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LUA-Mitteilungen 03/2012
LANDESUNTERSUCHUNGS-
ANSTALT FÜR DAS GESUNDHEITS-
UND VETERINÄRWESEN

 
│1
Inhaltsverzeichnis
Humanmedizin
Epidemiologische Information für den Freistaat Sachsen .........................................................................................................................................................................................2
HIV / AIDS im Freistaat Sachsen – Jahresbericht 2011 ..............................................................................................................................................................................................7
Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung von Pertussis im Freistaat Sachsen - Sächsisches Herdbekämpfungsprogramm Pertussis - ..............23
Handlungsschema Pertussis................................................................................................................................................................................................................................................ 33
Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung von Hepatitis E-Infektionen im Freistaat Sachsen
- Sächsisches Herdbekämpfungsprogramm Hepatitis E - ...................................................................................................................................................................................... 35
Lebensmitteluntersuchungen
Neue Farbe für das Haar – Farbspiel ohne Risiko.......................................................................................................................................................................................................40
Neue Rechtsbestimmungen April 2012 bis Juni 2012..............................................................................................................................................................................................43
Beschwerdeproben-Report für Lebensmittel nichttierischer Herkunft und Bedarfsgegenstände sowie Tabakerzeugnisse (2. Quartal 2012) ................... 46
Beschwerdenreport für Lebensmittel tierischer Herkunft (2. Quartal 2012) .................................................................................................................................................. 47
Veterinärmedizinische Tierseuchen- und Krankheitsdiagnostik
BSE-Untersuchungen 2. Quartal 2012 ............................................................................................................................................................................................................................47
Tollwutuntersuchungen 2. Quartal 2012 ....................................................................................................................................................................................................................... 48
Salmonellenberichterstattung im Freistaat Sachsen - 2. Quartal 2012 ............................................................................................................................................................ 48

 
2 │
ARE/Infl uenza:
Die Influenzasaison 2011/2012
ging mit der letzten Aprilwoche zu Ende. Eine
abschließende Auswertung wird wie auch
schon in den Vorjahren gesondert erfolgen.
Clostridium diffi cile
-Infektion: Unter den
1.337 Erkrankten mit
C. diffi cile
-Nachweis
kamen 3 Todesfälle zur Meldung. Betroffen
waren zwei männliche Patienten im Alter von
57 bzw. 83 Jahren, die infolge einer pseudo-
membranösen Kolitis verstarben sowie eine
91-jährige Frau. Der
Clostridium diffi cile
-To-
xinnachweis gelang im Stuhl der Betroffenen.
Creutzfeldt-Jacob-Krankheit (CJK):
Eine
67-jährige Frau erkrankte Anfang April mit
typischer Symptomatik und verstarb bereits
etwa 7 Wochen später im Mai dieses Jahres.
Eine Sektion wurde nicht eingeleitet. Somit
geht dieser Fall als klinischer CJK-Todesfall in
die Statistik ein.
Denguefi eber:
Bei den 3 im Berichtszeitraum
erfassten Fällen handelte es sich um Reise-
rückkehrer aus Thailand bzw. Indien. Sympto-
matisch zeigte sich bei den Betroffenen teils
hohes Fieber. Die Infektionen wurden serolo-
gisch bestätigt.
EHEC:
In Sachsen kamen im Berichtszeitraum
16 EHEC-Erkrankungen sowie 12 symptomlo-
se Ausscheider zur Meldung. Häufungen wur-
den nicht registriert.
Gasbrand:
Eine 96-jährige Diabetikerin
musste wegen Fieber, schwerer Entzündungs-
zeichen und einer Nekrose am Unterschenkel
stationär behandelt werden. Aus Wundab-
strich gelang der Nachweis von
Clostridium
perfringens
.
Eine 66-Jährige unterzog sich zur Entfernung
eines Blutgerinnsels im Bein einer stationären
Behandlung. Kurz darauf kam es zu Entzün-
dungszeichen mit Gasansammlung im Ober-
schenkelgewebe. Aus Gewebepunktat gelang
der Nachweis von
Clostridium perfringens
.
Aufgrund dessen musste eine Amputation
des Oberschenkels erfolgen.
Haemophilus infl uenzae
-Erkrankung (inva-
siv): Aus einem Landkreis wurde die Erkran-
kung eines 2-jährigen Jungen gemeldet, bei
dem sich symptomatisch Meningitis und Fie-
ber zeigten. Aus Liquor konnte
Haemophilus
infl uenzae
Kapseltyp e nachgewiesen werden.
Hantavirus
-Erkrankung: Im 2. Quartal des
Jahres konnten 4 Infektionen, davon 2 auto-
chthon erworbene, registriert werden. 3 Pa-
tienten waren zwischen 39 und 50 Jahren
alt und wiesen eine grippale Symptomatik,
Ödeme bzw. Nierenfunktionsstörungen auf.
Serologische Untersuchungen erbrachten
den Nachweis von Antikörpern gegen das
Pu-
umala-Virus
. Der entsprechende Kontakt von
Ausscheidungen infi zierter Nagetiere wurde
bestätigt.
Ein weiterer Fall betraf einen 30-Jährigen, der
ebenfalls mit grippaler Symptomatik sowie
hohem Fieber erkrankte, was eine stationäre
Behandlung notwendig machte. Serologische
Untersuchungen ergaben den Nachweis von
Antikörpern gegen
Hantavirus
. Vermutlich
hatte sich der Patient bei Arbeiten mit altem
Holz infi ziert.
Klebsiella spp. Carbapenem-resistent
(KPC):
An einer Klinik der Stadt Leipzig kam
es zu einem Ausbruch von Carbapenem-
resistenten Klebsiellen
1
. Der Nachweis des
ersten KPC-Keimes war bereits im Juli 2010
erfolgt. Etwa 3 Monate später - im Herbst
2010 - wurde eine ausbruchsartige Häufung
auf mehreren Stationen beobachtet. Dieser
bisher größte in Deutschland beschriebene
KPC-Ausbruch, dessen Gipfel bereits in den
Jahren 2010/2011 lag, konnte durch infek-
tionshygienische Maßnahmen weitgehend
unter Kontrolle gebracht werden. Bis Februar
2011 waren zunächst 30 Patienten betroffen.
Da es aber nicht gelang, die Weiterverbrei-
tung des Erregers vollständig zu verhindern,
wurden seit Februar 2011 weiterhin bei Pa-
tienten des Klinikums pro Monat zwischen 0
und 4 KPC-Nachweise registriert.
2012 gab es bisher 26 neue Nachweise. Da-
mit wurde der Keim innerhalb von 2 Jahren
(bis einschließlich Juni 2012) bei 79 Patienten
nachgewiesen. Betroffen waren hauptsäch-
lich Personen, die sich aufgrund schwerster
Grunderkrankungen in stationärer Behand-
lung befanden.
Zur weiteren Bekämpfung des multiresisten-
ten KPC-Keims hat das Klinikum die bishe-
rigen Hygienemaßnahmen ausgeweitet. So
werden unter anderem KPC-Patienten auf
einer besonders dafür eingerichteten Station
isoliert und umfangreiche Screeninguntersu-
chungen durchgeführt.
Das zuständige Gesundheitsamt, die LUA so-
wie das Robert Koch-Institut unterstützen
das Klinikum bei der intensiven Aufarbeitung
des Auftretens eines KPC-Keims und bei der
Klärung der möglichen Übertragungswege.
Dies wird durch die Erfassung und Auswer-
tung umfangreicher Daten aus den zurücklie-
genden zwei Jahren erfolgen und kann meh-
rere Monate in Anspruch nehmen.
Das Sächsische Staatsministerium für
Soziales und Verbraucherschutz (SMS)
beabsichtigt, die „Verordnung über die
Erweiterung der Meldepfl icht für über-
tragbare Krankheiten und Krankheitser-
reger nach dem Infektionsschutzgesetz“
(IfSGMeldeVO) zu erweitern und eine
Meldepfl icht für Carbapenemase-Bildner
bzw. erworbene eingeschränkte Carbape-
nem-Empfi ndlichkeit einzuführen.
Ein durch die LUA erstellter entsprechen-
der Entwurf sowie Ausführungshinweise
zur Handhabung werden derzeit mit den
sächsischen Laboratorien abgestimmt.
Bis zum Vorliegen einer verbindlichen
Rechtsgrundlage wurden die Kranken-
häuser und Labore im Freistaat Sach-
sen mit einem Schreiben des SMS vom
20.06.12 gebeten, Nachweise von Car-
bapenem-resistenten Klebsiellen, wenn
auch zunächst noch auf freiwilliger Basis,
an die jeweils zuständigen Gesundheits-
ämter zu melden.
Auf der Grundlage dieser freiwilligen Meldung
erfolgte aus einem Landkreis die Übermitt-
lung einer Infektion mit
Klebsiella oxytoca
(MBL-Stamm). Betroffen war ein 69-jähriger
Patient, der mit Fieber erkrankte. Der Erreger-
nachweis gelang aus der Blutkultur.
Aus dem Erzgebirgskreis wurde im Berichts-
quartal eine weitere nosokomiale Häufung
mit insgesamt 4 KPC-Nachweisen (2 Infektio-
nen sowie 2 Kolonisationen) übermittelt.
Legionellose:
Betroffen waren 4 Patienten
zwischen 52 und 71 Jahren. Aus einem Land-
kreis wurden 3 Patienten übermittelt, die mit
Fieber und Pneumonie erkrankten. Die Infek-
tionen konnten mittels Antigennachweis aus
Urin bestätigt werden. Im häuslichen Umfeld
der Patienten wurden Wasserproben entnom-
men, deren Untersuchungen mit negativen
Ergebnissen verliefen.
Ein weiterer Fall betraf eine 53-Jährige, die
mit Fieber, Gelenkschmerzen und Pneumonie
erkrankte. Die Infektion wurde serologisch
Epidemiologische Information für den Freistaat
Sachsen
2. Quartal 2012 (02.04. - 01.07.2012)
1
Klebsiellen sind Bakterien, die in jedem Darm vorkommen. Im vorliegenden Fall sind sie allerdings durch eine sogenannte Carbapenemase (Enzym) in der Lage, eine große Zahl von Antibiotika unwirksam zu
machen.

│3
bestätigt. Als Infektionsquelle kann ein Ho-
telaufenthalt in Bulgarien angenommen wer-
den.
Listeriose:
Zur Meldung kamen 4 Erkrankun-
gen sowie 2 Erregernachweise ohne beste-
hendes klinisches Bild. Es handelte es sich um
4 männliche (60, 65, 67 und 68 Jahre) und
2 weibliche (67 und 82 Jahre) Patienten. In
4 Fällen waren bestehende Vorerkrankungen
bekannt. Als Symptome wurden Fieber bzw.
Pneumonie angegeben. Der Nachweis gelang
jeweils aus der Blutkultur.
Malaria:
Es erkrankten 5 deutsche Patienten
zwischen 12 und 47 Jahren nach Aufenthal-
ten in Angola, Kenia und Uganda. In 3 Fäl-
len wurde eine M. tropica und je einmal eine
M. tertiana bzw. M. quartana diagnostiziert.
Eine vollständig durchgeführte Chemopro-
phylaxe konnte keiner der Betroffenen bele-
gen.
Eine weitere Infektion mit M. tropica betraf
einen 31-jährigen pakistanischen Asylbewer-
ber, bei dem diese im Rahmen der Einreiseun-
tersuchung diagnostiziert wurde.
Meningitis, bakteriell:
Im Quartal wurden
12 Erkrankungen übermittelt. Bei einem ein-
jährigen Mädchen, einem 3-Monate alten
Säugling sowie 4 Erwachsenen im Alter zwi-
schen 28 und 83 Jahren gelang aus Liquor der
Nachweis von
Streptococcus pneumoniae
.
Die Betroffenen waren nicht gegen Pneumo-
kokken geimpft.
Ein 2-jähriger ungeimpfter Junge erkrankte
mit meningitischer Symptomatik. Aus Liquor
wurde
Haemophilus infl uenzae
Kapseltyp e
nachgewiesen.
Bei weiteren 5 Patienten, die eine meningi-
tische Symptomatik aufzeigten, wurden aus
Liquor Meningokokken nachgewiesen (darun-
ter 3-mal Serogruppe B und einmal die Se-
rogruppe C). Betroffen waren 2 Erwachsene
sowie 3 Kinder. Ein 3 Monate alter Junge, bei
dem Meningokokken der Serogruppe C nach-
gewiesen worden waren, hatte bisher keine
Impfung gegen diese Serogruppe erhalten.
Meningoenzephalitis, viral:
Insgesamt ka-
men 24 Erkrankungen zur Meldung, von de-
nen 18 durch Enteroviren (darunter 8-mal
Echovirus
, 2-mal
Coxsackievirus
), 4 durch
Varizella-Zoster-Virus
sowie eine durch
Her-
pes simplex-Virus
bzw.
Infl uenzavirus
be-
dingt waren.
4 Kinder einer Kindertagesstätte sowie
eine Mutter mussten wegen meningiti-
scher Symptomatik stationär behandelt
werden. Bei 2 Patienten konnte
ECHO-
Virus
Typ 6 aus Liquor nachgewiesen wer-
den. 3 Betroffene wurden im epidemiolo-
gischen Zusammenhang erfasst, da hier
der Erregernachweis lediglich aus Stuhl
erfolgte.
Meningokokkenerkrankung, invasiv:
Zur
Übermittlung kamen 7 Erkrankungen (5-mal
Meningitis, je einmal Waterhouse-Friderich-
sen-Syndrom bzw. Sepsis).
Unter den Betroffenen befanden sich ein 3
Monate alter Säugling, ein 1-jähriges Mäd-
chen sowie ein 13-Jähriger. Die anderen Pa-
tienten waren zwischen 21 und 49 Jahre alt.
In 4 Fällen erbrachte eine Erreger-Typisierung
die Serogruppe B und 2-mal die Serogruppe
C. Bei ca. 80 Kontaktpersonen erfolgte eine
prophylaktische Antibiotikagabe.
Eine 31-jährige Frau erkrankte mit einem
Waterhouse-Friderichsen-Syndrom und
wurde sofort stationär aufgenommen.
Trotz intensivmedizinischer Behandlung
verstarb die Patientin noch am gleichen
Tag. Aus Blut wurden Meningokokken der
Serogruppe B nachgewiesen.
MRSA, invasive Erkrankung:
Im Berichts-
zeitraum kamen insgesamt 84 Nachweise zur
Meldung. Betroffen waren 60 männliche und
24 weibliche Patienten im Alter zwischen 32
und 88 Jahren. Der Erreger wurde jeweils aus
Blut nachgewiesen. Todesfälle wurden im Be-
richtszeitraum nicht registriert.
MRSA, nosokomiale Häufung:
Neben den
beiden oben beschriebenen KPC-Ausbrüchen,
wurden aus dem Stadtkreis Leipzig bzw. dem
Erzgebirgskreis 2 weitere nosokomiale Häu-
fungen mit jeweils 3 MRSA-Nachweisen ge-
meldet.
Norovirus
-Gastroenteritis: Im Berichtszeit-
raum kamen 1.809 Erkrankungen mit mik-
robiologischem Nachweis zur Meldung, was
einer Inzidenz von rund 64 Erkrankungen pro
100.000 Einwohner entsprach. Somit wurde
weniger als die Hälfte der im Vorquartal er-
fassten Infektionen registriert und der saiso-
nal übliche Rückgang, welcher sich bereits im
letzten Monat des Vorzeitraumes abzeichne-
te, setzte sich fort.
Aus einem Landkreis wurde der norovirus-
bedingte Tod eines 86-jährigen Mannes
gemeldet. Bei dem Patienten zeigten sich
schwere Durchfälle. Er wurde stationär
aufgenommen und verstarb trotz inten-
sivmedizinischer Versorgung 2 Tage nach
Erkrankungsbeginn. Der Erregernachweis
gelang aus Stuhl.
Im Rahmen von 62 Erkrankungshäufungen
wurden weitere 1.012 klinische Erkrankun-
gen im epidemiologischen Zusammenhang
erfasst. Gemeldet wurden diese aus 22 Senio-
renheimen, 22 Kindereinrichtungen, 11 medi-
zinischen Einrichtungen, jeweils 3 Wohnhei-
men bzw. Schulen und einer gastronomischen
Einrichtung.
Pertussis:
Im 2. Quartal des Jahres wurden
im Freistaat Sachsen 223 Erkrankungen sowie
7 asymptomatische Infektionen übermittelt.
Somit ergab sich mit 5 Erkrankungen pro
100.000 Einwohner eine deutlich niedrige-
re Neuerkrankungsrate als im Vorquartal (7
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner). Ver-
glichen mit dem Vorjahreszeitraum wurden
34 % weniger Erkrankungen erfasst.
Etwa 78 % aller erkrankten Personen verfüg-
ten über einen nur unvollständigen bzw. kei-
nen Impfschutz.
Über ein Drittel der in Sachsen erfassten In-
fektionen konnte in Zusammenhang mit 15
Ausbrüchen in verschiedenen Kindertages-
stätten, Schulen sowie mit familiären Kon-
takten gebracht werden.
An einer Förderschule erkrankten 2 Schü-
ler im Alter von 14 Jahren sowie die Mut-
ter eines der Kinder. Weitere Erkrankungen
bzw. symptomlose Infektionen zeigten
sich beim Betreuungspersonal, in deren
Familien bzw. in einer angeschlossenen
Wohngemeinschaft. Es ergab sich zum
Ende des Berichtszeitraumes ein Stand
von 11 Erkrankten, von denen 6 keinen
vollständigen Impfnachweis erbringen
konnten sowie 3 symptomlosen Keimträ-
gern. Alle Infektionen wurden mittels PCR
bestätigt.
Pneumokokkenerkrankung, invasiv:
Im
Berichtszeitraum kamen 42 Infektionen zur
Meldung. Hierbei handelte es sich unter an-
derem um einen Säugling (3 Monate alt) und
4 Kinder im Alter zwischen einem und neun
Jahren. Die weiteren Betroffenen waren Er-
wachsene zwischen 26 und 94 Jahren.
In 28 Fällen kam es zur Ausbildung einer
Pneumonie, 21-mal wurde eine Sepsis dia-
gnostiziert, 6-mal wurde Fieber und 6-mal
eine Meningitis als Hauptsymptom angege-
ben (Mehrfachnennung möglich). Todesfälle
kamen nicht zur Meldung. Bis auf 3 der Er-
wachsenen (61, 75 bzw. 90 Jahre alt) hatte
keiner der Patienten eine Pneumokokkenimp-
fung erhalten.
Rotavirus
-Gastroenteritis: Zur Meldung ka-
men in Sachsen im genannten Zeitraum
1.370 Erkrankungsfälle, was einer Inzidenz
von 33 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
entsprach und somit den 5-Jahres-Mittelwert
für das 2. Quartal von 79 Erkrankungen pro
100.000 Einwohner deutlich unterschritt.
Allerdings stieg die Neuerkrankungsrate im
April zunächst nochmals an, ehe sie ab Mai
dann wiederum sank.
Es wurden lediglich 7 Erkrankungshäufungen
erfasst, wobei 4 Kindereinrichtungen und 3
Seniorenheime betroffen waren.
Röteln:
Im Berichtszeitraum wurden 15 In-
fektionen registriert; kumulativ im Jahr 2012
bereits 22. Dies bedeut eine enorme Zunah-
me, denn in den vergangenen 5 Jahren kamen
jeweils nur zwischen einer und 6 Infektionen
zur Meldung.
Alle Erkrankungen wurden lediglich aus den
beiden Stadtkreisen Dresden und Leipzig ge-

4 │
meldet. Während es sich bei den Betroffenen
aus der Stadt Leipzig hauptsächlich um Ein-
zelfälle handelte, konnten die Infektionen aus
Dresden einer Häufung zugeordnet werden:
An einer Schule mit alternativem Schul-
profi l erkrankten im Berichtszeitraum 4
ungeimpfte Kinder. 2 Infektionen wurden
mittels PCR bzw. serologisch bestätigt, 2
Fälle im epidemiologischen Zusammen-
hang erfasst. Das Geschehen setzt sich
fort.
Die weitere Entwicklung wird zeigen, ob sich
die Erkrankungsraten weiter auf diesem ho-
hen Niveau halten.
Salmonellose:
Mit einer Neuerkrankungsrate
von 11 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
spielten die Salmonellen im Infektionsge-
schehen eine eher untergeordnete Rolle, eine
steigende Tendenz konnte jedoch beobachtet
werden.
Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum wur-
den im aktuellen Quartal etwa 30 % mehr
Erkrankungen erfasst.
Es kamen 2 Erkrankungshäufungen zur Mel-
dung:
Bereits einen Tag nach dem Verzehr von
Knüppelkuchen unter Roheizusatz er-
krankten 5 Erwachsene und 2 Kinder mit
Durchfällen. 2 Patienten mussten statio-
när behandelt werden. In den darauf fol-
genden Tagen zeigte sich bei weiteren 6
Personen die gleiche Symptomatik. Stuh-
luntersuchungen erbrachten bei den Be-
troffenen den Nachweis von
S. Enteritidis
.
Es konnten zusätzlich 2 Ausscheider er-
mittelt werden. Lebensmittelreste für eine
mögliche Untersuchung standen nicht
mehr zur Verfügung.
Seit Anfang Juni traten im Landkreis Gör-
litz Erkrankungen durch das in Deutsch-
land relativ selten vorkommende Serovar
S. Braenderup
auf. Die Patientenanam-
nesen ergaben bei allen den Verzehr von
Speisen aus zwei Döner-Bistros.
Bis Ende Juni wurden 59 Erkrankungen
und 8 Keimausscheider aus 6 Kreisen in
3 Bundesländern (neben Sachsen auch in
Berlin und Brandenburg) registriert. Min-
destens 13 Personen mussten stationär
behandelt werden. Weitere Fälle folgten
im Monat Juli.
Die Feintypisierung einiger humaner Iso-
late am Nationalen Referenzzentrum in
Wernigerode ergaben ein identisches
PFGE
2
-Muster und damit die Bestätigung
eines bundeslandübergreifenden Aus-
bruchs.
Die umfangreichen Lebensmittel- und Ob-
jektproben (Tupfer, Fliegenfänger, Fliegen)
aus den beiden Einrichtungen verliefen
hingegen alle mit negativem Ergebnis.
Es wurden ein Tätigkeitsverbot für einen
salmonellenpositiven Imbissmitarbeiter
ausgesprochen sowie umfangreiche Rei-
nigungs- und Desinfektionsmaßnahmen
angeordnet, dennoch traten weiterhin Er-
krankungen auf. Dies ließ auf mangelhaf-
tes Hygieneverhalten sowie Missachtung
von behördlichen Anordnungen eines bzw.
mehrerer infi zierter Bistro-Mitarbeiter
schließen.
Nach einer kurzen Zeit ohne
S. Braende-
rup
-Nachweise scheint sich das Gesche-
hen mit einzelnen Neuerkrankungen fort-
zusetzen. Weitere Informationen folgen zu
einem späteren Zeitpunkt.
Shigellose:
Von den 7 im Berichtszeitraum
erfassten Fällen waren 5 durch
Shigella son-
nei
und 2 durch
S. dysenteriae
bedingt. 3-mal
wurden verschiedene Auslandsaufenthalte
als Infektionsquelle angenommen.
Ein Ehepaar (71 und 72 Jahre) erkrankte
an einer Infektion mit
S. sonnei
. Als Infek-
tionsquelle wurde der Besuch der sonst
in Ägypten lebenden Enkel bzw. Urenkel
angesehen.
Toxoplasmose (konnatale Infektion):
Ein im
März geborenes Mädchen zeigte einen deut-
lich erhöhten IgM-Antikörper-Wert gegen
Toxoplasma gondii
. Klinisch war das Kind un-
auffällig. Laut mündlicher Aussage der Mut-
ter war diese während der Schwangerschaft
an einer Toxoplasmose erkrankt gewesen.
Diese Diagnose konnte jedoch nicht durch
einen Befund belegt werden.
Typhus:
Bei einem 12-jährigen Mädchen aus
der Stadt Leipzig, welches von einem Indien-
Aufenthalt zurückgekehrt und mit hohem
Fieber und Kopfschmerzen erkrankt war, wur-
de neben einem Denguefi eber auch Typhus
diagnostiziert. Der Nachweis
S. Typhi
erfolgte
im Stuhl und der Blutkultur.
Virushepatitis:
Die 3 im Quartal registrierten
Virushepatitis A
-Infektionen (serologisch
bestätigt) betrafen Patienten im Alter von 35,
75 und 80 Jahren. Zu möglichen Infektions-
quellen wurden keine Angaben gemacht.
Eine 73-jährige Frau aus der Stadt Chemnitz
verstarb an einer labordiagnostisch gesicher-
ten
Virushepatitis C
. Weitere Angaben wur-
den zu diesem Fall nicht übermittelt.
Weiterhin kamen 6
Virushepatitis E
-Fälle zur
Meldung. Bei einer 61-jährigen Frau aus dem
Vogtlandkreis zeigten sich symptomatisch
Übelkeit sowie Ikterus und sie wurde mit der
Verdachtsdiagnose Leberversagen stationär
aufgenommen. Die Infektion konnte serolo-
gisch bestätigt werden. Die Ermittlungen zur
Infektionsquelle ergaben einen 3-wöchigen
Aufenthalt in China.
Weitere Erkrankungen betrafen 3 Männer (35,
44 und 68 Jahre alt) sowie 2 Frauen im Alter
von 49 und 50 Jahren. Eine mögliche Infekti-
onsquelle konnte bei keinem dieser Patienten
ermittelt werden; Auslandsaufenthalte waren
nicht bekannt.
Zytomegalievirus-Infektion (konnatal):
Im
Berichtszeitraum wurden 2 Fälle übermittelt
Bei einem männlichen Frühgeborenen (36.
SSW) zeigten sich etwa 11 Wochen nach
seiner Geburt Gedeihstörungen, eine aku-
te Hepatitis sowie Durchfall. Der Junge
musste daraufhin intensivmedizinisch be-
treut werden. Aus Rachenabstrich, Stuhl
und Urin konnte mittels PCR eine
Zytome-
galievirus
-Infektion bestätigt werden. Zur
Mutter des Kindes lagen keinerlei Angaben
vor.
2 Wochen nach seiner termingerechten
Geburt wurde bei einem männlichen Neu-
geborenen mittels PCR Zytomegalieviren
aus Urin nachgewiesen. Das Kind war kli-
nisch unauffällig. Die Infektion konnte se-
rologisch auch bei der 26-jährigen Mutter
des Säuglings bestätigt werden. Während
der Schwangerschaft war diese bereits auf
CMV untersucht worden, zum damaligen
Zeitpunkt jedoch mit negativem Befund
Verantwortlich:
Dr. med. Dietmar Beier
und Mitarbeiter des
FG Infektionsepidemiologie
LUA Chemnitz
2
Die Pulsfeld-Gelelektrophorese ist ein molekularbiologisches Verfahren zum Vergleich der genetischen Verwandtschaft von Isolaten der gleichen Spezies.

│5
Übersicht über erfasste Infektionskrankheiten für den Freistaat Sachsen 2. Quartal 2012 (kumulativer Stand 01. – 26. BW)
Stand 07.08.2012
2. Quartal 2012
kumulativ
(1. - 26. BW 2012)
kumulativ
(1. - 26. BW 2011)
Meldekategorie
Erkrankung labordiagn.
Nachweis*
T
Inzidenz**
Erkrankung labordiagn.
Nachweis*
T
Erkrankung labordiagn.
Nachweis*
T
Adenovirus-Enteritis
414
10,0
984
1
1.154
1
Adenovirus-Infektion, respiratorisch
10
19
32
Adenovirus-Konjunktivitis
7
0,2
12
7
Amöbenruhr
11
4
0,3
25
8
19
5
Astrovirus-Enteritis
467
4
11,3
1.066
5
1.034
15
Borreliose
180
4,3
263
320
Campylobacter-Enteritis
1.251
7
30,1
2.121
12
2.589
20
Chlamydia trachomatis-Infektion
1.091
2.204
1.963
Clostridium difficile-Enteritis
1.337
3
32,2
2.838
8
3.343
5
CJK (Creutzfeldt-Jakob-Krankheit)
1
1
< 0,1
4
4
5
4
Denguefieber
3
0,1
3
4
1
Echinokokkose
1
1
EHEC-Erkrankung
16
12
0,4
50
26
80
21
Enterovirusinfektion
45
62
62
Escherichia coli-Enteritis
165
7
4,0
397
13
326
13
FSME
3
Gasbrand
2
< 0,1
3
1
3
3
Giardiasis
63
18
1,5
146
33
136
37
Gonorrhoe
180
336
268
GBS-Infektion
485
948
946
H. influenzae-Erkrankung (invasiv)
1
< 0,1
4
1
4
Hantavirus-Erkrankung
4
0,1
8
1
Hepatitis A
3
0,1
8
2
9
3
Hepatitis B
10
33
0,2
30
78
1
23
95
Hepatitis C
11
56
1
0,3
24
130
1
17
104
Hepatitis E
6
0,1
8
1
10
1
Herpes zoster
233
5,6
372
HUS, enteropathisch
1
3
Influenza
163
3,9
535
3
1
3.518
8
6
Klebsiella spp.***
17
17
Kryptosporidiose
18
1
0,4
34
2
27
Legionellose
4
0,1
9
8
1
1
Listeriose
4
2
0,1
9
3
7
2
Malaria
6
0,1
10
11
1
Masern
23
Meningokokken-Erkrankung (invasiv)
7
1
0,2
9
1
8
1
MRSA-Infektion (invasiv)
77
7
1,9
157
12
4
146
7
Mumps
9
0,2
14
11
Mycoplasma hominis-Infektion
167
319
199
Mycoplasma-Infektion, respiratorisch
185
539
1
495
1
Norovirus-Enteritis
1.809
10
1
43,6
7.581
24
2
6.575
16
3
Ornithose
1
Parainfluenza-Infektion
31
53
35
Paratyphus
1 1
Parvovirus B19-Infektion
25
37
54
Pertussis
223
7
5,4
511
19
611
32
Pneumokokken-Erkrankung (invasiv)
42
1,0
83
1
2
74
Q-Fieber
1
Rotavirus-Erkrankung
1.370
4
33,0
2.357
5
8.806
7
Röteln
15
0,4
22
1
RS-Virus-Infektion
104
605
476

6 │
2. Quartal 2012
kumulativ
(1. - 26. BW 2012)
kumulativ
(1. - 26. BW 2011)
Meldekategorie
Erkrankung labordiagn.
Nachweis*
T
Inzidenz**
Erkrankung labordiagn.
Nachweis*
T
Erkrankung labordiagn.
Nachweis*
T
Salmonellose
468
24
11,3
807
42
655
46
2
Scharlach
615
14,8
1.448
941
Shigellose
5
2
0,1
12
3
19
Syphilis
41
72
61
Toxoplasmose
24
2
0,6
53
6
36
6
Trichinellose
1
Tuberkulose
30
0,7
73
63
2
3
Tularämie
1
Typhus abdominalis
1
1
< 0,1
1
1
1
Windpocken
356
8,6
562
400
Yersiniose
90
2,2
160
192
4
Zytomegalievirus-Infektion
31
58
37
Angeborene Infektion
1
2
< 0,1
2
2
1
Tod an sonstiger Infektionskrankheit
1
*
labordiagnostischer Nachweis bei nicht erfülltem bzw. unbekanntem klinischen Bild
** Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
*** Carbapenem-resistent

 
│7
HIV / AIDS im Freistaat Sachsen –
Jahresbericht 2011
Nachfolgend werden die Zahlenberichte über
die Ergebnisse der an der Landesuntersu-
chungsanstalt für das Gesundheits- und Ve-
terinärwesen (LUA) Sachsen durchgeführten
HIV-Antikörperteste im Jahr 2011 aufgeführt.
Des Weiteren ist eine Zusammenstellung der
vom Robert Koch-Institut (RKI) erhobenen
HIV-Daten für Sachsen ab 1993 bzw. 2001
(RKI SurvStat Stand: 01.05.12) zu fi nden.
Untersuchungsergebnisse der LUA
Im Jahr 2011 wurden an der LUA Sachsen
8.213 HIV-Antikörperbestimmungen durch-
geführt. Insgesamt 100 Seren (1,22 %) wa-
ren im Bestätigungstest positiv (Tab. 1). Die
100 positiven Seren konnten 61 Patienten
zugeordnet werden. Dies entspricht einer pa-
tientenbezogenen Positivenrate von 0,74 %
(61/8.175). Im Vorjahr waren bei 0,53 %
(41/7.660) der in der LUA untersuchten Pati-
enten erstmals HIV-Antikörper nachgewiesen
worden.
Unter den 61 HIV-Positiven waren 6 (9,8 %)
Frauen, von denen 3 aus Deutschland und je-
weils eine aus Kenia, Russland und Thailand
stammten.
Der Ausländeranteil unter den HIV-Infi zier-
ten betrug im Jahr 2010 insgesamt ca. 20 %
(12/61), im Vorjahr hatte er ebenfalls etwa
20 % ausgemacht (8/41). Als Herkunftsländer
der männlichen ausländischen HIV-Infi zierten
sind neben Brasilien auch Indien (2 HIV-Posi-
tive), Italien, Kamerun, Libanon, Libyen, Thai-
land und Russland zu nennen.
Bei den positiv bestätigten Antikörpertesten
handelte es sich um HIV-1-Infektionen. Bei
keinem der HIV-Erstdiagnostizierten wurden
eindeutig Antikörper gegen das HI-Virus Typ
2 nachgewiesen.
Gemäß den Ergebnissen der RKI-Studie zur
Surveillance inzidenter HIV-Infektionen in
Deutschland war bei 22 der 61 positiv Getes-
teten die HIV-Infektion frisch erworben, d. h.
der Infektionszeitpunkt lag nicht länger als
140 Tage zurück.
Die Zahl der für Sächsische Justizvollzugsan-
stalten durchgeführten HIV-Untersuchungen
sind in Tabelle 2 aufgeführt.
Zeitliche Entwicklung der HIV-Infektionen
Die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infekti-
onen lag im Jahr 2011 deutschlandweit, aber
Abb. 1: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Sachsen im Zeitverlauf, 1993 - 2011
Abb. 2: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Deutschland im Zeitverlauf, 1993 - 2011
Abb. 3: Inzidenz der HIV-Erstdiagnosen in Sachsen und Deutschland, 2001 - 2011
17
44
58
38
42
32
51
36
32
34
24
49
69
66
83
79
85
117
111
0
20
40
60
80
100
120
140
1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011
Anzahl
Jahr
2360
2265
2229
1871
2070
1925
1746
1688
1443
1719
1978
2225
2508
2666
2800
2851
2885
2940
2901
0
400
800
1200
1600
2000
2400
2800
3200
1993
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
2009
2011
Anzahl
Jahr
0,7
0,8
0,6
1,1
1,6
1,6
2,0
1,9
2,0
2,8
2,7
1,8
2,1
2,4
2,7
3,0
3,2
3,4
3,5
3,5
3,6
3,6
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Gemeldete
Erstdiagnosen
pro 100.000 EW
Jahr
Sachsen
Deutschland

8 │
auch in Sachsen, weiterhin auf hohem Ni-
veau. Nachdem 2001 der bisherige Tiefpunkt
der HIV-Erstdiagnosezahlen in Deutschland
erreicht worden war, kam es anschließend
wieder zu einer Zunahme der HIV-Neudiag-
nosen, insbesondere in der Gruppe der Män-
ner, die Sex mit Männern haben (MSM).
Nach der neuen Modellierung des RKI, in die
eine genauere Schätzung des Infektionszeit-
punktes als bisher einfl ießt, lag der höchste
Wert für HIV-Neuinfektionen in Deutschland
im Jahr 2006. Nach einem mehrjährigen Pla-
teau geht nach den Schätzungen des RKI
die Gesamtzahl der HIV-Neudiagnosen in
Deutschland nun zurück (Epidemiologisches
Bulletin 46/2011, Pressemitteilung des RKI
am 21.11.11).
Nach Angaben des RKI wurden im Jahr 2011
aus Sachsen 111 HIV-Erstdiagnosen gemeldet
(Tab. 3, Abb. 1), die zweithöchste Anzahl, die
in einem Jahr seit Erfassungsbeginn über-
mittelt wurde. Im Vorjahr hatte die Zahl der
Erstmeldungen 117 betragen. In den Jahren
1993 - 2003 waren aus Sachsen jährlich
durchschnittlich 37 neue HIV-Infektionen an
das RKI gemeldet worden. Seit 1993 sind ins-
gesamt 1.067 HIV-Erstdiagnosen aus Sachsen
erfasst worden.
Im Freistaat Sachsen sollten gemäß Schät-
zungen des RKI Ende 2011 ca. 1.250 Men-
schen mit HIV/AIDS leben (siehe HIV/AIDS
in Sachsen – Eckdaten der Schätzung, Stand
Ende 2011,
http://www.rki.de).
Neben den HIV-Meldungen nach Infektions-
schutzgesetz fl ießen in die Schätzwerte des
RKI weitere Datenquellen ein wie u. a. die To-
desursachenstatistik der Gesundheitsbericht-
erstattung des Bundes und die AIDS-Meldun-
gen und HIV-Todesfallmeldungen an das RKI.
In Deutschland lag die Zahl der HIV-Erstdia-
gnosen im Berichtsjahr bei 2.901 (RKI Surv-
Stat Stand: 01.05.12) (Abb. 2). Es ist nach
Schätzungen des RKI davon auszugehen, dass
Ende 2011 in Deutschland ca. 73.000 Men-
schen mit HIV/AIDS lebten (siehe HIV/AIDS in
Deutschland – Eckdaten der Schätzung, Stand
Ende 2011,
http://www.rki.de).
Ein Vergleich der Inzidenzen der HIV-Erst-
diagnosen (gemeldete Erstdiagnosen pro
100.000 Einwohner) in Sachsen und Deutsch-
land zeigt die Abbildung 3.
Geschlechts- und Altersverteilung bei
HIV-Infektionen
Durchschnittlich 16 % der im Zeitraum 1993
– 2011 HIV-positiv Getesteten in Sachsen
waren weiblichen und ca. 83 % männlichen
Geschlechts (Tab. 3, Abb. 4). Annähernd iden-
Abb. 4: HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Geschlecht und Diagnosejahr, 1993 - 2011
Abb. 5: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Altersgruppen, 2001 - 2011
Abb. 6: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Altersgruppen, 2004 - 2011
88,2
84,1
77,6
78,9
64,3
90,6
72,5
72,2
68,8
91,2
58,3
81,6
84,1
84,8
92,8
87,3
88,2
85,5
91,0
5,9
13,6
22,4
21,1
35,7
9,4
27,5
27,8
28,1
8,8
37,5
18,4
15,9
13,6
6
11,4
11,8
14,5
9,0
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
1993
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
2009
2011
Anteil (%)
Jahr
männlich
weiblich
6
24
90
162
236
167
44
15
5
0
50
100
150
200
250
0-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-74 75-99
k.A.
Anzahl
Alter (Jahre)
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
0-14
15-19
20-24
25-29
30-39
40-49
50-59
60-74
75-99
k.A.
Anzahl
Alter (Jahre)
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011

│9
tische Zahlen hinsichtlich der Geschlechts-
verteilung fi nden sich auch für Deutschland.
Die meisten (etwa 32 %) aller HIV-Neudi-
agnosen im Freistaat Sachsen von 2001 -
2011 wurden in der Altersgruppe der 30- bis
39-Jährigen erfasst. Jeweils ca. 22 % der HIV-
Erstdiagnosen waren der Altersgruppe der
40- bis 49-Jährigen und der 25- bis 29-Jähri-
gen zuzuordnen (Tab. 9, Abb. 5, Abb. 6).
Bei Betrachtung der altersspezifi schen In-
zidenzen der Gesamt-HIV-Erstdiagnosen
(gemeldete Erstdiagnosen pro 100.000 der
jeweiligen Altersgruppe) in Sachsen fanden
sich im Jahr 2011 die höchsten Werte bei den
25- bis 29-Jährigen (10,9 pro 100.000), ge-
folgt von den 30- bis 39-Jährigen, bei denen
die altersspezifi sche Inzidenz bei etwa 5,2 pro
100.000 lag.
Bei weiterer Aufschlüsselung der Altersvertei-
lung auf die beiden Geschlechter ergibt sich
in Sachsen im Zeitraum 2001 - 2011 folgen-
der Sachverhalt: Beim weiblichen Geschlecht
wurden ca. 83 % der HIV-Neudiagnosen in der
Altersgruppe der 20- bis 49-Jährigen gestellt
(Tab. 9, Abb. 7), wobei die meisten (28 %) der
HIV-positiv Getesteten der Altersgruppe der
25- bis 29-Jährigen angehörten. Beim männ-
lichen Geschlecht betrafen ca. 76 % der HIV-
Neudiagnosen Infi zierte im Alter zwischen 25
- 49 Jahren. Ein Drittel der Männer, bei denen
eine HIV-Infektion erstmals nachgewiesen
wurde, waren 30 - 39 Jahre alt.
Die HIV-Infektionsinzidenz betrug im Be-
richtsjahr beim weiblichen Geschlecht mit 0,5
pro 100.000 ein Zehntel der Inzidenz beim
männlichen Geschlecht (5,0 pro 100.000).
Die altersspezifi sche Inzidenz bei männlichen
HIV-Erstdiagnostizierten war 2011 bei den
25- bis 29-Jährigen mit 18,4 pro 100.000
mehr als doppelt so hoch als bei den weiteren
hauptsächlich betroffenen Altersgruppen von
30 - 39 (9,0 pro 100.000), 40 - 49 (8,8 pro
100.000) und 20 - 24 (8,8 pro 100.000) Jahren
(Tab. 9, Abb. 8, Abb. 9).
Die Abbildung 10 zeigt die altersspezifi schen
Inzidenzen der HIV-Neudiagnosen bei Män-
nern im Freistaat Sachsen im Verlauf (Jahr
2001 und Zeitraum 2004-2011).
Regionale Verteilung der HIV-Infektionen
in Sachsen
Von den insgesamt 111 im Jahr 2011 neu
diagnostizierten HIV-Infektionen Sachsens
stammten 34 (31 %) aus dem Stadtraum
Dresden und 33 (30 %) aus dem Stadtraum
Leipzig. Aus dem Stadtraum Chemnitz wur-
den im Berichtsjahr 11 (10 %) und aus dem
Abb. 7: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Altersgruppen und Geschlecht, 2001 -2011
Abb. 8: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Altersgruppen und Geschlecht, 2011
Abb. 9: Inzidenz der HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Altersgruppen und Geschlecht, 2011
0,8
2,6
11,5
20,7
33,0
22,2
6,2
1,7
0,6
1,0
6,9
15,8
27,7
21,8
17,8
4,0
4,0
1,0
0
5
10
15
20
25
30
35
0-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-74 75-99 k.A.
Anteil (%)
Alter (Jahre)
männlich
weiblich
3
12
26
23
29
8
1
3
2
3
1
0
5
10
15
20
25
30
35
40
0-14
15-19
20-24
25-29
30-39
40-49
50-59
60-74
75-99
k.A.
Anzahl
Alter (Jahre)
männlich
weiblich
4,6
8,8
18,4
9,0
8,8
2,5
0,8
2,4
0,9
1,0
0,3
0
5
10
15
20
0-14
15-19
20-24
25-29
30-39
40-49
50-59
60-74
75-99
k.A.
Anzahl pro 100.000
Alter (Jahre)
männlich
weiblich

10 │
„übrigen Land“ 33 (30 %) HIV-Erstdiagnosen
an das RKI übermittelt (Tab. 4, Tab. 5, Tab. 7,
Abb. 12, Abb. 13). Der Stadtraum Zwickau
wird seit 2008 nicht mehr separat im Surv-
Stat ausgewiesen.
Im Zeitraum 1993 - 2011 stammten ca. 32 %
(339) der HIV-Meldungen Sachsens aus dem
Stadtraum Leipzig. Knapp ein Viertel der HIV-
Neudiagnosen waren dem Stadtraum Dres-
den (23 %, 250) und gut ein Viertel (28 %,
299) dem „übrigen Land“ zuzuordnen. Im
Stadtraum Chemnitz wurden 15 % (156) der
HIV-Erstdiagnosen erhoben. Aus dem Stadt-
raum Zwickau wurden von 1993 - 2007 ins-
gesamt 23 HIV-Neudiagnosen gemeldet (Tab.
4. Abb. 11).
Eine Gegenüberstellung der HIV-Meldungen
aus den Stadträumen Dresden und Leip-
zig zeigt, dass bei annähernd gleicher Ein-
wohnerzahl 2003 aus Leipzig etwa 10-mal
so viele, in den Jahren 2004 und 2005 fast
doppelt so viele HIV-Neudiagnosen gemeldet
wurden wie aus dem Stadtraum Dresden. In
den Jahren 2006 und 2007 wurde in den bei-
den Stadträumen Dresden und Leipzig eine
weitgehend übereinstimmende Anzahl neu
diagnostizierter HIV-Infektionen registriert,
während von 2008 - 2010 wiederum der
Stadtraum Leipzig bei den Erstdiagnosen an
der Spitze lag. Im Berichtsjahr stammten nun
erstmals wieder seit 2002 die meisten HIV-
Erstdiagnosen aus dem Stadtraum Dresden
(Tab. 4, Tab. 5, Tab. 7, Abb. 12).
Die relativ hohe Anzahl von HIV-Neudiagno-
sen aus Chemnitz, insbesondere in den 90er-
Jahren, ist auf die Lokalisierung der Zentralen
Ausländerbehörde (ZAB) in diesem Stadtraum
und auf den zu dieser Zeit noch überdurch-
schnittlichen Anteil von Migranten an den
HIV-Positiven Sachsens zurückzuführen
(s. auch Infektionsrisiko bei HIV-Infektionen).
Die Abbildung 13 zeigt die Inzidenzen der
gemeldeten HIV-Erstdiagnosen pro 100.000
Einwohner in den Regierungs-/Direktionsbe-
zirken bzw. Stadträumen. Während im Re-
gierungs-/ Direktionsbezirk Chemnitz in den
dargestellten Jahrgängen die Neudiagnosen-
Inzidenzen unter dem Durchschnitt von Sach-
sen lagen, waren sie im Regierungs-/Direkti-
onsbezirk Leipzig höher als der Durchschnitt.
Im Regierungs-/Direktionsbezirk Dresden ent-
sprachen sie bis 2010 annähernd dem säch-
sischen Mittel, das sie im Berichtsjahr jedoch
mit dem Auftreten von 3,2 HIV-Erstdiagnosen
pro 100.000 Einwohner überschritten.
Im Stadtraum Dresden wurde 2011 mit 6,5
HIV-Neudiagnosen pro 100.000 Einwohner
Abb. 10: Altersspezifi sche Inzidenzen der HIV-Erstdiagnosen beim männlichen Geschlecht in Sachsen, 2001 und
2004 - 2011
Abb. 11: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Stadträumen, 1993 - 2011*
*Stadtraum Zwickau seit 2008 nicht mehr separat ausgewiesen
Abb. 12: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Stadträumen, 1993 und 2004 - 2011*
*Stadtraum Zwickau seit 2008 nicht mehr separat ausgewiesen
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
0-14
15-19
20-24
25-29
30-39
40-49
50-59
60-74
75-99
Anzahl
Alter (Jahre)
2001
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
23,4
31,8
14,6
2,2
28,0
0
5
10
15
20
25
30
35
Dresden
Leipzig
Chemnitz
Zwickau
übriges Land
Anteil (%)
Stadtraum
4
12
14
19
19
21
19
31
34
2
23
27
19
22
31
30
48
33
1
3
6
7
9
3
10
6
11
22
6
2
5
8
9
16
19
28
24
26
32
33
0
10
20
30
40
50
1993
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
Anzahl
Jahr
Dresden
Leipzig
Chemnitz
Zwickau
übriges Land

│11
die höchste Inzidenz in Sachsen registriert, im
Stadtraum Leipzig betrug der entsprechende
Wert 6,3 pro 100.00. Im Jahr 2009 hatte im
Stadtraum Dresden die Zahl der HIV-Ersdia-
gnosen noch 3,7 pro 100.000 Einwohner be-
tragen (Abb.13).
Infektionsrisiko bei HIV-Infektionen
Angaben zum Infektionsrisiko liegen in Sach-
sen in ca. 80 % der gemeldeten HIV-Erstdia-
gnosen vor.
Im Zeitraum 1993 - 2011 gaben im Durch-
schnitt 50 % der HIV-Positiven aus Sachsen
als Infektionsrisiko Sex mit Männern an (MSM
= Männer, die Sex mit Männern haben). Der
entsprechende Wert für Deutschland liegt bei
etwa 45 %. Ca. ein Siebtel der Neudiagnosen
(14 %) aus Sachsen wurden in diesem Zeit-
raum bei Personen gestellt, die aus Hochprä-
valenzländern (HPL) kamen (HIV-Prävalenz
in der allgemeinen Bevölkerung >1 %). Der
Anteil dieser Infi zierten-Gruppe an den HIV-
Erstdiagnosen lag in Sachsen in den 90er-
Jahren höher als in Gesamtdeutschland. Er ist
im Freistaat Sachsen während der letzten Jah-
re stark zurückgegangen. Während er 1996
50 % betrug, lag er 2011 bei 5,4 %. Durch
heterosexuelle Kontakte (Hetero) wurden im
o. g. Zeitraum 13 - 14 % der HIV-Infektionen
in Sachsen und Deutschland übertragen. Das
vierthäufi gste Infektionsrisiko für eine HIV-
Infektion ist der i.v.-Drogenabusus ((IVDA),
Sachsen durchschnittlich: 3,7 %, Deutschland
durchschnittlich: 7,3 %) (Tab. 6, Tab. 7, Tab. 8,
Abb. 14, Abb. 15, Abb. 16).
In Deutschland war während der letzten Jah-
re bis 2010 eine kontinuierliche Zunahme
des Anteils von Männern, die Sex mit Män-
nern haben, an den neu-diagnostizierten
HIV-Infektionen zu verzeichnen. 2011 waren
deutschlandweit ca. 55 % der HIV-Erstdiag-
nosen auf das Infektionsrisiko MSM zurück-
zuführen. In Sachsen lag dieser Anteil im Be-
richtsjahr mit 68,5 % bislang am höchsten, in
den Jahren 1993 - 2003 hatte er im Freistaat
durchschnittlich 33,8 % betragen.
Eine Aufschlüsselung des Infektionsrisikos
nach Stadträumen zeigen die Tabelle 7 sowie
die Abbildungen 17, 18 und 19. Im Zeitraum
1993 - 2011 gaben durchschnittlich über die
Hälfte der erstmals HIV-positiv Getesteten
aus den Stadträumen Dresden und Leipzig
als Infektionsrisiko MSM an (57,2 % bzw.
62,2 %). Im Berichtsjahr war im Stadtraum
Dresden und Leipzig bei 74 % bzw. 79 % sowie
im „übrigen Land“ bei 61 % der HIV-Erstdiag-
nosen als Infektionsrisiko MSM ausgewiesen.
Im Vorjahr hatten die entsprechenden Zahlen
bei 45 %, 65 % und 41 % gelegen. Der Anteil
der durch heterosexuelle Kontakte übertra-
Abb. 13: Inzidenz der HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Regierungs-/Direktionsbezirken (DB) und Stadträumen
(SK), 2001 und 2006 - 2011*
*Stadtraum Zwickau seit 2008 nicht mehr separat ausgewiesen
Abb. 14: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Infektionsrisiko, 1993 - 2011
MSM = Männer, die Sex mit Männern haben
HPL = Herkunft aus Hochprävalenzländern
IVDA = i.v.-Drogenabusus
PPI = prä- oder perinatale Infektion
Hämo/Trans = Hämophilie/Transfusion
k.A. = keine Angabe
Hetero = heterosexuelle Kontakte
Abb. 15: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Infektionsrisiko und Diagnosejahr, 1993 - 2011
Legende s. Abb. 14
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
1993
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
2009
2011
Jahr
MSM
HPL
Hetero
IVDA
Hämo/Trans
PPI
k.A.
6,5
6,3
4,5
3,2
3,7
1,4
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
SK Dresden
SK Leipzig SK Chemnitz SK Zwickau DB Dresden
ges.
DB Leipzig
ges.
DB Chemnitz
ges.
Erstdiagnosen
pro 100.000
Einwohner
2001
2006
2007
2008
2009
2010
2011
534
39
1
147
151
3
192
0
100
200
300
400
500
600
MSM
IVDA
Hämo/
Trans
Hetero
HPL
PPI
k.A.
Anzahl
Infektionsrisiko

12 │
genen HIV-Infektionen war im o. g. Zeitraum
im „übrigen Land“ höher (18,4 %) als in den
Stadträumen Dresden, Leipzig und Chemnitz.
Im Stadtraum Chemnitz stammten im Zeit-
raum 1993 - 2010 durchschnittlich fast die
Hälfte (47,4 %) der HIV-Erstdiagnostizierten
aus Hochprävalenzländern.
Bei Betrachtung der Infektionsrisiken für die
Geschlechter in Sachsen zeigt sich, dass bei
den Frauen im Zeitraum von 2001 - 2011 die
HIV-Infektion am häufi gsten (45,5 %) durch
heterosexuelle Kontakte erworben wurde
(Tab. 8, Abb. 20). Ca. 31 % der HIV-positiven
Frauen stammten aus Hochprävalenzländern,
in denen HIV endemisch ist.
Beim männlichen Geschlecht wurden durch-
schnittlich ca. 10 % der HIV-Infektionen
durch heterosexuelle Kontakte übertragen.
Ca. 68 % der Männer gaben als Infektionsrisi-
ko sexuelle Kontakte mit Männern (MSM) an.
AIDS-Erkrankungen
Zum Zeitpunkt der Berichterstellung waren
die aktuellen Daten des RKI über die mitge-
teilten AIDS-Fälle des Jahres 2011 noch nicht
veröffentlicht. Aus dem Freistaat Sachsen
wurden seit Erfassungsbeginn bis Ende 2010
insgesamt 121 AIDS-Fälle berichtet (Tab. 11).
Die Meldung der AIDS-Erkrankungen erfolgt
durch die behandelnden Ärzte auf freiwilliger
Basis. Es wird daher auch für Sachsen – von
lokalen Ausnahmen abgesehen – von einer
Untererfassung der AIDS-Fälle ausgegangen.
Nach Schätzungen des RKI soll die Gesamt-
zahl der Todesfälle bei HIV-Infi zierten in
Sachsen seit Beginn der Epidemie bei ca. 140
liegen. Im Jahr 2011 sollen im Freistaat 10
Menschen aufgrund ihrer AIDS-Erkrankung
verstorben sein (siehe HIV/AIDS in Sachsen
- Eckdaten der Schätzung, Stand Ende 2011,
http://www.rki.de/).
Für Deutschland schätzt das RKI die Gesamt-
zahl der HIV-Positiven seit Beginn der Epide-
mie auf etwa 100.000, die Zahl der Todesfälle
auf ca. 27.000. 2011 wurden deutschlandweit
251 Neuerkrankungen an AIDS gemeldet und
es sollen ca. 500 Todesfälle bei HIV-Infi zierten
eingetreten sein (siehe Eckdaten des RKI für
Deutschland, Stand Ende 2010,
http://www.
rki.de/).
Zusammenfassung
Mit 111 HIV-Neudiagnosen wurde im Frei-
staat Sachsen im Jahr 2011 die zweithöchste
Anzahl an HIV-Erstnachweisen in einem Jahr
seit Erfassungsbeginn registriert. Die Inzidenz
der HIV-Erstdiagnosen liegt derzeit im Frei-
staat bei 2,7 pro 100.000 Einwohner.
Bezogen auf den Zeitraum 1993 - 2011 wa-
Abb. 16: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Deutschland nach Infektionsrisiko und Diagnosejahr, 1993 – 2011
Legende s. Abb. 14
Abb. 17: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Infektionsrisiko und Region, 1993 - 2011*
Legende s. Abb. 14
*Stadtraum Zwickau seit 2008 nicht mehr separat ausgewiesen
Abb. 18: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Infektionsrisiko und Region, 2011*
Legende s. Abb. 14
*Stadtraum Zwickau seit 2008 nicht mehr separat ausgewiesen
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
1993
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
2009
2011
Jahr
k.A.
PPI
Hämo/Trans
IVDA
Hetero
HPL
MSM
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Dresden
Leipzig
Chemnitz
Zwickau
übriges
Land
gesamt
Stadtraum
k.A.
PPI
Hämo/Trans
IVDA
Hetero
MSM
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Dresden
Leipzig
Chemnitz
Zwickau
übriges Land
gesamt
Stadtraum
k.A.
PPI
Hämo/Trans
IVDA
Hetero
HPL
MSM

│13
ren durchschnittlich ca. vier Fünftel (83 %)
der HIV-positiv Getesteten männlichen und
knapp ein Fünftel (16 %) weiblichen Ge-
schlechts.
Die meisten (ca. 32 %) HIV-Erstdiagnosen
insgesamt betrafen die Altersgruppe der 30-
bis 39-Jährigen. Beim weiblichen Geschlecht
wurden die meisten Neudiagnosen (ca. 28 %)
dagegen im Alter von 25 - 29 Jahren gestellt
(Zeitraum 2001 - 2011). Im Jahr 2011 waren
in Sachsen die höchsten altersspezifi schen
Inzidenzen der Gesamt-HIV-Erstdiagnosen
bei den 25- bis 29-Jährigen (10,9 pro 100.000
der Altersgruppe) nachzuweisen, die alters-
spezifi schen Inzidenzen in den Altersgruppen
von 20 - 24, 30 - 39 und 40 - 49 Jahren lagen
zwischen 4,9 und 5,2 pro 100.000. Auch bei
den männlichen HIV-Erstdiagnostizierten in
Sachsen war im Berichtsjahr die altersspezifi -
sche Inzidenz bei den 25- bis 29-Jährigen mit
18,4 pro 100.000 am höchsten.
Durchschnittlich 32 % der Erstnachweise bei
HIV-Infi zierten seit 1993 stammten aus dem
Stadtraum Leipzig. In den Direktionsbezirken
Leipzig und Dresden lagen im Berichtsjahr
die Inzidenzen der HIV-Neudiagnosen mit
3,7 und 3,2 pro 100.000 Einwohner über dem
sächsischen Durchschnitt. Als Stadtraum mit
der höchsten Inzidenz von HIV-Erstdiagnosen
(6,5 pro 100.000 Einwohner) war im Jahr
2011 – erstmals wieder seit 2002 – Dresden
zu nennen.
Auch in Sachsen war während der letzten
Jahre eine Zunahme von HIV-Neudiagnosen
mit dem Infektionsrisiko MSM zu beobachten
gewesen. 2011 wurde mit 68,5 % der bislang
höchste Anteil von MSM an den HIV-positiv-
Getesteten in Sachsen erfasst.
Bearbeiter:
Dr. med. Ingrid Ehrhard
LUA Dresden
Abb. 19: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Infektionsrisiko und Region, 2010*
Legende s. Abb. 14
*Stadtraum Zwickau seit 2008 nicht mehr separat ausgewiesen
Abb. 20: Gemeldete HIV-Erstdiagnosen in Sachsen nach Infektionsrisiko und Geschlecht, 2001 - 2011
Legende s. Abb. 14
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Dresden
Leipzig
Chemnitz
Zwickau
übriges
Land
gesamt
Stadtraum
k.A.
PPI
Hämo/Trans
IVDA
Hetero
MSM
68,0
30,7
10,4
45,5
15,4
21,8
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
männlich
weiblich
Geschlecht
k.A.
PPI
Hämo/ Trans
IVDA
Hetero
HPL
MSM

14 │
Tab. 1: Ergebnisse der in der LUA Sachsen durchgeführten HIV-Antikörperteste im Jahr 2011 (bezogen auf positive Seren)
Chemnitz
Dresden
Leipzig
Gesamt
absolut
%
absolut
%
absolut
%
absolut
%
1. abgeschlossene HIV-Antikörper-Untersuchungen
3.065
100
2.677
100
2.471
100
8.213
100
davon Frauen
762
24,86
1.016
37,95
1.003
40,59
2.781
33,86
1.1 davon im Bestätigungstest positiv
12
0,39
63
2,35
25
1,01
100
1,22
davon Frauen
1
0,03
5
0,19
2
0,08
8
0,10
2. abgeschlossene anonyme Untersuchungen
2.606
85,02
2.467
92,16
2.084
84,34
7.157
87,14
2.1 davon im Bestätigungstest positiv
6
0,20
59
2,20
14
0,57
79
0,96
3. Differenzierung nach Einsendern
3.1 Gesundheitsämter
977
31,88
2.409
89,99
2.420
97,94
5.806
70,69
3.2 Justizvollzugsanstalten / Polizei
138
4,50
182
6,80
51
2,06
371
4,52
3.3 Krankenhäuser
0
0,00
84
3,14
0
0
84
1,02
3.4 Drogentherapieeinrichtungen
0
0,00
0
0,00
0
0,00
0
0,00
3.5 niedergelassene Ärzte
0
0,00
0
0,00
0
0,00
0
0,00
3.6 sonstige
1.950
63,62
2
0,07
0
0,00
1.952
23,77
4. Differenzierung nach Personengruppen
4.1 Personen mit sex. Risikoverhalten /
sexuelle Risikogruppe
31
1,01
789
29,47
2.114
85,55
2.934
35,72
4.2 i.v. Drogengebraucher
2
0,07
1
0,04
0
3
0,04
4.3 Asylbewerber
1.959
63,92
28
1,05
4
0,16
1.991
24,24
4.4 Hämophile / nach Bluttransfusion / Dialyse
0
0,00
0
0,00
0
0,00
0
0,00
4.5 med. Personal
1
0,03
2
0,07
0
0,00
3
0,04
4.6 ohne Angaben
1.072
34,98
1.857
69,37
353
14,29
3.282
39,96
Tab. 2: In der LUA Sachsen durchgeführte HIV-Antikörperteste für Sächsische Justizvollzugsanstalten im Jahr 2011
Anzahl der Untersuchungen
davon positiv im Bestätigungstest
Direktionsbezirk Chemnitz
115
davon: Chemnitz
17
Plauen
0
Zwickau
12
Waldheim
86
Direktionsbezirk Dresden
159
4
davon: Bautzen
84
1
Dresden
26
Görlitz
37
1
Zeithain
12
2
Direktionsbezirk Leipzig
51
davon: Leipzig JV-Krankenhaus
18
Regis-Breitingen
17
Torgau
16
Waldheim
80
Gesamt
325
4

│15
Tab. 3: Verteilung der bestätigten HIV-Antikörperteste in Sachsen nach Diagnosejahr und Geschlecht (valide Ersttestungen seit 1993)
(RKI SurvStat Stand: 01.05.12)
Jahr
Geschlecht
Gesamt
männlich
weiblich
unbekannt
absolut
absolut
%
%
absolut
%
absolut
%
1993
15
88,2
1
5,9
1
5,9
17
100
1994
37
84,1
6
13,6
1
2,3
44
100
1995
45
77,6
13
22,4
0
0
58
100
1996
30
78,9
8
21,1
0
0
38
100
1997
27
64,3
15
35,7
0
0
42
100
1998
29
90,6
3
9,4
0
0
32
100
1999
37
72,5
14
27,5
0
0
51
100
2000
26
72,2
10
27,8
0
0
36
100
2001
22
68,8
9
28,1
1
3,1
32
100
2002
31
91,2
3
8,8
0
0
34
100
2003
14
58,3
9
37,5
1
4,2
24
100
2004
40
81,6
9
18,4
0
0
49
100
2005
58
84,1
11
15,9
0
0
69
100
2006
56
84,8
9
13,6
1
1,5
66
100
2007
77
92,8
5
6,0
1
1,2
83
100
2008
69
87,3
9
11,4
1
1,3
79
100
2009
75
88,2
10
11,8
0
0
85
100
2010
100
85,5
17
14,5
0
0
117
100
2011
101
91,0
10
9,0
0
0
111
100
Gesamt
889
83,3
171
16,0
7
0,7
1.067
100
Tab. 4: Verteilung der bestätigten HIV-Antikörperteste in Sachsen nach Diagnosejahr und Region (valide Ersttestungen seit 1993)
(RKI SurvStat Stand: 01.05.12)
Jahr
Stadtraum
übriges Land
Gesamt
Dresden
Leipzig
Chemnitz
Zwickau*
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
1993
4
23,5
2
11,8
1
5,9
2
11,8
8
47,1
17
100
1994
8
18,2
8
18,2
14
31,8
0
0
14
31,8
44
100
1995
16
27,6
10
17,2
17
29,3
0
0
15
25,9
58
100
1996
4
10,5
6
15,8
19
50,0
0
0
9
23,7
38
100
1997
2
4,8
15
35,7
15
35,7
1
2,4
9
21,4
42
100
1998
7
21,9
9
28,1
6
18,8
0
0
10
31,3
32
100
1999
13
25,5
18
35,3
9
17,6
2
3,9
9
17,6
51
100
2000
7
19,4
7
19,4
9
25,0
1
2,8
12
33,3
36
100
2001
7
21,9
9
28,1
7
21,9
1
3,1
8
25,0
32
100
2002
12
35,3
10
29,4
2
5,9
1
2,9
9
26,5
34
100
2003
1
4,2
12
50,0
2
8,3
0
0
9
37,5
24
100
2004
12
24,5
23
46,9
3
6,1
2
4,1
9
18,4
49
100
2005
14
20,3
27
39,1
6
8,7
6
8,7
16
23,2
69
100
2006
19
28,8
19
28,8
7
10,6
2
3
19
28,8
66
100
2007
19
22,9
22
26,5
9
10,8
5
6
28
33,7
83
100
2008
21
26,6
31
39,2
3
3,8
-
-
24
30,4
79
100
2009
19
22,4
30
35,3
10
11,8
-
-
26
30,6
85
100
2010
31
26,5
48
41,0
6
5,1
-
-
32
27,4
117
100
2011
34
30,6
33
29,7
11
9,9
-
-
33
29,7
111
100
Gesamt
250
23,4
339
31,8
156
14,6
23
2,2
299
28,0
1.067
100
*seit 2008 nicht mehr separat ausgewiesen im SurvStat

16 │
Tab. 5: Verteilung der bestätigten HIV-Antikörperteste in Sachsen nach Diagnosejahr, Region und Geschlecht (valide Ersttestungen seit
2001) (RKI SurvStat Stand: 01.05.12)
Jahr
Stadtraum
Geschlecht
Gesamt
männlich
weiblich
unbekannt
2001
Dresden
6
1
0
7
Leipzig
3
6
0
9
Chemnitz
5
1
1
7
Zwickau
1
0
0
1
übriges Land
7
1
0
8
2002
Dresden
11
1
0
12
Leipzig
9
1
0
10
Chemnitz
2
0
0
2
Zwickau
1
0
0
1
übriges Land
8
1
0
9
2003
Dresden
1
0
0
1
Leipzig
9
2
1
12
Chemnitz
0
2
0
2
Zwickau
0
0
0
0
übriges Land
4
5
0
9
2004
Dresden
9
3
0
12
Leipzig
21
2
0
23
Chemnitz
2
1
0
3
Zwickau
2
0
0
2
übriges Land
6
3
0
9
2005
Dresden
11
3
0
14
Leipzig
24
3
0
27
Chemnitz
5
1
0
6
Zwickau
4
2
0
6
übriges Land
14
2
0
16
2006
Dresden
15
3
1
19
Leipzig
17
2
0
19
Chemnitz
6
1
0
7
Zwickau
2
0
0
2
übriges Land
16
3
0
19
2007
Dresden
16
2
1
19
Leipzig
22
0
0
22
Chemnitz
9
0
0
9
Zwickau
4
1
0
5
übriges Land
26
2
0
28
2008
Dresden
19
2
0
21
Leipzig
27
4
0
31
Chemnitz
2
1
0
3
Zwickau*
-
-
-
-
übriges Land
21
2
1
24
2009
Dresden
17
2
0
19
Leipzig
30
0
0
30
Chemnitz
9
1
0
10
Zwickau*
-
-
-
-
übriges Land
19
7
0
26
2010
Dresden
26
5
0
31
Leipzig
42
6
0
48
Chemnitz
6
0
0
6
Zwickau*
-
-
-
-
übriges Land
26
6
0
32

│17
Jahr
Stadtraum
Geschlecht
Gesamt
männlich
weiblich
unbekannt
2011
Dresden
32
2
0
34
Leipzig
30
3
0
33
Chemnitz
10
1
0
11
Zwickau*
-
-
-
-
übriges Land
29
4
0
33
2001-2011
Dresden
163
24
2
189
Leipzig
234
29
1
264
Chemnitz
56
9
1
66
Zwickau*
14
3
0
17
übriges Land
176
36
1
213
Gesamt
643
101
5
749
*seit 2008 nicht mehr separat ausgewiesen im SurvStat
Tab. 6: Verteilung der bestätigten HIV-Antikörperteste in Sachsen nach Diagnosejahr und angegebenem Infektionsrisiko
(valide Ersttestungen seit 1993) (RKI SurvStat Stand: 01.05.12)
Jahr
Infektionsrisiko
Gesamt
MSM
IVDA
Hämo/Trans
Hetero
HPL
PPI
k.A.
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
1993
9
52,9
1
5,9
0
0
2
11,8
0
0,0
0
0
5
29,4
17
100
1994
9
20,5
4
9,1
0
0
3
6,8
14
31,8
0
0
14
31,8
44
100
1995
12
20,7
5
8,6
1
1,7
5
8,6
22
37,9
0
0
13
22,4
58
100
1996
8
21,1
0
0,0
0
0
2
5,3
19
50
0
0
9
23,7
38
100
1997
10
23,8
4
9,5
0
0
1
2,4
19
45,2
0
0
8
19,0
42
100
1998
17
53,1
2
6,3
0
0
1
3,1
8
25
0
0
4
12,5
32
100
1999
19
37,3
3
5,9
0
0
10
19,6
8
15,7
0
0
11
21,6
51
100
2000
13
36,1
1
2,8
0
0
8
22,2
7
19,4
0
0
7
19,4
36
100
2001
8
25,0
1
3,1
0
0
5
15,6
10
31,3
1
3,1
7
21,9
32
100
2002
15
44,1
1
2,9
0
0
4
11,8
5
14,7
0
0
9
26,5
34
100
2003
9
37,5
0
0,0
0
0
7
29,2
5
20,8
0
0
3
12,5
24
100
2004
31
63,3
2
4,1
0
0
5
10,2
5
10,2
1
2
5
10,2
49
100
2005
43
62,3
1
1,4
0
0
10
14,5
6
8,7
0
0
9
13,0
69
100
2006
30
45,5
3
4,5
0
0
14
21,2
7
10,6
0
0
12
18,2
66
100
2007
53
63,9
4
4,8
0
0
13
15,7
2
2,4
1
1,2
10
12,0
83
100
2008
52
65,8
0
0,0
0
0
11
13,9
3
3,8
0
0
13
16,5
79
100
2009
57
67,1
2
2,4
0
0
11
12,9
3
3,5
0
0
12
14,1
85
100
2010
63
53,8
3
2,6
0
0
25
21,4
2
1,7
0
0
24
20,5
117
100
2011
76
68,5
2
1,8
0
0
10
9,0
6
5,4
0
0
17
15,3
111
100
Gesamt
534
50,0
39
3,7
1
0,1
147
13,8
151
14,2
3
0,3
192
18,0
1.067
100
Legende:
MSM
=
Männer, die Sex mit Männern haben
IVDA
=
i.v. Drogenabusus
Hämo/Trans =
Hämophilie/Transfusion
Hetero
=
heterosexuelle Kontakte
HPL
=
Herkunft aus Hochprävalenzländern
PPI
=
prä- oder perinatale Infektion
k.A.
=
keine Angabe

18 │
Tab. 7: Verteilung der bestätigten HIV-Antikörperteste in Sachsen nach Diagnosejahr, Region und Infektionsrisiko
(valide Ersttestungen seit 1993) (RKI SurvStat Stand: 01.05.2012)
Jahr
Stadtraum
Infektionsrisiko
Gesamt
MSM
IVDA
Hämo/Trans.
Hetero
HPL
PPI
k.A.
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
1993
Dresden
3
75,0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
25,0
4
100
Leipzig
1
50,0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
50,0
2
100
Chemnitz
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
100
1
100
Zwickau
2
100
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
2
100
übr. Land
3
37,5
1
12,5
0
0
2
25,0
0
0
0
0
2
25,0
8
100
1994
Dresden
4
50,0
0
0
0
0
1
12,5
1
12,5
0
0
2
25,0
8
100
Leipzig
2
25,0
0
0
0
0
0
0
1
12,5
0
0
5
62,5
8
100
Chemnitz
0
0
1
7,1
0
0
0
0
12
85,7
0
0
1
7,1
14
100
Zwickau
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
übr. Land
3
21,4
3
21,4
0
0
2
14,4
0
0
0
0
6
42,9
14
100
1995
Dresden
6
37,5
0
0
0
0
1
6,3
5
31,3
0
0
4
25,0
16
100
Leipzig
1
10,0
2
20,0
1
10,0
1
10,0
3
30
0
0
2
20,0
10
100
Chemnitz
2
11,8
0
0
0
0
1
5,9
11
64,7
0
0
3
17,6
17
100
Zwickau
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
übr. Land
3
20,0
3
20,0
0
0
2
13,3
3
20,0
0
0
4
26,7
15
100
1996
Dresden
1
25,0
0
0
0
0
0
0
2
50,0
0
0
1
25,0
4
100
Leipzig
4
66,7
0
0
0
0
1
16,7
0
0
0
0
1
16,7
6
100
Chemnitz
0
0
0
0
0
0
0
0
16
84,2
0
0
3
15,8
19
100
Zwickau
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
übr. Land
3
33,3
0
0
0
0
1
11,1
1
11,1
0
0
4
44,4
9
100
1997
Dresden
0
0
0
0
0
0
0
0
1
50,0
0
0
1
50,0
2
100
Leipzig
5
33,3
3
20,0
0
0
0
0
5
33,3
0
0
2
13,3
15
100
Chemnitz
1
6,7
0
0
0
0
0
0
12
80,0
0
0
2
13,3
15
100
Zwickau
0
0
0
0
0
0
0
0
1
100
0
0
0
0
1
100
übr. Land
4
44,4
1
11,1
0
0
1
11,1
0
0
0
0
3
33,3
9
100
1998
Dresden
7
100
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
7
100
Leipzig
3
33,3
1
11,1
0
0
1
11,1
3
33,3
0
0
1
11,1
9
100
Chemnitz
1
16,7
0
0
0
0
0
0
5
83,3
0
0
0
0
6
100
Zwickau
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
übr. Land
6
60,0
1
10,0
0
0
0
0
0
0
0
0
3
30,0
10
100
1999
Dresden
3
23,1
1
7,7
0
0
3
23,2
2
15,4
0
0
4
30,8
13
100
Leipzig
9
50,0
0
0
0
0
5
27,8
1
5,6
0
0
3
16,7
18
100
Chemnitz
2
22,2
0
0
0
0
0
0
4
44,4
0
0
3
33,3
9
100
Zwickau
1
50,0
0
0
0
0
0
0
1
50,0
0
0
0
0
2
100
übr. Land
4
44,4
2
22,2
0
0
2
22,2
0
0
0
0
1
11,1
9
100
2000
Dresden
3
42,9
0
0
0
0
1
14,3
3
42,9
0
0
0
0
7
100
Leipzig
3
42,9
0
0
0
0
2
28,6
2
28,6
0
0
0
0
7
100
Chemnitz
2
22,2
1
11,1
0
0
0
0
1
11,1
0
0
5
55,6
9
100
Zwickau
0
0
0
0
0
0
1
100
0
0
0
0
0
0
1
100
übr. Land
5
41,7
0
0
0
0
4
33,3
1
8,3
0
0
2
16,7
12
100
2001
Dresden
3
42,9
0
0
0
0
0
0
2
28,6
0
0
2
28,6
7
100
Leipzig
2
22,2
0
0
0
0
2
22,2
4
44,4
1
11,1
0
0
9
100
Chemnitz
0
0
0
0
0
0
2
28,6
3
42,9
0
0
2
28,6
7
100
Zwickau
1
100
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
100
übr. Land
2
25,0
1
12,5
0
0
1
12,5
1
12,5
0
0
3
37,5
8
100
2002
Dresden
6
50,0
1
8,3
0
0
1
8,3
1
8,3
0
0
3
25,0
12
100
Leipzig
6
60,0
0
0
0
0
1
10,0
2
20,0
0
0
1
10,0
10
100
Chemnitz
0
0
0
0
0
0
0
0
2
100
0
0
0
0
2
100
Zwickau
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
100
1
100
übr. Land
3
33,3
0
0
0
0
2
22,2
0
0
0
0
4
44,4
9
100

│19
Jahr
Stadtraum
Infektionsrisiko
Gesamt
MSM
IVDA
Hämo/Trans.
Hetero
HPL
PPI
k.A.
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
abs.
%
2003
Dresden
1
100
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
100
Leipzig
8
66,7
0
0
0
0
0
0
4
33,3
0
0
0
0
12
100
Chemnitz
0
0
0
0
0
0
2
100
0
0
0
0
0
0
2
100
Zwickau
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
übr. Land
0
0
0
0
0
0
5
55,6
1
11,1
0
0
3
33,3
9
100
2004
Dresden
9
75,0
0
0
0
0
1
8,3
1
8,3
1
8,3
0
0
12
100
Leipzig
16
69,6
1
4,3
0
0
2
8,7
1
4,3
0
0
3
13
23
100
Chemnitz
2
66,7
0
0
0
0
0
0
1
33,3
0
0
0
0
3
100
Zwickau
2
100
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
2
100
übr. Land
2
22,2
1
11,1
0
0
2
22,2
2
22,2
0
0
2
22,2
9
100
2005
Dresden
10
71,4
0
0
0
0
1
7,1
1
7,1
0
0
2
14,3
14
100
Leipzig
19
70,4
0
0
0
0
4
14,8
0
0
0
0
4
14,8
27
100
Chemnitz
3
50,0
0
0
0
0
1
16,7
2
33,3
0
0
0
0
6
100
Zwickau
2
33,3
0
0
0
0
2
33,3
2
33,3
0
0
0
0
6
100
übr. Land
9
56,3
1
6,3
0
0
2
12,5
1
6,3
0
0
3
18,8
16
100
2006
Dresden
6
31,6
0
0
0
0
6
31,6
4
21,1
0
0
3
15,8
19
100
Leipzig
12
63,2
2
10,5
0
0
2
10,5
0
0
0
0
3
10,5
19
100
Chemnitz
2
28,6
1
14,3
0
0
2
28,6
0
0
0
0
2
28,6
7
100
Zwickau
0
0
0
0
0
0
1
50,0
0
0
0
0
1
50,0
2
100
übr. Land
10
52,6
0
0
0
0
3
15,8
3
15,8
0
0
3
15,8
19
100
2007
Dresden
12
63,2
1
5,3
0
0
3
15,8
0
0
0
0
3
15,8
19
100
Leipzig
17
77,3
0
0
0
0
2
9,1
1
4,5
0
0
2
9,1
22
100
Chemnitz
7
77,8
0
0
0
0
2
22,2
0
0
0
0
0
0
9
100
Zwickau
2
40,0
1
20
0
0
2
40,0
0
0
0
0
0
0
5
100
übr. Land
15
53,6
2
7,1
0
0
4
14,3
1
3,6
1
3,6
5
17,9
28
100
2008
Dresden
15
71,4
0
0
0
0
0
0
1
4,8
0
0
5
23,8
21
100
Leipzig
22
71,0
0
0
0
0
5
16,1
1
3,2
0
0
3
9,7
31
100
Chemnitz
0
0
0
0
0
0
0
0
1
33,3
0
0
2
66,7
3
100
Zwickau*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
übr. Land
15
62,5
0
0
0
0
6
25,0
0
0
0
0
3
12,5
24
100
2009
Dresden
15
78,9
0
0
0
0
2
10,5
0
0
0
0
2
10,5
19
100
Leipzig
24
80,0
1
3,3
0
0
0
0
0
0
0
0
5
16,7
30
100
Chemnitz
5
50,0
0
0
0
0
3
30,0
2
20
0
0
0
0
10
100
Zwickau*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
100
übr. Land
13
50,0
1
3,8
0
0
6
23,1
1
3,8
0
0
5
19,2
26
100
2010
Dresden
14
45,2
0
0
0
0
7
22,6
0
0
0
0
10
32,3
31
100
Leipzig
31
64,6
0
0
0
0
12
25,0
1
2,1
0
0
4
8,3
48
100
Chemnitz
5
83,3
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
16,7
6
100
Zwickau*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
übr. Land
13
40,6
3
9,4
0
0
6
18,8
1
3,1
0
0
9
28,1
32
100
2011
Dresden
25
73,5
2
5,9
0
0
2
5,9
1
2,9
0
0
4
11,8
34
100
Leipzig
26
78,8
0
0
0
0
2
6,1
2
6,1
0
0
3
9,1
33
100
Chemnitz
5
45,5
0
0
0
0
2
18,2
2
18,2
0
0
2
18,2
11
100
Zwickau*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
übr. Land
20
60,6
0
0
0
0
4
12,1
1
3
0
0
8
24,2
33
100
1993-
2011
Dresden
143
57,2
5
2
0
0
29
11,6
25
10
1
0,4
47
18,8
250
100
Leipzig
211
62,2
10
2,9
1
0,3
42
12,4
31
9,1
1
0,3
43
12,7
339
100
Chemnitz
37
23,7
3
1,9
0
0
15
9,6
74
47,4
0
0
27
17,3
156
100
Zwickau*
10
43,5
1
4,3
0
0
6
26,1
4
17,4
0
0
2
8,7
23
100
übr. Land
133
44,5
20
6,7
0
0
55
18,4
17
5,7
1
0,3
73
24,4
299
100
Gesamt
534
50,0
39
3,7
1
0,1
147
13,8
151
14,2
3
0,3
192
18
1.067
100
*seit 2008 nicht mehr separat ausgewiesen im SurvStat
Legende s. Tabelle 6

20 │
Tab. 8: Verteilung der bestätigten HIV-Antikörperteste in Sachsen nach Diagnosejahr, Geschlecht und Infektionsrisiko
(valide Ersttestungen seit 2001) (RKI SurvStat Stand: 01.05.12)
Jahr
Geschlecht
Infektionsrisiko
Gesamt
MSM
IVDA
Hämo/ Trans
Hetero
HPL
PPI
k.A.
2001
männlich
8
1
0
2
4
1
6
22
weiblich
0
0
0
2
6
0
1
9
unbekannt
0
0
0
1
0
0
0
1
2002
männlich
15
1
0
3
4
0
8
31
weiblich
0
0
0
1
1
0
1
3
unbekannt
0
0
0
0
0
0
0
0
2003
männlich
9
0
0
2
1
0
2
14
weiblich
0
0
0
5
3
0
1
9
unbekannt
0
0
0
0
1
0
0
1
2004
männlich
31
2
0
3
1
0
3
40
weiblich
0
0
0
2
4
1
2
9
unbekannt
0
0
0
0
0
0
0
0
2005
männlich
43
1
0
5
2
0
7
58
weiblich
0
0
0
5
4
0
2
11
unbekannt
0
0
0
0
0
0
0
0
2006
männlich
30
2
0
13
2
0
9
56
weiblich
0
1
0
1
4
0
3
9
unbekannt
0
0
0
0
1
0
0
1
2007
männlich
53
3
0
9
1
1
10
77
weiblich
0
0
0
4
1
0
0
5
unbekannt
0
1
0
0
0
0
0
1
2008
männlich
52
0
0
8
1
0
8
69
weiblich
0
0
0
2
2
0
5
9
unbekannt
0
0
0
1
0
0
0
1
2009
männlich
57
2
0
5
2
0
9
75
weiblich
0
0
0
6
1
0
3
10
unbekannt
0
0
0
0
0
0
0
0
2010
männlich
63
3
0
13
1
0
20
100
weiblich
0
0
0
12
1
0
4
17
unbekannt
0
0
0
0
0
0
0
0
2011
männlich
76
2
0
4
2
0
17
101
weiblich
0
0
0
6
4
0
0
10
unbekannt
0
0
0
0
0
0
0
0
2001-2011
männlich
437
17
0
67
21
2
99
643
weiblich
0
1
0
46
31
1
22
101
unbekannt
0
1
0
2
2
0
0
5
Gesamt 437 19 0 115 54 3 121 749
Legende:
MSM
=
Männer, die Sex mit Männern haben
IVDA
=
i.v. Drogenabusus
Hämo/Trans =
Hämophilie/Transfusion
Hetero
=
heterosexuelle Kontakte
HPL
=
Herkunft aus Hochprävalenzländern
PPI
=
prä- oder perinatale Infektion
k.A.
=
keine Angabe

│21
Tab. 9: Verteilung der bestätigten HIV-Antikörperteste in Sachsen nach Diagnosejahr, Geschlecht und Altersgruppe
(valide Ersttestungen seit 2001) (RKI SurvStat Stand: 01.05.12)
Jahr
Geschlecht
Altersgruppe
Gesamt
0-14
15-19
20-24
25-29
30-39
40-49
50-59
60-74
75-99
k.A.
2001
männlich
1
3
1
7
5
2
2
1
0
0
22
weiblich
0 1 2 1 4 0 0 0019
unbekannt 0
0
0
0
1
0
0
0001
2002
männlich
0
0
4
6
11
9
1
0
0
0
31
weiblich
0 0 1 0 1 1 0 0003
unbekannt 0
0
0
0
0
0
0
0000
2003
männlich
0
1
0
3
7
2
0
1
0
0
14
weiblich
0 0 0 5 2 1 0 1009
unbekannt 0
0
0
0
1
0
0
0001
2004
männlich
1
2
5
8
10
8
5
0
0
1
40
weiblich
1 0 2 2 2 1 1 0009
unbekannt 0
0
0
0
0
0
0
0000
2005
männlich
0
1
5
10
26
14
1
1
0
0
58
weiblich
0
1
2
2
4
1
0
1
0
0
11
unbekannt 0
0
0
0
0
0
0
0000
2006
männlich
2
1
4
14
17
14
3
0
0
1
56
weiblich
0 1 3 4 0 1 0 0009
unbekannt 0
0
0
1
0
0
0
0001
2007
männlich
1
0
9
14
24
20
7
1
0
1
77
weiblich
0 1 0 1 1 2 0 0005
unbekannt 0
0
0
0
0
1
0
0001
2008
männlich
0
1
7
12
26
17
3
3
0
0
69
weiblich
0 1 0 2 2 3 1 0009
unbekannt 0
0
0
0
0
1
0
0001
2009
männlich
0
1
7
14
27
20
1
4
0
1
75
weiblich
0
1
2
4
1
2
0
0
0
0
10
unbekannt 0
0
0
0
0
0
0
0000
2010
männlich
0
4
20
19
36
12
9
0
0
0
100
weiblich
0
1
3
4
3
3
1
2
0
0
17
unbekannt 0
0
0
0
0
0
0
0000
2011
männlich
0
3
12
26
23
29
8
0
0
0
101
weiblich
0
0
1
3
2
3
1
0
0
0
10
unbekannt 0
0
0
0
0
0
0
0000
2001- 2011
männlich
5
17
74
133
212
143
40
11
0
4
643
weiblich
1
7
16
28
22
18
4
4
0
1
101
unbekannt 0
0
0
1
2
2
0
0005
Gesamt
6
24
90
162
236
167
44
15
0
5
749

22 │
Tab. 10: Bestätigte HIV-Antikörperteste in der BRD und den NBL (valide Ersttestungen) (RKI SurvStat Stand: 01.05.12)
Bundesland
Anzahl der positiven HIV-Bestäti-
gungsteste seit 2001
Anzahl der positiven HIV-Bestäti-
gungsteste 2010
Anzahl der positiven HIV-Bestäti-
gungsteste 2011
Brandenburg
409
69
51
Mecklenburg-Vorpommern
301
25
26
Sachsen
749
117
111
Sachsen-Anhalt
392
37
40
Thüringen
198
18
21
NBL gesamt
2.049
266
249
Deutschland
26.916
2.940
2.901
Tab. 11: Verteilung der berichteten AIDS-Fälle in Sachsen nach Diagnosejahr
(RKI Stand 01.03.2012)
Jahr der Diagnose
Anzahl der berichteten AIDS-Fälle
<2002
74
2002
6
2003
4
2004
3
2005
12
2006
8
2007
9
2008
4
2009
1
2010
3
2011
9
Gesamt
133
Davon verstorben berichtet
38

 
│23
Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung
von Pertussis im Freistaat Sachsen
- Sächsisches Herdbekämpfungsprogramm
Pertussis -
Stand: August 2012
1
Epidemiologie
1.1
Erreger
Der
Erreger
ist ein kleines, unbewegliches, pleomorphes, gramnegatives Stäbchenbakterium aus der Familie
Brucellaceae Genus Bordetella.
Es sind 8 Bordetellen-Spezies bekannt. Humanpathogen sind Bordetella pertussis und Bordetella parapertussis
sowie mit Einschränkungen u. a. Bordetella bronchiseptica und Bordetella holmesii.
Virulenz
Die Pathogenese ist noch weitgehend unklar. Die Erreger besitzen eine Vielzahl von Virulenzfaktoren, die u. a.
die Kolonisierung des Wirtes ermöglichen sowie toxische Wirkung zeigen. Dies sind z. B.: * PT (Pertussis-Toxin),
* FHA (Filament-Hämagglutinin), ACT (Adenylcyclase-Toxin), TCT (Trachealzytotoxin), hitzelabiles Toxin, LPS
(Lipopolysaccharide), * OMP (Outer membrane protein = Pertactin), * Agg (Agglutinogene/Fimbrien)
(Antigene mit protektiven Eigenschaften sind mit * gekennzeichnet.)
1.2
Inkubationszeit
7-14 (- 28) Tage
1.3
Infektionsquelle
(und Reservoir)
Mensch (Inkubierte am Ende der Inkubationszeit, Kranke im Stadium catarrhale und Stadium convulsivum -
auch bei subklinischem bzw. abortivem Verlauf, Keimträger - langdauernder Trägerstatus unbekannt)
1.4
Übertragung
aerogen, Speichelkontakt (vorzugsweise Tröpfcheninfektion über eine Distanz von höchstens 2 m)
1.5
Infektiosität
Kontagionsindex bis zu 90 %,
am höchsten im Stadium catarrhale (Maximum der Erregerausscheidung) und convulsivum (ohne Therapie),
insgesamt ca. 3-6 Wochen nach Erkrankungsbeginn,
bis ca. 1 Woche nach Beginn einer spez. Therapie (in Einzelfällen länger)
1.6
Vorkommen
weltweit; allgemeine Disposition, aber je jünger, umso höher (in ungeimpften Populationen besonders Säug-
linge und Kleinkinder betroffen)
1.7
Letalität
unter 0,1 %, am höchsten im Säuglings(!) - und Kleinkindalter (unter 0,5 %)
1.8
Immunität
nach Erkrankung bis 10 Jahre (Zweiterkrankungen möglich)
nach Impfung etwa 5-10 Jahre
keine Leihimmunität (Neugeboreneninfektion möglich)
2
Falldefi nitionen
(siehe RKI)
Bei jedem akuten Husten, der länger als 14 Tage* anhält, ist Pertussis in die Differentialdiagnose einzubeziehen.
*
nach CDC in MMWR vom 2. Mai 1997 / Vol. 46 / Nr. RR-10, S. 25
WHO-Definition: länger als 3 Wochen
2.1
Krankheitsverdacht
Ein Krankheitsverdacht liegt vor bei klinischem Bild, vereinbar mit Keuchhusten, ohne labordiagnostischen
Nachweis und ohne Nachweis eines epidemiologischen Zusammenhanges.
Das klinische Bild weist mindestens eines der folgenden Merkmale auf:
anfallsweise auftretender Husten
inspiratorischer Stridor
Erbrechen und / oder Würgen nach Hustenanfällen
Apnoe, nur bei Säuglingen

24 │
2.2
Erkrankung
Klinisches Bild vereinbar mit Keuchhusten (siehe Punkt 2.1) über 14 Tage Dauer und
Nachweis eines epidemiologischen Zusammenhanges mit einer durch labordiagnostischen Nachweis bestä-
tigten Erkrankung in den vorausgegangenen 2-4 Wochen oder Pertussisepidemie im Territorium = klinisch-
epidemiologisch bestätigte Erkrankung
Labordiagnostischer Nachweis
Positiver Befund mit mindestens einer der nachfolgend aufgeführten Methoden:
Direkte Erregernachweise:
Nukleinsäure-Nachweis (z. B. PCR von Nasopharyngeal-Abstrich/-Aspirat/-Waschung) = Methode der Wahl!
Erregerisolierung aus Nasopharyngeal-Abstrich/-Aspirat/-Waschung, keine Routinemethode mehr)
(Rachenabstriche und vordere Nasenabstriche sind nicht geeignet)
Indirekte (serologische) Nachweise:
IgG-/IgA-Antikörpernachweis (Serumkonversion oder 4-facher Titeranstieg in 2 Proben, z. B. ELISA,
Abstand zwischen 1. und 2. Serum 4 – 6 Wochen)
IgG-Antikörper-Nachweis (z. B. ELISA), einmalig über dem altersentsprechenden Cut-off-Wert liegende
Konzentration (siehe aber Punkt 4.2.3)
Pertussis-Toxin-IgG-Antikörper-Nachweis (Cut-off von 100 IU/ml)
= klinisch-labordiagnostisch bestätigte Erkrankung
2.3
Keimträger
Labordiagnostischer Nachweis (siehe Punkt 2.2) bei nicht erfülltem klinischen Bild (hierunter fallen auch asym-
ptomatische Infektionen)
2.4
Labordiagnostischer Nachweis (siehe Punkt 2.2) bei unbekanntem klinischen Bild
3
Klinik
Gesamtkrankheitsdauer: 6-12 Wochen.
Erkrankung der Säuglinge, Klein- und Schulkinder sowie Erwachsenen. Für Säuglinge kann die Krankheit le-
bensgefährlich sein. In den letzten Jahren Verschiebung der altersspezifi schen Inzidenz in höhere Altersgrup-
pen. Beim Erwachsenen oft abortive Verlaufsform (oft fehlgedeutet als chronische Bronchitis). Es können auch
schwere Verläufe auftreten.
Stadium catarrhale:
1-2 Wochen langes Prodromalstadium, z. B. „akute respiratorische Erkrankung“, „grippaler Infekt“.
Stadium convulsivum:
3-6 (bis 8-20) Wochen mit typischen stakkatoartigen Hustenanfällen („Stick-Husten“), an deren Ende das cha-
rakteristische Keuchen steht und/oder Schleim erbrechen.
Diese Symptome fehlen häufi g bei Säuglingen. Sie erkranken statt an Hustenattacken oft an lebensbedrohli-
chen Apnoen. Relatives Wohlbefi nden zwischen den Hustenanfällen. Subkonjunktivale Hämorrhagien. Typisch
ist eine Leukozytose mit relativer Lymphozytose. Diese kann im 1. Lebensjahr fehlen.
Stadium decrementi:
2-4 Wochen oder länger. Langsames Abnehmen der Anfallfrequenz und –intensität.
Komplikationen::
Bei > 10 % der Erkrankten, vorwiegend bei Säuglingen und Kleinkindern.
Häufi g: Sekundärinfektionen wie Pneumonie, Otitis media.
Selten:
Atemstillstand, kardiale Symptome, zerebrale Krämpfe, neurologische Veränderungen wie Konvulsio-
nen, auch Paralysen, Koma, Erblindung, Taubheit und motorische Störungen, weiterhin Gewichtsver-
lust, Bronchitis, Atelektasen, interstitielles Emphysem.
Die am meisten gefürchtete Komplikation ist die Enzephalopathie durch Hypoxie, metabolische Alkalose und
Dehydratation. Prognose: etwa 33 % letal, 33 % Dauerschäden und 33 % Restitutio ad integrum.
Differentialdiagnose:
Keuchhustenähnliche Krankheitsbilder können auch durch Mycoplasma pneumoniae, Chlamydia trachomatis,
Chlamydia pneumoniae, RS- und Adenoviren hervorgerufen werden.
4
Labordiagnostik
4.1
Indikationen zur
Diagnostik
Verdacht auf Keuchhusten im Säuglings- und Kindesalter
Differenzialdiagnose bei Husten > 14 Tage in allen Altersgruppen, einschließlich Erwachsene
Umgebungsuntersuchungen in Kindertagesstätten, Kinderheimen, Schulen, Spielgemeinschaften, Pfl ege-
stätten, Heimen für geistig Behinderte und ähnlichen Einrichtungen einschließlich Personal
Verdacht auf Keuchhusten bei geimpften Personen bzw. Bewertung von Pertussis-Impfstoffen

│25
4.2
Diagn. Verfahren
Mikroskopisches Direktpräparat ist ohne Aussagewert.
4.2.1
PCR
DNA-Nachweis mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR)
(= Methode der Wahl !)
Die Sensitivität ist wesentlich höher als die der Erregeranzucht und liegt bei 10-100 koloniebildenden Einheiten
pro Abstrich-Tupfer.
Material für die PCR sollte am besten innerhalb von 0-3 Wochen, bei Säuglingen und Ungeimpften inner-
halb von maximal 4 Wochen nach Hustenbeginn entnommen werden. Nach der 4. Hustenwoche nimmt die
Pertussis-DNA-Menge rasch ab.
Die Nukleinsäureamplifi kation erlaubt es, den Nachweis von Pertussis-DNA innerhalb weniger Stunden zu
führen.
Ein besonderer Vorteil der Pertussis-PCR besteht im einfachen Probenhandling, das keine spezifi schen Lager-
und Transportbedingungen erfordert.
Mehrmalige Untersuchungen im Verlauf der Krankheit, auch zur Therapiekontrolle, sind durch die Kürze der
Untersuchung leicht möglich.
Die Probeentnahme mittels Nasopharyngeal-Abstrich erfolgt unter Verwendung spezieller Tupfer (von der LUA
Dresden anzufordern). Die exakte Durchführung ist für das Ergebnis von ausschlaggebender Bedeutung (siehe
Anlage 1).
Ansprechpartner: LUA Dresden:
Frau Dr. Ehrhard
(Tel.: 0351 8144 1100)
Frau Helbig
(Tel.: 0351 8144 1250)
4.2.2
Erregeranzucht
(keine Routinemethode mehr)
Entnahmezeitraum: Die Materialentnahme ist nur zu Beginn der Erkrankung (IKZ, katarrhal. Stadium, Be-
ginn des Stad. convulsivum) sinnvoll.
Materialentnahme: mittels Nasopharyngeal-Abstrich, aspiriertem Nasopharyngealsekret oder nasopharyn-
gealer Waschung.
Die „Hustenplatte“ erbringt eine wesentlich schlechtere Ausbeute und wird nicht mehr empfohlen.
Materialentnahme und -transport sowie Einzelheiten der Kultivierung sind mit dem jeweiligen Labor abzu-
sprechen.
Ansprechpartner: LUA Dresden:
Frau Dr. Ehrhard
(Tel.: 0351 8144 1100)
Herr Dr. Hackel
(Tel.: 0351 8144 1150)
Selbst bei lege artis durchgeführter Materialentnahme und -transport gelingt die Erregeranzüchtung nur
bei ca. 50 % der Patienten mit Keuchhusten.
4.2.3
Serologie -
Antikörpernachweis
Der Antikörpernachweis ist v. a. zur Bestätigung einer seit längerer Zeit bestehenden bzw. kürzlich abgelau-
fenen Pertussisinfektion oder zur Differenzialdiagnose sinnvoll einsetzbar.
Pertussis-Antikörper (Ak) werden verzögert gebildet. Sie erreichen 8-10 Wochen nach Erkrankungsbeginn
ihr Maximum.
Empfohlen wird die Untersuchung eines Serumpaares, wobei zu Symptombeginn ein Erst-Serum und 4-6
Wochen später ein Zweit-Serum entnommen werden sollen.
Bei Untersuchung nur eines Einzelserums soll dies frühestens 2 Wochen idealerweise 4-8 Wochen nach
Hustenbeginn entnommen werden.
Mittel der Wahl zum Pertussis-Ak-Nachweis ist der Enzymimmunoassay.
Immunantworten gegen Pertussis-Toxin sind spezifi sch für B. pertussis, denn nur B. pertussis exprimiert
Pertussis-Toxin. Immunantworten gegen Filament-Hämagglutinin können neben B. pertussis auch gegen
B. parapertussis und B. bronchiseptica gerichtet sein.
Nach Erkrankung werden IgA-, IgM- und IgG-Ak gebildet, nach Impfung in der Regel IgM- und IgG-Ak.
In vielen Fällen sind jedoch nach Impfung besonders von Jugendlichen und Erwachsenen auch IgA-Ak
nachweisbar.
IgM-Ak persistieren ca. 2-3 Monate, IgA-Ak persistieren etwa 4-6 Monate nach Erkrankung.
IgG-Ak sind frühestens 2-3 Wochen nach Krankheitsbeginn und über mehrere Jahre bis Jahrzehnte nach-
weisbar.
Die Interpretation serologischer Pertussisbefunde in einer teilweise geimpften Population, insbesondere bei
Erwachsenen, ist nicht einfach. Sie muss Angaben zum Alter des Patienten, zur Krankheitsdauer, zur Impf-
ana mnese und evtl. Vorbefunde berücksichtigen. Wir empfehlen, bei Indexfällen auch bei deutlich erhöhtem
Wert des IgG-Antikörper-Nachweises im Einzelserum zusätzlich den DNA-Nachweis zu führen.
Der serologische Nachweis eines Einzelwertes ist nach Impfung mit azellulären Pertussis-Impfstoffen für
mindestens 24-36 Monate nicht zu interpretieren!
Serologische Befunde geben keine Auskunft über die Empfänglichkeit einer Person!
Ansprechpartner: LUA Dresden:
Frau Dr. Ehrhard
(Tel.: 0351 8144 1100)
Frau Köhler
(Tel.: 0351 8144 1301)

26 │
5
Therapie
5.1
Antibiotikatherapie
Eine Antibiotikatherapie ist sinnvoll, solange der Patient Bordetellen ausscheidet.
Mittel, Dosierung und Dauer der Therapie siehe Anlage 3, Beginn so früh wie möglich.
Der Patient ist im Allgemeinen 5 - 7 Tage nach Behandlungsbeginn nicht mehr infektiös.
Die Gabe während der Inkubationszeit und während des Stadium catarrhale vermag die Erkrankung abzu-
schwächen. Auch im frühen Stadium convulsivum kann der Krankheitsverlauf noch positiv beeinfl usst werden.
5.2
Zusätzliche Therapie
Symptomatisch: evtl. Mukolytika, Antitussiva, Sedativa und Neuroleptika. Der Nutzen ist schwierig objektivier-
bar.
6
Schutzimpfung
Wichtigste Form der Prophylaxe!
(Chemoprophylaxe siehe Punkt 7.3.3)
6.1
Impfkalender,
Grundimmunisierung
und Boosterung
Standardimpfung (S) für alle Kinder und Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr mit fehlender
oder unvollständiger Grundimmunisierung.
Die Grundimmunisierung umfasst 3 Impfungen (DTPa oder andere Kombinationsimpfstoffe) im Abstand
von 4 Wochen ab 3. Lebensmonat sowie 1 Impfung ab 2. Lebensjahr.
Die Boosterung erfolgt ab 6. Lebensjahr (1. Auffrischimpfung, DTPa oder Tdpa) und ab 11. Lebensjahr (2.
Auffrischimpfung, Tdpa oder Tdpa-IPV). Der Abstand der 2. zur 1. Auffrischimpfung sollte in der Regel nicht
kürzer als 5 Jahre sein.
Boosterung aller Erwachsenen alle 10 Jahre.
Möglich ist eine Boosterung auch bei Kindern und Jugendlichen oder Erwachsenen, die noch nie gegen
Pertussis geimpft wurden, die sich jedoch mit dem Pertussis-Erreger bereits im Rahmen einer Infektion
auseinandergesetzt haben. Die anderen Komponenten des Impfstoffes sollten indiziert, zumindest aber
nicht kontraindiziert sein. Eine fehlende Grundimmunisierung gegen Pertussis ist keine Kontraindikation
für diese Impfung.
Da ein monovalenter Pertussisimpfstoff nicht mehr verfügbar ist, sind bei vorhandener Indikation Kombi-
nationsimpfstoffe (Tdpa, ggf. Tdpa-IPV) einzusetzen.
Mindestabstand zur DT/Td-Grundimmunisierung bzw. zur letzten DT/Td-Auffrischimpfung: 1 Monat
Eine Altersbegrenzung für die Pertussisimpfung existiert nicht.
Die aktuellen Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission zur Durchführung von Schutzimpfungen
(E 1) und die Fachinformationen zu den Impfstoffen (z. B. Altersbegrenzungen, Gegenanzeigen, Warnhin-
weise und Vorsichtsmaßnahmen) sind zu beachten.
Hinsichtlich des Impfstoffangebotes wird auf die aktuelle Rote Liste verwiesen.
6.2
Impfschutz
Ab 4 Wochen nach der 3. Impfung gilt der Impfl ing als geschützt.
Die Langzeitwirkung einer Grundimmunisierung mit azellulären Impfstoffen beträgt mindestens 5 Jahre,
möglicherweise auch länger.
Die Wirksamkeit der azellulären Pertussisimpfstoffe liegt für typischen Keuchhusten bei etwa 80 - 90 %.
6.3
Indikationsimpfun-
gen
(nach SIKO-Empfeh-
lung E 1)
Eine Empfehlung für bestimmte (auch berufl iche) Indikationsgruppen gibt die SIKO nicht mehr, da es zum
Erreichen des WHO-Zieles “Verringerung übertragbarer Krankheiten – Krankheitsbekämpfung Pertussis“ er-
forderlich ist, in der gesamten Bevölkerung sowohl hohe Impfraten als auch einen ausreichenden Immun-
schutz zu erzielen und aufrecht zu erhalten.
Sofern in den letzten 10 Jahren keine Pertussisimpfung stattgefunden hat, sollen Frauen mit Kinderwunsch
und Haushaltkontaktpersonen zu Säuglingen (Eltern, Geschwister, Betreuer wie z. B. Tagesmütter, Baby-
sitter, ggf. Großeltern und andere Personen mit direktem Kontakt) möglichst 4 Wochen vor der Geburt des
Kindes 1 Dosis Pertussis-Impfstoff erhalten.
Schwangerschaft ist keine Kontraindikation für die Pertussisimpfung.
Kontaktpersonen im Rahmen des sächsischen Herdbekämpfungsprogrammes (siehe Punkt 7.3.4): Inkubati-
onsimpfung, wenn die letzte Impfung länger als 5 Jahre zurückliegt.
7
Antiepidemische
Maßnahmen
7.1
Meldepfl icht und
epidemiologische
Ermittlung
Nach sächsischer IfSGMeldeVO:
§ 1 Absatz 1 Pkt. 18:
Erkrankung, Tod (Arztmeldung)
§ 2 Absatz 1 Pkt. 2:
direkter oder indirekter Erregernachweis, wenn die Nachweise auf eine akute
Infektion hinweisen (Labormeldung)
Epidemiologische Ermittlung bei Erkrankung/Tod nach Erfassungsbogen (Anlage 4) empfohlen.

│27
7.2
Maßnahmen bei
Erkrankten
Respiratorische Isolierung im häuslichen Bereich
Hospitalisierung aus klinischer Indikation
Sicherung der mikrobiologischen Diagnostik mittels PCR (und/oder Serumpaar und/oder Kultur aus naso-
pharyngealen Materialien) vor Beginn der Chemotherapie
Therapie: Mittel, Dosierung und Dauer siehe Anlage 3, Beginn so früh wie möglich
Aufhebung der Isolierung frühestens 5 Tage nach Beginn der Chemotherapie oder 3 Wochen nach Beginn
der Paroxysmen, wenn keine Chemotherapie erfolgte
Tätigkeits- und Besuchsverbot in Vorschul- und Schuleinrichtungen und sonstigen Gemeinschaftseinrich-
tungen bis zur klinischen Genesung und mindestens 5 Tage nach Beginn der Chemotherapie oder mindes-
tens 3 Wochen ohne Chemotherapie oder nach negativer PCR
Personen, die an Keuchhusten erkrankt oder dessen verdächtig sind, dürfen in den in § 33 IfSG genannten
Gemeinschaftseinrichtungen keine Lehr-, Erziehungs-, Pfl ege-, Aufsichts- oder sonstige Tätigkeiten aus-
üben, bei denen sie Kontakt zu den dort Betreuten haben, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung
der Krankheit durch sie nicht mehr zu befürchten ist. Dies gilt entsprechend für die in der Gemeinschafts-
einrichtung Betreuten mit der Maßgabe, dass sie die dem Betrieb der Gemeinschaftseinrichtung dienenden
Räume nicht betreten, Einrichtungen der Gemeinschaftseinrichtung nicht benutzen und an Veranstaltun-
gen der Gemeinschaftseinrichtung nicht teilnehmen dürfen (§ 34 Abs. 1 IfSG).
Meldung an das Gesundheitsamt siehe Punkt 7.1
Information der Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche an das Gesundheitsamt
(gemäß § 34 Abs. 6 IfSG)
7.3
Maßnahmen bei Kon-
taktpersonen
Maßnahmen bei Kontaktpersonen zu bestätigten Erkrankungsfällen entsprechend Falldefi nition unter Punkt
2.2
7.3.1
Beobachtung
auf respiratorische Symptome für 14 Tage
7.3.2
PCR
Nach pfl ichtgemäßem Ermessen des Gesundheitsamtes bei epidemiologisch effektivem Kontakt (Familie,
Haushalt, Gruppe, Vorschuleinrichtung, Klasse, medizinische bzw. Pfl egeeinrichtung), insbesondere zum
Schutz der Hochrisikogruppe der Früh- bzw. Neugeborenen und der Säuglinge (< 1 Jahr).
Bei altersentsprechend vollständig geimpften Personen (d. h. bei Erwachsenen, dass die letzte Pertussisimp-
fung nicht länger als 10 Jahre zurückliegt) kann bei Symptomfreiheit auf eine PCR verzichtet werden, wenn
kein Kontakt zu Säuglingen besteht.
7.3.3
Chemoprophylaxe
bei allen Kontaktpersonen mit positivem DNA- (PCR) oder Erregernachweis
darüber hinaus (d. h. wenn kein positiver DNA-Nachweis (PCR) oder Erregernachweis vorliegt) zu erwägen
bis 3 Wochen nach dem letzten Kontakt zu einem infektiösen Erkrankten bei allen Kontaktpersonen, insbe-
sondere Kindern und Jugendlichen, gesundheitlich gefährdeten Erwachsenen oder Erwachsenen, wenn sie
Kontakt zu Kindern oder gesundheitlich gefährdeten Personen haben, insbesondere bei in Risikobereichen
wie neonatologischen, Säuglings- bzw. Wochenstationen und im Kreißsaal tätigen Personen:
ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Personen: Chemoprophylaxe und Inkubationsimpfung
bei altersentsprechend vollständig geimpften Personen (d. h. bei Erwachsenen, dass die letzte Pertussisimp-
fung nicht länger als 10 Jahre zurückliegt) keine Chemoprophylaxe (außer bei positivem DNA- (PCR) oder
Erregernachweis)
Mittel, Dosierung und Dauer der Prophylaxe siehe Anlage 3, Beginn so früh wie möglich
7.3.4
Inkubationsimpfung
(Kontraindikationen
beachten)
Inkubationsimpfungen haben als postexpositionelle Prophylaxe einen hohen Stellenwert. Da ein nennenswer-
ter Impfschutz erst nach 3 Impfdosen erreicht wird, sollte bei Ungeimpften oder Kontaktpersonen, die bisher
nur eine oder zwei Pertussisimpfdosen erhalten haben, zusätzlich gleichzeitig die Chemoprophylaxe durchge-
führt werden. Der Erfolg einer Inkubationsimpfung ist umso höher, je früher sie erfolgt.
Im Einzelnen wird empfohlen:
Kinder unter 5 Jahre
Beginn, Weiterführung bzw. Vervollständigung der Grundimmunisierung
(Abstand zwischen 1. und 2. bzw. 2. und 3. Impfung: 1 Monat; Abstand zwischen 3. und 4. Impfung: über
6 Monate).
Kinder und Jugendliche ab 6. Lebensjahr bis 18. Lebensjahr
Beginn, Weiterführung bzw. Vervollständigung der Grundimmunisierung, ggf. 5. oder 6. Pertussisimpfung
gemäß Impfkalender (Abstand zwischen 4. und 5. Impfung: über 3 Jahre, zwischen 5. und 6. Impfung in der
Regel mindestens 5 Jahre).
Erwachsene
Booster bei vollständig Immunisierten, wenn die letzte Impfung länger als 5 Jahre zurückliegt, oder bei un-
vollständig Immunisierten oder bei unbekanntem Impfstatus (ggf. zu beachtende Abstände siehe Punkt 6.1).

28 │
7.3.5
Besuchs- und
Tätigkeitsverbot
ist in der Regel nicht erforderlich
für Vorschuleinrichtungen, Schulen, medizinische Risikobereiche (Pädiatrie einschließlich Neonatologie, In-
tensivmedizin, Onkologie u. a.) empfohlen
bei unvollständig geimpften PCR-Positiven bis mindestens 5 Tage nach Beginn der Chemoprophylaxe
bei Ungeimpften oder unvollständig Geimpften ohne mikrobiologische Untersuchung (PCR) und ohne
Chemoprophylaxe: 21 Tage
es entfällt (Voraussetzung Symptomfreiheit nach Punkt 7.3.1)
bei vollständig Geimpften
nach durchgemachter mikrobiologisch bestätigter Erkrankung
(wenn die letzte Impfung oder eine mikrobiologisch bestätigte Erkrankung nicht länger als
10 Jahre zurückliegt)
Die Zusammenstellung erfolgte in Anlehnung an:
1. DGPI-Handbuch - Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 5. Auflage, Stuttgart, Georg Thieme Verlag 2009: 411-416
2. Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen in Zusammenarbeit mit der DGPI. „Verhütung der Pertussis durch Inkubationsimpfung“.
Kinderärztliche Praxis 1999; 6, 395-398
3.
SIKO. Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission zur Durchführung von Schutzimpfungen im Freistaat Sachsen (E 1) vom 02.09.1993, Stand:
01.01.2012
4. Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) Sachsen, AG Infektionsschutz des Landesverbandes Sachsen der
Ärzte und Zahnärzte des ÖGD. Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung von Pertussis im Freistaat Sachsen – Sächsisches Herdbekämp-
fungsprogramm – vom 20.07.94, Stand: Mai 2008
5. WHO. Second Meeting of the Subcommittee of the Expert Committee on the Selection and Use of Essential Medicines. Geneva, 29 Sep to 3 Oct
2008
6. Tiwari T, Murphy TV, Moran J. Recommended Antimicrobiological Agents for Treatment and Postexposure Prophylaxis of Pertussis: 2005 CDC
Guidelines. MMWR 2005; 54(RR-14): 1-16
7. Langley JM, Halperin SA, Boucher FD, Smith B. Pediatrics Investigators Collaborative Network on Infections in Canada (PICNIC). Azithromycin is as
effective as and better tolerated than erythromycin estolate for the treatment of pertussis. Pediatrics 2004; 114(1): e96-101
8. WHO. Pertussis vaccines: WHO position paper. WER 2010; 85(40): 385-400
9. Pickering LK, ed. Red Book. 2003 Report of the Committee on Infectious Diseases. 26th ed. American Academy of Pediatrics 2003: 472-486
10. CDC. Manual for the Surveillance of Vaccine-Preventable Diseases. Chapter 10: Pertussis. 5th ed. Centers for Disease Control and Prevention 2011,
Atlanta, GA
Bearbeiter:
Dr. med. Dietmar Beier
LUA Chemnitz
Dr. med. Ingrid Ehrhard
LUA Dresden
Dipl.-Med. Gabriele Höll
LUA Dresden
Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
LUA Chemnitz
AG Infektionsschutz des Landesverbandes Sachsen der Ärzte und Zahnärzte des ÖGD (Leiterin: Dr. med. Ingrid Möller)
Anlage 1: Skizze: Durchführung des Nasopharyngeal-Abstriches
Anlage 2: Hinweise zur Entnahme, Lagerung und Transport von Proben für die Pertussisdiagnostik
Anlage 3: Therapie und Chemoprophylaxe bei Pertussis - Mittel, Dosierung und Dauer
Anlage 4: Pertussis-Erfassungsbogen
Anlage 5: Erfassungsbogen für Kontaktpersonen

image
│29
Anlage 1
Durchführung des Nasopharyngeal-Abstriches zum Nachweis von Bordetella pertussis
(siehe auch Anlage 2)
Rayon-, Nylon- oder Polyester-Tupfer
(kein Kalziumalginat- oder Baumwolltupfer!)
Quelle: CDC: VPD Surveillance Manual, 5th Edition, 2011, Pertussis: Chapter 10-4
Anlage 2
Hinweise zur Entnahme, Lagerung und Transport von Proben für die Pertussis-Diagnostik mit der PCR-Methodik
Als Probenmaterialien für die PCR eignen sich Nasopharyngeal-Abstriche und Nasopharyngeal-Aspirate sowie nasopharyngeale Waschungen.
Da für eine patientenfreundliche Entnahme von Abstrichmaterial aus dem Nasopharyngealraum nur wenige Systeme geeignet sind, erhalten Sie
die Abstrichsysteme von der LUA auf schriftliche oder telefonische (0351/8144 1250 bzw. 1253, PCR-Labor) Anforderung.
Als Abstrichmaterialien für die PCR sind Rayon-, Nylon- oder Polyester-Tupfer (z. B. Dacron) zu verwenden. Calcium-Alginat-Tupfer und Baum-
wolltupfer können nicht eingesetzt werden.
Das Abnahmeprinzip des Nasopharyngeal-Abstrichs ist - bei Bedarf - für „Erstentnehmer“ auf dem beigefügten Blatt (siehe Anlage 1) veran-
schaulicht.
Die entnommenen Abstriche sind in dem trockenen Entnahmesystem auch über mehrere Tage gut haltbar, sollten jedoch bis zum Transport in die
Landesuntersuchungsanstalt im Kühlschrank aufbewahrt werden.

30 │
Anlage 3
Therapie und Chemoprophylaxe bei Pertussis
Mittel
Dosierung / Dauer
Azithromycin Säuglinge
< 6 Monate:
10 mg/kg KG/Tag in 1 Dosis für 5 Tage
Kinder
6 Monate:
Tag 1:
10 mg/kg KG (max. 500 mg) in 1 Dosis
Tage 2-5: 5 mg/kg KG/Tag (max. 500 mg) in 1 Dosis
Erwachsene:
Tag 1:
500 mg in 1 Dosis
Tage 2-5: 250 mg/Tag in 1 Dosis
Clarithromycin
Kinder
1 Monat:
15 mg/kg KG/Tag (max. 1 g/Tag) in 2 Dosen für 7 Tage
Erwachsene:
1 g/Tag in 2 Dosen für 7 Tage
Erythromycin
Kinder
1 Monat:
z. B.:
Erythromycin-Estolat
40 mg/kg KG/Tag in 2 Dosen für 7-14 Tage
Erythromycin-Ethylsuccinat
30-50 mg/kg KG/Tag in 3 Dosen für 14 Tage
Erythromycin-Stearat
(für Kinder 8-14 Jahre, ab 30 kg KG)
1,5 g/Tag in 3 Dosen für 14 Tage
Jugendliche
14 Jahre und
Erwachsene:
2 g /Tag in 4 Dosen für 14 Tage
Trimethoprim / Sulfamethoxazol
(TMP / SMZ)
= Alternative zu Makrolidantibiotika
bei: Allergie, Unverträglichkeit,
Resistenz gegenüber Makroliden
Kinder
2 Monate:
8 mg TMP/kg KG/Tag und 40 mg SMZ/kg KG/Tag
in 2 Dosen für 14 Tage
Erwachsene:
320 mg TMP und 1600 mg SMZ / Tag
in 2 Dosen für 14 Tage

│31
Anlage 4
Pertussis-Erfassungsbogen
Name. Vorname
geb.
Anschrift
Tel.
Meldung am
durch
erkrankt am
vermutliche Infektionsquelle
letzter Kontakt
Falldefi nition
direkter Nachweis (PCR, Anzüchtung)
indirekter Nachweis (Ak)
1. Serum
2. Serum
IgG EIA
IgM EIA
IgA EIA
IgG-AK-Nachweis einmal deutlich erhöhter Wert (der serologische Nachweis eines Einzelwer-
tes ist
36 Monate nach Impfung mit azellulären Pertussis-Impfstoffen nicht verwertbar)
deutliche Änderung zwischen zwei Proben beim IgG oder IgA-Antikörpernachweis
klinisch-epidemiologischer Fall
(Symptome, Indexfall bzw. entsprechende epid. Lage im Territorium angeben)
Keimträger
Impfungen
ja
nein
wenn ja
Anzahl der Impfungen
Impfdaten:
Impfstoff/Hersteller
DTP Chargen-Nr.:
DTPa Chargen-Nr.:
Tdpa Chargen-Nr.:
P Chargen-Nr.:
Pa Chargen-Nr.:
wenn nein
Gründe der Nichtimpfung
Impfgegner
Versäumnis
unter Impfalter (< 2 Monate)
Kontraindikation
kein Nachweis

32 │
Anlage 5
Kontaktpersonen
Nr.
Name, Vorname
Geburtsdatum
Tätigkeit/
Gemeinschaftseinrichtung
Symptome:
Impfstatus
Maßnahmen
Befund
weitere
Untersuchungen
Bemerkungen
Belehrung
Unterschrift
PCR
Besuchsverbot
Chemoprophylaxe
(Mittel)
1
1.
2.
3.
4.
5.
2
1.
2.
3.
4.
5.
3
1.
2.
3.
4.
5.
4
1.
2.
3.
4.
5.
5
1.
2.
3.
4.
5.

 
│33
Handlungsschema Pertussis
Eine Empfehlung für Ärzte / den öffentlichen Gesundheitsdienst im
Freistaat Sachsen*
A)
Vorgehensweise bei Erkrankten
Voraussetzung:
Klinisches Bild vereinbar mit Pertussis
mit mindestens einem der folgenden Symptome:
anfallsweise auftretender Husten
inspiratorischer Stridor
Erbrechen und / oder Würgen nach Hustenanfällen
Apnoe (nur bei Säuglingen)
PCR (= Methode der Wahl)
Indirekte (serologische) Nachweise:
IgG-/IgA-Antikörpernachweis
( 4-facher Titeranstieg in 2 Proben,
Abstand zwischen 1. und 2. Serum: 4-6 Wochen)
Pertussis-Toxin-IgG-AK-Nachweis
Cut-off von 100 IU/ml)
IgG-Antikörpernachweis
(einmalig über dem altersentsprechenden Cut-off-Wert liegende
Konzentration) **
Chemotherapie
Azithromycin für 5 Tage, Clarithromycin für 7 Tage, Erythromycin für 14 Tage bzw. Trimethoprim/Sulfamethoxazol für 14 Tage
Isolierung
bis mindestens 5 Tage nach Chemotherapiebeginn bzw. bis 3 Wochen nach Beginn der Hustenanfälle, wenn keine Chemotherapie erfolgte
(siehe auch §§ 33 und 34 IfSG), Aufhebung bei Symptomfreiheit ggf. nach negativer PCR
Meldung an das Gesundheitsamt (gemäß Sächsischer IfSGMeldeVO)
Hinweis:
Da Zweiterkrankungen möglich sind, ist der Impfschutz ca. 10 Jahre nach Erkrankung und folgend alle 10 Jahre aufzufrischen (siehe
Impfempfehlung der SIKO).
* Siehe auch ausführliche Version der :„Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung von Pertussis im Freistaat Sachsen – Sächsisches Herdbekämpfungsprogramm Pertussis – aktueller Stand sowie „Empfehlungen der
Sächsischen Impfkommission zur Durchführung von Schutzimpfungen im Freistaat Sachsen“ (Impfempfehlung E1), aktueller Stand
** Wir empfehlen, bei Indexfällen auch bei deutlich erhöhtem Wert des IgG-Ak-Nachweises im Einzelserum zusätzlich den DNA-Nachweis zu führen. Der serologische Einzelwert ist zudem nach Impfung mit azellulären
Pertussis-Impfstoffen für mindestens 24–36 Monate nicht zu interpretieren.
positiv

34 │
B)
Vorgehensweise bei Kontaktpersonen
Beobachtung auf Symptome für 14 Tage
Nach pfl ichtgemäßem Ermessen bei epidemiologisch effektivem Kontakt (Familie, Haushalt, Gruppe, Vorschuleinrichtung, Klasse, medizinische
bzw. Pfl egeeinrichtung) insbesondere zum Schutz der Hochrisikogruppe der Säuglinge
(Bei altersentsprechend vollständig geimpften Personen, d. h. bei Erwachsenen, dass die letzte Pertussisimpfung nicht länger als 10 Jahre
zurückliegt, kann bei Symptomfreiheit auf eine PCR verzichtet werden, wenn kein Kontakt zu Säuglingen besteht).
PCR
Ungeimpfte bzw.
unvollständig Geimpfte,
letzte Impfung > 5 Jahre
nicht durchgeführt
Eventuell Chemoprophylaxe
bei ungeimpften und unvollständig geimpften (bzw. wenn
die letzte Impfung > 10 Jahre zurückliegt) gesundheitlich
gefährdeten Personen, bzw. bei Kontaktpersonen, die wie-
derum selbst Kontakt zu besonders gefährdeten Personen-
gruppen haben und unvollständig geimpft sind (Abwägung)
positiv
Chemoprophylaxe
Vollständig Geimpfte,
letzte Impfung < 5 Jahre
Keine Inkubationsimpfung
Keine Isolierung
(Voraussetzung: Symptomfreiheit)
Eine Chemotherapie bzw. –prophylaxe sollten erhalten:
Klinisch-labordiagnostisch und klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankte
Kontaktpersonen mit positiver PCR
Gesundheitlich gefährdete (ungeimpfte sowie unvollständig geimpfte bzw. > 10 Jahre zurückliegende letzte Impfung) Kontaktpersonen sowie
(ungeimpfte oder unvollständig geimpfte) Kontaktpersonen, die wiederum selbst Kontakt zu besonders gefährdeten Personengruppen haben
– bei nicht durchgeführter PCR (Abwägung)
Eine Inkubationsimpfung wird empfohlen für
Ungeimpfte bzw. unvollständig geimpfte Kontaktpersonen sowie enge Kontaktpersonen, bei denen die letzte Impfung über 5 Jahre zurückliegt
(Immunität nach Impfung 5-10 Jahre)
Da ein monovalenter Pertussisimpfstoff nicht verfügbar ist, sind Kombinationsimpfstoffe einzusetzen. Es gibt keine Altersbegrenzung für die
Pertussisimpfung.
Isoliert werden sollten
Klinisch-labordiagnostisch und klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankte sowie PCR-positive asymptomatische Personen in Risikoberei-
chen ohne vollständigen Immunschutz* für mindestens 5 Tage ab Chemotherapie- bzw. Chemoprophylaxebeginn
Klinisch-labordiagnostisch und klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankte sowie PCR-positive asymptomatische Personen ohne Chemo-
therapie für 21 Tage
*
Als immungeschützt gelten vollständig Geimpfte bzw. Personen, die innerhalb der letzten 10 Jahre eine mikrobiologisch bestätigte Pertussis-Erkrankung durchgemacht haben.
Inkubationsimpfung
Isolierung
bis mind. 5 Tage nach Chemoprophylaxebeginn bzw. bis
3 Wochen nach Beginn der Hustenanfälle beim Indexfall,
wenn keine Chemoprophylaxe erfolgte (siehe auch §§ 33
und 34 IfSG);
Aufhebung bei Symptomfreiheit, ggf. nach negativer PCR

 
│35
Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung
von Hepatitis E-Infektionen im Freistaat Sachsen
- Sächsisches Herdbekämpfungsprogramm
Hepatitis E -
Stand: 2012
1
Epidemiologie
1.1
Erreger
Das Hepatitis E-Virus (HEV) ist ein unbehülltes Einzel-Positivstrang-RNA-Virus mit einer Größe von 27 bis
34 nm. Es ist der einzige humanpathogene Vertreter des Genus Hepevirus der Familie der Hepeviridae. Es exis-
tiert nur ein Serotyp, jedoch vier Genotypen 1 bis 4 mit unterschiedlicher geografi scher Verbreitung.
Genotyp 1 und 2 kommen nur beim Menschen vor und sind in Asien und Afrika endemisch, in Deutschland
werden sie bei reise-assoziierten HEV-Infektionen nachgewiesen. Die Genotypen 3 und 4 infi zieren den Men-
schen und haben weltweit ein Reservoir in Schweinen, Wildschweinen und anderen Säugetieren. Bei autoch-
thonen Infektionen in Nord- und Mitteleuropa handelt es sich in erster Linie um wahrscheinlich zoonotische
Infektionen mit dem Genotyp 3.
Das Virus weist eine hohe Umweltstabilität auf.
1.2
Inkubationszeit
15 bis 64 Tage (im Durchschnitt 40 Tage)
1.3
Übertragung
Die Übertragung erfolgt meist fäkal-oral durch kontaminierte Lebensmittel (Wasser) oder selten durch engen
Kontakt zu Infi zierten. Autochthone Erkrankungen in Deutschland sind wahrscheinlich oftmals auf mangelnde
Hygiene bei der Zubereitung oder auf den Genuss von ungenügend gegartem Fleisch bzw. Innereien infi zierter
Tiere (z. B. Schweine, Wildschweine) zurückzuführen. Eine intrauterine Übertragung kommt vor allem im drit-
ten Trimenon vor und ist mit einer erhöhten Sterblichkeit des Neugeborenen verbunden. Die parenterale Über-
tragung durch Blutprodukte oder gemeinsam genutztes Spritzenbesteck bei iv-Drogenabhängigen ist möglich,
eine sexuelle Übertragung fraglich.
1.4
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit
Ab ein bis zwei Wochen vor Erkrankungsbeginn wird das Virus über die Galle ausgeschieden. In Stuhl und Blut
treten die höchsten Viruskonzentrationen in der späten Inkubationsphase bis in die frühe akute Phase auf. Die
Virus-Exkretion im Stuhl kann bis zu 14 Tagen, ggf. auch länger, nach Auftreten des Ikterus erfolgen, wobei die
HEV-Infektion weniger kontagiös ist als eine Hepatitis A-Infektion und eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung
in Ländern mit einem hohen Hygienestandard selten beobachtet wird. Die sekundären Attackraten unter Haus-
haltskontaktpersonen sind bei HEV 0,7 bis 2,2 %, bei HAV zum Vergleich 15 % bis 20 %.
1.5
Immunität
Die Dauer der Immunität nach Erkrankung ist nicht bekannt.
1.6
Vorkommen
In Südost- und Zentralasien, im Mittleren Osten, Afrika und Südamerika kommt die Hepatitis E endemisch vor
und ist dort eine der häufi gsten Virushepatitiden beim Menschen. Größere Ausbrüche z. B. durch kontaminier-
tes Trinkwasser werden in diesen Regionen in der Regel durch die Genotypen 1 und 2 verursacht.
In Deutschland tritt die Hepatitis E als reise-assoziierte Erkrankung (überwiegend Genotyp 1, seltener 2) und
als autochthone Infektion (dann meist als Zoonose, überwiegend Genotyp 3) auf. Seit einigen Jahren steigt
in Deutschland die Anzahl der gemeldeten HEV-Infektionen an, von 53 Fällen 2004 auf 235 Fälle 2011. Dabei
wurde Deutschland 2004 bei 40 % der Fälle als möglicher Infektionsort genannt, 2010 (Januar-Juli) bei 78 %
der Fälle.
Anti-HEV-Untersuchungen bei gesunden Probanden in Industrieländern ergaben eine Seroprävalenz zwischen
1 und >20 %. Angesichts der niedrigen Meldezahlen und aufgrund des häufi g subklinischen oder unspezifi -
schen Verlaufes ist von einer deutlichen Untererfassung auszugehen.
Die Durchseuchung mit HEV bei Wildschweinen in Deutschland lag 2005-2008 laut einer Studie bei etwa 15 %,
auch Ferkel und Schweine aus der Nutztierhaltung sowie Innereiprodukte aus dem Handel wurden in Europa
HEV-positiv getestet. Dabei zeigen die gefundenen Isolate in der Sequenzierung eine weitgehende Überein-
stimmung mit denen autochthoner menschlicher Infektionen.

36 │
1.7
Falldefi nition des RKI Über die zuständige Landesbehörde (Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen
Sachsen) werden folgende Fälle an das RKI übermittelt:
klinisch-labordiagnostisch bestätigte Erkrankungen (s. 3.2)
klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankungen (epidemiologischer Zusammenhang mit einer labordia-
gnostisch nachgewiesenen Erkrankung bei einem Menschen oder Verzehr eines Lebensmittels, in dem HEV
nachgewiesen wurde)
labordiagnostisch nachgewiesene Erkrankungen bei nicht erfülltem oder unbekanntem klinischen Bild
2
Klinik
Die Mehrzahl der Infektionen verläuft asymptomatisch, insbesondere bei Kindern.
Symptomatische Verläufe sind in der Regel gutartig und selbstlimitierend. Dauer: 2 bis 5 Wochen, selten bis
3 Monate.
Typische Symptome bei Erkrankung:
allgemeines Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Fieber
Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe
Ikterus
Oberbauchbeschwerden
Hepatomegalie, Transaminasenerhöhung
Juckreiz
selten extrahepatische Manifestation (Arthralgien, Vaskulitiden)
Die Letalität liegt mit 0,5 bis 4 % allerdings höher als bei der Hepatitis A (0,2 %). Der Schweregrad der Erkran-
kung korreliert wahrscheinlich mit der Infektionsdosis.
Fulminantes Leberversagen kommt in bis zu 3 % der Fälle vor, bei Schwangeren (vor allem im dritten Trimenon)
deutlich häufi ger, darüber hinaus besteht die Gefahr einer Früh- oder Fehlgeburt. Eine HEV-Infektion im dritten
Trimenon verläuft in bis zu 20 % der Fälle letal.
Chronische Verläufe wurden sehr selten und bislang nur bei Transplantierten oder stark immunsupprimierten
Personen beobachtet. Das Risiko einer Leberzirrhose oder eines Leberzellkarzinoms scheint in dieser Gruppe
geringer als bei chronischen Virushepatitiden anderer Genese zu sein.
Bei Patienten mit chronischer Hepatitis B oder C sowie bei Patienten mit einer Leberzirrhose kann eine HEV-
Infektion zu einer lebensbedrohlichen Exazerbation führen.
3
Labordiagnostik
Eine sichere Diagnose allein aufgrund des klinischen Bildes ist nicht möglich. Ein labordiagnostischer Nachweis
oder die epidemiologische Bestätigung sind zwingend.
3.1
Untersuchungsma-
terial
Serum/Plasma
Stuhl
Blutproben für die PCR (Vollblut oder am besten EDTA-Blut) sollten innerhalb von 6 Stunden das Labor er-
reichen. Stuhlproben sollten innerhalb von 24 Stunden im Labor ankommen. Bei längerer Transportdauer ist
Kühlung bei 4-8 °C notwendig. Für die Antikörper-Bestimmung und die PCR-Diagnostik aus Blut möglichst
getrennte Probenröhrchen einsenden.
3.2
Diagnostische Ver-
fahren
direkter Erregernachweis mittels RT-PCR (Reverse Transkriptase-Polymerase-Ketten-Reaktion) in Serum,
Plasma oder Stuhl
indirekter serologischer Nachweis im Serum:
1. IgM-Antikörper-Nachweis (z. B. ELISA, Immunoblot) oder
2. deutlicher Anstieg zwischen zwei Proben beim IgG-Antikörper-Nachweis (z. B. ELISA, Immunoblot)
Enzymdiagnostik der Lebertransaminasen (ALAT, ASAT)
Die RT-PCR ist der Goldstandard hinsichtlich Spezifi tät bei der Diagnose einer akuten HEV-Infektion. Allerdings
sind die vorhandenen HEV-RNA-Mengen im Allgemeinen niedrig. Die Sensitivität der HEV-RT-PCR ist daher
sehr abhängig vom Zeitpunkt der Materialentnahme im Krankheitsverlauf und von der Einhaltung der Entnah-
me- und Transportvorschriften.
Der Nachweis von HEV-RNA in Blut und im Stuhl durch die PCR ist i. d. R. ab ein bis zwei Wochen vor Krank-
heitsbeginn bis meist etwa zwei bis maximal vier Wochen danach möglich.
Das Auftreten der IgM-Antikörper, die Erhöhung der Transaminasen sowie der Symptombeginn fallen zeitlich
meist zusammen, der IgG-Nachweis gelingt i. d. R. erst einige Tage später. IgM-Antikörper sind bei 90 % der
akut infi zierten Patienten zwischen 1 und 8 Wochen nach Krankheitsbeginn vorhanden. Sie fallen in der Re-
konvaleszenz rasch ab. 2-4 Wochen nach Symptombeginn wird der maximale IgG-Antikörper-Titer nachgewie-
sen. IgG-Antikörper scheinen für Jahre zu persistieren.
Für die HEV-Serologie existiert bislang noch kein Goldstandard, die Sensitivitäten und Spezifi täten verschiede-
ner Testkits sind unterschiedlich. Bei der Diagnostik einer akuten HEV-Infektion sollte daher am besten sowohl
die HEV-Antikörper-Bestimmung als auch immer die HEV-PCR durchgeführt werden.

│37
4
Therapie
Eine antivirale Behandlung steht nicht zur Verfügung. Es erfolgt eine symptomatische Therapie (Bettruhe,
fettarme Kost, kein Alkohol und keine leberbelastenden Medikamente).
Bei fulminantem Leberversagen ist ggf. eine Lebertransplantation indiziert.
5
Prophylaxe
Derzeit gibt es keine zugelassene Impfung gegen Hepatitis E. Mehrere HEV-Impfstoffe wurden in den vergan-
genen Jahren getestet und erzielten in Phase II/III-Studien eine gute Wirksamkeit. Sie können vermutlich in den
nächsten Jahren in Endemiegebieten eingesetzt werden.
Bei Reisen in Endemiegebiete gelten die allgemeinen hygienischen Vorsorgemaßnahmen zur Prophylaxe der
Hepatitis A und E sowie zahlreicher Darmpathogene: Vermeiden ungekochter Lebensmittel und Abkochen von
potentiell kontaminiertem Trinkwasser.
Zur Vermeidung autochthoner Infektionen sollte beim Zerlegen und Zubereiten von Schweine- und Wildfl eisch
auf eine gute Küchenhygiene geachtet und Kreuzkontaminationen vermieden werden. Fleisch und Innereien
der Tiere sollten vor dem Verzehr gut durcherhitzt werden.
Kontaktpersonen von Infi zierten sollten über Frühsymptome einer Erkrankung aufgeklärt werden, bei denen
sofort ein Arzt aufzusuchen ist.
6
Antiepidemische
Maßnahmen
6.1
Meldepfl icht
Namentliche Meldung an das zuständige Gesundheitsamt bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod nach
§ 6 Abs. 1 IfSG sowie bei direktem oder indirektem Erregernachweis nach § 7 Abs. 1 IfSG
6.2
Maßnahmen in
Gemeinschaftsein-
richtungen
Erkrankte und Krankheitsverdächtige:
Tätigkeits- und Besuchsverbot für Beschäftigte und Betreute bis 14 Tage nach Erkrankungsbeginn
Kontaktpersonen:
Als Kontaktpersonen gelten in erster Linie die Mitglieder der Wohngemeinschaft eines Erkrankten. Weitere
Kontaktpersonen sind erforderlichenfalls in Anhängigkeit von der jeweiligen epidemiologischen Situation fest-
zulegen.
Nach § 34 Abs. 3 IfSG gilt ein Tätigkeits- und Beschäftigungsverbot auch für empfängliche (Anti-HEV-IgG-
Negative) Beschäftigte und Betreute, die in einer Wohngemeinschaft mit einem an Hepatitis E Erkrankten
leben, bis 5 Wochen nach letztmaligem Kontakt mit dem Infektiösen. Allerdings können in Anbetracht der
deutlich geringeren Kontagiosität von HEV im Vergleich zu HAV - wie die deutlich selteneren Sekundärfälle in
der Umgebung von HEV-Patienten zeigen - hier Ausnahmen nach § 34 Abs. 7 IfSG gemacht werden, solange
bei den Kontaktpersonen kein Virusmaterial nachgewiesen werden kann.
Hierzu sollten sofort sowie ca. 3 und ca. 5 Wochen nach Absonderung des Erkrankten Anti-HEV-IgM, Anti-HEV-
IgG sowie PCR-Untersuchungen durchgeführt werden. Der Ausschluss entfällt beim serologischen Nachweis
einer abgelaufenen HEV-Infektion.
Die Maßnahmen des Gesundheitsamtes sollten in erster Linie auf eine umfassende Information sowie die
strikte Einhaltung der Hände- und Toilettenhygiene für die Dauer der Inkubationszeit in den Einrichtungen
abzielen.
Desinfektion:
Alle Patientenkontaktfl ächen mit einem viruziden VAH-gelisteten Desinfektionsmittel (Wirkungsbereich AB),
das auch in der Liste des RKI verzeichnet ist.
6.3
Maßnahmen im
Krankenhaus/
medizinischen
Bereich
Patienten:
Räumliche Isolierung für mindestens 2 Wochen nach Erkrankungsbeginn
Behandelndes Personal:
Pfl ege mit patientenbezogenem Schutzkittel
Handschuhe bei möglichem Kontakt mit erregerhaltigem Material bzw. kontaminierten Flächen
Hygienische Händedesinfektion vor und nach Patientenkontakt, nach Kontakt zu erregerhaltigem Material/
kontaminierten Flächen und nach Ablegen der Handschuhe

38 │
Desinfektion und Entsorgung:
Mit viruziden Desinfektionsmitteln und -verfahren (Wirkungsbereich AB).
Es sind Mittel der VAH-Liste, die auch in der Liste des RKI verzeichnet sind, einzusetzen.
Mindestens tägliche bzw. bei Kontamination sofortige Flächen-Wischdesinfektion aller patientennahen Flä-
chen.
Instrumentendesinfektion möglichst mit thermischen Verfahren, Transport kontaminierter Instrumente in
geschlossenen Behältern.
Geschirr sollte in geschlossenen Behältern der Desinfektion im Geschirrspülautomaten zugeführt werden.
Die Wäsche muss mit einem desinfi zierenden Waschverfahren aufbereitet werden.
Schlussdesinfektion der Matratzen, Kissen und Decken mit Mitteln und Verfahren der RKI-Liste.
Entsorgung der Abfälle: AS 18 01 04 bzw. 18 01 01 gemäß LAGA-Richtlinie vom September 2009.
Fäzes und Urin können undesinfi ziert der Kanalisation zugeführt werden.
Erkranktes und krankheitsverdächtiges medizinisches Personal:
Tätigkeits- und Beschäftigungsverbot bis 14 Tage nach Erkrankungsbeginn.
6.4
Maßnahmen im
häuslichen Bereich
Distanzierungsmaßnahmen:
keine
gemeinsame Nutzung von Handtüchern, Wäsche und Hygieneartikeln,
wenn möglich Nutzung eines separaten WCs.
Direkten Kontakt zum Patienten und zu erregerhaltigem Material meiden, Handschuhe tragen.
Hygienische Händedesinfektion des Erkrankten und der Kontaktpersonen für die Dauer der Inkubationszeit
sowie Flächendesinfektion wie unter 6.3.
Patientenwäsche kann in der Haushaltswaschmaschine, möglichst bei 90 °C, gewaschen werden.
Geschirr wird in der Spülmaschine oder per Hand mit heißem Wasser und einem Reinigungsmittel gereinigt.
Erregerhaltige Materialien können mit Papier umhüllt mit dem Hausmüll entsorgt werden.
6.5
Maßnahmen im
Lebensmittelbereich
Erkrankte und Krankheitsverdächtige:
Tätigkeits- und Beschäftigungsverbot nach § 42 Abs. 1 IfSG
beim Herstellen, Behandeln oder Inverkehrbringen der in § 42 Abs. 2 IfSG genannten Lebensmittel
in Küchen von Gaststätten und sonstigen Einrichtungen mit oder zur Gemeinschaftsverpfl egung bis 14
Tage nach Erkrankungsbeginn
Kontaktpersonen:
In Anbetracht der deutlich geringeren Kontagiosität von HEV im Vergleich zu HAV kann bei den Kontaktper-
sonen nicht automatisch von einem Krankheitsverdacht ausgegangen werden. Deshalb sollten auch hier die
Aufklärung und Hinweise auf die nötige strikte Einhaltung der Hände- und Toilettenhygiene im Vordergrund
stehen. Das Aussprechen eines Tätigkeits- und Beschäftigungsverbot für empfängliche (Anti-HEV-IgG-Negati-
ve) Personen bis fünf Wochen nach letztmaligem Kontakt mit dem Infektiösen sollte vom Einzelfall abhängig
gemacht werden.
6.6
Aufgaben des erstbe-
handelnden Arztes
Unverzügliche namentliche Meldung an das zuständige Gesundheitsamt (Wohnort des Patienten) bei
Krankheitsverdacht, Erkrankung sowie Tod an Hepatitis E (§ 6 Abs. 1 IfSG)
Erfassung von Kontaktpersonen in der Familie und Festlegung von Absonderungsmaßnahmen in Absprache
mit dem Gesundheitsamt
6.7
Aufgaben des Ge-
sundheitsamtes
Erfassung von Kontaktpersonen
Festlegen notwendiger Absonderungsmaßnahmen für Erkrankte, Krankheitsverdächtige und Kontaktperso-
nen (s. Punkt 6.2 bis 6.5)
Ausführliche Aufklärung aller Beteiligten über Übertragung, Krankheitssymptome und Präventionsmaß-
nahmen
Epidemiologische Analyse bei Ausbrüchen, Ermittlung der Infektionsquelle
Sicherstellen der erforderlichen Labordiagnostik an der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits-
und Veterinärwesen Sachsen, u. U. in Zusammenarbeit mit den LÜVÄ
Übermittlung aller gemeldeten Fälle an die Landesuntersuchungsanstalt (§11 IfSG)
Quellen:
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│39
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Bearbeiter:
Dr. med. Katrin Flohrs
LUA Dresden
Dipl.-Med. Gabriele Höll
LUA Dresden
Dr. med. Ingrid Ehrhard
LUA Dresden
Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
LUA Chemnitz
Dr. med. Dietmar Beier
LUA Chemnitz
AG Infektionsschutz des Landesverbandes Sachsen der Ärzte und Zahnärzte des ÖGD (Lt. Dr. med. Ingrid Möller)

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40 │
Das Färben der Haare ist eines der ältesten
Verfahren zur kosmetischen Veränderung des
Aussehens. Während in der Antike nur pfl anz-
liche Färbemittel zur Verfügung standen, hat
der Verbraucher heute durch den Einsatz
synthetischer Farben eine sehr große Aus-
wahl unterschiedlicher Farbtöne und -schat-
tierungen. Über 30 % aller Frauen in Europa
und Nordamerika färben sich die Haare sowie
rund 10 % der Männer über 40 Jahre [1].
Im besonderen Fokus der Öffentlichkeit ste-
hen Haarfarben seit die Ergebnisse epidemio-
logischer Untersuchungen von 2001 Hinweise
auf ein erhöhtes Risiko von Harnblasenkrebs
bei Frisören und Verbraucherinnen lieferten.
Diese Untersuchungen beruhten insbesonde-
re auf Daten aus der Zeit vor 1985. Vor rund
10 Jahren startete die EU-Kommission eine
systematische Sicherheitsbewertung aller in
Haarfärbemitteln verwendeten Substanzen.
Dazu wurde die Industrie aufgefordert, de-
fi nierte Sicherheitsunterlagen über die von
ihnen verwendeten Haarfarben vorzulegen.
Ziel ist die Erstellung einer Positivliste der ge-
sundheitlich unbedenklichen Stoffe für Haar-
färbemittel. Die Bewertung der in Haarfärbe-
mitteln verwendeten Haarfarben durch den
Wissenschaftlichen Ausschuss für Verbrau-
chersicherheit der Europäischen Kommission
(SCCS) ist mittlerweise fast abgeschlossen.
Haarfarben, für die keine Dossiers vorgelegt
wurden oder die keine positive Sicherheitsbe-
wertung durch das SCCS bekommen haben,
sind seither verboten. Ein wichtiges Ergebnis
dieser und weiterer Untersuchungen ist, dass
kein Krebsrisiko durch die in der EU verwen-
deten Haarfärbemittel und ihre Reaktionspro-
dukte für Verbraucherinnen und Verbraucher
festgestellt werden konnte. Allerdings wurde
verstärkt darauf hingewiesen, dass einige
Haarfärbesubstanzen ein erhebliches Allergie
auslösendes Potential aufweisen.
Die rechtliche Regelung der Haarfarben er-
folgt derzeit noch in der Europäischen Kos-
metikrichtlinie 76/768/EWG [2], die mit der
deutschen Kosmetik-Verordnung [3] in nati-
onales Recht umgesetzt wird. Im Januar 2010
wurde eine neue Europäische Kosmetik-Ver-
ordnung 1223/2009 (EG) [4] veröffentlicht,
die jedoch erst ab dem 11. Juli 2013 in vollem
Umfang europaweit gelten wird und die nati-
onalen Einzelregelungen aufhebt.
Derzeit sind über 50 Haarfarbstoffe, oxidative
Vorstufen und nichtoxidierende Haarfarben
in Anlage 2 Teil A der KosmetikV unbefristet
zugelassen. Über 150 Haarfärbesubstanzen
sind mittlerweile als verbotene Stoffe in die
Anlage 1 der KosmetikV aufgenommen wor-
den.
Haarfarben können nach ihrer Funktions