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Hans Jörg Nagel
E
ine Stunde Autofahrt für
nix. Das Schloss Huber-
tusburg in Wermsdorf hält
nicht, was der Name dem Jäger
verspricht. Das „Kleinst-museum“
mit jagdlichen Präparaten ist eine
Enttäuschung, und der Schlosshof
wird gerade neu gestaltet. Überall
Baugerüste und ausgebaggerte
Gräben. „Das hätte ich mir sparen
können“, denke ich und fahre zu-
rück ins Hotel nach Etzoldshain,
südlich von Grimma (Sachsen).
Was soll´s. Die Stimmung
kann mir nicht vermiest werden.
Zu gegenwärtig ist das jagdliche
Erlebnis vom Vortag. Und dafür
bin ich hier im Freistaat.
Jährling lockt Alten
vor die Büchse
Der Drückjagdbock, auf dem ich
am Abend des Ankunfttages an-
sitze, ist nicht verblendet. Ein
Präsentierteller am Wegrand. Vor
mir offener Buchenwald mit einer
Salzlecke. Hinter mir junger Be-
stand mit viel Busch.
Kaum sitze ich, wechselt links
von mir eine Bache über den Weg,
gefolgt von einigen Frischlingen.
Nur wenig später an gleicher Stel-
le der erste Bock. Der junge Gab-
ler markiert und verschwindet
nach kurzer Zeit. Glas absetzen
und Luftholen. Doch es geht zü-
gig weiter: Rechts von mir ein
Knacken ...
Ein Jährling schiebt sich aus
den jungen Buchen, wechselt rasch
über den Weg und kümmert sich
40 Meter vor mir um einen Hol-
lunderbusch. Der passt: Halblau-
scherhohe, unvereckte Stangen
und nicht stark im Wildbret. Mir
ist von Sachsenforst ein Jährling
und ein mehrjähriger Bock freige-
geben.
Der Bock macht es mir nicht
leicht: Zweimal habe ich den Jähr-
ling in der 6-fachen Vergrößerung
des lichtstarken Glases, zweimal
den Finger am Abzug, zweimal
lasse ich wieder locker. Unstet ist
der Jährling. Immer wieder ver-
deckt von Buschwerk oder Bäu-
men. Ich komme einfach nicht
zum Schuss. Dann ist er ver-
schwunden.
Nur kurz darauf eine neue
Situation: Ein guter Jährlings-
Gabler und ein Schmalreh „trei-
ben“ sich rund um die Stocksulze.
Wieder knackt es hinter mir im
Dickicht. Schemenhaft erkenne
ich ein Reh. Mit dem Glas an den
Augen warte ich auf eine Bewe-
gung. Ist es ein Bock? Tatsächlich,
und was für einer.
Weit über lauscherhohe Stan-
gen hat er. Ein braver Sachsen-
Sechser. Doch er ist vorsichtig. 20
Minuten steht er nur so herum,
fast gänzlich verdeckt.
Trotzdem tausche ich Glas
gegen Repetierer.
Diese Bewegung be-
kommt der Jährling von vorhin
mit und schreckt mich an. Ein-
mal, zweimal, unaufhörlich. Mir
ist das nicht mal unrecht, denn ich
erwarte eine Antwort des Alten.
Und tatsächlich: Einige Minuten
bleibt das „Bellen“ ohne Reaktion.
Kommentarlos nimmt der Sechser
es hin. Doch dann wird er sauer.
Er misshandelt den ein oder an-
deren Strauch, schickt erst zwei,
drei gedämpfte „Böah“ zurück,
um dann aus voller Brust zu
schimpfen. Vorsichtig wechselt er
auf den Weg.
Im letzten Büchsenlicht steht
er auf der Wegmitte breit. 40 Me-
ter sind es. Ich lasse fliegen und
stehe kurz danach vor meinem
bislang stärksten Bock.
Fixe Buchung,
fixe Beute
„Jagen in Staatsforsten“ war Ti-
telthema der DJZ im September
vergangenen Jahres. Es ging um
Rot- und Damwildabschüsse für
kleines Geld. Aber wie steht es
ums Rehwild? Was wird einem
eckt.
ch Glas
gung be-
von vorhin
ich an. Ein-
fhörlich. Mir
recht, denn ich
wort des Alten.
inige Minuten
ohne Reaktion.
Genau unter die Lupe genommen
wurde der brave Bock von
Gastgeber und Erleger
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DJZ
7/2010
Sachsen-Sechser
im Sauseschritt
Der Staatsbetrieb Sachsenforst bietet Bockjagdwochen an. Lohnt sich das?
Dieser Frage ist die DJZ-Redaktion nachgegangen. Alles ging schneller als erwartet:
Gleich am ersten Tag kam ein richtig Guter zur Strecke.
Jagen beim Staat
Fotos: Hans Jörg Nagel (2)
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geboten? Wie sind die Chancen?
Und wie ist die Betreuung?
Sachsenforst hat einen über-
sichtlich gegliederten Internetauf-
tritt und macht es dem Nutzer
einfach. „Bockjagdwochen“ sind
eines der vielen unterschiedlichen
Angebote für den Jäger. Das klingt
verlockend, und schnell wurde via
E-Mail angefragt. Prompte Ant-
wort und eine Einladung für An-
fang Mai. Der Leiter des Forstbe-
zirkes Leipzig, Andreas Padberg,
teilt mich dem Revier Waldmüh-
le zu, östlich von Bad Lausick.
Sieben Tage Jagen. Freigabe: zwei
Böcke. Auf geht's!
Falkhard Dau, Leiter des Re-
viers, ist groß und freundlich. Ein
uriger Förster. Herzlich ist die
Begrüßung, und schon fahren wir
ins Revier. Über einen einsamen
Feldweg, entlang riesiger Raps-
felder, erreichen wir den Glas-
tener Forst. Hier weist er mich
ein: Der Hauptweg bis zum Feld
ist die linke Grenze meines Wir-
kungsbereichs, oben ist es der
Übergang zur Fichtendickung.
Sämtliche Ansitzeinrichtungen
fahren wir an, und so manchen
Tipp hat der Forstmann für mich
parat. 60 Hektar darf ich die kom-
menden Tage nach Freigabe und
Belieben mit der Büchse „betreu-
en“.
Dann fahren wir zur einsam
gelegenen Försterei. Hier ist auch
die Wildkammer und das Kühl-
haus. Falkhard Dau will mich dort
mindestens zweimal sehen, sagt
er. Das hieße, ich hätte mein Kon-
tingent voll ausgeschöpft.
Wir besprechen noch die „idi-
otensicheren“ Unterlagen mit
Freigabebescheinigung, Durch-
fahrterlaubnis, Sicherheitshinwei-
sen, Revierkarte und einigem
mehr. Mit einem herzlichen Weid-
manns- und Brackenheil entlässt
mich der aktive Rüdemann am
ersten Tag um 19.30 Uhr.
Nur zweieinhalb Stunden später
tauche ich wieder in der Försterei
Waldmühle auf. Von Herzen freut
sich der Forstamtmann über den
guten Bock, den wir urig auf Fich-
tenzweigen im Hof betten. Sach-
senforst-Stammgast Hans Joach-
im Höhne aus Grevenbroich
(NRW) freut sich mit. Auch er ist
an diesem Abend zu Schuss ge-
kommen und hat einen schwachen
Knopfer gestreckt.
Noch lange sitzen wir bei dem
einen oder anderen Getränk zu-
sammen, erzählen und sind stolz
auf die Beute. Falkhard Dau ist
es, der immer wieder aufsteht, um
sich meine noch einmal aus der
Nähe anzuschauen. „Was für ein
guter Bock!“ Er freut sich aufrich-
tig – mit mir. So soll´s sein.
Für mich kann es schon nicht
besser werden. Einzig eine Bitte
des Forstmanns lässt mich auch
die kommenden Morgende und
Abende im Revier verbringen.
„Ein Jährling geht in Ihrem Be-
reich. Der schont stark seinen
linken Vorderlauf. Den zu erlegen
wäre perfekt.“ Doch das klappt
nicht.
Am Abreisetag besucht uns
Forstbezirksleiter Andreas Pad-
berg. Auch er möchte mir zu
meinem Bock gratulieren. Bei der
Verabschiedung hat der Forstdi-
rektor noch eine Überraschung in
petto: „Vor vielen Jahren habe ich
den Agra-Fundus gesichert. Das
war
die
landwirtschaftliche
Leistungsausstellung der DDR.
Das sind 3 000 historische Expo-
nate rund um das Weidwerk und
die Forstwirtschaft. Ziel ist es,
diese Ausstellung in der Werms-
dorfer Hubertusburg zu präsen-
tieren. Klappt das, wird das Schloss
sicher ein Magnet für jagdinteres-
sierte Menschen.“ Damit wäre
auch das erledigt ...
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DJZ
7/2010
j
Gemütliches Beisammensein in der
Jagdhütte. Förster und Jäger
tauschen sich aus
Viel zu bieten hat die Hubertus-
burg dem Jäger nicht. Doch das
soll sich bald ändern
„Idiotensichere“ Unterlagen.
Das beruhigt den Jäger
Fotos: Hans Jörg Nagel (4)
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Bockjagdwoche (buchbar in allen 20 Verwaltungsjagdbezirken
des Forstbezirkes Leipzig)
Zeitraum:
1. Mai bis 31. Mai (300 Euro) und 15. Juli bis 15.
August (250 Euro). Jeweils 7 zusammenhängende Jagdtage.
Jagdart:
selbstständige Einzeljagd nach Einweisung.
Freigabe:
1 Bock AK II (bis 250 g) und 1 Bock AK I (Jährling),
bei Gehörngewicht über 250 g: Aufpreis nach Preisliste, ggf.
Schmalreh und Frischling.
Weitere Jagdangebote:
Drückjagdwochenende (2 Jagdtage), Drückjagdteilnahme, Dam-
kahlwildwochen, Einzelabschüsse von Trophäenträgern, Kurz-
jagderlaubnisschein, „Rundum-Sorglos-Paket“ für Jagdgrup-
pen.
Weitere Informationen unter:
Staatsbetrieb Sachsenforst
Forstbezirk Leipzig
Heilemannstraße 1
04277 Leipzig
Tel: 0 34 1-86 08 00
Fax: 0 34 1-8 60 80 99
E-Mail: poststelle.sbs-leipzig@smul.sachsen.de
Internet:
www.sachsenforst.de
DJZ:
Wie sind die Eckwerte Ihres
Forstbezirks?
Forstdirektor Andreas Padberg:
32 000 Hektar Grundfläche teilen
sich auf 20 Jagdbezirke auf. 13 000
Hektar werden in Regiejagd be-
wirtschaftet. Insgesamt haben wir
rund 150 Begehungsscheininha-
ber.
DJZ:
Wie viele Jagdgäste begrüßen
Sie in Ihrem Forstbezirk pro
Jahr?
Padberg
:
Zu den Gesellschafts-
jagden, Einzelabschüssen, Bock-
jagdwochen und den anderen
Angeboten etwa 350 Jäger.
DJZ:
Was wollen Sie interessierten
Jägern bieten?
Padberg:
Uns ist es wichtig, dass
die Jagdgäste zufrieden sind. Das
erreichen wir nicht nur durch er-
folgversprechende Reviere mit
gutem Anblick und reicher Beute.
Auch das Drumherum muss stim-
men. Und das tut es wohl. Die
Nachfrage nach den verschiedenen
Jagdangeboten ist enorm.
DJZ:
Können Sie Erfolgsgarantien
geben?
Im Gespräch mit Andreas Padberg,
Leiter des Forstbezirkes Leipzig.
„90 Prozent unserer Gäste
sind Wiederholungstäter“
Padberg:
Natürlich nicht. Aber wir
sind nahe dran. Viele Jagdflächen,
die zum Beispiel bei den Bock-
jagdwochen genutzt werden, hal-
ten wir im Vorfeld jagdlich frei.
So haben die zeitlich begrenzten
Jäger größtmögliche Chancen, zu
Erfolg zu kommen. Und wenn in
einem Revierteil mal wirklich
nichts geht, haben wir schnell
eine Alternative gefunden.
DJZ:
Im Forstbezirk Leipzig gibt
es die unterschiedlichsten Land-
schaftsformen ...
Padberg:
Wohl wahr. Da sind die
Auwälder um Leipzig und südlich
davon die großen Eichenwälder,
wie zum Beispiel die Neue Hardt.
Eine Bergbaufolge-Landschaft mit
sehr guten Böcken. Oder das Löss-
Hügelland mit großen Kiefern-
und Fichtenbeständen. Interes-
sant ist auch das Gebiet an der
Mulde. An den sanften Hängen
zwischen Leipzig und Dresden ist
unser Muffel-Kerngebiet.
DJZ:
Rot- und Damwild kommt
bei Ihnen auch vor?
Padberg:
Und nicht zu knapp. Im
Wermsdorfer Wald und auch öst-
lich von Leipzig haben wir einen
guten Rotwildbestand. Während
sich rund um Colditz das Damwild
tummelt.
DJZ:
Neben den Angeboten wie
Bockjagdwochen oder Drückjagd-
teilnahmen bieten Sie auch Ein-
zelabschüsse auf Rot- und Dam-
wild an.
Padberg:
Ja, und mit großem Er-
folg. 90 Prozent unserer Gäste
sind Wiederholungstäter. Unser
Drückjagdangebot im Colditzer
Forst ist schon jetzt auf zwei Jah-
re ausgebucht.
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Forstdirektor Andreas Padberg
Jagdangebote Sachsenforst
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16.06.2010 15:09:19 Uhr