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Weiterbildungskonzeption
für den Freistaat Sachsen

STAATSMINISTERIUM
FÜR KULTUS
Weiterbildungskonzeption für den
Freistaat Sachsen

4
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung ........................................................................................................................................................................ 5
1.
Einordnung der Weiterbildung in den europäischen Kontext ....................................................................... 7
1.1
Europäische Dimension ........................................................................................................................................... 7
1.2
Nationale Dimension ................................................................................................................................................ 9
2.
Aktuelle Situation der Weiterbildung im Freistaat Sachsen ....................................................................... 10
2.1
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen ........................................................................................................... 10
2.2
Die Weiterbildungslandschaft in Sachsen ....................................................................................................... 11
2.3
Weiterbildungsbeteiligung .................................................................................................................................. 14
2.4
Professionalität und Professionalisierung im Weiterbildungsbereich; Qualitätsentwicklung ........... 15
3.
Entwicklung der Weiterbildung in Sachsen bis 2020 ................................................................................... 15
3.1
Zielstellungen für den Bereich der Weiterbildung ........................................................................................ 15
3.1.1
Sicherung des Fachkräftepotenzials durch Fort- und Weiterbildung ...................................... 16
3.1.2
Reduzierung des funktionalen Analphabetismus in Sachsen ..................................................... 17
3.1.3
Förderung von selbstbestimmtem Leben und Aktivität ............................................................... 18
3.2
Anforderungen an die Weiterbildung ............................................................................................................... 18
3.2.1
Individualisierung und Anschlussfähigkeit der Weiterbildungsangebote ............................... 18
3.2.2
Regionalspezifik und Nachfrageorientierung ................................................................................. 19
3.2.3
Sicherung und Entwicklung von Qualität und Innovationsfähigkeit ....................................... 19
3.3
Handlungsbedarfe für die Staatsregierung ..................................................................................................... 20
3.4
Finanzierung ............................................................................................................................................................ 23
3.5
Sachsenspezifisches Monitoring ........................................................................................................................ 23

5
Vorbemerkung
In den letzten 20 Jahren haben sich, bedingt durch den demographischen Wandel, die Globalisierung,
den Strukturwandel sowie die fortschreitende technologische Entwicklung, umfangreiche gesellschaftli-
che Veränderungen in allen Lebensbereichen vollzogen. Die in der Konzeption zur allgemeinen, berufli-
chen, politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Weiterbildung aus dem Jahr 1997 formulierten
Grundaussagen werden den gegenwärtigen Rahmenbedingungen nicht mehr in vollem Umfang gerecht.
Die vorliegende Weiterbildungskonzeption greift diese Gesichtspunkte auf und will daraus ableitend Ver-
änderungsprozesse auslösen. Sie ist das Ergebnis eines breiten ressortübergreifenden Diskussionsprozes-
ses und hinterfragt Art und Weise sowie Umfang staatlicher Steuerung von Weiterbildung angesichts der
eingangs skizzierten Rahmenbedingungen.
Die Weiterbildungskonzeption korrespondiert inhaltlich mit unterschiedlichen Rahmenvorgaben der
Staatsregierung wie u.a. dem Handlungskonzept „Den demographischen Wandel gestalten“, der „Fach-
kräftestrategie Sachsen 2020“, der „Innovationsstrategie des Freistaates Sachsen“ sowie mit Vorgaben
der europäischen Strategie Europa 2020 und der nationalen Konzeption zum Lernen im Lebenslauf. Die
Weiterbildungskonzeption fokussiert sich dabei auf den Bereich „Weiterbildung“ als Teilbereich des „Le-
benslangen Lernen“ (LLL) und berücksichtigt dabei die sich in den zurückliegenden Jahren vollzogenen
Veränderungen.
Schließlich werden drei Hauptziele hergeleitet, Anforderungen formuliert, denen die Weiterbildung zu-
künftig gerecht werden muss sowie Handlungsbedarfe bestimmt, die bis 2020 auszugestalten und umzu-
setzen sind.
Einführung
Qualifikationen und Kompetenzen der Menschen sind entscheidende Faktoren einer nachhaltigen wirt-
schaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Um den ständig neuen Anforderungen im Beruf, im
sozialen Umfeld und in der privaten Lebenswelt gerecht zu werden, ist ein permanenter Lernprozess not-
wendig. So verstärkt sich die Bedeutung des lebenslangen Lernens, welches die Gesamtheit allen forma-
len, nicht-formalen und informellen Lernens über den Lebenszyklus eines Menschen umfasst.
1
Die Wei-
terbildung ist Teil des lebenslangen Lernens und stellt eine wesentliche Voraussetzung für die persönliche
Orientierung, die Teilhabe am sozialen Leben und den Erfolg des Einzelnen im Beruf dar. Der Freistaat
Sachsen trägt dem Erfordernis Rechnung, indem er einen Rahmen für Weiterbildung gestaltet, Angebote
unterbreitet und fördert und auf diese Weise Weiterbildungsbeteiligung anregt sowie Innovationen in der
Weiterbildung unterstützt.
Dies intendiert Anforderungen wie zum Beispiel:
die Bereitschaft des Einzelnen zur Weiterbildung zu stärken,
die Weiterbildungsbeteiligung der Bevölkerung zu erhöhen,
den Zugang zu Weiterbildungsangeboten zu erleichtern,
Bildungsbereiche durchlässiger zu gestalten und miteinander zu verzahnen,
sowohl institutionalisierte als auch alternative Lernmöglichkeiten anzubieten und
Professionalität im Weiterbildungsbereich zu fördern.
1
Schlussbericht der unabhängigen Expertenkommission zur Finanzierung des Lebenslangen Lernens: Der Weg in die
Zukunft, 28. Juli 2004, S. V

6
Die gesellschaftlichen Entwicklungen erfordern eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Wei-
terbildungsbegriff. Vorbereitet durch den Strukturplan des deutschen Bildungswesens (1970)
2
und erwei-
tert durch neue Bedingungen des Lernens Erwachsener (vgl. KMK 2001
3
) muss dieser nunmehr im euro-
päischen Kontext abgebildet werden.
Als Mitgliedstaat der EU nimmt Deutschland am europäischen System der Datenerhebung, dem Adult
Education Survey (AES) teil. Um die Anschlussfähigkeit zu sichern, ist eine begriffliche Orientierung an
der Untersuchungssystematik notwendig. Vor diesem Hintergrund wird in der Konzeption von folgendem
begrifflichen Kontext ausgegangen: Unter Weiterbildung werden alle Aktivitäten verstanden, die der
Vertiefung, Erweiterung oder Erneuerung von Wissen und Kompetenzen von Menschen dienen, die eine
erste Bildungsphase abgeschlossen und in der Regel eine Erwerbs- oder Familienarbeit aufgenommen
haben.
4
Dazu wird im Wesentlichen in drei Weiterbildungssegmente gegliedert:
die betriebliche Weiterbildung,
die individuell-berufsbezogene Weiterbildung und
die nicht-berufsbezogene Weiterbildung.
Abgrenzungskriterien zur Bestimmung betrieblicher Weiterbildungsaktivitäten sind erstens die Teilnahme
ganz oder überwiegend während der bezahlten Arbeitszeit oder einer bezahlten Freistellung für Bildungs-
zwecke oder zweitens die Übernahme direkter Weiterbildungskosten durch den Arbeitgeber unabhängig
davon, ob die Weiterbildung während oder außerhalb der Arbeitszeit erfolgt.
Die verbleibenden Weiterbildungsaktivitäten werden nach dem Teilnahmegrund getrennt, d. h. Weiterbil-
dungsaktivitäten, die „hauptsächlich aus beruflichen Gründen“ erfolgen, werden der individuell-
berufsbezogenen Weiterbildung zugeordnet und diejenigen, die „mehr aus privaten Gründen“ erfolgen,
der nicht-berufsbezogenen Weiterbildung.
5
In diesen Segmenten sind unterschiedliche Formen der Wei-
terbildung klassifizierbar. So ist die betriebliche Weiterbildung vor allem von Elementen der formalen und
non-formalen Bildung geprägt, die individuell-berufsbezogene Weiterbildung hingegen umfasst neben
Elementen der formalen und non-formalen auch die informelle Bildung.
Im Einzelnen sind diese Formen wie folgt zu beschreiben:
Formales Lernen
bezeichnet einen Lernprozess, der in einem organisierten und strukturierten, speziell
dem Lernen dienenden Kontext stattfindet, und typischerweise zum Erwerb einer Qualifikation, in der
Regel in Form eines Zeugnisses oder eines Befähigungsnachweises führt;“
6
Nichtformales Lernen
bezeichnet einen Lernprozess, der im Rahmen planvoller Tätigkeiten (in Bezug auf
Lernziele und Lernzeit) stattfindet und bei dem das Lernen in einer bestimmten Form unterstützt wird
(z. B. im Rahmen eines Lehrer-Schüler-Verhältnisses);“
7
Informelles Lernen
bezeichnet einen Lernprozess, der im Alltag – am Arbeitsplatz, im Familienkreis oder
in der Freizeit – stattfindet und in Bezug auf Lernziele, Lernzeit oder Lernförderung nicht organisiert oder
strukturiert ist; es ist aus Sicht des Lernenden möglicherweise nicht beabsichtigt.“
8
2
Deutscher Bildungsrat (1970): Empfehlungen der Bildungskommission. Strukturplan für das Bildungswesen. Verab-
schiedet auf der 27. Sitzung der Bildungskommission am 13. Februar 1970. Bonn
3
Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder der Bundesrepublik Deutschland (2001): Vierte
Empfehlung
der
Kultusministerkonferenz.
Beschluss
der
KMK
zur
Weiterbildung
vom
1. Februar 2001
4
Helmut Kuwan u. a.: Berichtssystem Weiterbildung IX, Bonn 2006, S. 12
5
Weiterbildung in Sachsen 2012 – Schlussbericht, München, 15. Februar 2013, S. 10
6
Empfehlungen des Rates zur Validierung nichtformalen und informellen Lernens, Amtsblatt der Europäischen
Union vom 20. Dezember 2012, 2012/C 398/01
7
a.a.O.

7
Die fortschreitende europäische Integration erfordert die Ausrichtung der Weiterbildung im Freistaat
Sachsen an der Strategie Europa 2020. Damit verbunden ist auch deren Einbettung in den nationalen
Rahmen. Unter Voranstellung dieser Zusammenhänge sollen der gegenwärtige Sachstand und die sich
daraus ableitenden Ziele und Handlungsbedarfe dargestellt werden.
1.
Einordnung der Weiterbildung in den europäischen Kontext
1.1
Europäische Dimension
Die
Europäische
Kommission
hat
im
Rahmen
der
Strategie
Europa
2020,
die
am
17. Juni 2010 vom Europäischen Rat verabschiedet worden ist, festgestellt, dass die Krise der letzten
Jahre den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt gehindert und teilweise aufgebraucht hat.
9
Zudem
sind auch Schwächen der europäischen Wirtschaft aufgedeckt worden.
Globalisierung, Ressourcenknappheit sowie Alterung der Gesellschaft erscheinen als Problemfelder, die
sich langfristig negativ auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung sowie die Position Eu-
ropas in der Welt auswirken können. Um diesen Entwicklungen entgegen zu wirken, orientiert die Strate-
gie Europa 2020 auf drei sich gegenseitig verstärkende Prioritäten:
Intelligentes Wachstum: Entwicklung einer auf Wissen und Innovation gestützten Wirtschaft,
Nachhaltiges Wachstum: Förderung einer ressourcenschonenden, ökologiesicheren und wettbe-
werbsfähigen Wirtschaft,
Integratives Wachstum: Förderung einer Wirtschaft mit hoher Beschäftigung und ausgeprägtem
sozialen und territorialen Zusammenhalt.
Diesen folgend hat die Kommission Kernziele vorgeschlagen, die die Mitgliedstaaten entsprechend ihrer
spezifischen Situation in nationale Ziele und Verlaufspläne umsetzen sollen:
10
75 % der Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren sollten in Arbeit stehen,
3 % des Bruttoinlandproduktes der Europäischen Union sollten für Forschung und Entwicklung auf-
gewendet werden,
die 20-20-20 Klimaschutz/Energieziele sollten erreicht werden (einschließlich einer Erhöhung des
Emissionsreduktionszieles auf 30 %, falls die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind),
der Anteil der Schulabbrecher sollte unter 10 % abgesenkt werden und mindestens 40 % der jünge-
ren Generation (30- bis 34-Jährige) sollte einen Hochschulabschluss haben sowie
die Zahl der armutsgefährdeten Personen sollte um 20 Millionen sinken.
11
Die formulierten Ziele erheben nach den Erklärungen der Europäischen Kommission keinen Anspruch auf
Vollständigkeit. Für deren Realisierung ist zudem eine breite Palette an Maßnahmen erforderlich. Die
Kommission verabschiedete dazu sieben Leitinitiativen, um innerhalb der Prioritäten Fortschritte herbei-
zuführen.
8
a.a.O.
9
Mitteilung der Kommission, Europa 2020: Eine Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachs-
tum vom 3. März 2010
10
a.a.O.
11
a.a.O.

8
Für den Kontext der Weiterbildung ist die Leitinitiative „Agenda für neue Kompetenzen und neue Be-
schäftigungsmöglichkeiten“
12
von besonderer Bedeutung. Mit dieser Initiative sollen die Voraussetzungen
für eine Modernisierung der Arbeitsmärkte geschaffen und den Menschen durch lebenslangen Erwerb
von Qualifikationen neue Möglichkeiten eröffnet werden, die Erwerbsquote zu erhöhen sowie Angebot
und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt u. a. durch Arbeitsmobilität besser abzustimmen. Dazu sind die
Mitgliedstaaten insbesondere aufgefordert, den Erwerb und die Anerkennung der für Weiterbildungs-
maßnahmen und den Arbeitsmarkt erforderlichen Kompetenzen in der allgemeinen, beruflichen, höheren
und Erwachsenenbildung durchgehend zu gewährleisten, dabei auch die außerschulische Bildung und
informelles Lernen einzubeziehen sowie die Umsetzung des Europäischen Qualifikationsrahmens durch
die Erstellung nationaler Qualifikationsrahmen zu initiieren.
13
Im Sinne einer Zwischenbilanz hat der Rat der Europäischen Union 2011 mit Blick auf das Erfordernis des
lebenslangen Lernens und die Weiterentwicklung von Qualifikationen im Rahmen der Erwachsenenbil-
dung festgestellt, dass die Arbeiten der Mitgliedstaaten in den prioritären Bereichen ihren Beginn gefun-
den haben.
14
Gleichwohl wird darauf hingewiesen, dass die Erwachsenbildung gegenwärtig das noch
schwächste Glied in der Entwicklung nationaler Systeme des lebenslangen Lernens darstellt. Um aber
sowohl den kurz- als auch langfristigen Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu begegnen, müssen insbe-
sondere Erwachsene ihre persönlichen und beruflichen Fertigkeiten und Kompetenzen regelmäßig wei-
terentwickeln.
15
Vor diesem Hintergrund werden die Mitgliedstaaten aufgerufen, sich auf fünf prioritäre Handlungsberei-
che für den Zeitraum 2012 bis 2014 zu konzentrieren:
16
Verwirklichung von lebenslangem Lernen und Mobilität,
Verbesserung der Qualität und Effizienz in Bildung und Ausbildung,
Förderung der Chancengleichheit, des sozialen Zusammenhalts und des aktiven Bürgersinns durch
die Erwachsenenbildung,
Stärkung der Kreativität und Innovationskraft von Erwachsenen und ihres Lernumfelds,
Verbesserung der Wissensbasis über die Erwachsenenbildung und der Überwachung des Erwachse-
nenbildungssektors.
Dabei wird eine Gesamtstrategie entworfen, in der die verschiedenen Ziele lebenslangen Lernens (Mobili-
tät, Qualität und Effizienz, sozialer Zusammenhalt und aktiver Bürgersinn sowie Innovation und Kreativi-
tät) gleichermaßen von Bedeutung sind. Damit wird die Erwachsenbildung erneut als ein wichtiger Be-
reich der EU-Bildungspolitik benannt. Erwachsene sollen unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer persön-
lichen und familiären Situation in allen Lebensphasen Zugang zu hochwertigen Lernmöglichkeiten erhal-
ten, um ihre persönliche und berufliche Entwicklung, Anpassungs- und Entwicklungsfähigkeit, Beschäfti-
gungsfähigkeit sowie ihre aktive gesellschaftliche Beteiligung zu fördern.
12
Eine Agenda für neue Kompetenzen und neue Beschäftigungsmöglichkeiten: Europas Beitrag zur Vollbeschäfti-
gung, vom 23. November 2010, Brüssel 2011
13
a.a.O.
14
Entschließung des Rates der Europäischen Union über eine erneute europäische Agenda für Erwachsenbildung,
Amtsblatt der europäischen Union vom 20.Dezember 2011, C 372/1, 2
15
a.a.O.
16
a.a.O., S. 4

9
Um die Strategie Europa 2020 im Sinne des intelligenten, nachhaltigen und integrativen Wachstums zu
unterstützen, werden aus den einzelnen Fonds thematische Ziele finanziell gefördert. Für den Bereich der
Weiterbildung sind Festlegungen der Ziele 8 „Förderung nachhaltiger und hochwertiger Beschäftigung
und Unterstützung der Mobilität der Arbeitskräfte“ und 9 „Förderung der sozialen Eingliederung und
Bekämpfung der Armut“ (Artikel 9 Nummer 8 und 9 der Verordnung
17
) relevant.
Die Investitionsprioritäten in Ziel 8 liegen bei der „Anpassung der Arbeitskräfte, Unternehmen und Unter-
nehmer an den Wandel“
18
. Dabei sind als spezifische Ziele der Förderung benannt:
Die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen akademischer Forschung und Wirtschaft und die
Stärkung der Innovationskraft der Unternehmen,
Die Förderung der Beteiligung an beruflicher Weiterbildung sowie Qualität und Effizienz der berufli-
chen Aus- und Weiterbildung, die Unterstützung der Fachkräfteentwicklung und -sicherung,
Die Entwicklung von Potentialen in der medizinischen und sozialen Versorgung,
Die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
19
.
Unter Ziel 9 ist als Investitionspriorität die „aktive Inklusion, nicht zuletzt durch die Förderung der Chan-
cengleichheit und aktiver Beteiligung, und Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit“, aufgeführt. Für
den Bereich der Weiterbildung besteht das spezifische Ziel in der Unterstützung der funktionalen Anal-
phabeten
20
.
Die in dieser Konzeption zu setzenden Ziele und Maßnahmen sollen diesen Anforderungen gerecht wer-
den.
1.2
Nationale Dimension
Die Konzeption der Bundesregierung zum „Lernen im Lebenslauf“ betont, dass dieses Thema zu den gro-
ßen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen in Deutschland gehört.
„Die Verwirklichung des Lernens im Lebenslauf ist entscheidend für die Perspektive des Einzelnen, den
Erfolg der Wirtschaft und die Zukunft der Gesellschaft. Daher ist eine Konzeption zum Lernen im Lebens-
lauf dem Ziel verpflichtet, Deutschlands wichtigste Ressource „Bildung“ stärker für wirtschaftliche Dy-
namik und persönliche Aufstiegschancen zu erschließen.“
21
Zudem werden Empfehlungen für das Lernen im Lebenslauf formuliert, die das Bildungsziel für die er-
werbstätige Bevölkerung (nach Abschluss der Erstausbildung: 25 – 64-Jährige) bis 2015 in Deutschland
22
beschreiben. Anknüpfungspunkt ist der empirische Befund, dass die Beteiligung an Weiterbildung in
Deutschland im internationalen Vergleich zu niedrig ist. Daher soll
„die Beteiligung an formalisierter Weiterbildung (Kurse und Seminare) von derzeit 43 % auf 50 %
steigen,
17
Verordnung Nr. 1303/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Dezember 2013 mit gemeinsa-
men Bestimmungen über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, den Europäischen Sozialfonds, den
Kohäsionsfonds, den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums und den Euro-
päischen Meeres- und Fischereifonds sowie mit allgemeinen Bestimmungen über den Europäischen Fonds für regio-
nale Entwicklung, den Europäischen Sozialfonds und den Kohäsionsfonds und den Europäischen Meeres- und Fi-
schereifonds und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 1083/2006 des Rates
18
a.a.O.
19
Entwurf des Operationellen Programms des Freistaates Sachsen für den Europäischen Sozialfonds (ESF) in der
Förderperiode 2014-2020 (Stand: 10. Januar 2014)
20
a.a.O.
21
Konzeption der Bundesregierung zum Lernen im Lebenslauf, Ministerium für Bildung und Forschung, April 2008,
S. 1
22
Konzeption der Bundesregierung zum Lernen im Lebenslauf, Ministerium für Bildung und Forschung, April 2008,
S. 3

10
die Beteiligung an allen Lernformen, einschließlich des sog. informellen Lernens, von 72 % auf 80 %
steigen,
insbesondere die Beteiligung von Geringqualifizierten bei dieser Zielsetzung deutlich“
23
erhöht wer-
den.
Als Schwerpunktzielgruppen von besonderer Bedeutung werden dabei Frauen, insbesondere Geringquali-
fizierte und Berufsrückkehrerinnen, Menschen mit Migrationshintergrund sowie Menschen mit Behinde-
rungen benannt.
Dazu hat die Bundesregierung u.a. nachfolgende Maßnahmen formuliert:
24
Motivation und Verantwortung stärken,
Zugang zu Weiterbildung erleichtern,
Weiterbildungsangebote verbessern,
Durchlässigkeit und Verzahnung der Bildungsbereiche ermöglichen,
Integration durch Bildung und Förderung des Lernens in der Zivilgesellschaft verbessern,
Wissen über das Lernen im Lebenslauf vertiefen.
Die beschriebenen Zielstellungen und Maßnahmen bilden den Rahmen für die Gestaltung der Weiterbil-
dung in Sachsen unter Anpassung an die spezifischen Besonderheiten des Freistaates.
2.
Aktuelle Situation der Weiterbildung im Freistaat Sachsen
2.1
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
Der Freistaat Sachsen ist ein bedeutendes Wirtschafts-, Industrie- und Innovationszentrum. Standortvor-
teile wie dichte Besiedlung, Industriedichte, geringe Staatsverschuldung, Bildungsqualität, moderne
Hochschul- und Forschungseinrichtungen mit hohen Standards im Bildungs- und Forschungsbereich,
Familienfreundlichkeit, vielfältige Natur- und Kulturräume befördern dies.
Einen zentralen Faktor stellt das Vorhandensein gut ausgebildeter Fachkräfte für die Wirtschaft sowie für
Forschung und Entwicklung dar. Weitere Standortvorteile sind die hohe Erwerbsbeteiligung und eine
überdurchschnittliche Frauenerwerbsquote in Sachsen. Ein genereller Mangel an Fachkräften ist noch
nicht zu verzeichnen.
25
Aufgrund der demographischen Entwicklung wird ein Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials bei
gleichzeitigem Ansteigen des Anteils älterer Erwerbspersonen prognostiziert, so dass zukünftig bran-
chenübergreifend mit einem zunehmenden Fachkräftebedarf gerechnet wird. „Ausgehend von den für
2009 vorliegenden Angaben zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung entsteht im Freistaat allein
bis 2025 unter Berücksichtigung der Erwerbstätigen bis 55 Jahre rechnerisch ein Ersatzbedarf von rund
215.000 Beschäftigten.“
26
Diese Gegebenheiten können weiterreichende Konsequenzen zur Folge haben. So ist davon auszugehen,
dass sich räumliche Unterschiede vor allem hinsichtlich der Bevölkerungsstruktur sowie der infrastruktu-
rellen Ausstattung verstärken. Der Wettbewerb zwischen den Regionen prägt sich aus, Abwanderungs-
verhalten wird zu einem weiteren Bedeutungszuwachs der Ober- und Mittelzentren als Arbeitsplatz-
standorte führen. Für den ländlichen Raum dienen sie darüber hinaus zur qualitäts- und bedarfsgerech-
ten Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge und bieten unter anderem einen zentralen Zugang zu allen
Bildungseinrichtungen.
23
a.a.O.
24
Konzeption der Bundesregierung zum Lernen im Lebenslauf, Ministerium für Bildung und Forschung, April 2008,
S. 4
25
Fachkräftestrategie Sachsen 2020, Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, 31. Dezem-
ber 2011
26
a.a.O.

11
2.2
Die Weiterbildungslandschaft in Sachsen
Basierend auf den gesellschaftlichen Veränderungen seit 1989 hat sich im Freistaat Sachsen eine vielfäl-
tige Weiterbildungslandschaft entwickelt und etabliert. Bedarfsorientierte Angebote für alle Segmente
der Weiterbildung sind vorhanden. Der überwiegende Teil dieser Angebote (85%) wird nach Aussage der
Teilnehmer beruflich motiviert besucht
27
und unterstützt somit den Einzelnen, sachgerecht auf die sich
ständig wandelnden Anforderungen in der Berufs- und Arbeitswelt reagieren zu können. Das Nutzen
dieser Angebote motiviert sich aus der Notwendigkeit zum Erhalt des Arbeitsplatzes, dem Wunsch nach
Wiedereingliederung in den Beruf oder dem Erfordernis beruflicher Flexibilität.
Gemäß Artikel 108 Abs. 1 der Sächsischen Verfassung
28
ist die Erwachsenenbildung zu fördern. Die
Staatsregierung setzt diesen Auftrag mit verschiedenen Instrumenten auf der Basis der folgenden Rege-
lungen um.
Die Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr zur Förderung von
aus dem Europäischen Sozialfonds mitfinanzierten Projekten der beruflichen Bildung und Fachkräfteent-
wicklung
29
hat unter anderem zum Ziel, Projekte der beruflichen Weiterbildung ohne konkreten betriebli-
chen Bezug in wirtschaftspolitisch bedeutsamen Bereichen oder Projekte der individuellen beruflichen
Weiterbildung zur Verbesserung beruflicher Kompetenzen von Beschäftigten mit besonderem Förderbe-
darf zu fördern. Im Rahmen des Programms „Weiterbildungsscheck Sachsen“ wurde 2011 und 2012 die
individuelle berufliche Weiterbildung mit Zuschüssen von insgesamt 16,7 Mio. EUR gefördert. Das Pro-
gramm soll insbesondere Beschäftigten mit einem geringeren Einkommen Hilfestellungen für das berufli-
che Fortkommen im aktuellen oder einem künftigen Arbeitsfeld geben und wird überwiegend für ab-
schlussbezogene, kostenintensive Weiterbildungsmaßnahmen genutzt.
Intensiv nachgefragt wird zudem die bedarfsorientierte Förderung der betrieblichen Weiterbildung in
kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), für die in 2011 und 2012 insgesamt 27,7 Mio. EUR bereitge-
stellt wurden.
Aber auch für Arbeitslose ist Weiterbildung unerlässlich und wichtig bei der Verbesserung ihrer Arbeits-
marktchancen und (Wieder)Erlangung beruflicher Handlungskompetenz. Die Richtlinie des Sächsischen
Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr zur Förderung der Beschäftigungschancen von
Arbeitslosen und Benachteiligten
30
hat zum Ziel, die Qualifizierung von Arbeitslosen und Benachteiligten
(QAB), die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit von Langzeitarbeitslosen sowie innovative Projekte,
Modell- und Transfervorhaben oder Studien zu unterstützen. Schwerpunkt der Förderung bildet die Qua-
lifizierung von Arbeitslosen ohne Berufsabschluss mit dem Ziel, einen anerkannten Berufsabschluss zu
erlangen. Das Programm setzt an den individuellen Ausgangsvoraussetzungen und am Unterstützungsbe-
darf der Teilnehmer an und umfasst umfangreiche Praxisphasen im Unternehmen. Für die Qualifizierung
von Arbeitslosen stehen in der laufenden Förderperiode 2007 bis 2013 ca. 105 Mio. EUR zur Verfügung.
Für die betriebliche und berufliche Weiterbildung von Beschäftigten und Arbeitslosen insgesamt beträgt
das verfügbare Mittelvolumen in der Förderperiode 2007 bis 2013 ca. 206 Mio. EUR.
Die Förderung von zusätzlichen Maßnahmen für die Weiterbildung von Hochschulabsolventen ist ein
primäres Ziel der Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst zur Förde-
rung von aus dem Europäischen Sozialfonds mitfinanzierten Vorhaben in den Bereichen Hochschule und
Forschung. Die Förderung von Nachwuchsforschergruppen, Promotionsvorhaben, Kompetenzschulen,
innovativen Forschungs- und Entwicklungsprojekten und postgradualen Bildungsprojekten trägt zur De-
ckung des steigenden Bedarfes an gut ausgebildeten Fachkräften im Freistaat Sachsen durch akademi-
27
Weiterbildung in Sachsen 2012 – Schlussbericht, München, 15. Februar 2013
28
Verfassung des Freistaates Sachsen, vom 27. Mai 1992
29
Die Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr zur Förderung von aus dem
Europäischen Sozialfonds mitfinanzierten Projekten der beruflichen Bildung und Fachkräfteentwicklung, vom 6. Juli
2011
30
Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr zur Förderung der Beschäfti-
gungschancen von Arbeitslosen und Benachteiligten, vom 31. Januar 2012

12
sche und berufliche Weiterbildung an Hochschulen bei. In der laufenden Förderperiode wurden bisher
Förderungen für 76 Nachwuchsforschergruppen an sächsischen Hochschulen in einer Gesamthöhe von
90,2 Mio. EUR ausgesprochen.
Durch die Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus zur Förderung der Weiterbildung
(Weiterbildungsförderungsverordnung)
31
wird die Planung, Organisation und Durchführung von Weiter-
bildungsveranstaltungen, die organisiertes oder pädagogisch begleitetes, selbstgesteuertes Lernen außer-
halb schulischer Bildungsgänge, der Berufsausbildung und der Hochschulen ergänzen, fortsetzen oder
wiederaufnehmen, unterstützt. In den Jahren 2011 und 2012 wurden jeweils mehr als 6 Mio. EUR für die
Förderung der Weiterbildung nach der Weiterbildungsförderungsverordnung aufgewendet. Dieser Bereich
der allgemeinen Weiterbildung verfügt landesweit über ein dichtes Netz, das auch alle ländlichen Regio-
nen umschließt.
Die Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz für die Weiter-
bildung in den Gesundheitsfachberufen (Weiterbildungsverordnung Gesundheitsfachberufe)
32
regelt die
Mindestanforderungen für ein einheitliches Niveau der Weiterbildungen für diese Berufsgruppe und
nimmt qualitätssichernd Einfluss. Die von den Beschäftigten in Gesundheitsfachberufen während der
Berufsausbildung erworbenen Handlungskompetenzen müssen ständig den neuen Anforderungen ange-
passt werden, weil sich die Pflegewissenschaften weiter entwickeln und die medizinischen und sozialen
Wissenschaften sowie die Medizintechnik fortschreiten. Die Weiterbildung führt zu einem staatlich aner-
kannten Weiterbildungsabschluss mit vergleichbaren Handlungskompetenzen. Die in der Verordnung
bisher geregelten Weiterbildungen für Gesundheitsfachberufe können seit 2. Juli 2013 in modularisierter
Form absolviert und somit besser auf eine weiterführende Weiterbildung bzw. auf ein Studium angerech-
net werden. Einrichtungen, welche eine Weiterbildung nach der Verordnung anbieten, müssen sich staat-
lich anerkennen lassen (Gesetz über die Weiterbildung in den Gesundheitsfachberufen im Freistaat Sach-
sen – Sächs GfbWBG)
33
.
Mit der Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und des Sächsischen Staatsministeri-
ums für Umwelt und Landwirtschaft zur Förderung von aus dem Europäischen Sozialfonds mitfinanzier-
ten Vorhaben der Förderperiode 2007 - 2013
34
werden berufsbegleitende Qualifizierungen sowie Unter-
stützungen von Prozess- und Produktionsinnovationen im Gesundheits-, Sozial- und Wohnbereich geför-
dert.
Über die Richtlinie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
35
werden in Sachsen sogenannte
Bildungsprämien zur Unterstützung der individuellen beruflichen Weiterbildung und zur Verbesserung
beruflicher Kompetenzen ausgereicht. In den Jahren 2011 und 2012 wurden in Sachsen von 31 Bera-
tungsstellen insgesamt rund 10.000 Beratungsgespräche mit Weiterbildungswilligen geführt und ebenso
viele Prämiengutscheine ausgestellt.
31
Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus zur Förderung der Weiterbildung (Weiterbildungsför-
derungsverordnung – WbFöVO) vom 15. Oktober 2008, zuletzt geändert durch Artikel 7 der Verordnung vom 14.
Dezember 2012
32
Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz für die Weiterbildung in den
Gesundheitsfachberufen (Weiterbildungsverordnung Gesundheitsfachberufe – SächsGfbWBVO) vom 22. Mai 2007,
zuletzt geändert durch Verordnung vom 21. Mai 2013
33
Gesetz über die Weiterbildung in den Gesundheitsfachberufen im Freistaat Sachsen (Weiterbildungsgesetz Ge-
sundheitsfachberufe — SächsGfbWBG) vom 4. November 2002, zuletzt geändert durch Art. 45 des Gesetzes vom 27.
Januar 2012
34
Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt
und Landwirtschaft zur Förderung von aus dem Europäischen Sozialfonds mitfinanzierten Vorhaben der Förderperi-
ode 2007 - 2013 vom 31. Juli 2007
35
Richtlinie zur Förderung von Prämiengutscheinen und Beratungsleistungen im Rahmen der „Bildungsprämie“,
vom 29. November 2011, Bundesministerium für Bildung und Forschung

13
Das Gesetz zur Förderung der beruflichen Aufstiegsfortbildung
36
verfolgt das Ziel, Teilnehmer an Maß-
nahmen der beruflichen Fortbildung durch finanzielle Unterstützung abzusichern. Es ist ein umfassendes
Förderinstrument für die berufliche Fortbildung in nahezu allen Berufsbereichen, und zwar unabhängig
davon, in welcher Form sie durchgeführt wird. Insgesamt wurden Mittel in Höhe von rund 36,1 Mio. EUR
(12,4 Mio. EUR als Zuschüsse und 23,7 Mio. EUR als Darlehen) in 2011 und 33,1 Mio. EUR (11,1 Mio. EUR
als Zuschüsse und 22,0 Mio. EUR als Darlehen) in 2012 bewilligt. 22 % dieser Ausgaben trägt der Frei-
staat Sachsen, 78 % der Bund.
Die berufliche Weiterbildung wird daneben in Sachsen in erheblichem Umfang durch Einzelprojekte und -
maßnahmen auf der Grundlage des Sozialgesetzbuches Zweites Buch (SGB II) – Grundsicherung für Ar-
beitssuchende - und des Sozialgesetzbuches Drittes Buch (SGB III) - Arbeitsförderung - gefördert. Die
Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit wie auch die zugelassenen kommunalen Träger
im SGB II-Bereich haben ihre Förderpolitik auf die Fachkräftesicherung mit einem breit gefassten Spekt-
rum an Handlungsfeldern fokussiert. So umfasst das Handlungsfeld Qualifizierung und Weiterbildung als
Schwerpunkte neben der Qualifizierung Arbeitsloser in nachgefragten Berufen insbesondere
die abschlussorientierte Qualifizierung jüngerer Erwachsener ohne Berufsabschluss,
die Verbesserung der Erwerbspartizipation von Frauen,
die berufliche Weiterbildung Beschäftigter in Unternehmen und
die Erschließung von Potentialen aus marktfernen Gruppen.
Die Schwerpunktsetzung findet ihren Ausdruck in Form von Sonderprogrammen, wie die „Initiative zur
Flankierung des Strukturwandels (IFlaS)“, in deren Rahmen Geringqualifizierten der Erwerb anerkannter
Berufsabschlüsse bzw. berufsanschlussfähiger Teilqualifikationen ermöglicht wird und das „Programm
Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Älterer in Unternehmen (WeGebAU)“. Die zugelas-
senen kommunalen Träger fokussieren sich jeweils auf regional notwendige und gut zu vermittelnde
Berufsgruppen und sehr individuell zusammengestellte Maßnahmen zur Weiterbildung.
Über die Internetdarstellungen
www.bildungsmarkt-sachsen.de
präsentieren sich aktuell mehr als 4.743
Anbieter mit mehr als 22.101 Angeboten zur Berufsorientierung, für die Ausbildung, das Studium und die
Weiterbildung. Eine spezielle Darstellung für die gegenwärtig 25 anerkannten Weiterbildungseinrichtun-
gen und Landesorganisationen bietet der Zugriff auf
www.weiterbildung.sachsen.de.
Eine Übersicht über
den Bereich der Gesundheitsfachberufe der staatlich anerkannten Weiterbildungseinrichtungen ist auf
www.gesunde.sachsen.de
(Gesundheitswesen - Berufe - Gesundheitsfachberufe) zu finden. Die Weiter-
bildungen sind mit Kosten für die Angehörigen der Gesundheitsfachberufe bzw. deren Arbeitgeber ver-
bunden. Sie können nach dem Gesetz zur Förderung der beruflichen Aufstiegsfortbildung bzw. aus dem
Europäischen Sozialfonds gefördert werden.
Die Plattformen dienen der Erhöhung der Transparenz und erleichtern damit den Zugang für die Nutzer.
Sie fungieren als zentrale Schnittstelle, die wesentliche Bildungsinformationen für den Freistaat Sachsen
bündelt und die Prozesse der Personalentwicklung sowie der Aus- und Weiterbildung unterstützt. Vor
diesem Hintergrund sowie der in einer Vielzahl zur Verfügung stehenden Angebote gewinnt die Weiter-
bildungsberatung weiter an Bedeutung. Gegenwärtig ist die Beratung dadurch gekennzeichnet, dass sie
anlass- und abschlussbezogen erfolgt, ein flächendeckendes Angebot im Sinne einer allgemeinen Bera-
tung, welche die Weiterbildungsinteressenten zu einer passgenauen Weiterbildung führt, ist jedoch nicht
vorhanden.
36
Gesetz zur Förderung der beruflichen Aufstiegsfortbildung (Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz - AFBG), vom
8. Oktober 2012, Bundesministerium für Bildung und Forschung

14
2.3
Weiterbildungsbeteiligung
Bereits seit 1979 wird im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Abstand
von jeweils 3 Jahren das Weiterbildungsverhalten in Deutschland durch TNS Infratest Sozialforschung
untersucht. Seit 1991 findet diese Erhebung auch in den fünf neuen Bundesländern statt. Seit 2010 ba-
siert die bundesweite Erhebung auf dem „Adult Education Survey-System (AES)“, welches deutschland-
und europaweit vergleichbare Befragungen u.a. zu Weiterbildungsquoten, Weiterbildungsfinanzierung
oder Hemmnissen für die Weiterbildungsbeteiligung umfasst. Diese Untersuchungen bieten zudem die
Möglichkeit, länderspezifische Zusatzstudien zu beauftragen. Eine solche wurde durch die Sächsische
Staatsregierung 2012 veranlasst. Für „Weiterbildung in Sachsen 2012“ stellten sich bis Ende Juli 2012 im
Rahmen der BMBF-Studie sowie der sachsen-spezifischen Zusatzerhebung insgesamt 1.571 Personen im
Alter von 18 bis 64 Jahren mit dem AES-Kernfragenprogramm entsprechenden Interviews.
37
Das Ergebnis belegt eine hohe Bildungsbeteiligung der Erwachsenenbevölkerung in Sachsen. Die Teil-
nahmequote an Weiterbildung liegt im Jahr 2012 bei 55 % und damit deutlich über dem gesamtdeut-
schen Ergebnis von 49 %. Seit der letzten sachsen-spezifischen Erhebung im Jahr 2003 stieg in Sachsen
die Quote um 17 %.
Die betriebliche Weiterbildung umfasst dabei 73 % der Weiterbildungsaktivitäten und ist mit Abstand
das größte Weiterbildungssegment. Die Anteile für die beiden Segmente der individuell-berufsbezogenen
und der nicht-berufsbezogenen Weiterbildung werden (rundungsbedingt) mit jeweils ca. 14 % angege-
ben.
Betrachtet man die Teilnehmer nach ihrer Altersstruktur, nehmen die mittleren (25- bis 54-Jährigen)
Altersgruppen häufiger an Weiterbildung teil als die jüngeren (18- bis 24-Jährigen) und älteren (55- bis
64-Jährigen) Altersgruppen. Betrachtet man nur die Erwerbstätigen, verringern sich diese Unterschiede.
Als Hauptgrund für die Nichtteilnahme stellten die Befragten fehlenden Bedarf im beruflichen oder pri-
vaten Bereich fest. Nur ein geringer Teil gab an, dass die Entfernung zum Weiterbildungsanbieter zu groß
war. Dies spricht für eine gut ausgebaute Weiterbildungsinfrastruktur in Sachsen.
Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in der sächsischen Bevölkerung ist im deutschland-
weiten Vergleich gering. Belastbare Aussagen zu dieser Personengruppe und deren Weiterbildungsbeteili-
gung sind daher nicht möglich.
Geringqualifizierte sind hinsichtlich ihrer Beteiligung an Weiterbildung gegenüber den Personen mit
mittlerem und hohem Qualifikationsniveau im Nachteil. Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung
beteiligen sich zu 47 % an Weiterbildung, während die Teilnahmequoten von Personen mit (Fach-
)Hochschulschulabschluss (67 %) und Meister/Fachschul-Abschluss (66 %) deutlich darüber liegen. Das
entspricht dem gesamtdeutschen Trend, auch wenn in Sachsen die Teilnehmerquoten insgesamt höher
liegen.
Gegenwärtig liegt nur die Weiterbildungsbeteiligung empirisch als Indikator für Weiterbildungsverhalten
gemessen vor. Trotzdem kann schon an dieser Stelle eine grundsätzlich positive Situation für Sachsen
bilanziert werden. Die Zusatzstudie trifft, ebenso wie der AES, keine Aussagen zur Weiterbildungsbeteili-
gung von Personen ab dem 65. Lebensjahr. Dazu existieren in Deutschland keine vergleichbaren aktuellen
Erkenntnisse. Der demographische Wandel lässt aber gerade diese Gruppe quantitativ anwachsen, was zu
einer Verschiebung der Proportionen bezogen auf die Weiterbildungsbeteiligung der Gesamtbevölkerung
führen könnte.
37
Weiterbildung in Sachsen 2012 – Schlussbericht, München, 15. Februar 2013

15
2.4
Professionalität und Professionalisierung im Weiterbildungsbereich; Qualitätsentwicklung
Die Qualitätssicherung und -entwicklung wird heute hauptsächlich durch die Erfordernisse des Marktes
bestimmt. Dabei stehen für die Weiterbildungseinrichtungen betriebswirtschaftliche Aspekte und für die
Weiterbildungskonsumenten die Kosten-Nutzen-Relation im Vordergrund.
Für die Einrichtungen und Organisationen im Geltungsbereich der Weiterbildungsförderungsverordnung
sind Qualitätsentwicklung und Zertifizierung nach einem anerkannten Qualitätsmanagementsystem ver-
bindlich. Die Förderung durch die öffentliche Hand wird hier an den Nachweis eines systematischen Qua-
litätsmanagements geknüpft.
Alle anerkannten Einrichtungen und Landesorganisationen der Weiterbildung wenden, wie vom Gesetz-
geber gefordert, eines der folgenden Qualitätssicherungssysteme an und haben dies durch eine Zertifizie-
rung nachgewiesen:
Qualitätsentwicklungssystem QESplus,
Lerner-orientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung LQW,
Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 9001,
Qualitätsmanagementsystem Umweltbildung QMU.
In dem Maße, in dem Ansprüche an individuelle Kompetenzen der Weiterbildungsinteressierten steigen,
erhöhen sich auch die Anforderungen an die Qualität der Weiterbildung. Die Qualitätsentwicklung in der
Weiterbildung ist ausgerichtet auf das professionelle Handeln aller in diesem Bereich tätigen Akteure, die
besondere Aufmerksamkeit der Weiterbildungseinrichtungen ist auf die erwachsenenpädagogische Pro-
fessionalität der Weiterbildner gerichtet.
Eine Bilanzierung erwachsenenpädagogischer Kompetenzen für typisch berufliche Anforderungssituatio-
nen kann mit Hilfe vorhandener Instrumente der Kompetenzmessung für Weiterbildner erfolgen, unab-
hängig davon, ob diese auf formalem, nicht-formalem oder informellem Weg erworben wurden. Gegen-
wärtig werden webbasierte Angebote für selbstbestimmtes Lernen zur Erhöhung erwachsenenpädagogi-
scher Professionalität etabliert. Damit wird den individuellen Voraussetzungen der Weiterbildner mit
ihren unterschiedlichen Qualifikationen Rechnung getragen und ein Höchstmaß an Flexibilität im zeitli-
chen Ablauf gewährleistet.
Das Vorgehen des Sichtbarmachens, Dokumentierens und Bewertens von erwachsenenpädagogischen
Kompetenzen ordnet sich ein in die aktuellen Empfehlungen des Rates der EU vom 20. Dezember 2012
zur Validierung nichtformalen und informellen Lernens und das dort festgelegte Ziel, bis spätestens 2018
entsprechende Möglichkeiten dafür zu schaffen.
38
3.
Entwicklung der Weiterbildung in Sachsen bis 2020
3.1
Zielstellungen für den Bereich der Weiterbildung
Den Ausgangspunkt für die weiteren Betrachtungen zur Entwicklung der Weiterbildung bis 2020 bilden
der für Sachsen erreichte Stand an Weiterbildungsangeboten und Weiterbildungsbeteiligung sowie vor
dem Hintergrund des europäischen Kontextes und nationaler Zielstellungen das Handlungskonzept der
Sächsischen Staatsregierung „Den demographischen Wandel gestalten“
39
. Bereits in der Fachkräftestrate-
gie 2020 aufgeführte Handlungsbedarfe finden ebenfalls in der vorliegenden Konzeption ihre Berücksich-
tigung. Das Handlungskonzept stellt den Leitfaden für die erforderlichen strategischen Veränderungen in
den einzelnen Politikbereichen dar. Die landespolitischen Anpassungs- und Handlungserfordernisse, die
38
Empfehlungen des Rates zur Validierung nichtformalen und informellen Lernens, Amtsblatt der Europäischen
Union vom 20. Dezember 2012, 2012/C 398/01
39
Den demographischen Wandel gestalten. Handlungskonzept, Sächsische Staatskanzlei, April 2010

16
sich aus den Feststellungen zur demographischen Entwicklung und deren Folgen ergeben, finden ihre
Konkretisierung in drei von der Staatsregierung besonders herausgearbeiteten Entwicklungsschwerpunk-
ten:
„Wirtschaftsstärke, weil dynamisch entwickelnde Städte und Regionen in Sachsen Bevölkerung an-
ziehen, attraktiv sind und Innovationspotenzial besitzen,
Bildungsqualität, weil gut gebildete, sozial und interkulturell kompetente Fachkräfte in Zukunft ver-
stärkt gesucht werden und Wissen sowie lebenslanges Lernen wichtige Grundlagen für die Innovati-
ons- und Wettbewerbsfähigkeit einer Gesellschaft sind,
Chancengerechtigkeit, weil sie die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben und den
Zugang zu Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sowie Arbeitsplätzen in allen Teilräumen Sach-
sens sichert.“
40
Ausgehend von der gemeinsam getragenen Verantwortung von Staat, Wirtschaft und den Bürgern be-
stimmt die Weiterbildungskonzeption drei herausgehobene Ziele, derer sich die Staatsregierung in den
kommenden Jahren annehmen will. Dabei steht die betriebliche und individuell-berufsbezogene Weiter-
bildung bedingt durch die Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt im Vordergrund, wenngleich auch
die nicht-berufsbezogene, nicht zuletzt wegen ihres Potenzials gesellschaftliche Teilhabe aktiv zu för-
dern, angemessen berücksichtigt werden soll.
3.1.1
Sicherung des Fachkräftepotenzials durch Fort- und Weiterbildung
Die Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit prognostiziert für 2025 einen Rückgang des
Erwerbspersonenpotenzials von aktuell 2,6 Mio. auf 2,1 Mio. im Jahr 2025.
41
Mit 4,137 Mio. Einwohnern
leben aktuell rund 12.500 weniger Frauen und Männer im Freistaat Sachsen als vor einem Jahr. Beides
sind Folgen des demographischen Wandels, der dazu führt, dass in den nächsten Jahren gut ausgebildete
Fachkräfte in geringerer Zahl zur Verfügung stehen werden. Um das Fachkräfteangebot auch über das
Jahr 2020 hinaus zu sichern, bedarf es eines ganzheitlichen Ansatzes zur Fachkräftesicherung, der Ge-
staltung günstiger Rahmenbedingungen und einer zukunftsorientierten Fachkräftepolitik.
Fort- und Weiterbildung stellt sowohl für die Unternehmen als auch für die Erwerbstätigen eine wichtige
Voraussetzung dar, um in Arbeits- und Berufswelt erfolgreich zu sein. Grundsätzlich ist es Aufgabe der
Unternehmen, die im betrieblichen Interesse liegende Weiterbildung ihrer Beschäftigten abzusichern.
Hier sind Unternehmen und Sozialpartner gefordert, der Staat kann Rahmenbedingungen verbessern und
bei Versagen des Marktes gezielt eingreifen.
Die Fachkräftestrategie Sachsen 2020 der Staatsregierung nimmt sich der Aufgabe der betrieblichen und
berufsbezogenen Weiterbildung an und benennt fünf prioritäre Handlungsfelder zur Sicherung des Fach-
kräfteangebots in Sachsen. Von besonderer Bedeutung für die Weiterbildungskonzeption ist das Hand-
lungsfeld Fort- und Weiterbildung.
Weiterbildung soll Erwerbsfähigen die Möglichkeit bieten, ihre persönlichen Kompetenzen den Erforder-
nissen des Arbeitsmarktes anzupassen. Unternehmen nutzen Weiterbildung zunehmend, um die Qualifi-
kationen der Mitarbeiter auf das erforderliche Firmen- bzw. Marktniveau anzugleichen. Die sächsische
Wirtschaft wird geprägt durch klein- und mittelständische Unternehmen. Für diese ist es eine besondere
Herausforderung, ihre Mitarbeiter zu qualifizieren bzw. qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen, so dass im
Bereich der Weiterbildung aufgrund gegebener Strukturen staatliche Unterstützung weiter zu gewähr-
leisten ist. Weiterbildung trägt zudem nicht nur zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit bei, sondern zielt
auch auf die Erhöhung der Erwerbsquote von Migranten, Arbeitslosen und Menschen mit Behinderungen.
40
a. a. O.
41
BA Regionaldirektion Sachsen: Perspektive 2025: Fachkräfte für Sachsen, Januar 2011

17
Die Vereinbarkeit von Beruf, Weiterbildung und Familie ist ein weiterer entscheidender Aspekt, um den
Anforderungen des Arbeitsmarkts gerecht zu werden und einen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu
realisieren. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen u. a. durch flexiblere Arbeitszeitmodelle und flexib-
le Fort- und Weiterbildungsangebote vereinfachen einen Wiedereinstieg von Erziehenden nach Elternzeit
oder nach Pflege von Angehörigen und steigern die Erwerbsquote dieser Zielgruppe. Für die betriebliche
und die individuell-berufsbezogene Weiterbildung bedeutet das, passfähige Angebote, die sich in die
jeweilige Arbeits- und Lebenswelt integrieren lassen, auf allen Qualifikationsstufen zu unterbreiten. Von
der beruflichen Weiterbildung, aber auch von der berufsbezogenen wissenschaftlichen Weiterbildung
wird durchweg die Schaffung eines Mehrwertes erwartet. Dieser liegt entweder in einem konkreten Bei-
trag zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit in Sachsen, in Anstößen für ein gesteigertes Wirtschaftswachs-
tum (z.B. durch Gründung von KMUs bzw. durch Weiterbildung deren Mitarbeiter) oder aber in neuen
Impulsen und Ideen für die regionale Entwicklung. Die wissenschaftliche Weiterbildung bildet zudem
einen entscheidenden Kommunikationsweg zwischen Hochschulen und externen Expertenkulturen.
Fort- und Weiterbildung gewinnt im Kontext des demographischen Wandels im Hinblick auf das Gestal-
ten lernförderlicher Arbeitsorganisationen und gesundheitsfördernder bzw. -erhaltender Arbeitsbedin-
gungen an Bedeutung.
Die Personalstruktur in den Unternehmen weist zunehmend differenziertere Beschäftigungsverhältnisse
auf. Gleiche Beteiligung von Leiharbeitnehmern, Teilzeitbeschäftigten und befristet Beschäftigten an
betrieblicher Weiterbildung analog des vollbeschäftigten Stammpersonals eines Unternehmens sollte im
Zusammenhang mit Anschlussfähigkeit und Nachhaltigkeit stärker als Potenzial verstanden und genutzt
werden.
Im Handlungsfeld Fort- und Weiterbildung der Fachkräftestrategie
42
werden zudem wichtige Maßnah-
men bestimmt, die sich zum Teil bereits in Umsetzung befinden. Beispielsweise realisiert die mit Hilfe der
Internetplattformen geschaffene Information einen leichteren Zugang zu Weiterbildungsangeboten. Zu-
dem ermöglichen neue Zusatzfunktionen auf
www.bildungsmarkt-sachsen.de
(z. B. die Einstellung von
Bildungsgesuchen) einen besseren Abgleich zwischen Angebot und Nachfrage und somit eine höhere
Bedarfsorientierung von Weiterbildungsangeboten. In Verbindung mit der entsprechenden Bildungsbera-
tung stellt das eine wesentliche, noch weiter auszugestaltende Rahmenbedingung dar, um vor allem
Personen niederer oder mittlerer Qualifikationsstufen eine abschlussbezogene Höherqualifizierung zu
ermöglichen.
3.1.2
Reduzierung des funktionalen Analphabetismus in Sachsen
Im Jahr 2006 wurden die Ergebnisse der Studie „PASS alpha, Pro Alphabetisierung – Wege in Sachsen“
43
veröffentlicht. Diese ermittelte für den Freistaat Sachsen, dass ca. 5 % der erwachsenen Bevölkerung
funktionale Analphabeten sind. Die „Leo. – Level-One-Studie“
44
hat 2011 festgestellt, dass rund 14 % der
erwerbsfähigen Bevölkerung als funktionale Analphabeten bezeichnet werden müssen.
Funktionaler Analphabetismus ist dadurch gekennzeichnet, dass die schriftsprachlichen Kompetenzen
von Erwachsenen niedriger sind als diejenigen, die minimal erforderlich sind, um den jeweiligen berufli-
chen und gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden und Teilhabe zu garantieren. Diese Defizi-
te an Lese- und Schreibfertigkeiten (Unterschreitung der Textebene) sind oftmals verbunden mit fehlen-
den Kompetenzen im Bereich Grundbildung. Dieser Begriff bezeichnet hier Kompetenzen in den Grund-
dimensionen kultureller und gesellschaftlicher Teilhabe, wie z.B. Rechenfähigkeit, Grundfähigkeiten im
IT-Bereich, soziale Grundkompetenzen und orientiert sich damit an der Anwendungspraxis von Schrift-
sprachlichkeit im beruflichen und gesellschaftlichen Alltag.
42
SMWA: Fachkräftestrategie Sachsen 2020, Dezember 2011, S. 4
43
. apfe e. V.: PASS alpha Pro Alphabetisierung – Wege in Sachsen, Dresden November 2006
44
Universität Hamburg: Leo. – Level-One-Studie, Hamburg, Februar 2011

18
Die Partizipation funktionaler Analphabeten in Sachsen an Erwerbstätigkeit und gesellschaftlichem Leben
ist signifikant zu erhöhen, indem die seit 2007 eingeleiteten Maßnahmen zur Bekämpfung des Analpha-
betismus auf gleichem Niveau fortgeführt werden und die Anzahl Betroffener gesenkt wird. Es ist daher
wichtig, dass:
die Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung der Bevölkerung und Erhöhung der Anzahl an Lernern
weiter intensiviert wird,
eine flächendeckende Unterbreitung von Alphabetisierungsmaßnahmen erreicht wird,
flankierende Maßnahmen des Bildungssystems einer Entstehung von funktionalem Analphabetismus
vorbeugen,
regelmäßige Evaluation bzw. Bilanzierung Orientierung für weiteres Handeln ermöglicht.
3.1.3
Förderung von selbstbestimmtem Leben und Aktivität
Einen wichtigen Beitrag zu selbstbestimmtem Leben und aktiver Teilhabe leistet die politische Bildung.
Weiterbildungsangebote in diesem Bereich befähigen und motivieren zu politischem Engagement und
vermitteln Kenntnisse über politische Strukturen und Prozesse sowie regionale, nationale, europäische
und globale Entwicklungen. Daher ist diesem Bereich auch zukünftig besondere Aufmerksamkeit zu wid-
men.
Das Handlungskonzept „Den demographischen Wandel gestalten.“ prognostiziert einen deutlichen Rück-
gang der Einwohnerzahl in Sachsen bis zum Jahr 2020. Parallel dazu steigt die Lebenserwartung. Eine
längere aktive Lebenszeit erschließt neue Möglichkeiten in der Freizeit aber auch in der Berufswelt. Die
Gesellschaft ist gefordert, dieses Potenzial zu nutzen. So können die sächsischen Hochschulen beispiels-
weise dazu einen Beitrag leisten durch ihr Angebot an Bürger- und Seniorenakademien.
Die Weiterbildung muss auf den spezifischen Bedarf, der sich aus der veränderten Lebenssituation ergibt,
reagieren und
bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt zur längeren gesellschaftlichen Teilhabe stärken,
individuelle Weiterbildungsaktivitäten (regelmäßig, in lokaler Umgebung) unterstützen,
bildungsferne Menschen besser an Bildungsangebote heranführen,
die Erfahrungen und Kompetenzen Älterer im Sinne des intergenerativen Erfahrungsaustausches
erhalten und nutzen, während sie selbst vom Wissen der Jüngeren profitieren,
die Beschäftigungschancen von Frauen und Männern über 55 Jahre durch zusätzliche Qualifikation
erhöhen,
Potenziale, insbesondere aus der Gruppe der nicht erwerbstätigen Menschen, für bürgerschaftliches
Engagement erschließen,
den Erhalt von Selbständigkeit und Selbstbestimmung der Älteren unterstützen.
3.2
Anforderungen an die Weiterbildung
Mit Blick auf die formulierten Ziele, derer sich die Staatsregierung für die Weiterbildung in den nächsten
Jahren annehmen will und unter Zugrundelegung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Ent-
wicklungen, ist es notwendig, besondere Anforderungen an die Weiterbildung zu stellen. Diese beschrei-
ben Bedingungen und sollen die Umsetzung der dargelegten Ziele fördern.
3.2.1
Individualisierung und Anschlussfähigkeit der Weiterbildungsangebote
Die Bedeutung der Weiterbildung wächst vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Veränderungen in
Folge des strukturellen, technologischen und demographischen Wandels und der Globalisierung. Für den
Einzelnen bedeutet das in stärkerem Maß eine Veränderung der persönlichen Lebensumstände in den
unterschiedlichen Lebensphasen. Der gesellschaftliche Wandel und die zukünftigen Herausforderungen

19
erfordern neue Lernarchitekturen
45
. Die Entwicklung hin zu einer vernetzten und mobilen Wissensgesell-
schaft verlangt von jedem eine ständige Aktualisierung und Erweiterung des Wissens, der Fähigkeiten
und Kompetenzen, um den Anforderungen der Wettbewerbs- und Beschäftigungsfähigkeit, der sozialen
Teilhabe, an Lebensqualität und persönlicher Entfaltung gerecht zu werden. Damit steigt aber auch die
Bedeutung von informellem Lernen und non-formaler Bildung. Daher muss der Einzelne die Möglichkeit
haben, zielgenau und schnell passfähige Angebote zu finden und wahrzunehmen. Das erfordert den Aus-
bau flexibler Lernformen und die Unterbreitung geeigneter, die Besonderheiten verschiedener Zielgrup-
pen berücksichtigender Weiterbildungsangebote. Das schließt den Ausbau der inklusiven Weiterbildung
ein, die den Menschen mit Behinderung gewährleistet, dass diese einen gleichberechtigten Zugang zu
Weiterbildung erhalten.
3.2.2
Regionalspezifik und Nachfrageorientierung
Als eine Folge der demographischen Entwicklung im Freistaat Sachsen nehmen die räumlichen Unter-
schiede aufgrund der sich verändernden regionalen Bevölkerungsstruktur zu. Das bedeutet für Ballungs-
zentren, Ober-und Mittelzentren und den ländlichen Raum auch unterschiedliche Ansprüche für den
Bereich der Weiterbildung und verlangt differenzierte Verfahren. Zwar orientiert sich Weiterbildung so-
wohl in Städten als auch im ländlichen Raum einerseits an Bedürfnissen und Interessen des einzelnen
Menschen und andererseits an den Zielen der Gesellschaft, die vom umgebenden Lebensraum mit ge-
prägt werden. Zugleich prägen die Besonderheiten des jeweiligen Umfelds, wie beispielsweise die Über-
schaubarkeit der Kommunen und daraus resultierende engere Beziehungsstrukturen der Menschen im
ländlichen Raum, Arbeits-, Qualifikation- und Teilhabebedarfe. Insoweit ist es erforderlich, Weiterbil-
dungsangebote in Übereinstimmung mit kommunalen Weiterbildungsbedarfen (beispielsweise ehrenamt-
liche Tätigkeit) zu bringen.
3.2.3
Sicherung und Entwicklung von Qualität und Innovationsfähigkeit
Qualitätssicherung und -entwicklung haben Personalplanung, Personaleinsatz und Personalentwicklung
im Fokus. Für den Teilnehmenden ist das Niveau der Arbeit des Kursleiters das zentrale Qualitätskriteri-
um. Damit kommt Qualitätsentwicklung im Bereich der Professionalisierung von Weiterbildnern eine
Schlüsselfunktion zu. Hier bewegt sich Personalentwicklung in dem Spannungsfeld zwischen der Not-
wendigkeit der Professionalisierung des pädagogischen Personals und der in der Regel geringen Anbin-
dung der Kursleiter an eine Weiterbildungseinrichtung aufgrund der freiberuflichen bzw. ehrenamtlichen
Tätigkeit. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung an Lernberatung weiter zu. In der Regel soll eine persönliche
Beratung ermöglichen, das passende Lernangebot unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse
des Lernenden zu finden und zu entwickeln.
Daher wird zur weiteren Sicherung und Entwicklung von Qualität und Innovationsfähigkeit in den Ein-
richtungen empfohlen, Qualitätsmanagementkonzepte in den Weiterbildungseinrichtungen einzuführen
bzw. weiter anzuwenden und die weitere Professionalisierung von Weiterbildnern zu unterstützen. Eine
zeitnahe Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis ist qualitätsfördernd und trägt zur
Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit bei. Die angebotenen beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen sollten
sich in den Europäischen bzw. nationalen Qualifikationsrahmen einpassen.
45
Neue Lernarchitekturen stellen empirisch fundiert ein „Set von aufeinander bezogenen Elementen“ zur Verfügung,
um „intendierte Selbstlernaktivitäten“ zu initiieren, zu stützen und zu fördern. Zu den wesentlichen Gestaltungsdi-
mensionen gehören: Inhalte, Methoden, Medien, Sozialformen, zeitliche Strukturierungen, Bestimmung des An-
spruchsniveaus, Lesestandskontrolle, professionelle Begleitung, Dokumentations- und Präsentationsformen. Lernar-
chitekturen bilden hochkomplexe, integrative Konzepte selbstgesteuerten Lernens, die sich auf erwachsenenpäda-
gogische professionelle didaktische Gestaltung und Qualitätskriterien gründen.(Forneck, Herrmann J.; Kossack, Pe-
ter; Klingovsky, Ulla; Selbstlernumgebungen. Hohengehren, 2005, S. 23 ff.)

20
3.3
Handlungsbedarfe für die Staatsregierung
Unter Berücksichtigung der formulierten Ziele und der Anforderungen an Weiterbildung in Sachsen erge-
ben sich die folgenden Handlungsbedarfe:
Spezifische Förderung von berufsbezogenen Weiterbildungsangeboten zur Erschließung und zum
Erhalt von Fachkräftepotentialen für die sächsische Wirtschaft
Die Weiterbildungsförderung wird dazu insbesondere
die intensive Nutzung der Möglichkeiten des zweiten Bildungsweges zum Nachholen eines Schul-,
Ausbildungs- bzw. Hochschulabschlusses,
berufliche Quereinstiege,
Frauen durch flexiblere Fort- und Weiterbildungsangebote, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie
und Beruf ermöglichen,
Migranten durch effektivere und flexible Anpassungsqualifizierung, die eine sprachliche und kultu-
relle Integration einschließen,
Ältere unter Berücksichtigung förderlicher Lernbedingungen durch ein passfähiges Weiterbildungs-
angebot,
Geringqualifizierte und Arbeitslose durch abschlussbezogene Höherqualifizierung und
Menschen mit Behinderungen
unterstützen.
Intensivierung der Maßnahmen zur Alphabetisierung
Das bedeutet
die Weiterbildung vor allem in diesem Bereich durch staatliche Förderung insbesondere im Rahmen
der gegenwärtigen ESF-Förderperiode zu sichern,
die Beratungsstellen zur Information, Beratung und Vermittlung für Betroffene, deren Angehörige
und interessierte Bürger zu erhalten,
kontinuierliche Qualifizierungsmaßnahmen für Pädagogen und Fachkräfte durchzuführen,
die Umsetzbarkeit von Qualitätsstandards für die Alphabetisierungsmaßnahmen jährlich zu prüfen,
das Systems der lokalen und regionalen Netzwerke zu verstetigen und
die Arbeit der Koordinierungsstelle zur sachsenweiten Betreuung und Verdichtung der Vernetzung
der Alphabetisierungsarbeit fortzuführen.
Entwicklung und Implementierung geeigneter Verfahren zur stärkeren Berücksichtigung der über
nicht-formales und informelles Lernen erworbenen Kompetenzen
Dabei sind
der Zugang und die Transparenz zu Feststellungsverfahren, über die die Anerkennung zu vergleichba-
ren formal erworbenen Lernabschlüssen und somit eine Zuordnung zu den entsprechenden Referenz-
niveaus erfolgen kann (DQR/EQR),

21
die Einrichtung funktionstüchtiger Systeme zur Diagnose und Validierung (Anerkennung) des nicht-
formalen und informellen Lernens im Sinne einer Niveausicherung mit bestehenden Feststellungsver-
fahren
sicherzustellen.
Sicherung einer stabilen Weiterbildungsbeteiligung
Dazu sind:
eine hohe Transparenz im Hinblick auf Weiterbildungsangebote und entsprechende Fördermöglich-
keiten zu gewährleisten,
Bildungsangebote mit räumlicher und kommunikativer Barrierefreiheit auszubauen,
Aktivitäten der zielgruppenspezifischen und der allgemeinen Öffentlichkeitsarbeit zur Initiierung
sowohl persönlicher Investitionen in Weiterbildung als auch der Nutzung von Fördermöglichkeiten zu
verstärken,
der Bekanntheitsgrads staatlich unterstützter Angebote zu erhöhen,
ein systematisches und bedarfsgerechtes Informations- und Beratungssystem unter Nutzung beste-
hender Strukturen zu etablieren und
standardisierter Qualitätsanforderungen für den Bereich des pädagogischen Personals zu entwickeln.
Konzentration von Ressourcen durch Initiierung regionaler Weiterbildungsallianzen und Forcierung
der Einbindung von Weiterbildung in regionale Bildungskonzepte bzw. in das regionale Bildungsma-
nagement
Das beinhaltet:
das Ausloten der Potenziale der bestehenden Strukturen in der Bildungsberatungslandschaft und das
Aufzeigen etwaiger Defizite,
die Einbindung der bestehenden Bildungsnetzwerke in die spezifische Zielgruppenarbeit,
den stärkeren Einsatz der hohen Akzeptanz von Weiterbildungseinrichtungen für die kommunale
Daseinsvorsorge,
die Einbindung, Verankerung und Unterstützung ehrenamtlicher Strukturen in das Bildungsmanage-
ment vor Ort.
Sicherung der Weiterbildung im ländlichen Raum als Teil einer ausgewogenen Daseinsvorsorge
Dazu sind
eine besondere Strukturförderung regionaler Bildungsarbeit,
die Verstärkung des Stadt-Land-Dialogs und
regional angepasste Strategien der Institutionen
notwendig.

22
Erleichterung des Zugangs zu bürgerschaftlichem Engagement und gesellschaftlicher Teilhabe
Die Weiterbildung soll dazu insbesondere
im Rahmen der vielfältigen Möglichkeiten ehrenamtlicher Tätigkeit notwendige Qualifizierungsmaß-
nahmen in der Anzahl erhöhen, weiter entwickeln und eine entsprechende Anerkennungskultur aus-
bauen,
den intergenerativen Erfahrungsaustausch im Sinne des lebenslangen Lernens fördern und
den weiteren Ausbau des Bereichs Seniorenbildung in Zusammenarbeit mit Sozialpartnern und
Wohnanlagen
unterstützen.
Entwicklung spezifischer Weiterbildungsformate zur Gewinnung neuer Zielgruppen
Die Formate sollen
eine ausgewogene Daseinsvorsorge im ländlichen Raum gewährleisten,
Engagement fördernde Strukturen unterstützen,
altersgerecht und generationsübergreifend sein,
zur Stärkung von Qualität und Effizienz der Angebote, neue Methoden und Wege zur zuverlässigen
und nachhaltigen Erreichung beinhalten,
den Stadt-Land-Dialog intensivieren und
in regional angepassten Strategien der Institutionen ihre Entsprechung finden.
Stabile und flächendeckende Förderung der politischen Bildungsarbeit in unterschiedlichen Formen
und innovativen Bildungsaktivitäten
Weiterbildung soll dabei
die Akzeptanz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verstärken und die der Demokratie
zugrunde liegenden geistig-ethischen Grundlagen sichern,
Weltoffenheit und Internationalität repräsentieren,
die Auseinandersetzung mit den für das Zusammenleben und den Zusammenhalt der Gesellschaft
wesentlichen Werte anregen und fördern.
Überprüfung der gegenwärtigen Verwaltungsstrukturen der Staatsregierung und der landesrechtli-
chen Bestimmungen im Bereich Weiterbildung
Dazu sollten bei Beibehaltung der Zuständigkeit für die ressortinterne Weiterbildung geprüft werden,
ob durch eine ressortübergreifende Bündelung der Förderung und
die Schaffung einer zentralen Arbeitseinheit für Monitoring und Controlling
eine Effektivierung erreicht werden kann.

23
3.4
Finanzierung
Die Sicherung des Fachkräftepotenzials ist für die Unternehmen eine zentrale Aufgabe. Soweit zu diesem
betrieblichen Interesse Fort- und Weiterbildung beiträgt, werden die Unternehmen auch deren finanzielle
Untersetzung verantworten. Zugleich sind Eigeninitiativen und individuelle Interessen der Arbeitnehmer
von Bedeutung. Berufliche Qualifizierungen, die stärker diesen entsprechen und damit deutlich über die
Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit für das Unternehmen hinausgehen, bringen auch die Arbeit-
nehmer in eine finanzielle Mitverantwortung.
Staatliche Verantwortung fokussiert sich in diesem Bereich darauf, Chancengerechtigkeit zu fördern. Im
Hinblick auf die Förderung Einzelner als auch vorrangig der KMU sollen weiterhin Drittmittel, insbeson-
dere aus EU-finanzierten Programmen, bereitgestellt werden.
Auch bezüglich der Zielstellung, die Anzahl der funktionalen Analphabeten in Sachsen signifikant zu
senken, ist die finanzielle Untersetzung der eingeleiteten Maßnahmen insbesondere aus Drittmitteln
fortzuführen. Gleiches trifft auf die Zielstellung der Förderung von selbstbestimmtem Leben und Aktivität
zu.
Umfang und Zeitpunkt der Realisierung der genannten Handlungsbedarfe der Staatsregierung stehen
unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit im Rahmen der den jeweiligen Ressorts vom Sächsischen Land-
tag zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel und der Ergebnisse der weiteren Abstimmungen mit der
Europäischen Kommission.
3.5
Sachsenspezifisches Monitoring
Seit 1990 hat sich in Sachsen auf Grundlage der Vielzahl der Fördermöglichkeiten ein großer Weiterbil-
dungsmarkt gebildet. Statistiken gibt es insbesondere zu öffentlich geförderten Weiterbildungsangebo-
ten.
Zum Teilbereich der allgemeinen Weiterbildung legt der Freistaat Sachsen Daten im Rahmen des Sächsi-
schen Bildungsberichtes vor. Diese werden durch die Weiterbildungsstatistik im Verbund und die jährli-
che Statistik über die Aktivitäten der Volkshochschulen in Deutschland des Deutschen Instituts für Er-
wachsenenbildung (DIE) ergänzt.
Darüber hinaus erstellt TNS Infratest München eine jährliche Arbeitgeberbefragung auf Leitungsebene.
Das IAB-Betriebspanel und TNS Infratest Sozialforschung untersuchen im Auftrag des BMBF im Abstand
von jeweils 3 Jahren seit 1979 das Weiterbildungsverhalten in Deutschland. Landesspezifische Zusatzstu-
dien sind möglich. So wurde im Rahmen der europäischen Adult Education Survey (AES)-Erhebung 2012
zur Untersuchung der Weiterbildungsbeteiligung eine sogenannte Länderzusatzstudie „Weiterbildung in
Sachsen 2012“ beauftragt (vgl. Abschnitt 2.3), um repräsentative Aussagen zur Weiterbildungsbeteili-
gung im Freistaat Sachsen zu erhalten.
Mit Hilfe der gegenwärtig genutzten Instrumente liegen Daten vor, die grundsätzliche Aussagen zum
Weiterbildungsverhalten in Sachsen erlauben. Sie sind in Bezug zu bundesweiten wie europäischen Da-
tengrößen angemessen zu interpretieren.

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Impressum:
Die Weiterbildungskonzeption wurde am 4. März 2014 vom Sächsischen Kabinett beschlossen.
Die Federführung für die Weiterbildungskonzeption liegt beim Referat 24 des Sächsischen Staatsministe-
riums für Kultus (SMK).
Die Weiterbildungskonzeption ist in enger Zusammenarbeit mit dem
Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK),
Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL),
Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA),
Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS),
Sächsischen Staatsministerium des Innern (SMI),
Sächsischen Staatsministerium der Justiz und für Europa (SMJus),
Sächsischen Staatsministerium für Finanzen (SMF),
Landesbeirat für Erwachsenenbildung (LBEB),
den Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie der Weiterbildungseinrichtungen entstanden.
Kontakt:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Ref. 24: Lehrerbildung, Allgemeine Weiterbildung
Carolaplatz 1, 01097 Dresden / Postanschrift: PF 10 09 10, 01079 Dresden
E-Mail: weiterbildungskonzeption@smk.sachsen.de
Alle in dieser Konzeption verwendeten Bezeichnungen sind als geschlechtsneutral zu betrachten!

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Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Gestaltung und Titelbild:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Referat 24 / Lehrerbildung, Allgemeine Weiterbildung
Druck:
Sächsisches Staatsministerium für Finanzen
Zentrale Druck- und Kopierstelle
Onlineversion:
Ein PDF-Dokument der Konzeption ist im Internet veröffentlicht unter:
www.weiterbildung.sachsen.de
Auflage:
500 Exemplare
Copyright:
Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die
des Nachdruckes von Auszügen und der fotomechanischen Wiedergabe, sind
dem Herausgeber vorbehalten.