps) nachgewiesen werden. Analoge
Ergebnisse sind aufgrund der Vielzahl getesteter AIV auch für
die aktuellen HPAI-Typen zu erwarten.
Fazit
Der Eintrag von HPAI H5N8 nach Europa (26 Staaten) und
Deutschland sowie die schnelle Ausbreitung erfolgten nach
derzeitigem Kenntnisstand über infizierte Wildvögel. Bei der
überwiegenden Mehrzahl der Nachweise bei gehaltenen Vö-
geln handelt es sich um Primärausbrüche, eine Verschleppung
in weitere Bestände konnte laut FLI bislang erst in drei Fällen
nachgewiesen werden. Der Anteil von Ausbrüchen in nicht auf-
gestallten Haltungen wird seitens des BMEL derzeit auf 25-30 %
geschätzt. Angesichts der wenigen Fälle bei gehaltenen Vögeln
in Sachsen ist die frühzeitige Entscheidung zur landesweiten
Aufstallung gehaltener Vögeln in Sachsen als richtige Entschei-
dung zu werten.
Aufgrund der derzeit weiter steigenden Nachweise und räum-
lichen Ausdehnung von HPAI H5N8 bei Wildvögeln in Sachsen
ist das Risiko eines Eintrags des Erregers in Bestände mit gehal-
tenen Vögeln weiterhin als sehr hoch zu bewerten. Trotz man-
cher Probleme im Zusammenhang mit der Aufstallungspflicht
(z. B. Vermarktung von Freilandeiern, Haltung von Laufvögeln
und Wassergeflügel) hat derzeit die konsequente Abschottung
der Bestände vor direktem oder indirektem Kontakt mit Wildvö-
geln aus Sicht der Tierseuchendiagnostik nach wie vor oberste
Priorität. Auf die Empfehlungen des FLI (vergleiche Abbildung
7 bzw. FLI-Homepage
https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseu-
chengeschehen/aviaere-influenza-ai-gefluegelpest)
wird
an
dieser Stelle verwiesen.
Bearbeiter: Fachgebiete Pathologie und Virologie
der LUA Leipzig und LUA Dresden
Dr. med. vet. Hermann Nieper
LUA Leipzig
Wechseln
Sie das
Schuhwerk
(Stallschu-
he nur für
den Stall)
Ziehen Sie
Schutz-
kleidung an
Waschen
Sie die
Hände
Erneuter
Kleider-
wechsel
(Schutz-
kleidung
bleibt im
Stall)
Wechseln
Sie zurück
in das Schuh-
werk mit
dem Sie zum
Stall gegan-
gen sind
Waschen
Sie die
Hände
Bevor Sie den Stall/
das Gehege betreten
Wenn Sie den Stall/
das Gehege verlassen
Halten Sie Ihr Geflügel so, dass
Wildvögel keinen Zugang
haben!
Nutzgeflügel schützen
Stallen Sie Ihr Geflügel auf:
Wenn sich
in der Umgebung
der Vogelzug
bemerkbar
macht.
Wenn
in der Nähe tote oder
kranke Wildvögel
gefunden
wurden.
Säubern/
desinfizi-
ren Sie Ihr
Schuhwerk
bevor Sie
den Stall
betreten
Abbildung 7:
Merkblatt Nutzgeflügel schützen (Q.uelle: FLI)

28 │
Neue Rechtsbestimmungen im Bereich des LFGB –
Oktober 2016 bis Dezember 2016
den von Aclonifen, Deltamethrin, Fluazinam, Methomyl,
Sulcotrion und Thiodicarb in oder auf bestimmten Erzeug-
nissen (ABl. Nr. L 281/1)
1.9 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1832 der Kommis-
sion vom 17. Oktober 2016 zur Änderung der
Musterbe-
scheinigungen für die Einfuhr von Fleischzubereitungen,
Fleischerzeugnissen und behandelten Mägen, Blasen und
Därmen sowie von Frischfleisch von als Haustieren
gehal-
tenen Einhufern gemäß den Entscheidungen 2000/572/EG
und 2007/777/EG und der Verordnung (EU) Nr. 206/2010
zum Schutz der Gesundheit im Hinblick auf Rückstände
(ABl. Nr. L 280/13)
1.10 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1834 der Kommissi-
on vom 17. Oktober 2016 zur Änderung der Verordnung
(EU) Nr. 37/2010 in Bezug auf den Wirkstoff Monepantel
(ABl. Nr. L 280/22)
1.11 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1842 der Kommissi-
on vom 14. Oktober 2016 zur Änderung der Verordnung
(EG) Nr. 1235/2008 in Bezug auf die elektronische Kont-
rollbescheinigung für eingeführte ökologische/biologische
Erzeugnisse und bestimmte andere Elemente sowie zur
Änderung der Verordnung (EG) Nr. 889/2008 in Bezug auf
die Anforderungen für haltbar gemachte oder verarbeitete
ökologische/biologische Erzeugnisse und die Übermittlung
von Informationen (ABl Nr. L 282/19)
1.12 Richtlinie (EU) 2016/1855 der Kommission vom 19. Okto-
ber 2016 zur Änderung der Richtlinie 2009/32/EG des
Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates zur Angleichung der
Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Extraktionslö-
sungsmittel, die bei der Herstellung von Lebensmitteln und
Lebensmittelzutaten verwendet werden (ABl. Nr. L 284/19)
1.13 Verordnung (EU) 2016/1866 der Kommission vom 17. Ok-
tober 2016 zur Änderung der Anhänge II, III und V der
Ver-
ordnung (EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments
und des Rates hinsichtlich der Höchstgehalte an Rückstän-
den von 3-Decen-2-on, Acibenzolar-S-methyl und Hexa-
chlorbenzol in oder auf bestimmten Erzeugnissen (ABl. Nr.
L 286/4)
1.14 Beschluss (EU) 2016/1892 des Rates vom 10. Oktober 2016
über die Unterzeichnung — im Namen der Europäischen
Union — und die vorläufige Anwendung des
Internationa-
len Übereinkommens von 2015 über Olivenöl und Tafeloli-
ven (ABl. Nr. L 293/2)
1.15 Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwick-
lung internationales Übereinkommen von 2015 über Oli-
venöl und Tafelolivenvereinte Nationen Genf, 5.-9. Oktober
2015 (ABl. Nr. L 293/4)
1. Europäisches Recht
1.1 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1774 der Kommis-
sion vom 4. Oktober 2016 zur Änderung des Beschlusses
2010/381/EU über Sofortmaßnahmen für aus Indien ein-
geführte Sendungen mit zum menschlichen Verzehr be-
stimmten Aquakulturerzeugnissen (ABl. Nr. L 171/7)
1.2 Verordnung (EU) 2016/1776 der Kommission vom 6. Okto-
ber 2016 zur Änderung des Anhangs II der Verordnung (EG)
Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates
hinsichtlich der Verwendung von Sucralose (E 955) als Ge-
schmacksverstärker in Kaugummi mit Zusatz von Zucker
oder Polyolen (ABl. Nr. L 172/2)
1.3 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1784 der Kommissi-
on vom 30. September 2016 zur Änderung der Verordnung
(EWG) Nr. 2568/91 über die Merkmale von Olivenölen und
Oliventresterölen sowie die Verfahren zu ihrer Bestimmung
(ABl. Nr. L 173/5)
1.4 Verordnung (EU) 2016/1785 der Kommission vom 7. Ok-
tober 2016 zur Änderung der Anhänge II und III der
Ver-
ordnung (EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments
und des Rates hinsichtlich der Höchstgehalte an Rückstän-
den von Cymoxanil, Phosphan und Phosphidsalzen sowie
Natrium-5-nitroguaiacolat, Natrium-o-nitrophenolat und
Natrium-p-nitrophenolat in oder auf bestimmten Erzeug-
nissen (ABl. Nr. L 173/10)
1.5 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1802 der Kommis-
sion vom 11. Oktober 2016 zur Änderung der
Durchfüh-
rungsverordnung (EU) Nr. 414/2013 zur Festlegung eines
Verfahrens für die Zulassung gleicher Biozidprodukte
ge-
mäß der Verordnung (EU) Nr. 528/2012 des Europäischen
Parlaments und des Rates (ABl. Nr. L 275/34)
1.6 Verordnung (EU) 2016/1814 der Kommission vom 13. Ok-
tober 2016 zur Änderung des Anhangs der Verordnung (EU)
Nr. 231/2012 mit Spezifikationen für die in den Anhängen
II und III der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäi-
schen Parlaments und des Rates aufgeführten Lebensmit-
telzusatzstoffe in Bezug auf die Spezifikationen für
Stevi-
olglycoside (E 960) (ABl. Nr. L 278/37)
1.7 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1826 der Kommis-
sion vom 14. Oktober 2016 zur Nichtgenehmigung des
Wirkstoffs Tricyclazol gemäß der Verordnung (EG) Nr.
1107/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates
über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln (ABl.
Nr. L 279/88)
1.8 Verordnung (EU) 2016/1822 der Kommission vom 13. Ok-
tober 2016 zur Änderung der Anhänge II, III und V der
Ver-
ordnung (EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments
und des Rates hinsichtlich der Höchstgehalte an Rückstän-

│29
1.16 Verordnung (EU) 2016/1902 der Kommission vom 27. Ok-
tober 2016 zur Änderung der Anhänge II und III der
Verord-
nung (EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments und
des Rates hinsichtlich der Höchstgehalte an Rückständen
von Acetamiprid, Ametoctradin, Azoxystrobin, Cyfluthrin,
Difluoressigsäure, Dimethomorph, Fenpyrazamin,
Floni-
camid, Fluazinam, Fludioxonil, Flupyradifuron, Flutriafol,
Fluxapyroxad, Metconazol, Proquinazid, Prothioconazol,
Pyriproxyfen, Spirodiclofen und Trifloxystrobin in oder auf
bestimmten Erzeugnissen (ABl. Nr. L 298/1)
1.17 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1929 der Kommissi-
on vom 4. November 2016 zur Genehmigung von Bacillus
thuringiensis subsp. kurstaki, Serotyp 3a3b, Stamm ABTS-
351 als Wirkstoff zur Verwendung in Biozidprodukten der
Produktart 18 (ABl. Nr. L 299/26)
1.18 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1930 der Kommissi-
on vom 4. November 2016 zur Genehmigung von Chloro-
kresol als alten Wirkstoff zur Verwendung in Biozidproduk-
ten der Produktarten 1, 2, 3, 6 und 9 (ABl. Nr. L 299/29)
1.19 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1931 der Kommissi-
on vom 4. November 2016 zur Genehmigung von Chlorkre-
sol als alten Wirkstoff zur Verwendung in Biozidprodukten
der Produktart 13 (ABl. Nr. L 299/33)
1.20 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1932 der Kommissi-
on vom 4. November 2016 zur Genehmigung von Calci-
ummagnesiumoxid (Dolomitbranntkalk) als alten Wirkstoff
zur Verwendung in Biozidprodukten der Produktarten 2
und 3 ABl. Nr. L 299/36)
1.21 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1933 der Kommissi-
on vom 4. November 2016 zur Genehmigung von Calci-
ummagnesiumtetrahydroxid (Dolomitkalkhydrat) als alten
Wirkstoff zur Verwendung in Biozidprodukten der Pro-
duktarten 2 und 3 (ABl. Nr. L 299/39)
1.22 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1934 der Kommissi-
on vom 4. November 2016 zur Genehmigung von Kokos-
Alkyltrimethylammoniumchlorid (ATMAC/TMAC) als alten
Wirkstoff zur Verwendung in Biozidprodukten der Pro-
duktart 8 (ABl. Nr. L 299/42)
1.23 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1935 der Kommissi-
on vom 4. November 2016 zur Genehmigung von Calci-
umdihydroxid (Kalkhydrat) als alten Wirkstoff zur Verwen-
dung in Biozidprodukten der Produktarten 2 und 3 (ABl.
Nr. L 299/45)
1.24 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1936 der Kommissi-
on vom 4. November 2016 zur Genehmigung von Calcium-
oxid (gebranntem Kalk) als alten Wirkstoff zur Verwendung
in Biozidprodukten der Produktarten 2 und 3 (ABl. Nr. L
299/48)
1.25 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1937 der Kommissi-
on vom 4. November 2016 zur Genehmigung von
Cyfluth-
rin als alten Wirkstoff zur Verwendung in Biozidprodukten
der Produktart 18 (ABl. Nr. L 299/51)
1.26 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1938 der Kommissi-
on vom 4. November 2016 zur Genehmigung von
Zitronen-
säure als alten Wirkstoff zur Verwendung in Biozidproduk-
ten der Produktart 2 (ABl. Nr. L 299/54)
1.27 Durchführungsbeschluss (EU) 2016/1950 der Kommission
vom 4. November 2016 über die Nichtgenehmigung be-
stimmter biozider Wirkstoffe gemäß der Verordnung (EU)
Nr. 528/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates
(ABl. Nr. L 300/14)
1.28 Durchführungsbeschluss (EU) 2016/1978 der Kommission
vom 11. November 2016 zur Genehmigung des Grund-
stoffs Sonnenblumenöl gemäß der Verordnung (EG) Nr.
1107/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates
über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln und
zur Änderung des Anhangs der Durchführungsverordnung
(EU) Nr. 540/2011 der Kommission (ABl. Nr. L 305/23)
1.29 Durchführungsverordnung (EU) 2016/2035 der Kommissi-
on vom 21. November 2016 zur Änderung der
Durchfüh-
rungsverordnung (EU) Nr. 540/2011 hinsichtlich der Gül-
tigkeitsdauer der Genehmigungen der Wirkstoffe Fipronil
und Maneb (ABl. Nr. L 314/7)
1.30 Durchführungsverordnung (EU) 2016/2045 der Kommissi-
on vom 23. November 2016 zur Änderung der Verordnung
(EU) Nr. 37/2010 hinsichtlich des Stoffs Gamithromycin
(ABl. Nr. L 318/3)
1.31 Durchführungsverordnung (EU) 2016/2074 der Kommissi-
on vom 25. November 2016 zur Änderung der Verordnung
(EU) Nr. 37/2010 in Bezug auf den Stoff Aluminiumsali-
cylat, basisch (ABl. Nr. L 320/29)
1.32 Delegierte Verordnung (EU) 2016/2095 der Kommission
vom 26. September 2016 zur Änderung der Verordnung
(EWG) Nr. 2568/91 über die Merkmale von Olivenölen und
Oliventresterölen sowie die Verfahren zu ihrer Bestimmung
(ABl. Nr. L 326/1)
1.33 Durchführungsverordnung (EU) 2016/2106 der Kommission
vom 1. Dezember 2016 zur Änderung der
Durchführungs-
verordnung (EU) Nr. 884/2014 in Bezug auf die Festlegung
besonderer Bedingungen für die Einfuhr von Gewürzen aus
Äthiopien, Erdnüssen aus Argentinien sowie Haselnüssen
aus Aserbaidschan und in Bezug auf die Änderung der
be-
sonderen Bedingungen für die Einfuhr von getrockneten
Feigen und Haselnüssen aus der Türkei sowie Erdnüssen
aus Indien (ABl. Nr. L 327/44)
1.34 Durchführungsverordnung (EU) 2016/2107 der Kommissi-
on vom 1. Dezember 2016 zur Änderung des Anhangs I
der Verordnung (EG) Nr. 669/2009 betreffend die Liste der
Futtermittel und Lebensmittel nicht tierischen Ursprungs,
die verstärkten amtlichen Kontrollen bei der Einfuhr unter-
liegen (ABl. Nr. L 327/50)
1.35 Empfehlung (EU) 2016/2115 der Kommission vom 1. Dezem-
ber 2016 zum Monitoring von Δ9-Tetrahydrocannabinol,
seinen Vorläufern und anderen Cannabinoiden in Lebens-
mitteln (ABl. Nr. L 327/103)

30 │
1.36 Durchführungsverordnung (EU) 2016/2147 der Kommissi-
on vom 7. Dezember 2016 zur Genehmigung einer Anhe-
bung der Grenzwerte für die Anreicherung von Wein aus
Trauben der Ernte 2016 in bestimmten Weinanbaugebieten
Deutschlands und in allen Weinanbaugebieten Ungarns
(ABl. Nr. L 333/30)
1.37 Verordnung (EU) 2016/2235 der Kommission vom 12. De-
zember 2016 zur Änderung von Anhang XVII der
Verord-
nung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments
und des Rates zur Registrierung, Bewertung, Zulassung
und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) hinsichtlich
Bisphenol A (ABl. Nr. L 337/3)
1.38 Durchführungsverordnung (EU) 2016/2259 der Kommissi-
on vom 15. Dezember 2016 zur Änderung der Verordnung
(EG) Nr. 1235/2008 mit Durchführungsvorschriften zur
Verordnung (EG) Nr. 834/2007 des Rates hinsichtlich der
Regelung der Einfuhren von ökologischen/biologischen Er-
zeugnissen aus Drittländern (ABl. Nr. L 342/4)
1.39 Durchführungsbeschluss (EU) 2016/2268 der Kommission
vom 14. Dezember 2016 zur Änderung der
Entscheidun-
gen 2007/305/EG, 2007/306/EG und 2007/307/EG hin-
sichtlich des Toleranzzeitraums für Spuren von Ms1×Rf1
(ACS-BNØØ4-7×ACS-BNØØ1-4)-Hybrid-Raps, Ms1×Rf2
(ACS-BNØØ4-7×ACS-BNØØ2-5)-Hybrid-Raps und Topas
19/2 (ACS-BNØØ7-1)-Raps sowie von daraus gewonnenen
Erzeugnissen (Abl. Nr. L 342/34)
1.40 Durchführungsverordnung (EU) 2016/2288 der Kommissi-
on vom 16. Dezember 2016 zur Genehmigung von Pipero-
nylbutoxid als alten Wirkstoff zur Verwendung in Biozid-
produkten der Produktart 18 (ABl. Nr. L 344/65)
1.41 Durchführungsverordnung (EU) 2016/2289 der Kommissi-
on vom 16. Dezember 2016 zur Genehmigung von epsilon-
Momfluorothrin als Wirkstoff zur Verwendung in
Biozid-
produkten der Produktart 18 (ABl. Nr. L 344/68)
1.42 Durchführungsverordnung (EU) 2016/2290 der Kommissi-
on vom 16. Dezember 2016 zur Genehmigung von Peres-
sigsäure als alten Wirkstoff zur Verwendung in Biozidpro-
dukten der Produktarten 11 und 12 (ABl. Nr. L 344/71)
1.43 Durchführungsverordnung (EU) 2016/2291 der Kommissi-
on vom 16. Dezember 2016 zur Genehmigung von L(+)-
Milchsäure als Wirkstoff zur Verwendung in Biozidproduk-
ten der Produktart 1 (ABl. Nr. L 344/74)
2. Nationales Recht
2.1
Zehnte Verordnung zur Änderung der
Lebensmittelrecht-
lichen Straf- und Bußgeldverordnung vom 27. September
2016 (BGB, Teil I, Nr. 47, S. 2202)
2.2
Zweite Verordnung zur Änderung des Lebensmittel- und
Futtermittelgesetzbuches sowie anderer Vorschriften vom
24. November 2016 (BGBl, Teil I, Nr. 56, S. 2656)
2.3
Verordnung zur Änderung der Ersten Verordnung zur
Än-
derung der Tabakerzeugnisverordnung vom 29. November
2016 (BGBl, Teil I, Nr. 47, S. 2680)
2.4 Verordnung über Milcherzeugnisse (Milcherzeugnisverord-
nung – MilchErzV) vom 15.7.1970 (BGBl. I S. 1150), zuletzt
geändert durch Art. 3 der VO zum Erlass und zur Änderung
marktordnungsrechtlicher Vorschriften im Milchbereich
vom 27.12.2016 (BGBl, Teil I, S. 3227)
2.5 Käseverordnung (KäseV), i.d.F.d.Bek. vom 14.4.1986 (BGBl.
I S. 412), zuletzt geändert durch Art. 4 der VO zum Erlass
und zur Änderung marktordnungsrechtlicher Vorschriften
im Milchbereich vom 27.12.2016 (BGBl, Teil I, S. 3227)
Bearbeiter: DLC Friedrich Gründig
LUA Dresden

│31
1. Europäisches Recht
1.1 Durchführungsbeschluss (EU) 2016/1840 der Kommission
vom 14. Oktober 2016 zur Änderung von Anhang IV der
Richtlinie 2009/156/EG des Rates hinsichtlich der Verfah-
ren zur Diagnose der afrikanischen Pferdepest (ABl. Nr. L
280/33)
1.2 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1843 der Kommissi-
on vom 18. Oktober 2016 mit Übergangsmaßnahmen zur
Anwendung der Verordnung (EG) Nr. 882/2004 des Euro-
päischen Parlaments und des Rates hinsichtlich der Akkre-
ditierung amtlicher Laboratorien für die amtliche Untersu-
chung auf Trichinen (ABl. Nr. L 282/38)
1.3 Durchführungsbeschluss (EU) 2016/1898 der Kommission
vom 26. Oktober 2016 zur Änderung des
Durchführungsbe-
schlusses 2013/764/EU mit tierseuchenrechtlichen Maß-
nahmen zur Bekämpfung der klassischen Schweinepest in
bestimmten Mitgliedstaaten (ABl. Nr. L 293/39)
1.4 Durchführungsbeschluss (EU) 2016/2002 der Kommissi-
on vom 8. November 2016 zur Änderung von Anhang E
der Richtlinie 91/68/EWG des Rates, Anhang III des Be-
schlusses 2010/470/EU der Kommission und Anhang II des
Beschlusses 2010/472/EU der Kommission in Bezug auf
den Handel mit Schafen und Ziegen sowie mit Samen von
Schafen und Ziegen innerhalb der Union und ihrer Einfuhr
in die Union hinsichtlich der Vorschriften zur Verhütung,
Kontrolle und Tilgung bestimmter transmissibler spongi-
former Enzephalopathien(ABl. Nr. L 308/29)
1.5 Durchführungsbeschluss (EU) 2016/2008 der Kommission
vom 15. November 2016 mit tierseuchenrechtlichen Maß-
nahmen zur Bekämpfung der Lumpy-Skin-Krankheit in be-
stimmten Mitgliedstaaten (ABl. Nr. L 310/51)
1.6 Durchführungsbeschluss (EU) 2016/2011 der Kommission
vom 16. November 2016 betreffend bestimmte Maßnah-
men zum Schutz vor der hochpathogenen Aviären
Influ-
enza des Subtyps H5N8 in Deutschland (ABl. Nr. L 310/73)
1.7 Durchführungsbeschluss (EU) 2016/2064 der Kommissi-
on vom 24. November 2016 zur Änderung der Anhänge
der Durchführungsbeschlüsse (EU) 2016/1968 und (EU)
2016/2011 betreffend bestimmte Maßnahmen zum Schutz
vor der hochpathogenen Aviären Influenza des Subtyps
H5N8 in Ungarn und Deutschland (ABl. Nr. L 319/47)
1.8 Durchführungsbeschluss (EU) 2016/2122 der Kommissi-
on vom 2. Dezember 2016 betreffend Maßnahmen zum
Schutz vor Ausbrüchen der hochpathogenen Aviären In-
fluenza des Subtyps H5N8 in bestimmten Mitgliedstaaten
(Abl. Nr. L 329/75)
Neue Rechtsbestimmungen Veterinärmedizin -
Oktober 2016 bis Dezember 2016
1.9 Durchführungsbeschluss (EU) 2016/2219 der Kommis-
sion vom 8. Dezember 2016 zur Änderung des Anhangs
des Durchführungsbeschlusses (EU) 2016/2122 betreffend
Maßnahmen zum Schutz vor Ausbrüchen der hochpatho-
genen Aviären Influenza des Subtyps H5N8 in bestimmten
Mitgliedstaaten (ABl. Nr. L 334/52)
1.10 Durchführungsbeschluss (EU) 2016/2279 der Kommission
vom 15. Dezember 2016 zur Änderung des Anhangs des
Durchführungsbeschlusses (EU) 2016/2122 betreffend
Maßnahmen zum Schutz vor Ausbrüchen der hochpatho-
genen Aviären Influenza des Subtyps H5N8 in bestimmten
Mitgliedstaaten (ABl. Nr. L 342/71)
1.11 Durchführungsbeschluss (EU) 2016/2367 der Kommission
vom 21. Dezember 2016 zur Änderung des Anhangs des
Durchführungsbeschlusses (EU) 2016/2122 betreffend
Maßnahmen zum Schutz vor Ausbrüchen der hochpatho-
genen Aviären Influenza des Subtyps H5N8 in bestimmten
Mitgliedstaaten (ABl. Nr. L 350/42)
2. Nationales Recht
2.1 Verordnung zur Durchführung eines Monitorings auf das
Virus der Klassischen und der Afrikanischen Schweinepest
bei Wild- und Hausschweinen (Schweinepest-Monitoring-
Verordnung – SchwPestMonV) vom 9. November 2016
(BGBl, Teil I, Nr. 53, S. 2518)
2.2 Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (zu § 10 Ab-
satz 1 und 3 des Rindfleischetikettierungsgeseztes) vom 9.
November 2016 (BGBl, Teil I, Nr. 53, S. 2521)
Bearbeiter: DLC Friedrich Gründig
LUA Dresden

32 │
Beschwerdeproben-Report für Lebensmittel und
Bedarfsgegenstände sowie Tabakerzeugnisse
(4. Quartal 2016)
Zahl der bearbeiteten Beschwerdeproben: 39
davon beanstandet: 12
Probenbezeichnung
Beschwerdegrund
Beurteilung
Zaini Schokoei mit Überraschungsdisneyfigur
The Good Dinosaur
stark abweichender chemischer Geruch der
Figuren;
Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen auf-
grund der Geruchs
Feststellung hoher Gehalte an aromatischen Mineralölkohlen-
wasserstoffen (MOAH);
Beurteilung gemäß Artikel 2 der VO (EWG) Nr. 315/93;
Bemer-
kung zu Cyclohexanon im Spielzeug
aufblasbarer Fisch
artfremder Geruch, abartiger starker Geruch
nach Chemikalien
Migration von Cyclohexanon festgestellt;
Beurteilung gemäß § 10 Abs. 2 der 2. ProdSV i. V. m. Verkehrs-
verbot des § 10 Abs. 1 der 2. ProdSV (BfR-Empfehlung XLVII).
Vitamin Well Reload
Erfrischungsgetränk mit Zitronen-/
Limet-
tenaroma
Chemischer Geruch und schwimmende
Ausflockungen im Getränk
Ausflockungen als Schimmelpilze identifiziert;
Beurteilung als für den Verzehr ungeeignet i. S. von Art. 14 Abs.
2 b VO (EG) Nr. 178/2002
Natürliches Mineralwasser,
mit Kohlensäure versetzt
sichtbare Schwebeteilchen
Schwebeteilchen als Eisen- und Manganoxide identifiziert;
Beurteilung als für den Verzehr ungeeignet i. S. von Art. 14 Abs.
2 b VO (EG) Nr. 178/2002
Kohlroulade
Kraut sauer, Fleisch unnatürliche Farbe
altfleischiger, säuerlicher Geruch und Geschmack;
Beurteilung als für den Verzehr ungeeignet i. S. von Art. 14 Abs.
2 b VO (EG) Nr. 178/2002
Bratklopse
Magenbeschwerden, Übelkeit
Probe mikrobiologisch und sensorisch unauffällig;
Allergenkennzeichnung entspricht nicht Anhang II LMIV
Tortelloni
Krankheitsgeschehen
Probe mikrobiologisch und sensorisch unauffällig;
Beanstandung der Nährwertkennzeichnung gemäß Anhang XIII
LMIV
Bio Vollkorn-Dinkelflocken
viele Spelzen und schwarze Körner
sehr viele Spelzen und schwarze Fremdsaaten vorgefunden;
Beurteilung als für den Verzehr ungeeignet i. S. von Art. 14 Abs.
2 b VO (EG) Nr. 178/2002
Weichweizen-Grieß
Schädlingsbefall
Befall mit Staublaus (Psocoptera) nachgewiesen;
Beurteilung als für den Verzehr ungeeignet i. S. von Art. 14 Abs.
2 b VO (EG) Nr. 178/2002
Mischbrot
schwarze Einschlüsse
schwarze, nicht identifizierbare Masse eingebacken;
Beurteilung als für den Verzehr ungeeignet i. S. von Art. 14 Abs.
2 b VO (EG) Nr. 178/2002
Buttergebäck
laut Beschwerdeführer keine Butter ver-
wendet
Beschwerdegrund nicht bestätigt;
Beurteilung gemäß VO (EG) 1169/2011 wegen diverser Kenn-
zeichnungsmängel; Beurteilung der Nährwert-Kennzeichnung als
irreführend nach Art. 7 VO (EG) 1169/2011 i.V.m. § 11 LFGB
Roggenmischbrot (Kasten)
schwarze Flecken
mehrere, teilweise ausgedehnte sowie kreisrunde, unregelmäßig
verteilte, z. T. fokal angesiedelte, schwarze Stellen vorgefunden;
Schimmelpilze (
Cladosporium sphaerospermum
) nachgewiesen;
Beurteilung als für den Verzehr ungeeignet i. S. von Art. 14 Abs.
2 b VO (EG) Nr. 178/2002
Bearbeiter: Abteilung 5
LUA Chemnitz

│33
BSE - Untersuchungen 4. Quartal 2016
Tierart
TKBA / ZNS / Kohorte *
Lebensmittel
Notschlachtung
Gesamt
Büffel
3
0
0
3
Rind
2.445
0
2
2.447
Schaf
116
166
0
282
Schneeziege
1
0
0
1
Steinbock
1
0
0
1
Wasserbüffel
1
0
0
1
Ziege
18
4
0
22
Gesamt
2.585
170
2
2.757
*
Tierkörperbeseitigung, ZNS-Störungen, Kohortenschlachtungen
Tollwutuntersuchungen 4. Quartal 2016
Landesdirektion Sachsen,
Bereich ehemalige
LD Dresden
Landesdirektion Sachsen,
Bereich ehemalige
LD Leipzig
Landesdirektion Sachsen,
Bereich ehemalige
LD Chemnitz
Landesdirektion Sachsen
Fuchs
18
20
3
41
Marderhund
0
0
0
0
Waschbär
1
0
0
1
Gesamtzahl der Proben
19
20
3
42
Untersuchungsergebnisse
negativ
19
20
3
42
ungeeignet
0
0
0
0
positiv
0
0
0
0
Die Aufstellung der positiven Tollwutbefunde entfällt.
Bearbeiter: Reinhard Seiler
LUA Dresden

34 │
Salmonellenberichterstattung im Freistaat Sachsen -
4. Quartal 2016
Tabelle 1: Untersuchungen und Nachweise im Überblick
Untersuchungen
untersuchte Anzahl
Salmonellennachweise
Serotypen
(geordnet nach Nachweishäufigkeit)
Kotproben
2.863
216
S. Typhimurium, S. sp., S. Typhimurium Impfstamm,
S. Enteritidis, S. enterica ssp. I,
S. Typhimurium var. Cop., S. enterica ssp. II,
S. enterica ssp. IIIb, S. Anatum
Sektionsmaterial
954
20
S. Typhimurium, S. Derby, S. Typhimurium var. Cop.,
S. Enteritidis, S. Serogr. B, S. enterica ssp. IIIb,
S. enterica ssp. IIIa, S. Brandenburg, S. enterica ssp. I,
S. sp., S. enterica ssp. IV
Untersuchung nach Hühner-Salmonellen-VO
0
0
Umgebungstupfer
104
1
S. sp.
Futtermittel
65
13
S. Typhimurium, S. Saintpaul, S. Senftenberg,
S. Typhimurium var. Cop., S. Newport, S. Derby
Bakteriologische Fleischuntersuchungen
9
0
Lebensmittel tierischer Herkunft
1.794
17
S. sp., S. Typhimurium, S. Brandenburg,
S. Serogruppe B, S. Ohio, S. Indiana, S. Infantis,
S. Serogruppe C1
Lebensmittel nichttierischer Herkunft
744
0
Hygienekontrolltupfer - Lebensmittel
3.411
1
Salmonella
Kosmetische Mittel
Bedarfsgegenstände
0
0
Tabelle 2: Salmonellennachweise aus Kotproben und Sektionen
Tierart
Landesdirektion Sachsen,
Bereich ehemalige LD Chemnitz
Landesdirektion Sachsen,
Bereich ehemalige LD Dresden
Landesdirektion Sachsen,
Bereich ehemalige LD Leipzig
Kot
Sektionen
Kot
Sektionen
Kot
Sektionen
Proben
1
Salm.-
Nw
2
Proben
Salm.-
Nw
Proben
Salm.-
Nw
Proben
Salm.-
Nw
Proben
Salm.-
Nw
Proben
Salm.-
Nw
Rind
299
31
36
0
1.670
166
39
1
124
0
13
0
Schwein
18
2
23
4
15
0
72
5
10
1
28
1
Schaf
0
0
6
0
6
0
20
1
2
1
7
2
Ziege
5
0
2
0
1
0
3
0
0
0
0
0
Pferd
24
0
6
0
49
0
5
0
61
0
2
0
Huhn
0
0
13
0
12
0
34
0
0
0
28
0
Taube
1
0
8
0
22
0
40
1
1
0
17
0
Gans
0
0
1
0
2
0
4
0
0
0
2
0
Ente
0
0
7
0
0
0
14
0
0
0
8
1
Pute
0
0
1
0
0
0
2
0
0
0
44
0
Hund/Katze
62
0
13
0
205
4
31
0
116
3
5
0
sonstige Tierarten
21
1
113
2
84
6
224
2
53
1
83
0
Summe
430
34
229
6
2.066
176
488
10
367
6
237
4
1
= Anzahl der untersuchten Proben
2
= Anzahl der Salmonellennachweise

│35
Tabelle 3: Regionale Zuordnung der Salmonellenfunde
Sektionen und Kotproben
Landesdirektion/Kreis
Tier- / Probenart
Nachgewiesene Serotypen
Anzahl
Serotyp
Landesdirektion Sachsen, Bereich ehemalige LD Chemnitz
Erzgebirgskreis
sonstige Tierarten/Kot
1
S. enterica ssp. II
Mittelsachsen
Schwein/Sektion
1
S. Serogr. B
Vogtlandkreis
Schwein/Sektion
2
S. Derby
Vogtlandkreis
Schwein/Sektion
1
S. Typhimurium
Vogtlandkreis
Schwein/Kot
2
S. Typhimurium
Vogtlandkreis
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. enterica ssp. I
Vogtlandkreis
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. sp.
Zwickau
Rind/Kot
31
S. Typhimurium
Landesdirektion Sachsen, Bereich ehemalige LD Dresden
Bautzen
Schwein/Sektion
1
S. Brandenburg
Bautzen
Schwein/Sektion
1
S. Serogr. B
Bautzen
Schwein/Sektion
1
S. Typhimurium
Bautzen
sonstige Tierarten/Kot
3
S. enterica ssp. I
Dresden, Stadt
Hund/Katze/Kot
3
S. Enteritidis
Dresden, Stadt
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. enterica ssp. IIIa
Dresden, Stadt
sonstige Tierarten/Kot
1
S. enterica ssp. IIIb
Dresden, Stadt
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. Typhimurium var. Cop.
Görlitz
Schaf/Sektion
1
S. enterica ssp. IV
Görlitz
Schwein/Sektion
1
S. Derby
Görlitz
Schwein/Sektion
1
S. Typhimurium
Meißen
Hund/Katze/Kot
1
S. Enteritidis
Meißen
Schwein/Sektion
1
S. Typhimurium
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Rind/Sektion
1
S. Enteritidis
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Rind/Kot
39
S. sp.
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Rind/Kot
96
S. Typhimurium
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Rind/Kot
31
S. Typhimurium Impfstamm
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
sonstige Tierarten/Kot
2
S. Typhimurium
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Taube/Sektion
1
S. Typhimurium
Landesdirektion Sachsen, Bereich ehemalige LD Leipzig
Leipzig Land
Hund/Katze/Kot
1
S. Anatum
Leipzig Land
Hund/Katze/Kot
1
S. Typhimurium var. Cop.
Leipzig, Stadt
Hund/Katze/Kot
1
S. Typhimurium
Leipzig, Stadt
Schaf/Kot
1
S. enterica ssp. IIIb
Leipzig, Stadt
Schaf/Sektion
1
S. enterica ssp. IIIb
Leipzig, Stadt
sonstige Tierarten/Kot
1
S. enterica ssp. II
Nordsachsen
Ente/Sektion
1
S. Enteritidis
Nordsachsen
Schaf/Sektion
1
S. enterica ssp. IIIb
Nordsachsen
Schwein/Sektion
2
S. Typhimurium var. Cop.
Nordsachsen
Schwein/Kot
1
S. Typhimurium var. Cop.

36 │
Tabelle 4: Salmonellennachweise
Warengruppe
Gesamtproben
davon Planproben
davon Verdachtsproben
davon Beschwerdeproben
Anzahl
Salm.-Nw.*
Anzahl
Salm.-Nw.
Anzahl
Salm.-Nw.
Anzahl
Salm.-Nw.
Milch, Milchprodukte, Käse und Butter
380
0
371
0
6
0
3
0
Eier und Eiprodukte
136
0
136
0
0
0
0
0
Fleisch warmblütiger Tiere, auch tiefgefroren
332
9
317
8
3
1
0
0
Fleischerzeugnisse warmblütiger Tiere (außer
Wurstwaren)
412
8
404
6
7
2
1
0
Wurstwaren
332
0
327
0
3
0
2
0
Fisch- und Erzeugnisse
177
0
171
0
2
0
3
0
Krusten-, Schalen-, Weichtiere, sonst. Tiere
und Erzeugnisse daraus
25
0
22
0
1
0
1
0
Fette, Öle, Margarine
1
0
1
0
0
0
0
0
Getreide, -produkte, Brot, Teig- und Backwaren
110
0
106
0
3
0
1
0
Mayonnaisen, emul. Soßen, kalte Fertigsoßen
und Feinkostsalate
210
0
203
0
4
0
2
0
Puddinge, Desserts und Cremespeisen
17
0
16
0
1
0
0
0
Speiseeis und -halberzeugnisse
120
0
119
0
1
0
0
0
Säuglings- und Kleinkindernahrung
0
0
0
0
0
0
0
0
Diätetische Lebensmittel, Nährstoffkonzentrate
und Ergänzungsnahrung
1
0
1
0
0
0
0
0
Obst, Gemüse und -zubebereitungen
49
0
35
0
4
0
0
0
Getränke, inkl. Tafel- u. Trinkwasser, Spirituo-
sen und Bier
18
0
11
0
4
0
2
0
Gewürze, Würzmittel und Zusatzstoffe
50
0
48
0
2
0
0
0
Zucker, Süß- u. Schokoladenwaren, Honig,
Konfitüre, Kaffee, Kakao, Tee
2
0
2
0
0
0
0
0
Fertiggerichte, zubereitete Speisen, Suppen
und Soßen
166
0
139
0
17
0
8
0
Kosmetika
0
0
0
0
0
0
0
0
Bedarfsgegenstände ohne Kosmetika
0
0
0
0
0
0
0
0
Gesamt
2.538
17
2.429
14
58
3
23
0
*
Salmonellennachweis

│37
Tabelle 5: Regionale Zuordnung der Salmonellenfunde
Landesdirektion/Kreis
Eingangsdatum
Probenart
Nachgewiesene Serotypen
Anzahl
Serotyp
Landesdirektion Sachsen, Bereich ehemalige LD Chemnitz
Chemnitz, Stadt
17.10.2016
Mühlenhof Chicken Wrings
2
S. Ohio
Chemnitz, Stadt
30.11.2016
AGER Wildschweinedelgulasch tiefgefroren
1
S. Serogruppe C1
Landesdirektion Sachsen, Bereich ehemalige LD Dresden
Meißen
21.10.2016
Hackepeter mit Salz und Pfeffer
2
S. Typhimurium
Görlitz
13.12.2016
EDEKA Hähnchen Pfanne 8-teilig zerlegt in
einer Aluschale
1
S. sp.
Bautzen
08.11.2016
Gänseleber gefrostet
1
S. sp.
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
20.10.2016
Hühnerklein
2
S. Indiana
Dresden, Stadt
27.10.2016
Hähnchenbrustfilet ohne Haut und Knochen
2
S. Infantis
Görlitz
06.10.2016
Rindfleisch für Produktion
1
S. Typhimurium
Dresden, Stadt
07.12.2016
Bratwurst mit Zitrone
2
S. Typhimurium
Landesdirektion Sachsen, Bereich ehemalige LD Leipzig
Nordsachsen
19.10.2016
Halshaut vom Masthähnchen
2
S. Serogruppe B
Leipzig, Stadt
15.12.2016
Kamm
1
S. Brandenburg
Leipzig, Stadt
03.11.2016
Steak vom Schweinekamm mariniert
2
S. Brandenburg
Leipzig Land
25.10.2016
Geschnetzeltes nach Gyros Art
1
S. Serogruppe B
Nordsachsen
11.10.2016
Schweinefleisch, lose
1
S. sp.
Leipzig, Stadt
07.11.2016
Rinderhackfleisch
1
S. sp.
Leipzig Land
20.10.2016
Schweinezunge gepökelt
1
S. sp.
Leipzig, Stadt
26.10.2016
Hackepeter
2
S. Brandenburg
Leipzig, Stadt
10.11.2016
Lachskette
1
S. sp.
Nordsachsen
06.10.2016
Halshaut vom Masthähnchen
2
S. Ohio

38 │
Tabelle 6: Häufigkeit der nachgewiesenen Salmonellenserotypen (Anzahl)
Serotypen
Veterinärmedizinische
Diagnostik
Futtermittel
Lebensmittel /
Bedarfsgegenstände
BU
Hygienekontrolltupfer
(Lebensmittel)
S. Typhimurium
137
1
8
S. sp.
40
12
S. Typhimurium Impfstamm
31
S. Brandenburg
1
8
S. Derby
3
5
S. Typhimurium var. Cop.
5
1
S. Ohio
6
S. Enteritidis
6
S. Serogruppe B
5
S. enterica ssp. I
4
S. enterica ssp. IIIb
4
S. Newport
4
S. Infantis
3
S. Indiana
3
S. Serogruppe C1
2
S. enterica ssp. II
2
S. Serogr. B
2
S. Saintpaul
1
S. enterica ssp. IIIa
1
S. Senftenberg
1
S. sp.
1
S. Anatum
1
S. enterica ssp. IV
1
Bearbeiter: Reinhard Seiler
LUA Dresden

image
Herausgeber:
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen
Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden
Redaktion:
Dr. Hermann Nieper, LUA Sachsen, Standort Leipzig, Bahnhofstraße 58/60 , 04158 Leipzig
Tel.: 0351/8144 4100
Gestaltung und Satz:
SG IT, LUA Sachsen, Standort Dresden,
Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden,
Tel.: 0351/8144 1712 Fax: 0351/8144 1710
Druck:
alinea Digitaldruck, Chemnitz |
www.alinea24.de
Redaktionsschluss:
20. Februar 2017
Bezug:
Dieses offizielle Mitteilungsblatt der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwe-
sen des Freistaates Sachsen kann kostenfrei im Internet abgerufen werden:
www.lua.sachsen.de
und unter
www.publikationen.sachsen.de