Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 2
00:00:00
Moderatorin
: Herzlich willkommen zu Inklusiv – dem Podcast des Kultusministeriums zur
schulischen Inklusion in Sachsen.
00:00:08
Moderatorin:
Zugegeben, der Begriff klingt ein bisschen sperrig und abstrakt. Dabei ist die
Inklusion von Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft oder ganz einfach gesagt:
alles, was es ihnen erleichtert, am alltäglichen Leben umfassend teilzunehmen nicht nur ein
Grundrecht, sondern für alle, die sich damit beruflich und ehrenamtlich beschäftigen, eine sehr
spannende und auch dankbare Aufgabe, oft sogar eine Herzensangelegenheit. Und dazu gehört
auch die Schulbildung von Kindern mit Behinderung oder sonderpädagogischem Förderbedarf.
Besonders anspruchsvoll ist dabei, Kinder mit und auch ohne sonderpädagogischen Förderbedarf
gemeinsam zu unterrichten und lernen zu lassen. Und darüber wollen wir in dieser Podcast-
Folge sprechen. Heute soll es um die Erlebnisse und Erfahrungen einer Schülerin gehen, die
keinen sonderpädagogischen Förderbedarf hat, aber zusammen mit Kindern lernt, die diese
Anforderungen haben. Diese Art des inklusiven Unterrichts ist aber nur einer von zwei Wegen,
der in Sachsen Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf oder Behinderung zur Verfügung
steht. Es gibt außerdem das Konzept der Förderschule und das ist ein unschlagbarer Vorteil, den
das sächsische Schulgesetz hier bietet. Wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, können
Sie wählen, sogar noch während der Schulzeit. Um beide Schularten nun gut miteinander
vergleichen zu können, haben wir gemeinsam mit Eltern, deren Kinder schon an einer
Förderschule oder auch im inklusiven Unterricht an einer Regelschule lernen, diesen Podcast
gestaltet. Wir gehen also auf die ganz unterschiedliche Ausrichtung ein, erwägen Für und Wider
und wir geben Ihnen wichtige Informationen zu den Beratungsmöglichkeiten. Viele Befragungen
zur Einstellung zum Thema schulische Inklusion belegen, dass Eltern und Lehrkräfte mehrheitlich
gemeinsamen Unterricht befürworten. Sie stehen der Entwicklung inklusiver Schulstrukturen
grundsätzlich positiv gegenüber, insbesondere mit Blick auf Möglichkeiten des sozialen Lernens
und verschiedene Aspekte der schulischen Förderung und Unterstützung. Die Befragungen
zeigen aber auch Bedenken bei den Eltern und Lehrkräften. So stellen sie sich Fragen wie: Gibt
es ausreichend qualifiziertes Personal und stehen ihnen zeitliche Ressourcen und
Fortbildungsangebote zur Verfügung? Diese Bedenken und Ängste werden wir auch im Gespräch
thematisieren. Die Tochter meiner Gesprächspartnerin heute besucht die Helmholtz Schule, eine
Oberschule im Stadtteil Leipzig Lindenau. Das Besondere an dieser Einrichtung ist, dass die
Schule gemeinsamen Unterricht in Kooperation mit einem multiprofessionellen Team mit
verschiedenen schulpädagogischen, fachdidaktischen, sonderpädagogischen und
sozialpädagogischen Qualifikationen weiterentwickelt. Seit 2013 wird auch das Projekt

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 2
"Produktives Lernen" an der Einrichtung durchgeführt. Es unterstützt Schülerinnen und Schüler
mit Lernschwierigkeiten beim Übergang von der Schule in die Berufsausbildung und bei der
Entwicklung konkreter Anschlussperspektiven. Und nun möchte ich meinen Gast vorstellen
heute. Mein Name ist Heike Leschner, und ich heiße Tina Brendel aus Leipzig herzlich
willkommen. Schön, dass Sie da sind, Frau Brendel.
00:03:06
Frau Brendel:
Ich freue mich auch, danke.
00:03:08
Moderatorin:
Tina Brendel ist Mutter einer zwölfjährigen Tochter, die an einer Regelschule lernt
und Mitschüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf hat, also im inklusiven Unterricht lernt.
Frau Brendel, wir wollen über den Schulalltag Ihrer Tochter sprechen, über Ihre Erfahrungen
auch als Mutter. Die Erlebnisse im inklusiven Unterricht, wie sich die Unterrichtsgestaltung
möglicherweise auch auf die Leistung Ihrer Tochter auswirkt. Und natürlich über Ihre eigenen
als Mutter. Auch über mögliche Bedenken und Ängste, die Sie hatten, die Sie vielleicht noch
haben, über das Miteinander mit den Schulpädagogen, das Leben in der Klasse und auch
außerschulische Unternehmungen. Sie merken, wir haben ein großes Feld zu besprechen. Ich
freue mich, dass Sie da sind, und vor allem auch bereit, uns und den Eltern, die die Entscheidung
der passenden Schule noch vor sich haben, viele Informationen mitzugeben. So vielleicht wollen
Sie ein bisschen was von sich selbst erzählen. Sie sind wie alt Frau Brendel?
00:04:01
Frau Brendel:
Ich bin 31 Jahre alt.
00:04:03
Moderatorin:
Eine ganz junge Mutter!
00:04:03
Frau Brendel:
Ja, tatsächlich.
00:04:03
Moderatorin:
Und von Beruf?
00:04:07
Frau Brendel:
Erzieherin.
00:04:09
Moderatorin:
Ah, Erzieherin. Da können wir ja von Ihnen wahrscheinlich noch wesentlich mehr
hören als von anderen Müttern, die in anderen Berufen arbeiten. An welcher Schule lernt denn
Ihre Tochter?

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Transkript zu Folge 2
00:04:16
Frau Brendel:
In der Helmholtz Schule in Leipzig.
00:04:19
Moderatorin:
Frau Brendel, Ihre Tochter lernt mittlerweile in der fünften Klasse und schon seit
der Einschlung im inklusiven Unterricht?
00:04:25
Frau Brendel:
Tatsächlich war es so, dass wir vorher nicht wirklich in Kenntnis gesetzt wurden,
dass das so stattfinden wird. Das hat sie mir nebenbei einfach mal erzählt.
00:04:34
Moderatorin:
Sie gucken jetzt noch ein bisschen erschrocken, aber ich will Ihnen jetzt nichts
reininterpretieren in Ihre Mimik. Wie haben Sie denn reagiert?
00:04:41
Frau Brendel:
Aufgrund dessen, dass ich Erzieher gelernt habe und in einer Einrichtung arbeite,
wo wir integrativ arbeiten, also von Inklusion ist da auch noch nicht so groß die Rede, man gibt
sich Mühe, dass man da irgendwann hin kommt in die Ecke, hat mich das wirklich wenig
gestört. Also, für mich gehört das einfach dazu. Ja, das habe ich meiner Tochter von vornherein
beigebracht, dass das wichtig ist, dass wir jeden Menschen so nehmen, wie er ist. Und von daher
hat mich das wenig berührt. Also es war einfach nur so "Aha, schön." Ja, aber ich weiß nicht,
wie es anderen Eltern dabei gegangen ist. Die werden wahrscheinlich ein bisschen verwirrter
gewesen sein. Vielleicht auch eher auf negatives Feedback gestoßen sein. Das weiß ich leider
nicht.
00:05:24
Moderatorin:
Außer, dass Sie die inklusive Klasse gut finden oder den inklusiven Unterricht völlig
normal und sich das auch so gehört, wie Sie meinen. Trotzdem: haben Sie sich Gedanken
gemacht, was das für Ihre Tochter bedeuten könnte, im inklusiven Unterricht zu lernen? Sie hat
ja keinen sonderpädagogischen Förderbedarf.
00:05:41
Frau Brendel:
Gedanken gemacht in dem Sinne nicht wirklich muss ich sagen. Das ist meine
Grundeinstellung einfach, dass ich das einfach so sehe. Es gibt auch Kinder, die keinen
Förderbedarf haben oder dergleichen und genauso in Anführungsstrichen "den Unterricht stören
können". Mir war es wichtig, dass sie sich wohlfühlt und das habe ich auch gefragt: "Wie fühlst
du dich denn in der Schule? Wie fühlst du dich in der Klasse? Bist du gut angekommen?". Da es
da kein negatives Feedback gab, hatte ich da irgendwie keine Bedenken, dass ich da jetzt
irgendwie nochmal genauer nachhaken müsste. Ich hatte sie jetzt noch mal gezielt gefragt und

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Transkript zu Folge 2
habe dann gesagt "So pass mal auf, wie sieht denn das aus? Wie machen die Lehrer das
eigentlich? Wie gehen sie damit um, wenn ein Kind vielleicht stört? Ja, und da hat sie mir dann
so ein paar Sachen berichtet. Ich hab dann neugierig zugehört.
00:06:30
Moderatorin:
Sie hat da am Anfang auch nicht noch Fragen gehabt? Für sie war das so eine
ähnlich normale Sache wie für Sie, oder ganz anders, dass sie da am inklusiven Unterricht lernt?
00:06:40
Frau Brendel:
Für sie ist das ganz normal. Für sie ist das wirklich ganz normal. Das ist halt meine
Erziehung. Wir haben auch auf dem Spielplatz ganz viel, wo sie klein war, auch zu Kindern mit
Behinderungen Kontakt gehabt. Weil ich das auch ganz wichtig finde und sie ist halt ein sehr
soziales Wesen, sage ich jetzt mal. Sie hat jetzt auch so eine Urkunde bekommen von der Klasse,
weil sie sich eben um die Kinder kümmert intensiv.
00:07:00
Moderatorin:
Inwiefern intensiv kümmert?
00:07:06
Frau Brendel:
Sie versucht sie eben mit zu involvieren in das Thema. Da gibt es wohl ein kleines
Mädchen, die hat wohl wirklich starke Probleme überhaupt da anzukommen, ist sehr ruhig und
sie ist dann halt so: Ja komm, wollen wir nicht mal zusammen was machen? Versucht das aber
langsam anzugehen.
00:07:17
Moderatorin:
Sie sprechen schon ganz wichtige Dinge an, super!
00:07:25
Frau Brendel:
Aber weil die eben Lehrer sagen: Ja, die braucht das, dass du es ein bisschen
langsamer angehst. Da versucht sie halt auch wirklich auf das Bedürfnis von ihr einzugehen. Ist
da halt auch wirklich empathisch und da freue ich mich.
00:07:37
Frau Brendel:
Das ist ja schon ein richtig tolles Beispiel dafür, wie die Kinder mit und auch ohne
diesen sonderpädagogischen Förderbedarf miteinander umgehen, wie sie auch den Lehrern
helfen und sich sozusagen in der Klasse auch arrangieren, sich finden und sich gegenseitig
helfen. Kinder, finde ich, haben ja da auch ein ganz bestimmtes Gespür. Wie viele Kinder lernen
insgesamt in der Klasse und wie viele davon haben sonderpädagogischen Förderbedarf?

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Transkript zu Folge 2
00:08:02
Moderatorin:
21 Kinder lernen in der Klasse und drei davon haben Lernschwierigkeiten.
00:08:07
Frau Brendel:
Wissen Sie, welchen sonderpädagogischen Förderbedarf sie so haben?
00:08:11
Frau Brendel:
Also bei dem Mädchen da wissen wir es nicht. Da hat die Lehrerin bloß erzählt,
dass sie halt eine Ruhige ist und ein bisschen Hilfe braucht.
00:08:21
Moderatorin:
Also ein sehr zurückhaltendes Mädchen?
00:08:21
Frau Brendel:
Genau, dass sie ein sehr zurückhaltendes Mädchen ist. Und die anderen zwei
Jungs, die haben wohl so eine Aufmerksamkeitsstörung, also dieses ADHS und da haben sie halt
ihre Methoden, wie sie versuchen die Kinder in Anführungsstrichen "bei der Stange zu halten".
00:08:36
Moderatorin:
Was erzählt denn Ihre Tochter, wenn sie nach Hause kommt? Manchmal ist es ja
so wichtig, dass man so eine Situation, die Episoden mal hört, was passiert. Wie reflektiert das
so ein Kind, wie verarbeitet sie das auch mit sich oder mit Ihnen, wenn sie nach Hause kommt?
00:08:50
Frau Brendel:
Sie hatte mir vor gar nicht so langer Zeit erzählt, dass der eine Junge wohl
ziemlich aggressiv geworden ist aufgrund dessen, dass er sich eben nicht konzentrieren konnte.
Und hat wohl wild um sich geschlagen und wurde dann eben vom Unterricht entfernt. Vor die
Tür.
00:09:09
Moderatorin:
Also rausgeschickt?
00:09:09
Frau Brendel:
Rausgeschickt und hat draußen quasi nochmal Einzelunterricht bekommen. Ob da
das Thema Inklusion dann so funktioniert, weiß ich auch nicht.
00:09:21
Moderatorin:
Also Sie zweifeln?
00:09:21
Frau Brendel:
Ich denke, dass das so nicht funktionieren kann. Der andere Junge hat wohl dieses
Potenzial so nicht. Und da würden sie es halt versuchen, wenn er sich jetzt gerade nicht
konzentrieren kann, ihm mal kurz die Möglichkeit zu geben, abschweifen zu lassen. Er hat wohl

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da ein Buch und darf da reinmalen, seine Emotionen oder dergleichen, was ihm wohl gut hilft.
Und da denke ich, wird er auch relativ gut abgeholt und das finde ich auch gut, und dass er im
Nachgang mit den Lehrern nochmal die Thematiken bespricht, was er nicht verstanden hat und
dergleichen. Da finde ich gelingt das mehr, das so stattfinden zu lassen und meine Tochter
selber erzählt mir das einfach nur und sagt: "Ich weiß gar nicht so, wie ich den Jungs dann
helfen soll" und versucht dann irgendwie, Konflikte auch untereinander zu schlichten. Sie
beschäftigt das schon sehr. Jetzt kommt noch ein neues Kind dazu. Da sagt sie: Ich weiß nicht,
wie die zwei dann auf den reagieren der jetzt dazu kommt. Wie löse ich denn das Problem? Sie
beschäftigt sich viel mit den Sachen, worüber sich denke ich, viel mehr die Lehrer Gedanken
machen müssten. Da sage ich zu ihr: Ganz ruhig. Das ist nicht nur deine Kernaufgabe.
Konzentriere dich auch auf den Unterricht. Es ist schön, dass du das machst. Aber das ist ein
Miteinander und das ist nicht deine Hauptaufgabe, da jetzt zu gucken, dass das alles gut
funktioniert. Das du sie mit einbindest ist alles gut und schön.
00:10:38
Moderatorin:
Aber das spricht für Sie und Sie haben völlig Recht, dass man dann sagt das ist Job
der Lehrer. Jetzt weiß ich nicht, inwieweit Sie der Sache nachkommen. Ich hatte mit Absicht
gefragt, wie viele Kinder ohne sonderpädagogischen Förderbedarf lernen in der Klasse und wie
viele mit. Wenn das 21 Kinder sind, dann sind es 18 wie ihre Tochter und drei mit dem
Förderbedarf. Wenn ich jetzt eine Mutter wäre, eines Sohnes mit dem sonderpädagogischem
Förderbedarf, dann hätte ich vielleicht Bedenken oder Ängste, dass auf diese drei Kinder eben
nicht so eingegangen wird, wie man das müsste und die Lehrer eventuell den Schwerpunkt dann
auf die anderen ohne den Förderbedarf legen. Jetzt haben Sie gerade schon im Beispiel
geschildert von dem Jungen, der da raus muss, also die Klasse verlassen, sodass die anderen
dann einfach weiter lernen konnten. Hat Ihre Tochter dann schon den Eindruck, dass die drei
dann vollwertig mit integriert sind, auch ins Unterrichts geschehen und auch mitgenommen
werden in den Verlauf der Unterrichtsstunde, um den Stoff auch lernen und aufnehmen zu
können?
00:11:35
Frau Brendel:
Sie spiegelt mir das schon so. Die geben sich ganz viel Mühe. Das merkt man
schon. Also von dem, was sie mir erzählt oder auch, wie die Lehrer mich in der Zeit Corona
angerufen haben. Und das werden sie sicherlich auch bei den anderen gemacht haben und
versuchen immer wieder die Kinder abzuholen und sich Mühe zu geben, dass das Bestmögliche
für die Kinder herauskommt.

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00:11:56
Moderatorin:
Generell das Inklusionskonzept als Faktor für die Leistung Ihrer Tochter. Hatte das
Einfluss? Ich sage jetzt einfach mal ganz salopp macht die Dinge weiter?
00:12:10
Frau Brendel:
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, macht sie einfach so ihr Ding weiter. Es
läuft einfach ganz normal weiter. Man hat schon das Gefühl, dass sie versuchen, in anderer
Ebene ein bisschen mehr auf die Schüler einzugehen, denen auch Möglichkeiten geben, wie man
sich verbessern kann, sich auch mit den Schülern zusammensetzt nochmal im Nachgang. Aber
das ist nichts anderes, so ist mein Empfinden, wie es in der Grundschule so stattgefunden hat.
Schwierig. Ich sehe da ehrlich gesagt keinen Unterschied.
00:12:40
Moderatorin:
Also sie ist jetzt auch nicht unterfordert?
00:12:40
Frau Brendel:
Nein, das nicht. Vom Notenstand her ist es dasselbe. Es bleibt, wie es ist und
überfordert gar nicht und auch nicht unterfordert.
00:12:53
Moderatorin:
Mich persönlich würde ja dann interessieren, wie gut sind denn die Lehrer- Sie
haben das vorhin schon mal beiläufig ein bisschen fallen lassen, Frau Brendel- ausgebildet, was
inklusiv lernende Schüler angeht? Ich weiß nicht, haben Sie vor das mal zu fragen bei einem
Elternabend? Das ist ja schon mal eine interessante Geschichte, auch wenn es Ihre Tochter so
ganz direkt gar nicht betrifft.
00:13:13
Frau Brendel:
Definitiv. Das wäre für mich auf jeden Fall wichtig, einfach mal zu wissen, wie
gehen die Lehrer damit um? Was haben die für ein Vorfeld, um so eine Klasse überhaupt einfach
so stattfinden zu lassen und zu beschulen? Was hatten die für Möglichkeiten? Was haben Sie
vorher besprochen? Wie kann man mit Sachen umgehen? Das finde ich eigentlich ganz wichtig.
Wo kann man den Lehrer vielleicht ein bisschen unterstützen als Elternteil? Wer auch immer.
Definitiv finde ich das ganz, ganz wichtig.
00:13:43
Moderatorin:
Jetzt stelle ich mir vor Sie sind beim Elternabend und sagen sich, jetzt mal fiktiv,
ich muss das jetzt mal ansprechen. Sie haben mir auch gerade gesagt den Lehrern Hilfe
anbieten, jetzt sind Sie Erzieherin. Sie können ja Hilfe anbieten. Was würden Sie anbieten?

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00:13:57
Frau Brendel:
Ich habe ganz viel selber in solchen Einrichtungen gearbeitet. Wie man zum
Beispiel auf die Kommunikation der Kinder achtet. Es gibt ja verschiedene
Kommunikationsarten. Es ist ja nicht nur immer das, was man verbalisiert, sondern auch das,
was nonverbal stattfindet oder auch einfach mal die Auslöser erkennt, feinfühliger wird, auch
die kleinen Schritte auch mal zu erkennen. Klar erfordert das ganz, ganz viel, auch an sich
selbst, immer wieder auch sich selbst zu reflektieren und darüber nachzudenken, wo hab ich den
Moment nicht gut abgepasst, wie könnte ich das jetzt besser machen. Einfach schon die
Selbstreflektion. Das ist das A und O. Das ist so wichtig, dass man darüber nachdenkt. Okay, was
hab ich jetzt eigentlich gemacht? Man kann ja auch, wenn man merkt, dass das falsch war, was
ich gemacht habe, ja auch mal danach hingehen, auch als Erwachsener. Das mache ich bei
meinen Kindern im Kindergarten, wenn ich merke, jetzt habe ich Mist gebaut. Da gehe ich hin
und und sage: Es tut mir leid. Das war wirklich Käse. Ich mache auch Fehler und dann
besprechen wir das und dann wird das gemeinsam bearbeitet. Solche Sachen einfach:
feinfühliger zu sein und ich hab da auch Kurse belegt.
00:15:04
Moderatorin:
Also müsste es eigentlich für diese Kinder, die mit ihrem Förderbedarfsansprüchen
im inklusiven Unterricht lernen, noch zusätzlich Sozialpädagogen zur Betreuung geben? Ob das
jetzt die Schulbegleiter sind, die es gibt, oder ob es auch Inklusionsassistenten gibt oder
jemanden mit ihrer Professionalität? Wäre das sinnvoll?
00:15:26
Frau Brendel:
Da hab ich tatsächlich schon lange darüber nachgedacht. Zum einen denke ich, es
wäre gut! Ich habe auch ganz viele in meiner Gruppe im Kindergarten, die einen hohen
Förderbedarf haben und ich durchaus auch weiß, wie die Lehrer sich zwischendurch fühlen. So
ist es nicht. Das ist manchmal nicht so einfach. Ab und an denken man sich dann, es wäre
schön, wenn jetzt mal kurz jemand da wäre, der einfach mal das Kind abfangen kann, weil ich es
einfach gerade nicht kann, weil wir irgendeinen Weg haben. So ähnlich wird es denen auch
gehen. Aber auf Dauer? Ich finde das halt schwierig, weil dann wieder das inklusive irgendwie
schon wieder verloren geht. Aber das ist ja dann wieder eine Art Sonderstellung.
00:16:07
Moderatorin: Das ist ein ganz wichtiger Punkt, sowohl beim Förderschulkonzept als auch beim
inklusiven Unterricht. An der Regelschule ist natürlich auch die Sache: Wie geht ein Lehrer, wie
gehen Kinder, wie geht der ganze Klassenverband mit Niederlagen um? Mit Scheitern, mit
Kindern die aufgeben wollen, schlechte Leistungen haben, die mit irgendwas nicht

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Transkript zu Folge 2
zurechtkommen. Wie ist das, wenn Sie mit Lehrern sprechen, was Sie selten gemacht haben?
Haben Sie schon mal so etwas wie konstruktive Kritik angebracht, sich in einer Sache kritisch
geäußert? Wie kommt sowas an?
00:16:38
Frau Brendel:
Die Lehrerin, die sie jetzt momentan hat, konnte ich gar keine Kritik äußern, weil
sie ihren Job ganz, ganz toll gemacht macht. Sie hat auch wirklich schon angerufen und
gesagt...
00:16:48
Moderatorin:
Was hat Ihnen bei dieser Lehrerin besonders gefallen, wenn sie den Job so toll
macht?
00:16:52
Frau Brendel:
Besonders gefallen: erstens, dass sie auf das Bedürfnis der Kinder eingegangen ist
und individuell geguckt hat. Mir persönlich auch Vorschläge gegeben hat zum Beispiel wie kann
ich meiner Tochter helfen? Weil sie auch Probleme hat im Mathe-Unterricht aus sich
herauszukommen und hat mir so ein paar Möglichkeiten genannt oder hat mir Emails
zugeschickt. Es war ein schönes Miteinander. Sie sagte auch ganz vorsichtig, um nach meinen
Gefühlen zu gucken nach dem Motto ich will ihr jetzt nicht auf den Schlips treten und hat das
wirklich ganz, ganz toll gemacht. Und das würde ich mir von allen Lehrern so wünschen. Klar ist
das ein riesengroßer Arbeitsaufwand, was sie da haben. Wenn du jetzt 21 Eltern anrufen sollst
oder zu ihnen hingehen sollst, ist das dann natürlich wirklich heftig, aber ich fand das halt
wirklich sehr schön, dass sie da auch schaut. Und bei ihr bin ich mir ziemlich sicher, dass sie bei
den drei Kindern definitiv da auch viel nachgehakt hat, unterstützt hat und mit den Eltern
gesprochen hat. Dafür würde ich fast meine Hand ins Feuer legen.
00:17:48
Moderatorin:
Wenn wir bei den positiven Dingen sind? Was läuft in einer Schule richtig gut?
Was gefällt Ihnen, da es vielleicht auch Fächer, wo Ihre Tochter nach Hause kommt und
begeistert ist und schwärmt oder was anderes aus dem Schulalltag?
00:18:00
Frau Brendel:
Die haben so eine Art, ich nenne es mal Jugendclub im Haus. Das läuft ganz gut,
dass wirklich alle miteinander etwas machen können.
00:18:08
Moderatorin:
Also nach der Schule?

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Transkript zu Folge 2
00:18:08
Frau Brendel:
Nach der Schule oder wenn Unterricht ausfällt. Das finde ich ganz toll. Was ich
auch ganz toll finde, sind die Strategien, die sie entwickelt haben zum Thema Mobbing. Sie
schauen da wirklich ziemlich genau hin. Was läuft hier nicht gut? Und dann wird da teilweise
drei Stunden lang darüber gesprochen. Dann fällt halt der Unterricht hinten weg. Aber das ist
ihnen dann auch egal, dann denken sie wir müssen jetzt wirklich drüber reden. Es gibt es auch
eine Art, wie hat sie es genannt? Einen Krisenraum, in dem sich eben auch mal zwei Kinder mit
einem Lehrer oder mit einem Sozialpädagogen zusammensetzen können. Wie lösen wir jetzt das
Problem? Das gab es wohl leider auch schon öfter. Aber wie es halt so ist, die haben sie sich
jetzt gerade auch erst kennengelernt. Gruppenfindung war ein bisschen schwieriger, scheinbar.
Aber sie haben das ganz toll gelöst. Was das betrifft, haben sie ja wirklich gute Möglichkeiten.
Und das hat mir von vornherein auch sehr gut geholfen. Am ersten Elternabend haben sie uns
das erzählt. So und so gehen wir das an und das haben sie dann auch wirklich gemacht, das war
nicht nur Gerede. Sie haben das auch wirklich durchgesetzt und sie schauen auch, dass kein
einziges Kind hinten runterfällt oder ausgegrenzt wird. Und das fand ich ganz, ganz toll.
00:19:18
Moderatorin:
Wichtig ist, dass ein Kind weiß, wohin es geht mit seinen Problemen und nicht
hilflos irgendwo steht. Gibt es da bestimmte Lehrer, die da sozusagen die Ansprechpartner sind,
oder wohin geht da Ihre Tochter? Oder gehen sie zu anderen Schüler?
00:19:31
Frau Brendel:
Es gibt eine Vertrauenslehrerin und es gibt eben die Klassenlehrerin, die das
hauptsächlich managst, außer es findet gerade eine akute Situation statt, dann macht das eben
auch der Lehrer, der gerade unterrichtet.
00:19:44
Moderatorin:
Sie haben vorhin so schön von dem Beispiel erzählt, dass Ihre Tochter sich um das
Mädchen kümmert, also ein Mädchen, das sonderpädagogischen Förderbedarf hat. Macht sie
das öfter? Ständig? Ist sie sogar mit dem Mädchen befreundet, oder kann man das so nicht
sagen? Ist es so intensiv nicht?
00:20:01
Frau Brendel:
Sie muss wohl erst neu dazugekommen sein. Und sie möchte gerne mit ihr
befreundet sein. Das hat sie mir auch so gesagt. Ich hatte vorgeschlagen, möchtest du nicht mal
ins Kino in deiner Freizeit. Ich würde ja gerne mit ihr gehen und so. Aber ich glaube, das ist ihr
jetzt gerade noch zu viel. Ich traue mich da jetzt noch nicht.

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 2
00:20:22
Moderatorin:
Das ist aber auch eine sehr sensible Reaktion.
00:20:23
Frau Brendel:
Ja, das ist aber auf jeden Fall Ihre eigene Motivation. Jedenfalls wird es nicht vom
Lehrer primär angestoßen.
00:20:31
Moderatorin:
Hat sie gesagt, was sie an dem Mädel mag?
00:20:34
Frau Brendel:
Das sie lustig ist, hat sie gesagt. Wenn sie unter vier Augen sprechen, wäre sie
wohl sehr lustig und dass sie auch sehr lieb ist und dass sie ihr schon viel anvertrauen kann. Sie
fühlt sich ziemlich sicher bei ihr, was bei manch anderen vielleicht ein bisschen schwieriger ist
in der heutigen Zeit mit Markenklamotten. Es wird jeder abgestempelt, wer es nicht hat, oder
solche Vergleiche werden da ständig gestellt und ich glaube, das Mädchen wertet nicht so viel.
Ich glaube, das ist was ihr so besonders gut gefällt, weil sie eben auch nicht so ist. Sie wertet
kein Anhand von irgendwelchen äußeren Geschichten. Ich denke sie ergänzen sich da ganz gut.
00:21:12
Moderatorin:
Da können wir uns eigentlich nur wünschen, dass die beiden Mädels noch ein
bisschen näher zueinander finden. Dann im Laufe der nächsten Schuljahre, die sie zusammen
haben. Und Sie unterstützen das ja hervorragend. Das ist ja der Wahnsinn. So ist es natürlich ein
bisschen schwierig. Fünfte Klasse. Das erste Jahr inklusiven Unterricht und das auch noch unter
den Corona Bedingungen. Da kann man natürlich außerhalb der Schule nicht so wahnsinnig viel
Gemeinsames unternehmen. Das war ja alles nicht möglich. Gabs da schon mal was davor? Zum
Beispiel am Anfang des Schuljahres einen Wandertag oder irgendwas Gemeinsames, das die
Klasse auch außerhalb des Unterrichts zusammen gemacht hat?
00:21:50
Frau Brendel: Sie machen da ganz viel. Sie waren in einem Jugendclub. Dann haben sie einen
Wandertag gemacht. Vor kurzem erst haben alle gemeinsam eine Kanufahrt gemacht. Sie haben
dort ihre eigenen Kanus, da das direkt am Kanal liegt. Und dann haben sie da ihren Spaß gehabt.
Sie machen auch ganz viel außerhalb fürs Teamgefüge, das merkt man schon.
00:22:15
Moderatorin:
Machen alle mit?
00:22:16
Frau Brendel:
Ja, da sind alle voller Euphorie. Ich denke, sie haben da ganz großen Spaß.

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Transkript zu Folge 2
00:22:21
Moderatorin:
Dabei fühlt sich aber wahrscheinlich jeder als Teil der Klasse, weil sonst würde
man sagen: Ach nee, hab ich keine Lust, wenn da jeder mitmacht?
00:22:30
Frau Brendel:
Ja.
00:22:29
Moderatorin:
Da muss sich auch jeder weitgehend wohlfühlen in der Klasse. Das ist ein gutes
Zeichen dafür. Jetzt stellen wir ja Frau Brendel in unserem Podcast die beiden Schularten in
Sachsen vor, also die Förderschule und die Regelschule mit inklusiven Unterricht. Sind Sie der
Meinung, dass Kinder mit Behinderung oder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf
generell oder zum großen Teil im Förderschulen betreut werden sollten, da das ja oft sehr
individuell ist oder dann doch wie bei Ihnen an der Regelschule eine gute Alternative ist? Wie
sind da Ihre Erfahrungen? Wie ist Ihre Meinung? Ich glaube, Sie können das doppelt ganz gut
einschätzen, einmal als Mutter und auch als Erzieherin.
00:23:11
Frau Brendel:
Also stand jetzt. Aktuell finde ich es persönlich tatsächlich noch besser mit der
Förderschule. Einfach aus dem Grund, dass die Individualität flöten geht. Die fallen halt wirklich
mehr runter. Es ist einfach so, wenn die drei Kinder keinen Schulbegleiter haben und genauer
darauf eingegangen wird. Die kriegen auch nur eine gewisse Anzahl an Stunden. Die Lehrer
werden sicherlich auch nicht jeden Tag extra vier Überstunden machen, was man ja auch
verstehen kann, sie haben ja auch noch ein Leben. Die momentane Art und Weise finde ich
deshalb noch besser für die Kinder, doch noch in diese Förderschulen zu gehen. Da gibt es ja
auch verschiedene Förderschulen, in denen dann direkt auf diese Thematik eingegangen wird,
wo die Kinder Probleme haben und dann nochmal extra nochmal individuell auf die Kinder
eingegangen wird, was in so einer Schule jetzt momentan in der Klassenstärke auch so nicht
möglich ist.
00:24:03
Moderatorin:
Also erstens, weil das Konzept da anders ist.
00:24:05
Frau Brendel: Genau.
00:24:06
Moderatorin:
Weil dort gezielter auf jedes einzelne Kind mit seinen Bedingungen und
Voraussetzungen und Fähigkeiten eingegangen wird, aber auch was die Ausbildung der Lehrer
dort betrifft?

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 2
00:24:13
Frau Brendel:
Genau.
00:24:16
Moderatorin:
Wenn Sie sich jetzt noch einmal entscheiden dürften, angenommen, Ihre Tochter
ist jetzt vor der fünften Klasse und Sie bekommen die Informationen und das ist eine inklusive
Klasse. Würden Sie trotzdem entscheiden, dass Ihre Tochter diese Klasse besucht?
00:24:33
Frau Brendel:
Ja, na klar! Definitiv!
00:24:37
Moderatorin:
Lassen Sie uns vielleicht ein bisschen so zusammenfassen nochmal. Es gibt schon
ein paar interessante Aspekte, vor allem wir haben ja jetzt über wirklich Corona geprägte
Monate gesprochen. Das erste Jahr, in dem Ihre Tochter in dieser Klasse mit drei Kindern mit
sonderpädagogischem Förderbedarf inklusiv lernt. Es gibt viele Vorteile, die vor allem aber auch
von den Schülern ausgehen, die die anderen drei Mitschüler mitnehmen. Würden Sie das so
sagen?
00:25:06
Frau Brendel: Ja!
00:25:07
Moderatorin:
Die Lehrer sich viel Mühe geben?
00:25:09
Frau Brendel:
Auf jeden Fall.
00:25:10
Moderatorin:
Aber die Lehrer wahrscheinlich zu wenig Zeit haben. Mich würde noch
interessieren, welche Vorteile der inklusive Unterricht für die Kinder mit sonderpädagogischem
Förderbedarf hat an der Regelschule. Was bringt es Ihnen, im inklusiven Unterricht mit Kindern
wie Ihre Tochter zu lernen, also drei mit den anderen 18 zusammen, im Vergleich vielleicht auch
zur Förderschule? Wir haben jetzt schon darüber gesprochen, was es Ihrer Tochter bringt im
inklusiven Unterricht mit den anderen drei Kindern mit Förderbedarf zu lernen. Aber was bringt
es diesen drei Kindern umgekehrt?
00:25:45
Frau Brendel:
Erstens denke ich, was das Wort Inklusion auch schon sagt, ist das Teilhaben an
der Gesellschaft. Sie können in Anführungsstrichen am normalen Leben teilhaben. So wie sich
das eben auch gehört. Zumal denke ich, das motiviert auch. Also ich denke nicht nur, dass es oft

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 2
Frustrationen gibt, weil sie vielleicht auch Probleme haben dem Lernstoffstoff zu folgen,
sondern ich denke, das kann auch motivieren. Einfach ich ziehe da jetzt mit, und ich gebe mein
Bestes. Den Anspruch, vielleicht ein bisschen für sich selbst zu haben. Ich meine, die sind ja
auch 12 Jahre und sind ja deswegen jetzt nicht von dem Entwicklungsstand, von einem
Zweijährigen oder dergleichen, wie man sich das vielleicht manchmal so ganz extrem vorstellen
mag. Und ich denke, dass bringt ihnen ganz viel und auch einfach selber zu sehen, das ist alles
gar nicht so schlimm, und die Menschen sehen mich so, wie ich bin, und das ist okay wie ich
bin. Also einfach auch für das eigene Selbstwertgefühl. Das sind so wichtige Aspekte, die da zu
betrachten sind.
00:26:41
Moderatorin:
Also auch nicht separiert mit anderen Kindern, mit sonderpädagogischem
Förderbedarf zu lernen hat Vorteile, sondern auch mit Gleichaltrigen in der Klasse zu lernen,
hinterher dann auch im Jugendclub vielleicht und in der Freizeit noch Zeit miteinander zu
verbringen, um dann auch mal auf ein ganz normales Leben vorbereitet zu sein.
00:26:57
Frau Brendel:
Eben ganau, denn später wird das hoffentlich auch so sein.
00:27:00
Moderatorin:
Finden Sie diese Doppelgleisigkeit, die in Sachsen in der Schulbildung gefahren
wird und die auch im Schulgesetz verankert wird, dass es beide Konzepte gibt, das
Förderschulkonzept und das Regelschulkonzept mit inklusiven Unterricht und das Eltern wählen
können. Finden Sie das mit Ihren Erfahrungen gut und sinnvoll oder eher nicht?
00:27:25
Frau Brendel:
Auf jeden Fall ist es sinnvoll. Irgendwo muss der Schritt erst einmal gemacht
werden in die richtige Richtung und das wird so nicht stattfinden, wenn man von vornherein
sagt von heute auf morgen, funktioniert das so. Das ist ein Prozess in der Gesellschaft, der vom
Grundstein einfach schon ganz anders aufgezogen werden muss. Es geht da schon mit dem
Kindergarten los, dass die Kinder lernen sie brauchen da keine Ängste haben oder Vorurteile. Das
die Eltern auch mit lernen, dass es nicht schlimm ist, wenn mein Kind mit einem anderen Kind,
das vielleicht Down-Syndrom hat, spielt. Ja, da fängt das schon an. Das sind einfach die
Schritte, die wichtig sind. Und da denke ich das zumindest die richtige Maßnahme erst einmal.
Sicherlich ist das nicht optimal, aber ich denke, sie lernen mit ihren Aufgaben und das hoffe ich
auch, dass die Schulen merken, das hat jetzt vielleicht nicht so funktioniert. So müsste das jetzt
besser laufen, arbeiten vielleicht daran, und irgendwann wird das vielleicht so sein, wie es
eigentlich sein soll.

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 2
00:28:19
Moderatorin:
Also ein Lernprozess für alle und es ist nicht schlimm.
00:28:21
Frau Brendel:
Genauso ist es.
00:28:24
Moderatorin:
Also ich glaube, wir haben eine ganze Wandzeitung voll mit verschiedenen Bildern
und Texten und Hinweisen und Ratschlägen zum inklusiven Unterricht an Regelschulen in
Sachsen bestückt. Konkret also zum Schulalltag an der Helmholtz Oberschule in Leipzig. Tina
Brendel vielen vielen Dank, dass Sie wirklich so ausführlich von Ihren Erfahrungen erzählt haben
und auch so tief haben reingucken lassen. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre Tochter. Ganz
viel Freude am Lernen, dass zwischen den beiden Mädels vielleicht doch eine schöne
Freundschaft entsteht. Das ist wirklich ein toller Gedanke. Und ja, auch wichtige Erfahrungen
dadurch sammelt was für das Leben. Sie haben es ja gerade schon geschildert. Am besten, es
geht gleich im Kleinkindalter oder im Kindergarten los. Dann kommen da gar nicht erst
Befindlichkeiten auf. Vielen Dank, Tina Brendel.
00:29:10
Frau Brendel:
Gern geschehen.
00:29:12
Moderatorin:
Das war eine weitere Folge aus der Reihe Inklusiv - der Podcast zur schulischen
Inklusion in Sachsen. In einem der anderen Gespräche können Sie sich außerdem ein Bild über
den Unterricht an einer Förderschule für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf machen
bzw. über den Schulalltag an einer Regelschule mit inklusivem Unterricht für Kinder mit
sonderpädagogischem Förderbedarf. Informationen zum Thema finden Sie auch auf der
Inklusionswebsite des Kultusministeriums
www.Inklusion.Bildung.Sachsen.de
Vielen Dank für Ihr
Interesse.