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Was uns die Trachten sagen
Als Tracht wird im Allgemeinen die traditionelle Kleidung einer bestimmten Regi-
on, eines Standes oder einer Berufsgruppe bezeichnet. Viele hatten ihren Ur-
sprung in der Zeit des sogenannten Empire (1800–1820) oder des Biedermeier
(1820-1848), folgten aber auch immer der jeweiligen Mode und fanden dadurch
eine gewisse Anpassung an den jeweils herrschenden Zeitgeschmack.
Sie sind in vielen Fällen bezüglich Farbe, Schnitt, Stoffwahl und der Art des Tra-
gens genau definiert.
Unterschieden wird zwischen der Alltags- oder Werkstracht und den meist auf-
wendig gearbeiteten Festtrachten. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Trägerin
oder der Träger. Die Kleidung diente früher vielmehr zur Präsentation von Besitz
und Wohlstand. Je mehr Stoff in der Tracht Verwendung fand, je mehr Knöpfe auf
den Westen saßen, desto reicher war die Trägerin oder der Träger der Tracht. In
manchen Regionen wurden daher die Westenknöpfe so eng nebeneinander gesetzt, dass sie kaum
Platz fanden, oder die Röcke wurden so tief in Falten gelegt, dass sie eine nahezu unzumutbare
Schwere erreichten.
Trachten verraten eine Vielzahl von Informationen. Sie machten deutlich, aus welcher Region die
Trägerin/der Träger kommt. So wurden in Ostpreußen beispielsweise für Mieder, Röcke und Westen
handgewebte Stoffe aus hellen bis zum dunklen Blau verwendet. Sie standen symbolisch für den so
oft beschriebenen weiten Himmel Ostpreußens und für die Nähe des Landes zum Meer. Auch findet
sich der in dieser Region gefundene Bernstein in den Trachten als Schmuck-Accessoire oder Perlmutt-
Knöpfe wieder. Bei Trachten aus Nordböhmen durften dagegen die erzgebirgstypischen Blaudrucke
oder die Klöppelspitzen an Blusen und Schürzen nicht fehlen.
Neben diesen gebietsspezifischen Eigenschaften verraten Trachten, vor allem bei Frauen, in der Art
wie die Schürze mit der Schleife gebunden wird, den Personenstand der Trägerinnen (links – unge-
bunden und ledig, rechts – gebunden und verheiratet, mittig als Zeichen der Jungfräulichkeit, hinten
gebunden – verwitwet).
Zum Grundbestand einer jeden Tracht gehört für die Dame der weite, oft in Falten gelegte Rock, zu
dem in der Regel eine Halbschürze getragen wird. Er wird entweder durch eine engsitzende kostüm-
artige Jacke oder durch ein körpernah geschnittenes Mieder ergänzt.
Der Herr trägt oft eine Loden-Kniebundhose, Schafwollstrümpfe, ein Hemd und eine Weste. Darüber
wird eine Jacke getragen, wobei ein Hut nicht fehlen darf.
Die vorgestellten Trachten stammen aus den östlichen Gebieten des Deutschen Kaiserreiches sowie
aus den deutschsprachigen böhmischen Gebieten der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Sie wur-
den Anfang der 1990er Jahre durch den BdV-Heimat- und Trachtenchor „Joseph Freiherr von Eichen-
dorff“ aus Schwarzenberg/Erzgeb. erworben und bei zahlreichen Auftritten bis zur Auflösung des
Chores 2013 getragen. Für die Überlassung zu Ausstellungs- und Präsentationszwecken bedanken wir
uns auf das herzlichste.
Unsere kleine Sammlung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, nicht alle beschriebenen
Kleidungsstücke können gezeigt werden. Auch soll unsere Ausstellung nicht als Präsentation
festgelegter, eindeutiger Historizität gelesen werden – vielmehr möchten wir, dass sich unser
Projekt im Austausch mit Ihnen als Besucher weiterentwickelt.
Nun wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Rundgang!
Sie haben Interesse an unserer kostenfreien Ausstellung in Ihren Räumen oder möchten helfen, die
Ausstellung weiter zu vervollständigen?
Nehmen Sie Kontakt auf:
Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz
Mario Morgner, Abhorner Str. 3, 08228 Rodewisch
Tel.: 03744-30108, E-Mail:
mario.morgner@t-online.de
Diese Ausstellung wird gefördert durch das Sächsische Staatsministerium des Innern.