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Jahresbericht 2017
STAATSMINISTERIUM
FÜR SOZIALES UND
VERBRAUCHERSCHUTZ
der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits-
und Veterinärwesen (LUA)

│1
Tabellarische Darstellung der Untersuchungsleistungen und
Öffentlichkeitsarbeit 2017
(nur als pdf-Dokument - siehe Homepage:
www.lua.sachsen.de
> Publikationen > Jahresberichte)
Humanmedizinische infektions-, hygiene- und umweltbezogene Diagnostik und Beratungstätigkeit
1.1:
Klinische Mikrobiologie (Bakteriologie, Mykologie) - Untersuchungen .................................................................................................... 1
1.2:
Gezielte Anforderungen zum Nachweis von MRSA und MRGN ................................................................................................................... 1
1.3:
Untersuchte Humanproben mit Nachweis von MRSA/caMRSA und MRGN ............................................................................................. 1
1.4: Untersuchte Humanproben mit Nachweis von Neisseria gonorrhoeae ..................................................................................................... 1
1.5:
Mykobakteriologie - Einsendungen humanmedizinischer Materialien ..................................................................................................... 2
1.6:
Mykobakteriologie - durchgeführte Untersuchungen (ohne IGRA) ............................................................................................................. 2
1.7: Erregerspektrum der angezüchteten Mykobakterien .......................................................................................................................................2
Inhalt
Vorwort
........................................................................................................................................................................................................ 5
Humanmedizinische infektions-, hygiene- und umweltbezogene Diagnostik und Beratungstätigkeit
Übersicht über das Leistungsspektrum ........................................................................................................................................................................... 6
5 Jahre Meldepflicht für multiresistente gramnegative Erreger in Sachsen........................................................................................................ 8
Keuchhustenwelle 2017 - Impflücken begünstigen Ansteckungen .....................................................................................................................10
Campylobacter, Norovirus, Pärchenegel und Co. - Nachweis von Darmpathogenen an der LUA Sachsen ...............................................11
Überblick über die serologische Untersuchungstätigkeit 2017 .............................................................................................................................13
Polio-Serologie 2017 und der neue Paragraph 50a des IfSG für „Laborcontainment und Ausrottung des Poliovirus“ ........................15
Masern-Diagnostik - schnellere Identifizierung von „Impfmasern“ mittels Real-time RT-PCR ...................................................................16
Hepatitis E - Erregerdiagnostik und Typisierungsergebnisse 2017 (Typisierung durch Konsiliarlabor)
.....................................................17
Hygiene der Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen, Kurorthygiene ..................................................................................................18
Umweltmedizinische und umwelthygienische Untersuchungs- und Beratungstätigkeit ..............................................................................20
Amtliche Lebensmitteluntersuchungen, Amtliche Futtermittelüberwachung
Übersicht über das Leistungsspektrum .........................................................................................................................................................................23
Lebensmittelmikrobiologie und Lebensmittelhygiene ..............................................................................................................................................25
Mikrobiologische Hemmstofftests
.................................................................................................................................................................................29
Getreideerzeugnisse, Backwaren, Süßwaren, Speiseeis, Tee, Kaffee ....................................................................................................................30
Obst, Obsterzeugnisse, Gemüse, Gemüseerzeugnisse, Gewürze, Fertiggerichte ...............................................................................................32
Getränke ........................................................................................................................................................................................................33
Nahrungsergänzungsmittel, Lebensmittel für besondere Verbrauchergruppen, Mahlzeitersatz .................................................................36
Fette, Öle, Feinkost, Zusatzstoffe ...................................................................................................................................................................................38
Bedarfsgegenstände und kosmetische Mittel .............................................................................................................................................................40
Pestizide, Schadstoffe ........................................................................................................................................................................................................44
Amtliche Außendienstaufgaben .....................................................................................................................................................................................47
Veterinärmedizinische Tierseuchen- und Krankheitsdiagnostik
Übersicht über das Leistungsspektrum .........................................................................................................................................................................49
Pathologische Diagnostik .................................................................................................................................................................................................49
Parasitologische Diagnostik .............................................................................................................................................................................................56
Spezielle Mikrobiologie und Mykologie ........................................................................................................................................................................57
Mastitisdiagnostik ........................................................................................................................................................................................................60
Serologie ........................................................................................................................................................................................................62
Virologie, diagnostische Molekularbiologie .................................................................................................................................................................63
Elektronenmikroskopische Untersuchungen ...............................................................................................................................................................67
Öffentlichkeitsarbeit ........................................................................................................................................................................................................68
Abkürzungen........................................................................................................................................................................................................69
Inhaltsverzeichnis
Sachberichte über wichtige Ereignisse, Untersuchungsschwerpunkte
und Untersuchungsergebnisse

2 │
1.8:
Untersuchungen auf darmpathogene Erreger (Bakterien, Viren, Parasiten) ............................................................................................. 3
1.9: Spektrum der nachgewiesenen darmpathogenen Erreger ............................................................................................................................. 3
1.10: Spektrum der nachgewiesenen Salmonellen-Serovare ...................................................................................................................................4
1.11: Spektrum der nachgewiesenen Shigella-Arten .................................................................................................................................................4
1.12: Spektrum der nachgewiesenen Campylobacter-Arten ....................................................................................................................................4
1.13: Spektrum der nachgewiesenen Serotypen von intestinalen Escherichia coli (außer EHEC) ................................................................ 4
1.14: Spektrum der nachgewiesenen EHEC-Serovare ................................................................................................................................................5
1.15: Spektrum der nachgewiesenen Serogruppen von Yersinia enterocolitica ................................................................................................. 5
1.16: Nachweis von darmpathogenen Viren .................................................................................................................................................................6
1.17: Klinische Parasitologie - Einsendungen .............................................................................................................................................................. 6
1.18: Ergebnisse der helminthologischen Untersuchungen ..................................................................................................................................... 6
1.19: Ergebnisse der protozoologischen Untersuchungen ........................................................................................................................................ 6
1.20: Virusanzucht, Virustypisierung und Neutralisationstests ............................................................................................................................... 7
1.21: Serologisch-immunologische Untersuchungen auf Virus-Antikörper und -Antigene ........................................................................... 8
1.22: Serologisch-immunologische Untersuchungen auf Bakterien-Antikörper und -Antigene ................................................................... 9
1.23: Serologisch-immunologische Untersuchungen auf Parasiten-Antikörper ................................................................................................ 9
1.24: Untersuchungen von Asylsuchenden auf Hepatitis A, Hepatitis B, Hepatitis C, HIV-Infektionen und Syphilis
in den Erstaufnahme-Einrichtungen Sachsens nach Herkunftsländern...................................................................................................10
1.25: Untersuchungen von Asylsuchenden auf anzunehmende Immunität gegenüber Masern-, Mumps-, Röteln- und
Varizella-Zoster-Virus (MMRV) in den Erstaufnahme-Einrichtungen Sachsens nach Herkunftsländern .......................................11
1.26: Untersuchungen mittels PCR/Molekularbiologische Untersuchungen .....................................................................................................12
1.27: Untersuchungen von zentralen Trinkwasserversorgungsanlagen (ZWVA) ..............................................................................................13
1.28: Beanstandungen bei zentralen Wasserversorgungsanlagen (ZWVA) ........................................................................................................13
1.29: Untersuchungen von EU-Badegewässerproben ..............................................................................................................................................13
1.30: Einstufung der mikrobiologischen Qualität der EU-Badegewässer in Sachsen in der Badesaison 2017 durch die
Europäische Kommission .......................................................................................................................................................................................14
1.31: Pollenmessstation LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Dekadenmittel der Pollenbelastung der Luft mit 8 allergologisch
relevanten Pollenarten für die Pollenvorhersage im Vergleich der Jahre 2016 und 2017 .................................................................15
1.32: Ausgewählte hygienisch-mikrobiologische Untersuchungen .....................................................................................................................16
1.33: Erfasste Infektionskrankheiten im Freistaat Sachsen - Jahresvergleich 2016/2017 (Datenstand: 01.03.2018) ..........................16
1.34: Influenza-Sentinel 2016/2017 - Aufschlüsselung der Probeneinsendungen und der positiven
Influenzavirus-Genomnachweise nach territorialen Gesichtspunkten .....................................................................................................18
1.35: Influenza-Sentinel 2016/2017 - Probeneinsender, Probenzahl, positive Proben und Positivenrate nach PCR-Diagnostik ......18
1.36: Influenza-Sentinel 2016/2017 - jahreszeitlicher Verlauf (Probeneinsendungen, Influenzavirus-Nachweise (mittels PCR)
und Positivenraten) .................................................................................................................................................................................................19
Amtliche Lebensmitteluntersuchung
2.1: Übersicht über Probeneingänge und Beanstandungen .................................................................................................................................20
2.2: Untersuchung amtlicher Lebensmittelproben .................................................................................................................................................22
2.3:
Untersuchung von Erzeugnissen, die dem Weinrecht unterliegen ............................................................................................................25
2.4: Untersuchung von Tabakerzeugnissen ...............................................................................................................................................................25
2.5: Untersuchung amtlicher Bedarfsgegenständeproben ...................................................................................................................................25
2.6: Untersuchung kosmetischer Mittel.....................................................................................................................................................................25
2.7:
Untersuchung ausgewählter Warengruppen, aufgeschlüsselt nach Produktgruppen .........................................................................26
2.8: Untersuchungen von Frittierfetten ....................................................................................................................................................................28
2.9:
Zusatzstoffuntersuchungen in Lebensmitteln und Kosmetika ....................................................................................................................28
2.10: Beispiele aus der Untersuchung kosmetischer Mittel – Stabilisator in Nagelmodellagegelen .........................................................29
2.11: Elementanalytik: Anzahl der Proben und Beanstandungen .........................................................................................................................30
2.12: Untersuchungen auf Dioxine, dioxinähnliche und nicht-dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle (inkl. Proben NRKP +
Monitoring) ................................................................................................................................................................................................................31
2.13: Mykotoxine, ausgewählte Untersuchungsergebnisse ....................................................................................................................................32
2.14.1: Untersuchungen von Lebensmitteln auf Bestandteile aus gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP), geordnet nach
untersuchter Spezies ............................................................................................................................................................................................33
2.14.2: Untersuchungen von Lebensmitteln auf Bestandteile aus gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP), geordnet nach
Warengruppen .......................................................................................................................................................................................................33
2.15: Untersuchungen auf Allergene, aufgeschlüsselt nach Warenobergruppen ............................................................................................34
2.16: Pflanzenschutzmittel-Rückstandssituation in Lebensmitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs ...........................................35
2.17: Beanstandete Proben aufgrund von Überschreitungen der geltenden Rückstandshöchstgehalte (RHG) gemäß Verordnung
(EG) Nr. 396/2005 und Rückstands-Höchstmengenverordnung (RHmV) ...............................................................................................36
2.18: Untersuchung auf ausgewählte organische Schadstoffe .............................................................................................................................37
2.19: Untersuchung von Lebensmitteln auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) ...........................................................37

│3
2.20: NRKP - Anzahl der Untersuchungen in den einzelnen Stoffgruppen (nach RL 96/23/EG) für verschiedene Tierarten nach
Probenahme von tierischen Erzeugnissen oder an Tieren im Erzeugerbetrieb .......................................................................................38
2.21: NRKP - Anzahl der Untersuchungen in den einzelnen Stoffgruppen (nach RL 96/23/EG) für verschiedene Tierarten nach
Probenahme an Tieren im Schlachtbetrieb .......................................................................................................................................................38
2.22: Untersuchung auf pharmakologisch wirksame Stoffe in Proben aus der amtlichen
Lebensmittelüberwachung ....................................................................................................................................................................................39
2.23: Zusammenstellung von positiven Proben (MRL-Überschreitungen oder Nachweis verbotener bzw.
nicht zugelassener Stoffe) .....................................................................................................................................................................................40
2.24: Zusammenstellung von Proben mit Rückständen pharmakologisch wirksamer Stoffe, deren Konzentrationen die
zulässigen Höchstwerte bzw. den MRPL nicht überschreiten.....................................................................................................................40
2.25: Bakteriologische Hygienekontrolluntersuchungen, Salmonellen-Serotypen in Tupferproben ..........................................................41
2.26: Bakteriologische Fleischuntersuchung und biologischer Hemmstofftest ................................................................................................41
2.27: Salmonellenfunde und nachgewiesene Serovare in Lebensmitteln ..........................................................................................................42
2.28: Untersuchungen und Nachweise von Listeria monocytogenes in Lebensmitteln .................................................................................42
2.29: Untersuchungen und Nachweise von Campylobacter in Lebensmitteln ..................................................................................................43
2.30: Untersuchungen und Nachweise von humanpathogenen Yersinia enterocolitica in Lebensmitteln ..............................................43
2.31: Nationaler Rückstandskontrollplan – Biologischer Hemmstofftest .........................................................................................................43
2.32: Untersuchung loser Wasserproben .....................................................................................................................................................................43
2.33: Untersuchung von Lebensmitteln auf Aromastoffe .......................................................................................................................................44
2.34: Bestimmung von Fettsäuregehalten in Lebensmitteln ..................................................................................................................................44
2.35: Bestimmung von Cholesterolgehalten in Lebensmitteln ..............................................................................................................................45
2.36: Chemische Untersuchungen tierischer Lebensmittel ....................................................................................................................................45
Veterinärmedizinische Tierseuchen- und Krankheitsdiagnostik
3.1: Sektionen ....................................................................................................................................................................................................................46
3.2:
Sektionen - Trend (in Klammern Anteil Sektionsprogramm) .......................................................................................................................47
3.3:
Untersuchungen zur Überwachung und Nachweis von ausgewählten anzeigepflichtigen Tierseuchen ........................................47
3.4:
Untersuchungen zur Überwachung und Nachweis von ausgewählten meldepflichtigen Tierkrankheiten ....................................48
3.5: Tollwutuntersuchungen - Tierarten ....................................................................................................................................................................48
3.6: Tollwut - Kontrolluntersuchungen von Füchsen .............................................................................................................................................49
3.7: Tollwutuntersuchungen und Nachweise - Trend ............................................................................................................................................49
3.8: TSE - Untersuchungen ............................................................................................................................................................................................50
3.9: TSE - Untersuchungen - Trend .............................................................................................................................................................................50
3.10: Bienenkrankheiten - Trend ....................................................................................................................................................................................51
3.11: Parasitologie - Proben und Untersuchungen ...................................................................................................................................................51
3.12: Parasitologie - Untersuchungen und Ergebnisse ............................................................................................................................................51
3.13: Parasitologie - ausgewählte Erregernachweise ..............................................................................................................................................54
3.14: Parasitologie der Fische - Untersuchungen und Ergebnisse........................................................................................................................54
3.15: Bakteriologie, Mykologie - Probenarten, Anzahl und Untersuchungen ...................................................................................................54
3.16: Untersuchungen auf Salmonellen .......................................................................................................................................................................55
3.17: Ergebnisse der Salmonellentypisierung ausgewählter Tierarten ................................................................................................................55
3.18: Untersuchungen auf Campylobacter spp. aus Kot- und Organproben .....................................................................................................56
3.19: Andrologische und gynäkologische Proben und Untersuchungen .............................................................................................................56
3.20: Mastitisdiagnostik - Proben und Untersuchungen nach Kategorien ........................................................................................................57
3.21: Mastitisdiagnostik - Erregernachweise .............................................................................................................................................................57
3.22: Serologische Untersuchungen und Ergebnisse ................................................................................................................................................58
3.23: Virusnachweise - Anzüchtungen .........................................................................................................................................................................60
3.24: Sonstige Antigen-Nachweise (ELISA/Hämagglutination) .............................................................................................................................60
3.25:
Molekularbiologie ....................................................................................................................................................................................................61
3.26: BVD-Virus - Untersuchungen und Ergebnisse beim Rind .............................................................................................................................64
3.27: BVD-Virus-Antikörper - Jungtierfenster............................................................................................................................................................64
3.28: Blauzungenkrankheit - Untersuchungen und Ergebnisse ............................................................................................................................64
3.29: Blauzungenkrankheit - Trend ...............................................................................................................................................................................65
3.30 Aviäre Influenza - Untersuchungen und Ergebnisse ......................................................................................................................................65
3.31: Paratuberkulose - Untersuchungen und Ergebnisse ......................................................................................................................................65
3.32: Paratuberkulose - Trend (nur Rind) ....................................................................................................................................................................66
3.33: Schmallenbergvirus - Untersuchungen und Ergebnisse ...............................................................................................................................66
3.34: Schmallenbergvirus - Trend ..................................................................................................................................................................................66
3.35: Klassische und Afrikanische Schweinepest - Proben bei Haus- und Wildschweinen ..........................................................................67
3.36: Klassische und Afrikanische Schweinepest - Trend........................................................................................................................................67
3.37: Elektronenmikroskopie - Erregernachweise .....................................................................................................................................................67

4 │
Öffentlichkeitsarbeit
Publikationen ........................................................................................................................................................................................................69
Vorträge, Lehrveranstaltungen ........................................................................................................................................................................................70
Sonstige Öffentlichkeitsarbeit .........................................................................................................................................................................................75
Mitarbeit in zentralen Gremien, Ausschüssen, Arbeitsgruppen .............................................................................................................................76
Ausbildung/Praktikantenbetreuung ...............................................................................................................................................................................78
Teilnahme an Betriebskontrollen, Vor-Ort-Begehungen .........................................................................................................................................79
Abkürzungen........................................................................................................................................................................................................80

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│5
Vorwort
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit dem Bericht stellt die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen (LUA) ausgewählte
Schwerpunkte und Herausforderungen, aber auch Daten und Ergebnisse aus den Routineuntersuchungen des Jahres 2017 vor.
Der LUA als Bestandteil des öffentlichen Gesundheitsdienstes obliegt insbesondere die Untersuchung und Beurteilung von Human-,
Lebensmittel- und Veterinärproben.
Das Jahr 2017 war im Veterinärbereich geprägt durch eine ungewöhnlich hohe Zahl an Nachweisen und ~ 50.000 Folgeuntersu-
chungen auf Salmonella spp. in acht Rinderbeständen. Zudem wurde entsprechend der aktuellen Entwicklung der Afrikanischen
Schweinepest in Europa das Monitoring zur Früherkennung intensiviert, mehr als 5.000 Proben gingen dazu ein. Insgesamt wurden
in 150 Fällen anzeigepflichtige Tierseuchen und in 425 Fällen meldepflichtige Tierkrankheiten diagnostiziert.
Im Bereich der amtlichen Lebensmitteluntersuchungen einschließlich der Bedarfsgegenstände und Kosmetika lag die Beanstan-
dungsquote 2017 bei 16 % und somit höher als in den Vorjahren. Obwohl die Mehrzahl der Beanstandungen nicht gesundheitsge-
fährdend waren, bedeuten sie mehr als 3.400 Nachuntersuchungen zur Bestätigung einschließlich der Erstellung von Gutachten.
Als besondere Schwerpunkte sind die Untersuchungen von rund 1.000 Proben sächsischer Weine auf Pflanzenschutzmittel und im
Rahmen des „Fipronil-Geschehens“ ad hoc 200 Proben Ei und Eiprodukte auf das Akarizid Fipronil zu nennen.
Im Fachbereich Humanmedizin standen nach wie vor die Abklärung von Gastroenteritiden im Vordergrund, dazu erfolgten mehr als
20.000 Untersuchungen. Aber auch die Zahl der Tuberkulose-Untersuchungen und der positiven Nachweise ist wiederum gestiegen.
Eine besondere Herausforderung war die „Keuchhustenwelle“ mit der Diagnostik von 912 Keuchhusten-Erkrankungen in 19 ver-
schiedenen Ausbrüchen im Jahr 2017.
Kompetenzen und Fähigkeiten der LUA waren aber auch in der Routine gefragt; die überwiegend unauffälligen Befunde und nega-
tiven Ergebnisse bleiben in der Öffentlichkeit meist unsichtbar, gewährleisten jedoch die Gesundheit für Mensch und Tier.
Das komplette Leistungsspektrum der LUA einschließlich der Daten und Ergebnisse des Jahres 2017 finden Sie auf der LUA-Home-
page unter
www.lua.sachsen.de.
Im Namen der LUA-Mitarbeiter und der an diesem Bericht Beteiligten wünsche ich eine interessante Lektüre.
Dr. Gerlinde Schneider
Präsidentin

6 │
Humanmedizinische infektions-, hygiene- und um-
weltbezogene Diagnostik und Beratungstätigkeit
Übersicht über das Leistungsspektrum
Die Abteilung Medizinische Mikrobiologie und Hygiene umfasst
am LUA-Standort Dresden die Fachgebiete, die mikrobiologische
Labordiagnostik auf bakterielle, virale, parasitäre und/oder Pilz-
Infektionserreger aus menschlichen Untersuchungsmaterialien
durchführen sowie die wasserhygienischen mikrobiologischen
und chemischen Laborbereiche. Aufgrund der Verfügbarkeit ei-
nes modernen Labors der Schutzstufe 3 kann auch mit Krank-
heitserregern, die ein erhöhtes Gefährdungspotenzial besitzen
(also mit Keimen der Risikogruppe 3), gearbeitet werden. Am
LUA-Standort Chemnitz der Abteilung sind neben der Infekti-
onsepidemiologie und Gesundheitsberichterstattung auch die
Fachgebiete angesiedelt, die umweltmedizinische und kommu-
nalhygienische Fragestellungen sowie Themen der Hygiene der
Gesundheits-, Gemeinschaftseinrichtungen und von Kurorten
bearbeiten.
Die folgenden Ausführungen zum Leistungsspektrum sowie die
Beiträge im Textteil stellen nur einige Haupttätigkeitsfelder vor,
ohne dass sie jedoch das gesamte Arbeitsspektrum der Abtei-
lung abbilden können.
Schwerpunktmäßig wurden in den
Laboratorien am Standort
Dresden
folgende Untersuchungsaufgaben wahrgenommen:
]
Diagnostik zum Nachweis und zur Abklärung von (Infek-
tions-)Erregern
]
beim Auftreten bevölkerungsmedizinisch relevanter über-
tragbarer Krankheiten (z. B. bei Häufungen, Ausbrüchen,
in Gemeinschaftseinrichtungen etc.),
]
nosokomialer Infektionen sowie mit speziellen und Multi-
Resistenzen (z. B. MRSA, VRE, 3MRGN, 4MRGN),
]
sexuell übertragbarer Infektionen (STI),
]
mit bevölkerungsmedizinischer Relevanz bei Asylbewer-
bern,
]
im Rahmen von Sentinels (z. B. Influenza-Sentinel, En-
terovirus-Surveillance),
]
mit bevölkerungsmedizinischer Relevanz bei derem neuen
Auftreten oder bei deren schneller Verbreitung (emerging
infectious diseases),
]
mit erhöhtem Gefährdungspotenzial (z. B. Erreger der Risi-
kogruppe 3 wie
Mycobacterium tuberculosis
),
]
Kontrolle von Trinkwasser aus zentralen Wasserversorgungs-
anlagen hinsichtlich bakteriologischer und chemischer Para-
meter,
]
Kontrolle von EU-Badegewässern und „wilden Badestellen“
hinsichtlich bakteriologischer Parameter, gegebenenfalls
einschließlich Blaualgen.
Nach wie vor waren im Berichtsjahr wieder infektiöse Gastro-
enteritiden die häufigsten gemeldeten Infektionskrankheiten in
Deutschland und Sachsen, im Freistaat mit insgesamt 28.288
übermittelten Erkrankungsfällen (siehe LUA-Homepage, Tabel-
le 1.33). Bei den Probenmaterialen, die im Rahmen von Häu-
fungen und Ausbrüchen von Infektionskrankheiten sowie von
infektiösen Erkrankungen in Gemeinschaftseinrichtungen wie
Kindergärten, Schulen, Alten- und Pflegeheimen etc. entnom-
men wurden, stand daher vor allem die Abklärung infektiöser
Durchfall-Erkrankungen im Vordergrund. So wurden 2017 ins-
gesamt 20.152 Untersuchungen auf darmpathogene Bakterien,
Viren oder Parasiten durchgeführt. Bei 9,7 % der Untersuchun-
gen gelang ein Erreger-Nachweis. Damit ist die Positivenrate im
Berichtsjahr gegenüber 2016 um fast 4 % angestiegen. Im Un-
tersuchungsgut der LUA Sachsen lag 2017 die Nachweisrate bei
der viralen Gastroenteritis-Erreger-Diagnostik bei 12,5 %, bei
der parasitären bei 12,0 % und bei der bakteriellen bei 8,1 %.
Seit Jahren haben bei den viralen Durchfall-Erregern die Noro-
viren (2017: 28,7 %), seit 2015 bei den bakteriellen Erregern
EHEC (2017: 29,0 %) den größten prozentualen Anteil an den
in der LUA Sachsen geführten Gesamt-Nachweisen (siehe LUA-
Homepage, Tabelle 1.8 und Tabelle 1.9, siehe Textbeitrag „Cam-
pylobacter, Norovirus, Pärchenegel und Co. – Nachweis von
Darmpathogenen an der LUA Sachsen“). Die Meldezahlen für
Gesamt-Sachsen des Jahres 2017 weisen ebenfalls die Norovi-
ren als häufigste Ursache viral bedingter Gastroenteritiden aus,
die bakteriell verursachten Durchfall-Erkrankungen gehen aller-
dings am häufigsten auf
Campylobacter
spp. und
Clostridium
difficile
zurück.
Als weiterer Tätigkeitsschwerpunkt ist die bakteriologische/
serologische/molekularbiologische Diagnostik sexuell übertrag-
barer Infektionen (STI) und auf Hepatitis-Virus-Infektionen zu
nennen. Sie wird vor allem für die AIDS/STI-Beratungsstellen der
Gesundheitsämter im Rahmen ihrer Präventionsarbeit durch-
geführt (siehe LUA-Homepage, Tabelle 1.21, Tabelle 1.22 und
Tabelle 1.26, siehe Textbeitrag „Überblick über die serologische
Untersuchungstätigkeit 2017“).
Chlamydia trachomatis
-Infekti-
onen, die häufigsten STIs, und die Gonorrhoe sind in Deutschland
bislang nur in Sachsen meldepflichtig (siehe LUA-Homepage,
Tabelle 1.33), wobei im Berichtsjahr 97
C. trachomatis-
und 21
Gonokokken-Infektionen pro 100.000 Einwohner übermittelt
wurden. Die Positivenraten der 2017 in der LUA Sachsen unter-
suchten 5.996 Materialien auf
C. trachomatis
-DNA und 5.972
Proben auf
Neisseria gonorrhoeae
-DNA lagen bei 3,3 % und
2,4 %.
Die Tätigkeit der in den Bereichen
Umweltmedizin, Kommu-
nalhygiene, Hygiene der Gesundheitseinrichtungen, Hygiene
der Gemeinschaftseinrichtungen und Kurorthygiene
arbeiten-
den Fachgebiete war im Jahr 2017 auf folgende Schwerpunkte
ausgerichtet:
]
Stellungnahmen zu umwelthygienischen Problemen,
]
Umweltmedizinische Expositions- und Gefährdungsabschät-
zung, Immissionsprobleme,
]
Gesundheitsverträglichkeitsprüfungen im Rahmen von Pla-
nungs- und Genehmigungsverfahren,
]
Untersuchungen im Bereich der Lufthygiene (z. B. Innen-
raumchemikalien, Schimmelpilze, Lüftungsproblematik in
Gemeinschaftseinrichtungen),

│7
]
Umsetzung der Sächsischen Badegewässer-Verordnung, Be-
richterstattung zu Badegewässern gemäß EU-Richtlinie,
]
Untersuchungen, Stellungnahmen und Beratungen zur Um-
setzung hygienischer Anforderungen in Gesundheits- und
Gemeinschaftseinrichtungen,
]
Länderübergreifende Mitarbeit an der Erarbeitung von Emp-
fehlungen und Richtlinien zum Thema Hygiene (z. B. Erstel-
lung von Rahmenhygieneplänen),
]
Beurteilung von Anträgen zur staatlichen Anerkennung als
Kur-/Erholungsort aus hygienischer Sicht,
]
Pollenmessstelle in Kooperation mit der Stiftung Deutscher
Polleninformationsdienst.
An die Fachgebiete herangetragen wurden unter anderem
verschiedene hygienische Fragestellungen, die oft engen Zu-
sammenhang mit mikrobiologischen Problemen aufwiesen. Im
Bereich der Umweltmedizin sei hier vor allem auf die Schimmel-
pilz-Problematik in Innenräumen verwiesen (siehe Textbeitrag
„Umweltmedizinische und umwelthygienische Untersuchungs-
und Beratungstätgikeit“), im Bereich der Hygiene auf die Proble-
matik der Ausbreitung multiresistenter Erreger in Gesundheits-
und Gemeinschaftseinrichtungen (siehe Textbeitrag „Hygiene
der Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen, Kurorthy-
giene“). In der Kommunalhygiene und bei der Hygiene der Ge-
meinschaftseinrichtungen standen unter anderem Anfragen zur
Bau- und Siedlungshygiene (z. B. Bauleitplanungen, natürliche
Beleuchtung, Lärmbelastung, Lüftung) und zu Bauprojekt-Be-
urteilungen verschiedenartiger Gemeinschaftseinrichtungen im
Vordergrund.
Die Zusammenfassung der Meldedaten zu Infektionskrankheiten
aus den regionalen sächsischen Gesundheitsämtern sowie Über-
prüfung, Bewertung und Weiterleitung dieser Daten und von in
Sachsen erhobenen Daten zum Impfstatus von Kindern in Kin-
dertagesstätten und Schulen an das Robert Koch-Institut (RKI)
sind Aufgaben des Fachgebietes „
Infektionsepidemiologie,
Gesundheitsberichterstattung
“. Krankheitsbezogene Analysen,
epidemiologische Einschätzungen, Gesundheitsberichterstat-
tung sowie die Weitergabe wissenschaftlicher Informationen
sind weitere Tätigkeiten des Fachgebiets (siehe Textbeitrag
„Keuchhustenwelle 2017: Impflücken begünstigen Ansteckun-
gen“). Darüber hinaus war umfangreiche Beratungstätigkeit,
insbesondere beim gehäuften Auftreten von Infektionskrank-
heiten und im Rahmen von Erkrankungsausbrüchen zu leisten.
Auch die Auswertung des Datenmaterials der Sächsischen Impf-
datenbank in Kooperation mit dem Sachgebiet IT-Koordinierung
gehört zum Aufgabenfeld des FG 1.6.
Auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand gehaltene Emp-
fehlungen zur Verhütung und Bekämpfung bestimmter epide-
miologisch bedeutsamer übertragbarer Krankheiten (Herdbe-
kämpfungsprogramme), die fachgebietsübergreifend verfasst
werden, geben dem Sozialministerium, Gesundheitsämtern,
Krankenhäusern und Ärzten vor Ort ein wichtiges Instrument
bei ihren Anstrengungen zur Prävention in die Hand. So wurden
z. B. im Berichtsjahr in Zusammenarbeit mit dem Landesverband
der Ärzte und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes
das „Informations- und Belehrungsmaterial für Beschäftigte in
Gemeinschaftseinrichtungen einschließlich Schulen, Merkblatt
und Informationen für Eltern bzw. sonstige Sorgeberechtigte
der in Gemeinschaftseinrichtungen betreuten Kinder und Ju-
gendlichen“ überarbeitet.
Die Fachgebiete der Abteilung „Medizinische Mikrobiologie und
Hygiene“ leisteten somit auf der Grundlage des Gesetzes über
den Öffentlichen Gesundheitsdienst im Freistaat Sachsen wie in
den vergangenen Jahren auch im Jahr 2017 eine ausgedehnte
umweltmedizinische, hygienische und infektiologisch-seuchen-
hygienische Untersuchungs- und Beratungstätigkeit, die er-
gänzt wurde durch eine intensive Vortrags-, Fortbildungs- und
Schulungstätigkeit sowie durch die Erstellung verschiedener
Veröffentlichungen, Informationsmaterialien, Empfehlungen
und Stellungnahmen.
Ein weiteres Kern-Tätigkeitsfeld war 2017 wiederum die Mit-
wirkung im 2010 ins Leben gerufenen MRE-Netzwerk des Frei-
staates Sachsen (siehe Textbeitrag „5 Jahre Meldepflicht für
multiresistente gramnegative Erreger in Sachsen“). So wurde im
Berichtsjahr mit den Untersuchungen der „Prävalenzstudie zum
Vorkommen multiresistenter Erreger in Sachsen“ begonnen, bei
der mindestens 1.500 Personen aus Krankenhäusern, Altenpfle-
geheimen und niedergelassenen Arztpraxen auf MRSA, VRE und
3MRGN/4MRGN gescreent werden sollen. Die für das Projekt
benötigten finanziellen Mittel werden durch das SMS bereit-
gestellt.
Die humanmedizinische Abteilung der LUA übernimmmt gemäß
der „Gemeinsamen Verwaltungsvorschrift des SMS und des SMI
für eine Bereitschafts- und Reaktionsplanung zur Bekämpfung
außergewöhnlicher Gefahren und Schadenslagen durch Bedro-
hungen von Menschen mit Infektionserregern“ die epidemiolo-
gische Schlüsselfunktion für den Ansatz des Managements und
der Kontrolle auf dem Gebiet der Humanmedizin. Dazu gehören
die
]
Interpretierung der Untersuchungsergebnisse und Erarbei-
tung entsprechender Schlussfolgerungen,
]
Erarbeitung von speziellen Maßnahmeplänen zur Verhütung
und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten,
]
Wissenschaftliche Beratung der Krisenstäbe Infektionsschutz
der Behörden des Öffentlichen Gesundheitsdienstes.

image
8 │
5 Jahre Meldepflicht für multiresistente gramnegative Erreger in
Sachsen
Problematische, klinisch bedeutsame Antibiotika-Resistenzen
bei gramnegativen Stäbchenbakterien stehen in den letzten
Jahren zunehmend im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung.
Es handelt sich hierbei um unterschiedliche Bakterienspezi-
es (Familie der
Enterobacteriaceae, Pseudomonas aeruginosa,
Acinetobacter baumannii
-Komplex), die unter krankenhaus-
hygienischen Gesichtspunkten aufgrund ihrer phänotypischen
Resistenzeigenschaften gegenüber vier Antibiotikagruppen als
multiresistente gramnegative Stäbchen klassifiziert werden.
Nach der Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene
und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut
zu „Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit
multiresistenten gramnegativen Stäbchen“ wird hierfür das Re-
sistenzverhalten gegenüber Antibiotika, die vor allem als primär
bakterizide Therapeutika bei schweren Infektionen eingesetzt
werden, herangezogen. Die Resistenz bzw. Nichtempfindlichkeit
kann dabei drei (im Falle von 3MRGN) oder alle vier (4MRGN)
für die Einstufung relevanten Antibiotikagruppen einschließen:
]
Acylureidopenicilline,
]
Cephalosporine der 3. und 4. Generation,
]
Carbapeneme,
]
Fluorchinolone.
Die Resistenzeigenschaften können durch verschiedene Me-
chanismen bedingt sein, epidemiologisch am bedeutsamsten
sind bakterielle Enzyme, die eine Hydrolisierung des ß-Lactam-
Ringes bewirken und damit je nach Spezifität der Enzyme zur
Inaktivierung verschiedener Penicilline, Cephalosporine oder
auch Carbapeneme führen. ß-Lactamasen mit erweitertem Sub-
stratspektrum (sogenannte ESBL) hydrolisieren Penicilline und
Cephalosporine, die jeweiligen Erreger sind aber meist gegen-
über Carbapenemen empfindlich. Eine gleichzeitig vorliegende
Resistenz gegenüber Chinolonen führt dann zur Einstufung als
3MRGN. Die größte klinische und krankenhaushygienische Be-
deutung kommt jedoch den Carbapenemasen zu, da diese den
Therapieerfolg der vor allem in der Intensivmedizin bei schweren
Infektionen eingesetzten Carbapeneme verhindern. Die geneti-
sche Information zur Synthese dieser ß-Lactamasen liegt meist
plasmidcodiert vor – ein Austausch zwischen verschiedenen
gramnegativen Bakterienspezies ist daher möglich. Carbapene-
mase-bildende Erreger sind neben allen Betalaktam-Antibiotika
meist auch gegen weitere Antibiotikaklassen wie Chinolone,
Aminoglykoside und Cotrimoxazol resistent. Unabhängig von
der phänotypischen Resistenz ist bei nachgewiesener Carbape-
nemase der Erreger für die Einordnung aus krankenhaushygieni-
scher Sicht als 4MRGN einzustufen.
Mit der novellierten Verordnung des SMS über die Erweiterung
der Meldepflicht für übertragbare Krankheiten und Krankheits-
erreger nach IfSG (IfSGMeldeVO) vom 16.12.2012 erfolgte in
Sachsen die Einführung der namentlichen Meldepflicht für den
Nachweis von
Acinetobacter
spp. und
Enterbacteriaceae
mit
erworbenen Carbapenemasen oder erworbener eingeschränkter
Carbapenem-Empfindlichkeit sowie von
P. aeruginosa
mit er-
worbenen Carbapenemasen oder gleichzeitiger phänotypischer
Resistenz gegenüber allen vier oben genannten Antibiotikaklas-
sen. Die Meldepflicht für die diagnostizierenden Labore bezieht
sich auf alle Nachweise (sowohl Infektion als auch Kolonisati-
on).
Bundesweit besteht mit der Verordnung zur Anpassung der Mel-
depflichten nach dem IfSG an die epidemische Lage (IfSGMeld-
AnpV) seit dem 01.05.2016 die namentliche Meldepflicht bei
Nachweis von
Enterobacteriaceae
und
Acinetobacter
spp. mit
Carbapenem-Nichtempfindlichkeit bzw. Nachweis von Carba-
penemasen.
Die genannten meldepflichtigen Erreger fallen in der Routine-
Empfindlichkeitsprüfung durch erhöhte minimale Hemmkon-
zentrationen (MHK) oder verringerte Hemmhofdurchmesser
gegenüber Carbapenemen auf, die aber nicht unbedingt im
resistenten Bereich liegen müssen. Bei solchen Isolaten sollte
abgeklärt werden, ob eine Carbapenemase ursächlich für das
auffällige Resistenzverhalten ist. An der LUA Sachsen erfolgt
dies zunächst mittels phänotypischer Tests wie beispielhaft
in Abbildung 1 dargestellt, bei positivem Ausfall schließt sich
eine kommerzielle Multiplex-PCR auf Carbapenemase-Gene der
Gruppen OXA, NDM, KPC, VIM und IMI an.
Das Nationale Referenzzentrum (NRZ) für gramnegative Kran-
kenhauserreger an der Ruhr-Universität Bochum bietet die
Abklärung des Verdachts auf Carbapenemasen durch phänoty-
pische und molekularbiologische Methoden an. Mikrobiologi-
sche Labore aus allen Bundesländern nehmen die Möglichkeit
der Einsendung entsprechend verdächtiger Isolate wahr. Auf
der Grundlage dieser in den letzten Jahren stetig steigenden
freiwilligen Einsendungen konnten laut Bericht des NRZ (Epid
Bull 2017; 26: 229 – 233) im Jahr 2016 bei 1.426
Enterobac-
teriaceae
-, 360
P. aeruginosa-
und 431
A. baumannii-
Isolaten
Carbapenemasen nachgewiesen werden. Die am häufigsten
Abbildung 1:
Phänotypische Tests zum Nachweis von Carbapenemasen
Links:
Modifizierter Hodge-Test. Der Indikatorstamm (1) wächst ent-
lang der zu testenden Isolate (2) und (3) bogenförmig auf das
Meropenem-Blättchen zu – ein Hinweis auf Carbapenemase-
Bildung dieser Isolate. Isolat (4) ist Carbapenemase-negativ.
Rechts:
MIC-Test für Metallo-Betalaktamasen. Diese sind durch EDTA
hemmbar. Die MHK (minimale Hemmkonzentration) für Mero-
penem in Kombination mit EDTA (unterer Teil des Streifens,
0,125 µg/ml) ist daher deutlich niedriger als für Meropenem
allein (oberer Teil, 2 µg/ml). Beim vorliegenden Isolat handelte
es sich um einen
Acinetobacter baumannii
mit einer Metallo-
Betalaktamase GIM.

│9
nachgewiesenen Typen waren bei
Enterobacteriaceae
OXA-48,
VIM-1, KPC-2 und NDM-1, bei
P. aeruginosa
dominierte VIM-2,
bei
A. baumannii
OXA-23.
Im 2017 erschienenen Bericht der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) wurden Resistenzsurveillance-Daten der CAESAR Länder
(Central Asian and Eastern European Surveillance of Antimi-
crobial Resistance) mit den EARS-Net-Daten (European Anti-
microbial Resistance Surveillance Network) der ECDC-Länder
(European Centre for Disease Prevention and Control) 2016
verglichen. Hierbei fand sich eine endemische Verbreitung der
Carbapenem-resistenten gramnegativen Erreger auf der Balkan-
halbinsel, insbesondere in der Türkei und Griechenland.
Die Hauptursache für die fortschreitende Resistenzentwicklung
liegt in einer zu breiten bzw. ungezielten Anwendung von An-
tibiotika bei Mensch und Tier. Der ökologische Druck auf die
Bakterien (Selektionsdruck) trägt zur Ausbildung von Resistenz-
mechanismen bei, inadäquate hygienische Bedingungen können
die Ausbreitung der Erreger fördern.
Sächsische Meldedaten
Insgesamt wurden seit dem Auswertungsbeginn 2013 für den
Freistaat Sachsen 2.954 Nachweise von 4MRGN-Erregern über-
mittelt. In ungefähr einem Viertel der Fälle (n = 773) führten
die Erreger zu Infektionen, in drei Viertel der Fälle (n = 2.181)
konnte eine Kolonisation festgestellt werden. In Tabelle 1 sind
die gemeldeten Erreger jahresweise aufgeführt. Grundsätzlich
ist ein Rückgang der Meldezahlen zu verzeichnen, der haupt-
sächlich durch einen Rückgang der übermittelten Nachweise für
P. aeruginosa
(um 36 % gegenüber 2013) bedingt ist (Tabelle 1,
Abbildung 2).
Knapp mehr als die Hälfte (56 %) aller Betroffenen waren 65
Jahre und älter. Betrachtet man diese Altersgruppe der Senioren
differenziert nach Geschlecht, so ist die Inzidenz bei Männern
(52/100.000 der Altersgruppe) mehr als doppelt so hoch wie bei
Frauen gleichen Alters (19/100.000 der Altersgruppe). Insge-
samt stellten Frauen etwa ein und Männer zwei Drittel der Fälle.
Nur 14 % der Patienten waren jünger als 45 Jahre. Die höchste
altersspezifische Inzidenz im 5-Jahresmittel nach den 65 Jah-
re und älteren Senioren (33/100.000 der Altersgruppe) wiesen
Säuglinge im ersten Lebensjahr mit 28 Fällen pro 100.000 der
Altersgruppe auf (auf Neugeborenenstationen erfolgen häufi-
ger Screening-Untersuchungen auf MRGN) gefolgt von 45- bis
64-Jährigen mit 15/100.000 auf. Bei Kindern und jungen Er-
wachsenen rangierten die Inzidenzen zwischen 2,2/100.000 der
Altersgruppe bei 5- bis 14-jährigen Kindern und 4,8/100.000 bei
25- bis 44-Jährigen (Abbildung 3).
Seit 2013 wurden insgesamt 42 Todesfälle durch MRGN erfasst.
In 28 Fällen wurde
P. aeruginosa
als Infektionsursache nachge-
wiesen, acht Patienten verstarben mit Nachweis einer Infektion
an
Klebsiella
spp., drei Erkrankte mit einer
Acinetobacter
spp.-
Infektion. In zwei Fällen konnte
Enterobacter
spp. nachgewiesen
werden und einmal
Serratia
spp.
Während im Jahr 2013 insgesamt vier Ausbrüche mit insgesamt
45 4MRGN-Fällen übermittelt wurden, war es im Jahr 2017 ein
Ausbruch mit vier Fällen. Im Übermittlungszeitraum konnten
insgesamt zehn Ausbrüche mit 72 Fällen registriert werden. Vier
Ausbrüche waren durch
P. aeruginosa
verursacht, in je zwei Fäl-
len konnten hier Carbapenemasen vom Typ IMP bzw. VIM nach-
gewiesen werden. Bei drei weiteren Ausbrüchen wurden Carba-
penemase-bildende
A. baumanii
(OXA-58 bzw. VIM) registriert.
Tabelle 1: 4MRGN in Sachsen nach Erreger, 2013 – 2017
Erreger
2013 2014 2015 2016 2017
Gesamt
2013 - 2017
Gesamt
680
635
581
548
510
2.954
Pseudomonas
aeruginosa
491
405
376
324
313
1.909
Klebsiella spp.
104
105
77
83
77
446
Enterobacter spp.
15
28
50
67
54
214
Escherichia coli
6
15
20
20
26
87
Acinetobacter spp.
33
51
39
34
22
179
Citrobacter spp.
4
4
4
7
11
30
Serratia spp.
2
18
7
7
3
37
Enterobacteriaceae
3
3
2
8
Morganella spp.
23
1
2
6
1
33
Proteus mirabilis
2
5
3
1
11
680
510
0
100
200
300
400
500
600
700
2013
2014
2015
2016
2017
Anzahl der Erreger-Nachweise
Pseudomonas aeruginosa
Klebsiella spp.
Enterobacter spp.
E. coli
Acinetobacter spp.
Citrobacter spp.
Gesamt
Abbildung 2:
Häufigste 4MRGN in Sachsen, 2013 – 2017
0
10
20
30
40
50
60
< 1
1 - 4
5 - 14
15 - 24
25 - 44
45 - 64
65 <
Meldungen von 4MRGN pro 100.000
Einwohner der Altersgruppe
Altersgruppen
männlich
weiblich
Abbildung 3:
Altersverteilung 4MRGN nach Inzidenz, 5-Jahres-Mittelwert
2013 - 2017

10 │
912 Keuchhusten-Erkrankungen kamen im Jahr 2017 in Sach-
sen zur Meldung, was einer Inzidenz von 22,3 Erkrankungen pro
100.000 Einwohner entspricht. 859 dieser Erkrankungen waren
durch den Erreger
Bordetella pertussis
verursacht und somit
prinzipiell impfpräventabel. 53 Fälle waren durch
Bordetella
parapertussis
bedingt und deshalb nicht durch eine Impfung
zu verhindern gewesen. Somit wurde fast eine Verdopplung
der Meldezahlen des Vorjahres 2016 erreicht, in dem 496 Fälle
übermittelt und eine Inzidenz von 12,2 pro 100.000 Einwohner
errechnet wurden. Das WHO-Ziel einer Inzidenz von weniger als
einer Erkrankung pro 100.000 Einwohner war in Sachsen in den
Jahren 1990 - 1992 mit jeweils nur zwischen 6 und 13 gemelde-
ten Fällen bereits erreicht worden. Vor allem sinkende Impfquo-
ten, aber auch der Wechsel vom Vollkeim- auf den besser ver-
träglichen, jedoch weniger immunogenen, azellulären Impfstoff
Mitte der 90er-Jahre, haben zur Folge, dass sich die Neuerkran-
kungsraten an Pertussis trotz angepasster Impfempfehlungen
stetig auf einem hohen Niveau befinden (Abbildung 4).
Keuchhusten ist schon lange keine Kinderkrankheit mehr und
tritt in allen Altersgruppen auf. Gerade in den letzten Jahren
war eine Verschiebung der altersspezifischen Inzidenz in hö-
here Altersgruppen zu beobachten. So wurden in Sachsen im
Jahr 2017 knapp 39 % aller gemeldeten Erkrankungen bei über
25-Jährigen registriert. Die höchste Fallzahl war mit 177 Er-
krankten und einer Inzidenz von 109 Erkrankungen pro 100.000
Einwohner in der Altersgruppe der 10- bis unter 15-Jährigen zu
verzeichnen (Tabelle 2).
Tabelle 2: Pertussis im Freistaat Sachsen 2017 nach Alters-
gruppen
Alter in Jahren
Erkrankungen
%
Inzidenz
1)
0 - < 1
20
2,2
54,2
1 - < 5
95
10,4
65,4
5 - < 10
143
15,7
82,0
10 - < 15
177
19,4
109,4
15 - < 25
124
13,6
39,9
25 - < 45
122
13,4
12,0
45 - < 65
154
16,9
12,7
65 und älter
77
8,4
7,5
gesamt
912
100,0
22,3
1) Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
Im Jahr 2017 kamen in Sachsen insgesamt 19 Keuchhusten-
Ausbrüche mit jeweils fünf und mehr (bis 38) Erkrankten zur
Meldung. Diese Häufungen wurden in 16 Schulen, zwei Familien
und einer Kindertagesstätte registriert.
Während bei Erwachsenen oft abortive Verlaufsformen (häufig
fehlgedeutet als chronische Bronchitis) auftreten, kann die Er-
krankung vor allem für Säuglinge aufgrund der unter Umstän-
den auftretenden Atemstillstände lebensbedrohlich sein. Diese
vulnerable Gruppe gilt es insbesondere zu schützen. Zum Er-
reichen des WHO-Zieles „Verringerung übertragbarer Krankhei-
ten – Krankheitsbekämpfung Pertussis“ ist es erforderlich, in der
gesamten Bevölkerung sowohl hohe Impfraten als auch einen
ausreichenden Immunschutz zu erzielen und aufrecht zu erhal-
ten. Deshalb empfiehlt die Sächsische Impfkommission (SIKO)
neben der Standardimpfung für alle Kinder und Jugendlichen
auch eine Boosterung aller Erwachsenen alle 10 Jahre. Eine Al-
tersbegrenzung für die Pertussis-Impfung existiert nicht. Auch
eine Schwangerschaft ist keine Kontraindikation für die Keuch-
husten-Impfung. Im Gegenteil: Schwangere sollen vorzugsweise
zwischen der 27. und 36. Schwangerschaftswoche eine Dosis
Pertussis-Impfstoff erhalten, unabhängig vom Abstand zur letz-
ten Impfung. Durch höhere Antikörpertiter (verbesserte Leihim-
munität) wird die Ansteckungsgefahr der Säuglinge in den ersten
Wochen nach der Geburt verringert oder der Krankheitsverlauf
abgeschwächt. Sofern in den letzten Jahren keine Keuchhusten-
Impfung stattgefunden hat, sollte auch Haushaltskontaktperso-
nen zu Säuglingen (Eltern, Geschwister, Betreuer, Großeltern)
möglichst vier Wochen vor der Geburt des Kindes eine Impfdosis
verabreicht werden.
Die Wirksamkeit der aktuellen Pertussis-Impfstoffe liegt bei
circa 80 bis 90 %. Der Impfschutz hält etwa 5 – 10 Jahre an.
Zweiterkrankungen an Keuchhusten sind generell möglich, eine
Immunität nach Erkrankung besteht auch hier nur für bis zu
10 Jahre, so dass auch in diesen Fällen erneut geimpft werden
muss. Von den 859 erkrankten Betroffenen in Sachsen 2017 mit
dem Erregernachweis
B. pertussis
waren 655 (76 %) nicht bzw.
unvollständig gegen Keuchhusten geimpft. Im Umkehrschluss
bedeutet dies aber, dass knapp ein Viertel der Patienten trotz
vollständigem Impfschutz erkrankte. Das ist bedauerlich und
trägt nicht zur Impffreudigkeit der Bevölkerung bei.
Keuchhusten wird sich nicht ausrotten lassen. Umso wichtiger
ist das Risikohandling für gefährdete Personen. Eine rechtzeitige
Impfung potentieller Kontaktpersonen von Säuglingen sowie die
Immunisierung der Mutter während der Schwangerschaft sind
zielführend.
Keuchhustenwelle 2017 - Impflücken begünstigen Ansteckungen
0
5
10
15
20
25
30
35
40
1989
1993
1997
2001
2005
2009
2013
2017
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
Abbildung 4:
Pertussis im Freistaat Sachsen, 1989 – 2017

│11
Darmpathogene Erreger verursachen mit Abstand die meisten
meldepflichtigen Erkrankungen in Deutschland und Sachsen.
Die realen Erkrankungszahlen werden für die meisten Gastroen-
teritis-Erreger etwa 10-mal höher als gemeldet geschätzt, da im
ambulanten Bereich eine mikrobiologische Diagnostik bei aku-
ten Durchfall-Erkrankungen meist nicht erfolgt.
Für den öffentlichen Gesundheitsdienst sind darmpathogene
Erreger hinsichtlich des Infektionsschutzes von besonderer Be-
deutung aufgrund ihres Weiterverbreitungspotentials über kon-
taminierte Lebensmittel sowie auch von Mensch zu Mensch bei
Mikroorganismen mit niedriger Infektionsdosis oder besonders
vulnerablen Personen.
Neben Einsendungen zur Ermittlung des auslösenden Agens bei
Krankheitsausbrüchen werden auch Umgebungsuntersuchun-
gen im Umfeld Erkrankter und Nachkontrollen an die LUA Sach-
sen gesandt, wobei Personen, die im Lebensmittelbereich tätig
sind oder Gemeinschaftseinrichtungen besuchen, besondere Be-
achtung erfahren.
In Sachsen werden aktuell alle Asylsuchenden aus Sub-Sahara-
Afrika im Rahmen der Erstaufnahme-Untersuchung auf eine In-
fektion mit Helminthen des Darms und der Darmanhangsorgane
untersucht. Grund dafür ist die hohe Prävalenz der Schistosomi-
asis in dieser Population.
Im Jahr 2017 wurden durch die Gesundheitsämter, die Jus-
tizvollzugsanstalten (JVA) und die Zentrale Ausländerbehörde
(ZAB) 6.401 Stuhlproben an die LUA Sachsen zur Untersuchung
auf Gastroenteritis-Erreger bzw. intestinale Wurminfektionen
eingesandt. Das Spektrum der nachgewiesenen darmpathoge-
nen Erreger findet sich in Tabelle 3 (Details siehe LUA-Home-
page, Tabelle 1.8 und Tabelle 1.9)
Bakteriologische Diagnostik
Im Berichtsjahr wurden 12.385 Untersuchungen auf bakterielle
Enteritis-Erreger durchgeführt.
Salmonellen, Shigellen,
Campylobacter
spp.,
Yersinia
spp.,
darmpathogene
Escherichia coli
, Vibrionen sowie die Lebens-
mittelvergifter
Bacillus cereus
und enterotoxinbildende
Staphy-
lococcus aureus
wurden auf Selektivnährmedien kultiviert und
biochemisch oder mittels MALDI-TOF-MS (Matrix Assisted La-
ser Desorption Ionization – Time of Flight Mass Spectrometry)
identifiziert. Gegebenenfalls erfolgte eine weitere serologische
Differenzierung sowie der phänotypische oder molekularbiolo-
gische Nachweis von Virulenzmerkmalen.
Die erregertypischen Toxine von
Clostridium difficile
und dem
Lebensmittelvergifter
Clostridium perfringens
wurden mittels
Enzym-Immuno-Assay (EIA) nachgewiesen.
Die Untersuchung auf enterohämorrhagische
E. coli
(EHEC) um-
fasst bei einem positiven Nachweis von Shigatoxin in der Stuhl-
probe (EIA) eine molekularbiologische Bestätigung mittels stx1-
und/oder stx2-Gennachweis durch die PCR. Bei einem positiven
Ergebnis wurde angestrebt, den Erreger anzuzüchten und hin-
sichtlich seiner Antigeneigenschaften und seiner Virulenzmerk-
male zu charakterisieren. Der O-Serotyp, der Shigatoxintyp so-
wie das Vorliegen oder Fehlen des eae-Gens für die Bildung von
Intimin ermöglichen eine gewisse Risikoabschätzung. Schwere
Verläufe und Komplikationen wie das Hämolytisch-Urämische
Syndrom (HUS) sind stark mit dem gleichzeitigen Vorliegen des
stx2- und des eae-Gens bei einem EHEC-Isolat assoziiert.
Wie im Vorjahr war die EHEC-Diagnostik die am häufigsten
angeforderte bakteriologische Stuhluntersuchung. Die Positi-
venrate lag bei 16,7 % (567/3.396), das entsprach 29,0 % aller
nachgewiesenen Darmpathogene an der LUA Sachsen. Viele Un-
tersuchungen waren Nachkontrollen bei Personen, für die das
zuständige Gesundheitsamt aufgrund der EHEC-Ausscheidung
ein Tätigkeits- oder Besuchsverbot verhängt hatte. Bei 65,3 %
(79 von 121) der EHEC-Erstnachweise konnte der EHEC-Stamm
angezüchtet und im NRZ für Salmonellen und andere bakte-
rielle Enteritis-Erreger charakterisiert werden. Davon wurden
27,8 % der Serogruppe O91 und 19,0 % der Serogruppe O103
zugeordnet, alle anderen Serogruppen waren deutlich seltener
vertreten. Von 79 isolierten EHEC-Stämmen bildeten 69,6 %
ausschließlich Shigatoxin 1 und 30,4 % Shigatoxin 2 (mit oder
ohne Shigatoxin 1). Bei 32,9 % wurde das eae-Gen (Intimin)
nachgewiesen, bei 6,3 % lag die Kombination von stx2- und
eae-Gennachweis vor (Tabelle 3 und LUA-Homepage, Tabelle
1.14).
Tabelle 3: Spektrum der nachgewiesenen darmpathogenen
Erreger im Jahr 2017
Erreger
Anzahl der
Nachweise
Nachweise in %
zur Anzahl der
durchgeführten
Untersuchun-
gen
Nachweise in %
zur Gesamtzahl
der nachgewiese-
nen darmpatho-
genen Erreger
Noroviren
560
34,5
28,7
Enterohämorrhagische
Escherichia coli (EHEC)
567
16,7
29,0
Salmonella spp.
279
10,6
14,3
intestinale Helminthen
205
19,6
10,5
Campylobacter spp.
82
5,3
4,2
Rotaviren
70
5,7
3,6
Giardia lamblia
69
11,0
3,5
Astroviren
35
2,7
1,8
Shigella spp.
21
0,8
1,1
Adenoviren
19
1,5
1,0
Yersinia enterocolitica
23
2,5
0,8
Darmpathogene Escheri-
chia coli (außer EHEC)
14
1,8
0,7
Clostridium difficile
(Toxine A+B)
10
5,0
0,5
Staphylococcus aureus,
enterotoxinbildend
2
3,3
0,1
Cryptosporidium spp.
3
2,9
0,2
Entamoeba histolytica
0
0,0
0,0
Clostridium perfringens
(Enterotoxin)
0
0,0
0,0
Bacillus cereus
0
0,0
0,0
Gesamtzahl der nachge-
wiesenen darmpathoge-
nen Erreger
1.959
9,7
100,0
Insgesamt 2.638 Stuhlproben wurden auf Salmonellen unter-
sucht, die Positivenrate lag bei 10,6 % (279). Die Serovare Sal-
monella Enteritidis und Salmonella Typhimurium wurden mit
Campylobacter, Norovirus, Pärchenegel und Co. -
Nachweis von Darmpathogenen an der LUA Sachsen

image
image
12 │
44,4 % (124) und 44,1 % (123) etwa gleich häufig nachgewie-
sen. Es wurden 17 weitere Serovare identifiziert mit Nachweis-
raten zwischen 1,4 % und 0,4 % (Tabelle 3 und LUA-Homepage,
Tabelle 1.10).
Ein größerer Krankheitsausbruch ereignete sich bei Kunden
einer Bäckerei. Mindestens 29 Personen erkrankten mit einer
akuten Gastroenteritis, acht Personen wurden hospitalisiert,
bei 27 erfolgte der Nachweis von S. Enteritidis. Dem Ausbruch
zugeordnete Salmonella-Isolate von 4 Patienten sowie aus
Kuchenkrümeln der Bäckerei und aus Sockentupferproben des
zuliefernden Legehennenbetriebes wurden durch die LUA Sach-
sen zur weiteren Analyse an das NRZ in Wernigerode gesandt.
Die durchgeführte Genomsequenzierung und bioinformatische
Analyse wies auf einen epidemiologischen Zusammenhang der
Isolate hin.
Campylobacter
spp. sind bundesweit und in Sachsen die am
häufigsten gemeldeten bakteriellen Enteritis-Erreger. 2017
wurden sie an der LUA Sachsen in 82 von 1.555 (5,3 %) Stuhl-
proben nachgewiesen, in 90,2 % handelte es sich um
Campylo-
bacter jejuni
und in 9,8 % um
Campylobacter coli
(Tabelle 3 und
LUA-Homepage, Tabelle 1.12).
Im Berichtsjahr ereignete sich ein Ausbruch durch
C. jejuni
in
einer Schulklasse nach Besuch einer Rohmilchtankstelle. An
der LUA Sachsen wurde in diesem Zusammenhang sowohl in
drei Patientenproben als auch im angeschuldigten Lebensmittel
(Rohmilch)
C. jejuni
nachgewiesen, die Isolate wurden zur Typi-
sierung an das NRZ und das Bundesinstitut für Risikobewertung
(BfR) gesandt und aufgrund der Ergebnisse der Genomsequenzi-
erung als zusammengehörig gewertet.
Für
C. difficile, Yersinia enterocolitica
, darmpathogene
E. coli
au-
ßer EHEC und
Shigella
spp. lagen die Nachweisraten bei 5,0 %,
2,5 %, 1,8 % bzw 0,8 % (Tabelle 3 und LUA-Homepage, Tabelle
1.11, Tabelle 1.13 und Tabelle 1.15).
Parasitologische Diagnostik
2017 wurden an der LUA Sachsen 2.304 Untersuchungen auf
parasitologische Enteritis-Erreger durchgeführt.
Die Diagnostik auf intestinale Helminthen erfolgte mittels Mik-
roskopie einer Stuhlanreicherung (SAF-Methode) und bzw. oder
zweier Stuhlausstriche nach Kato-Katz. In 19,6 % (205/1.045)
der Proben wurden Wurmeier, Würmer oder Wurmbestandteile
gefunden, in mehreren Proben wurden Doppel- oder sogar Drei-
fachnachweise geführt. Es wurden überwiegend Asylsuchende
aus Afrika untersucht, die Proben wurden durch die Zentrale
Ausländerbehörde (ZAB) und über die Gesundheitsämter einge-
sandt.
In 11,7 % (122/1.045) der Proben wurden Eier von
Schistosoma
mansoni
nachgewiesen, dem Pärchenegel, Erreger der Darm-
bilharziose. Diese komplikationsträchtige Infektionskrankheit
ist nach Schätzungen der WHO weltweit jährlich für 300.000
Todesfälle verantwortlich, die meisten davon in Sub-Sahara-
Afrika. Durch eine frühzeitige Diagnose und Therapie können ir-
reversible Organschäden durch die Infektion vermieden werden.
Hymenolepis nana
, der Zwergbandwurm, wurde in 4,1 %
(43/1.045) der Proben detektiert.
H. nana
kann von Mensch zu
Mensch übertragen werden, deshalb ist auch hier eine umge-
hende Therapie angezeigt.
Insgesamt wurden Eier von 14 verschiedenen Helminthenarten
identifiziert. In Deutschland kommt der Madenwurm
Enterobius
vermicularis
am häufigsten vor und wird vor allem bei Kindern
nachgewiesen. Er wurde in 1,0 % (10/1.045) der Untersuchun-
gen gefunden (Abbildung 1 und 2, Tabelle 3 und LUA-Home-
page, Tabelle 1.17 und Tabelle 1.18).
Es wurden zudem 1.259 Untersuchungen auf intestinale Pro-
tozoen mittels EIA durchgeführt. Bei der Cryptosporidien-
Diagnostik wurde zusätzlich ein Präparat (modifizierte Ziehl-
Neelsen-Färbung) mikroskopiert.
Giardia lamblia
-Zysten fielen
häufig auch in der SAF-Anreicherung im Rahmen der Helmin-
then-Diagnostik auf. Die Positivenraten der
G. lamblia
- und
Cryptosporidien-Diagnostik lagen bei 11,0 % bzw 2,7 %.
En-
tamoeba histolytica
wurde nicht nachgewiesen (Tabelle 3 und
LUA-Homepage, Tabelle 1.17 und Tabelle 1.19).
Virologische Diagnostik
Auf virale Enteritis-Erreger wurden 5.463 Untersuchungen an-
gefordert. Der Nachweis von Noroviren erfolgte mittels moleku-
larbiologischer Methoden (RT-PCR). Adeno-, Astro- und Rotavi-
ren wurden durch Antigen-Nachweis im EIA detektiert.
In 684 Stuhlproben wurden darmpathogene Viren gefunden.
Die höchste Positivenrate gab es mit 34,5 % (560/1.625) bei
der Untersuchung auf Noroviren, gefolgt von Rotaviren, Astro-
viren und Adenoviren mit 5,7 %, 2,7 % und 1,5 %. Wie in den
Vorjahren wurden die Nachweise überwiegend im Rahmen von
Krankheitsausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen sowie Kin-
dertageseinrichtungen geführt (Tabelle 3 und LUA-Homepage,
Tabelle 1.16).
Im Berichtsjahr waren erstmals seit vielen Jahren nicht Noro-
viren, sondern EHEC die am häufigsten nachgewiesenen Gast-
roenteritis-Erreger im Untersuchungsgut der LUA Sachsen. Dies
war vor allem auf einen Anstieg der Positivenrate bei EHEC-Un-
tersuchungen von 6,6 % (249/3.749) im Jahr 2016 auf 16,7 %
(567/3.396) im Berichtsjahr zurückzuführen.
Abbildung 5:
Enterobius vermicularis (Madenwurm)
Abbildung 6:
Enterobius vermicularis, weiblich mit Eiern

image
│13
Schwerpunkte der serologischen Diagnostik im Fachgebiet 1.2
(Serologie, Virologie) bildeten auch 2017 die Antikörper-Be-
stimmungen von impfpräventablen Erkrankungen sowie Unter-
suchungen auf HIV, Hepatitis-Viren und Syphilis.
Die detaillierte Darstellung der Untersuchungszahlen sowie
einen Überblick vom gesamten serologischen Untersuchungs-
spektrum des Fachgebietes im Berichtsjahr 2017 geben die Ta-
bellen 1.21 bis 1.25, die auf der LUA-Homepage einsehbar sind.
Im Berichtsjahr 2017 wurden insgesamt 16.503 humane Serum-
proben in 74.568 Einzelanalysen untersucht. Die serologischen
Untersuchungen erfolgten im Jahr 2017 zu 57,4 % für Einrich-
tungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes sowie zu 5,1 %
für Justizvollzugsanstalten und Landespolizeidirektionen. Mit
einem Anteil von 37,5 % erfolgten im Jahr 2017 die serolo-
gischen Untersuchungen von Asylbewerbern gemäß dem Erlass
zum Vollzug der VwV Asylbewerbergesundheitsbetreuung vom
29.07.2015 im Rahmen der ärztlichen Erstuntersuchung durch
die Zentrale Ausländerbehörde Sachsens (ZAB) bzw. im Bedarfs-
fall als weiterführende serologische Labordiagnostik im Auftrag
des jeweils örtlich zuständigen Gesundheitsamtes.
Im Ganzen wurden im Berichtsjahr 5.922 asylbedingte Se-
rumproben registriert. Das bedeutet ein Rückgang von nahezu
40 % gegenüber dem Vorjahr (2016: 9.682). Circa 85 % der
asylbedingten Serumproben (4.995/5.922) in 2017 wurden im
Rahmen der Erstuntersuchung von Asylsuchenden auf die se-
rologischen Parameter Hepatitis A-IgM-Antikörper (HAV-IgM-
AK) und Hepatitis Bs-Antigen (HBs-Ag) untersucht. Ebenso
waren die Immuntiter für Masern, Mumps, Röteln und Vari-
zellen (MMRV-Titer) zu bestimmen. In Einzelfällen wurde das
serologische Routinespektrum um zusätzliche Untersuchungs-
anforderungen erweitert. Dies diente zur Ermittlung bzw. zum
Ausschluss von Infektionskrankheiten oder von übertragbaren
Krankheitserregern, wie zum Beispiel der Ausschluss von HIV-
Infektion, Hepatitis C-Virus (HCV-Antikörper) und Syphilis.
Neben den Untersuchungsproben aus den Erstuntersuchungs-
stellen (EU) wurden im Berichtsjahr 2017 weitere 927 asylbe-
dingte Serumproben im Fachgebiet registriert. Im Vergleich zum
Vorjahr ist diese Probenzahl um fast das Fünffache gestiegen
(2016: 189 Seren). Dazu zählen insbesondere auch Serumpro-
ben von Unbegleiteten minderjährigen Ausländern (UMA). Das
angeforderte Untersuchungsspektrum für UMA war auch im
Berichtsjahr nicht standardisiert, sondern immer eine Einzelfall-
entscheidung des jeweils örtlich zuständigen Gesundheitsam-
tes. Es wurden je UMA im Durchschnitt 10 - 12 verschiedene
serologische Untersuchungsparameter angefordert.
Die detaillierte Darstellung der Untersuchungszahlen und Er-
gebnisse der serologischen Diagnostik von Asylbewerberproben
auf HAV-IgM-AK, HBs-Ag, HCV-Antikörper, HIV-Infektion und
Syphilis nach den verschiedenen Herkunftsländern der Asylsu-
chenden kann auf der LUA-Homepage (Tabelle 1.24) abgerufen
werden.
HIV-Infektion
Untersuchungen zum Nachweis von Antikörpern gegen HIV
wurden im Berichtsjahr bei insgesamt 7.307 Blutproben durch-
geführt. Die Untersuchungsproben kamen von den AIDS/STI-
Beratungsstellen, der ZAB, den Justizvollzugsanstalten und den
Landespolizeidirektionen. Dabei dominierten die Einsendungen
der AIDS/STI-Beratungsstellen mit circa 93,6 % (6.836 Seren).
48 Serumproben zur HIV-Diagnostik wurden von Asylsuchenden
registriert.
Im Berichtsjahr zeigten insgesamt 7.206 Serumproben (98,6 %
der untersuchten Seren) ein negatives Ergebnis im HIV-Scree-
ning-Test (Antigen-Antikörper-Kombinationstest). Die positiven
(reaktiven) Proben (101 von 7.307) wurden zusätzlich in einem
Antikörper-basierten Bestätigungstest mittels Immunoblot-Ver-
fahren geprüft. Es konnten 53 Proben als positiv für HIV-1 be-
stätigt werden. Dies entspricht einer Gesamt-Positivenrate von
0,72 % (53/7.307). Ersteinsendungen mit Nachweis von HIV-
Antikörpern stammten im Berichtsjahr von 52 Personen (patien-
ten-bezogene Positivenrate: 0,71 %; 2016: 50 Neudiagnosen).
Die Untersuchungen für die ZAB erbrachten eine Positivenrate
von 10,4 % (5 bestätigt-positive Proben von insgesamt 48 Ein-
sendungen). Bei 4 Asylbegehrenden wurde eine HIV-1-Infektion
diagnostiziert (patienten-bezogene Positivenrate: 8,5 % (4 von
47)).
Syphilis
Der Antikörper-Nachweis gegen
Treponema pallidum
ist wich-
tiger Bestandteil der Syphilis-Diagnostik. Die Serodiagnostik im
Fachgebiet basiert auf einer Stufendiagnostik mit Such- und
mehreren Ergänzungstests.
Im Berichtsjahr wurden insgesamt 3.684 Serumproben für die
Syphilis-Serologie registriert. Haupteinsender waren – wie auch
bei der HIV-Serologie – die AIDS/STI-Beratungsstellen der Ge-
sundheitsämter. Insgesamt 29 Serumproben stammten von
Asylsuchenden.
Im Untersuchungsgut von 2017 betrug die Positivenrate der An-
tikörper-Nachweise gegen
T. pallidum
13,9 %. Bei 72 der 3.684
eingesandten Serumproben (2,0 %) konnte eine akute, behand-
lungsbedürftige Syphilis nachgewiesen werden. Dazu zählte ein
Patient mit Migrationshintergrund.
Doppelinfektionen mit HIV und
T. pallidum
wurden in 12 Fällen
beobachtet.
Überblick über die serologische Untersuchungstätigkeit 2017
Abbildung 7:
Vollautomatisierte serologische Infektionsdiagnostik von HIV
und Hepatitis-Viren

14 │
Virushepatitis
Eine wesentliche Aufgabe im Rahmen der serologischen Hepa-
titis-Diagnostik ist vor allem die Beurteilung der Infektiosität
bei Probanden mit nachgewiesener Hepatitis A-, B- und C-Vi-
rusinfektion.
Durch eine Impfung kann eine Infektion mit dem
Hepatitis A-
Virus (HAV)
wirksam verhindert werden. Ist der Immunstatus
nicht bekannt, sind bei einem Erkrankungsgeschehen Umge-
bungsuntersuchungen notwendig.
Im Berichtsjahr wurden insgesamt 4.032 Bestimmungen von
HAV-IgG-Antikörpern (Anti-HAV-IgG) durchgeführt. Die Pro-
beneinsendungen kamen zu circa 95 % (3.832 Serumproben)
aus Einrichtungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Es
wurde eine Hepatitis-A-Immunität (Anti-HAV-IgG) von 61,3 %
ermittelt (2.348/3.832).
Bei entsprechender Klinik ist der Nachweis von Anti-HAV-IgM
im Serum beweisend für eine frische HAV-Infektion. In 674 Fäl-
len wurde zusätzlich eine Bestimmung der HAV-IgM-Antikörper
(Anti-HAV-IgM) angefordert. In keiner dieser untersuchten Pro-
ben war Anti-HAV-IgM nachweisbar.
Die im Rahmen der 2017 routinemäßig durchgeführten Anti-
HAV-IgM-Untersuchungen für Asylsuchende umfassten ins-
gesamt 4.881 Bestimmungen. HAV-IgM-Antikörper wurden
in 5 Proben (0,1 %) nachgewiesen. Bei 29 untersuchten Seren
(0,6 %) ergab die Analyse ein grenzwertiges Ergebnis für Anti-
HAV-IgM. In diesen Fällen wurden serologische Verlaufskont-
rollen bzw. der Nachweis von HAV-RNA mittels PCR empfohlen.
Für 199 Serumproben wurde bei Asylsuchenden zusätzlich die
Untersuchung auf HAV-IgG-Antikörper angefordert. Die Hepa-
titis A-Immunität (Anti-HAV-IgG) lag bei 92,5 % (184 von 199
Serumproben).
Eine chronische
Hepatitis B-Virus (HBV)
-Infektion wurde im
Berichtsjahr bei insgesamt 156 Personen ermittelt. In 123 Fällen
waren Asylbegehrende betroffen (2,5 % der 4.938 eingesandten
Proben).
Die Auswertung der Laborergebnisse ergab im Berichtsjahr in
4 Fällen den Nachweis einer akuten HBV-Infektion. Betroffen
waren 2 Asylsuchende sowie jeweils ein Patient aus dem Öffent-
lichen Gesundheitsdienst bzw. aus einer Justizvollzugsanstalt.
Die
Hepatitis C-Virus (HCV)
-Infektion wird vor allem durch
Blutprodukte übertragen. Wie in den Vorjahren betrafen die
Untersuchungsanforderungen mit 96,5 % der Einsendungen im
Wesentlichen Serumproben aus den AIDS/STI-Sprechstunden
der Gesundheitsämter, von Justizvollzugsanstalten und Lan-
despolizeidirektionen sowie Kontrolluntersuchungen von me-
dizinischem Personal nach Nadelstichverletzungen nach der
„Anti-D-Prophylaxe 1978/79“. Der Probenumfang für diese An-
forderungen umfasste im Berichtsjahr 3.983 Seren. Zusätzlich
wurden insgesamt 143 Serumproben von Asylsuchenden über-
prüft.
Die serologische Labordiagnostik einer HCV-Infektion basiert
gemäß klinischer Leitlinien auf der Bestimmung von Antikörpern
gegen HCV (Anti-HCV). Positive (reaktive) Proben werden zu-
sätzlich in einem Antikörper-basierten-Ergänzungstest (Immu-
noblot-Verfahren) geprüft. Bei Verdacht auf eine HCV-Infektion
wird der direkte Nachweis von HCV-RNA mittels PCR-Verfahren
empfohlen.
Im Berichtsjahr wurde in 88 Fällen das positive Anti-HCV-Er-
gebnis mittels Immunoblot bestätigt. Dies entspricht einer Posi-
tivenrate von 2,1 % (88/4.126).
Bei alleiniger Betrachtung der asylbedingten HCV-Untersuchun-
gen in 2017 ergibt sich eine Anti-HCV-Positivenrate von 15,4 %
(22 positiv bestätigte Fälle von 143 untersuchten Proben). Da-
bei kamen 14 der für Anti-HCV positiv getesteten Personen aus
Georgien.
Das
Hepatitis E-Virus (HEV)
ist weltweit der häufigste virale
Auslöser einer akuten Hepatitis (WHO 2017). Die serologische
Labordiagnose einer akuten HEV-Infektion basiert im Fachge-
biet auf der getrennten Bestimmung von IgG- und IgM-Antikör-
pern mittels ELISA und Immunoblot.
Im Berichtsjahr 2017 wurden insgesamt 678 HEV-Antikörper-
Untersuchungen durchgeführt. Bei 59 Patienten wurden HEV-
IgM-Antikörper nachgewiesen. Die Positivenrate von 8,7 %
(59/678) lag dabei deutlich über dem Vorjahreswert von 4,7 %
(2016: 35/750).
Immunstatus-Bestimmungen gegen Mumps-, Masern-,
Röteln- und Varizella-Zoster-Virus (MMRV)
Die durchschnittlichen Seroprävalenzen von IgG-Antikörpern
gegen MMRV bei den im Jahr 2017 analysierten Serumproben
von Asylbewerbern lagen – wie auch im Vorjahr - bei allen Pa-
rametern über 84 %.
Die Tabelle 1.25 (siehe LUA-Homepage) zeigt eine Zusammen-
fassung der Untersuchungszahlen und Immunitätsraten der un-
tersuchten Asylbewerber gegen MMRV nach den verschiedenen
Herkunftsländern.

image
│15
Polio-Serologie 2017 und der neue Paragraph 50a des IfSG für „Labor-
containment und Ausrottung des Poliovirus“
Zum Routinespektrum des Fachgebietes 1.2 (Serologie, Virolo-
gie) zählt seit Jahren die Polio-Serologie. Die serologischen Un-
tersuchungen werden von Gesundheitsämtern ausschließlich zur
diagnostischen Abklärung des Immunstatus gegen Poliomyelitis
(Polio) angefordert. Methode der Wahl ist der Polio-Mikroneu-
tralisationtest (Polio-NT) gemäß den Empfehlungen der WHO.
Die Patientenseren werden auf typenspezifische, protektive An-
tikörper gegen Polioviren geprüft. Im Berichtsjahr 2017 wurden
insgesamt 929 Serumproben mittels Polio-NT untersucht.
Beim Polio-NT werden Zellkulturen und attenuierte Polio-
(Sabin)-Impfstämme eingesetzt. Verschiedene Verdünnungs-
stufen des Patientenserums werden zusammen mit einer de-
finierten Dosis je attenuiertem Polio-(Sabin)-Impfstamm und
humanen Zellen inkubiert. Im Patientenserum vorhandene Po-
lio-spezifische Antikörper können die durch die Polio-Impfviren
induzierte Zerstörung der humanen Zellen inhibieren. Es wird
die höchste Verdünnungsstufe des Patientenserums ermittelt,
bei der die humanen Zellen vor der viralen Zerstörung noch ge-
schützt sind. Die Laborergebnisse werden je Poliovirus-Typ als
Serum-Endverdünnung angegeben. Laut Vorgaben des Nationa-
len Referenzzentrums für Poliomyelitis und Enteroviren liegt der
Schutzgrenzwert für alle Polio-Typen bei einer Serum-Endver-
dünnung von 1:8.
Seit August 2016 wird im Fachgebiet 1.2 der Polio-NT nur noch
für die Poliovirus-Typen 1 und 3 vorgenommen. Antikörper-
bestimmungen gegen Poliovirus Typ 2 werden dagegen nicht
mehr durchgeführt. Der Wegfall dieser Untersuchungen steht
im Zusammenhang mit dem Laborcontainment von Polioviren
im Rahmen des fortgeschrittenen globalen Polioeradikations-
prozesses.
Im Jahr 1988 initiierte die WHO ein Programm zur globalen Era-
dikation der Poliomyelitis, die Globale Polioeradikationsinitiati-
ve (GPEI). Inzwischen konnte die Zirkulation der Polio-Wildviren
weltweit stark zurückgedrängt werden. Polio-Wildviren Typ 2
und 3 sind seit Jahren weltweit nicht mehr nachweisbar.
Die Europäische Region wurde von der WHO bereits im Juni 2002
als poliofrei zertifiziert. Deutschland und andere europäische
Mitgliedstaaten der WHO haben sich verpflichtet, alle erforder-
lichen Maßnahmen zu treffen, um die erreichte Poliofreiheit in
ihrem Verantwortungsbereich zu überwachen und zu erhalten.
In diesem Zusammenhang gewinnt das Laborcontainment von
Polioviren gemäß dem Global Action Plan III (GAP III) der WHO
zunehmend an Bedeutung und ist eine wichtige Maßnahme
zur Erreichung einer weltweiten Zertifizierung der Poliofreiheit.
Schließlich können mikrobiologische und andere Labore, die Po-
lioviren und/oder potenziell Poliovirus-haltige Materialien (PIM)
lagern bzw. verwenden, als mögliche Infektionsquelle eine Ge-
fahr darstellen.
Der WHO-Strategieplan GAP III sieht eine typenspezifische Po-
lio-Eradikation vor, beginnend mit dem Polio-Wildvirus Typ 2
(WPV2). Im September 2015 erklärte die WHO die globale Aus-
rottung von WPV2. Gemäß GAP III ist seit dem 01.08.2016 der
Besitz von allen Polioviren Typ 2 außerhalb von speziell zertifi-
zierten Einrichtungen untersagt. Daher ist seit diesem Zeitpunkt
der Polio-NT nur noch für die Poliovirus-Typen 1 und 3 zulässig.
In Deutschland erhielt das Laborcontainment mit der Erweite-
rung des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) vom 25.07.2017 durch
den neuen Paragraphen 50a („Laborcontainment und Ausrot-
tung des Poliovirus“) eine gesetzliche Grundlage. Demnach ist
der Besitz von Polioviren oder von PIM bei der zuständigen Be-
hörde anzeigepflichtig. Dabei sind die Angaben, wie Name der
Einrichtung, der verantwortlichen Personen, Art und Menge der
Poliovirus-Stämme bzw. des PIM, in Eigenverantwortung der
Labore regelmäßig zu aktualisieren. Von der zuständigen Behör-
de werden die Daten unverzüglich der obersten Landesbehörde
und von dort an die Nationale Kommission für die Polioeradika-
tion am Robert Koch-Institut weitergeleitet.
Darüber hinaus ermächtigt der neue Paragraph das Bundesge-
sundheitsministerium, das Laborcontainment auf die Poliovirus-
Typen 1 bzw. 3 auszuweiten, sobald eine entsprechende Emp-
fehlung der WHO vorliegt. Dies könnte voraussichtlich 2019 für
Polioviren vom Typ 3 der Fall sein.
Abbildung 8:
Untersuchungsansatz zur Bestimmung von Polio-Antikörpern
mit dem Neutralisationstest

image
16 │
Masern-Diagnostik - schnellere Identifizierung von „Impfmasern“
mittels Real-time RT-PCR
Masern sind eine hochkontagiöse Viruserkrankung, die nur den
Menschen betrifft und schwerwiegende (bakterielle Superinfek-
tionen wie z. B. Otitis media, Bronchitis und Pneumonie; postin-
fektiöse Enzephalitis) und sogar tödliche Folgen (subakute skle-
rosierende Panenzephalitis) für die Erkrankten haben kann. Fast
jeder Ungeschützte erkrankt nach Kontakt mit einer an Masern
erkrankten Person selbst. Schutz bietet die zweifache Masern-
Impfung. Dabei handelt es sich um einen Lebendimpfstoff, der
auch als Postexpositionsprophylaxe geeignet ist. Dieser kann,
wenn er innerhalb von 72 Stunden nach Exposition verabreicht
wird, eine Masern-Erkrankung verhindern oder abmildern.
Bei ca. 5 % der geimpften Personen treten nach 8 - 12 Tagen als
Impfreaktion die sogenannten „Impfmasern“ auf [1]. Sie gehen
mit Fieber (38 - 39°C), einem flüchtigen Exanthem und leicht
entzündlichen Symptomen im Nasen-Rachen-Raum und den
oberen Atemwegen einher. Damit sind sie nur schwer von einem
echten Masernfall zu unterscheiden.
Masern-Impfstoffe enthalten attenuierte, lebende Masern-
Impfviren. Diese sind von Wildtyp-Masernviren abgeleitet, auf-
grund von Mutationen ist ihre Pathogenität abgeschwächt oder
sie haben sie verloren. Diese genetischen Veränderungen kön-
nen genutzt werden, um zwischen Impfviren und Wildviren zu
unterscheiden. Roy et al. publizierten 2017 einen Real-time RT-
PCR-Assay, der spezifisch ist für Masernviren des Genotyps A, zu
dem die verschiedenen Masern-Impfstämme zählen [2]. Damit
ist eine schnelle Identifizierung von „Impfmasern“ auf moleku-
larer Ebene ohne zeitaufwendige Sequenzierung möglich.
Da es bei einer Masern-Erkrankung wichtig ist, schnell zwischen
einer Impfreaktion und einer Infektion mit Wildviren zu unter-
scheiden, um über antiepidemische Maßnahmen wie Isolierung
des Erkrankten, Suche nach ungeimpften Kontaktpersonen,
Möglichkeiten der Postexpositionsprophylaxe zu entscheiden,
wurde zur Unterstützung der Mitarbeiter der Gesundheitsämter
diese PCR im Fachgebiet 1.3 (Molekularbiologie) etabliert.
Roy et al. haben mit dem von ihnen entwickelten Assay fünf
verschiedene Impfstämme (AIK-C, CAM-70, Edmonston-Zagreb,
Moraten, Shanghai-191) überprüft. Im Rahmen der Methoden-
validierung wurde dieser Assay im PCR-Labor der LUA Sachsen
erfolgreich zum Nachweis der Impfstämme „Enders Edmonston“
und „Schwarz“ angewendet (Abbildung 9).
Diese Methode wird nicht bei allen zur Masern-Diagnostik ein-
gesandten Proben – geeignete Materialien sind Rachenabstrich
und Urin – angewendet, sondern nur bei Verdacht auf „Impfma-
sern“. Dies sollte in den entsprechenden Fällen vom Einsender
auf dem Untersuchungsantrag vermerkt werden. Positive Pro-
ben werden zur Untermauerung der Ergebnisse an das Natio-
nale Referenzzentrum für Masern, Mumps, Röteln am RKI zur
Genotypisierung weitergeleitet.
Quellen:
[1] Mankertz, A. Beantwortung der Frage: Infektion mit Wild-
virus oder Impfvirus. Epid Bull 2017; 22: 201-203
[2] Roy, F.; Mendoza, L.; Hiebert, J.; McNall, R. J.; Bankamp, B.;
Connolly, S.; Lüdde, A.; Friedrich, N.; Mankertz, A.; Rota, P.
A.; Severini, A. Rapid Identification of Measles Virus Vacci-
ne Genotype by Real-Time PCR. J Clin Microbiol 2017; 55:
735-743
B
5
10
15
20
25
30
35
40
45
Zyklen
Fluoreszenz
0,013
1,013
2,013
3,013
4,013
5,013
6,013
7,013
8,013
9,013
10,013
11,013
12,013
13,013
14,013
A
B
Abbildung 9:
Amplifikationskurven der Impfstämme „Enders Edmonston“ [A] und „Schwarz“ [B] auf einem Light Cycler 480 II

│17
Hepatitis E-Viren sind einzelsträngige RNA-Viren, die sowohl
beim Menschen als auch verschiedenen Tierarten nachgewiesen
wurden. Relevant für den Menschen sind dabei die Orthohepe-
viren A, zu denen unter anderem vier humanpathogene Geno-
typen (HEV-1 bis HEV-4) zählen. Diese Genotypen zeigen eine
unterschiedliche geographische Verbreitung. Genotyp 1 und 2
kommen nur beim Menschen vor, sind in Asien und Afrika en-
demisch, werden fäkal oral meist über kontaminiertes (Trink-)
Wasser übertragen und in Deutschland vereinzelt bei Reiserück-
kehrern diagnostiziert. Der Genotyp 3 ist in Deutschland sowie
mehreren europäischen Ländern endemisch und kommt, wie
der Genotyp 4, außer beim Menschen unter anderem auch bei
Schweinen und Wildschweinen vor. Als Infektionsquelle spielen
kontaminierte Lebensmittel, vor allem Fleischprodukte, die roh
oder nicht durchgegart verzehrt wurden, eine Rolle. [1]
Die im Fachgebiet 1.3 (Molekularbiologie) etablierte Real-time
RT-PCR basiert auf dem Nachweis eines Abschnittes der ORF3-
Region des HEV-Genoms und erfasst die Genotypen 1 bis 4 [2].
Geeignete Materialien für diese Untersuchung stellen Blut und
Stuhl dar. Der Nachweis von HEV-RNA in diesen Materialien be-
weist eine frische HEV-Infektion.
Unterschiedliche Fragestellungen können eine Einsendung be-
gründen, wie z. B.:
]
unklarer Ikterus, vor allem nach Aufenthalt in Endemiegebie-
ten für Hepatitis E,
]
positive IgM-Befunde bei nicht eindeutiger oder fehlender
Symptomatik, z. B. im Rahmen von Umgebungsuntersuchun-
gen,
]
Verdacht auf autochthone Infektion (Zoonose).
Im Berichtsjahr 2017 wurden 843 Proben zur molekularbio-
logischen Diagnostik von Hepatitis E eingesendet (siehe LUA-
Homepage, Tabelle 1.26). In 39 Proben (4,6 %) wurde HEV-RNA
nachgewiesen (Abbildung 10). Eine Analyse war bei 8 Proben
(1 %) aufgrund von Inhibitoren, wie z. B. komplexen Polysaccha-
riden und Gallesalzen in Stuhlproben sowie Immunoglobulin G
und Lactoferrin in Blutproben, nicht möglich.
Im Falle eines Nachweises von HEV-RNA wurde und wird die
Probe zur Genotypisierung ans Konsiliarlabor Hepatitis-A-Virus
(HAV) und Hepatitis-E-Virus (HEV) in Regensburg weitergeleitet.
Dies betraf im Berichtsjahr Proben von 29 Erkrankten (je eine
Probe pro Erkrankungsfall). Unter diesen waren deutlich mehr
Männer als Frauen (72 % zu 28 %), circa drei Viertel der Per-
sonen waren 50 Jahre oder älter. Dies entspricht dem bundes-
weiten Trend [3]. Diese Erkrankungsfälle waren nicht auf eine
Region in Sachsen begrenzt, sondern betrafen fast alle Land-
kreise (LK) Sachsens: Erzgebirgskreis, LK Bautzen, LK Görlitz, LK
Leipzig, LK Meißen, LK Mittelsachsen, LK Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge und Voigtlandkreis.
In 25 Proben wurden Hepatitis E-Viren des Genotyps 3, der auf
eine zoonotische Infektion hinweist, nachgewiesen. Vier Proben
konnten nicht sequenziert werden. Grund dafür war vermutlich
die geringe Viruslast in diesen Proben.
In 17 Fällen, damit am häufigsten, wurde der Subtyp HEV-3c
nachgewiesen, in fünf der Subtyp HEV-3e und in einem Fall der
Subtyp HEV-3i (Abbildung 10). In zwei Fällen war eine Subtypi-
sierung nicht möglich. Auch 2016 war HEV-3c der dominieren-
de Subtyp in den zur Typisierung ans Konsiliarlabor gesandten
Proben. Lediglich in einer der 14 Proben wurde 2016 ein anderer
Subtyp, HEV-3f, nachgewiesen. In verschiedenen Studien sind
diese (HEV-3c, -3e, -3f, -3i) und weitere Subtypen (HEV-3a,
HEV-3h) in Deutschland in Schweinen, Wildschweinen und/oder
anderen Wildtieren nachgewiesen worden [4, 5, 6], was die Ver-
mutung einer zoonotischen Übertragung des Hepatitis E-Virus
für diese 25 Fälle unterstützt.
Wir bedanken uns bei Herrn PD Dr. Wenzel und Kollegen aus
dem Konsiliarlabor am Universitätsklinikum Regensburg für die
Typisierungen und die Übermittlung der Ergebnisse.
Quellen:
[1] Arbeitskreis Blut des Bundesministeriums für Gesundheit.
Stellungnahmen des AK Blut. Hepatitis-E-Virus. Bundesge-
sundhbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 2008; 58:
198-218
[2] Jothikumar, N., Cromeans, T. L.; Robertson, B. H.; Meng, X.
J.; Hill, V. R. A broadly reactive one-step real-time RT-PCR
assay for rapid and sensitive detection of hepatitis E virus. J
Virol Methods 2006; 131: 65-71
[3] Robert Koch-Institut. Hepatitis E – RKI-Ratgeber für Ärz-
te. 2015.
(https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/
Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisE.html)
[4] Schielke, A.; Sachs, K.; Lierz, M.; Appel, B.; Jansen, A.; Johne,
R. Detection of hepatitis E virus in wild boars of rural and
urban regions in Germany and whole genome characteriza-
tion of an endemic strain. Virology Journal 2009; 6: 58
[5] Vina-Rodriguez, A.; Schlosser, J.; Becher, D.; Kaden, V.; Gro-
schup, M. H.; Eiden, M. Hepatitis E Virus Genotype 3 Diver-
sity: Phylogenetic Analysis and Presence of Subtype 3b in
Wild Boar in Europe. Viruses 2015; 7: 2704-2726
[6] Wenzel, J. J.; Preiss, J.; Schemmerer, M.; Huber, B.; Plentz,
A.; Jilg, W. Detection of hepatitis E virus (HEV) from porcine
livers in Southeastern Germany and high sequence homolo-
gy to human HEV isolates. J Clin Virol 2011; 52: 50-54
Hepatitis E - Erregerdiagnostik und Typisierungsergebnisse 2017
(Typisierung durch Konsiliarlabor)
2
17
5
1
4
HEV-Genotyp 3
HEV-Subtyp 3c
HEV-Subtyp 3e
HEV-Subtyp 3i
negativ für Seq
B
94%
5%
1%
HEV negativ
HEV positiv
inhibiert
A
Abbildung 10: Anteil negativer, positiver und inhibierter Proben an der Zahl
der Einsendungen zur Hepatitis E-Diagnostik im Jahr 2017 (A),
Auswertung der Typisierungsergebnisse der im Jahr 2017 ans
Konsiliarlabor Hepatitis-A-Virus (HAV) und Hepatitis-E-Virus
(HEV) versandten Proben (B)

18 │
Beratungs- und Untersuchungstätigkeit
Auch 2017 war die Thematik multiresistente bakterielle Erreger
(MRE) ein wesentlicher Schwerpunkt in der Arbeit des Fach-
gebietes „Hygiene der Gesundheitseinrichtungen, Hygiene der
Gemeinschaftseinrichtungen, Kurorthygiene“. Neben der Bera-
tungstätigkeit für die Gesundheitsämter bei konkreten Frage-
stellungen beinhaltete dies insbesondere die aktive Unterstüt-
zung regionaler Netzwerke, beispielsweise mit Vorträgen zu
Fortbildungsveranstaltungen in den Kreisen Nordsachsen, Mit-
telsachsen und Bautzen.
Fortgeführt wurde der fachliche Austausch mit den Gesundheits-
ämtern innerhalb der „AG Krankenhaushygiene“ am LUA-Stand-
ort Chemnitz. Diese dient dazu, die Aufgaben des Öffentlicher
Gesundheitsdienstes (ÖGD) in Fragen der infektionshygieni-
schen Überwachung von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen
abzustimmen und zu koordinieren. Ebenfalls der besseren Ab-
stimmung zu verschiedensten Themen der Krankenhaushygiene
diente der 2017 weitergeführte fachliche Austausch der LUA
Sachsen mit den Hygienefachkräften der vier Sächsischen Kran-
kenhäuser für Psychiatrie und Neurologie.
Ein Thema war weiterhin die Verfügbarkeit von Krankenhaus-
hygienikern in den Kliniken des Freistaates Sachsen. Mit der
Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und In-
fektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI)
„Kapazitätsumfang für die Betreuung von Krankenhäusern und
anderen medizinischen Einrichtungen durch Krankenhaushygi-
eniker“ existiert seit 2016 eine Grundlage zur Berechnung des
Betreuungsbedarfs. Diese Empfehlung enthält auch Aussagen
zur Qualifikation der Krankenhaushygieniker. Demnach sollen
diese Tätigkeiten vorrangig von Fachärzten für Hygiene und
Umweltmedizin bzw. für Mikrobiologie, Virologie und Infekti-
onsepidemiologie wahrgenommen werden. Dies gilt insbeson-
dere für Kliniken der Maximalversorgung und Universitätsklini-
ken sowie für die externe Betreuung von Krankenhäusern. Wie
es gelingen kann, mehr Fachärzte für Hygiene und Umweltmedi-
zin in Sachsen auszubilden, war Gegenstand einer Beratung im
Januar 2017 im SMS mit Beteiligung der Sächsischen Landes-
ärztekammer, der beiden sächsischen Universitätskliniken und
der LUA Sachsen. In Letzterer werden derzeit 3 Ärztinnen auf
diesem Gebiet weitergebildet.
Darüber hinaus beteiligte sich das Fachgebiet im ersten Halbjahr
2017 an der Fortführung des Ende des Vorjahres begonnenen
6. Amtsarztkurses des Freistaates Sachsen mit 27 Unterrichts-
einheiten zur Hygiene der Gesundheitseinrichtungen, Hygiene
der Gemeinschaftseinrichtungen, Hygiene in Fußpflege-, Kos-
metik-, Piercing- und Tattoo-Einrichtungen sowie zur Bestat-
tungshygiene und Kurorthygiene.
Auch die Vermittlung von Sachkenntnissen nach Sächsischer
Hygiene-Verordnung (SächsHygVO) als Voraussetzung zum Be-
treiben von Piercing-, Tattoo-, Fußpflege- oder Kosmetikstudios
unter anderem auf den Gebieten Anatomie, Mikrobiologie, Hy-
giene und Instrumentenaufbereitung wurde mit 2 Kursen an
jeweils 2 Tagen im Auftrag des Gesundheitsamtes Meißen fort-
gesetzt.
Im Auftrag der Gesundheitsämter erhielt die LUA Sachsen wie-
derum zahlreiche Bauprojekte von Gesundheits- und Gemein-
schaftseinrichtungen zur fachlichen Bearbeitung und Stel-
lungnahme. Schwerpunkt des Fachgebietes sind die räumliche
Ausstattung sowie die Beurteilung von Funktionsabläufen und
Hygieneplänen. Die Bereiche Siedlungshygiene und Tageslicht-
beleuchtung sowie Innenraumlufthygiene fallen dabei in die
Zuständigkeit des Fachgebietes Umweltmedizin, Kommunalhy-
giene und sind somit vielfach Gegenstand gemeinsamer Projekt-
beurteilungen. Im Berichtsjahr wurden insgesamt 27 Bauprojek-
te zu Neu-, Um- und Teilersatzneubauten von Krankenhäusern,
Rehabilitations-Einrichtungen, Altenpflegeeinrichtungen (Hei-
me, Wohngruppen, Tagespflege) sowie Arztpraxen (insbeson-
dere für ambulantes Operieren), physiotherapeutische Praxen,
Kindereinrichtungen und Schulen beurteilt.
Die operativen Tätigkeiten der Mitarbeiter des Fachgebietes
beinhalten die fachliche Unterstützung der Gesundheitsämter
im Rahmen ihrer infektionshygienischen Überwachungsaufga-
ben nach IfSG, einschließlich verschiedener Probenahmen und
Messungen (siehe auch Kapitel Öffentlichkeitsarbeit). Schwer-
punkte waren im Berichtsjahr wiederum Krankenhäuser, Arzt-
und Zahnarztpraxen sowie Altenpflegeheime und nicht selbst-
bestimmte Wohngruppen für ältere pflegebedürftige Menschen
sowie ambulante Pflegedienste. Weiterhin wurde die LUA Sach-
sen in eine Ermittlung gehäufter Nachweise Vancomycin-resis-
tenter Enterokokken (VRE) in einem Krankenhaus einbezogen.
Einen Schwerpunkt stellte 2017 das Thema Wohngruppen für
ältere pflegebedürftige Menschen dar, die als Alternative zur
„klassischen“ stationären Betreuungsform in Heimen in den
letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen haben.
Seit Oktober 2014 gibt es in Sachsen mit dem Sächsischen
Betreuungs- und Wohnqualitätsgesetz (SächsBeWoG) und der
Verordnung des SMS zur Durchführung des Sächsischen Be-
treuungs- und Wohnqualitätsgesetzes (SächsBeWoGDVO) eine
entsprechende Rechtsgrundlage für diese neuen Wohn- und
Betreuungskonzepte.
Auf Initiative einiger Gesundheitsämter, des SMS und der LUA
Sachsen konnte im Januar 2017 ein erster „Runder Tisch“ zum
Thema Wohngruppen (WGs) im SMS stattfinden. Damit war
es möglich, mit allen wichtigen Akteuren (SMS, Kommuna-
ler Sozialverband Sachsen/Heimaufsicht, Medizinischer Dienst
der Krankenversicherung Sachsen, Gesundheitsämter und LUA
Sachsen) die Probleme und Herausforderungen dieser Betreu-
ungsform zu besprechen, um die Kooperation und Information
aller Akteure künftig zu verbessern. Seitens des ÖGD wurden die
Hygieneschwerpunkte verdeutlicht, die insbesondere in Inten-
sivpflege-Wohngruppen von essentieller Bedeutung sind.
Wichtig ist unter anderem die Unterscheidung zwischen selbst-
bestimmten und nicht selbstbestimmten WGs. Bei nicht selbst-
Hygiene der Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen,
Kurorthygiene

image
│19
bestimmten WGs ist für Bewohner und Angehörige die freie
Auswahl eines Pflegedienstes nicht möglich. Daher werden diese
durch die Heimaufsicht als stationäre Einrichtungen („Heimcha-
rakter“) eingestuft und können dann auch durch die Gesund-
heitsämter nach § 36 IfSG infektionshygienisch überwacht
werden. Gerade aber bei selbstbestimmten Wohngruppen und
Bewohnern mit hohem Pflegebedarf (z. B. Intensivpflege-WGs
mit Beatmung) ist es aus Sicht des ÖGD als problematisch an-
zusehen, wenn den Ämtern keine Möglichkeit der routinemäßi-
gen infektionshygienischen Überwachung gegeben ist. Mit der
Novellierung des § 36 IfSG im Jahre 2017 ist nunmehr neben
der Überwachung voll- oder teilstationärer Einrichtungen zur
Betreuung und Unterbringung älterer, behinderter oder pfle-
gebedürftiger Menschen auch die Überwachung der ambulan-
ten Pflegedienste und Unternehmen, die diesen Einrichtungen
vergleichbare Dienstleistungen anbieten, bundesweit gesetzlich
geregelt. Inwiefern sich dadurch die Möglichkeiten der Über-
wachung zumindest einzelner selbstbestimmter WGs verändern,
gilt es durch die Fortführung des Dialogs der beteiligten Institu-
tionen zu beurteilen.
Erwähnung finden soll abschließend noch die Mitarbeit der LUA
Sachsen im „Länder-Arbeitskreis zur Erstellung von Rahmenhy-
gieneplänen nach §§ 23 und 36 IfSG“ seit dessen Gründung im
Jahr 2000 sowie die Übernahme der Koordinationsaufgaben im
Arbeitskreis durch den Vertreter Sachsens seit 2004. In den letz-
ten Jahren wurden einige der vorhandenen Rahmenhygieneplä-
ne novelliert. Im Berichtsjahr 2017 betraf dies den Abschluss der
Novellierung des Rahmenhygieneplans für Vorsorge- und Re-
habilitationseinrichtungen sowie den Beginn der Novellierung
des Rahmenhygieneplanes für Dialyseeinrichtungen. Die Veröf-
fentlichung der Pläne erfolgt im Internet unter
www.uminfo.de/
rahmenhygieneplaene-lak.html bzw. anschließend auch auf der
LUA-Homepage. Bei Bedarf werden hier auch Anpassungen in
Form einer sächsischen Fassung vorgenommen (siehe beispiels-
weise die Rahmenhygienepläne für Alten- und Pflegeheime bzw.
Ambulante Pflegedienste).
Laboruntersuchungen
Die Labordiagnostik am Standort Chemnitz beinhaltet die ge-
samte Palette hygienisch-mikrobiologischer Untersuchungen.
Diese Laboruntersuchungen werden im Rahmen der operativen
Tätigkeit durch physikalische Methoden wie Luftpartikelzäh-
lungen, Raumklima-, Luftströmungs- und Schallmessungen er-
gänzt. Der Einsatz von Temperaturdatenloggern gewann bei der
Überprüfung von Desinfektionsverfahren für Medizinprodukte
bzw. Wäsche weiter an Bedeutung, was im Vergleich der Unter-
suchungszahlen deutlich wird (2016: 504 Verfahren, 2017: 648
Verfahren; Abbildung 11).
Alle Untersuchungen wurden im Auftrag der Gesundheitsäm-
ter durchgeführt und betrafen hauptsächlich Probenahmen und
Messungen in Krankenhäusern, Arztpraxen sowie Altenpflege-
heimen. Ferner wurden auch hygienische Probenmaterialien für
sächsische Justizvollzugsanstalten untersucht.
Tabelle 1.32 (siehe LUA-Homepage) gibt eine Übersicht ausge-
wählter hygienischer Untersuchungen (mikrobiologische Un-
tersuchungen und Messungen mit Temperaturdatenloggern) in
Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen im Berichtsjahr.
Mitwirkung bei der staatlichen Anerkennung von Kur-
und Erholungsorten
Als Mitglied des Landesbeirates für Kur- und Erholungsorte am
Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Ver-
kehr (SMWA) obliegt der LUA Sachsen die Beurteilung der Vor-
aussetzungen der Antrag auf staatliche Anerkennung stellenden
Orte im Bereich Hygiene.
Im Berichtsjahr wurden einige noch ausstehende Wiederho-
lungsprüfungen nach § 3a SächsKurG (Sächsisches Kurortege-
setz) bereits anerkannter Orte durchgeführt, deren Prädikatisie-
rung mindestens 10 Jahre zurückliegt.
Es handelte sich 2017 um folgende Städte/Gemeinden:
]
Bad Muskau (Ort mit Moorkurbetrieb, Kreis Görlitz),
]
Seiffen (Erholungsort, Erzgebirgskreis),
]
Dahlen/OT Schmannewitz (Erholungsort, Kreis Nordsachsen).
Verglichen mit dem Vorjahr ist dies eine deutlich geringere An-
zahl an Verfahren. 2016 stand mit 15 Anträgen ein Großteil der
Wiederholungsprüfungen an.
Alle zu beurteilenden Anträge wurden von der LUA Sachsen in
den zuständigen Fragestellungen der Hygiene zusammenfas-
send als positiv bewertet, wenngleich, wie auch in den meisten
anderen bereits begutachteten Orten, in Teilbereichen Richt-
wertüberschreitungen für Lärm durch den Straßenverkehr fest-
zustellen waren. Die Beurteilung der Schallimmissionen ist so-
mit ein wesentlicher Teil der Hygienebewertung.
Die zunächst erforderlichen Lärmvorbeurteilungen erfolgten für
die straßen- und schienenverkehrsbedingten Schallimmissionen
in bewährter Weise in Kooperation mit dem Sächsischen Lan-
desamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Für
keinen der drei Orte war ein weiterführendes Schallimmissions-
gutachten zur vollständigen Einschätzung notwendig.
Abbildung 11: Überprüfung der thermischen Desinfektionsleistung eines
Reinigungs- und Desinfektionsgerätes für Steckbecken mittels
Temperaturdatenloggern

image
20 │
Die Themen Gesundheits- und Verbraucherschutz weisen in-
haltlich und aufgabenbezogen enge Beziehungen zum Umwelt-
schutz auf. Die Schnittstellen zwischen diesen Ressorts stehen
im Mittelpunkt der Aktivitäten des Fachgebietes „Umweltmedi-
zin, Kommunalhygiene“, dessen Aufgabe darin besteht, die im
Freistaat tätigen Gesundheitsbehörden sowie andere öffentli-
che Stellen und Fachbehörden im Bezugsbereich Umwelt und
Gesundheit zu beraten und gegebenenfalls mit Untersuchungen
und Stellungnahmen zu unterstützen.
Das Fachgebiet „Umweltmedizin, Kommunalhygiene“ verfügt
über einen modernen akkreditierten Analytik- und Laborbereich,
mit welchem sowohl ein breites Spektrum von Luftschadstoffen
(sogenannte flüchtige organische Verbindungen, Abkürzung:
VOC für Volatile Organic Compounds), als auch Schimmelpilze
im Innenraumbereich untersucht und beurteilt werden können.
Damit gehört die LUA zu den wenigen behördlichen Institutio-
nen in Sachsen, die sich mit innenraumlufthygienischen Proble-
men befasst und die anderen Behörden des Freistaates Sachsen
die Möglichkeit des Rückgriffs auf gezielte Untersuchungen zur
Schadstoff- und Schimmelpilzbelastung in „sensiblen“ öffentli-
chen Aufenthaltsbereichen bietet (z. B. in Kita-Gruppenräumen,
Klassenräumen). Die innenraumbezogene Beratungs- und Un-
tersuchungstätigkeit umfasste im Berichtsjahr 2017 insge-
samt 240 Anfragen bzw. Anliegen mit einem Hygiene- und/
oder Beschwerdenbezug. Davon wurden 116 Sachverhalte einer
komplexen Innenraumanalyse auf Schadstoff- und/oder Schim-
melbelastungen durch die LUA unterzogen (einschließlich Orts-
besichtigung und Probenahme). Zusätzlich wurden 2017 dem
Schimmelpilzlabor insgesamt 6.688 Proben direkt aus den kom-
munalen Gesundheitsämtern zur Untersuchung eingesandt.
Ein zweiter Schwerpunkt in diesem Fachgebiet sind die Prüfung
von Gesundheitsbelangen im Rahmen von öffentlichen Bauvor-
haben sowie kommunal bedeutsamer Anlagen- und Raumpla-
nungen (z. B. Planung von Schul-/Kindergartenbauten, Beteili-
gung an immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren,
Beteiligung an Bauleitplanungen, Regionalplanungen oder ähn-
liches). Die Beteiligung der LUA an solchen Planungsvorhaben
resultiert überwiegend aus Anfragen bzw. Beratungsanliegen
aus den kommunalen Gesundheitsämtern, die auf der Grund-
lage einschlägiger Gesetze (z. B. § 4 Baugesetzbuch) als Träger
öffentlicher Belange von den verfahrensführenden Planungs-
behörden im Bedarfsfall um eine Prüfung bestimmter Gesund-
heitsaspekte ersucht werden. Von Seiten der Gesundheitsbehör-
den ist auf der Grundlage des Gesetzes über den Öffentlichen
Gesundheitsdienst im Freistaat Sachsen (SächsGDG) eine Mit-
wirkung ebenfalls dann vorgesehen, wenn die betreffenden
Planungsvorhaben für die Gesundheit von Bedeutung sind (§ 7
SächsGDG).
Es wurden im Berichtsjahr 2017 insgesamt 154 fernmündliche
und schriftliche Anfragen zu speziellen Gesundheitsbelangen
aus den Bereichen Bau-, Siedlungs- und Kommunalhygiene für
die Gesundheitsämter und andere Behörden bearbeitet. In 63
Fällen handelte es sich um ausführliche schriftliche Stellung-
nahmen im Rahmen von Vollzugsaufgaben (z. B. Beteiligung an
öffentlichen Bauplanungen, Raumplanungsverfahren oder im-
missionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren) sowie um
schriftliche Fachberatungen für Behörden zu Fragen des Schut-
zes vor gesundheitsgefährdenden Umwelteinflüssen.
Ein weiteres zum Fachgebiet gehörendes Aufgabenfeld befasst
sich mit der systematischen Beobachtung und Auswertung der
allergie-auslösenden Baum- und Pflanzenpollen in der Außen-
luft. Hierfür wird am Standort Chemnitz der LUA eine Pollen-
messstelle – bestehend aus einer Pollenfalle im Außenbereich
(Abbildung 12) und einem Laborbereich für die Analysen – be-
trieben.
Die Pollenmessstelle an der LUA Sachsen ist Teil eines deutsch-
landweiten Pollenmessnetzes und Polleninformationsdienstes,
der von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID)
des Allergie-Zentrums der Charité in Berlin organisiert und ko-
ordiniert wird. Die allergenen Pollen zählen in hiesigen Regionen
unbestritten zu den gesundheitlich bedeutsamsten Luftinhalts-
stoffen (am stärksten allergie-auslösend sind in Deutschland die
Pollen von Hasel, Erle, Esche, Birke, Gräser, Roggen, Beifuß und
vom Beifußblättrigen Traubenkraut). Der Pollenflug wird von
der LUA mit Hilfe der unten abgebildeten Pollenfalle ganzjährig
jeden Tag erfasst und lichtmikroskopisch quantitativ und qua-
litativ analysiert. Aus den Ergebnissen werden vom PID jeweils
regionalspezifische Pollenfluginformationen erstellt
www.pollenstiftung.de). Die Tabelle 1.31 im Anhang dieses Jah-
resberichtes beinhaltet die Daten zum Pollenflug an der Mess-
station der LUA Chemnitz in der Pollensaison 2017 einschließ-
lich einer Einstufung, wie intensiv die jeweilige Pollenbelastung
aus allergologischer Sicht jeweils einzuschätzen war (schwach,
mäßig oder stark). Eine ausführliche aktuelle Einschätzung zur
Situation mit Funden von Pollen des Neophyten „Ambrosia ar-
temisiifolia“ an der Pollenmessstelle Chemnitz findet sich in der
LUA-Mitteilung Nr. 3/2017 (https://publikationen.sachsen.de/
bdb/artikel/29236).
Umweltmedizinische und umwelthygienische Untersuchungs- und
Beratungstätigkeit
Abbildung 12: Burkard-Pollenfalle

image
│21
Flüchtige Organische Verbindungen in der Innenraumluft
Der Terminus „Flüchtige Organische Verbindungen (VOC)“ gilt
in der Raumlufthygiene als etablierter Sammelbegriff für circa
250 potenziell in die Raumluft ausgasende chemische Subs-
tanzen (überwiegend Ausgasungen aus Bauprodukten, wie z. B.
Lösemittel aus Klebern, Lacken, Farben, Holzwerkstoffen, Fuß-
bodenbelägen und vieles mehr), die mittels moderner gaschro-
matographischer Analysentechnik nach den Normen VDI-RL
2100 Bl. 2 und DIN EN ISO 16000-5 qualitativ und quantitativ
bestimmt werden können. Im Berichtsjahr 2017 wurden ins-
gesamt 45 Amtshilfeersuchen auf derartige Raumluftanalysen
an das Fachgebiet herangetragen, was die Untersuchung von
87 Räumen nach sich zog. In 24 Innenräumen (27 %) wurden
Überschreitungen des empfohlenen Zielwertes für die VOC-
Gesamtbelastung der Luft festgestellt. Etwa die Hälfte (51 %)
der Innenräume wies für einzelne chemische Substanzen Über-
schreitungen von umweltmedizinisch begründeten Richtwerten
auf, bei denen vorsorglich entsprechende Maßnahmen zur Ursa-
chenermittlung und -beseitigung angezeigt waren.
Da allen an die LUA gerichteten Untersuchungsanträgen spezi-
elle Anlässe (meist Geruchsbeschwerden, Hygienemängel oder
ähnliches) zugrunde liegen, sind die genannten Überschrei-
tungsanteile nicht für die Gesamtsituation in sächsischen Ge-
meinschaftseinrichtungen repräsentativ. Sie liefern jedoch
wichtige Informationen, wo entsprechende Defizite in der
Raumlufthygiene liegen und welche Schwerpunkte für präven-
tive raumlufthygienische Maßnahmen sich daraus ergeben.
Zu den aktuellen Problemen, mit denen sich verschiedene Ge-
sundheitsämter im Rahmen ihrer Inspektionstätigkeit in den
letzten Jahren auffällig häufig auseinandersetzen mussten,
zählten auch im Berichtsjahr 2017 wieder teerähnliche Ge-
ruchswahrnehmungen oder anderweite chemische Fremdgerü-
che, die sich nach einer Kontrollanalyse jeweils als ein „hand-
festes Naphthalinproblem“ erwiesen hatten.
Detektiert man heute im Baubereich Naphthalin und dessen Be-
gleitsubstanzen (sogennante Naphthalin-ähnliche Verbindun-
gen), so resultiert diese Problematik fast ausschließlich aus der
früheren Verwendung von Bauprodukten auf Steinkohleteerba-
sis, in denen Naphthalin und weitere polyzyklische aromatische
Kohlenwasserstoffe (PAK) als Begleitstoffe enthalten sind. Teer
kann herstellungsbedingt bis zu 10 % Naphthalin sowie weitere
dieser PAK im zum Teil einstelligen Prozentbereich enthalten.
Der Einsatz von Teerprodukten im Baubereich ist in Deutsch-
land mittlerweile verboten. Als Altlast trifft man vor allem in
Gebäuden, die vor 1990 errichtet wurden, bis heute noch viele
dieser Produkte auf Teerbasis an. Teerhaltige Bau- und Werk-
stoffe wurden früher vielfach unter anderem als Parkettkleber,
Abdichtungs- und Isoliermaterial, Feuchtesperren sowie in Form
von Dachpappen und Anstrichen eingesetzt (Abbildung 13).
Im Jahr 2017 erreichte der Anteil von Positivbefunden (das heißt
Naphthalinkonzentrationen oberhalb der Bestimmungsgrenze
von 1 µg/m
3
) mit 61 % der untersuchten Objekte den bisher
höchsten Stand. In insgesamt 21 untersuchten Räumen wurde
der vom Ausschuss für Innenraumrichtwerte des Umweltbun-
desamtes festgelegte vorsorgebezogene Richtwert (RW) I von
10 µg m
-3
nicht eingehalten. Bei fünf dieser Räume wurde zudem
der gefährdungsbezogene Richtwert II von 30 µg m
-3
teilwei-
se deutlich überschritten. Der höchste gemessene Wert wurde
in einem Gruppenraum einer Kindertageseinrichtung mit über
111 µg m
-3
festgestellt, was einer circa 4fachen Überschreitung
des RW II entspricht. Aufgrund des ermittelten Belastungsni-
veaus waren zeitnahe differenzierte Ursachenermittlungen so-
wie zielgerichtete Maßnahmen zur Expositionsminderung bzw.
Sanierung erforderlich. In allen betroffenen Objekten mit Richt-
wertüberschreitung fanden die ermittelnden Bausachverständi-
gen jeweils die oben genannten alten teerhaltigen Materialien
in den Fußböden oder in den Dachbereichen als Quelle für die
Luftbelastung. In der Ausgabe 1/2018 der „LUA-Mitteilungen“
(https://www.lua.sachsen.de/15896.html)
wird diese Thematik
vor dem Hintergrund der von uns seit einigen Jahren beobach-
teten Zunahme derartiger Probleme ausführlich dargestellt.
Hygienisch-mikrobiologische Untersuchungen in der
Innenraumluft
Schimmelbefall in Innenräumen oder auch der Verdacht auf
das Vorliegen eines Schimmelproblems in nicht einsehbaren
Bereichen bzw. infolge von Feuchteereignissen ist nach wie
vor eine häufig an die Gesundheitsämter herangetragene Pro-
blemstellung. Dabei werden schwerpunktmäßig im Zuge ihrer
Überwachungspflicht die im § 8 des SächsGDG aufgeführten
überwachungspflichtigen Einrichtungen und andere Kinderein-
richtungen und Sportstätten von den Gesundheitsämtern be-
gangen.
Schimmelbefall ist zweifellos ein hygienisches Problem, das nicht
nur die Bausubstanz des betroffenen Gebäudes beeinträchtigt.
Auch zwischen dem Vorkommen einzelner Schimmelpilze bzw.
erhöhter Schimmelpilzbelastungen im Innenraum und dem Auf-
treten von Gesundheitsbeschwerden kann ein Zusammenhang
als gesichert hergestellt werden. Bevölkerungsbezogene Studien
untermauern, dass Menschen, welche sich in schimmelbelaste-
ten Innenräumen aufhalten, einem erhöhten Risiko verschiede-
ner Atemwegserkrankungen ausgesetzt sind. Auch wenn eine
Ursache-Wirkungsbeziehung nicht festgelegt wird, bestehen
bei erhöhter Schimmelbelastung ausreichend Hinweise für die
Verschlechterung verschiedener Symptome (z. B. Asthma). Diese
Zusammenhänge zur gesundheitlichen Relevanz von Schimmel-
problemen in Innenräumen werden auch im neu überarbeite-
ten „Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von
Schimmelbefall in Gebäuden“ des Umweltbundesamtes vom
November 2017 zusammenfassend dargestellt.
Abbildung 13: Sanierung eines in der Tiefe mit Teer abgedichteten Fußbodens
(Quelle: Ingenieurbüro Schubach, Großpösna)

22 │
Ein besonderes Hauptaugenmerk der Gesundheitsämter sind
nach wie vor Untersuchungen in sensibel genutzten Einrich-
tungen, besonders in Kindertagesstätten und Schulen. Ins-
gesamt wurden im Labor des Fachgebietes „Umweltmedizin,
Kommunalhygiene“ im letzten Jahr 6.688 Proben erfasst, was
gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um rund 1.000 Laborun-
tersuchungen bedeutet. Ein leichter Anstieg im Vergleich zum
Vorjahr ist bei der Anzahl der beprobten Schulen und Jugend-
einrichtungen zu verzeichnen. Hatte die LUA Sachsen 2016 60
derartige Objekte untersucht, wurden im Berichtsjahr 2017 aus
77 Jugendeinrichtungen - vorwiegend Schulen - Proben in das
umweltmykologische Labor gesandt. Die Anzahl der untersuch-
ten Kindertagesstätten war im Vergleich zum Vorjahr allerdings
etwas geringer. Sowohl bei den Untersuchungen der Gesund-
heitsämter als auch im Rahmen von Untersuchungen der LUA
Sachsen haben sich in den letzten beiden Jahren neben einer
Bestimmung und Auswertung mittels Kultivierung der verschie-
denen Proben auch Methoden der direkten Auswertungen durch
mikroskopische Verfahren im Labor etabliert. Dazu zählen bei
speziellen Fragestellungen die Bestimmung der Gesamtpilzspo-
renzahl in Luftproben und die mikroskopische Untersuchung von
Materialeinsendungen.
Für Begehungen und weiterführende Untersuchungen bzw.
auch bei Untersuchungen zur Dokumentation unauffälliger
Verhältnisse nach Schimmelsanierungen wurde das Fachgebiet
in 19 Fällen um messtechnische Unterstützung durch die Ge-
sundheitsämter gebeten. Im Vordergrund der Fragestellungen
standen Probennahmen im Zusammenhang mit einer Raum-
luftuntersuchung zur Bestimmung der Schimmelbelastung bei
unklaren baulichen Verhältnissen und dem Verdacht auf ver-
deckten Befall bzw. es erfolgten Mehrfachuntersuchungen nach
Schadereignissen oder im Rahmen einer Sanierungsbegleitung.
Technische Lüftungseinrichtungen können bei unzureichender
Wartung oder technischer Ausstattung, ungünstiger Standort-
auswahl, Defekten und Problemkonstruktionen mit einem er-
höhten Feuchteanfall ebenfalls zur Kontaminationsquelle mit
Schimmelpilzen für die Raumluft werden. Damit verbunden sind
oft auch geruchliche Wahrnehmungen und Beschwerden der
Raumnutzer. Für 42 Liegenschaften des Freistaates selbst bzw.
der Kommunen wurden im Jahr 2017 die turnusgemäßen bzw.
anlassbezogenen (nach Nutzerbeschwerden) Hygienekontrollen
der raumlufttechnischen Anlagen entsprechend der Vorgaben
des VDI durchgeführt.
Badegewässerhygiene
In Umsetzung der Richtlinie 2006/7/EG des Europäischen Par-
laments über die Qualität der Badegewässer und deren Bewirt-
schaftung bzw. deren Entsprechung in der Sächsischen Badege-
wässer-Verordnung (SächsBadegewVO) vom 15.04.2008 werden
in der LUA Sachsen die Laboruntersuchungen zur hygienisch-
mikrobiologischen Wasserqualität und die gesetzlich vorge-
schriebenen Berichts- und Auswertepflichten für den jährlichen
Badewasserbericht der Europäischen Union realisiert.
Im Berichtsjahr 2017 wurden 31 Badeseen und Talsperren im
Freistaat Sachsen entsprechend dieser Vorgaben untersucht.
Für zwei weitere gemeldete EU-Badegewässer im Landkreis
Bautzen blieb, wie auch schon in den Vorjahren, die Untersu-
chungspflicht aufgrund bergbaulicher Sanierung ausgesetzt. Ein
kontinuierlicher Badebetrieb und die damit verbundenen regel-
mäßigen Untersuchungen konnten an diesen Badestellen nicht
gewährleistet werden. Die Einstufung der Badegewässerqualität
entsprechend den Vorgaben der oben genannten Richtlinie ba-
siert auf einer langfristigen statistischen Auswertung der ak-
tuellen Untersuchungsergebnisse einschließlich der zurücklie-
genden drei Jahre für die beiden hygienisch-mikrobiologischen
Überwachungsparameter
Escherichia coli
und Intestinale Ente-
rokokken. Einzelne Überschreitungen bzw. Belastungsspitzen in
den mikrobiologischen Untersuchungsparametern fließen in die
Langzeitbewertung ein und werden nicht noch einmal separat
ausgewertet. Auch die auf den Internetseiten der Gesundheits-
ämter bzw. in den regionalen Medien regelmäßig veröffentlich-
ten Hinweise zu Sichttiefenbeschränkungen durch Cyanobakte-
rien- bzw. auch Grünalgenentwicklungen werden in dem von
der EU vorgegebenen Auswerteverfahren bei der Einstufung der
Gewässer nicht berücksichtigt.
Für die Gewässer im Freistaat Sachsen zeichnet sich in Auswer-
tung der Untersuchungsergebnisse auch für das Jahr 2017 wie-
der eine zumeist positive Tendenz ab. Allerdings muss erstmals
in Sachsen seit Einführung des neuen Berichtsverfahrens 2008
für ein EU-Badegewässer im Landkreis Bautzen festgestellt
werden, dass dieser See den Anforderungen für eine nach EU-
Richtlinie noch „ausreichende“ mikrobiologische Qualität nicht
mehr erfüllt. Die Blaue Adria im Landkreis Bautzen ist seit 2004
als EU-Badegewässer gemeldet. In den letzten Jahren mussten
bei den turnusgemäßen Kontrollen immer wieder zum Teil ext-
rem hohe Überschreitungen bei dem Fäkalindikatorkeim
E. coli
festgestellt werden, was zu einer kontinuierlichen Herabstufung
des qualitativen Zustandes führte. Im Jahr 2017 wurde z. B. am
06.06.2017 mit einem Nachweis von 6.581 KBE/100ml
E. coli
der Vorsorgewert für Einzelwerte von 1.800 KBE/100ml (Umset-
zungserlass zur SächsBadegewVO) um mehr als das Dreifache
überschritten. Allein im letzten Jahr wurden bei sechs Untersu-
chungen am Gewässer zwei Überschreitungen gezählt, welche
in die Berichtsdateien für den EU-Badegewässerbericht einflos-
sen. Nach statistischer Auswertung der mikrobiologischen Er-
gebnisse der letzten vier Jahre kann für den Badesee für 2017
nur noch ein „mangelhafter“ qualitativer Zustand entsprechend
den Kriterien der EU-Badegewässerrichtlinie bescheinigt wer-
den. Die Überschreitungen waren, soweit es sich aus den vor-
liegenden Ergebnissen ableiten lässt, kurzfristige Ereignisse. Die
sofort nach Vorliegen der Ergebnisse genommenen Nachproben
waren immer unauffällig. Ein konkretes Ereignis als Ursache für
die wiederholten mikrobiellen Probleme konnte bisher nicht ein-
gegrenzt werden.
Mit der Veröffentlichung dieser Einstufung durch die EU muss
entsprechend eines Durchführungsbeschlusses der Kommissi-
on von 2011 zur Information der Badegäste die Einstufung mit
der im Durchführungsbeschluss vorgegebenen Symbolik „Man-
gelhafte Badegewässerqualität“ auch vor Ort gekennzeichnet
werden. Weiterhin müssen angemessene Bewirtschaftungs-
maßnahmen insbesondere zum Schutz der Badegäste vor diesen
Verschmutzungen bis hin zu einem Abraten vom Baden entspre-
chend dem Artikel 5 der SächsBadegewVO veranlasst werden.
Die Qualitätseinstufung der EU-Badegewässer für das Berichts-
jahr 2017 befindet sich im Tabellenteil des Jahresberichtes (sie-
he LUA-Homepage, Tabelle 1.30).

│23
Amtliche Lebensmitteluntersuchungen
Amtliche Futtermittelüberwachung
Übersicht über das Leistungsspektrum
In den Fachgebieten der beiden Abteilungen „Amtliche Lebens-
mitteluntersuchungen“ der LUA Sachsen in Dresden und Chem-
nitz konnten auch 2017 wieder die in Abstimmung mit den
Lebensmittelüberwachungsämtern (LÜVÄ) eingesandten Proben
zielgerichtet und risikobasiert untersucht und beurteilt wer-
den. Dem Probenplan entsprechend wurden insgesamt 21.534
Proben (Lebensmittel einschließlich Wein, kosmetische Mittel
und Bedarfsgegenstände (BG)) bearbeitet. Davon wurden 3.442
beanstandet. Dies entspricht einer Beanstandungsquote von
16,0 %. Bei weiteren 1.830 Proben wurden Befundmitteilungen
erstellt. Zumeist lag hier der Verdacht auf Nichteinhaltung von
Hygienevorschriften vor, wobei die abschließende Bewertung
durch die örtlichen Behörden erfolgt.
Die detaillierte Auflistung der Beanstandungsgründe bezogen
auf die jeweiligen Warengruppen ist in den Tabellen 2.1 bis 2.7
(siehe LUA-Homepage) dargestellt.
Die Beanstandungsquote ist somit im Vergleich zum Vorjahr
nochmals angestiegen (2016: 14,9 %). In den Jahren 2012 und
2013 lag sie noch bei jeweils 12,3 %, 2014 bei 12,2 % und 2015
bei 14,3 %.
Wie in den vergangenen Jahren auch sind bei den Beanstan-
dungsquoten der einzelnen Warengruppen große Unterschiede
zu verzeichnen. Diese reichen von 3 % bei Milchproben bis zu
60,8 % bei Diätischen Lebensmitteln. Der Anstieg der Beanstan-
dungsquote auf 16,0 % im letzten Jahr führte dazu, dass sich
die Anzahl an Warengruppen mit mehr als 20 % beanstandeter
Proben deutlich erhöhte. Insgesamt wurden in 20 Warengrup-
pen (Vorjahr: 14) derartig hohe Quoten erreicht (Abbildung 1).
Unangefochten an der Spitze stehen, wie so oft in den vergan-
genen Jahren, Diätetische Lebensmittel (60,8 %) und Nahrungs-
ergänzungsmittel (54,0 %). Mit deutlichem Abstand folgen
Säuglings- und Kleinkindernahrung (32,6 %), Honige (31,4 %)
und Würzmittel (31,2 %). Wurstwaren, Spirituosen, Speiseeis,
Süßwaren, Fertiggerichte, Zusatzstoffe und Tabak sind hinzu-
gekommen. Lediglich Suppen und Soßen fielen im Jahr 2017
wieder unter die 20 %-Marke. Über Gründe dieser Entwicklung
wird in den entsprechenden Abschnitten berichtet.
Der überwiegende Teil der Beanstandungen bei Lebensmitteln
und Kosmetika gründet sich auf irreführende oder nicht vor-
schriftsmäßige Kennzeichnung. Dies trifft vor allem auch für die
Warengruppen mit den höchsten Beanstandungszahlen zu. Wie
im Vorjahr stehen Verstöße gegen die Vorgaben der seit dem
13.12.2014 geltenden Lebensmittelinformationsverordnung im
Mittelpunkt, hinzu kommen unzulässige nährwert- und gesund-
heitsbezogene Angaben und insbesondere bei Nahrungsergän-
zungsmitteln irreführende Wirkungsversprechen. Immer mehr in
den Fokus rücken dabei auch Informationen, die über das Inter-
net bereitgestellt werden. Nicht zu vernachlässigen sind auch
Verstöße gegen das Zusatzstoffrecht in Form von fehlender
Kenntlichmachung bzw. unzulässiger Verwendung von Zusatz-
stoffen. Schließlich stellte die fehlende oder fehlerhafte Angabe
von Allergenen bei loser Abgabe von Lebensmitteln einen wei-
teren Schwerpunkt bei den Beanstandungen dar. Bei Bedarfsge-
genständen mit Lebensmittel- bzw. Körperkontakt waren neben
stofflichen Mängeln ebenfalls Kennzeichnungsmängel Haupt-
gründe für Beanstandungen.
Großes mediales Interesse fand im letzten Jahr das Thema „Fi-
pronil in Eiern und Eiprodukten“, verursacht durch den illegalen
Einsatz des Akarizids Fipronil zur Bekämpfung der Roten Vo-
gelmilbe bei Legehennen. Auch die LUA Sachsen beteiligte sich
durch die Untersuchung einer Vielzahl von Proben im Rahmen
verschiedener Programme an der Aufklärung des Geschehens
(siehe Abschnitt „Pestizide/Schadstoffe“). Bereits im letzten
Jahresbericht nahm das Thema „Pflanzenschutzmittelrückstän-
de in sächsischen Weinen“, verursacht durch den illegalen Ein-
satz des Pflanzenschutzmittels Dimethoat, breiten Raum ein.
Die Änderung der Sächsischen Durchführungsverordnung zum
Weinrecht gewährleistete im Jahr 2017 eine praktisch lückenlo-
se Überwachung der sächsischen Qualitäts- und Prädikatswei-
ne im Rahmen der amtlichen Qualitätsweinprüfung durch die
obligatorische Untersuchung an der LUA Sachsen, wobei (für
die Erzeuger kostenneutral) alle Erzeugnisse auch auf Pflanzen-
schutzmittel (PSM) untersucht wurden. Wie bereits im Vorjahr
wurde zudem ein Landesüberwachungsprogramm (LÜP) bezüg-
lich PSM-Rückständen in sächsischen Landweinen durchgeführt
(siehe Abschnitt „Amtliche Außendienstaufgaben“).
Als gesundheitsschädlich/gesundheitsgefährdend wurden 61
Proben (57 Lebensmittel, 4 kosmetische Mittel) beurteilt. Dies
entspricht circa 0,28 % aller untersuchten Proben und liegt so-
mit im Bereich der letzten Jahre (jeweils 0,2 % - 0,3 %). Bei
den Lebensmittelproben war der Nachweis pathogener Keime
die Hauptursache. Bei tierischen Lebensmitteln waren vor al-
lem Hackfleisch, Käse und Räucherfisch betroffen. Nachgewie-
sen wurden Listeria monocytogenes (> 100 KbE/g) in Käse (8),
Hackfleisch (3) und Räucherfisch (2); Salmonellen in Hackfleisch
(12) und Rohwurst (1) sowie VTEC in Hackfleisch (11). Aber auch
nichttierische Lebensmittel können krankmachende Keime bzw.
deren Toxine enthalten. So wurden im Zusammenhang mit Er-
krankungsgeschehen in einer Probe Feine Backwaren Salmonel-
0,0%
10,0%
20,0%
30,0%
40,0%
50,0%
60,0%
70,0%
Diätetische Lebensmittel
Nahrungsergänzungsmittel
Säuglingsnahrung
Honig/Brotaufstriche
Würzmittel
Alkoholfreie Getränke
Süßwaren
Kosmetische Mittel
Tee, teeähnliche Erzeugnisse
Feine Backwaren
Zusatzstoffe
BG zur Reinigung und Pflege
Weinähnliche Getränke
Fertiggerichte
Tabak, -erzeugnisse
Spielwaren
Spirituosen
Speiseeis
Wurstwaren
BG mit Körperkontakt
Abbildung 1:
Beanstandungsquoten für ausgewählte Warengruppen

24 │
len und in einer Probe Nudelsalat Staphylokokken-Enterotoxin
nachgewiesen. Weiterhin wurden in Feinkostsalaten in 2 Proben
hohe Gehalte an Listeria monocytogenes und in einer Probe en-
terotoxinbildende Staphylokokken nachgewiesen. Hohe Gehal-
te an Aluminium in 2 Proben Matchatee, Verunreinigung mit
tropanalkaloidhaltigen Bestandteilen in einer Probe Kletten-
wurzeltee, hohe Gehalte an Schwermetallen in mehreren Pro-
ben von Nahrungsergänzungsmitteln sowie der Nachweis von
scharfkantigen Fremdkörpern führten ebenfalls zur Beurteilung
als gesundheitsschädlich.
Bei Kosmetika waren hier wiederum Tätowiermittel aufgrund
hoher Gehalte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasser-
stoffen (PAK) (2 Proben) und sensibilisierendem Nickel (2 Pro-
ben) zu beanstanden. Als nicht zum Verzehr geeignet aufgrund
von mikrobiologischer Kontamination, vielfach kombiniert mit
Verderbnis, wurden 140 Lebensmittel beurteilt. 86 weitere Pro-
ben mussten aus anderen Gründen als verzehrsungeeignet be-
urteilt werden. Dies entspricht nur etwa 1 % aller untersuchten
Proben.
An dieser Stelle soll und muss aber deutlich herausgestellt wer-
den: Die Sicherheit der Lebensmittel, Bedarfsgegenstände und
Kosmetika ist trotz des Anstiegs der Beanstandungen nicht ge-
sunken. Die weit überwiegende Zahl nicht rechtskonformer Pro-
ben weisen Mängel in der Kennzeichnung und Aufmachung auf;
die Verbraucher werden also nicht vollständig, fehlerhaft oder
irreführend über das Produkt informiert. Gesundheitliche Rele-
vanz hat dies in der Regel nicht. Ausgewählte Schwerpunkte der
Untersuchungstätigkeit werden in den folgenden Abschnitten
vorgestellt.
Um auch zukünftig die sich stetig steigernden Anforderungen
an die Untersuchungstätigkeit erfüllen zu können, ist eine mo-
derne und leistungsfähige apparative Ausstattung der Laborato-
rien erforderlich. So wurde im Jahr 2017 der Gerätepark der LUA
beispielsweise um ein HPLC- und ein GC-System für die Rück-
standsanalytik von pharmakologisch wirksamen Stoffen sowie
ein LC-GC-System für die Mineralölanalytik erweitert. Auf ana-
lytischem Gebiet sind im vergangenen Jahr eine Vielzahl neuer
Untersuchungsverfahren etabliert worden. Zu nennen sind hier
stellvertretend:
]
Etablierung der Mineralölanalytik mittels LC-GC-Kopplung,
]
Etablierung der Weinanalytik mittels FT-IR Spektrometrie,
]
Erweiterung des Wirkstoffspektrums in der PSM-Analytik und
der Analytik von Pharmakologisch wirksamen Stoffen (PWS),
]
Bestimmung von PAK in pflanzlichen Matrices,
]
Erweiterung des Tier- und Pflanzenarten- sowie des Aller-
gennachweises mittels PCR,
]
Erweiterung des Einsatzbereiches des MALDI-TOF zur Identi-
fizierung von Mikroorganismen.
Die Abteilungen der amtlichen Lebensmitteluntersuchung be-
teiligten sich auch im Jahr 2017 an Bundes- und Landesüber-
wachungsprogrammen. So wurden im Rahmen des Bundes-
weiten Überwachungsplanes (BÜp) mehr als 200 Proben in 11
Einzelprogrammen, im Rahmen des Monitorings einschließlich
des Projektmonitorings etwa 475 Proben und im Rahmen des
Zoonosemonitorings mehr als 200 Lebensmittelproben unter-
sucht. Landesweite Überwachungsprogramme fanden unter
anderem zu den Themen „Dimethoat und weitere PSM in säch-
sischem Landwein“, „Kontrolle der Hygiene bei der Abgabe von
Rohmilch“, „Hygienepraxis beim Betrieb von Getränkeschank-
anlagen für Bier“, „Cadmium in pflanzlichen Lebensmitteln aus
Sachsen“, „Kontrolle von Lebensmitteln auf Dioxine, Furane und
dl-PCB“ sowie „Kontrolle pflanzlicher Lebensmittel auf PSM-
Rückstände“ statt. Weitere Untersuchungsschwerpunkte im
Rahmen von Überwachungsprogrammen waren die Allergen-
kennzeichnung bei Lebensmitteln, Kontrollen auf gentechnisch
veränderte Organismen, die Untersuchung loser Wasserproben,
Gehalte an PAK und Mykotoxinen in Lebensmitteln sowie der
Nachweis von PSM einschließlich Glyphosat in Braumalz/-
gerste. Weitergeführt wurde das LÜP zur „Kontrolle der Guten
Herstellungspraxis und rechtskonformen Fertigung von Lebens-
mittelkontaktmaterialien“ im Rahmen von Betriebskontrollen.
Gemeinsam mit Vertretern der örtlichen Überwachungsbehör-
den und der Landesdirektion fanden darüber hinaus Teamkon-
trollen in kosmetischen Unternehmen (Schwerpunkt: Prüfung
einer Checkliste zur bundesweit einheitlichen Risikobewertung)
statt.
Für spezielle Untersuchungen wird weiterhin die Zusammenar-
beit mit den Untersuchungseinrichtungen in Thüringen und in
Sachsen-Anhalt im Rahmen der mitteldeutschen Kooperation
genutzt. Vor allem im Bereich der pharmakologisch wirksamen
Stoffe mit ihrem breiten Wirkstoffspektrum ist diese Zusam-
menarbeit von eminenter Bedeutung. Aber auch beim Nachweis
von Pflanzenschutzmitteln, Lebensmittelallergenen sowie gen-
technisch veränderten Organismen, bei der Untersuchung von
kosmetischen Mitteln und Bedarfsgegenständen sowie beim
Bestrahlungs- und Tierartennachweis findet eine intensive Zu-
sammenarbeit statt, wobei die Einarbeitung und Durchführung
von aufwendigen Analysenmethoden in den Arbeitsgruppen
zwischen den drei Bundesländern abgestimmt wird.
Mit erheblichem zeitlichem und personellem Aufwand wurden
erneut sachverständige Stellungnahmen zu vielfältigen Frage-
stellungen für das Sächsische Staatsministerium für Soziales
und Verbraucherschutz (SMS) erarbeitet. Dies betraf sowohl
Kommentierungen von Gesetzesentwürfen als auch Antworten
auf Fachfragen und Anfragen von Landtagsabgeordneten sowie
die Lieferung von diversen Untersuchungsdaten.
Das Personal der LUA wendete wiederum einen nicht unbe-
trächtlichen Zeitanteil für die Ausbildung von Lebensmittel-
chemikern im Rahmen des dritten Prüfungsabschnittes, für die
Ausbildung von Chemielaboranten, für die Weiterbildung von
Tierärzten und für die Durchführung verschiedenster Praktika
auf. So schlossen 10 Praktikanten der Lebensmittelchemie das
praktische Jahr mit der zweiten Staatsprüfung zum(r) „Staatlich
geprüften Lebensmittelchemiker(in)“ ab. Im Oktober nahmen 10
neue Praktikanten diese Ausbildung auf, wobei ein dreimonati-
ges Betriebspraktikum in die Ausbildung integriert wurde.
Nicht zuletzt ist auf die engagierte Mitarbeit der Sachverstän-
digen in zentralen Gremien und Arbeitsgruppen zu verweisen.
Mit dieser Tätigkeit ist zum einen immer eine positive Außen-
wirkung der Landesuntersuchungsanstalt verbunden. Zum an-
deren leistet diese Tätigkeit einen unverzichtbaren Beitrag zur
notwendigen fachlichen Weiterbildung. Wissenschaftlicher Er-
fahrungsaustausch in diesen Gruppen und intensive Fachdiskus-
sionen mit Kollegen aus anderen Bundesländern haben einen
unschätzbaren Wert für die tägliche Arbeit und sind nicht zu
ersetzen. Eine entsprechende Übersicht ist im Abschnitt Öffent-
lichkeitsarbeit im Tabellenteil (siehe LUA-Homepage) enthalten.

image
│25
Verbraucher erwarten zu Recht trotz weiterer Globalisierung des
Handels sichere Lebensmittel auf dem Markt. Bei einem Großteil
der Konsumenten steht das Wort „sicher“ dabei insbesondere
für gesundheitlich unbedenkliche Produkte. Im Rahmen des ge-
sundheitlichen Verbraucherschutzes besitzt die mikrobiologi-
sche und molekularbiologische Untersuchung von Lebensmitteln
zum Nachweis von Krankheits- und Verderbniserregern deshalb
einen hohen Stellenwert. Neben diesem rein gesundheitlichen
Aspekt ist aber auch der Schutz vor Irreführung und Täuschung
von nicht unerheblicher Wichtigkeit für den Verbraucher. Mo-
lekularbiologische Untersuchungen zur Tierartbestimmung, zum
Nachweis von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und
Allergenen sowie chemisch-analytische Untersuchungen zur
Überprüfung von Inhaltsstoffen und nährwertbezogenen Anga-
ben sind deshalb ebenfalls von enormer Bedeutung im Rahmen
der amtlichen Lebensmitteluntersuchung.
Unterschiedliche Programme auf EU-, Bundes- und Landesebene
werden zur Minimierung der Kontamination von Lebensmitteln
mit Mikroorganismen bzw. zur Aufdeckung von Eintragswegen
von pathogenen Keimen in die Lebensmittelkette durchgeführt.
Neben dem im Jahre 2017 fortgesetzten Zoonosemonitoring -
Schwerpunkte lagen hier beim Nachweis von Campylobacter
bei Masthähnchen, dem Nachweis von pathogenen Keimen bei
Fleisch und Hackfleisch von Rind, Schwein, Geflügel und Wild
bei Proben aus dem Einzelhandel sowie dem Nachweis von
Noro- und Hepatitis-Viren bei Tiefkühl (TK)-Himbeeren - nahm
die LUA Sachsen auch an allen drei Programmen im Rahmen des
von Bundesüberwachungsprogrammen zur Untersuchung von
Lebensmitteln auf Mikroorganismen teil. Im Detail befassten
sich diese mit der mikrobiologischen Qualität von fleischhal-
tigen Feinkostsalaten aus handwerklicher Produktion, der mik-
robiologischen Untersuchung von Desserts oder Milchmischer-
zeugnissen mit frischen oder aufgetauten TK-Früchten und dem
Nachweis von pathogenen Mikroorganismen in gemüsehaltigen
und/oder obsthaltigen, nicht pasteurisierten Smoothies. Landes-
überwachungsprogramme mit mikrobiologischem Hintergrund
befassten sich mit der Kontrolle der Hygiene bei der Abgabe von
Rohmilch (LÜP 2), der Hygienepraxis beim Betrieb von Getränke-
schankanlagen für Bier (LÜP 4) und dem mikrobiologischen Sta-
tus von Wasserspendern, Mundeis und Kanisterwasser (LÜP 8).
Hackfleisch
Hackfleisch und Zubereitungen daraus erfreuen sich in Deutsch-
land nach wie vor großer Beliebtheit und werden gern verzehrt.
Die Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse des Deutschen
Lebensmittelbuches beschreiben die allgemeine Verkehrsauffas-
sung über die Zusammensetzung und die sonstige Beschaffen-
heit der erfassten Produkte und bringen die hiernach zutreffen-
de verkehrsübliche Bezeichnung des Lebensmittels im Sinne der
Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) zum Ausdruck.
Hackfleisch und daraus hergestellte Erzeugnisse werden in den
Leitsätzen unter der LS-Ziffer 2.507 „Erzeugnisse aus gewolftem
und ähnlich zerkleinertem Fleisch“ aufgeführt. Hackfleisch stellt
einen Oberbegriff für zerkleinerte, rohe Skelettmuskulatur dar
und kann aus Fleisch von verschiedenen Tierarten hergestellt
werden. In den Leitsätzen werden vier Arten von Hackfleisch
beschrieben.
Schabefleisch, Beefsteakhack, Tatar wird aus sehnen- und fett-
gewebearmen Rindfleisch hergestellt und ist zum Rohverzehr
bestimmt. An Schabefleisch werden die höchsten Anforderun-
gen an die Zusammensetzung bezüglich BEFFE und BEFFEF ge-
stellt. Dies ist bereits optisch sichtbar, da Schabefleisch nahezu
keine sichtbaren Sehnen- oder Fettbestandteile aufweist, die
anderen Sorten hingegen mehr oder weniger stark rot-weiß
gemustert sind. Rinderhackfleisch, Rindergehacktes, Rinder-
gewiegtes wird aus grob entsehntem Rindfleisch, Schweine-
hackfleisch, Schweinemett, Schweinegehacktes, Schweinege-
wiegtes aus grob entfettetem Schweinefleisch und Gemischtes
Hackfleisch Halb und Halb aus den beiden zuletzt genannten
Fleischsorten hergestellt. Alle Hackfleischvarianten enthalten
üblicherweise keine weiteren Zutaten, können aber auch „zu-
bereitet“ sein, wobei nur Salz, Zwiebeln und Gewürze Verwen-
dung finden. Die Ausnahme bildet hier das Schabefleisch, bei
dem neben würzenden Beigaben auch Eigelb zugegeben werden
kann. Am bekanntesten unter den zubereiteten Hackfleischarten
ist Hackepeter, Thüringer Mett (Abbildung 2). Wichtig ist, dass
Hackfleisch, welches zum Verzehr in durchgegartem Zustand
bestimmt ist, eindeutig als solches kenntlich gemacht werden
muss, z. B. durch einen Zusatz „zum Braten“. Bei Gemischtem
Hackfleisch liegen die Anteile von Rind- und Schweinefleisch
zwischen 45 und 55 %, Abweichungen davon müssen ebenfalls
kenntlich gemacht werden.
Bezüglich der Kennzeichnung vorverpackter Ware greifen die
Vorgaben der VO (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV). Neben den all-
gemeinen Pflichtangaben gelten für Hackfleisch/Faschiertes
spezielle Maßgaben. So sind in Anhang VI Teil B der LMIV An-
forderungen an die Zusammensetzung von Hackfleischsorten
hinsichtlich Fettgehalt und dem Verhältnis Kollagen/Fleischei-
weiß aufgeführt. In der Etikettierung müssen die Angaben „Fett-
gehalt geringer als …“ sowie „Verhältnis Kollagen/Fleischeiweiß
geringer als …“ vorhanden sein. Seit dem 01.04.2015 ist der
Kennzeichnung gemäß Artikel 26 der LMIV für Fleisch, welches
verpackt an den Endverbraucher abgegeben wird, eine Her-
kunftsangabe beizufügen, falls ohne diese Angabe eine Irrefüh-
rung der Verbraucher über das tatsächliche Ursprungsland oder
den tatsächlichen Herkunftsort des Lebensmittels möglich wäre.
Dies betrifft nach Anhang XI Fleisch von Schweinen, Schafen,
Lebensmittelmikrobiologie und Lebensmittelhygiene
Abbildung 2: Hackepeter

image
26 │
Ziegen oder Hausgeflügel, jeweils frisch, gekühlt oder gefroren.
Auch Hackfleisch ist von dieser Regelung betroffen. Die Art und
Weise der Herkunftsangabe ist in der DVO (EU) Nr. 1337/2013
geregelt.
Hackfleisch zählt aufgrund des häufigen Rohverzehrs zu den
Risikolebensmitteln. Viele lebensmittelassoziierte Erkrankun-
gen des Menschen sind auf den Verzehr von nicht erhitztem
Hackfleisch bzw. –zubereitungen zurückzuführen. Bedeutsam
sind Salmonellen, Campylobacter, VTEC, Yersinien und Listerien,
aber auch Viren und Parasiten kommen in Betracht. Aufgrund
des hohen Zerkleinerungsgrades gehören Hackfleisch und dar-
aus hergestellte Erzeugnisse zudem zu den leicht verderblichen
Lebensmitteln, die Angabe eines Verbrauchsdatums ist demzu-
folge erforderlich.
Leider mussten auch 2017 Hackfleischproben wegen des Nach-
weises von pathogenen Keimen als gesundheitsschädlich bean-
standet werden. Dabei handelte es sich insgesamt um 23 Pro-
ben. Bei einer untersuchten Probenzahl von circa 1.500 Proben
entspricht dies allerdings lediglich einem Anteil von rund 1,5 %.
Wegen Verderbs musste im letzten Jahr nur eine Probe bean-
standet werden. Dies ist ein sehr erfreuliches Ergebnis, zeugt es
doch von einem verbesserten Hygieneverständnis bei den Her-
stellern und Lieferanten. Die Untersuchungsergebnisse weisen
auf eine entsprechende Rohstoffauswahl bei der Herstellung
und die Einhaltung der Kühlketten hin.
Weitere 48 Proben, vor allem Hackepeter (8,6 %), mussten al-
lerdings wegen des Nachweises von humanpathogenen
Yersinia
enterocolitica
als zum Verzehr ungeeignet beurteilt werden.
Sechs Proben wurden aus verschiedenen Gründen als wertge-
mindert beurteilt, Ursachen waren hauptsächlich sensorische
Abweichungen, aber auch ein Wasserzusatz. Die Verwendung
des nicht zugelassenen Farbstoffes Echtes Karmin musste eben-
falls beanstandet werden. Hinzu kommen Beanstandungen we-
gen allgemeinen Kennzeichnungsmängeln sowie auch irrefüh-
render Kennzeichnung in insgesamt 31 Fällen. Schwerpunkte
stellen hier fehlende Angaben zur Tierart bzw. zur Zubereitung
dar. Dazu kommen fehlende Nährwertkennzeichnungen, fehlen-
de oder mangelhafte Herkunftsangaben des Fleisches, Mängel
bei der Schriftgrößengestaltung sowie eine unzureichende De-
klaration von tiefgefrorenen Lebensmitteln.
Milch ab Hof
Rohmilch wird zunehmend von vielen Verbrauchern als beson-
ders gesund eingeschätzt, vor allem im Vergleich zu wärme-
behandelter Milch, denn gerade naturbelassene, unbehandelte
Nahrungsmittel erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. In Zei-
ten der wachsenden medialen Möglichkeiten wird insbesondere
durch das Internet eine Vielzahl an Vorzügen präsentiert, welche
Rohmilch gegenüber wärmebehandelter Milch aufweisen soll.
Die ausgelobten positiven Merkmale reichen von verbesserten
sensorischen Eigenschaften über gesundheitsfördernde Effekte
bis hin zu einem verminderten Allergierisiko. Demgegenüber
stehen jedoch Risiken, die bei vielen Verbrauchern nicht bekannt
sind oder gar ignoriert werden: Rohmilch bildet eine hervorra-
gende Wachstums- sowie Vermehrungsgrundlage für Bakterien.
Neben Verderbniskeimen können auch gesundheitsschädliche
Erreger wie z. B. Salmonellen, Campylobacter und Verotoxin-
bildende
E. coli
in Milch vorkommen. Ursächlich gelangen die
erwähnten Mikroorganismen in den meisten Fällen aufgrund
ungenügender Melkhygiene aus der Umgebung in die Milch. Al-
lerdings lässt sich selbst bei bester Stall- und Melkhygiene eine
derartige Kontamination nicht immer völlig vermeiden.
Gemäß Anhang I Nr. 4.1 der VO (EG) 853/2004 ist „Rohmilch“
das unveränderte Gemelk von Nutztieren, welches nicht über
40 °C erhitzt und keiner Behandlung mit ähnlicher Wirkung un-
terzogen wurde. Mittels Anhang I Teil A der VO (EG) 852/2004
sowie Anhang III Abschnitt IX Kapitel I bis III der VO (EG)
853/2004 werden Vorgaben, unter anderem für die Gewinnung
von Rohmilch, gemacht.
Üblicherweise wird Rohmilch in der Weiterverarbeitung einem
Wärmebehandlungsprozess zugeführt, es sei denn, es werden
spezielle Produkte, wie z. B. Rohmilchkäse, daraus hergestellt.
Rohmilch wird in Deutschland nicht roh an den Verbraucher
abgegeben, denn gemäß § 17 Abs. 1 TierLMHV besteht ein Ab-
gabeverbot von Rohmilch und Rohrahm an den Verbraucher.
Mit der „Vorzugsmilch“ sowie der „Milch-ab-Hof“ bestehen al-
lerdings zwei Ausnahmen. Die „Milch-ab-Hof“ wird dabei zu-
nehmend auch in Sachsen über sogenannte Milchtankstellen an
den Verbraucher gebracht. Die Konsumenten können auf diese
Weise die Rohmilch zeitlich und personell unabhängig abseits
der Hofläden erwerben.
Die „Milch-ab-Hof“-Abgabe ist über die Vorgaben des § 17
Abs. 4 TierLMHV geregelt. Demnach darf die unmittelbare Ab-
gabe von „Milch-ab-Hof“ an den Verbraucher nur stattfinden,
wenn die Abgabe im Erzeugungsbetrieb erfolgt, die Rohmilch
im eigenen Betrieb gewonnen und behandelt sowie am Tag der
Abgabe oder am Tag zuvor erzeugt worden ist und eine vorhe-
rige Anzeige bei der zuständigen Behörde stattfand. Weiterhin
muss zwingend an der Abgabestelle der Hinweis „
Rohmilch, vor
Verzehr abkochen
“ gut sichtbar und gut lesbar vorhanden sein
(Abbildung 3). Das Abkochen der Milch tötet die möglicherwei-
se in der Rohmilch enthaltenen pathogenen Mikroorganismen
zweifelsfrei ab.
An der LUA Sachsen wurden im Jahr 2017 insgesamt 158
Rohmilchproben von Kühen untersucht. Dabei handelte es sich
um 88 Proben Rohmilch zur Weiterverarbeitung (Tankmilch)
und um 70 Proben „Milch-ab-Hof“.
Die 88 Proben Tankmilch wurden zum Großteil mikrobiologisch
untersucht (n = 56). Des Weiteren erfolgten Untersuchungen
hinsichtlich des Gehalts an Dioxinen (n = 16), Mykotoxinen
Abbildung 3:
Hinweisschild

image
│27
(n = 11), Pestiziden (n = 7) und auch antimikrobiell wirksamen
Substanzen (n = 4). Keine der 88 Proben Tankmilch musste
beanstandet werden. Insbesondere ist hervorzuheben, dass es
keinen einzigen auffälligen Befund hinsichtlich Dioxinen, Pesti-
ziden, Mykotoxinen oder antimikrobiell wirksamen Substanzen
gab. Lediglich in 10 Fällen mussten aufgrund mikrobiologischer
Auffälligkeiten Befundmitteilungen angefertigt werden. Jeweils
1x konnten Campylobacter sowie Verotoxin-bildende
E. coli
nachgewiesen werden. Häufiger waren erhöhte Gehalte an ae-
roben mesophilen Keimen (n = 6) oder ein erhöhter Zellzahlge-
halt (n = 4) Ursache für die Abweichung. In zwei Fällen waren
beide Parameter gleichzeitig erhöht. Gemäß der Kriterien für
Rohmilch und Kolostrum nach Anhang III Abschnitt IX Kapitel I
Teil III Nr. 3a VO (EG) Nr. 853/2004 sollte der Gehalt an aerober
mesophiler Keimzahl nicht über 100.000 KbE pro ml Milch lie-
gen und der Zellzahlgehalt nicht mehr als 400.000 somatische
Zellen pro ml Milch betragen.
Diese Beurteilungskriterien werden auch für „Milch-ab-Hof“
herangezogen. Die Proben wurden in 41 Fällen im Rahmen des
LÜP 2 entnommen, wohingegen 26 Proben als Plan- und 3 als
Verdachtsproben eingesendet wurden. Das LÜP 2 wurde 2017
durchgeführt, um einen Überblick über die in Sachsen vorhan-
denen „Milch-ab-Hof“-Abgabestellen, zumeist Milchtankstellen
genannt, zu gewinnen. Von den 70 im Jahr 2017 an der LUA
Sachsen zur Untersuchung eingegangen „Milch-ab-Hof“-Pro-
ben waren 21 (~ 30 %) wegen mikrobiologisch abweichender
Untersuchungsergebnisse auffällig. Hauptsächlich waren dafür
der Nachweis pathogener Keime sowie erhöhte Gehalte (n = 5)
der aeroben mesophilen Keime verantwortlich. Zwar wurden in
keiner der Proben Salmonellen nachgewiesen, jedoch konnten
Verotoxin-bildende
E. coli
(n = 5) sowie
Listeria monocytogenes
(n = 4) qualitativ nachgewiesen werden. Darüber hinaus wur-
den
Campylobacter
spp. in 6 Fällen nachgewiesen. Von diesen 6
positiven Nachweisen stammten drei von einer Milchtankstelle,
welche aufgrund von Erkrankungen mit Nachweis von Campy-
lobacter im Focus der Überwachung stand. Lediglich 2 Proben
wiesen einen erhöhten Zellzahlgehalt auf. Eine dieser Proben
zeigte des Weiteren einen erhöhten Gehalt an koagulase-positi-
ven Staphylokokken,
E. coli
sowie aerober mesophiler Keimzahl.
Wie die Untersuchungsergebnisse der LUA Sachsen im Jahr 2017
zeigen, sind pathogene Erreger in der Rohmilch oft nachweis-
bar. Insbesondere Campylobacter stehen dabei immer wieder
im Mittelpunkt, wie Berichte über entsprechende Erkrankungs-
ausbrüche in einigen Bundesländern zeigen. Auch in Sachsen
war in den Jahren 2016/2017 ein vermehrtes Auftreten von Er-
krankungen an Campylobacteriose, die im Zusammenhang mit
dem Verzehr von Rohmilch standen, zu beobachten. Ursächlich
verantwortlich ist in diesem Zusammenhang die unzureichende
oder nicht durchgeführte Erhitzung der Rohmilch vor dem Ver-
zehr. Dies unterstreicht nachdrücklich die Notwendigkeit, Milch
vor Verzehr abzukochen.
Molekularbiologische Untersuchung von Lebensmitteln
Das molekularbiologische Untersuchungsspektrum umfasst ver-
schiedene Methoden zum Nachweis von Allergenen, gentech-
nisch veränderten Organismen und zur Pflanzen- und Tierart-
differenzierung sowie von pathogenen Mikroorganismen (Viren,
Bakterien) in Lebensmitteln.
Aufgrund der geringen Anzahl positiver Spurenfunde von
gen-
technisch veränderten Lebensmitteln
wurde die Anzahl unter-
suchter unauffälliger Planproben in diesem Bereich reduziert.
Parallel hat die Anzahl in der EU zugelassener GVO zugenom-
men. Für eine effiziente GVO-Analytik werden zunächst die
Proben auf genetische Veränderungen (Elemente) untersucht,
welche in einer Vielzahl genetisch veränderter Organismen vor-
kommen (z. B. der Blumenkohlmosaikviruspromotor P35S). An-
schließend werden positive Funde mit spezifischeren Verfahren
(konstrukt- oder eventspezifisch) näher charakterisiert mit dem
Ziel, das enthaltene Event nachzuweisen und zu bestimmen.
In der LUA Sachsen wurde die Detektionswahrscheinlichkeit
durch zusätzliche Untersuchung auf sogenannte im klassi-
schen Screening negative Events (z. B. gv-Mais VCO-01981-5)
mit eventspezifischen Methoden erhöht. Außerdem wurden die
verwendeten Prüfverfahren aktualisiert, unter anderem wurden
konventionelle Verfahren zum Nachweis von gentechnisch ver-
änderten Papayas durch real-time PCR´s ersetzt (Abbildung 4).
Von 178 untersuchten Proben wurden nur in 9 Proben Spuren
zugelassener GVO in Mengen unter 0,1 % nachgewiesen (z. B.
gv-Soja GTS-40-3-2, gv-Soja MON89788, gv-Soja A2704).
Auffällig war besonders eine Verdachtsprobe eines Getreideer-
zeugnisses vietnamesischer Herkunft, in welcher Spuren der zu-
gelassenen gentechnisch veränderten Maislinien Bt11, TC 1507,
MON88017, NK603, GA21 und MON-89034 sowie Spuren der
zugelassenen Sojabohnenlinien GTS 40-3-2, MON87701 und
MON-89788 gefunden wurden. Zur Klärung der Frage, ob es
sich noch um eine zufällige oder technisch nicht vermeidbare
Kontamination des Erzeugnisses mit gentechnisch veränderten
Sojabohnen während der Herstellung der vorliegenden Probe
oder des Transportes der verwendeten Ausgangsstoffe handelt,
wurde eine Kontrolle im Herstellerbetrieb empfohlen.
Im Rahmen der Überprüfung der
Allergenkennzeichnung
von
Lebensmitteln wurden 532 Proben mit molekularbiologischen
und immunchemischen Methoden auf die allergenen Zutaten
Gluten, Ei, Erdnuss, Soja, Milch, Schalenfrüchte, Sellerie, Senf,
Sesam, Lupine, Krustentiere und Fisch geprüft.
In 173 Proben wurden Allergene gemäß Lebensmittelinformati-
onsverordnung (LMIV) Anhang II nachgewiesen, die nicht ent-
Abbildung 4:
Papayafrucht zur Untersuchung auf GVO

image
28 │
sprechend gekennzeichnet waren. Die Beanstandungen betrafen
überwiegend als lose Ware in Verkehr gebrachte Proben.
Im Rahmen der Pflanzenartendifferenzierung enthielten von 9
Proben
Wasabi
zubereitungen 3 Proben keine oder nur geringe
Spuren von Wasabi-DNA. Diese Proben wurden als irreführend
beanstandet.
Für die molekularbiologische
Tierartendifferenzierung
wurden
neue spezifischere real-time PCR-Verfahren für die Tierarten
Rotwild, Damwild, Reh und Gans eingeführt. Weiterhin wurden
multiplexe real-time PCR-Verfahren zum gleichzeitigen paral-
lelen Nachweis von Rind/Schwein/Huhn/Pute; Rind/Schaf/Ziege
sowie Rind/Wasserbüffel etabliert. Beanstandungen betrafen in
diesem Bereich z. B. nicht deklarierte Tierarten in Döner, Schafs-
käse aus Kuhmilch, Verwendung von Schweinefleisch z. B. in
Gulasch, Beefsteak, Steak, Pferdebockwurst, Kalbfleisch-Leber-
wurst oder Wildschweinbratwurst ohne Wildschwein, Ragout
Fin ohne Rind bzw. Wildsalami ohne Kennzeichnung vom Rind.
Für die Identifizierung von Fischarten durch PCR und Sequenzi-
erung wurde die Zusammenarbeit mit dem Thüringer Landesamt
für Verbraucherschutz im Rahmen der Länderkooperation fort-
gesetzt.
Die untersuchten Proben waren mit Ausnahme einer als Stein-
beißer bezeichneten Probe, bei der es sich um die Fischart Lump
handelte, nicht zu beanstanden.
Chemische Untersuchung tierischer Lebensmittel
Im Jahr 2017 erfolgte bei 1.141 tierischen Lebensmitteln eine
chemische Untersuchung auf Inhalts- und Zusatzstoffe. 298
Proben (26,1 %) wurden beanstandet, zu 121 weiteren Proben
wurden Befundmitteilungen bzw. Hinweise erstellt. Somit wur-
den bei 36,7 % der zur chemischen Untersuchung vorgelegten
Proben Teilgutachten, Befundmitteilungen bzw. Hinweise ver-
fasst.
Wie in den Vorjahren erfolgte ein Großteil der Beanstandun-
gen bei
Fleisch- und Wursterzeugnissen
. Neben allgemeinen
Kennzeichnungsmängeln oder nicht korrekter Bezeichnungen
stimmten hier zusätzlich Angaben im Zutatenverzeichnis oder
die mengenmäßigen Angaben von Zutaten nicht mit den Analy-
senergebnissen überein. Auffällig war erneut die mitunter feh-
lende Aufführung von mitverarbeitetem Bindegewebe, Wasser
oder Speck im Zutatenverzeichnis bzw. die fehlende bzw. nicht
in der Reihenfolge korrekte Aufführung von Zutaten im Zuta-
tenverzeichnis. Dazu kamen Beanstandungen wegen fehlender
Kenntlichmachung von Zusätzen wie z. B. Wasser oder Pflan-
zenöl in Verbindung mit der Bezeichnung und fehlende Tierart-
verweise in der Bezeichnung.
35 Beanstandungen erfolgten im Zusammenhang mit einem
erhöhten Verhältnis von Wasser:Eiweiß oder Fett:Eiweiß bzw.
zu niedrigen Gehalten an BEFFE oder BEFFEF oder einem zu
niedrigen Fleischeiweißgehalt im fettfreien Anteil bei Kochpö-
kelwaren. 4 Rohschinken wurden als zu nass beanstandet. In 3
Erzeugnissen wurden dafür nicht zugelassene Farbstoffe nach-
gewiesen. Höchstmengenüberschreitungen wurden in 2 Erzeug-
nissen bei Phosphatzusätzen und je einer Probe bei Glutamin-
säure und Nitrit festgestellt. Überhöhte Kochsalzgehalte wurden
in einer Blutwurst mit 3,5 % und in 3 Rohschinken mit 7,4 bis
10,6 % gefunden. In 54 Fällen fehlte die Kenntlichmachung von
Zusatzstoffen (Phosphate, Nitritpökelsalz, Farbstoff).
Beanstandungsschwerpunkt bei
Fisch und Fischerzeugnissen
waren ebenfalls nicht korrekte Kennzeichnungen oder in 18
Fällen nicht zutreffende Nährwertangaben. In 2 Proben Fisch-
filet (Kabeljau bzw. Rotbarsch) wurden erhöhte TVB-N-Werte
festgestellt. In 2 Proben Pangasiusfilet, einer Probe Rotbarsch-
filet und in einer Probe Zanderfilet wurden deutlich erhöhte
Wasser:Eiweiß-Verhältnisse ermittelt, die auf einen nicht de-
klarierten Wasserzusatz schließen lassen. Fehlende oder nicht
korrekte Kenntlichmachung von Allergenen wurde 3x beanstan-
det. Auffällig war eine Probe Räucherforelle mit einem Nitrit-
gehalt von 14 mg/kg Natriumnitrit. In 2 Erzeugnissen wurde
ein unzulässiger Zusatz an Cyclamat beanstandet. In 3 Proben
Thunfischfilet wurden Restnitratgehalte zwischen 9 - 16 mg/kg
Natriumnitrat festgestellt. Diese Proben waren auch bei der
Kochprobe von einer ähnlich umgeröteten Beschaffenheit, wie
sie gepökelte Fleischerzeugnisse aufweisen (Abbildung 5).
Der überwiegende Teil der Beanstandungen bei
Milch, Milcher-
zeugnissen und Käse
erfolgte wie in den Vorjahren im Zusam-
menhang mit der Kennzeichnung allgemein bzw. den speziellen
Kennzeichnungsvorschriften nach Käse-VO oder Milcherzeug-
nisse-VO bzw. der Nährwertkennzeichnung. In 2 Milcherzeug-
nissen wurden unzulässige Gehalte an Süßungsmitteln festge-
stellt. 2 Erzeugnisse wiesen einen zu geringen Fettgehalt auf. 4
Käseproben wurden im Zusammenhang mit ihrer Bezeichnung
beanstandet, da es sich nicht um Schafskäse, „Feta“ bzw. um
Käse handelte. Weitere Beanstandungen erfolgten im Zusam-
menhang mit Fettgehaltsbestimmungen in der Trockenmasse,
dem Wassergehalt in der fettfreien Käsemasse und der Nicht-
einhaltung von Mindestgehalten bei Standarderzeugnissen.
Bei
Feinkostsalaten mit tierischen Bestandteilen
erfolgten 14
Beanstandungen bzw. Befundmitteilungen. Neben allgemeinen
Kennzeichnungsmängeln wurde 6x die fehlende Kenntlichma-
chung von Süßungsmitteln bzw. Konservierungsstoffen bean-
standet.
Bei einer Probe Omega-Eier war ein „Mega“ Gehalt an Omega-
fettsäuren ausgelobt, die erforderlichen zugehörigen Nährwert-
angaben fehlten jedoch.
Abbildung 5:
gegarte auffällige Thunfischproben

│29
…. in Fleisch
Für die stichprobenweise Screening-Untersuchung geschlachte-
ter Tiere auf Antibiotikarückstände wird in Deutschland zumeist
der biologische Hemmstofftest oder auch Drei-Platten-Test
(DPT) eingesetzt. Damit können vor allem Antibiotika-Rückstän-
de einfach und schnell erfasst werden. Bildet sich beim biolo-
gischen Hemmstofftest ein so genannter Hemmhof von mehr
als 1 mm (fraglich und positiv getestete Proben), werden diese
Proben chemisch mittels leistungsfähiger Verfahren (LC-MS/
MS) nachuntersucht, um genaue Aussagen zu Art und Gehalt
enthaltener Antibiotikarückstände treffen zu können.
An der LUA Sachsen wurden in den Jahren 2012 - 2017 insge-
samt 4.302 Proben mittels biologischem Hemmstofftest unter-
sucht, davon im Berichtsjahr 744. Dabei lag der Anteil an posi-
tiven Proben in den letzten Jahren immer unter 1 % (Tabelle 1).
Die ältesten und bis heute am häufigsten genutzten Hemmstoff-
tests basieren auf der Inhibition des Wachstums ausgewählter
Testkeime in Petrischalen. Dabei wird die zu untersuchende Pro-
be auf einen mit dem Testkeim beimpften Agar verbracht. Eine
Kontamination der Probe äußert sich nach Bebrütung durch
das fehlende Wachstum des Testkeims um die Probe. Je nach
Wirkstoff und Antibiotika-Konzentration kann dieser Hemmhof
unterschiedlich ausgeprägt sein. Als Testkeime werden dabei
unter anderem
Bacillus cereus, Bacillus subtilis, Escherichia coli,
Geobacillus stearothermophilus
und
Kocurio rhizophila
einge-
setzt. Die Wachstumsbedingungen umfassen je nach verwende-
tem Testsystem pH-Bereiche von pH 6 – pH 8 und Temperaturen
von 30 – 55 °C bei einer Inkubationsdauer von 14 – 24 Stunden.
In Deutschland wird in der Routinediagnostik der unter Punkt
9.3 in Anlage 4 der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift Lebens-
mittelhygiene (AVV LmH) beschriebene 3-Platten-Test (Test-
keim:
Bacillus subtilis
BGA, inkubiert bei 30 °C, pH-Werte 6
sowie 7,2 und 8) eingesetzt.
Dieser Test ist relativ günstig und einfach durchzuführen, er-
möglicht also einen hohen Probendurchsatz. Nachteilig ist al-
lerdings dessen mangelnde Sensitivität bei der Detektion von
verschiedenen Gruppen von Antibiotika sowie das Auftreten von
falsch-positiven Ergebnissen. Insbesondere der sensitive Nach-
weis von Antibiotika-Rückständen aus der Gruppe der Amino-
glycoside und Chinolone, aber auch der Sulfonamide und Tetra-
cycline ist mit dem derzeitig genutzten Verfahren nicht immer
möglich. In vielen europäischen Laboren hat sich deshalb in-
zwischen der Fünfplatten-Test (Testkeim
B. stearothermophilus
)
durchgesetzt.
Für Deutschland hat das BVL bereits 2015 eine Kosten-Nut-
zen-Analyse durchgeführt, um die bekannten Leistungsdefizite
hinsichtlich der falsch-negativen als auch der falsch-positiven
Testergebnisse zu optimieren (BVL 2015 Endbericht zum Moni-
toring Dreiplattenhemmstofftest).
….. in Milch
Bei der Untersuchung von Milch zum Nachweis von Hemmstof-
fen und Tierarzneimittelrückständen ist der Brillantschwarz-Re-
duktionstest (BRT) weit verbreitet. Der BRT hat sich international
als anerkannte Standardmethode etabliert und findet nicht nur
bei der Milch-Gütebezahlung zum Nachweis von Hemmstoffen
in der Sammelmilch seine Anwendung (BRT-Hemmstofftest),
sondern auch zur Qualitätssicherung sowie zur Untersuchung
von Käsereimilch und Milch zur Herstellung von fermentierten
Milchprodukten als Suchverfahren zum Nachweis von Antiin-
fektiva in Milch (BRT MRL-Suchtest bzw. BRT hi-sense,
www.aim-bayern.de/html/km_produkte_leistungen.html).
Grundlage für die verschiedenen Testsysteme ist die Entschei-
dung der Kommission 91/180/EWG, deren Anforderungen sich
auch in den Methoden der Amtlichen Sammlung von Untersu-
chungsverfahren nach §64 LFGB niederschlagen (L 01.01-5 BRT
Hemmstofftest sowie L 01.00-11 BRT MRL-Suchtest und BRT
hi-sense).
Der BRT-Hemmstofftest zeichnet sich durch eine besonders
hohe Sensitivität gegenüber ß-Lactam-Antibiotika-Rückstän-
den aus. Die durch die EU festgelegten Rückstandshöchstmen-
gen (MRLs) für ß-Lactam-Antibiotika werden sicher erfasst. Der
BRT MRL-Suchtest ist ein modifizierter BRT, der sich durch eine
gesteigerte Sensitivität gegenüber verschiedenen Antibiotika
und Sulfonamiden auszeichnet. Der Test erfasst neben den fest-
gelegten Höchstmengen (MRL) für ß-Lactam-Antibiotika auch
Substanzen aus der Gruppe der Sulfonamide, der Makrolide und
der Aminoglykoside auf MRL-Niveau. Weitere Substanzgruppen
werden ebenfalls sensitiver als im BRT-Hemmstofftest nachge-
wiesen. Der BRT hi-sense zeichnet sich durch eine besonders
hohe Sensitivität gegenüber einer Vielzahl von Tierarzneimitteln
aus. Die durch die EU festgelegten Rückstandshöchstmengen
(MRLs) für z. B. ß-Lactam-Antibiotika, Tetrazykline, Sulfonami-
de, Macrolide und Aminoglycoside werden sicher erfasst.
Als Testkeim der BRT-Systeme wird Bacillus stearothermophilus
eingesetzt. In der Milch vorhandene Hemmstoffe (Antibiotika)
verringern oder verhindern die Stoffwechselaktivität und somit
die Vermehrung des Testkeimes. Zur Messung der Stoffwechsel-
aktivität wird dem Testsystem als Indikator Brillantschwarz zu-
gesetzt. Die wachsende Testkultur reduziert den Indikator, was
sich in einer wahrnehmbaren Farbveränderung von blau nach
gelb widerspiegelt.
An der LUA Sachsen wurden in den Jahren 2012 - 2017 insge-
samt 603 Proben Rohmilch mittels BRT MRL-Suchtest unter-
sucht, davon im Berichtsjahr 123. Während dieses Zeitraumes
wurde in lediglich 2 Fällen ein positives Testergebnis erzielt,
welches im Rahmen der chemischen Nachuntersuchung auch
bestätigt werden konnte. In beiden Fällen handelte es sich um
den Nachweis von Benzylpenicillin (Tabelle 1).
Tabelle 1: Übersicht biologischer Hemmstofftest und BRT
MRL-Suchtest im Zeitraum 2012 - 2017
biologischer Hemmstofftest
BRT MRL-Suchtest
Anzahl /
Anzahl positiv
Bestätigung
LC-MS/MS
Anzahl /
Anzahl positiv
Bestätigung
LC-MS/MS
2012
424 / 1
0
124 / 0
2013
758 / 6
5
113 / 1
1
2014
840 / 6
6
87 / 0
2015
785 / 1
1
90 / 1
1
2016
751 / 5
3
66 / 0
2017
744 / 6
2
123 / 0
Mikrobiologische Hemmstofftests

30 │
Im Berichtszeitraum wurden von 3.832 eingereichten Lebens-
mittelproben 781 Proben beanstandet. Die Beanstandungsquote
ging somit im Berichtszeitraum auf 20,4 % (2016: 15,8 %) sig-
nifikant nach oben.
Spitzenreiter mit einer Beanstandungsquote von 31,4 % ist
die Warengruppe Honig, süße und nicht süße Brotaufstriche.
Dicht gefolgt von den Feinen Backwaren, Tee und teeähnliche
Erzeugnisse und den Süßwaren mit jeweils mehr als 25 % Be-
anstandungsquote. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Quote
hier jeweils um etwa 10 %. Ebenfalls auf einem hohen Bean-
standungsniveau von circa 15 - 20 % bewegen sich die Wa-
rengruppen Schokolade, Getreideerzeugnisse, Kaffee, Brot und
Kleingebäck, Teigwaren und Speiseeis. Auch in diesen Gruppen
ist eine deutliche Zunahme an Beanstandungen zu verzeichnen.
Die Hauptbeanstandungsgründe betrafen im Jahr 2017 analog
zu 2016 erneut Mängel in der Kennzeichnung allgemein sowie
irreführende Angaben, unzutreffende Nährwertdeklarationen
und nicht zugelassene oder unzutreffende nährwert- und ge-
sundheitsbezogene Aussagen. Immer mehr in den Fokus rücken
hierbei Informationen, welche über das Internet bereitgestellt
werden, seien es Pflichtangaben oder auch Auslobungen und
Bewerbungen. Häufig treten auch Probleme bei der Umsetzung
der Vorgaben bezüglich der Angabe allergener Zutaten bei nicht
vorverpackten Lebensmitteln auf. Zudem genügen oftmals frei-
willig bereitgestellte Informationen, wie beispielsweise Zuta-
tenverzeichnisse oder Nährwertdeklarationen, auf sogenannten
Produktinformationsblättern ebenfalls nicht den Maßgaben der
LMIV.
Die Zahl der Proben, die im Sinne des Art. 14 Abs. 2 Buchst. b
der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 als nicht zum Verzehr geeig-
net beurteilt wurden, lag mit 19 Beanstandungen auf dem Vor-
jahresniveau. Derartige Beanstandungen betrafen insbesondere
Beschwerdeproben (9 Proben). Ursachen waren unter anderem
abweichende Sensorik, Fremdkörper und Schädlingsbefall.
Lediglich 4 Proben wurden als gesundheitsschädlich nach Art. 14
Abs. 2 Buchst. a der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 eingestuft.
Dabei konnten im Nachgang zu einem Erkrankungsgeschehen
in einer Probe diverser Kuchenreste Salmonellen nachgewie-
sen werden. In einer weiteren Beschwerdeprobe infolge einer
Erkrankung wurden in Klettenwurzeltee tropanalkaloidhalti-
ge Fremdbestandteile – Belladonnawurzel (
Belladonnae Radix
– Stammpflanze
Atropa belladonna
) – nachgewiesen. Zu den
Tropanalkaloide zählen unter anderem Atropin und Scopolamin.
Bekannte Vergiftungserscheinungen, sind die Beschleunigung
der Herzfrequenz, eine Beschleunigung der Erregungsweiterlei-
tung am Herz, eine Weitstellung der Pupillen, Erschlaffung der
glatten Muskulatur und eine verminderte Sehfähigkeit.
Wachsender Beliebtheit erfreut sich im Bereich der Teeerzeug-
nisse aktuell unter anderem Matcha-Grünteepulver, bei dem es
sich um ein Pulver aus speziellen Sorten japanischen Grüntees
mit spezifischen Anbaumethoden handelt. Dieses wird sowohl
als Teeaufguss als auch vermischt mit anderen Lebensmitteln
wie z. B. Smoothies, Shakes und verschiedenen Backwaren ver-
zehrt. Die Besonderheit dieser Teezubereitung liegt darin, dass
das Pulver nicht abfiltriert oder dekantiert wird, sondern mit dem
Aufguss zusammen verzehrt wird. Aufgrund dieses kompletten
Verzehrs wird die deutlich erhöhte Aufnahme vermeintlich po-
sitiver Inhaltsstoffe intensiv beworben. Allerdings wird auch die
Kehrseite deutlich: es werden damit auch unerwünschte Stoffe
in Gänze aufgenommen. So wurden 2 Proben Matcha-Tee auf-
grund ihres Aluminium-Gehaltes als gesundheitsschädlich ein-
gestuft. In den Proben wurde ein Aluminium-Gehalt von jeweils
fast 1.800 mg/kg Teepulver nachgewiesen.
Einen Grenzwert für Aluminium in Tee gibt es nicht. Zur Be-
urteilung des Gehaltes wurde der von der EFSA veröffentlichte
TWI-Wert (tolerably weekly intake) für Aluminium in Höhe von
1 mg/kg Körpergewicht herangezogen. Bereits bei einer Ver-
zehrsmenge von täglich knapp 5 g Teepulver - dies entspricht
etwa 3 Portionen Matcha-Tee oder weniger in Verbindung mit
weiteren Produkten - schöpft ein Erwachsener (60 kg) den TWI-
Wert vollständig aus. Zudem wird Aluminium auch über weite-
re Produkte aufgenommen, so dass bei Matcha-Konsumenten
mit einer deutlichen Überschreitung des TWI-Wertes über einen
längeren Zeitraum zu rechnen ist.
Honig – Die Süße mit der Heilkraft?
Bereits in der Bibel wurde der Honig als Synonym für das Pa-
radies dargestellt, im Alten Testament sprach man „vom süßen
Gold als Quelle der Unsterblichkeit“. Heute hingegen steht die
Bedeutung als Lebensmittel im Vordergrund. Dafür stellen in
Deutschland jährlich circa 130.000 Imker, die rund eine Milli-
on Bienenvölker bewirtschaften, 25.000 - 30.000 Tonnen Honig
bereit. Daraus ergibt sich ein Mindestverkaufswert von 150 Mil-
lionen Euro, wodurch die Biene nach Rind, Schwein und Huhn
als viertwichtigstes Nutztier gehandelt wird. Mit einem Pro-
Kopf-Verbrauch von 1,0 kg pro Jahr liegt Deutschland zudem
an der Spitze des Honigkonsums. Dabei werden circa 80 % des
verbrauchten Honigs aus Asien, Lateinamerika (vor allem Argen-
tinien) und Europa importiert. Der Export in vor allem EU-Länder
ist mit 20.000 Tonnen weitaus geringer.
Neben der Bedeutung des Honigs als Lebensmittel wird über
seine Verwendung in der Medizin und Kosmetik aufgrund mög-
licher antibakterieller sowie antioxidativer Effekte seit langem
diskutiert. So wurde dem Honig bereits zu Aristoteles eine anti-
bakterielle und heilende Wirkung zugeschrieben, wo er aufgrund
seines osmotischen Effekts zur Konservierung eingesetzt wurde.
Die bekannteste Wirkung ist dabei der Wundheilung zuzuschrei-
ben, die auf eine Hemmung des Bakterienwachstums zurückge-
führt wird. Ursachen sind hier vielseitig und teilweise noch nicht
ausreichend wissenschaftlich spezifiziert. Als mögliche Ursa-
chen für die potentiell antibakterielle Wirkung des Honigs wird
das Zusammenspiel verschiedener Faktoren gehandelt. So sind
vor allem der hohe Zuckergehalt, der Wasserstoffperoxidgehalt
sowie andere „nicht-peroxidische“ Inhaltsstoffe (unter anderem
Polyphenole, Methylglyoxal (MGO), Peptide und Proteine) als
antibakteriell wirksame Hemmstoffe des Honigs beschrieben.
Zudem ist unklar, welche Honige (im allgemeinen Sortenhoni-
ge) verstärkte Gehalte solcher Verbindungen aufweisen und da-
durch eine potentiell antimikrobielle Wirkung aufweisen.
Diese Datenlage gibt für viele Lebensmittelunternehmer bzw.
Imker Anlass, ihre eigenen Sortenhonige mit gesundheitsbezo-
genen Auslobungen zu bewerben. Lebensmittelrechtlich gibt es
Getreideerzeugnisse, Backwaren, Süßwaren, Speiseeis, Tee, Kaffee

image
│31
jedoch, ungeachtet veröffentlichter wissenschaftlicher Studien,
klare Vorgaben, inwieweit solche Angaben zulässig sind.
Honig allgemein
Im Berichtszeitraum wurden 136 Honige bzw. Mischungen aus
Honig mit anderen Lebensmitteln an der LUA Sachsen unter-
sucht. Dabei umfasste das Probenspektrum 48 Sortenhonige, 84
Mischhonige und 4 Mischungen aus Honig und anderen Lebens-
mitteln (Erdbeere, Chilli, Kakaobohnen und Holunder).
Die Beanstandungsquote betrug insgesamt 33 %. Hierbei erfolg-
te der Großteil der Beanstandungen (43 Proben) aufgrund diver-
ser Kennzeichnungsmängel. Weitere Beanstandungen erfolgten
aufgrund eines zu hohen Wassergehaltes, da der Grenzwert ge-
mäß Honigverordnung von max. 20 % Wasser in diesen Fällen
überschritten war. Honige mit hohem Wassergehalt laufen be-
sonders leicht Gefahr, in Gärung überzugehen. Bei der Gärung
werden durch Hefen die Zucker in Alkohole und Kohlendioxid
umgesetzt. Durch diese biochemischen Vorgänge verändern sich
auch die Aromastoffe. Auslösung und Intensität der Gärung sind
abhängig von der Menge der Hefesporen, der Lagertemperatur
und dem Wassergehalt. Je trockener ein Honig ist, umso besser
ist er konserviert. Je niedriger die Temperatur, umso weniger ak-
tiv sind die Hefen. Hefesporen sind in Honigen immer vorhan-
den, nur die Menge kann sehr stark schwanken.
Ein weiterer Honig wies drei wirksame Rückstände von Pflan-
zenschutzmitteln auf. Dabei überschritt der nachgewiesene,
insektizide Wirkstoff Acetamiprid den geltenden Rückstands-
höchstgehalt der Verordnung (EG) Nr. 396/2005. Im Rahmen der
kennzeichnungsrechtlichen Beanstandungen zeichnete sich ein
Zuwachs von gesundheitsbezogenen Auslobungen ab. Hier han-
delte es sich meist um nicht zugelassene Angaben, mit denen
ein direkter Gesundheitsbezug zum Lebensmittel Honig herge-
stellt werden sollte.
Honig im Zusammenhang mit gesundheitsbezogenen
Angaben
Gesundheitsbezogene Angaben („Health Claims“) bzw. die Be-
werbung von Lebensmitteln mit gesundheitlichen Vorteilen ist
EU-weit durch die Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 (die soge-
nannte Health Claims-Verordnung) geregelt.
Hiernach ist eine gesundheitsbezogene Angabe definiert als
jede Angabe, mit der erklärt, suggeriert oder auch nur mittelbar
zum Ausdruck gebracht wird, dass ein Zusammenhang zwischen
einer Lebensmittelkategorie, einem Lebensmittel oder einem
seiner Bestandteile einerseits und der Gesundheit andererseits
besteht.
Gesundheitsbezogene Angaben sind nur nach erfolgreichem
Durchlaufen eines Zulassungsverfahrens erlaubt. Die gesund-
heitsbezogenen Angaben dürfen nicht falsch oder irreführend
sein und müssen vom aufmerksamen, durchschnittlichen Ver-
braucher verstanden werden. Die Angaben müssen sich auf all-
gemein akzeptierte wissenschaftliche Daten stützen und durch
diese abgesichert sein. Die Substanz, die Gegenstand der Anga-
be ist, muss im Endprodukt in einer ausreichenden Menge vor-
handen und in einer vom Körper verwertbaren Form verfügbar
bzw. im umgekehrten Fall nicht vorhanden oder ausreichend
reduziert sein. Die für die behauptete ernährungsphysiologische
Wirkung erforderliche Menge muss durch den Verzehr einer ver-
nünftigerweise anzunehmenden Menge des Lebensmittels be-
reitgestellt werden. Angaben bezüglich der Verringerung eines
Krankheitsrisikos und solche, die sich auf die Entwicklung und
Gesundheit von Kindern beziehen, dürfen erst nach Zulassung
verwendet werden. Andere gesundheitsbezogene Angaben (un-
ter anderem Angaben, die sich auf die Rolle eines Nährstoffs
oder eines anderen Stoffs beziehen) sind nach der Zulassung
in eine von der Europäischen Kommission erstellten Positivliste
aufgenommen worden. Sie können, sofern das Lebensmittel die
jeweils geltenden Voraussetzungen erfüllt, allgemein verwendet
werden. Alle nicht zugelassenen Health Claims sind danach seit
dem 14. Dezember 2012 auf Lebensmittelverpackungen verbo-
ten. Alle zugelassenen Angaben sind im EU-weiten Unionsre-
gister für jedermann zugänglich
(http://ec.europa.eu/food/sa-
fety/labelling_nutrition/claims/register/public/?event=register.
home).
Zu Honig wurden bei der EU-Kommission diverse gesundheits-
bezogene Angaben beantragt. Thematisiert wurde hier neben
einer hals- und rachenraumberuhigenden Wirkung vor allem die
zuvor ausgeführte antioxidative als auch antimikrobielle Aktivi-
tät des Honigs. Alle beantragten Health Claims wurden von der
EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) negativ
hinsichtlich eines Wirkzusammenhanges zwischen dem Lebens-
mittel Honig und der Gesundheit bewertet. Grund hierfür ist
die nicht ausreichende Datenlage bezüglich der beschriebenen
Wirkungen oder häufig auch eine zu unspezifische Charakteri-
sierung des betreffenden Lebensmittels. Die EU-Kommission hat
nach Beurteilung dieser wissenschaftlichen Stellungnahmen
folglich keine gesundheitsbezogene Angabe in das Unionsregis-
ter für zugelassene Angaben aufgenommen.
Folglich sind aktuell alle Auslobungen mit Gesundheitsbezug
auf Honigverpackungen oder auch im Rahmen der in Verbin-
dung stehenden Internetpräsenz zu beanstanden. Häufig getä-
tigte und aktuell nicht zugelassene Auslobungen auf Honigen
sind beispielhaft:
]
„[…] bekannt für seine Eigenschaft das Immunsystem zu stär-
ken“,
]
„[…] enthält Inhaltsstoffe, die der Körper für seinen Stoff-
wechsel benötigt“,
]
„Zur Unterstützung gegen Erkältungen und Bronchitis, Ent-
zündungen in Mund und Rachen, Magen- und Darmbe-
schwerden, bei leichten Verbrennungen, als Hausmittel ge-
gen Pickel, für eine schnelle Wundheilung und vieles mehr“,
]
„Reines Naturprodukt zur Stärkung der Abwehrkräfte und
Behandlung von Infektionen, kann antiseptisch, antioxidativ
und wundheilend wirken“.
Auffällig bei der Beurteilung von Honigen war im Berichtszeit-
raum auch, dass vor allem Manukahonige zunehmend in einen
gesundheitlichen Wirkzusammenhang gesetzt wurden (Abbil-
dung 6).
Abbildung 6:
Manuka-Honige mit gesundheitsbezogener Werbung

image
32 │
Exkurs Manukahonig
Manukahonige (Abbildung 7) weisen im Vergleich zu anderen
Honigen eine sehr hohe, nichtperoxidische antibakterielle Wirk-
samkeit auf, welche besonders von dem Glucose-Abbauprodukt
Methylglyoxal (MGO), aber auch durch weitere, noch unbekann-
te Verbindungen, hervorgerufen wird. Aufgrund dieser potenti-
ellen Wirkung, des seltenen Vorkommens des Manukabaumes
und dem hierdurch bedingten ausschließlichen Import aus Neu-
seeland sind Manukahonige mit 6 bis 25 Euro pro 100 g Honig
im höheren Preissegment angesiedelt und dementsprechend
ein mögliches Ziel im Rahmen des Lebensmittelbetrugs („Food
Fraud“ genannt).
Ein solcher Lebensmittelbetrug ist vor allem aufgrund des paral-
lelen Vorkommens von Kanukapflanzen in Neuseeland möglich.
Der hieraus gewonnene Kanukahonig ähnelt dem Manukaho-
nig hinsichtlich der Pollen und der sensorischen Eigenschaften
stark. Kanukahonig weist jedoch im Gegensatz zum Manukaho-
nig keine so hohe antimikrobielle Aktivität, unter anderem be-
dingt durch den geringeren Methylglyoxalgehalt, auf. Betrüger
fügen so dem Kanukahonig Methylglyoxal als Chemikalie zu und
bringen ihn als Manukahonig in Verkehr, betrügen somit den
Verbraucher hinsichtlich der Beschaffenheit des Honigs. Durch
eine solche vorsätzliche Täuschung wird ein finanzieller oder
wirtschaftlicher Vorteil erlangt. Im Gegensatz zu Verletzungen
Abbildung 7: Manukahonige
des Lebensmittelrechts, welche von der amtlichen Lebensmit-
telüberwachung durch ein Bußgeldverfahren geahndet werden,
kann Lebensmittelbetrug ein Straftatbestand sein, welcher von
den Strafverfolgungsbehörden (Staatsanwaltschaft, Polizei und
Zollverwaltung) in Zusammenarbeit mit den Lebensmittelüber-
wachungsbehörden verfolgt wird.
Aufgrund dieses Sachverhaltes soll auch an der LUA Sachsen
eine Methode zum Nachweis eines solchen Lebensmittelbetru-
ges etabliert werden. Mittels LC-MS/MS soll die charakteristi-
sche Zusammensetzung an Polyphenolen (3-Phenylmilchsäure,
2’-Methoxyacetophenon, 2‘-Methoxybenzoesäure und 4 Hydro-
xyphenylmilchsäure) sowie der Methylglyoxalgehalt der betref-
fenden Honige analysiert werden, um somit Rückschlüsse auf
die Echtheit der Manukahonige treffen zu können.
Obst, Obsterzeugnisse, Gemüse, Gemüseerzeugnisse, Gewürze,
Fertig gerichte
Im Jahr 2017 wurden 3.993 Proben aus den Produktgruppen
Suppen, Soßen, Hülsenfrüchte, Schalenobst, Ölsamen, Kartof-
feln und Kartoffelerzeugnisse, Frischgemüse, Gemüseerzeug-
nisse, Pilze, Pilzerzeugnisse, Frischobst, Obsterzeugnisse, Kon-
fitüren, Marmeladen und Gelees, Fertiggerichte und zubereitete
Speisen sowie Gewürze und Würzmittel untersucht. Dabei wa-
ren 563 Proben zu beanstanden, was einem Anteil von 14,1 %
entspricht. Damit ist die Beanstandungsrate im Vergleich zum
Vorjahr (2016: 12,3 %) angestiegen.
Hauptbeanstandungsgrund waren mit 406 Beanstandungen
auch 2017 wieder Kennzeichnungsmängel. Hier ist insbesondere
die Beanstandung einer fehlenden oder fehlerhaften Nährwert-
deklaration zu nennen. Die Nährwertdeklaration ist seit dem
13.12.2016 für alle vorverpackten Lebensmittel – bis auf wenige
Ausnahmen - verpflichtend.
Eine Probe „Nudelsalat und Beefsteak“ wurde als Verdachtspro-
be im Zusammenhang mit einem Erkrankungsgeschehen ent-
nommen, bei dem sieben Personen von Durchfall und Erbrechen
betroffen waren. Im Rahmen der mikrobiologischen Untersu-
chungen wurde für die Teilprobe Nudelsalat ein erhöhter Gehalt
an aeroben mesophilen Mikroorganismen, an
Escherichia coli
,
an
Enterobacteriaceae
sowie an koagulase-positiven
S. aure-
us
festgestellt. Darüber hinaus konnten in 25 g dieser Teilpro-
be mittels eines immunchemischen Untersuchungsverfahrens
Staphylokokken-Enterotoxine festgestellt werden. Diese Probe
wurde als gesundheitsschädlich beurteilt. Ebenfalls als gesund-
heitsschädlich wurden eine Probe Borschtsch (Suppenspezialität
nach russischer Art) und eine Probe „Linsen-Eintopf mit Würst-
chen“ beurteilt. Beide Proben wurden als Verbraucherbeschwer-
de zur Untersuchung eingereicht. In dem Linseneintopf befanden
sich zwei Keramiksplitter mit einer Größe von circa 7 x 4 mm
und 6 x 5 mm und einer grünen, glänzenden Glasur. Die Splitter
waren unregelmäßig geformt, spitz und scharfkantig. Auch in
der Probe Borschtsch befand sich ein circa 6 x 2 mm großer, un-
regelmäßig geformter, durchsichtiger, farbloser, scharfkantiger
Fremdkörper aus Glas (Splitter).
Von den 1.129 auf Pflanzenschutzmittel untersuchten Proben
waren 21 Proben aufgrund der Überschreitung von Rückstands-
höchstgehalten zu beanstanden. Dabei handelte es sich um 3
Proben chinesisches Gemüse, je 2 Proben Fenchel (Gemüse) und
Champignons sowie je eine Probe Möhren, Lollo Bionda, weiße
Bohnen, Äpfel, getrocknete Morcheln, Auberginen, Kopfsalat,
Mangustane, Sultaninen, Bockshornkleeblätter und gemahle-
nem Kardamom, Chili, Pfeffer und Paprika. Außerdem waren 12
Proben aufgrund unzulässiger Pflanzenschutzmittelanwendung
zu beanstanden (siehe Abschnitt „Pestizide“). Der festgesetzte
Höchstgehalt an Nitrat wurde im Jahr 2017 bei drei Proben (Ru-
cola, Kopfsalat und Blattspinat) überschritten.
Die im Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 für getrock-
nete Gewürze festgelegten Höchstgehalte für Benzo(a)pyren
und für die Summe von Benzo(a)pyren, Benz(a)anthracen, Chry-
sen und Benzo(b)fluoranthen wurden bei einer Probe Paprika
gemahlen und einer Probe schwarzem Pfeffer überschritten.
Außerdem wurden 15 Proben beanstandet, weil technologisch
wirksame Zusatzstoffe für den entsprechenden Verwendungs-
zweck entweder nicht zugelassen oder die festgelegte Höchst-
menge überschritten war.
Als irreführend gekennzeichnet wurden im Berichtszeitraum bei
den oben genannten Warengruppen 99 Proben beanstandet,

image
│33
dabei entfielen allein 38 Proben auf die Produktgruppe „Fertig-
gerichte“, worauf im Folgenden näher eingegangen wird.
Tierartbestimmung in Fertiggerichten
Die Tierartbestimmung mittels Protein- und DNA-Nachweis
ist ein Untersuchungsschwerpunkt, um Verbrauchertäuschung
durch falsche Angabe der Tierart aufzudecken. Für in Deutsch-
land hergestellte Fleischerzeugnisse ist in den Leitsätzen für
Fleisch und Fleischerzeugnisse die allgemeine Verkehrsauffas-
sung für eine Vielzahl von Lebensmitteln beschrieben. Leitsätze
dienen somit als Schutz vor Täuschung, denn sie stellen dar,
welche Produktqualität Verbraucher bei Verwendung einer be-
stimmten Bezeichnung üblicherweise erwarten dürfen, also was
der redlichen Herstellungspraxis und der berechtigten Verbrau-
chererwartung entspricht.
Im Jahr 2017 wurden an der Landesuntersuchungsanstalt 38
Proben aus dem Bereich „Fertiggerichte“ aufgrund irreführen-
der Bezeichnung beanstandet. So wurde z. B. bei zwei Proben
„Ragout fin“ nur Hühnerfleisch nachgewiesen. Die Bezeichnung
„Würzfleisch“ wäre hier leitsatzkonform. „Hackbeefsteak“ darf
nur aus Rindfleisch hergestellt werden. Bei drei Proben wurde
neben Rindfleisch auch Schweinefleisch festgestellt. Wird bei
„Gulasch“ oder auch „Gulaschsuppe“ Fleisch anderer Tierarten
als Rind verwendet, so muss dies in unmittelbarer Wortver-
bindung mit der Bezeichnung angegeben werden. Von den 11
untersuchten Proben mussten 5 Proben aus der Gastronomie
beanstandet werden, da teilweise oder ausschließlich Schwei-
nefleisch verarbeitet wurde.
Der vergleichsweise hohe Anteil der als irreführend bezeichne-
ten Fleischerzeugnisse geht auf die Untersuchung von „Döner
Kebab“ zurück (Abbildung 8). Seit 2002 ist die allgemeine Ver-
kehrsauffassung von Döner Kebab in den Leitsätzen für Fleisch
und Fleischerzeugnisse des Deutschen Lebensmittelbuches be-
schrieben. Nach den Leitsätzen besteht Döner Kebab üblicher-
weise aus Rind- und/oder Schaffleisch. 15 als „Döner Kebab“,
„Döner“ oder „Döner Teller“ bezeichnete Proben entsprachen
diesen Anforderungen nicht, da neben Rindfleisch auch Puten-,
Hühner- und/oder Schweinefleisch nachgewiesen wurde. Ein
„Döner Kebab“ kann auch unter Verwendung von Fleisch an-
derer Tierarten, wie z. B. Pute oder Huhn, hergestellt werden.
Dies muss aber in Verbindung mit der Bezeichnung kenntlich
gemacht werden. Die Verwendung von Schweinefleisch zur
Herstellung einer dem islamischen Kulturkreis zuzurechnenden
Spezialität verbietet sich von selbst, weshalb Döner Kebab durch
Schweinefleischzusatz zu einem „Aliud“ (lateinisch: alius; etwas
anderes) wird und eine andere Bezeichnung tragen muss. Für
Drehspieße aus Schweinefleisch gibt es die Bezeichnung „Gy-
ros“, eine aus Griechenland stammende Spezialität.
Die Mehrzahl der Imbissbetriebe, die Döner Kebab anbieten, be-
ziehen die Drehspieße von spezialisierten Herstellern. Dabei ist
festzustellen, dass der vom Hersteller angebrachten Etikettie-
rung die Abweichungen von der Verkehrsauffassung – wie bei-
spielsweise Bindemittel, Pflanzeneiweiß, Trinkwasser, ein erhöh-
ter Hackfleischanteil oder eine Verwendung anderer Tierarten
als Rind/Schaf – zu entnehmen sind. Auf den Originaletiketten
der Hersteller sind diese Erzeugnisse korrekt als „Hackfleisch-
drehspieße“ oder „Drehspieße nach Döner- Kebab-Art“ bezeich-
net. Eine Weitergabe dieser Informationen an den Endverbrau-
cher findet jedoch häufig nicht statt. Derartige Produkte, die von
der allgemeinen Verkehrsauffassung abweichen, dürfen nicht
als „Döner“ bezeichnet werden.
Getränke
Abbildung 8:
Döner Kebab
Im Jahr 2017 wurden 1.666 Getränkeproben zur Untersuchung
vorgestellt, davon wurden 281 Proben beanstandet. Die Waren-
gruppe mit der höchsten Beanstandungsquote sind wiederum
die alkoholfreien Erfrischungsgetränke (27,2 %). Danach schlie-
ßen sich die Warengruppen der weinähnlichen Getränke, Spiri-
tuosen, Biere und Fruchtsäfte an. Beanstandungsquoten unter
15 % sind bei Mineral-, Quell- und Tafelwasser, weinhaltigen
Getränken und Wein zu verzeichnen. Schwerpunkt der Bean-
standungen stellen wie immer Kennzeichnungsmängel dar. Am
Beispiel der Smoothies soll in diesem Jahr die Untersuchungs-
breite bis hin zur Kennzeichnungsbeurteilung, einschließlich der
Werbung im Internet, dargestellt werden. Ein weiterer Abschnitt
beleuchtet die Qualität der Trinkwasserversorgung in mobilen
Verkaufseinrichtungen und Imbissständen. Derartige Trinkwas-
serproben fallen in den Zuständigkeitsbereich der Lebensmittel-
überwachung, die Untersuchung und Beurteilung ist im Bereich
Getränke angesiedelt.
Smoothies – der neue Trend unter der Lupe
Smoothies sind das Trendgetränk der letzten Jahre: viel Obst und
Gemüse, komprimiert in einer Flasche und, ganz dem Conveni-
ence-Gedanken entsprechend, einfach zum Trinken. Smoothies
bestehen in der Regel aus pürierten Früchten und Fruchtsaft. Der
Name „Smoothie“ leitet sich aus dem englischen Wort „smooth“
her, was beschreibend für die Konsistenz und das Mundgefühl
der Getränke mit sämig, geschmeidig und weich steht. Oft ent-
halten Smoothies auch Gemüse oder sogenannte Superfoods.
Unter Superfoods werden besonders nährstoffreiche Lebensmit-
tel verstanden. Während anfangs vorrangig exotische Super-
foods wie Gojibeere, Acai, Chia oder Matcha,im Fokus standen,
werden auch einheimische Superfoods wie Heidelbeere, Grün-
kohl oder Leinsamen wieder entdeckt. Im Jahr 2017 wurden die
Smoothies in Bezug auf ihre Kennzeichnung, mikrobiologische
Qualität und chemische Zusammensetzung unter die Lupe ge-
nommen (Abbildung 9).

image
34 │
Smoothies stehen sinnbildlich für eine gesunde und moderne
Ernährung. Allerdings sollte der Verbraucher Auslobungen be-
sonders kritisch gegenüber stehen. Auf den Internet-Seiten der
Hersteller, auf denen sich vor allem die junge Generation in-
formiert, findet die hauptsächliche Bewerbung dieser Produk-
te statt. Gerade wenn sogenannte Superfoods enthalten sind,
werden diese oft mit nährwert- und gesundheitsbezogenen
Angaben beworben. So werden Inhaltsstoffe von Zutaten aus-
gelobt, obwohl die Zutat im Produkt in verschwindend geringer
Menge enthalten ist. Im Sinne der Verordnung über nährwert-
und gesundheitsbezogene Angaben muss von dem beworbenen
Inhaltsstoff aber eine Menge im Produkt enthalten sein, von
der auszugehen ist, dass sie eine positive ernährungsbezoge-
ne oder physiologische Wirkung hat. Beispielsweise wurde bei
einem Smoothie für die Zutat Matcha der hohe Gehalt an An-
tioxidantien, Vitaminen, Mineralstoffen und die Wirkung auf
den Stoffwechsel beworben. Letztendlich enthielt das Produkt
allerdings nur 0,1 % Matcha. Auch im Zuge des Detox-Trends
werden Smoothies gern mit entgiftenden Eigenschaften bewor-
ben. Zum derzeitigen Stand sind aufgrund der unzureichenden
wissenschaftlichen Datenlage noch keine gesundheitsbezoge-
nen Angaben zum Entgiften zugelassen worden. Im Berichtsjahr
wurden 38 Smoothies bezüglich ihrer Kennzeichnung geprüft,
wovon einige Produkte auch mehrfach zur Untersuchung vorge-
stellt wurden. Bei drei Produkten wurden unzulässige nährwert-
und gesundheitsbezogene Angaben festgestellt.
Hygiene spielt bei frisch hergestellten Smoothies aus gastro-
nomischen Einrichtungen wie Bars, Kaffees, Bistros oder Kanti-
nen eine wichtige Rolle. Die frischen Smoothies sind aufgrund
der fehlenden Wärmebehandlung zwar besonders vitamin- und
nährstoffreich, allerdings ist auch Aufmerksamkeit bezüglich
der mikrobiologischen Qualität geboten. Hier ist ein hohes Maß
an Sachverstand beim Gastronom bezüglich der Reinigung der
Früchte und des Gemüses, der Hygiene der Küchenutensilien
und der anschließenden kühlen Lagerung von vorbereiteten
Smoothies gefragt. Im Jahr 2017 wurden elf frische Smoothies
aus gastronomischen Einrichtungen auf pathogene Keime un-
tersucht. In nur einem Fall wurde ein Gehalt an Listerien festge-
stellt, der allerdings noch nicht als kritisch zu beurteilen war. Die
anderen zehn Proben waren bezüglich pathogener Keime unauf-
fällig. Dies zeigt, dass der Großteil der Gastronomen sein Hand-
werk versteht. Ebenso wurden sechs pasteurisierte Smoothies
auf pathogene Keime untersucht, wobei ein Smoothie mit einem
neuartigen Hochdruckverfahren behandelt wurde. Je nach Art
des Produktes und der Pasteurisation sind die Smoothies ent-
weder gekühlt oder ungekühlt in den Geschäften zu finden. Hier
waren die mikrobiologischen Werte unauffällig.
Während zu Beginn der Smoothie-Ära diese hauptsächlich
aus Obst bestanden, geht der Trend nun weiter zu den grünen
Smoothies. Ursächlich hierfür ist, dass der klassische Obst-
Smoothie sehr viel Zucker enthält und von der Zucker- und
Kalorienbilanz einer Cola gleichzusetzen ist. Bei den grünen
Smoothies wird ein Teil durch Gemüse ersetzt. Beliebt sind hier
Mischungen mit Spinat, Gurke, Grünkohl oder Rucola. Abhän-
gig vom Gemüseanteil sind diese deutlich kalorienärmer. In den
meisten grünen Smoothies beträgt der Gemüseanteil um die
20 %, da dies sensorisch vom Verbraucher gut akzeptiert wird.
Es gibt aber auch Produkte mit deutlich höheren Gemüsean-
teilen. Die grünen Smoothies standen im Jahr 2017 im Fokus
der Untersuchung. Abhängig vom Gemüseanteil und dem ver-
wendeten Gemüse kann durch die grünen Smoothies ein rela-
tiv hoher Gemüseanteil verzehrt werden, der den Verzehr durch
eine normale Ernährung deutlich übersteigt. Durch den Verzehr
von großen Mengen an ungekochtem Gemüse wie Spinat, Man-
gold, Grünkohl oder Rhabarber können hohe Konzentrationen
von natürlichen, gesundheitlich bedenklichen Inhaltsstoffen wie
Nitrat und Oxalsäure aufgenommen werden. Oxalsäure kann
bei hoher Aufnahme zur Bildung von Blasen- und Nierenstei-
nen führen. Nitrat kann im Körper zu Nitrit reduziert werden,
welches Ausgangsprodukt für die Bildung von krebserregenden
N-Nitrosaminen ist. Gesetzliche Höchstmengen bestehen für
Smoothies nicht, allerdings sind in der VO (EG) Nr. 1881/2006
Nitrat-Höchstmengen für bestimmte Gemüse wie Spinat, Ru-
cola und Salat genannt. Im Berichtsjahr wurden insgesamt 26
grüne Smoothies auf Nitrat untersucht. Die Werte lagen im
Bereich von 19,0 - 228,9 mg/l (Mittelwert 84,5 mg/l). Durch
die WHO wurde eine duldbare tägliche Aufnahmemenge (ADI-
„acceptable daily intake“) von 3,7 mg/kg Körpergewicht abge-
leitet. Bei einer Person mit 70 kg Körpergewicht entspräche
dies einer Nitratmenge von 259 mg pro Tag, die ohne Risiken
täglich aufgenommen werden kann. Aufgrund der üblichen Ver-
zehrsmenge von 250 ml Smoothie leisten grüne Smoothies zwar
einen Beitrag zur Nitrataufnahme, diese ist aber als unkritisch
zu betrachten. Oxalsäure wurde in 25 grünen Smoothies un-
tersucht. Hier wurden Gehalte im Bereich von 3,5 - 283,1 mg/l
(Mittelwert 85,5 mg/l) festgestellt. Die Oxalsäure-Gehalte der
Smoothies sind somit als gering einzuschätzen. Ursächlich hier-
für ist, dass der Großteil der grünen Smoothies aus oxalsäurear-
men Früchten besteht.
Zusammenfassend können Smoothies die Ernährung sinnvoll
ergänzen. Im Rahmen der im Berichtsjahr durchgeführten Un-
tersuchungen konnte den Produkten eine gute mikrobiologische
und chemische Qualität zugesprochen werden. Nur den Werbe-
versprechen sollte der Verbraucher kritisch gegenüber stehen.
Denn ein Zaubertrank sind auch die Smoothies nicht.
Lebensmittelhygiene - Trinkwasserversorgung in mobilen
Verkaufseinrichtungen und Imbissständen
Mobile Verkaufseinrichtungen oder Imbissstände, die oft auf
Märkten, Festen oder in der Nähe von Parkplätzen oder Ein-
kaufszentren anzutreffen sind, führen fast immer Trinkwasser
zum Zubereiten von Lebensmitteln, zur Reinigung von Küchen-
geräten oder zum Händewaschen mit. Das Trinkwasser wird in
der Regel am Firmensitz, im privaten Haushalt oder an einer
Abbildung 9:
Auswahl am Smoothie-Sortiment

│35
nahegelegenen Trinkwasserentnahmestelle gezapft und in ver-
schiedener Art und Weise in den mobilen Einheiten bereitge-
stellt. Die Art der Bereitstellung reicht vom einfachen Eimer mit
Deckel bis zur Kanisterwasserpumpanlage.
Rechtlich gesehen handelt es sich bei den vorgestellten Wässern
um Trinkwasser im Sinne von § 3 Nr. 1 b) der Trinkwasserver-
ordnung (TVO). Sofern die vorhandene Wasseranlage nicht als
„mobile Versorgungsanlage“ im Sinne von § 3 Nr.2 d) TVO ein-
zustufen ist – wovon auszugehen ist – endet mit der Entnahme
des Wassers aus dem zentralen Trinkwassernetz der Geltungs-
bereich der TVO (§ 8 Nr.1 TVO). Danach richten sich die Anfor-
derungen für das entnommene Wasser nach den einschlägigen
lebensmittelrechtlichen Bestimmungen.
Sogenannte „Kanisterwässer“ werden von den sächsischen Le-
bensmittelüberwachungs- und Veterinärämtern seit Jahren
schwerpunktmäßig beprobt und an der LUA Sachsen untersucht
und beurteilt. Im Jahr 2017 wurden 42 Proben zur Untersu-
chung vorgestellt.
Kanisterwässer werden vorrangig mikrobiologisch untersucht.
In der VO (EG) Nr. 852/2004 werden Anforderungen für orts-
veränderliche bzw. nichtständige Betriebsstätten sowie an die
Wasserversorgung festgelegt. Danach muss das Wasser der
Trinkwassernorm entsprechen. Ausnahmen sind jedoch möglich.
Von den insgesamt 42 Proben wurden 35 Wässer mikrobio-
logisch nach den Vorschriften der TVO untersucht. 21 Proben
(60 %) entsprachen nicht den Anforderungen der TVO. Die
hohe Quote an abweichenden Proben wird seit vielen Jahren
beobachtet. Ist ein Lebensmittelunternehmer erst einmal in
den Fokus geraten, folgen Auflagen und Nachproben, bis die
Wasserqualität stimmt. Doch es gibt unendlich viele mobile
Verkaufseinrichtungen und Imbissstände mit scheinbar wenig
hygienebewussten Betreibern.
Ein Blick auf die Art der ermittelten Keime zeigt, dass vor allem
erhöhte Koloniezahlen bei 36 °C (20 Proben), gefolgt von coli-
formen Bakterien (10 Proben) dominieren (Abbildung 10). Derar-
tige Befunde sollten den Lebensmittelunternehmer wachrütteln.
Sie deuten auf ein hohes Verkeimungspotenzial des Wasserbe-
hälters bzw. der Wasseranlage hin und sollten zu regelmäßigen
gründlichen Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen und
täglichem Wasserwechsel führen. Die Funde von
E. Coli
(1 Pro-
be) und Enterokokken (3 Proben) sind dagegen deutlich geringer,
jedoch um ein Vielfaches kritischer zu bewerten, da hier eine fä-
kale Kontamination möglich ist. Krankheitserreger können dann
nicht mehr ausgeschlossen werden. Diese Keime gelangen vor
allem durch die Um- und Abfüllung und dem damit verbunde-
nen händischen Kontakt in die Kanisterwässer. Ebenfalls kritisch
ist der Nachweis von Pseudomonas aeruginosa (6 Proben) zu
bewerten. Der typische „Wasserreservoir“-Keim ist ein fakulta-
tiv pathogenes Bakterium. Von besonderer Relevanz ist, dass er
beim Kontakt mit vorgeschädigter Haut zum Teil schwer verlau-
fende, eitrige Wundinfektionen verursacht. Der Keim gilt damit
als einer der wichtigsten durch Wasser übertragenen Erreger
von Krankenhausinfektionen, wobei häufig eine hohe Antibio-
tikaresistenz besteht.
Nicht jede mikrobiologisch auffällige Probe wurde auch tat-
sächlich beanstandet. Formalrechtlich beanstandet wurden
Nachweise eindeutiger Fäkalindikatoren und des fakultativ
pathogenen Keims Pseudomonas aeruginosa bei 9 Proben. Die
restlichen 12 Proben wurden mit Hygienehinweisen belegt.
Mit einem schlechten Untersuchungsbefund vor Augen wird
so mancher Lebensmittelunternehmer zum Desinfektionsmittel
greifen, doch falsch angewendet lauert das nächste Problem.
So wurden 2017 auch 7 Kanisterwässer auf Desinfektionsmittel
und Desinfektionsmittelnebenprodukte geprüft. Im Fokus stan-
den dabei Trihalogenmethane, Bromat, Chlorit, Chlorat, freies
Chlor, Chlordioxid, Ozon und Silber. Die rechtlichen Regelun-
gen hierzu sind diffus. Strittig ist, ob und mit welchen Stof-
fen Kanisterwässer desinfiziert werden dürfen. Für Trinkwasser,
welches sich noch im Geltungsbereich der TVO befindet, ist die
UBA (Umweltbundesamt)-Liste der Aufbereitungsstoffe und
Desinfektionsverfahren gemäß § 11 der Trinkwasserverordnung
maßgebend. Speziell im Teil I c der Liste werden die Stoffe Cal-
ciumhypochlorit, Chlor, Chlordioxid, Natriumhypochlorit und
Ozon zur Desinfektion von Trinkwasser zugelassen. Unter an-
derem werden auch zulässige Konzentrationen nach Abschluss
der Aufbereitung und Höchstwerte für Nebenprodukte festge-
legt. Diese Liste hat für Trinkwasser außerhalb des Geltungs-
bereichs der TVO, damit für Kanisterwässer, keine Relevanz. Für
Kanisterwässer wäre zunächst auf die zusatzstoffrechtlichen
Regelungen in der VO (EG) 1333/2008 zu verweisen. Stoffe zur
Trinkwasserdesinfektion sind jedoch im Anhang II der VO (EG)
1333/2008 an keiner Stelle als Lebensmittelzusatzstoff zuge-
lassen. Fraglich ist, inwieweit § 6a in Verbindung mit Anlage 6a
ZZulV noch rechtswirksam ist. Die Vorschrift regelt den Zusatz
von Zusatzstoffen für Trinkwasser im lebensmittelrechtlichen
Bereich. Dort sind aber nur Silber (E 174), Silberchlorid, Silber-
sulfat, Natriumsilberchloridkomplex und Silbernitrat zur Kon-
servierung von Trinkwasser bei nicht systematischem Gebrauch
zugelassen. Beachtenswert könnten in diesem Zusammenhang
auch die Bestimmungen der Biozidverordnung (EU) 528/2012
sein. Nach Biozidverordnung sind Wasserstoffperoxid, Peres-
sigsäure, Natriumhypochlorit, Calciumhypochlorit und Chlor
zur Trinkwasserdesinfektion zugelassen. Bei der Beurteilung der
Proben musste dieser Punkt leider offen bleiben. Zulässig ist je-
doch in jedem Fall die Desinfektion der Behältnisse und Anla-
gen, sofern diese vor Benutzung wieder ausreichend klargespült
werden.
Unter Verweis auf Anlage 2 Teil II TVO, die UBA-Liste und Anlage
6a ZZulV wurden von keiner Probe Höchstkonzentrationen an
Desinfektionsmitteln und Desinfektionsmittelnebenprodukten
überschritten. Aus gesundheitlicher Sicht besteht damit kein
Grund zur Besorgnis.
0
5
10
15
20
Keimarten
Anzahl der Proben
Koloniezahl bei 20 °C
>1000 KbE/ml
Koloniezahl bei 36 °C
>100 KbE/ml
Coliforme Bakterien
nachweisbar in 100 ml
Escherichia coli
nachweisbar in 100 ml
Enterokokken
nachweisbar in 100 ml
Pseudomonas aeruginosa
nachweisbar in 100 ml
Clostridien
nachweisbar in 100 ml
Abbildung 10: Keimartenverteilung bei den abweichenden Kanisterwasserpro-
ben im Jahr 2017

image
36 │
Nahrungsergänzungsmittel
Im Jahr 2017 wurden 228 Nahrungsergänzungsmittel und 11
Ergänzungsnahrungen zur Untersuchung und Beurteilung ein-
gereicht. 129 Proben (54 %) entsprachen nicht den rechtlichen
Vorgaben. Darüber hinaus wurde bei 24 weiteren Proben auf
das Aussprechen einer formellen Beanstandung verzichtet, aber
über das Vorliegen von geringfügigen Abweichungen in der
Kennzeichnung und Bewerbung schriftlich hingewiesen. 2017
wurden fünf Proben aufgrund ihrer hohen Blei- und Alumini-
umgehalte als nicht sichere Lebensmittel beurteilt. Eine Probe
Gerstengras wies eine Höchstwertüberschreitung an einem Pes-
tizid auf. Abweichungen zwischen analytisch ermittelten und
deklarierten Gehalten an Nährstoffen und sonstigen ernäh-
rungsphysiologisch relevanten Inhaltsstoffen wurden in 15 Fäl-
len festgestellt. Vier als Nahrungsergänzungsmittel vertriebene
Produkte wurden vom Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB)
als nicht zugelassene Arzneimittel eingestuft. Die meisten Bean-
standungen werden jedoch nach wie vor aufgrund irreführender
oder unzulässiger Bewerbung der Produkte ausgesprochen, wo-
bei vor allem die Angaben in den verschiedenen Online-Shops,
aber auch auf den Internetseiten der Produktverantwortlichen,
Anlass zur Kritik geben.
Die nachfolgende Tabelle 2 gibt eine grobe Übersicht über die
eingereichten Proben sowie deren Anteil an ausgesprochenen
Beanstandungen.
Tabelle 2: Probenübersicht mit Beanstandungsquoten
Produktgruppe
Probenanzahl/davon
Beanstandungen
Prozentualer Anteil an
Gesamtprobenzahl/Ge-
samtbeanstandungszahl
Vitamin-Mineralstoff-
Produkte
131/54
54,8 %/41,9 %
Produkte mit sekundären
Pflanzenstoffen
45/33
18,8 %/25,6 %
Omega-3-Fettsäure-
Präparate
19/5
8,0 %/3,9 %
Eiweiß- bzw. Aminosäure-
produkte
9/9
3,8 %/7,0 %
Sonstige
35/28
14,6 %/21,7 %
Vermarktung von Zeolith-Klinoptilolith im Spannungsfeld
Lebensmittel - Medizinprodukt
„Im Jahre 1756 fand der schwedische Baron Axel F. Cronstedt
einen Namen für eine Gruppe von Mineralien, die zu brodeln
beginnen, wenn sie stark genug erhitzt werden, gerade so, als
würden sie sieden. Deshalb nannte er sie Zeolithe – „siedende
Steine“. Bisher sind etwa 40 solcher natürlich vorkommender
Zeolithe bekannt, ...“. Natürliche Zeolithe sind aus Vulkangestein
bzw. tuffhaltigen Ablagerungen entstanden und gehören zur
Gruppe der kristallinen (Alumo-)Silikate. Zeolithe bestehen aus
einer mikroporösen Gerüststruktur aus AlO
4−
− und SiO
4−
−Tetra-
edern, die je nach Strukturtyp eine Struktur aus gleichförmigen
Poren und/oder Kanälen ergeben, in denen Stoffe adsorbiert
werden können. In der Natur ist dort in der Regel Wasser adsor-
biert, das durch Erhitzen aus den Poren entfernt werden kann,
ohne dass sich die Zeolithstruktur ändert. Zeolithe haben eine
anionische Gerüstladung. An der inneren und äußeren Oberflä-
che befinden sich daher bei aluminiumhaltigen Zeolithen Kat-
ionen. In wasserhaltigen Zeolithen liegen diese Kationen häufig
in gelöster Form in den Kanalsystemen der Zeolithe vor, sind
also relativ leicht zugänglich und damit austauschbar. Übliche
Kationen sind Na
+
, K
+
, Ca
2+
und Mg
2+
.
Klinoptilolith ist eines der am häufigsten vorkommenden natür-
lichen Zeolithe (Abbildung 11). Chemisch gesehen handelt es
sich um wasserhaltige Alumosilikate, die als verbindende Kat-
ionen Calcium, Kalium bzw. Natrium aufweisen. Klinoptilolith
kommt häufig als tafeliges Kristall vor und weist eine käfigar-
tige Struktur auf. Die negativen Ladungen der Gerüsteinheiten
werden hier insbesondere durch Kalzium, Magnesium, Natrium,
Kalium und Eisen ausgeglichen. Die genannten Ionen können
leicht durch andere Substanzen, beispielsweise Schwermetalle
und Ammoniumionen, verdrängt werden (Kationenaustausch),
wodurch sich eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten er-
gibt.
So wird Klinoptilolith z. B. als Ionenaustauscher, Katalysator,
Adsorptionsmittel, zur Wasseraufbereitung und als Zusatz im
Viehfutter eingesetzt. Die hohe Ionenaustauschkapazität soll
aber auch für den menschlichen Körper von großem Nutzen
sein. Entsprechend gibt es zahlreiche Anbieter von Zeolith-
Klinoptilolith, die ihre Produkte als Medizinprodukte, Nahrungs-
ergänzungsmittel oder Lebensmittel eigener Art anbieten. In
der Regel werden die Präparate dahingehend beworben, dass
sie durch die Ausleitung von Schwermetallen (z. B. Blei, Cadmi-
um, Quecksilber) zur Entgiftung des Darms und der Entlastung
der Leber und Niere beitragen (Detox-Produkte). Des Weiteren
Nahrungsergänzungsmittel, Lebensmittel für besondere Verbraucher-
gruppen, Mahlzeitersatz
Abbildung 11: Klinoptilolith-Na aus Rodalquilar, Almería, Andalusien,
Spanien (Sichtfeld 2,5 mm) (Quelle: von Christian Rewit-
zer, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.
php?curid=14865894)

│37
wird oftmals die Möglichkeit zur Bindung von Mykotoxinen und
auch von Histamin herausgestellt, außerdem soll Klinoptilolith
das Immunsystem stärken können. Laut Werbeaussagen hilft es
auch dabei, den Wasser-, Mineralstoff- und Säure-Basen-Haus-
halt zu regulieren und den Stoffwechsel anzukurbeln.
Während verschiedene Hersteller für ihre Zeolith-Klinoptilolith-
Präparate eine Zulassung für die Vermarktung als Medizinpro-
dukt haben und diese damit rechtmäßig im Verkehr sind, trifft
Letzteres für das Inverkehrbringen als Lebensmittel nicht zu. Bei
Klinoptilolith handelt es sich um ein neuartiges Lebensmittel
bzw. eine neuartige Lebensmittelzutat, für das keine Zulassung
vorliegt. 2004 wurde für Clinoptilolite (Klinoptilolith) bei der
Kommission ein Novel Food-Antrag nach Art. 4 der VO (EG) Nr.
258/97 gestellt, der jedoch im Ergebnis der Erstprüfung durch
die FSA (Food Standard Agency, UK) aufgrund unzureichender
Daten zur Sicherheit abgelehnt wurde. Demzufolge dürfen der-
artige Produkte weder als Nahrungsergänzungsmittel noch als
Lebensmittel eigener Art vermarktet werden.
Diesem Verbot stehen zahlreiche Angebote - vor allem über das
Internet - gegenüber. Häufig ist diesen Seiten nicht ohne Wei-
teres zu entnehmen, welchem Rechtsrahmen die angebotenen
Präparate unterliegen, da dazu keine klaren Angaben gemacht
werden. In vielen Fällen wird auch über eingebettete Disclai-
mer darauf hingewiesen, dass Zeolith-Klinoptilolith in der EU
nicht als Lebensmittel verkehrsfähig ist. Dies ändert aber nichts
daran, dass unter bestimmten Umständen eine Einstufung und
Beurteilung als Lebensmittel erfolgen kann. Oft werden entwe-
der direkt durch den Produktverantwortlichen, über ihm zuzu-
ordnende Einträge in sozialen Netzwerken, oder über direkt zu-
gängliche Kundenbewertungen Angaben darüber gemacht, dass
das Produkt zur Anwendung am Menschen gedacht ist. Liegt in
solchen Fällen für das in Rede stehende Produkt keine Zulassung
als Medizinprodukt vor, qualifizieren alle Angaben, die mit einer
oralen Aufnahme in Verbindung stehen, das Produkt als Lebens-
mittel im Sinne der BasisVO.
Im Berichtszeitraum wurden der LUA mehrere Proben vorge-
legt, die Zeolith-Klinoptilolith ausschließlich oder in Kombina-
tion mit Bentonit enthielten. Die in Rede stehenden Produkte
wurden – wie oben dargelegt – aufgrund der Aufmachung, Be-
werbung und zugehöriger Kundenrezensionen als Lebensmittel
eingestuft und beurteilt. Im Rahmen der chemisch-analytischen
Untersuchung wurden die Gehalte verschiedener Mineralstoffe
und toxischer Elemente bestimmt. Alle Präparate wiesen auf-
fällig hohe Bleigehalte auf (9,7 bis 19,4 mg/kg) auf. Während
für Nahrungsergänzungsmittel in der VO (EG) Nr. 1881/2006 ein
Höchstwert von 3,0 mg/kg festgelegt ist, gibt es für Lebensmittel
eigener Art keine entsprechenden Vorgaben. Eine Beurteilung ist
daher nur über toxikologische Daten (hier über Benchmark-Do-
sen) möglich. In diesem Zusammenhang ist ausdrücklich darauf
hinzuweisen, dass bei dieser Betrachtung keine Unterscheidung
zwischen Gesamt- und magensäurelöslichem Bleigehalt erfolgt,
da in der oben genannten VO eine derartige Differenzierung
nicht vorgesehen ist. In zwei Proben wurden Überschreitungen
von Benchmark-Dosen festgestellt und die Produkte somit als
nicht sichere Lebensmittel beurteilt. Diese Beurteilung ergab
sich auch bei Betrachtung des Aluminiumgehaltes. Da es für
Aluminium keine Höchstmengenregelungen gibt, erfolgt hier
die toxikologische Bewertung der Aluminiumaufnahme unter
Zugrundelegung der tolerierbaren wöchentlichen Aufnahme
(tolerably weekly intake - TWI) von 1 mg/kg Körpergewicht. Es
wurden sowohl die Gesamtaufnahme an Aluminium als auch
die Aufnahme des biologisch verfügbaren Aluminiumanteils, der
mittels Magensäuresimulanzlösung extrahiert worden ist, be-
trachtet. In den vorgelegten Produkten wurden Aluminiumge-
halte von 2,9 bis 4,6 % ermittelt, wobei der bioverfügbare Anteil
zwischen 0,3 und 1,1 % lag. Der TWI-Wert für Aluminium wurde
bei allen Produkten - zum Großteil mehrfach - überschritten.
Über das unrechtmäßige Inverkehrbringen von nicht zugelasse-
nen und nicht sicheren Lebensmitteln hinaus wurden die Proben
aufgrund der Verwendung von unzulässigen krankheits- und ge-
sundheitsbezogenen Angaben beanstandet. Zudem waren alle
Produkte nicht nach den Vorgaben der VO (EU) Nr. 1169/2011
gekennzeichnet.
Da für die hier angesprochenen Präparate inzwischen jeweils
eine Zulassung als Medizinprodukt erteilt wurde, müssen die
Produkte nunmehr in einem neuen Rechtsrahmen beurteilt wer-
den. Aus unserer Sicht ist die Frage, wie der im magensauren
Milieu in ionischer Form vorliegende Gehalt an Aluminium toxi-
kologisch zu bewerten ist, nach wie vor nicht abschließend ge-
klärt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)
hat sich bereits 2008 intensiv mit der Sicherheit von Aluminium
aus der Nahrungsaufnahme befasst und den oben genannten
TWI abgeleitet (EFSA Journal (2008) 754, 1-34). Dass angesichts
der ohnehin vorhandenen Belastung mit Aluminium in der Be-
völkerung eine Minimierung jedes vermeidbaren, zusätzlichen
Eintrags angestrebt werden sollte, ist auf europäischer Ebene
z. B. daran erkennbar, dass im Anhang II der Verordnung (EG)
Nr. 1333/2008 Bentonit, Ca-Al-Silikat, Al-Silikat aus der Liste
zugelassener Lebensmittel-Zusatzstoffe gestrichen wurden.
Lebensmittel für besondere Verbrauchergruppen und
Mahlzeitersatz
Lebensmittel für spezielle Verbrauchergruppen (ehemals diäte-
tische Lebensmittel) sind seit dem 20.07.2016 durch die Verord-
nung (EU) Nr. 609/2013 geregelt. Darin sind allgemeine Zusam-
mensetzungs- und Informationsanforderungen für Lebensmittel
für Säuglinge und Kleinkinder, Tagesrationen für gewichtskon-
trollierende Ernährung und Lebensmittel für besondere medi-
zinische Zwecke festgelegt. Dagegen unterliegen Produkte, die
als Mahlzeitersatz für eine gewichtskontrollierende Ernährung
in den Verkehr gebracht werden und früher ebenfalls über die
Diätverordnung geregelt waren, nunmehr den allgemeinen le-
bensmittelrechtlichen Vorschriften sowie dem Regelungsbe-
reich der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und
gesundheitsbezogene Angaben.
Im Berichtsjahr 2017 wurden insgesamt 255 Proben dieser Pro-
duktkategorien zur Untersuchung und Beurteilung eingereicht.
Davon wurden 117 Proben (46 %) beanstandet und so die Quote
vom Vorjahr nur geringfügig unterschritten (48 %). Mehr als die
Hälfte der eingereichten Proben (135 Proben; 53 %) entfielen
auf Lebensmittel, die für Säuglinge und Kleinkinder bestimmt
sind. Davon wurden insgesamt 44 Proben (33 %) beanstandet,
circa 15 % weniger als 2016. Dagegen hat sich die Beanstan-
dungsquote der 78 Mahlzeiten und Tagesrationen für eine ge-
wichtskontrollierende Ernährung im Vergleich zum Vorjahr von
61 % auf 71 % erhöht.
Bei diesen Lebensmittelkategorien betreffen die festgestellten
Abweichungen im Gegensatz zu den Beanstandungsgründen bei
Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke meist Kenn-

image
38 │
Im Berichtsjahr wurden insgesamt 1.328 Proben aus den Pro-
duktgruppen Fette, Öle, Feinkost und Zusatzstoffe eingereicht
163 bzw. 12,3 % davon wurden beanstandet (Vorjahr 124 bzw.
9,7 %).
Für die Erzeugnisgruppen ist im Einzelnen folgendes an Sach-
verhalten und Auffälligkeiten anzumerken:
Frittierfett – immer ein heißes Thema
Frittieren ist ein Garprozess, bei dem wasserhaltige Lebensmittel
bei Temperaturen von 140 –180 °C vollständig in Speiseöl oder
-fett eintauchen. Dabei bildet sich zunächst innerhalb weniger
Sekunden eine dünne Kruste. Das im Lebensmittel gebundene
Wasser wird infolge der Verdunstung in der Randzone nach und
nach aus dem Inneren an die Randschicht transportiert und
schließlich an das umgebende Öl abgegeben. Ist dieser Vorgang
abgeschlossen, steigt die Temperatur im Inneren des frittierten
Gutes auf über 100 °C an. Es beginnt die Ausbildung des ty-
pischen Frittieraromas und –geschmacks sowie der goldgelben
Farbe.
Im Zuge des Garprozesses kommt es aber auch immer zu uner-
wünschten stofflichen Veränderungen. Durch Oxidations- und
Polymerisationsreaktionen entstehen sehr heterogene Mischun-
gen verschiedener polarer, cyclischer und aromatischer Ver-
bindungen sowie Polymere von Triglyceriden. Die Qualität des
Frittiermediums und infolge dessen auch des Frittiergutes wird
dabei negativ beeinflusst. Mit zunehmender Nutzungszeit rei-
chern sich diese Reaktionsprodukte im Frittiermedium an und
führen letztlich zu dessen Verderb.
Bei der Beurteilung von Frittierfetten und -ölen steht die Senso-
rik stets im Vordergrund. Diese wird im erwärmten Zustand (cir-
ca 35 °C) durchgeführt, da Geschmacksabweichungen in diesem
Temperaturbereich am ehesten feststellbar sind. Anhand von
Aussehen, Geruch und Geschmack wird beurteilt, ob ein Frit-
tierfett zum Verzehr durch den Menschen ungeeignet im Sinne
von Art. 14 Abs. 2 b) in Verbindung mit Abs. 5 der VO (EG) Nr.
178/2002 (Lebensmittel-Basisverordnung) ist. Zusätzlich dienen
einige chemisch-physikalische Parameter zur Objektivierung des
sensorischen Befunds. Diese wurden vom Arbeitskreis Lebens-
mittelchemischer Sachverständiger (ALS) festgelegt.
Weist das Frittierfett eindeutige Geruchs- und Geschmacks-
mängel auf – z. B. stark brandig, stark kratzend, ranzig, bitter,
seifig – und wird dies gegebenenfalls durch weitere analytische
Kriterien objektiviert, gilt es als verdorben. Verdorbene Frittier-
fette sind nach der Lebensmittel-Basisverordnung als nicht si-
chere Lebensmittel anzusehen und dürfen gewerbsmäßig nicht
in den Verkehr gebracht werden. Gleiches gilt für die in diesem
Fett frittierten Lebensmittel.
Frittierfette, die an der LUA zur Untersuchung eingehen, wer-
den zunächst von mehreren Sachverständigen auf ihre senso-
rische Beschaffenheit geprüft. Um weitere Anhaltspunkte zur
Verzehrsfähigkeit zu erhalten, wird das Frittierfett anschließend
auf die polaren Anteile, den Rauchpunkt, die Rauchpunktdiffe-
renz zum ungebrauchten Fett und die Säurezahl untersucht. Zu-
dem werden verschiedene Schnelltests – z. B. Fri-Test, Oxitest,
Schnelltest auf polare Anteile – durchgeführt, um die Belastung
des Frittierfettes abzuschätzen. Im Ergebnis zeigt beispielsweise
der Fri-Test, ob das in Frage stehende Fett „gut“, „noch gut“ oder
„auszutauschen“ ist. Zum Teil werden solche Schnelltests bereits
von den Frittierfettnutzern selbst verwendet.
In den letzten Jahren gingen circa 60 – 70 Proben Frittierfette
und –öle zur Untersuchung ein. Dabei wird stets das gebrauchte
Frittierfett mit dem ungebrauchten Originalfett verglichen (Ab-
bildung 12).
Im vergangenen Jahr wurden von 70 eingegangenen Proben
4 Frittierfette aufgrund abweichender Sensorik als „nicht zum
Verzehr geeignet“ beurteilt. Das entspricht einer Beanstan-
dungsquote von 6 %. Bei weiteren 11 Proben, welche senso-
risch (noch) akzeptabel waren, ergaben sich Überschreitungen
der vom ALS definierten Grenzen für chemisch-physikalische
Parameter. Insgesamt war damit circa jede fünfte Probe (21 %)
auffällig. Die Zahlen des letzten Jahres bestätigen bei leichtem
Rückgang die Daten der Jahre zuvor. Seit 2010 liegt die Anzahl
an auffälligen Proben im Bereich von 20 – 30 %. Hierbei ist je-
doch zu beachten, dass Frittierfette risikoorientiert entnommen
werden. Das heißt, vor allem länger gebrauchte bzw. auffällige
Proben werden zur Untersuchung eingereicht.
In Sachsen verwendete Frittierfette und –öle sind somit nach wie
vor häufig von unzureichender Beschaffenheit. Jedes fünfte Frit-
tierfett weist entweder eine schlechte chemisch-physikalische,
zeichnungsmängel und nur in Ausnahmefällen Abweichungen
von rechtlich vorgeschriebenen Zusammensetzungsanforderun-
gen. Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke, auch als
bilanzierte Diäten bezeichnet, waren zwar mit 30 Proben (12 %)
verhältnismäßig gering vertreten, aufgrund ihres außergewöhn-
lichen Anwendungsbereiches – unter ärztlicher Aufsicht zu ver-
wendende Lebensmittel zum Diätmanagement von Patienten –
nehmen sie aber eine Sonderstellung ein, auch aufgrund ihres
vergleichsweise hohen Beurteilungsaufwandes.
Fette, Öle, Feinkost, Zusatzstoffe
Abbildung 12: Ungebrauchtes (links) und gebrauchtes (rechts) Frittierfett

│39
aber noch akzeptable sensorische Qualität auf oder ergibt eine
deutlich abweichende Sensorik und ist damit nicht zum Verzehr
geeignet. Dies zeigt, dass die Verwender von Frittierfetten noch
nicht hinreichend über die Problemfelder des Frittierens und die
richtige Prozessführung aufgeklärt sind. Daher müssen Imbis-
se, Gaststätten, Bäckereien und Großkantinen auch weiterhin
beprobt werden. Im Tabellenteil (siehe LUA-Homepage, Tabelle
2.08) findet sich eine Aufstellung der Betriebsarten, aus denen
die Frittierfettproben entnommen wurden.
Bei sonstigen
Fetten
und
Ölen
dominieren Kennzeichnungs-
mängel allgemeiner Art. Daneben waren irreführende Angaben,
unzutreffende Nährwertdeklarationen und gehäuft falsche Aus-
sagen in Bezug auf die Gesundheit (health claims) zu belangen.
Bei vier Ölen wurden auffällige Werte bei Qualitätsparametern
wie Säurezahl und Peroxidzahl festgestellt. Die Öle wurden als
wertgemindert und im Falle von Olivenöl als irreführend beur-
teilt. Ein Sesamöl überschritt die Grenzwerte für Polyzyklische
aromatische Kohlenwasserstoffe. Bei
Butter/Buttererzeugnis-
sen
sind im vergangenen Jahr wiederum nur wenige auffällige
Proben zu verzeichnen gewesen.
Feinkosterzeugnisse
wurden wieder sehr umfangreich sowohl
als vorverpackte als auch als lose Ware mit insgesamt 875 Pro-
ben untersucht. Die Beanstandungsquote lag bei 12,7 % und
war somit höher als im Vorjahreszeitraum (9,9 %). Es dominier-
ten einerseits die Mängel in der Kennzeichnung vorverpackter
Ware hinsichtlich der Anforderungen nach Artikel 9 und 10
der LMIV (71 Fälle) sowie andererseits eine nicht erfolgte oder
fehlerhafte Kenntlichmachung von Zusatzstoffen (22 Fälle)
als auch fehlende Allergenkennzeichnung (11 Fälle) vor allem
bei nicht vorverpackter Ware. Nach Auswertung von 7 Proben
mit angegebener Nährwertdeklaration ergaben sich nach den
durchgeführten Analysen vor allem bei Fettwerten erhebliche
Abweichungen im Vergleich zu den jeweils deklarierten Werten.
Dieser Sachverhalt stellt bei Überschreitung der zur Zeit euro-
paweit empfohlenen Toleranzen (Leitfaden der Europäischen
Kommission Dezember 2012) eine Irreführung des Verbrauchers
nach § 11 Abs. 1 Nr. 1 LFGB in Verbindung mit Artikel 7 Abs.
1 LMIV dar und wurde dementsprechend beurteilt. Im Ergebnis
der mikrobiologischen Prüfung ergaben sich in 42 Proben – fast
ausschließlich von Feinkostsalaten – auffällige mikrobiologische
Befunde (Hygienemängel), welche als Befundmitteilung an das
jeweilige LÜVA gesandt wurden. Nur in 3 Fällen mussten Fein-
kostsalatproben aufgrund des Nachweises von pathogenen Kei-
men als gesundheitsschädlich im Sinne von Artikel 14 Abs. 1 Nr.
2a) BasisVO beurteilt wurden. In 3 weiteren Fällen waren Fein-
kostsalatproben aufgrund von abfälliger sensorischer Beschaf-
fenheit als nicht zum Verzehr geeignet gemäß Artikel 14 Abs.
2b) der BasisVO zu beurteilen. In diesem Sinne war ebenfalls
ein Krautsalat zur Beigabe für Dönererzeugnisse zu beurteilen,
welcher kleinere Schnipsel einer Kunststofffolie enthielt.
In 2 Fällen konnte die Verwendung von Zusatzstoffen nachge-
wiesen werden, welche gemäß VO (EG) Nr. 1333/2008 für diese
Erzeugnisgruppe nicht zulässig sind. So wurde ein Frühlingssalat
mit Cyclamat gesüßt und in einem zweiten Fall ein Algensa-
lat mit dem gelben Farbstoff E 102 (Tartrazin) und dem blauen
Farbstoff E 133 (Brillantblau CFC) zur Erzielung einer sattgrünen
Färbung versetzt. Bei 2 weiteren Proben Remoulade bzw. Ma-
yonnaise wurden die Kriterien bezüglich des Mindestfettgehal-
tes nicht eingehalten.
Im Jahr 2017 wurden im Fachgebiet mehr als 1.800 Proben auf
Zusatzstoff
untersucht. Insgesamt 23 Produkte wurden wegen
Höchstmengenüberschreitungen bzw. Verwendung nicht zu-
gelassener Zusatzstoffe beanstandet. Zu den insgesamt hohen
Beanstandungsquoten bei Zusatzstoffenuntersuchungen führen
jedoch in erster Linie Abweichungen von den speziellen Kenn-
zeichnungsvorschriften nach EU-Recht. Die Beurteilung der
Kenntlichmachung bei loser Ware erfolgt über die immer noch
gültige Zusatzstoffzulassungsverordnung.
Im Rahmen der lebensmittelchemischen Untersuchung von
Farbstoffen
wurden im Jahr 2017 insgesamt 841 Proben mit
einer Beanstandungsquote von rund 9 % untersucht. Es werden
dabei sowohl künstliche als auch natürliche Farbstoffe im Fach-
gebiet analysiert. Im Untersuchungsfokus standen besonders
die sogenannten Azofarbstoffe. Zu ihnen zählen unter anderem
E102 (Tartrazin), E110 (Gelborange S) sowie E124 (Cochenillerot
A). Diese speziellen Farbstoffe stehen im Verdacht, die Aktivität
und Aufmerksamkeit bei Kindern zu beeinträchtigen, weshalb
Produkte mit diesen Farbstoffen einen verpflichtenden Warn-
hinweis tragen müssen.
Bei der Untersuchung der
Süßungsmittel
waren im Jahr 2017
etwa 6 % der 485 analysierten Proben zu beanstanden. Zu den
Süßungsmitteln zählen unter anderem E950 (Acesulfam K),
E952 (Cyclamat) und E954 (Saccharin). Auch die sogenannten
Zuckeraustauschstoffe (Polyole), wie z. B. E967 (Xylit), werden
in der VO (EG) Nr. 1333/2008 unter den Süßungsmitteln sub-
sumiert. Von 88 darauf untersuchten Proben war dabei jedoch
keine auffällig.
Am häufigsten wird die Verwendung von
Konservierungsstoffen
im Rahmen der Überwachung von Zusatzstoffen in Lebensmit-
teln überprüft. Über 1.200 Proben wurden 2017 auf verschie-
dene konservierende Zusatzstoffe im Fachgebiet untersucht.
Beanstandet wurden hier mit einer Quote von rund 2 % unter
anderem fehlende Kennzeichnung und Kenntlichmachung sowie
die Überschreitung von zulässigen Höchstmengen und Nicht-
zulässigkeit in bestimmten Lebensmitteln. Zu den umfänglich
eingesetzten Konservierungsstoffen zählen die Sorbinsäure –
Sorbate (E200 – E203) und die Benzoesäure – Benzoate (E210
– E213). Im Tabellenteil (siehe LUA-Homepage, Tabelle 2.9) sind
die Untersuchungszahlen für Zusatzstoffe zusammengefasst.
Bei den
Hilfs- und Zusatzstoffen als Reinsubstanzen
(ZEBS
56/57) wurden im Jahr 2017 insgesamt 91 Proben untersucht.
Das Untersuchungsspektrum umfasst neben der Kennzeichnung
auch mikrobielle Parameter sowie die Einhaltung der Reinheits-
kriterien gemäß den Vorgaben der VO (EU) Nr. 231/2012. Auf-
grund von Kennzeichnungsmängeln mussten 17,6 % der Proben
beanstandet werden. Eine Probe Lebensmittelfarbe war zudem
wegen ihrer mikrobiellen Beschaffenheit auffällig und wurde
entsprechend beurteilt.

40 │
Bedarfsgegenstände und kosmetische Mittel
Die Aktivitäten im Bereich
Bedarfsgegenstände und kosmeti-
sche Mittel
im Berichtszeitraum lassen sich in folgende wesent-
liche Schwerpunkte untergliedern:
]
Weiterführung des Landesüberwachungsprogramms (LÜP)
zur Kontrolle der Guten Herstellungspraxis und rechtskonfor-
men Fertigung von Lebensmittelkontaktmaterialien im Rah-
men von Betriebskontrollen sowie weitere Teamkontrollen
von lokalen Betrieben,
]
Teamkontrollen zur Prüfung einer Checkliste zur bundesweit
einheitlichen Risikobeurteilung von Kosmetikbetrieben, ini-
tiiert vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucher-
schutz NRW sowie Betriebskontrollen zur Unterstützung der
Kontrolltätigkeit vor Ort,
]
Analytische Untersuchung und Beurteilung von Plan-, Ver-
dachts- und Beschwerdeproben, Konsolidierung und spezi-
fische Erweiterung bereits bestehender Analysenmethoden,
]
Kommentierung von Gesetzgebungsinitiativen, Aus- und
Weiterbildung.
Schwerpunkte im Untersuchungsbereich
Bedarfsgegenstände
sind vor allem solche mit Lebensmittelkontakt (598 Proben, Be-
anstandungsquote 20,2 %), Gegenstände mit nicht nur vorü-
bergehendem Körperkontakt (224 Proben, Beanstandungsquote
18,8 %), Spielwaren und Scherzartikel (86 Proben, Beanstan-
dungsquote 20,9 %) sowie Reinigungs- und Pflegemittel für den
häuslichen Bedarf und Mittel und Gegenstände zur Geruchsver-
besserung (93 Proben, Beanstandungsquote 23,7 %).
Von den insgesamt 1.001 Proben wurden 11,6 % aufgrund von
Kennzeichnungsmängeln beanstandet. Stoffliche Mängel waren
bei 10,6 % der Proben Grund der Beanstandung. Für 114 Proben
wurden Befundmitteilungen übermittelt, in denen auf geringe-
re Mängel, Substanzgehalte im oberen Grenzwertbereich, das
Agieren im rechtlichen Graubereich, die Notwendigkeit der Prü-
fung der Eigenkontrollen oder die Prüfung eines Sachverhalts in
einem anderen Zuständigkeitsbereich (z. B. Chemikalien- oder
Marktüberwachung) hingewiesen wurde.
Für den Untersuchungsbereich
Kosmetische Mittel
wurden im
Berichtsjahr insgesamt 759 Proben eingereicht, davon waren
205 (27,0 %) zu beanstanden. Bei weiteren 30 Proben wurde
über Befundmitteilungen auf bestehende Mängel hingewiesen.
Die Beanstandungsrate bleibt somit im Vergleich zum Vorjahr
unverändert hoch.
Wie in den vergangenen Jahren beruht der Großteil der Bean-
standungen bei 126 Proben (62 %) auf fehlerhaften Kennzeich-
nungen der kosmetischen Erzeugnisse. Die Beurteilung weiterer
54 Proben (26 %) beruht auf irreführenden Werbeaussagen auf
den Verpackungen und/oder Werbeprospekten bzw. auf den
Internetseiten der Hersteller. Eine Überschreitung gesetzlich
vorgeschriebener Höchstkonzentrationen oder die Anwesenheit
verbotener Stoffe wurde bei 11 % der untersuchten Proben fest-
gestellt.
Weiterhin wurden 4 Produkte eines amerikanischen Herstellers
von in Summe 17 untersuchten Tätowiermitteln als gesund-
heitsschädlich im Sinne von § 26 Nr. 1 LFGB beurteilt. Zwei
Proben, basierend auf dem schwarzen Farbstoff Carbon Black,
wiesen einen Summengehalt an polyzyklischen aromatischen
Kohlenwasserstoffen (PAK) von mehr als 40 mg/kg auf und
überschritten damit deutlich den vom Bundesinstitut für Risi-
kobewertung (BfR) empfohlenen Orientierungs(Grenz)wert von
0,5 mg/kg. Zwei weitere farbige Tätowiermittel fielen insbeson-
dere aufgrund ihrer hohen Gehalte an sensibilisierendem Nickel
(> 80 mg/kg) auf.
(Schwer-)Metalllässigkeit von Keramikgegenständen
Lebensmittelbedarfsgegenstände aus Keramik sind weit verbrei-
tet. Sie werden größtenteils für die Zubereitung und für den
Verzehr von Speisen verwendet. Keramikprodukte sind zunächst
porös und nehmen deshalb Feuchtigkeit auf, was für die meis-
ten küchentechnischen Anwendungen unerwünscht ist. Durch
Aufbringen einer Glasur wird die Oberfläche der Keramik was-
serundurchlässig. Daneben dient die Glasur auch zur farblichen
Gestaltung der Gegenstände. Als farbgebende Bestandteile für
Glasuren haben sich Metalloxide als gut geeignet erwiesen, da
diese hitzebeständig sind und somit auch nach dem Glasur-
brand ihre Farbintensität beibehalten. Bekannt ist zum Beispiel
die blaue Farbe durch Kobaltoxid, Grün kann durch Chromoxid,
Weiß durch Zinkoxid und Gelb- sowie Rottöne können durch
Cadmiumverbindungen erzielt werden. Bleioxid wird der Glasur
beigemischt, um die Schmelztemperatur des Siliziumdioxids,
dem Hauptbestandteil der Glasur, zu senken.
Bei Kontakt mit sauren Lebensmitteln können Metallionen auf-
grund elektrochemischer Vorgänge aus den Glasuren freigesetzt
und an das Lebensmittel abgegeben werden. Nach Artikel 3 der
VO (EG) Nr. 1935/2004 sind Gegenstände nach guter Herstel-
lungspraxis so herzustellen, dass sie unter den normalen oder
vorhersehbaren Verwendungsbedingungen keine Bestandteile
auf Lebensmittel in Mengen abgeben, die geeignet sind, die
menschliche Gesundheit zu gefährden oder eine unvertretbare
Veränderung der Zusammensetzung der Lebensmittel herbeizu-
führen.
Die toxische Wirkung von Blei ist seit langem bekannt. Aku-
te Vergiftungen treten selten auf, allerdings wirkt Blei auf das
zentrale Nerven- sowie Hormonsystem. Eine erhöhte Bleiexpo-
sition im Kindesalter (Beeinträchtigung der Gehirnentwicklung)
kann daher zu Langzeiteffekten bis hinein ins Erwachsenenalter
führen. Eine Schwellendosis, unterhalb derer keine Effekte zu
beobachten sind, kann nicht festgelegt werden (Stellungnahme
BfR Nr. 023/2005; EFSA Journal 2010; 8(4):1570 [151 pp.]).
Auch Cadmium ist seit langem als toxikologisch bedenkliches
Schwermetall bekannt und entsprechend der Verordnung (EG)
1272/2008 (CLP-Verordnung) als krebserregend der Kategorie
1B klassifiziert. Diese Kategorie gilt für Stoffe, die aufgrund
von Nachweisen bei Tieren als wahrscheinlich krebserregend für
den Menschen gelten. Bereits geringe Aufnahmemengen kön-
nen negative Effekte auf die Leber haben. Cadmium ist zudem
nierentoxisch und fördert die Demineralisierung der Knochen,
entweder direkt oder indirekt über eine Nierenfunktionsstö-
rung (Stellungnahme BfR Nr. 023/2005; EFSA Journal 2011;
9(2):1975. [19 pp.]).
Kobalt ist ein essentielles Spurenelement für den Menschen und
besitzt eine vergleichsweise geringe akute Toxizität. Allerdings
wirken sich erhöhte Dosen ebenfalls negativ auf den Organis-
mus aus. Deshalb gelten aus Gründen des vorbeugenden ge-
sundheitlichen Verbraucherschutzes Kobaltübergänge, die über

image
│41
das technisch vermeidbare Maß hinausgehen, als unerwünscht
(RIVM report 711701 025, März 2001).
Schwermetallhaltige Glasuren dürfen prinzipiell verwendet wer-
den. Erhöhte Stoffübergänge sind nicht zu erwarten, sofern der
Glasurbrand technisch sachgerecht durchgeführt wird.
Rechtsverbindliche Grenzwerte bestehen gegenwärtig nur für
die Blei- und Cadmiumlässigkeit. Diese sind jedoch so hoch an-
gesetzt, dass sie weder dem technischen Stand noch den aktuel-
len toxikologischen Bewertungen genügen. Bereits seit einigen
Jahren wird auf europäischer Ebene eine erhebliche Absenkung
der Grenzwerte angestrebt. Außerdem sollen Grenzwerte für
weitere Elemente wie zum Beispiel Kobalt hinzugefügt werden.
Im Jahr 2017 wurden an der LUA Sachsen insgesamt 46 Kera-
mikgegenstände wie Teller, Tassen und Müslischalen auf ihre
Metalllässigkeit untersucht. Dabei handelte es sich sowohl um
industriell hergestellte Ware als auch um regionale Handwerks-
kunst. Metallübergänge in 4%ige Essigsäure, die als Simulanz
für saure Lebensmittel im Sinne einer Nachbildung der ungüns-
tigsten Kontaktbedingungen für Migrationsprüfungen verwen-
det wird, konnten bei insgesamt 28 Proben festgestellt werden.
Neben Blei und Cadmium wurden unter anderem Übergänge an
Aluminium, Chrom, Eisen, Kupfer, Nickel und Zink beobachtet.
Bei 23 Proben wurden die Elementkonzentrationen im Prüfsi-
mulanz als toxikologisch unbedenklich eingestuft. Drei Kera-
mikproben waren auffällig hinsichtlich ihrer Bleilässigkeit und
zwei weitere Keramikproben waren auffällig hinsichtlich ihrer
Blei- und Cadmiumlässigkeit. Die gesetzlich vorgeschriebenen
Höchstmengen wurden zwar eingehalten, die nach aktuellen to-
xikologischen Erkenntnissen abgeleiteten Höchstmengen jedoch
deutlich überschritten. Bemerkenswert hierbei ist, dass es sich
bei den insgesamt fünf auffälligen Proben jeweils um Keramik-
gegenstände mit besonders bunt gestalteten Dekoren handelte,
die hinsichtlich ihrer Motive sowie ihrem Design vorzugsweise
Kinder und Jugendliche ansprechen.
Phosphat-Flammschutzmittel in Baby-Badebüchern
Baby-Badebücher sind praktische Bilderbücher für Babys und
Kleinkinder (Abbildung 13). Sicher auch aufgrund ihrer Mach-
art, sie sind unter anderem leicht, weich, gut zu reinigen, gut
zu greifen und farbenfroh, erfreuen sie sich offenbar einer sehr
großen Vielfalt. Dass sie ausschließlich in der Badewanne ge-
nutzt werden, ist weder bestimmungsgemäß noch vorhersehbar.
In den meisten Fällen bestehen diese aus Kunststoff gefertigten
Büchlein aus bedruckten Folien aus Ethylen-Vinylacetat-Copo-
lymer (EVA), die mit einer dünnen, geschäumten Polyurethan-
einlage (PUR) gepolstert werden.
Insbesondere im Bausektor, der Möbelherstellung sowie in der
Automobilindustrie werden technische Polyurethane benötigt,
die flammenhemmende Eigenschaften aufweisen. Flamm-
schutzmittel sollen Brände einschränken, verlangsamen oder
verhindern. Während ihre Einsatzberechtigung in den oben
genannten Industriebereichen sicher nicht hinterfragt werden
muss, sieht dies für den Bereich der Spielwaren anders aus, da
die toxikologischen Eigenschaften einiger Flammschutzmittel
kritisch zu bewerten sind. Tris(2-chlorethyl)phosphat (TCEP) und
Tris[2-chlor-1-(chlormethyl)ethyl]phosphat (TDCP) werden bei-
spielsweise nach der VO (EG) 1272/2008 als krebserregend der
Kategorie 2 eingestuft. In diese Kategorie werden Stoffe ein-
geordnet, für die ein ernst zu nehmender Verdacht hinsichtlich
einer krebserregenden Wirkung beim Menschen vorliegt. Dieser
stützt sich auf Studien an Mensch und/oder Tier. Für TCEP be-
steht zusätzlich eine Einstufung als reproduktionstoxische Sub-
stanz der Kategorie 1 B. Hier werden Stoffe zugeordnet, die auf-
grund tierexperimenteller Studien mit deutlichen Nachweisen
für eine Beeinträchtigung der Sexualfunktion und Fruchtbarkeit
sowie der Entwicklung als wahrscheinlich reproduktionstoxisch
für den Menschen betrachtet werden müssen.
Mit der Richtlinie 2014/79/EU wurde die Problematik kritisch
zu bewertender Flammschutzmittel in den Inhalten der europä-
ischen Spielzeugrichtlinie 2009/48/EU berücksichtigt, indem die
Substanzen TCEP, TDCP und Tris (2-chlor-1-methylethyl)phos-
phat (TCPP) jeweils mit einem Gehaltgrenzwert von 5 mg/kg in
Anhang II Anlage C der Richtlinie aufgenommen wurden. Seit
dem 21. Dezember 2015 gelten nunmehr diese spezifischen
Grenzwerte für Spielzeug, das zur Verwendung durch Kinder
unter 36 Monaten bestimmt ist bzw. in anderem Spielzeug, das
dazu bestimmt ist, in den Mund genommen zu werden.
In diesem Zusammenhang bleibt zu erwähnen, dass die aus EVA
bestehende Außenfolie nach hiesigen Untersuchungen keine
Barriere für Stoffübergänge für die im PUR vorhandenen Phos-
phat-Flammschutzmittel darstellt. Entsprechend sind bei dem
zu erwartenden intensiven Körper- sowie Mundschleimhaut-
kontakt die genannten Substanzen für die kleinen Verbraucher
potentiell zugänglich.
Aufgrund der hohen Beanstandungsrate von 60 % im Jahr 2016,
die möglicherweise daraus resultierte, dass sich noch Restbe-
stände flammschutzmittelhaltiger Produkte aus 2015 am Markt
befanden, wurden im Jahr 2017 Baby-Badebücher verstärkt zur
Untersuchung angefordert. Von den zehn entnommenen Proben
war diesmal nur ein Produkt zu beanstanden, dieses jedoch mit
Gehalten von mehr als 9000 mg/kg TCPP und 200 mg/kg TDCP
im PUR bzw. fast 600 mg/kg TCPP und 20 mg/kg TDCP in der
Folie.
Aufgrund der Prüfergebnisse für die Jahre 2016 und 2017 sind
vertiefte Untersuchungen entsprechender Produkte auch wei-
terhin vorgesehen.
Werbeaussagen bei kosmetischen Mitteln -
Alles nur Maschen, Märchen und Banalitäten?
Irreführende Werbeaussagen auf Verpackungen, Prospekten
und/oder Websiten der Hersteller führten im Berichtsjahr neben
Abbildung 13: Vielfalt an Babybadebüchern
einfachen Kennzeichnungsmängeln am häufigsten zu Bean-

42 │
standungen. Bei der Beurteilung von Werbeaussagen sind einer-
seits die Vorgaben des Art. 20 Abs. 1 der EU-Kosmetik-VO und
andererseits die Kriterien der VO (EU) Nr. 655/2013 (Claims-VO)
maßgeblich. Das heißt, bei der Kennzeichnung, der Bereitstel-
lung auf dem Markt und der Werbung für kosmetische Mittel
dürfen keine Texte, Bezeichnungen, Warenzeichen, Abbildungen
und andere bildhafte oder nicht bildhafte Zeichen verwendet
werden, die Merkmale oder Funktionen vortäuschen, die die
betreffenden Erzeugnisse nicht besitzen. Weiterhin müssen
Formulierungen von Werbeaussagen in Bezug auf kosmetische
Mittel die gemeinsamen Kriterien in Anhang I der Claims-VO
erfüllen und mit der Dokumentation zum Nachweis der für das
kosmetische Mittel angepriesenen Wirkung in Einklang stehen.
Irreführend sind nach den Kriterien der Claims-VO unter ande-
rem Werbeaussagen bezüglich der Einhaltung von Rechtsvor-
schriften. So sind Aussagen, die die Vorstellung vermitteln, dass
ein Produkt einen bestimmten (oder) besonderen Nutzen hat,
der jedoch nur in der Erfüllung der rechtlichen Mindestanfor-
derungen besteht, unzulässig. Gleiches gilt für Werbeaussagen,
denen zufolge ein Produkt von einer zuständigen Behörde in-
nerhalb der EU zugelassen oder genehmigt wurde. In 3,7 % der
beanstandeten Werbeaussagen wurde dieses Kriterium nicht
eingehalten.
Das Kriterium der Wahrheitstreue verbietet Werbung mit irrele-
vanten oder unvollständigen Informationen. Wird beispielsweise
in einer Werbeaussage für ein Produkt behauptet, dass es einen
bestimmten Bestandteil enthält, muss dieser gezielt vorhanden
sein. Außerdem dürfen Werbeaussagen, die sich auf die Eigen-
schaften eines bestimmten Bestandteils beziehen, nicht den
Eindruck erwecken, dass das Endprodukt dieselben Eigenschaf-
ten hat, wenn dies nicht der Fall ist. In mehr als der Hälfte der
beanstandeten Werbeaussagen (55,6 %) nahmen es die Herstel-
ler mit der Wahrheit nicht so genau. Am häufigsten versprachen
sie aufbauende, pflegende oder schützende Wirkungen von Vit-
aminen, die mit Hilfe der vorhandenen analytischen Methoden
höchstens in Spuren, aber keinesfalls in wirksamen Konzentrati-
onen nachweisbar waren.
Ein weiteres, wesentliches Kriterium ist die Belegbarkeit. Wer-
beaussagen über kosmetische Mittel - ob explizit oder implizit -
müssen durch hinreichende und überprüfbare Nachweise (nach
Stand von Wissenschaft und Technik) belegt werden, wobei die
Beweiskraft der Nachweise bzw. Belege mit der Art der getä-
tigten Werbeaussage in Einklang stehen muss. Ausgenommen
sind eindeutig übertriebene Behauptungen, die vom Verbrau-
cher nicht wörtlich genommen werden. Die meisten Hersteller
kosmetischer Mittel begegnen diesem Kriterium, indem die der
beworbenen Wirkung zugrunde liegende Prüfung mittels Fuß-
note genauer erklärt wird. In einem Fall wies der Hersteller sogar
explizit darauf hin, dass die „*Wirkung nicht ausreichend wis-
senschaftlich belegt.“ sei.
Unredliche Werbeaussagen werden als irreführend beurteilt,
wenn sie bezüglich der Darstellungen zur Wirkung eines Pro-
dukts über das hinausgehen, was die vorhandenen Nachwei-
se belegen oder wenn sie bewusst Informationsdefizite oder
Fehlinformationen der Verbraucher ausnutzen, indem sie dem
betreffenden Produkt eine besondere Eigenschaft zusprechen,
obwohl ähnliche Produkte dieselben Eigenschaften aufweisen.
Weiterhin stark im Trend liegt die Bewerbung von Produkten als
„konservierungsmittelfrei“. In 10 % der Fälle wurden auch Pro-
dukte entsprechend beworben, die aufgrund ihrer Zusammen-
setzung gar keiner Konservierung bedürfen, wie z. B. Badesalze
oder Pflegeöle. Durch die konkrete Bewerbung dieser selbstver-
ständlichen Eigenschaft wird der in dieser Hinsicht uninformier-
te Verbraucher in seiner Auffassung, Konservierungsmittel seien
pauschal „schlecht“, gestärkt und über die vermeintliche Kon-
servierungsmittelfreiheit nicht ausreichend aufgeklärt.
Das Kriterium der Lauterkeit verbietet Werbeaussagen, die nicht
objektiv sind und Wettbewerber und/oder Bestandteile, die
rechtmäßig in kosmetischen Mitteln verwendet werden dürfen,
herabsetzen. Aussagen über kosmetische Mittel dürfen außer-
dem nicht zu Verwechslungen mit Produkten von Wettbewer-
bern führen. Häufig wird vor allem auf den Internetseiten der
Hersteller sehr deutlich auf den bewussten „Verzicht umstritte-
ner Inhaltsstoffe“ wie Parabene, Polyethylenglykol (PEG)´s oder
andere Rohstoffe verwiesen. Vor allem, wenn es sich dabei um
zugelassene und/oder üblicherweise verwendete Inhaltsstoffe
handelt, widerspricht die Bewerbung dem Kriterium der Lauter-
keit. Etwa ein Fünftel der beanstandeten Werbeaussagen ver-
stieß gegen diesen Grundsatz.
Werbeaussagen sind ein unmittelbarer Bestandteil der Produkte
und müssen nach dem letzten Kriterium der Claims-VO Informa-
tionen enthalten, die es dem durchschnittlichen Endverbraucher
und ggf. der angesprochenen Zielgruppe ermöglichen, eine fun-
dierte Kaufentscheidung zu treffen. Sie sind daher klar, präzise,
relevant und verständlich zu formulieren.
Ein über den Internethandel bezogenes Haarfärbeprodukt wur-
de sowohl auf der Verkaufsseite des Internethändlers als auch
auf der Website des Herstellers vordergründig als natürliches
Haarfärbemittel beschrieben. Durch Aussagen wie „Die enthal-
tenen Farbpigmente sind reine Pflanzenextrakte!“ oder „… färbt
… die äußere Schuppenschicht des Haares und es wird nicht wie
bei chemischen Haarfarben aufgebrochen“ wurde bewusst der
Eindruck vermittelt, es handele sich bei diesem Produkt um ein
rein pflanzliches Haarfärbemittel. Auch die Produktaufmachung
verstärkte diesen Eindruck. Lediglich anhand der Liste der Be-
standteile war erkennbar, dass das Produkt typische Oxidations-
haarfarbstoffe enthielt. Diese konnten außerdem in wirksamen
Konzentrationen nachgewiesen werden. Besonders kritisch wur-
de die Gesamtaufmachung des Produktes beurteilt, da der Ein-
druck eines natürlichen Haarfärbemittels speziell Verbraucher,
die eine bekannte Allergie gegen bestimmte oxidative Haarfarb-
stoffe wie z. B. p-Phenylendiamin haben oder aber diese Stoffe
ablehnen und sich bewusst für Naturhaarfarben entscheiden,
anspricht. Über die tatsächliche Färbewirkung auf Basis der ent-
haltenen oxidativen Haarfarbstoffe wurde der Kaufinteressent
über die Verkaufsseite des Internethändlers nicht informiert,
weshalb eine fundierte Kaufentscheidung nicht getroffen wer-
den konnte.
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in verbrau-
chernahen Produkten
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind Sub-
stanzen, die bei unvollständiger Verbrennung von organischem
Material entstehen und z. B. auch natürliche Bestandteile von
Kohle, Ruß und Erdöl sind. Durch die Verwendung PAK-haltiger
Weichmacheröle bzw. Ruße zur Erzielung bestimmter funktio-
neller Eigenschaften oder Färbungen, aber auch durch verunrei-
nigte Rohstoffe, können diese Verbindungen in verbraucherna-
hen Produkten enthalten sein.

image
│43
Für die an der LUA Sachsen zu untersuchenden verbraucher-
nahen Produkte stehen insbesondere Spielzeug, Bedarfsge-
genstände mit Körperkontakt, Tätowiermittel und Aktivkohle
enthaltende Kosmetika im Fokus der Untersuchungen, wobei
Letztere bisher unauffällig waren.
PAK besitzen ein hohes Potenzial, bei entsprechendem Kör-
perkontakt über die Haut aufgenommen zu werden. Beim Tä-
towieren werden Farbmittel mit Hilfe einer Nadel direkt in die
mittlere Hautschicht eingebracht, um dort für eine anhaltende
Färbung möglichst dauerhaft in den Fibroblasten eingelagert zu
werden. Für beide Expositionswege wird angenommen, dass die
Substanzen im Körper verfügbar werden und hinsichtlich ihrer
Toxikologie aktiv sein können.
Seit langem weiß man, dass viele PAK Tumore auslösen kön-
nen. Für einige Substanzen kann aufgrund des genotoxischen
Wirkmechanismus kein sicherer unterer Schwellenwert für eine
fehlende Wirkung angegeben werden. Auch mutagene Effekte
sind nicht ausgeschlossen (Stellungnahme BfR Nr. 051/2009).
Hinsichtlich der rechtlichen Beurteilung sind für Bedarfsgegen-
stände die Vorgaben der VO (EG) Nr. 1907/2006 zu beachten.
Dem für notwendig erachteten Schutzniveau gegenüber der Ex-
position nach VO (EG) 1272/2008 als krebserregend der Katego-
rie 1 B eingestufter PAK wurde Rechnung getragen, indem für
die acht PAK Benzo(a)pyren, Benzo(e)pyren, Benzo(a)anthracen,
Chrysen, Benzo(b)fluoranthen, Benzo(j)fluoranthen, Benzo(k)
fluoranthen und Dibenzo(a,h)anthracen gemäß Titel VIII Kapitel
1 Artikel 67 Abs. 1 i. V. m. Anhang XVII Nr. 50 Abs. 5 der REACH-
Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 das Inverkehrbringen von Er-
zeugnissen für die allgemeine Öffentlichkeit verboten wurde,
wenn einer der Bestandteile aus Kunststoff oder Gummi, der
bei normaler oder vernünftigerweise vorhersehbarer Verwen-
dung unmittelbar, länger oder wiederholt für kurze Zeit mit der
menschlichen Haut in Berührung kommt, mehr als 1 mg/kg ei-
nes der aufgeführten PAK enthält. Für Spielzeug, einschließlich
Aktivitätsspielzeug, und Artikel für Säuglinge und Kleinkinder
gilt gemäß Nr. 50 Abs. 6 ein Grenzwert von 0,5 mg/kg.
Für Tätowiermittel sollten sich die als technisch unvermeid-
bar anzusehenden Gehalte an PAK an den in der Resolution
„ResAP(2008)1 on requirements and criteria for the safety of
tattoos and permanent make-up“ des Europarates empfohle-
nen Werten von 0,5 mg/kg (Summe aller PAK) bzw. 5 µg/kg für
Benzo[a]pyren (BaP) orientieren. Tätowiermittel, die diese Ge-
halte überschreiten, stellen aus Sicht des BfR eine ernste Ge-
fahr im Sinne von Artikel 12 Richtlinie 2001/95/EG (RAPEX) dar
(Stellungnahme BfR Nr. 044/2011).
Im Berichtszeitraum wurden 27 Spielzeugproben hinsichtlich
ihrer Gehalte an PAK untersucht. Auffällig war hier eine Ver-
dachtsprobe Luftballons, die zwar keine der oben genannten
gemäß VO (EG) Nr. 1907/2006 geregelten Substanzen enthielt,
dafür jedoch sowohl sensorisch als auch analytisch mit einem
Gehalt von mehr als 360 mg/kg Naphthalin im Ballonmaterial
auffiel. Naphthalin ist lt. VO (EG) 1272/2008 als krebserregend
der Kategorie 2 eingestuft. In diese Kategorie werden Stoffe ein-
gestuft, für die ein ernst zu nehmender Verdacht hinsichtlich
einer krebserregenden Wirkung beim Menschen vorliegt. Dieser
stützt sich auf Studien an Mensch und/oder Tier.
Die Beurteilung der Probe erfolgte gemäß § 10 Abs. 1 in Verbin-
dung mit Abs. 2 der 2. ProdSV, wonach Spielzeug nur auf dem
Markt bereitgestellt werden darf, wenn es, einschließlich der
darin enthaltenen chemischen Stoffe, bei bestimmungsgemäßer
oder vorhersehbarer Verwendung und unter Berücksichtigung
des Verhaltens von Kindern die Sicherheit oder Gesundheit der
Benutzer oder Dritter nicht gefährdet.
Für 71 Bedarfsgegenstände mit Körperkontakt wurden Unter-
suchungen hinsichtlich ihrer PAK-Gehalte durchgeführt. Beson-
ders auffällig waren hier 3 Proben, wobei 2 Produkte (Werkzeug,
Stiefel) aufgrund der Überschreitung der gemäß VO (EG) Nr.
1907/2006 mit Grenzwert geregelten Substanzen beanstandet
wurden. Im Material des Stiefelschafts wurden beispielsweise
sieben der acht oben angeführten potentiell krebserregenden
PAK mit Gehalten von 7 bis 75 mg/kg analysiert, der Summen-
gehalt aller quantifizierten PAK betrug mehr als 1 g/kg.
Für die weiterhin auffällige Probe, ebenfalls Stiefel, wurde ein
hoher Naphthalingehalt in den potentiell längerfristig mit der
Haut in Kontakt kommenden Materialien bestimmt. Die Beur-
teilung erfolgte gemäß Abschnitt 2 § 3 Abs. 2 ProdSG, wonach
Produkte nur auf dem Markt bereitgestellt werden dürfen, wenn
sie bei bestimmungsgemäßer oder vorhersehbarer Verwendung
Sicherheit und Gesundheit von Personen nicht gefährden.
Aufgrund der weiterhin andauernden Beliebtheit permanenter
Tattoos stehen diese jährlich auch in Bezug auf die PAK-Prob-
lematik im Probenplan der LUA Sachsen (Abbildung 14). 2017
wurden 7 der insgesamt 17 Proben hinsichtlich PAK analysiert.
Für 2 Proben erfolgte aufgrund hoher Summengehalte, wie im
Eingangstext bereits erwähnt, eine Beurteilung als gesundheits-
schädlich im Sinne von § 26 Nr. 1 LFGB. Als krebserregend der
Kategorien 1 und 2 eingestufte PAK waren dabei im Bereich von
0,2 - 4,9 mg/kg nachweisbar.
Abbildung 14: Tattoofarben

44 │
Pflanzenschutzmittel-Rückstände in Lebensmitteln
Im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung wurden im
Berichtszeitraum insgesamt 1.474 Lebensmittelproben, davon
1.383 pflanzlichen und 91 tierischen Ursprungs, auf Pflanzen-
schutzmittel-Rückstände untersucht. Der größte Probenanteil
(55,7 %) entfiel auf Frischobst und Frischgemüse. Die Proben
wurden sowohl in Filialen des Groß- und Einzelhandels als auch
auf Wochenmärkten und direkt in Erzeuger- bzw. verarbeiten-
den Betrieben entnommen.
Pflanzenschutzmittel (PSM) werden vor und nach der Ernte
pflanzlicher Erzeugnisse hauptsächlich zum Schutz gegen Pilz-
und Schädlingsbefall eingesetzt. Trotz vorschriftsmäßiger An-
wendung sind Rückstände chemischer Pflanzenschutzmittel in
den Erzeugnissen unvermeidbar. Zum Schutz von Mensch und
Natur verbietet der Gesetzgeber das Inverkehrbringen von Er-
zeugnissen, deren Rückstandsgehalte die EU-weit geltenden
Höchstgehalte überschreiten.
Über belastetes Futter und Wasser gelangen Pflanzenschutzmit-
tel auch in den Organismus landwirtschaftlicher Nutztiere und
werden dort abgebaut, so dass Rückstände kaum nachweisbar
sind. Vereinzelt sind allerdings noch Spuren der seit mehr als
dreißig Jahren verbotenen persistenten, chlororganischen Wirk-
stoffe bestimmbar, die sich aufgrund ihrer guten Fettlöslichkeit
innerhalb der Nahrungskette Pflanze - Tier - Mensch anreichern.
Die ermittelte Belastungssituation der untersuchten Proben
pflanzlichen und tierischen Ursprungs ist in Tabelle 2.16 (siehe
LUA-Homepage) abgebildet. Die Proben mit gesicherten Über-
schreitungen der geltenden Rückstandshöchstgehalte sind in
Tabelle 2.17 (siehe LUA-Homepage) zusammengestellt. Außer-
dem werden die Ergebnisse der amtlichen Untersuchungen auf
Pflanzenschutzmittel-Rückstände in Lebensmitteln im Pestizid-
report Sachsen auf den Internetseiten des Sächsischen Staats-
ministeriums für Soziales und Verbraucherschutz veröffentlicht
(http://www.gesunde.sachsen.de/Pestizidreport/).
Rückstandsuntersuchungen dienen nicht nur dem Ziel, die Ein-
haltung der geltenden Höchstgehalte zu kontrollieren, sondern
auch eventuelle unzulässige Anwendungen von Pflanzenschutz-
mitteln festzustellen. Nicht alle EU-weit genehmigten Pflan-
zenschutzmittel-Wirkstoffe sind auch in Deutschland zugelas-
sen. Die deutsche Zulassungsbehörde ist das Bundesinstitut für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Es legt
ebenfalls die Anwendungsgebiete (Kultur/Schadorganismus) so-
wie Wartezeiten zwischen letzter Anwendung und Ernte fest.
Im Berichtszeitraum wurden in insgesamt 13 Proben Pflanzen-
schutzmittel-Rückstände bestimmt, die auf eine eventuelle un-
zulässige Anwendung hinweisen. Der Gesetzgeber verbietet das
Inverkehrbringen von Lebensmitteln mit Pflanzenschutzmitteln,
die nicht zugelassen sind oder die bei den Lebensmitteln oder
deren Ausgangsstoffen nicht angewendet werden dürfen.
… in Obst und Gemüse
Insgesamt wurden 412 Proben Frischobst und 409 Proben Frisch-
gemüse untersucht. Der Probenanteil von Erzeugnissen aus öko-
logischem Anbau betrug 7,9 % (39 Gemüse-, 26 Obstproben).
Von Erzeugern aus Deutschland stammten 415 (50,5 %) Proben,
davon 225 von sächsischen Erzeugern.
Rückstandsfrei waren 339 (41,3 %) Proben einschließlich der
Öko-Proben, das heißt, es wurden keine Pflanzenschutzmittel-
Rückstände oberhalb der analytischen Bestimmungsgrenze
festgestellt. Sprossgemüse wie Blumenkohl, Broccoli, Fenchel,
Spargel und Zwiebel enthielt mit 84,4 % den höchsten Anteil
rückstandsfreier Proben. Frischobst war häufiger mit Pflanzen-
schutzmittel-Rückständen belastet als Frischgemüse - in den
untersuchten Obstproben wurden 906 mal und in den Gemüse-
proben nur 425 mal Rückstände bestimmt.
Rückstände oberhalb der geltenden Höchstgehalte enthielten 12
(1,5 %) Proben. Die in einer Probe „Japanese Celery Can nuoc“
(auch als Wassersellerie bekannt, deren Blätter und Stängel als
Gemüse vor allem in der asiatischen Küche verwendet werden)
festgestellte Höchstgehaltsüberschreitung des EU-weit verbo-
tenen Wirkstoffs Propargit führte ebenfalls zu einer Überschrei-
tung des toxikologischen Grenzwertes für die einmalige oder
kurzzeitige Aufnahme. Da eine gesundheitliche Beeinträchti-
gung durch den Verzehr des derartig belasteten Lebensmittels
nicht auszuschließen war, wurde eine Informationsmeldung
in das Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel
(RASFF) der Europäischen Kommission eingestellt.
… in sächsischen Keltertrauben
Im Berichtszeitraum wurden auch 30 Proben Keltertrauben von
sächsischen Erzeugern untersucht. Die Proben fielen durch ih-
ren hohen Anteil an Mehrfachrückständen auf. Abbildung 15
zeigt das Spektrum der in den Proben bestimmten Wirkstoffe
und deren Häufigkeitsverteilung. Mit einer Ausnahme (Insek-
tizid Tebufenozid) handelt es sich ausschließlich um Fungizide
(Wirkstoffe gegen schädlichen Pilzbefall). Mehr als die Hälfte
der Proben enthielten Rückstände der Wirkstoffe Dimetho-
morph, Pyrimethanil, Fenhexamid, Fludioxonil und Cyprodinil.
Es wurden weder Rückstands-Höchstgehaltsüberschreitungen
noch Rückstände von im Weinbau nicht zugelassenen Pflanzen-
schutzmitteln festgestellt.
Pestizide, Schadstoffe
3
3
7
7
10
10
10
10
10
10
13
13
13
17
17
20
30
33
33
37
40
43
47
47
53
53
57
57
67
0
10
20
30
40
50
60
70
Proquinazid
Pyraclostrobin
Tebufenozid
Trifloxystrobin
Azoxystrobin
Famoxadon
Mandipropamid
Myclobutanil
Tebuconazol
Zoxamid
Metalaxyl, ∑
Penconazol
Quinoxyfen
Fluopicolid
Fluopyram
Kresoxim-methyl
Iprovalicarb
Ametoctradin
Cyazofamid
Metrafenon
Folpet, ∑
Boscalid
Cyflufenamid
Difenoconazol
Cyprodinil
Fludioxonil
Fenhexamid
Pyrimethanil
Dimethomorph
Probenanteile [%]
Abbildung 15: Häufigkeitsverteilung der Wirkstoffe in sächsischen Keltertrauben

│45
Fipronil in Eiern und Eiprodukten
Als die belgischen Behörden am 20. Juli 2017 endlich die ande-
ren Mitgliedstaaten über das RASFF von dem Vorkommen zum
Teil bedenklich hoher Gehalte des Akarizids Fipronil in Hüh-
nereiern und Geflügelfleisch informierten, musste einem Sach-
verständigen der amtlichen Lebensmitteluntersuchung schnell
klarwerden, dass es sich bei diesem Geschehen nicht um einen
Einzelfall handeln konnte. Dafür waren schon zu viele Unter-
nehmen betroffen und Ermittlungen dauerten bereits zu lange
an. Nach vorliegenden Erkenntnissen war Fipronil illegalerweise
und über einen längeren Zeitraum zur Bekämpfung der Roten
Vogelmilbe bei Legehennen eingesetzt worden.
Rechtliche Einordnung
Fipronil ist ein Breitspektrum-Insektizid und Akarizid. Es wird
unter anderem gegen Flöhe, Läuse, Zecken, Schaben und Mil-
ben eingesetzt. Bei Fipronil handelt es sich um einen nach der
VO (EG) Nr. 1107/2009 über das Inverkehrbringen von Pflan-
zenschutzmitteln bis 30.09.2017 genehmigten Pflanzenschutz-
mittelwirkstoff. Die Genehmigung sah vor, dass es nur für die
Anwendung als Insektizid zur Saatgutbehandlung zugelassen
werden durfte. Im Unterschied zu den Niederlanden und Belgien
ist in Deutschland kein Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff
Fipronil durch das BVL zugelassen. Eine Anwendung an lebens-
mittelliefernden Tieren (Nutztieren) ist weder in Belgien, den
Niederlanden noch in Deutschland zulässig. Allgemein bekannt
ist die Substanz sicherlich aus dem Heimtierbereich, beispiels-
weise als Bestandteil von Halsbändern für Katzen.
Gemäß VO (EG) Nr. 396/2005 über Höchstgehalte an Pestizid-
rückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen
und tierischen Ursprungs gelten für Fipronil in tierischen und
pflanzlichen Lebensmitteln vergleichsweise niedrige Rück-
standshöchstgehalte, die nicht überschritten werden dürfen.
Es liegt in der Natur des europäischen Pestizidrechts, dass die
Eintragsquelle eines Pestizidwirkstoffs für dessen lebensmittel-
rechtliche Beurteilung keine Rolle spielt. Auch wenn Fipronil wie
im aktuellen Geschehen nicht in Form eines Pflanzenschutzmit-
tels angewendet wurde, sind nach Europäischem Recht trotz-
dem die Vorschriften der VO (EG) Nr. 396/2005 einschlägig.
Lebensmittelrechtliche Beurteilung
Gemäß Artikel 18 Abs. 1 der VO (EG) Nr. 396/2005 dürfen Le-
bens- und Futtermittel keine Pestizidrückstände enthalten, die
die festgesetzten Rückstandshöchstgehalte überschreiten. Nach
§ 9 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 des LFGB ist es weiterhin verboten, Le-
bensmittel in den Verkehr zu bringen, die die Rückstandshöchst-
gehalte nicht einhalten. Der Rückstandshöchstgehalt für Fipro-
nil in Eiern liegt derzeit bei 0,005 mg/kg und bezieht sich auf
frisches Vollei ohne Schale. Für verarbeitete und/oder zusam-
mengesetzte Lebens- oder Futtermittel (z. B. Eipulver, Mayon-
naise) gilt der Rückstandshöchstgehalt ebenfalls, wobei nach
Artikel 20 der Verordnung durch die Verarbeitung und/oder das
Mischen bewirkte Veränderungen der Pestizidrückstandsgehalte
zu berücksichtigen sind. Im Rahmen des aktuellen Fipronilge-
schehens haben sich die Lebensmittelüberwachungsbehörden
auf Verarbeitungsfaktoren geeinigt, mit denen Fipronilgehalte
in verarbeiteten Produkten auf Frischei umgerechnet werden
können. Fipronilrückstände sind im Zuge der Lebensmittelverar-
beitung weitestgehend stabil und konzentrieren sich beispiels-
weise bei der Herstellung von Eipulvern im getrockneten End-
produkt auf. Aufgrund seiner lipophilen Eigenschaften befindet
sich Fipronil so gut wie vollständig im Eidotter.
Gemäß Artikel 19 der VO (EG) Nr. 396/2005 ist es verboten,
Erzeugnisse (z. B. Hühnereier), bei denen ein Pestizidrückstands-
höchstgehalt (z. B. für Fipronil) überschritten ist, im Hinblick auf
ihr Inverkehrbringen als Lebensmittel zu verarbeiten und/oder
zu Verdünnungszwecken mit dem gleichen Erzeugnis oder mit
anderen Erzeugnissen zu mischen. Wie sieht es jedoch mit der
Verkehrsfähigkeit derart verarbeiteter Lebensmittel aus, wenn
der Rückstand darin soweit verdünnt ist, dass er analytisch
nicht mehr nachweisbar ist? Daran scheiden sich die Geister,
da Artikel 19 zwar ein Verarbeitungs- und Verschneidungsver-
bot ausspricht, jedoch nicht explizit die Verkehrsfähigkeit der
daraus resultierenden Produkte regelt. Die Fragestellung ist von
grundsätzlicher Bedeutung, da es in der Praxis wahrscheinlich
relativ häufig vorkommen wird, dass eine Rohware mit Höchst-
gehaltsüberschreitung in Unkenntnis der Lage durch den Le-
bensmittelunternehmer weiterverarbeitet wird und sich erst im
Nachhinein herausstellt, dass sie nicht hätte weiterverarbeitet
werden dürfen. Im Sinne des Artikel 20 der Verordnung muss die
Berücksichtigung der durch die Verarbeitung oder das Mischen
bewirkten Veränderung der Pestizidrückstandsgehalte in jedem
denkbaren Falle zu dem Ergebnis kommen, dass aus einer nicht
verkehrsfähigen Rohware kein verkehrsfähiges weiterverarbei-
tetes Produkt entstehen kann.
Der Höchstgehalt für Hühnereier wurde zum 01.01.2017 von
0,015 mg/kg auf 0,005 mg/kg abgesenkt. Eiprodukte, die vor
diesem Datum produziert wurden (z. B. Volleipulver), dürfen ab
dem 01.01.2017 nicht mehr in den Verkehr gebracht werden,
wenn sie den strengeren Höchstgehalt nicht einhalten.
Analytik von Fipronil in Lebensmitteln
Fipronil ist im typischen Pestizidrückstandslabor der amtlichen
Lebensmitteluntersuchung bei weitem keine unbekannte Subs-
tanz. Erfasst werden dabei sowohl die Muttersubstanz (Fipro-
nil) als auch der Metabolit Fipronilsulfon, der sich hinsichtlich
seiner Toxizität nicht von der Muttersubstanz unterscheidet.
Die seit Jahrzehnten etablierte sogenannte DFG S19-Methode
erlaubt die Bestimmung von Fipronil in tierischen und pflanz-
lichen Lebensmitteln mittels Gaschromatographie - allerdings
mit erheblichem Zeitaufwand. Im Hinblick auf ein stark erhöh-
tes Probenaufkommen bei Bekanntwerden des Fipronilskandals
stellte sich heraus, dass auch die allseits beliebte und einfach
durchzuführende QuEChERS-Methode geeignet ist, Fipronil-
rückstände mittels LC-MS/MS sehr empfindlich zu bestimmen.
Allerdings erzielt die QuEChERS-Methode nur einen vergleichs-
weise geringen Aufreinigungseffekt, was langfristig zu einer ho-
hen Belastung der empfindlichen Messsysteme führen kann. Die
an der LUA in Zusammenarbeit mit der TU Dresden entwickelte
Hildmann-Methode erlaubt die simultane Bestimmung von über
170 Pestiziden in Hühnereiern, unter anderem von Fipronil, mit
geringem manuellen Aufwand bei dokumentiert hohem Auf-
reinigungseffekt (J. Chromatogr. A 1403 (2015) 1-20). Damit
kann der Probendurchsatz im Vergleich zur klassischen DFG
S19-Methode deutlich gesteigert werden, ohne empfindliche
Messsysteme übermäßig zu belasten. Die Hildmann-Methode
befindet sich derzeit auf dem Weg der Standardisierung und
wurde durch das BVL im Rahmen des Fipronilgeschehens den
amtlichen Laboren als eine Alternativmethode zur Anwendung
empfohlen.
Untersuchungsprogramme
Aufgrund des zeitlichen Ausmaßes des Fipronilgeschehens war
zu klären, inwieweit durch den längerfristigen Verzehr von mit

46 │
Fipronil belasteten Eiprodukten ein chronisches Risiko für die
menschliche Gesundheit zu befürchten war. Dazu wurde in
Deutschland ein Sonderprogramm im Rahmen des Bundesweiten
Überwachungsplans aufgelegt, in dem die amtlichen Labore der
Länder kurzfristig die Untersuchung einer Vielzahl von Proben
eihaltiger Lebensmittel (z. B. Eipulver, pasteurisiertes Flüssigei,
Eierteigwaren, Eierlikör) auf Fipronil übernommen haben. Dafür
mussten sehr niedrige analytische Bestimmungsgrenzen erreicht
werden, um auch noch Proben mit niedrigem Eigehalt sachge-
recht untersuchen zu können. Die Untersuchungsergebnisse
sollten in eine verfeinerte Risikobewertung des BfR in Bezug auf
eine chronische Exposition gegenüber Fipronil einfließen. Auch
im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans (NRKP)
wurden Anpassungen vorgenommen und so unter anderem das
Untersuchungsspektrum um Fipronil erweitert. Im Jahr 2018
soll Fipronil fester Bestandteil des Untersuchungsspektrums im
NRKP und auch im Nationalen Lebensmittel–Monitoring wer-
den. Hervorzuheben ist ein freiwilliges ad-hoc-Programm auf
europäischer Ebene, das von einer Recherche hinsichtlich even-
tuell zur Milbenbekämpfung in Legehennenställen einsetzbaren
Mitteln ausgeht. Daraus resultiert eine Liste mit 12 empfohlenen
Substanzen, die mutmaßlich missbräuchlich als Akarizide an-
gewendet wurden und eine Liste mit weiteren Pflanzenschutz-
mittel- und anderen -wirkstoffen, die auch in den Bereich der
pharmakologisch wirksamen Stoffe und der Biozide eingeordnet
werden. Damit weist das auf europäischer Ebene entwickelte
Programm ein wesentlich breiteres Untersuchungsspektrum als
die nationalen Sofortprogramme auf.
An der LUA Sachsen wurden im Jahr 2017 insgesamt 154 Proben
von Eiern, Eiprodukten (z. B. Volleipulver) und anderen eihalti-
gen Lebensmitteln von Geflügel auf Fipronil und weitere Aka-
rizide untersucht. Davon stammten 46 Proben aus dem NRKP
einschließlich 20 Proben aus dem ad-hoc-Programm. Bei ins-
gesamt 3 Proben war der gesetzliche Rückstandshöchstgehalt
auch unter Berücksichtigung der erweiterten Messunsicherheit
überschritten.
Risikobewertung
Fipronil wurde im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung im Hinblick
auf seine Genehmigung als Bestandteil von Pflanzenschutz-
mitteln umfassend toxikologisch bewertet. Es weist eine rela-
tiv hohe akute Toxizität auf, wenn es oral oder über die Haut
aufgenommen oder inhaliert wird. Im Tierversuch an Ratten,
Mäusen, Hunden und Kaninchen wirkt Fipronil toxisch auf das
Nervensystem, wobei diese Effekte bei erwachsenen Tieren re-
versibel sind. Bei Ratten wird Neurotoxizität bei den Nachkom-
men dosisabhängig beobachtet, wenn die Muttertiere den Stoff
aufgenommen haben. Darüber hinaus werden toxische Leberef-
fekte in Ratten und Mäusen beobachtet. Fipronil ist nach dem
derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht als muta-
gen und nicht als kanzerogen eingestuft (aktualisierte FAQ des
BfR vom 15. August 2017).
In seiner gesundheitlichen Bewertung der in Belgien nachge-
wiesenen Einzeldaten von Fipronilgehalten in Lebensmitteln
tierischen Ursprungs wurde durch das BfR als „Worst Case“ mit
dem höchsten gemessenen Wert der Gehalte an Fipronil in Ei-
ern (1,2 mg Fipronil pro kg Ei) gerechnet. Auf der Grundlage
dieses Gehalts und der gesundheitlichen Referenzwerte kommt
das BfR zu dem Schluss, dass sich bei Berücksichtigung euro-
päischer Verzehrsdaten (EFSA-Modell) für Kinder eine Über-
schreitung der akuten Referenzdosis (ARfD) durch Hühnereier
ergibt. Bei der Verzehrsmenge wurden sowohl verarbeitete als
auch unverarbeitete Erzeugnisse berücksichtigt. Auf Grundlage
der verfügbaren Expositionsmodelle wurde eine Fipronilkonzen-
tration von 0,72 mg/kg in Hühnereiern als maximale Konzentra-
tion abgeleitet, bei der für keine Verbrauchergruppe ein akutes
gesundheitliches Risiko besteht, da die ARfD nicht überschritten
wird (Stellungnahme BfR Nr. 016/2017). Die ARfD ist definiert
als diejenige Substanzmenge pro kg Körpergewicht, die über die
Nahrung mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages ohne ein
erkennbares gesundheitliches Risiko für Verbraucherinnen und
Verbraucher aufgenommen werden kann.
Daten aus Deutschland zu Gehalten von Fipronil erreichten
Werte bis zu 0,45 mg/kg in Eiern. Nach dieser Datenlage ist
nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand eine
akute gesundheitliche Gefährdung der betrachteten Verbrau-
chergruppen, einschließlich Kinder, unwahrscheinlich. Legt man
die europäischen Verzehrsdaten zugrunde, ergibt sich für die
betrachteten Verbrauchergruppen, einschließlich Kinder, eine
Ausschöpfung der ARfD von bis zu 62 % (Mitteilung BfR Nr.
017/2017).
Durch das BfR wurde außerdem für verschiedene Expositions-
szenarien und Lebensmittel eine Modellrechnung durchgeführt,
die Rückschlüsse auf den maximal tolerablen täglichen Verzehr
eihaltiger Lebensmittel ermöglicht, ohne dass ein akutes ge-
sundheitliches Risiko zu erwarten ist. Selbst bei Annahme des
höchsten in Belgien gemessenen Gehalts (1,2 mg/kg Ei) könnten
Kinder noch 120 g Biskuit oder 250 g Eierteigwaren verzehren,
ohne dass ein akutes gesundheitliches Risiko zu befürchten ist
(Mitteilung BfR Nr. 019/2017).
Nach aktuellem Kenntnisstand musste jedoch davon ausgegan-
gen werden, dass illegale Anwendungen von Fipronil-haltigen
Mitteln offenbar über einen längeren Zeitraum erfolgt sind. Da-
her wurde durch das BfR ein längerfristiger Verzehr von Fipro-
nil-haltigen Lebensmitteln bei der Risikobewertung berücksich-
tigt. Basierend auf deutschen und europäischen Verzehrsdaten
ergibt die Bewertung unter Berücksichtigung sehr konservativer
Annahmen für keine der betrachteten Verbrauchergruppen eine
Überschreitung des ADI-Wertes durch den Verzehr von Fipronil-
haltigen Hühnereiern und Hühnerfleisch, inklusive aller daraus
zubereiteten Lebensmittel (Mitteilung BfR Nr. 023/2017). ADI
steht für „acceptable daily intake“ (duldbare tägliche Aufnah-
memenge) und gibt die Menge eines Stoffes an, die eine Ver-
braucherin oder ein Verbraucher täglich und ein Leben lang
ohne erkennbares Gesundheitsrisiko aufnehmen kann.
Ausblick
Das aktuelle Fipronilgeschehen hat eine Debatte über die Funk-
tionsfähigkeit der Meldesysteme ausgelöst, mit denen sich die
zuständigen Behörden über länderübergreifende Vorkommnisse
auf dem Gebiet der amtlichen Lebens- und Futtermittelüberwa-
chung informieren. Da die belgischen Behörden anfangs offen-
bar kein ernstes Risiko für die menschliche Gesundheit sahen,
hatten sie die anderen Mitgliedstaaten zunächst nicht über das
RASFF informiert. Stattdessen nutzten sie das sogenannte AAC-
System zur behördeninternen Amtshilfe, um sich bilateral mit
den Niederlanden auszutauschen. Da angesichts der höchsten
gemessenen Fipronilgehalte jedoch ein gesundheitliches Risiko
für Kinder möglich war, bestand zu einem gegebenen Zeitpunkt
eine gesetzliche Verpflichtung der zuständigen Behörden, eine
Notifizierung im RASFF vorzunehmen, was schließlich am 20.
Juli 2017 auch erfolgt ist. Daraus ist der Vorschlag entstanden,
die vorhandenen Meldesysteme besser zu vernetzen. Das Vorha-
ben wird derzeit auf europäischer Ebene zwischen der Europä-
ischen Kommission und den Mitgliedstaaten diskutiert und mit
hoher Wahrscheinlichkeit umgesetzt.

│47
Amtliche Außendienstaufgaben
Futtermittelüberwachung
Die amtliche Futtermittelüberwachung Sachsen ist für die
Überwachung der etwa 6.000 hiesigen Futtermittelunternehmer
(überwiegend Landwirtschaftsbetriebe) zuständig. Auf Basis der
jährlich aktualisierten Risikoeinstufung wurden im Berichtsjahr
1.211 dieser Betriebe durch die zuständigen Außendienstmitar-
beiter kontrolliert (Inspektionen) und dabei 917 amtliche Pro-
ben entnommen, die vertragsgemäß an der Betriebsgesellschaft
für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) analysiert wurden. Die
Auswertung der Untersuchungsergebnisse sowie der Vollzug der
amtlichen Maßnahmen liegen in der Hand der Innendienstmit-
arbeiter der LUA.
Im zurückliegenden Jahr galt es wiederum, auf zahlreiche un-
erwartete Ereignisse aufgrund unter anderem von eigenen
Analysenergebnissen, Meldungen im iRASFF-System (Online-
Portal des RASFF) sowie Mitteilungen anderer Kontrollbehör-
den schnell und fachlich fundiert zu reagieren. Oberstes Ziel ist
dabei stets die Gewährleistung der Futtermittelsicherheit, vor
allem durch eine vollständige Aufklärung der Vertriebswege
und der Warenströme. Aber auch der Schutz des Verbrauchers
vor Irreführung und Täuschung (beispielweise bei irreführenden
Kennzeichnungen und Werbungen von Heimtierfuttermitteln)
spielt eine zunehmende Rolle.
Aus der Vielzahl der zu bearbeitenden Vorgänge seien bei-
spielhaft Funde von Salmonellen in Sojaextraktionsschrot so-
wie rohem Heimtierfutter, Höchstgehaltsüberschreitungen von
Blei und Dioxin in Hundefutter, von Selen in Ergänzungsfutter
für Rinder sowie in Katzenfutter, von Ambrosia-Samen in Sit-
tichfutter, unzulässige Fipronilgehalte in Volleipulver aus den
Niederlanden (siehe Beitrag „Pestizide/Schadstoffe“) sowie
Verschleppungen von Kokzidiostatika in Ergänzungsfutter für
Masthühner genannt. Diese vergleichsweise wenigen Fälle sind
aber nicht zu verallgemeinern; die allermeisten Futtermittel sind
rechtskonform und nicht zu beanstanden.
Neben den eigentlichen Kontrollaufgaben sind die Mitarbei-
ter der Futtermittelüberwachung in zahlreichen, teils inter-
disziplinären und überregionalen Arbeitsgruppen und Gremien
vertreten. Im Folgenden soll exemplarisch die Arbeit des Lan-
desarbeitskreises (LAK) „Futter und Fütterung“ des Freistaates
Sachsen dargestellt werden, an dem Mitarbeiter des Fachgebie-
tes „Amtliche Außendienstaufgaben“ seit jeher aktiv mitwirken.
Unterschiedliche Lehrmeinungen und Verkaufsphilosophien im
Bereich der Fütterungsberatung, nicht einheitliche Untersu-
chungsmethoden bei (nicht amtlichen) Futtermittelanalysen,
immer umfangreichere rechtliche Anforderungen sowie sehr
stark beeinflussende Ereignisse, wie z. B. Hochwasser, BSE- oder
Dioxin-Ereignisse und andere echte oder vermeintliche „Skan-
dale“, werfen für den Landwirt immer mehr Fragen auf. Um bei
diesen Themen eine Harmonisierung zu erreichen und eine neu-
trale und fachkompetente Beratung der Landwirte zu erzielen,
wurde 1995 dieser Landesarbeitskreis gegründet. Dieser widmet
sich vorrangig folgenden Arbeitsschwerpunkten:
1.
Untersuchung und Bewertung von Futtermitteln
Harmonisierung von Futtermittelanalysenstandards,
Durchführung von Ringanalysen, Bewertung von mykolo-
gischen und mykotoxikologischen Befunden, Eignung und
Wertung von Stoffwechselbefunden für die Reflexion des
Fütterungserfolges, ausgewogene Mineralstoffversorgung,
Futterwert von Nebenprodukten und andere
2.
Futtermittelkunde
Harmonisierung von Ausbildungsinhalten zum Thema Fut-
ter und Fütterung in den Bildungseinrichtungen Mittel-
deutschland
3.
Spezialthemen
Bearbeitung von Themen wie der ökologischen Fütterung,
Fragen zum Futtermittelrecht sowie den amtlichen Futter-
mittelkontrollen sowie
4.
Außerordentliche Ereignisse
Feststellung von Konsequenzen im Bereich der Fütterung
aus speziellen Ereignissen wie z. B. der BSE-Problematik,
Dioxingehalten, der Hochwasserproblematik oder auch des
Einsatzes von GVO-freien Sojaprodukten hinsichtlich der
Futterversorgung und auch der rechtlichen Konsequenzen.
Aktuell besteht der Arbeitskreis aus 30 Mitgliedern. Neben den
öffentlichen Einrichtungen (Sächsisches Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie, Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft, Betriebsgesellschaft für Umwelt und Land-
wirtschaft und Landesuntersuchungsanstalt für das Gesund-
heits- und Veterinärwesen (amtliche Futtermittelkontrolle) und
den Universitäten/Hochschulen Leipzig und MLU Halle sowie
der HTW Dresden) sind dies Vertreter des LKV/LKS Lichtenwal-
de, der Sächsischen TSK, des Albrecht-Daniel-Thaer-Institutes
Leipzig, der Südzucker AG, der BAG Budissa Agroservice GmbH,
der BioCheck GmbH sowie 9 Industrievertreter des Deutschen
Verbandes für Tiernahrung e. V. Auch die benachbarten Bundes-
länder Sachsen-Anhalt und Thüringen sind durch Fütterungsre-
ferenten vertreten.
Zu Beginn jeder Veranstaltung findet ein Austausch zur aktuel-
len Situation von Futter und Fütterung im Freistaat statt. Jedes
Mitglied des Arbeitskreises ist aufgefordert, hier seine Sicht zu
äußern und sich zu positionieren. Bei besonderen Anlässen trifft
sich der Kreis ad hoc, um Empfehlungen zu formulieren. In Er-
innerung sind insbesondere Beratungen zu den Konsequenzen
für die sächsische Tierernährung nach der BSE-Krise, nach den
Hochwasserereignissen 2002 und 2013 oder bei witterungsbe-
dingten Ertragsausfällen. Die Ergebnisse dieser Beratungen wer-
den zeitnah publiziert.
Aktuelle Themen sind z. B. die Witterungssituation und daraus
folgend die Futterlage in Sachsen, Anforderungen des Handels
an die GVO- sowie glyphosatfreie Fütterung, Änderungen im
Futtermittelrecht hinsichtlich der Zulassung von Zusatzstoffen
sowie der Überarbeitung der Kontrollverordnung. Des Weiteren
liegt der Aufgabenschwerpunkt momentan in der Erarbeitung
von gemeinsamen Empfehlungen des LAK, die anschließend ver-
öffentlicht werden. Hier findet man Empfehlungen zu folgenden
Punkten:
]
Futtermittelbewertung beim Wiederkäuer,
]
Futtermittelbewertung beim Schwein und Geflügel,
]
Futtermittelbewertung beim Pferd,
]
Futtermittelrechtswissen für Landwirte,
]
Wirtschaftliche Bewertung von Futter und Fütterung.

48 │
Darüber hinaus gibt es während der Beratungen verschiedene
Fachvorträge, wie z. B.
]
Projekte zur Schweineernährung der Landesanstalt für Land-
wirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt,
]
Projekte zur Rinderernährung der Thüringer Landesanstalt für
Landwirtschaft,
]
Vorstellung des Forschungsprojektes „Greentech“,
]
Aktuelle Verfahren der Kälberfütterung,
]
Ermittlung von Erzeugungskosten von Futtermitteln.
Der Weinskandal „geht in die nächste Runde“
Der Leser wird sich an den „Skandal“ um die mit Pflanzen-
schutzmittelrückständen (PSM) belasteten sächsischen Weine
erinnern, der bereits im letzten Jahresbericht breiten Raum
einnahm. Auch im Berichtszeitraum sorgte diese Thematik für
große politische und mediale Aufmerksamkeit.
Um eine praktisch lückenlose Überwachung der sächsischen
Weine zu gewährleisten, sind aufgrund der Änderung der ent-
sprechenden Landesverordnung seit September 2016 sämtliche
Qualitäts- und Prädikatsweine im Rahmen des Verfahrens der
amtlichen Qualitätsweinprüfung obligatorisch an der LUA Sach-
sen zu untersuchen, wobei (für die Erzeuger kostenneutral) alle
Erzeugnisse auch auf PSM untersucht werden. In diesem Zusam-
menhang wurden im zurückliegenden Jahr 846 Weine vorstellig.
Dies bedeutete einen erheblichen zusätzlichen Arbeitsaufwand
für die betroffenen Mitarbeiter, beginnend von der Probenre-
gistratur über die analytischen Untersuchungen im Labor bis
hin zur Befunderstellung und Rechnungslegung. Lediglich bei 2
Weinen wurden abermals unzulässige PSM-Wirkstoffe (Iprodi-
on, Dimoxystrobin) oberhalb der Bestimmungsgrenze analysiert,
das heißt, circa 99,8 % der Weine waren hinsichtlich ihrer PSM-
Gehalte nicht zu beanstanden. Sozusagen als „Beifang“ dieser
umfassenden Qualitätsweinuntersuchungen wurden auch ei-
nige wenige Erzeugnisse aus anderen Gründen auffällig (über-
angereichert, oxidativ, fehlfarben, Essig- sowie Schwefelstich,
ferner Kennzeichnungsfehler, z. B. unzutreffende Geschmack-
sangaben), so dass die präventive Bedeutung dieser Untersu-
chungen deutlich wird.
Wie bereits im Vorjahr wurde zudem ein Landesüberwachungs-
programm bezüglich PSM-Rückständen in sächsischen Land-
weinen (die der oben genannte Qualitätsweinprüfung nicht
unterliegen) ins Leben gerufen. Es wurden 52 sächsische Land-
weine durch den Weinkontrolleur in den Betrieben entnommen.
Im Ergebnis der Untersuchungen musste kein einziger dieser
Weine hinsichtlich seiner PSM-Gehalte beanstandet werden.
Allerdings war auch hier eine Überanreicherung (Erhöhung der
Alkoholausbeute durch Zuckerzusatz vor der Gärung über die
zulässige Spanne hinaus) festzustellen und acht formale Kenn-
zeichnungsmängel wurden eruiert.

│49
Veterinärmedizinische Tierseuchen- und Krankheits-
diagnostik
Übersicht über das Leistungsspektrum
Der Bereich der Veterinärmedizinischen Tierseuchen- und
Krankheitsdiagnostik der LUA Sachsen hat die Aufgabe, die
durch EU- oder nationale Gesetze, Rechtsverordnungen, Ver-
waltungsvorschriften und Erlasse des SMS festgelegten labor-
diagnostischen Untersuchungen zur Bekämpfung und Überwa-
chung der Seuchenfreiheit von anzeigepflichtige Tierseuchen
und meldepflichtige Tierkrankheiten insbesondere bei land-
wirtschaftlichen Nutztieren durchzuführen. Weiterhin erfolgen
Untersuchungen zur Überwachung und Feststellung von Infek-
tionen mit Zoonoseerregern im Rahmen der AVV (Allgemeine
Verwaltungsvorschrift) Zoonosemonitoring in der Lebensmittel-
kette bei landwirtschaftlichen Nutztieren, bei Wildtieren sowie
Heim- und Haustieren. In Zusammenarbeit mit der Sächsischen
Tierseuchenkasse (TSK) werden Untersuchungen im Rahmen der
festgelegten Programme und Projekte sowie Untersuchungen
im Rahmen der amtlichen Attestierungen für den Handel mit
Nutztieren durchgeführt. Auch bei tierschutzrelevanten Frage-
stellungen ist die LUA fachlicher Ansprechpartner der Lebens-
mittelüberwachungs- und Veterinärämter (LÜVA) und steht für
diagnostische Abklärungsuntersuchungen zur Verfügung.
Die diagnostischen Ergebnisse dienen der schnellen und zielge-
richteten Einleitung geeigneter therapeutischer und prophylak-
tischer Maßnahmen bei erkrankten Tieren in den betroffenen
Betrieben und Beständen. Gleichzeitig bilden sie die Grundlage
für die Berichterstattung an das Land, den Bund und die EU und
liefern damit wichtige Fakten zur korrekten Einschätzung und
Bewertung der Tiergesundheit und der Verbreitung von Zoono-
seerregern in Sachsen.
Das Berichtsjahr hatte aus diagnostischer Sicht zahlreiche „Hö-
hepunkte“. Zeitgleich zu den Anforderungen, die im Rahmen
des bislang größten Ausbruchsgeschehens von Geflügelpest in
Sachsen zu verzeichnen war (beginnend im November 2016 bis
April 2017), erfolgten zahlreiche Feststellungen von Rindersal-
monellose über das gesamte Jahr verteilt, so dass sich im Ver-
gleich zum Vorjahr die Anzahl der Proben im Zuge der amtlichen
Abklärungs- und Überwachungsuntersuchungen verfünffachte
(2016: ca. 11.000 Proben, 2017: fast 50.000 Proben). Auch Un-
tersuchungen zur Abklärung der anzeigepflichtigen Amerika-
nischen Faulbrut bei Bienen haben zugenommen. Hier kam es
erneut zu zahlreichen Ausbrüchen in Sachsen, die häufig erst
sehr spät erkannt wurden und entsprechende aufwändige Um-
gebungsuntersuchungen erforderten. Die Folgen der Ausbrüche
von beiden Erkrankungen sind auch 2018 noch anhand der Pro-
benzahlen zu spüren. Ab Mitte des Jahres musste durch die wei-
tere Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP), ausge-
hend von Osteuropa über das Baltikum und Ostpolen westwärts
nach Rumänien, Tschechien und die Gegend um Warschau, die
Risikolage neu bewertet werden. Die zur Überwachung einge-
sandten Proben insbesondere von Wildschweinen haben sich
gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt. Es bedarf angesichts
der epidemiologischen Lage weiterhin bei allen Beteiligten der
erhöhten Aufmerksamkeit, um einen Erstausbruch möglichst
schnell zu erkennen und geeignete Maßnahmen zur Eindäm-
mung durchzuführen. Nur Dank der oft über das normale Maß
hinausgehenden Einsatzbereitschaft und dem außergewöhnli-
chen Engagement der Mitarbeiter konnte im Berichtsjahr der
große Probendurchsatz bewältigt werden.
Die nachfolgenden Ausführungen aus den diagnostischen La-
boren geben einen Überblick über die im Berichtsjahr getätig-
ten vielfältigen diagnostischen Leistungen in den Bereichen
Pathologie, Parasitologie, Mikrobiologie, Virologie, Serologie,
Molekularbiologie und Elektronenmikroskopie. Hinzu kommen
Serviceleistungen im Bereich der zentralen Nährmedienherstel-
lung und –überwachung für alle Bereiche der LUA. Ausgewählte
diagnostische Schwerpunkte werden ebenso wie Besonderhei-
ten, Zusammenfassungen und diagnostische Neuerungen dar-
gestellt. Eine Gesamtübersicht der Proben- und Untersuchungs-
zahlen finden Sie im Tabellenteil, der auf der LUA-Homepage
veröffentlicht ist.
Pathologische Diagnostik
Die Untersuchung von Tierkörpern dient der Feststellung der
Krankheits- und Todesursache. Dabei stellt das Erkennen von
Tierseuchen-, Tierkrankheits- und Zoonoseerregern einen Auf-
gabenschwerpunkt dar. Im Rahmen der Sektionen werden Pro-
ben verschiedener Organe für weitergehende Untersuchungen
entnommen. Der Pathologe entscheidet, welche speziellen Un-
tersuchungen sich an die Sektion des Tierkörpers anschließen.
Dabei sind neben den Sektionsergebnissen auch vorberichtli-
che epidemiologische Angaben zu berücksichtigen. Zu den zur
Verfügung stehenden weiterführenden Untersuchungen zählen
unter anderem die feingewebliche Untersuchung (Histologie),
Bakteriologie, Virologie und Molekularbiologie, Parasitologie,
Serologie, Elektronenmikroskopie, Mykologie. Der Pathologie
kommt somit eine Weichenstellerfunktion bei der Tierseuchen-
und Krankheitsdiagnostik zu.
Sektionsprogramm
Um Landwirten und landwirtschaftlichen Unternehmen den Zu-
gang zu Großtiersektionen an den Standorten Leipzig und Dres-
den zu erleichtern, haben das damalige Sächsische Staatsminis-
terium für Soziales (SMS) und die Sächsische Tierseuchenkasse
am 12.11.2007 ein Programm zur diagnostischen Abklärung
von Tierverlusten bei Pferden, Rindern, Schweinen, Schafen und
Ziegen verabschiedet. Beim Vergleich der Einsendungszahlen
2017 mit denen der Vorjahre ist zu berücksichtigen, dass aus
rechtlichen Gründen sogenannte „Große Unternehmen“ von der

image
50 │
Teilnahme am Sektionsprogramm ausgeschlossen waren. Im
Folgenden werden nur die im Rahmen des Sektionsprogramms
eingesandten Tiere betrachtet. Im Jahr 2017 wurden insgesamt
965 Pferde, Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen an der LUA
Sachsen untersucht (siehe Abbildung 1), davon wurden 456 Tie-
re von der Tierkörperbeseitigung Sachsen mit dem Spezialfahr-
zeug angeliefert.
Von den 965 eingesandten Tieren waren 417 Rinder, 371
Schweine, 25 Pferde, 152 Schafe und Ziegen.
Für jedes sezierte Tier werden nach Abschluss der Untersuchun-
gen eine oder mehrere Diagnosen gestellt. Insgesamt konnten
den 965 obduzierten Tieren 1.901 Hauptdiagnosen zugeordnet
werden.
Im Jahr 2017 wurden 26 anzeigepflichtige Tierseuchen (26x Sal-
monellose Rind) und 49 meldepflichtige Tierkrankheiten dia-
gnostiziert. Auch bei den 58 meldepflichtigen Erkrankungen
dominierten die Salmonellosen (33x Schwein und 10x Schaf).
Hinzu kamen 13 Listeriosen (1x Rind, 8x Schaf, 4x Ziege) und je
einmal Paratuberkulose und Maedi/Visna beim Schaf.
Sektionen Schwein
Zur Abklärung anzeigepflichtiger Tierseuchen, meldepflichtiger
Tierkrankheiten sowie Zoonosen und sonstiger Erkrankungen
wurden im Jahr 2017 insgesamt 371 Tierkörper pathologisch-
anatomisch untersucht. Anzeigepflichtige Tierseuchen wurden
im Berichtszeitraum nicht festgestellt, insbesondere konnte, wie
auch in den Vorjahren, die Freiheit von unter anderem Afrika-
nischer Schweinepest, Klassischer Schweinepest, Aujeszkyscher
Krankheit und Brucellose in allen Einsendungen bestätigt wer-
den.
Das Spektrum der Diagnosen war wiederum breit gefächert,
nennenswerte Veränderungen in Art und Häufigkeit der Erkran-
kungen gegenüber den Vorjahren waren nicht zu beobachten.
Nach wie vor bilden Erkrankungen des Atmungstraktes/schwere
letale Lungenentzündungen einen diagnostischen Schwerpunkt
im Sektionsgut von Schweinen (Abbildung 2). Hervorgerufen
werden diese überwiegend durch bakterielle Erreger wie
Actino-
bacillus pleuropneumoniae, Pasteurella multocida
, Streptokok-
ken und
Mycoplasma hyopneumoniae
.
Einen zweiten Schwerpunkt bilden die Infektionserkrankungen
des Verdauungstraktes, vor allem die durch pathogene
E. coli
-
Stämme hervorgerufenen Krankheits- und Verlustgeschehen.
Gemäß der „Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten“
sind Salmonelleninfektionen beim Schwein meldepflichtig. Sal-
monelleninfektionen konnten im Sektionsgut bei 33 Tieren fest-
gestellt werden (circa 8,9 % der Einsendungen). In Abbildung 3
sind die isolierten Salmonellen-Serovare (zum Teil Mehrfachiso-
lierungen) im Einzelnen aufgeführt. Die Aufstellung zeigt, dass
neben den schweinetypischen Serovaren wie
S. Typhimurium
var. Copenhagen
und
S. Typhimurium
auch zahlreiche andere
Salmonellen nachgewiesen werden konnten.
Fütterungsassoziierte Aortenruptur bei Mastschweinen -
Fallbericht
Zwei übersandte Läuferschweine (männlich, 28,5 kg und weib-
lich, 30 kg) waren laut Vorbericht plötzlich und ohne vorherige
Erkrankungsanzeichen verendet. Bei der Sektion zeigten beide
Tiere einen guten Pflege- und Ernährungszustand. Bis auf das
Herz waren die Organe unverändert, der Magen-Darm-Trakt mit
physiologischem Inhalt gefüllt. Der Hauptbefund lag bei den
Schweinen im Bereich des Herzens. Beide Herzen waren stark
kontrahiert und blass, in den Herzbeuteln fanden sich jeweils
große Mengen geronnenen Blutes. Die Ursache hierfür war eine
akute und vollständige Wandruptur im Bereich der Aorta, kurz
nach Austritt aus dem Herzen. Bei einem Schwein zeigten sich
zudem innerhalb der Wandschichten in der Umgebung der Rup-
tur größere Blutungen. Das ausgetretene Blut war vollständig in
die Herzbeutel abgeflossen, in der Brusthöhle befand sich kein
freies Blut.
Histologisch konnten neben den akuten Blutungen im Bereich
der Ruptur (Abbildung 4) bei einem Tier eine geringgradige neu-
trophile Infiltration, beim zweiten Tier eine mittelgradige eitrige
Infiltration der Intima (Abbildung 5) mit fokal geringgradiger,
Abbildung 2:
Lunge vom Schwein - eitrig-abszedierende und chronische
katarrhalisch-eitrige Pneumonie
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
S. Typhimurium var. Copenhagen
S. Typhimurium
S. enterica, ssp. I
S. Ohio
S. Derby
S. Enteritidis
S. Virchow
S. enterica, ssp. III b
S. Rissen
S. Thompson
S. Muenster
Anzahl
Abbildung 3:
Salmonellenisolierungen beim Schwein (Sektionsprogramm) –
Serovar-Verteilung
43%
38%
3%
16%
Rind (417)
Schwein (371)
Pferd (25)
Schaf/Ziege (152)
Abbildung 1:
Sektionsprogramm - Proben nach Tierarten

image
image
│51
irregulärer Granulationsgewebsbildung nachgewiesen werden.
Weiterführende bakteriologische und virologische Untersu-
chungen verliefen mit negativem Ergebnis.
Eine eingeleitete Bestimmung der Konzentration von verschie-
denen Elementen mittels ICP-MS ergab stark erniedrigte Kup-
ferwerte. Diese lagen bei 0,55 bzw. 0,65 mg/kg FS (Lebern) und
1,89 bzw. 2,05 mg/kg FS (Nieren). Eigene gemessene Median-
werte beim Schwein liegen bei circa 8,8 mg/kg FS. Damit kann
von einem deutlichen Kupfermangel ausgegangen werden, der
in der Literatur auch als Ursache für Aortenrupturen bei Schwei-
nen beschrieben wird.
Im Zuge der Diagnostik wurden die Haltungsbedingungen der
Tiere beim Besitzer erfragt. In der Kleinsthaltung werden neben
einigen Rindern eine Muttersau mit ihren Ferkeln in einem seit
vielen Jahren genutzten privaten Stall gehalten. Ein Teil der Fer-
kel wird nach dem Absetzen verkauft, ein Teil zur Eigennutzung
gemästet. Die Fütterung (Milch, Grünfutter, Rübenblätter, Mais,
Maissilage und anderes) erfolgte ohne Zufütterung von Mine-
ral- oder Ergänzungsfutter. Die Besitzer halten nach eigenen
Angaben schon lange einzelne Schweine in dieser Form, solche
Verluste sind bisher nicht aufgetreten. In Absprache mit dem
Tierarzt soll zukünftig eine zusätzliche Mineralstoffversorgung
erfolgen. Eine Überprüfung der Gewebekonzentrationen nach
einem angemessenen Zeitraum wird angestrebt.
Sektionen Rind
Im Berichtsjahr wurden insgesamt 458 Tierkörper (davon 417
über das Sektionsprogramm) von Rindern pathologisch-ana-
tomisch untersucht. Die Verteilung der Tierkörper auf die Ge-
wichtsklassen ist in Tabelle 1 dargestellt. Im Vergleich zu den
Vorjahren wurden 2017 vermehrt Tiere > 150 kg zur Sektion
eingesandt.
Tabelle 1: Rindersektionen – Anzahl und Verteilung auf
Gewichtsklassen
2013
2014
2015
2016
2017
Organe, Gewebe
7
13
7
10
4
Feten
226
301
286
248
233
Säuger (< 80kg)
256
180
238
183
195
Kälber (80 - 150kg)
20
22
30
40
24
Rinder (> 150kg)
235
211
190
181
239
In 26 Fällen wurde die anzeigepflichtige Tierseuche Salmonel-
lose diagnostiziert. Aus der Häufigkeit der Fälle auf die Ver-
breitung im Freistaat zu schließen ist nicht korrekt, weil die
Einsendungszahlen nicht repräsentativ sind. Allein 16 Nach-
weise betrafen Sektionstiere aus einem Bestand. Aufgrund der
erheblichen klinischen Erkrankungen wurde in diesem Betrieb
nach der Feststellung der Salmonellose die Untersuchung aller
verendeten Tiere amtlich angeordnet. Über einen Zeitraum von
149 Tagen in der zweiten Jahreshälfte gelangten insgesamt 72
Tierkörper zur Untersuchung. Das bedeutet, dass durchschnitt-
lich jeden zweiten Tag ein Tier in dem Bestand verendet ist.
Insgesamt wurden für den Betrieb 192 Diagnosen (42 unter-
schiedliche Einzeldiagnosen) gestellt. Darüber hinaus wurden
Hinweise zum Pflege- und Ernährungszustand gegeben. Mit den
zahlreichen Untersuchungsbefunden kann der Betrieb gezielt
die Gesundheitsprobleme benennen und Lösungsstrategien mit
dem Gesundheitsdienst der Tierseuchenkasse entwickeln.
Bei den 233 untersuchten Feten wurden in 44 Fällen (18 %) In-
fektionen nachgewiesen, am häufigsten Tryperella pyogenes, in
6 Fällen
Salmonella
sp. und je einmal
Listeria monocytogenes
,
Neospora caninum
sowie das Schmallenbergvirus. Die Diagno-
sehäufigkeiten für die Tierkörper sind in Tabelle 2 dargestellt.
Tabelle 2: Rindersektionen - ausgewählte Diagnosen nach
Alter und betroffenem Organsystem (Häufigkeit
in Prozent)
Organsystem
Säuger
(< 80 kg)
Kalb
(80 - 150 kg)
Rind
(> 150 kg)
Darm
65
46
35
Atemwege
28
38
17
Stoffwechsel- u. Leber
--
--
23
Urogenitaltrakt
--
--
15
Milchdrüse
--
--
14
Sektionen Schaf und Ziege
Im Jahr 2017 wurden insgesamt 111 Schafe und 41 Ziegen im
Rahmen des Sektionsprogramms seziert. Bei beiden Tierarten
waren Endoparasitosen mit über der Hälfte der insgesamt ge-
stellten Hauptdiagnosen (Schaf 50,4 %, Ziegen 63,4 %) die häu-
figste Todesursache. Dabei gingen chronische Endoparasitosen
durch Darmwürmer (Abbildung 6) häufig mit einem stark redu-
Abbildung 5:
Aorta, Schwein, HE-Färbung, akute Massenblutung und leichte
neutrophile Infiltration in der Umgebung der Rupturstelle
Abbildung 4:
Aorta, Schwein, HE-Färbung, akute Massenblutung in der
Umgebung der Rupturstelle

image
image
image
image
52 │
zierten Ernährungszustand einher. Wie in den Vorjahren auch
stellten Infektionen mit dem gedrehten Magenwurm (
Haemon-
chus contortus
) einen Schwerpunkt innerhalb der Endoparasi-
tosen beim Schaf dar. Dieser blutsaugende Wurm führt durch
fortwährenden Blutverlust und damit einhergehendem Sauer-
stoffmangel zu schweren Leberschäden und relativ plötzlichen
Todesfällen. Bei Endoparasitosen und insbesondere der Hämon-
chose führt allein die Sektion in Verbindung mit einer obligato-
rischen parasitologischen Untersuchung zu einer schnellen und
eindeutigen Diagnosestellung mit der Möglichkeit einer daraus
resultierenden zügigen Bestandsbehandlung.
Sektionen Pferd
Im Berichtsjahr wurden insgesamt 36 Pferde (davon 25 im Rah-
men des Sektionsprogramms) zur Sektion eingesandt. Einen
Schwerpunkt bei den Hauptdiagnosen bildete bei je 7 Tieren
Infektionen des Atemtraktes (in der Regel Pneumonie) sowie
Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes. Hier wurden unter an-
derem Magenrupturen, Darmverschlingungen und Anschoppun-
gen (siehe Abbildung 7) diagnostiziert. Bei je 2 Tieren wurden
Salmonellen und Listerien nachgewiesen, die der Meldepflicht
unterliegen. Weitere Befunde waren Eibenvergiftungen (2), Tu-
more (2), Traumen (3) und Myopathien.
Bei den Sektionstieren wurden auch Proben für das „Projekt der
Sächsischen Tierseuchenkasse zur Verbreitung von Infektionen