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LUA-Mitteilungen 04/2020
LANDESUNTERSUCHUNGS-
ANSTALT FÜR DAS GESUNDHEITS-
UND VETERINÄRWESEN

│1
Inhaltsverzeichnis
Humanmedizin
Epidemiologische Information für den Freistaat Sachsen ......................................................................................................................................... 2
Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung der Masern im Freistaat Sachsen .......................................................................................... 7
Merkblatt Masern ........................................................................................................................................................................................................17
Trinkwasserverordnung und deren Grenzwerte ..........................................................................................................................................................19
Leitungsgebundene Trinkwasserspender in Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen ......................................................................22
Lebensmitteluntersuchungen
Olivenöl – zwischen Qualität und Fälschung ..............................................................................................................................................................24
Süße Weihnachtsleckereien – Unterschiede und Besonderheiten ........................................................................................................................26
Die Mikrovinifizierung sächsischer Weine und die EU-Weindatenbank
.............................................................................................................32
Veterinärmedizin
Das Sektionsprogramm: Ein wichtiger Bestandteil in der Tierseuchendiagnostik............................................................................................35
Neue Rechtsbestimmungen im Bereich des LFGB – 3. Quartal 2020 ..................................................................................................................38
Beschwerdeproben-Report für Lebensmittel und Bedarfsgegenstände sowie Tabakerzeugnisse ..............................................................41
BSE-Untersuchungen 3. Quartal 2020..........................................................................................................................................................................42
Tollwutuntersuchungen 3. Quartal 2020 .....................................................................................................................................................................42
Salmonellenberichterstattung im Freistaat Sachsen 3. Quartal 2020 .................................................................................................................43

2 │
Epidemiologische Information für den Freistaat
Sachsen
3. Quartal 2020 (vom 29.06. – 27.09.2020)
Borreliose
Die Anzahl der gemeldeten Erkrankungsfälle (n = 948) lag et-
was unter dem Niveau des 5-Jahresmittelwertes (n = 1.014). Im
Vergleich zum 3. Quartal des Vorjahres (n = 1.182) gab es 20 %
weniger Neuerkrankungen.
In den meisten Fällen wurde symptomatisch ein Erythem ange-
geben. 21-mal lag eine neurologische Symptomatik (darunter
6-mal mit Meningitis - Nachweis im Liquor) und in einem Fall
ein arthritischer Krankheitsverlauf vor.
Clostridioides difficile-Infektion, schwerer Verlauf
Im 3. Quartal des Jahres wurden 22 schwere Verläufe einer
Clostridioides difficile
-Infektion übermittelt. Es verstarben ins-
gesamt 9 Patienten (5 Frauen und 4 Männer) im Alter zwischen
69 und 98 Jahren an den Folgen der Infektion.
COVID-19
Im dritten Quartal des Jahres entfielen auf den Freistaat
Sach-
sen 1.771 Infektionen, womit sich eine Neuerkrankungsrate von
43,5 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner und ein Rückgang
zum Vorquartal um 49 % errechnete. Handelte es sich noch im
Juli bei einem Drittel der Fälle um Reisrückkehrer in den Alters-
gruppen der der 15- bis unter 25-Jährigen sowie der Erwachse-
nen zwischen 25 bis 49 Jahren, konnte bereits im August eine
deutliche Zunahme der Infektionen und eine leichte Verschie-
bung in die höheren Altersgruppen beobachtet werden.
Ausbrüche wurden u. a. im Zusammenhang mit Familienhäufun-
gen, Busreisegruppen (teils auch ins Ausland), Schulen, Senio-
renwohnheimen, medizinischen Einrichtungen sowie verschie-
denen Wohnstätten und in Arbeitsteams erfasst. Weiterhin kam
es zu insgesamt 42 Infektionen unter Beschäftigten eines säch-
sischen Geflügelschlacht- und Verarbeitungsbetriebs.
15 Männer und 8 Frauen im Alter zwischen 65 und 94 Jahren
verstarben an den Folgen der Infektion. Der Altersmedian lag bei
83 Jahren. Die meisten der Betroffenen litten unter bestehen-
den Grunderkrankungen, wie z. B. Herzinsuffizienz, Hypertonie,
Demenz und Diabetes mellitus.
Denguefieber
Es erkrankten ein 23 Jahre alter Mann nach einem Aufenthalt in
Singapur sowie eine 58-Jährige nach ihrer Rückkehr aus Peru.
FSME
Im Berichtsquartal wurden 15 labordiagnostisch bestätigte Er-
krankungen übermittelt, bei denen es sich bis auf einen 16-Jäh-
rigen um Erwachsene im Alter zwischen 28 und 77 Jahren han-
delte. 13 Personen mussten stationär therapiert werden. Eine
54-jährige Frau hatte 1992 eine FSME-Impfung erhalten; bei al-
len anderen Patienten war eine Impfung bisher nicht erfolgt. Die
meisten der Betroffenen zeigten allgemeine Krankheitszeichen, 4
eine meningitische Symptomatik (Erregernachweis aus Liquor).
Als Expositionsorte wurden genannt: die Stadtkreise Chemnitz,
Dresden, die Landkreise Mittelsachsen, Sächsische Schweiz-Ost-
erzgebirge, der Erzgebirgs-, der Vogtlandkreis sowie der Saale-
Holzlandkreis in Thüringen. Ein Patient hatte sich im Infektions-
zeitraum in Polen bzw. Litauen aufgehalten.
Haemophilus influenzae-Erkrankung, invasiv
Der übermittelte Fall betraf einen 76-jährigen Mann, der mit
einer Pneumonie erkrankte. Der Nachweis von
Haemophilus in-
fluenzae
gelang aus der Blutkultur.
Keuchhusten
Im Berichtszeitraum errechnete sich aus den übermittelten 8
Erkrankungen eine Neuerkrankungsrate von 0,2 Erkrankungen
pro 100.000 Einwohner, was im Vergleich zum Vorquartal (0,7
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner) einem deutlichen Rück-
gang der Inzidenz entsprach. Verglichen mit dem Vorjahres-
zeitraum (n = 214) wurden rund 96 % weniger Erkrankungen
registriert.
Zusätzlich kamen 7 Keimträger zur Meldung, bei denen das kli-
nische Bild fehlte bzw. nicht vollständig ausgeprägt war. Von
den 8 erkrankten Betroffenen mit dem Nachweis von
Bordetella
pertussis
war die Hälfte nicht bzw. nur unvollständig gegen Per-
tussis geimpft.
Die aktuell ungewöhnlich niedrigen Infektionszahlen sind mit
sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Folge der in dieser Zeit be-
stehenden Corona-Schutzmaßnahmen in der Bevölkerung.
Legionellose
Die 23 übermittelten Fälle betrafen 17 männliche und 6 weib-
liche Patienten im Alter zwischen 33 und 93 Jahren, die mit
Pneumonie erkrankten. Die Erregernachweise wurden mittels
Antigen-Nachweis aus Urin bzw. mittels PCR aus Sekreten des
Respirationstraktes geführt. Bei zwei der Betroffenen kann der
Aufenthalt in Hotels in Bulgarien bzw. Italien als Expositionsort
angenommen werden. Bei allen anderen fanden sich keine kon-
kreten Hinweise zur Infektionsquelle.
Leptospirose
Bei den 2 Betroffenen handelte es sich um einen 17-Jährigen
sowie einen 65 Jahre alten Mann. Die Patienten aus unter-
schiedlichen Landkreisen zeigten allgemeine Krankheitszeichen,
Fieber sowie Atem- bzw. Nierenfunktionsstörungen und wurden
beide stationär behandelt. Mittels Antikörpernachweis (einzel-
ner deutlich erhöhter Wert) konnte eine Infektion mit
Leptospi-
ra interrogans
diagnostiziert werden. Es ergaben sich in beiden
Fällen keine Hinweise auf die mögliche Infektionsquelle.
Listeriose
Im Berichtszeitraum kamen 13 Listeriosen zur Meldung. Eine 87
Jahre alte Frau, die mit schwerer Kolitis erkrankte und einen
septischen Krankheitsverlauf zeigte, verstarb an den Folgen der
Infektion.
Listeriose, angeborene Infektion
Eine 26 Jahre alte Frau erkrankte bereits im August in der
37. SSW mit Fieber und allgemeinen Krankheitszeichen und es

│3
kam zur Frühgeburt eines weiblichen Säuglings. Der Erreger-
nachweis
Listeria monocytogens
Serovar 1/2a erfolgte sowohl
aus mütterlichem Gewebe, als auch aus Abstrichmaterial des
Neugeborenen. Hinweise auf die Infektionsquelle ergaben sich
nicht.
Meningitiden
Im Quartal wurden 25 Erkrankungen übermittelt. Durch welche
Erreger diese verursacht waren ist aus Tabelle 1 ersichtlich. Be-
rücksichtigt sind hier nur die Fälle, bei denen der Erregernach-
weis aus dem Liquor der Patienten erfolgte. Todesfälle kamen
nicht zur Meldung.
Tabelle 1: Erkrankungen mit dem klinischen Bild Meningi-
tis/Enzephalitis in Sachsen (Vergleich 3. Quartal
2020 zum 3. Quartal 2019)
Erreger
3. Quartal 2020
3. Quartal 2019
Erkran-
kung
Tod Inzi-
denz
Erkran-
kung
Tod Inzi-
denz
bakt. Erreger gesamt
11
-
0,27
16
1
0,39
Borrelien
6
-
0,15
10
-
0,25
Haemophilus influenzae
-
-
-
1
-
0,02
Listerien
2
-
0,05
1
1
0,02
Meningokokken
-
-
-
1
-
0,02
Pneumokokken
3
-
0,07
3
-
0,07
virale Erreger gesamt
14
-
0,34
43
-
1,05
Enterovirus
-
-
-
15
-
0,37
FSME-Virus
4
-
0,10
6
-
0,15
Herpesvirus
3
-
0,07
4
-
0,07
Varizella-Zoster-Virus
7
-
0,17
18
-
0,44
Gesamtzahl
25
-
0,61
59
1
1,45
MRSA-Infektion (invasive Erkrankung)
Im Berichtszeitraum wurden 17 Infektionen übermittelt. Mit ei-
nem Anteil von 76 % war die Altersgruppe der über 65-Jährigen
am häufigsten betroffen. Die MRSA-Nachweise wurden aus Blut
geführt. Es kamen keine Todesfälle zur Meldung.
CA-MRSA-Nachweis
Im 3. Quartal 2020 kamen 20 Nachweise (16 Infektionen und 4
Kolonisationen) zur Übermittlung. Es handelte sich um 7 Kinder
im Alter zwischen einem und 13 Jahren, 5 Jugendliche (14 bis
18 Jahre) sowie um Erwachsene zwischen 19 und 68 Jahren. Auf
alle Infektionen bezogen, lag der Altersmedian bei 15 Jahren.
2 Fälle waren vermutlich auslandsassoziiert. Die Nachweise bei
den Patienten erfolgten anhand von unterschiedlichen Abstri-
chen.
Multiresistente Erreger (MRE) mit Carbapenem-Resistenz
Im Berichtszeitraum wurden 74 Nachweise (Erregeraufschlüs-
selung in Tabelle 2) erfasst. Den größten Anteil (42 %) stellten
Pseudomonas aeruginosa
, gefolgt von
Escherichia coli
mit 15 %.
Todesfälle wurden nicht übermittelt.
Kumulativ lag die Zahl der erfassten Nachweise 46 % unter dem
Niveau des Vorjahres (27. – 39. KW 2019: 206).
Tabelle 2: Gramnegative Bakterien mit erworbener Carba-
penemase/Carbapenem-Resistenz im 3. Quartal
2020 (27. bis 39. Meldewoche 2020)
Erreger
Infektion
Koloni-
sation
Gesamt-
Fallzahl
dav. Tod
Acinetobacter spp.
1)
1
6
7
-
Enterobacterales
1)
9
27
36
-
Citrobacter spp.
-
3
3
-
Enterobacter spp.
2
6
8
-
Escherichia coli
-
11
11
-
Klebsiella spp.
4
5
9
-
Proteus spp.
3
-
3
-
Serratia spp.
-
2
2
-
Pseudomonas aeruginosa
4)
9
22
31
-
Gesamtzahl
19
55
74
-
1) bei Nachweis einer Carbapenemase-Determinante oder mit verminderter Empfindlichkeit
gegenüber Carbapenemen außer bei natürlicher Resistenz
4) mit erworbenen Carbapenemasen oder bei gleichzeitigem Vorliegen von phänotypischer
Resistenz gegen Acylureido-Penicilline, Cephalosporine der 3. und 4. Generation,
Carbape-
neme und Fluorchinolone
Nicht-Cholera-Vibrionen-Infektion
In der 35. KW 2020 wurde eine Vibrio vulnificus-Wundinfektion
bei einem 54-jährigen Mann nach dem Baden in der Ostsee in
Prerow (Darß) diagnostiziert. Der Mann hatte sich drei Wochen
vor seiner Urlaubsreise eine 3 cm große offene Wunde am Bein
zugefügt, die zum Zeitpunkt des Ostsee-Aufenthaltes noch
nicht vollständig abgeheilt war. Der Nachweis von Vibrio vulni-
ficus gelang aus dem Wundabstrich.
Norovirus-Gastroenteritis
Gegenüber dem vorherigen Quartal ergab sich ein leichter An-
stieg der gemeldeten Norovirus-Infektionen um 12 %. Todes-
fälle kamen nicht zur Meldung. Die Inzidenz lag mit 7,7 Erkran-
kungen pro 100.000 Einwohner überaus deutlich unter dem
5-Jahresmittelwert des 3. Quartals von 27 Erkrankungen pro
100.000 Einwohner, was sicher zum Großteil durch die Corona-
Schutzmaßnahmen bedingt ist.
Es wurden im Berichtszeitraum lediglich 6 Erkrankungshäufun-
gen registriert. Betroffen waren 3 Kindertagesstätten sowie ein
Seniorenheim, eine medizinische Einrichtung und eine Familie.
Auch hier zeigt sich der deutliche Einfluss der
Corona-Schutz-
maßnahmen auf das aktuelle Infektionsgeschehen.
Ornithose
Ein Ehepaar (Frau 84, Mann 86 Jahre alt) erkrankte mit Pneu-
monie. Mittels Antikörper-Nachweis konnte eine Infektion mit
Chlamydia psittaci
diagnostiziert werden. Die Ermittlungen zur
Infektionsquelle ergaben den Kontakt zu Zuchttauben. Ob im
Taubenbestand Infektionen bei Tieren aufgetreten waren, wurde
nicht bekannt.
Pneumokokken-Erkrankung, invasiv
Bei den im Berichtszeitraum registrierten 19 Infektionen han-
delte sich um Erwachsene zwischen 21 und 87 Jahren (Alters-
median: 63 Jahre). Der Erregernachweis gelang aus Blut bzw. bei
3 Patienten mit meningitischem Verlauf aus Liquor. Eine 54 Jah-
re alte Frau, die mit Pneumonie und Sepsis erkrankte, verstarb
an den Folgen der Infektion. Zu möglichen Vorerkrankungen der
Patientin lagen keine Informationen vor.

4 │
Salmonellose
Es wurde eine etwas höhere Neuerkrankungsrate (4,9 Erkran-
kungen pro 100.000 Einwohner) erreicht als im Vorquartal (3,7
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner).
Die Inzidenz lag deutlich unter dem Niveau des 5-Jahresmit-
telwertes des 3. Quartals (8,3 Erkrankungen pro 100.000 Ein-
wohner). Mit rund 33 % dominierte der Serovar
Salmonella
Ty-
phimurium, gefolgt von
Salmonella
Enteritidis mit einem Anteil
von 28 % am Gesamtvorkommen. Es wurden keine Todesfälle
übermittelt.
Tularämie
Ein 66 Jahre alter Mann litt seit Juli unter wiederkehrenden
Fieberschüben. Anfang September wurde der Patient mit ei-
nem Erysipel am linken Unterschenkel, Durchblutungsstörungen
und beginnender Sepsis stationär behandelt. Aus der Blutkultur
konnte
Francisella tularensis
nachgewiesen werden. Der Patient
gab an, sich an einen blutigen Insektenstich beim Baden in ei-
nem Steinbruch in Waldnähe zu erinnern.
West-Nil-Virus-Infektion
Im Berichtszeitraum wurden in Sachsen 5 autochthon erworbe-
ne Infektionen durch das West-Nil-Virus (WNV) übermittelt. Bei
den Betroffenen handelte es sich um Männer im Alter zwischen
26 und 85 Jahren, die mit allgemeinen Krankheitszeichen, Mus-
kel- und Gelenkschmerzen sowie in zwei Fällen mit Meningitis
bzw. Enzephalitis erkrankten. Eine stationäre Behandlung war
bei 3 Patienten nötig. Die virologischen Nachweise erfolgten
am Nationalen Referenzzentrum für tropische Infektionserreger
am Bernhard Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) und er-
brachten in allen Proben Westnilvirus (darunter 3-mal der Linie
2).
Tod an sonstiger Infektionskrankheit
Die im dritten Quartal des Jahres übermittelten Fälle betrafen
Erwachsene im Alter zwischen 65 und 99 Jahren (Median: 81
Jahre).
Tabelle 3: Todesfälle gemäß IfSGMeldeVO § 1 (2) im
3. Quartal 2020
Erreger
Anzahl
Klinisches Bild
Candida albicans
2
Sepsis
Enterococcus spp.
3
Sepsis, Multiorganversagen
Escherichia coli
3
Sepsis, Urosepsis
Staphylococcus spp.
12
Sepsis, Pneumonie, Multiorganver-
sagen
Streptococcus spp.
2
Pneumonie, Sepsis, Nierenversagen
Verantwortlich:
Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
und Mitarbeiter des FG Infektionsepidemiologie
LUA Chemnitz

│5
3. Quartal
27. - 39. MW 2020
kumulativ
1. - 39. MW 2020
1. - 39. MW 2019
Fälle
T
Fälle
T
Fälle
T
Acinetobacter-Nachweis
1)
7
16
27
Adenovirus-Enteritis
119
687
1.072
3
Adenovirus-Infektion, respiratorisch
123
823
949
Adenovirus-Konjunktivitis
1
17
53
Amöbenruhr
10
31
9
Astrovirus-Enteritis
26
554
1.452
Borreliose
948
1.494
1.742
Campylobacter-Enteritis
1.734
3.342
1
3.771
1
Chlamydia trachomatis-Infektion
1.315
3.473
3.134
Clostridioides difficile-Enteritis
728
2.180
2.378
Clostridioides difficile-Infektion, schwerer Verlauf
22
9
82
25
149
35
COVID-19
1.771
23
7.217
248
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
1
4
1
Denguefieber
2
10
34
Diphtherie
1
Echinokokkose
1
3
Enterohämorragische Escherichia coli-Erkrankung
23
61
97
Enterobacterales-Nachweis
1)
36
120
166
3
Enterovirus-Infektion
81
570
714
1
Escherichia coli-Enteritis
220
504
735
FSME
15
19
20
Gasbrand
2
1
3
1
Giardiasis
43
123
200
Gonorrhoe
172
526
631
Gruppe B-Streptokokken-Infektion
547
1.667
1.846
Haemophilus influenzae-Erkrankung, invasiv
1
22
3
32
Hantavirus-Erkrankung
1
6
Hepatitis A
5
13
23
Hepatitis B
57
148
1
173
Hepatitis C
37
124
155
Hepatitis D
1
3
Hepatitis E
75
209
240
2
Herpes zoster
493
1.496
1.734
1
HUS
3
Influenza
7
20.266
58
22.564
73
Keuchhusten
8
129
666
Kryptosporidiose
49
82
107
Legionellose
23
53
2
47
5
Leptospirose
2
3
5
Listeriose
13
1
44
7
36
5
Malaria
6
5
Masern
16
Meningokokken-Erkrankung, invasiv
1
9
2
MRSA
2)
-Infektion, invasiv
17
74
7
119
16
CA
3)
-MRSA-Nachweis
20
67
85
Mumps
2
8
Mycoplasma hominis-Infektion
295
771
684
Mycoplasma-Infektion, respiratorisch
62
558
579
Nicht-Cholera-Vibrionen-Infektion
1
1
Norovirus-Enteritis
312
3.012
4
5.674
9
Übermittelte Infektionskrankheiten im Freistaat Sachsen
3. Quartal 2020 und kumulativer Stand 2019 und 2020

6 │
3. Quartal
27. - 39. MW 2020
kumulativ
1. - 39. MW 2020
1. - 39. MW 2019
Fälle
T
Fälle
T
Fälle
T
Ornithose
2
3
1
Parainfluenza-Infektion, respiratorisch
2
276
662
2
Paratyphus
3
2
Parvovirus B19-Infektion
3
42
93
Pneumokokken-Erkrankung, invasiv
19
1
160
2
241
12
Pseudomonas aeruginosa-Nachweis
4)
31
99
1
151
2
Q-Fieber
1
Respiratory-Syncytial-Virus-Infektion
19
2.949
4
5.343
23
Rotavirus-Erkrankung
177
850
1
4.367
11
Röteln
1
Salmonellose
198
531
630
2
Scharlach
63
778
2.071
Shigellose
9
35
Skabies
15
81
146
Syphilis
64
188
1
176
Toxoplasmose
6
27
22
Tuberkulose
25
94
125
2
Tularämie
1
3
2
Typhus abdominalis
3
3
West-Nil-Virus-Infektion
5
5
1
Windpocken
80
708
1.402
Yersiniose
61
226
212
Zikavirus-Infektion
1
Zytomegalievirus-Infektion
154
405
336
angeborene Infektion
1
11
1
6
Tod an sonstiger Infektionskrankheit
22
76
134
T
Todesfälle
MW Meldewoche
1) bei Nachweis einer Carbapenemase-Determinante oder mit verminderter Empfindlichkeit gegenüber Carbapenemen außer bei natürlicher Resistenz
2) Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus
3) Community-Acquired
4) mit erworbenen Carbapenemasen oder bei gleichzeitigem Vorliegen von phänotypischer Resistenz gegen Acylureido-Penicilline, Cephalosporine der 3. und 4. Generation, Carbapeneme und
Fluorchinolone
Veröffentlicht werden Fälle nach den Kriterien der RKI-Referenzdefinition (soweit vorhanden).

│7
Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung der
Masern im Freistaat Sachsen
- Sächsisches Herdbekämpfungsprogramm Masern -
Stand: Februar 2020
1
Epidemiologie
1.1
Erreger
Das Masernvirus ist ein ausschließlich humanpathogenes, einsträngiges, behülltes RNA-Virus. Es
gehört zur Familie der Paramyxoviridae, Genus Morbillivirus, und ist in seiner Antigenstruktur sehr
stabil. Es gibt nur einen Serotyp. Nach Sequenzanalyse der Masernvirus-RNA und anschließender
Genotypisierung werden die bisher bekannten Masernviren weltweit 8 Gruppen (Clades A bis H) mit
24 Genotypen zugeordnet.
1.2
Inkubationszeit
8-10 Tage bis zum Beginn des katarrhalischen Stadiums
14 (-21) Tage bis zum Beginn des Exanthems
Eine subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) als persistierende Maserninfektion des ZNS ma-
nifestiert sich erst nach durchschnittlich 6-8 Jahren als seltene Spätkomplikation.
1.3
Übertragung
Masern sind hochkontagiös (Kontagionsindex nahe 100 %) mit einem ebenfalls hohen Manifes-
tationsindex von fast 100 %. Jede direkte Exposition muss als epidemiologisch effektiver Kontakt
gewertet werden.
Die Übertragung erfolgt durch Direktkontakt mit infektiösen nasopharyngealen oder konjunktivalen
Sekreten, selten durch Blut oder Urin.
Indirekt erfolgt die Ansteckung als aerogene oder seltener Schmierinfektion über Gegenstände. Sel-
ten ist eine Übertragung durch Luft über große Entfernungen (z. B. Kleidung des ärztlichen und
Pflegepersonals, Luftzug von Zimmer zu Zimmer = „fliegende Infektion“).
Erkrankte sind 3-5 Tage vor Exanthemausbruch und bis 4 Tage nach Exanthemausbruch infektiös, am
höchsten ist die Ansteckungsgefahr im katarrhalischen Stadium, kurz vor Auftreten des Exanthems.
1.4
Verbreitung
Weltweite Verbreitung (v. a. Entwicklungsländer, Afrika), endemisch, hohe Durchseuchung. Zum Er-
reichen einer Herdenimmunität (= Immunitätslage in der Gesamtbevölkerung, die vor einer weiteren
Infektionsausbreitung schützt) sind Durchimmunisierungsraten von 95 % nötig. Trotz Einführung
der aktiven Masernschutzimpfung vor über 50 Jahren (1965 auf freiwilliger Grundlage, 1970 als
einmalige Pflichtimpfung, seit 1983 im Masern-Eradikationsprogramm: 2-malige Impfung) kommt
es auch in Sachsen immer noch zu Masern-Erkrankungen und -Ausbrüchen.
1.5
Falldefinition
Bei allen exanthematischen Erkrankungen sind die Masern auch labordiagnostisch in die Differenzi-
aldiagnose einzubeziehen (Meldung siehe Punkt 6).
Über die zuständige Landesbehörde (LUA) an das RKI zu übermittelnde Fälle sind:
]
Klinisch diagnostizierte Erkrankung (siehe aber unter Punkt 3)
]
Klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankung
]
Klinisch-labordiagnostisch bestätigte Erkrankung
]
Labordiagnostisch nachgewiesene Infektion bei nicht erfülltem klinischen Bild
]
Labordiagnostisch nachgewiesene Infektion bei unbekanntem klinischen Bild
2
Klinik
2.1
Leitsymptome
]
Zweiphasiger Verlauf
1.
Prodromal- oder katarrhalisches Stadium:
]
Fieber, Katarrh (wässriger Schnupfen), Konjunktivitis, Husten, Pharyngitis, Laryngitis, dun-
kelrotes Enanthem am Gaumen, Koplik-Flecken (kalkspritzerartige weiße Flecken an der
Mundschleimhaut)
2.
Exanthemstadium (3-7 Tage nach Beginn des 1. Stadiums):
]
generalisiertes makulopapulöses Exanthem (bräunlich-rosafarbene konfluierende
Hautfle-
cken), hinter den Ohren und im Gesicht beginnend, mindestens 3 Tage anhaltend
]
transitorische Immunschwäche von ca. 6 Wochen Dauer
Komplikationen
]
abgeschwächte und atypische Masern möglich

8 │
2.2
Komplikationen
]
bakterielle Superinfektionen wie Otitis media, Pneumonie, Bronchitis, Diarrhöen, Myokarditis,
Myelitis etc.
]
pathologische EEG-Veränderungen (über 50 %)
akute postinfektiöse Enzephalitis
]
(0,1 % der Fälle, davon 10-20 % tödlich, 20-30 % Residualschäden)
]
bei Immunsupprimierten/zellulären Immundefekten: schwere Organkomplikationen möglich
(progrediente Riesenzellpneumonie, Masern-Einschlusskörper-Enzephalitis) mit Letalität von ca.
30 %
Spätkomplikationen
]
Defektheilung nach Enzephalitis (20-30 %), Residualschäden am ZNS
]
Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE): nach 6-8 Jahren, Letalität 100 %, 4-11 pro
100.000, Kinder <5 Jahre: 20-60 pro100.000
3
Labordiagnostik
Eine sichere Diagnose allein anhand des klinischen Bildes ist nicht möglich, die labor-diagnostische
Bestätigung ist zwingend erforderlich.
3.1
Untersuchungsma-
terial
]
Rachenabstrich, Wangenschleimhautabstrich, Abstrich von Zahnleiste, Zahnleistenflüssigkeit
oder Speichelsekret, ggf. Konjunktivalabstrich (Tupfer jeweils im flüssigen
Viruserhaltungsmedi-
um transportieren, ggf. poolen) für PCR
]
Urin (mind. 5 ml) für PCR
]
Serum (1 ml) zum Nachweis von Masernvirus-spezifischen IgG- und IgM- Antikörpern
]
Bei Verdacht auf schwere Organkomplikationen: Bronchialsekret, Liquor u. a.
3.2
Zeitpunkt der
Probenahme bei
Masernverdacht
]
Serum, Abstrichproben (s.o.) und Urin sollten gleichzeitig entnommen werden.
]
Entnahme der Patientenproben im Prodromalstadium bis zum 5. Tag nach Exanthembeginn, in
Ausnahmefällen bis spätestens zum 7. Tag
]
nur Serum allein bis zu 6 Wochen nach Exanthembeginn
]
zum Nachweis einer Serokonversion: Abnahme einer 2. Serumprobe im Abstand von 10-14 Tagen,
wenn in der 1. Serumprobe keine IgM-Antikörper nachweisbar waren bzw. die PCR-Ergebnisse
negativ waren
3.3
Methoden
1. Serologische Diagnostik
- Nachweis Masernvirus-spezifischer Antikörper
]
Zeitbedarf: ein halber Arbeitstag
- Marker einer akuten Masernvirusinfektion:
]
Nachweis von Masernvirus-spezifischen IgM-Antikörpern (mittels ELISA)
]
Serokonversion und/oder signifikanter Anstieg von Masernvirus-spezifischen IgG-Antikörpern
(mittels ELISA; Serumpaar im Abstand von 10-14 Tagen)
- IgM-Antikörper
]
können mit Ausbruch des Exanthems bereits nachweisbar sein (bei bis zu 30 % der an Masern
Erkrankten sind sie am 1.-3. Exanthemtag jedoch noch nicht vorhanden)
]
können mehrere Monate persistieren, i.d.R. bis 6 Wochen nachweisbar, in Einzelfällen auch länger
]
können nach Impfung nach etwa 2-3 Wochen nachweisbar sein (Antikörpertiter i.d.R. niedriger
als nach natürlicher Infektion)
]
können bei Reinfektionen, bei sog. Durchbruchserkrankungen (bei Personen, die trotz Impfung an
Masern erkranken) bzw. bei sekundären Impfversagern fehlen (Diagnosesicherung durch
signifi-
kanten Masern-IgG-Titeranstieg im Folgeserum nach ca. 10-14 Tagen möglich)
- IgG-Antikörper
]
Ihr Nachweis nach Erkrankung oder Impfung zeigt Immunität an (bei gleichzeitig negativem Wert
für Masern-IgM-Antikörper).
]
werden nach der Infektion wenig später als IgM-Antikörper gebildet (spätestens 6-12 Tage nach
Ausbruch des Exanthems)
]
steigen innerhalb 2-3 Wochen auf hohe Werte an
]
persistieren möglicherweise lebenslang auf niedrigeren Werten
]
Titer nach Impfung sind i.d.R. niedriger als nach Infektion mit Wildvirus
Bei Antikörpernachweis muss ein zeitlicher Zusammenhang zu einer Masern-Impfung anamnestisch
ausgeschlossen sein.

│9
3.3
Methoden
(Fortsetzung)
2. Direkter Nachweis - Nachweis der Masernvirus-RNA
]
Zeitbedarf: ein Arbeitstag
]
Virusgenomnachweis aus Abstrichproben, Speichelsekret/Zahntaschenflüssigkeit (Tupfer jeweils
im flüssigen Viruserhaltungsmedium transportieren),
Urin, Bronchialsekret, Liquor mittels RT-PCR (siehe auch unter 3.2)
]
positive PCR-Ergebnisse in Patientenproben bestätigen den Masernverdacht
]
Masernvirus-RNA bis zu 5 Tagen nach Exanthembeginn nachweisbar (in Einzelfällen auch länger)
]
Negative PCR-Ergebnisse sind nicht in jedem Fall ein sicherer Ausschluss einer Masernvirusin-
fektion
Virusanzucht
]
Zeitbedarf: 2-3 Wochen
]
keine Routinediagnostik, Erfolgsraten niedrig (Masernvirus instabil)
Für die Labordiagnose akuter Erkrankungen oder Verdachtsfälle, insbesondere zur Einleitung von
Herdbekämpfungsprogrammen in Gemeinschaftseinrichtungen, sollte neben der molekularbiologi-
schen Schnelldiagnostik (PCR) die IgG/IgM-Antikörperbestimmung durchgeführt werden.
4
Therapie
]
symptomatisch, Bettruhe, keine spezifische antivirale Therapie
]
bakterielle Superinfektion: antibiotisch
5
Prophylaxe
5.1
Aktive
Schutzimpfung
S = Standardimpfung
S • alle empfänglichen Personen
]
Als empfänglich gelten alle ungeimpften Personen jünger als Geburtsjahrgang 1958 ohne im-
munologisch nachgewiesene überstandene Erkrankung.
]
zweimalige Impfung erforderlich (Mindestabstand 3 Monate, der in den Fachinformationen
der Impfstoffhersteller angegebene Mindestabstand von 4 Wochen sollte nur in Ausnahmefäl-
len zur Anwendung kommen) oder einmalige Impfung mit Immunitätsnachweis
]
Es gibt keine Altersbegrenzung für die Masernimpfung.
]
vorzugsweise Kombinationsimpfstoffe (Masern-Mumps-Röteln, MMR) verwenden
5.1.1 Impfstoffe
Siehe hierzu
https://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoffe/masern/masern-node.html
5.1.2 Durchführung
Siehe Impfempfehlungen der SIKO, E 1, (hier: Stand 01.01.2020)
S siehe Punkt 5.1
Impfkalender:
Erstimpfung:
]
alle Kleinkinder und Kinder ab 2. Lebensjahr (ab vollendetem 12. Lebensmonat; Kinder, deren
Mütter anamnestisch Masern hatten, erst ab vollendetem 14. Lebensmonat) mit Kombinations-
impfstoff (Masern-Mumps-Röteln, MMR)
]
unter besonderen Bedingungen (Besuch Kita vor vollendetem 1. Lebensjahr, Kontakt zu Erkrank-
ten, Reisen oder Aufenthalte in Endemiegebieten, Masernausbrüche) Impfung ab vollendetem 6.
Lebensmonat, zusätzliche Impfdosis mit 12-15 Monaten, beide Impfungen zusammen gelten als
Erstimpfung.
Zweitimpfung:
]
um den 4. Geburtstag, frühestens zur U8 (46.-48. Lebensmonat) bis spätestens/oder zur Schulauf-
nahmeuntersuchung mit Kombinationsimpfstoff (Masern-Mumps-Röteln, MMR)
]
bei Indikation (Masernexposition, Aufnahme in einer Gemeinschaftseinrichtung nach § 33 IfSG)
ist die zweite Impfung vorzuziehen, Mindestabstand zur Erstimpfung: 3 Monate (in Ausnahme-
fällen 4 Wochen)

10 │
5.1.2 Durchführung
(Fortsetzung)
Indikationsimpfung:
I/B/R Zur Durchsetzung des Masern-Eradikationsprogramms der WHO ist es erforderlich, alle emp-
fänglichen Personen zu impfen.
Eine konkrete Empfehlung für bestimmte (auch berufliche und Reise-) Indikationsgruppen wird
nicht gegeben.
P
Postexpositionelle aktive Impfung aller empfänglichen Personen mit Kontakt zu an Masern
Erkrankten möglichst innerhalb von 3 Tagen nach Exposition. Ggf. auch passive Immunisierung
(bis 6 Tage nach Exposition).
Eine postexpositionelle aktive Immunisierung später als 6 Tage nach der Exposition schützt bei
evtl. folgenden Expositionen (weiteren Erkrankungswellen).
Alle Kontaktpersonen zu Erkrankten oder Krankheitsverdächtigen (Kontakt zum Indexfall ab 5
Tage vor Exanthemausbruch beim Indexfall) sind auf ihre Masernempfänglichkeit zu überprü-
fen: Kontrolle des Impfausweises bzw. ggf. serologische Testung, wobei serologische Untersu-
chungen nicht zu einer Verzögerung der Riegelungsimpfung führen dürfen.
Als Kontaktpersonen gelten insbesondere:
]
alle Haushaltsmitglieder
]
alle Klassenangehörigen der Schulklasse
]
Spielkameraden
]
Kontaktpersonen in Kindereinrichtungen mit Kindern unter 6 Jahren (bei guter Gruppentrennung
nur die betroffene Gruppe)
]
enge Kontaktpersonen in Gemeinschaftseinrichtungen mit haushaltähnlichem Charakter (Inter-
nate, Wohnheime, Kasernen etc.)
]
Kontaktpersonen in Sport- und anderen Freizeitvereinen, Kirchgemeinschaften u. ä.
]
enge berufliche Kontaktpersonen
5.1.3 Kontraindikationen
für eine Masern-
impfung
Die Kontraindikationen bei der Masernimpfung sind in der Empfehlung E 2 der Sächsischen Impf-
kommission: „Allgemeine Kontraindikationen bei Schutzimpfungen“, Stand 01.11.03, enthalten.
Es sind dies in Kurzform:
]
akute Erkrankungen
]
Immundefizienz (bei HIV Sonderregelung)
]
Schwangerschaft
]
Allergien gegen Impfstoffbestandteile
]
Bei allergologisch abgesicherter klinisch relevanter Hühnereiweißallergie kann man spezielle mo-
novalente (Moraten®) bzw. Kombinationsimpfstoffe (Triviraten®), beide Berna Biotech, Schweiz,
anwenden, die zwar nicht vom Paul Ehrlich-Institut zugelassen sind, aber im Einzelfall durch den
behandelnden Arzt verordnet werden dürfen.
5.2
Passive Immunisie-
rung mit Immun-
globulin
]
Indikationen:
]
Immundefiziente
]
Säuglinge empfänglicher Mütter
]
Säuglinge immuner Mütter im Alter von 4-6 Monaten (Säuglinge unter 4-6 Monaten sind in
der Regel noch partiell oder komplett geschützt.)
]
Wirkung nur innerhalb von 3-6 Tagen nach Exposition zu erwarten
]
Abstand zu evtl. nachfolgenden aktiven (Masern-)Impfungen beachten (5-6 Monate!)
5.3
Aufklärung von
Kontaktpersonen
Neben der Impfung hat eine Aufklärung über evtl. auftretende Frühsymptome zu erfolgen, bei denen
sofort ein Arzt aufzusuchen ist.
6
Meldepflicht
]
sofortige namentliche Meldung bei Verdacht, Erkrankung sowie Tod an das zuständige Gesund-
heitsamt (IfSG § 6 Abs. 1 Nr. 1)
]
sofortige namentliche Meldung eines direkten oder indirekten Nachweises des Masernvirus, so-
weit die Nachweise auf eine akute Infektion hinweisen (IfSG § 7 Abs. 1 Nr. 31)

│11
7
Maßnahmen für
Gemeinschaftsein-
richtungen
7.1
Erkrankte und
Krankheitsverdäch-
tige
]
Personen, die an Masern erkrankt oder dessen verdächtig sind, dürfen in den in § 33 IfSG ge-
nannten Gemeinschaftseinrichtungen keine Lehr-, Erziehungs-, Pflege-, Aufsichts- oder sonstige
Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt zu den dort Betreuten haben, bis nach ärztlichem
Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie nicht mehr zu befürchten ist.
Dies gilt entsprechend für die in der Gemeinschaftseinrichtung Betreuten mit der Maßgabe, dass
sie die dem Betrieb der Gemeinschaftseinrichtung dienenden Räume nicht betreten, Einrichtun-
gen der Gemeinschaftseinrichtung nicht benutzen und an Veranstaltungen der Gemeinschafts-
einrichtung nicht teilnehmen dürfen (§ 34 Abs. 1 IfSG).
]
Wiederzulassung zur Tätigkeit oder Besuch nach Abklingen der klinischen Symptome, frühestens
jedoch 5 Tage nach Exanthemausbruch
7.2
Kontaktpersonen
Empfängliche Kontaktpersonen:
]
Ausschluss von Gemeinschaftseinrichtungen für mindestens 21 Tage nach Exposition
Nichtempfängliche Kontaktpersonen:
]
Wiederzulassung zur Gemeinschaftseinrichtung sofort
Als „nichtempfänglich, immun“ gelten:
]
Geimpfte:
Kinder im Alter zwischen 11 und 23 Monaten: einmalige MMR-Impfung (oder M-Impfung)*,
Personen ab dem vollendeten 2. Lebensjahr: zweimalige MMR-Impfung (oder M-Impfung)*, Min-
destabstand 3 Monate (in Ausnahmefällen 4 Wochen) zur ersten Applikation, bzw. einmalige
Impfung mit Immunitätsnachweis (IgG-Ak)
]
postexpositionell innerhalb von 72 Std. nach Erstexposition (bei Kindern auch hier spätere Zweit-
impfung erforderlich)
]
Säuglinge von immunen Müttern bis 4. (6.) Lebensmonat
]
Personen mit überstandener Erkrankung mit immunologischem Nachweis
]
Personen, die 1970* und zuvor geboren sind
*Hinweis: Grundlage für die Erteilung von Besuchs- und Tätigkeitsverboten bilden gemäß Infektionsschutzgesetz grundsätz-
lich die STIKO-Empfehlungen laut denen erwachsene Personen erst ab dem Geburtsjahrgang 1970 einen Impfschutz bzw.
Immunitätsnachweis vorweisen müssen. Ein ausreichender Impfschutz bei Kindern wird gemäß STIKO durch zwei Impfungen
erreicht, die grundsätzlich im Alter zwischen 11 und 24 Monaten erfolgen sollen. Die erste Impfung sollte in der Regel im Al-
ter von 11 bis 14 Monaten und die zweite Impfung sollte mit einem Abstand von mindestens 4 Wochen oder mehr, spätestens
jedoch bis zum Ende des zweiten Lebensjahres, erfolgen.
7.3
Desinfektion
von Kindergärten, Schulen, anderen Gemeinschaftseinrichtungen in der Regel nicht notwendig
7.4
Neuaufnahme für
Gemeinschafts-
einrichtungen
]
Aufnahmesperre für Empfängliche, Neuaufnahme und Wiederzulassung nach frühestens 21 Ta-
gen
Neuaufnahmen sind möglich:
]
bei bestehendem Impfschutz (siehe Punkte 5.1.2 und 7.2),
]
nach postexpositioneller Schutzimpfung innerhalb von 3 Tagen nach Kontakt (siehe Punkt 5.1.2)
oder
]
nach früher abgelaufener, labordiagnostisch bestätigter Masernerkrankung
8
Hygienemaßnah-
men im Kranken-
haus
8.1
Patientenbezogen
]
räumliche Isolierung des Patienten bis 5 Tage nach Exanthemausbruch

12 │
8.2
Personalbezogen
]
nur nichtempfängliches, immunes Personal einsetzen (siehe Punkt 7.2)
]
Schutzkittel: erforderlich
]
Handschuhe: erforderlich bei möglichem Kontakt mit erregerhaltigem Material oder mit konta-
minierten Objekten
]
Mund-Nasen-Schutz (FFP2 Maske): empfehlenswert für Personen, die nicht immunisiert sind
]
Hygienische Händedesinfektion (Wirkungsbereich B) vor und nach Patientenkontakt, nach Kon-
takt mit erregerhaltigem Material oder mit kontaminierten Objekten
8.3
Desinfektion/
Entsorgung
]
Eine routinemäßige Desinfektion ist für patientennahe Flächen erforderlich; sie ist bei Bedarf auf
weitere Flächen auszudehnen.
]
Es sind Mittel der jeweils aktuellen Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkann-
ten Desinfektionsmittel und -verfahren, die auch in der Liste der VAH verzeichnet sind, einzuset-
zen, sofern sie gegen Viren wirksam sind (Wirkungsbereich B)
]
keine über die Standardhygiene hinausgehende Schlussdesinfektionsmaßnahmen notwendig
]
Standardhygiene für die Reinigung/Desinfektion von Geschirr, Textilien, Wäsche, Matratzen, Kis-
sen, Decken
]
Entsorgung der Abfälle: AS 18 01 04 gemäß LAGA-Richtlinie (Stand: Januar 2015)
9
Aufgaben des
erstbehandelnden
Arztes
]
Sofortige namentliche Meldung bei Verdacht, Erkrankung sowie Tod an das zuständige Gesund-
heitsamt (IfSG § 6 Abs. 1 Nr. 1)
]
Erfassung und Aufklärung der Kontaktpersonen in der Familie
]
Einleitung der Riegelungsimpfung sowie
]
Festlegung von notwendigen Absonderungsmaßnahmen in Absprache und nach Festlegung durch
das Gesundheitsamt
10
Aufgaben des
Gesundheitsamtes
]
Erfassung aller Kontaktpersonen (in Familie, Gemeinschaftseinrichtungen, sonstige)
]
Überprüfung des Impfstatus der Kontaktpersonen
]
Impfung der empfänglichen Kontaktpersonen (siehe Punkt 5.1.2, P)
]
Schließen der Impflücken in Kindereinrichtungen
]
Festlegung notwendiger Absonderungsmaßnahmen für Erkrankte, Krankheitsverdächtige und
Kontaktpersonen (siehe Punkte 7.1 und 7.2)
]
Detaillierte epidemiologische Analyse der Erkrankungsfälle (auch im Hinblick auf den Impfstatus
des Erkrankten: Anzahl der Impfungen, Datum, Impfstoff, Chargen-Nr.; Serumprobe für Ak-Titer
falls erforderlich an die LUA senden)
]
Kontrolle und Sicherstellung der mikrobiologischen Diagnostik (Serologie, PCR). Proben an die
LUA
]
Übermittlung an LUA bzw. RKI (§ 11 IfSG), Information des SMS gemäß Erlass vom 10.07.2003,
aktualisiert am 01.01.2018 (siehe Anlage 3)
Literatur:
Die Zusammenstellung erfolgte in Anlehnung an den RKI-Ratgeber für Ärzte „Masern“ (Fassung Mai 2014), die Falldefinitionen
des RKI (Ausgabe 2019), dem Gesetz für den Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention (Masernschutzgesetz), den
Empfehlungen des RKI für die Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen gemäß § 34 Infektionsschutzgesetz (Stand Novem-
ber 2019) sowie die Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission (SIKO) zur Durchführung von Schutzimpfungen im Freistaat
Sachsen (E 1) vom 02.09.1993, Stand: 01.01.2020.
Bearbeiter: Dr. med. I. Ehrhard
LUA Dresden
Dr. med. K. Flohrs
LUA Dresden
Dr. med. T. Hackel
LUA Dresden
Dr. med. S.-S. Merbecks
LUA Chemnitz
U. Reif
LUA Dresden
L. Sommer
LUA Chemnitz
AG Hygiene des Landesverbandes Sachsen der Ärzte und Zahnärzte des ÖGD (Lt. DM S. Bertuleit)
Anlage 1: Ermittlungsbericht Masern
Anlage 2: Erfassungsbogen für Kontaktpersonen
Anlage 3: Informationsschema gemäß Erlass der SMS vom 10.07.2003, aktualisiert am 01.01.2018

│13
Anlage 1
Gesundheitsamt
Ermittlungsbericht Masern
Bei
☐ Krankheitsverdacht
☐ Erkrankung
☐ Todesfall
(Zutreffendes ankreuzen)
Name, Vorname: ............................................................. geb. am: ......................................................................................
Wohnanschrift: .......................................................................................................................................................................
Ort der Erkrankung: ...............................................................................................................................................................
Beruf/ausgeübte Tätigkeit: .....................................................................................................................................................
Arbeitsstelle: ..........................................................................................................................................................................
Schule (Klasse)/Kindereinrichtung (Gruppe): ........................................................................................................................
Datum des letzten Arbeitstages/
Besuch der Einrichtung: ........................................................................................................................................................
Tag der Erkrankung (erste Symptome): ................................................................................................................................
Tag der 1. Behandlung: .................................. Arzt: ..............................................................................................................
Diagnose: .....................................................................................................
Tag der Hospitalisierung: ................................Krankenhaus: ...............................................................................................
Tag der Meldung: durch: .......................................................................................................................................................
Tag und Ort der Ermittlung: ...................................................................................................................................................
bisheriger Krankheitsverlauf/Symptome: ...............................................................................................................................
spezifischer Immunstatus:
- frühere Masernerkrankungen: (ja/nein/Jahr) ........................................................................................................................
- aktive Masernschutzimpfung:
Datum
Impfstoff
Ch.-Nr.
1. Impfung ...........................................................................................................................................................................
2. Impfung ...........................................................................................................................................................................
- Masernantikörpernachweis:
Ergebnis
Datum
Methode
Labor
IgG-Masernantikörper: ...........................................................................................................................................................
IgM-Masernantikörper: ...........................................................................................................................................................

14 │
Epidemiologisch bedeutsame Angaben zur Vorgeschichte:
(Aufenthalt in der Inkubationszeit - wo, wann, mit wem?, insbesondere Kontakt zu Masernverdacht, -erkrankung,
anderen exanthematischen Erkrankungen)
................................................................................................................................................................................................
................................................................................................................................................................................................
................................................................................................................................................................................................
................................................................................................................................................................................................
................................................................................................................................................................................................
vermutliche Infektionsquelle: ..................................................................................................................................................
................................................................................................................................................................................................
veranlasste Maßnahmen für den Indexfall:
-
labordiagnostische Abklärung: durch ............................…………………………………………… am……………………….
Methode:…………………………………………………………… Ergebnisse:…………………………………………………
-
LUA ……………………………… benachrichtigt
-
Absonderung: ...................................................................................................................................................................
von/bis:……………… wo:
.................................................................................................................................................
-
Gesundheitskontrolle bis einschl.:. ...................................................................................................................................
-
sonstige antiepidemische Maßnahmen: ...........................................................................................................................
Sonstige Bemerkungen:
................................................................................................................................................................................................
................................................................................................................................................................................................
................................................................................................................................................................................................
Durch die Unterschrift wird bestätigt, dass spezielle Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln entsprechend der
ansteckenden Erkrankung besprochen wurden.
Ort, Datum: ………………………………
……………………………… ………………………………………………………………………………
Unterschrift des Betroffenen
Unterschrift des verantwortlichen Mitarbeiters des Gesundheitsamtes

│15
Anlage 2
Kontaktpersonen
Nr. Name, Vorname
m/w geb.
Mon/Jahr
Einrichtung/ Tätigkeit
Impfstatus
Riegelungsimpfung
unvollst.
geimpft
unvollst.
geimpft
un-
geimpft
ja
nein

16 │
Erlass des SMS vom 10.07.2003 in der Fassung vom 01.01.2018
Anlage 3
Informationsschema
An Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz
Referat 23
Infektionsschutz@sms.sachsen.de
Fax: 0351 5645770
Meldendes Gesundheitsamt
Ansprechpartner:
Telefon:
Mail:
Sachverhalt:
Wie viele Betroffene?
Anteil der Betroffenen
an Gesamtbelegung bei Gemein-
schaftseinrichtungen, Alten-/ Pflege-
heimen etc.
Alter
Geschlecht
Symptome,
Krankheitsverlauf
Stationäre Aufnahme
Reiseanamnese
Maßnahmen des
Gesundheitsamtes
Orientierung an
☐ Herdbekämpfungsprogramm...
☐ Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung von...
☐ RKI-Ratgeber für Ärzte...
Information bereits an
☐ LDS
☐ LUA
☐ LÜVA (bei lebensmittelbedingten Erkrankungen)
Weitere Informationen

│17
Merkblatt Masern
Informationen für Betroffene, Sorgeberechtigte und Kontaktpersonen
Stand: Februar 2020
Masern sind eine durch das Masernvirus verursachte Erkrankung, welche sich durch Tröpfcheninfektion
(das heißt durch Anhusten, Anniesen oder auch beim Sprechen) oft über viele Meter verbreitet. Die An-
steckungsgefahr ist dabei sehr hoch, fast jeder Ungeschützte erkrankt nach dem Kontakt mit einem an
Masern Erkrankten selbst.
Vom Zeitpunkt der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit vergehen meist 8-10 Tage.
Krankheitsbild
Die Krankheit beginnt meist mit hohem Fieber, Husten, Schnupfen, häufig Bindehautentzündung und
typischen weißen Flecken der Mundschleimhaut (Koplik-Flecken). Nach 3-7 Tagen kommt es dann zum
maserntypischen Ausschlag, beginnend hinter den Ohren und im Gesicht, welcher sich über den Körper
ausbreitet.
Bei schweren Verläufen können Komplikationen wie Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, Durchfälle
und Entzündungen des Gehirns hinzukommen.
An Masern Erkrankte sind bereits 3-5 Tage vor Auftreten des typischen Hautausschlages ansteckend und
bleiben dies bis 4 Tage nach Auftreten dieses Symptoms.
Verhalten im Krankheitsfall
Wenn möglich, sollte vor dem Besuch einer Arztpraxis diese über den Erkrankungsverdacht telefonisch
informiert werden, damit dort Maßnahmen getroffen werden können, andere Patienten vor einer Infektion
zu schützen.
Ist die Masernerkrankung bestätigt, sollte jegliche Verbreitung verhindert werden. Das heißt, der Erkrank-
te soll möglichst Bettruhe halten und keinen Besuch empfangen.
Schutz vor der Erkrankung
Geschützt vor einer Ansteckung sind jene Personen, die
]
bereits selbst einmal an Masern erkrankt waren (ärztlich dokumentiert),
]
über einen ausreichenden Impfschutz verfügen (ab dem vollendeten 1. Lebensjahr ist hierfür eine, ab
dem vollendeten 2. Lebensjahr sind zwei Impfungen erforderlich),
]
Personen, die innerhalb von 3 Tagen nach Erstkontakt zu einem Erkrankten geimpft werden.
Nicht geschützt sind Personen, die
]
über keinen ausreichenden Impfschutz verfügen
]
keine ärztlich dokumentierte Masernerkrankung durchgemacht haben bzw. keinen Immunitätsnachweis
vorlegen können.

18 │
Impfempfehlungen zur Vorbeugung
Empfohlen von der Sächsischen Impfkommission ist die erste Masernimpfung im Alter von 1-2 Jahren
(möglichst bald nach dem 1. Geburtstag), die zweite um den 4. Geburtstag bis spätestens zur Schulauf-
nahmeuntersuchung. Sollte ein Kind eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen oder ist es durch ein Aus-
bruchsgeschehen gefährdet, sind die Impfungen entsprechend vorzuziehen (Mindestabstand der zweiten
Impfung zur Erstimpfung: 3 Monate, in Ausnahmefällen 4 Wochen). Die erste Masernimpfung ist bereits
ab dem 7. Lebensmonat möglich. Allerdings wird dann eine zusätzliche Impfung im Alter von 12-15 Mo-
naten erforderlich. Beide Impfungen zusammen gelten als Erstimpfung. Es sind in diesem Fall also ins-
gesamt drei Impfungen nötig.)
Auch empfängliche Jugendliche und Erwachsene müssen geimpft werden. Hier ist gemäß sächsischer
Impfempfehlung eine zweimalige Masernimpfung (Mindestabstand 3 Monate) oder eine einmalige Imp-
fung mit Immunitätsnachweis erforderlich. Als empfänglich gelten nach Empfehlungen der Sächsischen
Impfkommission (SIKO) nach 1958 geborene Personen ohne nachgewiesene überstandene Maserner-
krankung (Vor 1958 Geborene gelten als geschützt, da die Maserndurchseuchung vor Einführung der
Schutzimpfung sehr hoch war.).
Verhalten bei Kontakt zu einer an Masern erkrankten Person
Kam es zu einem Kontakt mit einer an Masern erkrankten Person, sollte bei fehlendem oder nicht ausrei-
chendem Impfschutz möglichst innerhalb der ersten 3 Tage nach Kontakt geimpft werden. Dabei gibt es
keine Altersbegrenzung, auch ältere Kinder und Erwachsene sollten eine Impfung erhalten.
Kinder oder Erwachsene mit fehlendem oder nicht ausreichendem Impfschutz, welche eine Gemeinschaft-
seinrichtung besuchen bzw. in einer solchen tätig sind, erhalten ein Besuchs- bzw. Tätigkeitsverbot für 21
Tage ab letztem Kontakt. Diese Entscheidung trifft das zuständige Gesundheitsamt.
Bei Kindern im Alter ab 1 Jahr mit nur einer bisherigen Masernimpfung ist die zweite Masernimpfung
vorzuziehen, sollte jedoch frühestens 3 Monate (in Ausnahmefällen 4 Wochen) nach der ersten gegeben
werden.
Nicht geschützte Kontaktpersonen haben den Anweisungen des Gesundheitsamtes Folge zu leisten und
sollen Menschenansammlungen meiden.
Empfehlungen zur Wiederzulassung in Gemeinschaftseinrichtungen
]
Erkranktes Kind, Lehrer, Erzieher oder Vergleichbares
]
frühestens 5 Tage nach Beginn des Hautausschlages bzw. nach Abklingen der Krankheitssymptome
]
Eltern bzw. Betroffene müssen die Einrichtung über die Diagnose informieren
]
Nicht-geschützte Personen (kein Impfschutz entsprechend STIKO-Empfehlung) mit Kontakt zu Er-
kranktem
]
21 Tage Besuchs- bzw. Tätigkeitsverbot in Gemeinschaftseinrichtungen
]
Geschützte Personen* mit Kontakt zu Erkranktem
]
fortlaufender Besuch der Gemeinschaftseinrichtung möglich
]
Einmal geimpfte Kinder bis zum vollendeten 2. Lebensjahr
]
bei Kindern bis zum vollendeten 2. Lebensjahr gilt gemäß Infektionsschutzgesetz (STIKO-Empfeh-
lung) eine Impfung als ausreichend (fortlaufender Besuch der Gemeinschaftseinrichtung möglich) die
Vorziehung der zweiten Impfung ist fachlich aber geboten (frühestens jedoch 3 Monate, in Ausnah-
mefällen 4 Wochen nach der ersten Impfung)
*Hinweis: Grundlage für die Erteilung von Besuchs- und Tätigkeitsverboten bilden gemäß Infektions-
schutzgesetz die STIKO-Empfehlungen, laut denen erwachsene Personen erst ab dem Geburtsjahrgang
1970 einen ausreichenden Impfschutz bzw. Immunitätsnachweis vorweisen müssen. Personen gelten
als geschützt, wenn sie ab dem vollendeten 1. Lebensjahr eine, ab dem vollendeten 2. Lebensjahr zwei
Masernimpfungen erhalten haben.

│19
Trinkwasserverordnung und deren Grenzwerte
Qualitätskriterien Trinkwasser
Die Trinkwasserqualität muss in Deutschland hohen Anforde-
rungen genügen. Durch moderne Wasserversorgungsanlagen
und Fernwassernetze wird in Deutschland die stabile Versorgung
der Bevölkerung mit Trinkwasser gesichert. In der Verordnung
über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch
(Trinkwasserverordnung – TrinkwV) [1] sind Qualitätskriterien
festgelegt, die die Genusstauglichkeit und Reinheit des Trink-
wassers gewährleisten sollen, um die menschliche Gesundheit
vor den sich aus der Verunreinigung von Wasser ergebenden
nachteiligen Einflüssen zu schützen. Die in der
Trinkwasserver-
ordnung gelisteten Parameter werden wie folgt eingeteilt:
]
Mikrobiologische Parameter (Anlage 1 TrinkwV)
]
Chemische Parameter (Anlage 2 TrinkwV)
]
Indikatorparameter (Anlage 3 TrinkwV)
]
Radioaktivitätsparameter (Anlage 3a TrinkwV)
Die Anforderungen an die Beschaffenheit des Trinkwassers wer-
den in den §§ 4 bis 7 in Verbindung mit den Anlagen 1 bis 3a der
TrinkwV geregelt. § 4 TrinkwV benennt die allgemeinen Anfor-
derungen, während in den §§ 5 (2) und 6 (2) TrinkwV in Bezug
auf mikrobiologische bzw. chemische Anforderungen bestimmt
wird, dass die in der Anlage festgelegten Grenzwerte für mikro-
biologische bzw. chemische Parameter nicht überschritten wer-
den dürfen. Gemäß § 7 (1) TrinkwV müssen die in der Anlage 3
festgelegten Grenzwerte und Anforderungen für Indikatorpara-
meter eingehalten sein. Einen Sonderfall stellen Legionellen dar,
die mit einem technischen Maßnahmenwert geführt werden. Sie
kommen daher im Folgenden ebenso wenig wie die Parameter
der Radioaktivität zur weiteren Betrachtung.
Höchst- und Grenzwerte
Grenzwerte
sind in „Gesetzen und Verordnungen politisch
fest-
gelegte Höchstkonzentrationen“ [2] für einzelne Stoffe oder auch
Stoffgruppen in verschiedenen Produkten wie z. B. in Lebens-
mitteln, Bedarfsgegenständen und in verschiedenen Umweltbe-
reichen. Es handelt sich dabei in der Regel um
Höchstwerte
, die
unter Betrachtung verschiedener Schutzziele festgelegt werden.
Solche Schutzziele betreffen unter anderem Gesundheit/Krank-
heit, nicht-menschliche Organismen/Ökosphäre, technische Ein-
richtungen oder sensorische und ästhetische Qualitätskriterien
[2]. Durch die verschiedenen Betrachtungsweisen (Schutzziele)
kann es dazu kommen, dass sich für ein und denselben Stoff
unterschiedliche Höchstwerte ergeben. Die Festsetzung eines
Grenzwertes beruht dann auf einem Konsens aus politischer und
wissenschaftlicher Sicht vor dem Hintergrund des Schutzes von
Menschen und Umwelt. Die Art und Höhe eines Höchstwertes
und die im Falle eines gesundheitsbasierten Höchstwertes vor-
handenen Daten bezüglich einer toxikologischen Bewertung für
einen Parameter im Trinkwasser bilden die Grundlage für die in
Tabelle 1 aufgeführte Zuordnung zu sogenannten Wertekatego-
rien und ihren Merkmalen.
Tabelle 1: Wertekategorien mit Merkmalen und Beispielen
für Parameter im Trinkwasser
Risikobewertung
Betrachtung
Beispiele Trinkwasser [2]
Vorsorgewerte
]
niedrigste Höchstwerte
zur sicheren Beherr-
schung schädlicher
Belastungen
]
berücksichtigen
natürlichen Bereich an
Hintergrundkonzentra-
tionen und Leistungskri-
terien der analytischen
Nachweisbarkeit
Carbamazepin: 0,1 µg/l
Diclofenac: 0,1 µg/l
Warn- oder Indika-
torwerte (Orientie-
rungswerte)
]
Überschreitung zeigt
Übergang von Nor-
malzustand in einen
instabilen Zustand eines
Systems an
]
Überschreitung gibt
keinen Anlass zu kon-
kreter Besorgnis, aber zu
verbesserter Vorsorge
Carbamazepin: 0,3 µg/l
Besorgniswerte und
Leitwerte (Eingreif-
werte)
]
Art, Höhe und Belas-
tungsdauer z. B. auf
besondere Zielgruppen
abgestimmt, ohne
dass Schädigung bei
Einhaltung des Wertes
zu befürchten ist
]
vorsorgliche Gefahren-
abwehr auf sicherer
Datengrundlage
]
bei Überschreitung
Handlungen (Eingreifen)
von Aufsichtsbehörden
zwecks Unterschreitung
erforderlich
Diclofenac: 1,75 µg/l
Gefahrenwerte
(Prüf- oder Maß-
nahmenwerte)
]
Überschreitung bietet
mit hinreichender Wahr-
scheinlichkeit Anlass
zu gesundheitlicher
Besorgnis
]
mittels Extrapolations-
faktor hochgerechneter
Leitwert
]
meist stoffspezifisch
]
nachsorgende Gefahren-
abwehr
Carbamazepin: 3 µg/l
Diclofenac: 20 µg/l
Grenzwerte der Trinkwasserverordnung
Die in der TrinkwV aufgeführten Parameter sind - ohne die zu
Beginn genannten Ausnahmen (Legionellen und Parameter der
Radioaktivität) - mit einem Grenzwert verankert. Diese Grenz-
werte wurden, wie bereits erwähnt, auf Grund unterschiedli-
cher Gesichtspunkte (Schutzziele) festgelegt. Die Einhaltung der
Anforderungen der Trinkwasserverordnung stellt sicher, dass
ein Mensch das Wasser (unter der Annahme des Verzehrs von
2 Litern pro Tag) ein Leben lang trinken kann, ohne dass eine
gesundheitliche Gefährdung zu befürchten ist. Das Umweltbun-
desamt hat in seinem Leitlinien zum Vollzug der §§ 9 und 10 der
Trinkwasserverordnung in einer Übersichtstabelle die Motivati-
on der Grenzwertfestsetzung für eine Vielzahl von Parametern
der Trinkwasserverordnung zusammengestellt [3]. In Tabelle 2
finden sich einige Beispiele dazu.

20 │
Grenzwert
TrinkwV
Messwert
Maßnahmenwert
vom Gesundheitsamt
festgelegt
Maßnahmen-
Höchstwert (MHW),
vom UBA abgeleitet
0,05 mg/l
Grenzwert
Mangan
0,2 mg/l
MHW für
Säuglinge und
Kleinkinder bis
2 Jahre
0,4 mg/l
0,6 mg/l
1,0 mg/l
MHW für Allgemein-
bevölkerung
Abbildung 1:
Zusammenhang von Grenz-, Maßnahmen- und Maßnahmenhöchstwert am Beispiel Mangan
Tabelle 2: Motivation zur Grenzwertfestsetzung an Beispiel-
Parametern der Trinkwasserverordnung
Motivation für Grenzwertfestset-
zung
Beispiel-Parameter
Gesundheitlich höchstmöglicher
Wert bei lebenslanger Exposition
Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer,
Nitrat, Uran
Sensorisch
Aluminium, Chlorid, Natrium, Sulfat
Technisch/Schutz der Anlagen
Chlorid, Eisen, Natrium, Nickel
Technisch/Minimierung (Orientie-
rung an aufbereitungstechnisch
Machbarem)
Antimon, Nickel, Trihalogenmethane
Vorsorge (anthropogener Stoff)
Polycyclische Aromatische Kohlen-
wasserstoffe, Pflanzenschutzmittel-
und Biozid-Produkt-Wirkstoffe
Hintergrundwert
Ammonium
Grenzwertverletzung
Grenzwertverletzungen
sind dem Gesundheitsamt anzuzeigen.
In den §§ 9 und 10 der TrinkwV sind die erforderlichen Maßnah-
men im Falle einer Grenzwertverletzung geregelt. Gemäß § 9
(1) TrinkwV ist als Erstes zu prüfen, ob bei einer Weiternutzung
bzw. Abgabe des Wassers an die Verbraucher mit einer gesund-
heitlichen Gefahr zu rechnen ist. Dies ist in der Regel der Fall,
wenn die Festsetzung des Grenzwertes auf einer gesundheitlich
motivierten Basis beruht. In solch einem Fall ordnet das Ge-
sundheitsamt an, dass der Unternehmer oder sonstige Inhaber
der Wasserversorgungsanlage für eine andere Form der Wasser-
versorgung zu sorgen hat (z. B. Umstellen auf eine andere Was-
serversorgung). Kann das nicht in zumutbarer Weise ermöglicht
werden, wird geprüft, ob eine weitere Abgabe des Wassers mit
bestimmten Auflagen bzw. mit Einschränkungen (z. B. Abkochen
oder Ablaufen lassen der ersten Liter) gestattet werden kann
(§ 9 (2) TrinkwV). Gleichzeitig werden Maßnahmen zur Wieder-
herstellung der eigentlichen Qualität nach TrinkwV angeordnet.
Wird mit keiner gesundheitlichen Gefährdung gerechnet, kann
das Wasser weiterhin an die Verbraucher abgegeben werden.
Das Gesundheitsamt legt jedoch fest, für welchen Zeitraum und
in welcher Höhe eine solche Duldung der Grenzwertverletzung
zugelassen werden kann. Für chemische Parameter sollte die
erste Duldung durch das Gesundheitsamt so kurz wie möglich
befristet werden, maximal drei Jahre (§ 10 (3) TrinkwV). Vor Ab-
lauf der Frist prüft das Gesundheitsamt, ob sich der Parameter
durch geeignete getroffene Maßnahmen wieder in einem zu-
lässigen Wertebereich befindet. Sollte dies nicht der Fall sein,
kann eine erneute Duldungsdauer für weitere drei Jahre zuge-
lassen werden. Dafür ist jedoch die Zustimmung der zuständi-
gen obersten Landesbehörde oder einer von dieser benannten
Stelle erforderlich (§ 10 (5) TrinkwV). Das Bundesministerium
für Gesundheit muss durch das Gesundheitsamt über die Gründe
der Zulassung informiert werden. Eine dritte Zulassung von drei
Jahren bedarf dann bereits der Zustimmung durch die Europäi-
sche Kommission (§ 10 (6) TrinkwV).
Im Falle der Grenzwertverletzung eines Indikatorparameters
kann unter Umständen von Maßnahmen zur Wiederherstellung
abgesehen werden, wenn eine Schädigung der menschlichen
Gesundheit sowie Auswirkungen auf eingesetzte Materialien
nicht zu erwarten sind. So kann z. B. ein geogen bedingter er-
höhter Sulfat-Gehalt geduldet werden, da eine Anordnung von
Maßnahmen zur Verringerung unverhältnismäßig wäre. Hinter
jeder Grenzwertverletzung und seiner Duldung steht somit im-
mer eine Einzelfallentscheidung.
Für mikrobiologische Parameter der Anlage 1 Teil I TrinkwV ist
aufgrund zu befürchtender gesundheitlicher Gefährdung eine
Grenzwertüberschreitung nicht tolerierbar und es sind Sofort-
maßnahmen einzuleiten. Bei den Parametern der Mikrobiologie
der Anlage 3 TrinkwV (Indikatorparameter) hingegen handelt es
sich bei einer Grenzwertverletzung um eine unerwünschte Kon-
tamination des Trinkwasserversorgungssystems, die nicht mit
einer unmittelbaren gesundheitlichen Gefährdung verbunden
sein muss. Sie ist jedoch dauerhaft nicht tolerierbar und deren
Ursache muss gefunden werden.
Maßnahmen- und Maßnahmenhöchstwerte
Im Falle der Duldung einer Grenzwertverletzung eines Para-
meters der Anlagen 2 (chemische Parameter) und 3 (Indika-
torparameter) der Trinkwasserverordnung kann sich das Ge-
sundheitsamt in Bezug auf die Höhe der Abweichung an den
Leitlinien des Umweltbundesamtes [3] orientieren, in denen
eine Tabelle mit
Maßnahmenhöchstwerten (MHW)
für eine
Vielzahl von Parametern der Trinkwasserverordnung veröf-
fentlicht wurden. Vereinzelte Maßnahmenhöchstwerte werden
für bestimmte Zielgruppen wie z. B. Säuglinge und Kleinkinder
oder Personen mit Nickelallergie von denen der Allgemeinbe-
völkerung differenziert. Das Gesundheitsamt kann nun einen
neuen „Grenz“wert (=
Maßnahmenwert
) festlegen, der im Dul-
dungszeitraum einzuhalten ist. Bei dessen Festlegung sollte der
Maßnahmenhöchstwert des Umweltbundesamtes jedoch nicht
vollständig ausgeschöpft werden. In Abbildung 1 ist am Beispiel
von Mangan der Zusammenhang von Grenz-, Maßnahmen- und
Maßnahmenhöchstwert dargestellt und auch die für diesen Pa-
rameter vorgenommene Unterscheidung zwischen verschiede-
nen Zielgruppen.
Zusammenfassung
Die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung besitzen eine
Schutzfunktion - sie dienen nicht nur dem Schutz der
Schwein, Ein-
blick in die Tierkörpersektion menschlichen Gesundheit sondern auch
dem Schutz technischer Anlagen. Sie bieten eine einheitliche

│21
Handhabe, die Einhaltung bestimmter Konzentrationen von
Stoffen zu überwachen und wenn nötig, Gegenmaßnahmen
zu ergreifen. Sie sind immer als höchstzulässige Konzent-
rationen eines bestimmten Stoffes anzusehen. Grenzwert-
überschreitungen bedeuten einen Mangel aus gesundheitli-
cher, trinkwasserhygienischer oder technischer Sicht. Unter
Umständen sind bis zur Wiederherstellung der geforderten
Trinkwasserqualität Maßnahmen zu ergreifen, bei denen
eine Weiterführung der Wasserversorgung nur mit Auflagen
(Einschränkungen) möglich ist oder die Wasserversorgung
unterbrochen werden muss. Die moderne Trinkwasserver-
sorgung in Deutschland bietet durch die Organisation der
Wasserversorgungsunternehmen in Zweckverbänden gute
Möglichkeiten, um auch in Notsituationen die Wasserver-
sorgung der Bevölkerung aufrechterhalten zu können. Den
hierzulande geltenden hohen Qualitätsstandard gilt es zu
bewahren und sich gleichzeitig zu vergegenwärtigen, dass
das am 28. Juli 2010 von der Vollversammlung der Verein-
ten Nationen als Menschenrecht anerkannte
Recht auf Zu-
gang zu sauberem Wasser
in vielen Ländern der Welt noch
immer nicht etabliert werden konnte.
Quellen:
[1]
Trinkwasserverordnung in der Fassung der Bekanntma-
chung vom 10.März 2016 (BGBl. I S. 459), die zuletzt
durch Artikel 1 der Verordnung vom 20. Dezember
2019 (BGBl. S. 2934) geändert worden ist (TrinkwV)
[2] Umweltbundesamt, Hermann H. Dieter (Dezember
2011), Bundesgesundheitsbl. 2009; 52: 1202-1206.
Grenzwerte, Leitwerte, Orientierungswerte, Maßnah-
menwerte – Aktuelle Definitionen und Höchstwerte
[3] Leitlinien zum Vollzug der §§ 9 und 10 der Trinkwas-
serverordnung, Bundesministerium für Gesundheit und
Umweltbundesamt, Bonn und Dessau-Roßlau, 13. Feb-
ruar 2013
Bearbeiter: DC Kristina Birke
LUA Dresden

image
image
22 │
Leitungsgebundene Trinkwasserspender in Gesund-
heits- und Gemeinschaftseinrichtungen
Trinkwasserspender haben sich seit vielen Jahren in verschie-
denen Bereichen des öffentlichen Lebens etabliert. Sie werden
von den Nutzern gut angenommen und erfreuen sich großer
Beliebtheit. Auch in Arbeitsstätten gehört das Angebot der kos-
tenlosen Nutzung von Wasserspendern für die dort Beschäftig-
ten inzwischen vielfach zum Standard. Die in den letzten Jahren
häufigeren und längeren sommerlichen Hitzeperioden als
Fol-
geerscheinung des Klimawandels haben gewiss zur verstärkten
Nachfrage beigetragen.
Zum Thema Wasserspender erschien bereits ein Artikel in den
LUA-Mitteilungen 01/2011 [8], auf den an dieser Stelle ver-
wiesen werden soll. Dort sind Grundlagen und weiterführende
Literaturstellen bereits umfassend enthalten und vielfach noch
aktuell, sodass diese im Folgenden nur zum Teil wieder aufge-
griffen bzw. aktualisiert und ergänzt wurden.
Trinkwasserspender bieten grundsätzlich, wie die meisten was-
serführenden Systeme und Geräte Voraussetzungen, die die
Bildung von Biofilmen begünstigen. Zu diesen Faktoren
zäh-
len beispielsweise die Einschwemmung von Bakterien aus dem
Trinkwassernetz, die verwendeten Leitungsmaterialien im was-
serführenden System, Stagnationsphasen im Betrieb oder retro-
grade Kontamination durch unsachgemäßen Kontakt mit dem
Auslass. Die Folge können teils hohe Keimzahlen, unter anderem
auch mit potentiell pathogenen Bakterien sein.
Es wird zwischen freistehenden und leitungsgebundenen Ge-
rätesystemen unterschieden. Im Folgenden sollen nur die lei-
tungsgebundenen Wasserspender betrachtet werden (Syno-
nyme: installationsgebundene Wasserspender, Point of Use-/
POU-Watercooler, Festwasser-Automaten, Tafelwasseranlagen).
Diese Geräte sind fest an das Kaltwassernetz der Trinkwasser-
hausinstallation angeschlossen. Das Wasser wird durch z. B. Fil-
terung, Kühlung oder Karbonisierung verändert abgegeben. Der
Markt bietet inzwischen eine breite Palette unterschiedlichster
Modelle, die sich zum Teil erheblich voneinander unterscheiden,
unter anderem auch in der Ausführung hygienerelevanter Bau-
teile (Abbildung 1). Für die automatisierte geräteinterne Desin-
fektion wird beispielsweise Hitze, UV-Licht oder Ozon genutzt.
Die behördliche Zuständigkeit für die Überwachung basiert auf-
grund der unterschiedlichen Rechtsgrundlagen (siehe unten) auf
zwei Säulen. Neben den notwendigen Eigenkontrollen durch
die Betreiber werden die Trinkwasserspender in den Kreisen
und Kreisfreien Städten sowohl durch die Lebensmittelüber-
wachungs- und Veterinärämter als auch die Gesundheitsämter
überwacht. In Krankenhäusern unterliegen die Trinkwasserspen-
der oft der Zuständigkeit der Krankenhaushygiene des Hauses.
Die Untersuchungen von Proben aus Trinkwasserspendern finden
im Fachbereich Humanmedizin der LUA Sachsen im Fachgebiet
1.7, in Kooperation mit dem Wasserlabor des Fachgebiets 1.1 in
Dresden statt, indem dort etablierte Methoden der Trinkwasse-
runtersuchung für die Wasserproben genutzt werden.
Es wird an dieser Stelle ausdrücklich betont, dass unsere Unter-
suchungen nur stichprobenartigen Charakter haben und ausge-
wählte Parameter beinhalten. Eine umfassende Beprobung und
Beurteilung der Proben erfolgt nach gängiger Lesart entweder
nach Lebensmittelrecht oder nach Trinkwasserverordnung (siehe
Grundlagen/Literatur am Ende dieses Beitrages).
Bewährt hat sich bei uns, für stichprobenartige Beprobungen
insgesamt 3 Proben pro Gerät nach folgendem Schema zu ent-
nehmen:
]
gegebenfalls kurzes Ablaufenlassen von maximal 10 ml
]
erste Wasserprobe 100 ml
]
Abstrich aus dem Lumen des Auslasshahns (wenn zugänglich)
]
weitere Wasserprobe 100 ml im Falle eines regelrecht mögli-
chen Abstriches (siehe unten)
Der Hintergrund der zweiten Wasserprobe ist, dass durch die
Entnahme des Abstriches aus dem Lumen des Auslasshahnes
(Abbildung 2) ein gegebenfalls endständig vorhandener Biofilm
mechanisch mobilisiert wird, was sich dann in einer erhöhten
Keimzahl im Vergleich zur ersten Wasserprobe zeigen kann.
Die Entnahme des Abstriches ist aber nicht immer im Inneren
des Hahnes möglich, beispielsweise dann, wenn ein Auslassgit-
ter vorhanden ist (Abbildung 3). Für die Wasserproben wurde
grundsätzlich die Wasserart „ohne Sprudel“ gewählt.
Nach einem anfänglich etwas breiteren Spektrum von Untersu-
chungsparametern in den Wasserproben beschränkten wir uns
bei den Stichproben auf die Bestimmung der Gesamtkeimzahl
pro ml bei 20°C und 36°C sowie den Nachweis von Pseudomo-
nas aeruginosa in 100 ml. Auf die Untersuchung von Legionellen
Abbildung 1:
2 Beispiele unterschiedlicher Fabrikate leitungsgebundener
Trinkwasserspender

image
image
│23
kann aus unserer Sicht verzichtet werden, da sowohl der klassi-
sche Infektionsweg über Aerosole hier keine Rolle spielt als auch
im Kaltwasser hohe Keimzahlen kaum zu erwarten sind.
Im Jahr 2020 wurden im Auftrag eines Gesundheitsamtes in der
Abteilung 1 der LUA Sachsen bisher insgesamt 22 Wasserspen-
der in 2 Krankenhäusern stichprobenartig überprüft. Davon wa-
ren 7 Geräte nach Trinkwasserverordnung zu beanstanden, mit
teils hohen Keimzahlen (36°C) von 680 bis >10.000/ml sowie
Nachweis von Keimen der Pseudomonasgruppe und Acineto-
bacter baumannii-Komplex in den Abstrichen. Im Rahmen eines
anschließenden Wartungstermins durch die Servicefirma wurde
in allen Fällen eine nicht funktionstüchtige endständige ther-
mische Desinfektion ermittelt. Dies war am betreffenden Ge-
rätetyp im Betrieb jedoch nicht zu erkennen. Bedingt durch die
SARS-CoV-2-Pandemie und die daraus folgende Bindung von
Mitarbeitern in den Gesundheitsämtern wurden dann lediglich
die Nachkontrollen der beanstandeten Geräte nach Reparatur
durch die LUA Sachsen durchgeführt und bisher keine weiteren
Geräte in Krankenhäusern oder Altenpflegeheimen beprobt. Die
Nachkontrollen waren in beiden Krankenhäusern bis auf ein Ge-
rät unauffällig.
Die geschilderten Ergebnisse sind natürlich statistisch nicht zu
bewerten, bestätigen jedoch die in der Literatur beschriebenen
Untersuchungsergebnisse [8] und zeigen weiterhin die Notwen-
digkeit der Überprüfung. Dies insbesondere auch, da davon aus-
zugehen ist, dass potentielle Wasser-Konsumenten in Gesund-
heits- und Pflegeeinrichtungen aus unterschiedlichen Gründen
eine verminderte Immunabwehr aufweisen. Solche Menschen
sind durch den Konsum von Wasser mit unzureichender mik-
robiologischer Qualität gefährdeter zu betrachten als immun-
kompetente Menschen. Diesem Umstand sollte bei der Geräte-
Auswahl, der Aufstellung und dem Betrieb von Wasserspendern
in solchen Einrichtungen Rechnung getragen werden.
Ansprechpartner für die Gesundheitsämter hinsichtlich der Un-
tersuchung von Proben aus Trinkwasserspendern ist das Fach-
gebiet 1.7 (Hygiene der Gesundheitseinrichtungen, Hygiene der
Gemeinschaftseinrichtungen, Kurorthygiene) der LUA Sachsen
am Standort Chemnitz.
Grundlagen/Literatur (Auswahl):
1 Trinkwasserverordnung (TrinkwV) in der Fassung der Be-
kanntmachung vom 10. März 2016 (BGBl. I S. 459), zuletzt
geändert durch Artikel 99 der Verordnung vom 19. Juni
2020 (BGBl. I S. 1328)
2 Verordnung (EG) Nr. 178/2002 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 28. Januar 2002 zur Festlegung
der allgemeinen Grundsätze und Anforderungen des Le-
bensmittelrechts, zur Errichtung der Europäischen Behörde
für Lebensmittelsicherheit und zur Festlegung von Verfah-
ren zur Lebensmittelsicherheit
3
Verordnung (EG) Nr. 852/2004 DES EUROPÄISCHEN PAR-
LAMENTS UND DES RATES vom 29. April 2004 über Lebens-
mittelhygiene
4 Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) in der
Fassung der Bekanntmachung vom 3. Juni 2013 (BGBl. I
S. 1426), zuletzt geändert durch Artikel 97 der Verordnung
vom 19. Juni 2020 (BGBl. I S. 1328)
5 Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV) in der Fassung
der Bekanntmachung vom 21. Juni 2016 (BGBl. I S. 1469),
zuletzt geändert durch Artikel 2 der Verordnung vom 3. Ja-
nuar 2018 (BGBl. I S. 99)
6 Bundesinstitut für Risikobewertung: Hygienischer Betrieb
von freistehenden Wasserspendern, Stand 2017. https://
www.bfr.bund.de
7
Umweltbundesamt: Empfehlung zu erforderlichen Untersu-
chungen auf Pseudomonas aeruginosa, zur Risikoeinschät-
zung und zu Maßnahmen beim Nachweis im Trinkwasser,
Stand: 13. Juni 2017.
https://www.umweltbundesamt.de
8
Neßler A.: Wasserspender aus Sicht der (Krankenhaus-)Hy-
giene. LUA-Mitteilungen 01/2011
9 LUA Sachsen: Hinweise zum hygienischen Umgang mit
Wasserspendern in medizinischen und
Pflegeeinrichtun-
gen.
https://www.gesunde.sachsen.de/download/lua/hin-
weise_wasserspender.pdf
10
German Watercooler Association (GWCA): „Leitlinie für
Gute Hygiene-Praxis für freistehende Wasserspenderanla-
gen“ Stand 07/2017.
http://gwca.eu/
11
Wasserspender-Leitfaden, Hygiene & Gefährdungsbeurteilung.
Bundesverband der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft
e.V., Stand April 2016.
http://www.bdv-vending.de
Bearbeiter: Dr. med. Axel Hofmann
LUA Chemnitz
Abbildung 2:
Auslassöffnung mit offenem Auslauf
(mögliche Probenahmestelle für Abstrich)
Abbildung 3:
Auslassöffnung mit Gitter

image
image
24 │
Olivenöl – zwischen Qualität und Fälschung
Falsch deklarierte Rindfleischprodukte, die Pferdefleisch
ent-
halten; natürlicher Honig, welcher mit Zuckerlösung gestreckt
wird; vermeintliche Bio-Lebensmittel, die konventionell ange-
baut wurden – sie alle fallen unter den Begriff des Lebensmit-
telbetrugs. Doch was ist Lebensmittelbetrug eigentlich? Eine
rechtliche Definition existiert derzeit (noch) nicht. Allgemein
wird unter Lebensmittelbetrug jedoch das vorsätzliche Inver-
kehrbringen von Lebensmitteln verstanden, deren tatsächliche
Beschaffenheit nicht mit ihrer Auslobung übereinstimmt. Die
vorsätzliche Täuschung zielt auf einen finanziellen oder
wirt-
schaftlichen Vorteil ab. Lebensmittelbetrug kann, muss jedoch
nicht zwingend mit einem Gesundheitsrisiko für Verbraucher
einhergehen. [1]
Eines der am meisten verfälschten Lebensmittel ist seit jeher
Olivenöl. Olivenöl zählt zu den qualitativ hochwertigen und
beim Verbraucher geschätzten Speiseölen. Der Handel mit Oli-
venöl verspricht somit einen hohen Absatz und eine lukrative
Gewinnmarge – ein hohes Potential für Lebensmittelbetrug.
Im Jahr 2019 wurden im AAC-FF-System (Administrative As-
sistance and Cooperation System) – einem EU-weiten System
für Amtshilfe und Zusammenarbeit im Bereich Food Fraud – die
meisten Meldungen zu vermeintlichen Lebensmittelbetrügen in
der Produktkategorie „Fette und Öle“ veröffentlicht (siehe
Ab-
bildung 1). Dabei ist Olivenöl das am häufigsten gemeldete
Pro-
dukt dieser Kategorie. [2]
In Abhängigkeit von der Beschaffenheit der geernteten Oliven
und der Herstellungsmethode lassen sich Olivenöle unterschied-
licher Qualität gewinnen. Aufgrund der hohen Nachfrage ist das
am meisten produzierte und in Verkehr gebrachte Olivenöl das
der Kategorie
nativ extra
(siehe Abbildung 2). Es ist ein Öl erster
Güteklasse und wird direkt aus Oliven ausschließlich mit me-
chanischen Verfahren gewonnen.
Bei diesem hochwertigen Produkt
nativem Olivenöl extra
ist es
naheliegend, dass eine Verfälschung beispielsweise durch Ver-
schnitt mit billigeren Speiseölen und einem so herbeigeführ-
ten finanziellen Gewinn für Hersteller und Vermarkter reizvoll
erscheint. Auch der Vertrieb von minderwertigem Olivenöl aus
zum Beispiel schadhaften Oliven unter falscher Deklaration
stellt eine Möglichkeit der „Gewinnoptimierung“ dar. Daher wird
der wachsende Wettbewerbsdruck auf dem weltweiten Oliven-
ölmarkt in Verbindung mit expandierenden Märkten zunehmend
von Produktfälschern ausgenutzt.
Um mögliche Verfälschungen aufzudecken, sind eine Vielzahl
von Untersuchungsmethoden nötig. Für die rechtlich vorge-
schriebenen Anforderungen an Olivenöle nach der Verordnung
(EWG) Nr. 2568/91 werden die entsprechenden Prüfverfahren
im Anhang der Verordnung direkt mit aufgeführt. Aber auch ab-
seits von Rechtsverordnungen und Grenzwerten wird die Analy-
tik stets weiterentwickelt, um den immer kreativer werdenden
Verfälschern auf die Schliche zu kommen.
Während eine Beimengung von Speiseölen anderer botanischer
Herkunft über die gängigen nasschemischen und gaschroma-
tographischen Analysen – wie beispielsweise Iodzahl, Bre-
chungsindex und Fettsäurespektrum – leicht nachzuweisen ist,
erfordert es doch speziellere Methoden, um auch die weniger
dreisten Lebensmittelbetrüger zu entlarven. Nicht selten findet
sich etwa in Flaschen mit der Aufschrift „
nativ extra
“ ein
min-
derwertiges Olivenöl, welches gar nicht der höchsten Qualitäts-
stufe entspricht. Ob dies mutwillig durch einen Verschnitt mit
qualitativ schlechterem Olivenöl herbeigeführt wird oder „nur“
auf schlechten Ernte- und Lagerbedingungen der verarbeiteten
Oliven beruht, bleibt meist ungeklärt. Eine Täuschung für den
Verbraucher, der ein minderwertiges Produkt für einen hohen
Preis erwirbt, ist es jedoch allemal.
Nach Artikel 2a Absatz 2 der Verordnung (EWG) Nr. 2568/91
sorgen die Mitgliedstaaten dafür, dass selektiv, auf der Grundla-
ge einer Risikoanalyse und mit angemessener Häufigkeit
Konfor-
mitätsprüfungen durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass
das vermarktete Olivenöl der angegebenen Kategorie entspricht.
Hierfür legt die EU-Kommission anhand von durchschnittlichen
Exportmengen und Verbrauchsdaten fest, wie viele Olivenöle
die jeweiligen Mitgliedstaaten im Jahr auf Konformität prüfen
lassen müssen. Auf die produzierenden Staaten – insbesondere
Spanien, Italien und Griechenland – entfallen hierbei die meis-
ten Konformitätskontrollen. Für Deutschland als nicht produ-
zierender Staat ergibt sich momentan eine Gesamtzahl von 71
Konformitätsproben. Das Bundesministerium für Ernährung und
Landwirtschaft (BMEL) verteilt diese Proben in Abhängigkeit der
jeweiligen Einwohnerzahlen auf die einzelnen Bundesländer.
Abbildung 1: Top 10 Produktkategorien mit Meldungen im AAC-FF-System in
2019 (Quelle: [2])
Abbildung 2:
Diverse Olivenölproben (Quelle: LUA Sachsen)

image
│25
In Sachsen werden jährlich 4 Proben Olivenöl vollumfänglich
auf ihre Konformität geprüft. Neben den routinemäßig unter-
suchten chemischen Parametern zählt auch die rechtskonforme
sensorische Prüfung nach der Verordnung (EWG) Nr. 2568/91 zu
dieser Konformitätskontrolle.
Die sensorische Prüfung durch ein speziell geschultes und vom
Internationalen Olivenrat (IOC) zugelassenes Sensorikpanel ist
eine gute Möglichkeit, um Qualitätsmängel nachzuweisen, wel-
che durch rein chemische Analysen nicht immer feststellbar
sind. Ein Panel besteht dabei aus 8 bis 12 Prüfern, welche na-
tive Olivenöle anhand ihrer Fruchtigkeit, Bitterkeit und Schärfe
sowie anhand der gegebenenfalls wahrnehmbaren negativen
Attribute in eine Qualitätsstufe einordnen. Die Prüfung erfolgt
gemäß der Methode in Anhang XII der Verordnung (EWG) Nr.
2568/91 unter explizit festgelegten Bedingungen. Darunter fal-
len unter anderem die Präsentation der Probe (siehe Abbildung
3), Prüf- und Probentemperatur, Prüfungszeiten und Verhaltens-
regeln der Prüfer.
In Deutschland sind zwei Sensorikpanels vom IOC zugelassen.
Zum einen gibt es das Deutsche Olivenöl Panel (DOP), dessen
Mitglieder in der gesamten Bundesrepublik verteilt sitzen. Das
zweite Panel ist in Oberschleißheim im Bayrischen Landesamt
für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ansässig. Letz-
teres ist seit April 2004 als erstes und bisher einziges Prüfgre-
mium der amtlichen Lebensmittelüberwachung in Deutschland
nach EU-Recht zugelassen. [3]
Die sächsischen Konformitätsproben werden zur sensorischen
Begutachtung an das LGL Bayern geschickt. So wurden auch
dieses Jahr wieder 4 Olivenöle durch das dortige Sensorikpa-
nel untersucht. Bei zwei dieser Proben konnte ein Fehlaroma,
beschrieben als „modrig-feucht-erdig“, festgestellt werden.
Infolge dessen konnten beide Öle nur in die Kategorie „
nativ
eingeteilt werden. Die Bezeichnung als „
nativ extra
“ wurde als
irreführend für den Verbraucher beurteilt. Die anderen zwei Pro-
ben entsprachen dagegen sowohl in der sensorischen als auch
in der chemischen Analyse den Anforderungen an die höchste
Qualitätsstufe und wiesen lediglich Kennzeichnungsmängel auf.
Der Grat zwischen Lebensmittelbetrug und schlichtem Quali-
tätsverlust ist ein schmaler. Der Unterschied liegt lediglich im
vorsätzlichen Handeln des Lebensmittelunternehmers. Nichts-
destotrotz ist beides im Zuge eines vorbeugenden Verbrau-
cherschutzes aufzuklären und entsprechend zu ahnden. Sowohl
die routinemäßigen Untersuchungen an der LUA Sachsen als
auch die jährlichen Konformitätskontrollen dienen ebendiesem
Zweck.
Quellen:
[1]
https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/01_Lebens-
mittel/03_Verbraucher/16_Food_Fraud/02_Was%20
ist%20Lebensmittelbetrug/Was%20ist%20Lebensmittel-
betrug_node.html
[2] 2019 Annual Report, The EU Food Fraud Network and the
Administrative Assistance and Cooperation System
[3]
https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/warengruppen/
wc_13_fette_oele/et_oliven_sensorikpanel.htm
Bearbeiter: DLC Franziska Steger
LUA Chemnitz
Abbildung 3:
Spezielle Gläser für die Olivenölverkostung
(Quelle: LUA Sachsen)

image
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26 │
Süße Weihnachtsleckereien –
Unterschiede und Besonderheiten
Die Weihnachtszeit wird häufig mit kulinarischen
Besonderhei-
ten in Verbindung gebracht. Seien es herzhafte Speisen oder
eben viele süße Leckereien. In jedem Fall keine Zeit zum Ka-
lorienzählen. Im Folgenden werden verschiedene Aspekte aus
rechtlicher Sicht zu süßen Weihnachtsleckereien näher be-
leuchtet und manche Unterschiede und Besonderheiten bei Er-
zeugnissen dargestellt.
Beginnen wir mit den rechtlichen Rahmenbedingungen, ohne
zu sehr ins Detail gehen zu wollen. Manche Lebensmittel unter-
liegen konkreten rechtlichen Forderungen. Dabei hat man sich
auf der Ebene der europäischen Union auf gewisse Qualitäts-
standards und Begrifflichkeiten geeinigt, welche in Richtlinien
niedergelegt wurden, und die anschließend durch die Mitglieds-
staaten jeweils in nationale Rechtsvorschriften umgesetzt wer-
den mussten. So werden z. B. Schokolade in der KakaoVO gere-
gelt, Honig in der HonigVO und Konfitüre oder Fruchtsäfte in
den entsprechenden Verordnungen. Außer für den Schokoladen-
weihnachtsmann, für den meist die KakaoVO die Schokoladen-
qualitäten bestimmt, sind die üblichen Weihnachtsleckereien
nicht in derartigen Verordnungen geregelt.
Rechtsverbindliche Vorschriften bei typischen Weihnachtspro-
dukten gibt es nur vereinzelt, beispielsweise durch den soge-
nannten GEO-Schutz[1]. Hierbei gibt es die Möglichkeit, be-
stimmte Lebensmittel in ihrer Qualität und Herkunft schützen zu
lassen. Dadurch können sowohl bestimmte Erzeugnisse als auch
die Erzeuger selbst einen EU-weiten Schutz erlangen. Erkenn-
bar sind derartige Erzeugnisse durch die Angaben „geschützte
geographische Angabe“ (g.g.A.), „geschützte
Ursprungsbezeich-
nung“ (g.U.) oder „garantiert traditionelle Spezialität“ (g.t.S.).
Optisch erkennbar sind derartige Produkte durch ein gelb-blau-
es oder gelb-rotes rundes Logo mit gezacktem Rand (siehe Ab-
bildung 1-3).
Traditionelle Produkte, welche mit bestimmten Gebieten und
deren Traditionen verbunden sind, erhalten so einen Schutz ge-
gen weltweite Nachahmung. Hierbei werden Herstellungswei-
sen, regionale Ursprünge, Zutaten bis hin zur Zusammensetzung
mit konkreten Bezeichnungen verknüpft. Im Bereich der Weih-
nachtsleckereien sind der Dresdner Christstollen, der Nürnber-
ger Lebkuchen, die Aachener Printen, der Salzwedeler Baumku-
chen, der Bremer Klaben und natürlich das Lübecker Marzipan
geschützte geografische Angaben, auf die im Folgenden näher
eingegangen wird.
Geografische Angabe bedeutet, dass der Ursprung eines
Erzeug-
nisses in einem bestimmten Ort, Gegend oder Land liegt, dessen
Qualität, Ansehen oder Eigenschaft wesentlich auf diesen geo-
grafischen Ursprung zurückzuführen ist und bei dem wenigstens
einer der Produktionsschritte in dem abgegrenzten
geografi-
schen Gebiet erfolgt.
Bei dem „
Dresdner Stollen
“, „
Dresdner Weihnachtsstollen
bzw. „
Dresdner Christstollen
“ handelt es sich um ein schweres
Hefegebäck mit hohem Butter- und Früchteanteil, das vor allem
in den Monaten August bis Januar hergestellt wird. Die Stol-
len werden handgeformt und als Laib geschnitten bzw. gerissen
oder gerollt bzw. geschlagen und dürfen nicht in Formen oder
Verbundkästen gebacken werden. Es werden verpflichtende
Zu-
taten benannt, welche bei der Herstellung mindestens verwen-
det werden müssen, Künstliche Aromen sowie direkt zugege-
bene Zusatzstoffe und Margarine dürfen nicht zur Anwendung
kommen. Für Butter, Sultaninen, Zitronat und Orangeat sowie
für süße und bittere Mandeln werden Mindestgehalte bezogen
auf den Mehlanteil beschrieben.
Das geografische Herkunftsgebiet ist auf die Landeshauptstadt
Dresden sowie auf einen definierten Großraum um Dresden
be-
schränkt.
Dresdner Stollen muss deutlich als solcher gekennzeichnet sein.
Zudem ist die Herstellerangabe verpflichtend und auf der
Ober-
seite der Verpackung ist ein eingetragenes Qualitätssiegel mit
der jeweils herstellerbezogenen individuellen Kontrollnummer
aufzubringen (siehe Abbildung 4).
Die Tradition des Stollenbackens im geografischen Gebiet lässt
sich bis in das 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Der Dresdner
Striezelmarkt, erstmals 1434 urkundlich erwähnt, kennzeichnet
ihn bereits als Striezel. 1530 wurde in einem Schriftstück der
Stollen als „Christstollen“ bezeichnet. Besondere Berühmtheit
hat der so genannte „Butterbrief“ von Papst Innozenz VIII von
ca. 1490 erlangt, welcher für die Dresdner Bäcker das für die
Adventszeit als Fastenzeit durch päpstlichen Erlass bestehende
Butterbackverbot aufhob. Seit 1727 wurde der Dresdner Stol-
len zur Weihnachtszeit am sächsischen Hof August des Starken
gereicht. [2]
Die „
Nürnberger Lebkuchen
“ sind gewürzte Gebäcke, die auf
100 Teile Getreideerzeugnisse mindestens 50 Teile Zuckerarten/
Honig oder Invertzucker enthalten, sowie Gewürze, Mandeln,
Abbildung 1:
g.g.A.
Abbildung 2:
g.U.
Abbildung 3:
g.t.S.
Abbildung 4:
Dresdner Christstollen

image
image
│27
andere Ölsamen, Ei, Milch und Fruchtzubereitungen (siehe Ab-
bildung 5). Sie können belegt, überzogen, verziert oder gefüllt
sein.
Das geografische Herkunftsgebiet ist auf die Stadt Nürnberg
beschränkt.
Die Tradition der Lebkuchenstadt Nürnberg ist sprichwörtlich.
Im Jahr 1643 gründeten die Nürnberger Lebküchner eine eigene
Zunft. Der Zusammenhang wird durch Gerichtsurteile bestätigt.
[3]
Weiterhin geschützt sind die „
Aachener Printen
“, welches
knusprig-harte oder auch saftig-weiche Braune Lebkuchen sind.
Es sind meist rechteckige Stücke, jedoch auch platten- oder
gebildartige Formen. Kennzeichnend ist die sensorisch deutlich
wahrnehmbare Mitverwendung ungelöst gebliebener brauner
Kandiszucker-Krümel und eine für den Aachener Herkunftsbe-
reich typische Würzung.
Das geografische Herkunftsgebiet ist auf die Stadt Aachen und
noch verschiedene, konkret benannte Städte und Gemeinden
beschränkt.
Aachener Printen werden als sogenannte Braune Lebkuchen mit
einer für das geographische Gebiet typischen Würzung hand-
werklich oder industriell in einem überlieferten Herstellungsver-
fahren durch Backen mit einem besonderen Temperaturverlauf
hergestellt. Auf 100 kg Getreidemahlerzeugnisse enthalten sie
mindestens 80 kg Zuckerarten. Bei Gewürzprinten wird zuwei-
len ein Teil des Zuckers durch Rübensirup ersetzt. Als Ölsamen
im Teig und/oder als Auflage in Überzügen werden nur Mandeln,
Haselnuss- oder Walnusskerne verwendet. Bei der Verarbeitung
von Ölsamen werden diese vorwiegend als Auflage in ganzer
oder zerkleinerter Form, meist eingebettet in Überzügen, ver-
wendet. Insbesondere Figurenprinten werden mit ganzen oder
halben Ölsamen dekoriert.
Die Qualität und das Ansehen der „Aachener Printen“ ist
zu-
rückzuführen auf die über 300-jährige Geschichte und Tradition
ihrer Herstellung in Aachen.[4]
Bei dem „
Salzwedeler Baumkuchen
“ handelt es sich um ein
rundes Schichtgebäck mit einzelnen unregelmäßigen Schich-
ten und einer wilden Zackenbildung. Charakteristisch für den
„Salzwedeler Baumkuchen“ ist die schichtweise gebackene
Masse, die dem Kuchen im Anschnitt das Aussehen von
„Baum-
ringen“ gibt (siehe Abbildung 6). Die Höhe eines Baumkuchens
kann bis zu 90 cm betragen, der Durchmesser bis zu 40 cm. Im
Inneren ist der Baumkuchen entlang der Längsachse hohl, der
Hohlraumdurchmesser kann bis zu 20 cm umfassen.
„Salzwe-
deler Baumkuchen“ wird nach seiner Fertigstellung im Regelfall
nicht in seiner vollen Größe auf den Tisch gestellt, sondern es
werden Ringe geschnitten. Der Baumkuchen kann mit unter-
schiedlichen Überzügen aus Fondant oder verschiedenen Scho-
koladensorten vertrieben werden.
Die Zusammensetzung wird relativ konkret in der Verordnung
benannt, wobei Butter, Mehl, Eigelb, Eiweiß und Zucker nahezu
in gleicher Menge enthalten sind. Zudem sind natürliche Aro-
men und optional Aprikosenmarmelade enthalten. Konservie-
rungsstoffe und Backtriebmittel hingegen sind nicht zulässig.
Das geografische Herkunftsgebiet ist auf die Stadt Salzwedel
beschränkt.
Seit knapp 200 Jahren wird in Salzwedel Baumkuchen herge-
stellt, der seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in ganz
Deutschland und auch im Ausland vertrieben wird. Die Rezeptur
und Herstellung sind sehr aufwendig, so dass er ein ausgespro-
chen hochpreisiges Produkt ist. Das Herstellungsverfahren war
in allen Unternehmen einheitlich: Baumkuchen ist ein Schicht-
gebäck, wird am offenen Feuer gebacken und die Masse Schicht
für Schicht mittels Kelle auf einen rotierenden Spieß aufgetra-
gen. Das gleiche betraf die Hauptbestandteile der Rezeptur.[5]
Beim „
Bremer Klaben
“ handelt es sich um ein schweres
Hefe-
gebäck mit besonders vielen Früchten. Vom vergleichbaren Ge-
bäck Stollen unterscheidet sich der Bremer Klaben durch seinen
hohen Früchte- und Fettanteil. Charakteristisch für das große,
mehrpfündige Gebäck ist seine längliche, flache Form mit
annä-
hernd rechteckigem Querschnitt.
Es gibt unterschiedliche Klabenrezepte, denen aber allen das
Mischungsverhältnis von Teig und Früchten (etwa 1:1) gemein-
sam ist. Die Zutaten sind vergleichbar zu Stollen. Die Zugabe
von Rum und/oder Rosenöl ist bis zu 5 % des Gesamtgewichtes
erlaubt.
Das geografische Herkunftsgebiet ist das Gebiet der Stadt
Bre-
men und des angrenzenden Umlandes sowie der Städte Bremer-
haven und Verden. Alle Hersteller des Bremer Klaben müssen in
einem von der Bäckerinnung Bremen errichteten Produzenten-
register erfasst sein.
Abbildung 5:
Nürnberger Lebkuchen
Abbildung 6:
Baumkuchen

image
image
28 │
Das Herstellungsverfahren wird ebenfalls näher in der Verord-
nung beschrieben. Der Bremer Klaben ist eine Backwarenspezia-
lität, die in Bremen und dem Bremer Umland eine lange Traditi-
on hat und sehr beliebt ist. Der Bremer Klaben ist eng verbunden
mit der Geschichte der Hansestadt Bremen und des Kolonial-
warenhandels, denn erst die im Hafen angelandeten ausländi-
schen Rohstoffe machten diese Spezialität möglich. Aufgrund
seiner langen Haltbarkeit nahmen ihn die Seeleute gerne auf
ihre Fahrten mit. Eine Akte des Bremer Rats aus dem Jahr 1593
gibt den ersten Hinweis auf das Gewerbe der Klabenbäcker. Dass
diese Bremer Spezialität bereits Ende des 17. Jahrhunderts ho-
hes Ansehen genoss, zeigt der Umstand, dass damals in Bremen
ungefähr ein Drittel der Weißbrotsorten aus Klabenteig geba-
cken wurden.[6]
Zuletzt soll in der Reihe der geschützten geografischen Angaben
das „
Lübecker Marzipan
“ genannt werden. Lübecker Marzipan
(siehe Abbildung 7) wird unter Verwendung von frisch geschäl-
ten süßen Mandeln mit besonders aromatischem Geschmack
hergestellt und mit Zucker und Würzstoffen verarbeitet. Lübe-
cker Marzipan enthält 70 Teile Rohmasse und 30 Teile Zucker.
Lübecker Edelmarzipan enthält 90 Teile Rohmasse und 10 Teile
Zucker. Das Hinzufügen von Früchten, Fruchtpasten oder Nüs-
sen ist üblich.
Das geografische Herkunftsgebiet ist auf die Stadtgrenzen der
Hansestadt Lübeck sowie die Teile des Gebietes der daran an-
grenzenden Orte Stockelsdorf und Bad Schwartau beschränkt.
Die Herstellung von Lübecker Marzipan beruht auf eine über
hundertjährige Tradition in dem festgelegten geographischen
Gebiet. Die Tradition wird von den heutigen Herstellern fort-
geführt.[7]
Neben diesen EU-weit rechtlich geschützten Produkten gibt es
eine Vielzahl an Weihnachtsleckereien, welche eben nicht in
Rechtsvorschriften niedergelegt sind. Für viele Erzeugnisse in
Deutschland gibt es trotzdem eine allgemeine Verkehrsauffas-
sung, welche in Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuches
beschrieben sind.
Im Deutschen Lebensmittelbuch werden verschiedene Kategori-
en an Leitsätzen zusammengefasst. Diese Verkehrsauffassungen
dienen sowohl den Verbrauchern, um Beschreibungen und Qua-
litäten zu den enthaltenen Lebensmitteln nachzuschlagen. Aber
ebenso dienen die Leitsätze dazu, Herstellern Rechtssicherheit
bei der Produktion, Zusammensetzung oder Bezeichnung man-
cher Lebensmittel zu geben. Der Überwachung dienen die Leit-
sätze häufig als Grundlage der Überprüfung von Lebensmitteln
auf dem Markt. Abweichungen von den Leitsätzen sind unter
entsprechender Kenntlichmachung teilweise möglich, müssen
allerdings für den Verbraucher ersichtlich sein.
Leitsätze werden durch die Deutsche Lebensmittelbuchkommis-
sion beschrieben (siehe Abbildung 8). Diese ist paritätisch, das
heißt zu gleichen Teilen aus Vertretern der Verbraucherschaft,
der Wirtschaft, der Wissenschaft und schließlich der Überwa-
chung besetzt. Die Deutsche Lebensmittelbuchkommission be-
schreibt auf dem Markt befindliche Erzeugnisse mit ihren
übli-
chen Merkmalen in der Zusammensetzung, im Aussehen oder in
anderen charakteristischen Eigenschaften. Diese Beschreibun-
gen werden in der Regel einstimmig nach intensiver Diskussion
durch alle Kreise beschlossen.
So gibt es Leitsätze beispielsweise für Feine Backwaren, Brot,
Ölsamen und daraus hergestellte Massen, aber auch für Fleisch-
und Fischerzeugnisse oder auch vegane und vegetarische Le-
bensmittel mit Ähnlichkeit zu tierischen Lebensmitteln. Ins-
gesamt gibt es derzeit 22 Kategorien an Leitsätzen, welche
verschiedenartigste Erzeugnisse und deren Qualitäten beschrei-
ben. Hierunter fallen auch diverse Erzeugnisse, welche sich vor
allem in der Weihnachtszeit großer Beliebtheit erfreuen. Ein
Großteil der Beschreibungen findet sich in den Leitsätzen für
Feine Backwaren.[8]
Zur klassischen Weihnachtsbäckerei gehören hier die üblichen
Lebkuchen
, neben den bereits genannten Nürnberger Lebku-
chen. Lebkuchen sind süße gewürzte Erzeugnisse, die aus Mas-
sen oder Teigen gebacken werden. Massen sind in ihrer Konsis-
tenz schaumartig oder weich bis dickflüssig, wohingegen Teige
elastisch bis plastisch formbar sind. Lebkuchen kommen in vie-
len Formen vor und können überzogen, belegt, bestreut, verziert,
glasiert oder gefüllt sein.
Sie enthalten als Basiszutaten Getreideerzeugnisse, Zuckerarten,
Honig oder Invertzuckercreme sowie Gewürze oder natürliche
Aromen. Melassen und Rübensirup werden außer bei Gewürz-
printen nicht verwendet. Als weitere Zutaten werden je nach Art
verschiedene Ölsamen, hier insbesondere Mandeln, Haselnüsse
oder Walnüsse verwendet, sowie Hühnerei- und Milcherzeug-
nisse und Zubereitungen aus Früchten oder Fruchterzeugnissen.
Als Überzug dienen Schokoladearten und Zuckerglasuren und
zum Verzieren werden ganze oder zerkleinerte Ölsamen, ver-
arbeitete Obsterzeugnisse oder Zuckerwaren verwendet. Spei-
sefette und Speiseöle kommen außer bei Braunen Lebkuchen
in geringen Mengen nicht zur Anwendung. Man unterscheidet
zwischen den beiden Hauptkategorien der Oblaten-Lebkuchen
und Braunen Lebkuchen.
Abbildung 7:
Lübecker Marzipan
Abbildung 8:
Deutsche Lebensmittelbuchkommission © BMEL

image
image
│29
Oblaten-Lebkuchen
sind Lebkuchen aus Massen, die auf Obla-
ten aufgetragen und nach leichter Oberflächentrocknung
geba-
cken werden. Qualitativ unterscheidet man einfache, feine und
feinste Oblaten-Lebkuchen. Sie unterscheiden sich sowohl in
ihrem Mindest-Ölsamenanteil insgesamt, als auch im jeweiligen
Anteil an Mandeln, Haselnuss- oder Walnusskernen im Verhält-
nis zum Gesamt-Ölsamenanteil.
Bei der
einfachen Variante
beträgt der Mindestanteil an Ölsa-
men in der Masse 7 %, wobei der Anteil an Mandeln, Haselnuss-
oder Walnusskernen mindestens die Hälfte ausmachen soll. Bei
den
Feinen Oblaten-Lebkuchen
enthält die Masse mindestens
12,5 % Mandeln, Haselnuss- oder Walnusskerne bzw. wird bei
einem Ölsamenanteil von insgesamt mindestens 14 % der An-
teil an Mandeln, Haselnuss- oder Walnusskerne von 7 % nicht
unterschritten. Feinste Oblaten-Lebkuchen, welche auch als Eli-
senlebkuchen oder mit anderen auf höchste Qualität hinweisen-
den Bezeichnungen in den Verkehr gebracht werden, enthalten
mindestens 25 % Mandeln, Haselnuss- oder Walnusskerne. An-
dere Ölsamen werden nicht verwendet. Die Masse enthält dabei
höchstens 10 Prozent Getreideerzeugnisse. Weiße Lebkuchen
sind ebenfalls Oblaten-Lebkuchen, welche in der Masse mindes-
tens 15 % Vollei- oder Milcheiweißerzeugnisse und nicht mehr
als 40 % Getreideerzeugnisse enthalten. Die Verwendung von
Ölsamen ist hierbei möglich.
Weiße Lebkuchen
werden nur in
rechteckiger Form hergestellt und sind weder glasiert, überzo-
gen noch gefüllt.
Ohne Oblatenunterlage gebacken sind die
Braunen Lebkuchen
,
welche aus Teig ausgeformt, ausgestochen oder geschnitten
werden. Sie enthalten auf 100 kg Getreideerzeugnissen min-
destens 50 kg Zuckerarten und werden ohne oder mit Ölsamen
hergestellt.
Braune Lebkuchen
ohne
qualitätshervorhebende oder ohne auf
Ölsamen hindeutende Hinweise können bis zu 3 kg zugesetztes
Fett bezogen auf 100 kg Getreideerzeugnisse enthalten.
Feine
Braune Lebkuchen
enthalten hingegen mindestens 10 % Öl-
samen im Teig oder als Auflage. Sie können bis zu 1,5 kg
zuge-
setztes Fett bezogen auf 100 kg Getreideerzeugnisse enthalten.
Feinste Braune Lebkuchen
oder Braune Lebkuchen mit quali-
tätshervorhebenden Bezeichnungen enthalten im Teig oder als
Auflage mindestens 20 Prozent Mandeln, Haselnuss- oder
Wal-
nusskerne, jedoch keine anderen Ölsamen und kein zugesetz-
tes Fett.
Honig-Lebkuchen
, auch
Honigkuchen
genannt, sind
hingegen Braune Lebkuchen, bei denen mindestens die Hälfte
des Gehaltes an Zuckerarten aus Honig stammt. Der andere Teil
kann auch aus Invertzuckerkrem stammen.
Ebenfalls aus der Weihnachtsbäckerei nicht wegzudenken sind
Dominosteine
. Dabei handelt es sich um etwa bissengroße
Würfel aus einer oder mehreren Schichten Braunen Lebkuchens
und einer oder mehreren Lagen von Zubereitungen, z. B. aus
Fruchtmark, Marzipan oder Persipan; sie sind mit Schokolade-
arten überzogen. Bei qualitätshervorhebenden Bezeichnungen
wie Feine oder Feinste unterscheidet man die Anzahl der Lagen
an Lebkuchen, Fruchtzubereitung und Marzipan oder Persipan.
Bei den
Feinsten Dominosteinen
bestehen die Lagen sogar aus-
schließlich aus Zubereitungen aus Früchten und Marzipan.
Neben weiteren Besonderheiten wie Printen, Spitzkuchen so-
wie den bekannten Mischungen aus Lebkuchen-Herzen, -Bre-
zeln und –Sternen, werden auch traditionelle Lebkuchenarten
wie
Pfeffernüsse, Pflastersteine, Magenbrot
oder
Alpenbrot
in
den Leitsätzen für Feine Backwaren benannt, wobei bei Braunen
Lebkuchen der
Wortbestandteil „Pfeffer…”
nur auf eine kräfti-
ge Würzung hinweist.
Neben den Lebkuchen werden auch
Makronengebäcke
zur
Weihnachtszeit gereicht. Makronengebäcke werden aus zerklei-
nerten Mandeln oder anderen eiweißreichen Ölsamen (ausge-
nommen Erdnusskerne) oder den entsprechenden Rohmassen
(wie z. B. Marzipan oder Persipan) sowie aus Zucker und Eiklar
(bisweilen auch Eigelb) hergestellt. Ein Zusatz von Getreideer-
zeugnissen oder Stärken ist außer bei Kokosmakronen (siehe
Abbildung 9) nicht üblich. Nur Mandel- und Marzipanmakronen
tragen auch die alleinige Bezeichnung Makronen, alle anderen
Makronengebäcke werden entsprechend der Art der verwende-
ten Ölsamen oder Rohmassen bezeichnet.
Als weiteres knusprig-flaches Mandel- bzw. Nussgebäck sind
auch
Florentiner
zu nennen (siehe Abbildung 10). Sie haben
meist einen braunen Rand und ein helles Inneres. Bei der Her-
stellung werden außer feingehackten oder gehobelten Mandeln
oder Nusskernen Zuckerarten, Fette und auch Milch verwendet.
Der Mehlanteil beträgt nicht mehr als 5 Prozent. Früchte oder
Fruchtbestandteile oder Honig können ebenfalls zugesetzt wer-
den.
Abbildung 9:
Kokosmakronen
Abbildung 10: Florentiner

image
image
30 │
Auch
Früchtebrot
ist ein klassisches Weihnachtsgebäck, wel-
ches in der besinnlichen Jahreszeit nicht fehlen darf. Früchte-
brot enthält zu mindestens gleichen Anteilen Getreideerzeug-
nisse und Trockenfrüchte (z.B. Birnen, Äpfel, Feigen, Sultaninen)
einschließlich kandierte Früchte, sowie auch Mandeln oder Nüs-
se. Bei Früchtebrot, das nach einer Fruchtart benannt ist, wie
z. B. Birnenbrot, genügt die Verwendung dieser Fruchtart.
Als letztes Weihnachtsgebäck soll noch auf den
Stollen
im All-
gemeinen eingegangen werden. Grundlegend gilt bei Stollen,
dass diese mindestens 30 kg Butter oder Margarine sowie 60 kg
Trockenfrüchte – ausschließlich Rosinen, Sultaninen oder Ko-
rinthen –, sowie Citronat und Orangeat, bezogen auf 100 kg
Getreideerzeugnisse enthalten, sofern keine besonderen Anfor-
derungen zu bestimmten Stollenarten vorgegeben sind.
Mandelstollen
enthalten beispielsweise mindestens 20 kg Man-
deln auf 100 kg Getreideerzeugnisse. Trockenfrüchte, auch Ci-
tronat und Orangeat, können zugesetzt werden, wohingegen
eine Zugabe von Persipan nicht üblich ist.
Wird bei Stollen in der Bezeichnung auf die Verwendung von
Marzipan
oder
Persipan
hingewiesen, so beträgt der üblicherwei-
se zu einer Füllung verarbeitete Marzipanrohmasse- bzw. Persi-
panrohmasseanteil mindestens 5 % des Stollenteiggewichtes.
Mohnstollen
hingegen enthalten mindestens 20 kg Mohn auf
100 kg Getreideerzeugnisse. Üblicherweise wird der Mohn hier zu
einer Füllung verarbeitet und die Verwendung von Trockenfrüch-
ten, auch Citronat und Orangeat ist möglich (siehe Abbildung 11).
Zuletzt soll noch die Besonderheit bei
Butterstollen
erwähnt
werden. Diese enthalten mindestens 40 kg Butter, sowie min-
destens 70 kg Trockenfrüchte, auch Citronat und Orangeat, auf
100 kg Getreideerzeugnisse. Bis 10 kg Trockenfrüchte können
dabei durch Mandeln oder eine entsprechende Menge Marzi-
panrohmasse ersetzt werden. Eine Zugabe von Persipan ist je-
doch nicht üblich.
Generell ist bei diesen hochwertigen Weihnachtsleckereien die
Verwendung von
Schokoladearten als Überzüge
üblich. Die Ver-
wendung von mit Schokoladearten verwechselbaren Überzügen,
wie
kakaohaltige Fettglasuren
, sind bei traditionell arbeitenden
Betrieben verpönt und nicht üblich. Der Vollständigkeit halber
erwähnt werden muss jedoch, dass unter ausreichender Kennt-
lichmachung die Verwendung dieser qualitativ minderwertigen
Glasuren möglich ist.
Abschließend noch ein kurzer Exkurs in die Leitsätze für Ölsa-
men und daraus hergestellte Massen und Süßwaren[9]. Hierin
werden beispielsweise die Unterschiede zwischen Marzipan und
Persipan nachvollziehbar niedergelegt. Ebenso werden Nugat-
massen und daraus hergestellte Erzeugnisse näher beschrieben.
Marzipan
wird aus blanchierten geschälten Mandeln unter Um-
ständen mit einem geringen Anteil an geschälten bitteren Man-
deln unter Zuckerzusatz hergestellt. Der Zucker kann zum Teil
durch Glucosesirup und Sorbit ersetzt sein. Eine Besonderheit
stellt
Königsberger Marzipan
dar, welches abgeflämmt ist.
Persipan
hingegen ist eine aus blanchierten/geschälten, gege-
benenfalls entbitterten bitteren Mandel- und kostengünstigeren
Aprikosen- oder Pfirsichkernen unter Zuckerzusatz hergestellte
Masse. Der Zucker kann ebenfalls teilweise durch Glucosesirup
und Sorbit ersetzt sein. Der Zuckeranteil bei Persipan kann hö-
her liegen als bei Marzipan.
Nugatmassen
sind weiche bis schnittfeste Erzeugnisse, die aus
enthäuteten Nusskernen (Hasel- oder Walnüsse) oder aus blan-
chierten/geschälten Mandeln, gegebenenfalls auch ungeröstet,
durch Feinzerkleinerung unter Zusatz von Zucker und Kakaoer-
zeugnissen hergestellt werden. Nugatmassen (siehe Abbildung
12) können einen Zusatz geringer Mengen geschmackgebender
Stoffe enthalten. Ein Teil des Zuckers kann durch andere Zu-
ckerarten sowie durch Sahne-, Milch-, Magermilch- oder Mol-
kenpulver ersetzt werden. Aus Nugatmassen werden beispiels-
weise Nugat oder Noisette, Sahnenugat oder auch Milchnugat
hergestellt, welche sich jeweils in ihren Zucker-, Sahne- und
Milchanteilen unterscheiden.
Literatur:
[1] Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 21.11.2012 über Qualitätsre-
gelungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel (ABl. L
343, S. 1), zuletzt geänd. durch VO (EU) 2017/625 vom
15.3.2017 (ABl. L 95, S. 1)
[2] Veröffentlichung eines Eintragungsantrags nach Artikel 6
Absatz 2 der Verordnung (EG) Nr. 510/2006 des Rates zum
Schutz von geografischen Angaben und
Ursprungsbezeich-
nungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel (2010/C
46/12)
[3]
Verordnung (EWG) Nr. 2081/92 des Rates; Dossier Number:
DE/PGI/0017/0670
[4]
Verordnung (EWG) Nr. 2081/92 des Rates; Dossier Number:
DE/PGI/0017/1095
Abbildung 11: Mohnstollen
Abbildung 12: Schichtnougat

│31
[5] Veröffentlichung eines Eintragungsantrags nach Artikel 6
Absatz 2 der Verordnung (EG) Nr. 510/2006 des Rates zum
Schutz von geografischen Angaben und
Ursprungsbezeich-
nungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel (2010/C
95/08)
[6] Veröffentlichung eines Antrags nach Artikel 6 Absatz 2 der
Verordnung (EG) Nr. 510/2006 des Rates zum Schutz von
geographischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen für
Agrarerzeugnisse und Lebensmittel (2009/C 110/07)
[7]
Verordnung (EWG) Nr. 2081/92 des Rates; Dossier Number:
DE/PGI/0017/0657
[8] Leitsätze für Feine Backwaren vom 17./18.9.1991 (Beilage
Nr. 86b zum BAnz. vom 8.5.1992, GMBl. 1992 Nr. 17, S.
325), zuletzt geänd. durch Bekanntmachung vom 8.1.2010
(BAnz. Nr. 16 vom 29.1.2010, GMBl. 2010 Nr. 5/6, S. 120)
[9] Leitsätze für Ölsamen und daraus hergestellte Massen und
Süßwaren vom 27.1.1965 (Beilage zum BAnz Nr. 101 vom
2.6.1965, GMBl. 1965, S. 165), zuletzt geänd. durch Be-
kanntmachung vom 8.1.2010 (BAnz. Nr. 16 vom 29.1.2010,
GMBl. 2010 Nr. 5/6, S. 120)
Bearbeiter: LC Thomas Böhm
LUA Chemnitz

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32 │
Die Mikrovinifizierung sächsischer Weine und die
EU-Weindatenbank
Zu den besonderen Arbeitsaufgaben des LUA-Weinkontrolleurs
zählt die jährliche Mikrovinifikation. Was hat es damit auf sich?
Bereits im Jahre 1991 wurde eine EU-Datenbank etabliert, die
zunächst Analysenwerte der kernresonanzmagnetischen Mes-
sungen des Deuteriumgehaltes ausgewählter Weine zum In-
halt hatte. Deuterium („schwerer Wasserstoff“) ist ein natürlich
vorkommendes Wasserstoffisotop, das heißt Bestandteil von
Wasser, dessen Anteil im Niederschlagswasser regional signi-
fikant variiert, außerdem verändert sich das Isotopenverhältnis
auch durch die physiologischen Prozesse nach Aufnahme durch
die Pflanze. Später wurde diese Datenbank unter anderem um
die Stabilisotopenverhältnisse 18O/16O im Weinwasser sowie
13C/12C im Weingeist erweitert. Diese Datenbank wurde bei
dem der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) angehörenden
Europäischen Referenzzentrum für die Kontrolle im Weinsek-
tor (ERC-CWS) eingerichtet und wird von diesem verwaltet, um
den Mitgliedstaaten wirksame Instrumente zur Begrenzung des
Risikos von betrügerischen Weinmanipulationen an die Hand zu
geben. Rechtsgrundlage ist Artikel 39 der VO (EU) Nr. 2018/273
i. V. m. Artikel 27 der VO (EU) Nr. 2018/274. Der Zugang zu den
Daten ist in Artikel 28 der VO (EU) Nr. 2018/274 geregelt. Im
Verdachtsfall kann eine Anfrage durch die von den Mitglied-
staaten benannten amtlichen Laboratorien über die ERC-CWS
gestellt werden. Eine frei zugängliche Publikation der Analysen-
daten erfolgt nicht.
Mit Hilfe dieser umfassenden Datensammlung sollen die Anrei-
cherung von Weinbauerzeugnissen besser überwacht und ein
unzulässiger Wasserzusatz rechtssicher nachgewiesen werden
können. Unter einer Anreicherung („Chaptalisieren“) versteht
man einen Zuckerzusatz zum Traubenmost vor der Gärung zum
Behufe der Erhöhung der Alkoholausbeute – dieses Verfahren
ist aber nur bei einigen Weinbauerzeugnissen (nicht aber z. B.
bei deutschen Prädikatsweinen) und nur in einer bestimmten
Menge (Anreicherungsspanne) und bis zu einem definierten
Höchstgehalt (Anreicherungsgrenze) zulässig. In Zusammen-
hang mit anderen Analysenverfahren soll die Datenbank ferner
auch Überprüfungen der angegebenen geographischen Herkunft
sowie bspw. der Rebsorte ermöglichen. All diese rechtlichen Fra-
gestellungen lassen sich mittels der klassischen Weinanalytik
meist nicht befriedigend beantworten.
Entscheidend für den Nutzen der Datenbank ist die Qualität der
Datensätze. Insbesondere ist es wichtig, dass hierfür nur un-
verdächtige, authentische Proben als Referenzwerte verwendet
werden. Da dies bei Handelsproben nie mit letzter Gewissheit
feststeht, wurde in Deutschland festgelegt, dass die zu vermes-
senden Weine unter amtlicher Aufsicht hergestellt werden müs-
sen. In Sachsen gehört diese „Mikrovinifikation“ zu den
Dienst-
aufgaben des LUA-Weinkontrolleurs, Herrn Dipl.-Ing. (FH) Bernd
Langefeld. Im Folgenden sollen die dazu erforderlichen Arbeits-
schritte kurz erläutert werden.
In Sachsen sind sieben Messpunkte festgelegt, von denen ak-
tuell sechs verwendet werden. Die anderen Standorte wurden
inzwischen gerodet bzw. die dort befindlichen Rebanlagen
ste-
hen nicht im Ertrag. Bei den Messpunkten handelt es sich um
konkrete Weinlagen, die das Anbaugebiet Sachsen (geschützte
Ursprungsbezeichnung) sowohl hinsichtlich seiner geographi-
schen Gegebenheiten als auch bezüglich seines Sortenspekt-
rums möglichst gut repräsentieren sollen. Momentan sind bei
den sächsischen Messpunkten die Rebsorten Riesling (zweimal),
Weißburgunder, Kerner, Goldriesling, Grauburgunder und Tra-
miner vertreten. In der gesamten EU sind gemäß Anhang III Teil
III der VO (EU) Nr. 274/2017 insgesamt 1.607 Messpunkte ver-
geben, davon allein 200 in Deutschland.
Am Beginn der Mikrovinifikation steht (nach Absprache mit dem
jeweiligen Eigentümer, der für die entnommenen Keltertrauben
selbstverständlich finanziell entschädigt wird) die Lese der
Trau-
ben - bei schönem Spätsommer- bzw. Herbstwetter zählt dies
zweifellos zu den angenehmen Pflichten des Weinkontrolleurs
(Abbildung 1). Es werden von mehreren Rebstöcken repräsen-
tativ mindestens 10 kg Trauben (Abbildung 2) entnommen und
unverzüglich der weiteren Verarbeitung zugeführt.
Abbildung 1:
Der Weinkontrolleur bei der Lese
Abbildung 2:
Erntereife Weißburgunder-Trauben

image
image
image
image
│33
Um eine nachteilige Veränderung des Lesegutes zu vermeiden,
ist eine Lese bei kühlen Temperaturen bzw. in den frühen Mor-
genstunden, aber ohne Regen (Eintrag von Fremdwasser), güns-
tig. Da es an der LUA an einem geeigneten Raum und entspre-
chenden Gerätschaften für die Weinherstellung mangelt, erfolgt
diese in Amtshilfe im Versuchskeller des Landesamtes für Um-
welt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Abteilung Gartenbau
am Standort Dresden-Pillnitz. An dieser Stelle sei den dortigen
Kollegen, insbesondere Herrn Alexander Krah (Techniker für
Weinbau und Kellerwirtschaft), für ihre jahrelange freundliche
und pragmatische Unterstützung herzlich gedankt.
Nachdem die Trauben traditionell durch Stampfen mit saube-
ren Gummistiefeln angequetscht wurden (Abbildung 3 und 4),
werden sie gekeltert. Dazu bedient man sich einer hydraulischen
Presse (wassergefüllter Gummischlauch, der die Trauben radial
nach außen gegen ein Gitter drückt), die ein schonendes, aber
effektives und zügiges Abpressen erlaubt (Abbildung 5).
Nach Bestimmung des Oechslegrades (Maß für die Dichte des
Mostes und damit den Mengenanteil gelöster Inhaltsstoffe, vor
allem Zucker) noch vor Ort mit Hilfe eines Handrefraktometers
(Abbildung 6) wird der gewonnene Traubenmost in gereinigte
Glasballons à ca. 20 l aufgefangen (Abbildung 7), mit der ent-
sprechenden Menge Reinzuchthefe (Saccharomyces cerevisiae)
versetzt und anschließend luftdicht (Gärverschluss) verschlos-
sen. Von einer entnommenen Probe Traubenmost werden an der
LUA im Getränkelabor (FG 2.1) einige analytische Parameter (re-
lative Dichte, Gesamtsäure) bestimmt.
Der Gärprozess dauert etwa 1 bis 3 Wochen. Danach wird der
klare Jungwein vom Hefe-Bodensatz abgezogen und die nöti-
ge Menge Sulfitsalz (Kaliummetabisulfit) zugesetzt (Zielgröße:
100 mg/l), um den Wein zu stabilisieren und vor Oxidation zu
schützen. Weitere önologische Verfahren wie Schönungen oder
ähnliche. werden nicht durchgeführt, denn im Gegensatz zur
kommerziellen Weinherstellung steht hier nicht die Gewinnung
eines sensorisch hochwertigen Erzeugnisses, sondern der Berei-
tung eines unverfälschten Weines ohne störende Fremdeinflüsse
im Mittelpunkt – also die Weinherstellung in ihrer puristischs-
ten Art (Abbildung 8). Anschließend wird erneut eine Teilprobe
im Labor analysiert (vorhandener Alkohol, gesamter Alkohol, re-
duzierende Zucker, Extrakt, Gesamtsäure, SO
2
).
Zusätzlich werden im FG 2.6 stets auch die Gehalte an Shiki-
misäure mittels HPLC bestimmt, da die Konzentrationen dieser
im Spurenbereich natürlich vorkommenden Säure rebsorten-
spezifisch sind. Da es bezüglich der Shikimisäuregehalte keine
gesetzlichen Mindest- bzw. Höchstgehalte gibt, führt das BfR
auch hier eine entsprechende Datenbank und ist an aktuellen
Werten authentischer Proben unterschiedlicher Rebsorten sehr
interessiert. Mit Hilfe dieser Vergleichsdaten, die den wissen-
Abbildung 3:
Quetschen der Trauben auf traditionelle Weise
Abbildung 4:
Quetschen der Trauben auf traditionelle Weise
Abbildung 5:
Beim Keltern
Abbildung 6:
Bestimmung der Mostgewichtes mittels Handrefraktometer

image
image
34 │
schaftlichen Sachverständigen der amtlichen Weinüberwachung
zur Verfügung gestellt werden, lassen sich die Analysenwerte
eigener amtlicher Proben gut einordnen und erforderlichenfalls
stringent beanstanden.
Vom fertigen Wein werden mindestens drei Flaschen à 0,75 l
abgefüllt, verschlossen und eindeutig etikettiert. Diese Proben
werden – zusammen mit den auszufüllenden Formblättern zu
jeder Probe, bei denen unter anderem die genaue Herkunft, die
Hanglage, die Bodenbeschaffenheit, die aktuellen Witterungs-
verhältnisse, das Alter der Rebstöcke, der geschätzte Hektarer-
trag sowie der Gesundheitszustand der Trauben anzugeben sind
- an das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nach Berlin
geschickt, wo die entsprechenden Stabilisotopenmessungen (die
an der LUA Sachsen nicht möglich sind) gemäß den einschlägi-
gen OIV-Methoden durchgeführt, die Analysendaten statistisch
ausgewertet und in die Datenbank eingespeist werden.
Die Pflege der EU-Weindatenbank und die dafür erforderliche
jährliche Mikrovinifikation sind sehr arbeitsaufwändig und
letztlich auch teuer, so dass hier zuweilen kritische Stimmen das
Verhältnis Aufwand/Nutzen in Frage stellen. Dabei sollte aber
nicht vergessen werden, dass eine stets aktuelle und auf authen-
tischen Proben basierende Weindatenbank die unentbehrliche
Grundlage für die Aufdeckung und rechtssichere Beanstandung
einiger gravierender Weinverfälschungen war und ist. Nach wie
vor werden durch die Weinüberwachungsbehörden immer wie-
der Fälle von „Food Fraud“ ermittelt, das heißt Weine eruiert, die
beispielsweise gewässert oder unzulässig gesüßt wurden bzw.
unzutreffende geographische Angaben tragen. Auch wenn sich
die Zahl entsprechender Beanstandungen in Grenzen hält, sollte
der präventive Charakter solcher analytischen Untersuchungen
und deren Bewertung aufgrund der EU-Datenbank nicht unter-
schätzt werden. Allein das Wissen um die Gefahr der Entdeckung
unlauterer Praktiken wird sicherlich manche betrügerische Ma-
nipulation im Vorfeld unterbinden und stärkt damit unmittelbar
den Verbraucherschutz vor Irreführung und Täuschung. Insofern
hat die EU-Weindatenbank einschließlich der aufwändigen Mi-
krovinifikation zweifellos ihre Berechtigung und sollte auch in
der Zukunft fortgeführt werden.
Bearbeiter: Dr. rer. nat. Tobias Haufe
Fotos:
Dr. rer. nat. Tobias Haufe
Abbildung 7:
Abfüllen in Gärballons
Abbildung 8:
Im Versuchskeller

│35
Das Programm des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales
und Gesellschaftlichen Zusammenhalt (SMS) und der Sächsi-
schen Tierseuchenkasse (TSK) zur diagnostischen Abklärung von
Tierverlusten bei Pferden, Rindern, Schweinen, Schafen und Zie-
gen, kurz Sektionsprogramm, gibt es seit 2008 in Sachsen. Eine
Neufassung des Programms erfolgte im Jahr 2015, um es an
geltende EU-Vorgaben anzupassen.
Mit Hilfe des Programms soll die Tierseuchenprophylaxe durch
eine Erhöhung der Abklärungsrate bei Tierverlusten und Krank-
heitsgeschehen verbessert werden. Es dient der Unterstützung
von Landwirten und landwirtschaftlichen Unternehmen, um
diesen den Zugang zu Großtiersektionen an den Standorten
Dresden und Leipzig zu erleichtern.
Grundsätzlich ist der Tierhalter in der Pflicht, im Rahmen seiner
Eigenverantwortung, Krankheitsgeschehen und Tierverluste dia-
gnostisch abklären zu lassen. Doch durch lange Anfahrtswege,
Fehlen von geeigneten Fahrzeugen für einen seuchenhygienisch
unbedenklichen Transport und den durch Wirtschaftlichkeit be-
dingten eng begrenzten Personalbestand in den Betrieben, ist
es den Landwirten kaum möglich, dieser Eigenverantwortung
gerecht zu werden. Folglich wurde ein starker Rückgang der
Sektionen verzeichnet, von ca. 700 Rindern im Jahr 1996 auf
lediglich 200 im Jahr 2005. Eine frühzeitige Erkennung von Tier-
seuchen und die diagnostische Abklärung von Tierkrankheiten
war damit kaum noch gewährleistet.
Durch das Sektionsprogramm hat der Tierhalter zum einen die
Möglichkeit, Tiere ab einem Körpergewicht von 30kg durch ein
Spezialfahrzeug der Tierkörperbeseitigungsanstalt (TBA) abho-
len und zur LUA transportieren zu lassen, zum anderen erhält
er finanzielle Unterstützung bei der Abklärung von Tierverlusten
und Krankheitsgeschehen in seinem Bestand. Das SMS und die
TSK übernehmen die Kosten für den Transport und für alle Un-
tersuchungen, die der Abklärung von EU- bzw. OIE-gelisteten
Krankheiten dienen. Die restlichen Kosten trägt der Tierhalter.
Dieses Angebot gilt für alle bei der sächsischen TSK gemeldeten
Tierhalter.
Untersuchungen im Rahmen des Sektionsprogramms
Im ersten Jahr des Programms wurden insgesamt 626 Tierkör-
per an den Standorten Dresden und Leipzig untersucht. Diese
Zahl konnte nur 2 Jahre später, im Jahr 2010, fast verdoppelt
werden und blieb in den darauffolgenden Jahren gleichbleibend
hoch. Das spricht für eine sehr erfolgreiche Etablierung und
hohe Akzeptanz dieses Programms bereits kurze Zeit nach der
Einführung. Ein erneuter deutlicher Anstieg der Untersuchungs-
zahlen um 36% zeigte sich im Jahr 2019, dieser Trend scheint
sich dieses Jahr fortzuführen, denn im 1. Halbjahr wurden be-
reits 763 Tierkörper seziert. Eine Übersicht über die Entwicklung
der Sektionszahlen und deren Aufteilung auf die Landkreise seit
Beginn des Programms entnehmen Sie der Abbildung 1 und der
Tabelle 1.
Tabelle 1: Pathologische Diagnostik von Nutztieren – Verteilung nach Landkreisen
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
DB Chemnitz
Erzgebirgskries
60
54
78
82
67
77
75
62
64
67
78
Vogtland
44
110
86
59
79
43
41
38
31
41
73
Mittelsachsen
131
193
211
196
209
193
195
155
175
202
280
Zwickau
35
72
40
61
46
34
32
30
39
50
57
Chemnitz
1
7
8
5
10
4
7
2
7
7
5
DB Dresden
Bautzen
69
161
148
145
158
156
217
189
140
97
181
Sächs. Schweiz-O.
54
60
54
69
62
64
58
108
90
107
145
Görlitz
114
114
77
86
113
112
136
165
97
127
110
Dresden
7
2
6
7
15
4
6
7
8
7
2
Meißen
104
163
171
128
121
104
119
122
103
205
151
DB Leipzig
Leipzig Land
67
98
90
65
74
76
97
65
108
65
252
Nordsachsen
76
157
126
131
121
94
111
75
98
136
232
Leipzig
2
1
4
3
3
0
2
4
6
7
6
626
765
1.192
1.101
1.037
1.078
958
1.095
1.023
965
1.158
1.572
0
200
400
600
800
1.000
1.200
1.400
1.600
1.800
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Abbildung 1: Entwicklung der Sektionszahlen seit Beginn des Sektionspro-
grammes
Das Sektionsprogramm: Ein wichtiger Bestandteil in
der Tierseuchendiagnostik

image
36 │
Rinder
Rinder machen mit einer durchschnittlichen Beteiligung von
42 % jedes Jahr einen großen Teil der im Rahmen des Sekti-
onsprogramms untersuchten Tierkörper aus. Die Anzahl der pro
Jahr untersuchten landwirtschaftlichen Nutztiere seit 2008 und
die durchschnittlichen Anteile der untersuchten Tierarten ent-
nehmen Sie bitte den Abbildungen 2 und 3. Im Durchschnitt
werden ca. 435 Rinder pro Jahr seziert. Eine außergewöhnlich
hohe Steigerung der Sektionen um 48 % fand sich im Jahr 2019
mit 637 untersuchten Tierkörper, auch im Jahr 2020 wird die-
ses hohe Niveau scheinbar beibehalten mit knapp 300 Unter-
suchungen im 1. Halbjahr. Die Steigerung beruht im Wesentli-
chen auf vermehrten Ausbrüchen der Rindersalmonellose, einer
anzeigepflichtigen Tierseuche, in deren Folge die Untersuchung
von verendeten Tieren amtlich angeordnet wurde. Dement-
sprechend war im Jahr 2019 auch der Anteil an Nachweisen
von Salmonellen außergewöhnlich hoch. Insgesamt gab es 58
Salmonellen-Nachweise aus 8 verschiedenen Beständen bei den
637 untersuchten Rindern, sonst liegt der Durchschnitt bei 14
Nachweisen pro Jahr. Weitere, bei jedem Tier untersuchte, an-
zeigepflichtige Tierseuchen sind zum einen BHV-1, welche 2009
letztmalig im Rahmen des Programms nachgewiesen wurde und
zum anderen BVD mit dem letzten Nachweis 2016.
Meldepflich-
tige Tierkrankheiten, welche regelmäßig nachgewiesen werden,
sind Q-Fieber (ca. 3 Nachweise pro Jahr), Listeriose (4-5 Nach-
weise pro Jahr) und Paratuberkulose (ca. 3 Nachweise pro Jahr).
Schweine
Die Untersuchung von Schweinen (siehe Abbildung 4) ist ein
weiterer Schwerpunkt im Bereich der Tierseuchendiagnostik
und hat im Durchschnitt eine jährliche Beteiligung von 43 %.
Auch hier ist eine deutliche Steigerung der untersuchten Tier-
körper seit 2018 zu verzeichnen. Es werden ca. 460 Schweine
pro Jahr im Rahmen des Sektionsprogramms seziert, im Jahr
2018 waren es 546 Tierkörper und im Jahr 2019 sogar 744, ein
neuer Rekordwert. Auch im 1. Halbjahr diesen Jahres wurden
bereits 361 Tierkörper untersucht, was für eine gleichbleibend
hohe Quote im Jahr 2020 spricht. Grund dafür ist vor allem die
verstärkte Aufmerksamkeit aufgrund der Ausbreitung der Af-
rikanischen Schweinepest in Osteuropa, welche im September
2020 Deutschland und zwischenzeitlich auch Sachsen erreicht
hat (bislang nur Nachweise bei Wildschweinen). Ein weiterer
Grund könnte die Novellierung der Tierärztlichen Hausapothe-
kenverordnung Anfang des Jahres 2018 darstellen mit nieder-
gelegten Vorschriften zur Antibiogrammpflicht. Seit Beginn des
Programms wurden keine anzeigepflichtigen Tierseuchen beim
Schwein nachgewiesen. Die Salmonellose als meldepflichtige
Tierkrankheit wird regelmäßig nachgewiesen. Im Durchschnitt
gibt es 19 Salmonellennachweise pro Jahr.
2008
2009
2010 2011
2012
2013 2014
2015
2016 2017
2018
2019
Rinder
326 375 524 422 411 458 388 435 380 412 429 637
Schweine
242 264 535 539 487 461 434 475 419 371 546 744
Schafe und Ziegen
25
82
95
107 101 112 108 130 178 152 137 155
Pferde
31
43
34
30
33
34
27
39
36
25
38
34
0
100
200
300
400
500
600
700
800
Abbildung 2:
Anzahl der pro Jahr untersuchten landwirtschaftlichen Nutztiere
seit 2008
Abbildung 3:
Durchschnittlicher Anteil der untersuchten Tierarten im Rahmen
des Sektionsprogramms
Rinder
Schweine
Schafe u. Ziegen
Pferde
Abbildung 4:
Schwein, Einblick in die Tierkörpersektion

│37
Schafe und Ziegen
Die Gruppe der kleinen Wiederkäuer machte gerade zu
Beginn des Sektionsprogramms nur einen sehr geringen
Anteil aus. Im ersten Jahr wurden lediglich 25 Tierkörper
untersucht. Aber bereits im darauffolgendem Jahr konnte
eine Steigerung um 228 % verzeichnet werden mit 82 se-
zierten Tierkörpern. Seitdem ist eine stetige Steigerung der
Sektionszahlen zu vermerken, so dass in den letzten Jah-
ren durchschnittlich 150 Tiere pro Jahr untersucht wurden.
Dies verdeutlicht die hohe Akzeptanz und Wichtigkeit des
Programms. Bedeutende meldepflichtige Tierkrankheiten,
welche regelmäßig nachgewiesen werden, sind die Listerio-
se mit durchschnittlich 6 und die Salmonellose mit durch-
schnittlich 5 Nachweisen pro Jahr.
Pferde
Den kleinsten Anteil mit durchschnittlich 4 % machen die
Pferde am Sektionsprogramm aus. Seit Beginn des Pro-
gramms werden ca. 34 Pferde pro Jahr zur Sektion einge-
sandt. Eine wichtige anzeigepflichtige Tierseuche beim Pferd
ist die Equine Infektiöse Anämie, welche 2015 das letzte Mal
nachgewiesen wurde.
Probleme
Die hohen Untersuchungszahlen seit 2019 sind zwar erfreu-
lich und wichtig, dennoch stößt die LUA Sachsen mit die-
sem Probenaufkommen an ihre personellen und logistischen
Grenzen. Anlieferungen von bis zu 16 Rindern an einem Tag
sprengen die Kapazität des Sektionsfahrzeuges der TBA, der
zur Verfügung stehenden Kühl- und Lagerungsmöglichkei-
ten und die des Personals der LUA. Zudem kann es bei die-
sen Größenordnungen zu Kontaminationen kommen, wenn
beispielsweise Tiere aus wegen Salmonellennachweisen ge-
sperrten Rinderbeständen mit salmonellenfreien Tieren über
mehrere Stunden zusammen bzw. übereinander gelagert und
transportiert werden. Trotz erhöhter Hygienemaßnahmen im
Sektionsraum ist eine Kontamination durch Salmonellen
nicht in jedem Fall zu vermeiden. Die Rückverfolgung und
Abklärung von kontaminierten und somit falsch-positiven
Salmonellentieren bringt einen hohen personellen, zeitli-
chen und auch materiellen Aufwand mit sich. Deshalb sollte
bei der Notwendigkeit solcher amtlichen Anordnungen ein
gesonderter Transport zur LUA angestrebt werden.
Fazit
Das Sektionsprogramm ist ein sehr wichtiger Bestandteil
der Tierseuchendiagnostik in Sachsen und ermöglicht den
Landwirten einen unkomplizierten und finanziell
gestütz-
ten Zugang zu Großtiersektionen. Mit Hilfe des Programms
können frühzeitig Tierseuchen erkannt, Tierverluste sowie
Krankheitsgeschehen abgeklärt und entsprechend gehandelt
werden. Somit trägt es deutlich zur Verbesserung der Be-
standshygiene bei, dient dem Tierwohl und der fördert die
Wirtschaftlichkeit des Betriebs durch gezielte Behandlungs-
möglichkeiten. Zudem ermöglicht es eine genauere Über-
sicht über die aktuelle Tierseuchensituation in Sachsen.
Bearbeiter: TÄ Katharina Wilke
LUA Dresden

38 │
Neue Rechtsbestimmungen im Bereich des LFGB –
3. Quartal 2020
1.9 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1061 der Kommissi-
on vom 13. Juli 2020 zur Genehmigung von Änderungen
der Spezifikation einer geschützten geografischen Angabe
(„Dealurile S
ă
tmarului“ (g. g. A.)) (ABl Nr. L 232/38)
1.10 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1062 der Kommissi-
on vom 13. Juli 2020 über die Gewährung des Schutzes
gemäß Artikel 99 der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rates für den Namen
„Csopak“/„Csopaki“ (g. U.) (ABl Nr. L 232/39)
1.11 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1063 der Kommissi-
on vom 13. Juli 2020 über die Gewährung des Schutzes
gemäß Artikel 99 der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rates für den Namen
„Achterhoek — Winterswijk“ (g. U.) (ABl Nr. L 232/40)
1.12 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1064 der Kommissi-
on vom 13. Juli 2020 über die Gewährung des Schutzes ge-
mäß Artikel 99 der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates für den Namen „delle
Venezie“/„Beneških okolišev“ (g. U.) (ABl Nr. L 232/41)
1.13 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1065 der Kommissi-
on vom 13. Juli 2020 zur Genehmigung von Änderungen
der Spezifikation einer geschützten Ursprungsbezeichnung
oder einer geschützten geografischen Angabe („delle
Vene-
zie“ (g. g. A.)) (ABl Nr. L 232/42)
1.14 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1084 der Kommissi-
on vom 17. Juli 2020 zur Eintragung einer Bezeichnung in
das Verzeichnis der geschützten Ursprungsbezeichnungen
und der geschützten geografischen Angaben „Südtiroler
Schüttelbrot“/„Schüttelbrot Alto Adige“ (g. g. A.) (ABl Nr.
L 239/6)
1.15 Verordnung (EU) 2020/1085 der Kommission vom 23. Juli
2020 zur Änderung der Anhänge II und V der Verordnung
(EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments und des
Rates hinsichtlich der Höchstgehalte an Rückständen von
Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl in oder auf bestimm-
ten Erzeugnissen (ABl Nr. L 239/7)
1.16 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1087 der Kommissi-
on vom 23. Juli 2020 zur Änderung der Durchführungs-
verordnung (EU) 2020/466 hinsichtlich der Durchführung
amtlicher Kontrollen und anderer amtlicher Tätigkeiten
durch eigens hierzu ermächtigte natürliche Personen, der
Durchführung von Analysen, Tests oder Diagnosen und der
Geltungsdauer befristeter Maßnahmen (ABl Nr. L 239/12)
1.17 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1103 der Kommissi-
on vom 22. Juli 2020 zur Genehmigung einer nicht gering-
fügigen Änderung der Spezifikation eines im Register der
geschützten Ursprungsbezeichnungen und der geschützten
geografischen Angaben eingetragenen Namens „Brie de
Melun“ (g. U.) (ABl Nr. L 242/1)
1. Europäisches Recht
1.1 Durchführungsverordnung (EU) 2020/908 der Kommission
vom 24. Juni 2020 zur Eintragung eines Namens in das
Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der
geschützten geografischen Angaben („Pomme de terre de
Noirmoutier“ (g. g. A.)) (ABl Nr. L 208/1)
1.2 Durchführungsverordnung (EU) 2020/913 der Kommission
vom 25. Juni 2020 zur Genehmigung einer nicht gering-
fügigen Änderung der Spezifikation eines im Register der
geschützten Ursprungsbezeichnungen und der geschützten
geografischen Angaben eingetragenen Namens („Mojama
de Barbate“ (g. g. A.)) (ABl Nr. L 209/2)
1.3 Durchführungsverordnung (EU) 2020/914 der Kommission
vom 25. Juni 2020 zur Genehmigung einer nicht gering-
fügigen Änderung der Spezifikation eines im Register der
geschützten Ursprungsbezeichnungen und der geschützten
geografischen Angaben eingetragenen Namens („Brie de
Meaux“ (g. U.)) (ABl Nr. L 209/4)
1.4 Durchführungsverordnung (EU) 2020/915 der Kommission
vom 25. Juni 2020 zur Genehmigung einer nicht gering-
fügigen Änderung der Spezifikation eines im Register der
geschützten Ursprungsbezeichnungen und der geschütz-
ten geografischen Angaben eingetragenen Namens („Riso
Nano Vialone Veronese“ (g. g. A.)) (ABl Nr. L 209/5)
1.5 Durchführungsverordnung (EU) 2020/916 der Kommission
vom 1. Juli 2020 zur Genehmigung einer Erweiterung der
Verwendungszwecke von Xylo-Oligosacchariden als neuar-
tiges Lebensmittel gemäß der Verordnung (EU) 2015/2283
des Europäischen Parlaments und des Rates und zur Än-
derung der Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470 der
Kommission (ABl Nr. L 209/6)
1.6 Durchführungsverordnung (EU) 2020/917 der Kommission
vom 1. Juli 2020 zur Genehmigung des Inverkehrbringens
eines Aufgusses aus Kaffeeblättern der Arten Coffea arabi-
ca L. und/oder Coffea canephora Pierre ex A. Froehner als
traditionelles Lebensmittel aus einem Drittland gemäß der
Verordnung (EU) 2015/2283 des Europäischen Parlaments
und des Rates sowie zur Änderung der Durchführungsver-
ordnung (EU) 2017/2470 (ABl Nr. L 209/10)
1.7 Durchführungsverordnung (EU) 2020/974 der Kommission
vom 6. Juli 2020 zur Eintragung einer Bezeichnung in das
Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der
geschützten geografischen Angaben („Pecorino del Monte
Poro“ (g. U.)) (ABl Nr. L 215/11)
1.8 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1060 der Kommissi-
on vom 13. Juli 2020 zur Genehmigung der Änderung der
Spezifikation einer geschützten Ursprungsbezeichnung
oder einer geschützten geografischen Angabe („Terrazze
Retiche di Sondrio“ (g. g. A.)) (ABl Nr. L 232/37)

│39
1.18 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1120 der Kommissi-
on vom 23. Juli 2020 über die Gewährung des Schutzes
gemäß Artikel 99 der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rates für den Namen
„Adamclisi“ (g. U.) (ABl Nr. L 245/1)
1.19 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1154 der Kommissi-
on vom 29. Juli 2020 zur Eintragung eines Namens in das
Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der
geschützten geografischen Angaben „Miód spadziowy z
Beskidu Wyspowego“ (g. U.) (ABl Nr. L 255/1)
1.20 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1158 der Kommissi-
on vom 5. August 2020 über die Einfuhrbedingungen für
Lebens- und Futtermittel mit Ursprung in Drittländern
nach dem Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl (ABl Nr. L
257/1)
1.21 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1163 der Kommis-
sion vom 6. August 2020 zur Genehmigung des Inver-
kehrbringens von Vitamin D2-Pilzpulver als neuartiges
Lebensmittel gemäß der Verordnung (EU) 2015/2283 des
Europäischen Parlaments und des Rates sowie zur Ände-
rung der Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470 der
Kommission (ABl Nr. L 258/1)
1.22 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1174 der Kommissi-
on vom 3. August 2020 zur Eintragung eines Namens in
das Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen
und der geschützten geografischen Angaben („
Ελαιόλαδο
Μάκρης
“ (Elaiolado Makris) (g. U.)) (ABl Nr. L 259/5)
1.23 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1198 der Kommis-
sion vom 7. August 2020 zur Genehmigung einer nicht
geringfügigen Änderung der Spezifikation eines im
Regis-
ter der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der ge-
schützten geografischen Angaben eingetragenen Namens
(„Piave“ (g. U.)) (ABl Nr. L 267/1)
1.24 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1200 der Kommissi-
on vom 10. August 2020 zur Eintragung eines Namens in
das Verzeichnis der garantiert traditionellen Spezialitäten
(„Berthoud“ (g. t. S.)) (ABl Nr. L 269/1)
1.25 Verordnung (EU) 2020/1245 der Kommission vom 2. Sep-
tember 2020 zur Änderung und Berichtigung der Verord-
nung (EU) Nr. 10/2011 über Materialien und Gegenstände
aus Kunststoff, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln
in Berührung zu kommen (ABl Nr. L 288/1)
1.26 Verordnung (EU) 2020/1255 der Kommission vom 7.
September 2020 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr.
1881/2006 hinsichtlich der Höchstgehalte an polyzykli-
schen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) in tra-
ditionell geräuchertem Fleisch, traditionell geräucherten
Fleischerzeugnissen, traditionell geräuchertem Fisch und
traditionell geräucherten Fischereierzeugnissen sowie zur
Festsetzung eines Höchstgehalts für PAK in Pulvern aus
Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs, die zur Zubereitung
von Getränken verwendet werden (ABl Nr. L 293/1)
1.27 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1286 der Kommissi-
on vom 9. September 2020 zur Genehmigung einer Ände-
rung der Produktspezifikation für die geografische Angabe
einer eingetragenen Spirituose (Scotch Whisky) (ABl Nr. L
302/4)
1.28 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1287 der Kommissi-
on vom 9. September 2020 zur Genehmigung einer Ände-
rung der Produktspezifikation für die geografische Angabe
einer eingetragenen Spirituose (Hierbas de Mallorca) (ABl
Nr. L 302/6)
1.29 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1299 der Kommissi-
on vom 11. September 2020 zur Eintragung eines Namens
in das Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen
und der geschützten geografischen Angaben
(„Szilvásvára-
di pisztráng“ (g. g. A.)) (ABl Nr. L 304/4)
1.30 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1300 der Kommissi-
on vom 11. September 2020 zur Genehmigung einer nicht
geringfügigen Änderung der Spezifikation eines im
Regis-
ter der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der ge-
schützten geografischen Angaben eingetragenen Namens
(„Asiago“ (g. U.)) (ABl Nr. L 304/5)
1.31 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1319 der Kommissi-
on vom 22. September 2020 zur Eintragung eines Namens
in das Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen
und der geschützten geografischen Angaben („Provola dei
Nebrodi“ (g. U.)) (ABl Nr. L 309/7)
1.32 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1321 der Kommissi-
on vom 17. September 2020 zur Eintragung eines Namens
in das Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen
und der geschützten geografischen Angaben („Aydın
Kes-
tanesi“ (g. U.)) (ABl Nr. L 310/1)
1.33 Verordnung (EU) 2020/1322 der Kommission vom 23.
September 2020 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr.
1881/2006 hinsichtlich der Höchstgehalte an 3-Mono-
chlorpropandiol (3-MCPD), 3-MCPD-Fettsäureestern und
Glycidylfettsäureestern in bestimmten Lebensmitteln (ABl
Nr. L 310/2)
1.34 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1326 der Kommissi-
on vom 15. September 2020 zur Genehmigung einer nicht
geringfügigen Änderung der Spezifikation eines im
Regis-
ter der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der ge-
schützten geografischen Angaben eingetragenen Namens
„Mojama de Isla Cristina“ (g. g. A.) (ABl Nr. L 312/1)
1.35 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1327 der Kommissi-
on vom 18. September 2020 zur Eintragung eines Namens
in das Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen
und der geschützten geografischen Angaben „Akasztói
szi-
kiponty“ (g. U.) (ABl Nr. L 312/3)
1.36 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1328 der Kommissi-
on vom 18. September 2020 zur Genehmigung einer nicht
geringfügigen Änderung der Spezifikation eines im
Regis-
ter der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der ge-
schützten geografischen Angaben eingetragenen Namens
(„Fraise du Périgord“ (g. g. A.)) (ABl Nr. L 312/4)

40 │
1.37 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1337 der Kommissi-
on vom 21. September 2020 zur Genehmigung einer nicht
geringfügigen Änderung der Spezifikation eines im
Regis-
ter der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der ge-
schützten geografischen Angaben eingetragenen Namens
(„Casatella Trevigiana“ (g.U.)) (ABl Nr. L 313/1)
1.38 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1338 der Kommis-
sion 21. September 2020 zur Genehmigung einer nicht
geringfügigen Änderung der Spezifikation eines im
Regis-
ter der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der ge-
schützten geografischen Angaben eingetragenen Namens
(„Pecorino Siciliano“ (g. U.)) (ABl Nr. L 313/3)
1.39 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1340 der Kommissi-
on vom 22. September 2020 zur Eintragung eines Namens
in das Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen
und der geschützten geografischen Angaben („Bra
č
ki vare-
nik“ (g. g. A.)) (ABl Nr. L 314/1)
1.40 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1341 der Kommissi-
on vom 28. September 2020 zur Änderung der Durchfüh-
rungsverordnung (EU) 2020/466 hinsichtlich der Geltungs-
dauer befristeter Maßnahmen (ABl Nr. L 314/2)
1.41 Durchführungsbeschluss (EU) 2020/1360 der Kommission
vom 28. September 2020 über die Zulassung des Inverkehr-
bringens von Erzeugnissen, die genetisch veränderte Soja-
bohnen der Sorte MON 87708 × MON 89788 × A5547-127
enthalten, aus ihnen bestehen oder aus ihnen gewonnen
werden, gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 des
Europäischen Parlaments und des Rates (Bekannt gegeben
unter Aktenzeichen C(2020) 6435) (ABl Nr. L 316/1)
1.42 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1389 der Kommissi-
on vom 28. September 2020 zur Eintragung eines Namens
in das Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen
und der geschützten geografischen Angaben „Olio lucano“
(g. g. A.) (ABl Nr. L 321/1)
1.43 Durchführungsverordnung (EU) 2020/1390 der Kommissi-
on vom 28. September 2020 zur Berichtigung der Durch-
führungsverordnung (EU) 2020/914 der Kommission zur
Genehmigung einer nicht geringfügigen Änderung der
Spezifikation eines im Register der geschützten
Ursprungs-
bezeichnungen und der geschützten geografischen
Anga-
ben eingetragenen Namens („Brie de Meaux“ (g. U.)) (ABl
Nr. L 321/3)
2. Nationales Recht
2.1 Verordnung zur Begrenzung von Kontaminanten in Le-
bensmitteln (Kontaminanten- Verordnung – KmV) und zur
Änderung oder Aufhebung anderer lebensmittelrechtlicher
Verordnungen vom 19.3.2010 (BGBl. I S. 286), zuletzt ge-
änd. durch die 2. VO zur Änd. der Kontaminanten-Verord-
nung vom 1.7.2020 (BGBl I S. 1540)
2.2 Vierte Verordnung zur Änderung von Vorschriften zur
Durchführung des gemeinschaftlichen Lebensmittelhygie-
nerechts vom 19.6.2020 (BGBl I S. 1480)
2.3 Dreiundzwanzigste Verordnung zur Änderung der Rück-
stands-Höchstmengenverordnung vom 16. Juli 2020 (BGBl.
I S. 1699)
Bearbeiter: Dr. Thomas Frenzel
LUA Dresden

│41
Beschwerdeproben-Report für Lebensmittel und
Bedarfsgegenstände sowie Tabakerzeugnisse
3. Quartal 2020
Zahl der bearbeiteten Beschwerdeproben: 24
davon beanstandet: 9
Probenbezeichnung
Beschwerdegrund
Beurteilung
Banane (Nachtisch in der Kita)
Schädling
Objekt auf der Bananenschale eingesponnener Falter, vermutlich Nachtfalter¸
für den Verzehr ungeeignet;
nicht sicher nach Art. 14 Abs. 2 b der Basis-VO
Nudeln gekocht
Verfärbungen (Verdacht auf Schimmel)
und Gesundheitsbeeinträchtigungen
(Übelkeit, Erbrechen)
Schwarz-bläuliche Verfärbungen (kein Schimmel),
für den Verzehr ungeeignet;
nicht sicher nach Art. 14 Abs. 2 b der Basis-VO
Roggen Vollkornbrot – Fertigpackung
Schimmelbefall
festgestellte Abweichung: teilweise weißliche Flecken, großflächiger
Schim-
melpilzrasen an verschiedenen Stellen
Beurteilung: für den Verzehr durch den Menschen ungeeignet im Sinne von
Art. 14 Abs. 2 Buchstabe b) in Verbindung mit Art. 14 Abs. 5 der VO (EG) Nr.
178/2002. Gemäß Art. 14 Abs. 1 dieser VO Verkehrsverbot.
Beschwerde bestätigt
Brötchen zum Fertigbacken
Fremdkörper – Verdacht Puppe eines
Falters
festgestellte Abweichung: Verdacht konnte nicht bestätigt werden.Statt-
dessen lag ein beige-dunkelgrau marmorierter, weicher Fremdkörper aus
teigartiger gebackener Masse vor
Beurteilung: für den Verzehr durch den Menschen ungeeignet im Sinne von
Art. 14 Abs. 2 Buchstabe b) in Verbindung mit Art. 14 Abs. 5 der VO (EG) Nr.
178/2002. Gemäß Art. 14 Abs. 1 dieser VO Verkehrsverbot.
Beschwerde bestätigt
Möhrenrohkost-Salat
sensorisch auffällig: gäriger Geruch u.
Geschmack
Für den Verzehr durch den Menschen ungeeignet, aufgrund von sensorischer
Beschaffenheit i. V. m. hohem Gesamtkeimgehalt sowie hohem Gehalt an
Hefen nach Artikel 14 Abs. 2 lit. b VO (EU) Nr. 178/2002
Entrecote-Steak
artfremder Geruch
unreiner, alter Geruch; Enterobakterien mit 3,4 x 10
7
KbE/g, Pseudomonaden
mit 2,4 x 10
7
KbE/g,
für den Verzehr ungeeignet im Sinne von Art. 14 Abs. 2 Buchst. b) i.V.m. Abs.
5 VO (EU) Nr. 178/2002
Mini-Hähnchenschnitzel
Verdacht auf Schimmelpilzwachstum,
Kunststoffstück in der Verpackung
Teilweise schmierige, schwarze Beläge auf der Oberfläche,
Schimmel-
pilzwachstum nicht nachweisbar; Hartplastikstück;
für den Verzehr ungeeignet im Sinne von Art. 14 Abs. 2 Buchst. b) i.V.m. Abs.
5 VO (EU) Nr. 178/2002
Heilbutt frisch geräuchert
Fisch sei schlecht
Gesundheitsschädlich nach Art. 14 (2) Buchstabe a) i. V. m. Abs. 4 VO (EG)
Nr. 178/2002
Nicht zum Verzehr geeignet nach Art 14 (2) Buchstabe b) i. V. m. Art. 14 Abs.
5 VO (EG) Nr. 178/2002
Volvic-Natürliches Mineralwasser
Anhaftungen unklarer Herkunft
Anhaftungen als pflanzliches Material identifiziert,
Nicht zum Verzehr geeignet nach Art 14 (2) Buchstabe b) i. V. m. Art. 14 Abs.
5 VO (EG) Nr. 178/2002
Bearbeiter: Abteilung 5
LUA Chemnitz

42 │
Tollwutuntersuchungen 3. Quartal 2020
Landesdirektion Sachsen,
Bereich ehemalige
LD Dresden
Landesdirektion Sachsen,
Bereich ehemalige
LD Leipzig
Landesdirektion Sachsen,
Bereich ehemalige
LD Chemnitz
Landesdirektion Sachsen
Fuchs
6
8
4
18
Marderhund
0
1
0
1
Waschbär
0
0
0
0
Gesamtzahl der Proben
6
9
4
19
Untersuchungsergebnisse
negativ
6
9
4
19
ungeeignet
0
0
0
0
positiv
0
0
0
0
Die Aufstellung der positiven Tollwutbefunde entfällt.
Bearbeiter: Reinhard Seiler
LUA Dresden
BSE-Untersuchungen 3. Quartal 2020
Tierart
TKBA / ZNS / Kohorte *
Lebensmittel
Notschlachtung
Gesamt
Bison
1
0
0
1
Rind
3.412
0
23
3.435
Rothirsch
1
0
0
1
Schaf
146
84
0
230
Yak
1
0
0
1
Ziege
34
4
0
38
Gesamt
3.595
88
23
3.706
* Tierkörperbeseitigung, ZNS-Störungen, Kohortenschlachtungen

│43
Salmonellenberichterstattung im Freistaat Sachsen
3. Quartal 2020
Tabelle 1: Untersuchungen und Nachweise im Überblick
Untersuchungen
untersuchte Anzahl
Salmonellennachweise
Serotypen
(geordnet nach Nachweishäufigkeit)
Kotproben
6.879
117
S. Typhimurium, S. enterica ssp. II, S. Infantis,
S. Newport, S. Anatum, S. Enteritidis
S. enterica ssp. IIIb, S. Derby, S. enterica ssp. IV,
S. Muenchen, S. Abony, S. Typhimurium var. Cop.,
S. enterica ssp. I, S. Serogr. D1, S. Mbandaka,
S. Bovismorbificans,
Sektionsmaterial
855
75
S. Typhimurium, S. Typhimurium var. Cop.,
S. Enteritidis, S. enterica ssp. II, S. Derby,
S. Brandenburg, S. Infantis, S. Serogr. B, S. sp.,
S. Thompson, S. enterica ssp. IIIb, S. Coeln,
S. Colorado, S. enterica ssp. I, S. London,
S. Bovismorbificans, S. Serogr. C1, S. Serogr. D1
Untersuchung nach Hühner-Salmonellen-VO
0
0
Umgebungstupfer
95
0
Futtermittel
35
0
Bakteriologische Fleischuntersuchungen
24
0
Lebensmittel tierischer Herkunft
1.559
12
S. sp., S. Infantis, S. Indiana, S. Paratyphi B,
S. Serogruppe B, S. Typhimurium, S. Rissen
Lebensmittel nichttierischer Herkunft
1.060
1
S. sp.
Hygienekontrolltupfer - Lebensmittel
2.925
0
Kosmetische Mittel
0
0
Bedarfsgegenstände
3
0
Tabelle 2: Salmonellennachweise aus Kotproben und Sektionen
Tierart
Landesdirektion Sachsen,
Bereich ehemalige LD Chemnitz
Landesdirektion Sachsen,
Bereich ehemalige LD Dresden
Landesdirektion Sachsen,
Bereich ehemalige LD Leipzig
Kot
Sektionen
Kot
Sektionen
Kot
Sektionen
Proben
1
Salm.-
Nw
2
Proben
Salm.-
Nw
Proben
Salm.-
Nw
Proben
Salm.-
Nw
Proben
Salm.-
Nw
Proben
Salm.-
Nw
Rind
1.172
32
61
21
1.772
1
26
1
2.990
61
76
3
Schwein
5
0
74
4
6
0
48
4
4
1
40
6
Schaf
6
0
21
1
8
0
15
0
0
0
5
1
Ziege
2
0
1
0
11
0
8
0
0
0
0
0
Pferd
43
0
7
0
14
0
3
0
74
0
1
0
Huhn
0
0
26
0
16
0
37
0
0
0
6
0
Taube
2
0
14
9
27
0
8
1
0
0
6
3
Gans
0
0
3
0
2
0
13
3
0
0
5
0
Ente
0
0
0
0
2
0
2
0
0
0
0
0
Pute
0
0
1
0
0
0
2
0
1
0
20
0
Hund/Katze
91
5
11
0
339
2
31
1
184
2
6
0
sonstige Tierarten
7
0
101
3
59
7
87
4
42
6
90
10
Summe
1.328
37
320
38
2.256
10
280
14
3.295
70
255
23
1
= Anzahl der untersuchten Proben
2
= Anzahl der Salmonellennachweise

44 │
Tabelle 3: Regionale Zuordnung der Salmonellenfunde
Sektionen und Kotproben
Landesdirektion/Kreis
Tier-/Probenart
Nachgewiesene Serotypen
Anzahl
Serotyp
Landesdirektion Sachsen, Bereich ehemalige LD Chemnitz
Chemnitz, Stadt
Hund/Katze/Kot
1
S. Anatum
Chemnitz, Stadt
Hund/Katze/Kot
1
S. Infantis
Chemnitz, Stadt
Hund/Katze/Kot
1
S. Muenchen
Chemnitz, Stadt
Hund/Katze/Kot
1
S. Typhimurium var. Cop.
Chemnitz, Stadt
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. Typhimurium var. Cop.
Chemnitz, Stadt
Taube/Sektion
1
S. Typhimurium var. Cop.
Erzgebirgskreis
Taube/Sektion
1
S. sp.
Erzgebirgskreis
Taube/Sektion
1
S. Typhimurium var. Cop.
Mittelsachsen
Hund/Katze/Kot
1
S. Newport
Mittelsachsen
Rind/Kot
1
S. Infantis
Mittelsachsen
Rind/Sektion
1
S. Infantis
Mittelsachsen
Rind/Kot
31
S. Typhimurium
Mittelsachsen
Rind/Sektion
21
S. Typhimurium
Mittelsachsen
Schwein/Sektion
1
S. Derby
Mittelsachsen
Schwein/Sektion
2
S. Typhimurium
Mittelsachsen
Schwein/Sektion
1
S. Typhimurium var. Cop.
Mittelsachsen
Taube/Sektion
3
S. Typhimurium
Vogtlandkreis
Hund/Katze/Kot
1
S. Bovismorbificans
Vogtlandkreis
Schaf/Sektion
1
S. enterica ssp. IIIb
Vogtlandkreis
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. Infantis
Vogtlandkreis
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. Thompson
Zwickau
Taube/Sektion
3
S. Typhimurium var. Cop.
Landesdirektion Sachsen, Bereich ehemalige LD Dresden
Bautzen
Gans/Sektion
1
S. Typhimurium
Bautzen
Gans/Sektion
1
S. Typhimurium var. Cop.
Bautzen
Schwein/Sektion
2
S. Brandenburg
Bautzen
sonstige Tierarten/Kot
1
S. enterica ssp. II
Bautzen
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. Enteritidis
Bautzen
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. Typhimurium
Bautzen
Taube/Sektion
1
S. Typhimurium var. Cop.
Dresden, Stadt
Hund/Katze/Sektion
1
S. Enteritidis
Dresden, Stadt
sonstige Tierarten/Kot
1
S. enterica ssp. I
Dresden, Stadt
sonstige Tierarten/Kot
1
S. enterica ssp. IV
Görlitz
Gans/Sektion
2
S. Typhimurium var. Cop.
Görlitz
Hund/Katze/Kot
1
S. Typhimurium
Görlitz
Rind/Sektion
1
S. Enteritidis
Görlitz
Rind/Kot
1
S. Enteritidis
Görlitz
Rind/Sektion
1
S. Serogr. D1
Görlitz
Rind/Kot
1
S. Serogr. D1
Meißen
Schwein/Sektion
1
S. Bovismorbificans
Meißen
Schwein/Sektion
1
S. enterica ssp. I
Meißen
sonstige Tierarten/Kot
1
S. Newport
Meißen
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. Typhimurium
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Hund/Katze/Kot
1
S. Abony
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. Serogr. C1
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
sonstige Tierarten/Kot
3
S. Typhimurium
Landesdirektion Sachsen, Bereich ehemalige LD Leipzig
Leipzig Land
Hund/Katze/Kot
1
S. Anatum
Leipzig Land
Hund/Katze/Kot
1
S. Infantis
Leipzig Land
Hund/Katze/Kot
1
S. Mbandaka
Leipzig Land
Schwein/Sektion
3
S. Derby
Leipzig Land
Schwein/Kot
1
S. Derby
Leipzig Land
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. Colorado
Leipzig Land
sonstige Tierarten/Sektion
3
S. enterica ssp. II
Leipzig Land
sonstige Tierarten/Sektion
2
S. Enteritidis
Leipzig Land
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. Serogr. B

│45
Landesdirektion/Kreis
Tier-/Probenart
Nachgewiesene Serotypen
Anzahl
Serotyp
Leipzig Land
Taube/Sektion
2
S. Typhimurium var. Cop.
Leipzig, Stadt
sonstige Tierarten/Kot
3
S. enterica ssp. II
Leipzig, Stadt
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. enterica ssp. II
Leipzig, Stadt
sonstige Tierarten/Kot
2
S. enterica ssp. IIIb
Leipzig, Stadt
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. Enteritidis
Leipzig, Stadt
sonstige Tierarten/Kot
1
S. Enteritidis
Leipzig, Stadt
sonstige Tierarten/Sektion
1
S. Typhimurium
Leipzig, Stadt
Taube/Sektion
1
S. Typhimurium var. Cop.
Nordsachsen
Rind/Sektion
1
S. Coeln
Nordsachsen
Rind/Sektion
2
S. Typhimurium
Nordsachsen
Rind/Kot
61
S. Typhimurium
Nordsachsen
Schaf/Sektion
1
S. Enteritidis
Nordsachsen
Schwein/Sektion
1
S. London
Nordsachsen
Schwein/Sektion
2
S. Typhimurium var. Cop.
Tabelle 4: Salmonellennachweise
Warengruppe
Gesamtproben
davon Planproben
davon Verdachtsproben
davon Beschwerdeproben
Anzahl
Salm.-Nw.*
Anzahl
Salm.-Nw.
Anzahl
Salm.-Nw.
Anzahl
Salm.-Nw.
Milch, Milchprodukte, Käse und Butter
288
0
280
0
6
0
0
0
Eier und Eiprodukte
89
0
79
0
4
0
0
0
Fleisch warmblütiger Tiere, auch tiefgefroren
346
6
317
5
3
0
2
0
Fleischerzeugnisse warmblütiger Tiere
(außer Wurstwaren)
407
6
387
6
17
0
3
0
Wurstwaren
287
0
282
0
2
0
3
0
Fisch- und Erzeugnisse
121
0
114
0
6
0
1
0
Krusten-, Schalen-, Weichtiere, sonst. Tiere
und Erzeugnisse daraus
21
0
21
0
0
0
0
0
Fette, Öle, Margarine
1
0
0
0
1
0
0
0
Getreide, -produkte, Brot, Teig- und Backwaren
213
0
203
0
6
0
0
0
Mayonnaisen, emul. Soßen, kalte Fertigsoßen
und Feinkostsalate
218
0
206
0
11
0
1
0
Puddinge, Desserts und Cremespeisen
11
0
11
0
0
0
0
0
Speiseeis und -halberzeugnisse
353
0
342
0
9
0
0
0
Säuglings- und Kleinkindernahrung
0
0
0
0
0
0
0
0
Diätetische Lebensmittel, Nährstoffkonzentrate
und Ergänzungsnahrung
1
0
1
0
0
0
0
0
Obst, Gemüse und -zubereitungen
53
0
33
0
3
0
1
0
Getränke, inkl. Tafel- und Trinkwasser,
Spirituosen und Bier
13
0
13
0
0
0
0
0
Gewürze, Würzmittel und Zusatzstoffe
21
1
19
1
1
0
0
0
Zucker, Süß- und Schokoladenwaren, Honig,
Konfitüre, Kaffee, Kakao, Tee
2
0
2
0
0
0
0
0
Fertiggerichte, zubereitete Speisen, Suppen
und Soßen
174
0
168
0
4
0
2
0
Kosmetika
0
0
0
0
0
0
0
0
Bedarfsgegenstände ohne Kosmetika
3
0
0
0
3
0
0
0
Gesamt
2.635
13
2.490
12
76
0
14
0
* Salmonellennachweis

46 │
Tabelle 5: Regionale Zuordnung der Salmonellenfunde
Landesdirektion/Kreis
Eingangsdatum
Probenart
Nachgewiesene Serotypen
Anzahl
Serotyp
Landesdirektion Sachsen, Bereich ehemalige LD Chemnitz
Mittelsachsen
19.08.2020
Schweinekamm
2
S. Typhimurium
Vogtlandkreis
08.07.2020
Rostbrätel mariniert
1
S. Infantis
Vogtlandkreis
15.09.2020
Bockshornkleeblätter Kasoori Methi
1
S. sp.
Zwickau
08.07.2020
grobe Bratwurst
2
S. Rissen
Landesdirektion Sachsen, Bereich ehemalige LD Dresden
Bautzen
19.08.2020
Schweinefleisch
1
S. sp.
Dresden, Stadt
02.07.2020
Grillmeister Hähnchen Bratwurst Merguez-
Style
1
S. sp.
Dresden, Stadt
07.07.2020
Hackepeter
1
S. sp.
Dresden, Stadt
26.08.2020
Schweinebraten aus der Keule
1
S. sp.
Görlitz
10.08.2020
Hackepeter
1
S. sp.
Meißen
09.09.2020
Hähncheninnenfilet
1
S. sp.
Landesdirektion Sachsen, Bereich ehemalige LD Leipzig
Leipzig, Stadt
15.09.2020
Nackensteak Texasmarinade
1
S. sp.
Nordsachsen
08.07.2020
Blinddarm + Halshaut von Masthähnchen
1
S. Serogruppe B
Nordsachsen
12.08.2020
Gut Ponholz Frisch vom Hähnchen Innenfilets
aus der Brust geschnitten, frisch
1
S. Infantis
Nordsachsen
18.08.2020
Blinddarm + Halshaut von Masthähnchen
1
S. sp.
Nordsachsen
20.08.2020
Blinddarm + Halshaut von Masthähnchen
1
S. sp.
Nordsachsen
01.09.2020
Blinddarm + Halshaut von Masthähnchen
2
S. Indiana
Nordsachsen
01.09.2020
Blinddarm + Halshaut von Masthähnchen
1
S. Paratyphi B
Nordsachsen
15.09.2020
Hähnchenseparatorenfleisch
1
S. Indiana
Tabelle 6: Häufigkeit der nachgewiesenen Salmonellenserotypen (Anzahl)
Serotypen
Veterinärmedizinische
Diagnostik
Futtermittel
Lebensmittel/
Bedarfsgegenstände
BU
Hygienekontrolltupfer
(Lebensmittel)
S. Typhimurium
128
3
S. sp.
1
20
S. Typhimurium var. Cop.
17
S. Infantis
5
4
S. Enteritidis
9
S. enterica ssp. II
8
S. Indiana
5
S. Derby
5
S. Rissen
3
S. enterica ssp. IIIb
3
S. Brandenburg
2
S. Anatum
2
S. enterica ssp. I
2
S. Newport
2
S. Serogr. D1
2
S. Bovismorbificans
2
S. Serogruppe B
2
S. Paratyphi B
2
S. Serogr. B
1
S. Coeln
1
S. Colorado
1
S. London
1
S. Abony
1
S. enterica ssp. IV
1
S. Serogr. C1
1
S. Mbandaka
1
S. Muenchen
1
S. Thompson
1
Bearbeiter: Reinhard Seiler
LUA Dresden

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48 │

image
Herausgeber:
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen
Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden
Redaktion:
Dr. Hermann Nieper, LUA Sachsen, Standort Dresden, Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden,
Tel.: 0351/8144 1400
Gestaltung und Satz:
SG IT, LUA Sachsen, Standort Dresden, Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden,
Tel.: 0351/8144 1712 Fax: 0351/8144 1710
Druck:
alinea Digitaldruck, Chemnitz |
www.alinea24.de
Redaktionsschluss:
15. November 2020
Bezug:
Dieses offizielle Mitteilungsblatt der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und
Veterinärwe-
sen des Freistaates Sachsen kann kostenfrei im Internet abgerufen werden:
www.lua.sachsen.de
und unter
www.publikationen.sachsen.de