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Kontakt: Herr Lutz-Florian Otto, SBS
Tel. 03501 / 542 335
E-mail: Lutz.Otto@smul.sachsen.de
www.smul.sachsen.de/lfulg
KLIMAFOLGENMONITORING SACHSEN
Ausbreitung forstwirtschaftlich relevanter,
Wärme liebender Insektenarten
Kennnummer:
I-F6
Sektor:
Wald- und Forstwirtschaft
Indikatorart:
Impact (Klimafolgen)
Stand:
Juli 2016
Der Indikator verdeutlicht Arealverschiebungen bzw. –ausweitungen von forstlich relevanten, Wärme
liebenden Insektenarten. Neben der Klimaentwicklung müssen aber auch Standortbedingungen oder
menschliche Aktivitäten mitberücksichtigt werden. Somit sind Trendaussagen nur in Verbindung mit an-
deren Indikatoren sinnvoll.
1. Definition
Zweck des Indikators ist es, anhand von
Arealverschiebungen bzw. –ausweitungen von
forstlich relevanten, wärmeliebenden Insekten-
arten klimabedingte Änderungen hinsichtlich der
Größe
und
der
Eignung
der
vorhandenen
Lebensräume zu erkennen. Für forstschädliche
Insektenarten ist das vor allem hinsichtlich
möglicher Schäden in der Zukunft bedeutsam.
Dabei
kommt
der
Einwanderung
neuer
Schadorganismen eine besondere Bedeutung zu.
Für nützliche bzw. indifferente Arten können noch
Artenschutzaspekte eine Rolle spielen.
2. Datenquelle
Unter Berücksichtigung der vorhandenen Res-
Abbildung 1:
Angaben zum Auftreten des Kiefernprozessionsspinners aus dem routinemäßigen Waldschutz-
monitoring und deren räumliche Darstellung auf Basis der jeweiligen Erfassungseinheiten für die
Jahre 2006 bis 2016

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sourcen sollen auch für diesen Indikator geeignete
Angaben aus dem routinemäßigen und gesetzlich
verankerten Waldschutzmonitoring abgeleitet wer-
den. Dies führt einerseits zur Einschränkung des
Artenspektrums auf vorwiegend schädliche Insek-
tenarten, andererseits sind damit auch schon jetzt
die Erstellung von Zeitreihen und die Ableitung
von Verbreitungsgebieten möglich. Wie bereits bei
den Indikatoren F1 und F5 dargestellt, werden die
Basisdaten entsprechend der gültigen Zuständig-
keitsverteilung durch unterschiedliche Behörden
erfasst. Da einheitliche Verfahren vorgegeben sind
und die fachliche Kompetenz aller Beteiligten ge-
währleistet ist, kann von einer gleich bleibenden
Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit der Daten aus-
gegangen werden.
3. Berechnung
Für die Erfassung dieses Parameters ist ein flä-
chendeckendes, ggf. stichprobenbasiertes Monito-
ringsystem erforderlich. Entsprechend den Vorga-
ben des Pflanzenschutzgesetzes bzw. des Säch-
sischen Waldgesetzes existiert mit dem Wald-
schutzmonitoring ein dafür nutzbares Verfahren für
Schadinsekten. Mit der flächendeckenden Über-
wachung der Waldbestände hinsichtlich des Auf-
tretens von Quarantäneschaderregern, insbeson-
dere Insekten, ist darin auch die Zuwanderung
besonders relevanter bisher gebietsfremder Arten
berücksichtigt. Die Nutzung des Waldschutzmoni-
torings als ein eingeführtes und mit Altdaten unter-
legtes Verfahren als Datenquelle für diesen Indika-
tor ist ein Vorteil. In wieweit für forstlich ebenfalls
Abbildung 2:
Standorte des Waldschutzmonitorings verschiedener forstlich relevanter Schadinsekten diffe-
renziert nach Zuständigkeit der Bearbeitung (grün – SBS, blau – untere Forstbehörden)
Abbildung 3:
Standorte des Waldschutzmonitorings der Nonne (
Lymantria monacha
) mittels Pheromonfallen
und ihr traditionelles Verbreitungs- (Schad-) gebiet in Sachsen (EBERT 1968, geänd. APEL
et.al.)

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relevante Arten aus der Gruppe der Nützlinge aus
Sicht des Artenschutzes geeignete Monitoringsys-
teme bestehen, ist nicht bekannt.
Das Waldschutzmonitoring basiert auf flächende-
ckenden Beobachtungen und z. T. auf Ergebnis-
sen von speziellen Erhebungen auf Basis einer
Stichprobe. Die Nachweisgrenzen beider Vorge-
hensweisen sind unbekannt und artspezifisch. So
wird z. B. bei der flächendeckenden Beobachtung
das Auftreten einer blatt- bzw. nadelfressenden Art
schneller erkannt als das einer Art, die zu unspezi-
fischen Schäden wie Verfärbungen oder Nekrosen
führt.
Eine quantitative Untersetzung dieses Indikators
erfolgt durch Angaben zu Ort, Zeit und ggf. Intensi-
tät des Auftretens einer forstwirtschaftlich relevan-
ten, wärmeliebenden Insektenart. Voraussetzung
dafür ist ein Netz von Beobachtungspunkten. Zu
differenzieren ist dabei zwischen regelmäßigen
und zufälligen Beobachtungen sowie dem Einsatz
eines gezielten Verfahrens (siehe oben). Entspre-
chend der artspezifischen Lebensweise der Insek-
tenarten ist eine Fokussierung auf ausgewählte
Arten und potenzielle Areale notwendig.
4. Grafiken
Die oben stehende Abbildung 1 zeigt eine Zeitrei-
he von Beobachtungsdaten des flächendeckenden
Waldschutzmonitorings am Beispiel des Auftretens
des Kiefernprozessionsspinners. Da diese Daten
nicht verortet werden, sind sie räumlich nur für die
jeweiligen Befundeinheiten der für Ihre Erfassung
zuständigen Behörden darstellbar. Diese Art und
Weise der Datenerfassung stellt derzeit die me-
thodisch bedingte Begrenzung für die räumliche
Auflösung von Arealveränderungen dar.
In Abbildung 2 sind die Standorte der entspre-
chenden Kontrollbestände (Stichprobe) dargestellt,
an denen mit speziellen Monitoringverfahren das
Auftreten verschiedener relevanter Schadinsekten
(Kieferngroßschädlinge, Fichtengespinstblattwes-
pe, Buchdrucker und Kupferstecher und blattfres-
sende Arten an Laubbaumarten) erfasst wird. Die
unterschiedliche Farbe der Standorte zeigt die
Zuständigkeiten für die Durchführung. Der SBS
erfasst das Auftreten im Rahmen eines betriebli-
chen Waldschutzmonitorings im Landeswald (grü-
ne Punkte). Die unteren Forstbehörden in den
Landkreisen und kreisfreien Städten führen das
Waldschutzmonitoring in den Privat- und Körper-
schaftswäldern durch (blaue Punkte)
Das Waldschutzmonitoring ist entsprechend den
pflanzenschutzrechtlichen Grundlagen auf die
Überwachung der Schadinsekten in ihren bekann-
ten Schadgebieten fokussiert. Abbildung 3 ver-
deutlicht dies am Beispiel des Monitorings der
Nonne mittels Pheromonfallen (thematischer Aus-
zug aus Abb. 2). Die Monitoringstandorte konzent-
Abbildung 4:
Aktuelle Befallsgebiete des Eichenprozessionsspinners in den angrenzenden Bundesländern
sowie die Verteilung der Standorte des artspezifischen Monitorings mittels Pheromonfallen und
die bisherigen Nachweise durch die Forstbehörden in Sachsen.

rieren sich auf das bekannte Verbreitungs-
(Schad-) gebiet dieser Art. Deren Randbereiche, in
denen als erstes mit einer Arealausweitung zu
rechnen ist, werden dabei nicht speziell überwacht
(siehe z. B. Forstbezirk Leipzig).
Die Abbildung 4 zeigt das Vorgehen für einen Fall,
in dem Sachsen mittelfristig von der Areal-
ausweitung eines Insektes betroffen sein könnte.
Dargestellt ist das aktuelle Befallsgebiet des nicht
nur forstlich relevanten Eichenprozessionsspin-
ners in den angrenzenden Bundesländern sowie
die Verteilung der Standorte des artspezifischen
Monitorings und die bisherigen Nachweise durch
die Forstbehörden in Sachsen. Die Grafik verdeut-
licht auch, dass im den konkreten Fall die Areal-
ausdehnung eventuell auch durch naturräumliche
Gegebenheiten (Höhenlage über NN.) begrenzt
wird.
5. Klimasensitivität und Bewertung
Das Verbreitungsareal einer Art wird neben den
klimatischen Rahmenbedingungen durch weitere
standörtliche Parameter und insbesondere das
Vorhandensein geeigneter Wirtspflanzen (Art, Al-
ter, Struktur ihres Vorkommens u. a.) bestimmt.
Hinzu kommen noch die Möglichkeiten einer Ein-
schleppung durch Vektoren bzw. menschliche
Aktivitäten (Transport von Befallsmaterial). Die
Konstellation dieser Einflussfaktoren ist art- und
situationsspezifisch. Eine eindeutige Interpretation
dieses Indikators ist damit nicht möglich. In Ver-
bindung mit anderen Indikatoren und unter Be-
rücksichtigung der weiteren, in hohem Maße be-
kannten Einflussfaktoren, sind Trendaussagen
möglich.
Dieser Indikator steht im engen Zusammenhang
mit den Indikatoren I-F1 und I-F5. Dabei zeigt der
Indikator I-F1 vergleichbare Trends mit dem Errei-
chen wirtschaftlicher Schadschwellen an. Der Indi-
kator I-F5 ist sensitiv gegenüber zeitlichen Ände-
rungen in der Entwicklung forstlich relevanter In-
sekten und ergänzt damit die räumliche Perspekti-
ve vom Indikator I-F6.
6. Hinweise
Da für diesen Indikator im Wesentlichen auf Er-
gebnisse des langjährig etablierten Waldschutz-
monitorings zurückgegriffen wird, stehen für einige
Arten mehrjährige Zeitreihen zur Verfügung. Die
notwendige vollständige Auswertung der Daten-
reihen erfordert die Bereitstellung entsprechender
Ressourcen für das Fachreferat. Geeignete Mög-
lichkeiten wie z.B. die befristete Einstellung im
Rahmen der Personalbudgetierung werden lau-
fend geprüft.
Da die Überwachung der Forstschadinsekten im
Privat- und Körperschaftswald durch die unteren
Forstbehörden an den LK erfolgt und die Bereit-
stellung aller Daten, insbesondere der Ortsanga-
ben, über den LK hinweg nicht eindeutig geregelt
ist, könnten zukünftig Datenlücken entstehen bzw.
sich abzeichnende Lücken ausweiten.
Die vorhandenen Datenbestände wären hin-
sichtlich der Lokalisierung aktueller Verbrei-
tungsareale auszuwerten. Die Eignung der der-
zeit praktizierten Verfahren ist zu überprüfen
und ggf. zu modifizieren. Dies gilt vor allem hin-
sichtlich der räumlichen Auflösung der Ortsbe-
züge der Daten.
Die aktuellen Verfahren könnten unter Berück-
sichtigung des erforderlichen Aufwandes ggf.
modifiziert werden. In diesen Prozess müssen
alle mit der Datenerfassung befassten Behör-
den integriert werden. Ebenfalls wäre eine
fachübergreifende Kooperation über den Pflan-
zenschutz hinweg sinnvoll.
Im Ereignisfall könnte kurzfristig ein geeignetes
georeferenziertes Erfassungsverfahren einge-
richtet werden. Voraussetzung für die Einbin-
dung verschiedener, in der Fläche agierender
und fachlich geeigneter Verwaltungen oder an-
derer Organisationsformen in ein derartiges
Verfahren wäre eine entsprechende Ermächti-
gungsgrundlage.
Der erwartete Zusammenhang: Klimaänderung
==> Änderung im Verbreitungsareal des Forst-
insekts ==> forstwirtschaftliche Folgen, ist bis-
her nicht quantifizierbar und z.T. auch nicht
eindeutig determinierbar.