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24. November 2021
Faktenblatt der Arbeitsschutzbehörde des Freistaates Sachsen
Schutz vor Ansteckung mit dem Corona-Virus und Virusmutationen
auf Baustellen
Arbeit auf Baustellen birgt ein erhöhtes Risiko zur Ansteckung mit dem Corona-Virus oder
dessen Mutationen in sich. Die Kontaktmöglichkeiten sind vielfältig, denn Beschäftigte
unterschiedlicher Unternehmen und Gewerke arbeiten eng zusammen, gleichzeitig
kommt es oft zum Wechsel der Beschäftigten.
Wie in allen anderen Lebensbereichen sollen auch im Arbeitsleben die strengeren
Kontaktbeschränkungen durch zeitlich befristete zusätzliche Maßnahmen nachvollzogen
werden. Hierzu trat am 21. Januar 2021 die
SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung
(Corona-ArbSchV) in Kraft welche zuletzt mit Wirkung vom 22. November 2021
abgeändert und bis zum 19. März 2022 verlängert wurde
.
Ziel ist es, das Infektionsrisiko
wirksam einzudämmen und die wirtschaftliche Aktivität aufrechtzuerhalten. Sowohl
Bauherrn als auch Arbeitgeber sind verpflichtet
, Maßnahmen der Sicherheit und des
Gesundheitsschutzes der Beschäftigten auf Baustellen zu treffen und umzusetzen.
1
In die
Festlegung der Schutzmaßnahmen sind auch Einflüsse aus der Arbeitsumgebung
2
und
aus sonstigen Arbeitsbedingungen
3
einzubeziehen.
WAS IST NEU gemäß SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung vom 22. November 2021?
1. Es ist den Beschäftigten zu ermöglichen sich während der Arbeitszeit impfen zu
lassen.
2. Die Einhaltung der 3G Reglung am Arbeitsplatz ist bis zum 19. März 2022 zu
dokumentieren und zu archivieren.
3. Die Belegung von Räumen ist auf das betriebsbedingte Minimum zu reduzieren.
I. Kontaktreduktion im Betrieb
Aktualisieren Sie
die
Gefährdungsbeurteilung
nach §§ 5 und 6 ArbSchG, damit Sie
zusätzliche Schutzmaßnahmen erkennen können.
Reduzieren Sie
weitestgehend betriebsbedingte
Personenkontakte
durch geeignete
technische und organisatorische Maßnahmen:
1.
Vermeiden Sie die gleichzeitige Nutzung von geschlossenen Räumen (digitale
Kommunikation
anstatt
Besprechungen
im
Baustellencontainer,
keine
gleichzeitigen Pausen im Pausenraum/Bauwagen, keine gemeinsame Nutzung
von Sanitärräumen).
2.
Falls Nr. 1 betriebsbedingt nicht möglich: Verringern Sie die Raumbelegung durch
zeitlich versetzte Nutzung.
1
§ 2 Absatz 1 Baustellenverordnung – BaustellV i.V m. § 4 Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG
2
§ 4 Nr. 4 ArbSchG („Einfluss der Umwelt auf den Arbeitsplatz“; s. Kommentar R. Pieper „Arbeitsschutzrecht“ § 4Rn. 17f)
3
§ § 4 Nr. 4 ArbSchG mit („sonstige Arbeitsbedingungen“ sind die nach § 5 ArbSchG zu ermittelnden Arbeitsbedingungen
gemeint ; s. Kommentar R. Pieper „Arbeitsschutzrecht“ § 4Rn. 17d)

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3.
Falls Nr. 2 betriebsbedingt nicht möglich: Legen Sie andere Schutzmaßnahmen
fest, insbesondere die Installation
geeigneter Abtrennungen
zwischen den
anwesenden Personen und das
ausreichende Lüften
(Stoßlüftung im Winter:
mind. 3 Minuten je Stunde bei Büronutzung und mind. 3 Minuten aller 20 Minuten
bei Besprechungsräumen,
zusätzlich
sind Besprechungsräume
vorher 3 bis 10
Minuten zu lüften).
4.
Teilen Sie die Beschäftigten in
kleine feste Arbeitsgruppen ein
, die örtlich bzw.
zeitlich getrennt arbeiten. Personenkontakte zwischen den Arbeitsgruppen sowie
Änderungen dieser Einteilung sind auf ein betriebsnotwendiges Minimum zu
reduzieren.
II. Tragen von Mund-Nase-Schutz
Stellen Sie medizinische Masken oder FFP2-Masken
oder gleichwertige
Atemschutzmasken bereit und verpflichten Sie die Beschäftigten zum Tragen der
Masken, wenn
1.
die Anforderung an die Raumbelegung nicht erfüllt werden kann,
2.
der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten wird,
3.
bei auszuführenden Tätigkeiten mit einer Gefährdung durch erhöhten
Aerosolausstoß zu rechnen ist (z.B. körperlich anstrengende Arbeit, lautes
Sprechen).
Ungeachtet der Corona-ArbSchV bleiben – sofern der Verordnung nicht entgegen
stehend - die Forderungen der
SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel
bestehen.
Die Umsetzung folgender Maßnahmen trägt dazu bei, das Infektionsrisiko auf
Baustellen zu verringern:
1. Körperliche Distanz:
Stellen Sie sicher, dass die
Beschäftigten soweit als
möglich
auch
bei arbeitsbezogenen Kontakten mindestens 1,5 Meter Abstand
einhalten. Überprüfen Sie Arbeitsabläufe dahingehend, ob vereinzeltes Arbeiten
möglich ist, falls dadurch nicht zusätzliche Gefährdungen entstehen. Organisieren
Sie möglichst weit auseinanderliegende Arbeitsbereiche zwischen den kleinen
Arbeitsgruppen (siehe Punkt I.), unterschiedliche Zeiten von Arbeitsbeginn und –
ende oder eine zeitlich versetzte Nutzung gemeinsamer Einrichtungen. Ist eine
personenbezogene Nutzung von Geräten/Werkzeugen nicht möglich, sind diese
vor dem Weiterreichen mit handelsüblichen (Haushalts-) Reinigern zu reinigen.
2. Hygiene:
Essenziell ist die strikte Einhaltung der
Handhygiene
. Stellen Sie sicher,
dass die Forderungen nach Arbeitsstättenregel ASR A4.1
4
umgesetzt werden.
Handwaschgelegenheiten oder Waschgelegenheiten und Toiletten müssen in der
Nähe von Arbeitsplätzen zur Verfügung stehen. Waschgelegenheiten und Hand-
waschgelegenheiten
müssen
mit
fließendem
Wasser,
Flüssigseife,
Einmalhandtüchern und einem geschlossenen Wasserabflusssystem
(in
4
https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/ASR/pdf/ASR-A4-
1.pdf?__blob=publicationFile&v=3

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Kanalisation
oder
in
Tanks)
ausgestattet
sein.
Zusätzlich
sind
Handdesinfektionsmittel für gegebenenfalls eingeschränkte Waschmöglichkeiten
zur Verfügung zu stellen. Seit dem 18.12.2020 gilt: Ist eine Wasserversorgung aus
dem Trinkwassernetz nicht möglich, ist Wasser in Trinkwasserqualität in dafür
geeigneten Behältern (zum Beispiel Kanister, Tank) bereitzustellen.
3.
Falls Sie
mobile, anschlussfreie Toilettenkabinen
bereitstellen, erfordert die
derzeitige Infektionslage, dass
diese mit mindestens einer Handwasch-
gelegenheit mit fließendem Wasser, Flüssigseife und Einmalhandtüchern
sowie
gegebenenfalls mit Desinfektionsmitteln ausgestattet sind.
Zusätzlich
sollen die Toilettenkabinen in der Zeit vom 15.10. bis 30.04. beheizbar sein. Sind
die Anforderungen nicht zu erfüllen, wird insbesondere mit Blick auf die Winterzeit,
die Bereitstellung von Sanitärcontainern angeraten. Die
Sanitärräume und
–einrichtungen
sind entsprechend den hygienischen Anforderungen auf
Baustellen
- abweichend von Abschnitt 8.1 Absatz 2 ASR A4.1 -
mindestens
täglich
,
bei Bedarf mehrmals täglich zu reinigen.
4.
Unterweisen Sie die
Beschäftigten zum hygienischen Verhalten regelmäßig.
5.
Stellen Sie sicher, dass
keine gemeinsame Nutzung von Pausenräumen
oder
–bereichen durch Beschäftigte unterschiedlicher Arbeitsgruppen
(Unter-
nehmen/Gewerke) erfolgt! Es ist auch auf den Mindestabstand von 1,5 Metern zu
achten. Zwischen den jeweiligen Nutzungen sind zeitliche Unterbrechungen
vorzusehen, um Kontaktmöglichkeiten zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen zu
vermeiden. Die
Pausenräume
sind
vor jeder Benutzung zu lüften (mind. 3 bis
10 Minuten Stoßlüftung), bei wechselnden Beschäftigten sind die
Tischflächen mit Desinfektionsmitteln zu reinigen
. Darüber hinaus sind
Pausenräume oder Pausenbereiche täglich zu reinigen.
6. Persönliche Schutzausrüstung (PSA)/Arbeitskleidung:
PSA und Arbeits-
kleidung sind ausschließlich für die persönliche Benutzung zu verwenden. Achten
Sie darauf, dass die Lagerung getrennt von der Alltagskleidung ermöglicht wird und
eine regelmäßige Reinigung gewährleistet ist.
7.
Stellen Sie sicher, dass alle
Beschäftigten auf der Baustelle
die notwendigen
Informationen über die einzuhaltenden Schutzmaßnahmen erhalten und
verstehen
.
Achten
Sie
darauf,
dass
alle
Unterlagen
(zum
Beispiel
Baustellenordnung, SiGePlan, Betriebsanweisung oder Kennzeichnungen) aktuell
angepasst werden. In Zeiten der Pandemie kommt es ganz besonders auf
Unterweisungen
,
verständliche
Erklärungen
und
einen
reibungslosen
Informationsfluss an. Weisen Sie die
Beschäftigten auf ihre Mitwirkungspflicht
hin (§ 15 ArbSchG).
8. Erfassen Sie die Kontaktdaten aller Beschäftigten und sonstigen Personen
,
welche
die
Baustelle
betreten
und
verlassen
(Zugangs-
bzw.

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Anwesenheitskontrollen
). Stellen Sie deren Aufbewahrung sicher, um in einem
Verdachtsfall entsprechende Quarantäneauflagen organisieren zu können.
9.
Denken Sie daran, dass bei betrieblich erforderlichen Fahrten die gleichzeitige
Nutzung von Fahrzeugen
durch mehrere Beschäftigte möglichst vermieden wird.
Anderenfalls ist Mund-Nase-Schutz zu tragen (siehe Punkt II.). Darüber hinaus ist
der Personenkreis, der ein Fahrzeug gemeinsam - gleichzeitig oder nacheinander
- benutzt, möglichst zu beschränken, zum Beispiel indem einem
festgelegten
Team nur ein Fahrzeug zugewiesen wird
. Weiterhin ist eine
zusätzliche
Ausstattung der Firmenfahrzeuge mit Utensilien zur Handhygiene und
Desinfektion sowie mit Papiertüchern und Müllbeuteln vorzusehen
.
Innenräume der Firmenfahrzeuge sind regelmäßig zu reinigen, insbesondere bei
Nutzung durch mehrere Personen.
Maßnahmen, die zum Schutz vor gegenseitigen Gefährdungen der Beschäftigten zu
treffen sind, und die über die direkten Pflichten der Arbeitgeber hinausgehen, hat in der
Regel der
Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator
zu koordinieren. Bitte
beachten Sie, dass es insbesondere unter den schwierigen Rahmenbedingungen infolge
der Corona-Pandemie unabdingbar ist, den Koordinator bereits in die
Planung des
Bauvorhabens
einzubeziehen! Nur so kann sichergestellt werden, dass die beim Bau-
vorhaben erforderlich werdenden Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes
rechtzeitig Berücksichtigung finden. Diese
sind
notwendiger
Bestandteil der
Ausschreibung und Grundlage für einen reibungslosen Ablauf der Baumaßnahme.
Bitte bedenken Sie, dass Sie als Bauherr oder Arbeitgeber für die Sicherheit und
die Gesundheit der Beschäftigten auf der Baustelle verantwortlich sind!
Zudem kommen Sie mit den beschriebenen Maßnahmen der gesellschaftlichen
Verantwortung zur Unterbrechung der Infektionsketten, die Jede und Jeder trägt, nach
.
Die staatliche Arbeitsschutzbehörde ist für die Überwachung der Einhaltung der Corona-
ArbSchV zuständig. Festgestellte Verstöße können durch Bußgelder geahndet werden.
Weitere Hinweise finden Sie auch bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft auf
deren
Internetseite
der
BG
BAU
.
Verhaltensempfehlungen in verschiedenen Sprachen stellt die
Bundeszentrale
für
gesundheitliche
Aufklärung
(BZgA)
zur Verfügung.
Haben Sie Fragen? Bitte wenden Sie sich an:
Landesdirektion Sachsen, Abteilung 5 Arbeitsschutz
Die regionalen Kontaktdaten der
Landesdirektion Sachsen, Abteilung Arbeitsschutz
finden Sie auf der Internetseite der
Arbeitsschutzverwaltung
des
Freistaates
Sachsen
Dieses Faktenblatt entspricht dem aktuellen Stand. Aufgrund der dynamischen Situation werden Auflagen angepasst.
Die aktuellen Informationen finden Sie auf dem zentralen
Informationsportal
der
sächsischen
Staatsregierung
.