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Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Nach verzögertem Start brachten frühe und mittelfrühe mittelfeine
Markerbsen in diesem Jahr Rekorderträge
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Dr. Gerald Lattauschke | Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Abteilung Gar-
tenbau| Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden| gerald.lattauschke@smekul.sachsen.de| 0351-26128700
Abteilung Gartenbau
Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden
Internet:
https://www.gartenbau.sachsen.de/freilandgemueseanbau-in-sachsen-24530.html
Bearbeiter:
Dr. Gerald Lattauschke, Dr. Hermann Laber, Christine Kruschwitz, Felix Meyer
E-Mail:
gerald.lattauschke@smul.sachsen.de
Tel.:
0351 2612-8700
Redaktionsschluss:
13.12.2021
Versuchsergebnisse 2021
Verarbeitungsgemüse
Inhaltsverzeichnis
Markerbsen
Sortiment mittelfeiner Markerbsen der frühen und mittelfrühen Reifegruppe
Sortiment mittelfeiner Markerbsen der mittelspäten und späten Reifegruppe
Sortiment grober Markerbsen der frühen und mittelfrühen Reifegruppe
Sortiment grober Markerbsen der mittelspäten Reifegruppe
Sortiment grober Markerbsen der späten Reifegruppe
Sortiment grober Erbsen im ökologischen Anbau
Bohnen
Sortiment mittelfeiner Buschbohnen
Spinat
Sortiment früher und mittelfrüher Spinatsorten im Frühanbau
Sortiment früher und mittelfrüher Spinatsorten im Herbstanbau
Sortiment mittelspäter und später Spinatsorten im Herbstanbau
Sortiment Spinat Babyleaf im Frühanbau
Sortiment Spinat Babyleaf im Sommeranbau
Sortiment Spinat Babyleaf im Herbstanbau
Möhren
Möhren für die Verarbeitung – Krinkel, Würfel, Stifte
Möhren für die Verarbeitung - Scheiben

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Nach verzögertem Start brachten frühe und mittelfrühe mittelfeine
Markerbsen in diesem Jahr Rekorderträge
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Die Ergebnisse – kurzgefasst
Im Versuch „Markerbsen für die Tiefkühlindustrie“ wurden 2021 am Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie in Dresden-Pillnitz in der frühen bzw. mittelfrühen Reifegruppe 9 Sorten der mittelfeinen Sor-
tierung geprüft. Im frühen Bereich ist das Sortiment traditionell sehr klein. Die drei frühen Sorten sind seit
längeren bekannt und konnten sich insgesamt durch sehr hohe und untereinander vergleichbare Ertragsleis-
tungen auszeichnen. Auch die mittelfrühen Sorten erzielten in diese Jahr Rekorderträge, die allerdings zum
Teil durch eine ungenügende Farbqualität des Grünkorns geschmälert wurden.
Versuchsfrage und Versuchshintergrund
Der Anbau von Markerbsen für die Tiefkühlindustrie hat in Sachsen große Bedeutung. Neben groben
Markerbsen haben auch mittelfeine Sortierungen (8,2-9,3 mm) eine ständig zunehmende Bedeutung
im Anbaugebiet. Das aktuelle Sortiment früher (A+1 bis A+4) und mittelfrüher (A+5 bis A+8) galt es auf
ihre Anbaueignung für die hiesigen Bedingungen hin zu prüfen. Die Erbsen der frühen und mittelfrühen
Reifegruppen werden in der Region entsprechend den Anbaustaffelungen der mitteldeutschen Verar-
beiter Ende März/Anfang April ausgesät.
Ergebnisse im Detail
Der
Witterungsverlauf
im Frühjahr 2021 war im Vergleich zu den letzten Jahren untypisch. Während
die Aussaatbedingungen Ende März noch als sehr gut eingestuft werden konnten, war der April mit
Tagesmitteltemperaturen von 6,2° C rund 4 K kälter als die langjährigen Mittelwerte. Nachts traten
vermehrt leichte Bodenfröste auf. Auch der Mai blieb mit Tagesmitteltemperauren um 12 °C knapp 3 K
hinter den mittleren Werten zurück. Im Juni stiegen die durchschnittlichen Tagesmitteltemperaturen
merklich an und erreichten 20,5 °C. In der Woche vor dem Erntebeginn führte eine Hitzeperiode mit
Tageshöchstwerten von bis zu 35 °C zur schnellen Abreife der Sorten. Da während der Anbauperiode
ausreichend natürliche Niederschläge fielen, mussten die Erbsen nicht beregnet werden.
Die frühen und mittelfrühen Sorten verzeichneten im Wesentlichen keine sichtbaren Ertragsausfälle
durch
Krankheiten
oder
Schädlinge
. Der mittlerweile obligatorische starke Befall durch Blattrandkäfer
zu Kulturbeginn konnte durch Insektizidmaßnahmen gestoppt werden. Gegen Falschen Mehltau wurde
aufgrund der feuchten Witterung 2-mal vorbeugend mit guten Bekämpfungserfolg behandelt. Der
Blattlausdruck war vergleichsweise gering, sodass nach zielgerichteter Bekämpfung praktisch auch
keine Virosen nachweisbar waren. Gegen Taubenfraß konnten die Bestände mit Vogelschutznetzen
und Flatterbändern recht gut geschützt werden.
Das Ziel, alle Sorten im Bereich eines
Tenderometerwert
es (TW) von 115 bis 125 zu ernten, wurde
überwiegend recht gut erreicht. Nur 2 Sorten, ‘Crescendo‘ und ‘Lyric‘, die am Samstag noch einen zu
niedrigen TW hatten, mussten bei Zuwachsraten von rund 30 Tenderometereinheiten pro Tag am da-
rauffolgenden Montag bei deutlich zu hohen Werten (TW 168 bzw. 144) geerntet werden. Zur besseren
Vergleichbarkeit der Sorten untereinander wurden die Erträge deshalb auf einen

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Nach verzögertem Start brachten frühe und mittelfrühe mittelfeine
Markerbsen in diesem Jahr Rekorderträge
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Vergleichsertrag bei einem TW von 120 mit einer Reife-Ertragsbeziehung berechnet (Tab. 2):
rel. Ertrag [%] = -0,008450*(TW-163,87)
2
+116,3
Mittelfeine frühe Sorten
- Das Sortiment (Tab. 1) bei frühen mittelfeinen Erbsen ist mit ‘Crescendo‘, ‘Bonfire‘ sowie
‘SV 0956 QS‘ sehr klein. Eine ursprünglich geplante vierte Sorte (‘SV 5795‘) konnte wegen fehlender
Verfügbarkeit nicht geprüft werden. Neben Fusarium-Resistenz, weisen die Varietäten eine inter-
mediäre Resistenz gegen Falschen Mehltau sowie teilweise gegenüber PEMV und BYMV auf.
- Bei der kühlen Witterung im April verzögerten sich die Auflauftermine (19.04.21) im Vergleich zu
den letzten Jahren um rund 1 Woche. Die Bestandesdichten waren laut der ausgezählten Stichprobe
mit 103 bis 125 Pflanzen/m² bei allen 3 Sorten sehr hoch.
- Die Entwicklungszeiten bewegten sich bezogen auf die parallel angebaute Vergleichssorte ‘Avola‘
bei ‘Bonfire‘ und ‘SV 0956‘ im Bereich der Züchtervorgeben. ‘Crescendo‘ dagegen wurde in diesem
Jahr mit A+0 eingestuft. Infolge der Witterungsverläufe erreichte bzw. unterschritt die Sorte den
ursprünglich geplanten Erntetermin um 2 Tage. Die bis zur Ernte erforderliche Temperatursumme
(Basis: 4,4 °C) korrelierte mit rund 700 Cd recht gut mit den langjährigen Mittelwerten.
- Der Blühbeginn lag wegen des kühlen Wetters im April/Mai knapp 2 Wochen hinter den erwarteten
Terminen. Dieser Entwicklungsrückstand verkürzte sich bis zur Ernte wegen des starken Tempera-
turanstiegs im Juni auf rund 1 Woche zum Erntetermin.
- Erwartungsgemäß übertraf die Standfestigkeit der Afila-Erbse ‘Bonfire‘ die der beiden normalblätt-
rigen Sorten. Letztere verzeichneten in Anbetracht der in diesem Jahr doch recht langen Pflanzen
(57 bis 75 cm) immer noch eine als gut bewertete Standfestigkeit.
- Die Anzahl fertiler Nodien (3,0 Hülsen/Pflanze) bewegte sich im Bereich der Durchschnittswerte.
Der Hülsenbesatz pro Pflanze war mit 5,6 Hülsen sogar leicht überdurchschnittlich, wobei sich ‘Cre-
scendo‘ (6,5 Hülsen/Pflanze) besonders hervorhob.
- Die Grünkornsortierung (Tab. 2) stimmte recht gut mit den Angaben der Züchter überein. Alle 3 Sor-
ten konnten als typisch mittelfeine Erbsen angesprochen werden.
- Die Sorten erreichten insgesamt ein sehr hohes, überdurchschnittliches Ertragsniveau, dass knapp
0,3 kg/m² (ca. 30 %) über den Mittelwerten der letzten Jahre lag. Bezogen auf einen TW von 120
erzielten sie Erträge zwischen rund 0,9 und 1 kg/m². Signifikante Ertragsunterschiede ergaben sich
nicht.
- In der Grünkornfarbe und Einheitlichkeit der Farbe verfehlten die Sorten allerdings die Leistungen
der letzten Jahre, was zum Teil sicherlich dem üppigen Wuchs in diesem Jahr geschuldet war. Be-
sonders die Einheitlichkeit der Grünkornfarbe gab Anlass zu einer eher nur mittleren Benotung. Be-
sonders bei ‘SV 0956 SQ‘ wurden vermehrt ‘Blonds‘ beobachtet.
Mittelfeine mittelfrühe Sorten
- Auch bei den mittelfrühen mittelfeinen Erbsen präsentierte sich ein vergleichsweise stabiles Sorti-
ment, dass durch die Nummernsorte ‘WAV 1282‘ ergänzt wurde. Ähnlich wie bei den frühen Sorten,
überwogen auch hier die normallaubigen Varietäten (bis auf die Afila-Sorte ‘Element‘) (Tab. 1). Im

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Resistenzpaket bestätigt sich der Trend hin zu Sorten mit Resistenz gegen Fusarium, Echten und
Falschen Mehltau (IR) sowie gegen PEMV. Bei ‘Amalfi‘ liegt nur eine Resistenz gegen Fusarium vor.
- Die Bestandesdichten im Bereich um 100 Pflanzen/m² waren auch bei den mittelfrühen Varietäten
als sehr gut einzustufen. Das kühle und feuchte Wetter führte zu sehr wüchsigen Beständen mit
überdurchschnittlich langen Pflanzen. Dadurch kam es insbesondere bei den normallaubigen Varie-
täten zu recht erheblichen Lagerproblemen. Im Gegensatz dazu war die Standfestigkeit bei der Afila-
Erbse ‘Element‘ sehr gut.
- Die Aussagen zur den Blüh- und Ernteterminen sind praktisch mit denen bei den frühen Sorten ge-
troffenen Feststellungen identisch.
- Die mittlere Anzahl fertiler Nodien/Pflanze deckte sich sehr gut mit den Ergebnissen der letzten
Jahre. Da der Hülsenbesatz/Nodium mit gemittelt 2,1 Hülsen/Nodium über den Erwartungen lag,
war demzufolge auch die Anzahl Hülsen/Pflanze (6,7) höher als in der Vergangenheit.
- Die Grünkornsortierung entsprach im Wesentlichen den Anforderungen an mittelfeine Erbsen. Ab-
weichungen mussten wiederum bei ‘Amalfi‘ festgestellt werden. Mit einem Mittelwert von 2,0 ist
die Sorte eindeutig als feine Erbse anzusprechen. ‘Element‘ hingegen verzeichnete in diesem Jahr
den größten Anteil an Erbsen der Sortierung > 9,3 mm und ist damit den groben Erbsen zuzuordnen.
- Das Ertragsniveau der mittelfrühen Erbsen war ähnlich dem der frühen Sorten als überdurchschnitt-
lich anzusprechen. Alle Sorten erreichten bezogen auf einen TW von 120 einen Ertrag im Bereich
von 0,9 bis 1,2 kg/m². Den Höchstertrag verbuchte dabei ‘Element‘, wobei anzumerken ist, dass die
Sorte eher grob sortierte und damit im Vergleich zu den mittelfeinen Sorten bevorteilt war.
- Die Grünkornfarbe und die Einheitlichkeit der Grünkornfarbe waren bis auf die Erbsen der Afila-
Sorte nur als durchschnittlich einzustufen. Aufgrund der lagernden Bestände mussten Abstriche vor-
genommen werden. So blieben die Sorten mit der Boniturnote 6 selbst nach dem Blanchieren nur
mittelgrün. Auch die Einheitlichkeit war meist nur als Mittel zu bewerten, da sich vergleichsweise
viele hellere Erbsen in der Probe befanden. ‘Belvedere‘ und ‘WAV 1282‘ wurden wegen vieler
‘Blonds‘ nur unterdurchschnittlich bewertet.

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Kultur- und Versuchshinweise
Saattermin:
26.03.2021
Auflauftermin:
19.04.2021
Erntetermine:
frühe Sorten:
21.-22.06.2021
mittelfrühe Sorten:
24.-28.06.2021
Reihenabstand:
11,5 cm, 10 Reihen/Beet (1,50 m)
Aussaatdichte:
frühe Sorten:
1,1 Mio. keimfähige Körner/ha
mittelfrühe Sorten:
1,0 Mio. keimfähige Körner/ha
Versuchsfläche:
sandiger Lehm, Bodenwertzahl 69
Pflanzenschutz:
praxisüblich
Düngung:
N-Sollwert: 85 kg N/ha (0-60 cm)
Netzeinsatz:
ab Hülsenbildung Anbau unter Vogelschutznetz wegen Schäden durch Tauben
Ernteparzelle:
5,75 m²
Ernte:
täglich außer sonntags
Tenderometerwert:
Ernte bei Ziel-TW: 115 bis 125; Bestimmung des TW erfolgte täglich an einer Stichprobe
vor der Ernte der Sorte
Drusch:
Mini Sampling Viner; Fa. Haith; 2 Druschdurchläufe
Tenderometer:
FTC; Modell TM2 Texturpress
Blanchieren:
Erbsen für 3 Minuten in kochendes Wasser und anschließend mit kaltem Wasser abge-
schreckt
Grünkornfarbe:
Grünkornfarbe mittels Farbskala bestimmt
Versuchsanlage:
Blockanlage mit 4 Wiederholungen

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Tab. 1:
Markerbsen, mittelfeine Sortierung (8,2-9,3 mm); frühe und mittelfrühe Sorten 2021
Ernte-
termin
Entwick-
lungs-
zeit
Temp.-
summe
Basis
Temp.-
summe
Basis
Bestandes-
dichte
Stand-
festigkeit
Anzahl
Triebe
Bestandes-
höhe
Pflanzen-
länge
Anzahl
fertiler
Nodien
Anzahl
Hülsen/
Pflanze
Hülsen-
form
[d]
4,4°C
1,8°C
[Pfl./m²]
[1-9]
[St]
[cm]
[cm]
[1-9]
Bonfire
WAV
Fop:1, Pv
IR,
PEMV
+1
+1
01.06.21
21.06.
87
680
895
af
103
8
1,0
60
58
9,3
2,7
1,6
4,4
8
7,3
Crescendo
SVS
Fop:1, Pv
+2
0
30.05.21
22.06.
88
701
918
N
125
5
1,0
46
75
8,5
3,2
2,0
6,5
8
7,9
SV 0956
SVS
Fop:1, PV
IR
, BYMV
+2
+1
02.06.21
22.06.
88
701
918
N
121
6
1,0
49
57
9,3
3,0
1,9
5,8
9
8,6
Mittelwert
52
63
9,0
3,0
1,9
5,6
8,0
Amalfi
Syn
Fop:1
+6
+5
05.06.21
24.06.
90
728
950
N
115
6
1,3
52
79
13,5
4,0
1,9
7,5
7
7,6
Belvedere
WAV
Fop:1, Pv
IR,
PEMV
+4
+4
03.06.21
24.06.
90
728
950
N
124
3
1,2
32
66
10,9
3,4
2,2
7,3
9
7,0
Element
Haz/Vil
Fop:1, Pv
IR,
Ep
+5
+5
06.06.21
25.06.
91
742
967
af
100
8
1,3
64
67
15,8
2,5
1,8
4,5
7
7,2
Lyric
WAV
Fop:1, Pv
IR,
PEMV
+8
+7
06.06.21
28.06.
94
786
1018
N
94
3
1,3
33
66
13,5
3,0
2,3
7,0
8
7,5
Marimba
WAV
Fop:1, Pv
IR,
Ep,
PEMV
+7
+6
05.06.21
26.06.
92
756
983
N
97
2
1,5
27
67
12,3
3,3
2,1
7,0
8
7,1
WAV 1282
WAV
Fop:1, Pv
IR,
PEMV
+8
+5
05.06.21
25.06.
91
742
967
N
101
3
1,1
32
77
13,0
2,9
2,0
5,8
8
9,4
Mittelwert
69
13,2
3,2
2,1
6,7
7,3
Legende:
1
5
9
Standfestigkeit
fehlend
mittel
sehr gut
Hülsenform
krumm
gerade
Hülsen/
Nodium
Anzahl
Körner/
Hülse
Reifetage
Züchter-
angabe
[A+]
Reifetage
Pillnitz 2021
[A+]*
Zeichenerklärung: * Avola (Spring) wurde am 20.06.2021 mit einem TW von 120 geerntet. Bei Abweichungen im TW wurde der Termin A+/- angepasst.
Blatt-
form
Blüh-
beginn
Sorte
Züchter
Resis-
tenzen
(Züchter-
angaben)
mittelfrühe Reifegruppe
frühe Reifegruppe
Nodium
mit
1. Blüte

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Tab. 2:
Markerbsen, mittelfeine Sortierung (8,2-9,3 mm); frühe und mittelfrühe Sorten 2021
Sorte
Tendero-
Ertrag
Ertrag bei
Grünkornfarbe Einheitlichkeit der
meter-
TW 120
nach dem
Grünkorn-
wert
(berechnet)
Blanchieren
farbe nach
(TW)
[kg/m²]
[kg/m²]
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
> 10,2
Mittel
<7,5
7,5-8,2
8,2-8,75
8,75-9,3
9,3-10,2
> 10,2
Mittel
Blanchieren
Bonfire
136
0,97
0,89
2
11
61
26
0
3,1
2
6
26
37
28
1
3,2
7
6
Crescendo
168
1,03
0,88
0
15
60
25
0
3,1
4
22
39
24
10
0
2,8
7
6
SV 0956 QH
133
1,06
0,98
0
20
45
25
10
3,3
1
7
29
35
25
2
3,2
7
6
GD 5%
n.s.
Amalfi
107
0,91
1,03
5
20
65
10
0
2,8
27
43
20
6
3
0
2,0
6
5
Belvedere
119
1,06
1,07
2
10
55
30
3
3,2
5
19
35
24
16
0
2,9
6
3
Element
121
1,22
1,22
10
30
60
0
0
2,5
6
10
20
31
32
1
3,1
8
7
Lyric
144
1,01
0,89
1
7
54
36
2
3,3
1
2
11
35
45
6
3,5
7
6
Marimba
117
1,05
1,07
2
10
55
30
3
3,2
3
7
25
41
22
1
3,1
7
6
WAV 1282
122
0,92
0,91
3
7
45
40
5
3,4
6
20
31
24
17
1
2,9
6
4
GD 5%
0,16
Legende:
1
5
9
Merkmal
fehlend
mittel
stark/hoch
frühe Reifegruppe
mittelfrühe Reifegruppe
Grünkornsortierung Züchterangaben
[%]
Grünkornsortierung von ca. 500 g/Sorte
Dresden-Pillnitz 2021 [%]

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Sehr kleines Sortiment mittelspäter und später mittelfeiner Markerbsen
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Die Ergebnisse – kurzgefasst
Im Versuch „Markerbsen für die Tiefkühlindustrie“ wurden 2021 am Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie in Dresden-Pillnitz in der mittelspäten bzw. späten Reifegruppe 8 Sorten der mittelfeinen Sor-
tierung geprüft. Bei den mittelfeinen Sorten erreichten nur ‘Dancer‘ und ‘Darlin‘ die Qualitäts-anforderun-
gen an dieses Sortiment. Wegen des zu geringen Hülsenbesatzes wurden nur leicht unterdurchschnittliche
Erträge registriert. Das ebenso insgesamt sehr kleine Sortiment später mittelfeiner Erbsen konnte im We-
sentlichen recht gut gefallen.
Versuchsfrage und Versuchshintergrund
Der Anbau von Markerbsen für die Tiefkühlindustrie hat in Sachsen große Bedeutung. Mittelfeine
Markerbsen (8,2 bis 9,3 mm) werden auch im mittelspäten bis späten Segment zunehmend nachge-
fragt. Das aktuelle Sortiment sowie Neuzüchtungen galt es auf ihre Anbaueignung unter den hiesigen
Bedingungen zu prüfen. Die mittelspäte (A+9 bis A+12) und späte (> A+12) Reifegruppe wird in der
Region entsprechend der Anbaustaffelung der mitteldeutschen Verarbeiter vorwiegend Anfang April
bis Anfang Mai gedrillt.
Ergebnisse im Detail
Der
Witterungsverlauf
im Frühjahr 2021 war im Vergleich zu den letzten Jahren untypisch. Die Aussaat
in der ersten Aprildekade musste wegen Niederschlägen auf den 9. April verschoben werden. Der wei-
tere April mit Tagesmitteltemperaturen von 6,4° C war rund 4 K kälter als die langjährigen Mittelwerte.
Nachts traten vermehrt leichte Bodenfröste auf, sodass die Erbsen erst nach 20 Tagen aufliefen. Auch
der Mai blieb mit Tagesmitteltemperauren um 12 °C knapp 3 K hinter den mittleren Werten zurück. Im
Juni stiegen die durchschnittlichen Tagesmitteltemperaturen merklich an und erreichten 20,5 °C. Zur
Ernte herrschte eher durchschnittliches Sommerwetter mit mittleren Temperaturen um 20 °C. Da wäh-
rend der Anbauperiode ausreichend natürliche Niederschläge fielen, mussten die Erbsen nicht bereg-
net werden.
Die Sorten verzeichneten im Wesentlichen keine sichtbaren Ertragsausfälle durch
Krankheiten
oder
Schädlinge
. Der mittlerweile obligatorische starke Befall durch Blattrandkäfer zu Kulturbeginn, konnte
durch Insektizidmaßnahmen gestoppt werden. Gegen Falschen Mehltau wurde aufgrund der feuchten
Witterung 2-mal vorbeugend mit gutem Bekämpfungserfolg behandelt. Der Blattlausdruck war ver-
gleichsweise gering, sodass nach zielgerichteter Bekämpfung praktisch auch keine Virosen zu erkennen
waren. Bei einigen Sorten wurde zur Ernte ein leichter Befall durch Sclerotinia bzw. Botrytis festgestellt,
der allerdings nicht ertragswirksam wurde. Gegen Taubenfraß konnten die Bestände mit Vogelschutz-
netzen und Flatterbändern recht gut geschützt werden.
Das Ziel, alle Sorten im Bereich eines
Tenderometerwert
es (TW) von 115 bis 125 zu ernten, wurde bei
den mittelspäten und späten Sorten recht gut realisiert (Tab. 2). Lediglich bei ‘Colivert‘ (TW 104) und
bei ‘Infinity‘ (TW 137) wurde der angestrebte leicht unter- bzw. überschritten. Ursachen dafür waren
im Wesentlichen in der Diskrepanz zwischen den TW innerhalb der Versuchsparzellen zu sehen. Zur
besseren Vergleichbarkeit der Sorten untereinander wurden die Erträge deshalb auf einen Vergleichs-
ertrag bei einem TW von 120 mit einer Reife-Ertragsbeziehung berechnet (Tab. 2):

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Sehr kleines Sortiment mittelspäter und später mittelfeiner Markerbsen
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rel. Ertrag [%] = -0,008450*(TW-163,87)
2
+116,3
Mittelfeine mittelspäte Sorten
- Im zu prüfenden Sortiment war neben den Hauptsorten der letzten Jahre (‘Dancer‘, ‘Darlin‘) auch
eine Neuzüchtung (‘Colivert‘) präsent (Tab. 1). ‘Midnight‘ und ‘Starlight‘ wurden in vergangenen
Jahren bereits geprüft. Über das umfangreichste Resistenzpaket (Fusarium, Echter und Falscher
Mehltau, PEMV) verfügen ‘Dancer’ und ‘Darlin‘. Die übrigen Sorten wiesen zumindest Resistenz ge-
gen Echten bzw. Falschen Mehltau auf. Bis auf ‘Starlight‘ standen in diesem Segment ausschließlich
fiederblattlose Erbsen (af) in der Prüfung.
- Die Reifetage der Sorten lagen im Schnitt 2 bis 3 Tage (A+ bis A+10) vor den Züchterangaben. Nur
bei ‘Darlin‘ ergab sich mit A+11 eine sehr gute Übereinstimmung. Die schnellste Sorte war ‘Starlight‘
mit A+7 bei einem TW 131 tendierte sie eher zu den mittelfrühen Erbsen. Aufgrund des kühlen Wet-
ters setzte die Blüte eine reichliche Woche später als üblich ein. Diese Entwicklungsverzögerungen
konnten bis zur Ernte zum Teil aufgeholt werden, sodass die Entwicklungszeiten mit 81 bis 83 Tagen
nur unwesentlich hinter den Mittelwerten der Vergangenheit (80 Tage) zurückblieben. Die erforder-
liche Temperatursumme (Basis: 4,4 C) bis zur Reife lag 48 bis 78 °Cd hinter den bekannten Mittel-
werten für diese Reifegruppe.
- Die Bestandesdichten waren in diesem mit 90 bis 109 Pflanzen/ m² (Basis: Stichprobe) sehr hoch.
- Der Besatz an fertilen Nodien sowie daraus folgernd der Hülsenbesatz waren unterdurchschnittlich.
Mit gemittelt nur 4,6 Hülsen/Pflanze blieben alle Sorten deutlich (35 %) hinter den Behangszahlen
(6,9 Hülsen/Pflanze) der letzten Jahre zurück.
- In der Grünkornsortierung (Tab. 2) erreichten die Sorten nur in 2 Fällen (‘Dancer‘, ‘Darlin‘) die Züch-
tervorgaben und konnten somit als mittelfeine Erbsen angesprochen werden. Während ‘Colivert‘
mit einer mittleren Grünkornsortierung von 2,4 und einem Anteil von 50 % Ware < 8,2 mm zu den
feinen Erbsen zu zählen war, müssen ‘Midnight‘ und ‘Starlight‘ mit über 60 % Erbsen > 9,3 mm und
einem Mittelwert von 3,7 den groben Erbsen zugerechnet werden.
- Der zu geringe Hülsenbesatz wirkte sich negativ auf die Ertragsbildung aus. So lag der mittlere Ertrag
von 0,7 kg/m² bei einem TW von 120 rund 10 % hinter dem langjährigen Mittel. Bei den auf TW 120
hochgerechneten Erträgen waren die Ertragsleistungen der Sorten untereinander vergleichbar.
Überraschend war allerdings, dass die beiden groben Sorten ‘Midnight‘ und ‘Starlight‘ aufgrund der
gröberen Grünkornsortierung kein besseres Resultat vorwiesen.
- In der Grünkornfarbe und der Einheitlichkeit der Grünkornfarbe erreichten alle Sorten überwiegend
hohe Benotungen und wurden den Anforderungen gerecht. Geringfügige Abzüge mussten nur bei
‘Starlight‘ in der Einheitlichkeit der Grünkornfarbe geltend gemacht werden.
Mittelfeine späte Sorten
- Mittelfeine späte Erbsen haben nach wie vor eine vergleichsweise geringe Anbaubedeutung. Dem-
entsprechend waren in der Prüfung nur 3 Sorten vertreten, die zum wiederholten Male getestet
wurden. Bei ‘Banjo‘ und ‘Maurice‘ fällt das sehr hohe, den Anforderungen entsprechende Resistenz-
niveau (Fusarium, Echter und Falscher Mehltau, PEMV) positiv auf.

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Sehr kleines Sortiment mittelspäter und später mittelfeiner Markerbsen
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- Bei den Tenderometerwerten wurden die angestrebten Richtwerte nur knapp über- oder unter-
schritten. Der Zeitraum von Blühbeginn bis zur Ernte betrug rund 18 bis 20 Tage, anstatt der ansons-
ten üblichen 25 Tage. Entsprechend lag auch die notwendige Temperatursumme (Basis: 4,4 °C) bis
zur Ernte z.B. bei ‘Maurice‘ rund 90 °Cd unter dem Normalwert.
- Die Bestandesdichte war bei allen Sorten entsprechend den Vorgaben (mindestens 90 Pflanzen/m²).
- Im Hülsenbesatz verfehlten auch die späten Sorten das Ergebnis der letzten Jahre deutlich. Mir nur
2,1 fertilen Nodien/Pflanze bzw. nur 4,3 Hülsen/Pflanzen blieben sie über 40 % hinter den erwarte-
ten Zahlen zurück.
- In der Grünkornsortierung erfüllten die Sorten überwiegend die Anforderungen für mittelfeine Erb-
sen. Nur bei ‘Maurice‘ wurde in diesem Jahr mit 55 % Erbsen > 9,3 mm ein überhoher Anteil an
grober Ware verbucht.
- Aus ertraglicher Sicht bewegten sich ‘Banjo‘ und ‘Maurice‘ trotz des vergleichsweise schlechten Hül-
senbesatzes über dem langjährigen Mittel. Eine positiv ertragsbeeinflussende Wirkung ist sicherlich
der hohen Bestandesdichte zuzuschreiben. Während ‘Infinity‘ im letzten Jahr noch als leistungs-
stärkste Sorte deklariert wurde, blieb sie in dieser Saison signifikant hinter den Mitbewerbern zu-
rück.
- Die Grünkornfarbe und die Einheitlichkeit des Grünkorns waren nach dem Blanchieren bei allen Va-
rietäten ohne Beanstandungen.
Kultur- und Versuchshinweise
Saattermin:
09.04.2021
Auflauftermin:
29.04.2021
Erntetermine:
mittelspäte Sorten:
29.06. bis 01.07.2021
späte Sorten:
02. bis 06.07.2021
Reihenabstand:
11,5 cm, 10 Reihen/Beet (1,50 m)
Aussaatdichte:
mittelspäte Sorten:
0,9 Mio. keimfähige Körner/ha
späte Sorten:
0,9 Mio. keimfähige Körner/ha
Versuchsfläche:
sandiger Lehm, Bodenwertzahl 69
Pflanzenschutz:
praxisüblich
Düngung:
N-Sollwert: 80 kg N/ha (0-60 cm)
Netzeinsatz:
ab Hülsenbildung Anbau unter Vogelschutznetz wegen Schäden durch
Tauben
Ernteparzelle:
5,75 m²
Ernte:
täglich außer sonntags
Tenderometerwert:
Ernte bei Ziel-TW: 115 bis 125; Bestimmung des TW erfolgte täglich an
einer Stichprobe vor der Ernte der Sorte
Drusch:
Mini Sampling Viner; Fa. Haith; 2 Druschdurchläufe
Tenderometer:
FTC; Modell TM2 Texturpress
Blanchieren:
Erbsen für 3 Minuten in kochendes Wasser und anschließend mit kaltem
Wasser abgeschreckt
Grünkornfarbe:
Grünkornfarbe mittels Farbskala bestimmt
Versuchsanlage:
Blockanlage mit 4 Wiederholungen

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Tab. 1:
Markerbsen, mittelfeine Sortierung (8,2-9,3 mm); mittelspäte und späte Sorten 2021
Ernte-
termin
Entwick-
lungszeit
Temp.-
summe
Basis
Temp.-
summe
Basis
Bestandes-
dichte
Stand-
festigk.
Anzahl
Triebe
Bestand.-
höhe
Pflanzen-
länge
Anzahl
fertiler
Nodien
Anzahl
Hülsen/
Pflanze
Hülsen-
form
[d]
4,4°C
1,8°C
[Pfl./m²]
[1-9]
[St]
[cm]
[cm]
[1-9]
Colivert
Syn
Fop: 1, Ep
IR
+11
+9
10.06.21
29.06.
81
757
962
af
106
6
1
42
46
16,8
2,5
2,3
5,9
8
7,3
Dancer
WAV
Fop: 1, Pv
IR
,
Ep
IR
, PEMV
+11
+11
11.06.21
01.07.
83
789
999
af
90
8
1
54
56
15,4
2,1
2,2
4,6
7
9,5
Darlin
WAV
Fop: 1, Pv
IR
, Ep,
PEMV
+13
+10
12.06.21
01.07.
83
789
999
af
90
8
1
53
58
17,6
2,2
2,1
4,5
8
9,9
Midnight
Haz/Vil
Ep
+11
+8
10.06.21
29.06.
81
757
962
af
106
9
1
62
66
14,5
1,9
2,1
4,1
8
7,9
Starlight
Haz/Vil
Fop:1, Pv
IR
+10
+7
10.06.21
29.06.
81
757
962
N
109
5
1
55
59
14,4
2,3
2,3
5,1
9
7,3
Mittelwert
60
15,5
2,1
2,2
4,6
8,7
Banjo
WAV
Fop:1, Pv
IR
,
Ep
IR
, PEMV
+15-16
+13
15.06.21
03.07.
85
815
1030
N
100
7
1
60
58
19,3
2,1
2,4
4,9
8
8,1
Infinity
Haz/Vil
Pv
IR
, Ep
+17
+16
16.06.21
06.07.
88
862
1085
af
95
8
1
43
44
14,3
2,1
1,8
3,8
9
8,4
Maurice
SVS
Aps, Fop:1,
Pv
IR
,Ep, PEMV
+17
+11
14.06.21
02.07.
84
802
1015
af
100
7
1
58
58
16,6
2,2
1,9
4,1
8
7,4
Mittelwert
53
16,7
2,1
2,0
4,3
8,0
Zeichenerklärung: * Avola (Spring) wurde am 21.06.2021 mit einem TW von 120 geerntet. Bei Abweichungen im TW wurde der Termin A+/- angepasst.
Legende:
1
5
5
9
Standfestigkeit
fehlend
mittel
mittel
sehr gut
Hülsenform
krumm
gerade
Virusbefall:
fehlend
mittel
mittel
stark
Sorte
Züchter
Resis-
tenzen
(Züchter-
angaben)
Nodium
mit
1. Blüte
mittelspäte Reifegruppe
späte Reifegruppe
Hülsen/
Nodium
Anzahl
Körner/
Hülse
Reifetage
Pillnitz 2021
[A+]*
Blatt-
form
Reifetage
Blühbeginn
Züchter-
angabe*
[A+]

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Tab. 2:
Markerbsen, mittelfeine Sortierung (8,2-9,3 mm); mittelspäte und späte Sorten 2021
Sorte
Tendero-
Ertrag
Ertrag
Grünkornfarbe
Einheitlichkeit der
meter-
bei TW 120
nach dem
Grünkorn-
wert
berechnet
Blanchieren
farbe nach
[kg/m²]
[kg/m²]
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
> 10,2
Mittel
<7,5
7,5-8,2
8,2-8,75
8,75-9,3
9,3-10,2
>10,2
Mittel
Blanchieren
Colivert
104
0,59
0,69
0
20
70
10
0
2,9
16
33
38
11
3
0
2,4
7
8
Dancer
109
0,68
0,74
4
13
51
30
2
3,1
3
10
31
34
22
1
3,1
8
8
Darlin
124
0,78
0,76
10
25
50
15
0
2,7
8
16
31
27
18
1
2,9
8
8
Midnight
126
0,77
0,74
0
10
60
30
0
3,2
1
2
9
28
50
10
3,7
8
8
Starlight
131
0,80
0,75
0
20
50
15
15
3,3
1
2
10
23
53
12
3,7
8
7
GD 5%
0,10
Banjo
112
0,93
1,00
5
20
55
20
0
2,9
6
12
22
31
28
1
3,1
7
7
Infinity
137
0,70
0,64
0
10
50
40
0
3,3
6
10
15
30
33
5
3,2
7
7
Maurice
132
0,92
0,86
0
30
40
20
10
3,1
3
6
12
26
49
5
3,5
7
7
GD 5%
0,10
Legende:
1
5
9
Merkmal
fehlend
mittel
stark/hoch
mittelspäte Reifegruppe
späte Reifegruppe
Grünkornsortierung
Züchterangaben [%]
Grünkornsortierung von ca. 500 g/Sorte
Dresden-Pillnitz 2021 [%]

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
Frühe und mittelfrühe groben Erbsen brachten nach kühlem Frühjahr Re-
korderträge
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Die Ergebnisse – kurzgefasst
Im Versuch „Markerbsen für die Tiefkühlindustrie“ wurden 2021 am Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie in Dresden-Pillnitz in der frühen bzw. mittelfrühen Reifegruppe 17 Sorten der groben Sortie-
rung geprüft. Die frühen groben Erbsen wussten durch hohe Erträge zu überzeugen, blieben allerdings in
der Sortierung teilweise zu fein. Bei nasser und kühler Witterung führten hier lagernde Bestände zu erhebli-
chen Abstufungen in der Einheitlichkeit der Grünkornfarbe, wovon allerdings ausschließlich die normalblätt-
rigen Sorten betroffen waren. Sortenübergreifende Rekorderträge von deutlich über 1 kg/m² verzeichnete
die mittelfrühe Reifgruppe. Hier war wegen der besseren Standfestigkeit der Sorten auch die Qualität des
Grünkorns überwiegend gut.
Versuchsfrage und Versuchshintergrund
Der Anbau von Markerbsen für die Tiefkühlindustrie hat in Sachsen große Bedeutung. Grobe Markerb-
sen nehmen derzeit im Anbaugebiet flächenmäßig die führende Stelle ein. Das aktuelle Sortiment frü-
her (A+1 bis A+4) und mittelfrüher (A+5 bis A+8) Sorten galt es auf seine Anbaueignung unter den
hiesigen Bedingungen hin zu prüfen. Erbsen der frühen und mittelfrühen Reifegruppe werden in der
Region entsprechend den Anbaustaffelungen der mitteldeutschen Verarbeiter Mitte bis Ende
März/Anfang April ausgesät.
Ergebnisse im Detail
Der
Witterungsverlauf
im Frühjahr 2021 war im Vergleich zu den letzten Jahren untypisch. Während
die Aussaatbedingungen Ende März noch als sehr gut eingestuft werden konnten, war der April mit
Tagesmitteltemperaturen von 6,2° C rund 4 K kälter als die langjährigen Mittelwerte. Nachts traten
vermehrt leichte Bodenfröste auf. Auch der Mai blieb mit Tagesmitteltemperauren um 12 °C knapp 3 K
hinter den mittleren Werten zurück. Im Juni stiegen die durchschnittlichen Tagesmitteltemperaturen
merklich an und erreichten 20,5 °C. In der Woche vor dem Erntebeginn führte eine Hitzeperiode mit
Tageshöchstwerten von bis zu 35 °C zur schnellen Abreife der Sorten. Da während der Anbauperiode
ausreichend natürliche Niederschläge fielen, mussten die Erbsen nicht beregnet werden.
Die frühen und mittelfrühen Sorten verzeichneten im Wesentlichen keine sichtbaren Ertragsausfälle
durch
Krankheiten
oder
Schädlinge
. Der mittlerweile obligatorische starke Befall durch Blattrandkäfer
zu Kulturbeginn, konnte durch Insektizidmaßnahmen gestoppt werden. Gegen Falschen Mehltau
wurde aufgrund der feuchten Witterung 2-mal vorbeugend mit gutem Bekämpfungserfolg behandelt.
Der Blattlausdruck war vergleichsweise gering, sodass nach zielgerichteter Bekämpfung praktisch auch
keine Virosen zu erkennen waren. Bei einigen Sorten wurde zur Ernte ein leichter Befall durch Sclero-
tinia festgestellt, der allerdings nicht ertragswirksam wurde. Gegen Taubenfraß konnten die Bestände
mit Vogelschutznetzen und Flatterbändern recht gut geschützt werden.
Das Ziel, alle Sorten im Bereich eines
Tenderometerwert
es (TW) von 115 bis 125 zu ernten, wurde nur
zum Teil erreicht. Es stellte sich wieder einmal heraus, dass selbst auf den vergleichsweise kleinen Ver-
suchsparzellen eine recht große Diskrepanz im TW zwischen den einzelnen Wiederholungen vorlag. Bei
den frühen Sorten wurde ‘Salinero‘ in der Probe mit einem TW von 115 als erntefähig eingestuft, wies

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Frühe und mittelfrühe groben Erbsen brachten nach kühlem Frühjahr Re-
korderträge
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dann aber im Endeffekt nur einen TW von 105 im Erntegut auf. Ähnlich verhielt es sich bei ‘Ambler‘
und ‘CS 499‘, die letztlich mit einem viel zu hohem TW von 153 bzw. 173 geerntet wurden. Bei den
mittelfrühen Sorten dagegen wurden die geplanten TW recht gut erreicht. Zur besseren Vergleichbar-
keit der Sorten untereinander wurden die Erträge deshalb auf einen Vergleichsertrag bei einem TW
von 120 mit einer Reife-Ertragsbeziehung berechnet (Tab. 2):
rel. Ertrag [%] = -0,008450*(TW-163,87)
2
+116,3
Grobe frühe Sorten
- In der frühen Reifegruppe standen 10 Sorten in der Prüfung, von denen 3 Varietäten (‘CS 455‘,
‘DGL 0062‘, ‘Lincana‘) zum ersten Mal getestet wurden (Tab. 1). Im frühen Bereich überraschte der
mit 4 Sorten vergleichsweise hohe Anteil an Afila-Erbsen. Neben Fusarium-Resistenz verfügen die
Sorten meist auch über eine intermediäre Resistenz (IR) gegenüber dem Falschem Mehltau. ‘Sali-
nero‘ und ‘Sherwood‘ weisen zudem Resistenz gegen BYMV und die Neuzüchtung ‘Stargo‘ gegen
PEMV auf. Kritisch anzumerken ist allerdings das eher bescheidene Resistenzniveau von ‘Ambler‘,
‘CS 499‘, ‘Hesbana‘ und ‘Lincana‘, das besonders im Hinblick auf das allgemein ansteigende Befalls-
geschehen bei
Fusarium
und Falschem Mehltau kritisch zu sehen ist.
- Die Bestandesdichten konnten laut Stichprobe mit einem Pflanzenbesatz von über 100 Pflanzen/m²
als sehr gut eingestuft werden.
- Aufgrund der geschilderten Witterungslagen kam es in diesem Jahr beginnend mit dem Auflaufen
und später dann auch zur Blüte und Ernte zu 1 bis 2-wöchigen Verzögerungen in der Entwicklung im
Vergleich zu den letzten Jahren, wobei durch die Hitzeperiode kurz vor der Ernte die verlorene Zeit
zum Teil wieder aufgeholt wurde.
- Die Entwicklungszeit bewegte sich bezogen auf die parallel angebaute Vergleichssorte ‘Avola‘ im
Wesentlichen im Bereich der Züchterangaben. Bei einigen Sorten mussten wegen zu früher bzw. zu
später Ernte (zu niedriger oder zu hoher TW) die Reifetage um 1 bis 2 Tage korrigiert werden. Anzu-
merken war das unerwartet frühe Abreifen von ‘Ambler‘ (A+1).
- Durch die kühle und nasse Witterung waren die Pflanzen sehr wüchsig und erreichten übernormale
Längen (60 bis 90 cm). In der Folge kam es erwartungsgemäß bei den normallaubigen Sorten zum
Lager. Die Afila-Typen wiesen dagegen durchgängig eine sehr gute Standfestigkeit auf.
-
Besser als in den letzten Hitze- und Trockenjahren war der mittlere Hülsenbesatz. Das Plus resul-
tierte dabei in erster Linie aus einem erhöhten Besatz an Hülsen/Nodium, der rund ein Viertel über
den üblichen Werten lag. In der Folge stieg dann auch die Anzahl Hülsen/Pflanze im Vergleich zu
den Vorjahren an.
- In der Grünkornsortierung präsentierten sich die Sorten recht unterschiedlich. Mit ‘Aloha‘, ‘CS 455‘
und ‘Ambler‘ kamen nur 3 Sorten an die Züchtervorgaben heran. Unabhängig vom TW blieben die
meisten Sorten dagegen viel zu fein, was sich in einem deutlich erhöhten Anteil an Ware in der
Sortierung 8,2 bis 9,3 mm ausdrückte, d.h., die Sorten bewegten sich diesmal im Übergangsbereich
zu den mittelfeinen Erbsen. Besonders ausgeprägt war dies bei ‘DLG 0062‘, die bei einem TW von
116 nur einen Mittelwert von 2,9, statt des vorgegebenen Mittelwerts von 4,1 erreichte.
- Diese insgesamt gesehen zu feine Sortierung nahm auch spürbaren Einfluss auf das Ertragsverhal-
ten. Obwohl sich das Ertragsniveau bei einem TW von 120 mit durchschnittlich 0,91 kg/m² (15 %
über dem langjährigen Mittel) bereits auf einem sehr hohen Niveau bewegte, wurde durch die zu

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feine Sortierung mit Sicherheit ein noch besseres Ergebnis verschenkt. Eine mögliche Ursache für
die hohen Erträge sind u.a. auch in den hohen Bestandesdichten in diesem Jahr zu sehen. Obwohl
die Sorten untereinander recht ausgeglichen waren, sind als besonders leistungsstark ‘CS 455‘ und
‘Salinero‘ (> 1 kg/m² bei TW 120) zu nennen. Dagegen fiel ‘DLG 0062‘ nicht zuletzt wegen der über-
wiegend mittelfeinen Sortierung doch recht deutlich ab.
- Die Grünkornfarbe nach dem Blanchieren war im Wesentlichen als dunkelgrün zu bezeichnen. Ein
etwas hellerer Farbton wurde nur bei ‘DLG 0062‘ und ‘Kiss‘ bonitiert. In der Einheitlichkeit der
Grünkornfarbe präsentierten sich erhebliche Sortenunterschiede. Während die Afila-Erbsen keinen
Anlass zur Kritik boten, mussten die normallaubigen Sorten durch das Auftreten von ‘Blonds‘ infolge
der lagernden Bestände zum Teil erhebliche Abstufungen hinnehmen.
Grobe mittelfrühe Sorten
- In der mittelfrühen Reifegruppe standen in diesem Jahr 7 Sorten im Vergleich, von denen 3
(PFR 1816, ‘Romago‘, ‘Russelago‘) zum ersten Mal untersucht wurde. Neben der Fusarium-Resistenz
und der Resistenz gegen Echten und Falschen Mehltau ist bei mehreren Sorten auch eine Resistenz
gegen Viren (PEMV, BYMV) vorhanden. In Bezug auf das Resistenzniveau fällt nur ‘Compana‘, die
nur über eine Resistenz gegen Echten Mehltau verfügt ab. Das Verhältnis von normalblättrigen und
Afila-Sorten tendiert in dieser Reifegruppe zu Letztgenannten.
- Die Bestandesdichten waren mit 84 bis 117 Pflanzen/m² recht hoch und entsprachen den Vorgaben.
- Aufgrund des Witterungsverlaufs war auch bei den mittelfrühen Sorten der Blühbeginn ungewöhn-
lich spät (05.06. bis 08.06). Diese Verzögerung von 11 bis 13 Tagen im Vergleich zu den langjährigen
Mittelwerten, verkürzte sich auch hier wegen der einsetzenden Hitze auf rund eine Woche zur
Ernte.
- Die Entwicklungszeit der Sorten in Bezug auf ‘Avola‘ (A+5 bis A+8) korrelierte recht gut mit den
Züchtervorgaben. Aufgrund der hohen Temperaturen zur Ernte wurden allerdings einige Sorten 1
bis 2 Tage vor Ablauf der geplanten Entwicklungszeit geerntet.
- Obwohl auch hier die Pflanzen witterungsbedingt überdurchschnittlich lang waren konnten neben
den als standfest bekannten Afila-Sorten auch die beiden Nummernsorten ‘PFR 1702‘ und
‘PFR 1816‘ durch eine gute Standfestigkeit gefallen. Abstriche waren nur bei ‘SV 3290‘ vorzuneh-
men, die leicht zum Lagern neigte.
- Die mittelfrühen Sorten verzeichneten nennenswerte Einbußen im Hülsenbesatz. Im Durchschnitt
fehlte den Pflanzen rund 1 fertiles Nodium/Pflanze und im Mittel 1,5 Hülsen/Pflanze. Während ‘Ro-
mago‘ mit 5,2 Hülsen/Pflanze dem Durchschnittswert der letzten Jahre (5,8 Hülsen/Pflanze) noch
am nächsten kam, pendelten sich die meisten der Sorten im Bereich um 4 Hülsen/Pflanze ein.
- Die Grünkornsortierung war bei den meisten Sorten leicht unterdurchschnittlich und bei ‘Reliance‘
sogar als mittelfein (Mittelwert 2,9) zu bezeichnen. Eine Ausnahme bildete die Nummernsorten
‘PFR 1702‘, die mit einem Mittelwert von 2,7 ursprünglich als mittelfeine Erbse angemeldet wurde.
Aufgrund ihrer typisch groben Sortierung (3,9) wurde sie nachträglich in das grobe Sortiment ein-
sortiert.
- Ähnlich wie bei den frühen Sorten waren die Erträge auch bei den mittelfrühen Varietäten rekord-
verdächtig hoch. Mit Werten von 1,0 bis 1,3 kg/m² bezogen auf einen TW von 120 wurden bisher
nie dagewesene Spitzenergebnisse erreicht. Einen gehörigen Anteil an diesen hohen Resultaten ha-
ben mit Sicherheit die in diesem Jahr optimalen Bestandesdichten gehabt.

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tenbau| Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden| gerald.lattauschke@smekul.sachsen.de| 0351-26128700
- Die Qualität des Grünkorns nach dem Blanchieren wurde durchgängig mit guten Noten bewertet.
Auch die Einheitlichkeit des Grünkorn war deutlich besser als bei den frühen Sorten, da es kaum
zum Lager kam. Lediglich bei der in der Standfestigkeit schlechter bewerteten ‘SV 3290‘ waren
‘Blonds‘ nachweisbar, wodurch die Sorten in der Einheitlichkeit nur einen mittlere Boniturnote er-
hielt.
Kultur- und Versuchshinweise
Saattermin:
26.03.2021
Auflauftermin:
19.04.2021
Erntetermine:
frühe Sorten:
18.-23.06.2021
mittelfrühe Sorten:
24.-28.06.2021
Reihenabstand:
11,5 cm, 10 Reihen/Beet (1,50 m)
Aussaatdichte:
frühe Sorten:
1,1 Mio. keimfähige Körner/ha
mittelfrühe Sorten:
1,0 Mio. keimfähige Körner/ha
Versuchsfläche:
sandiger Lehm, Bodenwertzahl 69
Pflanzenschutz:
praxisüblich
Düngung:
N-Sollwert: 85 kg N/ha (0-60 cm)
Netzeinsatz:
ab Hülsenbildung Anbau unter Vogelschutznetz wegen Schäden durch Tauben
Ernteparzelle:
5,75 m²
Ernte:
täglich außer sonntags
Tenderometerwert:
Ernte bei Ziel-TW: 115 bis 125; Bestimmung des TW erfolgte täglich an einer Stichprobe
vor der Ernte der Sorte
Drusch:
Mini Sampling Viner; Fa. Haith; 2 Druschdurchläufe
Tenderometer:
FTC; Modell TM2 Texturpress
Blanchieren:
Erbsen für 3 Minuten in kochendes Wasser und anschließend mit kaltem Wasser abge-
schreckt
Grünkornfarbe:
Grünkornfarbe mittels Farbskala bestimmt
Versuchsanlage:
Blockanlage mit 4 Wiederholungen

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
Frühe und mittelfrühe groben Erbsen brachten nach kühlem Frühjahr Rekorderträge
17
Dr. Gerald Lattauschke | Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Abteilung Gar-
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Tab. 1:
Markerbsen, grobe Sortierung (9,3-10,2 mm); frühe und mittelfrühe Sorten 2021
Ernte-
termin
Entwick-
lungs-
zeit
Temp.
Summe
Basis
Temp.
Summe
Basis
Bestandes-
dichte
Stand-
festigkeit
Anzahl
Triebe
Bestandes-
höhe
Pflanzen-
länge
Anzahl
fertiler
Nodien
Anzahl
Hülsen/
Pflanze
Hülsen-
form
[d]
4,4°C
1,8°C
[Pfl./m²]
[1-9]
[St]
[cm]
[cm]
[1-9]
Aloha
WAV
Fop:1, Pv
IR
-1
0
27.05.21
21.06.
87
680
895
N
101
7
1,0
54
73
8,7
3,0
1,8
5,3
7
6,8
Ambler
CS/Strube
Fop:1
+3
+1
01.06.21
22.06.
88
701
918
af
106
9
1,0
60
60
8,9
2,9
2,2
6,4
8
6,5
CS 499 F
CS/Strube
Fop:1
+2
+2
01.06.21
23.06.
89
714
934
N
119
5
1,0
43
63
9,3
4,1
1,7
7,2
8
5,9
DGL 0062
Syn
Fop:1, Ep
IR
,
PEMV
IR
+3
+3
03.06.21
23.06.
89
714
934
N
121
4
1,0
44
90
12,2
3,9
2,0
7,8
7
7,4
Hesbana
Nun
-
+1
+2
02.06.21
22.06.
88
701
918
af
120
8
1,0
78
72
13,3
2,4
2,2
5,2
8
8,0
Kiss
WAV
Fop:1, Pv
IR
0
0
30.05.21
21.06.
87
680
895
N
107
4
1,0
54
73
9,2
2,3
1,5
3,6
7
6,5
Lincana
Nun
Pv
IR
+3
+2
03.06.21
22.06.
88
701
918
af
128
8
1,0
64
68
11,5
2,1
1,8
3,7
8
8,2
Salinero
SVS
Fop:1,Pv
IR
, BYMV
-1
-1
25.05.21
18.06.
84
612
818
N
136
4
1,0
44
76
8,5
2,9
1,7
4,9
8
6,9
Sherwood
SVS
Fop:1,Pv
IR
, BYMV
+1
0
31.05.21
21.06.
87
680
895
N
128
3
1,0
33
65
9,0
2,5
1,8
4,5
9
6,5
Stargo
Syn
Fop:1, Ep
IR
,
PEMV
IR
+2
+3
04.06.21
23.06.
89
714
934
af
107
9
1,0
68
68
13,0
2,6
1,9
4,9
8
9,2
Mittelwert
71
10,3
2,9
1,9
5,3
7,2
Compana
Nun
Ep
IR
+6
+6
08.06.21
26.06.
92
756
983
af
84
8
1,1
73
74
15,9
2,5
1,9
4,8
9
7,7
PFR 1702
AGIS
Fop:1,Ep, BYMV,
PTYV, PsbMV
+8
+7
07.06.21
28.06.
94
786
1018
N
109
6
1,0
54
73
16,5
2,1
2,1
4,4
9
8,9
PFR 1816
AGIS
Fop:1,Ep,BYMV,
PTYV, PsbMV
+8
+8
08.06.21
28.06.
94
786
1018
N
108
7
1,1
55
59
15,9
2,3
1,8
4,1
9
8,6
Reliance
SVS
Fop:1+2, Pv
IR
, Ep,
BYMV, PEMV
+7
+5
05.06.21
24.06.
90
728
950
af
100
8
1,2
52
44
13,2
2,3
1,8
4,1
9
7,3
Romago
Syn
Fop:1, Pv, Ep
IR
,
PEMV
IR
+5
+5
05.06.21
24.06.
90
728
950
af
86
8
1,1
65
62
13,0
2,8
1,9
5,2
8
8,8
Ruselago
Syn
Fop:1
IR
, Pv, Ep
IR
,
PEMV
IR
+7
+6
06.06.21
26.06.
92
756
983
af
114
8
1,0
52
46
15,6
2,4
1,6
3,8
9
7,1
SV 3290
SVS
Fop:1, Pv
IR
, Ep,
PEMV
+8
+6
06.06.21
26.06.
92
756
983
N
117
4
1,0
39
64
14,4
2,0
2,1
4,1
9
7,9
Mittelwert
60
14,9
2,3
1,9
4,4
8,1
Legende:
1
5
9
Standfestigkeit
fehlend
mittel
sehr gut
Hülsenform
krumm
gerade
Sorte
Züchter
Resis-
tenzen
(Züchter-
angaben)
Reifetage
Züchter-
angabe [A+]
Reifetage
Pillnitz 2021
[A +]*
Blatt-
form
Zeichenerklärung: * Avola (Spring) wurde am 20.06.2021 mit einem TW von 120 geerntet. Bei Abweichungen im TW wurde der Termin A+/- angepasst.
Blüh-
beginn
Nodium
mit
1. Blüte
mittelfrühe Reifegruppe
Hülsen/
Nodium
Anzahl
Körner/
Hülse
frühe Reifegruppe

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
Frühe und mittelfrühe groben Erbsen brachten nach kühlem Frühjahr Rekorderträge
18
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Tab. 2:
Markerbsen, grobe Sortierung (9,3-10,2 mm); frühe und mittelfrühe Sorten 2021
Sorte
Tendero-
Ertrag
Ertrag bei
Grünkornfarbe
Einheitlichkeit der
meter-
TW 120
nach dem
Grünkorn-
wert
(berechnet)
Blanchieren
farbe nach
(TW)
[kg/m²]
[kg/m²]
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
> 10,2
Mittel
<7,5
7,5-8,2
8,2-8,75
8,75-9,3
9,3-10,2
> 10,2
Mittel
Blanchieren
Aloha
130
0,95
0,90
2
5
36
44
13
3,6
2
3
12
28
49
5
3,5
8
6
Ambler
153
1,02
0,88
2
7
45
35
10
3,4
1
2
10
31
53
3
3,6
8
8
CS 499 F
173
1,19
1,03
0
30
20
35
15
3,4
1
5
22
36
33
3
3,3
7
5
DGL 0062
116
0,72
0,74
0
0
20
50
30
4,1
5
14
40
31
10
0
2,9
6
3
Hesbana
129
0,94
0,89
0
10
35
50
5
3,5
1
5
24
37
31
1
3,3
8
7
Kiss
131
1,04
0,97
2
6
37
50
5
3,5
1
6
26
40
26
1
3,2
6
6
Lincana
124
0,98
0,96
0
15
35
50
0
3,4
2
10
37
31
20
1
3,1
8
7
Salinero
105
0,89
1,03
5
10
40
28
17
3,4
2
9
26
39
24
1
3,1
7
6
Sherwood
133
0,98
0,90
0
15
34
31
20
3,6
1
7
25
36
28
3
3,2
7
5
Stargo
122
0,83
0,81
0
0
20
50
30
4,1
4
9
37
26
24
0
3,1
8
8
GD 5%
0,11
Compana
114
1,16
1,22
0
10
35
50
5
3,5
7
14
20
28
26
5
3,1
8
6
PFR 1702
132
1,21
1,13
0
44
39
17
0
2,7
0
1
6
21
57
15
3,9
8
7
PFR 1816
119
1,27
1,28
1
4
44
47
5
3,5
1
3
10
26
44
16
3,7
7
6
Reliance
111
1,02
1,10
0
20
45
25
10
3,3
7
16
33
26
18
0
2,9
7
7
Romago
113
0,93
0,98
0
5
20
55
20
3,9
4
14
31
28
21
2
3,0
7
6
Ruselago
117
1,28
1,32
0
5
15
55
25
4,0
1
5
15
29
38
12
3,5
8
8
SV 3290
125
1,09
1,05
1
8
25
49
15
3,6
1
7
25
36
30
1
3,2
7
5
GD 5%
0,14
Legende:
1
5
9
Merkmal
fehlend
mittel
stark/hoch
frühe Reifegruppe
mittelfrühe Reifegruppe
Grünkornsortierung Züchterangaben
[%]
Grünkornsortierung von ca. 500 g/Sorte
Dresden-Pillnitz 2021 [%]

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Sortiment mittelspäter grober Markerbsen durch mehrere Neuzüchtungen
bereichert
19
Dr. Gerald Lattauschke | Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Abteilung Gar-
tenbau| Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden| gerald.lattauschke@smekul.sachsen.de| 0351-26128700
Die Ergebnisse – kurzgefasst
Im Versuch „Markerbsen für die Tiefkühlindustrie“ wurden 2021 am Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie in Dresden-Pillnitz in der mittelspäten Reifegruppe 10 Sorten der groben Sortierung geprüft.
Das an sich über Jahre vergleichsweise stabile Sortiment mittelspäter grober Erbsen wurde durch eine Reihe
von Neuzüchtungen bereichert. Im Allgemeinen präsentierte sich das Sortiment recht ausgeglichen. Im Er-
trag hoben ‘Invictus‘ und ‘PFR 1705‘ mit Leistungen von über 1 kg/m² leicht von den Mitbewerbern ab.
Versuchsfrage und Versuchshintergrund
Der Anbau von Markerbsen für die Tiefkühlindustrie hat in Sachsen große Bedeutung. Grobe Markerb-
sen nehmen derzeit im Anbaugebiet flächenmäßig die führende Stelle ein. Das aktuelle Sortiment so-
wie Neuzüchtungen galt es auf ihre Anbaueignung unter den hiesigen Bedingungen zu prüfen. Die Erb-
sen der mittelspäten Reifegruppe (A+9 bis A+12) werden in der Region entsprechend der Anbaustaffe-
lung der mitteldeutschen Verarbeiter vorwiegend Anfang/Mitte April bis Anfang Mai gedrillt.
Ergebnisse im Detail
Der Witterungsverlauf im Frühjahr 2021 war im Vergleich zu den letzten Jahren untypisch. Die Aussaat
in der ersten Aprildekade musste wegen Niederschläge auf den 9. April verschoben werden. Der wei-
tere April mit Tagesmitteltemperaturen von 6,4 °C war rund 4 K kälter als die langjährigen Mittelwerte.
Nachts traten vermehrt leichte Bodenfröste auf, sodass die Erbsen erst nach 20 Tagen aufliefen. Auch
der Mai blieb mit Tagesmitteltemperauren um 12 °C knapp 3 K hinter den mittleren Werten zurück. Im
Juni stiegen die durchschnittlichen Tagesmitteltemperaturen merklich an und erreichten 20,5 °C. Zur
Ernte herrschte eher durchschnittliches Sommerwetter mit mittleren Temperaturen knapp über 20 °C.
Da während der Anbauperiode ausreichend natürliche Niederschläge fielen, mussten die Erbsen nicht
beregnet werden.
Die Sorten verzeichneten im Wesentlichen keine sichtbaren Ertragsausfälle durch Krankheiten oder
Schädlinge. Der mittlerweile obligatorische starke Befall durch Blattrandkäfer zu Kulturbeginn, konnte
durch Insektizidmaßnahmen gestoppt werden. Gegen Falschen Mehltau wurde aufgrund der feuchten
Witterung 2-mal vorbeugend mit gutem Bekämpfungserfolg behandelt. Der Blattlausdruck war ver-
gleichsweise gering, sodass nach zielgerichteter Bekämpfung praktisch auch keine Virosen zu erkennen
waren. Gegen Taubenfraß konnten die Bestände mit Vogelschutznetzen und Flatterbändern recht gut
geschützt werden.
Das Ziel, alle Sorten im Bereich eines
Tenderometerwert
es (TW) von 115 bis 125 zu ernten, wurde
überwiegend gut eingehalten. Die TW der meisten Sorten lagen knapp unter einem Wert von 120
(Tab. 2). Lediglich bei ‘SV 0823‘ und ‘Vidor‘ wurde der angestrebte TW verfehlt. Bei letztgenannter
Sorte rechtfertigten die TW am Samstag noch keine Ernte und bis zum darauffolgenden Montag stieg
der TW um 55 Punkte auf einen Wert von 160. Bei ‘SV 0823‘ lag die Überschreitung in der Streuung
der TW innerhalb der Wiederholungen begründet. Zur besseren Vergleichbarkeit der Sorten unterei-
nander wurden die Erträge deshalb auf einen Vergleichsertrag bei einem TW von 120 mit einer Reife-
Ertragsbeziehung berechnet (Tab. 2):

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Sortiment mittelspäter grober Markerbsen durch mehrere Neuzüchtungen
bereichert
20
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rel. Ertrag [%] = -0,008450*(TW-163,87)
2
+116,3
Mittelspäte grobe Sorten
- Das an sich recht konstante Sortiment mittelspäter grober Erbsen wurde in diesem Jahr durch
4 Neuzüchtungen bereichert, die überwiegend zu den normallaubigen Sorten gehören. Das allge-
meine Resistenzniveau der Sorten kann als sehr hoch eingestuft werden. Neben Fusarium, wird im-
mer mehr die Resistenz gegen Echten und Falschen Mehltau sowie gegen PEMV oder BYMV zum
Standard.
- In der Entwicklungszeit unterschritten die Sorten überwiegend die von den Züchtern angegebenen
Werte. So wurde die Mehrzahl der Varietäten bereits mit A+7 bis A+8, statt der annoncierten A+10
bis A+11 geerntet. Von Blühbeginn bis zur Ernte vergingen demnach nur rund 17 bis 20 Tage. Das zu
frühe Abreifen spiegelte sich auch in der bis zur Ernte erforderlichen Temperatursumme (Basis:
4,4 °C) wider, die mit durchschnittlich 785 °Cd rund 65 °Cd geringer war als der durchschnittliche
Wert (852 °Cd) für diese Reifegruppe.
- Die Bestandesdichte war sehr zufriedenstellend. In den ausgezählten Stichproben überschritten alle
Sorten die angestrebten 90 Pflanzen/m².
- Der Hülsenbesatz war auch hier (analog zu den mittelfeinen, mittelspäten Sorten) zu schwach. Aus-
gehend von einer zu geringen Anzahl fertiler Nodien (2,3 statt 3,3/ Pflanze) war die Hülsen-
zahl/Pflanze mit durchschnittlich 4,7 Hülsen zu gering und blieb damit 27 % hinter den langjährigen
Mittelwerten zurück.
- Die Grünkornsortierung der meisten Sorten entsprach der groben Sortierung und korrelierte recht
gut mit den Vorgaben der Züchter. Größere Abweichungen ergaben sich nur bei ‘Colivert‘, die mit
einem Mittelwert für das Grünkorn von nur 3,1 (TW 116) deutlich zu fein ausfiel. ‘Vidor‘ war mit
einem Mittelwert von 3,9 (allerdings bei einem TW von 160) deutlich gröber als vom Züchter vorge-
geben.
- Trotz des zu geringen Hülsenbesatzes konnte nicht zuletzt wegen der hohen Bestandesdichten ein
sehr gutes Ertragsniveau von 0,92 kg/m² erreicht werden, welches im Durchschnittsbereich der letz-
ten Jahr lag. Untereinander unterschieden sich die Sorten im Ertrag signifikant, wobei ‘Invictus‘ und
‘PFR 1705‘ mit jeweils über 1 kg/m² die Spitzenergebnisse erzielten.
- Die Grünkornfarbe nach dem Blanchieren war durchgängig dunkelgrün. In der Einheitlichkeit des
Grünkorns mussten allerdings bei einigen Sorten Abstriche vorgenommen werden, da ihre Einheit-
lichkeit nur mit mittleren Boniturnoten bewertet wurde. Vereinzelt (‘SV 0823‘; ‘Vidor‘) waren auch
‚Blonds‘ im Erntegut zu finden.

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Sortiment mittelspäter grober Markerbsen durch mehrere Neuzüchtungen
bereichert
21
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tenbau| Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden| gerald.lattauschke@smekul.sachsen.de| 0351-26128700
Kultur- und Versuchshinweise
Saattermin:
14.04.2021
Auflauftermin:
03.05.2021
Erntetermine:
30.06. bis 05.07.2021
Reihenabstand:
11,5 cm, 10 Reihen/Beet (1,50 m)
Aussaatdichte:
0,9 Mio. keimfähige Körner/ha
Versuchsfläche:
sandiger Lehm, Bodenwertzahl 69
Pflanzenschutz:
praxisüblich
Düngung:
N-Sollwert: 80 kg N/ha (0-60 cm)
Netzeinsatz:
ab Hülsenbildung Anbau unter Vogelschutznetz wegen Schäden durch
Tauben
Ernteparzelle:
5,75 m²
Ernte:
täglich außer sonntags
Tenderometerwert:
Ernte bei Ziel-TW: 115 bis 125; Bestimmung des TW erfolgte täglich an
einer Stichprobe vor der Ernte der Sorte
Drusch:
Mini Sampling Viner; Fa. Haith; 2 Druschdurchläufe
Tenderometer:
FTC; Modell TM2 Texturpress
Blanchieren:
Erbsen für 3 Minuten in kochendes Wasser und anschließend mit kaltem
Wasser abgeschreckt
Grünkornfarbe:
Grünkornfarbe mittels Farbskala bestimmt
Versuchsanlage:
Blockanlage mit 4 Wiederholungen

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Sortiment mittelspäter grober Markerbsen durch mehrere Neuzüchtungen bereichert
22
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tenbau| Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden| gerald.lattauschke@smekul.sachsen.de| 0351-26128700
Tab. 1:
Markerbsen, grobe Sortierung (9,3-10,2 mm); mittelspäte Sorten 2021
Ernte-
termin
Entwick-
lungszeit
Temp.-
summe
Basis
Temp.-
summe
Basis
Bestandes-
dichte
Stand-
festigk.
Anzahl
Triebe
Bestand.-
höhe
Pflanzen-
länge
Anzahl
fertiler
Nodien
Anzahl
Hülsen/
Pflanze
Hülsen-
form
[d]
4,4°C
1,8°C
[Pfl./m²]
[1-9]
[St]
[cm]
[cm]
[1-9]
Contigo
Syn
Fop:1
IR
, PV, Ep
IR
,
PEMV
IR
+9
+7
13.06.21
30.06.
77
760
957
af
83
7
1,0
49
51
16,3
2,5
1,9
4,7
8
7,5
CS-464 AF
Strube/CS
Fop:1, Ep, PEMV
+11
+7
10.06.21
30.06.
77
760
957
af
102
6
1,0
48
63
15,5
2,0
2,2
4,5
9
7,5
Grundy
Syn
Fop:1, Ep
IR
,
PEMV
IR
+10
+8
12.06.21
01.07.
78
774
973
N
99
2
1,0
25
61
14,7
2,1
1,6
3,5
8
7,1
Invictus
AGIS
Fop:1, Ep, BYMV,
PTYV
+10
+10
13.06.21
03.07.
80
800
1004
N
99
6
1,0
47
53
18,4
2,4
1,9
4,5
7
6,6
PFR 1705
AGIS
Fop:1,Ep, BYMV,
PTYV, PsbMV
+9
+10
14.06.21
03.07.
80
800
1004
N
110
6
1,1
58
62
17,9
3,5
1,9
6,7
9
8,1
PFR 1909
AGIS
Fop:1,Ep,BYMV,
PTYV, PsbMV
+9
+7
13.06.21
30.06.
77
760
957
N
104
3
1,0
32
42
15,6
2,1
1,8
3,9
9
6,8
Querida
WAV
Fop:1, PV
IR
, Ep
IR
,
PEMV
+10
+9
13.06.21
02.07.
79
787
989
N
95
3
1,1
27
51
15,1
2,1
2,5
5,3
9
7,1
SV 0823
SVS
Fop:1, Pv
IR
, Ep,
PEMV
+11
+9
14.06.21
03.07.
80
800
1004
af
99
5
1,0
35
60
16,7
1,9
2,3
4,5
9
6,8
Vidor
WAV
Fop:1, Ep
IR
,
PEMV
+12
+12
14.06.21
05.07.
82
831
1041
N
103
3
1,1
24
57
15,3
2,7
2,1
5,6
8
7,1
WAV 1958
WAV
Fop:1, PV
IR
, Ep
IR
,
PEMV
+12
+8
13.06.21
01.07.
78
774
973
N
102
3
1,0
25
55
15,3
2,0
2,0
3,9
8
7,3
Mittelwert
56
16,1
2,3
2,0
4,7
7,2
Zeichenerklärung: Avola (Spring) wurde parallel ausgesät. Erntetermin war der 23.06.2021 mit einem TW von 120. Bei Abweichungen im TW wurde der Termin A+/- angepasst.
Legende:
1
5
9
Standfestigkeit
fehlend
mittel
sehr gut
Hülsenform:
krumm
gerade
Blüh-
beginn
Nodium
mit
1. Blüte
Hülsen/
Nodium
Anzahl
Körner/
Hülse
mittelspäte Reifegruppe
Sorte
Züchter
Resis-
tenzen
(Züchter-
angaben)
Reifetage
Züchter-
angabe
[A+]
Reifetage
Pillnitz
2021
[A+]*
Blatt-
form

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Sortiment mittelspäter grober Markerbsen durch mehrere Neuzüchtungen bereichert
23
Dr. Gerald Lattauschke | Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Abteilung Gar-
tenbau| Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden| gerald.lattauschke@smekul.sachsen.de| 0351-26128700
Tab. 2:
Markerbsen, grobe Sortierung (9,3-10,2 mm); mittelspäte Sorten 2021
Sorte
Tendero-
Ertrag
Ertrag
Grünkornfarbe
Einheitlichkeit der
meter-
bei TW 120
nach dem
Grünkorn-
wert
berechnet
Blanchieren
farbe nach
[kg/m²]
[kg/m²]
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
> 10,2
Mittel
<7,5
7,5-8,2
8,2-8,75
8,75-9,3
9,3-10,2
> 10,2
Mittel
Blanchieren
Contigo
116
0,70
0,73
0
5
15
50
30
4,1
7
11
24
27
27
5
3,1
7
7
CA 464-AF
114
0,95
0,99
5
10
25
45
15
3,6
4
8
18
32
31
8
3,3
7
6
Grundy
117
0,88
0,92
0
0
20
50
30
4,1
2
2
9
24
48
15
3,7
7
6
Invictus
112
1,05
1,12
1
4
44
47
5
3,5
9
8
13
23
40
7
3,3
7
7
PFR 1705
114
1,01
1,06
0
0
38
37
24
3,8
3
3
6
15
48
25
3,9
8
8
PFR 1909
116
0,91
0,93
0
0
39
41
20
3,8
3
3
7
23
51
13
3,7
8
7
Querida
116
0,90
0,92
2
6
37
50
5
3,5
1
3
9
27
47
12
3,7
7
6
SV 0823
144
1,00
0,89
0
25
45
20
10
3,2
5
7
11
27
42
9
3,4
7
6
Vidor
160
0,97
0,83
1
5
36
38
20
3,2
2
4
7
14
49
24
3,9
7
5
WAV 1958
123
0,83
0,81
5
10
35
37
13
3,4
2
4
19
42
29
4
3,3
8
7
GD 5%
0,08
Legende:
1
5
9
Merkmal
fehlend
mittel
stark/hoch
mittelspäte Reifegruppe
Grünkornsortierung
Züchterangaben [%]
Grünkornsortierung von ca. 500 g/Sorte
Dresden-Pillnitz 2021 [%]

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Späte grobe Markerbsen mit hohen Erträgen, aber zum Teil auch leichten
Mängel in der Qualität
24
Dr. Gerald Lattauschke | Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Abteilung Gar-
tenbau| Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden| gerald.lattauschke@smekul.sachsen.de| 0351-26128700
Die Ergebnisse – kurzgefasst
Im Versuch „Markerbsen für die Tiefkühlindustrie“ wurden 2021 am Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie in Dresden-Pillnitz in der späten Reifegruppe 7 Sorten der groben Sortierung geprüft. Wäh-
rend das allgemeine Ertragsniveau in diesem Jahr sehr gut war, mussten einige Sorten durch Defizite in der
Qualität des Grünkorns Abstriche in der Bewertung hinnehmen. ‘SV 1022‘ erwies sich dabei bereits zum wie-
derholten Mal als ertragsreiche Qualitätserbse.
Versuchsfrage und Versuchshintergrund
Der Anbau von Markerbsen für die Tiefkühlindustrie hat in Sachsen große Bedeutung. Grobe Markerb-
sen nehmen derzeit im Anbaugebiet flächenmäßig die führende Stelle ein. Das aktuelle Sortiment spä-
ter grober Sorten (> A+12) galt es auf ihre Anbaueignung unter den hiesigen Bedingungen zu prüfen.
Die Erbsen der späten Reifegruppe werden in der Region entsprechend der Anbaustaffelung der mit-
teldeutschen Verarbeiter vorwiegend Anfang/Mitte April bis Anfang Mai gedrillt.
Ergebnisse im Detail
Der
Witterungsverlauf
im Frühjahr 2021 war im Vergleich zu den letzten Jahren untypisch. Die Aussaat
in der ersten Aprildekade musste wegen Niederschläge auf den 9. April verschoben werden. Der wei-
tere April mit Tagesmitteltemperaturen von 6,4 °C war rund 4 K kälter als die langjährigen Mittelwerte.
Nachts traten vermehrt leichte Bodenfröste auf, sodass die Erbsen erst nach 20 Tagen aufliefen. Auch
der Mai blieb mit Tagesmitteltemperauren um 12 °C knapp 3 K hinter den mittleren Werten zurück. Im
Juni stiegen die durchschnittlichen Tagesmitteltemperaturen merklich an und erreichten 20,5 °C. Zur
Ernte herrschte eher durchschnittliches Sommerwetter mit mittleren Temperaturen knapp über 20 °C.
Da während der Anbauperiode ausreichend natürliche Niederschläge fielen, mussten die Erbsen nicht
beregnet werden.
Die Sorten verzeichneten im Wesentlichen keine sichtbaren Ertragsausfälle durch
Krankheiten oder
Schädlinge
. Der mittlerweile obligatorische starke Befall durch Blattrandkäfer zu Kulturbeginn, konnte
durch Insektizidmaßnahmen gestoppt werden. Gegen Falschen Mehltau wurde aufgrund der feuchten
Witterung 2-mal vorbeugend mit gutem Bekämpfungserfolg behandelt. Der Blattlausdruck war ver-
gleichsweise gering, sodass nach zielgerichteter Bekämpfung praktisch auch keine Virosen zu erkennen
waren. Gegen Taubenfraß konnten die Bestände mit Vogelschutznetzen und Flatterbändern recht gut
geschützt werden.
Das Ziel, alle Sorten im Bereich eines
Tenderometerwert
es (TW) von 115 bis 125 zu ernten, wurde in
diesem Jahr bei fast allen späten Sorten recht gut eingehalten (Tab. 2). Lediglich bei ‘SV 1022‘ wurde
der Richtwert mit einem TW von 147 deutlich überschritten. Bei der Beprobung am Freitag hatte die
Sorte einen TW knapp unter 100 und hat dann aber bis zum Montag rund 50 Einheiten zugelegt. Zur
besseren Vergleichbarkeit der Sorten untereinander wurden die Erträge deshalb auf einen Vergleichs-
ertrag bei einem TW von 120 mit einer Reife-Ertragsbeziehung berechnet (Tab. 2):
rel. Ertrag [%] = -0,008450*(TW-163,87)
2
+116,3

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Späte grobe Markerbsen mit hohen Erträgen, aber zum Teil auch leichten
Mängel in der Qualität
25
Dr. Gerald Lattauschke | Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Abteilung Gar-
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Späte grobe Sorten
- Das Erbsensortiment der späten groben Erbsen war im Wesentlichen mit dem aus dem letzten Jahr
vergleichbar. ‘Larango‘ lief damals noch unter der Nummernbezeichnung ‘DLG 0052‘. Mit ‘Butana‘
und ‘Standana‘ wurde 2 aus der Vergangenheit bereits bekannte Sorten erneut in die Prüfung auf-
genommen. Neben Fusarium, wird immer mehr die Resistenz gegen Echten und Falschen Mehltau
sowie gegen PEMV oder BYMV zum Standard. Bei ‘Larango‘, ‘Galileo‘ und ‘Standana‘ fehlte aller-
dings die Virusresistenz. Das Verhältnis von fiederblattlosen zu normallaubigen Sorten war mehr
oder weniger ausgeglichen.
- Aufgrund des kühlen Maiwetter verschob sich die Blüte um rund 1 Woche nach hinten. Dieser Zeit-
verzug konnte im Juni aufgeholt werden, sodass die Sorten in der 1. Juliwoche innerhalb von 4 Tagen
abreiften. Dabei lagen die Entwicklungszeiten in Bezug auf ‘Avola‘ 3 bis 4 Tage vor den Züchteran-
gaben (A+9 bis A+13 statt A+13 bis A+17). Dies spiegelt sich auch in der kumulierten Temperatur-
summe (Basis: 4,4 °C) wider. Statt der üblichen 906°Cd (Mittelwert) bis zur Ernte, betrug sie in die-
sem Jahr durchschnittlich nur 835 °Cd.
- Die Bestandesdichten, die in der Stichprobe ausgezählt wurden, entsprachen überwiegend den Ziel-
stellungen (90 Pflanzen/m²).
- Im Gegensatz zu den übrigen in diesem Jahr geprüften Reifegruppen, erreichten die zuletzt gesäten
späten groben Erbsen als einzige ein zufriedenstellendes Ergebnis im Hülsenbesatz. Mit 7,1 Hül-
sen/Pflanze lag der Mittelwert über alle Sorten leicht über dem langjährigen Mittel (6,9 Hül-
sen/Pflanze). Anzumerken ist allerdings, dass sich zwischen den Sorten erhebliche Unterschiede of-
fenbarten. Während ‘Butana‘ mit nur 3,9 Hülsen/Pflanze das Mittel deutlich unterschritt, war der
Hülsenbesatz bei ‘SV 0122‘ (zum wiederholten Mal) und ‘WAV 1757‘ mit über 8 Hülsen/Pflanze
überdurchschnittlich hoch.
- Die Grünkornsortierung entsprach meistens dem Anforderungsprofil an grobe Erbsen. Nur bei ‘Stan-
dana‘ wurde ein recht hoher Anteil mittelfeiner Erbsen festgestellt. Als gröbste Erbse mit einem
Mittelwert beim Grünkorn von 3,9 erwies sich ‘Colorado‘.
- Das allgemeine Ertragsniveau war recht ausgeglichen und mit durchschnittlich 0,92 kg/m² als sehr
gut einzuschätzen. Zwischen den Sorten konnten signifikante Ertragsunterschiede nachgewiesen
werden. ‘SV 1022‘ und ‘Galileo‘ erzielten mit rund 1 kg/m² einen gesicherten Mehrertrag.
- Die Grünkornfarbe und die Einheitlichkeit der Grünkornfarbe konnten nach dem Blanchieren nur
zum Teil überzeugen. So wurde das Grünkorn bei ‘WAV 1757‘, ‘Colorado‘ und ‘Larango‘ als mittel-
grün und damit zu hell eingestuft. Bei ‘Colorado‘ und ‘WAV 1757‘ wurden zusätzlich noch wertmin-
dernde ‘Blonds‘ in der Ernteprobe festgestellt.

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Späte grobe Markerbsen mit hohen Erträgen, aber zum Teil auch leichten
Mängel in der Qualität
26
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Kultur- und Versuchshinweise
Saattermin:
21.04.2021
Auflauftermin:
04.05.2021
Erntetermine:
späte Sorten: 05.07. bis 08.07.2021
Reihenabstand:
11,5 cm, 10 Reihen/Beet (1,50 m)
Aussaatdichte:
späte Sorten: 0,9 Mio. keimfähige Körner/ha
Versuchsfläche:
sandiger Lehm, Bodenwertzahl 69
Pflanzenschutz:
praxisüblich
Düngung:
N-Sollwert: 80 kg N/ha
Netzeinsatz:
ab Hülsenbildung Anbau unter Vogelschutznetz wegen Schäden durch
Tauben
Ernteparzelle:
5,75 m²
Ernte:
täglich außer sonntags
Tenderometerwert:
Ernte bei Ziel-TW: 115 bis 125; Bestimmung des TW erfolgte täglich an
einer Stichprobe vor der Ernte der Sorte
Drusch:
Mini Sampling Viner; Fa. Haith; 2 Druschdurchläufe
Tenderometer:
FTC; Modell TM2 Texturpress
Blanchieren:
Erbsen für 3 Minuten in kochendes Wasser und anschließend mit kaltem
Wasser abgeschreckt
Grünkornfarbe:
Grünkornfarbe mittels Farbskala bestimmt
Versuchsanlage:
Blockanlage mit 4 Wiederholungen

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Späte grobe Markerbsen mit hohen Erträgen, aber zum Teil auch leichten Mängel in der Qualität
27
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Tab. 1:
Markerbsen, grobe Sortierung (9,3-10,2 mm); späte Sorten 2021
Ernte-
termin
Entwick-
lungszeit
Temp.-
summe
Basis
Temp.-
summe
Basis
Bestandes-
dichte
Stand-
festigk.
Anzahl
Triebe
Bestand.-
höhe
Pflanzen-
länge
Anzahl
fertiler
Knoten
Anzahl
Hülsen/
Pflanze
Hülsen-
form
[d]
4,4°C
1,8°C
[Pfl./m²]
[1-9]
[St]
[cm]
[cm]
[1-9]
Butana
Nun
Ep
IR
, PEMV
IR
+13
+10
16.06.21
05.07.
75
817
1012
af
96
6
1,0
40
49
17,7
2,1
1,9
3,9
7
7,7
Colorado
Syn
Fop:1, Ep
IR
, Pv,
PEMV
IR
+14
+11
15.06.21
06.07.
76
832
1030
N
95
1
1,1
14
45
15,4
3,3
1,9
6,3
8
7,6
Galileo
Vil/Haz
Fop:1, Ep, Pv
IR
+16
+13
17.06.21
08.07.
78
864
1066
af
86
7
1,7
47
51
18,3
3,4
1,5
5,3
8
6,7
Larango
Syn
Fop:1, Ep
+13
+10
15.06.21
05.07.
75
817
1012
N
108
2
1,2
28
59
16,0
2,9
2,0
5,7
8
8,3
Standana
Nun
Ep
IR
+15
+11
17.06.21
06.07.
76
832
1030
af
108
7
1,0
58
59
16,4
2,7
2,3
6,3
7
8,0
SV 1022
SVS
Fop:1,2, Pv
IR
, Ep,
PEMV
+13
+9
15.06.21
05.07.
75
817
1012
N
83
2
1,5
22
53
15,7
3,5
2,4
8,3
9
6,5
WAV 1757
WAV
Fop:1, Ep, Pv
IR
,
PEMV
+17
+13
17.06.21
08.07.
78
864
1066
N
87
3
1,5
33
62
16,7
3,7
2,2
8,2
9
7,1
Mittelwert
16,2
3,2
2,2
7,1
7,5
Zeichenerklärung: * Avola (Spring) wurde am 25.06.2021 mit einem TW von 120 geerntet. Bei Abweichungen im TW wurde der Termin A+/- angepasst.
1
5
9
Legende:
Standfestigkeit
fehlend
mittel
sehr gut
Hülsenform:
krumm
gerade
Falscher Mehltau:
fehlend
mittel
stark
Nodium
mit
1. Blüte
Hülsen/
Nodium
Anzahl
Körner/
Hülse
späte Reifegruppe
Sorte
Züchter
Resis-
tenzen
(Züchter-
angaben)
Reifetage
Züchter-
angabe
[A+]
Blatt-
form
Blüh-
beginn
Reifetage
Pillnitz
2021
[A+]*

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Späte grobe Markerbsen mit hohen Erträgen, aber zum Teil auch leichten Mängel in der Qualität
28
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Tab. 2:
Markerbsen, grobe Sortierung (9,3-10,2 mm); späte Sorten 2021
Sorte
Tendero-
Ertrag
Ertrag
Grünkornfarbe Einheitlichkeit der
meter-
bei TW 120
nach dem
Grünkorn-
wert
berechnet
Blanchieren
farbe nach
[kg/m²]
[kg/m²]
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
> 10,2
Mittel
<7,5
7,5-8,2
8,2-8,75
8,75-9,3
9,3-10,2
> 10,2
Mittel
Blanchieren
Butana
128
0,89
0,85
0
25
25
50
0
3,3
5
9
19
32
33
2
3,2
8
8
Colorado
120
0,99
0,99
0
0
15
45
40
4,3
1
3
11
18
49
19
3,8
6
5
Galileo
131
0,82
0,76
0
10
20
45
25
3,9
6
9
17
21
32
15
3,4
8
7
Larango
131
0,91
0,85
0
5
20
50
25
4,0
4
7
13
26
37
13
3,5
6
6
Standana
121
0,89
0,88
0
10
35
50
5
3,5
5
14
29
29
23
0
3,0
8
8
SV 1022
147
1,03
0,90
1
8
25
49
15
3,6
2
6
13
26
46
7
3,5
7
7
WAV 1757
116
0,91
0,94
0
10
25
45
20
3,8
3
7
18
29
36
8
3,4
5
5
GD 5%
0,09
Legende:
1
5
9
Merkmal
fehlend
mittel
stark/hoch
späte Reifegruppe
Grünkornsortierung
Züchterangaben [%]
Grünkornsortierung von ca. 500 g/Sorte
Dresden-Pillnitz 2021 [%]

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Mittelfeine Buschbohnen bei sehr guten Bedingungen mit Spitzenerträgen
29
Dr. Gerald Lattauschke | Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Abteilung Gar-
tenbau| Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden| gerald.lattauschke@smekul.sachsen.de| 0351-26128700
Die Ergebnisse – kurzgefasst
Im Versuch „Mittelfeine Buschbohnen für die Tiefkühlindustrie“ wurden am Sächsischen Landes-
amt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie im Jahr 2021 in Dresden-Pillnitz 19 Sorten geprüft.
Das Sortiment beinhaltete neben den bewährten Standardsorten auch eine Reihe von Neuzüchtun-
gen, die in der Hülsenfarbe zunehmend mehr zu dunkelgrünen Typen tendieren. Einige von ihnen
sind allerdings wegen Defiziten bei der maschinellen Ernte (zu hoher Anteil an Clustern oder Hülsen
mit Stiel) eher für den Frischmarkt geeignet. Bei günstigen Wachstumsbedingungen erreichten die
Sorten zum Teil Spitzenerträge von über 2 kg/m².
Versuchsfrage und Versuchshintergrund
Der Anbau von Buschbohnen für die Tiefkühlindustrie hat in Mittel- und Ostdeutschland große Bedeu-
tung. Mittelfeine Bohnen (9,0-10,5 mm) haben gegenwärtig die größte Verbreitung. Das aktuelle Sor-
timent galt es auf seine Anbaueignung für das mitteldeutsche Anbaugebiet zu prüfen.
Ergebnisse im Detail
- Die
Witterungsbedingungen
im Zeitraum von Juni bis in die erste Augustdekade waren als sehr
günstig für den Bohnenanbau einzuordnen. Die mittleren Tagestemperaturen bis Erntebeginn
(20,3 °C) lagen rund 1,4 K über den langjährigen Mittelwerten. Zur Ernte selbst kühlte es mit mittle-
ren Werten um 16,6 °C merklich ab. Temperaturen über 30 °C traten nur kurzzeitig an einzelnen
Tagen auf. Mit 195 mm Niederschlag wurden die Mittelwerte für diesen Zeitraum deutlich übertrof-
fen, sodass die Bohnen nur selten bewässert werden mussten. Zur Ernte herrschte Schauerwetter
vor. Nach einem Starkregen während der Ernte mit leichtem Hagel und starkem Wind legten sich
viele Sorten um.
- Mit dem Wegfall der Beizung gegen
Bohnenfliege
seit 2020 wurden die Voraussetzungen für einen
erfolgreichen Bohnenanbau deutlich erschwert. Um ein auswertbares Versuchsergebnis zu erhal-
ten, wurde deshalb der Aussaattermin unmittelbar nach dem Abschluss des Fluges der 1. Genera-
tion der Bohnenfliege gelegt. Zur Verminderung der Anzahl Bohnenfliegen im Boden, wurden die
Versuchsflächen vor der Saat 2-mal gekreiselt. Unmittelbar nach der Saat bis ca. 5 Tage nach dem
Auflaufen wurden die Bestände mit Vlies zum Schutz gegen zufliegende Bohnenfliegen abgedeckt.
Dank dieses ‘unverhältnismäßig‘ hohen Aufwandes konnten die Bohnen befallsfrei gehalten wer-
den. Aufgrund der Witterung mussten die Bohnen mehrfach gegen
Botrytis
und
Sclerotinia
behan-
delt werden. Im Endeffekt blieben alle Sorten vom Befall durch diese
Krankheiten
verschont. Gegen
Bohnenläuse reichte eine einmalige Behandlung des Bestandes.
- Das
Sortiment
mittelfeiner Bohnen war im Wesentlichen mit den aus den letzten Jahren bekannten
Sorten besetzt und wurde noch durch einige Nummernsorten ergänzt (Tab. 1). Neben 2 frühen Sor-
ten (‘Bartava‘, ‘SV 1295‘) waren im Wesentlichen mittelfrühe und mittelspäte Varietäten im Sorti-
ment vertreten. Aufgrund der vorliegenden Resultate (63 bis 67 Tage Entwicklungszeit) ist eine ge-
naue Unterscheidung zwischen diesen beiden Reifegruppen praktisch nicht möglich und sie werden
in einer Gruppe ausgewertet. Das Resistenzniveau kann im Wesentlichen als gut eingestuft werden.
Resistenz gegenüber dem Bohnenmosaikvirus und gegen die Fettfleckenkrankheit ist bei fast allen

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Sorten vorhanden. Gegenüber der Brennfleckenkrankheit lassen dagegen immerhin 8 Sorten eine
Resistenz vermissen.
- Hinsichtlich der
Sortierung
(Tab. 1) ist festzustellen, dass insbesondere die Bohnen mit mittelfrüher
bzw. mittelspäter Reife die Vorgaben an mittelfeine Bohnen sehr gut erfüllten, d.h., im Mittel 62 %
der Bohnen sortierten in der Klasse 9,0 bis 10,5 mm. Die einzige Ausnahme bildete die Neuzüchtung
‘HS 841‘, die mit 85 % Hülsen kleiner 9 mm, eigentlich zu den feinen Bohnen gehörte. Die beiden
frühen Sorten waren ebenfalls etwas zu fein, was u.a. an der wegen des bevorstehenden Wochen-
endes um 2 bis 3 Tage zu frühen Ernte lag.
- Der
Blühtermin
lag 37 (‘Bartava‘) bis 44 Tage (‘Falcao‘) nach der Aussaat zwischen dem 07. und
14.07.21 (Tab. 2). Nach weiteren 22 (‘SV 1295‘) bis 28 Tagen (‘Parker‘) waren die Bohnen erntereif
und wurden gepflückt. Diese Zeitspanne lag geringfügig über dem Mittel der letzten (heißen) Jahre.
Die Abreife erfolgte wie immer relativ konzentriert innerhalb von 5 Tagen (frühe Sorten ausgenom-
men). Aufgrund des Erntetermins könnten ‘Desperado‘, ‘MV 3061-16‘ und ‘Outlaw‘ zu den mittel-
frühen Sorten gezählt werden.
- Die
Standfestigkeit
und die
Bestandeshöhe
wurden durch den oben erwähnten Starkregen erheb-
lich beeinflusst. Während die beiden frühen Sorten, die vor dem Ereignis geentet wurden, sich durch
eine sehr gute Standfestigkeit auszeichneten, legten sich die meisten Sorten der späteren Reife-
gruppen mehr oder weniger um. Hierbei war allerdings festzustellen, dass das Maß der Beeinflus-
sung sicher auch in Abhängigkeit von der Stärke der Windböen sehr unregelmäßig war.
- Die
Eignung zur maschinellen Ernte
bei Verarbeitungsware wird in erster Linie nach dem Anteil
stielloser Hülsen bewertet. Wie in den letzten Jahren offenbarten sich bei den mittelfeinen Bohnen
deutliche Sortenunterschiede. Während der Mittelwert mit rund 42 % hinter Ergebnissen der letz-
ten Jahre zurückblieb, wiederholten insbesondere ‘Bartava‘ und ‘SV 1295‘ ihre letztjährigen positi-
ven Ergebnisse. Gleiches galt für ‘Falcao‘ und ‘HS 841‘, die alle über 60 % stiellose Bohnen vorwie-
sen. Mit ‘WAV 80‘, ’SB 4734‘, ‘Pontiac‘ und ‘WAV 78‘ wiesen 4 Sorten nur bei weniger als einem
Drittel der Ware stiellose Bohnen auf und scheinen eher für den Frischmarktbereich geeignet zu
sein. Der Anteil an Clustern bzw. Bruch war in diesem Jahr ungewöhnlich hoch und überstieg die
langjährigen Mittelwerte (Cluster: 12 %; Bruch: 10 %) fast um das Doppelte. Eine Ursache dafür
könnten die erschwerten Erntebedingungen infolge der zum Teil lagernden Bestände sein.
- In den
Ertragsleistungen
sind die frühen von den mittelfrühen/ mittelspäten Sorten getrennt zu
betrachten (Tab.3). Die Erträge der frühen Bohnen lagen bei ca. 1,5 kg/m² und waren damit deutlich
geringer als die der späteren Varietäten (1,9 kg/m²). Hier ist allerdings die etwas zu frühe Ernte zu
beachten, die mit Sicherheit mit Ertragseinbußen einherging. Zwischen den beiden frühen Sorten
selbst gab es keine gesicherten Ertragsunterschiede. Die Ertragsleistungen der mittelfrühen/mittel-
späten Reifegruppen waren als sehr gut anzusprechen. Bei Erträgen zwischen 1,6 (‘Outlaw‘) und
2,4 kg/m² (‘Harrison‘) ergaben sich zwischen den Sorten signifikanten Ertragsunterschiede. Neben
der letztgenannten Sorte zählten noch ‘MV 3061-16‘, ‘Pontiac‘, ‘Santander‘, ‘Sintra‘, ‘Stanley’ und
WAV 79‘ zu den leistungsstärksten Varietäten.
- Die
Hülsenkrümmung
war überwiegend nur schwach ausgeprägt, d.h., die Hülsen waren sorten-
übergreifend meist gerade oder allenfalls leicht gekrümmt (Boniturnoten 2 bis 4). Nur bei ‘SB 4753‘
mussten die Hülsen als gekrümmt eingestuft werden.

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- Der
Hülsenquerschnitt
entsprach mit einer mittleren Boniturnote von 6,4 (5 = rund-oval; 7 = rund)
den Anforderungen. Die Neuzüchtungen ‘WAV 78‘ und ‘WAV 80‘ tendierten zu einem breit-ovalen
Hülsenquerschnitt.
- Die
Hülsenlänge
sollte aus verarbeitungstechnologischer Sicht mindestens 11 cm betragen und
14 cm nicht überschreiten. Bei einer mittleren Hülsenlänge von 12,0 cm wurden die Richtwerte
überwiegend gut eingehalten, wobei der Mittelwert mit den durchschnittlichen Resultaten der Ver-
gangenheit identisch war. Mit ‘HS 841‘ war eine Sorte mit 15,1 cm Hülsenlänge deutlich zu lang. Zu
den Sorten mit längeren Hülsen zählten des Weiteren ‘SB 4734‘ und ‘Parker‘.
- Die Ausprägung der Qualitätsparameter
Kornmarkierung
,
Bastigkeit
und
Fädigkeit
bewegte sich in
diesem Jahr überwiegend auf einem den Anforderungen an Qualitätsware entsprechendem Niveau,
was für eine weitestgehend termingerechte Ernte spricht. Nur ganz vereinzelt, z.B. bei ‘Desperado‘
und ‘WAV 78‘ war die Kornmarkierung geringfügig zu weit fortgeschritten (Boniturnote 5). ‘WAV 75‘
ließ erste Anzeichen (Note 4) von Bastigkeit erkennen. Insbesondere bei ‘Parker‘ wurden vermehrt
fädige Bohnen gefunden.
- In
Farbe
und
Glanz
unterschieden sich die Sorten teils erheblich. Im Sortiment, forciert durch die
Neuzüchtungen, war im Gegensatz zu den letzten Jahren ein Trend hin zu dunkelgrünen, mehr oder
weniger stark glänzende Bohnen festzustellen. Damit wurde die früher dominierende Fraktion meist
mittelgrüner, schwach glänzender Bohnen abgelöst. Während ‘HS 841‘ und ‘WAV 80‘ zu den dun-
kelsten Sorten gehören, waren die Hülsen von ‘Harrison‘ und ‘MV 3061-16‘ am hellsten (mittelgrün).
Interessant ist der Fakt, dass von den 5 ertragsreichsten Sorten 4 mittelgrüner Färbung waren.
- Wichtig, besonders für die Vermarktung der Bohnen als Monoprodukt, ist dagegen die Einheitlich-
keit der Hülsenfarbe nach dem Blanchieren. Auch hier konnten die meisten Sorten mit guten Noten
(Boniturnote 7 bis 8) überzeugen. Lediglich die Proben von ‘Harrison‘ (Note 4) und ‘Stanley‘ (Note
5) ließen einige Mängel in der Gleichmäßigkeit der Farbsortierung nach dem Blanchieren erkennen.
- Der Trockensubstanzgehalt bei Bohnen sollte bei der Ernte im Bereich von 9 % liegen. Im Mittel über
alle Sorten wurde der angestrebte Wert recht gut erreicht. Während eine Unterschreitung des Richt-
wertes auf eine zu frühe Ernte hindeutet (z.B. MV 248-81: 8,2 %), wurde bei einem zu hohen Tro-
ckensubstanzgehalt der optimale Termin knapp verfehlt (z.B. ‘Parker‘ 10,7 %).
-
Anmerkung:
Die Versuche zu sehr feinen und feinen Buschbohnen konnten in diesem Jahr wegen
eines technischen Defekts an der Bohnenpflückmaschine, der zeitnah nicht zu beheben war, nicht
ausgewertet werden.

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Kultur- und Versuchshinweise
Saattermin:
31.05.2021
Auflauftermin:
05.06.2021
Erntetermin:
30.07. bis 06.08.2021
Saatabstand:
50,0 cm x 6,1 cm (pneumatische Einzelkornsämaschine)
Aussaatdichte:
ca. 0,33 Mio. Korn/ha
Ernteparzelle:
7,00 m²
Ernte:
maschinelle Ernte mit 2-reihiger Bohnenpflückmaschine Pixall ’Trac Pix’
Einstellungen Pflücktrommel: 150 Umdrehungen/min; Gebläse: ca. 900 Umdrehungen/min
Erntetermin:
Beginn Bastigkeit, Fädigkeit bzw. Kornmarkierung der Sorten, Trocken-
substanzgehalt um 9 %
Versuchsmethodik:
Blockanlage mit 4 Wiederholungen
Blanchieren:
3 Minuten in kochendem Wasser, danach in kaltem Wasser abgeschreckt
Hülsenfarbe/Glanz:
Proben von allen Sorten wurden gleichzeitig (nebeneinandergelegt) auf
Glanz und Farbe bonitiert
Pflanzenschutz:
praxisüblich

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Tab. 1: Buschbohnen, mittelfeine Sortierung – Dresden-Pillnitz 2021
Herkunft
5,0-6,5
6,5-8,0
8,0-9,0
9,0-10,5
10,5-12,0
5,0-6,5
6,5-8,0
8,0-9,0
9,0-10,5
10,5-12,0
BCMV
Psp
Cl
Bartava
SVS
35
65
0
15
57
28
0
HR
-
HR
SV 1295
SVS
30
70
1
18
47
34
0
HR
HR
-
Desperado
Syn
15
45
40
2
4
10
65
19
HR
-
-
Falcao
PV
40
60
1
6
36
56
1
HR
HR
HR
Harrison
Syn
5
35
45
15
1
2
23
73
1
HR
HR
-
HS 841
Agri/HS
40
60
1
25
59
15
0
HR
HR
HR
MV 3061-16
Haz/Vil
20
65
15
1
4
18
63
13
HR
IR
HR
MV 248-18
Haz/Vil
15
50
35
2
6
12
68
11
-
HR
-
Outlaw
Syn
30
50
20
2
4
38
54
2
HR
HR
-
Parker
Agri/HS
40
60
1
4
27
63
5
HR
HR
HR
Pontiac
PV
25
75
1
2
22
63
13
HR
HR
-
Santander
Haz/Vil
20
65
15
1
6
21
71
0
HR
IR
HR
SB 4734
Syn
45
50
5
1
7
31
57
3
HR
HR
-
Sintra
PV
30
70
1
7
20
71
1
HR
HR
HR
Stanley
Agri/HS
30
70
1
6
38
55
0
HR
HR
HR
WAV 75
WAV
40
60
0
3
19
73
4
HR
HR
-
WAV 78
WAV
80
20
1
4
18
71
7
HR
HR
HR
WAV 79
WAV
40
60
1
3
19
76
1
HR
HR
HR
WAV 80
WAV
20
70
10
2
3
8
59
28
HR
in Überprüfung
HR
Resistenzen:
BCMV
Bean common mosaic virus
Psp
Pseudomonas savastanoi pv. phaseolicola
Cl
Colletotrichum lindemuthianum
(Gewöhnliches Bohnenmosaikvirus)
(ex.
Pseudomonas syringae
pv. p
haseolicola)
(Brennfleckenkrankheit)
(Fettfleckenkrankheit)
Sortierung % (Züchterangaben)
Sortierung % (Dresden-Pillnitz 2021)
Resistenzen (Züchterangaben)
Frühe Sorten
Mittelfrühe/ mittelspäte Sorten

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Tab. 2: Buschbohnen, mittelfeine Sortierung – Dresden-Pillnitz 2021
Sorte
Blühbeginn
Erntetermin
Entwicklungszeit
Wärmesumme
1
Wärmesumme
1
Bestandeshöhe
Standfestigkeit
Länge Stiel
[d]
Basistemp. 10°C
Basistemp. 0°C
[cm]
[1-9]
Sclerotinia
Botrytis
Bohnen
ohne
Stiel
Bohnen
mit Stiel
(Peduncle)
Trauben
(Cluster)
Bruch
[cm]
Bartava
07.07.
30.07.
60
609
1209
49
8
1
1
62
5
6
26
1,4
SV 1295
08.07.
30.07.
60
609
1209
50
7
1
1
68
6
7
20
1,3
Mittelwert:
60
50
65,1
5,6
6,4
22,9
1,4
Desperado
11.07.
02.08.
63
636
1266
49
5
1
1
35
13
19
32
1,5
Falcao
14.07.
06.08.
67
663
1333
45
6
1
1
61
17
10
13
1,1
Harrison
09.07.
05.08.
65
649
1299
40
4
1
1
38
7
25
31
1,2
HS 841
14.07.
06.08.
67
663
1333
48
8
1
1
60
20
12
8
1,3
MV 3061-16
11.07.
05.08.
65
649
1299
47
8
1
1
49
8
18
26
1,0
MV 428-18
11.07.
02.08.
63
636
1266
47
4
1
1
49
11
12
27
1,0
Outlaw
10.07.
02.08.
63
636
1266
51
6
1
1
46
9
12
33
1,9
Parker
09.07.
06.08.
67
663
1333
40
3
1
1
40
28
22
10
1,5
Pontiac
10.07.
06.08.
67
663
1333
39
4
1
1
29
30
32
9
1,1
Santander
11.07.
05.08.
66
656
1316
38
3
1
1
54
6
25
16
0,9
SB 4734
12.07.
06.08.
67
663
1333
38
4
1
1
23
36
28
13
1,2
Sintra
11.07.
05.08.
66
656
1316
43
5
1
1
40
10
25
24
1,0
Stanley
10.07.
05.08.
66
656
1316
46
6
1
1
42
10
24
24
0,9
WAV 75
10.07.
06.08.
67
663
1333
42
5
1
1
47
28
14
12
1,2
WAV 78
11.07.
05.08.
66
656
1316
42
3
1
1
32
7
33
28
1,8
WAV 79
11.07.
06.08.
67
663
1333
46
6
1
1
44
24
21
10
1,5
WAV 80
11.07.
05.08.
66
656
1316
47
6
1
1
19
7
40
34
1,5
Mittelwert:
66
44
41,6
15,9
22,0
20,4
1,3
Legende:
1
5
9
Standfestigkeit
gering
mittel
hoch
Botrytis; Sclerotinia
fehlend
mittel
sehr stark
1
Wärmesumme:
In der Literatur wird sowohl mit 10°C als auch mit 0°C als Basistemperatur gearbeitet. Der Basistemperatur von 0°C wird im Allgemeinen der Vorrang eingeräumt.
2
Eignung zur maschinellen Ernte:Gewichtsanteil
aus 500 g Probe
Krankheitsbefall [1-9]
Eignung zur maschinellen Ernte
Anteil in [Gew.-%]
2
Frühe Sorten
Mittelfrühe/ mittelspäte Sorten

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Tab. 3: Buschbohnen, mittelfeine Sortierung – Dresden-Pillnitz 2021
Sorte
Ertrag
Hülsenkrümmung
Hülsenquerschnitt
Hülsenlänge
Kornmarkierung
Bastigkeit
Fädigkeit
Glanz
Hülsenfarbe vor dem Hülsenfarbe nach dem Einheitlichkeit nach dem
Trockensubstanz
Blanchieren
Blanchieren
Blanchieren
[kg/m²]
[1-9]
[1-9]
[cm]
[1-9]
[1-9]
[1-9]
[1-9]
[1-9]
[1-9]
[1-9]
[%]
SV 1295
1,42
3
6
12,6
3
2
1
5
5
5
6
9,2
Bartava
1,54
4
6
12,5
3
2
1
5
5
6
6
9,2
GD 5 %/
Mittelwert
n.s.
3,7
6,0
12,5
3,0
2,0
1,0
5,0
5,0
5,5
6,0
9,2
Desperado
1,56
4
7
12,4
5
3
1
5
8
8
7
9,0
Falcao
1,90
3
5
11,4
2
2
2
6
8
8
8
8,6
Harrison
2,40
4
6
11,2
4
1
1
5
4
4
4
10,1
HS 841
1,65
3
5
15,1
2
2
3
4
9
8
7
8,1
MV 3061-16
2,07
3
7
11,1
3
3
1
5
4
5
7
8,5
MV 248-18
1,80
4
7
11,3
4
3
2
7
8
6
6
8,2
Outlaw
1,55
3
7
12,0
3
2
1
6
8
8
8
8,8
Parker
1,64
3
6
13,5
4
1
6
7
8
7
7
10,7
Pontiac
2,22
4
7
11,4
3
1
2
6
7
7
7
9,7
Santander
2,07
2
6
11,6
4
2
1
5
5
6
8
10,0
SB 4734
1,75
5
5
13,7
3
2
2
8
8
9
8
8,9
Sintra
2,09
4
6
11,0
2
3
2
5
6
6
7
8,9
Stanley
2,26
3
5
11,5
2
1
2
5
5
6
5
8,6
WAV 75
1,92
3
7
12,5
4
4
4
7
7
7
7
8,7
WAV 78
1,78
4
8
11,9
5
2
2
7
7
7
7
9,2
WAV 79
2,07
3
7
11,0
4
2
4
6
8
8
8
9,6
WAV 80
1,81
4
8
12,3
3
2
3
3
9
9
8
8,8
GD 5 %/
Mittelwert
0,40
3,3
6,4
12,0
3,4
2,1
2,3
5,7
7,0
7,0
7,0
9,1
Legende:
1
3
5
7
9
Hülsenkrümmung
gerade
gekrümmt
sehr krumm
Hülsenquerschnitt
flach
oval
rund-oval
rund
breit-oval
Kornmarkierung
fehlend
mittel
sehr stark
Bastigkeit; Fädigkeit
fehlend
mittel
sehr stark
Einheitlichkeit nach d. Blanchieren
fehlend
mittel
sehr stark
Hülsenfarbe
hellgrün
mittelgrün
dunkelgrün
Glanz
fehlend
mittel
sehr stark
Frühe Sorten
Mittelfrühe; mittelspäte Sorten

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Hervorragende Erträge beim Frühanbau von Spinat nach einem kühlen
und feuchten Frühjahr
36
Dr. Gerald Lattauschke | Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Abteilung Gar-
tenbau| Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden| gerald.lattauschke@smekul.sachsen.de| 0351-26128700
Die Ergebnisse – kurzgefasst
Im Versuch "Spinat im Frühanbau" wurden 2021 am Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und
Geologie in Dresden-Pillnitz
16
frühe und mittelfrühe Sorten geprüft. Nach einem kühlen und regneri-
schen Frühjahr wurden bei den frühen und mittelfrühen Spinaten Spitzenerträge erzielt. Allen Sor-
ten konnte des Weiteren eine sehr gute Qualität des Erntegutes bescheinigt werden. In Bezug auf
die neuen Rassen des Falschen Mehltaus weist die Mehrzahl der Sorten auch eine Resistenz gegen-
über der in Europa nachgewiesenen 18. Rasse (Pe 18) des Erregers auf.
Versuchsfrage und Versuchshintergrund
Für den Frühanbau von Spinat für die Verarbeitungsindustrie kommen für den Aussaattermin
Mitte/Ende März vorrangig frühe und mittelfrühe Sorten zum Einsatz. Das aktuelle Sortiment und Neu-
züchtungen galt es auf ihre Anbaueignung insbesondere auch im Hinblick auf Resistenz gegen den Fal-
schen Mehltau zu prüfen.
Ergebnisse im Detail
Der
Witterungsverlauf
im Frühjahr 2021 war im Vergleich zu den letzten Jahren untypisch. Während
die Aussaatbedingungen noch als sehr gut eingestuft werden konnten, war der April mit Tagesmittel-
temperaturen von 6,2° C rund 4 K kälter als die langjährigen Mittelwerte. Nachts traten vermehrt
leichte Bodenfröste auf. Auch der Mai blieb deutlich zu kühl. Somit verzögerte sich die Ernte der frühen
Sorten um reichlich eine Woche. Erst ab Ende Mai stiegen die Temperaturen stark an und erreichten
zur Ernte der mittelfrühen Sorten in den ersten Junitagen frühsommerliche Werte bis 28 °C. Da ausrei-
chend natürliche Niederschläge fielen, musste der Spinat nicht beregnet werden.
Der
Gesundheitszustand
des Spinats war als sehr gut einzustufen. Im Bestand konnten keine Erkran-
kungen oder Schädlinge nachgewiesen werden. Mit der Benennung von 2 neuen Rassen (Pe 18 [in Eu-
ropa nachgewiesen] und Pe 19 [nur in den USA nachgewiesen]) wurden die Züchterangaben zur Resis-
tenz der Sorten gegenüber dem Erreger gegen den Falschen Mehltau, soweit bereits bekannt, ange-
passt. Seit diesem Jahr wird der Falsche Mehltau an Spinat unter dem wissenschaftlichen Namen
Pe-
ronospora effusa
(Pe) (ex:
Peronospora farinosa
f. sp. s
pinaciae
(Pfs) geführt.
Frühe Reifegruppe
In der frühen Reifegruppe war neben den glattblättrigen Typen mit ‘SPI 02975‘ ein orientalischer Spinat
vertreten, der in der Entwicklungszeit erwartungsgemäß 4 bis 5 Tage vor den glattblättrigen Sorten lag.
Die glattblättrigen Sorten waren bereits aus den Versuchen der letzten Jahre bekannt. Bis auf ‘Gorilla‘
verfügen sie aus heutiger Sicht alle über eine Resistenz gegen die in Europa neu beschriebene 18. Rasse
des Erregers des Falschen Mehltaus. Eine Bewertung der Sorten hinsichtlich ihrer Resistenz kann nicht
vorgenommen werden, da die Krankheit nicht auftrat. Das Ertragsniveau mit 3,0 bis 3,9 kg/m² war für
die frühe Reifegruppe als sehr hoch einzustufen. Einen signifikanten Minderertrag wiesen nur die bei-
den Nummernsorten ‘SPI 02975‘ und ‘SV 5845‘ auf. Nach Regenfällen kurz vor dem Erntetermin war
der Trockensubstanzgehalt mit unter 8 % vergleichsweise niedrig. Bei anhaltend kühler Witterung bis

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Hervorragende Erträge beim Frühanbau von Spinat nach einem kühlen
und feuchten Frühjahr
37
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Ende Mai war die Feldhaltbarkeit der frühen Sorten mit 5 (orientalischer Typ) bis 7 Tage als sehr gut
für diese Jahreszeit zu bewerten.
Die Bestandeshöhe lag bei allen Sorten um die 30 cm. Durch die sehr dichten Bestände überzeugten
alle Spinate durch eine sehr aufrechte, erntefreundliche Blattstellung. Mit Ausnahme der orientali-
schen Sorte waren die Blattspreiten der übrigen Varietäten im Wesentlichen hell- bis mittelgrün ge-
färbt. Die Blattdicke wurde im Wesentlichen mit mittleren Boniturnoten bewertet. Nur bei ‘Bylot‘ war
sie etwas dünner als das Mittel und bei ‘SPI 02975‘ dagegen vergleichsweise dick.
Mittelfrühe Reifegruppe
Auch in der mittelfrühen Reifegruppe präsentierten sich überwiegend aus der Vergangenheit bereits
bekannte Sorten. Mit ‘Bilby‘ und ‘LDSPD 19-0012‘ standen 2 Neuzüchtungen in der Prüfung. Letztge-
nannte sowie ‘Austin‘ und ‘Spirico‘ weisen aus heutiger Sicht ein vollständiges Resistenzpaket gegen-
über dem Falschen Mehltau auf. Bei ‘Novico‘ ist nach wie vor das Fehlen der Resistenz gegen die 13.
Rasse kritisch anzumerken. Falscher Mehltau war allerdings in diesem Jahr kein Thema. Die mittelfrü-
hen Sorten begannen 5 bis 7 Tagen nach den glattblättrigen frühen Sorten bei nun einsetzenden früh-
sommerlichen Temperaturen mit dem Schossen und wurden nach 65 bis 67 Tagen Entwicklungszeit
geerntet. Da die Temperaturen mit knapp unter 30 °C auch nach der Ernte noch anhielten, zeigten sie
bereits nach 3 bis 5 Tagen die ersten Blüten im Bestand und büßten so ihre Feldhaltbarkeit ein. Das
Ertragsniveau mit kann 4,0 bis 4,9 kg/m² als ungewöhnlich hoch bezeichnet werden. Mit ‘Sonoma‘,
‘Bilby‘, ‘Austin‘, ‘Melville‘ und ‘Novico‘ erreichten 5 Sorten einen signifikanten Mehrertrag im Vergleich
zu den Mitbewerbern. Aufgrund der nun trockeneren Witterung stieg auch der Trockensubstanzgehalt
an und pegelte sich auf den für Spinat um diese Jahreszeit typischen Wert von 9 % ein.
Die Bestandeshöhe betrug sorteneinheitlich reichlich 30 cm. Auch bei den mittelfrühen Sorten waren
die uniformen Bestände sowie der sehr aufrechte Wuchs bemerkenswert. In der Blattfarbe dominier-
ten zunehmend eher dunkelgrüne Typen das Sortengeschehen. Große Unterschiede wiesen die Sorten
in der Blattdicke auf. Während ‘Allouette‘ und ‘Timor‘ die vergleichsweise dünnsten Blattspreiten hat-
ten, waren sie bei ‘LDSPD 19-0012‘, ‘Eland‘ und ‘Melville‘ am dicksten.
Die Ertragsergebnisse sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Über die Qualitätseigenschaften des Sorti-
ments informiert Tabelle 2.
Kultur- und Versuchshinweise
Aussaattermin:
26.03.2021
Auflauftermin:
08.04.2021
Erntetermin:
21.05. bis 02.06.2021
Reihenabstand:
11,5 cm (2,2 Mio. Korn/ha)
Erntezeitpunkt:
Schoss ca. 2 cm lang
Ernte:
Babyleaf-Ernter
Feldhaltbarkeit:
bis Blüte sichtbar

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Hervorragende Erträge beim Frühanbau von Spinat nach einem kühlen
und feuchten Frühjahr
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Tab. 1: Ertragsergebnisse Spinatsorten im Frühanbau– Dresden-Pillnitz 2021
Sorte/Herkunft
Resistenzen
(Züchterangaben)
Entwick-
lungszeit
[d]
Feldhalt-
barkeit
[d]
Ertrag
[kg/m²]
Trocken-
substanz-
gehalt
[%]
Ertrag bei
TS von 9 %
[kg/m²]
Frühe Reifegruppe
Bylot F
1
(SVS)
Pe 1-7, 9-18
61
7
3,67
7,7
3,14
El Giga F
1
(Syn)
Pe 1-18
60
6
3,49
7,7
2,98
Gorilla F
1
(RZ)
Pe 1-15, 17
60
8
3,46
7,7
2,96
Solomon F
1
(SVS)
Pe 1-9, 11-16, 18
60
6
3,93
7,3
3,18
SPI 02975 F
1
(Sak)*
Pe 1-12, 14-16
56
5
3,14
6,4
2,24
SV 5845 F
1
(SVS)
Pe 1-7, 9-18
61
7
3,04
7,6
2,55
Grenzdifferenz (5 %)
0,50
Mittelfrühe Reifegruppe
Allouette F
1
(SVS)
Pe 1-7, 9, 11, 13, 15, 18
67
4
3,99
9,6
4,27
Austin F
1
(PV)
Pe 1-18
67
3
4,72
9,2
4,85
Bilby F
1
(RZ)
Pe 1-15, 17, IR: 16, 18, 19
65
5
4,74
8,7
4,57
Eland F
1
(RZ)
Pe 1-15, 17, 18 ,IR: 16, 19
65
4
4,49
8,5
4,23
LDSPD 19-0012 F
1
(Syn)
Pe 1-18
67
3
4,21
9,0
4,21
Melville F
1
(SVS)
Pe 1-15, 17
65
4
4,65
wurde nicht erfasst
Novico F
1
(Nun)
Pe 1-12, 14-16, 19
65
5
4,55
9,4
4,73
Sonoma F
1
(PV)
Pe 1-15, 17, 19
65
4
4,91
8,3
4,55
Spirico F
1
(Nun)
Pe 1-19
67
3
4,12
9,4
4,31
Timor F
1
(SVS)
Pe 1-7, 9-18
65
4
4,48
8,4
4,17
Grenzdifferenz (5 %)
0,36
Zeichenerklärung: * orientalischer Typ

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Tab. 2: Qualitätsparameter Spinat im Frühanbau – Dresden-Pillnitz 2021
Sorte
Bestan-
des-
höhe
[cm]
Einheit-
lichkeit
[1-9]
Blatthal-
tung
[1-9]
Blatt-
farbe
[1-9]
Blatt-
dicke
[1-9]
Blatt-
form
[1-9]
Bla-
sig-
keit
[1-9]
Falscher
Mehl-
tau
[1-9]
Frühe Reifegruppe
Bylot F
1
31
8
9
5
4
5
3
1
El Giga F
1
29
9
8
5
6
5
3
1
Gorilla F
1
29
8
8
4
6
5
3
1
Solomon F
1
31
9
9
4
5
4
4
1
SPI 02975 F
1
32
9
9
8
7
3
2
1
SV 5845 F
1
28
8
8
5
6
5
4
1
Mittelfrühe Reifegruppe
Allouette F
1
33
9
9
6
4
5
4
1
Austin F
1
32
9
9
6
6
7
3
1
Bilby F
1
31
8
8
5
5
5
5
1
Eland F
1
31
8
8
5
7
6
4
1
LDSPD 19-0012 F
1
31
8
7
7
8
7
4
1
Melville F
1
29
9
9
7
7
6
3
1
Novico F
1
32
8
9
5
5
5
4
1
Sonoma F
1
32
8
8
7
5
4
4
1
Spirico F
1
33
8
8
6
6
6
5
1
Timor F
1
35
9
9
5
4
5
5
1
Legende:
1
5
9
Einheitlichkeit
fehlend
mittel
sehr hoch
Blatthaltung
halbaufrecht
aufrecht
sehr aufrecht
Blattfarbe
hellgrün
grün
dunkelgrün
Blattdicke
sehr dünn
mittel
sehr dick
Blattform
spitz
oval
rund
Blasigkeit
fehlend
mittel
sehr stark
Falscher Mehltau
fehlend
mittel
sehr stark

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Überraschend kurze Feldhaltbarkeit bei der Juniernte später Spinatsorten
im Frühjahrsanbau
40
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Die Ergebnisse – kurzgefasst
Im Versuch "Spinat im Frühanbau" wurden 2021 am Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und
Geologie in Dresden-Pillnitz
17
mittelfrühe, mittelspäte und späte Sorten geprüft. Nach einem kühlen und
regnerischen April/Mai begann Anfang Juni nach der Umstellung des Wetters auf frühsommerliche
Temperaturen zügig die Ernte. Das allgemeine Ertragsniveau war mit deutlich über 3 kg/m² sehr
hoch, wobei die späten Sorten gegenüber den früheren Reifegruppen leicht abfielen. Zwischen den
Sorten ließen sich signifikante Ertragsunterschiede erkennen. Die Feldhaltbarkeit war mit maximal
5 Tage für diese Reifegruppen als gering einzustufen.
Versuchsfrage und Versuchshintergrund
Für den Frühanbau von Spinat für die Verarbeitungsindustrie kommen für die Aussaattermine Mitte
April vorrangig mittelfrühe, mittelspäte und späte Sorten zum Einsatz. Das aktuelle Sortiment und Neu-
züchtungen galt es auf ihre Anbaueignung insbesondere auch im Hinblick auf Resistenz gegen den Fal-
schen Mehltau zu prüfen.
Ergebnisse im Detail
Der
Witterungsverlauf
im Frühjahr 2021 war im Vergleich zu den letzten Jahren untypisch. Der April
war mit Tagesmitteltemperaturen von 6,2° C rund 4 K kälter als die langjährigen Mittelwerte. Nachts
traten vermehrt leichte Bodenfröste auf. Dadurch kam es zu einem deutlich verzögerten Auflaufen der
Bestände. Auch der Mai blieb viel zu kühl. Erst ab Ende Mai stiegen die Temperaturen stark an und
erreichten zur Ernte in den ersten Junitagen anhaltend frühsommerliche Werte bis 29 °C. Da ausrei-
chend natürliche Niederschläge fielen, musste der Spinat nicht beregnet werden.
Der
Gesundheitszustand
des Spinats war als sehr gut einzustufen. Im Bestand konnten keine Erkran-
kungen oder Schädlinge nachgewiesen werden. Mit der Benennung von 2 neuen Rassen (Pe 18 [in Eu-
ropa nachgewiesen] und Pe 19 [nur in den USA nachgewiesen]) wurden die Züchterangaben zur Resis-
tenz der Sorten gegenüber dem Erreger gegen den Falschen Mehltau, soweit bereits bekannt, ange-
passt. Seit diesem Jahr wird der Falsche Mehltau an Spinat unter dem wissenschaftlichen Namen
Pe-
ronospora effusa
(Pe) (ex:
Peronospora farinosa
f. sp. s
pinaciae
(Pfs) geführt.
Mittelfrühe Reifegruppe
Mittelfrühe Sorten sind für die Aussaattermine bis Mitte April nur noch bedingt geeignet, da bei der
Ernte Anfang Juni durch mögliche hohe Temperaturen die Schossgefahr stark ansteigt. Bis auf den Sa-
voy-Spinat ‘El Madison‘ standen alle mittelfrühen Sorten auch im 1. Satz, der am 26.03.21 gesät wurde
(LATTAUSCHKE, 2021). Beim diesjährigen Witterungslauf (kühles Wetter bis Ende Mai, dann frühsommer-
liche Hitze) fiel die Ernte der beiden Sätze fast zusammen. Die mittelfrühen Spinate des 2. Satzes wur-
den so nur 1 bis 3 Tage nach denen des 1. Satzes geerntet. Die hohen Temperaturen nahmen auch
wesentlichen Einfluss auf die Feldhaltbarkeit (Erscheinen der Blüten), die mit 3 bis 5 Tagen relativ kurz
war. Wie schon im 1. Satz, verzeichneten die Sorten durchschnittlich sehr hohe Erträge, die allerdings

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Überraschend kurze Feldhaltbarkeit bei der Juniernte später Spinatsorten
im Frühjahrsanbau
41
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nicht ganz an die aus dem 1. Satz heranreichten. Aus ertraglicher Sicht unterschieden sie sich signifi-
kant, wobei ‘Novico‘, ‘Bilby‘ und ‘Spirico‘ zu den ertragreichsten Varietäten zählten. Den Höchstertrag
mit 3,91 kg/m² erreichte der als leistungsstark bekannte ‘Novico‘. Im Gegensatz zu den Mitbewerbern
ist bei ihm nach wie vor die fehlende Resistenz gegen die 13. Rasse des Falschen Mehltaus kritisch
anzumerken. Mit ‘Austin‘ und ‘Spirico‘ verfügen dem gegenüber 2 Sorten bereits über eine vollständige
Resistenz gegen den Erreger des Falschen Mehltaus. Der Trockensubstanzgehalt lag in der mittelfrühen
Reifegruppe witterungsbedingt (Regen kurz vor der Ernte) unter den zu erwartenden ca. 9 %. Die Be-
stände verzeichneten mit 28 bis 32 cm eine gute Höhe. Nur ‘El Madison‘ (Savoy-Typ) lag mit 26 cm
darunter. Die Sorte hatte im Vergleich zu den meist mittelgrünen Mitbewerbern als einzige dunkel-
grüne Blätter.
Mittelspäte Reifegruppe
Die mittelspäten Sorten begannen bei den anhaltend hohen Temperaturen fast zeitgleich mit den mit-
telfrühen Spinaten den Schoss auszubilden. Dementsprechend musste das gesamte mittelspäte Sorti-
ment bei einer mittleren Schosshöhe von 2 cm bereits 1 Tag nach der mittelfrühen Reifegruppe geern-
tet werden. Temperaturbedingt war auch hier die Feldhaltbarkeit mit nur 2 bis 5 Tagen für die Varie-
täten dieser Reifegruppe ungewöhnlich kurz. Die Erträge waren in etwa mit denen der mittelfrühen
Sorten zu vergleichen und bewegten sich in einer Spanne von 3,1 bis 3,9 kg/m² auf einem hohen Ni-
veau. Innerhalb dieser Gruppe ließen sich signifikante Ertragsunterschiede erkennen. Zu den leistungs-
stärksten Sorten sind ‘El Tango‘, ‘Fagot‘, ‘SV 5981‘ und ‘PV 1612‘ zu zählen. Insbesondere ‘Fagot‘ fiel
durch einem außergewöhnlich hohen Trockensubstanzgehalt von 11,9 % auf. Mit der Neuzüchtung
‘PV 1612‘ kann zum gegenwärtigen nur einer Sorte die vollständige Mehltauresistenz bescheinigt wer-
den. Die Bestandeshöhen waren mit überwiegend 27 bis 29 cm ausreichend. ‘Borneo‘ unterschied sich
durch einen gedrungenen Wuchs und erreichte nur eine Höhe von 24 cm. Die Sorte wies in dieser
Gruppe auch das dunkelste Blatt auf und hatte zusammen mit ‘SV 5981‘ die höchste Blattdicke.
Späte Reifegruppe
Die 4 späten Sorten erreichten durchgängig 3 Tage nach den mittelspäten Spinaten die Schnittreife.
Bemerkenswert war die für diese Reifegruppe mit nur 2 bis 3 Tagen ausgesprochen kurze Feldhaltbar-
keit. Mit rund 3 bis 3,5 kg/m² blieben die Erträge der späten Sorten im Mittel geringfügig hinter denen
der früheren Reifegruppen zurück. Signifikante Ertragsunterschiede ließen sich nicht abbilden. Bei dem
nun trockeneren Witterungsverlauf stiegen die Trockensubstanzgehalte des Erntegutes auf Werte von
über 10 % an. Bei den Qualitätsparametern war vor allem die etwas geringere Blattdicke der Neuzüch-
tung ‘PV 1599‘ auffällig. Ansonsten waren die Sorten im Wesentlichen untereinander gut vergleichbar.
Die Ertragsergebnisse sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Über die Qualitätseigenschaften des Sorti-
ments informiert Tabelle 2.

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Überraschend kurze Feldhaltbarkeit bei der Juniernte später Spinatsorten
im Frühjahrsanbau
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Kultur- und Versuchshinweise
Aussaattermin:
09.04.2021
Auflauftermin:
24.04.2021
Erntetermin:
02.06. bis 07.06.2021
Reihenabstand:
11,5 cm (2,2 Mio. Korn/ha)
Erntezeitpunkt:
Schoss ca. 2 cm lang oder beginnende Vergilbung der Bestände
Ernte:
Babyleaf-Ernter
Feldhaltbarkeit:
bis Blüte sichtbar
Tab. 1: Ertragsergebnisse Spinatsorten im Frühanbau– Dresden-Pillnitz 2021
Sorte/Herkunft
Resistenzen
(Züchterangaben)
Entwick-
lungszeit
[d]
Feldhalt-
barkeit
[d]
Ertrag
[kg/m²]
Trocken-
substanz-
gehalt
[%]
Ertrag bei
TS von 9 %
[kg/m²]
Mittelfrühe Reifegruppe
Austin F
1
(PV)
Pe 1-18
54
5
3,10
8,7
3,01
Bilby F
1
(RZ)
Pe 1-15, 17, IR: 16, 18, 19
54
5
3,81
7,8
3,29
El Madison F
1
(Syn)
Pe 1-7, 9-19
55
3
3,42
7,8
2,97
Novico F
1
(Nun)
Pe 1-12, 14-16, 19
55
4
3,91
8,2
3,56
PV 1568 F
1
(PV)
Pe 1-15, 17, 18; IR: 16
55
3
3,16
7,9
2,68
Spirico F
1
(Nun)
Pe 1-19
55
4
3,57
7,0
2,78
Grenzdifferenz (5 %)
0,42
Mittelspäte Reifegruppe
Berkner F
1
(SVS)
Pe 1-15, 17
56
5
3,39
8,7
3,29
Borneo F
1
(SVS)
Pe 1-15, 17,
56
5
3,12
8,5
2,96
El Tango F
1
(Syn)
Pe 1-6, 8-17, 19
56
3
3,93
8,0
3,51
Fagot F
1
(PV)
Pe 1-9, 11-15, 17, 19;
IR: 10, 16, 18
56
4
3,83
11,9
4,69
PV 1612 F
1
(PV)
Pe 1-18
56
4
3,57
8,2
3,24
SVVC 5793 F
1
(SVS)
Pe 1-9, 9-17
56
3
3,46
8,9
3,41
SV 5981 F
1
(SVS)
Pe 1-7, 9-17
56
2
3,65
8,7
3,52
Grenzdifferenz (5 %)
0,39
Späte Reifegruppe
Antigua F
1
(SVS)
Pe 1-9, 11-16, 18, 19
59
3
3,11
10,1
3,49
PV 1599 F
1
(PV)
Pe 1-9, 11-15, 19;
IR: 10, 16, 18
59
3
3,42
10,1
3,85
Santa Cruz F
1
(PV)
Pe 1-15, 17, 19
59
3
3,14
10,6
3,70
SV 5883 F
1
(PV)
Pe 1-7, 9-18
59
2
3,42
9,4
3,57
Grenzdifferenz (5 %)
n.s.

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Überraschend kurze Feldhaltbarkeit bei der Juniernte später Spinatsorten
im Frühjahrsanbau
43
Dr. Gerald Lattauschke | Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Abteilung Gar-
tenbau| Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden| gerald.lattauschke@smekul.sachsen.de| 0351-26128700
Tab. 2: Qualitätsparameter Spinat im Frühanbau – Dresden-Pillnitz 2021
Sorte
Bestan-
des-
höhe
[cm]
Einheit-
lichkeit
[1-9]
Blatt-hal-
tung
[1-9]
Blatt-
farbe
[1-9]
Blatt-
dicke
[1-9]
Blatt-
form
[1-9]
Bla-
sig-
keit
[1-9]
Fal-
scher
Mehl-
tau
[1-9]
Mittelfrühe Reifegruppe
Austin F
1
28
8
8
5
7
7
3
1
Bilby F
1
30
8
7
5
6
6
3
1
El Madison F
1
26
9
7
9
7
8
8
1
Novico F
1
33
8
8
5
6
5
4
1
PV 1568 F
1
29
7
6
6
7
6
4
1
Spirico F
1
32
8
8
6
5
5
5
1
Mittelspäte Reifegruppe
Berkner F
1
26
8
7
6
6
8
4
1
Borneo F
1
24
7
7
7
7
8
4
1
El Tango F
1
27
7
8
6
5
6
3
1
Fagot F
1
27
7
7
6
5
6
3
1
PV 1612 F
1
29
8
7
5
6
7
3
1
SVVC 5793 F
1
27
8
8
6
7
7
5
1
SV 5981 F
1
28
7
7
6
5
6
4
1
Späte Reifegrupp
Antigua F
1
28
8
7
7
8
6
3
1
PV 1599 F
1
29
8
7
7
5
4
3
1
Santa Cruz F
1
26
8
8
6
6
5
6
1
SV 5883 F
1
26
8
8
6
6
7
5
1
Legende:
1
5
9
Einheitlichkeit
fehlend
mittel
sehr hoch
Blatthaltung
halbaufrecht
aufrecht
sehr aufrecht
Blattfarbe
hellgrün
grün
dunkelgrün
Blattdicke
sehr dünn
mittel
sehr dick
Blattform
spitz
oval
rund
Blasigkeit
fehlend
mittel
sehr stark
Falscher Mehltau
fehlend
mittel
sehr stark
Literatur
LATTAUSCHKE, G. (2021): Hervorragende Erträge beim Frühanbau von Spinat nach einem kühlen und
feuchten Frühjahr.
www.hortigate.de

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Witterungsbedingte Terminverschiebung reduziert die Erträge von Herbst-
spinat spürbar
44
Dr. Gerald Lattauschke | Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Abteilung Gar-
tenbau| Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden| gerald.lattauschke@smekul.sachsen.de| 0351-26128700
Die Ergebnisse – kurzgefasst
Im Versuch "Spinat im Herbstanbau" wurden 2021 am Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie in Dresden-Pillnitz
14
frühe und mittelfrühe Sorten geprüft. Auf eine witterungsbedingt zu
späte Aussaat bei den letzten möglichen Saatterminen im Herbst und einem in der Folge durchschnittlicher
Witterungsverlauf im September/Oktober reagierten die meisten Sorten mit einem reduzierten Wachstum
und zum Teil erheblichen Ertragsverlusten im Vergleich zu den Resultaten der letzten Jahre.
Versuchsfrage und Versuchshintergrund
Für die letzten Sätze im Herbstanbau von Spinat für die Verarbeitungsindustrie (Hackspinat) kommen
für den Aussaattermin Mitte August vorrangig frühe und mittelfrühe Sorten zum Einsatz. Das aktuelle
Sortiment und Neuzüchtungen galt es auf seine Anbaueignung insbesondere auch im Hinblick auf Re-
sistenz gegen den Falschen Mehltau zu prüfen.
Ergebnisse im Detail
Der
Witterungsverlauf
im Herbst 2021 waren als durchschnittlich einzustufen. Während der Zeitraum
von der Aussaat bis Ende August zu kühl Tagesmittel 15,4 °C und regenreich (75 mm) war, lagen die
mittleren Temperaturen im September bei 15,8 bzw. 10,4 °C und damit im Bereich der langjährigen
Mittelwerte. In den beiden Monaten fielen allerdings nur 30 mm Niederschlag. Wegen des regenrei-
chen Wetters im August musste der Aussaattermin um mehrere Tage nach hinten verschoben werden.
Der
Gesundheitszustand
des Spinats war als sehr gut einzustufen. Im Bestand konnten keine Erkran-
kungen oder Schädlinge nachgewiesen werden. Gegen Falschen Mehltau wurden keine Fungizidsprit-
zungen durchgeführt. Mit der Benennung von 2 neuen Rassen (Pe 18 [in Europa nachgewiesen] und
Pe 19 [nur in den USA nachgewiesen]) wurden die Züchterangaben zur Resistenz der Sorten gegenüber
dem Erreger des Falschen Mehltau, soweit bekannt, angepasst.
Frühe Reifegruppe
In der frühen Reifegruppe war neben den glattblättrigen Typen mit ‘SPI 02975‘ ein orientalischer Spinat
vertreten, der sich im Herbst in der Entwicklungszeit nicht von glattblättrigen Sorten unterschied. Die
frühen Sorten wurden Anfang Oktober innerhalb 1 Woche geerntet. Die glattblättrigen Sorten waren
bereits aus den Versuchen der letzten Jahre bekannt. Bis auf ‘Gorilla‘ verfügen sie alle über eine Resis-
tenz gegen die neu beschriebene 18. Rasse des Erregers des Falschen Mehltaus. Bei ‘SPI 02975‘ ist das
Fehlen der Pe 13 kritisch anzumerken.
Das Wachstum der Sorten verlief wegen des verspäteten Aussaattermins bei durchschnittlichen Wit-
terungsverhältnisse recht zögerlich und sie erreichten nur Bestandeshöhen von 23 bis 27 cm, was rund
10 cm hinter den erwarteten Werten zurückblieb. Die Ernte wurde dann aufgrund beginnender Vergil-
bungen der unteren Blätter eingeleitet. Dementsprechend blieb das Ertragsniveau mit 1,4 bis 2,4 kg/m²
weit hinter den gesteckten Zielen zurück. Sicher ist der verspätete Aussaattermin für die geringen Er-

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Witterungsbedingte Terminverschiebung reduziert die Erträge von Herbst-
spinat spürbar
45
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tenbau| Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden| gerald.lattauschke@smekul.sachsen.de| 0351-26128700
träge mitverantwortlich. Die Sorten selbst zeigten untereinander signifikante Ertragsunterschiede, wo-
bei die 3 Sorten (‘Solomon‘, SPI 02975‘, ‘El Giga‘) mit 55 Tagen Entwicklungs-dauer (1 Woche länger als
die übrigen Vergleichssorten) den zuerst geernteten Varietäten überlegen waren.
In den Qualitätsparametern zeigten sich nur geringfügige Unterschiede. So konnten ‘SPI 02975‘ und
‘Solomon‘ durch eine sehr aufrechte, erntefreundliche Blattstellung gefallen. Während die frühen Sor-
ten meist hellgrün bis mittelgrün waren, fiel ‘SPI 02975‘ in diesem Segment durch eine dunkelgrüne
Ausfärbung auf. ‘Bylot‘ hatte die vergleichsweise dünnsten Blattspreiten.
Mittelfrühe Reifegruppe
Die mittelfrühe Reifgruppe war mit Ausnahme der Neuzüchtung ‘LDSPD 19-0012‘ ausnahmslos mit aus
der Vergangenheit bekannten Sorten besetzt. Mit ‘Spirico‘ wies ein Spinat bereits eine vollständige
Mehltauresistenz auf (Pe 1-19). Keinen Schutz gegen die neue Rasse Pe 18 bieten nur ‘Melville‘ und
‘Sonoma‘. Die Ernte wurde bei alle Sorten am 20. Oktober durchgeführt, nachdem über mehrere Tage
kein nennenswerter Zuwachs in den Beständen zu erkennen war und im unteren Pflanzenbereich die
ersten Vergilbungserscheinungen auftraten. Wie schon bei den frühen Sorten ist auch hier auf die un-
genügende Bestandeshöhe (20 bis 26 cm) hinzuweisen. Dementsprechend ordneten sich auch die Er-
träge auf einem eher bescheidenen Niveau (1,2 bis 1,8 kg/m²) ein. Mit ‘Spirico‘, ‘Timor‘, ‘Sonoma‘ und
‘Austin‘ lagen dabei 4 Sorten im Ertrag signifikant vor den Mitbewerbern.
In den Qualitätseigenschaften unterschieden sich die einzelnen Sorten in erster Linie in der Blattfarbe
sowie -dicke. Während ‘Allouette‘, ‘Timor‘ und ‘Sonoma‘ zu den mittelgrünen Typen zu zählen sind,
gehören ‘Austin‘ und ‘LDSPD 19-0012‘ zu den dunkelgrünen Varietäten. Gemeinsam mit ‘Melville‘ wie-
sen letztgenannte auch die dicksten Blattspreiten auf. Demgegenüber waren die Blätter von ‘Timor‘
vergleichsweise dünn.
Die Ertragsergebnisse sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Über die Qualitätseigenschaften des Sorti-
ments informiert Tabelle 2.
Kultur- und Versuchshinweise
Aussaattermin:
19.08.2021
Auflauftermin:
26.08.2021
Erntetermin:
05.-20.10.2021
Reihenabstand:
11,5 cm (2,2 Mio. Korn/ha)
Erntezeitpunkt:
beginnende Vergilbung der Bestände von unten
Ernte:
Grünfutterparzellenernter

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Witterungsbedingte Terminverschiebung reduziert die Erträge von Herbst-
spinat spürbar
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Tab. 1: Ertragsergebnisse Spinatsorten im Herbstanbau– Dresden-Pillnitz 2021
Sorte/Herkunft
Resistenzen
(Züchterangaben)
Entwick-
lungszeit
[d]
Ertrag
[kg/m²]
Trocken-
substanz-
gehalt
[%]
Ertrag bei
TS von 9 %
[kg/m²]
Frühe Reifegruppe
Blobfish F
1
(RZ)
Pe 1-7, 9, 11-18;
IR: 8, 10, 19
47
1,57
11,4
1,98
Bylot F
1
(SVS)
Pe 1-7, 9-18
47
1,54
9,8
1,67
El Giga F
1
(Syn)
Pe 1-18
55
1,98
10,7
2,34
Gorilla F
1
(RZ)
Pe 1-15, 17
47
1,52
9,1
1,54
Solomon F
1
(SVS)
Pe 1-9, 11-16, 18, 19
55
2,40
8,7
2,33
SPI 02975 F
1
(Sak)*
Pe 1-12, 14-16
55
2,11
9,7
2,26
SV 5845 F
1
(SVS)
Pe 1-7, 9-18
47
1,44
9,8
1,57
Grenzdifferenz (5 %)
0,42
Mittelfrühe Reifegruppe
Allouette F
1
(SVS)
Pe 1-7, 9, 11, 13, 15, 18
62
1,33
9,9
1,47
Austin F
1
(PV)
Pe 1-18
62
1,57
11,4
1,98
LDSPD 19-0012 F
1
(Syn)
Pe 1-18
62
1,21
11,5
1,54
Melville F
1
(SVS)
Pe 1-15, 17
62
1,47
11,2
1,83
Sonoma F
1
(PV)
Pe 1-15, 17, 19
62
1,65
11,8
2,17
Spirico F
1
(Nun)
Pe 1-19
62
1,77
11,5
2,25
Timor F
1
(SVS)
Pe 1-7, 9-18
62
1,73
11,9
2,28
Grenzdifferenz (5 %)
0,24
Zeichenerklärung: * orientalischer Typ

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Witterungsbedingte Terminverschiebung reduziert die Erträge von Herbst-
spinat spürbar
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Tab. 2: Qualitätsparameter Spinat im Herbstanbau – Dresden-Pillnitz 2021
Sorte
Bestan-
des-
höhe
[cm]
Einheit-
lichkeit
[1-9]
Blatt-hal-
tung
[1-9]
Blatt-
farbe
[1-9]
Blatt-
dicke
[1-9]
Blatt-
form
[1-9]
Bla-
sig-
keit
[1-9]
Fal-
scher
Mehl-
tau
[1-9]
Frühe Reifegruppe
Blobfish F
1
27
8
6
5
7
5
3
1
Bylot F
1
25
8
7
4
5
5
3
1
El Giga F
1
23
7
6
6
6
5
3
1
Gorilla F
1
24
8
6
4
6
5
3
1
Solomon F
1
27
8
8
4
6
4
3
1
SPI 02975 F
1
27
9
9
8
7
3
2
1
SV 5845 F
1
23
7
7
5
7
5
5
1
Mittelfrühe Reifegruppe
Allouette F
1
22
8
5
6
6
5
4
1
Austin F
1
20
6
6
8
8
8
4
1
LDSPD 19-0012 F
1
23
5
6
8
9
7
3
1
Melville F
1
21
6
6
7
8
7
4
1
Sonoma F
1
23
6
6
6
6
4
3
1
Spirico F
1
25
8
7
7
7
5
4
1
Timor F
1
26
7
7
6
5
5
4
1
Legende:
1
5
9
Einheitlichkeit
fehlend
mittel
sehr hoch
Blatthaltung
halbaufrecht
aufrecht
sehr aufrecht
Blattfarbe
hellgrün
grün
dunkelgrün
Blattdicke
sehr dünn
mittel
sehr dick
Blattform
spitz
oval
rund
Blasigkeit
fehlend
mittel
sehr stark
Falscher Mehltau
fehlend
mittel
sehr stark

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Spinatsorten im frühen Herbstanbau auf einem vergleichbaren Niveau
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Die Ergebnisse – kurzgefasst
Im Versuch "Spinat im frühen Herbstanbau" wurden 2021 am Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirt-
schaft und Geologie in Dresden-Pillnitz
14
mittelfrühe, mittelspäte und späte Sorten geprüft. Das Sorten-
spektrum deckte sich mit den im Frühanbau geprüften Sorten. Der Versuch wurde durch Auflaufprobleme
(bodenbürtige Erkrankungen, Herbizidschäden) zum Teil beeinflusst, sodass einige Sorten nicht ausgewertet
werden konnten. Das allgemeine Ertragsniveau lag bei für diesen Anbauzeitraum typischen Ergebnissen (ca.
2 kg/m²). Signifikante Ertragsunterschiede zwischen den Sorten traten nicht auf. Die Mehrzahl der Sorten
verfügt über ein den Anforderrungen entsprechendes Resistenzniveau gegenüber dem Falschen Mehltau.
Versuchsfrage und Versuchshintergrund
Für den frühen Herbstanbau von Spinat für die Verarbeitungsindustrie (Hackspinat) kommen für den
Aussaattermin Ende Juli/Anfang für die Ernte ab Mitte September vorrangig mittelspäte und späte Sor-
ten zum Einsatz. In geringem Umfang können auch mittelfrühe Sorten angebaut werden. Das aktuelle
Sortiment und Neuzüchtungen galt es auf ihre Anbaueignung insbesondere auch im Hinblick auf Resis-
tenz gegen den Falschen Mehltau zu prüfen.
Ergebnisse im Detail
Der
Witterungsverlauf
im August/September 2021 entsprach in etwa den langjährigen Mittelwerten.
Während die Durchschnittstemperatur im August um 2,3 K hinter den Durchschnittswerten zurückblie-
ben, war der September 1,2 K zu warm. Mit 105 mm fielen die Niederschläge im August überreichlich
aus. Der September brachte dagegen nur 13 mm natürlichen Niederschlag, sodass der Spinat mehrmals
beregnet werden musste.
Der
Gesundheitszustand
des Spinats war als sehr gut einzustufen. Im Bestand konnten keine Erkran-
kungen oder Schädlinge nachgewiesen werden. Gegen Falschen Mehltau wurden keine Fungizidsprit-
zungen durchgeführt. Mit der Benennung von 2 neuen Rassen (Pe 18 [in Europa nachgewiesen] und
Pe 19 [nur in den USA nachgewiesen]) wurden die Züchterangaben zur Resistenz der Sorten gegenüber
dem Erreger des Falschen Mehltau, soweit bekannt, angepasst. Aus nicht geklärter Ursache verzeich-
neten einige Sorten Probleme bei der Bestandesetablierung und wurden wegen zu lückiger Bestände
nicht in die Auswertung einbezogen. Neben Befall durch bodenbürtige Pathogene (u.a.
Pythium
spp.)
kann auch eine phytotoxische Wirkung von Goltix Gold nach Regenfällen nicht gänzlich ausgeschlossen
werden.
Mittelfrühe Reifegruppe
Die Aussaat mittelfrüher Spinatsorten im August, kann bei hochsommerlicher Temperaturen durchaus
zum vorzeitigen Schossen führen. Bei der diesjährigen Witterung bestand allerdings keine diesbezügli-
che Gefahr. Nach 41 Tagen Entwicklungszeit zeigten die mittelfrühen Spinate dann die ersten Blüten-
ansätze und wurden geerntet. Zu diesem Zeitpunkt erreichte der spitzblättrige ‘Blobfish‘ mit 34 cm die
insgesamt größte Bestandeshöhe aller Sorten im Versuch. Bei einem Trockensubstanzgehalt um die
9 % lagen die Erträge, für diesen Erntezeitraum typisch, im Bereich von 2,0 bis 2,4 kg/m². Obwohl sich
die Sorten nicht signifikant im Ertrag unterschieden, verzeichnete die vergleichsweise dickblättrigste

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Spinatsorten im frühen Herbstanbau auf einem vergleichbaren Niveau
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Sorte ‘Eland‘ den Höchstertrag. Mit ‘Spirico‘ war hier der einzige Spinat mit vollständiger Mehltaure-
sistenz (Pe 19) vertreten.
Mittelspäte Reifegruppe
Die Ernte der mittelspäten Sorten begann 2 bis 7 Tage nach der der mittelfrühen Sorten. ‘El Tango‘
ordnete sich dabei im Übergangsbereich zu den mittelfrühen Sorten ein. Der Erntetermin wurde über-
wiegend auf der Grundlage von beginnenden Blattvergilbungen im unteren Pflanzenbereich terminiert.
Nur vereinzelt (‘El Tango‘) wurden auch noch sich entwickelnde Schosser gefunden. Mit 8 Sorten bil-
deten die mittelspäten Sorten die größte Gruppe im Versuch. Viele der Sorten verfügen bereits über
eine sehr hohe Resistenz gegenüber den in Europa vorherrschenden Mehltaurassen (bis Rasse 18). Die
Erträge variierten zwischen 1,8 und 2,5 kg/m². Aufgrund der erheblichen Streuung im Ertragsniveau
zwischen den einzelnen Wiederholungen innerhalb einer Sorte ergaben sich keine signifikanten Er-
tragsunterschiede. Hervorzuheben ist dennoch ‘Fagot‘, der mit 2,5 kg/m² den höchsten Ertrag ver-
zeichnete und auch zwischen den Wiederholungen relativ konstant in der Ertragsleistung war. Im Tro-
ckensubstanzgehalt lagen die Sorten ähnlich wie die mittelfrühen Spinate meist um die üblichen 9 %.
Größere Abweichungen vom Mittelwert wurden nur bei ‘Austin‘ (7,6 %) und ‘El Tango‘ (11,3 %) festge-
stellt. Mit Ausnahme von ‘Austin‘ (30 cm) und ‘Fagot‘ (29 cm) betrugen die Bestandeshöhe 25 bis
26 cm. Niedrige Boniturnoten (Note 5) in der Einheitlichkeit deuteten bei den Sorten auf Probleme bei
der Bestandesformierung hin. In der Blattfarbe streuten die Sorten von mittelgrün (‘Fagot‘) bis dunkel-
grün (‘Borneo‘, ‘El Madison‘). ‘Borneo‘ wies auch die stärkste Blattdicke im Sortiment auf.
Späte Reifegruppe
Der späten Reifegruppe wurden nur 2 Sorten ‘Santa Cruz‘ und ‘Jolo‘ (ex: ‘SVVC 5883‘) zugeordnet.
Beide Sorten gelangten 3 Tage nach den mittelspäten Varietäten, ebenfalls wegen beginnender Vergil-
bungen, zur Ernte. Im Ertragsniveau waren sie mit ca. 2 kg/m² untereinander vergleichbar. Beide hatten
auch ein geringfügig höheren Trockensubstanzgehalt als die Spinate der anderen Reifegruppen. Im Re-
sistenzniveau ist bei ‘Santa Cruz‘ auf das Fehlen der Resistenz gegenüber der Rasse 18 hinzuweisen.
Sowohl in der Bestandeshöhe als auch in den weiteren Qualitätsparametern waren sich beide Sorten
recht ähnlich und genügten den Anforderung vollständig.
Die Ertragsergebnisse sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Über die Qualitätseigenschaften des Sorti-
ments informiert Tabelle 2.
Kultur- und Versuchshinweise
Aussaattermin:
03.08.2021
Auflauftermin:
11.08.2021
Erntetermin:
13. bis 20.09.2021
Reihenabstand:
11,5 cm (2,2 Mio. Korn/ha)
Erntezeitpunkt:
Schosser ca. 2 cm lang oder beginnende Vergilbung der Bestände
Ernte:
Grünfutterparzellenernter

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Spinatsorten im frühen Herbstanbau auf einem vergleichbaren Niveau
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Tab. 1: Ertragsergebnisse Spinatsorten im frühen Herbstanbau– Dresden-Pillnitz 2021
Sorte/Herkunft
Resistenzen
(Züchterangaben)
Entwick-
lungszeit
[d]
Ertrag
[kg/m²]
Trocken-
substanz-
gehalt
[%]
Ertrag bei
TS von 9 %
[kg/m²]
Mittelfrühe Reifegruppe
Bilby F
1
(RZ)
Pe 1-15, 17
IR: 16, 18, 19
41
2,03
8,5
1,62
Blobfish F
1
(RZ)
Pe 1-7, 9, 11-18
IR: 8, 10, 19
41
2,30
9,1
2,32
Eland F
1
(RZ)
Pe 1-15, 17, 18 IR: 16, 19
41
2,40
9,2
2,47
Spirico F
1
(Nun)
Pe 1-19
41
2,21
8,8
2,15
Grenzdifferenz (5 %)
n.s.
Mittelspäte Reifegruppe
Austin F
1
(PV)
Pe 1-18
45
2,27
7,6
1,92
Berkner F
1
(SVS)
Pe 1-15, 17
48
1,68
9,9
1,84
Borneo F
1
(SVS)
Pe 1-15, 17
48
1,89
8,5
1,78
El Madison F
1
(Syn)
Pe 1-7, 9-19
48
1,83
9,5
1,94
El Tango F
1
(Syn)
Pe 1-6, 8-17, 19 IR: 7
43
1,99
11,3
2,49
Fagot F
1
(PV)
Pe 1-9, 11-15, 17, 19
IR: 10, 16, 18
48
2,54
9,1
2,57
SV 5981 F
1
(SVS)
Pe 1-7, 9-18
48
1,76
9,1
1,79
SVVC 5793 F
1
(SVS)
Pe 1-7, 9-18
48
2,13
8,4
1,98
Grenzdifferenz (5 %)
n.s.
Späte Reifegruppe
Jolo F
1
(SVS)
Pe 1-7, 9-18
51
1,93
10,0
2,13
Santa Cruz F
1
(PV)
Pe 1-15, 17, 19
51
2,06
11,5
2,64
Grenzdifferenz (5 %)
n.s.

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Spinatsorten im frühen Herbstanbau auf einem vergleichbaren Niveau
51
Dr. Gerald Lattauschke | Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Abteilung Gar-
tenbau| Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden| gerald.lattauschke@smekul.sachsen.de| 0351-26128700
Tab. 2: Qualitätsparameter Spinat im frühen Herbstanbau – Dresden-Pillnitz 2021
Sorte
Bestan-
des-
höhe
[cm]
Einheit-
lichkeit
[1-9]
Blatt-hal-
tung
[1-9]
Blatt-
farbe
[1-9]
Blatt-
dicke
[1-9]
Blatt-
form
[1-9]
Bla-
sig-
keit
[1-9]
Fal-
scher
Mehl-
tau
[1-9]
Mittelfrühe Reifegruppe
Bilby F
1
27
6
6
5
4
5
6
1
Blobfish F
1
34
6
7
4
4
3
3
1
Eland F
1
32
7
8
5
6
5
4
1
Spirico F
1
28
7
7
5
5
5
6
1
Mittelspäte Reifegruppe
Austin F
1
30
5
5
6
6
6
5
1
Berkner F
1
25
5
6
6
7
7
6
1
Borneo F
1
25
5
6
8
8
8
7
1
El Madison F
1
25
6
4
9
6
7
9
1
El Tango F
1
26
5
6
6
6
6
4
1
Fagot F
1
29
7
7
5
7
6
4
1
SV 5981 F
1
26
6
7
7
7
6
6
1
SVVC 5793 F
1
26
7
7
6
6
7
6
1
Späte Reifegruppe
Jolo F
1
26
6
7
7
8
8
6
1
Santa Cruz F
1
28
7
8
6
7
8
5
1
Legende:
1
5
9
Einheitlichkeit
fehlend
mittel
sehr hoch
Blatthaltung
halbaufrecht
aufrecht
sehr aufrecht
Blattfarbe
hellgrün
grün
dunkelgrün
Blattdicke
sehr dünn
mittel
sehr dick
Blattform
spitz
oval
rund
Blasigkeit
fehlend
mittel
sehr stark
Falscher Mehltau
fehlend
mittel
sehr stark

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Babyleaf-Spinat im Frühanbau durch ungünstige Witterungsabläufe in Mit-
leidenschaft gezogen
52
Dr. Gerald Lattauschke | Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Abteilung Gar-
tenbau| Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden| gerald.lattauschke@smekul.sachsen.de| 0351-26128700
Die Ergebnisse – kurzgefasst
Im Versuch "Babyleaf-Spinat im Frühanbau“ 2021 wurden am Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirt-
schaft und Geologie 18 glattblättrige (smooth) und 14 semi-savoy Sorten geprüft. Durch kaltes Wetter im
April und Mai verschob sich die Ernte um rund eine Woche. Regenfälle zum Erntetermin beeinflussten zu-
sätzlich die termingerechte Ernte, sodass die Bestände erst ab 13 cm Höhe geschnitten werden konnten.
Der Anteil an Sorten mit vollständiger Resistenz gegen den Falschen Mehltau ist nach der Benennung von
zwei neuen Rassen (Pe 18, 19) erwartungsgemäß noch vergleichsweise gering. Das allgemeine Ertragsniveau
kann als sehr hoch eingestuft werden. Ebenso waren die Qualitätsparameter in Anbetracht der Witterungs-
bedingungen als sehr gut zu bewerten.
Versuchsfrage und Versuchshintergrund
Der Markt für Babyleaf-Spinat entwickelt sich in Deutschland progressiv. Je nach Wünschen des Le-
bensmitteleinzelhandels wird der Spinat mit Blattlängen (Blattspreiten) von 5 bis 8 cm (Babyleaf) oder
10 bis 15 cm (Teenleaf) geerntet. Der vorliegende Versuch ist ausschließlich auf die Produktion von
Babyleaf-Spinat ausgerichtet. Um die gewünschten Blattlängen zu erreichen, sollten die Bestände bei
Bestandeshöhen von bis zu 12 cm geschnitten werden. Von den Sorten erwartet man neben einer gu-
ten Blattkonsistenz und -struktur, einer eher dunkelgrünen Blattfarbe vor allem eine hohe Einheitlich-
keit, eine geringe Stiellänge, flach abstehende Keimblätter sowie hohe Widerstandskraft gegen Krank-
heiten. Sorten mit umfassender Resistenz (Pe 1-18, Pe 1-19) gegen den Falschen Mehltau werden be-
vorzugt. Das Sortiment beinhaltet sowohl glattblättrige (smooth) als auch (semi)savoy-Typen in ver-
schiedenen Grüntönen (mittel- bis dunkelgrün).
Ergebnisse im Detail
Der
Witterungsverlauf
im Frühjahr 2021 war im Vergleich zu den letzten Jahren untypisch. Während
die Aussaatbedingungen noch als sehr gut eingestuft werden konnten, war der April mit Tagesmittel-
temperaturen von 6,2° C rund 4 K kälter als die langjährigen Mittelwerte. Nachts traten vermehrt
leichte Bodenfröste auf. Auch der Mai blieb deutlich zu kühl. Somit verzögerte sich die Ernte um rund
eine Woche. Da ausreichend natürliche Niederschläge fielen, musste der Spinat nicht beregnet wer-
den. Problematisch waren allerdings Niederschläge zu den Ernteterminen, die ein Befahren der Be-
stände zeitweise unmöglich machten und es zu 2 bis 3-tägigen Erntetermin-verschiebungen kam.
Der
Gesundheitszustand
des Spinats war als sehr gut einzustufen. Im Bestand konnten keine Erkran-
kungen oder Schädlinge nachgewiesen werden. Einzelne, nach der Herbizidbehandlung verbliebene
Unkräuter wurden händisch entfernt. Mit der Benennung von 2 neuen Rassen (Pe 18 [in Europa nach-
gewiesen] und Pe 19 [nur in den USA nachgewiesen]) wurden die Züchterangaben zur Resistenz der
Sorten gegenüber dem Erreger gegen den Falschen Mehltau, soweit bereits bekannt, angepasst. Seit
diesem Jahr wird der Falsche Mehltau an Spinat unter dem wissenschaftlichen Namen
Peronospora
effusa
(Pe) (ex:
Peronospora farinosa
f. sp. s
pinaciae
(Pfs) geführt.

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Babyleaf-Spinat im Frühanbau durch ungünstige Witterungsabläufe in Mit-
leidenschaft gezogen
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Der
Erntezeitpunkt
sollte mit einer durchschnittlichen Blattlänge von 5 bis 8 cm erfolgen. Die dafür
erforderliche Bestandeshöhe von ca. 12 cm zur Ernte konnte, wie oben beschrieben, witterungsbe-
dingt nicht eingehalten werden. Deshalb wurde eine minimale Bestandeshöhe von 13 cm als Erntekri-
terium festgelegt.
Aufgrund der großen Vielfalt an
Spinatsorten
für die Babyleaf-Produktion erfolgt im Weiteren die Aus-
wertung getrennt nach den Sortentypen (glattblättrig [smooth] bzw. semi-savoy oder savoy). Da es
seitens der Verarbeiter auch unterschiedliche Anforderungen hinsichtlich der Farbe gibt, werden die
Sortimente auch noch nach mittelgrünen sowie dunkelgrünen Spinaten unterschieden.
Die Ertragsergebnisse der
glattblättrigen Babyleaf-Spinate
sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Über
ihre Qualitätseigenschaften informiert Tabelle 3.
In der
frühen Reifegruppe
standen 5 mittelgrüne Sorten von denen sich ‘Frontier‘ (Pe 1-19) und
‘Laredo‘ (Pe 18) durch eine für Europa derzeit vollständige Resistenz gegenüber dem Falschen Mehltau
auszeichneten. Nach einer Entwicklungszeit von 52 Tagen wurden die Sorten am 17.5.21 mit einer Be-
standeshöhe von 14 bis 16 cm geschnitten. Der eigentliche Erntetermin am 14.5.21 mit einer Bestan-
deshöhe von ca. 12 cm konnte wegen anhaltenden Regenfällen nicht eingehalten werden. ‘Laredo‘ war
dabei die schnellste Sorte. Passend zu dieser Wetterlage war der Trockensubstanzgehalt bei allen Sor-
ten mit 7,3 bis 8,3 % sehr gering. Die Erträge fielen mit 1,7 bis 1,8 kg/m² sehr hoch aus, wobei sich
zwischen den Sorten keine signifikanten Ertragsunterschiede ergaben. Bei den Qualitätsparametern
war zunächst die etwas zu helle Farbe von ‘SV 5845‘ (Industriesorte) auffällig. ‘Laredo‘ hatte im Ver-
gleich die geringste Blattdicke. Die Keimblätter hatten im Wesentlichen bei allen Sorten eine halbauf-
rechte Stellung, was aufgrund ihrer noch mittelgrünen Farbe, die recht gut mit der der Laubblätter
korrespondierte, nicht weiter ins Gewicht fiel.
Unter den 3 dunkelgrünen frühen Varietäten zeichnete sich ‘Dallas‘ (Pe 1-18) mit dem höchsten Resis-
tenzniveau gegenüber dem Falschen Mehltau aus. Analog den mittelgrünen frühen Sorten wurden
auch sie wegen des Regens rund 3 Tage zu spät geerntet und verzeichneten demzufolge nach 52 Tagen
Entwicklungszeit ebenfalls Bestandeshöhen von 14 bis 16 cm. Mit 1,5 bis 1,7 kg/m² blieben die Erträge
geringfügig hinter denen der mittelgrünen Sorten zurück, erreichten aber immer noch ein sehr hohes
Niveau. Aus ertraglicher Sicht gab es keine signifikanten Unterschiede. Auch in Bezug auf die Qualitäts-
parameter, die den Anforderungen entsprachen, zeigten sich keine nennenswerten Differenzen.
Die
mittelfrühe Reifegruppe
bestand aus 2 mittelgrünen Sorten, die beide nach 52 Tage Entwicklungs-
zeit mit einer Bestandeshöhe von 13 cm geerntet wurden. Beide Sorten sind auch aus dem Anbau von
Verarbeitungsspinat bekannt. Ihr Ertragsniveau lag vergleichbar im Bereich um 1,5 kg/m². ‘Spirico‘
(Pe 1-19) zeichnet sich durch vollständige Resistenz gegenüber dem Falschen Mehltau aus. Die Blattdi-
cke kann einheitlich als mittel bis dick eingestuft werden. Die Blattstellung bei ‘Spirico‘ war leicht über-
hängend. Die halbaufrechten Keimblätter hatten aufgrund ihrer mittelgrünen Blattfarbe keinen nega-
tiven Einfluss auf die Qualität des Erntegutes.
Umfangreich, dem Trend zu Sorten mit dunkleren Blattspreiten folgend, war die Gruppe der mittelfrü-
hen dunkelgrünen Sorten besetzt. Hier waren insgesamt 7 Varietäten vertreten, von denen ‘Traverse‘

Versuche im deutschen Gartenbau 2021
GEMÜSEBAU
Babyleaf-Spinat im Frühanbau durch ungünstige Witterungsabläufe in Mit-
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(Pe 1-19) und ‘Denton‘ (Pe 1-18) das höchste Resistenzniveau gegenüber dem Falschen Mehltau vor-
wiesen. In der Entwicklungszeit folgten sie bei ‘Wachstumswetter‘ schon nach 1 bis 2 Tagen auf die
frühen Sorten. Ihre Bestandeshöhen variierten zwischen 13 und 15 cm. Obwohl die Erträge (1,5 bis
2,7 kg/m²
)
signifikante Sortenunterschiede verzeichneten, ist zu beachten, dass bei der Ernte von ‘Den-
ton‘, ‘SPW 19000‘ und ‘Traverse‘ am 19.5.21 heftige Regenfälle einsetzten und die Sorten überwiegend
nass geerntet wurden, woraus letztlich die sehr hohen Frischmasseerträge resultierten. Der Trocken-
massegehalt lag bei diesen Sorten zur Ernte dann bei nur knapp 7 %. Ansonsten war das allgemeine
Ertragsniveau auch hier als sehr gut einzustufen. In den Qualitätsparametern fiel ‘Traverse‘ im Hinblick
auf die Einheitlichkeit des Bestandes sowie auf die Blattstellung leicht ab. Auch hatte diese Sorte die
vergleichsweise geringste Blattdicke (Note 5). Bei ‘El Lucio‘, ‘Fantail‘ und ‘Traverse‘ konnte ein begin-
nendes Vergilben der Keimblätter beobachtet werden.
Mit ‘Crosstrek‘ wurde bei einer Entwicklungszeit von 55 Tagen nur eine Sorte der
mittelspäten Reife-
gruppe
zugeordnet. Die Sorte verfügt über eine vollständige Mehltauresistenz und wurde den mittel-
grünen Varietäten zugeordnet. Ihr Ertragsniveau (1,7 kg/m²) kann bei einer Bestandeshöhe von 12 cm
als sehr gut eingeschätzt werden. Bei den Qualitätsparametern fiel die überhängende Blattstellung,
gepaart mit vergleichsweise dünnen (Note 4) Blattspreiten auf. Die doch schon zum Teil vergilbten
Keimblätter sind bei einer halbaufrechten Stellung negativ anzumerken.
Die Ertragsergebnisse der (
semi)savoy Babyleaf-Spinate
sind in Tabelle 2 zusammengefasst. Über ihre
Qualitätseigenschaften informiert Tabelle 3.
In der
frühen Reifgruppe
präsentierten sich in diesem Jahr 5 mittelgrüne semi-savoy Spinate. Ähnlich,
wie bei den glattblättrigen frühen Sorten, konnte auch hier wegen der Witterung der optimale Ernte-
termin nicht realisiert werden und die Spinate wurden erst nach 52 Tagen am 17.5.21 mit einer Be-
standeshöhe von 14 bis 15 cm geerntet. Dabei erwies sich ‘Cocopah‘ als die schnellste Sorte. Bezüglich
des Resistenzniveaus sind ‘Cocopah‘, ‘Kiowa‘ und ‘PV 1526‘ hervorzuheben. Das Ertragsniveau war
auch hier überdurchschnittlich und verzeichnete mit 1,7 bis 1,8 g/m² Spitzenwerte. Aus ertraglicher
Sicht unterschieden sich die Sorten nicht. Auch bei diesen Sorten war der Trockensubstanzgehalt mit
7,2 bis 8,6 % vergleichsweise niedrig. Die Blattstellung war für semi-savoy Typen überraschend relativ
aufrecht. Dagegen wurde die Blattdicke nur mit mittleren Noten bewertet. Die Blasigkeit war, sicher
jahreszeitlich bedingt, bei ‘Cocopah‘, ‘PV 1526‘ und ‘Sioux‘ vergleichsweise schwach ausgebildet. Auf-
grund der dichten Bestände zeigten einige Sorten schon absterbende (gelbe) Keimblätter, die aber be-
reits mehr oder weniger auf dem Boden auflagen und somit die Qualität des Erntegutes nicht beein-
flussten.
Die Neuzüchtung ‘SV 2146‘ wurde als einzige dunkelgrüne Sorte der frühen Reifgruppe zugeordnet.
Der Ertrag und die Bestandeshöhe waren mit denen der glattblättrigen Sorten vergleichbar. Von allen
frühen Sorten hatte ‘SV 2146‘ die dunkelsten Blattspreiten.
In der
mittelfrühen Reifegruppe
standen 4 dunkelgrüne Sorten, von denen ‘Hydrus‘ und ‘PV 1569‘ eine
vollständige Mehltauresistenz besitzen. Bei der Ernte am 19.5.21 wurden das Erntegut von ‘Kona‘ und
‘PV 1569‘ zum Teil nass, woraus die sehr hohen Frischmasseerträge resultierten. Im Ertragsniveau fiel

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‘Hydrus‘ signifikant gegenüber den Vergleichssorten ab. Die Sorte hatte allerdings den höchsten Tro-
ckensubstanzgehalt (10 %). Die Blasigkeit war bei allen 4 Sorten typisch für semi-savoy Spinate.
‘PV 1569‘ fiel durch die vergleichsweise dünnsten Blattspreiten auf. Die Keimblätter waren zum Teil
noch mittelgrün gefärbt. Wenn sie bereits vergilbten, lagen sie in der Regel schon recht dicht auf dem
Boden auf.
In der
mittelspäte Reifegruppe
war mit 4 dunkelgrünen Varietäten vertreten. Keine der Sorten kann
eine vollständige Mehltauresistenz vorweisen. Nach 55-tägiger Entwicklungszeit wurden die Spinate
mit einer Bestandeshöhe von 12- bis 13 cm geschnitten. Obwohl die Sorten wegen der Streuung zwi-
schen den Wiederholungen keine signifikanten Ertragsunterschiede aufwiesen, fiel die langsamste der
4 Sorten ‘Magnetic‘ im Ertrag (1,5 kg/m²) tendenziell leicht ab. Mit 1,7 bis 2,0 kg/m² erreichten die