NeustartSchule
Die Wiederbegegnung in der Schule gestalten.
Zum Umgang mit den Belastungen der Corona-Krise
.
Eigene Ressourcen und Ressourcen der Schülerinnen und Schüler
ab Klassenstufe 5 entdecken und fördern.
Handreichung für Lehrkräfte und Schulsozialarbeitende an
sächsischen Schulen
Autoren: Walter Henckel, Dirk Strobel
Grafik/Layout/Satz: Dirk Strobel
Hrsg.: Theaterpädagogisches Zentrum Sachsen e.V.
Fechnerstraße 2a
01139 Dresden
E-Mail: mail@tpz-sachsen.de
Tel.: 0351 320 102 81
Website:
https://www.tpz-sachsen.de
Die kommerzielle Verwendung und Verwertung sowohl von Text als auch Bild ist nicht
gestattet. Alle Rechte bei den Autoren.
Dresden, 2021.
Gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Kultus im Rahmen der
Umsetzung des Handlungskonzeptes „W wie Werte“. Diese Maßnahme wird
mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des vom Sächsischen
Landtag beschlossenen Haushalts.

Liebe Lehrende, liebe Projektpartner,
möglicherweise haben Sie im Mai 2020 bereits unsere erste Handreichung zur
Begegnung mit Ihren Schülerinnen und Schülern (SuS) erhalten. Wir haben diese noch
einmal überarbeitet und ergänzt, denn wir sind der Meinung, dass nach der fast
viermonatigen
Zeit
der
Schulschließung
der
strukturierte
Wiederaufbau
des
Miteinanders und die Aufarbeitung der Erlebnisse während des Distanzlernens sinnvoll
und notwendig sind.
Warum ist das Miteinander jetzt so wichtig?
Nach einem sehr langen Lockdown werden Sie nun wieder Ihrer Klasse wirklich
gegenübertreten beziehungsweise Sie sind Ihrer Klasse bereits physisch begegnet. Das
ist für alle – Sie und Ihre Schülerinnen und Schüler - ein aufregender Moment. Die
Klassen werden voller Emotionen und Fragen sein: Wie ist es, wieder in der Schule zu
sein? Wie stehen die anderen zu mir? Akzeptieren sie mich? Hat sich etwas verändert?
Wie ist es mit dem Lernen? Komme ich noch mit? Kehrt jetzt wieder Normalität ein oder
ist das in zwei Monaten wieder vorbei?
Dies alles sind Fragen und Gedanken, die einen jeden von uns – egal ob lehrend oder
lernend - bewegen.
Im Sinne einer Schule, die neben dem Lernen auch klare Vorstellungen von Werten - wie
Teilhabe, soziales Miteinander, Selbstkompetenz – vermitteln sollte, ist für diese Phase
des Ankommens in der Schule nun wichtig, dass Sie sich Zeit für diese Situation, für
diesen Neuanfang nehmen. Zum einen sollten Sie sich selbst nicht unter Druck setzen,
denn auch Sie brauchen diese Zeit, um wieder in die normale Schulstruktur
hineinzuwachsen. Und die Schüler brauchen Zeit, denn vermutlich sind wir alle auch
erschöpft von den vergangenen Monaten, viele Ressourcen sind aufgebraucht und
unsere körperliche, seelische und mentale Gesundheit muss sich erst wieder
regenerieren. Sinnvoll ist es nun der Zeit der eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten
Raum zu geben und das Selbst zu stärken, so kann das Miteinander wieder wachsen,
kann soziales und demokratisches Handeln möglich werden. In vielen Rückmeldungen
haben wir von Ihnen gehört, dass Sie unsere Idee einer unterstützenden Handreichung
willkommen heißen, dass sie gleichzeitig aber auch spüren, dass jetzt dem
Fachunterricht wieder Priorität einzuräumen sei. Das ist nachvollziehbar und
verständlich, gleichzeitig geht es darum, zumindest eine kleine Tür zum Seelenleben zu
öffnen und dies könnte in den Klassenleiterstunden geschehen oder in einer
wöchentlichen Morgenrunde.
In den folgenden Ausführungen orientieren wir uns an unserer Arbeitsstruktur, die wir
seit über zwanzig Jahren mit der Methode Forumtheater entwickelt haben und bei
Projekttagen kontinuierlich anwenden. Oberstes Ziel ist dabei, Vertrauen und das
Gefühl von Sicherheit zwischen den SuS und der anleitenden Person aufzubauen und
die SuS dazu zu motivieren, sich zu öffnen und von den für sie relevanten Themen zu
erzählen. Das alles dient uns dazu, später gemeinsam spielerisch die aufgezeigten
Konflikte zu bearbeiten und Lösungen für sie zu finden. Ähnlich ist nun dieses
Gesprächs- und Spielangebot aufgebaut, zu dessen Nutzung wir Sie ermutigen
möchten. Gerne begleiten wir Sie in diesem Prozess und stehen für Rückfragen zur
Verfügung. Über Rückmeldungen würden wir uns freuen.
Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund!
Walter Henckel und Dirk Strobel
Frühling 2021
2

3
P. S. :
Während unserer Ausarbeitungen an den zehn Themenblöcken ist uns aufgefallen, dass
diese Themen ganz grundlegende Dinge beschreiben, die für die Bewältigung des
Lebens – gerade für den jungen Menschen, der nach Orientierung sucht – von
außerordentlicher Bedeutung sind. Sie lassen sich damit nicht nur auf die schwierige
Coronazeit beziehen, sondern sie behalten ihre Gültigkeit auch für die sogenannten
»normale Zeiten«. Aus unserer Sicht enthalten sie in einer Welt, die zunehmend
komplexer wird und von Werteverlusten geprägt ist, eine konstante Werthaltigkeit.
Entsprechend gibt es hier Spiele und Übungen, die unter Corona-Einschränkungen
möglich sind und Übungen und Spiele, die nur im
regulären Präsenzunterricht
durchgeführt werden können.
Die Handreichung ist auf 11 Termine, idealerweise ein Termin pro Woche zu je 45
Minuten, ausgelegt (ein Fragebogen und 10 Themeneinheiten). Das kann gestrafft
werden, wenn es zeitlich anders nicht möglich ist, z.B. indem Sie einzelne Schwerpunkte,
die von besonderer Relevanz sind, auswählen. Wir geben aber zu bedenken, dass ein
nachhaltiges und sinnvolles Arbeiten und Aufarbeiten Zeit braucht. Letztlich sind die
SuS, werden ihre Probleme ernst genommen und können sie besser mit ihren Ängsten
oder generell in dieser Situation besser mit sich umgehen, offener, aufnahmefähiger
und konzentrierter. Zeit ist also eine Investition, die sich lohnt.
Wir geben Ihnen zuerst eine Einführung an die Hand, mit deren Hilfe Sie sich generell an
die Arbeit machen können.
Außerdem einen Fragebogen für die SuS, mit dessen Hilfe ein erster Schritt in die
Reflexion über die Zeit des Distanzlernens möglich wird. Wichtige Themen werden hier
angesprochen und in den folgenden Einheiten vertieft. Hierfür erhalten Sie von uns zu
jeder Frage des Fragebogens eine inhaltliche Untersetzung mit Schwerpunkten, und zu
jedem Schwerpunkt für die Auseinandersetzung spielerisches Material.
Den Fragebogen und die Materialien zu den ersten drei Themen erhalten Sie gleich zu
Beginn, die nächsten dann wöchentlich nach und nach. So können Sie gern immer
wieder zwischendurch Rückmeldungen an uns geben, wie z.B. Wo bestand/besteht ein
besonderer Bedarf? Was hat gut funktioniert, was nicht? Wir versuchen, Sie so gut wie
möglich zu unterstützen und weisen Sie, wo nötig und/oder sinnvoll, auf weitere
Unterstützungsangebote hin.
Wie Sie sehen werden, haben wir für nahezu jeden Themenkomplex mehr Spiele und
Übungen vorgeschlagen, als in den angedachten 45 Minuten zu bewältigen sind. Wir
haben uns trotzdem dafür entschieden, keine Spiele und Übungen herauszunehmen,
sondern bitten Sie selbst zu entscheiden, welche Ihnen und Ihrer Klasse am
geeignetsten erscheinen.
Zum Angebot

Einführung
Fragebogen für SuS
Untersetzung, Spiele und Übungen
1. Thema
JETZT
2. Thema
MEINE TAGESSTRUKTUR
3. Thema
MEINE FAMILIE
4. Thema
NEUES UND UNBEKANNTES ENTDECKEN
5. Thema
MEINE FREUNDSCHAFTEN
6. Thema
DIGITALE WELTEN
7. Thema
BEWEGUNG
8. Thema
LERNEN AUF DISTANZ
9. Thema
MEINE GEFÜHLE – ÄNGSTE, STIMMUNGEN, KRISEN
10. Thema
DIE WELT UM MICH HERUM
4
Inhalt

Die folgenden Ausführungen sind eine gekürzte Fassung der einleitenden Handlungs-
und Verhaltensempfehlungen in unserer ersten Handreichung
„Wie werde ich meiner
Klasse wieder begegnen?“ - Umgang mit den Belastungen der Corona-Krise – Eigene
Ressourcen und Ressourcen der Schülerinnen und Schüler entdecken und fördern.
Handreichung für Schulen, Lehrende und Projektpartner, Mai 2020
.
Sie können diese als PDF-Datei von unserer Website unter
https://www.tpz-sachsen.de/
schule-und-corona/ herunterladen.
Sie treffen wieder auf Ihre Klasse. Um mit den SuS ins Gespräch zu kommen, eignet sich
am besten ein offener Sitzkreis. Begrüßen Sie die Schülerinnen und Schüler und lassen
sie die Tische an den Rand bzw. auf den Flur stellen. (Hier muss sich die Umsetzung
nach dem für Ihre Schule geltenden Hygienekonzept richten – wenn ein Sitzkreis nicht
möglich ist, können die Gespräche und Übungen auch vom Platz aus umgesetzt
werden.)
1. Zeitstruktur festlegen – das gibt Sicherheit
Zu Beginn des Treffens sollten Sie die SuS darüber informieren, wie Sie die Zeitstruktur
geplant haben, die jetzt für ein offenes Gespräch beziehungsweise die Übungseinheiten
zur Verfügung stehen. Hier wäre auch Raum für weitere organisatorische Belange, wie
Informationen zu hygienischen Vorgaben und schulischen Planungen. Besprechen Sie
mit Ihren SuS, dass Sie diese Form in den nächsten Wochen regelmäßiger durchführen
möchten und wie die SuS dazu stehen.
2. Rollenwechsel artikulieren
Nun werden Sie vor allem als Gesprächspartner/in gefordert sein, d.h. es ist sinnvoll,
dass Sie dies auch kommunizieren und den Rollenwechsel jeweils artikulieren, z. B.:
„Das ist für uns alle eine neue und ungewöhnliche Zeit, die nun schon so lange dauert,
dass ich denke, wir sollten uns dafür auch ein bisschen mehr Zeit nehmen und
miteinander ins Gespräch kommen. Ich bin jetzt also mehr eine Gesprächspartnerin
oder Gesprächsleiterin und nicht Frau L., die Mathelehrerin. Wenn es dann um den
Unterricht geht, bin ich wieder Frau L., die Mathelehrerin.“
Ein solch angekündigter Rollenwechsel gibt den SuS und auch Ihnen Sicherheit, dass Sie
und die SuS jeweils wissen, worum es jetzt geht und welche Aufgabe jetzt jeder hat.
3. Eine offene Gesprächsführung
Nur das offene Gespräch und offen gehaltene Übungseinheiten ermöglichen Wert-
schätzung, die Benennung der Probleme und Entlastung. Das heißt, bemühen Sie sich in
den Gesprächen und Übungseinheiten darum, dass diese offen bleiben, im Zentrum
stehen die SuS und ihre Erlebnisse. Es wäre also nicht sinnvoll, wenn Sie die Gespräche
zu sehr durch Fragen, Gesprächsführung und Redeanteil dominieren würden. Bemühen
Sie sich mehr um eine nüchterne, verständnisvolle und zuhörende Haltung, diese hält
das Gespräch am besten am Laufen. Für die anzustrebende Gesprächsführung gibt es
in der Psychologie zwei interessante und auch schöne Begriffe: der facilitative
Gesprächsmodus und der interaktionelle Gesprächsmodus.
Einführung
5

6
Der Psychologe Michael Behr schreibt:
„Wenn wir Ausführungen mit empathischen Reflexionen begleiten, arbeiten
wir im facilitativen Modus: Wir fördern Selbstklärung und Selbsterfahrung.
Wenn wir uns als Person mit unserem Erleben einbringen und die Beziehung
anfragen, arbeiten wir im interaktionellen Modus.“
1
Mit dem facilitativen Gesprächsmodus nehmen Sie sich ganz zurück. Sie haben
zuhörend und „verstehend“ eine mehr dienende Haltung und öffnen den Gesprächs-
und Erlebnisraum für Ihre Klasse bzw. die jeweils Sprechenden. Eine gute Haltung dabei
ist: Sie verstehen das Erzählte nicht wirklich – als kämen Sie von einem anderen
Planeten – daher müssen Sie nachfragen. Eine solche Herangehensweise macht uns frei
von unserem üblichen – oft auch notwendigen – Bewertungssystem, das wir
normalerweise erlernt haben und anwenden. Wir werden so neugierig und offen,
müssen uns aber in der Neugierde zügeln, so dass wir die SuS nicht ausfragen. Dabei ist
es außerordentlich wichtig, immer wertschätzend und authentisch mit dem
betreffenden
Schüler/der
betreffenden
Schülerin
umzugehen.
Eine
solche
Gesprächshaltung gibt die Möglichkeit, dass die Person das, was sie sagen will, im
Sprechen klärt (Selbstklärung) und dass sie sich selbst erfährt: Das heißt, dass sie spürt,
dass das, was sie sagt, eine Bedeutung hat (Selbstwirksamkeit)
2
. Sie sollten solche
Selbstäußerungen nicht abwehren.
In der zweiten Kommunikationsform, die in der Psychologie als interaktioneller
Gesprächsmodus beschrieben wird, greifen Sie wieder gestaltend, als Person, ein. Es
geht hier um die Struktur und dass Sie die Struktur zur Vertiefung der Themen nutzen.
Dazu können Sie auch von sich erzählen z. B. von Ihrer Erfahrung, wie Sie während der
Schulschließung Ihre Tagesstruktur organisiert haben oder wie Sie körperlich fit
geblieben sind. Damit führen Sie ein Gespräch auf „gleicher Augenhöhe“. Hier können
Sie auch sehen, wie wichtig tatsächlich der Rollenwechsel ist, denn als z. B.
Mathematiklehrerin haben Sie eine andere Aufgabe als jetzt in diesen thematischen
Gesprächsrunden.
Diese zwei Grundhaltungen des facilitativen und interaktionellen Modus sollten im
vertrauensbildenden Gespräch mit den SuS ständig wechseln. Die SuS wollen sich
äußern, insbesondere auch in ihrer Peergroup. In der Regel erst, wenn die SuS wirklich
nicht mehr weiter wissen (müde sind, sich im Themendschungel verlaufen haben, zu
wenig zu Wort gekommen sind etc.), wünschen sie ein Eingreifen und eine Steuerung
des Gesprächsleiters/der Gesprächsleiterin. Tatsächlich ist dies dann ein wichtiger
Moment in der Arbeit, der Lehrer/die Lehrerin sollte nun die Führung übernehmen und
ein neues Thema anregen oder das bestehende vertiefen.
1
Michael Behr, Interaktionelle Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen, S. 192.
2
Unter Selbstwirksamkeit
(self-efficacy beliefs)
versteht die kognitive Psychologie die Überzeugung
einer Person, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich
bewältigen zu können. Geprägt wurde der Begriff von dem amerikanischen Psychologen Albert
Bandura. (Dorsch, Lexikon der Psychologie).

MEINE TAGESSTRUKTUR – Welche Aussage trifft auf dich am ehesten zu? Kreuze an.
(Mehrfachantworten sind möglich.)
2.
Oft hatte ich zu vielen Dingen keine Lust.
Das regelmäßige Essen ist mir sehr wichtig.
Ich habe mich oft gefragt, was ich den Tag über eigentlich gemacht habe.
Ich konnte mir die Zeit gut einteilen.
Alles nicht, sondern: ___________________________________________________
_________________________________________________________________________
MEINE FAMILIE – Welche Aussage trifft auf dich am ehesten zu? Kreuze an.
(Mehrfachantworten sind möglich.)
3.
Auf meine Familie kann ich zählen.
Ich hatte Freiheiten, aber es gab auch klare Regeln.
Wir haben uns oft gestritten.
Ich habe an mir ganz neue Seiten kennen gelernt.
Alles nicht, sondern: ___________________________________________________
_________________________________________________________________________
Fragebogen
Wir freuen uns sehr, dass Du wieder in der Schule bist! Wir hoffen alle, dass es ein guter
Neustart wird. Zum Wiederbeginn in der Schule möchten wir uns mit Dir und allen
Mitschülerinnen und Mitschülern auf eine kleine Corona-Entdeckungsreise begeben.
Dazu haben wir einige Fragen vorbereitet. Damit du dich freier fühlen kannst, ist die
Umfrage anonym, schreibe deshalb deinen Namen bitte nicht auf den Bogen.
Schule
_________________________________________________________________________________
Klasse
_______________________
Datum
_________________________
7
Wie geht es dir gerade j e t z t? Wähle zwischen 0 („sehr sehr schlecht“) und 10 („super“).
Bitte kreise eine Zahl ein.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
1.

8
NEUES UND UNBEKANNTES ENTDECKEN – Welche Aussage trifft auf dich am ehesten
zu? Kreuze an. (Mehrfachantworten sind möglich.)
4.
Ich habe jetzt ein neues Hobby bzw. mein altes intensiviert.
Ich habe Neues über mich und/oder andere erfahren.
Ich fand die Zeit des Homeschoolings gar nicht schlecht.
Ich hatte etwas, das mir in der Zeit des Lockdowns geholfen hat.
Alles nicht, sondern: ___________________________________________________
_________________________________________________________________________
MEINE FREUNDSCHAFTEN – Welche Aussage trifft auf dich am ehesten zu?
Kreuze an. (Mehrfachantworten sind möglich.)
5.
Ich habe meine Freunde/Freundinnen sehr vermisst.
Ich konnte meine Freunde/Freundinnen oft treffen.
Wir haben uns mehr gestritten als sonst.
Ich habe Angst, dass wir uns in der Schule nicht mehr verstehen.
Alles nicht, sondern: ___________________________________________________
_________________________________________________________________________
DIGITALE WELTEN – Welche Aussage trifft auf dich am ehesten zu? Kreuze an.
(Mehrfachantworten sind möglich.)
6.
Ich habe Handy, Tablet und Computer auch neben der Schule viel mehr genutzt.
Ich hätte das alles gern mehr genutzt.
Spielen, Filme sehen, Chatten, Instagramm - ich habe kaum etwas anderes gemacht.
Ich kriege die Krise, wenn ich kein Handy oder kein Internet habe.
Alles nicht, sondern: ___________________________________________________
_________________________________________________________________________
BEWEGUNG – Welche Aussage trifft auf dich am ehesten zu? Kreuze an.
(Mehrfachantworten sind möglich.)
7.
Ich war oft fauler als sonst.
Ich habe versucht, mich fit zuhalten.
Ich habe auch sonst keine Lust auf Sport und/oder Bewegung.
Ich habe mehr gemacht als sonst - das war meine Rettung.
Alles nicht, sondern: ___________________________________________________
_________________________________________________________________________

9
LERNEN AUF DISTANZ – Welche Aussage trifft auf dich am ehesten zu? Kreuze an.
(Mehrfachantworten sind möglich.)
8.
Mir waren der Online-Unterricht und die Aufgaben zu viel.
Bei mir hat das insgesamt gut geklappt.
Ich hatte viele technische Probleme und/oder kein eigenes Gerät dafür.
Ich habe die richtige Schule vermisst./Ich hätte gern mehr gelernt.
Alles nicht, sondern: ___________________________________________________
_________________________________________________________________________
MEINE GEFÜHLE – ÄNGSTE, STIMMUNGEN, KRISEN – Welche Aussage trifft auf dich am
ehesten zu? Kreuze an. (Mehrfachantworten sind möglich.)
9.
Ich habe mehr Ängste und Sorgen als früher.
Ich war/bin seitdem öfter schlecht drauf, antriebslos und in Gedanken.
Mich stresst das alles.
Mich hat das auch irgendwie weiter gebracht.
Alles nicht, sondern: ___________________________________________________
_________________________________________________________________________
DIE WELT UM MICH HERUM – Welche Aussage trifft auf dich am ehesten zu? Kreuze an.
(Mehrfachantworten sind möglich.)
10.
Mich interessiert das ganze drumherum eigentlich nicht.
Ich vertraue der Politik.
Das wird doch eh alles von irgendwelchen Leuten im Hintergrund gesteuert.
Das mit den Corona-Regeln hätte man alles viel besser machen können.
Alles nicht, sondern: ___________________________________________________
_________________________________________________________________________
Zuletzt noch eine Frage: Wie ging es dir in der Zeit des Distanzlernens insgesamt?
Wähle zwischen 0 („sehr sehr schlecht“) und 10 („super“). Bitte kreise eine Zahl ein.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Vielen Dank für deine Antworten!
Gemeinsam werden wir uns mit den angesprochenen Themen vor allem
spielerisch beschäftigen.
Bitte gib mir deinen Fragebogen, damit ich mir ein Bild machen kann, wie es
euch in der Zeit ging und damit wir als Schule überlegen können, was jetzt für
euch wichtig ist. Das geschieht alles natürlich anonym und vertraulich.

1. JETZT
Wie geht es dir gerade jetzt? In diesem Abschnitt geht es um das JETZT. Es ist für unser
Leben von außerordentlicher Bedeutung, dass wir möglichst häufig im Jetzt sind, also
gegenwärtig sind, d.h. wach, präsent, aufnahme- und reaktionsfähig. Leider sind wir viel
zu häufig in Gedanken an Vergangenes gebunden bzw. erträumen uns eine
Phantasiewelt in der Zukunft. Bitte lesen Sie dies ohne Wertung – es passiert uns
einfach ständig. Sicherlich werden Sie es häufig an Ihren Schülern und Schülerinnen
feststellen, dass diese „ganz woanders sind“. Für die Bewältigung der Aufgaben des
täglichen Lebens ist eine gesunde Wachheit und Selbstdisziplin erforderlich. Mit den
folgenden Übungen kann den Schülern und Schülerinnen bewusst werden, wie sie zu
mehr Wachheit kommen können.
Spiel/Übung 1: Atem - jetzt! („Corona-Variante“)
Wie atmen wir eigentlich? Wir tun es ständig, ja selbstverständlich, aber achten wir den
Atem auch? Er ist ja für unser Leben von entscheidender Bedeutung. Bitten Sie Ihre
Schülerinnen und Schüler, die Hände auf den Bauch zu legen und ganz ruhig zu atmen.
Wenn dabei die Augen geschlossen werden, ist das sinnvoll, denn jetzt geht es darum,
nachzuspüren: Was stellen sie fest? Viele nutzen ausschließlich die Brustatmung. Bitten
Sie Ihre Schülerinnen und Schüler, auf die Bauchatmung zu achten - beim Einatmen
sollte sich der Bauch wölben – Luft kommt hinein – und bei Ausatmen wieder senken.
Lassen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler eine Minute eine ruhige Bauchatmung – ohne
Druck auszuüben, ein natürliches Kommen und Gehen des Atems ist gut - ausführen.
Spiel/Übung 2: Wahrnehmen - jetzt! („Corona-Variante“)
In jedem Moment unseres Lebens haben wir dank unserer Wahrnehmung die
Möglichkeit nach innen in den Körper zu gehen. Und wir können nach außen gehen - die
Außenwelt wahrnehmen. Bitten Sie Ihre Schüler zunächst für eine Minute nach innen zu
gehen. Diese Zeit wird sich sicher länger als gedacht anfühlen, bitten Sie die
Schülerinnen und Schüler um Geduld, Sie geben Bescheid, wann die Zeit herum ist. Was
nehmen sie wahr? Spüren sie ihr rechtes Bein? Die Brust? Den Rücken etc. Dann bitten
Sie Ihre Schüler für eine Minute nach außen zu gehen. Was nehmen sie wahr? Was
sehen sie? Was hören sie? Lassen Sie sich einige Dinge beschreiben.
Spiel/Übung 3: Wahrnehmen - jetzt! („Corona-Variante“)
Die Schüler und Schülerinnen werden gebeten, sich ihre Augen zu verdecken, so dass
sie nichts mehr sehen können. In der Stunde zuvor haben Sie die Schüler gebeten, dass
jeder dafür etwas mitbringt, eine Augenbinde, einen blickdichten Schal oder eine Mütze,
die man über die Augen ziehen kann.
Alle Schülerinnen und Schüler haben die Augen geschlossen - kündigen Sie
bitte an, dass alle sich jetzt jeweils 1 Minute auf einen Sinn (außer dem Sehen)
konzentrieren sollen. Und dass eine Minute ganz schön lang sein kann, dass
es aber eine Art Spiel ist. Was nehme ich alles wahr mit diesem Organ,
diesem Sinn?
10

1. Bitte nur auf das Hören konzentrieren. Bitte nur auf das Riechen konzentrieren. Nur
Fühlen. Nur Schmecken - jeweils 1 Minute.
2. Kombinieren Sie zwei Sinne, z.B. Hören/Riechen, Fühlen/Schmecken.
Spiel/Übung 4: Die drei Wahrnehmungsformen („Corona-Variante“)
Der Mensch hat drei grundlegende Möglichkeiten der Wahrnehmung:
Vergegenwärtigen, das heißt, Wahrnehmen im Jetzt (Gegenwart) – das Erinnern
(Vergangenheit) – das Vorstellen (Zukunft).
Bitten Sie Ihre Schülerinnen und Schüler, sich zu erinnern, was sie vor einer Woche am
Sonntag gemacht haben. Wie war der Moment, als sie das letzte Mal das Zeugnis
bekommen haben? Eine Situation im Urlaub?
Bitten Sie Ihre Schülerinnen und Schüler, sich vorzustellen, was sie in fünf Jahren
machen werden. Wie sind sie da? Was ist ihnen wichtig?
Und nun können Sie noch einmal in die Gegenwart gehen. Jeder soll ein Beispiel für
Sehen, Hören, Riechen, Fühlen, Schmecken jetzt in diesem Moment finden.
Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler über diese drei Wahrnehmungsformen ins
Gespräch kommen. Tatsächlich ist das Erleben der Gegenwart von besonderer
Bedeutung, denn hier haben wir die größten Gestaltungsmöglichkeiten.
Spiel/Übung 5: Jetzt-Momente (je nach Möglichkeiten)
Zwei Schülerinnen oder Schüler, die sich nicht so gut kennen, erzählen sich gegenseitig
abwechselnd drei besondere Momente aus dem eigenen Leben. Hier geht es auch
darum, nicht nur das Erlebnis selbst, sondern auch das erlebte Gefühl zu beschreiben.
Diese Momente können unter einer bestimmten Überschrift stehen, z.B.
- Der glückliche Moment
- Der Genussmoment
- Das gute Gefühl
- Der Schreck-Moment
Vor der Klasse können dann drei Duos die Erlebnisse des jeweils Anderen berichten.
(Ziele sind: Zuhören, Interesse/Empathie für den anderen entdecken, erzählen,
konkretes Erinnern, positive Emotion wachrufen.)
Sollte es von der Situation her (z.B. pandemiebezogen) möglich sein, können die
Erlebnisse auch vorgespielt statt erzählt werden. Die Klasse schaut zu und beschreibt,
was sie gesehen haben. Was ist passiert, was ist das für ein Gefühl?
11

Spiel/Übung 6: Bühnen-Bild („Corona-Variante“)
Die besonderen Momente aus Spiel/Übung 5 können auch anschaulich ins Bild gebracht
werden. Wie sieht der Moment aus, wenn er auf der Bühne gezeigt werden würde?
Zeichnet ihn auf - eine Vorlage für das „Bühnen-Bild“ liegt bei.
12

image
Material
Vorlage „Bühnen-Bild“ zu Spiel/Übung 6
13

2. Meine Tagesstruktur
Für das Gelingen eines erfüllten Lebens beziehungsweise Lebenslaufes ist die
Gestaltung einer
regelmäßigen Tagesstruktur
von außerordentlich großer Bedeutung. So
sind z.B. häufig auftretende Unruhe in der Nacht, Schlafstörungen und/oder ein
unruhiger, nicht erholsamer Schlaf, meist auf das Misslingen eines regelmäßig
gestalteten Tages zurückzuführen. Wiederkehrende Abläufe, sogenannte
Rituale
, geben
eine nicht zu unterschätzende Sicherheit und Zufriedenheit, d.h. regelmäßige Abläufe
mit Essen, Lernen, Spielen, Zeit mit der Familie und Anderes sollten den Tagesablauf
strukturieren und gliedern. Das Lateinische „structura“ bedeutet „Zusammenfügung,
Bauart, Sinngefüge“, und hier erkennen wir, dass eine gelungene Tagesstruktur dem
Menschen ein
inneres Sinngefüge
vermittelt – allerdings sollte dies gerne und
selbstverständlich, also ohne Zwang oder Verbissenheit umgesetzt werden.
Für mein Wohlergehen ist es nicht unerheblich, wie ich morgens aus dem Bett aufstehe.
Wie geht es mir da eigentlich? Stehe ich gerne auf? Oder ungern? Welche Motivation
habe ich überhaupt? Je mehr ich weiß, was ich an diesem Tag alles machen möchte, ja
auch machen muss, desto mehr kann ich meine eigene Selbstwirksamkeit spüren, das
heißt, ich vertraue mir dabei, dass ich eine Handlung, z.B. die Gestaltung dieses Tages,
erfolgreich ausführen kann. Dazu ist natürlich eine gewisse Disziplin erforderlich, das
heißt, dass ich mich auch daran halte und mich nicht ständig ablenken lasse.
Spiel/Übung 7: Wach-werden („Corona-Variante“)
Die Klasse wird geteilt – alle ab der Mitte rechts spielen auf ihrem Platz nach, wie sie
morgens im Bett liegen, wach werden und aufstehen (hier sind zwei Varianten spielbar:
Präsenz-Unterricht (die Schülerinnen und Schüler bekommen durch die Schule eine
Tagesstruktur vorgegeben) und Distanz-Unterricht (sie müssen den Tag selbst
gestalten)). Alle ab der Mitte links schauen ihnen dabei zu. Die Lehrkraft kann die
Uhrzeiten ansagen (im Halbstundentakt, beginnend bei 6.00 Uhr, endend wenn alle
aufgestanden sind, aber spätestens 10 Uhr). Dann wird getauscht, alle links spielen und
alle rechts schauen zu. Danach folgt ein Austausch über das Gesehene. Wer hat es
schwerer und warum? Wer kommt gut raus und warum?
Spiel/Übung 8: Mein Tag (je nach Möglichkeiten)
Spielt in eurer Klasse einfach einmal einen ganz normalen Coronatag nach. Er kann z.B.
damit beginnen, dass du im Bett liegst, aufwachst, aber noch liegen bleibst. Was geht
dir so durch den Kopf? Wann stehst du auf? Was passiert dann? Kommt irgendwann
deine Mutter herein? Wirst du von kleinen Geschwistern gestört? usw. Du solltest dabei
die Regie übernehmen, d.h. die Anleitung der Szenen und ihre Abfolge. Ein Mitschüler
spielt dich, andere deine Familienangehörigen, Freunde und Freundinnen, das
Haustier usw. Geht dazu in Gruppen zu je maximal 5 Schülerinnen/
Schülern, ihr könnt auch, um zu proben, den Hof oder die Flure etc.
nutzen. Anschließend spielt jede Gruppe vor den anderen Schülerinnen
und Schülern die Szene beziehungsweise Szenen vor und tauscht sich
darüber aus.
2.1 Der Morgen
14

Die Versorgung mit regelmäßigen Mahlzeiten, zu festen Zeiten, ist für das Wohlbefinden
außerordentlich wichtig. Und damit auch für unser seelisches Wohlbefinden, das sich in
Lebensfreude, Wachheit, Ausgeglichenheit und Konzentrationsfähigkeit äußert. Wichtig
ist, nicht ständig etwas dazwischen zu essen. Aber auch zu langer Verzicht auf Essen ist
nicht förderlich. Tatsächlich ist eine Regelmäßigkeit wichtig. Ausreichend Trinken –
möglichst Wasser – ist ebenfalls notwendig.
Spiel/Übung 9: Ernährung über den Tag („Corona-Variante“)
Zeichnen Sie an der Tafel oder am Flipchart ein großes Koordinatensystem (sh.
Material). Auf der x-Achse sind die Uhrzeiten von 6 bis 24 Uhr vermerkt. Kennzeichnen
Sie die relativen Zeitfenster für die Hauptmahlzeiten, Frühstück (6 bis 9 Uhr),
Mittagessen (12 bis 14 Uhr), Abendbrot (18 bis 20 Uhr). Auf der y-Achse werden
Nahrungsmittelkategorien
eingetragen:
Obst/Gemüse,
Fisch/Fleisch/Wurst,
Milchprodukte, Nudeln/Pizza/Döner/Pommes, Brot/Müsli, Knabberzeug/Chips/Süßes,
Wasser, Limo/Cola/Saft.
Jeder Schüler und jede Schülerin tragen nun hier nacheinander beispielhaft ihre
Ernährung über einen Tag ein – gern in verschiedenen Farben oder mit den Kürzeln
ihres Namens oder einem individuellen Symbol.
Optional können die Schülerinnen und Schüler in einem zweiten, gleich gestalteten
Koordinatensystem eintragen, wie ihrer Meinung nach eine gute und gesunde
Ernährung
aussehen
würde
(zur
Anschauung/Auswertung
später
liegt
die
Ernährungspyramide bei).
Was wird – auch im Vergleich – sichtbar? Wo sind die Unterschiede?
Hinweis:
Wenn
das
einzelne
Eintragen
zu
lange
dauert,
können
Sie
das
Koordinatensystem auch als Wandzeitung oder als digitale Pinnwand (z.B. das
datenschutzkonforme und kostenfreie Flinga (https://flinga.fi/) bereitstellen, und die SuS
tragen sich über mehrere Tage ein. So kann man das z.B. in der Woche später
auswerten.
Spielszene (optional, statt oder aus Übung 9) – je nach Möglichkeiten:
Ein Tag mit der tatsächlichen Ernährung wird (natürlich zeitlich gerafft) von einem oder
einer Schülerinnen beispielhaft vorgespielt (In welcher Situation und wann wird was
gegessen?). Danach die Variante mit der gesunden Ernährung. Mit welcher Variante
geht es mir besser? Im Gespräch: Wie kann ich das schaffen?
Spiel/Übung 10: Talkshow (je nach Möglichkeiten)
Jeweils 5 Schülerinnen und Schüler bereiten sich als Rollen (Moderation, Arzt/Ärztin,
Adipositasberatung, Koch, Fleisch- und Wursthändler, etc.) auf eine Talkshow zum
Thema „Ernährung – Mehr als nur Essen?“ vor, recherchieren, entwickeln entsprechend
ihrer Rollen Thesen und legen sich Argumente zurecht. Diese Talkshow wird dann der
übrigen Klasse vorgespielt.
2.2 Die Ernährung
15

Tage können manchmal sehr
abwechslungsreich
, aber manchmal auch
langweilig
sein.
Wovon ist das abhängig? Fragen Sie Ihre Schüler. Vermutlich ist ein erfüllter,
befriedigender Tag mit einem Mix aus Lernen – Spielen – Freunde treffen – Zeit mit der
Familie verbringen verbunden. Wie gelingt uns ein solcher Mix, ohne dass wir in Stress
geraten, also ohne dass es zu viel oder zu wenig wird? Viele kennen das ja auch, dass sie
immer hinter her hetzen, ja getrieben sind: schnell die Hausaufgaben machen, schnell
noch einkaufen, zum Tanzen gehen, die Freundin anrufen, das Geburtstagsgeschenk für
Oma besorgen usw. – daraus kann schnell ein ständiges Hinterherrennen entstehen.
Ganz wesentlich scheint zu sein, wie wir die
Spannung von Lust und Unlust
auspendeln
können: Bestimmte Dinge, z.B. Hausaufgaben müssen einfach gemacht werden, obwohl
wir dazu ja oft keine Lust haben, gleichzeitig müssen Dinge, die ich gerne, voller Lust
mache, z.B. das Spiel an der Playstation oder Das-durch-die-Stadt-Gehen mit einer
Freundin aufgeschoben werden. Das ist gar nicht so einfach. Wie kriegt man das hin?
Spiel/Übung 11: Standbilder zum Tag („Corona-Variante“)
1. Wie fühlte sich euer gestriger Tag an, was passierte alles? Überlegt kurz. Wenn die
Lehrerin oder der Lehrer in die Hände klatscht, nehmt ihr am Platz (im Stehen ist
möglich) ohne zu sprechen eine Pose ein, die das darstellt, es kann auch eine Abfolge
verschiedener Posen sein. Haltet die Pose 10 Sekunden, löst erst auf, wenn die Lehrerin
oder der Lehrer nochmals klatscht.
2. Wie sollte sich für euch euer Tag anfühlen, was sollte passieren, damit es euch gut
geht? Überlegt wieder kurz. Wenn die Lehrerin oder der Lehrer in die Hände klatscht,
nehmt ihr am Platz (im Stehen ist möglich) ohne zu sprechen eine Pose ein, die nun das
darstellt, es kann wieder auch eine Abfolge verschiedener Posen sein. Haltet die Pose 10
Sekunden, löst erst auf, wenn die Lehrerin oder der Lehrer nochmals klatscht.
3. Besprecht eure Erfahrungen. Wie könnt ihr von der ersten Pose (dem Realbild) zur
zweiten Pose (dem Idealbild) kommen? Findet ihr auch dazu eine Pose (Mittlerbild)?
Probiert sie aus!
Spiel/Übung 12: Mein Tag als Szene (je nach Möglichkeiten)
Wie kann ein gut organisierter und abwechslungsreicher Tag aussehen? Spielt das
einfach nach.
Spiel/Übung 13: Das Lust–Unlust-Spiel (je nach Möglichkeiten)
In Erich Kästners Erzählung „Der 35.Mai oder Konrad reitet in die Südsee“ gibt es die
Figur des dicken Seidelbast, er ist unsäglich faul und Präsident des Schlaraffenlandes. Er
verbringt sein Leben nur damit, Dinge zu tun, die ihm Spaß und Lust bereiten: er isst
gerne, schläft gerne, guckt gerne Fernsehen und liegt dabei im Bett. Wir denken uns
dazu eine Figur, wir nennen sie Isolde. Isolde lebt allein, ist ganz pflichtbewusst und
arbeitet gern. Jeden Morgen steht sie um 6 Uhr auf, macht die Morgentoilette,
frühstückt, geht zur Arbeit, macht dort auch Überstunden. Nun will es das
Schicksal, dass beide auf einer einsamen Insel landen und dort irgendwie
überleben müssen. Wie kommen sie miteinander aus? Spielt das nach.
2.3 Lernen - Freizeit - Freunde - Familie
16

Wenn Tagesstruktur und regelmäßige Abläufe für ein gesundes Leben so wichtig sind,
dann kommt dem „Mach mal Pause“ eine besondere Bedeutung zu. Der Mensch ist
keine Maschine, wenn es auch Zeiten in der Geschichte gab, die genau dieses
Menschenbild predigten. Das heißt, wir müssen auch lernen, uns etwas zu gönnen, uns
selbst zu beschenken, zu faulenzen und nichts zu tun. Natürlich ist hier auch wieder
eine Begrenzung notwendig, nicht dass es uns wie dem russischen Romanhelden
Oblomow geht, der seine Zeit ausschließlich im Bett verbrachte und gänzlich passiv
lebte. Wie kann man gut faulenzen? Manche können das gut, andere weniger.
Spiel/Übung 14: Pausen-Spiel (je nach Möglichkeiten)
Das kann man nur besprechen, aber auch wunderbar spielen: Stellt euch vor, ihr habt
Pause. Was macht ihr? Achtung: Ihr habt kein Handy oder andere elektronischen Geräte
zur Hand.
Hinweis: Es gibt viele Spiele, die man allein oder zu zweit oder in Gruppe spielen kann.
Tauscht euch dazu aus.Welche (nicht elektronischen) Spiele kennt ihr?
Spiel/Übung 15: Der Blick aus dem Fenster („Corona-Variante“)
Kann man nichts machen? - Ein kaum noch verwendetes Wort ist „Muße“. Als Muße
bezeichnet man die Zeit, die eine Person nach eigenem Wunsch nutzen kann. Nicht alle
Freizeit ist zugleich Muße, da viele Freizeitaktivitäten indirekt von Fremdinteressen
bestimmt werden. In der Antike war sie der Mühe gegenüber gestellt und wurde oft
auch der Verlangsamung – aber nicht der Trägheit, die ein Laster bedeutete -
gleichgestellt. Konkret meint das, für etwas ohne Druck Zeit zu haben, um seinen
Gedanken nachgehen und z.B. sich schöpferisch entfalten zu können.
Um Muße zu finden, ist wiederum das Sein im Jetzt wichtig - siehe Thema 1. Deswegen
können hier Übungen und Spiele aus Thema 1 verwendet werden oder Abwandlungen
davon, wie die folgende:
Es geht um das Wahrnehmen. Die Schülerinnen und Schüler sehen zuerst in Ruhe und
ohne zu sprechen aus dem (nach Möglichkeit geöffneten) Fenster. Nach etwa einer
Minute beschreibt ein Schüler oder eine Schülerin – ohne jeden zeitlichen Druck – was
sie jetzt im Augenblick sieht. Er/Sie beginnt dabei mit den Worten „Ich sehe jetzt
gerade ...“ und beschreibt dabei möglichst genau.
Spiel/Übung 16: Faltkunst („Corona-Variante“)
Nach vor allem geistiger Beschäftigung ist es sinnvoll, etwas Motorisches zu machen.
Beispielsweise etwas zu falten, wie ein Flugzeug. Wir haben hierfür eine Anleitung
beigefügt, weitere Flugzeugtypen und Origami-Tiere finden Sie auch auf der Website
https://einfach-basteln.com/faltanleitungen/
2.4 Pausen - sich etwas gönnen
17

Bewegung an frischer Luft ist immer eine gute Unterbrechung. Deswegen sind die
nächsten beiden Spiele für draußen:
Spiel/Übung 17: Flugkunst („Corona-Variante“)
Nehmen Sie die gefalteten Flugzeuge aus Spiel/Übung 16 und veranstalten Sie mit der
Klasse ein Wettfliegen (Welches Flugzeug fliegt weiter oder länger? Welches macht die
tollsten Kunststücke?) auf dem Schulhof.
Spiel/Übung 18: Wal-Grippe (passend zur Pandemie, funktioniert wie Steh-Geh).
Die gefährliche Wal-Grippe geht um! Die Lehrkraft bestimmt vorab einen Schüler oder
eine Schülerin als Virus. Alle anderen Schülerinnen und Schüler können sich in einem
vorab festgelegten Bereich bewegen. Das Virus hat die Aufgabe, möglichst viele
Menschen zu „infizieren“ (antippen). Die Menschen können aber ausweichen,
wegrennen etc.. Wer aber angetippt wird, ist krank und muss auf der Stelle
stehenbleiben und „einfrieren“. Er/Sie kann aber geheilt werden, indem zwei nicht
Infizierte sich links und rechts neben ihn/sie stellen und laut rufen „geheilt“ - dann kann
sich die Person wieder frei bewegen, kann aber auch wieder vom Virus „infiziert“
werden. Das Spiel endet entweder, wenn das Virus es geschafft hat, alle zu infizieren,
oder nach 3 Minuten (diese Zeit kann geändert werden).
18

Material
Koordinatensystem für Spiel/Übung 9
Obst/Gemüse
Fisch/Fleisch/Wurst
Milchprodukte
Nudeln/Pizza/Döner/Pommes
Brot/Müsli
Knabberzeug/Chips/Süßes
Wasser
Limo/Cola/Saft
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24 Uhr
19
Frühstück
Mittag
Abendbrot

image
Ernährungspyramide (der Deutschen Gesellschaft für Ernährung)
(Abbildung von https://de.wikipedia.org/wiki/Ern%C3%A4hrungspyramide)
20

image
Faltanleitung für Spiel/Übung 16
21

3. Meine Familie
Ein
guter,
offener,
vertrauensvoller
Familienzusammenhalt
ist
für
Kinder
außerordentlich wichtig. Er stellt einen wesentlichen Faktor für die Resilienz und damit
für die geringere Anfälligkeit für Krisen und die gelingende Bewältigung von Krisen dar.
Dieser Teil ist in z.B. einer 5. Klasse anders als in den höheren Klassenstufen
durchzuführen – dort gehen die Schülerinnen und Schüler viel mehr ihren eigenen Weg.
Trotzdem sind mit dem Thema Familie immer viele Sehnsüchte und Wünsche
verbunden. Gleichzeitig treten oft auch (insbesondere beim pubertierenden Menschen)
verstärkt Ablehnung, Ärger und Wut auf – was aber meist unbewusst bleibt. Das
Verhältnis zwischen Kindern bzw. Jugendlichen und Eltern bewegt sich häufig im
Spannungsfeld vom Wunsch nach Autonomie und der Angst vor einer Abhängigkeit.
Dies ist eine durchaus gesunde Ambivalenz in den Kindern und Jugendlichen, aber auch
in den Eltern, die ebenfalls von Wünschen und Bedürfnissen nach mehr Freiheit und
Bindung geprägt sind.
Wie sehr ist die jeweilige Familie von einem Wir-Gefühl geprägt! Und woran kann man
das erkennen? Hier steht Vertrauen zueinander im Blickpunkt, inwieweit herrscht
Vertrauen und inwieweit ist Misstrauen vorhanden. Gibt es gemeinsame Rituale wie
Essen, Spiele, Ausflüge, Aktivitäten oder macht jeder irgendwie seins? Gibt es
Überraschungen und Spontanität oder läuft alles immer gleich ab – ohne jegliche
Abwechslung. Für das Wohlbefinden in einer Gemeinschaft spielt auch die Freiheit des
Einzelnen eine große Rolle oder fühlen sich manche Familienmitglieder ständig
eingeengt und kontrolliert? Wie offen kann miteinander gesprochen werden – hören der
Vater oder die Mutter zu, wenn ich meine Sorgen mitteile, wenn ich ein Problem habe
oder bin ich damit in meiner Familie alleine auf mich zurück geworfen? Verstehen sich
die Familienmitglieder – im wahrsten Sinne des Wortes? Kommunikation ist schwierig
und mit Erwartungshaltungen verbunden: Was gesagt wird, ist nie mit nur einer
Bedeutung zu verstehen, wie etwas verstanden wird, hängt auch vom Hörenden ab. (sh.
hier das Vier-Seiten-Modell von Friedemann Schulz von Thun (https://de.wikipedia.org/
wiki/Vier-Seiten-Modell).
Spiel/Übung 19: Stille Post (je nach Möglichkeiten)
Ein Schüler/Eine Schülerin flüstert einem/einer anderen ein Wort ins Ohr. Das Wort wird
ins Ohr flüsternd durch die ganze Klasse weitergegeben. Der/Die letzte Schüler/
Schülerin sagt laut, was er/sie verstanden hat.
3.1 Gemeinschaft – das Wir
22

23
Spiel/Übung 20: Spiegeln (je nach Möglichkeiten)
Dieses Spiel fördert die Empathie und funktioniert mit dem entsprechenden Abstand
mit und ohne Corona-Einschränkungen. Zwei Schüler oder Schülerinnen stellen sich
mindestens 1,5 Meter voneinander entfernt gegenüber, der Körper gerade, die Arme
hängen am Körper herab, die Beine sind leicht auseinander gestellt. Vorab wurde
bestimmt, wer Spiegelbild und wer vorm Spiegel ist. Die Person vorm Spiegel beginnt
nun langsame, fließende, ineinander übergehende Bewegungen. Das Spiegelbild macht
diese Bewegungen möglichst zeitgleich nach. Im Idealfall erkennt man als
Außenstehende/r nicht, wer was ist. Nach etwa 2 Minuten wird gewechselt. Die Übung
kann auch mit der gesamten Klasse im Kreis (oder stehend am Platz einander
zugewandt) durchgeführt werden, hier werden allerdings die Bewegungen nicht
spiegelverkehrt ausgeführt und vor Beginn wird eine „vorgebende“ Person bestimmt,
alle anderen imitieren diese. Anschließend tauscht sich die Klasse über die gemachten
Erfahrungen aus.
Spiel/Übung 21: Klassenraumrhythmus („Corona-Variante“)
Eine Person beginnt (am Platz oder wenn möglich gehend im Raum) einen
gleichmäßigen Rhythmus, z.B. durch das Zuschlagen eines Buches oder das Klopfen mit
einem Stift. Nach und nach stimmen alle anderen in den Rhythmus ein, ebenfalls indem
sie ihren Körper oder vorhandene Gegenstände nutzen (beim Gehen im Raum kann das
auch über die Füße erfolgen). Alle versuchen, aufeinander zu hören, und ohne
Absprache mal gleichmäßig leiser oder lauter, schneller oder langsamer zu werden.
Spiel/Übung 22: Was habe ich von meinen Eltern? (je nach Möglichkeiten)
Dieses Spiel findet im Gespräch statt, kann aber wie bei einer Scharade auch spielerisch
erfolgen. Jede/r überlegt, welche Eigenschaften, Besonderheiten oder Fähigkeiten er/sie
von den Eltern mitbekommen hat. Das kann gegenseitig erzählt werden, aber auch
gegenseitig geraten. z.B. Welche Eigenschaft von wem, Mutter oder Vater (auch
Großeltern oder Geschwister sind möglich).
Spiel/Übung 23: Vertauschte Rollen (je nach Möglichkeiten)
In Erich Kästners „ Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee“ gibt es eine Szene, wo
die Eltern noch einmal auf die Schulbank müssen und die Kinder sie unterrichten. Stellt
euch vor, ihr wechselt für einen Tag die Rolle. Du bist deine Mutter oder dein Vater und
dein Vater oder deine Mutter muss dich spielen. Wie würde so ein Tag aussehen? Was
würdet ihr anders machen? Spielt so einen Tag einmal nach.

Der Mensch hat ein natürliches Bedürfnis eine soziale Ordnung aufzustellen und zu
respektieren, denn sein Wunsch nach einer Gemeinschaft ist groß. Wäre der Mensch
überwiegend ein Einzelgänger, dann gäbe es keine sozialen Gruppen – wie die Familie
sie darstellt. Doch wie wird das Zusammenleben organisiert? Hat die Familie eine
Richtung, etwas Verbindendes über die Verwandtschaft hinaus? Gibt es eine innere
Ordnung? Gibt es klare Regeln, z.B. Schule ist wichtig, respektvoller Umgang, keine
Beleidigungen. Alle Familienmitglieder sollten auf die Einhaltung der Regeln und
Umgangsformen achten, auch gegenseitig. Inhalte sollten vermittelt werden, z.B. durch
Gespräche und gemeinsame Aktivitäten.
Spiel/Übung 24: Regeln („Corona-Variante“ und je nach Möglichkeiten)
Geht in eine 4er-Gruppe zusammen und stellt die für euch vier wichtigsten
Familienregeln auf.
Was ist euch wichtig? Stellt eure Ideen dann der Klasse vor und begründet sie. Spielt sie
eventuell in einer kleinen Szene vor.
Spiel/Übung 25: Das Abendessen (je nach Möglichkeiten)
Spielt ein gemeinsames Essen in der Familie Mustermann mit Vater, Mutter und zwei
Kindern an einem Tisch nach. Folgende fünf Themen können dabei eine Rolle spielen: 1.
Ein Kind hat eine gute Note bekommen, das andere eine schlechte. 2. Ein Kind möchte
gerne das Wochenende bei einer Freundin/einem Freund verbringen und zwei Nächte
dort schlafen; 3. Die Familie möchte in den Urlaub fahren, wohin soll es gehen? 4. Die
Musik bei den Nachbarn ein Stockwerk über ihnen ist immer so laut. Was tun? 5. Die
Mutter muss für fünf Tage ins Krankenhaus – wie wird der häusliche Alltag organisiert?
Macht es euch aber nicht zu schwer, sondern sucht im Spiel improviserend nach
Lösungen für die Konflikte. Tauscht euch anschließend über das Gesehene und eure
Erfahrungen aus.
3.2 Erziehung – Struktur innerhalb der Familie
24

Eine Familie ist ein Wir-Gefüge – ein Ganzes. Neben dem Wir bestehen jedoch auch viele
Einzelbeziehungen zu den jeweiligen Familienmitgliedern, die oft von starken
Emotionen getragen sind. Die Gefühle und Verhaltensweisen, die hier entstehen,
bestimmen zumeist auch das Verhalten zu anderen Menschen. Sehnsucht nach Liebe;
Machtkämpfe; stets wiederkehrende Streitereien wegen scheinbarer Banalitäten;
Ängste, etwas falsch zu machen.
Wenn man mit insofern geschärftem Blick auf die Verhaltensweisen in der eigenen
Familie blickt, was kann da gesehen werden? Vielleicht der Bruder, der sich immer nur
in sein Zimmer zurück zieht. Die Schwester, die lustlos in ihrem Essen herum stochert.
Die Mutter, die ständig reden muss. Der Vater, der lieber an seinem Laptop sitzt oder
die Oma, die ständig erwartet, dass man anruft. Aber es gibt auch viele positive
Eigenschaften, wie wenn die Schwester bei den Hausaufgaben hilft, wenn der Vater mit
seinem 12jährigen Sohn eine dreitägige Paddeltour auf der Elbe macht oder wenn die
Mutter ihre Tochter bei Liebeskummer unterstützt.
Spiel/Übung 26: Stimmungsbarometer („Corona-Variante“)
Dieses Spiel hat Rhythmus! Die Schülerinnen und Schüler können z.B. während der
Übung mit den Fingern auf dem Tisch trommeln (wie bei „Alle Vögel fliegen hoch“). Die
Lehrkraft sagt die Aufforderungen an und zählt von fünf herunter, nach 1 reagieren die
Schülerinnen und Schüler.
Jeder, der Stress mit der Mutter hat, macht „boah“.
Jeder, der Ärger mit dem Vater hat, trommelt mit den Fäusten auf dem Tisch.
Jeder, dessen Großeltern/Onkel/Tanten nervig sind, trampelt.
Jeder, dem seine kleinen Geschwister Probleme machen, steht auf und setzt sich
wieder hin.
Jeder, der Konflikte mit seinen größeren Geschwistern hat, klatscht dreimal in
die Hände.
Alle lassen alles raus.
Jeder, dem seine Mutter hilft, macht „Juhu“.
Jeder, der was mit dem Vater unternimmt, pfeift laut.
Jeder, dessen Großeltern/Onkel/Tanten nett sind, winkt.
Jeder, dem seine kleinen Geschwister Freude bereiten, springt in die Höhe.
Jeder, der mit seinen größeren Geschwistern was Cooles erlebt, ruft „krass“.
Alle lassen alles raus.
3.3 Begegnungen der einzelnen Familienmitglieder – das Du
25

26
Spiel/Übung 27: Mach mir eine Szene! (je nach Möglichkeiten)
Bei dieser Übung ist das „Fingerspitzengefühl“ der Lehrkraft gefragt. Denn es braucht ein
besonderes Vertrauensverhältnis der Schülerinnen und Schüler untereinander sowie die
sichere Vereinbarung, dass alles, was erzählt wird, auch im Raum bleibt. Familie ist ein
besonderes Konstrukt und wenn über nicht anwesende Familienmitglieder gesprochen wird,
muss dies mit Respekt gegenüber der Person und unter Wahrung deren Persönlichkeitsrechte
geschehen.
Erinnert euch an eine Situation mit einem Familienmitglied, über die ihr euch sehr
geärgert habt. Sucht euch nun in der Klasse einen Partner oder eine Partnerin aus, mit
dem ihr die folgende spielerische Übung gemeinsam ausführt. Ihr erzählt euch
gegenseitig das jeweilige negative Erlebnis. Es ist nun die Aufgabe des bzw. der
Zuhörenden, soviel Informationen zur Situation zu bekommen, dass er bzw. sie die Rolle
des jeweils anderen Schülers bzw. der Schülerin nachspielen kann. Nun probieren beide
die Situation aus, indem ihr die Rolle eurer Mitschülerin bzw. des Mitschülers
übernehmt, er bzw. sie spielt das eigene Familienmitglied, über das er/sie sich ärgert.
Anschließend erzählt der/die jeweilige andere seine/ihre Szene und beide studieren
diese auch mit den Rollenwechseln ein.
Jetzt werden (mindestens) drei Duos ihre Situationen vorspielen. Die zuschauenden SuS
haben die Aufgabe, zu überlegen: Was würden sie an Stelle des betroffenen Schülers
bzw. der Schülerin tun, um die Situation besser zu gestalten? Jeweils nach der Szene
sagen die Zuschauenden ihren Lösungsvorschlag. So es die Räumlichkeiten zulassen,
sollte eine Lösung auch im Spiel vorgestellt werden, d.h. der vorschlagende Schüler
oder die Schülerin nimmt die Rolle des/der Betroffenen ein und probiert die Lösung
aus, indem die gleiche Szene nochmals gespielt wird – diesmal mit der sich ändernden
Reaktion oder Situation improvisierend.

Was im Familienleben immer wieder auffällt, ist die Tatsache, dass wir ganz oft anderen
Familienmitgliedern die Schuld dafür geben, dass Dinge nicht so laufen, wie wir uns das
gewünscht haben: Wenn Mutter nicht immer über mein unaufgeräumtes Zimmer
schimpfen würde, dann wäre alles gut.“, „Wenn meine kleine Schwester mich nicht
immer nerven würde, dann wäre ich entspannter.“ Wenn, wenn, wenn!
Dabei ist es ja wichtig, dass auch ich immer wieder überlege, was kann ich dazu
beitragen, dass es in der Familie gut läuft beziehungsweise, dass ich mich in der Familie
wohl fühle. Das Wohlfühlen anderer Menschen zu gestalten, ist eigentlich kaum
möglich, ja meistens eine Überforderung. Wichtig ist: Kinder neigen dazu, bei Konflikten
in der Familie die Schuld bei sich zu suchen. Klassisch ist der Satz oder Gedanke „Meine
Eltern haben sich wegen mir getrennt.“ Das ist aber falsch. Eher geht es darum, ob ich in
der Lage bin, eigene Bedürfnisse und Wünsche auszudrücken. Kann ich bei einem Streit
wirklich dem Anderen zuhören und meine Position selbstbewusst und ruhig vertreten?
Kann ich mit meinem Ärger umgehen, wenn ich mal frustriert werde? Halte ich mich an
die Familienstruktur? Kann ich meine Freude ausdrücken, wenn jemand anderes etwas
für mich tut? Bedanke ich mich, wenn mir geholfen wird?
Spiel/Übung 28: Zur Stärkung der Selbstsicherheitl (je nach Möglichkeiten)
Hier geht es darum, mögliche positive, d.h. selbstbewusste und wertschätzende
Haltungen im Spiel auszuprobieren. Das geht gerade auf Distanz gut, wir haben eine
bessere
Ansprechhaltung,
können
geradeaus
blicken.
Stehend
am
Platz
im
Klassenzimmer oder einem größeren Raum oder auf dem Schulhof. Verteilt jeweils die
Rolle der Familienmitglieder an andere in der Klasse. Dann wendet euch an sie.
1. Was stört mich?
Einem Familienmitglied sagen, was mich stört, z.B. „Mich stört, dass du immer in mein
Zimmer reinplatzt.“; „Ich finde, dass du in letzter Zeit immer nur an mir rummeckerst,
am Montag hast du das gesagt, nachmittags das, am Dienstag das … warum machst du
das?“
2. Sich entschuldigen.
Sich dafür entschuldigen, dass ich einen Fehler gemacht habe, z.B. „Es tut mir leid, ich
habe heute leider vergessen, die Blumen zu gießen.“; „Es tut mir leid, dass ich dich
gestern beleidigt habe.“
3. Einen Wunsch äußern/die eigene Meinung vertreten.
z.B. „Ich möchte gerne am Wochenende bei meinem Freund Paul übernachten. Ist das
möglich? Was spricht dafür, was dagegen?“; „Ich fände es schön, wenn wir wieder
einmal zusammen in den Zoo gehen würden.“; „Mein Taschengeld ist in den letzten zwei
Jahren nicht erhöht worden, ich unternehme jetzt viel mehr draußen mit Freunden,
könnte das Taschengeld bitte erhöht werden?“
4. Probleme ansprechen – sich jemandem anvertrauen.
z.B. „Ich komme in Mathe immer weniger mit, ich glaube, ich
brauche Hilfe. Vielleicht wäre Nachhilfe noch gut!“; „In meiner
Klasse sind drei Jungen, die ärgern mich in der Pause
immer.“
Natürlich sind immer eigene Beispiele die besten.
3.4 Die Eigenentwicklung – das Ich
27

Besprecht die Übung danach in der Klasse.
Wie hat sich das angefühlt?
War es schwer?
Oft gibt es Projektionen oder Ängste: Das hat keinen Sinn. Die kann mich eh nicht
leiden. Das traue ich mich nicht zu fragen. Diese verhindern, dass wir Dinge
ausprobieren. Im schlimmsten Fall ändert sich nichts – das ist aber auch so, wenn man
es nicht probiert. Häufig erhält man aber eine positive Antwort. Es lohnt sich also, zu
fragen.
Wichtig: Ihr habt immer das Recht, wenn ihr selbst nicht weiterkommt, euch Hilfe zu
suchen. Eure Klassenlehrer und -lehrerinnen, die BeratungslehrerInnen der Schule oder
die Schulsozialarbeit können auch dabei unterstützen.
28