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Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) Sachsen
01099 Dresden, Jägerstraße 8/10 - Tel. (0351) 8144-0 - Fax (0351) 8144-1020 - Web:
www.lua.sachsen.de
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) Sachsen | 1
Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung der Hepatitis A
im Freistaat Sachsen
- Sächsisches Herdbekämpfungsprogramm Hepatitis A -
Stand: Mai 2022
1
Epidemiologie
1.1
Erreger
Das Hepatitis A-Virus (HAV) ist ein einzelsträngiges RNA-Virus. Es gehört zur Familie der
Picornaviridae im Genus Hepatovirus. Der Mensch ist Hauptwirt und das epidemiologisch
einzige relevante Reservoir von HAV. Das Virus weist eine hohe Umweltstabilität sowie
eine hohe Desinfektionsmittelresistenz auf.
1.2
Inkubationszeit
15-50 Tage (im Durchschnitt 25-30 Tage)
1.3
Übertragung
Die Übertragung erfolgt gewöhnlich fäkal-oral durch Kontakt- oder Schmierinfektion, ent-
weder im Rahmen enger Personenkontakte oder indirekt über kontaminierte Lebensmittel,
Wasser oder Gegenstände. Epidemische Ausbrüche werden meist durch kontaminiertes
Trinkwasser, Badewasser oder Lebensmittel (häufig Muscheln, fäkaliengedüngtes Ge-
müse, Salate) ausgelöst. Eine parenterale Übertragung durch Blut und Blutprodukte (die
Virämie kann über 3 Wochen andauern) ist möglich, kommt jedoch nur selten vor.
1.4
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit
Erkrankte Personen sind ab 2 Wochen vor und bis zu 2 Wochen nach Erkrankungs-
beginn bzw. bis 1 Woche nach Auftreten des Ikterus ansteckend. Die Virusausscheidung
über den Stuhl erfolgt bereits 2 Wochen vor Krankheitsausbruch und erreicht ihr Maximum
noch vor Auftreten der ersten Symptome. Auch asymptomatisch Infizierte oder subklinisch
Erkrankte können eine Infektionsquelle darstellen. Bei Säuglingen ist eine verlängerte Aus-
scheidung möglich.
1.5
Verbreitung
Weltweite Verbreitung, sporadisch, endemisch oder in Form von Epidemien. In Ländern
mit niedrigem Hygienestandard sehr hohe Durchseuchung bereits im Kindesalter. Typi-
sche Reiseerkrankung, ca. 30–40 % aller in Deutschland gemeldeten HAV-Fälle sind rei-
seassoziiert (2020 pandemiebedingt nur ca. 15 % reiseassoziiert bei gleichzeitigem Rück-
gang der Fallmeldungen um ein Drittel). Hohe Prävalenzraten im gesamten Mittelmeer-
raum, Nahen Osten, Asien, Afrika, Mittel- und Südamerika und in osteuropäischen Län-
dern. In gemäßigten Klimazonen liegt der Morbiditätsgipfel im Sommer und Herbst.
1.6
Immunität
Die Infektion hinterlässt eine lebenslange Immunität. Durch Impfung kann ebenfalls eine
Immunität erreicht werden (siehe hierzu Punkt 5.1).
1.7
Falldefinitionen
(nach RKI)
Über die zuständige Landesbehörde (LUA Sachsen) an das RKI zu übermittelnde Fälle
sind (Meldung siehe Punkt 6):
-
Klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankung
-
Klinisch-labordiagnostisch bestätigte Erkrankung (siehe auch Punkt 3.2)
-
Labordiagnostisch nachgewiesene Infektion bei nicht erfülltem klinischen Bild
-
Labordiagnostisch nachgewiesene Infektion bei unbekanntem klinischen Bild

 
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2
Klinik
2.1
Klinisches Bild
-
Vorausgehend unspezifische Symptomatik (gastrointestinale Symptomatik, Krankheits-
gefühl, gelegentlich Temperaturerhöhung)
-
Ikterus (Dauer wenige Tage bis mehrere Wochen)
-
Gastrointestinale Symptome
-
Lebervergrößerung (bei 25% auch Milzvergrößerung)
-
Cholestasezeichen (dunkler Urin, entfärbter Stuhl)
-
Fieber
-
Hautjucken
-
Häufig subklinische asymptomatische Verläufe (besonders bei Kindern)
2.2
Komplikationen, Letali-
tät
-
fulminante Verläufe (0,01 – 0,1 %)
-
Letalität <0.1% (zunehmend mit steigendem Alter, v.a. bei Personen mit hepatischen
Vorerkrankungen)
-
Trägerstatus und chronische Formen sind nicht bekannt
3
Labordiagnostik
Eine sichere Diagnose allein anhand des klinischen Bildes ist nicht möglich, die labordiag-
nostische Bestätigung ist zwingend erforderlich.
3.1
Untersuchungsmaterial
-
Stuhl
-
Blut
3.2
Methoden
Indirekter (serologischer) Nachweis:
Anti-HAV-IgM-Antikörpernachweis (ELISA) = Beweis für frische oder kurz zurück-
liegende Infektion, wird positiv ab etwa 3 Tage vor Erkrankungsbeginn, Nachweis-
dauer ca. 3–4 Mon., Anti-HAV-IgM-Antikörper können aber auch länger persistie-
ren.
Anti-HAV-IgG-Antikörpernachweis (ELISA) = Durchseuchungsmarker, zeigt Immu-
nität gegen HAV nach Erkrankung oder Impfung an, signifikanter Titeranstieg bei
akuter Erkrankung, lebenslange Persistenz
Direkter Nachweis:
PCR (Virusgenomnachweis) aus Stuhl (oder während Virämie aus Blut), Nachweis
bereits in der Inkubationszeit
(HAV-Antigen-Nachweis (ELISA, RIA) im Stuhl)
Sequenzierung des HAV-Genoms zur Klärung von Infektionsketten (nur in Spezi-
allaboren)
Zusätzliche Laborveränderungen:
ALAT (SGPT) / ASAT (SGOT): unspezifische, aber sehr frühe Marker für die Zell-
entzündung
Gallenfarbstoffe in Urin und Serum: unspezifische Marker für Gallenstoffwechsel-
störung
4
Therapie
-
symptomatisch, ggf. Bettruhe, keine spezifische antivirale Therapie
-
strikte Alkoholkarenz, keine Verabreichung potentiell hepatotoxischer Medikamente
-
bei fulminantem Verlauf kann ggf. eine Lebertransplantation lebensrettend sein
5
Prophylaxe
5.1
Aktive Immunisierung
Impfung mit inaktiviertem Hepatitis A-Virus
siehe Impfempfehlung E 1 der SIKO (Stand 01.01.2022)
(S) Standardimpfung
Seronegative Kinder ab 2. Lebensjahr und Erwachsene
(prävakzinale HAV-Serologie nach epidemiologischen und klinischen Aspekten (z.B. län-
gerer Aufenthalt in Endemiegebieten, Personen mit Migrationshintergrund) und für einhei-
mische Erwachsene generell bei vor 1950 Geborenen empfohlen)
(B) Berufliche Indikationsimpfung
-
Personal und Beschäftigte gemäß §§ 23, 33, 36 und 42 IfSG
-
Personal von Laboratorien
-
Polizisten, Sozialarbeiter
-
Kanalisations- und Klärwerksarbeiter
Personaldefinition:
Medizinisches und anderes Fach- und Pflegepersonal, Küchen- und Reinigungspersonal,
einschließlich Auszubildende, Praktikanten und Studenten, Ehrenamtliche

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5.1
Aktive Immunisierung
(Fortsetzung)
(I) Indikationsimpfung
-
Personen mit einem Sexualverhalten mit hoher Infektionsgefährdung, z. B. MSM
-
Personen mit häufiger Übertragung von Blutbestandteilen, z. B. i. v.-Drogenkonsumie-
rende, Hämophile (bei Letzteren, wenn deren Vortestung auf HAV- Antikörper negativ
ausfiel)
-
Personen in psychiatrischen oder vergleichbaren Fürsorgeeinrichtungen für Zerebral-
geschädigte oder Verhaltensgestörte
-
Personen, die an einer chronischen Lebererkrankung einschließlich chronischer
Krankheiten mit Leberbeteiligung leiden und keine HAV- Antikörper besitzen
-
Länger in Justizeinrichtungen einsitzende Personen
(R) Reiseimpfung
-
Personen, die in Deutschland geboren sind, vor ihrer ersten Reise in ein Land mit ho-
her HA-Gefährdung
-
Reisende (einschließlich beruflich Tätige und Angehörige von Entwicklungsdiensten)
in Länder mit hoher HAV-Durchseuchung und / oder hygienisch risikoreichen Bedin-
gungen
(P) Postexpositionelle Impfung
-
Postexpositionelle aktive Impfung mit einem monovalenten Impfstoff aller empfängli-
chen Personen (siehe auch Punkt 7) mit Kontakt zu an Hepatitis A-Erkrankten (so früh
wie möglich)
-
Liegt die frühestmögliche Exposition länger als 72 Stunden zurück, so ist die gleich-
zeitige Gabe von Gammaglobulin mit deklariertem Antikörpergehalt angezeigt.
-
Eine postexpositionelle aktive Immunisierung später als 14 Tage nach der Exposition
schützt bei evtl. folgenden Expositionen (weiteren Erkrankungswellen).
Als Kontaktpersonen gelten insbesondere:
-
Alle Haushaltsmitglieder
-
Kontaktpersonen in Kindertageseinrichtungen, -heimen u. ä.
-
Kontaktpersonen in Schulklassen
-
Kontaktpersonen in Gemeinschaftseinrichtungen mit haushaltähnlichem Charakter
(Internate, Kasernen, Wohn-, Alters- und Pflegeheime, Einrichtungen für geistig Be-
hinderte etc.)
-
Sexualpartner
-
Personal beruflicher Risikogruppen, siehe (B), das jedoch prinzipiell schon präexposi-
tionell immunisiert werden sollte:
Personal, das tätig ist beim Herstellen, Behandeln oder Inverkehrbringen von
Lebensmitteln einschließlich in Küchen von Gaststätten und sonstigen Einrich-
tungen mit oder zur Gemeinschaftsverpflegung
HA-gefährdetes Personal im Gesundheitsdienst, z. B. Pädiatrie, Infektionsme-
dizin, betriebliche und ehrenamtliche Ersthelfer, Mitarbeiter von Rettungsdiens-
ten, Polizisten, Sozialarbeiter, Gefängnispersonal mit direktem Kontakt zu In-
haftierten
5.1.1 Impfstoffe
Derzeit in Deutschland zugelassene Impfstoffarten (siehe PEI):
-
Inaktiviertes HAV, monovalent
-
Hepatitis A/B-Kombinationsimpfstoffe
-
Hepatitis A - Typhus-Kombinationsimpfstoffe
5.1.2 Impfschema
monovalente Hepatitis A-Impfstoffe
2 Dosen i.m.
Abstand 6 – 12 Monate
Auffrischimpfung nach 25 Jahren bei Fortbestehen oder Neuauftreten eines erheblichen
Infektionsrisikos empfohlen. Kann bei Nachweis entsprechender Antikörper-Konzentration
modifiziert werden.
Hepatitis A/B-Kombinationsimpfstoffe 3 Dosen i.m.
Monate 0, 1, 6
Hepatitis A - Typhus-Kombinationsimpfstoffe 1 Dosis i.m.
ggf. Auffrischimpfung mit Hepatitis A-Impfstoff nach 6-12 Monaten
5.1.3 Kontraindikationen
Kontraindikationen gegen die Hepatitis A-Impfung sind in der Empfehlung E 2 der Sächsi-
schen Impfkommission: "Allgemeine Kontraindikationen bei Schutzimpfungen", Stand
01.11.2003, dargelegt.
Es sind dies in Kurzform:
akute Erkrankungen
schwere organische Leiden mit Dekompensationen
Allergien gegen Impfstoffbestandteile

 
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5.2
Passive
Immunisierung
Indikationen:
→ postexpositionell: Im Rahmen der Simultanprophylaxe oder evtl. bei kontraindizierter
aktiver Hepatitis A-Impfung (Kontakt zu HAV sollte max. 2 Wochen zurückliegen)
→ präexpositionell: Auslandsreisende nur im Ausnahmefall, wenn keine aktive Hepatitis
A-Impfung durchgeführt werden kann
Wirkung nur nach (frühestmöglicher) Gabe innerhalb von 10 (bis maximal 14) Ta-
gen nach Exposition zu erwarten
Wirksamkeit 80-90 %
Eine Wiederholung der Gabe von Immunglobulin alle 3 Monate ist bei anhaltender
oder erneuter Exposition notwendig, falls keine Simultanimpfung durchgeführt
wurde
5.2.1 Mittel
Immunglobuline mit deklariertem Anti-HAV-Gehalt
5.2.2 Dosierung und
Dauer der prophylakti-
schen Gabe
Je nach Präparat, Packungsbeilage beachten
5.2.3 Simultanprophylaxe
Gabe von Impfstoff und Immunglobulin zeitgleich und kontralateral
Indikationen:
→ postexpositionell:
- wenn nach sorgfältigen epidemiologischen Ermittlungen der mögliche epidemiolo-
gisch effektive Kontakt zum Indexfall länger als 72 Stunden zurückliegt
- bei länger zurückliegendem unklaren Expositionszeitpunkt (Kontakt zu HAV sollte
aber max. 2 Wochen zurückliegen)
- bei nichtimmunen HBsAg- und HCV-Trägern, Patienten mit chronischer Lebererkran-
kung oder über 50-jährige ohne Immunität (schwerere Verläufe, erhöhte Letalität).
- Cave: Verhindert Ausbruch der Erkrankung nicht in allen Fällen
5.3
Aufklärung von Kon-
taktpersonen
Neben der aktiven Impfung (und ggf. der passiven Immunisierung) hat eine Aufklärung
über evtl. auftretende Frühsymptome zu erfolgen, bei denen sofort ein Arzt aufzusuchen
ist
6
Meldepflicht
an das zuständige
Gesundheitsamt
-
namentliche Meldung bei Verdacht, Erkrankung sowie Tod an akuter Virushepatitis
(§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. e IfSG)
-
namentliche Meldung eines direkten oder indirekten Nachweises einer akuten HAV-
Infektion (§ 7 Abs. 1 Nr. 19 IfSG)
-
§ 8 IfSG: die zur Meldung verpflichteten Personen
-
§ 9 IfSG: Angaben, die eine namentliche Meldung an das Gesundheitsamt beinhalten
muss
7
Maßnahmen für Ge-
meinschaftseinrich-
tungen
7.1
Erkrankte und
Krankheitsverdächtige
-
Tätigkeits- und Besuchsverbot für Beschäftigte und Betreute bis zwei Wochen nach
Auftreten erster klinischer Symptome bzw. eine Woche nach Auftreten des Ikterus
-
Bei Kindern und Kleinkindern sollte bei Wiederzulassung die entsprechende Hygiene-
kompetenz berücksichtigt werden, da das Virus auch länger ausgeschieden werden
kann.
-
Endgültige Entscheidung zur Wiederzulassung liegt beim behandelnden Arzt bzw. Arzt
des Gesundheitsamtes.
7.2
Kontaktpersonen
Wiederzulassung von Kontaktpersonen (Wohngemeinschaft, enge Kontaktpersonen)
bei
Erkrankung oder Verdacht auf HAV in einer Wohngemeinschaft, wenn die Personen:
-
über eine ausreichende, dokumentierte Immunität (vollständige Grundimmunisierung
oder durchgemachte HAV-Erkrankung) zur Zeit der Ansteckungsfähigkeit verfügen
-
eine postexpositionelle Schutzimpfung erhalten haben und der Einrichtung für wenigs-
tens 2 Wochen nach der Impfung ferngeblieben sind
-
im Falle einer fehlenden Immunität 4 Wochen nach dem letzten infektionsrelevanten
Kontakt der Einrichtung ferngeblieben sind
In Einvernehmen mit dem Gesundheitsamt können Ausnahmen zugelassen werden,
wenn Maßnahmen durchgeführt werden, mit denen eine Übertragung verhütet werden
kann (§ 34 Abs. 7 IfSG).

 
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7.3
Benachrichtigungs-
pflichten
Die Leitung einer Gemeinschaftseinrichtung hat das zuständige Gesundheitsamt unver-
züglich zu benachrichtigen,
• wenn in ihrer Einrichtung betreute oder betreuende Personen an Hepatitis A erkrankt
oder dessen verdächtig sind oder
• wenn in den Wohngemeinschaften der in ihrer Einrichtung betreuten oder betreuenden
Personen nach ärztlichem Urteil eine Erkrankung an oder ein Verdacht auf Hepatitis A
aufgetreten ist.
7.4
Schutzimpfung
siehe aktive Immunisierung/ passive Immunisierung/ Simultanprophylaxe Punkt 5
7.5
Neuaufnahme für
Gemeinschafts-
einrichtungen
-
Vierwöchige Aufnahmesperre für Empfängliche nach Auftreten eines Falles in der Ein-
richtung
-
Neuaufnahmen sind möglich bei bestehendem Impfschutz, nach zeitgerechter postex-
positioneller Schutzimpfung oder nach früher abgelaufener, labordiagnostisch bestä-
tigter Hepatitis A-Erkrankung
7.6
Desinfektion
Kontaminierte Oberflächen sind mit einem Desinfektionsmittel mit nachgewiesener „viru-
zider“ Wirksamkeit zu desinfizieren.
8
Hygienemaßnahmen
im Krankenhaus
8.1
Patientenbezogen
-
Räumliche Isolierung des Patienten für mindestens 2 Wochen nach Auftreten der ers-
ten klinischen Symptome bzw. 1 Woche nach Auftreten des Ikterus im Einzelzimmer
mit eigenem Sanitärbereich
-
Aufklärung über Händehygiene
-
Im Übrigen gelten die Regeln der Standardhygiene
8.2
Personalbezogen
-
Möglichst nur nichtempfängliches, immunes Personal einsetzen
-
Schutzkittel: erforderlich
-
Schutzhandschuhe: erforderlich bei möglichem Kontakt mit erregerhaltigem Material
oder mit kontaminierten Objekten
-
Hygienische Händedesinfektion (alkoholisches Händedesinfektionsmittel, viruzid, He-
patitis A-Wirksamkeit nachgewiesen) vor und nach Patientenkontakt, nach Kontakt mit
erregerhaltigem Material oder mit kontaminierten Objekten, nach Ablegen der Schutz-
handschuhe
-
Mund-Nasen-Schutz: nicht erforderlich
-
Schuhe: Wechsel nicht erforderlich
8.3
Desinfektion/
Entsorgung
Laufende Desinfektion:
-
Wirkungsbereich der Desinfektionsmittel und –verfahren: „viruzid“
-
Es sind Mittel bzw. Verfahren aus der Liste des VAH, die vorzugsweise auch in der
Liste des RKI verzeichnet sind, einzusetzen. Bei behördlich angeordneten Desinfekti-
onsmaßnahmen ausschließliche Anwendung der RKI-Liste (§ 18 Abs. 1 IfSG)
-
Desinfektion im Patientenzimmer (und Haushalt des Patienten)
-
Desinfektion der patientennahen Flächen, diese ist bei Bedarf auf weitere Flächen aus-
zudehnen
-
Instrumentendesinfektion: möglichst thermische Desinfektionsverfahren anwenden,
bei zentraler Desinfektion Transport im geschlossenen Behälter
-
Geschirr: Transport im geschlossenen Behälter zur zentralen Desinfektion im Ge-
schirrspülautomaten
-
Wäsche: desinfizierende Aufbereitung (s. o.), zentrale Desinfektion bei geschlosse-
nem Transport ohne Kontaminationsgefahr für die Umgebung
Schlussdesinfektion:
-
Matratzen, Kissen und Decken sind mit Mitteln und Verfahren der Liste des RKI zu
desinfizieren. Ansonsten sind die Maßnahmen entsprechend den Angaben zur laufen-
den Desinfektion anzuwenden.
-
Entsorgung der Abfälle: AS 18 01 04 bzw. 18 01 01 gemäß LAGA-Vollzugshilfe vom
Juni 2021; Fäzes und Urin können undesinfiziert der Kanalisation zugeführt werden.

 
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9
Maßnahmen im
Lebensmittelverkehr
9.1
Erkrankte und
Krankheitsverdächtige
Nach § 42 Abs. 1 IfSG dürfen Personen, die an Hepatitis A erkrankt oder dessen ver-
dächtig sind, nicht tätig sein oder beschäftigt werden:
-
beim Herstellen, Behandeln oder Inverkehrbringen der in § 42 Abs. 2 genannten Le-
bensmittel, wenn sie dabei mit diesen in Berührung kommen
-
in Küchen von Gaststätten und sonstigen Einrichtungen mit oder zur Gemeinschafts-
verpflegung
Tätigkeitsverbot bis 2 Wochen nach Erkrankungsbeginn (bzw. 1 Woche nach Auftreten
des Ikterus)
9.2
Kontaktpersonen
-
Tätigkeitsverbot für 28 Tage nach letzter Exposition
-
Die Zulassung erfolgt nach PCR in der 4. Woche bei negativem Resultat
-
Das Tätigkeits- und Beschäftigungsverbot entfällt bei immunen Personen (siehe Punkt
7.2).
9.3
Schutzimpfung
siehe aktive Immunisierung/ passive Immunisierung/ Simultanprophylaxe Punkt 5
10
Aufgaben des
erstbehandelnden
Arztes
-
Sofortige namentliche Meldung bei Verdacht, Erkrankung sowie Tod an das zustän-
dige Gesundheitsamt (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 IfSG)
-
Erfassung von Kontaktpersonen in der Familie, Einleitung postexpositionelle Impfung
bzw. Simultanprophylaxe sowie Festlegung von notwendigen Absonderungsmaßnah-
men in Absprache und nach Festlegung durch das Gesundheitsamt
11
Aufgaben des
Gesundheitsamtes
-
Erfassung aller Kontaktpersonen (in Familie, Gemeinschaftseinrichtungen, sonstige)
-
Postexpositionelle Impfung der empfänglichen Kontaktpersonen (siehe Punkt 5.1)
-
Passive Immunisierung mit Immunglobulinen im Rahmen einer Simultanprophylaxe
(siehe Punkt 5.2)
-
Festlegung notwendiger Absonderungsmaßnahmen für Erkrankte, Krankheitsver-
dächtige und Kontaktpersonen (siehe Punkte 7 und 9)
-
Detaillierte epidemiologische Analyse der Erkrankungsfälle
-
Kontrolle und Sicherstellung der Labordiagnostik in Zusammenwirken mit den LÜVÄ
(Blut, Stuhl, evtl. Lebensmittel, Wasserproben) sowie der LUA Sachsen
-
Übermittlung der Meldungen an LUA Sachsen bzw. RKI (§ 11 IfSG)
12
Maßnahmen bei
Ausbrüchen
-
Schnellstmögliche Ermittlung der Ausbruchsursache (meist kontaminiertes Trinkwas-
ser oder kontaminierte Lebensmittel)
-
Einleitung effizienter Maßnahmen zur Sanierung der Infektionsquelle
-
Impfung infektionsgefährdeter Personen im Umfeld eines Ausbruches mit einem Impf-
stoff, der ein Zwei-Dosen-Schema zulässt, in ausgewählten Fällen auch passive Im-
munisierung innerhalb von 14 Tagen nach HAV-Exposition
-
Umfassende Information an alle Beteiligten über Übertragungswege, Symptome, prä-
ventive Maßnahmen, Maßnahmen für Patienten und Kontaktpersonen

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Literatur:
1) RKI Ratgeber „Hepatitis A“, Stand November 2019
2) Falldefinitionen des RKI, Stand 01.01.2019
3) Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission (SIKO) zur Durchführung von Schutzimpfungen im Freistaat Sachsen
vom 02.09.1993, Stand: 01.01.2022
4) Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2021 (Epidemiologisches Bulletin 34/2021, 26.
August 2021)
5) Mitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut: Fragen und Antworten (Epidemiologisches
Bulletin 10/2000, 10. März 2000)
6) Empfehlungen für die Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen gemäß § 34 Infektionsschutzgesetz, Stand
13.01.2020
7) Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut
(RKI)
Bearbeiter:
Dr. med. I. Ehrhard
LUA Dresden
Dr. med. K. Flohrs
LUA Dresden
Dr. med. A. Hofmann
LUA Chemnitz
Dr. med. S.-S. Merbecks
LUA Chemnitz
Dr. med. L. Schmiedel
LUA Chemnitz
Dr. med. V. Vieracker
LUA Dresden
AG Infektionsschutz des Landesverbandes Sachsen der Ärzte und Zahnärzte des ÖGD
(Lt. DM S. Bertuleit)
Anlage1
-
Merkblatt über die Virushepatitis vom Typ A
-
Verhaltensempfehlungen beim Auftreten von Virushepatitis A-Erkrankungen in Familien, Gemeinschaftseinrichtungen
oder am Arbeitsplatz
Anlage 2
Epidemiologischer Ermittlungsbogen bei Hepatitis A für das Gesundheitsamt
Anlage 3
Erfassungsbogen für Kontaktpersonen

 
Anlage 1
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) Sachsen | 8
Merkblatt über die Virushepatitis vom Typ A
Erreger und Übertragung
Bei der Virushepatitis vom Typ A handelt es sich um eine Lebererkrankung, die mit oder ohne Gelbsucht verlaufen kann und
deren Krankheitsbild insgesamt stark variiert.
Der Erreger, das Hepatitis A-Virus (HAV), ist sehr stabil und besitzt eine hohe Umweltresistenz. Es ist im Wesentlichen bis zu
ca. 3 Wochen im Blut nachweisbar und wird ca. 2 Wochen vor bis 2 Wochen nach Krankheitsbeginn mit dem Stuhl ausge-
schieden. Die höchste Virusausscheidung erfolgt kurz vor Einsetzen der Symptome.
Eine Übertragung über Blut ist zwar möglich, der Hauptübertragungsweg/-mechanismus ist jedoch der direkte persönliche
Kontakt (Schmierinfektion) incl. Intimkontakt oder der indirekte Weg über mit dem Virus verunreinigte Lebensmittel, Trinkwas-
ser, Badewasser, Gegenstände usw.
Krankheit
Bei Kindern verläuft die Erkrankung häufig sehr leicht, z. T. auch ohne Krankheitszeichen. Erste Symptome treten ca. 15–50
(durchschnittlich 28) Tage nach der Ansteckung auf.
Bei Erwachsenen überwiegen die klinisch typischen Formen. Dabei beginnt die Erkrankung akut mit Fieber, Symptomen sei-
tens der Atemwege (können fehlen), Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, dunklem Urin und entfärbtem
Stuhl. Eine Gelbsucht, mitunter auch Juckreiz, können hinzukommen. Zwei- und mehrphasige Verlaufsformen sind nicht sel-
ten, schwere und tödliche Erkrankungen werden beobachtet, chronische Formen sind nicht bekannt.
Diagnostik
Die Diagnose der Virushepatitis A ist gegenwärtig sicher durch den Nachweis spezifischer Antikörper gegen das Hepatitis A-
Virus (Anti-HAV) oder den Nachweis der virusspezifischen Nukleinsäure zu stellen.
Infektionsquellen
Quellen für neue Infektionen anderer Menschen sind Personen kurz vor Auftreten der ersten Symptome sowie frisch Erkrankte
(unabhängig von der Art und Schwere der auftretenden Symptome). Auch asymptomatisch Infizierte sind ansteckend.
Ansteckungsrisiko/Vorkommen
Ein besonderes Ansteckungsrisiko besteht für bestimmte Berufsgruppen sowie Kontaktpersonen zu Erkrankten, wie für me-
dizinisches Personal (Infektionsabteilung, Kinderheilkunde), Kanalarbeiter, Laborpersonal beim Umgang mit Stuhl, Entwick-
lungshelfer, Kinder und Personal in Gemeinschaftseinrichtungen (besonders des Vorschulalters) sowie Familienangehörige
von infizierten Personen bzw. Erkrankten. Auch bei Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern besteht ein erhöhtes
Ansteckungsrisiko.
Besonders gefährdet sind außerdem Reisende in Länder mit schlechten hygienischen Bedingungen und einer hohen Erkran-
kungshäufigkeit. In den letzten Jahren lag der Anteil der Reisehepatitis aller in Deutschland gemeldeten HAV-Fälle bei ca. 30-
40 %.
Therapie/ Prophylaxe
Da es nur symptomatische Behandlungsmöglichkeiten gibt, ist der aktiven und/oder passiven Impfung insbesondere für die
Personen bzw. Personengruppen, die einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, durch eine Infektion besonders gefährdet
sind oder im Infektionsfall ein besonderes Verbreitungsrisiko (z. B. im Lebensmittelbereich Tätige) darstellen, eine überra-
gende Bedeutung beizumessen. Besonders gefährdet für eine Infektion sind Personen mit beruflicher Exposition (z. B. Tätig-
keit in Gemeinschaftseinrichtungen, im Gesundheitssektor, im Laborbereich oder in der Abwasserentsorgung), Personen mit
sexuellen Risikokontakten sowie Personen mit häufiger Übertragung von Blutbestandteilen. Ein Risiko für einen schweren
Verlauf besteht insbesondere bei älteren Menschen oder bei Personen mit Lebervorerkrankungen. In Sachsen ist die Impfung
gegen Hepatitis A für alle Kinder ab dem 2. Lebensjahr und alle nicht-immunen Erwachsenen empfohlen.
Verhaltensempfehlungen beim Auftreten von Virushepatitis A-Erkrankungen in Familien, Gemeinschaftseinrichtun-
gen oder am Arbeitsplatz
Um eine Ansteckung oder Weiterverbreitung auf andere Personen zu vermeiden, müssen die Anweisungen und Empfehlun-
gen des behandelnden Arztes sowie des Gesundheitsamtes exakt eingehalten bzw. befolgt werden.
Dies betrifft die gemäß Infektionsschutzgesetz und anderen gültigen Rechtsnormen notwendigen Blutuntersuchungen, Ab-
sonderungsmaßnahmen, Besuchs- oder Tätigkeitsverbote ebenso wie die Immunprophylaxe und die im häuslichen bzw. be-
ruflichen Umfeld erforderlichen Hygienemaßnahmen. Dazu gehören vor allem auch persönliche Hygiene, speziell Händedes-
infektion und -reinigung nach Toilettenbenutzung, die thermische Desinfektion von Bett- und Leibwäsche mittels Behandlung
bei 95°C bzw. das Waschen thermosensibler Textilien bei 65°C für 15 min. Wenn desinfizierende Waschverfahren vorhanden
sind, sollen diese vorzugsweise eingesetzt werden. Möglicherweise verunreinigte Flächen und Gegenstände sind zu desinfi-
zieren (z.B. im Toilettenbereich), erregerhaltige Abfälle sind sachgemäß zu entsorgen.
Genaue Hinweise zu den im Einzelfall notwendigen hygienischen Maßnahmen, zu den anzuwendenden Desinfektionsmitteln
und deren Konzentration sowie zur Immunprophylaxe erhalten Sie von den Mitarbeitern Ihres Gesundheitsamtes, die Sie zu
diesen und sonstigen Fragen oder Problemen gern beraten werden.
Durch diszipliniertes Verhalten können Sie wesentlich dazu beitragen, sich und Ihre Familie sowie andere Menschen vor einer
Infektion zu schützen und damit die Ausbreitung der Virushepatitis A zu verhindern.

 
Anlage 2
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) Sachsen | 9
Epidemiologischer Ermittlungsbogen bei Hepatitis A für das
Gesundheitsamt
Anlage zum Ermittlungsbericht lfd. Nr.: ............................................................................
1. Angaben zur Person
Name: .......................... Vorname: .............................. Geburtsname: ..................................
Geb.-Datum: ..........................................................................................................................
2. Angaben zur Infektion
2.1 Grund der Ermittlung (z. B. Labormeldung): ...................................................................
2.2 Krankheitssymptome (ja / nein, welche): ........................................................................
erste Symptome seit wann: ..................................................................................................
Gelbsucht (ja / nein, wo (Haut/Auge), seit wann)): ...............................................................
2.3 Arbeitsunfähigkeit von: .............................. bis: .............................................................
2.4 Laborbefunde
Hepatitis-Serologie:
Datum: ...........................
HAV-Ag ..................................... Anti-HAV-IgG ................................................................
Anti-HAV-IgM ............................ HAV-PCR .....................................................................
Leberenzymbestimmungen:
Datum: ............................
ASAT......................................... ALAT ............................... GammaGT ............................
Alkal. Phosphatase ................... Bilirubin ...........................
evtl. weitere Laborbefunde: ...........................................................................................
(z. B. Immunglobuline)
Leberbiopsie durchgeführt: ja / nein ..............................................................................
(verbaler Text der path.-anatom. Diagnose als Anlage)
2.5. Impfung gegen Hepatitis A:
□ ungeimpft
□ unvollständig geimpft
□ vollständig geimpft
Datum der letzten Impfung: …………………
Name des Impfstoffs: ……………………….

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3.
Epidemiologische Ermittlungen
3.1
Kontakt zu bekannter Erkrankung
(Personalien und Befunde - Diagnose und Hep.-Serologie - der Kontaktpersonen):
.........................................................................................................................................
Art des Kontaktes: ..........................................................................................................
Zeitpunkt, Häufigkeit oder Dauer des Kontaktes: ..........................................................
3.2
Ernährungsanamnese der letzten 4 Wochen (mit Datumsangabe):
Risikolebensmittel (z.B. Muscheln, Obst, Gemüse, Tiefkühlbeeren): ................................................................................
Gaststättenbesuche (mit Angabe des Namens):
.......................................................................................................
betriebl. Gemeinschaftsverpfl./Pausenversorgung: ..........................................................
Getränke/Trinkwasser:
................................................................................................
3.3
Falls Sie in einer Gemeinschaftseinrichtung leben: Art der Unterkunft und Anzahl der Betten pro Zimmer:
.......................................................................................................................................
3.4
Sanitäre Verhältnisse
Toiletten (Art, Benutzer pro Sitz, Einschätzung des hygienischen Zustandes):
.......................................................................................................................................
Wasch-, Dusch- oder Badeverhältnisse (Art, Benutzeranzahl, hygienischer Zustand):
.......................................................................................................................................
3.5
Aufenthalt in den letzten 7 Wochen durch Beruf, Reise, Urlaub (Ort, Zeit):
.......................................................................................................................................
3.6
Erfolgten im letzten Monat Blut-, Frauenmilch-, Sperma-, Gewebe- oder Organspenden (ja / nein, welche)?
.......................................................................................................................................
3.7
Bestehen Risikofaktoren (z. B. durch berufliche Tätigkeit, Zugehörigkeit zu Risikogruppen wie Männer, die Sex mit
Männern haben (MSM))?
.......................................................................................................................................
Stempel des Gesundheitsamtes ...............................................

 
Anlage 3
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) Sachsen |
11
Kontaktpersonen
Nr.
Name, Vorname
m / w
Geburtsdatum
Mon. / Jahr
Einrichtung / Tätigkeit
Immunstatus
Chemoprophylaxe
vollst.
geimpft
unvollst.
geimpft
un-
geimpft
genesen
Ja, welche
Nein