1
Einleitung
Bearbeiter:
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
Dipl.-Ing. agr. Kerstin Jäkel
1.1
Nutzung des Kreislaufprinzips
3
1.2
Zur Geschichte der Biogasproduktion
5
1.3
Allgemeine Rahmenbedingungen der Biogasnutzung
6
1.3.1
Vorteile der Biogasproduktion
7
1.3.2
Begrenzende Faktoren der Biogasnutzung
8

2

3
1
Einleitung
Die Zielstellung der Managementunterlage besteht darin, die ökonomische und ökologische Be-
deutung von erneuerbaren Energien, speziell dem Biogas, herauszustellen sowie Wege und
Verfahrensweisen zur Erzeugung von Biogas in Sachsen aufzuzeigen.
Nach einer Periode bedenkenlosen Einsatzes von fossilen Energieträgern weiß man, dass sich diese
Energiequellen nach heutigem Verbrauch Mitte des kommenden Jahrhunderts erschöpfen werden.
Allerdings werden die fossilen Energieträger noch längere Zeit die Basis der Energieversorgung
bilden. Diese starke Abhängigkeit kann nach allgemeiner Einschätzung nur schrittweise und langfristig
durch den verstärkten Einsatz regenerativer Energieträger abgebaut werden.
Im Vordergrund der Bemühungen um eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energiequellen steht das
Ziel, fossile Energieträger zu ersetzen. Die ungebremste Nutzung fossiler Energieträger führt zu einer
starken Kohlendioxidanreicherung in der Atmosphäre mit weitreichenden negativen Auswirkungen
auf das Klima.
Erst der Umweltgipfel in Rio 1992 hatte die weltweite dauerhafte und umweltgerechte Entwicklung
zum Kernthema. Die Bundesrepublik Deutschland stellte sich damals zum Ziel, bis zum Jahr 2005 die
CO
2
-Emission um 25 % im Vergleich zum Jahr 1987 zu senken.
1.1
Nutzung des Kreislaufprinzips
Zur Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse ist der Verbrauch von Energie notwendig.
Dabei ist zukünftig zu beachten, dass
derzeit die Weltbevölkerung von 4 auf 13 Mrd. Menschen ansteigen kann,
der Lebensstandard unterschiedlich hoch ist und weiter steigen wird,
die fossilen Energieträger knapper werden.
Der Sonnenenergie fällt eine Schlüsselposition bei der energetischen Nutzung erneuerbarer
Energiequellen zu. Sonnenenergie steht nach menschlichem Ermessen unbegrenzt zur Verfügung. Die
Energie der Sonne wird in der Biomasse photochemisch gespeichert. Diese gespeicherte Energie
wird durch die mikrobielle Fermentation mit der Entstehung von Biogas letztendlich nutzbar gemacht.
Bei diesem Prozess wird lediglich die CO
2
-Menge an die Umwelt abgegeben, die vorher von den
Pflanzen gespeichert wurde. Es entsteht kein zusätzlicher Treibhauseffekt. Natürlich können auch
tierische Stoffe fermentiert werden.
In einer Biogasanlage werden zur energetischen Nutzung häusliche, landwirtschaftliche, organische,
gewerbliche und kommunale Stoffe einer anaeroben Gärung unterworfen. Endprodukte dieses
Prozesses sind Biogas und Faulschlamm, der durch seinen Nährstoffgehalt als hochwertiger Dünger
eingesetzt werden kann.
Vom Wachsen der Futterpflanzen über den Verzehr durch landwirtschaftliche Nutztiere und deren
Fäkalien bis zur Biogasproduktion als Energiequelle, und der Wiederverwendung des Faulschlammes
als Dünger, hat sich der natürliche Stoffkreislauf geschlossen.
Die anaerobe Behandlung dieser Stoffe in einer Biogasanlage kann also zur preiswerten
Energieumwandlung und zu einem geschlossenen Stoffkreislauf beitragen. Damit kommt den
Biogasanlagen auch eine infrastrukturelle Bedeutung bei der Abfallbeseitigung, Energieerzeugung und
Emissionsminderung zu.

4
Bereits seit erdgeschichtlichen Zeiten gibt es Methanisierungsprozesse. Die Höhe der natürlichen
Entstehung von Methan, zum Beispiel in Sümpfen und überschwemmten Gebieten, war
wahrscheinlich ausgeglichen mit dem Methanabbau. Dieses Gleichgewicht ist jedoch heute gestört.
Der ständige Anstieg der Nutzung fossiler Energien, des Reisanbaus und der Rinderhaltung tragen zur
Störung des Gleichgewichts bei. Der Abbau von CH
4
in der Atmosphäre geschieht nur sehr langsam.
Methan verbraucht bei der Oxidation zu CO
2
und H
2
O Ozon, wodurch das Ozonloch in der
Stratosphäre vergrößert wird, was wiederum die Erwärmung der Erdatmosphäre zur Folge hat.
Damit wird CH
4
zu einem der wichtigsten Treibhausgase (mit ca. 20 % beteiligt).
Abbildung 1.1
CO
2
-Kreislauf

5
Abbildung 1.2
Mögliche Verwertung der Biomasse
Mögliche Verwertung der Biomasse
Biomasse
ê
mechanische Aufbereitung
ê
biochemische Umwandlung
(Umwandlung von Biomasse in Sekundärenergieträger mit Hilfe von Mikroorganismen)
ê
anaerober Abbau
(Abbau unter Sauerstoffabschluss, es entsteht ein wasserdampfgesättigtes Mischgas,
das Biogas, welches zu 55 - 70 % aus Methan besteht)
ê
Biogas
ê
energetische Nutzung
1. in Verbrennungsanlagen
2. in Wärmekraftmaschinen
3. in Zukunft evt. auch in der Brennstoffzelle möglich
4. in Kraftfahrzeugmotoren
5. als Lichtquelle
1.2
Zur Geschichte der Biogasproduktion
Weltweit betrachtet ist die Biogasgewinnung derzeit gering. Lediglich in China (sehr viele
Kleinanlagen) und Indien hat sie eine gewisse Bedeutung erlangt. Die Geschichte der Biogas-
erzeugung begann mit der Entdeckung des Sumpfgases 1776. Die chemische Formel für Methan
wurde erstmals 1821 von Avogadro angegeben. Die erste Biogasanlage im großtechnischen
Maßstab entstand 1859 in Bombay. Den mikrobiellen Ursprung der Methanbildung erkannten
Bechamp (1868) und Popoff (1873). Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte man, dass Abwasser
mittels anaerober Vergärung geklärt werden kann. Daraufhin entstanden im Ruhrgebiet ab 1906
Abwasserreinigungsanlagen, der erste beheizbare Fermenter entstand. Das anfallende Gas wurde
hauptsächlich für die Erzeugung von Licht verwendet. Bis 1937 hatten einige deutsche Städte ihren
Fuhrpark auf Biogas umgestellt, auch die Müllabfuhr der Stadt Zürich fuhr bis zur Erdölkrise 1973
mit Biogas.

6
Insgesamt spricht man von 3 Phasen, in denen die Biogaserzeugung einen Aufschwung erfuhr:
1. Die erste „Biogasbewegung“ begann in den 50er Jahren. Zuerst wurde Festmist als Grund-
substrat verwendet, Gülle kam erst später hinzu. Es entstanden etwa 50 Anlagen. Ab 1955
wurde Erdöl sehr billig. Der Mineraldüngereinsatz wurde enorm gesteigert. Die meisten
Biogasanlagen wurden daraufhin wieder stillgelegt.
2. Die verschärfte Lage auf dem Energiesektor zur Erdölkrise 1973 brachte eine neue Biogaswelle
in die Industrienationen. Durch die danach folgenden niedrigen Mineralölpreise wurde die
Ausdehnung und Weiterführung der Biogastechnik wiederum stark beeinträchtigt.
3. Die dritte Bewegung begann ab 1990. Hier sorgte vor allem das neue Stromeinspeisegesetz für
einen neuen Aufschwung. Zusätzlich wurden die Bedingungen für Biogasanlagen verbessert
durch:
die Zunahme von Fachkompetenz,
die Verbesserung der Motorentechnik,
den Bau kostengünstiger Anlagen,
den Anstieg der Kofermentation und durch
die größere Beachtung umweltrelevanter Gesichtspunkte in der Landwirtschaft.
In Deutschland gibt es zur Zeit etwa 1.900 Anlagen (Stand 2002), davon überwiegend in Bayern.
Der Bundesdurchschnitt der installierten elektrischen Leistung liegt etwa bei 100 kW. Die gesamte
installierte elektrische Leistung in Deutschland beträgt etwa 250 MW. In Sachsen sind derzeit rund
30 Anlagen in Betrieb, weitere Projekte zu Biogasanlagen sind in der Planung.
Mit dem Inkrafttreten des geänderten Stromeinspeisungsgesetzes von 1994 wurde die Biogas-
erzeugung mit einer Kraft-Wärme-Kopplung weiter interessant.
Allerdings kann dieses Verfahren neben der Energiegewinnung wesentlich zur Lösung um-
weltrelevanter Probleme beitragen. Daher hat die Biomethanisierung für die Behandlung von
Flüssigmist sowie für die Entsorgung der organischen Rest- und Abfallstoffe bei der Verarbeitung
von landwirtschaftlichen Produkten eine gewisse Bedeutung erlangt.
1.3
Allgemeine Rahmenbedingungen der Biogasnutzung
Die Biogastechnologie ermöglicht die verantwortungsvolle Nutzung der natürlichen Ressourcen und
stellt eine Möglichkeit dar, die bisher ungenutzten natürlichen Kreisläufe des biologischen
Materieabbaues sinnvoll zu nutzen. Die Biogastechnologie verwertet Gülle und biologische
Kofermente sowohl stofflich in Form von Wirtschaftsdünger, als auch energetisch in Form von CO
2
-
neutral erzeugtem Strom und erzeugter Wärme.
Das Ziel einer modernen Gesellschaft muss es sein, Energiegewinnung und Stoffkreisläufe so nahe
wie möglich am natürlichen Kreislauf zu orientieren. Der natürliche Kreislauf ist deshalb so sinnvoll,
weil er die gesamte Energie aus dem Sonnenlicht gewinnt und sowohl Kohlendioxid-, als auch
Stickstoffbilanzen im Gleichgewicht hält.

7
1.3.1
Vorteile der Biogasproduktion
Um die Akzeptanz von Biogasanlagen in der Bevölkerung zu erhöhen, wäre es von Vorteil, nicht nur
den Nutzen für die Landwirtschaft, sondern auch den Nutzen für die Allgemeinheit, insbesondere
Klimaschutz und Erhaltung der Lebensgrundlagen auf der Erde, hervorzuheben.
Vorteile für die Volkswirtschaft
Einsparung von Deponieraum,
Schonung der Rohstoffressourcen,
1 m³ Biogas ersetzt 0,6 l Öl, die bekannten Lager der fossilen Brennstoffe sind Mitte des
nächsten Jahrhunderts erschöpft,
Aufbau eines neuen wachstumsfähigen Wirtschaftssektors,
aktive Mitwirkung am Umweltschutz,
Möglichkeit der Lösung des Entsorgungsproblemes nach Inkrafttreten der TA Siedlungsabfall,
nach welcher biologische Abfälle zu verwerten sind,
geringere Abhängigkeit vom Ausland durch Eigenenergieversorgung,
weniger Abwälzung von Kosten auf die Allgemeinheit durch dezentrale Energieversorgung,
Lösung zur Abfallentsorgung,
bis auf das Endlager sind Vergärungsanlagen gekapselt, dadurch entsteht im Gegensatz zur
Kompostierung eine geringere Geruchsemission,
die regenerative Energiequelle Biogas ist speicherbar und damit kontinuierlich verfügbar.
Vorteile für die Landwirtschaft / für den Betreiber
Energiegewinn für den Landwirt,
Erzeugung von Strom und Wärme für den eigenen Bedarf,
wirtschaftliche Stabilisierung des landwirtschaftlichen Betriebes,
entsprechend dem Stromeinspeisungsgesetz wird jede ins öffentliche Netz eingespeiste KWh
vergütet,
der Betreiber einer Biogasanlage kann bei der Vergärung von nachwachsenden Rohstoffen
und / oder biologischen Abfällen im Rahmen der Bioabfallverordnung (Kofermation) die
Biogasausbeute erhöhen, das Endprodukt aufwerten und durch die Abnahme der biologischen
Abfälle die finanziellen Einnahmen aus der Entsorgungstätigkeit erweitern.

8
Vorteile, die durch die Behandlung der Rohgülle entstehen
ein Teil des organisch gebundenen Stickstoffes wird in die pflanzenverfügbare, mineralische Form
umgewandelt, wodurch eine gezieltere Düngung möglich ist,
Schleimstoffe in Rindergülle, Unkrautsamen und teilweise Krankheitserreger werden abgebaut
bzw. abgetötet,
das Verhältnis von C : N verändert sich positiv,
die Biogasgülle wird homogener und dünnflüssiger, sie läßt sich somit auch besser ausbringen
(geringere Verstopfung), das Eindringen in den Boden wird beschleunigt,
bei der Kopfdüngung wird die Pflanzenverträglichkeit erhöht, Verätzungen an den Blättern treten
nicht auf, weil die niedrigen Fettsäuren zum größten Teil durch die Vergärung abgebaut werden,
eine wesentlich geruchsärmere Gülle entsteht,
Nährstoffverluste können bei optimaler Ausbringung gesenkt werden.
1.3.2
Begrenzende Faktoren der Biogasnutzung
Neben den vielen Vorteilen bringt die Biogasproduktion auch einige Risiken mit sich.
Es gibt bis jetzt noch ungenügende Lösungen für die Wärmeenergienutzung im Sommer.
Die Errichtung einer Biogasanlage erfordert einen hohen Kapitalbedarf. Es sollten bei der
Planung einer Anlage in erster Linie die betrieblichen Gegebenheiten entscheiden. Außerdem
sollte vor dem Bau einer solchen Anlage geprüft werden, ob andere Möglichkeiten der
Energieeinsparung bestehen und ob die nötigen Investitionen nicht sinnvoller an anderer Stelle
genutzt werden könnten.
Es wird ein relativ hoher Anteil an Prozessenergie, besonders im Wärmebereich, benötigt
(durchschnittlich 35 %).
Es gibt noch vereinzelt technische Probleme, wie zum Beispiel
- Korrosion und Gasundichtheit,
- Verstopfungen durch Schwimmdecken und Sinkschichten,
- Korrosion an Brenner und Motor.
Diese bereiten jedoch bei qualitätsgerechter Ausführung der Anlage geringe Probleme.
Biogasanlagen - als technische Anlagen - können in mehrfacher Hinsicht zur Gefahrenquelle
werden:
-
Eingeatmetes Biogas kann bei ausreichender Konzentration und Einwirkungsdauer zur
Vergiftung und Erstickung bis hin zum Tod führen. Bei nicht entschwefeltem Biogas wirkt
der Schwefelwasserstoff stark toxisch.
-
Biogas kann im Gemisch mit Luft explodieren, aber nur wenn ein Anteil von 5–12 %
Biogas im Gesamtgemisch vorliegt und eine Zündquelle mit einer Temperatur von über
600 °C vorhanden ist.
-
Es besteht Brandgefahr bei einem Biogas-Luft-Gemisch mit über 12 % Biogasanteil.

9
-
Durch sich drehende Teile der Anlage, elektrische Einrichtungen, unter Druck stehende
Leitungen und Behälter besteht Unfallgefahr.
Bei Verwendung externer Abfälle kann es leicht zur Überschreitung gesetzlicher Vorschriften
kommen.
Die Abnahme von kommunalem Bioabfall und die gemeinsame Vergärung mit tierischen
Exkrementen in der hofeigenen Biogasanlage kann zu Imageproblemen beim Landwirt führen.
Für den Landwirt als Abfallentsorger fehlt oft die Akzeptanz der Öffentlichkeit, was leicht zur
Kritik und letztlich zu Absatzrisiken der landwirtschaftlichen Produkte führen kann.
Seuchenhygienische Risiken können auftreten. Eine Anreicherung von Schadstoffen im Boden
durch die Kofermentation kann nicht vollständig ausgeschlossen werden, besonders wenn das
angelieferte Material sehr inhomogen ist.
Je nach Verfahren ist die Entseuchung des Ausgangsmaterials unvollständig.
Außerdem fordert die Vergärung weiterer organischer Stoffe eine bestmögliche räumliche
Trennung von Bioabfall, Tierhaltung und Lagerung von Futtermitteln, um hygienische Risiken von
Anfang an auszuschließen. Es besteht ein hoher organisatorischer Aufwand zwischen
Abfallerzeuger (Kommune) und Abfallentsorger (Landwirt).
Durch das Einhalten einschlägiger Unfallverhütungs- und Sicherheitsvorschriften kann das von einer
Biogasanlage ausgehende Sicherheitsrisiko stark vermindert werden. Vom Bundesverband der
landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften e. V. wurden Sicherheitsregeln für landwirtschaftliche
Biogasanlagen zusammengestellt, die auch in einzelnen Bundesländern (Sachsen) Geltung besitzen.

2
Rechtliche Rahmenbedingungen für landwirtschaftliche
Biogasanlagen
Bearbeiter: BERATA GmbH
Dipl.-Ing. agr. Andreas Englbrecht
Kap. 2.3
Fachverband Biogas e. V.
Dipl.-Ing. Andreas Kretschmer
Kap. 2.1.2 - 2.1.6
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
Dr. Barbara Dittrich
Kap. 2.1.1
Dipl.-Ing. agr. Kerstin Jäkel
Kap. 2.1.7
SEF-Energietechnik GmbH
Dr. Tilo Elfruth
Kap. 2.2
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
Dipl.-Ing. Heinrich Nübel
Kap. 2.2
2.1
Umweltrechtliche Rahmenbedingungen
3
2.1.1
Düngemittel- und Abfallrecht
4
2.1.1.1
Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG)
4
2.1.1.2
Düngemittelgesetz (DüMG) in der Fassung vom 27.09.1994
7
2.1.1.3
Einordnung von Abfällen nach dem Abfall- und Düngemittelrecht
11
2.1.1.4
Auswirkungen des Abfall- und Düngemittelrechts auf den Betrieb
der Vergärungsanlagen
31
2.1.1.5
Zusammenfassung
35
2.1.2
Immissionsschutz
35
2.1.3
Wasser- und Bodenschutz
37
2.1.4
Baurecht
38
2.1.5
Anlagensicherheit
38
2.1.6
Auswahl weiterer Technischer Normen, Richtlinien und Vorschriften
39
2.1.7
Energierecht
41
2.1.7.1
Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts
41
2.1.7.2
Einspeisung von Strom auf der Grundlage der Biomasseverordnung vom
21.06.2001
43
2.1.7.3
Ökologische Steuerreform
44
2.2
Genehmigungsverfahren zur Errichtung und zum Betrieb von
Biogasanlagen in der Landwirtschaft
45
2.2.1
Allgemeines
45
2.2.2
Nicht genehmigungsbedürftige Anlagen
45
2.2.3
Genehmigungsbedürftige Anlagen
45
2.2.4
Genehmigungsverfahren
46

2
2.3
Steuerliche Aspekte bei der Biogasproduktion und Verwertung
49
2.3.1
Allgemeines
49
2.3.2
Abgrenzung der Land- und Forstwirtschaft bzw. eines Gewerbebetriebes
von der Liebhaberei
49
2.3.3
Abgrenzung der Land- und Forstwirtschaft vom Gewerbe
49
2.3.3.1
Grundsätze der Abgrenzung
49
2.3.3.2
Unmittelbare Verwertung organischer Abfälle
52
2.3.3.3
Strukturwandel
52
2.3.4
Folgen gewerblicher Tätigkeiten eines Land- und Forstwirts
52
2.3.4.1
Bei einem als Einzelunternehmen geführten Betrieb
52
2.3.4.2
Bei einer Personengesellschaft
53
2.3.5
Einkommenssteuerliche Beurteilung
54
2.3.5.1
Einordnung als landwirtschaftlicher Nebenbetrieb
54
2.3.5.2
Einordnung als selbständiger Gewerbebetrieb
55
2.3.5.3
Abschreibungsmöglichkeiten
55
2.3.6
Umsatzsteuer
56
2.3.6.1
Land- und forstwirtschaftlicher Nebenbetrieb
56
2.3.6.2
Selbständiger Gewerbebetrieb
57
2.3.7
Gewerbesteuer
58
2.3.7.1
Landwirtschaftlicher Nebenbetrieb
58
2.3.7.2
Selbständiger Gewerbebetrieb
58
2.3.8
Zusammenfassung
58

3
2
Rechtliche Rahmenbedingungen für landwirtschaftliche
Biogasanlagen
2.1
Umweltrechtliche Rahmenbedingungen
Landwirtschaftliche Biogasanlagen tragen grundsätzlich durch Verminderung von Geruchs-,
Lachgas-, und Methanemissionen zur Verbesserung der Umweltsituation und wegen der Er-
zeugung des regenerativen Energieträgers Biogas zur Ressourcenschonung bei. Unabhängig
hiervon unterliegen die landwirtschaftlichen Biogasanlagen den vielfältigen öffentlich-recht-
lichen Vorschriften in Gestalt der Bundes- und Landesgesetze, den hierzu erlassenen Ver-
waltungsvorschriften sowie Technischen Normensetzungen. Es handelt sich hierbei zumeist
um Vorschriften, die dem Umweltrecht unmittelbar zuzurechnen sind.
Biogasanlagen unterliegen hinsichtlich ihrer Errichtung einem Prüfungs- und Genehmi-
gungserfordernis, insbesondere durch folgende Rechtsvorschriften:
Dem
Abfallrecht
(KrW-/AbfG) insoweit, wie Biogasanlagen bei Kofermentation nicht-
landwirtschaftlicher biologischer Reststoffe generell den Recyclinganlagen zugerechnet
werden und dem
Düngemittelrecht
(DMG) hinsichtlich des Einsatzes von Biogasgülle als
Wirtschaftsdünger,
dem
Immissionsschutzrecht
(BImSchG) insoweit, wie landwirtschaftliche Biogasanlagen
bei einer funktionalen Einheit mit einem BHKW größer 1 MW Feuerungswärmeleistung
nach § 4 BImSchG in Verbindung mit der 4. BImSchV als genehmigungsbedürftige
Anlagen angesehen werden,
dem
Wasserhaushaltsrecht
(WHG) insoweit, wie der Grundwasserschutz beim Umgang
mit wassergefährdenden Stoffen (die erforderlichen Betriebsstoffe Öle und Fette bspw.)
und der Umgang und die Ausbringung von Gülle wasserrechtlichen Anforderungen unter-
liegen,
dem
Naturschutzrecht
(BNatSchG), wenn durch die Errichtung der Biogasanlage die
Schutzgüter Flora und Fauna berührt sind,
dem
Baurecht
(BauGB) insoweit, wie es sich bei der Errichtung der Anlage um einen
Neubau oder eine wesentliche Nutzungsänderung bestehender baulicher Anlagen handelt,
der
Anlagensicherheit
und
dem nicht zu den umweltrechtlichen Vorschriften im engeren Sinn zuzurechnenden
Energierecht
(EWG, EEG) (vgl. Kapitel 2.1.7 und 5).

4
2.1.1
Düngemittel- und Abfallrecht
Folgende Gesetze und Verordnungen regeln die landbauliche Verwertung anaerob
behandelter Reststoffe:
Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) vom 27.09.94
Klärschlammverordnung (AbfKlärV) in der Fassung vom 06.03.97
Bioabfallverordnung (BioAfV) in der Fassung vom 21.09.98
Düngemittelgesetz (DüMG) in der Fassung vom 27.09.94
Düngemittelverordnung (DüMV) in der Fassung vom 16.07.97
Düngeverordnung (DüVO) in der Fassung vom 16.07.97
TA Abfall
ΤA
Siedlungsabfall
Tierkörperbeseitigungsgesetz
2.1.1.1 Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG)
Das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz hat das Abfallgesetz vom 27.08.86 abgelöst und
ist in allen Teilen am 07.10.97 in Kraft getreten. Grundlage des neuen Abfallrechtes ist die
EG-Abfallrichtlinie 91/156 EWG vom 18.03.91, die hiermit in nationales Recht umgesetzt
wird.
Die Vorschriften des KrW-/AbfG gelten nicht für Stoffe, die nach dem
- Tierkörperbeseitigungsgesetz,
- Fleischhygiene- und Geflügelfleischhygienegesetz,
- Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz,
- Milch- und Margarinegesetz oder dem
- Tierseuchengesetz
zu beseitigen sind.
Biogas- bzw. Kofermentationsanlagen erlangen durch das KrW-/AbfG eine zunehmende Be-
deutung, da neben der Vermeidung von Abfällen die stoffliche Verwertung oder die Gewin-
nung von Energie im Vordergrund steht (§§ 5 und 6 KrW-/AbfG).
Der Gesetzgeber listet in dem Anhang II B des KrW-/AbfG eine Reihe von Verfahren für die
Verwertung von Abfällen auf. Die Vergärung und anschließende Verwendung der Gärrück-
stände im Bereich der Düngung ist danach als Verwertung folgendermaßen abgedeckt:
R 9 Verwendung als Brennstoff oder andere Mittel der Energieerzeugung,
R 10 Aufbringung auf dem Boden zum Nutzen der Landwirtschaft,
R 11 Verwendung von Rückständen, die bei einem o.g. Verfahren gewonnen werden.
Im § 8 KrW-/AbfG sind die Grundregeln für die Verwertung von Abfällen im Bereich der
landwirtschaftlichen Düngung festgelegt.
Das Bundesumweltministerium wird ermächtigt, durch Rechtsverordnungen im Einverneh-
men mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium und dem Bundesgesundheitsministerium
detaillierte Anforderungen an die Abgabe und die Aufbringung hinsichtlich der Schadstoffe
festzulegen.

5
Insbesondere können Regelungen wie Verbote, Beschränkungen sowie Vorgaben zur Unter-
suchung der Abfälle, Maßnahmen zur Vorbehandlung dieser Stoffe oder geeignete andere
Maßnahmen verordnet werden.
Für Wirtschaftsdünger gilt dies insoweit, als das Maß der guten fachlichen Praxis über-
schritten wird.
Wirtschaftsdünger, die als Nebenerzeugnis der landwirtschaftlichen Produktion "erzeugt" und
landwirtschaftlich verwertet werden, sind weder zum Zeitpunkt ihres Anfalles, noch bei ihrer
Aufbringung auf die Fläche Abfälle im Sinne des Abfallrechtes (
ehemals § 15 Abfallgesetz -
Mengenbegrenzung
).
Als untergesetzliches Regelwerk zu § 8 KrW-/AbfG sind zu nennen:
- die Klärschlammverordnung in der Fassung vom 06.03.97 und
- die Bioabfallverordnung in der Fassung vom 21.09.98
Klärschlammverordnung (AbfKlärV) in der Fassung vom 06.03.1997
In der Klärschlammverordnung sind die Regeln für eine ordnungsgemäße und schadlose Ver-
wertung von Klärschlämmen in der Landwirtschaft aufgestellt.
Klärschlamm, Klärschlammkomposte und -gemische dürfen auch nach einer aeroben oder
anaeroben Behandlung nur dann landwirtschaftlich verwertet werden, wenn sie nach der Klär-
schlammverordnung untersucht wurden. Die vorgegebenen Grenzwerte für die Schwermetalle
(Cadmium, Blei, Kupfer, Zink, Chrom, Nickel und Quecksilber), die Summe der halogen
organischen Verbindungen (AOX), die polychlorierten Biphenyle (PCB) sowie poly-
chlorierten Dibenzodioxine/Dibenzofurane (PCDD/PCDF) sind einzuhalten.
Neben der Klärschlammuntersuchung ist auch der Boden vor der ersten Aufbringung und
danach in bestimmten Abständen auf die Schwermetalle, den pH-Wert und die pflanzenver-
fügbaren Nährstoffe Phosphor, Kalium und Magnesium zu untersuchen.
Wird Schlamm aus der Kleinkläranlage eines landwirtschaftlichen Betriebes auf betriebs-
eigene Ackerflächen ausgebracht, so sind nach der Klärschlammverordnung die Vorschriften
über die Bodenuntersuchung (Schwermetalle und Nährstoffe), die regelmäßige Untersuchung
des Schlammes auf Schwermetalle und organische Schadstoffe nicht anzuwenden. Es ist le-
diglich eine Untersuchung des Schlammes auf Schwermetalle, AOX und Nährstoffe vor der
ersten Aufbringung durchzuführen. Die Ergebnisse sind der zuständigen Abfallbehörde und
der landwirtschaftlichen Fachbehörde unverzüglich zuzuleiten. Grundsätzlich dürfen inner-
halb von 3 Jahren nicht mehr als 5 Tonnen TM/ha Klärschlamm im Rahmen der guten fach-
lichen Praxis beim Düngen aufgebracht werden.
Neben dieser Mengenbeschränkung, die auch für die Verwertung von Schlamm aus der
Kleinkläranlage eines landwirtschaftlichen Betriebes auf betriebseigenen Flächen gilt, sind
folgende Aufbringungsverbote zu beachten:
Kein Klärschlamm
- auf Gemüse- und Obstanbauflächen,
- auf Dauergrünland,
- auf Flächen in den Wasserschutzzonen I und II,
- auf einen Uferrandstreifen (10 Meter).

6
Bioabfallverordnung (BioAbfV) in der Fassung vom 21.09.1998
Regelungsinhalt der Verordnung ist die Verwertung von unbehandelten und behandelten Bio-
abfällen im Rahmen der landwirtschaftlichen Düngung. Der Einsatz von Bioabfällen in
anderen Bereichen, wie z. B. bei der Rekultivierung oder im Bereich des Garten- und Land-
schaftsbaus, bleibt außen vor.
Diese Verordnung gilt nicht
- soweit die AbfKlärV Anwendung findet oder
- das Material nach anderen Rechtsvorschriften entsorgt werden muss.
Weiterhin gilt sie nicht
- für Haus-, Nutz- und Kleingärten,
- für die Eigenverwertung von Bioabfällen pflanzlicher Herkunft in landwirtschaftlichen Be-
trieben oder Betrieben des Garten- und Landschaftsbaus, wenn die Verwertung nach Maß-
gabe der §§6 und 7 auf betriebseigenen Flächen gewährleistet ist.
Eigenverwertung wird definiert als ein Aufbringen der auf betriebseigenen Böden angefalle-
nen pflanzlichen Bioabfälle einschließlich zugegebener geringer Mengen anderer unbehandel-
ter oder aerob behandelter pflanzlicher Bioabfälle auf betriebseigene Böden.
Als Eigenverwertung gilt auch die anteilige Rücknahme von unbehandelten pflanzlichen Bio-
abfällen aus gemeinschaftlicher Verwertung landwirtschaftlicher Erzeugerzusammenschlüsse
durch den Erzeuger zur Aufbringung auf betriebseigene Böden.
Im Sinne der Bioabfallverordnung bedeuten die Begriffe:
Bioabfälle:
Abfälle tierischer oder pflanzlicher Herkunft zur Verwertung, die durch Mikro-
organismen, bodenbürtige Lebewesen oder Enzyme abgebaut werden.
Behandlung:
Gesteuerter Abbau von Bioabfällen unter aeroben Bedingungen (Kompostie-
rung) oder anaeroben Bedingungen (Vergärung) oder andere Maßnahmen zur
Hygienisierung.
Behandelte
Anaerob behandelte Bioabfälle (Gärrückstände) einschl. einer im Rahmen der
Bioabfälle:
Behandlung erfolgenden Vermischung, z. B. mit Wirtschaftsdüngern oder son-
stigen hierfür zugelassenen Materialien.
Gemische:
Mischung von behandelten Bioabfällen miteinander oder mit Wirtschafts-
düngern sowie weiteren zugelassenen Stoffen; die Vermischung im Rahmen
der Behandlung gilt nicht als Gemisch.
Bioabfälle sind grundsätzlich vor einer Aufbringung oder der Herstellung von Gemischen
einer Behandlung zuzuführen, welche die seuchen- und phytohygienische Unbedenklichkeit
gewährleistet (= Anforderung an die Behandlungsanlage).
Die Behandlung ist so durchzuführen, dass die seuchen- und phytohygienische Unbedenklich-
keit nach der Behandlung und bei der Abgabe oder der Aufbringung auf betriebseigene Böden
sichergestellt ist (= Anforderung an den Betrieb der Behandlungsanlage).

7
Weitere wichtige Eckpunkte der Verordnung sind:
Die Aufbringungshöchstmenge liegt in Abhängigkeit von den eingehaltenen Qualitätskri-
terien bei 20 bzw. 30 Tonnen je Hektar in drei Jahren.
Für den Bereich der Schwermetalle werden Schadstoffgrenzwerte festgelegt.
Schadstoffuntersuchungen müssen im Regelfall mindestens im vierteljährlichen Abstand
erfolgen oder je 2000 Tonnen eingesetzter Bioabfälle durchgeführt werden.
Durch spezifische Regelungen für Gemische wird verhindert, dass unzulässige Verdün-
nungen durchgeführt werden.
Unzulässig ist eine Verwertung von Materialien, die nicht in einem speziellen Anhang zur
Verordnung erwähnt sind.
Innerhalb des Zeitraumes von drei Jahren ist auf derselben Fläche nur die Aufbringung
von Bioabfällen und Gemischen nach der Bioabfallverordnung oder die Aufbringung von
Klärschlamm nach der Klärschlammverordnung zulässig.
Daneben wird es zukünftig zur Pflicht gemacht, dassß der Anwender von Bioabfällen und
Komposten umfassend über Herkunft und Eigenschaften der Materialien informiert wird.
2.1.1.2 Düngemittelgesetz (DüMG) in der Fassung vom 27.09.1994
Durch das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz ist auch das Düngemittelgesetz in mehreren
Punkten geändert worden. Als wichtigste Änderung ist die neue Abgrenzung zum Abfallrecht
zu nennen. Abfälle werden als eine eigenständige Produktgruppe in die Definitionen des
§ 1 DüMG als Sekundärrohstoffdünger aufgenommen.
Nach § 1 Nr. 2a Düngemittelgesetz sind
Sekundärrohstoffdünger
:
Abwasser, Fäkalien, Klärschlamm und ähnliche Stoffe aus Siedlungsabfällen und vergleich-
bare Stoffe aus anderen Quellen, jeweils auch weiterbehandelt oder in Mischungen unterein-
ander oder mit Stoffen nach den Nummern 1, 2, 3, 4 und 5 (d. h. Düngemittel, Wirtschafts-
dünger, Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate, Pflanzenhilfsmittel), die dazu bestimmt sind, zu
einem der in Nummer 1 erster Teilsatz genannten Zwecken (d. h. um das Wachstum von
Kulturpflanzen zu fördern, ihren Ertrag zu erhöhen oder ihre Qualität zu verbessern)
angewandt zu werden.
Im Düngemittelrecht werden Wirtschaftsdünger nun eindeutig als Nebenerzeugnis der land-
wirtschaftlichen Produktion definiert, andererseits betriebsfremde, aber im Betrieb weiterver-
arbeitete Abfälle von der Definition als "Wirtschaftsdünger" ausgeschlossen.
Nach § 1 Nr. 2 Düngemittelgesetz sind
Wirtschaftsdünger
:
Tierische Ausscheidungen, Gülle, Jauche, Stallmist, Stroh sowie ähnliche Nebenerzeugnisse
aus der landwirtschaftlichen Produktion, auch weiterbehandelt, die dazu bestimmt sind, zu
einem der in Nummer 1 erster Teilsatz genannten Zwecke (d. h. um das Wachstum von
Kulturpflanzen zu fördern, ihren Ertrag zu erhöhen oder ihre Qualität zu verbessern) ange-
wandt zu werden.
Jede stoffliche Verwertungsabsicht im Sinne der landbaulichen Verwertung unterstellt Abfälle
bereits beim gewerbsmäßigen Inverkehrbringen in der Regel gleichzeitig den Vorschriften des
Düngemittelrechts. Als "Inverkehrbringen" im Sinne des Düngemittelrechts ist das Anbieten,
Vorrätighalten zur Abgabe, Feilhalten und jedes Abgeben an andere zu verstehen. Dem Inver-
kehrbringen steht das Verbringen in den Geltungsbereich dieses Gesetzes zur Abgabe an
andere, dem gewerbsmäßigen Inverkehrbringen die Abgabe in Genossenschaften oder sonsti-
gen Personenvereinigungen an ihre Mitglieder gleich.
Für landbaulich zu verwertende organische Reststoffe müssen sowohl abfallrechtliche, als
auch seuchenrechtliche Vorschriften eingehalten werden. Die tatsächliche Verwertung kann
aber nur als Düngemittel (meist als Sekundärrohstoffdünger, Bodenhilfsstoff, Kultursubstrat
oder Pflanzenhilfsmittel) erfolgen.

8
Düngemittelverordnung (DüMV) in der Fassung vom 16.07.1997
Die Düngemittelverordnung beinhaltet die Zulassung und Kennzeichnung von Düngemitteln,
Natur- und Hilfsstoffen. Nach § 8 KrW-/AbfG dürfen organische Abfälle zur Verwertung im
Bereich der landwirtschaftlichen Düngung nur angewandt werden, wenn sie als Sekundärroh-
stoffdünger zugelassen sind.
Sie dürfen gewerbsmäßig aber nur in den Verkehr gebracht werden, wenn sie im Hinblick auf
die Verursachung von
- Krankheiten bei Mensch und Tier durch Übertragung von Krankheitserregern und
- Schäden an Pflanzen, Pflanzenerzeugnissen oder Böden durch Verbreitung von Schad-
organismen
unbedenklich sind (§ 1 Abs. 2 DüMV).
Durch Einfügen des Abschnittes 3a in die Düngemittelverordnung werden Düngemitteltypen
für Sekundärrohstoffdünger definiert und Vorgaben für die Kennzeichnung gegeben. Die
Typenzulassung ist allgemeingültig, d. h. mit Inkrafttreten der Verordnung sind alle Produkte,
die den Düngemitteltyp erfüllen, verkehrsfähig. Darüber hinaus enthält die geänderte Dünge-
mittelverordnung Anforderungen an die Art und Kennzeichnung von Natur- und Hilfsstoffen.
Zur Aufbereitung von Sekundärrohstoffdüngern dürfen ausschließlich die in Anhang 1, Ab-
schnitt 3a, Spalte 5 DüMV aufgeführten Ausgangsmaterialien eingesetzt werden.
Die Düngemitteltypen sind beschrieben durch
- Typenbezeichnung,
- Mindestgehalt an Nährstoffen,
- typbestimmende Bestandteile, Nährstofformen und -löslichkeiten,
- Bewertung und weitere Erfordernisse,
- Zusammensetzung und Art der Herstellung,
- besondere Bestimmungen.
Ein typischer Düngemitteltyp für Gärrückstände aus der Kofermentation ist der organische
NPK - Dünger - flüssig.
In der Tabelle 2.1 sind die Anforderungen für diesen Düngemitteltyp beschrieben. Das Pro-
dukt muß gemäß den Bestimmungen der Düngemittelverordnung gekennzeichnet werden.
Zu den vorgeschriebenen Angaben gehören:
- Düngemitteltyp mit Angabe der Höhe der Nährstoffgehalte,
- Art und Höhe der Nährstoffgehalte sowie Nährstofformen und -löslichkeiten,
- weitere Angaben nach den Vorbemerkungen zur Anlage 1 und nach Spalte 6 der
Anlage 1 DüMV,
- Hinweise zur Zusammensetzung des Düngemittels, Angabe aller verwendeten Stoffe in ab-
steigender Reihenfolge ihrer eingesetzen Mengen über 5 %,
- sachgerechte Angaben zur Nährstoffverfügbarkeit, insbesondere zu Stickstoff, Stabilität
der Produkteigenschaften und sachgerechten Lagerung,
- Angaben zu Anwendungs- und Mengenbeschränkungen, die sich aus anderen düngemittel-
oder abfallrechtlichen Vorschriften ergeben,
- Gewicht,
- Inverkehrbringen.
In der Abbildung 2.1 ist ein Beispiel einer Düngemittelkennzeichnung für einen organischen
NPK - Dünger - flüssig dargestellt.

9
Grundsätzlich dürfen Sekundärrohstoffdünger nur dann in den Verkehr gebracht und / oder
landbaulich genutzt werden, sofern sowohl abfallrechtliche (d. h. Vorgaben einer Bioabfall-
verordnung bzw. der Klärschlammverordnung) als auch düngemittelrechtliche Vorgaben er-
füllt werden.
Düngeverordnung (DüVO) in der Fassung vom 16.07.1997
Neben den allgemeinen Regeln zur guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft sind für die
Anwendung von Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft und Sekundärrohstoffdüngern be-
sondere Regelungen erstellt.
Gülle, Jauche, Geflügelkot und stickstoffhaltige Sekundärrohstoffdünger sind auf unbestell-
tem Ackerland unverzüglich einzuarbeiten. Weiterhin dürfen mit diesen Stoffen auf Acker-
land nach der Ernte der Hauptfrucht nicht mehr als 40 kg Ammoniumstickstoff oder 80 kg
Gesamtstickstoff je Hektar ausgebracht werden.
In der Zeit vom 15. November bis zum 15. Januar des folgenden Jahres dürfen die vorgenann-
ten Düngemittel grundsätzlich nicht ausgebracht werden. Weiterhin dürfen im Betriebsdurch-
schnitt auf Grünland nicht mehr als 210 kg Gesamtstickstoff je Hektar und auf Ackerland
nicht mehr als 170 kg Gesamtstickstoff je Hektar ausgebracht werden.
Für Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft können Ausbringungsverluste bis zu 20 % ange-
rechnet werden.
Abbildung 2.1
Kennzeichnungsbeispiel für einen Gärrückstand aus der
Kofermentation
Organischer NPK-Dünger - flüssig - 0,3 - 0,2 - 0,1
- 0,32 %
N Gesamtstickstoff
- 0,23 %
P
2
O
5
Gesamtphosphat
- 0,13 %
K
2
O Gesamtkalium
- 5,92 %
organ. Substanz
Zusammensetzung:
80 %
Rindergülle, anaerob behandelt
10 %
Bioabfall aus getrennter Sammlung aus privaten
Haushaltungen, anaerob behandelt
10 %
pflanzliche Abfälle aus Lebensmittelhandel, anaerob be-
handelt
Anwendungshinweis:
Ca. 90 % des Gesamtstickstoffes liegen in organischer
Bindung vor und werden erst durch mikrobielle Um-
setzung pflanzenverfügbar. Dies ist bei der Anwendung
zu berücksichtigen. Die nach der Bioabfallverordnung
und der Düngeverordnung vorgeschriebenen Anwen-
dungs- und Mengenbeschränkungen sind einzuhalten.
Lagerungshinweis:
Eine Lagerung darf nur so erfolgen, dass es nicht zu Ein-
tragungen ins Grundwasser kommen kann. Auf wasser-
und abfallrechtliche Vorschriften wird verwiesen.
Gewicht:
kg
Hersteller/Inverkehrbringer:

10
Tabelle 2.1
Anforderung für einen Organischen NPK - Dünger - flüssig
Typenbe-
zeichnung
Mindestgehalte,
bezogen auf
Trockenrück-
stand (TR)
typenbestimmende
Bestandteile, Nähr-
stofformen u.
Nährstofflöslich-
keiten
Bewertung;
weitere Erfordernisse
Zusammensetzung;
Art der Herstellung
besondere
Bestimmungen
1
2
3
4
5
6
Organischer
NPK - Dünger
- flüssig
0,5 % N
0,3 % P
2
O
5
0,5 % K
2
O
insgesamt
2 %
Gesamtstickstoff
Gesamtphosphat
Gesamtkalium
Stickstoff bewertet als
Gesamtstickstoff
Phosphat bewertet als
Gesamt-P
2
O
5
Kali bewertet als
Gesamt-K
2
O
Gehalt an Trockenrück-
stand höchstens 10 %
a)
Klärschlamm im Sinne der Klär-
schlammverordnung
b)
Kartoffelfruchtwasser
c)
Bioabfall aus getrennter Sammlung
aus privaten Haushaltungen
d)
pflanzliche Abfälle aus der Lebens-
oder Futtermittelindustrie, Handel
oder Gewerbe
e)
Produktionsabwässer aus Zucker-
fabriken, Molkereien und obst-,
gemüse- oder kartoffelverarbeiten-
den Betrieben
f)
organische Düngemittel nach
Abschnitt 3 der DüMV
g)
Wirtschaftsdünger
Aufbereiten von Stoffen nach den
Buchstaben a bis e,
Zugabe von Stoffen nach den Buch-
staben f u. g,
auch Mischen untereinander, jedoch
Stoffe nach Buchstabe a nur mit
Stoffen nach den Buchstaben f und g
Für Stoffe nach Spalte 5:
Buchstabe a:
aerob oder anaerob behandelt,
stabilisiert
Buchstabe c:
Verwendung nur nach anaerober
Behandlung
Buchstabe f:
der Typ des Düngemittels ist
anzugeben
Buchstabe g:
die Art des Wirtschaftsdüngers
(Tierart) ist anzugeben

11
2.1.1.3 Einordnung von Abfällen nach dem Abfall- und Düngemittelrecht
Die Aufstellung der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle
nach der Bioabfallverordnung ist mit der Liste der Ausgangsstoffe für die zugelassenen
Sekundärrohstoffdünger nach der Düngemittelverordnung nicht deckungsgleich. Das bedeu-
tet, dass nicht alle im Anhang 1 Nr. 1 aufgeführten Bioabfälle auch zugleich als Ausgangs-
stoffe für Sekundärrohstoffdünger gemäß Anlage 1 Abschnitt 3a Spalte 5 DüMV zugelassen
sind.
Die Tabelle 2.2 enthält die Einordnung von Abfällen aus Abwasserbehandlungsanlagen in das
Düngemittelrecht sowie die Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigne-
ten Bioabfälle nach BioAbfV und deren Einordnung als Ausgangsstoffe zur Herstellung eines
Düngemittels nach der DüMV.
Bioabfälle oder Gemische mit Bioabfällen können
ohne
düngemittelrechtliche Zulassung
unter den folgenden Voraussetzungen auf Flächen verwertet:
Nährstoffarme Materialien können als Bodenhilfsstoff, Kultursubstrat oder Pflanzenhilfs-
stoff unter den Voraussetzungen des § 1 Abs. 3 Satz 2 DüMV gewerbsmäßig in Verkehr
gebracht werden. Die Kennzeichnungsvorgaben nach der DüMV sind zu beachten.
Die Aufbringung von Sekundärrohstoffdüngern, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten oder
Pflanzenhilfsstoffen erfolgt auf
eigenen Flächen
, so dass der Sachverhalt des "gewerbs-
mäßigen Inverkehrbringens" gemäß Düngemittelrecht nicht gegeben ist.
Anforderungen an Bioabfälle, die nicht im Anhang 1 Nr. 1 genannt sind
(§ 6 Abs. 2 BioAbfV)
Bioabfälle, die nicht im Anhang 1 Nr. 1 der BioAbfV aufgeführt sind, und Gemische, die
andere als in Anhang 1 Nr. 1 genannte Bioabfälle enthalten, können nur aufgebracht werden,
wenn sowohl abfallrechtliche als auch düngemittelrechtliche Aspekte beachtet werden und die
zuständige Behörde im Einvernehmen mit der landwirtschaftlichen Fachbehörde zustimmt.
Für eine Verwertung sollen nur solche Bioabfälle zugelassen werden, deren Verwertung einen
Nutzen für die Pflanzen oder für den Boden darstellt.
Bei der Zulassung anderer Bioabfälle wird der Antragsteller darauf hingewiesen, dass soweit
ein gewerbsmäßiges Inverkehrbringen als Sekundärrohstoffdünger beabsichtigt ist, diese
anderen Bioabfälle gleichzeitig für die Herstellung eines Düngemitteltyps nach Anlage 1
Abschnitt 3a Spalte 5 der DüMV zugelassen sein müssen.

12
Tabelle 2.2
Einordnung von Abfällen nach dem Abfallrecht in das
Düngemittelrecht
Abfallrecht
Hinweise/Bemerkungen/Vorschriften
Düngemittelrecht
EAK-Schlüssel und
Bezeichnung
allgemein
Düngerart
Abfallart/E
AK-Nr.
Abfall-
stoff
Abfallrecht
Düngemittelrecht Ausgangs-
stoffe
Düngemitteltyp
Klärschlammverordnung (AbfKlärV)
Düngemittelver-
ordnung Anlage 1
Abschnitt 3a
"Sekundärroh-
stoffdünger"
(19 08 00) Abfälle aus Abwasserbehandlungsanlagen
Schlämme
aus der
Behandlung
von
kommu-
nalem
Abwasser
(19 08 05)
Klär-
schlamm
Klärschlamm,
Klärschlamm-
komposte und
Mischungen aus
Klärschlamm
mit anderen
Stoffen, keine
Mischungen von
Klärschlämmen
aus verschiedenen
Kläranlagen
aerob oder anaerob
behandelte,
stabilisiert oder je
nach Dünge-
mitteltyp auch
entwässert
(DüMV
Abschn. 3a
Spalte 6)
Klär-
schlamm
im Sinne
der
AbfKlärV
- org. NP-Dü
- org. NP-Dü.fl.
- org. NPK-Dü.
- org. NPK-Dü.fl.
- org./min.
NPK-Dü.

13
Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als Ausgangsstoffe zur
Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung
gemäß EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare
Abfallarten nach
Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbereich ist
bedarfsweise jeweils am Anfang
in Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
Abfälle aus
Pflanzengeweben
(02 01 03)
-
Spelze, Spelzen- u.
Getreidestaub
-
Futtermittelabfälle
pflanzliche Abfälle aus der
Lebens- oder Futtermittel-
industrie, Handel oder
Gewerbe
Materialien dürfen, auch als
Bestandteil eines Gemisches, auf
Dauergrün-landflächen aufgebracht
werden
-
org. NP- u. NPK-Dü.
-
org. NPK-Dü. flüssig
-
org.-min. NPK-Dü.
Tierfäkalien, Urin und
Mist (einschl. verdorbenes
Stroh), Abwässer, getrennt
gesammelt und extern
behandelt (02 01 06)
-
Geflügelkot
- Schweine- und
Rindergülle
-
Mist
-
Altstroh
im Einzelfall zu prüfen: ggf.
Wirtschaftsdünger, tierische
Ausscheidungen aus nicht
landwirtschaftlicher Tier-
haltung
(Zoo, Zirkus, Wurmhumus);
Tierart ist bei der Deklaration
anzugeben
Unterliegen den Bestimmungen
dieser Verordnung nur dann, wenn
es sich nicht um Wirtschaftsdünger
gemäß Düngemittelrecht handelt.
Infektiöser Mist (LAGA-
Abfallschlüssel 137 05) ist generell
von der Verwertung
ausgeschlossen. Materialien
dürfen, auch als Bestandteil eines
Gemisches, auf Dauergrün-
landflächen aufgebracht werden.
-
org. NPK-Dü.
-
org.-min. NPK-Dü.

14
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung
gemäß EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare
Abfallarten nach
Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbereich ist
bedarfsweise jeweils am Anfang
in Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
Abfälle aus der
Forstwirtschaft
(02 01 07)
-
Rinden
- Holz, Holzreste
naturbelassene Holz- oder
Rinden
Naturbelassene Rinden und
unvermischte Weiterver-
arbeitungsprodukte aus Rinden
sind nach § 10 von den Behand-
lungs- und Untersuchungspflichten
(§§ 3 und 4) ausgenommen.
Naturbelassene Rinde,
naturbelassenes Holz oder
naturbelassene Holzreste dürfen
nach entsprechender Zerkleinerung
im Rahmen einer Kompostierung
auch solchen Bioabfällen als
Zuschlagstoffe zugegeben werden,
die auf Dauergrünlandflächen
aufgebracht werden.
-
org. PK- u. NPK-Dü.
-
org.-min. PK- u.
NPK-Dü.
Abfälle aus Tiergewebe
(02 02 02)
-
Borsten- und
Hornabfälle
Borsten- und Hornabfälle
Einschl. Rinderhaaren aus
haarerhaltendem Äscherprozess.
Verwertung nur, soweit
Bestimmungen des
Tierkörperbeseitigungs- oder
Tierseuchengesetzes dem nicht
entgegenstehen.
-
org. N-Dü.

15
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung gemäß
EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare Abfallarten
nach Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbe-
reich ist bedarfsweise
jeweils am Anfang in
Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
für Verzehr oder
Verarbeitung ungeeignete
Stoffe (02 02 03)
-
Fettabfälle
nur
Fettabfälle aus der Fisch-
verarbeitung
(Fleisch-, Fischver-
arbeitung)
Verwertung nur, soweit
Bestimmungen des Tier-
körperbeseitigungs- oder
Tierseuchengesetzes dem
nicht entgegenstehen.
Fettabfälle dürfen nur in
Anlagen zur anaeroben
Behandlung eingesetzt
werden. Materialien dürfen,
auch als Bestandteil eines
Gemisches, nur dann auf
Dauergrünland aufgebracht
werden, wenn sie zuvor
einer Pasteurisierung
(70 °C; mindestens 1 h)
unterzogen wurden.
-
org.-min. NPK-Dü.

16
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung gemäß
EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare Abfallarten
nach Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbe-
reich ist bedarfsweise
jeweils am Anfang in
Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
Schlämme aus der betriebs-
eigenen Abwasserbehandlung
(02 02 04)
-
Inhalt von
Fettabscheidern und
Flotate
nur
pflanzliche Fette und
Fette aus der Fisch-
verarbeitung
(Fleisch-, Fischver-
arbeitung)
Beispielhafte Herkünfte:
Schlachtereien und
Fleischverarbeitung; unver-
mischt mit sonstigen Ab-
wässern. Verwertung nur,
soweit Bestimmungen des
Tierkörperbeseitigungs-
oder Tierseuchengesetzes
dem nicht entgegenstehen.
Inhalte von Fettabscheidern
und Flotate dürfen nur in
Anlagen zur anaeroben
Behandlung eingesetzt
werden. Materialien dürfen
auch als Bestandteil eines
Gemisches nur dann auf
Dauergrünland aufgebracht
werden, wenn sie zuvor
einer Pasteurisierung
(70 °C; mindestens 1 h)
unterzogen wurden.
-
org.-min. NPK-Dü.

17
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung gemäß
EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare Abfallarten
nach Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbe-
reich ist bedarfsweise
jeweils am Anfang in
Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
Abfälle a. n. g.
(02 02 99)
-
Schlämme aus der
Gelatineherstellung
-
Gelatinestanzabfälle
-
Federn
-
Magen- u.
Darminhalte
-
Schlamm aus der
Gelatineproduktion
-
Pressrückstände aus der
Gelatineproduktion
-
Feder- und
Federmehlabfälle
-
nur
Panseninhalte
Verwertung nur, soweit
Bestimmungen des
Tierkörperbeseitigungs-
oder Tierseuchengesetzes
dem nicht entgegenstehen;
Schlämme nur dann, wenn
nicht mit Abwasser oder
Schlämmen aus anderen
Herkünften vermischt.
-
org. NPK-Dü. flüssig
-
org.-min. P -Dü.
-
org. N- Dü.
-
org. NPK-Dü.
Schlämme aus der Wäsche,
Reinigung, Schälen, Zentri-
fugieren und Abtrennen
(02 03 01)
- sonstige schlamm-
förmige Nahrungs-
mittelabfälle
-
Stärkeschlamm
-
pflanzliche Abfälle aus
der Lebens- oder Futter-
mittelindustrie, Handel
oder Gewerbe
-
Produktionsabwässer aus
Zuckerfabriken,
Molkereien und obst-,
gemüse- oder kartoffel-
verarbeitenden Betrieben
(Nahrungsmittelverar-
beitung)
Verwertung nur, soweit
nicht mit Abwasser oder
Schlämmen aus anderen
Herkünften vermischt.
Materialien dürfen, auch als
Bestandteil eines
Gemisches, auf Dauer-
grünlandflächen aufge-
bracht werden.
-
org. NP- u. NPK-Dü.
-
org. NPK-Dü flüssig
-
org.-min. NPK-Dü.

18
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung gemäß
EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare Abfallarten
nach Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbe-
reich ist bedarfsweise
jeweils am Anfang in
Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
für Verzehr oder Verarbei-
tung ungeeignete Abfälle
(02 03 04)
-
überlagerte Nahrungs-
mittel
-
Rückstände aus Kon-
servenfabrikation
- überlagerte Genuss-
mittel
-
Tabakstaub, -gras,
-rippen, -schlamm
-
Zigarettenfehl-
chargen
-
Fabrikationsrück-
stände von Kaffee,
Tee und Kakao
-
Ölsaatenrückstände
-
pflanzliche Abfälle aus
der Lebens- oder Futter-
mittelindustrie, Handel
oder Gewerbe (ohne
Tabak, da kein Lebens-
mittel)
a)
(Nahrungsmittelverar-
beitung)
Verwertung nur, soweit
Bestimmungen des Tier-
körperbeseitigungs- oder
Tierseuchengesetzes dem
nicht entgegenstehen.
-
org. NP- u. NPK-Dü.
-
org. NPK-Dü flüssig
-
org.-min. NPK-Dü.
a)
Eine Verwertung von Zigarettenfehlchargen ist nur zulässig, wenn sie ohne Verpackung und ohne Filter sind.

19
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung gemäß
EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare Abfallarten
nach Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbe-
reich ist bedarfsweise
jeweils am Anfang in
Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
Abfälle a. n. g.
(02 03 99)
-
Schlamm aus der
Speisefettfabrikation
-
Schlamm aus der
Speiseölfabrikation
-
Bleicherde, entölt
-
Würzmittelrückstände
-
Melasserückstände
-
Rückstände aus der
Kartoffel-, Mais- oder
Reisstärkeherstellung
-
nur pflanzlicher Herkunft
-
nur pflanzlicher Herkunft
-
kein Ausgangsstoff
-
pflanzliche Abfälle aus
der Lebens- oder Futter-
mittelindustrie, Handel
oder Gewerbe
-
Kartoffelfruchtwasser
(Nahrungsmittelher-
stellung)
Schlamm aus der
Speisefettfabrikation und
der Speiseölfabrikation,
Melasserückstände sowie
Rückstände aus der
Kartoffel-, Mais- oder
Reisstärkeherstellung
dürfen, auch als Bestandteil
eines Gemisches, auf
Dauergrünlandflächen
aufgebracht werden.
Schlämme aus der Speise-
fett- und Speiseölfabri-
kation sollen nur in
Anlagen zur anaeroben
Behandlung eingesetzt
werden.
-
org. NP- u. NPK-Dü.
-
org. NPK-Dü flüssig
-
org.-min. NPK-Dü.

20
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung gemäß
EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare Abfallarten
nach Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbe-
reich ist bedarfsweise
jeweils am Anfang in
Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
für Verzehr oder
Verarbeitung ungeeignete
Stoffe (02 05 01)
-
überlagerte
Lebensmittel
kein Ausgangsstoff
(Milchverarbeitung)
Verwertung nur, soweit
Bestimmungen des
Tierkörperbeseitigungs-
oder Tierseuchengesetzes
dem nicht entgegenstehen.
Materialien dürfen, auch als
Bestandteil eines
Gemisches, auf Dauergrün-
landflächen aufgebracht
werden.
-
Abfälle a. n. g. (02 05 99)
-
Molke
kein Ausgangsstoff
(Abfälle aus der Milchver-
arbeitung)
Verwertung nur, soweit
Bestimmungen des
Tierkörperbeseitigungs-
oder Tierseuchengesetzes
dem nicht entgegenstehen.
Materialien dürfen, auch als
Bestandteil eines
Gemisches, auf Dauergrün-
landflächen aufgebracht
werden.
-

21
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung gemäß
EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare Abfallarten
nach Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbe-
reich ist bedarfsweise
jeweils am Anfang in
Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
für Verzehr oder
Verarbeitung ungeeignete
Stoffe (02 06 01)
-
überlagerte
Lebensmittel
-
Teigabfälle
im Einzelfall prüfen:
ggf.
pflanzliche Abfälle aus
der Lebens- oder Futtermittel-
industrie, Handel oder
Gewerbe
(Back- und Süßwaren-
herstellung)
Verwertung nur, soweit
Bestimmungen des Tierkör-
perbeseitigungs- oder
Tierseuchengesetzes dem
nicht entgegenstehen.
-
org. NP- u. NPK-Dü.
-
org. NPK-Dü flüssig
-
org.-min. NPK-Dü.
Abfälle aus der Wäsche,
Reinigung von mechani-
schen Zerkleinerungen des
Rohmaterials (02 07 01)
-
Verbrauchte Filter-
und Aufsaugmassen
(Kieselgur),
Aktiverden,
Aktivkohle
Filtrationsrückstand aus
Brauereien
(Herstellung von alkoholi-
schen und alkoholfreien
Getränken)
Kieselgure dürfen nicht in
getrocknetem Zustand auf-
gebracht werden. Sie sind
unmittelbar nach der
Aufbringung in den Boden
einzuarbeiten.
-
org. N-Dü.
-
org.-min. N-Dü
Abfälle aus der Destillation
von Spirituosen (02 07 02)
-
Obst-, Getreide- und
Kartoffelschlempen
-
Schlamm aus
Brennerei (Alkohol-
brennerei)
pflanzliche Abfälle aus der
Lebens- oder Futtermittel-
industrie, Handel oder
Gewerbe
Materialien dürfen, auch als
Bestandteil eines
Gemisches, auf Dauergrün-
landflächen aufgebracht
werden.
-
org. NP- u. NPK-Dü.
-
org. NPK-Dü flüssig
-
org.-min. NPK-Dü.

22
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung gemäß
EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare
Abfallarten nach
Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbereich
ist bedarfsweise jeweils am
Anfang in Klammern
angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
für Verzehr oder
Verarbeitung ungeeignete
Stoffe (02 07 04)
pflanzliche Abfälle aus der
Lebens- oder Futtermittel-
industrie, Handel oder
Gewerbe
(Getränkeherstellung)
z. B. überlagerter Fruchtsaft.
Materialien dürfen, auch als
Bestandteil eines Gemisches,
auf Dauergrünlandflächen
aufgebracht werden.
-
org. NP- u. NPK-Dü.
-
org. NPK-Dü. flüssig
-
org.-min. NPK-Dü.
Schlämme aus der betriebs-
eigenen Abwasserbehandlung
(02 03 05, 02 04 03,
02 05 02, 02 06 03, 02 07 05)
je nach Stoffherkunft:
-
pflanzliche Abfälle aus
der Lebens- oder Futter-
mittelindustrie, Handel
oder Gewerbe
-
Produktionsabwasser aus
Zuckerfabriken,
Molkereien und obst-,
gemüse- oder kartoffel-
verarbeitenden Betrieben
(Nahrungs- und Genuss-
mittelherstellung)
Verwertung nur dann, wenn
keine Vermischung mit
Abwässern oder Schlämmen
außerhalb der spezifischen
Produktion erfolgt und soweit
Bestimmungen des
Tierkörperbeseitigungs- oder
Tierseuchengesetzes dem nicht
entgegenstehen. Materialien
dürfen, auch als Bestandteil
eines Gemisches, auf
Dauergrünlandflächen
aufgebracht werden.
-
org. NPK-Dü. flüssig

23
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung gemäß
EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare Abfallarten
nach Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbe-
reich ist bedarfsweise
jeweils am Anfang in
Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
Abfälle a. n. g. (02 07 99)
-
Malztreber,
Malzkeime, Malzstaub
-
Hopfentreber
-
Trub und Schlamm
aus Brauereien
-
Schlamm aus Wein-
bereitung
-
Trester und Weintrub
- Hefe und hefeähnliche
Rückstände
pflanzliche Abfälle aus der
Lebens- oder Futtermittel-
industrie, Handel oder
Gewerbe
(Herstellung von
alkoholischen und nicht
alkoholischen Getränken)
Mit Ausnahme von Trester
dürfen Materialien, auch als
Bestandteil eines
Gemisches, auf Dauergrün-
landflächen aufgebracht
werden.
-
org. NP- u. NPK-Dü.
-
org. NPK-Dü. flüssig
-
org.-min. NPK-Dü

24
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung gemäß
EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare
Abfallarten nach
Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbereich
ist bedarfsweise jeweils am
Anfang in Klammern
angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
Rinden- und Korkabfälle
(03 01 01, 03 03 01)
- Rinden
naturbelassene Holz- und
Rindenabfälle
(Holzbe- und -verarbeitung)
Getrennt erfasste Rinden, außer
Rinden von Bäumen und
Sträuchern von Straßenrändern,
sind nach § 10 von den
Behandlungs- und
Untersuchungspflichten (§§ 3
und 4) ausgenommen.
Rinden von Bäumen und
Sträuchern von Straßenrändern
dürfen nur dann einer
Verwertung zugeführt werden,
wenn durch Untersuchungen
festgestellt worden ist, dass die
in der Verordnung genannten
Schwermetallgehalte nicht
überschritten werden.
Naturbelassene, unbehandelte
Materialien dürfen, auch als
Bestandteil eines Gemisches,
auf Dauergrünlandflächen
aufgebracht werden.
-
org. PK- u. NPK-Dü.
-
org.-min. PK
-
org.-min. NPK-Dü.

25
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung
gemäß EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare
Abfallarten nach
Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbereich
ist bedarfsweise jeweils am
Anfang in Klammern
angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
Sägemehl (03 01 02)
-
Sägemehl und
Sägespäne
naturbelassene Holz- und
Rindenabfälle
(Holzbe- und -verarbeitung,
Zellstoff- und
Möbelherstellung)
Sägemehl und Sägespäne aus
naturbelassenem,
unbehandeltem Holz aus dem
Bereich der Holzverarbeitung
dürfen solchen Bioabfällen im
Rahmen der Kompostierung
zugegeben werden, die auf
Dauergrünlandflächen
aufgebracht werden.
-
org. PK- u. NPK-Dü.
-
org.-min. PK -Dü.
-
org.-min. NPK-Dü.
Späne, Abschnitte,
Verschnitt von Holz,
Spanplatten und Furnieren
(03 01 03)
-
Sägemehl und
Sägespäne
-
Holzwolle
naturbelassene Holz- und
Rindenabfälle
(Holzbe- und -verarbeitung,
Zellstoff- und
Möbelherstellung)
Sägemehl, Sägespäne und
Holzwolle nur aus
unbehandeltem Holz
-
org. PK- u. NPK-Dü,
-
org.-min. PK -Dü.
-
org.-min. NPK-Dü.
Abfälle aus unbehandelten
Textilfasern und anderen
Naturfasern, vorwiegend
pflanzlichen Ursprungs
(04 02 01)
-
Zellulosefaser-
abfälle
-
Pflanzenfaser-
abfälle
kein Ausgangsstoff
(Textilindustrie)
-

26
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung gemäß
EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare
Abfallarten nach
Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbereich ist
bedarfsweise jeweils am Anfang
in Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
Abfälle aus unbehandelten
Textilfasern, vorwiegend
tierischen Ursprungs
(04 02 02)
-
Wollabfälle
Wollstaubrückstände aus
Wollkämmereien
Wollstaub, Wollkurzfasern
Verwertung nur, soweit
Bestimmungen des
Tierseuchengesetzes dem nicht
entgegenstehen.
-
org. N-, NP- u.
NPK-Dü
-
org.-min. N- Dü.
-
org.-min. NPK-Dü.
Abfälle a. n. g. (07 05 99)
-
Trester von
Heilpflanzen
-
Pilzmyzel
-
Pilzsubstratrück-
stände
kein Ausgangsstoff
Pilzmyzel aus Arznei-
mittelherstellung ist nur nach
Einzelfallprüfung verwertbar und
wenn keine Arzneimittelreste
enthalten sind.
-
feste Abfälle aus der
Erstfiltration und Siebgut
(19 09 01)
-
Abfisch
-, Mäh-
und
Rechengut
-
Proteinabfälle
-
Mähgut:
pflanzliche
Abfälle aus der Garten-
und Landschaftspflege
-
Proteinabfälle
: kein
Ausgangsstoff
(Trinkwasserzubereitung,
Gewässerunterhaltung)
Für Verwertung ist nur Mähgut
geeignet.
Papier und Pappe
(20 01 01)
-
Altpapier
-
kein Ausgangsstoff
Nur Zugabe in kleinen Mengen
(ca. 10 %) zu getrennt erfassten
Bioabfällen oder zur
Kompostierung zulässig. Zugabe
von Hochglanzpapier und von
Papier aus Alttapeten zu getrennt
erfassten Bioabfällen oder zur
Behandlung ist nicht zulässig.
-

27
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung gemäß
EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare Abfallarten
nach Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbe-
reich ist bedarfsweise
jeweils am Anfang in
Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
organische, kompostierbare
Küchenabfälle, getrennt
eingesammelte Fraktionen
(20 01 08)
-
Küchen- und
Kantinenabfälle
-
tierischer Herkunft:
kein Ausgangsstoff
- pflanzlicher Herkunft:
pflanzliche Abfälle aus
der Lebens- oder Futter-
mittelindustrie, Handel
oder Gewerbe
Bei Kantinen- und
Großküchenabfällen kann
eine Verwertung gemäß
den Bestimmungen dieser
Verordnung nur erfolgen,
sofern Bestimmung des
Tierkörperbeseitigungsge-
setzes dem nicht entgegen-
stehen. Materialien dürfen,
auch als Bestandteil eines
Gemisches, nur dann auf
Dauergrünland aufge-
bracht werden, wenn sie
zuvor einer Pasteurisierung
(70 °C; mindestens 1 h)
unterzogen wurden.
-
org. NP- u. NPK-Dü.
-
org. NPK-Dü flüssig
-
org.-min. NPK-Dü.

28
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung
gemäß EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare
Abfallarten nach
Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbereich ist
bedarfsweise jeweils am Anfang
in Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
Kompostierbare Abfälle
(20 02 01)
-
Garten- und
Parkabfälle,
Gehölzrodungs-
rückstände,
-
pflanzliche
Bestandteile des
Treibsels
-
pflanzliche Abfälle aus
der Garten- und Land-
schaftspflege
- pflanzliche Bestandteile
des Treibsels
Getrennt erfasste Materialien, mit
Ausnahme von Grün- und
Strauchschnitt von Straßen-
rändern (Straßenbegleitgrün) oder
von Industriestandorten, sind
nach § 10 von den Behandlungs-
und Untersuchungspflichten (§§ 3
und 4) ausgenommen.
Grün- und Strauchschnitt von
Straßenrändern oder von
Industriestandorten sowie
pflanzliche Bestandteile des
Treibsels dürfen nur dann einer
Verwertung zugeführt werden,
wenn durch Untersuchungen
festgestellt worden ist, dass die in
der Verordnung genannten
Schwermetallgehalte nicht
überschritten werden. Materialien
dürfen, auch als Bestandteil eines
Gemisches, auf Dauergrün-
landflächen aufgebracht werden.
-
org. NPK-Dü.
-
org.-min. NPK-Dü.
-
org. NPK-Dü.
-
org.-min. NPK-Dü.

29
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung
gemäß EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare
Abfallarten nach
Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbereich ist
bedarfsweise jeweils am Anfang
in Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
Gemischte
Siedlungsabfälle
(20 03 01)
-
Hausmüll
(getrennt erfasste
Bioabfälle)
Bioabfall aus getrennter
Sammlung aus privaten
Haushaltungen
(nicht aus Kleingewerbe)
(Siedlungsabfälle)
Insbesondere getrennt erfasste
Bioabfälle privater Haushalte und
des Kleingewerbes.
-
org. NPK-Dü.
-
org.-min. NPK-Dü.
-
org. NPK-Dü.-flüssig
Marktabfälle
(20 03 02)
-
Marktabfälle
pflanzliche Abfälle aus der
Lebens- oder Futtermittel-
industrie, Handel oder
Gewerbe
(
nur
pflanzliche Markt-
abfälle)
Für Verwertung ist nur getrennt
erfasste, biologisch abbaubare
Fraktion geeignet. Verwertung
nur, soweit Bestimmungen des
Tierkörperbeseitigungs- oder
Tierseuchengesetzes dem nicht
entgegenstehen. Getrennt erfasste
Materialien pflanzlicher Herkunft
dürfen, auch als Bestandteil eines
Gemisches, auf
Dauergrünlandflächen
aufgebracht werden.
-
org. NP- u. NPK-Dü.
-
org. NPK-Dü. flüssig
-
org.-min. NPK-Dü.
*
-
Moorschlamm
und Heilerde
kein Ausgangsstoff,
soweit
nicht mineralisches Dünge-
mittel nach den Abschnitten 1
und 2 der Anlage 1 DüMV
Materialien dürfen, auch als
Bestandteil eines Gemisches, auf
Dauergrünlandflächen
aufgebracht werden.
-

30
Fortsetzung Tabelle 2.3
Liste der für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfälle und deren Einordnung als
Ausgangsstoffe zur Herstellung eines Düngemittels nach der Düngemittelverordnung
Abfallbezeichnung gemäß
EAK-Verordnung
(in Klammern: Abfall-
schlüssel)
Verwertbare Abfallarten
nach Anhang 1 der
BioAbfV
Ergänzende Hinweise:
Ausgangsstoff nach Spalte 5
(Sekundärrohstoffdünger)
der Anlage 1 Abschnitt 3a
DüMV
Ergänzende Hinweise
(Der Abfallherkunftsbe-
reich ist bedarfsweise
jeweils am Anfang in
Klammern angegeben)
Zuordenbar zum
Düngemitteltyp
*
-
biologisch abbaubare
Produkte aus nach-
wachsenden Roh-
stoffen sowie Abfälle
aus deren Be- und
Verarbeitung
kein Ausgangsstoff
b)
Abbaubarkeit muss
aufgrund der Vorgaben
einer technischen Norm
nachgewiesen werden.
-
*
-
Eierschalen
kein Ausgangsstoff,
derzeit
besteht für Eierschalen aus
Eiaufschlagbetrieben eine
Zulassung als
"Rückstandkalk"
Verwertung nur, soweit
Bestimmungen des Tier-
körperbeseitigungs- oder
Tierseuchengesetzes dem
nicht entgegenstehen.
-
b)
Monochargen sind nicht als Ausgangsstoff für ein Düngemittel zugelassen; im Rahmen der "Biotonne" können sie Ausgangsstoff sein.

31
2.1.1.4 Auswirkungen des Abfall- und Düngemittelrechts auf den Betrieb der Ver-
gärungsanlagen
Die praktische Umsetzung der unter Kapitel 2.1.1.1 und 2.1.1.2 dargestellten Vorgaben wird
an Beispielen der landwirtschaftlichen Verwertung von Gärrückständen erläutert.
Beispiel 1:
Ausgangsstoff für die Vergärung ist Wirtschaftsdünger
(Gülle, Hühnerkot, Stallmist, Stroh u. ä. Nebenerzeugnisse aus der
landwirtschaftlichen Produktion, z. B. Futterreste, Silomais)
a) Die Anlage wird von einem Landwirt betrieben, der die Gärrückstände ausschließ-
lich auf die eigenen Flächen aufbringt.
Ergebnis:
Es handelt sich auch nach der anaeroben Vergärung um Wirtschafts-
dünger; das KrW/AbfG gilt dann nicht, wenn die Anwendung im
Rahmen der guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft erfolgt.
Die Vorgaben der Düngeverordnung sind zu beachten (Sperrfrist,
Nährstofffracht u. a.).
b) Der Landwirt oder ein anderer Betrieb gibt die Gärrückstände ( = Wirtschafts-
dünger) oder einen Teil davon an andere zum eigenen Verbrauch ab.
Ergebnis:
Zusätzlich zu den unter a) aufgeführten Folgerungen gilt, dass der Wirt-
schaftsdünger nur in den Verkehr gebracht, d. h. abgegeben werden
darf, wenn er hygienisch unbedenklich ist. Eine Zulassung als
Düngemitteltyp ist nicht erforderlich. Nach § 4 der Düngemittelver-
ordnung sind jedoch Kennzeichnungsvorgaben zu beachten.
Beispiel 2:
Ausgangsstoffe für die Vergärung sind neben Wirtschaftsdünger
Stoffe, deren Beseitigung nach dem Tierkörperbeseitigungsgesetz
vorgeschrieben ist, z. B.: Speisereste, Schlachthofabfälle, Fette
(siehe Abgrenzung KrW/AbfG)
a) Verwertung auf betriebseigenen Flächen des Anlagenbetreibers
Ergebnis:
Diese Stoffe unterliegen keinen abfallrechtlichen Vorschriften (§ 2 Abs.
2 Nr. 1 KrW-/AbfG). Es handelt sich nach der anaeroben Vergärung um
einen Sekundärrohstoffdünger. Die Vorschriften der Düngeverordnung
sind zu beachten (Sperrfrist, Nährstofffracht u. a.).
b) Verwertung auf betriebsfremden Flächen, d.h. Inverkehrbringen derGärrückstände
Ergebnis:
Die Gärrückstände müssen einem zugelassenen Düngemitteltyp nach
der Düngemittelverordnung entsprechen. Es besteht eine Kennzeich-
nungspflicht nach der Düngemittelverordnung. Die Vorgaben der
Düngeverordnung sind zu beachten (Sperrfrist, Nährstofffracht u. a.).

32
Erläuterung:
Zulässigkeit von Speiseabfällen - Abgrenzung zum Tierkörperbeseitigungsgesetz
Da nach der Definition der Verordnung Bioabfälle nicht nur pflanzlicher, sondern auch
tierischer Herkunft sein können, ist eine Abgrenzung der Geltungsbereiche der Bioabfall-
verordnung (BioAbfV) und des Tierkörperbeseitigungsgesetzes (TierKBG) für Bioabfälle
erforderlich.
Soweit Bioabfälle dem TierKBG unterliegen, sind sie keine für eine Verwertung auf Flächen
grundsätzlich geeigneten Bioabfälle im Sinne des Anhangs der BioAbfV und sind somit von
dem Geltungsbereich dieser Verordnung ausgenommen. Das gilt in der Regel auch für
Tierkörperteile und -erzeugnisse, die in Gaststätten und Einrichtungen zur Gemeinschafts-
verpflegung anfallen.
Ausgenommen vom TierKBG sind Tierkörperteile und -erzeugnisse nur dann, wenn sie in
Gaststätten und Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung oder in privaten Haushalten
nur in geringen Mengen anfallen (§ 6 Abs. 2 Nr. 3, § 7 Abs. 2 TierKBG).
Der Begriff "geringe Menge" wurde auf der Sitzung der Länderreferenten für Tierseuchen-
recht am 08./09.10.96 wie folgt definiert:
"Eine geringe Menge im Sinne des § 6 Abs. 2 Nr. 3 oder § 7 Abs. 2 TierKBG ist dann nicht
mehr gegeben, wenn die Menge an Tierkörperteilen/-erzeugnissen (Speiseabfällen) die in
einem Vier-Personenhaushalt anfallende Menge überschreitet. Hiervon ist in jedem Fall bei
Gaststätten mit einer Konzession als Speisegaststätte oder bei Einrichtungen zur Gemein-
schaftsverpflegung auszugehen".
Dies bedeutet, dass Speiseabfälle aus Speisegaststätten und Einrichtungen zur Gemein-
schaftsverpflegung generell den Bestimmungen des TierKBG unterliegen. Es bedeutet ferner,
dass Speiseabfälle aus Privathaushalten dem TierKBG in der Regel nicht unterliegen.
Die Vorschriften des TierKBG stehen einer Verwertung von Speiseabfällen in biologischen
Behandlungsanlagen jedoch nicht immer zwingend entgegen. Hierfür ist aber eine Genehmi-
gung nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 des TierKBG erforderlich.
Die bei einer solchen Behandlung (z. B. Vergärungsanlagen) einzuhaltenden Vorkehrungen
wurden im Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
(Schreiben 331-3642/1 vom 12.06.1995 und vom 14.02.1996) an die für das Veterinärwesen
zuständigen Landesbehörden dokumentiert.

33
Beispiel 3:
Ausgangsstoff für die Vergärung sind neben Wirtschaftsdünger
Schlämme aus Abwasserbehandlungsanlagen oder nur Schlamm
aus einer Kläranlage
a) Verwertung auf betriebseigenen Flächen des Anlagenbetreibers
Ergebnis:
Es handelt sich um Sekundärrohstoffdünger (Klärschlamm), der nach
der AbfKlärV zu verwerten ist. Die Vorgaben der Düngeverordnung
sind zu beachten (Sperrfrist, Nährstofffracht u. a.).
b) Verwertung auf betriebsfremden Flächen, d.h. Inverkehrbringen der Gärrückstände
Ergebnis:
Zusätzlich zu den Folgerungen unter a) muss das Produkt einem zuge-
lassenen Düngemitteltyp entsprechen. Es besteht eine Kennzeich-
nungspflicht nach der Düngemittelverordnung.
Betriebe, die am sächsischen Förderprogramm "Umweltgerechte Landwirtschaft" teilnehmen,
dürfen Klärschlamm nur auf landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzte Flächen aufbringen,
wenn folgende zusätzlichen Anforderungen gegenüber den Vorgaben der AbfKlärV vom
15.04.1992 eingehalten werden:
Innerhalb von 5 Jahren dürfen nicht mehr als 5 Tonnen Klärschlamm-Trockenmasse je
Hektar auf ein und derselben Fläche ausgebracht werden.
Für die Aufbringung von Klärschlamm gelten folgende Schadstoffbegrenzungen (mg/kg
TM Klärschlamm):
Blei
Pb
200
Cadmium
Cd
1,5
Chrom
Cr
200
Kupfer
Cu
200
Nickel
Ni
50
Quecksilber
Hg
2
Zink
Zn
1000
Summe halogenorganischer
Verbindungen
AOX
250
Summe der polychlorierten
Biphenyle
PCB
0,6
polychlorierte Dibenzo-
dioxine/Dibenzofurane
PCDD/PCDF
15 ng TE/kg
1)
1)
Nanogramm Toxizitätsäquivalente je kg Klärschlamm-Trockenmasse

34
Beispiel 4:
Ausgangsstoff für die Vergärung sind neben Wirtschaftsdünger
Stoffe, die als Bioabfall dem KrW/AbfG unterliegen oder nur
Bioabfälle
a) Verwertung auf betriebseigenen Flächen des Anlagenbetreibers
Ergebnis:
Es handelt sich um einen Sekundärrohstoffdünger (Bioabfall), der nach
der BioAbfV zu verwerten ist. Die Vorgaben der Düngeverordnung
sind zu beachten (Sperrfrist, Nährstofffracht u. a.).
b) Verwertung auf betriebsfremden Flächen, d.h. Inverkehrbringen der Gärrückstände
Ergebnis:
Zusätzlich zu den Folgerungen nach a) muss das Produkt einem zuge-
lassenen Düngemitteltyp entsprechen. Es besteht eine Kennzeichnungs-
pflicht nach der Düngemittelverordnung.
In der Rinder- und besonders in der Schweinegülle liegen die Schwermetallgehalte (Kupfer
und Zink) häufig über den in der BioAbfV vorgesehenen Höchstgrenzen (100 mg Cu und 400
mg/kg Zn je kg Trockenmasse).
Nach § 4 Abs. 3 Satz 4 der BioAbfV liegt es im Ermessen der zuständigen Behörde (untere
Abfallbehörde), im Einvernehmen mit der zuständigen Fachbehörde (Sächsische Landes-
anstalt für Landwirtschaft) eine Überschreitung einzelner Schwermetalle nach § 4 Abs. 3 Satz
1 zuzulassen, wenn Beeinträchtigungen des Wohls der Allgemeinheit nicht zu erwarten sind.
Voraussetzung für die Zulassung von Ausnahmen nach § 4 Abs. 3 Satz 4 BioAbfV (Erlass des
SMUL vom 20.07.1999) für Betreiber von Biogasanlagen, die Wirtschaftsdünger mit anderen
Bioabfällen kofermentieren, ist, dass
1. in der Trockenmasse des Vergärungsrückstandes lediglich die Gehalte an Kupfer und /
oder Zink nach § 4 Abs. 3 Satz 1 BioAbfV überschritten sind und
2.
davon ausgegangen werden kann, dass bei Beachtung der Grundsätze der guten fach-
lichen Praxis nach Düngeverordnung mit der Ausbringungsmenge an Vergärungsrück-
ständen im Mittel von drei Jahren höchstens 8.000 g Zink und 2.000 g Kupfer je Hektar
zugeführt werden, wobei der 4-fache Wert des Höchstgehaltes an Kupfer und der 3-fache
Wert des Höchstgehaltes an Zink nach § 4 Abs. 3 Satz 1 BioAbfV nicht überschritten sein
darf, oder
3.
eine Verwertung der Vergärungsrückstände auf Flächen erfolgt, die nachweislich durch
Bodenuntersuchungen mit Kupfer bzw. Zink unterversorgt sind. Für die Einordnung und
Bewertung der Bodenuntersuchungsergebnisse sind die Richtwerte der Sächsischen Lan-
desanstalt für Landwirtschaft zu nutzen
[siehe:
Broschüre "Ordnungsgemäßer Einsatz von
Düngern entsprechend der Düngeverordnung" (Anhang 2b), Hrsg. SML, 8/1997].
Nach Prüfung des Vorliegens der Voraussetzungen nach Nr. 2 und Nr. 3 ist eine Stellung-
nahme der landwirtschaftlichen Fachbehörde anzufordern.
Betriebe, die am sächsischen Förderprogramm "Umweltgerechte Landwirtschaft" teilnehmen,
dürfen Bioabfälle nur einmal innerhalb von 5 Jahren auf ein und derselben Fläche auf-
bringen, wobei hinsichtlich Güte und Aufbringungsmenge die Rechtsvorschriften der BioAbfV
einzuhalten sind.
Der Abgeber von Bioabfallkompost muss nachweislich Mitglied einer Gütegemeinschaft sein.

35
2.1.1.5 Zusammenfassung
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die landwirtschaftliche Verwertung anaerob behan-
delter organischer Reststoffe sind seit einiger Zeit im Umbruch. Durch das Kreislaufwirt-
schafts- und Abfallgesetz wurde nicht nur das bis dahin geltende Abfallrecht abgelöst, son-
dern auch das Düngemittelgesetz geändert.
Ein Abfallstoff kann künftig nicht mehr nur auf Grund niedriger Schadstoffgehalte auf land-
wirtschaftliche Flächen "entsorgt" werden (Schadlosigkeitsprinzip), sondern er muss den
Anforderungen für Düngemittel, Bodenhilfsstoffe und Kultursubstrate im Sinne des § 1 des
Düngemittelgesetzes (Nützlichkeitsprinzip) genügen.
2.1.2
Immissionsschutz
Das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG), welches zuletzt durch das Artikelgesetz
vom 27. Juli 2001 geändert wurde, dient dem Zweck, Menschen, Tiere und Pflanzen, den
Boden, das Wasser, die Atmosphäre sowie Kultur- und sonstige Sachgüter vor schädlichen
Umwelteinwirkungen zu schützen und dem Entstehen schädlicher Umwelteinwirkungen
vorzubeugen. Dabei sind bei genehmigungsbedürftigen Anlagen seit dieser Änderung auch
die integrierte Vermeidung und Verminderung schädlicher Umwelteinwirkungen durch
Emissionen in Luft, Wasser und Boden unter Einbeziehung der Abfallwirtschaft zu beachten,
um ein hohes Schutzniveau für die Umwelt insgesamt zu erreichen, einschließlich dem Schutz
und der Vorsorge gegen Gefahren, erheblichen Nachteilen und erheblichen Belästigungen, die
auf andere Weise herbeigeführt werden. Welche Anlagen einer Genehmigung bedürfen, wird
in der gleichfalls durch das Artikelgesetz geänderten 4. Verordnung zum BImSchG
abschließend geregelt.
Die Anforderungen an genehmigungsbedürftige landwirtschaftliche Biogasanlagen ergeben
sich aus § 5 BImSchG. Danach ist u. a. Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen zu
treffen, insbesondere durch Maßnahmen, die dem Stand der Technik entsprechen. Der Stand
der Technik wird in der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) und in der
Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) beschrieben und ist die Grund-
lage für die Genehmigungsfähigkeit von Biogasanlagen. Darüber hinaus sind im Freistaat
Sachsen die Geruchsimmissionsrichtlinie (GIRL) für die Bewertung von Gerüchen sowie spe-
zifische Erlasse zur Emissionsbegrenzung bei der Güllelagerung und bei Blockheizkraft-
werken (BHKW) eingeführt worden. Weitere Empfehlungen sind in den einschlägigen
technischen Normen (DIN, VDI/VDE, DVWG etc.) zu finden. Zu beachten sind auch die ein-
schlägigen Vorschriften der Berufsgenossenschaften.
Nicht genehmigungsbedürftige Biogasanlagen sind nach § 22 BImSchG so zu errichten und
zu betreiben, dass u. a. schädliche Umwelteinwirkungen verhindert werden, die nach dem
Stand der Technik vermeidbar sind. Nach dem Stand der Technik unvermeidbare schädliche
Umwelteinwirkungen sind auf ein Mindestmass zu beschränken.

36
Abbildung 2.2
Immissionsschutzrechtliche Vorschriften
Quelle: Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e.V., Frankfurt a.M., 98
Die
TA Luft
(vom 24.07.2002) behandelt im Wesentlichen Luftschadstoffe wie Stäube,
Aerosole und sonstige Schadgase. Maßnahmen zur Minderung von Geruchsstoffemissionen
werden durch bauliche und betriebliche Anforderungen festgelegt. Eine Aussage zur Erheb-
lichkeit von Geruchsimmissionen enthält die TA Luft nicht. Diese Lücke schließt die Säch-
sische Geruchs-Immissionsrichtlinie. In der TA Luft sind für NH
3
(Ammoniak) Emissions-
grenzwerte festgelegt.
Ammoniak-Immissionsgrenzwerte wurden insbesondere zur Beurteilung von „Intensivtier-
haltungsanlagen“ als Grundlage für nachträgliche Anordnungen nach § 17 BImSchG sowie
für die Beurteilung im Genehmigungsverfahren erlassen. Diese Grenzwerte sind auch für die
Bewertung von Biogasanlagen (insbesondere die Lagerung der vergorenen Gülle) heranzu-
ziehen. Es wurden folgende Konzentrationswerte für Zusatzbelastung bzw. Gesamtbelastung
festgelegt:
-
Empfindliche Ökosysteme: Zusatzbelastung 3 μg/m³
-
Empfindliche Ökosysteme: Gesamtbelastung 10
μg/m³
als Anhaltspunkt nach Nr. 4.8 TA Luft i.V.m. Anhang 1.
Die Grenzwerte der Abgase von Verbrennungsmotoren vgl. Kapitel 4.5.6.1.
Die Vorschriften der
TA Lärm
(26.08.1998) können bei dem Betrieb eines BHKW von
Bedeutung sein.
Welchen Detaillierungsgrad die immissionsschutzrechtlichen Antragsunterlagen für eine ge-
plante Anlage haben, richtet sich nach dem jeweiligen Einzelfall und sollte deshalb im
Interesse einer zügigen Antragsbearbeitung rechtzeitig mit der Genehmigungsbehörde abge-
stimmt werden. Das Genehmigungsverfahren wird im Kapitel 2.2 ausführlich beschrieben.
Gesetze
Verordnung
Allgemeine
Verwaltungsvorschriften
Technische Regeln
BUNDESIMMISSIONSSCHUTZGESETZ
§§ 4 - 21
Genehmigungs-
bedürftige Anlagen
§§ 22 - 25
Nicht genehmigungs-
bedürftige Anlagen
4. BIMSchV
9. BIMSchV
1. BIMSchV
TA Luft
TA Lärm
Verwaltungsvorschrift
des Landes
GIRL

37
2.1.3
Wasser- und Bodenschutz
Der Betrieb von landwirtschaftlichen Biogasanlagen ist immer mit dem Umgang mit wasser-
gefährdenden Stoffen verbunden und kann darüber hinaus, durch seine Lage in Wasserschutz-
gebieten oder durch Einleitungen in Oberflächengewässer, vom allgemeinen Wasserrecht be-
rührt sein. Folgende Gesetze, Verordnungen und Vorschriften müssen Beachtung finden:
Wasserhaushaltsgesetz des Bundes und der Länder (WHG)
Allgemeine Rahmen-Abwasserverwaltungsvorschrift über Mindestanforderungen an das
Einleiten von Abwasser in Gewässer
Verwaltungsvorschriften zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (VWVJGS)
Indirekteinleiterverordnung
Produktionsmedium: Roh- und Biogasgülle
Berücksichtigung von JGS-Anlagen (Jauche - Gülle - Silagesickersaft)
Die Anforderungen an den sorgfältigen Umgang mit Roh- und Biogasgülle leiten sich aus
dem § 1a Abs. 2 des WHG bezüglich der allgemeinen Sorgfaltspflicht sowie § 19g Abs. 2 und
3 über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen ab.
Für den Freistaat Sachsen wurde der Umgang mit Gülle darüber hinaus in der
Sächsischen
Dung- und Silagesickersaftanlagenverordnung – SächsDuSVO
vom 26.02.1999 geregelt.
Diese Verordnung sowie das Sächsische Wassergesetz vom 21.07.1998 sind bei der Ent-
wurfs- und Genehmigungsplanung einer Biogasanlage zu berücksichtigen.
Die auf das Gärsubstrat Gülle bezogenen Anforderungen umfassen insbesondere folgende
Punkte:
(1) Gülleführende Behältersysteme sind nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik
zu planen.
(2) Gülleführende Behältersysteme bedürfen einer prüffähigen Baustatik.
(3) Gülleführende Behälter sind als geschlossene Behälter (nur im Bereich der Schweinehal-
tung), flüssigkeitsdicht mit entsprechender Lecküberwachung auszuführen (nur bei Behäl-
tern > 25 m³). Vor der Inbetriebnahme der Behälter ist eine Dichtigkeitsprüfung durchzu-
führen.
(4) Behälterbeschichtungen gewährleisten einen ausreichenden Korrosionsschutz.
(5) Unter den Fundamenten der gülleführenden Behältersysteme ist ein Planum zu schaffen,
dass mit einer Folie > 0,8 mm abgedeckt und mit einer 20 cm starken Dränschicht aus
Kies überdeckt wird. Die Dränschicht wird mit einem Gefälle von 2 % zu einer das
Fundament umfassenden Ringdränage (
>10 cm) aufgebaut. Die Dränage wird zur Leck-
erkennung mit Kontrollrohren ausgestattet. Die Drainageleitungen haben jeweils ein Ge-
fälle von 2 % zu den Kontrollrohren (
>30 cm) hin.
(6) Schieber gemäß DIN 11 832 zur sicheren Absperrung gegen ein Leerlaufen eines gülle-
führenden Behälters in die Pumpenvorlage (Güllekanal) sind vorzusehen.
Betriebsmittel: Kondensate, Öle und Fette
Berücksichtigung von Anlagen zum Herstellen und Behandeln wassergefährdender Stoffe
sowie zum Verwenden dieser Stoffe (HBV-Anlagen)
Die sichere Ableitung der sauren Kondensate aus dem Biogas und dem Abgas von Verbren-
nungsmotoren bedürfen der Berücksichtigung bei der Planung durch Einsatz von Kondensat-
sammeltöpfen oder durch Einsatz von Neutralisationsanlagen. Dabei besteht grundsätzlich die
Möglichkeit der Rückführung der Kondensate aus dem Biogas in den Gärreaktor.
Die üblicherweise der Wassergefährdungsklasse 2 zuzurechnenden Betriebsöle und Schmier-
fette und das im Fall des Einsatzes von Gemischmotoren (Zündstrahlmotoren) zum Einsatz
kommende Heizöl verlangen eine Lagerung des Roh- und Altöls nach den Anforderungen für
HBV-Anlagen (nach
Verordnung des SMUL über Anlagen zum Umgang mit wasserge-
fährdeten Stoffen
[Sächsische
Anlagenverordnung - VAwS]
vom 18.04.2000).

38
2.1.4
Baurecht
Zum Baurecht gehören
das Bundes-Baugesetz und die Landes-Bauordnungen (BauGB und Sächs.BauO) und
die Brandschutzbestimmungen.
Jedes baurechtliche Verfahren, ob als selbständiges für kleine Biogasanlagen oder als unselb-
ständiges im Rahmen des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens, erfordert
die Erstellung von Bauvorlagen durch einen im jeweiligen Bundesland registrierten
bauvorlageberechtigten Bauingenieur oder Architekten bzw. einen Fachingenieur für Bio-
gasanlagen (ingenieurtechnische Planung).
Zu den baurechtlichen Planungsunterlagen und Prüfgegenständen gehören insbesondere:
die baustatischen Unterlagen (z. B. Fermenterfundamente),
die Einhaltung von baurechtlichen Abstandserlassen,
die Berücksichtigung des baulichen Brandschutzes,
die Gewährleistung eines ausreichenden baulichen Lärmschutzes,
die innerbetrieblichen Verkehrswege und natürlich
die Bauausführung der baulichen Anlagen.
(Hiervon zu unterscheiden sind technische Anlagen wie z. B. Stahlfermenter, Biogasfackeln o. ä.)
2.1.5
Anlagensicherheit
Einer besonderen Aufmerksamkeit unterliegen zurecht alle Fragen der Anlagensicherheit, da
die Erzeugung und die Verwertung von Biogas immer die Möglichkeit der Entstehung eines
explosiven Gasgemisches mit Luft (Sauerstoff) beinhaltet (vgl. Kapitel 4.8.6).
Im Genehmigungsverfahren wird deshalb auf die ausführliche Beschreibung der
Erkennung eines nichtbestimmungsgemäßen Betriebs durch beispielsweise
-
automatisierte Gaswarnanlagen,
- Überdruck- und Unterdrucksicherungen,
- Überfüll- und Leckwarnanlagen u. ä. sowie
Gewährleistung darauf bezogener Alarm- und Sicherheitsregeln,
- Brandschutzplan gemäß DIN,
-
Alarmplan,
- steuer- und regeltechnische Ausstattung der Anlage sowie die
Bauausführung von elektrischen Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen großer Wert
gelegt.
Zu den diesem Bereich zuzurechnenden wichtigen Vorsorgemaßnahmen gehören im Rahmen
der Errichtung der Biogasanlage auch:
der Nachweis der Fachkunde der ausführenden Unternehmen (Fachbetriebe),
die technische Abnahme der Anlage durch Sachverständige und selbstverständlich
alle Maßnahmen eines betrieblichen Qualitäts-, Umwelt- und Sicherheitsmanagements,

39
wie:
- die regelmäßige Schulung des Personals,
- das Vorhandensein einer aktuellen und handhabbaren Funktionsbeschreibung der
Biogasanlage,
- das akribische Führen des Betriebstagebuchs zur Biogasanlage durch den
Anlagenverantwortlichen.
Der Landwirt bzw. der Geschäftsführer einer Landwirtschaftsgesellschaft unterliegt immer,
wenn er eine immissionsschutzrechtliche Anlage betreibt, den immissionsschutzrechtlichen
Vorschriften des § 5 BImSchG (Pflichten des Betreibers), deren konsequente Einhaltung für
ihn die einzige Sicherheit in gegebenenfalls auftretenden Umweltdelikt- oder -strafverfahren
darstellt.
Weiteres zur Sicherheit von Biogasanlagen siehe Kapitel 4.
2.1.6
Auswahl weiterer Technischer Normen, Richtlinien und Vorschriften
Technische Normen
DIN 4045
Abwassertechnische Begriffe
DIN 38 402 u.ff
Deutsche Einheitsverfahren zur Wasser-, Abwasser- und
Schlammuntersuchung
DIN 11622
Lagerbehälter
DIN 18908
Stallfußböden
DIN 18910
Wärmeschutz geschlossener Ställe
DIN 19630
Rohrverlegerichtlinien für Gas- und Wasserrohrnetze
DIN 2403
Kennzeichnung von Rohrleitungen nach dem Durchflussstoff
DIN 3230
Lieferbedingungen für Armaturen
DIN 40041
Zuverlässigkeit und Begriffe
DIN 4102
Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
DIN 4279
Innendruckprüfung von Druckrohrleitungen
DIN 1045
Beton
TRbF
Technische Regeln für brennbare Flüssigkeiten
VDE-Richtlinien
DIN 57100/
Errichtung und Betrieb von Starkstromanlagen
VDE 0100
(verschiedene Ausgabedaten)
DIN/VDE 0165
Errichten elektrischer Anlagen in explosionsgefährdeten
Bereichen - 2/92
VDE 0170/0171
Elektrische Betriebsmittel für explosionsgefährdete
Bereiche - 3/94 (DIN EN 50014)
DIN 57185/
VDE 0185
Blitzschutzanlagen - 1984
VDI-Richtlinien
VDI 3477
Biofilter
VDI 3478
Biowäscher
VDI 3985
Grundsätze für Planung, Ausführung und Abnahme von
Kraft-Wärme-Kopplung mit Verbrennungskraftmaschinen
VDI 3471
Emissionsminderung Schwein
VDI 3472
Emissionsminderung Geflügel
VDI 3474(E)
Emissionsminderung Tierhaltung

40
VDMA-Einheitsblätter
VDMA-Einheitsblatt 24 169-1
Bauliche Explosionsschutzmaßnahmen an Ventilatoren
VDMA-Einheitsblatt 24 418
Anlagen zur anaeroben Wasserbehandlung
DVGW Regelwerk
Arbeitsblatt G 430
Niederdruck Gasbehälter, Aufstellung und Betrieb, 5/94
Arbeitsblatt G 431
Niederdruck Gasbehälter, Herstellungsrichtlinien, 5/60
Arbeitsblatt G 461/I
Errichten von Gasleitungen bis 4 bar Betriebsdruck aus duktilem
Gußeisen, 11/81
Arbeitsblatt G 462/I
Errichten von Gasleitungen bis 4 bar Betriebsdruck aus
Stahlrohren, 9/76
Arbeitsblatt G 469
Druckprüfverfahren für Leitungen und Anlagen der
Gasversorgung, 7/87
Arbeitsblatt G 472
Gasleitungen bis 4 bar Betriebsdruck aus PE-HD und bis 1 bar
Betriebsdruck aus PVC-U, 9/88
AD-Merkblätter
AD-Merkblätter für Werkstoffe, Berechnung, Herstellung und Aus-
rüstung von Druckbehältern, Verzeichnis 7/94
Unfallverhütungsvorschriften
VBG 61
”Gase” mit Durchführungsregeln (in der Fassung vom 1.4.77,
mit Fachausschussentwurf 4/89)
VBG 50
Arbeiten an Gasleitungen
BAGUV Sicherheitsregeln
GUV 17.5
Sicherheitsregeln für Abwasserbehandlungsanlagen - Bau und
Ausrüstungen 4/79
GUV 17.6
Sicherheitsregeln für Arbeiten in geschlossenen Räumen von
abwassertechnischen Anlagen - Betrieb - 1/89
GUV 19.7
Richtlinien ”Statische Elektrizität” 1/92
GUV 19.8
Explosionsschutzrichtlinien (EX-RL), 9/90
ZH 1/8
Sicherheitsregeln für Anforderungen an Eigenschaften ortsfester
Gaswarneinrichtungen für den Explosionsschutz, 4/82
ZH 1 / 108
Sicherheitsregeln für Anforderungen an Eigenschaften nicht
ortsfester Gaswarneinrichtungen für den Explosionsschutz, 10/83
T 023
BG-Merkblatt Instandhaltung von ortsfesten Gaswarneinrichtungen
für den Explosionsschutz
T 032
BG-Merkblatt / Einsatz von ortsfesten Gaswarneinrichtungen für
den Explosionsschutz
Sonstige
-
Sicherheitsregeln für Biogasanlagen (vgl. Kapitel 4.8.6)
-
Richtlinien für die Vermeidung der Gefahren durch explosionsfähige Atmosphäre
(Ex-R1)
-
Bau, Ausrüstung und Betrieb von Biogasanlagen
(Bundesverband der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften e. V.)
-
Arbeitsstättenverordnung
Im Zuge der Harmonisierung des EU-Rechts können sich die aufgeführten Richtlinien ändern,
die Anpassung muss beachtet werden.

41
2.1.7
Energierecht
Ausführungen zum Energierecht sind zusätzlich im Kapitel 5 "Energetische Aspekte der
Biogasproduktion" enthalten.
2.1.7.1 Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts
Das Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts vom 24.04.98 dient der Umsetzung
der Richtlinie 96/92/EG des Europäischen Parlaments und des Rates betreffend der gemein-
samen Vorschriften für den Elektrizitätsbinnenmarkt.
Das Gesetz widmet der Nutzung der erneuerbaren Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung
wesentlich mehr Aufmerksamkeit als bisher. So ist beispielsweise keine Genehmigung zur
Energieversorgung mehr erforderlich bei:
-
Einspeisung in das Netz eines Energieversorgers,
-
Versorgung von Abnehmern mit Strom aus erneuerbaren Energien oder aus der Kraft-
Wärme-Kopplung,
-
Versorgung verbundener Unternehmen.
Es sind mit dem Energieversorgungsunternehmen Verträge und Preise festzulegen, wenn die
eingesetzte Energie nicht aus erneuerbaren Energien (gemäß Einspeisegesetz) stammt.
Die Betreiber der Übertragungsnetze sind verpflichtet, technische Mindestanforderungen für
den Anschluss an das Netz, für die Einspeisung von Strom aus Erzeugungsanlagen und für die
Benutzung von Verbindungsleitungen festzulegen. Sie sind weiterhin verpflichtet, jährlich
Richtwerte zur Spanne der Durchleitungsentgelte zu veröffentlichen.
Im Strommarkt wurde am 13.12.1999 die neue Verbändevereinbarung II von den drei Ver-
bänden BDI, VIK und VDEW verabschiedet. Sie legt die Kriterien zur Bestimmung der
Netznutzungsentgelte für elektrische Energie fest und fordert eine entsprechende Markttrans-
parenz durch Veröffentlichung. Damit wird ein diskriminierungsfreier Zugang zu den Netzen
möglich.
In Gebieten, in denen die Energieversorgungsunternehmen (EVU) die allgemeine Versorgung
durchführen, müssen allgemeine Bedingungen und Tarife für die Versorgung öffentlich be-
kannt gegeben werden. Es besteht von Seiten der EVU Anschluss- und Versorgungspflicht.
Wer zur Deckung des Eigenbedarfs eine Anlage zur Erzeugung von Energie betreibt oder sich
von einem Dritten versorgen lässt, kann sich nicht auf die Anschluss- und Versorgungspflicht
berufen. Davon ausgeschlossen sind Anlagen für die Deckung des Eigenbedarfs von Tarifab-
nehmern aus Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung bis 30 kW elektrischer Leistung und aus
erneuerbaren Energien.
Innerhalb des neuen Energiewirtschaftsgesetzes wurde auch das
Stromeinspeisegesetz
vom
7.12.1990 geändert und im
Erneuerbare-Energien-Gesetz
(EEG) vom 29.3.2000 verankert.
Das Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien sowie die Änderung des Energiewirt-
schaftsgesetzes und des Mineralölsteuergesetzes vom 29.3.2000 regelt die Abnahme und die
Vergütung von Strom, der ausschließlich aus Wasserkraft, Windkraft, Sonnenenergie, Geo-
thermie, Deponiegas, Klärgas, Grubengas oder aus Biomasse gewonnen wird. Die Energie-
versorgungsunternehmen, die ein Netz betreiben, sind verpflichtet, den in ihrem Versorgungs-
gebiet erzeugten Strom aus erneuerbaren Energien in unbegrenzter Höhe abzunehmen und zu
vergüten. Es erfolgt jedoch ein bundesweiter Ausgleich zwischen den Netzbetreibern, damit
alle in gleicher Weise betroffen sind. Netzverstärkungen sind vom Netzbetreiber zu bezahlen,
die Kosten dafür werden über die Durchleitungsgebühren an die Endverbraucher weiter-
geleitet.

42
Der Netzanschluss kann zukünftig auch von Dritten ausgeführt werden. In einem letzt instanz-
lichem Urteil des Landesgerichts Frankfurt/Oder werden die Netzbetreiber zur kostenlosen
Offenlegung von Netzdaten nach § 3 EEG verpflichtet. Dies beinhaltet die Nennung:
der Möglichkeit des Anschlusses,
der Höhe der abnehmbaren Strommenge am Standort und
der voraussichtlichen Kosten des Netzanschlusses.
Nähere Informationen dazu unter:
www.dgs-berlin.de
Für das Nieder- und Mittelspannungsnetz des Elektrizitätsversorgungsunternehmens gibt es
technische Richtlinien für den Parallelbetrieb von Eigenerzeugungsanlagen (Vereinigung
Deutscher Elektrizitätswerke – VDEW – e.V., 3. Auflage 1991). Diese Richtlinien regeln,
welche technischen Unterlagen für die Anmeldung der Eigenerzeugungsanlage erforderlich
sind. Sie enthalten auch Anforderungen, die an den Netzanschluss, die Schalt- und Schutz-
einrichtungen und an die Vermeidung von Netzrückwirkungen zu stellen sind.
Die Vergütung für Strom aus erneuerbaren Energien erfolgt seit 1.4.2000 abgekoppelt vom
aktuellen Strompreis, das heißt, es wurden eindeutige Vergütungssätze (Tab. 2.4) festgelegt.
Diese Vergütungssätze gelten auch für bestehende Altanlagen. Die Vergütungen sind bei
Neuanlagen für 20 Jahre zu zahlen.
Tabelle 2.4
Einspeisevergütung für Strom
Strom aus
Cent/kWh
Wasserkraft, Deponie-, Gruben- und Klärgas
elektrische Leistung bis 500 kW
7,67
elektrische Leistung über 500 kW
6,65
Biomasse, Biogas
elektrische Leistung bis 500 kW
10,23
elektrische Leistung über 500 kW bis 5 MW
9,20
elektrische Leistung über 5 MW
8,69
Geothermie
elektrische Leistung bis 20 MW
8,95
elektrische Leistung über 20 MW
7,16
Windkraft
für die ersten fünf Betriebsjahre
9,10
danach an guten Standorten
6,19
danach an weniger guten Standorten für einen auszurechnenden Zeitraum
9,10
Solarenergie
50,62
Bei Anlagen, die nach dem 1.1.2002 in Betrieb genommen wurden, sinkt die Einspeisever-
gütung bei Wasserkraft, Deponie-, Gruben-, Klär- und Biogas sowie bei Biomasse und Geo-
thermie um ein Prozent, bei Windkraft um 1,5 % und bei Solarenergie um 5 %.

43
2.1.7.2 Einspeisung von Strom auf der Grundlage der Biomasseverordnung vom
21.06.2001
Als Ziel steht hinter der Biomasseverordnung - BiomasseV - die Aufgabe des EEG, im
Interesse des Klima- und Umweltschutzes einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der
Energieversorgung zu leisten, um den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energie-
verbrauch bis zum Jahr 2010 mindestens verdoppeln zu können. Die Verordnung dient dazu,
rechtsverbindlich festzulegen, welche Arten der Nutzung von biogenem Material zum Zwecke
der Stromerzeugung von den Regelungen des EEG erfasst werden sollen. Um das einschlä-
gige Ziel zu erreichen, kommt es auf ein Zusammenwirken folgender Punkte an:
in Betracht kommende Verfahrenstechnik,
Beschaffenheitsanforderungen der eingesetzten Bioenergieträger,
von den Fachgesetzen vorgegebene Umweltanforderungen.
Um die beabsichtigte vermehrte Nutzung von Biomasse in energie- und umweltpolitisch ge-
wünschte Bahnen zu lenken, ist es notwendig, die als sinnvoll erachteten Technologien durch
die Verordnung zu beschreiben und Mindestanforderungen an diese zu formulieren. Die Ver-
ordnung soll zugleich Anreize zur technologischen Weiterentwicklung bieten.
Der Biomasse dürfen keine Beimengungen von Fremdstoffen (insbesondere fossiler Herkunft)
zugesetzt sein. Allerdings enthalten manche Arten von Biomassen nicht vermeidbare produk-
tions- oder gebrauchsbedingte Anteile fossiler Herkunft. Diese Unreinheiten werden (aus-
nahmsweise) hingenommen. Für eine Zünd- und Stützfeuerung können auch Stoffe nicht
biogenen Ursprungs (bzw. Stoffe fossiler Herkunft) eingesetzt werden, soweit dies verfah-
renstechnisch nur mit anderen Stoffen als mit Biomasse möglich ist. Im Falle des Einsatzes
von gasförmiger Biomasse (Biogas) wird so auch die Verwendung von Dieselmotoren zur
Stromerzeugung möglich (Zündstrahl).
Zum Teil werden auch Abfallstoffe zugelassen, sofern sie einen energie- und klimapolitisch
sinnvollen Beitrag zum Ersatz konventioneller Energieträger leisten können und ihr Nutzwert
aus Phyto- und Zoomasse stammt. Stoffe, Produkte und Gemische, deren Energiegehalt zum
Teil nicht biogenen Ursprungs ist, sind grundsätzlich nicht als Biomasse anzusehen. Verun-
reinigungen mit solchen Stoffen werden nur geduldet, wenn sie auf den Heizwert keine
nennenswerten Auswirkungen haben.
Für Altholz gelten in der Verordnung spezielle Regelungen.
Biogas wird voll als Biomasse im Sinne des EEG eingestuft, da es sich seiner Herkunft nach
ganz überwiegend aus biogenem Material zusammensetzt. Die allgemeine Definition von Bio-
gas trifft auch auf Deponie- und Klärgas zu. Das EEG enthält hierfür eine Sonderregelung zur
Vergütung, demzufolge werden solche Gase nicht als Biomasse angesehen. Ferner nicht als
Biomasse angesehen werden Gasgemische aus Siedlungsabfällen, Hafenschlick, Gewässer-
schlämmen und Stoffen, die nach Tierkörperbeseitigungsgesetz zu beseitigen sind sowie Klär-
schlammanteile von mehr als 10 % (Gewicht). Liegt der Anteil an Klärschlamm im Aus-
gangsmaterial oberhalb von 10 Gewichtsprozent, so handelt es sich bei dem erzeugten Gas
nicht mehr um Biomasse im Sinne der Verordnung. Folglich kann der Vergütungssatz für
Biogas in derartigen Konstellationen keine Anwendung finden. In diesen Fällen teilt sich der
Vergütungssatz anteilig auf Biomasse und auf Klärgas auf.
Die Verordnung schließt mit ein, dass die einschlägigen Fachgesetze zum Umweltschutz ein-
gehalten werden. Die Stromabnahmepflichtigen nach EEG können die Einspeisung ablehnen,
wenn diese Anforderungen nicht erfüllt sind.

44
2.1.7.3 Ökologische Steuerreform
Im Gesetz zum Einstieg in die ökologische Steuerreform vom 3.3.1999 wurde die Ökosteuer
ab 1.4.1999 beschlossen und mit dem Gesetz zur Fortführung der ökologischen Steuerreform
vom 16.12.1999 weitergeführt. Folgende Energieträger betreffen auch die Landwirtschaft:
Tabelle 2.5
Steuersätze der Ökosteuer
Energieart
ME
1999
2000
2001
2002
2003
Strom
Cent/kWh
1,02
1,28
1,54
1,80
2,06
für Verbrauch der ersten
MWh/Betrieb
50
40
33,3
28,6
25
ermäßigt übriger Verbrauch
Cent/kWh
0,204
0,256
0,308
0,36
0,412
Gasöl, Benzin
Cent/l
3,07
6,14
9,21
12,28
15,35
Heizöl
bis 511 €
Cent/l
2,05
2,05
2,05
2,05
2,05
ermäßigt übriger Verbrauch
Cent/l
0,41
0,41
0,41
0,41
0,41
Gas
bis 511 €
Cent/kWh
0,164
0,164
0,164
0,164
0,164
ermäßigt übriger Verbrauch
Cent/kWh
0,033
0,033
0,033
0,033
0,033
Eine Ermäßigung auf 20 % für Strom erhält unter anderem die Land- und Forstwirtschaft,
soweit die Steuer jährlich 515 € übersteigt. Das bedeutet, dass nur Betriebe, die jährlich mehr
als 50.000 kWh (1999) verbrauchen, davon profitieren.
Beispiel Jahr 2003:
Verbrauch des Betriebes
80.000 kWh
25.000 kWh x 0,0206 €/kWh =
515 €
55.000 kWh x 0,00412 €/kWh =
226 €
Stromsteuer gesamt
741 €
Der Antrag auf verminderte Steuer muss von jedem Betrieb an die zuständige Zollverwaltung
gestellt werden.
Von der Mineralölsteuer sind Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (BHKW) mit einem Jahres-
nutzungsgrad von mindestens 70 % befreit. Alle BHKW müssen bei den Hauptzollämtern
angemeldet werden.

45
2.2
Genehmigungsverfahren zur Errichtung und zum Betrieb von Biogas-
anlagen in der Landwirtschaft
2.2.1
Allgemeines
Generell fallen Anlagen zur Biogasproduktion und -verwertung in den Geltungsbereich des
Bundes-Immissionsschutzgesetzes
(BImSchG)
.
Dieses Gesetz gilt für
die Errichtung und den Betrieb
der Anlagen. Auf der Grundlage der
4. BImSchV
wird bestimmt, welche Anlagen einer Genehmigung bedürfen (genehmigungs-
bedürftige Anlagen) und welche nicht genehmigungsbedürftig sind.
2.2.2
Nicht genehmigungsbedürftige Anlagen
Biogasanlagen
als reine Vergärungsanlagen (Biogaserzeugung) bedürfen
keiner immissions-
schutzrechtlichen Genehmigung, wenn
die Behandlung von besonders überwachungsbe-
dürftigen und / oder nicht besonders überwachungsbedürftigen Abfällen, auf die die Vor-
schriften des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes Anwendung finden, die in Nr. 8.6
Spalte 2 des Anhangs zur 4. BImSchV genannten unteren Mengenschwellen unterschreiten.
Von letzterem ist bei landwirtschaftlichen Biogasanlagen, die nur eigene Gülle und landwirt-
schaftliche Kofermente einsetzen, auszugehen.
Keine Abfälle im Sinne des KrW/AbfallG sind der eigene Wirtschaftsdünger (Gülle) ein-
schließlich der Futterreste und des Siloabraums sowie nachwachsende Rohstoffe. Wird die
Gülle jedoch von einem Dritten in einer Biogasanlage behandelt, so ist Gülle nach den abfall-
rechtlichen Bestimmungen ein nicht besonders überwachungsbedürftiger Abfall und die Bio-
gasanlage unterliegt nur bei einem Einsatz von unter 10 Tonnen pro Tag nicht dem Ge-
nehmigungserfordernis.
Die erforderlichen anderen öffentlich-rechtlichen Genehmigungen (z. B. Baugenehmigung
etc.) sind gemäß der vorhandenen Vorschriften einzuholen. Die Anlagen sind entsprechend §
22 BImSchG zu betreiben. Das nachgeschaltete BHKW bedarf keiner Genehmigung nach
dem BImSchG, wenn die Summe der installierten Feuerungswärmeleistung unter 1 MW liegt.
Erfüllt das BHKW die Voraussetzungen einer Nebeneinrichtung zu einer beispielsweise ge-
nehmigungsbedürftigen Tierhaltung, so erstreckt sich die immissionsschutzrechtliche
Genehmigungspflicht auch auf kleinere BHKW.
2.2.3
Genehmigungsbedürftige Anlagen
Beträgt die Feuerungswärmeleistung des BHKW 1 MW oder mehr, so bedarf die Anlage in
Verbindung mit Nr. 1.4 des Anhangs zur 4. BImSchV einer Genehmigung nach dem
BImSchG.
Eine für sich gesehen genehmigungsfreie Biogaserzeugung ist in diesem Fall als Nebenein-
richtung zum genehmigungsbedürftigen BHKW zu betrachten und wird dann vom Genehmi-
gungserfordernis mit umfasst.
Anlagen zur Lagerung von Gülle bedürfen dann einer Genehmigung nach dem BImSchG,
wenn das Fassungsvermögen 2.500 m³ erreicht oder überschreitet (Nr. 9.36 Spalte 2 des
Anhangs zur 4. BImSchV).
Güllelagerbehälter mit einem Fassungsvermögen von 2.500 m³ oder mehr und BHKW mit
einer Feuerungswärmeleistung von 1 bis weniger als 50 MW unterliegen dem vereinfachten
Genehmigungsverfahren nach § 19 BImSchG (keine Öffentlichkeitsbeteiligung).
BHKW mit einer Feuerungswärmeleistung von 50 MW oder mehr, die bei landwirtschaft-
lichen Biogasanlagen wohl nicht erreicht werden dürften, bedürfen einer Genehmigung im
förmlichen Verfahren nach § 6 ff BImSchG (mit Öffentlichkeitsbeteiligung).

46
Ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung im Einzelfall erforderlich ist, ist nach § 3 c Abs. 1
UVPG in Verbindung mit Anlage 1 zu diesem Gesetz zu prüfen. Eine standortbezogene Vor-
prüfung ist bei BHKW mit einer Feuerungswärmeleistung von 1 MW bis 50 MW und eine
allgemeine Vorprüfung bei Anlagen von 50 MW bis 200 MW vorzunehmen. Bei BHKW mit
einer Feuerungswärmeleistung von mehr als 200 MW ist das Vorhaben generell UVP-
pflichtig.
Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn gemäß § 6 BImSchG sichergestellt ist, dass die sich
aus den §§ 5 und 7 BImSchG ergebenden Pflichten erfüllt werden und andere öffentlich-
rechtliche Vorschriften und Belange des Arbeitsschutzes der Errichtung und dem Betrieb der
Anlage nicht entgegenstehen (sog. gebundene Entscheidung).
Die
Pflichten des Betreibers
einer genehmigungsbedürftigen Anlage regelt
§ 5 BImSchG
.
Durch das Artikelgesetz ist § 5 Abs. 1 Nr. 4 BImSchG neu gefasst worden. Danach sind ge-
nehmigungsbedürftige Anlagen u. a. so zu errichten und zu betreiben, dass Energie sparsam
und effizient verwendet wird. Dies kann bedeuten, dass eine genehmigungsbedürftige Biogas-
anlage die entstehende Wärme soweit als möglich nutzen muss. Darüber hinaus muss nachge-
dacht werden, ob auch Mindestverweilzeiten vorgeschrieben werden können, damit die
Energieausbeute (Methanerzeugung) möglichst hoch wird.
Die Anforderungen an die Errichtung, an die Beschaffenheit und den Betrieb der geneh-
migungsbedürftigen Anlage bestimmt jeweils der
Genehmigungsbescheid
. Die im Geneh-
migungsbescheid enthaltenen
Auflagen
sind für den Betreiber für die Errichtung und den
Betrieb der Anlage bindend, sofern er diese nicht erfolgreich im Widerspruchsverfahren oder
vor den Verwaltungsgerichten angegriffen hat.
Dabei schließt die Genehmigung nach BImSchG auf der Grundlage des § 13 BImSchG
„andere, die Anlage betreffende behördliche Entscheidungen, insbesondere öffentlich-recht-
liche Genehmigungen, Zulassungen, Verleihungen, Erlaubnisse und Bewilligungen, mit der
Ausnahme von Planfeststellungen, ... und wasserrechtliche Erlaubnisse und Bewilligungen
nach §§ 7 und 8 des Wasserhaushaltgesetzes“ mit ein (z. B. Belange der Wasserver- und -ent-
sorgung).
Auf Grund der durch den Betrieb der Biogasanlagen zu erwartenden geringen Umweltaus-
wirkungen kann bei einem evt. erforderlichen Änderungsgenehmigungsverfahren in vielen
Fällen das vereinfachte Verfahren nach § 16 Abs. 2 BImSchG durchgeführt werden.
2.2.4
Genehmigungsverfahren
Das Genehmigungsverfahren setzt einen
schriftlichen Antrag
voraus, der
formgebunden
einzureichen ist. Die Antragsformulare sind bei den zuständigen Immissionsschutzbehörden
erhältlich oder über die Internetseite des SMUL (
www.sachsen.smul.de
à
Umwelt
à
Luft, Lärm,
Klima
à
Luft) abrufbar. Die Durchführung des Genehmigungsverfahrens regelt die
9. BImSchV (Verordnung über das Genehmigungsverfahren). Die für das immissionsschutz-
rechtliche Genehmigungsverfahren erforderlichen Antragsunterlagen ergeben sich aus Tabelle
2.6.
Der schriftliche Antrag für Biogasanlagen muss
prüfbare Aussagen
enthalten u. a. zu:
Anlagenkonzept
-
Standort der geplanten Anlage (topografische Karte, Flurkarten, etc.),
- Anlagenteile, Verfahrenskonzept und -schritte, Nebeneinrichtungen, etc., wobei das An-
fahren der Anlage, der bestimmungsgemäße Betrieb und die Stillsetzung bei betriebs-
und/oder störungsbedingten Unterbrechungen des Anlagenbetriebs betrachtet werden
sollten,

47
- Input- und Outputmaterial in ihrer stofflichen Zusammensetzung und Mengenbilanz (z. B.
Gülle, Bioabfall, Abwässer, Altöl), wobei der Vermeidung oder ordnungsgemäßen
Verwertung der Reststoffe besonderes Augenmerk geschenkt werden muss [§ 5 Abs. 1
Nr. 3 BImSchG],
- Art und Ausmaß von Emissionen, die voraussichtlich von der Anlage ausgehen, z. B. Ab-
gasemissionen des Blockheizkraftwerkes (Einhalten der Grenzwerte TA Luft durch die
BHKW-Anlage: Zertifikat bzw. Emissionserklärung des Herstellers), Geruchsemissionen
(Emissionsgutachten; insbesondere zusätzliche Emissionen bei der Annahme organischer
Stoffe und deren Minimierung beachten), sowie Aussagen zu deren Kontrolle (z. B.
organisatorische Maßnahmen, Messungen etc.),
-
Energiebilanzen, insbesondere Aussagen zur Verwendung der anfallenden Wärme,
-
Verweilzeiten der Biomasse im Reaktor,
Schutzmaßnahmen
- vorgesehene Maßnahmen zum Schutz vor und zur Vorsorge gegen schädliche Um-
welteinwirkungen, insbesondere zur Verhinderung von Emissionen, sowie zur Messung
von Emissionen und ggf. Immissionen,
-
vorgesehene Maßnahmen zum Arbeits-, Explosions- und Brandschutz,
- vorgesehene Maßnahmen zur Verhinderung und Beherrschung von Störungen des
bestimmungsgemäßen Betriebes,
Errichtung der Anlage
- Nachweise der Fachkunde der ausführenden Unternehmen und der notwendigen Zerti-
fikate der verwendeten Anlagenteile (z. B. DVGW-geprüfte Armaturen für die Gas-
führung),
- Fachbehörden oder autorisierte Stellen (TÜV, ...) sollten zur Prüfung der Betriebssicher-
heit der Anlage bereits zu Teilabnahmen und -inbetriebnahmen einbezogen werden,
Anlagenbetrieb
-
Festlegungen zu Wartungs-, Mess- und Prüfintervallen,
-
Aussagen zur Betriebsführung: Bedienungshinweise, Schulungen des Bedienpersonals etc.
Je nach Umfang und Größe der geplanten Anlage kann ein Vorbescheid beantragt werden, in
dem die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens abgeklärt wird. Dies dürfte bei
Biogasanlagen jedoch von untergeordneter Rolle sein.
Es ist für das geplante Vorhaben vorteilhaft, wenn bereits vor der Antragstellung entsprechen-
de Gespräche mit den zuständigen Behörden, wie z. B. der Unteren Immissionsschutzbehörde
(Umweltamt), der Unteren Wasserbehörde, der Unteren Bauaufsicht, dem Gewerbeauf-
sichtsamt und dem Staatlichen Umweltfachamt geführt werden. So kann die Qualität und
damit die Prüfbarkeit der Antragsunterlagen verbessert und die Bearbeitungszeit der Antrags-
unterlagen wesentlich verkürzt werden.
Bei dieser Vorabstimmung wird das technische Anlagenkonzept ebenso wie die vorhandenen
Standortbedingungen für die Anlage und die Sensibilität der nachbarschaftlichen Nutzungen
besprochen. Der Standort der Anlage hat erheblichen Einfluss auf den Darstellungsumfang,
beispielsweise hinsichtlich der
Emission und Immissionen von Luftschadstoffen
Emission und Immissionen von Gerüchen
Emission und Immissionen von Geräuschen

48
und führt zu Festsetzungen, ob aufwendige Immissionsprognosen nach den Vorschriften der
Technischen Anleitungen Luft oder Lärm durchzuführen sind oder nicht, wobei im letzten
Fall belastbare Emissionsbetrachtungen anzufertigen sind.
Für welche der emittierenden Luftschadstoffe Emissionsbetrachtungen oder Immissionsprog-
nosen zu erstellen sind, richtet sich ebenfalls nach der Einschätzung der Behörde, welche
Unterlagen sie für die Beurteilung anhand der Umweltrelevanz am vorgesehenen Anlagen-
standort benötigt.
Die Antragsunterlagen sind formgebunden nach den in Sachsen gültigen Antragsformularen
zu erstellen. Die entsprechenden Informationen gibt die jeweils zuständige
Genehmigungs-
behörde
. In der Regel sind dies
-
für Anlagen des Anhangs der 4. BImSchV, Spalte 1
die Regierungspräsidien,
Referat Immissionsschutz,
-
für Anlagen des Anhangs der 4. BImSchV, Spalte 2
die Immissionsschutzbehörden der
Landratsämter bzw. der
Kreisfreien Städte.
Für Anlagen, zu denen Teile oder Nebeneinrichtungen der Spalte 1 und der Spalte 2 des
Anhangs der 4. BImSchV gehören, sind die Regierungspräsidien zuständig.
Tabelle 2.6
Inhalt eines Genehmigungsantrages nach Bundes-Immissionsschutz-
gesetz (BImSchG)
0
Inhaltsverzeichnis
1
Antrag/Allgemeine Angaben (u. a. mit Kurzbeschreibung des Vorhabens,
Angaben zu Standort und Anlagenumgebung, ggf. Betriebsgeheimnis und
Begründungen)
2
Anlagen-, Verfahrens- und Betriebsbeschreibung (ausführlich; einschließlich
technischer Dokumentation)
3
Stoffe, Stoffmengen und Stoffdaten
4
Emissionen/Immissionen (Luft, Geräusche), Abgasreinigung
5
Abfallvermeidung und –verwertung, Abfallentsorgung
6
Abwasser/Umgang mit wassergefährdenden Stoffen
7
Anlagensicherheit (Störfall-Verordnung, Arbeitsschutz, Brandschutz)
8
Eingriffe in Natur und Landschaft
9
Energieeffizienz
10
Bauantrag
11
Unterlagen für weitere nach § 13 BImSchG zu bündelnde Genehmigungen und
behördlichen Entscheidungen
12
Maßnahmen nach der Betriebseinstellung
13
Umweltverträglichkeitsprüfung
Zur Klärung des Antragsumfanges und der Schwerpunkte des Verfahrens wird die
Durchführung eines Vorgesprächs (Antragskonferenz) zwischen der Genehmigungs-
behörde, den betroffenen Fachbehörden und dem Unternehmen empfohlen.
Der Rechts-
anspruch auf diese Beratung für den Antragsteller ergibt sich aus § 2 der 9. BImSchV. Es ist
zu empfehlen, mindestens 14 Tage zuvor der Genehmigungsbehörde eine schriftliche Vor-
habensinformation zu übergeben.

49
2.3
Steuerliche Aspekte bei der Biogasproduktion und Verwertung
2.3.1
Allgemeines
Bei der steuerrechtlichen Beurteilung einer Biogasanlage zur Erzeugung von Wärme und
Strom muss man sich zuerst mit der grundsätzlichen Zuordnung zu einer Einkunftsart
befassen. Dementsprechend sind danach teilweise unterschiedliche Beurteilungen aus Sicht
der Einkommensteuer, der Umsatzsteuer, der Gewerbesteuer und anderer Steuern zu treffen.
2.3.2 Abgrenzung der Land- und Forstwirtschaft bzw. eines Gewerbebetriebes von
der Liebhaberei
Das Problem der Abgrenzung von der Liebhaberei im einkommenssteuerlichen Sinn stellt
sich vielleicht bei relativ kleinen Biogasanlagen.
Genauso wie bei kleinen Wasserkraft- oder Windkraftanlagen steht der Kapitaleinsatz in
einem ungünstigen Verhältnis zum Ertrag. Wenn über einen längeren Zeitraum, im allge-
meinen etwa 7 bis 10 Jahre, kein Gewinn erzielt werden kann, unterstellt die Finanzver-
waltung gern Liebhaberei. Dies würde bedeuten, dass sämtliche Ausgaben nicht als Betriebs-
ausgaben anerkannt werden.
Aufgrund des Energieeinspeisungsgesetzes, welches zwischenzeitlich auch vom Bundesver-
fassungsgericht legitimiert wurde, dürfte es jedoch bei einer vernünftig geplanten Biogasan-
lage mittelfristig zu einem positiven Gesamtergebnis kommen und damit die Gewinner-
zielungsabsicht nachgewiesen sein.
2.3.3
Abgrenzung der Land- und Forstwirtschaft vom Gewerbe
2.3.3.1 Grundsätze der Abgrenzung
Der steuerrechtliche Begriff der Land- und Forstwirtschaft ergibt sich aus § 13 des
Einkommensteuergesetzes (EStG), der die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft positiv
aufzählt und von den übrigen Einkunftsarten abschließend abgrenzt.
Diese Abgrenzung wurde von der Finanzverwaltung in einem einheitlichen Erlass der
Steuerreferenten aller Bundesländer im Jahr 1995 neu beschrieben (BMF IV B 4 - 5 2230 -
47/95, veröffentlicht im Bundessteuerblatt 1995 Teil I, S. 703).
Der Inhalt dieses Schreibens ist nun auch in den Einkommensteuerrichtlinien niedergelegt (R
135 EStR). Demnach ist entsprechend Absatz 1 dieser Richtlinie von folgenden allgemeinen
Grundsätzen auszugehen:
Land- und Forstwirtschaft ist die planmäßige Nutzung der natürlichen Kräfte des Bodens zur
Erzeugung von Pflanzen und Tieren sowie die Verwertung der dadurch selbstgewonnenen Er-
zeugnisse. Als Boden im Sinne des Satzes 1 gelten auch Substrate und Wasser. Ob eine land-
und forstwirtschaftliche Tätigkeit vorliegt, ist jeweils nach dem Gesamtbild der Verhältnisse
zu entscheiden. Liegt eine teils gewerbliche und teils land- und forstwirtschaftliche Betäti-
gung vor, so sind beide Betriebe selbst dann getrennt zu beurteilen, wenn eine zufällige, vor-
übergehende wirtschaftliche Verbindung zwischen ihnen besteht, die ohne Nachteil für diese
Betriebe gelöst werden kann. Nur eine über dieses Maß hinausgehende wirtschaftliche Be-
ziehung zwischen beiden Betrieben, d. h. eine planmäßig im Interesse des Hauptbetriebes ge-
wollte Verbindung, kann eine einheitliche Beurteilung verschiedenartiger Betätigungen recht-
fertigen. Sie führt zur Annahme eines einheitlichen land- und forstwirtschaftlichen Betriebes,
wenn die Land- und Forstwirtschaft dem Unternehmen das Gepräge verleiht bzw. zur Annah-
me eines einheitlichen Gewerbebetriebes, wenn das Gewerbe im Vordergrund steht und die
land- und forstwirtschaftliche Betätigung nur die untergeordnete Bedeutung einer Hilfstätig-
keit hat.

50
Bei in Mitunternehmerschaft (vgl. R 138 Abs. 5 EStR 1993) geführten Betrieben ist § 15 Abs.
3 Nr. 1 EStG anzuwenden (d. h. dieser Betrieb ist in jedem Fall ein Gewerbebetrieb).
Tätigkeiten, die die Voraussetzungen der folgenden Vereinfachungsregelungen erfüllen,
gelten dabei als land- und forstwirtschaftlich.
Bei der Ermittlung der in den folgenden Absätzen aufgeführten Umsatzgrenzen ist von den
Betriebseinnahmen (ohne Umsatzsteuer) auszugehen.
In den Absätzen 2-12 dieser Richtlinie (R 135 EStR) werden die Vereinfachungsregelungen
für folgende Abgrenzungsprobleme erläutert:
Absatz 2: Strukturwandel
Absatz 3: Nebenbetrieb
Absatz 4: Unmittelbare Verwertung organischer Abfälle
Absatz 5: Zukauf fremder Erzeugnisse
Absatz 6: Handelsgeschäft
Absatz 7: Absatz eigener Erzeugnisse in Verbindung mit Dienstleistungen
Absatz 8: Absatz selbsterzeugter Getränke in Verbindung mit besonderen Leistungen
Absatz 9: Verwendung von Wirtschaftsgütern außerhalb des Betriebes
Absatz 10: Land- und forstwirtschaftliche Dienstleistungen
Absatz 11: Energieerzeugung
Absatz 12: Beherbergung von Fremden
Im Speziellen nimmt der Absatz 11 zur Energieerzeugung wie folgt Stellung:
Bei der Erzeugung von Energie, z. B. durch Wind-, Solar- oder Wasserkraft, handelt es sich
nicht um die planmäßige Nutzung der natürlichen Kräfte des Bodens im Sinne des Absatzes 1
Satz 1. Ein Nebenbetrieb der Land- und Forstwirtschaft ist nicht anzunehmen, weil keine Be-
und Verarbeitung von Rohstoffen und damit auch nicht eine nahezu ausschließliche Verwen-
dung der dabei gewonnenen Erzeugnisse im eigenen Betrieb der Land- und Forstwirtschaft
erfolgt. Sind Energieerzeugungsanlagen an ein Versorgungsnetz angeschlossen, sind sie
einem gewerblichen Betrieb zuzuordnen, wenn die Erzeugung für den eigenen Betrieb nicht
überwiegt. Die Erzeugung von Biogas ist keine Energieerzeugung im Sinne des Satzes 1 - sie
kann unter den Voraussetzungen des Absatzes 3 einen Nebenbetrieb darstellen.
In Absatz 3 wird folgende Aussage zu landwirtschaftlichen Nebenbetrieben getroffen:
Ein Nebenbetrieb der Land- und Forstwirtschaft liegt vor, wenn
1. überwiegend im eigenen Hauptbetrieb erzeugte Rohstoffe be- oder verarbeitet werden und
die dabei gewonnenen Erzeugnisse überwiegend für den Verkauf bestimmt sind oder
2. ein Land- und Forstwirt Umsätze aus der Übernahme von Rohstoffen (z. B. organische Ab-
fälle) erzielt, diese be- oder verarbeitet und die dabei gewonnenen Erzeugnisse nahezu aus-
schließlich im eigenen Betrieb der Land- und Forstwirtschaft verwendet und die Erzeug-
nisse im Rahmen einer ersten Stufe der Be- oder Verarbeitung, die noch dem land- und
forstwirtschaftlichen Bereich zuzuordnen ist, hergestellt werden. Die Regelung gilt aus
Vereinfachungsgründen auch für Produkte der zweiten (gewerblichen) Verarbeitungsstufe,
wenn diese zur Angebotsabrundung im Rahmen der Direktvermarktung eigener land- und
forstwirtschaftlicher Produkte abgegeben werden und der Umsatz daraus nicht mehr als
10.000 EUR im Wirtschaftsjahr beträgt.
Nebenbetriebe sind auch Substanzbetriebe (Abbauland im Sinne des § 43 BewG), z. B. Sand-,
Kiesgruben, Torfstiche, wenn die gewonnene Substanz überwiegend im eigenen land- und
forstwirtschaftlichen Betrieb verwendet wird. Der Absatz von Eigenerzeugnissen über einen
eigenständigen Einzel- oder Großhandelsbetrieb (Abs. 6), die Ausführung von Dienst-
leistungen (Abs. 7 und 9) sowie von besonderen Leistungen (Abs. 8) sind kein Nebenbetrieb.

51
Weder aus dem Gesetzeswortlaut (EStG) noch aus den Verwaltungsanweisungen (EStR) lässt
sich die Zuordnung einer Biogasanlage zur Land- und Forstwirtschaft eindeutig ableiten.
Dennoch geht man nach vorherrschender Meinung von einem
Nebenbetrieb des Land- und
Forstwirtschaftsbetriebes
aus, sofern die Biomasse überwiegend (d. h. zu mehr als 50 %) im
eigenen Betrieb erzeugt wird. In diesem Fall spielt es keine Rolle, wieviel vom erzeugten
Strom im eigenen Betrieb verwendet wird und welcher Anteil in das öffentliche Netz einge-
speist wird. Sofern die Biomasse nicht überwiegend im eigenen land- und forstwirtschaft-
lichen Betrieb erzeugt wird, wenn also zu mehr als der Hälfte Rohstoffe wie z. B. Flottfette,
Schlachtabfälle oder Müll aus der Biotonne übernommen und verwertet werden, muss von
einem selbständigen
Gewerbebetrieb
ausgegangen werden. In diesem Fall würde nur ein
landwirtschaftlicher Nebenbetrieb vorliegen, wenn die erzeugte Energie zu mehr als der Hälf-
te im eigenen landwirtschaftlichen Hauptbetrieb verbraucht wird. So auch die Meinung im
Kommentar Felsmann - Einkommensbesteuerung der Land- und Forstwirte RZ 347. Nach der
Meinung von Felsmann dürfte sogar der Verbrauch von Energie in der Betriebsleiter- sowie
Altenteilerwohnung dem Verbrauch im eigenen Land- und Forstwirtschaftsbetrieb zugerech-
net werden. Trotz dieser günstigen Auslegung dürfte dies jedoch bei den heutigen modernen
Energieerzeugungsanlagen kaum zutreffen, da der Verkauf von Energie meistens überwiegt.
Bei der Feststellung des Verwertungsverhältnisses zwischen eigenerzeugter und zugekaufter
Biomasse stellt sich noch die grundsätzliche Frage der Energiehaltigkeit.
Eine rein auf Volumen oder Gewicht abgestellte Aufteilung würde wohl zu keiner zutreffen-
den Beurteilung führen. Die wohl regelmäßig nicht im eigenen landwirtschaftlichen Hauptbe-
trieb erzeugten Bio-Rohstoffe, wie Schlachtabfälle, andere Fette und Abfälle aus Großküchen,
haben natürlich eine wesentlich höhere Energiedichte und verwerten deshalb zu einer größe-
ren Biogasmenge je Volumeneinheit, als beispielsweise die im landwirtschaftlichen Betrieb
erzeugten Bio-Rohstoffe Gülle, Mist oder Grüngut.
Durch Untersuchungen lassen sich diese Energiegehalte natürlich nachweisen, dennoch wird
es beim Betrieb einer Biogasanlage schwierig sein, die zugeführten Rohstoffmengen in
Volumen, Gewicht oder gar Energiegehalt zu erfassen und nachzuweisen. Die entsprechende
Beweislast liegt wie gewöhnlich auch hier beim Steuerpflichtigen.
Aus steuerlicher Sicht vollkommen unproblematisch wäre der Betrieb einer Biogasanlage, bei
welcher die Bio-Rohstoffe ausschließlich in dem landwirtschaftlichen Betrieb erzeugt werden
und die gewonnene Energie wieder ausschließlich dort verwertet wird. Hier kann die Stromer-
zeugung aus einer Biogasanlage eindeutig dem landwirtschaftlichen Betrieb zugeordnet wer-
den. In allen Mischfällen ist die Abgrenzung aufgrund vorstehend aufgezeigter Rechtslage
wesentlich schwieriger. Hier sind unbedingt entsprechende Aufzeichnungen über Rohstoffein-
satz und Energieverwendung zu führen, um zu einem landwirtschaftlichen Nebenbetrieb zu
kommen.
Mit einem Erlass vom 07.07.1997 hat das Finanzministerium diese Meinung im Wesentlichen
wie folgt bestätigt (FMS vom 07.07.1997 Az.: 31a – S 2230 – 123/34 – 6 487):
Nach R 135
Abs. 11 (Energieerzeugung)
Satz 4 EStR kann die Erzeugung von Biogas einen
Nebenbetrieb darstellen. Unter Heranziehung der Grundsätze im Abschnitt R 135 Abs. 3
EStR ist die Erzeugung von Biogas
- Teil der land- und forstwirtschaftlichen Urproduktion, wenn die Biomasse (Rückstände
der tierischen und pflanzlichen Erzeugung) überwiegend im eigenen Betrieb erzeugt und
das Biogas bzw. der daraus erzeugte elektrische Strom überwiegend im eigenen Betrieb
verwendet wird,
- Land- und forstwirtschaftlicher Nebenbetrieb,
wenn die Biomasse überwiegend im eigenen Betrieb erzeugt wird und das Biogas oder der
daraus erzeugte Strom überwiegend zum Verkauf bestimmt ist oder wenn die Biomasse
gegen Entgeld erworben wird, das daraus erzeugte Biogas bzw. der daraus erzeugte Strom
jedoch nahezu ausschließlich im eigenen Betrieb Verwendung findet.

52
2.3.3.2 Unmittelbare Verwertung organischer Abfälle
Da bei der Biogasproduktion als Abfallprodukt aus der Roh-Biomasse eine große Menge
hochwertiger organischer Substanz zurückbleibt, stellt sich bei der diesbezüglichen Verwer-
tung ebenfalls die Frage der steuerlichen Zuordnung. Dabei ist die Zuordnung zur Landwirt-
schaft entsprechend Abschnitt R 135 Abs. 4 EStR nur zu bejahen, wenn die organischen Ab-
fälle sowie auch Klärschlamm oder Kompost im selbstbewirtschafteten land- und forstwirt-
schaftlichen Betrieb ausgebracht werden.
2.3.3.3 Strukturwandel
Zur Frage, ab welchem Zeitpunkt von einem Wechsel der Einkunftsart auszugehen ist, regelt
Abschnitt R 135 Abs. 2 EStR folgendes:
Bei einem Strukturwandel vom land- und forstwirtschaftlichen Betrieb zum Gewerbebetrieb
beginnt der Gewerbebetrieb zu dem Zeitpunkt, zu dem die Tätigkeit des land- und forstwirt-
schaftlichen Betriebs dauerhaft umstrukturiert wird. Hiervon ist z. B. auszugehen, wenn dem
bisherigen Charakter des Betriebs nicht mehr entsprechende Investitionen vorgenommen, ver-
tragliche Verpflichtungen eingegangen oder Wirtschaftsgüter angeschafft werden, die jeweils
dauerhaft dazu führen, dass die in den folgenden Absätzen genannten Grenzen erheblich über-
schritten werden. In allen übrigen Fällen liegt nach Ablauf eines Zeitraums von drei Jahren
ein Gewerbebetrieb vor. Der Dreijahreszeitraum ist objektbezogen und beginnt beim Wechsel
des Betriebsinhabers nicht neu. Die vorstehenden Grundsätze gelten für den Strukturwandel
vom Gewerbebetrieb zum land- und forstwirtschaftlichen Betrieb entsprechend.
2.3.4
Folgen gewerblicher Tätigkeiten eines Land- und Forstwirts
2.3.4.1 Bei einem als Einzelunternehmen geführten Betrieb
Übt ein Land- und Forstwirt teils gewerbliche und teils land- und forstwirtschaftliche Tätig-
keiten aus, so liegen bei einem land- und forstwirtschaftlichen Einzelunternehmer grundsätz-
lich zwei Betriebe (ein Land- und Forstwirtschaftsbetrieb und ein Gewerbebetrieb) vor. Die
Betriebe sind selbst dann getrennt zu beurteilen, wenn eine zufällige, vorübergehende wirt-
schaftliche Verbindung zwischen ihnen besteht, die ohne Nachteil für diese Betriebe gelöst
werden kann. Nur eine über dieses Maß hinausgehende wirtschaftliche Beziehung zwischen
den beiden Tätigkeitsbereichen (Betrieben), d. h. eine planmäßig im Interesse des Hauptbe-
triebes gewollte Verbindung, kann eine einheitliche Beurteilung verschiedenartiger Betäti-
gungen rechtfertigen. Sie führt zur Annahme eines einheitlichen Land- und Forstwirtschafts-
betriebs, wenn die Land- und Forstwirtschaft dem Unternehmen des Gepräge verleiht und zur
Annahme eines Gewerbebetriebs, wenn das Gewerbe im Vordergrund steht und die land- und
forstwirtschaftliche Betätigung nur die untergeordnete Bedeutung einer Hilfstätigkeit hat
(BFH-Urteil vom 23.1.1992 - BStBl II, S. 651).
Liegen nach den genannten Grundsätzen selbständige Betriebe vor, so sind die Einkünfte ge-
trennt zu ermitteln. Dazu sind die verwendeten Wirtschaftsgüter dem jeweiligen Betriebsver-
mögen zuzuordnen. Wird ein Wirtschaftsgut in mehreren Betrieben verwendet, so ist es dem
Betriebsvermögen zuzuordnen, in dem es überwiegend genutzt wird. In Höhe der durch die
Verwendung im anderen Betrieb des Steuerpflichtigen verursachten Selbstkosten dieses Wirt-
schaftsguts ist eine gewinnerhöhende Entnahme zu buchen. In gleicher Höhe ist in dem
Betrieb, in dem das betreffende Wirtschaftsgut für betriebliche Zwecke verwendet wird, eine
Betriebsausgabe zu berücksichtigen.

53
Zur Frage der Gewinnrealisierung bei einer erforderlichen Überführung eines Wirtschaftsguts
vom land- und forstwirtschaftlichen Betrieb in einen Gewerbebetrieb oder umgekehrt hat der
Bundesfinanzgerichtshof letztlich in einem Urteil vom 14.06.1988 (BStBl 1993 II, S. 187) ab-
schließend entschieden. Nach diesen Grundsätzen, die auch die Finanzverwaltung anerkennt,
kommt es bei einer Überführung von Wirtschaftsgütern von einem Betrieb eines Steuerpflich-
tigen in einen anderen Betrieb desselben Steuerpflichtigen zu keiner Gewinnrealisierung. Also
es müssen keine stillen Reserven aufgedeckt werden. Diese Regelung kann sich für den
Steuerpflichtigen sowohl vorteilhaft wie aber auch nachteilig auswirken.
2.3.4.2 Bei einer Personengesellschaft
Nach zivilrechtlichen, handelsrechtlichen und insbesondere den ertragssteuerlichen Grund-
sätzen ist zu beachten, dass eine Personengesellschaft nur einen Betrieb haben kann, für den
der Gewinn einheitlich zu ermitteln und nur einer Einkunftsart zuzurechnen ist (§ 705 BGB,
§§ 105, 161 HGB, § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG). Übt daher eine Personengesellschaft Tätigkeiten
aus, die teils land- und forstwirtschaftlich und teils gewerblich sind, so gelten die Tätigkeiten
dieser Personengesellschaft in vollem Umfang, d. h. auch die Tätigkeiten im Rahmen der
land- und forstwirtschaftlichen Erzeugung, als einheitlicher Gewerbebetrieb (sog. Abfärbe-
theorie, § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG, BFH-Urteil vom 1.2.1990 - BStBl 1991 II, S. 625). Dabei
reicht es aus, wenn nur einer der Gesellschafter im Rahmen der Personengesellschaft gewerb-
lich tätig wird. Im übrigen gilt bei der Anwendung des § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG keine Gering-
fügigkeitsgrenze. Daher führt jede, auch eine nur geringfügige gewerbliche Betätigung der
Personengesellschaft zur Umqualifizierung der nicht gewerblichen Einkunftsbereiche in Ein-
künfte aus Gewerbebetrieb. Allerdings wurde in einem neuen BFH-Urteil eine minimale
gewerbliche Tätigkeit als unschädlich eingestuft.
Diese gewerbliche Abfärbung gem. § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG tritt grundsätzlich nur bei Perso-
nengesellschaften ein. Dazu gehören neben den OHG, KG und vertraglich begründeten GbR
auch Innengesellschaften (z. B. atypische stille Gesellschaften und Ehegatten-Innengesell-
schaften). Dagegen sind Erbengemeinschaften und die eheliche Gütergemeinschaft nicht
umfassend gewerblich tätig, auch wenn sie ertragsteuerlich Mitunternehmerschaften i. S. von
§ 15 Abs. 1 Nr. 2 EStG sind. Sie können daher nebeneinander mehrere Betriebe (Land- und
Forstwirtschaft und Gewerbebetriebe) und auch ertragssteuerliches Privatvermögen haben.
§ 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG ist nicht anzuwenden, wenn die gewerbliche Tätigkeit nicht durch die
Personengesellschaft bzw. von einem Gesellschafter innerhalb der Personengesellschaft aus-
geübt wird, sondern auf Rechnung und Gefahr eines der Gesellschafter oder durch die Errich-
tung einer zivilrechtlich selbständigen Personengesellschaft mit unterschiedlichem Zweck
durchgeführt wird. Verwendet z. B. ein Mitunternehmer einer land- und forstwirtschaftlichen
Mitunternehmerschaft im Rahmen einer eigenen gewerblichen Biogasanlage (auch)
Maschinen der Mitunternehmerschaft, ohne dass ein ausdrücklicher Nutzungsüber-
lassungsvertrag mit der Mitunternehmerschaft besteht, so entnimmt der mit den Maschinen
tätige Mitunternehmer lediglich die mit den Selbstkosten zu bewertenden Nutzungen. Es liegt
damit keine schädliche gewerbliche Betätigung der Mitunternehmerschaft selbst vor. Besteht
ein (entgeltlicher) Nutzungsüberlassungsvertrag zwischen dem mit den Maschinen der Mit-
unternehmerschaft gewerblich tätigen Mitunternehmer und der Gesellschaft, so könnte darin
bei wortgetreuer Anwendung von R 135 Abs. 9 EStR eine Maschinenverwendung zugunsten
eines Nicht-Land- und Forstwirts erblickt werden. Aber auch bei dieser ungünstigen Aus-
legung wäre die Vereinfachungsregelung des Abschnittes R 135 Abs. 9 EStR mit einer
Freigrenze von 10.000 € je Wirtschaftsjahr anwendbar. Der letzte Satz von Absatz 1 dieser
Richtlinie stellt klar, dass die Vereinfachungsregelungen auch für Personengesellschaften
anzuwenden sind.

54
2.3.5
Einkommenssteuerliche Beurteilung
2.3.5.1 Einordnung als landwirtschaftlicher Nebenbetrieb
Bei Gewinnermittlung nach § 13a EStG
Für kleine land- und forstwirtschaftliche Betriebe erlaubt der § 13a des Einkommensteuer-
gesetzes eine Gewinnermittlung nach Durchschnittsätzen ohne Verpflichtung zur Aufzeich-
nung der tatsächlichen Betriebseinnahmen und -ausgaben. Diese günstige Regelung können
nur Betriebe mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche bis zu 20 ha anwenden. Aber auch
wenn die Regelungen der Durchschnittsatzgewinnermittlung für den landwirtschaftlichen
Hauptbetrieb angewendet werden dürfen, müssen zu diesem pauschalen Gewinn das tatsäch-
lich erzielte Ergebnis aus dem Biogas-Nebenbetrieb dazu addiert werden. Dabei ist davon
auszugehen, dass bei diesen kleinen Betrieben eine Biogasanlage regelmäßig einen Gewerbe-
betrieb ergibt.
Bei Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG
Sofern ein land- und forstwirtschaftlicher Betrieb aufgrund des Überschreitens der Grenzen
nach § 13a Abs. 1 EStG bei Betriebseröffnung (oder später durch Mitteilung der Finanz-
verwaltung über den Wegfall der Gewinnermittlung nach § 13a EStG) die Durchschnitt-
satzgewinnermittlung nicht anwenden kann, ist er verpflichtet, seinen Gewinn nach den tat-
sächlichen Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben zu ermitteln. Solange er keine Mittei-
lung über den Beginn der Buchführungspflicht erhält, hat er das Wahlrecht, den Gewinn nach
Betriebsvermögensvergleich (§ 4 Abs. 1 EStG) oder nach der Überschussrechnung (§ 4 Abs.
3 EStG) zu ermitteln. Bei der tatsächlichen Gewinnermittlung sind auch die Vorgänge eines
Biogas-Nebenbetriebs zu integrieren. Bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG, also
der Überschussrechnung, werden die Betriebseinnahmen und die Betriebsausgaben nach dem
Geldzu- und -abfluss festgehalten. Nur Wirtschaftsgüter mit einer Nutzungsdauer von mehr
als einem Jahr werden anteilig als AfA nach den Vorschriften der Absetzung für Abnutzung
(§ 7 EStG) berücksichtigt.
Bei Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG
Nur wenn ein land- und forstwirtschaftlicher Betrieb eine der drei folgenden Grenzen
überschritten hat, kann er zum Betriebsvermögensvergleich (Bilanzierung) nach § 4 Abs. 1
EStG verpflichtet werden.
Buchführungspflichtgrenzen:
- Ersatzwirtschaftswert mehr als 20.000 €
- Gewinn nach § 13a EStG oder § 4 Abs. 3 EStG mehr als 24.000 €
- Umsatz mehr als 250.000 €
Aber auch wenn diese Grenzen überschritten sind, tritt die Buchführungspflicht erst mit Wir-
kung für das nächste Wirtschaftsjahr ein, wenn die Finanzverwaltung dieses dem Steuer-
pflichtigen formell mitgeteilt hat. Um als Landwirt buchführungspflichtig zu werden, ist
immer eine Mitteilung des Finanzamtes zwingend notwendig. Sofern Buchführungspflicht
nach § 4 Abs. 1 EStG besteht, sind auch die Vorgänge eines Biogas-Nebenbetriebs in den
Betriebsvermögensvergleich einzubeziehen.
Beim Betriebsvermögensvergleich wird der Gewinn durch Vergleich des Betriebsvermögens
am Ende des Wirtschaftsjahres mit dem Betriebsvermögen am Anfang des Wirtschaftsjahres
ermittelt. Vorgänge innerhalb der Buchführung, die den Betrieb nicht betreffen, werden dabei
durch Berücksichtigung von Entnahmen und Einlagen ausgeschieden.

55
Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich § 4 Abs. 1 EStG:
Betriebsvermögen am Ende des Wirtschaftsjahres
-
Betriebsvermögen am Anfang des Wirtschaftsjahres
+
Entnahmen (Privatentnahmen)
-
Einlagen (Privateinlagen)
=
Gewinn
Das Betriebsvermögen oder Eigenkapital wird jeweils zum Beginn (bzw. Ende) eines Wirt-
schaftsjahres durch eine Bilanz ermittelt. Bei der Bilanzaufstellung werden alle Betriebsvor-
gänge periodengerecht abgegrenzt. Neben den zu- und abgeflossenen Beträgen werden bei der
Buchführung nach § 4 Abs. 1 EStG auch Forderungen und Verbindlichkeiten, aktive und
passive Rechnungsabgrenzungen (Vorauszahlungen), Rückstellungen (zu erwartende Ver-
bindlichkeiten) sowie Bestandsveränderungen (Vorräte und Waren) berücksichtigt.
2.3.5.2 Einordnung als selbständiger Gewerbebetrieb
Sofern nach den Abgrenzungskriterien ein selbständiger Gewerbebetrieb festzustellen ist,
muss der Gewinn in jedem Fall durch eine Buchführung nach den tatsächlichen Betriebsvor-
gängen ermittelt werden. Solange keine Aufforderung zur Buchführung vorliegt, kann auch
bei einem Gewerbebetrieb der Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG durch Überschussermittlung
festgestellt werden.
2.3.5.3 Abschreibungsmöglichkeiten
Absetzung für Abnutzung (AfA)
Unabhängig von der einkommenssteuerlichen Zuordnung und der Gewinnermittlungsart gel-
ten auch für eine Biogasanlage die Vorschriften des § 7 EStG bezüglich der Abschreibung.
Bei Wirtschaftsgütern, deren Verwendung oder Nutzung durch den Steuerpflichtigen zur Er-
zielung von Einkünften sich erfahrungsgemäß auf einen Zeitraum von mehr als einem Jahr
erstreckt, ist jeweils für ein Jahr der Teil der Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzu-
setzen, der bei gleichmäßiger Verteilung dieser Kosten auf die Gesamtdauer der Verwendung
oder Nutzung auf ein Jahr entfällt (Absetzung für Abnutzung in gleichen Jahresbeträgen, auch
lineare AfA). Die Absetzung bemisst sich hierbei nach der betriebsgewöhnlichen Nutzungs-
dauer des Wirtschaftsguts. Bei beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, bei
denen es wirtschaftlich begründet ist, die AfA nach Maßgabe der Leistung des Wirtschafts-
guts vorzunehmen, kann der Steuerpflichtige dieses Verfahren statt der AfA in gleichen
Jahresbeträgen anwenden, wenn er den auf das einzelne Jahr entfallenden Umfang der
Leistung nachweist. Absetzungen für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Ab-
nutzung sind zulässig.
Bei beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens kann der Steuerpflichtige statt der
AfA in gleichen Jahresbeträgen die AfA in fallenden Jahresbeträgen (degressive AfA) be-
messen. Die AfA in fallenden Jahresbeträgen kann nach einem unveränderlichen Hundertsatz
vom jeweiligen Buchwert (Restwert) vorgenommen werden - der dabei anzuwendende Hun-
dertsatz darf höchstens das Doppelte des bei der AfA in gleichen Jahresbeträgen in Betracht
kommenden Hundertsatzes betragen und 20 v. H. nicht übersteigen. Bei Wirtschaftsgütern,
bei denen die AfA in fallenden Jahresbeträgen bemessen wird, sind Absetzungen für außer-
gewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung nicht zulässig.
Der Übergang von der AfA in fallenden zur AfA in gleichen Jahresbeträgen ist zulässig. In
diesem Fall bemisst sich die AfA vom Zeitpunkt des Übergangs an nach dem dann noch vor-
handenen Restwert und der Restnutzungsdauer des einzelnen Wirtschaftsguts. Der Übergang
von der AfA in gleichen zur AfA in fallenden Jahresbeträgen ist nicht zulässig.

56
Tabelle 2.7
Auszug aus der amtlichen AfA-Tabelle
Anlagegüter
Nutzungsdauer (Jahre)
AfA-Satz (%)
Gasleitungen, einschließlich Messuhren
15
6,66
Strom- u. Kabelleitungen im Freien
25
4
Strom- u. Kabelleitungen im Inneren
einschließlich Schalt- u. Umspannanlagen
20
5
Stromzähleinrichtungen
15
6,66
Stromerzeuger, Generatoren
19
5,26
Notstromaggregate
19
5,26
Kompakte Biogasanlage
16
6,25
Flüssigmistbelüftungen
10
10
Güllebehälter aus Stahl oder Beton
20
5
Güllebehälter aus Holz
10
10
Güllemixer
10
10
Rührmixpumpen
8
12,5
Schleudertankwagen
10
10
Reinigungs- und Desinfektionsgeräte
10
10
Miststreuer
10
10
Vakuum und Pumpentankwagen
8
12,5
Waagen
14
7,14
PKW
6
16,66
LKW
9
11,11
Schlepper und Zubehör
12
8,33
Ackerwagen
12
8,33
Sonderabschreibung
Für kleine und mittlere Betriebe gibt es die Möglichkeit der Sonderabschreibung und der
Ansparabschreibung nach § 7 g EStG.
Dabei darf bei beweglichen neuen Wirtschaftsgütern die maximale Abschreibung (degressive
Abschreibung und Sonderabschreibung nach § 7 g EStG) von bis 40 v. H. bereits bis zu zwei
Wirtschaftsjahren vor der Investition in Anspruch genommen werden (Ansparabschreibung).
2.3.6
Umsatzsteuer
2.3.6.1 Land- und forstwirtschaftlicher Nebenbetrieb
Zuordnungsgrundsätze
Sofern die Biogasanlage als Teil des Landwirtschaftsbetriebes beurteilt werden kann, werden
die Leistungen, also die Energielieferungen, auch umsatzsteuerlich entsprechend dem Land-
wirtschaftsbetrieb behandelt.
Pauschalierender Landwirt
Wendet der Landwirt den § 24 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) an und pauschaliert seine
Umsatzsteuer, braucht er auch für die Energielieferungen aus der Biogasanlage keine Um-
satzsteuer abrechnen. Der Umsatzsteuersatz beträgt zur Zeit bei pauschalierenden Landwirten
für alle Lieferungen und Leistungen 9 v. H.. Der Landwirt kann in diesem Fall natürlich auch
keine Vorsteuer aus Baukosten oder anderen Aufwendungen geltend machen.

57
Optierender Landwirt
Sobald sich der Landwirt für die Regelbesteuerung nach § 24 Abs. 4 UStG entscheidet, finden
die Regelungen des allgemeinen Umsatzsteuergesetzes auch für den Nebenbetrieb der
Biogasanlage Anwendung. In diesem Fall darf der Landwirt sämtliche Vorsteuer aus den
Baukosten und den sonstigen betrieblichen Aufwendungen gegenüber dem Finanzamt geltend
machen und mit der Umsatzsteuer verrechnen. Für Lieferungen von Energie ist in diesem Fall
der Regelsteuersatz von derzeit 16 v. H. anzuwenden.
Bei der Ausübung des Wahlrechtes nach § 24 Abs. 4 UStG zwischen Pauschalierung und
Regelbesteuerung ist zu beachten, dass dieses Wahlrecht nur ab Beginn eines Kalenderjahres
ausgeübt werden kann. Nach einer Option von der Pauschalierung zur Regelbesteuerung ist
der landwirtschaftliche Betrieb mindestens für fünf Kalenderjahre an diese Wahl gebunden.
Nach neuer Rechtsprechung löst ein Wechsel zwischen Regelbesteuerung und Pauschalierung
immer auch eine Prüfung bzw. Korrektur des Vorsteuerabzuges bei Investitionen aus. Da
diese Regelung für alle Investitionen ab dem Kalenderjahr 1996 anzuwenden ist, führt jede
Investition regelmäßig zu einer Vorsteuerkorrektur, wenn bereits nach der Mindestzeit von
fünf Jahren zur Pauschalierung zurückgewechselt wird.
§ 15a UStG regelt, dass bei beweglichen Wirtschaftsgütern (z. B. Maschinen und Betriebs-
vorrichtungen) innerhalb eines Überwachungszeitraumes von 60 Kalendermonaten (5 Jahre)
bzw. bei unbeweglichen Wirtschaftsgütern (Gebäude oder bauliche Anlagen) innerhalb von
120 Kalendermonaten ab erstmaliger Verwendung der Vorsteuerabzug korrigiert wird.
Beispiel:
- Ein Landwirt wendet die Regelbesteuerung für die Jahre 01 bis 05 an und geht ab 06 zur
Pauschalierung zurück.
- Im Jahre 01 bis Juni 02 baut er eine Biogasanlage, die er im Juli 02 erstmals in Betrieb
nimmt.
- Der Landwirt kann die gesamte Vorsteuer aus den Baukosten im Jahre 01 bzw. 02 geltend
machen.
- Der Wechsel führt im Jahre 06 zu einer Rückzahlung von 12/60 der Vorsteuer aus der
Investition.
- Im Jahre 07 sind nochmals 6/60 der Vorsteuer zurückzuzahlen.
2.3.6.2 Selbständiger Gewerbebetrieb
Wenn die Biogasanlage als Gewerbebetrieb einzustufen ist, sind bezüglich der Umsatzsteuer
die allgemeinen Vorschriften des Umsatzsteuergesetzes anzuwenden. Genau wie beim
optierenden Landwirt unterliegen die Lieferungen dem Regelsteuersatz von derzeit 16 v. H..
Sämtliche Vorsteuern können geltend gemacht werden. Auch die Lieferungen zwischen dem
landwirtschaftlichen und dem gewerblichen Betrieb sind grundsätzlich zu erfassen und führen
zur Umsatzsteuerpflicht bzw. zum Vorsteuerabzug.
In vielen Fällen wird jedoch der landwirtschaftliche und der gewerbliche Betrieb umsatz-
steuerlich ein Unternehmen bilden. Das ist immer dann der Fall, wenn für beide Betriebe der
gleiche Betreiber (Unternehmer) festzustellen ist.
Für diesen Fall sind sämtliche Lieferungen und Leistungen zwischen den beiden selbständi-
gen Betrieben umsatzsteuerlich als Innenumsatz zu beurteilen. Damit entfällt der Vorsteuer-
abzug für die Lieferung der Biomasse (Gülle, Grüngut) vom Landwirt an den Gewerbebe-
trieb. Genauso wenig unterliegt aber auch die Energielieferung (Strom, Wärme) vom Ge-
werbebetrieb an die Landwirtschaft der Umsatzsteuer. Insgesamt gesehen dürfte diese
Konstellation besonders bei einem pauschalierenden Landwirtschaftsbetrieb eher günstig sein.

58
2.3.7
Gewerbesteuer
2.3.7.1 Landwirtschaftlicher Nebenbetrieb
Sofern die Biogasanlage als Nebenbetrieb eines landwirtschaftlichen Hauptbetriebes einzu-
stufen ist, unterliegt auch der Nebenbetrieb nicht der Gewerbesteuerpflicht.
2.3.7.2 Selbständiger Gewerbebetrieb
Gewerbesteuerfestsetzung
Eine Biogasanlage, die als Gewerbebetrieb einzustufen ist, unterliegt grundsätzlich der Ge-
werbesteuerpflicht, unabhängig von der Größe. Die Gewerbesteuer wird von den Kommunen
(Gemeinden) erhoben und aufgrund eines vom Finanzamt festgestellten Gewerbesteuer-
messbetrages festgesetzt. Die Kommunen können dafür unterschiedliche Hebesätze festlegen.
Diese Hebesätze für die Gewerbesteuer schwanken derzeit etwa zwischen 200 bis 400 v. H.
des Gewerbesteuermessbescheides.
Gewerbeertragssteuerermittlung
Der Gewerbeertragssteuermessbetrag ermittelt sich vereinfacht nach folgendem Schema:
Ausgangsbetrag ist der nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes (oder des Kör-
perschaftsteuergesetzes bei Kapitalgesellschaften) ermittelte Gewinn aus dem Gewerbe-
betrieb.
Dieser Gewerbeertrag wird durch Hinzurechnungen nach § 8 Gewerbesteuergesetz (GewSt)
erhöht. Als Hinzurechnungen kommen vor allem die Hälfte der Dauerschuldzinsen in Be-
tracht. Gegebenenfalls sind auch Kürzungen nach § 9 GewSt möglich, für eine gewerbliche
Biogasanlage jedoch selten zutreffend.
Ab 2001 wird die Gewerbesteuer nach einem pauschalen Verfahren auf die Einkommensteuer
angerechnet. Damit führt sie regelmäßig bei Landwirten zu keiner Belastung.
2.3.8
Zusammenfassung
Bei der Planung einer Biogasanlage sind die steuerlichen Aspekte unbedingt zu berücksich-
tigen. Aufgrund der aufgezählten Einordnungskriterien sind durchaus auch steuerlich günstige
Gestaltungen möglich. So muss eine gewerblich einzustufende Biogasanlage steuerlich nicht
ungünstiger sein als eine als landwirtschaftlicher Nebenbetrieb zu beurteilende.
Beispiel einer aus steuerlicher Sicht günstigen Gestaltung:
Der umsatzsteuerlich pauschalierende Landwirt baut eine Biogasanlage als selbständigen
Gewerbebetrieb.
Einkommenssteuerlich keine unterschiedliche Behandlung.
Gewerbesteuer regelmäßig keine Belastung, da anrechenbar.
Umsatzsteuervorteil:
-
Vorsteuerabzug der gesamten Baukosten
-
Umsatzsteuerpflicht bezieht sich nur auf Energielieferung an
Energieversorgungsunternehmen
-
kein Umsatzsteuerabfluss für Energieverwendung (Strom, Wärme) im eigenen
landwirtschaftlichen Betrieb
Neben der steuerlichen Würdigung muss bei der Planung aber auch der rechtliche Aspekt und
vor allem die Fördermöglichkeit durch öffentliche Stellen berücksichtigt werden.
Soweit nicht im Einzelnen ein gesonderter Hinweis erfolgt ist, gelten für die vorstehenden
Angaben der Gesetzesstand von Mitte 2001.

3
Grundlagen der Biogasproduktion
Bearbeiter:
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
Dipl.-Ing. agr. Kerstin Jäkel, Dipl.-Ing. Sabine Mau
Kap. 3.1 - 3.4.2
Kap. 3.4.7, 3.5
Dr. Ute Wanka
Kap. 3.4.3, 3.4.4
Dr. Erhard Albert
Kap. 3.4.5, 3.4.6
Schmack Biogas AG
Dipl.-Chem. Markus Ott
Kap. 3.3.6
3.1
Natürlicher Prozess der Entstehung von Biogas
3
3.2
Gärsubstrate
5
3.2.1 Tierische Exkremente
6
3.2.2 Kofermente
12
3.2.2.1 Grundlagen und geeignete Stoffe für die Kofermentation
12
3.2.2.2 Zusammensetzung möglicher Kofermente
16
3.2.2.3 Mitbehandlung von Abwässern in Biogasanlagen, Kärschlammanfall und
-entsorgung in Sachsen
17
3.2.3 Aufkommen und Verwertung biologischer Abfälle in Sachsen
19
3.2.4 Hygienisierung der Gärsubstrate
21
3.2.5 Homogenisierung des Gärsubstrates
22
3.3
Gasausbeute und Qualität des Biogases
22
3.3.1 Gasausbeute
22
3.3.2 Potential der Biogaserzeugung in Sachsen
25
3.3.3 Eigenschaften und Qualitäten von Biogas
27
3.3.4 Temperatur, Verweilzeit, Raumbelastung und Abbaugrade
28
3.3.5 Prozesshemmende und -fördernde Bedingungen
31
3.3.6 Prozessführung und Prozessstabilität
32
3.4
Eigenschaften des vergorenen Substrates
37
3.4.1 Hauptveränderungen des Substrates
37
3.4.2 Analysen zu CSB und BSB Werten
39
3.4.3 Geruchsemissionen
40
3.4.4 Untersuchungen zu Emissionen klimarelevanter Gase und Ammoniak
42
3.4.5 Prüfung von vergorener Gülle hinsichtlich Ertragsleistung und N-Entzug von
Winterraps im Vergleich zu unvergorener Gülle
46
3.4.6 Lysimeteruntersuchungen mit Winterweizen zur Prüfung von vergorener
und unvergorener Gülle auf Ertrag, N-Entzug und N-Auswaschung
50
3.4.7 Untersuchungen zum Futteraufnahmeverhalten bei Rindern bei Verwendung
von Biogasgülle im Vergleich zu konventioneller Gülle
53
3.5
Verfahren der Biogasproduktion
57
3.5.1 Biogasproduktion nach der Art des Ausgangsmaterials
58
3.5.2 Biogasproduktion nach der Aufteilung der verschiedenen Phasen
der Biogaserzeugung
58
3.5.3 Biogasproduktion nach dem Gutfluss in der Anlage
58

2

3
3
Grundlagen der Biogasproduktion
3.1
Natürlicher Prozess der Entstehung von Biogas
In der Natur gibt es verschiedene Abbauprozesse (Tabelle3.1), die nicht immer genau getrennt
werden können und hintereinander oder parallel ablaufen:
Tabelle 3.1
Abbauprozesse
Abbauprozess
Bedingungen
beteiligte Mikroorganismen
Verbrennen
Luftzufuhr
---
Verdauen
Mensch, Tier, wenige Pflanzen
chem. Prozesse, Bakterien
Vergären
Luftabschluss
Bakterien, Hefepilze
Verrotten/
Kompostieren
Luftzufuhr
Bakterien, Hefen, Pilze,
niedere Tiere
Verfaulen
Luft- u. Lichtabschluss,
Feuchte, 0-70°C
Methanbakterien
Quelle: LfL, FB LB, Jäkel
Beim anaeroben Abbau (unter Sauerstoffausschluss, weil die biogaserzeugenden Mikroorga-
nismen keinen Sauerstoff vertragen) von Mist, Gülle und anderen organischen Reststoffen
werden die organischen Inhaltsstoffe (Fette, Kohlenhydrate, Eiweißverbindungen) in ihre
niedermolekularen Bausteine zerlegt; bei diesem Prozess entsteht Biogas. Die einzelnen Stu-
fen der Entstehung von Biogas sind in Abbildung 3.1 dargestellt.
Der Abbau erfolgt in mehreren Stufen, wobei an jedem Schritt spezielle Bakterienstämme
beteiligt sind. In dieser mehrstufigen mikrobiellen Abbaukette sind die Methanbakterien das
letzte Glied. Überall wo kein Sauerstoff und genügend Feuchtigkeit vorhanden ist, kann die-
ser mikrobielle Abbauprozess stattfinden. Es sollte kein Licht in den Faulraum dringen.
1. Schritt:
Im 1. Schritt läuft die
Hydrolyse
(Verflüssigung) ab. Dabei werden durch Enzyme die hoch-
molekularen Stoffe wie Stärke, Zellulose, Fette und Eiweiße in niedermolekulare, wasserlös-
liche Bausteine (Zucker, Fett- und Aminosäuren) zerlegt. Diese Enzyme nennt man Exoen-
zyme. Es sind von Bakterien nach außen abgesonderte Stoffe.
Die Hydrolyse, nicht die Methanbildung als solche, ist in der Regel der geschwindigkeits-
bestimmende Prozess des anaeroben Abbaues.
2. Schritt:
Nun werden die gebildeten Einfachverbindungen von den gleichen Bakterien in niedere Fett-
säuren (Essig-, Propion-, Buttersäure), Alkohole und Aldehyde umgewandelt. Diesen Vor-
gang nennt man
Acidogenese
(Versäuerung). Nebenbei entstehen auch geringe Mengen an
Wasserstoff und Kohlendioxid.
3. Schritt:
In einem 3. Schritt werden die Karboxylsäuren und Alkohole zu Essigsäure, Wasserstoff und
Kohlendioxid abgebaut. Hierbei spricht man von der
Acetogenese
(Essigsäurebildung).
Es handelt sich bei dieser Stufe, welche von den obligat Protonen reduzierenden Bakterien
ausgeführt wird, um den thermodynamisch schwierigsten Schritt des Gesamtabbaus.
4. Schritt:
Zuletzt wird von den Methanbakterien aus der Spaltung von Essigsäure oder aber der Reduk-
tion von Kohlendioxid mittels Wasserstoff das Endprodukt Methan gebildet (Methanbildung).

4
Obwohl es ökologisch von großer Bedeutung ist, macht dabei das aus H
2
und CO
2
gebildete
Methan mit rund 28 % den kleineren Anteil aus. Der größere Teil wird aus der Essigsäure
gebildet. Neben diesen zwei Hauptreaktionen kann Methan auch noch aus Ameisensäure,
Methanol, Kohlenmonoxid und Methyl-Aminen, die als Zwischenprodukte in den vorange-
gangenen Schritten gebildet worden sind, synthetisiert werden.
Durch drei verschiedene Bakteriengruppen werden diese 4 Reaktionsschritte durchgeführt,
von den
versäuernden Bakterien
die Hydrolyse und die Versäuerung, die Bildung der Essig-
säure von den sogenannten
obligat Protonen reduzierenden Bakterien
und die Methaner-
zeugung von den
methanbildenden Bakterien
.
Die Nassfermentation läuft bis zu einem Trockensubstanzgehalt von 15 % ab. Bei ständiger
Zufuhr organischer Masse, wie bei den meisten Biogasanlagen, laufen diese Prozesse neben-
einander und weder räumlich noch zeitlich getrennt ab. Lediglich beim Anfahren einer An-
lage, beim Batchverfahren (Beschreibung im Kapitel 3.5) und bei mehrstufigen Biogas-
anlagen findet ein getrennter Abbau statt. Deshalb kann es beim Anfahren einer Anlage
mehrere Wochen dauern, bis die 4. Phase, die Methanbildung, erreicht ist und Biogas gebildet
wird. Die Bakterien sind zum Teil voneinander abhängig und können sich auch gegenseitig
beeinflussen, denn sie erzeugen ein bestimmtes Milieu, welches für die jeweils andere
Bakteriengruppe fördernd oder hemmend wirkt. Die säurebildenden Bakterien und die
Methanbakterien leben in Symbiose zusammen. Die vollständige Durchmischung des
Reaktors trägt erheblich zur Optimierung der Lebensbedingungen der Methanbakterien bei.
Ein Anstieg des Gasertrages von 10 % kann dadurch möglich werden. Besonders wichtig ist
eine genügend große Ansiedlungs- und Kontaktfläche für die Bakterien, damit sie beim Aus-
trag des Substrates nicht mit ausgespült werden und sich schnell wieder vollständig aufbauen.
Für ihren Zellkörperaufbau muss genügend Stickstoff im Gärsubstrat vorhanden sein, ein
leicht alkalisches Medium mit einem pH-Wert von 7 - 7,6 ist ebenfalls förderlich. Bei der
Verwendung sehr saurer Substrate wie Molke, Schlempe und Silage kann eine Kalkzugabe
erforderlich werden. Die Strukturteile im Gärsubstrat müssen sehr fein verteilt werden, um
große Oberflächen für den Stoffabbau zu erzeugen. Optimal ist eine Konzentration an
organischen Säuren von 500 - 1500 mg/l bei einer entsprechenden Temperatur.
Der Ablauf des Prozesses in getrennten Phasen mit speziellen Bedingungen für die
Bakteriengruppen kann verschiedene Vorteile bringen:
bessere Anpassung der Bakterien an bestimmte Rahmenbedingungen
der Gesamtprozess wird besser überschaubar und steuerbar
geringere Verweilzeiten sind möglich

5
Abbildung 3.1
Anaerober Abbau organischer Verbindungen
Quelle:
Kuhn, E.; Kofermentation; KTBL Arbeitspapier 219
3.2
Gärsubstrate
Als Grundlage der Biogasproduktion in der Landwirtschaft dienen:
a) Kot (feste Stoffe) und Harn (flüssige Phase) aus der tierischen Produktion
b) landwirtschaftliche Abfallprodukte (Grasschnitt, Stroh)
c) Reststoffe aus der Nahrungsmittelproduktion (Biertreber, Gemüseabfälle, Trester, Fette)
d) kommunale und industrielle Reststoffe, insbesondere pflanzlicher Herkunft
Bei der Vergärung bereiten Stoffe Schwierigkeiten, die
schwer mit Wasser mischbar sind,
sehr heterogen sind und
einen hohen Anteil an Zellulose und Lignin in der organischen Substanz haben.
Für die alleinige Vergärung geeignete Stoffe sind:
Gülle, Mist, junges Gras, Biertreber, Trester, Schlempe, Altbrot, Panseninhalt, Biomüll,
Zuckerschnitzel, Speiseabfälle.
Die in Verbindung mit den Grundsubstanzen zur Vergärung geeignete Stoffe sind:
Fettabscheiderfett, Flotatfett, Frittierfett, älteres Gras, Melasse, biologisch abbaubare
Kunststoffe, Ölpresskuchen, Hausabwässer, Silagesickersaft, Strohmehl.

6
3.2.1
Tierische Exkremente
Die Zusammensetzung der Gülle und ihre Fließfähigkeit ist je nach Tierart, Fütterung, Pro-
duktionsrichtung und Aufstallsystem verschieden, dabei soll so wenig Wasser wie möglich
zugeführt werden. Bestimmte Stoffe wie Sand, Holzspäne, Sägemehl, Erde, Haare, Federn
und andere Fremdkörper sind in der Gülle unerwünscht. Schweine sind schlechte Futterver-
werter, in der Gülle sind demnach noch verwertbare Nährstoffe vorhanden, was den höheren
Gasertrag gegenüber Rindergülle erklärt. Der Rohfettgehalt ist bei Schweinegülle am höch-
sten, während in der Hühnergülle die meisten Nährstoffe enthalten sind. Der pH-Wert der
Gülle steigt von Schwein über Rind zu Geflügel an.
Die in der Gülle vorhandenen Feststoffe können nach ihrem physikalischen Verhalten einge-
teilt werden in:
-
Schwebstoffe
(bleiben in Suspension)
-
Schwimmstoffe
(schwimmen auf der Oberfläche - Flotation -,
können sich bis zur betretbaren Schwimmschicht verdichten)
-
Sinkstoffe
(Sedimentation - sammeln sich auf dem Boden)
Die Fließeigenschaft der unvergorenen Gülle bestimmt weitgehend deren Aufbereitung. Je
fließfähiger die Gülle ist und je weniger sie zur Separierung neigt, desto einfacher wird der
technische Aufwand für deren Vorbehandlung und Transport.
Der zu erwartende Anfall an frischen Ausscheidungen, die Trockensubstanz- und Nährstoff-
gehalte sowie der Umrechnungsschlüssel für die GV sind in den Tabellen 3.2 bis 3.4 zu-
sammengestellt.
Substratzusammensetzung tierischer Exkremente
Die Substratzusammensetzung beginnt bereits im Stall und ist von folgenden Faktoren
abhängig:
- Tierart/Verdauungssystem,
- Produktionsrichtung,
- Aufstallung,
-
Fütterung,
- Wasserzufuhr.
Der TS-Gehalt von Flüssigmist unterliegt zum Teil großen Schwankungen. So sind beispiels-
weise bei gleichem TS-Gehalt die Ausscheidungen der Rinder zähflüssiger als die der
Schweine und der Hühner. Schwankungen können auch durch die Sommer- bzw. Winter-
fütterung bei einer Tierart auftreten.
Die genaue Angabe des täglichen Gülleanfalls ist für die Planung äußerst wichtig, weil:
das Gesamtvolumen zusammen mit der gewünschten Aufenthaltszeit zur Berechnung
der Fermentergröße notwendig ist und
die tägliche Gasproduktion durch die Kenntnis der täglichen Originalsubstanzzugabe
bestimmt werden kann.

7
Tabelle 3.2
Anfall an tierischen Exkrementen (Angaben pro Tier und Monat)
Flachlauf-, Tretmist-
1
Anbindestall eingestreut
Tiefstreu ohne
sep. Fressbereich
Tiefstreu mit sep.
Fressbereich
Laufstall,
Anbindestall
Rinder
Dung
Jauche
Dung
Dung
Gülle
Gülle
m³/Tier
m³/Tier
m³/Tier
m³/Tier
m³/Tier
m³/Tier
Kälber unter 3 Monaten zur Zucht
0,09
0,06
0,14
0,07
0,11
0,20
Mastkälber unter 3 Monaten
2
0,13
0,09
0,20
0,10
0,15
0,28
Kälber über 3 bis 6 Monate
0,16
0,11
0,25
0,13
0,19
0,35
Jungrinder über 6 Monate bis 1 Jahr
0,24
0,18
0,40
0,21
0,31
0,56
Jungrinder über 1 Jahr bis 2 Jahre
0,42
0,31
0,70
0,35
0,53
1,00
Färsen über 2 Jahre
0,65
0,45
1,00
0,52
0,77
1,40
Mastkälber 3 bis 6 Monate
2
0,21
0,15
0,33
0,17
0,25
0,46
Männliche Rinder über 6 Monate bis 1 Jahr
2
0,39
0,27
0,60
0,31
0,46
0,84
Männliche Rinder über 1 Jahr bis 2 Jahre
2
0,65
0,45
1,00
0,52
0,77
1,40
Männliche Rinder über 2 Jahre (einschl. Zuchtbullen)
2
0,78
0,54
1,20
0,62
0,92
1,68
Weibliche Mastrinder über 6 Monate bis 1 Jahr
2
0,33
0,23
0,50
0,26
0,39
0,70
Weibliche Mastrinder über 1 Jahr bis 2 Jahre
2
0,49
0,34
0,75
0,39
0,58
1,05
Weibliche Mastrinder über 2 Jahre
2
0,65
0,45
1,00
0,52
0,77
1,40
Mutter- und Ammenkühe
0,60
0,45
1,00
0,52
0,77
1,40
Milchkühe
3
Milchkuh 4000 Liter
0,65
0,45
1,00
0,52
0,77
1,40
Milchkuh 5000 Liter
0,715
0,495
1,10
0,57
0,85
1,54
Milchkuh 6000 Liter
0,78
0,54
1,20
0,62
0,92
1,59
Milchkuh 7000 Liter
0,78
0,54
1,20
0,62
0,92
1,63
Milchkuh 8000 Liter
0,78
0,54
1,20
0,62
0,92
1,67
Milchkuh 9000 Liter
0,78
0,54
1,20
0,62
0,92
1,70
Milchkuh 10000 Liter
0,78
0,54
1,20
0,62
0,92
1,73
Melkhausabwasser
4
0,255
1
bei Tretmist ist der Jaucheanfall zu halbieren
2
bei intensiver Mast mit Maissilage reduziert sich der Gülleanfall um bis zu 25 v.H.
3
ohne Melkhausabwasser
4
bei Milchkühen ergeben sich die Anfallswerte flüssiger Wirtschaftsdünger zuzüglich 0,255 m³ Melkhausabwasser pro Tier und Monat

8
Tabelle 3.2 (Fortsetzung)
Anfall an tierischen Exkrementen (Angaben pro Tier und Monat)
Flachstreu
Tiefstreu
ohne Einstreu
Dung
Jauche
Dung
Gülle
Reinigungs-
wasser
Schweine
m³/Tier
m³/Tier
m³/Tier
m³/Tier
m³/Tier
Zuchtsauen ab 1. Belegung
0,15
0,14
0,30
0,25
0,01
Zuchtsauen laktierend
0,15
0,14
0,40
0,04
Jungsauen
0,15
0,10
0,30
0,20
0,05
andere Zuchtschweine (u.a. Eber) ab 50 kg
0,15
0,13
0,30
0,28
0,02
Ferkel bis unter 10 kg
0,006
0,006
0,01
0,0125
Ferkel 10 - 30 kg
0,01
0,008
0,02
0,03
0,002
Zuchtschweine bis 50 kg
0,03
0,02
0,07
0,09
0,01
Mastschweine 30 - 115 kg Trockenfütterung
0,06
0,055
0,13
0,135
0,005
Mastschweine 30 - 115 kg Flüssigfütterung
0,07
0,075
0,15
0,165
0,005
Schafe, Ziegen
1
Schafe unter 1 Jahr und Hammel
0,08
Mutterschafe
0,12
Sauglämmer
0,02
Mastlämmer
0,05
Weibliche Schafe über 1 Jahr (Zutreter)
0,12
Andere Schafe über 1 Jahr (Böcke)
0,16
Mutterziegen
0,12
Andere Ziegen (unter 1 Jahr)
0,12
Pferde
Pferde unter 6 Monate, Ponys
0,35
0,05
0,50
Pferde über 6 Monate bis 3 Jahre, Kleinpferde
0,55
0,07
0,75
Pferde über 3 Jahre
0,75
0,10
1,00
1
bei Milchgewinnung mittels Melkanlage sind zusätzlich 0,045 m³ Melkabwasser pro Tier und Monat zu berücksichtigen

9
Tabelle 3.2 (Fortsetzung)
Anfall an tierischen Exkrementen (Angaben pro Tier und Monat)
Tiefstreu
1
Trockenkot
1
,
2
Jauche
2
Gülle
Geflügel
m³/100 Tiere
m³/100 Tiere
m³/100 Tiere
m³/100 Tiere
Legehennen über 6 Monate
0,25
0,22
0,59
Küken und Junghennen zur Aufzucht als Legehennen
0,10
Masthähnchen (Broiler)
0,10
Enten zur Zucht
0,55
Mastenten
0,20
0,60
Gänse zur Zucht
1,00
Mastgänse
0,33
Mastputen
0,90
Kaninchen
Kaninchen (einschließlich Nachzucht, geschl. System)
3,39
4,75
7,46
Mastkaninchen
0,31
0,44
0,688
Zuchtkaninchen mit Absetzer
0,77
1,08
1,70
1
ohne Reinigungsabwasser
2
Lagerzeit auf den Kotbrettern länger als 48 h und Kotbelüftung; bei Kaninchen: Kot-Harn-Trennung
Trockensubstanzgehalte:
Rindermist
25 % TS
Schweinemist
25 % TS
Rinderjauche
2 % TS
Schweinejauche
2 % TS
Rindergülle
12 % TS
Schweinegülle
5 % TS
Melkhausabwasser
1 % TS
Schweinegülle Trockenfütterung
6 % TS
Schweinegülle Flüssigfütterung
4 % TS
Schafmist
40 % TS
Geflügelmist
45 % TS
Pferdemist
25 % TS
Geflügeltrockenkot
60 % TS
Geflügelgülle
15 % TS
Quelle: Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zur Ermittlung der Lagerkapazität für tierische Exkremente
und Produktionsabwässer im Rahmen der Förderung sowie in Umsetzung von §4 der Sächsischen Dung- und Silagesickersaftanlagenverordnung
(VwV Lagerkapazität) vom 29.06.2001

10
Tabelle 3.3
Mittlere TS- und Nährstoffgehalte ausgewählter Wirtschaftsdünger
Für Stickstoff wurden bei Gülle und Jauche 10 % Lagerverluste sowie bei Stallmist 25 % Rotteverluste berück-
sichtigt. Ausbringungsverluste - max. 20 % gemäß Düngeverordnung zulässig- sind nicht einbezogen.
Flüssigmist
TS
Nährstoffgehalt [kg/m³]
%
N gesamt
NH
4
-N
P
2
O
5
P
K
2
O
K
Jauche
Rind
Schwein
2
2
2,2
2,5
1,9
2,2
0,23
0,92
0,10
0,40
7,80
3,60
6,50
3,00
Gülle dünn
Rind
Schwein
Geflügel
4
4
4
1,8
2,7
3,0
0,8
1,8
1,7
1,19
2,89
4,99
0,52
1,26
2,18
2,99
1,79
2,99
2,49
1,49
2,49
Gülle normal Rind
Schwein
Geflügel
8
8
8
3,5
5,3
5,9
1,8
3,4
3,2
1,49
3,50
9,48
0,65
1,53
4,14
5,98
2,99
4,78
4,98
2,49
3,98
Gülle dick
Rind
Schwein
Geflügel
12
12
12
5,3
8,0
8,6
2,7
5,2
4,7
3,69
8,68
12,57
1,61
3,79
5,49
8,87
5,47
6,47
7,39
4,56
5,39
Melkhaus-, Oberflächen-
und Reinigungsabwasser
1
0,2
0,2
0,07
0,03
0,02
0,02
Silosickersaft
4
1,4
1,2
0,50
0,22
3,50
2,90
Stallmist
TS
Nährstoffgehalt [kg/m³]
%
N gesamt
NH
4
-N
P
2
O
5
P
K
2
O
K
Stallmist
Rind
Schwein
Pferd
Schaf
Geflügel
25
25
25
40
45
0,55
0,75
0,40
1,50
2,00
0,12
0,19
0,12
0,43
0,71
0,46
0,69
0,41
0,69
1,72
0,20
0,30
0,18
0,30
0,75
1,14
0,42
0,48
1,92
1,32
0,95
0,35
0,40
1,60
1,10
Gründüngung
TS
Nährstoffgehalt [kg/m³]
%
N
P
2
O
5
P
K
2
O
K
Gründüngung Stroh
Blatt
Zwischenfrucht
88
15
15
0,5
0,5
0,5
0,34
0,07
0,16
0,15
0,03
0,07
1,92
0,30
0,48
1,60
0,25
0,40
Quelle: SMUL, Ordnungsgemäßer Einsatz von Düngern entsprechend der Düngeverordnung, 1997

11
Tabelle 3.4 Umrechnungsschlüssel für die Berechnung von Vieh- und Großvieheinheiten
Tierart
VE/Stück
Stück/VE
GV/Stück
laut Bewertungsgesetz
KTBL 00/01
Rindvieh
Kälber und Jungvieh bis 1 Jahr einschl. Mastkälber
0,30
3,33
0,30
Rinder 1-2 Jahre (Mast)
0,70
Jungvieh, 1 bis 2 Jahre *) weiblich
0,70
1,43
0,60*)
Färsen (> 2 Jahre)
1,00
1,00
Kühe einschl. Mutter- u. Ammenkühe mit den
dazugehörigen Saugkälbern
1,00
1,00
Kühe und Rinder > 2 Jahre
1,20
Zuchtbullen, Zugochsen
1,20
0,83
Schafe
Schafe bis 1 Jahr
0,05
20,00
0,05
Bock
0,20
Schafe über 1 Jahr
0,10
10,00
0,10
Ziege
0,08
12,5
Schweine
Ferkel bis etwa 12 kg
0,01
100
0,01
Ferkel über 12 bis etwa 20 kg
0,02
50
0,03
Ferkel über 20 bis etwa 30 kg
0,04
25
Läufer über 30 bis etwa 45 kg
0,06
16,67
Läufer über 45 bis etwa 60 kg
0,08
12,50
0,12
Mastschweine
0,16
6,25
20 bis 105 kg
0,13
25 bis 115 kg
0,14
35 bis 120 kg
0,16
Jungzuchtschweine bis etwa 90 kg
0,12
8,33
Zuchtschweine einschl. Jungzuchtschweine >90 kg
0,33
3
Niedertragende und leere Sauen, Eber
0,3
Sauen mit Ferkeln bis 10 kg
0,4
Sauen mit Ferkeln bis 20 kg
0,5
Geflügel
Legehennen braun (∅ 2 kg)
0,004
Legehennen weiß (∅ 1,7 kg)
0,0034
Legehennen, einschl. normaler Ergänzungsaufzucht
0,02
50
Legehennen aus zugekauften Junghennen
0,0183
55
Zuchtenten-, Zuchtputen, Zuchtgänse
0,04
25
Jungmasthühner, mehr als 6 Durchgänge/Jahr, leichte Tiere
0,0013
800
Jungmasthühner, bis zu 6 Durchgänge/Jahr, schwere Tiere
0,0017
600
Masthähnchen Kurzmast 25 Tage (∅ 0,41 kg)
0,0008
Masthähnchen Langmast 25 Tage (∅ 0,7 kg)
0,0014
Junghennen
0,0017
600
Mastenten
0,0033
300
Jungputen (bis 8 Wochen alt)
0,0017
600
Pekingenten (∅ 1,1 kg)
0,0022
Flugenten (∅ 1,9 kg)
0,0038
Jungenten (∅ 0,65 kg)
0,0013
Putenhennen (∅ 3,9 kg)
0,0079
Putenhähne (∅ 8,2 kg)
0,0164
Putenaufzucht (∅ 1,1 kg)
0,0022
Mastputen aus selbsterzeugten Jungputen
0,0067
150
Mastputen aus zugekauften Jungputen
0,0050
200
Mastgänse
0,0067
150

12
Gülle ist an sich ein sehr inhomogener Stoff. Er setzt sich im Wesentlichen aus festen und ge-
lösten Teilen zusammen. Grob kann man sagen, dass für Biogasverfahren ein Trockensub-
stanzgehalt zwischen 5 und 15 % günstig ist. Wasserzugabe erhöht im Allgemeinen die Fließ-
fähigkeit der Gülle. Bei einem TS-Gehalt von weniger als 5 % würde der Prozess zwar noch
funktionieren, aber es müsste zuviel nutzloses Wasser durch die Anlage transportiert werden.
Die Wirtschaftlichkeit würde darunter leiden. Für die Biogasgewinnung sollte also so wenig
wie möglich Wasser verwendet werden, weil bei beheizten Anlagen pro Volumeneinheit die
Gesamtbiogasproduktion mit steigendem Wassergehalt abnimmt, d. h. die absolut gleichblei-
bende Prozessenergie nimmt prozentual an der Gesamtenergie zu. Je nach Gülleart und Auf-
enthaltszeit übersteigt bei Trockensubstanzgehalten zwischen 2 und 4 % die Prozessenergie
die Gasproduktion. Für die Erhaltung der Prozesstemperatur müsste Fremdenergie zugeführt
werden.
Der obere Grenzwert, bei dem das Substrat gerade noch problemlos gepumpt, gerührt und ge-
mischt werden kann, beträgt 15 %.
Neben Kot, Harn und Wasser gelangen auch Fremdstoffe in die Gülle. Zum Einen sind es
Stoffe, die
Energie besitzen
, wie Einstreu und Futterreste und
zum anderen sind es
unerwünschte Feststoffe
, wie
-
Sand aus Mineralstoffen in Futtermitteln bei Schweinen und Geflügel,
-
Sägemehl zum Einstreuen,
-
Erde aus Raufutter,
-
Erde, die nach dem Weidegang von den Tieren in den Stall mit eingeschleppt wird,
-
Fell- und Schwanzhaare, Borsten, Federn und
-
Fremdkörper (z. B. Schnüre, Drähte, Kunststoffe, Steine).
Diese Feststoffe sind nicht vergärbar und beeinträchtigen oft die Fließfähigkeit der Gülle.
Organische Säuren, Antibiotika, Chemotherapeutika und Desinfektionsmittel können den
Faulprozess hemmen oder gar zum Erliegen bringen, insbesondere wenn hohe Konzentra-
tionen in der Gülle auftreten. Dies tritt besonders dann auf, wenn Tierbestände gleichzeitig
behandelt oder Ställe desinfiziert werden. Eine Einzeltierbehandlung wirkt sich nicht negativ
aus. Außerdem hängt der Grad der Beeinträchtigung der Vergärung auch vom eingesetzten
Desinfektionsmittel ab.
3.2.2
Kofermente
3.2.2.1 Grundlagen und geeignete Stoffe für die Kofermentation
In Kommunen, bei der Landschaftspflege, bei der Nahrungsmittelverarbeitung und in Groß-
küchen fallen derzeit in steigendem Maße organische Reststoffe an, die über die herkömm-
lichen Wege wie Kompostierung, Deponierung oder Einsatz in der Tierfütterung immer
schwieriger zu verwerten sind. Gründe dafür sind einerseits der immer knapper werdende
Deponieraum und andererseits schärfere Umweltauflagen und Gesetze.
Im Zusammenhang mit dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz gewinnt die gemeinsame
Vergärung von Gülle mit landwirtschaftlichen, gewerblichen und kommunalen organischen
Abfällen immer mehr an Bedeutung. Einerseits soll die stoffliche, andererseits die energe-
tische Verwertung gleichermaßen durchgeführt werden. Dieses Verfahren nennt man Kofer-
mentation. Das Ziel der Kofermentation ist es, eine
verantwortbare Rückführung
der orga-
nischen Abfälle und der darin enthaltenen Nährstoffe in den landwirtschaftlichen Stoffkreis-
lauf und die Nutzung das verfügbaren Energiepotentials in den Abfällen.

13
Dabei ist zu bedenken, dass in den Kofermenten bestimmte Stör- und Schadstoffe sowie
Keime enthalten sein können. Über die Kofermentation dieser Stoffe herrscht behördlicher-
seits wie auch bei den Biogasanlagenbetreibern in der Landwirtschaft große Unsicherheit.
Daher ist es zweckmäßig, vor dem Vergären von biologischem Abfall Schad- und Nährstoff-
analysen anzufordern. Einige Kofermente müssen einer Vorbehandlung unterzogen werden,
wie einer Sortierung oder Hygienisierung. Durch den Fermentationsprozess kann eine sichere
Hygienisierung nicht gewährleistet werden.
Der Anhang 1 der BioAbfV schreibt für die verwertbaren Abfallarten Fettabfälle, Inhalt von
Fettabscheidern und Flotate sowie Küchen- und Kantinenabfälle eine Pasteurisierung (70
o
C;
mindestens 1 Stunde) vor.
Die genauen Vorgaben können dem Kapitel 2.1.1 entnommen werden.
Für die Annahme und Verarbeitung von Kofermenten sind zusätzliche Rühr- und Zerkleine-
rungseinrichtungen, eine Hygienisierungsstufe und evtl. eine Prozesswasserrückführung er-
forderlich (vgl. Kapitel 4.2).
Kofermente führen zu Veränderungen in der Zusammensetzung des Gärsubstrates in Bezug
auf Trockensubstanz-, Nährstoff- und Schadstoffgehalt. Bei der späteren Ausbringung als
Dünger ist dies zu beachten (vgl. Kapitel 2.1.1). Auch das Biogas verändert sich durch die
Zugabe von Kofermenten, es kann mehr Gas mit einem höheren Methangehalt entstehen
(Abbildung 3.2) und unterschiedlichen Mengen H
2
S.
Beim erstmaligen Einsatz von Kofermenten in Biogasanlagen ist je nach Substrat mit der ers-
ten Wirkung in Form von erhöhter Gasausbeute nach einigen Tagen bis zu 4 Wochen zu rech-
nen. Es kann bis zu 3 Monaten dauern bis ein weiterer Leistungsschub stattfindet und die
Anlage mit dem neuen Kosubstrat auf voller Leistung ist. Die Zugabe sollte am Anfang
äußerst vorsichtig und dosiert erfolgen, damit sich die Bakterien an das neue Medium gewöh-
nen können (vgl. Kapitel 3.3.6). Eine zu schnelle Zugabe kann zum Umkippen des Prozesses
führen. Aufgrund der Trägheit des Biogas-Prozesses kann es anschließend immer wieder zu
Schwankungen in der Gasproduktion kommen. Diese sind mit den üblichen technischen
Hilfen wie pH-Wert- und Gasmessung schwer abzuschätzen, geschweige denn zu steuern.
Abbildung 3.2
Einfluss der Zuschlagstoffe auf den Methangehalt
0
5
10
15
20
25
30
35
50
52
54
56
58
60
62
64
66
68
70
15. Jan
20. Jan
25. Jan
30. Jan
04. Feb
09. Feb
14. Feb
19. Feb
24. Feb
29. Feb
Vol%
Fettwasser
Melasse
Methangehalt
Datum
Quelle: LfL, FB LB, Jäkel

14
Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen
Den nachwachsenden Rohstoffen kommt eine steigende Bedeutung bei der Energieerzeugung
zu. Die Stoffe sind gut vergärbar (außer Holzanteile) und liefern ein hohes Energiepotential.
Der Anbau von Nachwachsenden Rohstoffen bzw. Energiepflanzen stellt eine weitere Option
dar, Ausgangsstoffe für eine Biogasproduktion bereitzustellen.
Landwirtschaftlichen Betrieben wird somit eine Einkommensalternative durch die Produktion
erneuerbarer Energien nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geboten. Besonders
interessant ist hierbei die im eigenen Betrieb erzeugte Biomasse, die als nachwachsender
Rohstoff zur Energieerzeugung verwendet werden kann.
Bevorzugt wird in steigendem Maße der Anbau und die Verwertung von Maissilage. Sie ist
durch ihre Konservierung im Silo ganzjährig verfügbar, dies wird im Allgemeinen als wich-
tige Voraussetzung für einen kontinuierlichen Betrieb der Biogasanlage angesehen. Ein Bei-
spiel zur Wirtschaftlichkeitsberechnung zum Einsatz von Maissilage in Biogasanlagen befin-
det sich im Kapitel 6. Weiterhin bietet sich Grassilage an, da auf Grünland gute Erträge er-
reichbar sind und insbesondere im Osten Deutschlands durch niedrige Tierbestände unge-
nutzte Grünlandflächen zur Verfügung stehen. Dagegen erfordert die Vergärung von Rüben
eine spezielle und somit teuere technische Ausrüstung (z. B. spezielle Erntetechnik).
Nachfolgend sind einige landwirtschaftliche
Kofermente
, die auch zur Erzeugung auf Stillle-
gungsflächen geeignet sind, dargestellt.
Tabelle 3.5
Beispiele für mögliche nachwachsende Rohstoffe für Biogasanlagen
Substrat
Vorteile
Nachteile
Kartoffeln
- gute Aufbereitung möglich
- bilden Sinkschichten, Masse verklebt leicht
Mais
- hohe Energiekonzentration
- problemlose Ernte mit hoher
Flächenleistung
- kostengünstige Lagerung
Rüben
- hohe Energiekonzentration
(Gehalts- und Zuckerrüben)
- hoher Aufwand bei der Ernte und Aufbereitung
gemahlenes
Getreide
- gute Lagerfähigkeit
- Einsatz zur gezielten
Anlagensteuerung
- Holzanteil der Halme führt zu
Schwimmschichten
Gras
- hohe Energiekonzentration
- bringt Verschmutzung in den Fermenter
- Grundgerüst des Grases bleibt während der
Vergärung erhalten und bildet Schwimmschicht
Zwischen-
früchte
(z. B. Raps)
- mittlere Energiekonzentration
- bei Körnerfrüchten hohe
Energiekonzentration
- bringen Schmutz (Erde) und verholzte
Pflanzenteile in den Fermenter
(geschnittenes Gut)
(Schwimm- und Sinkschichten)
Quelle: VDI Berichte 1620; 2001
Bei der Nutzung nachwachsender Rohstoffe von Stilllegungsflächen sind weiterhin einige
technische und rechtliche Besonderheiten zu berücksichtigen.
Rechtliche Besonderheiten spiegeln sich durch Regelungen wider, die von der Bundesanstalt
für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) erarbeitet wurden. Hierbei geht es hauptsächlich um
eine geordnete und mit dem Europarecht konforme Verarbeitung für Produkte von Stillle-
gungsflächen.
Bisher war die Erzeugung von nachwachsenden Rohstoffen und die Vergärung im gleichen
Betrieb nicht möglich. Die derzeitige Lösung ist jedoch immer noch mit einem erheblichen
bürokratischem Aufwand verbunden. Nachfolgende Abbildung 3.3 verdeutlicht dies.

image
15
Abbildung 3.3 Verwendungskontrolle für nachwachsende Rohstoffe in hofeigenen
Biogasanlagen (Artikel 3 Abs. 4 der VO (EG) Nr. 2461/99)
Ein Merkblatt der BLE (an allen Ämtern für Landwirtschaft einsehbar) enthält Detailinfor-
mationen u. a. zu folgenden Schwerpunkten: Ausgleich von nicht erreichten Mindesterträgen,
Anbauerklärungen, Ernteanzeigung, zulässige Silobauformen, Pflicht zur Hinzuziehung von
fachkundigen Personen bei der Einlagerung und Denaturierung, Anträge auf Stilllegungs-
ausgleich.
Um dem hohen Aufwand zu entgehen, können selbstverständlich alle Stoffe auch auf der
normalen landwirtschaftlichen Nutzfläche angebaut werden.
Weitere mögliche Kofermente:
Landwirtschaftliche Reststoffe
, wie z. B. Futterreste, Siloabraum, Sickersäfte, Gemüse- und
Blattabfälle eignen sich sehr gut zum Vergären und bieten der Landwirtschaft gleichzeitig die
Möglichkeit, solche Stoffe sinnvoll zu verwerten.
Agroindustrielle Rohstoffe
, z. B. Ernterückstände, Schlempen, Trester, Abfälle aus der ge-
müseverarbeitenden Industrie sind allgemein gut vergärbar und müssen nicht vorsortiert und
hygienisiert werden.

16
Rasenschnitt
von Grünanlagen und Sportplätzen (kommunaler Abfall) hat niedrige Schad-
stoffgehalte und eignet sich gut als Kofermentat. Nachteilig wirkt sich der saisonale Anfall
aus.
Speiseabfälle
sind nach der Zerkleinerung hervorragend vergärbar und weisen niedrige
Schadstoffgehalte auf. Sie müssen allerdings nach Fremdstoffen vorsortiert und hygienisiert
werden. Es sollte eine konsequente Trennung in ihrer Lagerung zum Stallbereich und zur Ver-
arbeitung erfolgen.
Bioabfall
ist ebenfalls ein hervorragend zu vergärendes Gut. Der Bioabfall darf allerdings
keine großen Mengen an Strauchschnitt und anderen holzigen Materialien enthalten. Soll Bio-
abfall vergoren werden, ist von der zuständigen Kommune eine hinreichende Aufklärungs-
arbeit unter der Bevölkerung zu leisten, damit keine Störstoffe in die Biotonne gelangen.
Schlachtabfälle
stellen auf Grund seuchenhygienischer Bedenken und der Geruchsproble-
matik hohe Anforderungen an die Hygienisierung im Annahmebereich und unterliegen dem
Tierkörperbeseitigungsgesetz. Sie sind allerdings sehr gut vergärbar.
Insbesondere bei den drei letzt genannten Kofermentatgruppen kann es zu Problemen mit dem
Düngemittelrecht kommen, wenn eine landbauliche Verwertung der Endprodukte vorgesehen
ist (vgl. Kapitel 2.1.1).
3.2.2.2 Zusammensetzung möglicher Kofermente
Auskunft über die Zusammensetzung verschiedener Kofermente gibt nachfolgende Tabelle.
Tabelle 3.6
Trockensubstanz, mittlere Nährstoffgehalte und Zusammensetzung
möglicher Kofermente
Wertbestimmende Daten organischer Reststoffe (Einzeluntersuchungen)
Substrat
TS
% von FS
oTS
% von FS
Nges
g/l
Phosphat
g/l
K2O
g/l
Rohprotein
% von FS
Rohfett
% von FS
Rohfaser
% von FS
KW
*
g/kg FS
Biomüll
Küchenabfälle
Garten- u. Grünabfälle
60 - 75
30 - 70
0,6 - 2,7
0,6 - 2,2
0,3 - 2,0
0,2 -0,4
0,3 - 1,5
0,1 - 2,3
0,4 - 2,0
0,4 - 1,8
0,4 - 3,4
Panseninhalt
Flotatschlamm
Flokkulationsschlamm
17
12
5
16
11
13
5,8
6,0
5,9
3,8
0,1
3,8
45
84,5
Fettabscheiderrück-
stand
Bleicherde
40
93
39
19
3,3
0,9
5,1
2,7
386
140
Ausputz (Staubraum)
Kartoffelschälreste
86
22
80
18
13,0
4,5
2,3
9,5
2,8
0,1
0,4
22
Kartoffelmus
Kartoffelpülpe
Kartoffelschlempe
20
16
7
18
15
6
4,8
1,4
3,9
0,05
1,8
3,0
0,9
2,4
0,2
0,1
0,03
1,0
4,4
0,6
Hefeabpresswasser
Hefemelasserest
5
72
60
1,8
41,4
1,8
57,5
1,1
25,9
0,4
0,4
Parkrasenschnitt
Extensiv-Weideschnitt
21
24
19
18
6,7
2,9
0,7
0,6
4,2
5,3
4,2
1,8
* KW = Petroletherextrakt =
Σ
Fette und Öle; FS = Frischsubstrat
Quelle: Schulz, Biogas-Praxis, 1996
Der Nachweis der Einhaltung derzeitiger Grenzwerte für Schwermetallgehalte der Bioabfall-
und Klärschlammverordnung (BioAbfV, AbfklärV) stellen einen erheblichen Konflikt für
eine landwirtschaftliche Nutzung von Komposten und Biogasgülle - insbesondere aus der
anaeroben Kofermentation - dar (vgl. Kapitel 2.1.1).

17
Tabelle 3.7
Grenzwerte für Schwermetallgehalte laut BioAbfV und AbfklärV
BioAbfV
AbfklärV
Parameter
Ausbringung
< 20 t TS/ha
aller 3 Jahre
[mg/kg TM]
Ausbringung
20 - 30 t TS/ha
aller 3 Jahre
[mg/kg TM]
AbfklärV-
Schlamm
AbfklärV-
Boden
Blei
150
100
900
100
Cadmium
1,5
1
10/5*
1,5/1*
Chrom
100
70
900
100
Kupfer
100
70
800
60
Nickel
50
35
200
50
Quecksilber
1
0,7
8
1
Zink
400
300
2500/2000*
200/150*
Quelle: BioAbfV und AbfklärV; * bei Böden mit Tongehalt < 5 % oder pH-Werten > 5 und < 6
Die Schwermetallgehalte organischer Stoffe sind in Tabelle 3.8 dargestellt.
Tabelle 3.8
Übliche Schwermetallgehalte organischer Stoffe
Schwermetallgehalte (in mg/kg TM)
Substrat
Pb
Zn
Cd
Cr
Cu
Ni
Hg
Rindergülle
8,5
225
0,43
5,50
44,5
5,2
0,05
Schweinegülle
8,90
1035
0,68
8,4
443
18,6
0,04
Geflügelgülle
7,20
430
0,25
4,4
63
8,1
0,02
Rindermist
7,00
213
0,44
5,0
39
10
k. A.
Schweinemist
k.A.
1220
0,43
11
740
13
k. A.
Geflügelmist
k.A.
406
0,36
12
69,7
9
0,05
Bioabfallkompost
56
199
1,10
23
57
12
0,24
Ernterückstände
2,55
57,5
0,125
0,60
7,00
1,7
0,07
Quelle: EdDE-, Dokumentation 2; Umverteilung von Schwermetallen in der Umwelt durch Komposte im
Vergleich zu anderen Einträgen auf Böden
Hauptproblem bei der Kofermentation ist das Endprodukt. In jedem Fall muss verhindert
werden, dass durch die Kofermentation unerwünschte Stoffe wie Schwermetalle, organische
Schadverbindungen oder Keime in und auf den Boden gelangen. Deshalb ist auf eine ausrei-
chende Hygienisierung, auf einen hohen Abbaugrad der organischen Substanz und auf eine
ständige Kontrolle des Ausgangs- und Endprodukts zu achten.
3.2.2.3 Mitbehandlung von Abwässern in Biogasanlagen, Kärschlammanfall und
-entsorgung in Sachsen
Besonders im ländlichen Raum wird eine dem Stand der Technik entsprechende Abwasser-
beseitigung benötigt. Dezentrale Anlagen sollen dazu beitragen, Abwasser kostengünstig und
seuchenhygienisch unbedenklich zu entsorgen oder zu verwerten.
Nur landwirtschaftliche Betriebe dürfen ihr eigenes Abwasser auf den eigenen Feldern aus-
bringen. Die Verwertung von landwirtschaftlichen Abwässern (z. B. Melkhausabwässer) zu-
sammen mit Gülle in landwirtschaftlichen Biogasanlagen ist möglich. Das Substrat darf da-
durch nicht zu sehr verdünnt werden.
Wenn eine Biogasanlage vorhanden ist, ist dies ein wirtschaftliches Verfahren der Abwasser-
entsorgung.

18
Seuchenhygienische Bedenken bestehen nur bei der Mitverwertung von Fremdabwasser in
mesophilen Biogasanlagen. Fremdabwässer sind wie Klärschlamm zu bewerten. Eine Aus-
bringung des Endsubstrates muss dann nach der Klärschlammverordnung erfolgen.
Die rechtlichen Möglichkeiten der Klärschlammausbringung auf landwirtschaftlichen Flächen
bei Teilnahme am Sächsischen Förderprogramm "Umweltgerechte Landwirtschaft" sind im
Kapitel 2.1.1.4, Beispiel 3 beschrieben.
Aus seuchenhygienischer und aus Sicht der Kostenminimierung für die Abwasserentsorgung
ist der Mitverwendung des eigenen Abwassers in landwirtschaftlichen Biogasanlagen der
Vorzug vor jeder anderweitigen Verwertung (Kleinkläranlage, geschlossene Gruben) zu
geben. Bei Vorhandensein einer dem Stand der Technik entsprechenden Anlage zur Ab-
wasserreinigung kann kein Anschluss- und Benutzungszwang erteilt werden.
Das Klärschlammaufkommen aus kommunalen Kläranlagen im Freistaat Sachsen betrug 1998
90.213 t TS gegenüber ca. 66.000 t TS im Jahr 1991. Trotz weiterer Erhöhung des Anschluss-
grades der Bevölkerung stagniert inzwischen das Aufkommen auf Grund eines geringeren
Abwasseranfalles und durch den Ausbau von Klärschlammbehandlungsverfahren auf
Kläranlagen.
Mit einem Anteil von 55 % (Abbildung 3.4) stellte 1998 die Kompostierung für Klär-
schlämme aus dem Freistaat Sachsen den Hauptentsorgungsweg dar. Die Kompostierung ist
dabei allerdings nur ein Behandlungsverfahren vor der eigentlichen Verwertung des Klär-
schlammes als Kompost in unterschiedlichen Anwendungsbereichen.
Im Bereich der Landwirtschaft wurden Klärschlammkomposte oder Klärschlämme in einer
Menge von ca. 1.500 t verwertet. Das entspricht einem Anteil von 2 % der insgesamt zu ent-
sorgenden Menge. An der gesamten Menge des in Sachsen in der Landwirtschaft verwendeten
Klärschlammes beträgt der Anteil der sächsischen Klärschlämme ca. 9 %.
15 % des Klärschlammes wurden direkt in der Rekultivierung und im Landschaftsbau ver-
wendet.
Mit einem Anteil< 1 % spielte 1998 auch die thermische Behandlung im Vergleich zu
anderen Bundesländern eine untergeordnete Rolle.
Abbildung 3.4
Klärschlammentsorgungswege im Freistaat Sachsen (Stand 1998)
Kompostierung
55%
(49.804 t TS)
Landwirtschaft
2%
(1.494 t TS)
Thermische
Behandlung
< 1%
(223 t TS)
Sonstiges
6%
(5.109 t TS)
Rekultivierung
Landschaftsbau
15%
(13.698 t TS)
außerhalb Sachsen
16%
(14.854 t TS)
Deponie
3%
(2885 t TS)
Zwischenlager
2%
(2.146 t TS)

19
Wie aus der Abbildung 3.4 hervorgeht, kann die energetische Nutzung von Klärschlamm in
Sachsen wesentlich erhöht werden.
3.2.3
Aufkommen und Verwertung biologischer Abfälle in Sachsen
In Tabelle 3.9 wird das Aufkommen der getrennt gesammelten biologisch abbaubaren orga-
nischen Abfälle aufgeschlüsselt nach Landkreisen und kreisfreien Städten dargestellt. In der
sächsischen Abfallbilanz 2000 wurden als biologisch abbaubare organische Abfälle folgende
Fraktionen erfasst:
Bioabfälle aus Haushalten (über Biotonne),
Grünabfälle aus Haushalten,
Bioabfälle und sonstige biogene Abfälle aus dem Gewerbe,
Garten- und Parkabfälle von öffentlichen Flächen.
Von den 29 Landkreisen und Kreisfreien Städten sind 27 in 8 Abfallverbänden zusammenge-
schlossen. Eine getrennte Erfassung von Bioabfällen erfolgt in 23 Landkreisen und Kreis-
freien Städten, davon haben 13 die Biotonne flächendeckend eingeführt. Im Jahr 2000 waren
rd. 2,05 Mio. Einwohner, das entspricht ca. 46 % der Bevölkerung, an die Bioabfallsammlung
angeschlossen.
Nach Tabelle 3.9 betrug im Jahr 2000 das
Gesamtaufkommen
an
biologisch abbaubaren organischen Abfällen
221.545 t,
das entspricht einem Aufkommen von
50 kg / Einwohner und Jahr.
Sollen Aufkommen und Verwertung von biologischen Abfällen in Sachsen und in den einzel-
nen Landkreisen und Kreisfreien Städten analysiert werden, um das Potential für die Biogas-
erzeugung zu ermitteln, so ist der Landesabfallwirtschaftsbericht heranzuziehen. Auch die
einzelnen Abfallverbände können Auskunft erteilen. Getrennt gesammelte Stoffe werden,
werden meist vollständig einer Verwertung unterzogen, so dass als Potential für die Bio-
gasanlagen hauptsächlich die bisher nicht gesammelte Biomasse zur Verfügung steht. Zum
möglichen Potential für die Biogaserzeugung gehören auch die Klärschlämme.
Die anfänglich sehr hohen Einnahmen aus der Abnahme von biogenen Abfällen haben sich
auf Grund eines stark umkämpften Marktes erheblich reduziert.
Für landwirtschaftliche Biogasanlagen sind die biologischen Abfälle aus der Siedlungswirt-
schaft rechtlich problematisch (vgl. Kapitel 2.1.1).

20
Tabelle 3.9
Aufkommen an getrennt erfassten Bioabfällen im Freistaat Sachsen 2000
in t und kg/Einwohner und Jahr (den ÖRE angedient)
Haushalte
Gewerbe und Industrie
Bioabfälle (Biotonne)
Grünabfälle
Bioabfälle (Bio-
tonne)
Garten- und
Parkabfälle
Summe des Auf-
kommens
Einwohner
t
kg
(E-a)
t
kg
(E-a)
t
kg
(E-a)
t
kg
(E-a)
t
kg
(E-a)
Annaberg
88.894
1.100
12
55
1
193
2
211
2
1.559
18
Aue-Schwarzenberg
141.653
5.784
41
470
3
181
1
0
0
6.435
45
Chemnitzer Land
141.837
884
6
0
0
68
<1
0
0
952
7
Stollberg
94.375
194
2
1.954
21
19
<1
0
0
2.167
23
ZAS
466.759
7.962
17
2.479
5
461
1
211
<1
11.113
24
Chemnitz, Stadt
261.460
21.040
80
3.109
12
k.A.
k.A.
1.224
5
25.373
97
Freiberg
153.993
2.216
14
1.893
12
k.A.
k.A.
0
0
4.109
27
Mittlerer Erzge-
birgskreis
95.015
0
0
6.450
68
0
0
2.250
24
8.700
92
Mittweida
138.982
1.943
14
0
0
k.A.
k.A.
0
0
1.943
14
AWVC
649.450
25.199
39
11.452
18
k.A.
k.A.
3.474
5
40.125
62
Vogtlandkreis
203.526
0
0
2.366
12
0
0
1.863
9
4.229
21
Plauen, Stadt
71.862
2.348
33
813
11
k.A.
k.A.
664
9
3.825
53
EVV
275.388
2.348
9
3.179
12
k.A.
k.A.
2.527
9
8.054
29
Zwickau, Stadt
103.575
4.610
45
413
4
0
0
903
9
5.926
57
Zwickau
135.892
1.486
11
327
2
0
0
k.A.
k.A.
1.813
13
ZAZ
239.467
6.096
25
740
3
0
0
903
4
7.739
32
RB Chemnitz
1.631.064
41.605
26
17.850
11
461
0
7.115
4
67.031
41
Dresden, Stadt
476.543
23.171
49
10.226
21
k.A.
k.A.
0
0
33.397
70
Meißen
153.653
3.769
25
1.188
8
915
6
461
3
6.333
41
Riesa-Großenhain
123.213
0
0
4.292
35
0
0
113
1
4.405
36
Sächsische Schweiz
148.139
0
0
942
6
0
0
k.A.
k.A.
942
6
Weißeritzkreis
125.151
4.685
37
4.711
38
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
9.396
75
ZAOE
1.026.699
31.625
31
21.359
21
915
1
574
1
54.473
53
Bautzen
158.587
6.026
38
449
3
k.A.
k.A.
0
0
6.475
41
Görlitz, Stadt
62.421
1.669
27
5
0
0
0
0
0
1.674
27
Kamenz
156.395
11.397
73
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
11.397
73
Löbau-Zittau
156.528
22.403
143
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
0
0
22.403
143
Niederschles. Ober-
lausitzkreis
107.113
4.109
38
877
8
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
4.986
47
RAVON
641.044
45.604
71
1.331
2
k.A.
k.A.
0
0
46.935
73
Hoyerswerda, Stadt
51.434
1.515
29
0
0
0
0
850
17
2.365
46
RB Dresden
1.719.177
78.744
46
22.690
13
915
1
1.424
1
103.773
60
Döbeln
78.550
2.876
37
50
1
2.546
32
1.162
15
6.634
84
Torgau-Oschatz
102.339
1.301
13
2.641
26
1.043
10
0
0
4.985
49
AVN
180.889
4.177
23
2.691
15
3.589
20
1.162
6
11.619
64
Leipzig, Stadt
493.235
11.276
23
14.467
29
4.220
9
2.278
5
32.241
65
Leipziger Land
154.384
0
0
2.158
14
0
0
189
1
2.347
15
Muldentalkreis
136.514
0
0
0
0
0
0
3
<1
3
<1
ZAW
784.133
11.276
14
16.625
21
4.220
5
2.470
3
34.591
44
Delitzsch
128.664
843
7
641
5
2.426
19
621
5
4.531
35
RB Leipzig
1.093.686
16.296
15
19.957
18
10.235
9
4.253
4
507.415
46
Sachsen
4.443.927
136.645
31
60.497
14
11.611
3
12.792
3
221.545
50
k.A. = keine Angaben möglich = Aufkommen in Bioabfällen/Grünabfällen aus Haushalten mit enthalten
Auf Grund von Rundungen bei der Errechnung der einzelnen Summanden kann es bei der Bildung der Quersummen zu geringfügigen Ab-
weichungen kommen.
ÖRE
öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger
ZAS
Zweckverband Abfallwirtschaft Südwestsachsen
AWVC
Abfallwirtschaftsverband Chemnitz
EVV
Entsorgungsverband Vogtland
ZAZ
Zweckverband Abfallwirtschaft Zwickau
ZAOE
Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbt al
RAVON
Regionaler Abfallverband Oberlausitz-Niederschlesien
AVN
Abfallverband Nordsachsen
ZAW
Zweckverband Abfallwirtschaft Westsachsen
Quelle: Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Abfallbilanz des Freistaates Sachsen 2000, 9/2001

21
3.2.4
Hygienisierung der Gärsubstrate
Grund für eine Hygienisierung ist die Möglichkeit der Übertragung von Seuchen und Krank-
heiten. Durch Gülleverwertung aus anderen Betrieben und durch das Vermischen unter-
schiedlicher Substrate wird die Gefahr einer Übertragung erhöht. Dabei sind vor allem patho-
gene Mikroorganismen und Krankheitserreger in organischen Reststoffen und Tierexkremen-
ten von Bedeutung. Die bedeutendsten Bakterien, Viren und Parasiten sind in der Tabelle 3.10
aufgeführt.
Tabelle 3.10
Infektionserreger in Flüssigmist und organischen Abfällen
Bakterien
Viren
Parasiten
Salmonellen (RG, SG, HK)
Erreger der Maul- und Klauenseuche
Spulwürmer
Escherichia coli (RG)
Schweinepest
Palisadenwürmer
Tuberkelbakterien
Bläschenkrankheit der Schweine
Saugwürmer
Milzbrandbakterien (RG)
Schweineinfluenza
Leberegel
Brucellen (RG, SG)
Oldenburger Schweineseuche
Lungenwürmer
Leptospiren (RG, SG)
Rota-Virus-Infektionen
Magenwürmer
Mykobakterien (RG SG HK)
Teschener Erkrankung
Rotlaufbakterien (SG)
Aujeszkysche Krankheit
Clostridien (HK)
Atypische Geflügelpest
Streptokokken
Blauzungenerkrankung
Enterobacter
Retro-, Parvo-, Echo-, Enteroviren
RG - Rindergülle; SG - Schweinegülle; HK - Hühnerkot
Quelle: Schulz, H., Biogaspraxis
Das Betreiben von thermophilen Anlagen ermöglicht die höchsten Effekte bei der Hygienisie-
rung. Die derzeit geltenden Anforderungen an die Hygienisierung von Bioabfällen und Spei-
seresten in Biogasanlagen sind in der Bioabfallverordnung festgeschrieben (vgl. Kapitel
2.1.1). Zur Prüfung einer ausreichenden Hygienisierung lassen die Behörden eine direkte oder
indirekte Prozessprüfung (siehe Biomasse VO) durchführen.
Die Versäuerung und die nachfolgende Alkalisierung besitzen eine toxische Wirkung auf die
unerwünschten Mikroorganismen, die dadurch inaktiviert werden. In voll durchmischten An-
lagen bleibt der pH-Wert im neutralen bis schwach alkalischen Bereich. Je höher der
Ammoniakgehalt in der Gülle ist, umso besser ist die Hemmung dieser Mikroorganismen. Da
der Ammoniakgehalt in der vergorenen höher ist als in der unvergorenen Gülle, sind in der
Biogasgülle weniger Mikroorganismen enthalten.
Pflanzenpathogene Keime werden auch im mesophilen Bereich zu 95 % abgebaut. Die Abtö-
tungsrate ist bei Viren noch höher als bei Bakterien. Bedingt durch größere Bestandsdichten
und den höheren Zukauf von Futtermitteln, sind in der Schweinegülle in der Regel mehr In-
fektionserreger. Salmonellen dagegen überleben am längsten in der Rindergülle. Eier von
Platt-, Rund- und Bandwürmern sowie Hefearten werden relativ schlecht abgetötet.
Die thermophile Behandlung ist von hygienischer Seite günstiger zu bewerten. Bei der meso-
philen Betriebsart ist keine vollständige Entseuchung gegeben. Wer viele und mit Keimen be-
lastete Kofermente verwertet, muss eine eigenständige Hygienisierung der eigentlichen
Vergärung vorschalten. Hierbei werden nur die hygienisch bedenklichen Stoffe behandelt.
Der Prozessenergieanteil ist je nach Menge der Kosubstrate verschieden.

22
3.2.5
Homogenisierung des Gärsubstrates
Eine Homogenisierung des Gärsubstrates ist unbedingt erforderlich, da Gülle z. B. durch das
Aufstallungssystem, die Einstreu und die verschiedenen Tierarten ein sehr inhomogener Stoff
ist. Mit der Homogenisierung sollen vor allem zwei Ziele erreicht werden:
Zerkleinerung des Strohes sowie der Futterreste, um die Vergärbarkeit zu verbessern
und um die Verstopfungsgefahr von Gülleleitungen zu verringern. Dazu ist es am bes-
ten, das Frischsubstrat vor der Vergärung in einer Vorgrube zu sammeln.
Durchmischung des Gärgutes zur Verbesserung der Fließeigenschaften. Für eine gleich-
mäßige, stabile Prozessführung dürfen im Reaktor keine Schichten oder Brücken
speziellen Materials entstehen. Die transportierte Gülle soll in ihrer Zusammensetzung
möglichst konstant bleiben, um eine gleichmäßige Nährstoffverteilung auf dem Feld zu
gewährleisten.
Die Verwertung von Raufutterresten zur Biogasgewinnung kann problematisch werden, wenn
der Raufutteranteil zu groß wird (viel Restfutter wegen schlechter Futterqualität oder Ver-
schmutzung).
3.3
Gasausbeute und Qualität des Biogases
3.3.1
Gasausbeute
Die Gasausbeute wird hauptsächlich bestimmt durch:
das Ausgangsmaterial,
die Faultemperatur und
die Verweilzeit in der Biogasanlage.
Der Abbau organischer Substanz und die Bildung von Biogas mit dem darin enthaltenen Me-
than stehen zueinander in enger Beziehung. So werden bei der Bildung von einem Liter
Methan 0,714 g und von einem Liter Kohlendioxid 1,96 g organische Substanz abgebaut.
Gliedert man die organische Trockensubstanz in Fette, Kohlenhydrate und Eiweißstoffe, so
ergibt sich entsprechend des unterschiedlichen relativen Kohlenstoffanteiles eine verschieden
hohe spezifische Gasproduktion.
Danach erhält man (KLOSS, 1986) folgende Mengen Faulgas/g abgebauter Trockensubstanz:
Kohlenhydrate:
0,790 l (50 % CH
4
: 50 % CO
2
)
organische Fette:
1,270 l (68 % CH
4
: 32 % CO
2
)
Eiweiße:
0,704 l (71 % CH
4
: 29 % CO
2
)
Als Faustregel gilt, dass eine Großvieheinheit 1,5 m
3
Biogas mit 65 % Methan am Tag bildet.
Diese Berechnung ist jedoch für eine detaillierte Planung zu ungenau. Eine genauere Berech-
nung erfolgt über die organische Substanz (vgl. Tabelle 3.12).

23
Tabelle 3.11
Täglich erzeugbare Gasmenge bei verschiedenen Tierarten
Tierart
Gasmenge in m
3
/GV
Mastschweinegülle
0,75 - 1,0
Rindergülle
1,0 - 1,5
Rinderfestmist
2,0
Quelle: Bauernzeitung 7/95
Je nach Zusammensetzung des zu vergärenden Materials muss also mit verschiedenen Gas-
ausbeuten gerechnet werden.
Je höher der Anteil an leicht abbaubaren Substanzen, wie Stärke und Fett im Substrat (Zu-
sammensetzung der Gülle) ist, desto höher ist die Gasausbeute. Kurz gehäckseltes Stroh und
ein hoher TS-Gehalt in der Gülle sind ebenfalls positive Einflussfaktoren.
Zu den tierischen Ausscheidungen wird im Allgemeinen aus verschiedenen Gründen Wasser
zugemengt, obwohl sich in der Regel der Wasserzusatz negativ auf die Gasproduktion aus-
wirkt. Bioabfälle und Abfälle aus der Lebensmittelindustrie (Fett- und Stärkeanteil), die ge-
meinsam mit Gülle vergoren werden, wirken sich vorteilhaft auf den Gärprozess und vor al-
lem auf die Gasausbeute aus.
Desinfektionsmittel und einige medikamentöse Rückstände in der Gülle können den Prozess
hemmen.
Hinsichtlich Gaserzeugung werden verschiedene Begriffe verwendet, die jedoch oft als
Synonym gebraucht werden:
Gasproduktion
- Gaserzeugung bezogen auf das Fermentervolumen in m³/m³
Gasausbeute
- Gaserzeugung bezogen auf das Substrat in m³/kg OS
Gasertrag
- Gaserzeugung bezogen auf das Substrat in m³/kg oTS
Gasleistung
- Gaserzeugung bezogen auf die Tierzahl in m³/GV und Tag
Die einzelnen Produktionswerte können als Biogas oder umgerechnet als Methan angegeben
werden. Diese müssen jedoch immer auf Normalbedingungen für Gase (0°C, 1 atm
[1,013
bar], 0 % Luftfeuchte) umgerechnet werden. In der Literatur werden zum Teil erhebliche
Unterschiede für die Gaserzeugung angegeben. Richtwerte zu den Gaserträgen gibt Tabelle
3.12.
Die spezifische Gasproduktion nimmt mit zunehmender Raumbelastung stetig zu, wodurch
aber die Gasausbeute negativ beeinflusst wird. Unter
Raumbelastung
versteht man die
Menge an organischer Trockensubstanz, die einem Fermenter maximal zugeführt werden
kann. Sie ist abhängig von der Temperatur, der Verweilzeit und der organischen Trockensub-
stanz. Im Durchschnitt rechnet man mit 2-3 kg oTS/m³ und Tag bei einer Temperatur von
35 °C. In Praxisanlagen wurden Werte von 0,56 - 6,98 kg oTS/m³ und Tag festgestellt. Für
einen optimal verlaufenden Prozess ist eine gleichmäßige Beschickung in kürzeren Zeit-
abständen (ein- bis zwei mal täglich) erforderlich. Zur Entgasung und Homogenisierung der
Gülle muss täglich gerührt werden.
Die Trockensubstanzgehalte des Ausgangsmaterials sollten so hoch wie möglich sein, um
Fermentervolumen und Heizenergie einzusparen und viel Gas zu erhalten.

24
Tabelle 3.12
Biogas- und Methangasausbeuten von Wirtschaftsdüngern und relevan-
ten Kosubstraten
Biogas
Methan
Substrat
TS Gehalt
%
oTS
%
Kalkulation Durchschnittswerte *
l/kg oTS
Wirtschaftsdünger
Hühnergülle
10-29
75-77
460
300
Hühnerkot
32-45
70-80
458
307
Pferdemist
25
75
550
350
Rindergülle
6-12
68-85
317
192
Rindermist
15-25
65-85
311
200
Schafskot
25-40
80
660
350
Schweinegülle
2,5-9,7
60-85
580
350
Schweinemist
20-25
75-90
590
360
Landwirtschaftliche Kofermente
Elefantengras (Miscanthus)
470
282
Flachs
360
216
Gerstenstroh
86
89-94
308
185
Gras
26-30
90
515
350
Grassilage
26-40
67-98
567
400
Haferstroh
86
90-93
330
198
Hanf
360
216
Heu
86-93
83-93
550
330
Kartoffelkraut
25
79
571
400
Kartoffeln
22
94
500
300
Klee
20
80
504
300
Maispflanze
17-38
92-95
750
480
Maissilage
28-35
92-96
587
350
Maisstroh
86
72
658
450
Markstammkohl
12-14
84-86
425
255
Pflanzensamen
620
372
Rapsstroh
198
119
Roggenstroh
86
92-94
284
170
Schilf
162
97
Sonnenblumenblätter
11-14
85-86
300
180
Weizenstroh
86
60-90
336
202
Zuckerrübenblatt
16
75-83
505
340
Zuckerrübensilage
18
80
820
492
Agroindustrielle und gewerbliche Abfälle
Algen
460
280
Altbrot
85
95
920
550
Alt-Frittier-Fett
1038
720
Apfelschlempe
2-3,7
94-95
500
330
Apfeltrester
25
86
550
360
Biertreber
24
95-96
557
380
Brennereischlempe
500
330
Brennnessel
364
218
Erdnussschalen
365
220
Gemüseabfälle
15-25
76-90
540
350
Heilkräuter (extrahiert)
53
80
650
390
Kakaoschalen
95
91
700
420
Kartoffelschlempe
12-15
90
500
330
Melasse
80
95 <