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1
Evaluierungsbericht
zum
Programm Biologische Vielfalt 2020
Rohfassung des Referats 56 mit Zuarbeiten der Referate 33, 35, 36, 44, 51, 57, 58, LfULG/6
als Grundlage zur Weiterentwicklung des Biodiversitätsprogramms
Stand 15. Dezember 2020

 
2
Verzeichnisse
Inhalt
Verzeichnisse ........................................................................................................................ 2
Abkürzungen ......................................................................................................................... 4
I. Anlass ................................................................................................................................ 5
II. Umgesetzte Maßnahmen .................................................................................................. 5
II.1
Maßnahmen zugunsten bestimmter Arten und Lebensräume ................................. 5
II.2
Maßnahmen zugunsten der genetischen Vielfalt ..................................................... 6
II.3
Maßnahmen zum Biotopverbund ............................................................................. 6
II.4
Maßnahmen im Rahmen von Förderprogrammen ................................................... 7
II.5
Flächenumnutzung und Eingriffsregelung ............................................................... 9
II.6
Maßnahmen in den Großschutzgebieten ................................................................. 9
II.7
Maßnahmen zugunsten des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 .............................10
II.8
Gewässer bezogene Maßnahmen ..........................................................................11
II.9
Maßnahmen in der Landwirtschaft .........................................................................12
II.10 Maßnahmen in der Forstwirtschaft .........................................................................13
II.11 Maßnahmen in Jagd und Fischerei ........................................................................14
II.12 Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung ......................................15
III. Wirkung der Maßnahmen ................................................................................................16
III.1
FFH-Arten- und Lebensraumtypen .........................................................................16
III.2
Brutvögel ................................................................................................................18
III.3
Rote Listen .............................................................................................................22
IV. Fazit ................................................................................................................................23
Zitierte Quellen .....................................................................................................................24

3
Abbildungen
Abbildung 1: Erhaltungszustände der im Freistaat Sachsen vorkommenden 47 FFH-
Lebensraumtypen (links) und 92 FFH-Arten(-gruppen) (rechts) im
Berichtszeitraum 2013 bis 2018; ermittelt nach der bundeseinheitlichen Methode
zur Erstellung des nationalen Berichtes nach Artikel 17 FFH-Richtlinie; Stand
08.04.2019. Für weitere Informationen siehe Hintergrundpapier........................ 17
Abbildung 2: Gesamttrend aller Bewertungsparameter der im Freistaat Sachsen
vorkommenden FFH-Lebensraumtypen und FFH-Arten(-gruppen) im
Berichtszeitraum 2013 bis 2018 .........................................................................17
Abbildung 3: Prozentuale Verteilung der Trendklassen für die Abnahmen (rot), stabile
Entwicklung (grau) und Zunahmen (grün) im Kurzzeittrend der Arten nach
Ergebnissen des Monitorings häufiger und seltener Brutvögel; n=83; Quelle:
Zuarbeit zum nationalen Vogelschutzbericht aus dem Jahr 2019....................... 18
Abbildung 4: Bestandsentwicklung typischer Brutvogelarten der Agrarlandschaft im
Berichtszeitraum (Daten aus dem Monitoring häufiger Brutvögel (MhB) im
Freistaat Sachsen ..............................................................................................20
Abbildung 5: Bestandsentwicklung (Anzahl besetzte Reviere/Rufer) der Zielarten des
Wiesenbrüterprojektes in der Erzgebirgsregion (Erzgebirgskreis, Landkreis
Mittelsachsen, Vogtlandkreis, Landkreis Zwickau) .............................................21
Abbildung 6: Anteile der Kategorien des Kurzzeittrends bei Säugetierarten, Brutvögeln
Amphibien/Reptilien, Fischen, wasserbewohnenden Käferarten, und Steinfliegen
entsprechend den Roten Listen für den Freistaat Sachsen mit Redaktionsschluss
ab dem Jahr 2015.............................................................................................. 22

 
4
Abkürzungen
AF
Ackerfläche
AUM
Agrar-Umweltmaßnahmen
BfUL
Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft
BNatSchG
Bundesnaturschutzgesetz
BUND
Bund für Umwelt und Naturschutz
DDA
Dachverband Deutscher Avifaunisten
DüV
Düngeverordnung
DVL
Deutscher Verband für Landschaftspflege
EFA
Ecological Focus Area (Ökologische Vorrangflächen)
FFH
Fauna-Flora-Habitat
GAP
Gemeinsame Agrarpolitik (der Europäischen Union)
KoKa-Nat
Kompensationsflächenkataster Naturschutz
LaNU
Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt
LF
Landwirtschaftsfläche
LfULG
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
LRT
Lebensraumtyp
LTV
Landestalsperrenverwaltung
NABU
Naturschutzbund
PIK
Produktionsintegrierte Kompensation
PSM
Pflanzenschutzmittel
RL AUK
Richtlinie Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen
RL BesIn
Richtlinie Besondere Initiativen / Institutionelle Förderung
RL NE
Richtlinie Natürliches Erbe
RL ÖBL
Richtlinie Ökologischer/Biologischer Landbau
RL TZ
Richtlinie Tierzucht
SBS
Staatsbetrieb Sachsenforst
SMEKUL
Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Landwirtschaft und Umwelt
SPA
Special Protection Area (europäisches Vogelschutzgebiet)
SächsNatSchG Sächsisches Naturschutzgesetz
WRRL
Wasserrahmenrichtlinie

 
5
I. Anlass
Das sächsische Umweltministerium hat im Jahr 2009 ein
Programm
zur
Biologischen
Vielfalt
im Freistaat Sachsen aufgelegt. Das Programm ist im Jahr 2013 umfassend überarbeitet
worden und trägt seither die Bezeichnung
Biologische
Vielfalt
2020
“.
Zur Umsetzung des
Programms sind dem Sächsischen Landtag vier kombinierte
Berichte
und
Maßnahmenpläne
,
die jeweils Zweijahreszeiträume umfassten, vorgelegt worden. Der zeitliche Horizont des
Programms endet im Jahr 2020. Der Vertrag der Regierungskoalition im Sächsischen Land-
tag vom Dezember 2019 sieht vor, das Programm weiterzuentwickeln. Das Sächsische
Staatsministerium für, Energie, Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft (SMEKUL) hat das bis-
herige Programm einer umfassenden Evaluierung unterzogen. Ziel war, Stärken und Schwä-
chen zu analysieren und daraus Erkenntnisse für die Ausgestaltung des künftigen Pro-
gramms abzuleiten. Der vorliegende Bericht bildet somit die Grundlage für den Prozess zur
Aufstellung des künftigen Biodiversitätsprogramms unter dem Arbeitstitel „Sächsisches Pro-
gramm zur Biologischen Vielfalt 2030“ sein.
II. Umgesetzte Maßnahmen
Das abgelaufene Programm umfasste 12 Handlungsfelder, die sich nicht nur auf die engeren
Aufgabenfelder des Naturschutzes, das heißt die Erhaltung der wildlebenden Arten und ihrer
Lebensräume, sondern auch zum Beispiel auf Landnutzungen und biotische Umweltressour-
cen beziehen. Für jedes dieser Handlungsfelder werden die erzielten Ergebnisse, die ver-
bliebenen Handlungsbedarfe und die wichtigsten Schlussfolgerungen für künftiges Handeln
zusammengefasst.
II.1
Maßnahmen zugunsten bestimmter Arten und Lebensräume
Viele Maßnahmen zur Erhaltung der Biodiversität wie die Ausweisung von Schutzgebieten
oder Agrarumweltmaßnahmen kommen großen Landschaftsausschnitten und einer Vielzahl
von Schutzgütern zugute. Einzelne Arten und Lebensräume bedürfen darüber hinaus spezi-
eller, auf sie zugeschnittener Hilfs- und Managementmaßnahmen, zum Beispiel im Rahmen
von Arten- und LRT-Hilfsprogrammen. Zu Beginn des Programmzeitraumes gab es Arten-
schutzprogramme für den Weißstorch und die Flussperlmuschel sowie analoge Vorhaben
zugunsten des Lachses, der Weißtanne sowie von Bärlapp-Arten. Im Jahr 2014 wurde eine
Liste von 50 Arten mit Landesbedeutung ausgewählt, um prioritäre Handlungsfelder im Ar-
tenschutz festzulegen
(„
TOP50-Liste
“).
Inzwischen sind im Programmzeitraum für sämtliche
Arten spezifische Vorhaben (Hilfskonzepte, -projekte, -programme) gestartet worden. Bis
messbare Effekte an den Populationen erzielt werden, vergehen oft Jahre oder Jahrzehnte.
Zu einigen Arten konnten bereits positive Effekte festgestellt werden, zum Beispiel bei
Schmetterlings-Arten wie dem Eschen-Scheckenfalter oder Pflanzenarten wie dem Stattli-
chen Knabenkraut. In anderen Fällen, wie beim Braunkehlchen im Rahmen des
Wiesenbrü-
terprojektes
,
konnte zumindest gezeigt werden, mit welchen Maßnahmen Abwärtstrends
aufgehalten werden können. Im Programmzeitraum haben sich mehrere ehemals stark de-
zimierte oder ausgestorbene Arten aufgrund von Schutzmaßnahmen auf natürlichem Wege
wiederausgebreitet. Dazu zählen auch Arten wie Wolf und Biber, die in der Lage sind, Schä-
den zu verursachen. Für sie konnten Managementsysteme aufgebaut werden, die dazu bei-
getragen haben, dass bislang, trotz starker Bestandszunahmen, auf die Tötung von Individu-
en zur Vermeidung wirtschaftlicher Schäden verzichtet werden konnte. Es gibt jedoch auch
Beispiele, in denen negative Bestandsentwicklungen, allen Anstrengungen zum Trotz, anhal-
ten. Das betrifft zum Beispiel den Feldhamster. Die Kombination extremen Dürrephasen in
den Jahren 2018 und 2019 und einer zahlenmäßig geschwächten und stark verinselten Po-
pulation hat dazu geführt, dass ein Aussterben womöglich nicht mehr verhindert werden

 
6
kann, wenn die lokale Population nicht durch Zuführung von Individuen gestärkt und ihre
Lebensräume klimaresilient gestaltet werden. Die ergriffenen art- und lebensraumspezifi-
schen Hilfs- und Managementmaßnahmen müssen fortgeführt und zum Teil an geänderte
Bedingungen angepasst werden.
II.2
Maßnahmen zugunsten der genetischen Vielfalt
Unter dem Blickwinkel der genetischen Vielfalt erfährt die innerartliche Vielfalt, das heißt die
Vielfalt an wildlebenden Unterarten sowie an gezüchteten Pflanzensorten und Tierrassen,
eine besondere Beachtung. Die Vegetation Mitteleuropas wird seit Jahrtausenden nicht nur
durch die Nutzung, sondern auch durch das Ausbringen und Verschleppen von Pflanzen
menschlich beeinflusst. Diese Prozesse stehen unter dem Einfluss einer fortschreitenden
Globalisierung von Warenströmen und Dienstleistungen. Wenn zum Beispiel genetisch iden-
tische Pflanzen, die einem einzigen Klon entstammen, großräumig ausgebracht werden,
führt das dazu, dass die natürliche innerartliche Vielfalt und damit auch die Anpassungsfä-
higkeit an lokale Umweltbedingungen verloren gehen kann. Um dem entgegenzuwirken,
wurden im Programmzeitraum mehrere Projekte mit dem DVL unter dem Oberbegriff
DiverGen“
durchgeführt. Sie zielten darauf ab, dass in der freien Natur vorzugsweise ge-
bietseigene Pflanzen der wildlebenden Arten ausgebracht werden. Damit konnte der Aufbau
regionaler Erzeugerstrukturen für gebietseigenes Saatgut unterstützt werden. Parallel sind
die methodischen und administrativen Voraussetzungen zur
Bevorzugung
gebietseigener
Pflanzen
geschaffen worden (Förderung über die Richtlinie Natürliches Erbe
[
RL
NE/2014
],
Erfassung und Dokumentation von Erntebeständen, Erlasse zur Sammelgenehmigung und
Ausbringungsgenehmigung). Mit Stand des Jahres 2019 werden im Freistaat Sachsen jähr-
lich von fünf Produzenten circa 44 Tonnen gebietseigenes Saatgut von über 80 Arten er-
zeugt. Das Angebot an gebietseigenen Saat- und Pflanzgut reicht jedoch immer noch nicht
aus, um die Nachfrage zu decken. Der Aufbau regionaler Erzeugerstrukturen bedarf auch
künftig weiterer Unterstützung.
Zum Erhalt tiergenetischer Ressourcen auch bei landwirtschaftlichen Nutztieren wird im
Rahmen der
Richtlinie
Tierzucht
(RL TZ/2015) die Zucht und Haltung von elf existenzbedroh-
ten Rassen unterstützt. Im Jahr 2020 wurden die Rassen Leicomaschwein, Weiße sowie
Bunte Deutsche Edelziege in die Förderung aufgenommen. Bei Betrachtung der letzten Jah-
re ist eine Zunahme der Anzahl geförderter Tiere je Rasse zu verzeichnen und es zeigt sich,
dass die Förderung einen wichtigen Beitrag zur positiven Bestandsentwicklung der Rassen
leistet. Aus diesen Gründen ist die Unterstützung vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen
mit Erhaltungsprämien fortzuführen.
II.3
Maßnahmen zum Biotopverbund
Mit vielen Maßnahmen zum Artenschutz, hier insbesondere für Zielarten des Biotopverbun-
des oder bezogen auf Lebensräume mit ausgeprägter Linienstruktur wird auch der Bio-
topverbund auf verschiedenen Ebenen verbessert. Langfristig wird dadurch ein sichtbarer
Beitrag zum sachsenweiten Biotopverbund geleistet werden.
Am 4. Dezember 2015 ist eine Kooperationsvereinbarung mit dem DVL Landesverband
Sachsen e. V. geschlossen worden. Das ist möglich, weil zuvor zu diesem Zweck eine Rege-
lung zur finanziellen Unterstützung der Landschaftspflegeverbände in das Sächsischen Na-
turschutzgesetz eingefügt worden ist (§ 35 Abs. 6 SächsNatSchG). Auf dieser Grundlage
werden seither durch ein neugeschaffenes Netz von Regionalkoordinatoren des DVL
Maß-
nahmen
des
landesweiten
Biotopverbundes
initiiert. In der Mehrzahl sind das Maßnahmen

 
7
zur Instandhaltung oder Anlage von Gehölzbeständen in der Agrarlandschaft, die oftmals als
Trittsteine für den lokalen Biotopverbund wichtig sind. Vielfach profitieren davon die
Landes-
zielarten
des
Biotopverbundes
wie die Haselmaus, der Eremit oder die Nordfledermaus.
Im Rahmen einer Förderung besonderer Initiativen
(
RL
BesIn/2015
)
entwickelt der BUND
Sachsen e. V.
Vernetzungsräume
für
die
Leitart
Wildkatze
,
die ebenfalls Zielart des landes-
weiten Biotopverbundes ist. Das Projekt soll im Dezember 2020 abgeschlossen werden, ein
Folgeprojekt ist geplant.
Im Mai des Jahres 2020 wurde der erste Teil des Projektes
Redynamisierung
der
Spree
im
Biosphärenreservat abgeschlossen. Naturnahe Gewässerstrukturen im Einklang mit dem
Hochwasserschutz bieten Flora und Fauna mehr Vernetzungsraum. Die Umsetzung des im
Jahr 2019 beschlossenen
Sächsischen
Auenprogramms
wird sukzessive Beiträge zur Revi-
talisierung der für den Biotopverbund besonders bedeutsamen Fließgewässer und Auen leis-
ten.
II.4
Maßnahmen im Rahmen von Förderprogrammen
Maßnahmen zur Umsetzung von Naturschutzzielen werden im Rahmen von Förderpro-
grammen unterstützt. Hierbei sind seit dem Jahr 2009 die
Richtlinien
Natürliches
Erbe
(RL
NE/2007 und RL NE/2014) für investive Naturschutzmaßnahmen sowie die Richtlinien für die
flächenbezogenen Naturschutzmaßnahmen innerhalb der
Agrarumwelt-
und
Klimamaßnah-
men
(RL AUW/2007 und RL AUK/2015) maßgeblich.
Der Freistaat Sachsen weist mit oben genannten Förderrichtlinien und -möglichkeiten bereits
ein breites Spektrum zur Förderung naturschutzfachlicher Belange auf.
Jedoch gibt es Maßnahmen für Natur- und Artenschutz, die bislang wegen ihrer Kleinflächig-
keit oder wegen spezieller Management-Anforderungen aus Arten- oder Biotopschutzgrün-
den mit den derzeitigen Förderinstrumenten nicht finanziert werden können. Diese sollen
künftig ebenfalls in die Förderprogramme aufgenommen werden.

8
Tabelle 1 Förderrichtlinien und Förderinhalte – 2009 bis 2019
Förderrichtlinien und Förderinhalte
Daten 2009 bis 2019
RL AUW/2007
(Antragsstellung 2011, Quelle: SMEKUL 2012)
Anzahl Zuwendungs-
empfänger
Fläche (ha)
G
Extensive Grünlandwirtschaft und Naturschutz-
gerechte Grünlandbewirtschaftung und Pflege
2.304
62.579
A
Naturschutzgerechte Bewirtschaftung und Gestaltung
von Ackerflächen
311
4.092
T
Teichpflege und naturschutzgerechte Teichbewirt-
schaftung
147
8.919
RL AUK/2015
(Antragstellung 2017, Quelle: SMEKUL 2018)
Anzahl Zuw.-empfänger
Fläche (ha)
A.5
Naturschutzbrachen und Blühflächen auf Ackerland
.
14.745,59
A.6
Naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung
3.674,34
A.7
Späte Stoppelbearbeitung
143
4.836,31
GL.1
Artenreiches Grünland – Ergebnisorient. Honorierung
1.356
23.333,13
GL.2
Biotoppflegemahd mit Erschwernis
596
3.050,92
GL.3
Brachflächen und Brachestreifen im Grünland
62
162,70
GL.4
Naturschutzgerechte Hütehaltung und Beweidung
934
10.400,69
GL.5
Spezielle artenschutzgerechte Grünlandnutzung
1.810
19.582,39
RL TWN/2015
Anzahl Zuw.-empfänger
Fläche (ha)
T.1
Teichpflege und Erhalt der Kulturlandschaft
10 (43)
1314
T.2,T.3
Naturschutzgerechte Teichbewirtschaftung
40 (43)
7294
RL NE/2007
(
B.1 und B.2 Antragstellung 2011, Quelle: SMEKUL 2012)
Anzahl Zuw.-empfänger
Fläche (ha)
B.1
Wiederkehrende Maßnahmen zur Sicherung der na-
türlichen biologischen Vielfalt – Biotoppflege
2582,56
B.2
Wiederkehrende Maßnahmen zur Sicherung der na-
türlichen biologischen Vielfalt – Obstgehölzschnitt
Anzahl Zuw.-empfänger
Anzahl Bäume
392
10.261
A
Investive Maßnahmen zur Sicherung der natürlichen
biologischen Vielfalt
Bewilligte Mittel (EUR)
30.189.300
B.4
Wiederkehrender Artenschutz
1.867.300
C
Naturschutzberatung und Öffentlichkeitsarbeit
4.220.500
D
Komplexvorhaben des Naturschutzes
2.259.400
RL NE/2014
Bewilligte Mittel (EUR)
A
Biotopgestaltung, Artenschutz, Technik und Ausstat-
tung
29.900.800
B
Naturschutzfachplanungen und Dokumentation von
Artvorkommen
5.202.900
C
Qualifizierung, Öffentlichkeitsarbeit, Zusammenarbeit
9.494.700
D
Komplexvorhaben des Naturschutzes
611.100
E
Vorhaben der Prävention vor Wolfsschäden
2.640.800
F
Anlage und Sanierung von Landschaftsstruktur-
elementen und Lebensstätten geschützter oder ge-
fährdeter Arten
7.059.800

 
9
II.5
Flächenumnutzung und Eingriffsregelung
Im Hinblick auf die Umsetzung der Ökokonto- und Kompensationsflächenkataster-
Verordnung als Grundlage für die freiwillige Kompensationsflächen- und Maßnahmenbevor-
ratung (auch außerhalb der kommunalen Bauleitplanung) konnte die Tätigkeit der
Ökoflä-
chenagentur
,
mit der seit 1. Oktober 2017 das Zentrale Flächenmanagement (nunmehr als
Geschäftsbereich im Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien– und Baumanagement angesie-
delt) beauftragt wurde, weiter verstetigt und ausgebaut werden.
Mit Stand Oktober des Jahres 2020 konnten 10 Ökokontoprojekte mit 12 Hektar vollständig
als Kompensationsmaßnahmen Eingriffen zugeordnet werden, 10 Ökokontoprojekte mit 31
Hektar sind größtenteils zugeordnet und fünf weitere Ökokontoprojekte mit 19 Hektar sind
mit verfügbaren Ökopunkten in der Vermarktung, das heißt stehen für eine Zuordnung bereit.
Hinzu kommen mehrere klassische, das heißt im Plangenehmigungsverfahren zugeordnete
Maßnahmen und Maßnahmenteile sowie Artenschutzmaßnahmen und Flächenpoollösun-
gen. Weitere 19 Projekte mit insgesamt 48 Hektar Flächenumfang sind aktuell in der Pla-
nung und Umsetzung als Ökokontomaßnahmen.
In der Datenbank zum Kompensationsflächenkataster Naturschutz
(
KoKa-Nat
)
sind insge-
samt mit Stand 11. November2020 704 Ökokonto-Maßnahmen mit 1070 Hektar Fläche er-
fasst.
Die Implementierung der verbesserten Bewertungsmöglichkeiten des überarbeiteten Bewer-
tungsverfahrens der Handlungsempfehlung zur Bewertung und Bilanzierung von Eingriffen
im Freistaat Sachsen in einer Landeskompensationsverordnung in den verbindlichen Vollzug
konnte nicht realisiert werden. Das überarbeitete Bewertungsverfahren der Handlungsemp-
fehlung konnte jedoch pilothaft durch die unteren Naturschutzbehörden angewendet werden.
Neben den Anwenderschulungen zum KoKa-Nat war die Führung des Kompensationsflä-
chenkatasters als eine Grundlage für die Überwachung der Kompensationsmaßnahmen in
verstärktem Maße Gegenstand der Fachaufsicht. Ziel ist ein möglichst vollständiger Über-
blick über die festgesetzten Maßnahmen zur Kompensation von Eingriffen.
Die verstärkte Nutzung von Produktionsintegrierten Kompensationsmaßnahmen (PIK, natur-
schutzfachliche Aufwertung auf landwirtschaftlichen Nutzflächen, ohne diese aus der Nut-
zung zu nehmen) wurde fortgesetzt.
II.6
Maßnahmen in den Großschutzgebieten
Nach der im Jahr 2011 erfolgten Neuabgrenzung und Rechtsanpassung des
NSG
Gohrisch-
heide
und
Elbniederterrasse
Zeithain
erfolgt das Gebietsmanagement seit dem Jahr 2019
auf der Grundlage des neuen Pflege- und Entwicklungsplanes.
Die Entwicklung der
Königsbrücker
Heide
zum Wildnisgebiet nach IUCN Ib geht kontinuier-
lich voran: Im Jahr 2016 wurde die Königsbrücker Heide als Deutschlands erstes Wildnisge-
biet in den Nationalen Naturlandschaften ausgezeichnet, die Eröffnung der Wildnis-Station
im Jahr 2018 leistet einen wichtigen Beitrag zur Umweltbildung, mit der absehbaren Novellie-
rung der NSG-Rechtsverordnung werden weitere neu aufgenommene Prozessschutzflächen
die bisherige Wildnisfläche ergänzen (gesamt circa 5.630 Hektar, dies sind 80 Prozent der
Gesamtfläche des NSG).
Eine große Herausforderung für das LRT-Pflegemanagement in beiden NSG ist die Kampf-
mittelbelastung.
Im
Nationalpark
Sächsische
Schweiz
wurde der Anteil des forstlichen Ruhebereiches in den
letzten Jahren im Rahmen der dazu erstellten flächenkonkreten Waldentwicklungsplanungen

 
10
schrittweise kontinuierlich erhöht. Zur Erreichung des gemäß internationaler Anforderungen
an Nationalparke geforderten 75-prozentigen Anteils der Prozessschutzfläche war ursprüng-
lich in der stark anthropogen überprägten und großflächig mit standortsfremden Fichtenfors-
ten bestockten Sächsischen Schweiz ein Übergangszeitraum von 40 Jahren vorgesehen.
Dieser für einen intensiven Waldumbau geplante Übergangszeitraum wird nunmehr nach
dem großflächigen borkenkäferbedingten Absterben von Fichten in den letzten drei Jahren
auf die gemäß IUCN-Kriterien zugestandenen 30 Jahre reduziert. Zum 30. April 2021 wird
der forstliche Ruhebereich auf 75 Prozent erweitert, womit eine zentrale internationale An-
forderung an Nationalparke erfüllt wird. Hauptaufgabe der nächsten Jahre werden die Stär-
kung eines naturverträglichen Tourismus im Nationalpark und Maßnahmen zu einer verstärk-
ten Besucherinformation und Besucherlenkung sein, um der derzeit zu beobachtenden zu-
nehmenden touristischen Überlastung bestimmter Bereiche und der dadurch verursachten
Beeinträchtigung von Schutzzielen entgegenzuwirken.
Im
Biosphärenreservat
Oberlausitzer
Heide
und
Teichlandschaft
erfolgte schwerpunktmäßig
in den Jahren 2016 und 2017 die zweite erfolgreiche UNESCO-Evaluierung des Schutzge-
bietes. Sie betraf den Berichtszeitraum 2006 bis 2015 und belegte die auf vielen Feldern
erfolgreich gelaufene Entwicklung des Gebietes. Aus dem umfangreichen Evaluierungsbe-
richt sollen als besonders positive Entwicklungen beispielhaft die Redynamisierung von Ab-
schnitten der Spree, die Erhaltung
traditioneller
Getreidesorten
sowie Wildbienen- und
Ackerwildkrautprojekte
benannt werden. Bei der Evaluierung wurden aber auch die Schwä-
chen des Biosphärenreservates deutlich, die beispielsweise im sehr geringen Anteil an Öko-
landbau-Flächen und in den vergleichsweise geringen Regionalvermarktungskapazitäten
bestehen. Unter anderem hier liegen ausgewählte Arbeitsschwerpunkte der nächsten Jahre.
Bis Ende des Jahres 2023 ist zudem eine Novellierung der Rechtsverordnung des Biosphä-
renreservates, verbunden mit einer maßvollen Gebietserweiterung und partiellen Neuzonie-
rung, geplant.
II.7
Maßnahmen zugunsten des Schutzgebietsnetzes Natura 2000
Zu Beginn des Programmzeitraumes waren sämtliche dem europäischen Netz Natura 2000
angehörenden und in sächsischer Verantwortung liegende 347
FFH-Gebiete
und
Vogel-
schutz-Gebiete
des Freistaates Sachsen zu besonderen Schutzgebieten erklärt und die
FFH-Managementplanung abgeschlossen worden. Zur rechtlichen Sicherung der Gebiete
sind Grundschutzverordnungen in Kraft gesetzt worden, die quantifizierte Zielvorgaben ma-
chen. Sie verzichten auf Ver- und Gebote, denn eine schutzgutkonforme Flächenbewirt-
schaftung kann am ehesten kooperativ verwirklicht werden. Die Vorzugswürdigkeit der Her-
angehensweise ist im Rahmen eines empirischen Forschungsvorhabens bestätigt worden
(
Lakner
et
al.
2020
).
Im Jahr 2011 ist ein staatliches Natura 2000-Monitoring als
Messnetz
Naturschutz
in der BfUL eingerichtet worden. Die weitere Zielstellung bis zum Jahr 2020
war, das ökologische Netz Natura 2000 weiterzuentwickeln und insbesondere die freiwilligen
Umsetzungsinstrumente, allen voran die Förderung, besser auf die Schwerpunktaufgabe
auszurichten. Dazu wurden aus den europäischen Schutzgütern diejenigen ausgewählt, für
die Maßnahmen besonders dringlich und am ehesten machbar erschienen. Diese „Fokus-
Schutzgüter“ standen im Mittelpunkt eines Erlasses, mit dem einheitliche Prioritätensetzun-
gen im Verwaltungshandeln auf der Grundlage der Schutzgutliste sichergestellt werden. Un-
ter anderem wurden die Kriterien für die Vorhabenauswahl zur Förderung aus der Richtlinie
Natürliches Erbe
(
RL
NE/2014
),
die Maßnahmeninitiierungen der Regionalkoordinatoren des
DVL und die Naturschutzberatung auf die prioritären Schutzgüter fokussiert. Den Anstren-
gungen zum Trotz sind bei einigen Schutzgütern, insbesondere bei den Grünland-
Schutzgütern, Verschlechterungen und Flächenverluste aufgetreten (siehe Kapitel III.1). Für

 
11
diese, auf eine bestimmte wiederkehrende Nutzung oder Pflege angewiesenen Schutzgüter
sind Agrar-Umweltmaßnahmen (AUM) ein zentrales Instrument, mit dem diese Nutzung und
Pflege aufrechterhalten werden kann. Beim Lebensraumtyp (LRT) „Artenreiche Borstgrasra-
sen“ lag die AUM-Abdeckung im Jahr 2018 zum Beispiel bei 66 Prozent
(
AFC
et
al.
2019)
.
Trotz dieser an sich hohen Quote war der LRT von Flächenverlusten betroffen. Das lag vor
allem an den vielen Kleinst- und Splitter-Flächen, für die vielfach keinerlei Nutzungsinteresse
besteht. Künftig muss verstärktes Augenmerk darauf gerichtet werden, auch diese Flächen
in die Förderung zu bringen oder die Pflege auf anderen Wegen abzusichern beziehungs-
weise verlorengegangene Flächen durch investive Maßnahmen zu reaktivieren.
II.8
Gewässer bezogene Maßnahmen
Für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und zur Erreichung der ökologi-
schen Umweltziele wurden von 2009 bis Mitte 2020 circa 3.000 Maßnahmen im Bereich der
Reduzierung von Stoffeinträgen aus Kläranlagen und Kanaleinleitungen in die Oberflächen-
gewässer umgesetzt. Der größte Teil dieser Maßnahmen waren Ertüchtigungen von Klein-
kläranlagen auf vollbiologische Abwasserreinigung und der Anschluss von privaten Haushal-
ten an die öffentliche Abwasserbehandlung. Mit den Zielen einer Verbesserung der Durch-
gängigkeit und der Lebensraumvielfalt in den Gewässern wurden zwischen 2009 und Mitte
2020 fast 4.000 Maßnahmen realisiert. Über die Richtlinie zur Förderung von Maßnahmen
zur Verbesserung des Gewässerzustands und des präventiven Hochwasserschutzes
(
RL
GH/2018
,
2007) wurden in diesem Zeitraum 43 auf die Entwicklung ökologisch wertvoller
Gewässer gerichtete kommunale Maßnahmen gefördert. Die erhebliche Anzahl umgesetzter
Maßnahmen spiegelt sich bislang jedoch noch nicht im gewünschten Maße im Erreichen des
angestrebten guten ökologischen Zustands von Gewässern wider. So befinden sich nach
den Vorgaben der WRRL aktuell (Stand: Oktober 2020) 7 Prozent Fließgewässer-
Wasserkörper in einem guten ökologischen Zustand. Zusätzlich zu der vollzugsbegleitenden
Umsetzung der Einzelmaßnahmen, erfolgt daher insbesondere seit Ende des Jahres 2019
eine verstärkte Bearbeitung regionaler/überregionaler Pläne. Erstellt wurde ein
Sächsisches
Auenprogramm
dessen schrittweise Umsetzbarkeit neben erforderlichen personellen und
finanziellen Kapazitäten im Wesentlichen von Fragen der Flächenverfügbarkeit und regiona-
len Akzeptanz abhängt. Neben zahlreichen anderen Maßnahmen zur Förderung der biologi-
schen Vielfalt hygrophiler Lebensräume und Arten bilden die gewässerbezogenen Maßnah-
men zur Wiederanbindung ehemaliger Auen in diesem Programm einen Schwerpunkt.
Die Verbesserung der Gewässergüte und -strukturen bleibt weiterhin eine vordringliche Auf-
gabe, um die Ziele der WRRL erreichen zu können. Eine verstärkt ökologische Ausrichtung
der Gewässerunterhaltung und die naturnähere Entwicklung von ausgebauten Bächen müs-
sen weiter unterstützt werden. Dabei sind Lösungen, die es ermöglichen, wirtschaftlich ge-
nutzte Gewässerrandstreifen ökologisch aufzuwerten und parallel die Ertragseinbußen der
Landbewirtschafter sowie den Wertverlust für die Flächeneigentümer auszugleichen, vor-
dringlich zu erarbeiten. Der begonnene Prozess der Umsetzung des
Sächsischen
Auenpro-
gramm
s
kann zukünftig durch die Akquirierung weiterer Projektträger beschleunigt werden.
Eine weitere wesentliche Voraussetzung, um die WRRL-Ziele zu erreichen, ist die Herstel-
lung einer ausreichenden Flächenverfügbarkeit. Daher ist es essenziell, die Akzeptanz für
die Notwendigkeit, natürliche Überschwemmungsräume zu erhalten und wiederherzustellen,
zu erhöhen, um einschlägige Projekte zeitgerecht umsetzen zu können. Für eine erfolgreiche
Realisierung muss daher auch in Zukunft auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den
konzeptionellen Vorarbeiten, der (vorausschauenden) Flächenbeschaffung, der Planung und
Genehmigung bereits priorisierter Maßnahmen sowie deren Umsetzung geachtet werden.

 
12
II.9
Maßnahmen in der Landwirtschaft
Der Anteil des ökologischen Landbaues im Freistaat Sachsen hat über eine kontinuierliche
Förderung über die
Richtlinie
Ökologischer/Biologischer
Landbau (RL ÖBL/2015) eine stete
weitere Zunahme erfahren und erreicht Ende des Jahres 2019 mittlerweile einen Anteil von
7,5 Prozent der Landesfläche beziehungsweise 67.314 Hektar sowie 13 Prozent der Land-
wirtschafts-Betriebe (804 Betriebe) im Freistaat Sachsen. Ungeachtet dessen wird der Frei-
staat Sachsen gemäß Koalitionsvertrag weiterhin eine stete und marktkonforme Zunahme
des ökologischen Landbaues unter anderem über die Förderung anstreben, um damit die
Biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft zu verbessern.
Die Anreicherung der Agrarlandschaft mit vielfältigeren Landschafts- und Nutzungsstrukturen
für die Stärkung der biologischen Vielfalt im Bereich des Ackerlandes hat auf Basis freiwilli-
ger Maßnahmen im Rahmen der AUM-Förderung der 2. Säule der GAP (Tabelle 1) sowie
durch
Ökologische
Vorrangflächen
(„EFA“) das heißt, durch das „Greening“ im Bereich der 1.
Säule der GAP bis zum Jahr 2020 stetig zugenommen. So wurden im Rahmen des Greening
Brachen, Pufferstreifen und Landschaftselemente auf circa 12.050 Hektar oder 1,7 Prozent
der Ackerfläche angelegt und erhalten sowie im Rahmen der RL AUK/2015 verschiedene
begrünte Brachen, Stoppelbrachen, Blühflächen und naturschutzgerechte Ackernutzungen
auf weiteren circa 24.635 Hektar beziehungsweise 3,5 der Ackerfläche realisiert. Zur Unter-
stützung der biologischen Vielfalt und der Kulturartenvielfalt im Rahmen von Fruchtfolgen
wurde Leguminosen, Ackergräser wie auch ein vielfältiger Zwischenfruchtanbau auf circa
69.240 Hektar im Rahmen des Greening und 28.458 Hektar im Rahmen der AUM-Förderung
realisiert, das heißt auf circa 14 Prozent der sächsischen Ackerfläche befördert.
Im Freistaat Sachsen wurden entsprechend den Vorgaben der geänderten nationalen Dün-
geverordnung (DüV) aus dem Jahr 2017 im Jahr 2019 sogenannte „Rote Gebiete“ mit drei
erhöhten Anforderungen zur Umsetzung der DüV ermittelt und ausgewiesen. Diese dienen
der Verbesserung der Düngeeffizienz und zur Verminderung von Nährstoffverlusten und um-
fassen circa 20 Prozent der sächsischen Landesfläche. In Folge der geänderten DüV vom
April des Jahres 2020 werden bis Ende des Jahres 2020 die „Roten Nitrat-Gebiete“ weiter
präzisiert und neufestgelegt. In diesen gelten dann ab 1. Januar 2021 die verschärften An-
forderungen an die Stickstoff-Düngung (unter anderem die um 20 Prozent reduzierte Dün-
gung). Daneben werden zusätzliche Maßnahmen zur Reduktion von P-Einträgen in Gewäs-
ser sachsenweit mit der
Sächsischen
Düngerechtsverordnung
(SächsDüReVO) geregelt. Mit
all diesen Maßnahmen werden die Nährstoffeinträge in die Umwelt verringert und die Nähr-
stoffüberschüsse weiter gesenkt. Ergänzt wird diese Herangehensweise zur Verbesserung
der Nährstoffausnutzung durch zwei geförderte Projekte zum Wissenstransfer für landwirt-
schaftliche Unternehmen im Bereich der prioritären WRRL-Gebiete zur Nitrataustragsminde-
rung und im Bereich der Erosionsminderung zur P-Austragsminderung in Gewässer.

 
13
II.10 Maßnahmen in der Forstwirtschaft
Das im Jahr 2017 veröffentlichte
Naturschutzkonzept
des Staatsbetriebes Sachsenforst für
den sächsischen Landeswald
bildet die konkrete Leitlinie für die praktische Naturschutzarbeit
vor Ort in den Forstbezirken. Dabei verfolgt der Sachsenforst eine integrative Naturschutz-
strategie, durch die der Landeswald auf ganzer Fläche durch naturnahe Waldbewirtschaf-
tung als Lebensraum erhalten und entwickelt wird. Integrativer Naturschutz bedeutet aber
auch, dass Flächen mit besonderem Wert für den Naturschutz einen besonderen Schutz
erhalten. Dies betrifft Flächen mit hohem Biotopwert, Lebensstätten besonders schutzbedürf-
tiger Arten sowie Wald in Schutzgebieten. Auch das Unterlassen weiterer Holznutzungen
kann damit verbunden sein. Höhlenreiche Einzelbäume und Altholzinseln unterliegen ohne-
hin einem gesetzlichen Schutz. Darüber hinaus werden im Landeswald in Waldbiotopen ab
einem Bestandesalter von 80 Jahren Gruppen aus zehn bis fünfzehn starken Bäumen aus-
gewiesen, um sie dem natürlichen Zerfall zu überlassen (Biotopbaumgruppen). Bis Ende des
Jahres 2019 wurden 1.331 Biotopbaumgruppen im Landeswald ausgewiesen. Es werden
auch zunehmend ganze Waldbestände aus der Nutzung genommen. Die nutzungsfreie Lan-
deswaldfläche wird bis Ende des Jahres 2020 circa 16.000 Hektar (7,7 Prozent der Lan-
deswaldfläche) betragen.
Zur Anpassung an den Klimawandel werden auf großer Fläche
Nadelbaumreinbestände
umgebaut
in stabile, arten- und strukturreiche Mischwälder. Ziele sind die Stärkung der Wi-
derstandsfähigkeit und des ökologischen Wertes der Wälder und der Schutz der Naturgüter
im Wald. Wichtigste Baumarten dabei sind Rotbuche, Stiel- und Traubeneiche sowie Weiß-
tanne. Im Landeswald wurden in den letzten fünf Jahren durchschnittlich circa
1.160 Hektar/Jahr im Rahmen der Waldverjüngung umgebaut. Darüber hinaus wurden seit
dem Jahr 2016 jährlich rund 150 Hektar Waldumbau im Privat- und Körperschaftswald im
Rahmen der Richtlinie Wald und Forstwirtschaft gefördert. Wie die extreme Zunahme der
Waldschäden infolge von Stürmen, Dürre und Bokenkäferkalamitäten drastisch aufzeigt, wird
in den nächsten Jahren der Waldumbau weiter zu forcieren sein.
Zur Mehrung ökologisch stabiler Wälder wurden vom Sachsenforst in den letzten fünf Jahren
durchschnittlich circa 33 Hektar/Jahr landeseigene Flächen erstaufgeforstet. Darüber hinaus
hat der Freistaat Sachsen seit dem Jahr 2016 die Erstaufforstung durch die Gewährung von
Fördermitteln auf einer Fläche von circa 25 Hektar/Jahr unterstützt.
Im oberen Erzgebirge wurden mehrere über den Europäischen Fonds für regionale Entwick-
lung der Europäischen Union geförderte Projekte umgesetzt, mit denen die Voraussetzungen
für die natürliche Regeneration der Moore geschaffen wurden
(
Moorevital
).
Die genannten Maßnahmen leisten einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der biologischen
Vielfalt im sächsischen Wald.

 
14
II.11 Maßnahmen in Jagd und Fischerei
Entsprechend der Jagdgesetzgebung wirken die Jagdausübungsberechtigten im Freistaat
Sachsen bei der systematischen Erfassung, Beobachtung und Überwachung bestimmter
Wildarten mit. Hierzu wurde die EDV-Anwendung sächsisches
Wildmonitoring
entwickelt. In
der Hauptsache dient das Wildmonitoring dazu, im Rahmen des Artenschutzes und für die
Hege des Wildes Kenntnisse über dessen Vorkommen und Bestand zu gewinnen.
Zahlreiche geschützte Tierarten wie der Luchs oder das Birkhuhn unterliegen dem Jagd-
recht. Der Freistaat Sachsen hat im August des Jahres 2019 ein
Artenschutzprogramm
Birk-
huhn
in Kraft gesetzt. Das Programm ist insbesondere auf die Sicherung und Wiederherstel-
lung der Lebensräume dieser europaweit vom Aussterben bedrohten und in Deutschland
streng geschützten Art gerichtet. Bevorzugte Lebensräume des Birkhuhns sind niedrige, lich-
te Wälder, Randbereiche von Mooren sowie Kahlflächen und Heidegebiete, in denen gerade
Wald heranwächst. Da auch der Einfluss von Prädatoren (insbesondere Fuchs, Schwarzwild)
und Rotwild auf die Birkhuhnpopulation beträchtlich ist, beinhaltet das Artenschutzprogramm
auch ein spezielles Jagdregime.
Gemeinsam mit den sächsischen Anglern wurden umfangreiche Besatz- und Forschungs-
programme zur Bestandsstützung und zum Monitoring von Aal, Lachs, Äsche, Quappe,
Meerforelle, Flussperlmuschel und Malermuschel fortgesetzt oder neu begonnen. Bei Lachs
und Meerforelle koordiniert der Freistaat Sachsen seit dem Jahr 2019 die Wiederansied-
lungsprogramme an der Elbe im länderübergreifenden
Programm
„Salmo
albis
“.
Zukünftig
sollten die länderübergreifenden Programme für Lachs, Äsche und Flussperlmuschel fortge-
setzt sowie Bestandsstützungsprogramme für Barbe, Elritze, Groppe und Karausche unter-
stützt werden. Neben einer stärkeren Einbindung der Anglerverbände in die Programme soll-
te die Förderung des Baus von Brutanlagen zur Vermehrung gefährdeter Wildfischarten im
Fokus stehen. Außerdem sind populationsgenetische Untersuchungen gefährdeter Arten
sowie Programme zur Untersuchung von Status und Einfluss invasiver Arten auf die Bio-
diversität autochthoner Fischarten zu unterstützen.
Defizite bestehen bei der Umsetzung der Programme insbesondere durch die fehlende
Durchwanderbarkeit der Fließgewässer. Die Anzahl der
Fischaufstiegsanlagen
im Freistaat
Sachsen hat sich von 309 (davon 232 funktionsfähig) im Jahr 2008 auf aktuell 472 (davon
257 funktionsfähig und 111 teils funktionsfähig) erhöht. Zurzeit gibt es nur 23 funktionsfähige
Fischabstiegsanlagen. Insgesamt gibt es im Freistaat Sachsen 11.469 erfasste Querbauwer-
ke in Fließgewässern, von denen 1.016 (9 Prozent) stromauf- und 1.034 (9 Prozent) strom-
abwärts für Fische passierbar sind. Trotz Zunahme der Gesamtzahl von Fischaufstiegsanla-
gen hat sich die Zahl voll funktionsfähiger Anlagen und damit die Fließgewässerdurchgän-
gigkeit für Fische kaum erhöht. Defizite gibt es bei Anlagen zum Fischabstieg sowie bei der
Wartung und Instandhaltung der vorhandenen Fischaufstiegsanlagen. Nach Wegfall der För-
derung der Errichtung von Fischwanderhilfen hat sich der Prozess zur Herstellung der
Durchgängigkeit verlangsamt und ist beim Privatsektor praktisch zum Stillstand gekommen.
Nur die LTV und kommunale Träger setzen noch Maßnahmen planmäßig um. Schwerpunkte
des künftigen Handelns liegen in der Fortsetzung des Programms zur Herstellung der Fisch-
durchgängigkeit, in der Wartung vorhandener Anlagen sowie im Rückbau von Wehranlagen
und der Verbesserung der Strukturgüte der Fließgewässer.

 
15
II.12 Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung
Seit dem Jahr 2017 unterstützt der Freistaat Sachsen basierend auf der Koalitionsvereinba-
rung vom 10. November 2014 und dem vom Sächsischen Landtag am 11. April 2017 be-
schlossenen Antrag (Drucksache. 6/8984) die
sächsischen
Naturschutzstationen
.
In den
Jahren 2017 und 2018 betrug die Unterstützung jeweils 1,5 Millionen Euro und in den Jahren
2019 und 2020 jeweils 1,85 Millionen Euro. Insbesondere bestehende Naturschutzstationen
sollten unterstützt, bestehende Strukturen gesichert sowie auf Landesebene besser integriert
und kreisübergreifend vernetzt werden. Seither werden jährlich knapp 50 Naturschutzstatio-
nen, zum Teil in Kooperationen, finanziell unterstützt. Durch ein Netzwerk an arbeitsfähigen
Naturschutzstationen wird die Erreichung der Naturschutzziele (praktische Naturschutzar-
beit/Schutzgebietsbetreuung und Umweltbildung/Öffentlichkeitsarbeit) im Freistaat Sachsen
sichergestellt. Die Koordinierung der Unterstützung ist Aufgabe der Sächsischen Landesstif-
tung Natur und Umwelt (LaNU). Die Unterstützung erfolgt auf Grundlage von Kooperations-
verträgen zwischen der LaNU und den Landkreisen/Kreisfreien Städten. Durch regelmäßige
Treffen wird die Vernetzung der Naturschutzstationen untereinander und mit weiteren Akteu-
ren im Naturschutz und der Umweltbildung befördert.
Das Thema Biologische Vielfalt bildet im Rahmen des Bildungsauftrages der
Akademie
der
Sächsischen
Landesstiftung
Natur
und
Umwelt
einen Schwerpunkt. Diese führt jährlich circa
70 Bildungsveranstaltungen (Exkursionen, Fachtagungen, Bestimmungskurse, Landschafts-
tage et cetera) zur Biologischen Vielfalt durch. Die Akademie der LaNU wirkt im Projekt
„Qualifizierung und Zertifizierung von Artenkennern“ des Bundesweiten Arbeitskreises der
staatlich getragenen Umweltbildungsstätten im natur- und Umweltschutz (BANU) in den Jah-
ren 2020/2021 mit. Fortlaufend werden Rechtsschulungen und Schulungen zum Konfliktma-
nagement sowie spezielle Fachfortbildungen für den ehrenamtlichen Naturschutzdienst an-
geboten.
Daneben engagiert sich das SMEKUL im Bereich der Nachwuchsgewinnung für den Ehren-
amtlichen Naturschutzdienst. Das Programm
Junge
Naturwächter
Sachsen
richtet sich an
Kinder und Jugendliche ab sieben Jahren, die gerne draußen sind, sich für Natur und Land-
schaft sowie biologische Vielfalt interessierten und im Naturschutz aktiv werden möchten. In
einer Kooperation zwischen dem Landkreis Mittelsachsen, der LaNU und dem SMEKUL
wurden zwei Handlungsleitfäden für diese Ausbildung entwickelt. Inzwischen bilden 14 säch-
sische Einrichtungen aus sieben kreisfreien Städten beziehungsweise Landkreisen Junge
Naturwächter aus.
Das SMEKUL unterstützt die sachsenweite Etablierung der Plattform
RegioCrowd
Sach-
sen“. Dies ist das Engagementportal für Naturfreunde in Sachsen. Unter dem Motto „Zeit
schenken, Naturerlebnisse gewinnen“ kann sich jeder beteiligen. In derzeit 13 Regionen im
Freistaat Sachsen werden die Möglichkeiten Unternehmensengagement, Zeit einbringen,
Crowdfunding und Junges Land angeboten.

 
16
III. Wirkung der Maßnahmen
III.1
FFH-Arten- und Lebensraumtypen
Zu den Arten und Lebensraumtypen (LRT) der FFH-Richtlinie kann auf Ergebnisse des zur
Umsetzung der FFH-Richtlinie gehörenden FFH-Monitorings zurückgriffen werden, das alle
sechs Jahre, zuletzt im Jahr 2019, zur Berichterstattung an die EU ausgewertet wird. Zur
Darstellung und Erläuterung des FFH-Berichts im Einzelnen wird auf die
Ergebnisdarstellung
zum
FFH-Bericht
im
Internet
verwiesen. Bei der Interpretation der Ergebnisse muss insbe-
sondere beachtet werden, dass mit dem Bericht vor allem seltene und geschützte Teile der
Biodiversität und nicht die „Normallandschaft“ erfasst werden. Der überwiegende Teil der
FFH- Schutzgüter weist sowohl im Bundes- als auch im Landesmaßstab ungünstige und
zum Teil schlechte Erhaltungszustände auf und unterstreicht damit den hohen Handlungs-
bedarf (Abbildung 1). Wegen der aus Sicht der EU-KOM nicht ausreichenden Umsetzung der
FFH-RL sind zwei Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland anhängig, von denen
auch der Freistaat Sachsen betroffen ist (unter anderem Verluste an Flachland- und Berg-
Mähwiesen in verschiedenen FFH-Gebieten).
Über die Zustandsveränderungen gegenüber vorangegangenen Berichtsperioden gibt der
Parameter „Gesamttrend“ Auskunft (Abbildung 2). Damit werden auch Änderungen einzelner
Teilparameter erfasst, die (noch) nicht zur Veränderung des Gesamtwertes beigetragen ha-
ben. Die meisten FFH-Lebensraumtypen im Freistaat Sachsen (51 Prozent) weisen sich ver-
schlechternde Trends auf. Bei den Arten liegt ihr Anteil mit 46 Prozent etwas niedriger, ist
aber immer noch weitaus größer als der Anteil von Arten mit sich verbessernden Trends.
Gruppiert man die Lebensraumtypen nach übergeordneten Ökosystemtypen, zeigt sich eine
differenzierte Verteilung: Der Schwerpunkt schlechter und ungünstiger Wertstufen liegt im
Offenland. Besonders betroffen sind auch Schutzgüter der Auen und Moore. Vertreter der
LRT mit abnehmendem Trend sind die Borstgrasrasen, die zugleich Pflanzengesellschaft
des Jahres 2020 sind.
Im Rahmen zweier Projekte des Förder- und Fachbildungszentrums Zwickau zur
Zustands-
verbesserung
der
Lebensraumtypen
Pfeifengraswiesen
(LRT
6410)
und
Borstgrasrasen
(LRT
6230)
,
deren Zustand landesweit als „ungünstig“ bewertet wurde, konnten unter erheb-
lichem Personaleinsatz Erfolge erzielt werden. Ziel des Projektes waren 69 LRT-Flächen mit
bestehenden Pflegedefiziten, teils bereits erfolgter Verbrachung und bisher nicht genutzter
Förderung.
Bis Ende des Jahres 2020 konnte hier als Ergebnis intensiver Gespräche vor allem mit aktu-
ellen oder potenziellen Bewirtschaftern und der Anbahnung von Ersteinrichtungsmaßnahmen
für 31 Flächen eine Fördermaßnahme initiiert werden (Beantragung spätestens im Jahr 2021
vorgesehen). Mit einer angepassten oder wieder aufgenommenen Flächenpflege ist eine
zügige Wiederherstellung bzw. Zustandsverbesserung dieser Flächen zu erwarten.

image
17
Abbildung 1: Erhaltungszustände der im Freistaat Sachsen vorkommenden 47 FFH-Lebensraumtypen
(links) und 92 FFH-Arten(-gruppen) (rechts) im Berichtszeitraum 2013 bis 2018; ermittelt nach der bun-
deseinheitlichen Methode zur Erstellung des nationalen Berichtes nach Artikel 17 FFH-Richtlinie; Stand
08.04.2019. Für weitere Informationen siehe
Hintergrundpapier.
Abbildung 2: Gesamttrend aller Bewertungsparameter der im Freistaat Sachsen vorkommenden FFH-
Lebensraumtypen und FFH-Arten(-gruppen) im Berichtszeitraum 2013 bis 2018
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
Lebenraumtypen
Arten
sich verbessernd
stabil
sich verschlechternd
unbekannt

 
18
III.2
Brutvögel
Im nationalen Vogelschutzbericht, der aufgrund von Artikel 12 der europäischen Vogel-
schutzrichtlinie im Sechsjahresturnus zu erstellen ist, wird unter anderem die Bestandsent-
wicklung der Brutvogelarten im sogenannten Kurzzeittrend erfasst. Hierfür wurde bundesein-
heitlich der Zeitraum 2004 bis 2016 angesetzt. In der Abbildung 3 wird die Verteilung der
Trendklassen für den Freistaat Sachsen dargestellt.
Abbildung 3: Prozentuale Verteilung der Trendklassen für die Abnahmen (rot), stabile Entwicklung (grau)
und Zunahmen (grün) im Kurzzeittrend der Arten nach Ergebnissen des Monitorings häufiger und selte-
ner Brutvögel; n=83; Quelle: Zuarbeit zum nationalen Vogelschutzbericht aus dem Jahr 2019.
Die mit Abstand meisten Arten (circa 41 Prozent) weisen einen stabilen Trend auf (Klasse 0
+/- 10 Prozent). Rund 23 Prozent der Arten weisen negative und rund 35 Prozent positive
Trends auf.
In der Zwischenauswertung zum sächsischen Biodiversitätsprogramm wurde der Mangel an
systematischen Indikatoren für die Agrarlandschaft festgestellt
(
SMUL
2013
).
Inzwischen
liegen für einige typische Feldvogelarten Trenddaten aus dem
Monitoring
häufiger
Brutvögel
der staatlichen Vogelschutzwarte/BfUL vor, die den statistischen Anforderungen genügen
(Abbildung 4).
0%
0%
0%
0%
1%
1%
1%
7%
12%
41%
9%
9%
7%
4%
1%
0%
1%
2%
2%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
35%
40%
45%

image
image
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19

image
image
image
20
Abbildung 4: Bestandsentwicklung typischer Brutvogelarten der Agrarlandschaft im Berichtszeitraum
(Daten aus dem Monitoring häufiger Brutvögel (MhB) im Freistaat Sachsen
Nach den Trendklassifizierungsschemata des DDA zeigen zwei Arten stabile Trends (Star,
Goldammer). Auch die Daten für den Neuntöter lassen auf einen stabilen Trend schließen,
jedoch sind die Trendaussagen unsicher. Die Trendlinien für die Feldlerche zeigen eine mo-

21
derate und für die Dorngrasmücke eine starke Abnahme, während für den Feldsperling eine
moderate Zunahme angezeigt wird. Insgesamt überwiegen bei den Feldvogelarten, für die
ausreichend Daten verfügbar sind, jedoch die negativen Trends. Diese Arten repräsentieren
nicht das gesamte Spektrum von Feldvogelarten. Es fehlen die Arten, die hohe Anforderun-
gen an extensiv genutztes Grünland stellen. Sie sind in der Zufallsstichprobe, die dem bun-
deseinheitlichen Monitoring häufiger Brutvögel zugrunde liegt, unterrepräsentiert. Gerade bei
diesen Arten hat es in der jüngeren Vergangenheit drastische Bestandseinbrüche gegeben.
So zeigen beispielsweise die für den Vogelschutzbericht aufbereiteten Daten für das Braun-
kehlchen Bestandsrückgänge im langfristigen Trend (24 Jahre) von 80 bis 90 Prozent. Das
SMEKUL veranlasste im Jahr 2016, ein Kooperationsprojekt mit den grünlandreichen Land-
kreisen der Erzgebirgsregion zu initiieren
Aufbau
eines
überregionalen
Kompetenznetzes
Wiesenbrütermanagement“
.
Darin wurden auch aktuelle Grundlagendaten durch jährliche
Erfassungen gewonnen. Bekassine, Wachtelkönig, Braunkehlchen und Wiesenpieper waren
die Zielarten des Schutzprojekts (Abbildung 5). Nach drei Erfassungsjahren können noch
keine sicheren Trendaussagen getroffen werden. Als erste Tendenz kann geschlussfolgert
werden, dass sich die Bestände auf niedrigem Niveau stabilisiert haben. Noch wichtiger als
die Schlussfolgerungen für die Gesamtpopulation sind die Erkenntnisse zur Wirksamkeit von
Maßnahmen. Im Projekt hat sich erwiesen, dass bei Arten wie dem Braunkehlchen durch
gezieltes, Brutpaar bezogenes Handeln, der Bruterfolg verbessert werden kann.
Abbildung 5: Bestandsentwicklung (Anzahl besetzte Reviere/Rufer) der Zielarten des Wiesenbrüterprojek-
tes in der Erzgebirgsregion (Erzgebirgskreis, Landkreis Mittelsachsen, Vogtlandkreis, Landkreis Zwickau)
0
50
100
150
200
250
2017
2018
2019
Braunkehlchen
Wiesenpieper
Wachtelkönig
Bekassine

image
 
22
III.3
Rote Listen
Auch die nach bundeseinheitlicher Systematik erstellten Roten Listen lassen Rückschlüsse
zu den Veränderungen der Biodiversität im Programmzeitraum zu. In der zweiten Hälfte des
Programmzeitraums sind die Roten Listen zu den
Wirbeltieren
,
Steinfliegen
und
wasserbe-
wohnenden
Käferarten
fertiggestellt worden. Der für sie eingestufte Kurzzeitrend über-
schneidet sich weitgehend mit dem Programmzeitraum (siehe Abbildung 6). Die Artengrup-
pen unterscheiden sich deutlich in den Anteilen der Trendkategorien. Während bei den
überwiegend in Fließgewässern lebenden Steinfliegen der Anteil von Arten mit zunehmen-
den Trends gegenüber denjenigen mit abnehmenden Trends überwiegt, ist das bei den Ge-
wässer bewohnenden Käferarten, die in hohen Anteilen auch stehende Gewässer und Moo-
re besiedeln, umgekehrt. Bei den Steinfliegen zeigen sich die anhaltenden Effekte der ver-
besserten Wasserqualität in den Fließgewässern nach der Wende. Die Lebensräume der
Wasserkäfer sind in stärkerem Maße Beeinträchtigungen unterworfen, unter anderem durch
Stoffeinträge (Nährstoffe und Pflanzenschutzmittel) und Gewässerausbau/-nutzung. Die
höchsten Anteile von Arten abnehmender Trends weisen die Amphibien auf. Nahezu alle
Arten weisen teils gravierende Bestandsrückgänge auf. Durch Lebensraumzerschneidungen
und -verluste durch Überbauung sowie die Folgen landwirtschaftlicher Intensivierung, die von
Effekten des Klimawandels zusätzlich verschärft werden, kommt es zu teils gravierenden
Bestandsrückgängen. Ähnlich hohe Anteile von Arten mit kurzfristigen Bestandsrückgängen
weisen innerhalb der Säugetiere die Fledermäuse auf. An Gefährdungsfaktoren tritt hier der
zunehmende Verlust von Quartieren im Bereich der Dörfer und Städte durch die Gebäudes-
anierung hinzu. Im Rahmen des Biodiversitätsprogramms sind gezielte Artenhilfsmaßnah-
men für stark gefährdete Arten ergriffen worden, mit denen der Lebensraumverlust in einigen
Rückzugsgebieten kompensiert werden konnte. Für die
Kreuzkröte
konnten Wege aufgezeigt
werden, wie in Zusammenarbeit mit Unternehmen des Abbaus erdgebundener Rohstoffe
Ersatzlebensräume geschaffen werden können. Für die Fledermausarten wie
Nordfleder-
maus
und
Kleine
Hufeisennase
konnten Quartiere erhalten und instandgesetzt werden. Die-
se Maßnahmen sind in der Summe jedoch (noch) nicht in der Lage, eine Trendumkehr zu
bewirken.
Abbildung 6: Anteile der Kategorien des Kurzzeittrends bei Säugetierarten, Brutvögeln Amphi-
bien/Reptilien, Fischen, wasserbewohnenden Käferarten, und Steinfliegen entsprechend den Roten Listen
für den Freistaat Sachsen mit Redaktionsschluss ab dem Jahr 2015.

 
23
IV. Fazit
Auf der Grundlage des abgelaufenen Programms „Biologische Vielfalt 2020“ sind im Ge-
schäftsbereich des SMEKUL zahlreiche Maßnahmen zur Erhaltung der Biodiversität ergriffen
worden. Die gesteckten Handlungsziele sind überwiegend erreicht worden.
Die Effekte der Maßnahmen auf die Biodiversität sind vielfach erst nach mehreren Jahren
messbar. Ihre Bewertung wird aber auch dadurch erschwert, dass im Programm keine
messbaren Zielaussagen zur angestrebten Wirkung der Maßnahmen auf die Umwelt (soge-
nannte Umweltqualitätsziele) enthalten waren. Die Daten der verschiedenen Monitoringsys-
teme liefern jedoch Anhaltspunkte zu den Entwicklungstrends. Es wird erkennbar, dass eine
Trendumkehr im Artensterben, wie diese unter anderem in den
Aichi-Zielen
der Vereinten
Nationen angestrebt wird, nicht erreicht werden konnte. Im Gegenteil, viele Arten und Le-
bensräume sind, trotz zahlreicher Gegenmaßnahmen, weiter im Bestand zurückgegangen.
Es gibt jedoch auch zahlreiche Indizien, die auf positive Effekte einzelner Maßnahmen hin-
deuten. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass die negativen Bestandstrends ohne die
Maßnahmen noch deutlicher ausgefallen wären. Und sie zeigen: Handeln lohnt sich.
Der grundlegende Befund unzureichender Positiveffekte auf die Biodiversität trifft in gleicher
Weise auch für die Bilanzen der Nationalen Biodiversitätsstrategie, zur Biodiversitätsstrate-
gie der EU sowie für den strategischen Plan der Vereinten Nationen zu.
1
Die Gründe lassen sich folgenden abstrakten Kategorien zuordnen:
Ungeeignete Ziele hinsichtlich Ambitioniertheit und Operationalisierbarkeit
Zu kurzer Betrachtungszeitraum und unzureichende Indikationssysteme
Unzureichende Maßnahmen in Umfang und Qualität
Unzureichende Finanzmittel zur Umsetzung
Unzureichende Verknüpfung mit anderen Politikbereichen
Nicht oder nur sehr langfristig beeinflussbare Außenfaktoren
Unzureichendes gesellschaftliches Bewusstsein
Rücksichtnahme auf die Belange der wirtschaftlichen Entwicklung in allen Bereichen,
auch wenn sie zu anhaltenden Biodiversitätsverlusten und zu einer Klimakrise führt
Das bloße Fortsetzen und Fortschreiben früherer Konzepte über das Jahr 2020 hinaus reicht
nicht aus. Die Erfahrungen in der zu Ende gehenden UN-Dekade Biologische Vielfalt haben
die Stärken und Schwächen der verschiedenen Zielkonzepte offenbart. Es gilt, schnell dar-
aus Lehren zu ziehen, um noch wirksamer das globale Artensterben aufzuhalten.
Für den Freistaat Sachsen bedeutet das, dass eine Neu-Programmierung erforderlich ist.
Die zeitliche Reichweite des künftigen Biodiversitätsprogramms sollte sich den Dimensionen
der nationalen und internationalen Zielkonzepte orientieren, das heißt, es sollte einen kurz-
fristigen Horizont bis zum Jahr 2030 und einen langfristigen Horizont bis zum Jahr 2050 auf-
weisen.
Im Mittelpunkt sollten ambitionierte und abrechenbare Handlungsziele stehen, die durch wir-
kungsbezogene Ziele („Qualitätsziele“) ergänzt werden.
Der Mittelbedarf sollte ausgewiesen werden.
Die Handlungsfelder sollten auf weitere Politikbereiche ausgedehnt werden.
1
Evaluierungen im einzelnen UN:
https://www.cbd.int/gbo5
, EU: New Green Deal, Bund:
https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/natura2000/Dokumente/bericht_lage_natur_2020.pdf
,
https://biologischevielfalt.bfn.de/fileadmin/BfN/daten_fakten/Rechenschaftsbericht_2017.pdf

 
24
Die Programmierung sollte als partizipativer Prozess unter Mitwirkung der relevanten Umset-
zungsakteure ausgestaltet werden.
Zitierte Quellen
AFC – ART – Entera – TSS-Forstplanung (2019): Zentralbewertung des EPLR im Freistaat
Sachsen 2014 – 2020. Endbericht.
https://www.smul.sachsen.de/foerderung/download/Zentralbewertung_EPLR-
SN_Endbericht.pdf
Abruf 1.10.2020
Lakner, S., Y. Zinngrebe & D. Koemle (2020): Combining management plans and payment
schemes for targeted grassland conservation within the Habitats Directive in Saxony,
Eastern Germany. Land Use Policy 97
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0264837719316382?via%3Dihub
,
Abruf 1.10.2020
SMEKUL (2012): Agrarbericht 2011 in Zahlen.
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/15330/documents/19552
Abruf 1.12.2020
SMEKUL (2013): Biologische Vielfalt 2020. Programm, Maßnahmenplan und -bericht des
Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft.
https://www.natur.sachsen.de/download/BioVielfalt2020.pdf
Abruf 1.12.2020
SMEKUL (2018): Agrarbericht 2018.
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/30754/documents/46547
Abruf 1.12.2020