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Das Forschungsprojekt SiQua
Gesellschaftlicher Wandel wirkt sich unmittelbar auf
das Zusammenleben in Städten und Stadtvierteln aus.
Diese Veränderungen beeinflussen die Sicherheitsla-
ge, aber auch die Wahrnehmung der Sicherheit in den
Wohngebieten.
Das Forschungsprojekt „Sicherheitsanalysen und
-vernetzung für Stadtquartiere im Wandel“ (SiQua) will
mithilfe empirischer Analysen der Frage nachgehen,
wie Akteure der lokalen Sicherheitspolitik, Kriminalprä-
vention und Quartiersentwicklung, aber auch Anwoh-
ner*innen mit den damit verbundenen Herausforde-
rungen umgehen.
Die Projektpartner*innen der DHPol Münster, der TU
Berlin, der TU Dresden, der Uni Potsdam und der Stif-
tung SPI Berlin analysieren in den Städten Dresden,
Essen und Berlin Konzepte zur Kompetenzstärkung
von Sicherheitsakteuren und zur Optimierung der
Sicherheit und Lebensqualität in sich wandelnden
Stadtquartieren.
Das Forschungsprojekt wird durch das Bundesminis-
terium für Bildung und Forschung im Rahmen des Pro-
gramms „Forschung für die zivile Sicherheit“ im The-
menfeld „Zukünftige Sicherheit in Urbanen Räumen“
von Juli 2018 bis Juni 2021 gefördert.
KPR
KPR
Analyse-
gruppe
Analyse-
gruppe
Ist-Soll-Bewertung
Ziellerreichung überprüfen
Überprüfen
Durchführung von
Maßnahmen
Handeln
thematische/räumliche
Strategien
Ziele formulieren
Analysieren
Verbesserungen
identifizieren und initialisieren
Anpassen
Die stetige Verbesserung der Qualität der Präventionsarbeit
Die Präventionsarbeit in Dresden gliedert sich in vier Phasen und lehnt sich damit an den PDCA-Zyklus nach Deming
(1992) an. So stößt das Projekt einen Kreislauf zur stetigen Verbesserung der Präventionsarbeit in Dresden an.
In
Phase 1 „Plan“
werden alle notwendigen Informationen zusammengetragen, die für eine Planung der
kommunalen Kriminalprävention notwendig sind. Diese Sicherheitsanalyse vereint soziodemographische
Daten, die Polizeiliche Kriminalstatistik, aber auch die Ergebnisse der Bevölkerungsbefragung. Aller-
dings sind objektive Daten nur bedingt aussagefähig. Sie bedürfen der Interpretation von ortskundi-
gen Expert*innen. Im Zusammenspiel von objektiven Daten und lokaler Expertise werden Zielset-
zungen und Maßnahmen der lokalen Präventionsarbeit passgenau abgeleitet. Bewährte Projekte
und Präventionsansätze, die im jeweiligen Stadtteil bereits Anwendung finden, können so beibe-
halten werden.
Die erfahrenen Akteure der lokalen Präventionsarbeit sind in
Phase 2 „Do“
von besonderer
Bedeutung. Sie bringen die beschlossenen Maßnahmen zum Leben. Durch ihr Wissen um die
lokalen Besonderheiten, ihr Engagement, aber auch ihre Beharrlichkeit in der Zusammenarbeit
mit anderen kommunalen Einrichtungen und der Verwaltung, entfalten die geplanten Projekte
erst ihre Wirksamkeit.
Phase 3 „Check“
stellt mit einem zeitlichen Abstand nicht nur die Frage, ob das Ziel erreicht
wurde, sondern auch, wie es erreicht wurde. Zeigen die Maßnahmen die gewünschte Wirkung?
Wird die richtige Zielgruppe angesprochen und erreicht? Wie gestaltet sich die Projektumset-
zung selbst?
Wichtig ist dabei, dass neben der Wirksamkeit der Projekte und Maßnahmen selbst auch die
Zusammenarbeit aller Beteiligter auf dem Prüfstand steht. Haben alle Akteure (vom Projektträger bis
zur kommunalen Verwaltung) das Projekt getragen, aber die Maßnahmen das Ziel verfehlt? Oder konn-
ten gute Maßnahmen aufgrund bürokratischer Hindernisse nicht adäquat umgesetzt werden?
Mit dem Übergang in
Phase 4 „Act“
wird noch einmal der gesamte bisher durchlaufene Prozess betrachtet
und das Vorgehen kritisch reflektiert. Zunächst stehen grundsätzliche Fragen im Raum. Ist das anfangs
gesetzte Ziel erreicht? Welche Stellschrauben müssen noch angepasst werden? Zudem müssen aktuelle Ent-
wicklungen berücksichtigt werden. Denn sollte die ursprüngliche Problemlage nicht mehr dieselbe sein, bedarf es
einer Anpassung der Ziele und Maßnahmen.
In Phase 4 werden alle Arbeitsschritte sowie die Zusammenarbeit aller Akteure noch einmal im lokalen
und im gesamtstädtischen KPR reflektiert. Die Best Practice wie auch die Beschreibung der Probleme
werden dokumentiert. Positive Beispiele sollen für andere Stadtgebiete übertragbar aufbereitet und
Fehler in anderen Kontexten vermieden werden.
Best Practice standardisieren:
Gab es keinerlei Probleme im Projektablauf und die Maßnahmen
konnten zur Zielerreichung beitragen, sollten die Gründe dafür festgehalten werden. Auf
diese Weise lässt sich die eigene gute Praxis dokumentieren und positive
Erfahrungen können so auch Akteuren in anderen Stadtgebieten zur Verfügung
gestellt werden.
Probleme beheben:
Sind im Projektablauf Schwierigkeiten aufgetreten, sollen die Problemfelder
benannt und überprüft werden. Die entsprechenden Anpassungen zur Fehlerbehebung werden
angeschoben.
Vorbereitung Neustart Phase 1:
Präventionsarbeit ist ein immer fortlaufender Prozess und
mehr als nur ein Projekt. Beginnt die erste Phase des Zyklus erneut, werden die in der Reflexionsphase gewonnenen
Erkenntnisse in die praktische Arbeit einbezogen.
Phase 4 - Anpassen
Nach einem Jahr erstellt die
Analysegruppe
ein aktualisiertes Lagebild. Neben der Darstellung der
aktuellen Sicherheitslage werden die Daten auch auf ihre Entwicklung über den Zeitverlauf geprüft.
Neben der Aktualisierung des Lagebilds lässt sich so überprüfen, ob die
gesteckten Ziele erreicht wurden oder nicht.
Auch in dieser Phase interpretiert der
lokale KPR
das Lagebild.
Zusätzlich zur Interpretation der Sicherheitsdaten bewertet das
Gremium, ob alle Ziele erreicht wurden. Aber auch, wie sich die
Zusammenarbeit mit den beteiligten Akteure gestaltete.
Es folgt eine Aktualisierung der Gebietsstrategie auf Basis der
objektiven und subjektiven Daten sowie den Erkenntnissen aus der praktischen Arbeit in
Phase 1. Die Prioritäten der Präventionsarbeit im Stadtgebiet werden bei Bedarf neu gesetzt.
Mit der Aktualisierung der Gebietsstrategie erfolgt auf diese Weise ein
Monitoring,
das die bisherige Arbeit
hinsichtlich der Wirksamkeit und Umsetzung der Maßnahmen dokumentiert.
Gebiets-
strategie
Lagebild
Stadtraum 16
!
?
Phase 3 - Überprüfen
Die
Gebietsstrategie
erfasst alle Ziele der geplanten, lokalpräventiven Arbeit sowie
die damit verbundenen Bedarfe und geplanten Maßnahmen. Sie ist das verbindliche
Arbeitsdokument, auf das sowohl die lokalen Akteure als auch Vertreter*innen von
Politik, Verwaltungs- und Vollzugsebene bei der Ausrichtung ihrer Aktivitäten
zurückgreifen.
Um die Gebietsstrategie umzusetzen, können verschiedene Projekte zu den gesteckten Zielen
führen. Hierfür ist die
Expertise des lokalen KPR
im jeweiligen Einsatzgebiet notwendig. Bei
der Auswahl passender, kriminalpräventiver Projekte kann er auf bereits laufende und
bewährte Programme zurückgreifen. Alle Vorhaben sollen den Anforderungen an die Qualität
von Planung, Durchführung und Bewertung kriminalpräventiver Programme entsprechen
(z. B. Beccaria-Standards). Ebenso können neue Projekte initialisiert werden.
Gebiets-
strategie
Phase 2 - Handeln
Die Sicherheitssituation der Landeshauptstadt Dresden lässt sich anhand verschiedener objektiver Daten
beschreiben (Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), Ordnungswidrigkeiten (OWI), soziodemographische
Daten, Kommunale Bürgerumfrage (KBU)).
Eine aus Polizeidirektion Dresden und der Landeshauptstadt Dresden zusammengesetzte
Analysegruppe
erstellt ein erstes Lagebild auf Basis der beschriebenen Daten. Lokale
Expert*innen (z. B. Revierleitung, Stadtbezirksamtsleitung) bringen ihre Kenntnisse über
Besonderheiten vor Ort ein. Diese Kombination objektiver, statistischer Daten und subjektiver
Expertise ermöglicht ausführliche Lagebilder für einzelne Stadtgebiete, die auch lokale Brennpunkte
berücksichtigen.
Ein
lokaler Kriminalpräventiver Rat
(lokaler KPR) aus Akteuren der Stadtgebiete und Expert*innen der
Präventionsarbeit interpretiert das Lagebild. Darauf aufbauend werden Prioritäten für die Präventionsarbeit
im Stadtgebiet gesetzt. Die angestrebten Ziele, Maßnahmen um diese zu erreichen und die Bedarfe zur
Umsetzung werden in einer Gebietsstrategie dokumentiert.
Der gesamtstädtische KPR wird abschließend über die Gebietsstrategie informiert und den Akteuren in Politik
sowie auf Verwaltungs- und Vollzugsebene werden Empfehlungen zur Umsetzung der geplanten Maßnahmen ausgesprochen.
Lagebild
Stadtraum 16
!
?
OWI
KBU
PKS
Phase 1 - Analysieren
Nachhaltige Kriminalprävention ist nur mit einer offenen Fehlerkultur möglich. Gute Praxis soll als
solche benannt und wenn möglich in andere Bereiche übertragen werden. Probleme sollten
ebenso benannt und gelöst werden, sodass sie zukünftige Projekte nicht beeinträchtigen.
Ziel 4: Erfolgreiche Projekt erkennen und unterstützen
Die Sicherheitslage in den Stadtquartieren sowie die vor Ort durchgeführten Maßnahmen und
Projekte werden regelmäßig dokumentiert und veröffentlicht. Eine transparente Darstellung führt
zu einer sachlichen Betrachtung der tatsächlichen Lage, ohne Probleme zu überspitzen oder zu
kaschieren.
Ziel 3: Präventive Arbeit transparent darstellen
Ein Bauchgefühl ist nicht immer eine gute Grundlage für sicherheitsrelevante Entscheidungen.
Die Bewertungen zur Sicherheitslage sollen auf belastbaren Daten beruhen und mit der Expertise
lokaler Akteure die Besonderheiten der betrachteten Stadtquartiere berücksichtigen.
Ziel 2: Grundlagenorientiert bewerten
Kriminalpräventive Projekte sollen sich an anerkannten Qualitätsstandards orientieren
(z. B. Beccaria-Standards). Die Zusammenarbeit aller Akteure soll über Projektfristen hinaus
gedacht werden und sich an verbindlichen Abläufen ausrichten. Denn Kriminalprävention ist mehr
als nur ein Projekt.
Ziel 1: Verstetigen und standardisieren
Kommunale Kriminalprävention ist kein Hexenwerk. Alle Akteure wissen um ihre Aufgaben - auf
Verwaltungsebene und vor Ort. Die Gremien treffen sich regelmäßig, um sich über die aktuelle Lage
und laufende Unternehmungen auszutauschen. Dennoch war bundesweit ein Rückgang der Prä-
ventionsgremien zu beobachten, verbunden mit der Feststellung, dass nur selten ein hoher Profes-
sionalisierungsgrad in der Projektarbeit erreicht wird (Schreiber 2019).
Im Rahmen des Forschungsprojekts SiQua stellen sich die Polizeidirektion Dresden und die Lan-
deshauptstadt Dresden der Aufgabe, die kommunale Präventionsarbeit neu auszurichten.
Wie soll sich die Zusammenarbeit der Sicherheitsakteure gestalten? Wer muss wann und in wel-
chem Kontext in die Präventionsarbeit einbezogen werden?
In einem Pilotprojekt wird ein Konzept für eine professionelle Zusammenarbeit aller Sicherheitsak-
teure in Dresden eingeführt, an dem sich die zukünftige Präventionsarbeit der Landeshauptstadt
ausrichten wird.
Die kommunale Kriminalprävention in der Landeshauptstadt Dresden soll anhand systematischer
Lagebilder und darauf aufbauender lokaler Strategien kriminalpräventive Herausforderungen lokal
orientiert bearbeiten. Dazu werden bestehende lokale Strukturen aufgegriffen und Schnittstellen in
die Stadtverwaltung und den Stadtrat definiert. Die lokalen Strategien werden regelmäßig überprüft,
um die Qualität der kommunalen Kriminalprävention stetig zu verbessern.
Das Pilotprojekt verfolgt deshalb die vier folgenden zentralen Ziele:
Kommunale Kriminalprävention
noch einmal neu denken
Das Rad neu erfinden!
Literatur:
Deming, W. Edwards (1992). Out of the crisis. 19. Auflage. Cambridge University
Press. Cambridge MA
Schreiber, Verena (2019). Kommunale Kriminalprävention in Deutschland 2018.
Fortschreibung einer Bestandsaufnahme 2007. Nationales Zentrum
Kriminalprävention
Polizeidirektion Dresden | Projekt SiQua
LHS Dresden | GB Ordnung und Sicherheit
Dipl.-Soz. Martin Otto
EPHK Uwe Lottermoser
Dr. Johannes Schulz
martin.otto@polizei.sachsen.de
uwe.lottermoser@polizei.sachsen.de
JSchulz@dresden.de
Tel.: 0351/855-2524
Tel.: 03597/85-120
Tel.: 0351/488-2320