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Tiergerechte Sauenhaltung
Schriftenreihe, Heft 19/2020

Verbesserte und verkürzte Haltung von
tragenden und ferkelführenden Sauen im
Kastenstand
Dr. Eckhard Meyer und Katja Menzer

 
Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 3
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung ..................................................................................................................................................... 6
2
Verkürzte Haltung von Sauen im Kastenstand ........................................................................................ 6
2.1
Ableitung des Platzanspruchs und Rechtliche Probleme ............................................................................. 6
2.2
Liegeverhalten zur Bewertung der Tiergerechtheit von Haltungssystemen ................................................. 7
2.3
Material und Methoden .................................................................................................................................. 8
2.4
Ergebnisse und Diskussion ......................................................................................................................... 10
2.4.1
Technische Bewertung der Systeme .......................................................................................................... 10
2.4.2
Körperhaltung und Liegeverhalten in Abhängigkeit vom Trächtigkeitsstadium .......................................... 11
2.4.3
Körperhaltung und Liegeverhalten in Abhängigkeit von der Kastenstandgestaltung ................................. 13
2.4.4
Vergleich des Aufenthalts im Kastenstand und im Freilauf ......................................................................... 13
2.4.5
Biologische Leistungen ............................................................................................................................... 16
2.5
Zusammenfassung Teil 1 - verkürzte Haltung von Sauen im Kastenstand ................................................ 17
3
Haltung von ferkelführenden Sauen in Bewegungsbuchten ................................................................ 18
3.1
Problemlage und Erläuterung zum EIP Projekt des Landes Brandenburg ................................................. 18
3.2
Material und Methoden ................................................................................................................................ 19
3.3
Ergebnisse und Diskussion ......................................................................................................................... 21
3.3.1
Höhe der Saugferkelverluste in Abhängigkeit der Buchtenkonstruktion ..................................................... 21
3.3.2
Höhe der Saugferkelverluste in Abhängigkeit der Fixierzeit der Sauen ..................................................... 23
3.3.3
Körperliche Unversehrtheit .......................................................................................................................... 24
3.3.3.1
Einfluss der Liegeflächen auf die Anzahl erheblich verletzter Zitzen .......................................................... 25
3.3.3.2
Einfluss der Sauenliegeflächen auf das Auftreten von Schulterläsionen .................................................... 27
3.3.4
Konditionsverlust der Sauen und Gewichtsentwicklung der Saugferkel ..................................................... 28
3.4
Zusammenfassung Teil 2 ............................................................................................................................ 30
4
Ausblick und Konsequenzen der Ergebnisse für die neue Nutztierhaltungsverordnung
für Schweine ............................................................................................................................................. 32
Literaturverzeichnis .................................................................................................................................................. 35

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 4
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Schematischer Aufbau des Deckzentrums ........................................................................................... 9
Abbildung 2: Veränderung des Liegeverhaltens während der Zeit im Deckzentrum ............................................... 12
Abbildung 3: Liegeverhalten bei unterschiedlicher Kastenstandgestaltung ............................................................. 13
Abbildung 4: Wahl des Liegeortes innerhalb/außerhalb des Kastenstandes .......................................................... 14
Abbildung 5: Bedürfniskaskade im Ergebnis der Untersuchungen .......................................................................... 18
Abbildung 6: Höhe der Saugferkelverluste in den Buchtenvarianten ...................................................................... 21
Abbildung 7: Saugferkelverluste bei Öffnung des Ferkelschutzkorbes am 5. bzw. 7. Lebenstag der Ferkel ........ 23
Abbildung 8: Saugferkelverluste bei Freilauf bzw. Fixierung der Sauen vor dem Abferkeln ................................... 24
Abbildung 9: Einfluss von Material der Liegefläche und der Anzahl abgesetzer Ferkel auf das Auftreten von
erheblichen Zitzenverletzungen .......................................................................................................... 26
Abbildung 10: Schulterverletzungen (Anteil in %) im Vergleich der Bodenvarianten ................................................ 27
Abbildung 11: Im EIP Projektes konzipierte Bewegungsbucht für den Umbau der Abferkelabteile in der
AG Beyern ........................................................................................................................................... 31
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Verbaute Kastenstandsysteme ................................................................................................................. 9
Tabelle 2: Boniturschlüssel ...................................................................................................................................... 10
Tabelle 3: Liegeverhalten im Kastenstandsystem 4, „Arena“ .................................................................................. 14
Tabelle 4: Sauen mit ausgestreckten Beinen in Abhängigkeit von der Belegung der Nachbarbucht ..................... 16
Tabelle 5: Biologische Leistungen ........................................................................................................................... 16
Tabelle 6: Boniturschema zu den Schulterverletzungen ......................................................................................... 20
Tabelle 7: Einfluss der Wurfnummer auf die Höhe der Saugferkelverluste ............................................................. 21
Tabelle 8: Einfluss der Anzahl gesäugter Ferkel auf die Höhe der Saugferkelverluste ........................................... 22
Tabelle 9: Anzahl Sauen, Wurfnummer und Anzahl abgesetzter Ferkel zu den verschiedenen Bodenvarianten ..... 26
Tabelle 10: Nettogewichtsverlust der Sauen in den Buchtenvarianten ..................................................................... 28
Tabelle 11: Lebendmasseentwicklung der Saugferkel in den Haltungsvarianten ..................................................... 29

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 5
Abkürzungsverzeichnis
AB
Arbeitsbreite
IT
Informationstechnik
LfULG
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
SE
Standard Error = Standardfehler
p
probability = Wahrscheinlichkeit

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 6
1 Einleitung
Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit von tragenden und ferkelführenden Sauen wurde in der Vergangengheit
zunehmend kritisiert. So wurde zunächst ab dem Jahr 2013 die Gruppenhaltung tragender Sauen ab dem 29. Trächtig-
keitstag für alle Betriebe (Neubauten ab 2006) verbindlich vorgeschrieben. Die anschließende gesellschaftliche und
politische Diskussion führte dazu, dass die zulässige Fixierdauer der Sauen in Kastenständen weiter reduziert wird. Der
am 03.07.2020 vom Bundesrat genehmigte Entwurf der Tierschutznutztier-haltungsverordnung für Schweine lässt die
Einzelhaltung in Kastenständen nur noch für den Vorgang der Besamung, sowie für den geburtsnahen Zeitraum für
maximal 5 Tage, zu. Im vorliegenden Bericht werden zwei Untersuchungen vorgestellt, die in Erwartung der neuen
gesetzlichen Regelungen durchgeführt wurden. In einem Projekt sollten zunächst Fragen zur tiergerechten Kasten-
standgestaltung mit dem Ziel einer praktikablen Umsetzung des Magedburger Urteils im Vergleich mit einer zeitlich ver-
kürzten Einzelhaltung der Sauen im Deckzentrum beantwortet werden. Ein weiteres Projekt versuchte Antworten auf
Fragen zur optimalen Gestaltung, sowie dem Haltungsmanagement von Sauen in Bewegungsbuchten zu finden. Die
letztere Untersuchung wurde im Rahmen eines EIP Projektes „Bewegungsbuchten für tragende Sauen in der Produ-
ktion“ der Europäischen Innovationspartnerschaften (EIP – agri) des Landes Brandenburg gefördert. Leadpartner im
Projekt war die Agrargenossenenschaft Beyern e. g.. Der Freisataat Sachsen war, neben anderen Partnern, Mitglied in
der operationellen Gruppe Bewegungsbuchten.
2 Verkürzte Haltung von Sauen im Kastenstand
2.1 Ableitung des Platzanspruchs und rechtliche Probleme
Das Magdeburger Verwaltungsgerichtsurteil interpretierte den Wortlaut des § 24 (Absatz 4 Nr. 2) der Tierschutz-
Nutztierhaltungsverordnung mit der Formulierung, dass „Sauen in Kastenstandhaltung ermöglicht werden muss, zu
jeder Tages- und Nachtzeit eine Liegeposition einzunehmen, bei der die Gliedmaßen auch an dem vom Körper
entferntesten Punkt nicht an Hindernisse stoßen“. Damit wurde bei bislang üblicher Bauweise von Kastenständen
eine Kastenstandweite festgeschrieben, die der Schulter- bzw. Widerristhöhe entspricht. Das Durchstrecken der
Beine in den benachbarten, besetzten Kastenstand wurde mit dieser Entscheidung nicht mehr anerkannt. Eigene
Versuche haben jedoch gezeigt, dass ein Umdrehen oder Einklemmen der Sauen nur verhindert werden kann,
wenn die Kastenstandweite konventioneller Kastenstände 15 % unterhalb der Widerristhöhe der Sauen bleibt
(MEYER 2015). Im Rahmen dieser vorangegangenen Untersuchung wurde der Platzanspruch für das Liegen im
Kastenstand anhand der körperlichen Entwicklung von 128 Sauen abgeleitet, die jeweils kurz vor dem Abferkeln
durchschnittlich über 2,5 Würfe hinweg gewogen und vermessen wurden. Im Ergebnis wurde deutlich, dass die
altersabhängige Entwicklung der Körpermaße das entscheidende betriebliche Problem ist. Absolut und relativ
gesehen, wachsen die Sauen erheblich mehr in die Länge sowie in die Höhe, als in die Körperbreite. Entscheidend
für die Funktionsfähigkeit aller bislang noch zulässigen Kastenstandsysteme im praktischen Betrieb ist somit eine
optimale Kastenstandbreite, die dem altersabhängigen Platzanspruch der Tiere entspricht und gleichzeitig
verhindert, dass junge und kleine Sauen versuchen, sich im Stand umzudrehen (MCGLONE et al. 2004). Diese
Versuche führen in der Regel zum Einklemmen und können schlimme Verletzungen bis zum Exitus der Tiere zur
Folge haben. Problematisch ist im praktischen Betrieb die Variation des Platzanspruches der einzelnen Sauen einer
Absetzgruppe. Dieser wird nach praktischer Beobachtung mit der Zucht auf hohe Leistungen offensichtlich auch
größer. Gleichzeitig bestimmt auch die eingenommene Körperhaltung beim Liegen in Bauchlage, Seitenlage oder
gestreckter Seitenlage maßgeblich den Platzanspruch (MCGLONE et al. 2004, O’CONNEL et al. 2007, PETHERICK
2007). Die Dauer einer unveränderten Körperhaltung von Sauen in Kastenständen, sowie die Geschwindigkeit der
Körperbewegungen zur Änderung der Körperhaltung gelten als Maß für den Haltungskomfort der Tiere.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 7
Während die gesetzliche Vorgabe für den Kastenstand von 200 cm Länge bei 65 cm Breite für die Jungsauen
schon reichlich ist und zu Verletzungen und Problemen mit der Buchtensauberkeit führen kann, war die bislang
praktizierte gesetzliche Vorgabe von 200 cm Länge und 70 cm Breite für ausgewachsene Altsauen eher knapp.
Beim Neubau von Ställen für großrahmige genetische Herkünfte wurde vom Autor im Rahmen der fachlichen
Diskussion, zur Vorbereitung des Gesetzesentwurfes, für große Sauen ein lichtes Maß von etwa 80 cm Weite
vorgeschlagen. Für kleinere bzw. jüngere Sauen sollte dieses mindestens einmal, besser zweimal (70 und 60 cm)
differenziert werden. Bei der Umsetzung des Gerichtsurteils hat es unter Verwendung von konventionellen Kasten-
standsystemen erhebliche kontraproduktive Probleme für den Tierschutz gegeben. Diese mussten zwangsläufig zu
einer Weiterentwicklung der Ausgestaltung konventioneller Kastenstandsysteme führen. Im Rahmen der zunächst
vorgestellten Untersuchung wurden verschiedene technische Möglichkeiten der Kastenstandgestaltung zur Lösung
des juristischen Dilemmas baulich umgesetzt und im Hinblick auf das Liegeverhalten die körperliche Unversehrtheit
und die biologischen Leistungen der Sauen miteinander verglichen. Insbesondere das Liegeverhalten und die
körperliche Unversehrtheit dienen als Bewertungsmaßstab. Daneben wurde eine auf 5 - 7 Tage zeitlich verkürzte
Kastenstandhaltung erprobt. Eine gesetzliche Beschränkung der Kastenstandhaltung auf den Vorgang der Be-
samung war bis Juli 2020 nicht absehbar.
2.2 Liegeverhalten zur Bewertung der Tiergerechtheit von
Haltungssystemen
Die Bewegungsfreiheit stark einschränkende Haltungssysteme stehen unter starker Kritik und müssen anhand der
Möglichkeiten für das Tier bewertet werden, unterschiedliche Körperhaltungen einnehmen zu können. Schweine
ruhen und schlafen im Liegen - anders als Rinder nicht im Stehen (SIGNORET 1969). Sie nehmen dabei ver-
schiedene Liegepositionen ein, die sich in ihrer Ruheintensität unterscheiden. Es wird dabei grob zwischen der
gestreckten Seitenlage, der Halbseitenlage und der Bauchlage als Ruhepositionen unterschieden. Die gestreckte
Seitenlage wird während des Tiefschlafes eingenommen und stellt demnach die Liegeposition in absoluter
Entspannung dar. Gleichwohl wird sie bei hohen Lufttemperaturen zur Thermoregulation eingenommen, um die
eigene Körperoberfläche möglichst zu vergrößern und Temperaturableitung zu ermöglichen (VAN PUTTEN 1978,
VON ZERBONI UND GRAUVOGEL 1984, PEITZ UND PEITZ 1993, MAYER, HILLMANN UND SCHRADER 2006, SCHRADER et al.
2006). Die Halbseitenlage stellt eine Übergangsposition zwischen gestreckter Seitenlage und Bauchlage dar. In
dieser Position ist die Ruheintensität niedriger einzustufen als in der gestreckten Seitenlage und deutet erhöhte
Wachsamkeit an (HASSENBERG 1965). Die Bauchlage wird meist während des Abliegens oder dem Aufstehen als
Übergangsposition eher kurzzeitig eingenommen (SCHRADER et al. 2006). Liegen Tiere aber länger in dieser
Position, weist diese auf eine zu harte oder zu kalte Liegefläche sowie Unruhe des Tieres hin (SAMBRAUS 1991).
Die Ruheintensität in dieser Position ist gering, da die Tiere entweder nicht mehr oder noch nicht schlafen (VON
ZERBONI und GRAUVOGEL 1984). Bei zu niedrigen Stalltemperaturen wird diese Position ebenso eingenommen, um
die eigene Körperoberfläche zu verringern und Temperaturabstrahlung zu mindern.
Eine sitzende Haltung (Hundesitz) stellt, wenn kurzzeitig eingenommen, eine Zwischenphase beim Übergang der
Bauchlage zum Stehen dar (GUNDLACH 1968). Nach VAN PUTTEN (1977) erkunden Tiere nach längeren
Schlafphasen in dieser Position ihre Umwelt. Bei längerer Einnahme deutet der Hundesitz nach TROXLER (1979)
sowie SCHLICHTING und SMIDT (1987) auf eine Bewegungsstörung hin. VON ZERBONI und GRAUVOGEL (1984) ver-
binden die Einnahme dieser Körperposition mit Konstitutionsmängeln, die ein Aufstehen verhindern. Das VON
FRASER und BROOM (1997) beschriebene sogenannte „Trauern“ als ein längeres Sitzen ohne Reaktion kann als
Apathie und Verhaltensanomalie bewertet werden und wird verursacht durch eine reizarme Umgebung und
ungeeignete Böden. Nach praktischer Beobachtung kann diese Körperhaltung auch auf Probleme mit der Atmung
hindeuten.
Stehen dient der Lokomotion oder wird immer dann eingenommen, wenn kein Liegebedarf besteht. BAUMGARTNER
et al. (2005 a) betrachten Stehen bzw. Bewegung als Zeichen für Aufmerksamkeit und Vitalität. KRAUSE (1995) fasste

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 8
Stehen und Laufen zusammen, während METZ und OOSTERLEE (1981) Stehen und Sitzen zusammenfassten. Besteht
die Möglichkeit der Lokomotion, ist wohl eher Stehen und Laufen zusammenzufassen, da Stehen eher als
Unterbrechung der Bewegung zu verstehen ist, denn Schweine können im Stehen nicht ruhen (SIGNORET 1969).
BAUMGARTNER et al. (2005 b) betrachten Sauen in der gestreckten Seitenlage liegend, wenn der Kopf des Tieres
seitlich auf dem Boden aufliegt, während alle 4 Extremitäten auf einer Seite gestreckt sind. Dabei soll ein Ab-
winkeln der Gelenke möglich, sowie das Gesäuge exponiert sein und die gesamte Rückenlinie parallel zum Boden
verlaufen. Tiere liegen dann in Halbseitenlage bzw. Brustlage, wenn die Vorderextremitäten untergeschlagen oder
nach vorne ausgestreckt sind, bei gleichzeitig untergeschlagenen oder zur Seite gestreckten Hinterextremitäten.
Dabei ist das Gesäuge nicht oder nur partiell sichtbar und die Rückenlinie links oder rechts geneigt.
Die Bauchlage zeichnet sich dadurch aus, dass die Vorderextremitäten parallel zueinander nach vorne gestreckt
und die Hinterextremitäten unter den Körper angewinkelt sind, um ein schnelles Aufspringen zu ermöglichen. Bei
dieser Körperhaltung ist das Gesäuge nicht sichtbar.
Vorangegangene Untersuchungen haben gezeigt, dass die Einnahme einer bestimmten Körperposition von vielen
Faktoren abhängig ist (MEYER, MENZER und WINKLER 2018). Die Frage, wie häufig und wie lange eine Körper-
haltung eingenommen wird, hängt ab von der Umgebungstemperatur (zu hoch oder zu niedrig), dem Fußboden
(isolierend oder wärmeabführend), dem Platzangebot, dem Reproduktionsstadium (hochtragend oder laktierend)
oder dem Wachstumsabschnitt bzw. dem Reproduktionsstadium (Ferkel, Mastschwein, tragende/nicht tragende
Zuchtsau). Auch die Haltungsgeschichte und Gewöhnung der Tiere an bestimmte Haltungsformen spielen eine
Rolle. Dazu kommt die vom Menschen durch Betreuung und Fütterung vorgegebene rhythmische Aktivität. Nach
ZERBONI und GRAUVOGEL (1984), SCHLICHTING, HAUNSCHILD und ERNST (1992) sowie ERNST, STAMER und GERTKEN
(1993) fressen Sauen bei selbstbestimmter Wahl des Futteraufnahmezeitpunktes vorzugsweise zwischen 6 Uhr
und 9 Uhr sowie zwischen 14 Uhr und 18 Uhr. In diesen Phasen zeigten sie auch im Tagesverlauf die größte
Aktivität (JENSEN 2002). BUCHENAUER et al. (1988) und BEA (2004) konnten dementsprechend auch nachweisen,
dass eine Steuerung der Tagesrhythmik durch restriktive Fütterung beeinflusst werden kann. Die arttypische
Futteraufnahme Periodik von Mastschweinen wird bei einem engeren, gegenüber einem weiteren Tier/Fress-
platzverhältnis (3:1 vs. 2:1), deutlicher und ist selbst bei einer weitgehend vorgegebenen Fütterungsfrequenz zu
erkennen (ZIRON 2019).
2.3 Material und Methoden
Das Deckzentrum der LWS Schwein im LVG Köllitsch wurde im Jahre 2017 mit 4 verschiedenen Kastenstand-
systemen für jeweils zwei 3 Wochen Gruppen ausgestattet. Die verwendeten Systeme unterscheiden sich in der
lichten Kastenstandweite, den Möglichkeiten zur Beinfreiheit, sowie in der Länge der Aufenthaltsdauer im
Kastenstand. Bei dem System 1 („Köllitscher Lücke“, Foto 1) wurde unter Verwendung von nicht mehr benötigten
Kastenstandelementen ein Freiraum von 30 cm für die Beine der Sauen zwischen den einzelnen Kastenständen
geschaffen. Um keine konstruktiven Veränderungen der Kastenstandelemente vornehmen zu müssen, wurden
diese 10 cm höher aufgestellt. Das erwies sich später als ein Risikofaktor für Umdrehversuche und das Ein-
klemmen der Tiere. Bei dem völlig neu konzipierten Kastenstand 2 („Korbbuchten“, Firma Himel) wurde eine
Struktur, ähnlich einer Raufe, eingebaut (Foto 2 von links nach rechts) und dadurch die Schulterfreiheit des
Standes auf 65 cm begrenzt. Mithilfe einer Höhenverstellbarkeit der Raufe soll der Stand tierindividuell einstellbar
werden. Am Boden des Kastenstandes wurde eine einheitliche lichte Weite von 90 cm eingestellt, was der durch-
schnittlichen Widerristhöhe (aktueller Durchschnitt der Herde, Stand März 2020: 91 cm) der Sauen entspricht. Das
System 3 („Verstellbare Fress-Liegebucht“, ebenfalls Firma Himel) ermöglicht eine Einstellung der lichten Weite in
10 cm Abschnitten, indem die einzelnen Kastenstandelemente in vorgefertigte Bohrungen versetzt und arretiert
werden konnten. Beim System 4 („Komfort- Belegstand“, Firma Duräumat) kann die lichte Weite der Kastenstände
um bis zu 15 cm stufenweise auf einer Seite verstellt werden. Nach Öffnung der rückseitigen Verschlusstüren steht
den Sauen eine Gruppenbucht von 18,54 m² und somit jeder Sau ein Freilauf von 4,6 m² zusätzlich zur Fläche im

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 9
Kastenstand zur Verfügung. Das ist unter Berücksichtigung der Liegefläche im Kastenstand mehr als für den Zeit-
raum bis zum Eintritt der Brunst (5 m²/Sau) und fast doppelt so viel wie für den folgenden Zeitraum der Gruppen-
haltung (2,25 m²/Altsau), vom Verordnungsentwurf vorgesehen. Mit Ausnahme des Systems 1 (200 cm Länge)
haben alle anderen Systeme eine Kastenstandlänge von 220 cm vor dem betonierten Trog. Daraus resultierten zu
schmale Treibegänge und Probleme beim Ein- und Austrieb. Eine Übersicht über die verbauten Systeme gibt die
folgende Tabelle.
Tabelle 1: Verbaute Kastenstandsysteme
Kastenstandsystem
n Buchten mittlere lichte Weite [cm]
Aufenthaltsdauer
p. i. [Tage]
KS 1 = Beinfreiheit im Liegen
8
65
28
KS 2 = Schulter begrenzt, Bf. im Liegen
12
90
28
KS 3 = Breiten verstellbar
10
70 ± x
28
KS 4 = Breiten verstellbar + Freilauf
4
67 + 15
5 - 8
Fotos: Im Versuch verwendete Kastenstandtypen von links nach rechts Kastenstand 1 - 4
Diese Systeme ordnen sich wie folgt in das Raum- und Funktionsprogramm des Deckzentrums ein. Die äußeren
und inneren Kastenstandreihen werden jeweils mit einer Gruppe belegt.
Die Gruppen wurden im Abstand von
3-Wochen aus dem Abferkelbereich ein- und nach ca. 35 Tagen in den Wartebereich wieder ausgestallt.
Abbildung 1: Schematischer Aufbau des Deckzentrums

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 10
Vom 15.01.2018 bis zum 25.11.2019 wurde das Liegeverhalten der Sauen einmal wöchentlich von derselben Person
bewertet. Zu diesem Zeitpunkt am Vormittag (gemittelte Uhrzeit: 9:43 Uhr) waren alle Arbeiten und Fütterungen
bereits durchgeführt und die Sauen in Ruhe. Unterschieden wurde zwischen 5 Kategorien der Körperhaltung und 3
Kategorien der körperlichen Unversehrtheit.
Tabelle 2: Boniturschlüssel
Kategorie
Körperhaltung
Schulterverletzung
1
Seitenlage
Schulter ok
2
Halbseitenlage
verletzt ganz oder überwiegend abgeheilt
3
Bauchlage
verletzt, Wunde überwiegend offen
4
Sitzen
5
Stehen
Die Besamungsgruppen wurden im Abstand von 21 Tagen aus dem Abferkelbereich in den Besamungsbereich ein-
gestallt. Insgesamt wurden 210 Sauen untersucht, die jeweils am Montag von ihren Ferkeln abgesetzt und 24 h spä-
ter mit 5 ml „Suigonan“ behandelt wurden. Zwei bis vier Tage später stellen sich dann die Brunst und der Duldungs-
reflex ein, der durchschnittlich 2,2 Tage lang beobachtet wurde. Die ersten Sauen dulden am Donnerstag, der Haupt-
besamungstag ist der Freitag. Danach verbleiben die Tiere noch weitere 28 Tage in den zu untersuchenden Kasten-
ständen, bzw. haben die Möglichkeit, zwischen den Kastenständen oder dem Freilauf zu wechseln (System 4).
Es wurde darauf geachtet, dass die für die jeweilige 3-Wochen Gruppe vorgesehenen Kastenstände möglichst
gleichmäßig unter Berücksichtigung von arbeitswirtschaftlichen Notwendigkeiten belegt wurden. Beim Ein- und
Ausstallen wurde die körperliche Unversehrtheit (Integument, Schulterverletzungen) sowie die Speckdicke der
Sauen festgestellt. Bei der Haltungsgruppe 4 („Selbstschutz Kastenstand“, Fima Duräumat) blieben die Kasten-
stände nach dem Einstallen zur Voreinstellung der Rangordnung bis zum Beginn der ersten Rausche Symptome
jeweils 48 h bis 72 h geöffnet. Dann erfolgte eine Fixierung für etwa 7 Tage bis zum Ende der Rausche. Alle Sauen
wurden nach dem üblichen Schema der Herdenbewirtschaftung gefüttert und besamt, sowie das Duldungs-
verhalten festgestellt und dokumentiert. Gleichwohl wurde das Ergebnis der Trächtigkeits- und Umrauscher-
kontrolle, sowie die biologischen Leistungen im Abferkelbereich dokumentiert. Insgesamt wurden 2.030 Einzel-
tierbeobachtungen im Rahmen einer Chi² Analyse miteinander verrechnet. Die biologischen Leistungen der Sauen
wurden mithilfe einer Varianzanalyse unter Berücksichtigung des Alters und der Durchgangseffekte verrechnet.
2.4 Ergebnisse und Diskussion
Die technische Ausgestaltung der Kastenstände hatte zum Teil erhebliche Konsequenzen für die verletzungsfreie
und tiergerechte Haltung der Sauen.
2.4.1 Technische Bewertung der Systeme
Die einzelnen verbauten Kastenstandvarianten müssen zunächst aufgrund der beobachteten technischen Pro-
bleme und Havarien bewertet werden. Diese zeigen die Grenzen des Systems und den Entwicklungsbedarf. Das
realisierte Prinzip einer Breitenverstellung mithilfe eines Rastersystems (System 3) sollte so einfach wie möglich
eine Verstellbarkeit durch Versetzen der einzelnen Kastenstandelemente in Rastermaßen von 10 cm ermöglichen.
Dazu können diese vorn in vorgefertigte Bohrungen eingesetzt werden. Die Bodenführung hinten wird mithilfe
eines Schienensystems möglich, eine Seitenführung bzw. Seitenfixierung ist nicht gegeben. Insbesondere die
Fixierung gegen Aushebeln nach oben über eine Art „Arretierwelle“ mit aufgeschweißten Begrenzungszapfen,
erwies sich als nicht sicher genug. In der Folge haben die Sauen diese Arretierung mehrfach aufgehoben und das
System zerlegt (Foto links). Eine Zusatzsicherung musste jeweils mithilfe von Kabelbindern erfolgen, was sich als
nicht ausreichend erwies und auf Dauer keine Lösung ist. Der Grundgedanke des Systems ist dem Magdeburger
Urteil oder dem Wortlaut der Nutztierhaltungsverordnung entsprechend, die Kastenstandmaße tierindividuell auf

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 11
die Sauen einzustellen. Der Aufwand für eine Einstellung ist im Dauerbetrieb größerer Sauenherden aber zu hoch.
Sofern die beschriebenen Schwächen ausgeräumt werden, eignet sich das System, wie vom Hersteller
ursprünglich vorgesehen, für kleinere Bestände oder zur tierindividuellen Einrichtung einer Art von Behelfsboxen.
Als robustere Alternative desselben Herstellers erwies sich die Einrichtung eines Kastenstandsystems (System 2)
mit einer einheitlichen lichten Weite von 90 cm am Boden. Dieses Maß entspricht der durchschnittlichen Wider-
risthöhe der Sauen unterschiedlicher genetischer Herkünfte (MEYER 2015) und ermöglicht durchschnittlich großen
Tieren das geforderte barrierefreie Ausstrecken der Beine im eigenen Kastenstand. Ein Umdrehen der Sauen wird
durch die Begrenzung der Schulterfreiheit auf 65 cm mithilfe einer „Raufe ähnlichen Struktur“ realisiert. Diese
Raufe würde sich, sofern gewünscht, auch zur Raufuttergabe eignen. Dazu müssen die Stege aber etwas enger
eingeschweißt werden. Um auch ein Umdrehen junger Sauen sicher zu verhindern, muss die Schulterbegrenzung
tiefer sein und hin zu den rückseitigen Verschlusstüren geführt werden. Das ist in Form der eingebauten
Konstruktion nicht möglich, weil dann die Tore (nach innen) nicht mehr vollständig öffnen (Foto rechts). Wiederholt
haben sich Jungsauen im hinteren Bereich eingeklemmt und auch Altsauen im Liegen gedreht. Grundsätzlich hat
das Prinzip aber den Vorteil, dass ein Einstellen der Kastenstände auf unterschiedliche Größen nicht erforderlich
ist. Auch die vom Hersteller vorgesehene Höhenverstellung der Umdrehbegrenzung, z. B. für Jungsauen, ist im
Grunde genommen nicht notwendig, wenn die lichte Weite von 65 cm auf 60 cm reduziert werden würde. Zur
Anerkennung des Verfahrens müssen Kontrollen die lichte Weite des Systems am Boden und nicht in
Schulterhöhe bewerten.
Fotos: Probleme mit den unterschiedlichen Kastenstandsystemen
Spätestens in Verbindung mit dem Freilauf ist eine tierindividuelle Einstellung der Kastenstandweiten wenig prakti-
kabel. Denn wie bei den klassischen Liegeboxensystemen lässt sich der Kastenstand, den die Sauen aufsuchen,
nicht vorherbestimmen. Das Problem kann nur umgangen werden, indem eher kleine Gruppen „scharf“ sortiert
werden und eine tierindividuelle Einstallung in passende Kastenstände erfolgt.
2.4.2 Körperhaltung und Liegeverhalten in Abhängigkeit vom Trächtigkeits-
stadium
Wildschweine ruhen am Tag zwischen 13 - 16 Stunden also ca. 54 % bis 67 % der Tageszeit (HÖRNING 1993), das
entspricht auch ungefähr den Ruhezeiten von auf der Weide gehaltenen Schweinen (VON ZERBONI und GRAUVOGEL
1984). Schweine ruhen bei Stallhaltung länger, weil die Zeit für die Futtersuche entfällt. BLACKSHAW et al. (1994)
beobachten Liegedauern von etwa 18,5 bis 19 Stunden bei Sauen, die in einem freien System oder im Kasten-
stand gehalten wurden, was 77 % bis 79 % der Beobachtungszeit von 24 h entspricht. Bezogen auf die Moment-
aufnahme ruhender bzw. aktiver Tiere wird in der vorliegenden Untersuchung ein vergleichbarer Wert erreicht. Das
Liegeverhalten lässt den Ergebnissen von BLACKSHAW et al. (1994) zufolge eine entsprechend vergleichende
Differenzierung von freien und konventionellen Abferkelsystemen zu und eignet sich deshalb als betriebs-
spezifischer Tierwohlindikator (MEYER, MENZER und WINKLER 2018). Die von den Sauen eingenommene
Körperhaltung wird signifikant (p<.01) vom Zeitpunkt nach dem Absetzen beeinflusst. Auffällig ist, dass Stehen und
Liegen in Seiten- oder Halbseitenlage eher rückläufig sind, während das Liegen auf dem Bauch zunimmt. Wenn

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 12
man unterstellt, dass die Bauchlage als Übergangsposition nur kurzzeitig eingenommen wird (SCHRADER et al.
2006), dann kann sie zum Liegeverhalten gezählt werden. Stehen dient der Lokomotion oder der Futteraufnahme
und wird immer dann eingenommen, wenn kein Liegebedarf besteht oder drückt im brunstnahen Zeitraum
Duldungsbereitschaft aus. Fasst man Stehen und Sitzen zusammen (METZ und OOSTERLEE 1981) und wertet das
als Aktivität, dann nimmt der Anteil an aktiven Sauen in den 35 Tagen Aufenthalt im Deckzentrum um 10 % ab,
während der Anteil an nicht aktiven Sauen (Seiten-, Halbseiten- und Bauchlage) entsprechend von 80 % auf 90 %
zunimmt. Das entspricht in etwa der 24 h Verteilung von Aktivitäts- und Ruheverhalten, was wiederum zeigt, dass
diese Momentaufnahmen durchaus geeignet sind, um das Tierwohl im Rahmen des Stalldurchgangs zu bewerten.
Die Bauchlage wird aus praktischer Sicht direkt nach dem Absetzen eingenommen, um die vollen Gesäuge zu
kühlen. Das ist in der vorliegenden Untersuchung offensichtlich nicht der Fall. Die Sauen stehen im brunstnahen
Zeitraum mehr, vermutlich als Ausdruck ihrer Duldungsbereitschaft. Im weiteren Verlauf liegen sie mehr, allerdings
zunehmend auf dem Bauch. Die Bauchlage wird meist während des Abliegens oder dem Aufstehen als Über-
gangsposition und eher kurzzeitig eingenommen (SCHRADER et al. 2006). Liegen Tiere aber länger in dieser Posi-
tion, deutet sie eine zu harte oder zu kalte Liegefläche sowie Unruhe des Tieres an (SAMBRAUS 1991). Die
Ruheintensität in dieser Position ist gering, da die Tiere entweder nicht mehr oder noch nicht schlafen (VON
ZERBONI und GRAUVOGEL 1984). Darüber hinaus wird diese Position bei zu niedrigen Stalltemperaturen einge-
nommen, um die eigene Körperoberfläche zu verringern und Temperaturabstrahlung zu mindern. Der beobachtete
Anstieg der Bauchlage könnte deshalb möglicherweise als Ausdruck einer nicht tiergerechten Haltung gewertet
werden, weil sie mehr oder weniger unabhängig von der Art der Kastenstandhaltung ist.
Abbildung 2: Veränderung des Liegeverhaltens während der Zeit im Deckzentrum
Dafür spricht auch, dass die gestreckte Seitenlage als Ausdruck völliger Entspannung zwar gegenüber allen an-
deren Liegepositionen dominiert (33 % vs. 27 % und 24 %). Sie geht aber von der ersten zur 5. Woche von 38 %
auf 28 % zurück. Die Halbseitenlage nimmt von 26 % auf 29 % tendenziell zu. Wahrscheinlicher ist aber, dass sich
darin eine vermehrte Einnahme von Übergangspositionen ausdrückt, indem aus der entspannten Seitenlage die
Halbseitenlage und aus der Seitenlage die Bauchlage wird. Diese ist aus praktischer Sicht eher als zunehmende
Wachsamkeit als Folge der restriktiven Fütterung zu werten, weil die Sauen mit Aufmerksamkeit jedes Geräusch
verfolgen und mit der Fütterung in Verbindung bringen. Diese eher gestresste Grundhaltung der Sauen ist als
negativ für das Haltungssystem zu werten. Viele Praxisbetriebe sind aus diesem Grunde zu einer nur einmal
täglichen Fütterung der tragenden Sauen übergegangen.
64
60
58
59
58
16
22
27
26
29
17
14
13
12
12
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Brunstnah
1 Woche p.i 2. Woche p.i 3. Woche p.i >3. Woche
Seiten- und Halbseitenlage
Bauchlage
Sitzen
Stehen

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 13
2.4.3 Körperhaltung und Liegeverhalten in Abhängigkeit von der
Kastenstandgestaltung
Die Konstruktionsunterschiede der drei unterschiedlichen Kastenstandtypen beeinflussen statistisch gesichert
(p =.024) das Liegeverhalten der darin dauerhaft fixierten Sauen. Die absoluten Unterschiede der Beobachtungs-
werte sind jedoch relativ gering. Die Sauen in dem System 1, sowie in dem System mit Begrenzung der Schulter-
freiheit (System 2), liegen zusammen genommen etwas weniger in Seitenlage (gestreckte und Halbseitenlage),
dafür etwas mehr auf dem Bauch, als in den breitenverstellbaren Systemen. Bei genauerer Differenzierung der
Körperhaltung folgt die Frequenz zum Liegen in entspannter Seitenlage eher der eingestellten lichten Weite des
Systems. Sie ist bei dem Kastenstandtyp mit dem einheitlichen Systemmaß von 90 cm und Schulterbegrenzung
offensichtlich etwas höher als bei den anderen beiden Systemen, die möglicherweise nicht genau genug auf die
Körpermaße der jeweiligen Sau eingestellt waren. Nicht ganz diametral ist die Rangierung bei der Halbseitenlage.
Die Unterschiede sind mit 5 % aber relativ gering und können von Alters- und Größenunterschieden der darin
untergebrachten Sauen überlagert sein. Im Ergebnis widerspricht diese qualitative Differenzierung der Körper-
haltung nicht der Einschätzung von BAUMGARTNER et al. (2005 a), die bei der Untersuchung von 5 verschiedenen
Kastenständen keinen signifikanten Unterschied zwischen den Liegedauern der darin untergebrachten Sauen
feststellen konnten. Bezogen auf 24 Stunden variierten die absoluten Liegezeiten der Tiere nur um 12 Minuten.
Abbildung 3: Liegeverhalten bei unterschiedlicher Kastenstandgestaltung
Beim Vergleich des Liegeverhaltens in Kastenständen mit 65 cm Breite und mit 70 cm Breite konnte kein Unter-
schied im Liegeverhalten aufgrund der Kastenstandbreite festgestellt werden, wobei auch hier nicht ausreichend
gesichert war, dass die Weite der verwendeten Kastenstände zur Körpergröße der eingestallten Sauen gepasst
hat. Relativ große Unterschiede in Konstruktion und den lichten Weiten der verwendeten Kastenstände führen also
eher zu Veränderungen im Liegeverhalten der Sauen, als geringe Unterschiede in der lichten Weite. Über diese
allerdings wurde im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens vor allem anderen gestritten.
2.4.4 Vergleich des Aufenthalts im Kastenstand und im Freilauf
Im System 4 („Komfort - Belegstand“) wurden die Sauen 2 Tage nach dem Absetzen (Montag bis Mittwoch), sowie
nach 5 - 8 Tagen im besamungsnahen Zeitraum freilaufend gelassen. Es wurde darauf geachtet, dass aufgrund
der Körperkondition keine stark unterschiedlichen Dominanzverhältnisse in der Gruppe entstehen. Das Platzan-
gebot in der 3,4 m mal 5,5 m großen Gruppenbucht betrug sehr großzügige 4,6 m² je Sau. Die Bewertung des
Liegeverhaltens der Sauen ergab aber, dass ein Liegen in den geöffneten Kastenständen offensichtlich deutlich
attraktiver als das Liegen in den Gruppenbuchten ist. Fast dreimal so viele Sauen (73 %) wählten den Kasten-
stand, anstatt die Gruppenbucht zum Liegen, obwohl die Möglichkeit bestand, in der Gruppenbucht mit deutlich
mehr Beinfreiheit außerhalb des Kastenstandes zu liegen.
30
26
26
17
33
30
19
18
35
23
25
17
0
5
10
15
20
25
30
35
40
entsp.Seitenlage
Halbseitenlage
Bauchlage
Sitzen/Stehen
Köllitscher Lücke
breitenverstellbar
Schulterbegrenzt

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 14
Abbildung 4: Wahl des Liegeortes innerhalb/außerhalb des Kastenstandes
Somit wird die Einschränkung der Bewegungsfreiheit aus Sicht der Sauen eher als untergeordnet bewertet. Ein-
schränkend muss gewertet werden, dass auch der Liegekomfort im Kastenstand aufgrund des höheren Anteils
geschlossener Fußbodenelemente möglicherweise etwas höher ist. Ältere Untersuchungen haben gezeigt, dass
unter thermoneutralen Bedingungen (18 °C Fußbodentemperatur) Schweine geschlossene Fußbodenbereiche zum
Liegen bevorzugen. Bei vergleichbar angelegten Untersuchungen auf Haus Düsse (Schulte-Sutrum und Scholz,
2019) wählten in gleicher Größenordnung wie in Köllitsch, 60% der Sauen einen 70 cm breiten Kastenstand als
Liegeplatz, anstatt einen mit 1,6 m Breite (1,7 m²/Sau), allerdings eher eng bemessenen Laufgang. Bei größerem
Laufbereich (3,7 m Breite, 3,8 m²/Sau) mit geschlossenen Liegekojen lagen nur 30 % der Sauen in den eher engen
Ständen von nur 60 cm. Der Laufbereich in der vorliegenden Untersuchung war 25 % größer, hatte keine Liege-
kojen, aber dafür mit 76 cm deutlich breitere Kastenstände. Offensichtlich spielt die Attraktivität des Liegebereiches
innerhalb und außerhalb der Kastenstände auch eine wichtige Rolle. Nach praktischen Beobachtungen überwiegt
aber der Eindruck, dass die Kastenstände einen Schutzbereich für die Sauen darstellen. Bei Rangkämpfen und
Stress mit den Gruppengefährtinnen ziehen sich die Sauen dorthin zurück.
Tabelle 3: Liegeverhalten im Kastenstandsystem 4, „Arena“
Entspannte Seitenlage
[%]
Halbseitenlage
[%]
Bauchlage
[%]
Sitzen/Stehen
[%]
Kastenstand geschlossen
23
26
30
21
Kastenstand auf, Liegen im KS
29
29
23
20
Kastenstand auf, Liegen im Freilauf
21
29
27
23
169
62
Liegen im Kastenstand
Liegen außerhalb des Kastenstandes

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 15
Das Liegeverhalten bei geschlossenem Kastenstand ist in Verbindung mit dem brunstnahen Zeitraum zu sehen
und deshalb nicht vergleichbar mit dem späteren Liegeverhalten nach dem Abklingen der Brunstsymptome. Für die
Bewertung des Liegeverhaltens entscheidend ist aber, dass bei geöffnetem Kastenstand fast dreimal so viele
Sauen im Kastenstand als im Auslauf ruhen. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Tiere dabei auch noch
einen etwas höheren Entspannungsgrad zeigen. Der Kastenstand stellt offensichtlich einen Schutzraum dar, weil
dort 29 % der Tiere in entspannter Seitenlage ruhen, während nur 21 % der (wenigen) Sauen im Auslauf diese
Körperhaltung einnehmen. Die entspannte Seitenlage stellt nach Literatureinschätzung die Körperhaltung in ab-
soluter Entspannung während des Tiefschlafes dar oder wird bei hohen Lufttemperaturen zur Thermoregulation
eingenommen (VAN PUTTEN 1978, VON ZERBONI und GRAUVOGEL 1984, PEITZ und PEITZ 1993, MAYER, HILLMANN
und SCHRADER 2006, SCHRADER et al. 2006). Die Halbseitenlage stellt eine Übergangsposition zwischen gestreck-
ter Seitenlage und Bauchlage dar. In dieser Position ist die Ruheintensität niedriger einzustufen als in der ge-
streckten Seitenlage und deutet erhöhte Wachsamkeit an (HASSENBERG 1965). Der Entspannungsgrad der Sauen
im Kastenstand ist offensichtlich höher als der Entspannungsgrad der Sauen, die im Freilauf liegen. Deren etwas
höhere Frequenz des Liegens auf dem Bauch kann aber möglicherweise mit einer erhöhten Aufmerksamkeit ent-
sprechend den Ergebnissen vorangegangener Untersuchungen (MEYER, MENZER und WINKLER 2018) bewertet werden.
Das entspricht auch den Ergebnissen der Literatur im Vergleich der Haltung von säugenden Sauen in freien Haltungs-
systemen (BAUMGARTNER et al. 2005, BLACKSHAW et al. 1994, CRONIN, SIMPSON und HEMSWORTH 1996, KAMPHUES
2004, LAMBERTS et al. 2015) mit der fixierten Haltung in konventionellen Abferkelbuchten (BAUMGARTNER et al. 2005,
BLACKSHAW et al. 1994, CRONIN, SIMPSON und HEMSWORTH 1996, HRUPKA et al. 1998, KAMPHUES 2004, LAMBERTS et al.
2015, LOU und HURNIK 1998). Tendenziell verändern sich die Körperpositionen der Sauen in freien Haltungssystemen
gegenüber der Kastenstandhaltung:
1. ↓ abnehmend: gestreckte Seitenlage (66 % gegenüber 71 %)
2. ↑ zunehmend: Halbseitenlage (8 % gegenüber 5 %), Stehen (12 % gegenüber 9 %)
3. → gleichbleibend: Bauchlage (bei beiden 11 %) und Sitzen (bei beiden 3 %).
Diesen Tendenzen entsprechend zeigen die Sauen in der vorliegenden Untersuchung beim Liegen im Kastenstand
einen höheren Entspannungsgrad. Nach Literaturangaben werden in Gruppenhaltung die Beine mehr angezogen.
In der vorliegenden Untersuchung nimmt dagegen auch die Bauchlage etwas zu, was den eigenen Ergebnissen
zum Vergleich von verschiedenen Abferkelsystemen entspricht (MEYER, MENZER und WINKLER 2018). Nach HOY
und MÜLLER (2015) liegen Sauen in Gruppenhaltungen in weniger als 10 % der Fälle allein und zu 90 % in kleinen
Gruppen. Dabei nehmen nur etwas mehr als 40 % der Tiere die Seitenlage ein. Bei Einzelhaltung in Kasten-
ständen mit 65 und 70 cm lichter Weite wird ein höherer Anteil an Sauen mit Seitenlage (50%) festgestellt. Der
festgestellte Unterschied von 10 % entspricht in etwa den vorliegenden Ergebnissen (8 %). Die Möglichkeiten zum
Liegen mit ausgestreckten Beinen sind also als untergeordnet anzusehen. Sofern keine Aggressionen unter den
Sauen bestehen, liegen diese in kleinen Gruppen und zwar mit direktem Körperkontakt und eher mit angezogenen
Beinen. Bestehen dagegen Rivalitäten zwischen den Tieren, was offensichtlich mehr die Regel als die Ausnahme ist,
dann ziehen sich die Sauen in die Kastenstände zurück. Hier wird die Beinfreiheit genutzt, wenn sie vorhanden ist.
Geringe Unterschiede in der lichten Weite von nur wenigen Zentimetern verändern, wie oben beschrieben, nicht
signifikant das Liegeverhalten. Das Liegeverhalten ändert sich allerdings, wenn die Nachbarbucht nicht besetzt ist
(Tabelle 4). Mithilfe nicht besetzter Nachbarbuchten könnte nach Meinung der Magdeburger Richter dem um-
strittenen § 24 der Nutztierhaltungsverordnung am einfachsten entsprochen werden. Auch wenn diese vorgeschla-
gene Lösung wirtschaftlich völlig abwegig ist, steht dahinter die Frage, ob die Sauen mit angezogenen Beinen
liegen müssen oder es wollen. Diese Frage kann eindeutig beantwortet werden.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 16
Tabelle 4: Sauen mit ausgestreckten Beinen in Abhängigkeit von der Belegung der Nachbarbucht
Beinfreiheit
Vorderläufe
Signifikanz
ausgestreckt (n=146)
nicht ausgestreckt (n=231)
[n]
[%]
[n]
[%]
gegeben
58
60
38
40
*
nicht gegeben
88
31
193
69
**
Offensichtlich strecken die Sauen signifikant häufiger (60 %) die Beine in die Nachbarbucht, wenn sie die Möglichkeit
dazu haben. Etwas weniger als die Hälfte der Sauen tun das nicht, obwohl sie die Möglichkeit dazu haben. Dem-
gegenüber streckten nur halb so viele Sauen (31 %) bei konventioneller Bauweise ihre Beine in die besetzte
Nachbarbucht. Sauen lagen daher signifikant häufiger mit angezogenen Vorderläufen (69 %) (p-Wert = 0,01). Nach
Untersuchungen von HOY und MÜLLER (2015) unterscheidet sich das Liegeverhalten von in Gruppen gehaltenen
Sauen nicht von dem der Sauen, die in Kastenständen gehalten werden. Berücksichtigt man die hier vorliegenden
Ergebnisse, dann ist die Schlussfolgerung, dass die Sauen es quasi nicht anders haben wollen, nicht zulässig. Man
kann aber sagen die Sauen verzichten bei der Gruppenhaltung auf das Ausstrecken der Beine, weil sie den direkten
Körperkontakt zu den Gruppengefährtinnen suchen und sich möglicherweise in einem Zustand höherer Wachsamkeit
befinden. Beim Liegen im Kastenstand werden die Beine vermehrt ausgestreckt, wenn es „barrierefrei“ möglich ist.
Das Schutzbedürfnis der Sauen im Kastenstand ist der Möglichkeit zum Körperkontakt und diese der Beinfreiheit
übergeordnet. Schutz ist den Sauen wichtiger als Körperkontakt und dieser ist wichtiger als Beinfreiheit. Beurteilt vom
Liegeverhalten ist die Gruppenhaltung nur dann tiergerechter als die Einzelhaltung, wenn ein stressfreies Zusammen-
leben der Tiere untereinander möglich ist. Das ist offensichtlich eher die Ausnahme als die Regel.
2.4.5 Biologische Leistungen
Biologische Leistungen als Maßstab zur Beurteilung der Tiergerechtheit von Haltungssystemen werden kritisch
diskutiert, weil die tierische Leistung nicht nur ein Resultat aus Haltung und Fütterung, sondern auch der gene-
tischen Veranlagung ist. Aufgrund der „genetischen Verurteilung“ der Nutztiere zu hoher Leistung durch die
intensive Zuchtarbeit, sind auch bei suboptimalen Haltungssystemen und Nährstoffbedarfsdeckung relativ hohe
Tierleistungen zu erwarten. Leistungsdepressionen können jedoch als Indikator für mangelhafte Haltungssysteme
bzw. reduziertes Wohlbefinden dienen (HÖRNING 1993, BOGNER 1984, HORSTMEYER und VALLBRACHT 1990). Bei
der Auswertung der biologischen Daten waren unter Verwendung des Statistikprogramms SPSS geringe Korrek-
turen auf das Alter der Sauen notwendig. Die nur kurzfristig fixierten Tiere waren durchschnittlich etwas jünger.
Deshalb wurden die Beobachtungsdaten auf eine konstante Wurfnummer (4,3) hin korrigiert. Das Ergebnis fasst
die Tabelle 5 zusammen.
Tabelle 5: Biologische Leistungen
Kastenstandsystem
1
SE
2
SE
3
SE
4
SE
Signifikanz
*
(
Tukey
)
n
50
80
49
27
Dauer der Brunst
[Tage]
2,2
0,07
2,3
0,06
2,1
0,09
2,4
0,09
n. s.
Umrauschrate 1.TU
[%]
12,2
2,5
8,2
11,1
n. s.
Speckdickenveränderung [mm]
1,0
0,73
1,7
0,5
2,0
0,59
- 0,9
0,9
a; ab; ab; b
leb. geb. Ferkel
[n]
15,8
0,69
15,3
0,48
14,7
0,77
14,2
0,85
n. s.
tot geb. Ferkel
[n]
2,1
0,51
2,6
0,34
2,0
0,54
2,2
0,59
n. s.
links Diff. Schulternote
A - E
0,3
0,22
0,3
0,15
0,7
0,17
0,1
0,27
n. s.
rechts Diff.Schulternote A - E
0,5
0,24
0,7
0,16
0,7
0,19
0,9
0,29
n. s.
Wurfmasse
[kg]
20,4
0,81
20,1
0,56
19,3
0,90
19,7
0,99
n. s.
Mit Ausnahme der Speckdickenveränderung unterscheiden sich die korrigierten Beobachtungswerte nicht. Auffällig
sind die tendenziell besseren Erstbesamungserfolge in der Behandlungsgruppe mit der Schulterbegrenzung und

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 17
die allgemein relativ hohe Frequenz an tot geborenen Ferkeln. Die Frage, ob die Sauen kurz oder lang fixiert
werden oder wie der Kastenstand bzw. der Auslauf gestaltet ist, hat im variierten Rahmen keinen statistisch sicher-
baren Einfluss auf die Umrauschrate oder die spätere Anzahl an lebend geborenen Ferkeln bzw. die Wurfmasse.
Das entspricht vordergründig den Erfahrungen von Haus Düsse (Schulte-Sutrum und Scholz 2019) sowie der
Einschätzung von Praxisbetrieben, die mit diesem oder einem ähnlichen System arbeiten. Dabei ist allerdings die
hohe biologische Streuung der Fruchtbarkeitsmerkmale, insbesondere der Umrauschrate, zu berücksichtigen, die
eine statistische Absicherung erschwert. Eine Fixierung über 4 Tage nach dem Belegen führt auf Haus Düsse
entsprechend den Ergebnissen in der vorliegenden Untersuchung zu gleich guten Ergebnissen, wie eine Fixierung
über 28 Tage nach der Besamung (Scholz und Schulte-Sutrum 2017). Die Einschätzung von Haus Düsse ändert
sich bei Betrachtung der Umrauschrate unter Berücksichtigung des Alters der Sauen. Ohne die Leistungen der
Jungsauen rauschen in der Versuchsvariante mit nur kurzfristiger Fixierung im unmittelbaren Zeitraum der Be-
samung und nachfolgender Gruppenhaltung ohne Rückzugsmöglichkeiten durch Kastenstände, fast doppelt so
viele (ca. 12%) Sauen um, wie in den anderen beiden Varianten (ca. 6% bis 7 %). Eine Fixierung der Sauen über
4 bis 5 Tage, bis zum Abklingen der Brunstsymptome, ist also als Mindeststandard zu sehen. Dieser wird mit der
neuen Nutztierhaltungsverordnung unterschritten werden, indem das Schließen der Kastenstände nur noch für den
eigentlichen Vorgang der Besamung zulässig sein wird. Der zukünftig vorgeschriebene hohe Platzanspruch von
5 m² je Sau wird unweigerliche zu einem zweiphasigen System aus Arena und Kastenstandhaltung führen. Die
Arena Haltung dient der Rangordnungsbildung und ist sinnvoll.
Die gewährte Bewegungsfreiheit im Deckzentrum führt in Köllitsch dazu, dass die Sauen in der Behandlungs-
gruppe 4 in dieser Zeit weiter Speck abbauen, während die Sauen in allen anderen Haltungsgruppen bereits wie-
der Speck aufbauen. Dementsprechend sind die Schulternoten zumindest der linken Schulter tendenziell auch
etwas schlechter. Dieser kann nicht die Folge des Altersunterschiedes in den Behandlungsgruppen sein, weil er
korrigiert wurde. Wenn man aufgrund der oben genannten Ergebnisse zur Tierbeobachtung feststellt, dass sich die
Sauen im Auslauf nicht mehr bewegen und überwiegend im Kastenstand liegen, muss unterstellt werden, dass der
Konditionsverlust eher die Folge von Gruppenstress ist. Fettauflage und leistungsgerechte Fütterung sind die
Hauptursachen für die Entwicklung schmerzhafter Schulterläsionen, die im Verlauf der Säugezeit entstehen und
während der Tragezeit altersabhängig nicht wieder ausheilen. Sofern diese durch die Stalleinrichtung verstärkt
oder ausgelöst werden, können diese Mängel auch unter dem Begriff „Technopathie“ zusammengefasst werden.
SAMBRAUS (1982) betont allerdings, dass klinische Veränderungen die kritischste Bewertungsstufe darstellen. Im
Vorfeld von Drucknekrosen z. B. erleiden Sauen Schmerzen, was sich auch in nicht arttypischem Verhalten äußert
(„Trauern“ = Vermeiden des Abliegens, Verharren im Hundesitz mit hängendem Kopf). Das konnte allerdings an-
hand des vorliegenden Datenmaterials nicht nachvollzogen werden. Somit gelingt es bei der Fixierung im
Kastenstand besser Konditionsdefizite wieder auszugleichen. Zielführender ist es jedoch, mithilfe einer bedarfs-
gerechten Fütterung im Abferkelbereich solche Läsionen nicht entstehen zu lassen.
2.5 Zusammenfassung Teil 1 – verkürzte Haltung von
Sauen im Kastenstand
Im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch sollte in einer Untersuchung anhand des Liegeverhalten von Sauen in
unterschiedlich gestalteten Kastenständen geklärt werden, wie die erwarteten Vorgaben zur neuen Nutztier-
haltungsverordnung tiergerecht umgesetzt werden können. Zunächst zeigte sich, dass wenige cm zu viel in der
Gestaltung von Höhe, Beinfreiheit und lichter Weite der Kastenstände, zu erheblichen Problemen wie Einklemmen
und Verletzungen der Sauen führen können. Dagegen führen wenige cm weniger (70 vs. 65 cm) zu keiner nach-
weisbaren Veränderung des Tierwohls, gemessen am Liegeverhalten. Unterschiede im konstruktiven Aufbau der
Kastenstände beeinflussen jedoch signifikant das Liegeverhalten der Sauen. Der Anteil von Sauen in entspannter
Seitenlage folgt in einer Spanne von 65 cm bis 90 cm tendenziell der lichten Weite der Kastenstände am Boden,
wobei die darstellbaren Unterschiede nicht sehr groß sind. Die Beinfreiheit wird signifikant häufiger von den Sauen
genutzt, wenn dies absolut barrierefrei möglich ist. Der Vergleich der Systeme mit kurzfristiger (7 Tage) und lang-
fristiger Fixierung (28 Tage) zeigte, dass Sauen, welche ihren Liegeplatz innerhalb oder außerhalb des Kasten-
standes wählen können, auch bei hohem Platzangebot im Freilauf, deutlich häufiger und auch entspannter im
Kastenstand ruhen. Unterschiede in der Reproduktionsleistung können zumindest in dem variierten Maße, weder

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 18
an der Zeitdauer der Fixierung, noch an der Kastenstandgestaltung festgemacht werden. Sauen, die nur wenige
Tage im Kastenstand festgesetzt wurden, verlieren während der Zeit im Deckzentrum Körperspeck, während
fixierte Sauen Speck aufbauen. Das ist weniger eine Folge unterschiedlicher Bewegungsmöglichkeiten, als viel-
mehr eine Folge von Stress durch die Gruppenhaltung.
Die Ergebnisse lassen schließen, dass eine zeitliche Begrenzung der Kastenstandhaltung tiergerechter ist als ein
völliger Verzicht auf die Kastenstände. Sie tragen dem Schutzbedürfnis der Sauen in Gruppenhaltungen Rechnung
und helfen die Folgen von Stress und Rangordnungskämpfen zu verringern. Stress in der Gruppenhaltung geht
von den Sozialpartnern aus und ist für die meisten Sauen nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Rückzugs-
möglichkeiten bewerten die Sauen höher als die Möglichkeiten zum Körperkontakt in der Gruppe und diesen
wiederum höher als die Beinfreiheit.
Abbildung 5: Bedürfniskaskade im Ergebnis der Untersuchungen
3 Haltung von ferkelführenden Sauen in
Bewegungsbuchten
3.1 Problemlage und Erläuterung zum EIP Projekt des
Landes Brandenburg
Ferkelführende Sauen werden in der konventionellen Schweinehaltung nahezu ausschließlich in Abferkelbuchten
mit einem Ferkelschutzkorb gehalten, in dem die Sauen während der gesamten Säugezeit fixiert sind. Diese
Haltungsform ist das Ergebnis einer Entwicklung mit den Zielen, das Verlustrisiko für die Saugferkel zu begrenzen,
den Arbeitsschutz zu gewährleisten und die Bewirtschaftung zu erleichtern. Die arbeitswirtschaftlichen Vorteile und
die Reduzierung von Erdrückungsverlusten steigerten so stark die Produktivität, dass Tierhalter Ende der 1960-er,
Anfang der 1970-er Jahre, den Ferkelschutzkorb als wesentlichen Bestandteil des Haltungssystems im Abferkel-
bereich akzeptierten. Bestehende Nachteile in diesem System ergeben sich aus der mangelhaften Bewegungs-
möglichkeit der Sau und der erheblichen Einschränkung natürlicher Verhaltensweisen (Trennung Kot- und Liege-
platz bzw. Nest, fehlende Möglichkeiten zum Nestbauverhalten). Diese Nachteile rückten in den letzten Jahren
mehr und mehr in den Fokus von Medien, Verbrauchern und letztlich der Politik. Die dauerhafte Bewegungsein-
schränkung der Sau im Abferkelbereich wird nur noch mit einer Übergangsfrist zulässig sein und Bewegungs-
Beinfreiheit
Körperkontakt
Schutzbedürfnis

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Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 19
buchten werden sich zum Stand der Technik entwickeln. In einigen Nachbarländern, deren Bedingungen in der
Schweinehaltung sich grundlegend von denen in Deutschland unterscheiden, sind Bewegungsbuchten oder das
freie Abferkeln bereits etabliert: Schweiz, Schweden und Norwegen. In Österreich ist nach einer langen Über-
gangsfrist ab 2033 die Fixierung der Sau ebenfalls nur noch während der kritischen Lebensphase für die Ferkel
gestattet. Die nunmehr geänderten gesetzlichen Anforderungen in Deutschland in Bezug auf das Platzangebot und
die Bewegungsfreiheit der Sauen erfordern praxistaugliche Lösungen, um diesen Anforderungen auch kosten-
günstig, durch den Umbau alter Stallanlagen, gerecht zu werden.
In der Agrargenossenschaft Beyern werden 750 Sauen gehalten. Mit dem Ziel der Verbesserung der Tiergerecht-
heit für die ferkelführenden Sauen und in Anbetracht der zu Projektbeginn (2016) absehbaren Verschärfung der
gesetzlichen Anforderungen wurde geplant, bei den anstehenden Umbauarbeiten der Abferkelabteile die Haltungs-
technik für die ferkelführenden Sauen zu erneuern. Durch die Installation von Bewegungsbuchten sollte die
Fixierungszeit der Sau auf ein notwendiges Maß reduziert werden. Um ein System für den Umbau auszuwählen,
das tiergerecht ist aber auch die Arbeitssicherheit sowie - produktivität gewährleistet, wurden 4 unterschiedlich
konstruierte Buchtenvarianten zunächst über ein Jahr unter Praxisbedingungen getestet. Die EIP-Agri Förderung
des Landes Brandenburg machte diese Praxisuntersuchungen im Rahmen des EIP Projektes " Bewegungsbuchten
für säugende Sauen in der Produktion" im Vorfeld des Umbaus der Abferkelabteile in der Agrargenossenschaft
Beyern möglich.
Die Arbeiten der Operationellen Gruppe Bewegungsbuchten, bestehend aus 2 Praxisbetrieben (Agrargenossen-
schaft Beyern, Agrargenossenschaft Mühlberg) und 2 Vertretern der Wissenschaft (Herr Dr. Krocker, HU Berlin
und Herr Dr. Meyer, Sächsisches Landesamt für Umwelt Landwirtschaft und Geologie) hatten zum Ziel, praxisge-
eignete Stall- und Buchtenumbauvorschläge für größere, konventionell arbeitende Betriebe zu erarbeiten und mit
ihrem Leadpartner, der Agrargenossenschaft Beyern, als Brandenburger Demonstrationsbetrieb für andere Sauen-
haltende Betriebe zu wirken. In diesem Bericht werden ausgewählte Projektergebnisse zur Haltung von Sauen in
Bewegungsbuchten vorgestellt.
3.2 Material und Methoden
Im ersten Abschnitt des EIP Projektes wurden die 4 Buchtenvarianten in 11 Durchgängen getestet. Im Fokus der
vergleichenden Untersuchungen stand das Verlustgeschehen und die körperliche Unversehrtheit der Sauen.
Zwei Varianten (V) der Bewegungsbuchten verfügten über eine schmale Bauform mit trapezförmiger Freifläche für
die Sauen V 1 (n=100 Sauen /1397 Ferkel) und V 2 (n=32 Sauen/420 Ferkel) und zwei Buchtenvarianten über eine
quadratische Bauform mit großzügig dimensionierter Freifläche für die Sauen V 3 (n=30 Sauen/390 Ferkel) und V 4
(n=32 Sauen/413 Ferkel). Der Unterschied zwischen den Varianten liegt weniger in der Buchtengröße und Größe
der frei verfügbaren Fläche für die Sauen nach Korböffnung, sondern eher im Aufbau und Form der Aktionsfläche
der Sauen nach Korböffnung.
Variante 1:
Trapezbucht, breit
10 Stück,
n = 100 Sauen / 1.397 Ferkel
2,35 m x 2,8 m =
6,6 m²
Fläche Sau ~ 2,9 m²
Variante 2:
Trapezbucht, schmal
3 Stück,
n = 32 Sauen / 420 Ferkel
3,0 m x 2,15 m =
6,4 m²
Fläche Sau ~ 3,1 m²
Variante 3:
Quadratische Bucht,
kleine Freilauffläche
3 Stück,
n = 30 Sauen / 390 Ferkel
2,7 m x 2,5 m =
6,7 m²
Fläche Sau ~ 3,0 m²
Variante 4:
Quadratische Bucht,
große Freilauffläche
3 Stück,
n = 32 Sauen / 413 Ferkel
2,35 m x 2,6 m =
6,1 m²
Fläche Sau ~ 3,7 m²

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Erhobene Leistungsparameter waren die Anzahl abgesetzter Ferkel pro Wurf, sowie der mittlere Wurfzuwachs zur
Bewertung der Säugeleistung. Letztere wurde durch Differenzbildung aus den beiden durchschnittlichen Wurfge-
wichten nach den erforderlichen Umsetzungen und zum Absetzen gebildet. Hier später dargestellte Ergebnisse zur
Säugetagszunahme beziehen sich auf die Einzeltierwägungen, die im Produktionsbetrieb nur über 3 Durchgänge
realisierbar waren. Um der Frage nachzugehen, ob sich das entstehende Energiedefizit der Sauen zur Säugezeit
in den jeweiligen Haltungssystemen unterscheidet, wurde der Verlust an Körpersubstanz ermittelt. Dafür wurden
alle Sauen zum Einstallen in den Abferkelbereich und zum Ausstallen gewogen sowie das Gesamtgewicht der
Würfe erfasst, um den tatsächlichen Nettogewichtsverlust zu berechnen
Ein zentrales Untersuchungsmerkmal stellte neben der Leistung der Sauen und der Praktikabilität der Buchten die
körperliche Unversehrtheit der Sauen dar. Hierbei standen die Schulterläsionen und Verletzungen an den Zitzen der
Sauen im Fokus der Untersuchungen. Die Boniturdaten wurden zum Ein- und Ausstallen in den Abferkelbereich erfasst,
um eventuelle Vorschädigungen zu berücksichtigen. Gesäugeverletzungen wurden über die Anzahl erheblich verletzter
Zitzen dokumentiert. Die Erfassung von Schulterläsionen erfolgt über die Vergabe von Boniturnoten unter Verwendung
eines festgelegten Boniturschlüssels für die rechte und linke Körperseite der Sau (Tabelle 6).
Tabelle 6: Boniturschema zu den Schulterverletzungen
Note
Befund
Beispiel
1
unverletzt
2
Verdickung tastbar,
Druckstelle,
Vorschädigung
3
punktuelle Verletzung,
oberflächlich
4
tiefgehend, blutig (auch
abgetrocknet)
5
tiefe Verletzung, Haut
geschädigt, großflächig
6
große, tiefe Verletzung,
Haut stark geschädigt,
Entzündung
Vor dem Hintergrund der zu Projektbeginn erwarteten gesetzlichen Beschränkung der Zeit der Sauen im ge-
schlossenen Ferkelschutzkorb wurde in den jeweils fertiggestellten Abferkelabteilen geprüft, ob eine Reduzierung der
Fixierzeit nach der Abferkelung von den üblicherweise gewählten 7 auf 5 Tage möglich ist, ohne dass sich das Ver-
lustrisiko für die Ferkel erhöht. Zusätzlich wurde geprüft, ob sich der Freilauf der Sauen ab Einstallung bis 2 Tage vor
dem errechneten Abferkeltermin auf die Verlusthöhe auswirkt.
Die statistische Analyse zur Höhe der Ferkelverluste wurde mit der Prozedur GLIMMIX (SAS 9.4,2012, SAS Insti-
tute Inc., Cary, NC) ausgeführt. Die Saugferkelverluste wurden als binominal verteiltes Merkmal modelliert. F-Test
und t-Test wurden genutzt, um die fixen Effekte im Modell zu analysieren (Buchtenvariante, Wurfnummer und
Wurfgröße). Für die statistische Auswertung wurden die fixen Effekte in Klassen eingeteilt:
-
Wurfnummer: 1 , 2, 3, 4, ≥ 5
-
Wurfgröße: ≤ 12, 13 , >13

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 21
3.3 Ergebnisse und Diskussion
3.3.1 Höhe der Saugferkelverluste in Abhängigkeit der
Buchtenkonstruktion
Abbildung 6: Höhe der Saugferkelverluste in den Buchtenvarianten
(mit ungleichen Buchstaben gekennzeichnete Werte unterscheiden sich mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p < .05)
Im Ergebnis werden in Bewegungsbuchten mit einer schmalen Bauform, hier als Trapezbuchten bezeichnet, signi-
fikant geringere Ferkelverluste (9,4 % SE 0,87 %) festgestellt als in denen mit quadratischer Grundform (15 % SE
0,14 %, p=.0002). Buchten mit quadratischem Aufbau und größerem Aktionsraum der Sauen provozieren höhere
Ferkelverluste: Variante 1 Trapezbucht, breit: 10,2 % (SE 0,92 %) und Variante 2 Trapezbucht, schmal: 7,2 % (SE
1,2 %) im Gegensatz zu Variante 3: 12,7% (SE 1,7 %) und Variante 4: 13,7 % (SE 1,7 %). In der Bucht mit der ge-
ringsten Buchtenbreite (Variante 2) sind die Ferkelverluste gegenüber den beiden Buchtentypen mit quadratischer
Grundform (Variante 3 Quadratische Bucht, kleine Freilauffläche und Variante 4 Quadratische Bucht, große Frei-
lauffläche) signifikant geringer (p= .0032).
Die fixen Effekte Wurfgröße und Wurfnummer beeinflussen die Höhe der Ferkelverluste signifikant, was auch
durch die Literatur bestätigt wird (HEIDINGER 2019, WEBER et al. 2006) Das Verlustrisiko steigt in der vorliegenden
Untersuchung deutlich mit dem Alter der Sauen: Jungsauen haben mit 7,5 %
a
signifikant geringere Ferkelverluste
als Sauen im 2. - 4. Wurf bzw. ab 5. Wurf (Tabelle 7).
Tabelle 7: Einfluss der Wurfnummer auf die Höhe der Saugferkelverluste
Einteilung
Wurfklassen
Höhe Ferkelverluste
p= .0013
1. Wurf
7,5 %
a
2. - 4. Wurf
11,3 %
b
ab 5. Wurf
14,1%
b
Bezogen auf die Wurfgröße (nach dem Wurfausgleich) waren die Ferkelverluste bei unterdurchschnittlich großen Würfen mit
10-12 gesäugten Ferkeln bzw. 13 gesäugten Ferkeln signifikant geringer gegenüber Würfen mit 14-16 Ferkeln (Tabelle 8).
Letzteres zeigt, dass bei der Etablierung von tiergerechteren Haltungssystemen nach wie vor das Management die wichtigste
Stellschraube für Tiergesundheit und Tierschutz in den Ställen bildet.
10,2
7,2
12,7
13,7
0
2
4
6
8
10
12
14
16
Trapezbucht, breit
Trapezbucht, schmal
quadratische Bucht,
kleine Freilauffläche
quadratische Bucht,
große Freilauffläche
a
b
a, b
b

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 22
Tabelle 8: Einfluss der Anzahl gesäugter Ferkel auf die Höhe der Saugferkelverluste
Einteilung
Wurfgröße (nach
Wurfausgleich)
Höhe Ferkelverluste
p= .0004
10-12
8,6 %
a
13
9,5 %
a
14-16
14,8%
b
Der Vergleich der Haltungsvarianten zeigt, dass die Ferkelverluste in Bewegungsbuchten nicht nur von der Zeit-
dauer der Fixierung abhängen. Vielmehr kommt es auf die Gestaltung der Bewegungsbuchten an. Scholz und
Schulte- Sutrum (2019) stellten im Vergleich verschiedener Abferkelsysteme ebenfalls höhere Verluste in den Be-
wegungsbuchten mit größerer Freifläche für die Sau fest (16,9% bis 3,5 m² vs. 17,9 % über 3,5 m²), bei einer
Fixierzeit nach der Abferkelung von 5 Tagen. Die Verluste in den beiden Varianten der Bewegungsbuchten waren
höher als bei den Standard - Abferkelbuchten (13,8%) aber deutlich geringer im Vergleich zur Freilaufbucht (22 %).
Der Unterschied zwischen den Systemen ist nach Angaben der Autoren auf Erdrückung zurückzuführen (5,5 % in
Standardbuchten, 8,9% in den Bewegungsbuchten und 13,6 % in den Freilaufbuchten). Damit wird bestätigt, dass
die freie Abferkelung ein erhebliches Verlustrisiko stellt, allerdings verbessert sich die Verlustsituation bereits durch
eine Kurzzeitfixierung der Sauen (hier 5 Tage).
Diese Schlussfolgerung wird auch durch die Auswertung von GEVERS et al. (2019) bestätigt, Ferkelverluste in Sy-
stemen ohne Fixierung der Sauen werden hier mit 31,8 % bei der Gruppenhaltung ferkelführender Sauen, bzw.
28,4% bei der freien Abferkelung (mit Stroh und verlängerter Säugephase) angegeben. Diese liegen sehr deutlich
über dem Wert für die beiden getesteten Varianten der Bewegungsbuchten (15,6 % bzw.17,3 %) und der klass-
ischen Abferkelbuchten (13,3 %). Im Unterschied zur vorliegenden Untersuchung, ereigneten sich allerdings
weniger Ferkelverluste in den größer dimensionierten Bewegungsbuchten (6,9 m² vs. 5,4 m²). Die vorliegende Un-
tersuchung beweist aber, dass nicht die absolute Größe der gesamten Bewegungsbucht, sondern die Größe des
Aktivitätsbereiches der Sau maßgeblich ist.
In einer früheren Untersuchung von HESSEL, KOLWEYH, VAN DEN WEGHE (2000) zum Vergleich des Verlustge-
schehens in konventionellen Abferkelbuchten und Bewegungsbuchten (eig. Freilauf, ohne Fixierung der Sau), wurden
in der Höhe der Gesamtverluste keine Unterschiede festgestellt. Das galt aber nicht für die Differenzierung der
Verlustursachen. In den Bewegungsbuchten ereigneten sich signifikant mehr Ferkelverluste aufgrund von Er-
drückungen, im Kastenstand verendeten mehr Ferkel durch Lebensschwäche. In einer Untersuchung von KAMPHUES
(2004) werden höhere Ferkelverluste in Bewegungsbuchten ohne geschlossenen Ferkelschutzkorb (26,9 % bzw.
25,8 %) gegenüber einer Korböffnung ab 10. Lebenstag (19,6 %) festgestellt. Bleibt der Ferkelschutzkorb während
der gesamten Säugezeit geschlossen verringern sich die Ferkleverluste hauptsächlich durch Erdückung um weitere
2%. Insgesamt waren die Aufzuchtverluste, bezogen auf alle Haltungsvarianten, mit 22,5% hoch, was unterstreicht,
dass in Haltungssystemen mit erhöhter Bewegungsfreiheit für die Sau, angelegte Schwächen vermehrt zum Tragen
kommen können.
Prinzipiell ist heute, bei optimaler Buchtengestaltung, davon auszugehen, dass die Haltung der Sauen in Be-
wegungsbuchten nicht zu höheren Ferkelverlusten führt, wenn der Kastenstand für mindestens 5 Lebenstage
geschlossen bleibt. Zunächst noch vorsichtig mit Fixierzeiten von 10-14 Tagen (KURTH 2015) ist man mit der
Weiterentwicklung der Bewegungsbuchten üblicherweise zu 7 Tagen Fixierung (SCHNEIDER 2017) nach der Ab-
ferkelung übergegangen. Der gesetzliche Standard wird zukünftig die Haltung der ferkelführenden Sauen auf
5 Tage reduzieren. Dieser wird von vielen internationalen Autoren (s.u.) als ausreichend angesehen. Dabei ist das
Verlustniveau und die Frage der Übertragbarkeit von Versuchsergebnissen immer unter der Maßgabe des
Leistungs- und Gesundheitsniveaus zusehen.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 23
3.3.2 Höhe der Saugferkelverluste in Abhängigkeit der Fixierzeit der Sauen
Nach der Beantwortung der Fragen zur optimalen konstruktiven Gestaltung von Bewegungsbuchten wurde in den
mit den optimierten Bewegungsbuchten fertig gestellten Abteilen die Fragestellung zur Zeitdauer der Fixierung
untersucht. Es wurde sowohl der Zeitraum nach der Abferkelung, wie auch der Zeitraum ab Einstallung in die
Abteile bis zur Abferkelung betrachtet. Abbildung 7 zeigt die Höhe der Ferkelverluste, die sich in ingesamt 9 Durch-
gängen zwischen den Behandlungsgruppen „Korböffnung am 5. Säugetag“ (n=124 Sauen) bzw. „Korböffnung am
7. Säugegetag‘ (n=123 Sauen) ergaben. Die angegeben Werte wurden statistisch auf die Wurfnummer der Sau
und die Wurfgröße korrigiert.
Abbildung 7: Saugferkelverluste bei Öffnung des Ferkelschutzkorbes am 5. bzw. 7. Lebenstag der Ferkel
Abbildung 7 verdeutlicht, dass in der vorliegenden Praxisuntersuchung die Öffnung des Ferkelschutzkorbes bereits
am 5. Lebenstag der Ferkel vorgenommen werden konnte, ohne dass sich das Risiko für die Saugferkelverluste er-
höhte. Unter den vorherrschenden Voraussetzungen (Genetik, Management, Buchtenkonstruktion) ist es in der
final ausgestalteten Umbauvariante möglich, die Fixierungszeit der Sau nach dem Abferkeln um 2 Tage zu redu-
zieren.
In der Literatur wird immer wieder beschrieben, dass sich 80 % der Ferkelverluste innerhalb der ersten 3 Lebens-
tage ereignen. So berichtet KAMPHUES (2004), dass 87,1 % der gesamten Aufzuchtverluste in allen Versuchs-
varianten (Vergleich verschiedener Formen der Einzelhaltung) in den ersten 3 Lebenstagen stattfanden. BURFEIND
(2019) gibt an, dass sich in einer Untersuchung im Rahmen des Innopig Projektes Erdrückungsereignisse zu 84 %
in der Gruppenhaltung säugender Sauen (ab 6. Lebenstag Ferkel, vorher Einzelhaltung der Sauen) und in der
freien Abferkelung zu 93 % in den ersten drei Lebendtagen stattfanden.
MOUSTSEN et al (2012) bestätigen, dass eine kurzzeitige Fixierung (4 Tage) der Sauen ausreicht. Auch hier wurde in
einer Bewegungsbucht mit schmalen Buchtensystem (1,80 x 2,60) kein höheres Verlustrisiko im Vergleich zur Fixierung
der Sauen bis zum 7. Lebenstag bzw. bei der dauerhaften Fixierung der Sauen während der Säugezeit festgestellt.
HEIDINGER (2019) gibt an, dass die Fixierung der Sauen bis zum 4. Lebenstag der Ferkel die Verluste gegenüber der
freien Abferkelung signifikant reduziert und schlussfolgert ebenso, dass eine Fixierung nach dem 4. Lebenstag die
Ferkelverluste nicht weiter begrenzt. Die sich bei temporärer Fixierung von 4 bzw. 6 Tagen ergebende Verlusthöhe von
11,1 bis 13,7 % wurde als vergleichbar angegeben mit der Verlusthöhe, die bei üblicher Haltung in Kastenstand-
systemen vorkommt. Diese Ergebnisse bestätigen frühere Angaben von PETIG (2014) zum Vergleich der Ferkelverluste
bei durchgehender Fixierung der Sauen im Ferkelschutzkorb, 14 - tägiger Fixierzeit bzw. 7- tägiger Fixierzeit der Sauen
nach der Abferkelung. Eine über den 7. Säugetag hinaus andauernde Fixierung der Sauen hatte keine signifikante Aus-
wirkung auf die Höhe der Ferkelverluste (11,4 / 12,9 / 13,3 ).
8,9
9,4
0,0
2,0
4,0
6,0
8,0
10,0
12,0
Fixierung Sau bis 5. Säugetag
Fixierung Sau bis 7.Säugetag
a
a

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 24
Für den zweiten Teil der Untersuchung zur Fixierzeit der Sauen wurde der Zeitraum ab Einstallung in die Abferkel-
abteile bis zum Abferkeln betrachtet. Dazu wurden über 7 Durchgänge zwei Behandlungsgruppen gebildet:
Freilauf der Sau bis 2 Tage vor der Abferkelung (n = 84 Sauen, Fixierung 0-3 Tage vor Abferkelung)
Fixierung der Sau ab der Einstallung (n= 82 Sauen, Fixierung 7-10 Tage vor dem Abferkeln)
Abbildung 8: Saugferkelverluste bei Freilauf bzw. Fixierung der Sauen vor dem Abferkeln
(mit ungleichen Buchstaben gekennzeichnete Werte unterscheiden sich mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p < .05)
Diese Behandlung führt zu einem deutlichen Unterschied in der Höhe der Saugferkelverluste. Die Sauen der Be-
handlungsgruppe mit sofortiger Fixierung im Ferkelschutzkorb zum Einstallen verzeichneten letztlich signifikant
höhere Verluste als die Sauen, die sich zunächst frei in der Bucht bewegten.
STABENOW UND MANTEUFFEL (2002) zeigten, dass sich die Verlustsituation bei Kurzzeit - Fixierung der Sauen um
den Abferkelzeitpunkt (3-5 Tage ante partum und 4-6 Tage post partum) im Vergleich zur Haltung der
ferkelführenden Sauen im Kastenstand ab Einstallung bis zum Absetzen, nicht erhöhte. Die getesteten Buchten
hatten, wie die Bewegungsbucht in der vorliegenden Praxisuntersuchung mit den geringsten Ferkelverlusten (V2),
einen ähnlichen Aufbau von 2,00 mal 3,00 Metern. Der bei Öffnung des Ferkelschutzkorbes entstehende
Aktionsraum für die Sau war damit ebenfalls eher schmal und länglich. Die Sauen wurden zehn Tage vor dem
errechneten Abferkeltermin in die Buchten ohne Fixierung eingestallt und hatten so die Möglichkeit, sich mit der
Bucht und auch der Nachbarsau vertraut zu machen. Mit den Ergebnissen der Literatur vergleichbar, wurde in der
vorliegenden Untersuchung anhand der Ferkelverlustsituation nach der Geburt, ein positiver Effekt von Freilauf bis
zur Geburt festgestellt (Abb.8).
3.3.3 Körperliche Unversehrtheit
Die körperliche Unversehrtheit der Tiere gilt als Mindestanforderung für Tierwohl, Tiergesundheit und tiergerechte
Haltungsbedingungen. Sie ist direkt auf das Einzeltier bezogen festzustellen. Technopathien sind Verletzungen am
Tier, die durch die Haltungstechnik verursacht werden. Sie sind für die Evaluierung alternativer Haltungsformen als
ein zentrales Untersuchungsmerkmal zu sehen. Deshalb wurden neben den betrachteten Leistungsparametern,
umfangreiche Daten zur Verletzungsfreiheit am Integument der Sauen erfasst und ausgewertet. Da die Test-
6,7
9,7
0,0
2,0
4,0
6,0
8,0
10,0
12,0
Freilauf vor dem Abferkeln
Fixierung vor dem Abferkeln
a
b

image
image
image
image
image
image
image
image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 25
buchten über eine Vielzahl unterschiedlicher Gestaltungsvarianten der Liegeflächen (herstellerbedingt) verfügten,
wurde geprüft, ob es Unterschiede zwischen den verwendeten Materialen bezüglich des Vorkommens und der
Ausprägung von Zitzenverletzungen und Schulterläsionen gibt.
3.3.3.1
Einfluss der Liegeflächen auf die Anzahl erheblich verletzter Zitzen
Ausgewertet wurde der Anteil erheblicher Zitzenverletzungen, die definiert wurden als Schäden mit blutigen
Gewebsveränderungen bis hin zum (Teil-) Abriss der Zitzen. Die Verletzungsursache ist nicht eindeutig den Böden
oder der Beanspruchung der Zitzen durch die Ferkel (insbesondere bei Milchmangel oder geringer Zitzenzahl)
zuzuordnen. Ereignen sich jedoch Gewebeschädigungen wie Schnittverletzungen durch die Böden, verschlimmern
sich diese durch die mechanische Belastung durch die Ferkel beim Saugakt teilweise erheblich. Die Verletzungen
wurden nicht nach der Buchtenvariante, sondern bezogen auf die Bodengestaltung der Sauenliegefläche ausge-
wertet.
Guss 1
Guss
PVC und Guss 3
Keramik/Keramik und PVC
Beton kurz und Guss
Beton lang und Guss
Die 3 hinteren Platten wurden
aufgrund hochgradiger
Verschmutzung der Liegeflächen durch
PVC Roste ersetzt.
Gummimatte, ursprüngliche Länge (1,20 m) wurde wegen starker Verschmutzung der Liegeflächen gekürzt.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 26
Tabelle 9: Anzahl Sauen, Wurfnummer und Anzahl abgesetzter Ferkel zu den verschiedenen
Bodenvarianten
Bodenvariante
Anzahl Sauen mittlere Wurfnummer
Anzahl abgesetzter Ferkel
Guss 1
22
4,4
11,2 (SD 1,4)
Guss 2
25
3,0
12,6 (SD 1,2)
Keramik/Keramik und PVC
26
3,0
10,9 (SD2,1)
Guss 3 und PVC
28
3,1
10,6 (SD 2,1)
Matte
21
3,3
11,2 (SD 1,5)
Beton kurz und Guss
31
4,0
11,0 (SD 1,5)
Beton lang und Guss
35
3,1
10,7 (SD 2,1)
Abbildung 9 stellt den Anteil Sauen mit 4 und mehr erheblichen Zitzenverletzungen dar. Ergänzend werden die im
Mittel erreichte Aufzuchtleistung bezogen auf die Haltungsvarianten aufgeführt.
Abbildung 9: Einfluss von Material der Liegefläche und der Anzahl abgesetzer Ferkel auf das Auftreten von
erheblichen Zitzenverletzungen
Insbesondere die Gussböden provozieren Zitzenverletzungen. Die Verletzungsgefahr an den Zitzen ergibt sich
durch den intensiven Kontakt des Gesäuges mit dem Fußboden. Eine volle Perforation der Sauenstandfläche er-
höht das Risiko für Schäden am Gesäuge der Sauen, insbesondere für Schälwunden der Zitzen. Diese anfäng-
lichen Verletzungen an Zitzen führen nach Meyer (2010) nicht selten zu hochgradiger Gewebeschädigung durch
die Ferkel. Die potentielle Verletzungsgefahr durch perforierte Böden in Verbindung mit der mechanischen Be-
lastung des Saugaktes wird in dieser Untersuchung deutlich, Sauen die mehr Ferkel absetzen, zeigen mehr Ver-
letzungen an den Zitzen.
Voraussetzung für tiergerechte Haltungssysteme ist eine Fußbodengestaltung, die Rutschfestigkeit, Sauberkeit
und Liegekomfort miteinander verbindet. Dieser Kompromiss wird durch das Material gebildet, bedeutend dabei ist
neben der Verletzungsfreiheit (Gesäuge, Fundament) auch der Temperaturkomfort der Sauen (MEYER 2010).
Aufgrund dieser beiden entscheidenden Vorteile der Gussliegeflächen, die ein hohes Potential zur Ableitung der
Körperwärme haben und der Sau eine hohe Standsicherheit gewähren, wurden die Gussböden weiter favorisiert.
Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, ist ein Gussrost mit besonders hoher Qualität für die Gestaltung der
Umbauvariante gewählt worden. MEYER (2010) sieht dazu neben der Materialqualität und dem Perforationsgrad
auch in den Übergängen von einem Fußbodenelement zum nächsten eine häufige Verletzungsursache und em-
40,9
29,0
25,7
48,0
19,2
14,3
11,1
11
10,7
12,6
11,8
10,6
0
2
4
6
8
10
12
14
0,0
10,0
20,0
30,0
40,0
50,0
60,0
abgesetzte Ferkel
% der untersuchten Würfe
ab 4 Verletzungen
abgesetzte Ferkel

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 27
pfiehlt daher, möglichst wenige Elemente unter der Sau zu verwenden, anstattt vieler Elemente. Der Keramikboden
zeigt bei relativ hoher Absetzleistung ein deutlich geringeres Verletzungspotenzial. Der Keramikboden ist quasi
geschlossen, somit werden Schnittverletzungen weitestgehend vermieden. Der Nachteil ergibt sich hierbei aller-
dings durch die höhere bis teilweise nicht mehr zu tolerierende Verschmutzung der Tiere.
3.3.3.2
Einfluss der Sauenliegeflächen auf das Auftreten von Schulterläsionen
Schulterläsionen entstehen durch eine hohe Druckbelastung des Gewebes. Diese entwickeln sich während der
Säugezeit durch die Kombination von langen Liegezeiten, ungünstiger Fußbodengestaltung und körperlichem
Substanzverlust teilweise zu großflächigen und hochgradig entzündeten Verletzungen (MEYER 2019). Eine geringe
Fettauflage bzw. ein hoher Konditionsverlust während der Säugephase begünstigen das Entstehen von Schwel-
lungen und Geschwüren. Es existieren Beziehungen zur Genetik, Sauen aus fettreichen Ausgangsrassen sind
weniger anfällig, dazu gibt es auch genetische Unterschiede in der Ausprägung des Schulterknochens (HOLL-
MICHEL 2010). Jeweils eine Bewegungsbucht der verschiedenen Varianten wurde mit einer Gummimatte im
Liegebereich der Sauen ausgestattet. Diese sollten als Option zur Realisierung der, in der Förderrichtlinie zur
Einzelbetrieblichen Investitionsförderung des Landes Brandenburg, geforderten Komfortliegefläche im Praxisein-
satz getestet werden. Für die verbesserte Ergebnisdarstellung werden aus dem verwendeten 6 - stufigen Bonitur-
schlüssel 3 Kategorien gebildet (Abbildung 10).
Abbildung 10: Schulterverletzungen (Anteil in %) im Vergleich der Bodenvarianten
Die getesteten Matten reduzieren das Auftreten von Schulterverletzungen nicht. Im Gegenteil liegt der Anteil von
Sauen mit leichten und starken Schulterverletzungen mit 21,7 % sogar relativ hoch. Die Matten reduzieren durch
die weichere Unterlage die Druckbelastung auf der Schulter. Allerdings sind die Matten stets feucht, da die Flüssig-
keiten (Tränke) durch die geschlossene Fläche nicht abläuft und die Matten zudem langsamer abtrocknen als
Metallböden. Die andauernde Nässe im Schulterbereich weicht das Schultergewebe auf und begünstigt damit die
Entstehung von Läsionen. Das entspricht dem Ergebnis vorangegangener Untersuchungen (Meyer 2019). Das
Verletzungsrisiko ist auf den Keramikböden deutlich reduziert. Hier wurden ausschließlich leichte Verletzungen
diagnostiziert mit einem Anteil von nur 3,2 %. Die für die Liegeflächen aus Gusseisen dargestellten Unterschiede
können durch die Verarbeitungsqualität bedingt sein und werden zudem erfahrungsgemäß von der Leistung der
Sauen und dem daraus resultierenden Konditionsverlust überlagert. Guss 1 zeigt mit 12,5 % ein deutlich ge-
ringeres Vorkommen von Schulterläsionen gegenüber Guss 2 mit 23 %. Die PVC Fläche (23,3 %) unter der Sau
schnitt ebenso schlecht ab.
Bei der Bodengestaltung konnte auch MEYER et al. (2009) sowie HOLLMICHEL (2010) einen positiven Effekt bei der
Verwendung von Gussrosten gegenüber Gummimatten und Kunststoffrosten belegen – auch gegenüber Beton-
flächen, die in der Untersuchung allerdings nicht so schlecht abschneiden. Ein höherer Anteil Beton zeigt in der
vorliegenden Untersuchung sogar einen positiven Effekt (10,3 % vs. 20 %). HOLLMICHEL (2010) gibt an, dass Guss-
96,8
89,7
87,5
80,0
78,3
76,9
76,7
3,2
7,7
11,4
13,0
11,5
10,0
2,6
12,5
8,6
8,7
11,5
13,3
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%
Keramik/Keramik und PVC (n=31)
Beton lang und Guss (n=39)
Guss 1 (n=24)
Beton kurz und Guss (n=35)
Gummimatte (n=23)
Guss 2 (n=26)
PVC und Guss 3 (n=30)
keine
leichte Verletzung

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 28
roste gegenüber Betonflächen, Gummimatten und Kunststoffrosten einen deutlich positiven Effekt, unter der Be-
rücksichtigung der Effekte Rückenspeckdicke und Alter, zeigen. Vermutlich, weil Gussroste schneller abtrocknen.
In einer aktuellen Studie von MEYER et al. (2019) mit 659 Sauen wurde allerdings auch ein positiver Effekt des prä-
ventiven Einsatzes von Gummimatten bei Sauen mit einem Risiko für die Entstehung von Schulterläsionen (Sauen
mit Vorschädigung im Schulterbereich, unterkonditionierte Sauen), bestätigt. Es wurden zwei Kategorien gebildet
(gefährdete, nicht gefährdete Sauen).
32,5
% aller Sauen im Versuch zeigten
Schultergeschwüre,
der Anteil nicht
gefährdeter Sauen mit Läsionen betrug 23 %. Durch die Druckentlastung konnte das Entstehen von
Schulterläsionen bei den Risikosauen reduziert werden. Der Anteil gefährdeter Sauen die Schulterläsionen ent-
wickelten, betrug
62,4
%, ohne den präventiven Einsatz von Matten, mit Einsatz der Gummimatte waren weniger
betroffen, hier zeigten dann nur 47,3 % der Sauen Schulterläsionen. Diese Ergebnisse sind kein Widerspruch, weil
es bei der Haltung offensichtlich darauf ankommt, in wieweit die druckentlastenden und feuchtigkeitsbindenden
Materialeigenschaften der Matten zum Tragen kommen.
3.3.4 Konditionsverlust der Sauen und Gewichtsentwicklung der Saugferkel
Zur Bestimmung des Körpermasseverlustes der Sauen wurden in über 11 Durchgängen insgesamt 250 Sauen
zum Einstallen und Ausstallen in die Abferkelabteile gewogen. Verglichen wurde der Gewichtsverlust zwischen den
Varianten der Bewegungsbuchten (1 - 4) und den konventionellen Abferkelbuchten (alter Bauweise, Variante 5),
die sich ebenfalls noch in dem Probeabteil befanden.
Tabelle 10: Nettogewichtsverlust der Sauen in den Buchtenvarianten
Variante
Anzahl
Sauen
Wurf
lebend
geborene
Ferkel
mittleres
Geburts-
gewicht
Nettogewichts
verlust
[in % Einstall-
gewicht]
Substanz-
verlust
[in % Einstall-
gewicht]
abgesetzte
Ferkel
1
79
4,5
14,1 (SD 2,8)
1,4 (SD 0,2)
5,6 (SD 6,1)
13,4 (SD 5,9)
10,8 (SD 1,8)
2
25
3,5
13,7 (SD 3,0)
1,5 (SD 0,2)
9,0 (SD 5,1)
16,9 (SD 5,0)
12,1 (SD 1,4)
3
22
3,6
13,3 (SD 2,8)
1,4 (SD 0,3)
6,7 (SD 4,0)
14,8 (SD 4,8)
10,7 (SD 1,7)
4
20
3,9
13,5 (SD 3,1)
1,4 (SD 0,2)
6,3 (SD 7,0)
14,2 (SD 7,4)
10,3 (SD 1,7)
5
45
3,7
12,9 (SD 3,0)
1,5 (SD 0,3)
7,2 (SD 5,2)
15,0 (SD 5,3)
11,1 (SD 1,8)
Die hier dargestellte Auswertung bezieht sich auf 191 Sauen (ohne Jungsauen). Der Nettogewichtsverlust (be-
reinigt um die Wurfmasse und Eihäute, Fruchtwasser) ist in allen Varianten dem eher mittelmäßigen Leistungs-
niveau entsprechend, relativ gering und zwischen den Haltungsvarianten nicht verschieden. Als Grenzwertwert für
den Nettogewichtsverlust der Sauen während der Säugezeit werden 15 % des Einstallgewichtes angesehen.
Dieser wird bei Weitem nicht erreicht. In Variante 2 wurden die meisten Ferkel abgesetzt, demzufolge ist der
Konditionsverlust hier am höchsten. In den konventionellen Abferkelbuchten alter Bauweise ist bei vergleichbarer
Absetzleistung zu den übrigen Varianten der Bewegungsbuchten der Nettogewichtsverlust höher. Es ist auch nicht
zu erwarten, dass Sauen in tiergerechteren Bewegungsbuchten weniger Substanz verlieren, weil sie eher die
Möglichkeit haben sich dem Milchabruf durch ihre Ferkel zu entziehen. Die Tatsache, dass sie in den Bewegungs-
buchten nicht weniger Substanz verlieren als ihre Zeitgefährtinnen in den konventionellen Abferkelbuchten, zeigt,
dass sie die gewährte Bewegungsfreiheit nicht dazu nutzen, um sich ihren Ferkeln zu entziehen. Für Substanz-
verluste spielen andere Faktoren, allen voran eine zur realisierten Leistung passende Futteraufnahme der Sauen,
sowie die Futterausstattung, eine viel größere Rolle.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 29
In 3 Abferkeldurchgängen wurden die Ferkel für den Vergleich der täglichen Zunahme tierindividuell mittels Ohr-
marke markiert. Erst nach dem Wurfausgleich (2. - 4.) Lebenstag wurde für die Betrachtung das Startgewicht der
Ferkel ermittelt, um die Ferkel den Buchten zuzuordnen, in denen sie tatsächlich aufgezogen wurden. Verglichen
wurden die Säugetagszunahmen in den verschiedenen Varianten der Bewegungsbuchten (Variante 1 - 4) und in
den konventionellen alten Abferkelbuchten (Variante 5).
Tabelle 11: Lebendmasseentwicklung der Saugferkel in den Haltungsvarianten
Variante
Anzahl
Ferkel
Wurfnr.
Sau
Gewicht
wiegen
2.-4. Lebens-
tag
Zunahme
2.-4. LT bis
Absetzen(kg)
tgl. Zunahme
(g)
Absetzgewicht
(kg)
abgesetzte
Ferkel / Wurf
1
256
4,9
1,7 (SD 0,4)
5,4 (SD 1,2)
240 (SD 54)
7,2 (SD 1,4)
10,4 (SD 2,1)
2
95
2,9
1,9 (SD 0,4)
5,5 (SD 1,5)
242 (SD 66)
7,4 (SD 1,7)
12,2 (SD 1,3)
3
89
3,4
1,9 (SD 0,3)
5,5 (SD 1,0)
242 (SD 46)
7,4 (SD 1,2)
11,7 (SD 1,9)
4
101
2,9
1,8 (SD 0,4)
5,4 (SD 1,2)
240 (SD 51)
7,2 (SD 1,4)
11,5 (SD 1,5)
5
309
2,5
1,8 (SD 0,4)
5,2 (SD 1,1)
228 (SD 50)
7,0 (SD 1,3)
11,7 (SD 1,7)
Die Ferkel in den konventionellen Abferkelbuchten erreichen Absetzgewichte in Höhe von 7,0 kg, die im Mittel mit 0,2 bis
0,4 kg unter denen der Ferkel in den Bewegungsbuchten liegen. Die über die Erfassungszeit (1. Wiegen am
2.-4. Lebenstag und Absetzgewicht) errechneten täglichen Zunahmen der Ferkel in den Bewegungsbuchten sind in der
Tendenz höher als bei den Ferkeln in den konventionellen Abferkelbuchten alten Bautyps. Diese Ergebnisse deuten
vordergründig an, dass sich Ferkel in den Bewegungsbuchten besser entwickeln. Säugezunahmen und Absetzgewichte
sind aber immer im Zusammenhang mit der Verlustsituation zu sehen, weil eher die schwachen Ferkel eines Wurfes
verenden. So steigen bei höheren Verlusten die Säugezunahmen im Mittel des Wurfes (Meyer 2014).
In der Untersuchung HESSEL, KOLWEYH und VAN DEN WEGHE (2000) erreichten die Ferkel der Sauen, die in den Be-
wegungsbuchten gehalten wurden, signifikant (ca. 370 g) höhere Absetzgewichte gegenüber den Ferkeln von
Sauen, die in konventionellen Abferkelbuchten gehalten wurden. Auch KAMPHUES (2004) beobachtet (statitisch
nicht gesichert) höhere Säugezunahmen von Ferkel in Bewegungsbuchten gegenüber Ferkeln aus konventionellen
Abferkelbuchten. Diese waren, je nach dem, ob der Ferkelschutzkorb der Bewegungsbucht geöffnet wurde oder
nicht, ca. 10 bis 20 g höher als in einer konventionellen Abferkelbucht. In den Haltungsvarianten ohne Fixierung
der Sau erreichten die Ferkel höhere Gewichte, im Durchschnitt 600 g und 200 g mehr gegenüber der Haltung im
Kastenstand sowie 800 g und 400 g mehr gegenüber der Haltung im Kastenstand zum Öffnen. Statistisch ge-
sichert, sind die Ergebnisse aber nur im Vergleich der Varianten Kastenstand zum Öffnen und Bewegungsbucht
mit Fixierungsmöglichkeit der Sau (Fixierung aber nicht angewendet).
Die Ursache dafür könnte u.a. auch in einer unterschiedlichen Säuegaktivität zu sehen sein (KAMPHUES 2003). Sauen
in den Bewegungsbuchten zeigten eine höhere Anzahl von Saugakten (34,0 bzw. 32,2 Saugakte je 24 h) als die
Sauen im Kastenstand (30,8 Saugakte je 24 h) und Kastenstand zum Öffnen (30,6 je 24 h).In der Literatur gibt es
Belege dafür, dass die Sauen ihre Bewegungsmöglichkeit auch nutzen. Bei Sauen in Bewegungsbuchten wurde über
Direktbeobachtung (6.00 bis 22.00 Uhr), ein höherer Zeitanteil in aktiver Körperhaltung nachgewiesen, verglichen mit
der Haltung im Kastenstand (HESSEL, KOLWEYH, VAN DEN WEGHE 2000). Die Frage, ob die Steigerung der Aktivität der
Sauen (weniger Kotverhalten, höhere Nahrungsaufnahme) leistungsrelevant ist, ist nicht bewiesen.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 30
3.4 Zusammenfassung Teil 2
Die Untersuchungen zeigen, dass der konstruktive Aufbau der Bucht entscheidend für die Höhe der Ferkelverluste
und die Qualität der Bewirtschaftung ist. Bislang wurden Bewegungsbuchten vor allem unter dem Gesichtspunkt
einer maximalen Bewegungsfreiheit optimiert. Dabei wurde übersehen, dass der Anspruch der Sau auf Bewegung
mit dem Anspruch der Ferkel auf Überleben konkurriert. Deshalb kann nur ein optimaler Kompromiss in den ge-
nannten Faktoren der Schlüssel für mehr Tiergerechtheit sein. Mit dem hier beschriebenen Projekt wurde gezeigt,
dass trapezförmige, eher schmale Aktionsbereiche für die Sauen die Ferkelverluste begrenzen. Die Untersuchung
zur Fixierungszeit zeigt, dass unter den beschriebenen Versuchsbedingungen (Genetik, Buchtenkonstruktion), der
Korb am 5. Lebenstag geöffnet werden kann, ohne dass sich die Verlustsituation verschärft. Im Vergleich konnte
gezeigt werden, dass bei der Fixierung der Sauen 2 Tage vor dem Abferkeltermin weniger Verluste entstehen. Die
nach dem Entwurf der neuen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zulässigen 5 Tage Fixierzeit sind damit
möglicherweise zu knapp bemessen. Eine sofortige Fixierung der Sau bei Einstallung in die Abteile ist nach dem
Entwurf der neuen Nutztierhaltungsverordnung für Schweine nicht mehr zulässig und wird auch fachlich nicht
empfohlen.
Aus den Erfahrungen zur Bewirtschaftung der in ihrer Konstruktion teilweise deutlich unterschiedlichen Buchten-
systeme lassen sich für die Gestaltung von Bewegungsbuchten wesentliche Empfehlungen ableiten. So unter-
stützen ein einfacher Zugang zur Bucht, leichtgängige Verschlüsse an den Buchtentüren und bestimmte
Konstruktionselemente, wie kippbare Tröge und Kotabwurföffnungen, das Bewirtschaften der Buchten erheblich.
Das Öffnen und Schließen des Ferkelschutzkorbes muss einfach, verletzungsfrei und schnell zu handhaben sein.
Das Ferkelnest ist nahe der Sauenliegefläche zu positionieren, damit die Wegstrecke (Gesäuge-Nest) für die noch
jungen Ferkel möglichst kurz ist. Ferkel, die in den großflächigen Bewegungsbuchten sonst nicht den Weg zum
wärmenden Ferkelnest finden, legen sich entweder im Gefahrenbereich (Überollen) bei der Sau ab oder kühlen auf
dem Buchtenboden aus. Auf Ferkelnestabdeckungen zur Schaffung einer Mikroklimazone kann in den größer
dimensionierten Bewegungsbuchten nicht verzichtet werden. Daneben sind ungehinderte Fluchträume für die
Ferkel („rund herum“), ein wesentliches Konstruktionsmerkmal, um die Ferkelverluste in den Bewegungsbuchten
gering zu halten. Eine geschlossene Liegefläche unter der Sau ist aufgrund der erheblichen Verschmutzung der
Liegefläche, gerade bei geschlossenem Ferkelschutzkorb im sensiblen Zeitraum der Geburt und den ersten
Lebenstagen der Ferkel, abzulehnen. Abbildung 11 zeigt die für den Umbau der Agrargenossenschaft Beyern
ausgestaltete Bewegungsbucht, die die Tiergerechtheit und Leistung mit den Ansprüchen an Arbeitsschutz und
-qualität verbindet und so die Wirtschalftlichkeit gewährleistet.

image
image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 31
Abbildung 11: Im EIP Projektes konzipierte Bewegungsbucht für den Umbau der Abferkelabteile in der
AG Beyern
Im Rahmen der Einzelbetrieblichen Investitionsförderung für besonders tiergerechtes Bauen in Brandenburg wurden
bislang Buchten mit einer Mindestfläche ab 6,0 m² gefördert. Die im Projekt als beste Variante ermittelte und in die
5 Abferkelabteile der AG Beyern verbaute Bewegungsbucht ist 6,7 m² groß. Über den gesamten Projektzeitraum und
darüber hinaus war nicht abzusehen, ob dies für die anstehende Änderung der Tierschutz Nutztier-Haltungsverordnung
ausreicht, da hier, fachlich unbegründet, Buchten mit einer uneingeschränkt nutzbaren Fläche von 5 m² für die Sau
(Referentenentwurf zur 7. Verordnung zur Änderung der Tierschutznutztierhaltungsverordnung; Stand 28.05.2019) oder
Mindestbuchtenflächen von 6,5 m² oder 7 m² (Verordnungsentwurf vom 7.11.19, Empfehlungen Ausschüsse 31.01.2020)
diskutiert wurden. Dadurch kann für einige Betriebe die fatale Situation entstehen, dass die über die einzelbetriebliche
Investitionsförderung der Bundesländer geförderten Bewegungsbuchten nicht den gesetzlichen Vorgaben für Neubauten
entsprechen und nur noch innerhalb der Übergangfrist betrieben werden dürfen.
Ferkelnest im optimalen Abstand und im
„Kommunikationsbereich“ der Sauen
Liegefläche Sau
Gussrost
(verbessert Standsicherheit, unterstützt Thermoregulation)
Anforderung
Einzelbetriebliche
Investitionsförderung
: ‚Komfortliegefläche mind. teilweise im Schulterbereich
‘:
schlitzreduziert (3% Perforation) + Minimaleinstreu
Kotschlitze für Mitarbeiter, aber nicht für
Ferkel möglichst leicht zu öffnen!
Kippbarer Trog, darf im
arretierten Zustand nicht klappern!
Hinterer Zugang zur Sauen-
liegefläche erschließt Platz
für Geburtshilfe

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 32
4 Ausblick und Konsequenzen der Ergebnisse
für die neue Nutztierhaltungsverordnung für
Schweine
Das Ziel, die Aufenthaltsdauer der Sauen in Kastenständen zugunsten der Gruppenhaltung zu verkürzen, soll die Tier-
gerechtheit der Haltungsverhältnisse verbessern. Das im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens zunächst vorge-
sehene Prinzip, die Sauen einer Absetzgruppe auf drei bis fünf unterschiedliche Kastenstandweiten aufzuteilen, hätte
sich nicht bewährt und lediglich sinnlose Diskussionen bei Kontrollen provoziert. Als praktischer und tiergerechter hat
sich in der vorliegenden Untersuchung ein Kastenstandsystem mit gleich weiten Buchten (90-er Systemmaß) in Ver-
bindung mit einer Beschränkung der Schulterfreiheit erwiesen. In dem nun vorliegenden Entwurf zur Neufassung der
Nutztierhaltungsverordnung wird die Einzelhaltung der Sauen in Kastenständen auf ein Minimum reduziert. Sie wird nur
noch für den eigentlichen Vorgang der Besamung sowie im geburtsnahen Zeitraum für 5 Tage möglich sein.
Bei ausreichend Platz und einer Fixierung der Sauen im besamungsnahen Zeitraum sind die Fruchtbarkeits-
ergebnisse, wie gezeigt werden konnte, gegenüber der konventionellen Haltung (Fixierung 28 Tag p.i.) ver-
gleichbar. Fehlen der Platz und die Rückzugsmöglichkeiten werden die Leistungen der Altsauen nach Literatur-
ergebnissen schlechter. Für den Vorgang der Besamung sind aus Arbeits- und Tierschutz Gründen weiterhin
Kastenstände erforderlich. Eine Voreinstellung der Rangordnung nach dem Absetzen der Ferkel gelingt bei
Haltung in Selbstfang- bzw. Selbstschutzsystemen aber nicht per se, weil die Sauen bei Stress mit den Zeit-
gefährtinnen in ihren Kastenständen verschwinden und die Rangordnung folglich nicht ausgebildet wird. Zur
Bildung der Rangordnung werden deshalb künftig für die Zeit vom Absetzen der Sauen von ihren Ferkeln bis zum
Brunsteintritt 5 m
2
Platz pro Sau vorgesehen. Dieser hohe Platzanspruch wird unweigerlich zu einem zwei
phasigen System aus Arena Haltung und Gruppenhaltung im Deckzentrum führen. In beiden Abschnitten sind
strukturierte Buchten vorzusehen. Zielführend erscheint eine Kombination aus Gruppenhaltung im Gebäude und
die Erweiterung des für die Arena Haltung fehlenden Platzes (z.B. 2,5 m²/Sau) durch einen Auslauf. Nach dem
Beginn der Brunst kann entschieden werden, ob der Auslauf weiter genutzt wird oder nicht. Entscheidend für die
kurze Phase der Rangordnungsbildung ist ein Fußboden, der klauenfreundlich ist und ein ausreichendes
Platzangebot. Klauenverletzungen entstehen durch ruckartige Dreh- und Rückwärtsbewegungen meist bei domi-
nant schweren, aber auch bei stark untergeordneten Tieren, vor allem auf schlecht ausgearbeitetem oder ver-
legtem (Beton) Spaltenboden. Im eigentlichen Deckzentrum gelten weiterhin 2,25 m² für die Altsauen und 1,65 m²
für die Jungsauen in Gruppen von 6 bis 39 Tieren. Dafür kommen eigentlich nur Gruppenhaltungssysteme mit
Selbstfang(schutz)buchten in Frage, so dass nicht nur die absolute Fläche, sondern auch noch die Laufgang-
breiten einzuhalten sind. Die Gefahr von Frühaborten durch Dauerstress ist ohne ausgebildete Rangordnung zu
hoch. Damit sich die Sauen stressfrei aus dem Weg gehen können, reichen nach den Erfahrungen aus früheren
Versuchen die gesetzlichen Vorgaben nicht aus. Es sind deshalb 2,80 m breite Gänge vorzusehen.
Die alternative Besamung in der Gruppenhaltung ohne Kastenstände ist nach Einschätzung schwedischer Betriebe
(Meyer 2020), die mit diesem System arbeiten, verletzungsfrei für Mensch und Tier nur auf Tiefstreu möglich. Für
den Standardbetrieb sind darüberhinaus funktionierende Ebertreibewege und dafür geeignete Verschlusstüren der
Kastenstände sowie eine gesteigerte Lichtversorgung (200 Lux) im Warteabteil Voraussetzung. Diese müssten
dann für alle Warte - Gruppen vorgesehen werden, wenn ein weiterer Umtrieb vermieden werden soll. Der zu-
sätzliche Aufwand ist für alle Warteabteile zu hoch. Deshalb bleibt es für den Großteil der Betriebe bei dem Prinzip
der Haltung der Sauen im Deckzentrum bis zum Zeitpunkt der sichergestellten Trächtigkeit am 28. Tag p.i.. Die
wenigen zum Selbstfang geeigneten Wippen- und Doppeltorsysteme sind in der heutigen Form für die Besamung
ungeeignet und auch verletzungsgefährlich. Sie müssen dringend weiterentwickelt werden. Auch hat die
Untersuchung gezeigt, in welchen Details (Bodenfreiheit, Kaststandausformung) die heute verfügbaren Systeme
eine Verletzungsgefahr für die Sauen bergen. Diese gilt es zukünftig abzustellen. Im Hinblick auf die „Umdreh-
problematik“ sind wenige Zentimeter zu viel in der Kastenstandgestaltung (lichte Weite, Bodenfreiheit) wesentlich

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 33
negativer zu bewerten als wenige Zentimeter zu wenig. Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung konnte auch
eine Bedürfniskaskade dargestellt werden, die zeigt was den Tieren wichtig ist. Die Möglichkeit zum Rückzug und
Schutz bewerten die Sauen höher als die Möglichkeit zum gemeinsamen Liegen und diese wiederum höher als die
Möglichkeit zur Beinfreiheit. Die lichten Weiten der für die Zukunft zu favorisierenden „Selbstschutz Systeme“
dürfen deshalb auch nicht zu eng gefasst werden, weil die Sauen wie die Untersuchung gezeigt hat, die durch
Kastenstände abgeschirmten Bereiche, weiterhin zum Liegen aufsuchen werden. Das gilt unabhängig vom Platz-
angebot im Aktivitätsbereich. Der eigentliche Stressfaktor für die Tiere ist das Verhalten der dominaten Altsauen.
Da es bei Gruppenhaltung nur schwer möglich ist, unterschiedlich große Sauen verschiedenen Kastenstandweiten
zu zu ordnen, gilt es eine einheitliche lichte Weite für die Kastenstände zu finden. Aufgrund der Erfahrungen
werden für die gemeinsame Haltung von jungen und alten Sauen 67 cm lichte Weite vorgeschlagen. Werden kleine
oder junge Sauen von den großen getrennt gehalten, reichen für die jungen 60 cm. Für die getrennt gehaltenen
großen oder alten Sauen sind 70 cm ein vertretbares Maß.
Der vorliegende Entwurf zur Nutztierhaltung zeigt auch, dass die Diskussion um die Kastenstände vor dem
Abferkelbereich nicht Halt macht. Bislang fiel immer häufiger der Begriff „freie Abferkelung“ und demnach wurden
neben den Bewegungsbuchten auch sogenannte Freilaufbuchten vorgeschlagen, die ganz auf einen Ferkel-
schutzkorb verzichten. Der Ferkelschutzkorb schützt die Ferkel und reduziert Ferkelverluste im Mittel über viele
Versuche um durchschnittlich 5 % und zwar umso stärker, je höher das Verlustniveau einzelbetrieblich bereits ist!
Die Kastenstände schränken zwar die Bewegungsfreiheit der Sauen ein, sie sind aber, wie in der Besamung auch,
aktiver Tierschutz. Neben der Begrenzung der Saugferkelverluste unterstützt ein richtig dimensionierter Ferkel-
schutzkorb auch die Aufsteh- und Abliegebewegungen und kann dadurch Schwächen im Fundament der Sauen
und in der Standsicherheit der Fußböden ausgleichen. Deshalb sind die gesetzlich vorgesehenen Bewegungs-
buchten ein geeigneter Kompromiss zwischen dem Anspruch der Sauen an Bewegungsfreiheit, dem Anspruch der
Ferkel zu überleben, sowie der im Stall tätigen Menschen an Arbeitsschutz. Es gilt bei der Ausgestaltung der
Buchten aber zu beachten, dass die Ferkelverluste unmittelbar korreliert sind mit der Konstruktion, sowie der Art
und Ausmaß der gewährten Bewegungsfreiheit. In Erwartung der neuen Verordnung wurden die Bewegungs-
buchten im Hinblick auf die Arbeitswirtschaft (Sau festsetzen, Ferkel fangen) und die Bewegungsfreiheit (Aktions-
kreis 2m + x) Sau optimiert. Die Konzentration der Entwickler auf diese beiden Kriterien förderte Buchten mit qua-
dratischer Geometrie. Die vorliegende Untersuchung hat aber gezeigt, dass diese im Hinblick auf die Ferkelver-
luste nicht optimal sind. Dagegen sind drei wesentliche Konstruktionskriterien von Bedeutung:
1. Die Größe und Geometrie der Bucht
.
Die Buchten sollten nicht übertrieben, nach dem Entwurf der neuen
Verordnung maximal 6,5 m² groß sein. Die Länge und Breite sollten dem Verhältnis von 3:2 entsprechen.
Zusammen mit der Anordnung der Trog Konsole, mehr in der Mitte und weniger am Rand der Bucht, wird
damit ein eher trapezförmiger Aktionsbereich für die Sau bei geöffnetem Ferkelschutzkorb angelegt. Dieser
ist ein Schlüssel für niedrige Ferkelverluste! Sehr große Buchten (> 7 m²) erhöhen das Risiko der Ferkel,
das Ferkelnest nicht zu finden und auszukühlen, zu erkranken und folglich zu versterben.
2. Das Verhältnis von Aktionsbereich der Sauen zum Aktionsbereich der Ferkel (getrennt durch den Korb), darf
nicht übertrieben zugunsten der Sauen, maximal 1,5: 1, besser 1,2 - 1,3:1 sein. Die Begründung dafür ist dar-
in zusehen, dass die Ferkel bei geöffnetem Ferkelschutzkorb nicht nur beim Abliegen, sondern auch bei den
Rollbewegungen im Liegen erdrückt werden. Die Sauen legen sich vorsichtiger ab, wenn das „auf einem für
sie vorgesehenen Fußbodenabschnitt“ geschehen kann und auch die Positionswechsel im Liegen erfolgen
vorsichtiger, wenn der Liegebereich maßvoll begrenzt wird.
3. Die Fluchträume der Ferkel müssen „ringsherum“ sein und dürfen möglichst nicht von Barrieren durch
Buchteinrichtungen unterbrochen werden.
Perspektivisch müssen vor allem die Fußböden weiterentwickelt werden, weil nicht mehr wie in den Standard-
buchten jeder cm² Fußboden entweder Sauen oder Ferkeln zugeordnet werden kann. Es müssen Böden entwickelt

Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 34
werden, die einen besseren Kompromiss zwischen den Ansprüchen der immer größer werdenden Sauen an
Standsicherheit und Liegekomfort und dem Anspruch der Ferkel an eine geringe Wärmeableitung begründen. Es
ist kein sinnvoller Ansatz, den Tierschutz allein an der Größe der Bucht festzumachen, viel mehr sind die be-
schriebenen Konstruktionskriterien zu beachten. Auch Bewegungsbuchten müssen an den Ferkelverlusten ge-
messen werden. Die Aufenthaltsdauer der Sauen wird zukünftig auf ein Minimum von 5 Tagen beschränkt. Diese
Zeit ist als ein absolutes Mindestmaß für die Zeit nach der Geburt anzusehen, um die Ferkel vor Erdrückung zu
schützen und eher zu kurz. Die Frage nach einer Aufteilung der gesetzlich vorgesehenen Aufenthaltszeit vor und
nach der Geburt erübrigt sich damit. Dazu kommt, dass die vorliegende Untersuchung auch gezeigt hat, dass Frei-
lauf vor der Geburt eher positiv zu werten ist.
Beide Untersuchungen haben gezeigt, dass es möglich ist, bewährte Systeme in Richtung Tiergerechtheit weiter-
zuentwickeln ohne die Vorteile der alten Systeme aufzugeben. Eine kluge und vernünftige Evolution der Haltungs-
systeme ist aus dieser Sicht zielführender, als eine meist von Laien geforderte Revolution im Stallbau.

 
Schriftenreihe des LfULG, Heft 19/2020 | 35
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Tagungsbroschüre 14. Tagung: Bau, Technik und Umwelt 2019 in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung

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Redaktionsschluss:
31.10.2020
ISSN:
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