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Jahresbericht 2018
STAATSMINISTERIUM
FÜR SOZIALES UND
VERBRAUCHERSCHUTZ
der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits-
und Veterinärwesen (LUA)

 
│1
Tabellarische Darstellung der Untersuchungsleistungen und
Öffentlichkeitsarbeit 2018
(nur als pdf-Dokument - siehe Homepage:
www.lua.sachsen.de
> Publikationen > Jahresberichte)
Humanmedizinische infektions-, hygiene- und umweltbezogene Diagnostik und Beratungstätigkeit
1.1:
Klinische Mikrobiologie (Bakteriologie, Mykologie) - Untersuchungen .................................................................................................... 1
1.2:
Gezielte Anforderungen zum Nachweis von MRSA und MRGN ................................................................................................................... 1
1.3:
Untersuchte Humanproben mit Nachweis von MRSA/caMRSA und MRGN ............................................................................................. 1
1.4: Untersuchte Humanproben mit Nachweis von Neisseria gonorrhoeae ..................................................................................................... 1
1.5:
Mykobakteriologie - Einsendungen humanmedizinischer Materialien ..................................................................................................... 2
1.6:
Mykobakteriologie - durchgeführte Untersuchungen (ohne IGRA) ............................................................................................................. 2
Inhalt
Vorwort ........................................................................................................................................................................................................ 5
Humanmedizinische infektions-, hygiene- und umweltbezogene Diagnostik und Beratungstätigkeit
Übersicht über das Leistungsspektrum ........................................................................................................................................................................... 6
Influenza, FSME und Herpes zoster - Eckpunkte des Jahres 2018 aus dem Blickwinkel der Infektionsepidemiologie
...........................
8
Ungebetene Gäste im Magen-Darm-Trakt des Menschen - Nachweis von Darmpathogenen an der LUA Sachsen
2018...................10
Überblick über die serologische Untersuchungstätigkeit 2018
.............................................................................................................................12
Trinkwasserqualität in der Zentralen Trinkwasserversorgung des Freistaates Sachsen - Pflanzenschutzmittel- und
Biozidprodukt-Wirkstoffe sowie deren Metabolite ...................................................................................................................................................15
Hygiene der Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen, Kurorthygiene ..................................................................................................18
Umweltmedizinische und umwelthygienische Untersuchungs- und Beratungstätigkeit ..............................................................................20
Amtliche Lebensmitteluntersuchungen
Amtliche Futtermittelüberwachung
..............................................................................................................................................................................23
Übersicht über das Leistungsspektrum .........................................................................................................................................................................23
Lebensmittelmikrobiologie und Lebensmittelhygiene ..............................................................................................................................................25
Getreideerzeugnisse, Backwaren, Süßwaren, Speiseeis, Tee, Kaffee ....................................................................................................................29
Obst, Obsterzeugnisse, Gemüse, Gemüseerzeugnisse, Gewürze, Fertiggerichte
...............................................................................................31
Getränke ........................................................................................................................................................................................................33
Nahrungsergänzungsmittel, diätetische Lebensmittel .............................................................................................................................................35
Fette, Öle, Feinkost, Zusatzstoffe
...................................................................................................................................................................................37
Bedarfsgegenstände und kosmetische Mittel .............................................................................................................................................................39
Pestizide, Schadstoffe ........................................................................................................................................................................................................43
Amtliche Außendienstaufgaben .....................................................................................................................................................................................45
Pharmakologisch wirksame Stoffe .................................................................................................................................................................................47
Veterinärmedizinische Tierseuchen- und Krankheitsdiagnostik
Übersicht über das Leistungsspektrum .........................................................................................................................................................................49
Pathologische Diagnostik .................................................................................................................................................................................................49
Parasitologische Diagnostik .............................................................................................................................................................................................56
Spezielle Mikrobiologie und Mykologie ........................................................................................................................................................................57
Mastitisdiagnostik ........................................................................................................................................................................................................60
Serologie ........................................................................................................................................................................................................61
Virologie, diagnostische Molekularbiologie .................................................................................................................................................................63
Elektronenmikroskopische Untersuchungen ...............................................................................................................................................................66
Verwaltung
Qualitätsmanagement-Akkreditierung .........................................................................................................................................................................67
Öffentlichkeitsarbeit
........................................................................................................................................................................................................
68
Abkürzungen........................................................................................................................................................................................................69
Inhaltsverzeichnis
Sachberichte über wichtige Ereignisse, Untersuchungsschwerpunkte
und Untersuchungsergebnisse

2 │
1.7: Erregerspektrum der angezüchteten Mykobakterien .......................................................................................................................................2
1.8:
Untersuchungen auf darmpathogene Erreger (Bakterien, Viren, Parasiten)
............................................................................................. 3
1.9: Spektrum der nachgewiesenen darmpathogenen Erreger ............................................................................................................................. 3
1.10: Spektrum der nachgewiesenen Salmonellen-Serovare
................................................................................................................................... 4
1.11: Spektrum der nachgewiesenen Shigella-Arten .................................................................................................................................................4
1.12: Spektrum der nachgewiesenen Campylobacter-Arten ....................................................................................................................................4
1.13: Spektrum der nachgewiesenen Serotypen von intestinalen Escherichia coli (außer EHEC) ............................................................... 4
1.14: Spektrum der nachgewiesenen EHEC-Serovare ................................................................................................................................................5
1.15: Spektrum der nachgewiesenen Serogruppen von Yersinia enterocolitica ................................................................................................. 5
1.16: Nachweis von darmpathogenen Viren .................................................................................................................................................................6
1.17: Klinische Parasitologie - Einsendungen .............................................................................................................................................................. 6
1.18: Ergebnisse der helminthologischen Untersuchungen
..................................................................................................................................... 6
1.19: Ergebnisse der protozoologischen Untersuchungen ........................................................................................................................................ 6
1.20: Virusanzucht, Virustypisierung und Neutralisationstests
............................................................................................................................... 7
1.21: Serologisch-immunologische Untersuchungen auf Virus-Antikörper und -Antigene ...........................................................................
8
1.22: Serologisch-immunologische Untersuchungen auf Bakterien-Antikörper und -Antigene ................................................................... 9
1.23: Serologisch-immunologische Untersuchungen auf Parasiten-Antikörper ................................................................................................ 9
1.24: Untersuchungen von Asylsuchenden auf Hepatitis A, Hepatitis B, Hepatitis C, HIV-Infektionen und Syphilis in den
Erstaufnahme-Einrichtungen Sachsens nach Herkunftsländern ................................................................................................................10
1.25: Untersuchungen von Asylsuchenden auf anzunehmende Immunität gegenüber Masern-, Mumps-, Röteln- und
Varizella-Zoster-Virus (MMRV) in den Erstaufnahme-Einrichtungen Sachsens nach Herkunftsländern .......................................11
1.26: Untersuchungen mittels PCR/Molekularbiologische Untersuchungen .....................................................................................................12
1.27: Untersuchungen von zentralen Trinkwasserversorgungsanlagen (ZWVA) ..............................................................................................13
1.28: Beanstandungen bei zentralen Wasserversorgungsanlagen (ZWVA)
........................................................................................................13
1.29: Untersuchungen von EU-Badegewässerproben ..............................................................................................................................................13
1.30: Einstufung der mikrobiologischen Qualität der EU-Badegewässer in Sachsen in der Badesaison 2018 durch die
Europäische Kommission .......................................................................................................................................................................................14
1.31: Pollenmessstation LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Dekadenmittel der Pollenbelastung der Luft mit 8 allergologisch
relevanten Pollenarten für die Pollenvorhersage im Vergleich der Jahre 2017 und 2018
.................................................................15
1.32: Ausgewählte hygienisch-mikrobiologische Untersuchungen .....................................................................................................................16
1.33: Erfasste Infektionskrankheiten im Freistaat Sachsen - Jahresvergleich 2017/2018 (Datenstand: 01.03.2019)
..........................16
1.34: Influenza-Sentinel 2017/2018 - Aufschlüsselung der Probeneinsendungen und der positiven
Influenzavirus-Genomnachweise nach territorialen Gesichtspunkten
.....................................................................................................18
1.35: Influenza-Sentinel 2017/2018 - Probeneinsender, Probenzahl, positive Proben und Positivenrate nach PCR-Diagnostik
......18
1.36: Influenza-Sentinel 2017/2018 - jahreszeitlicher Verlauf (Probeneinsendungen, Influenzavirus-Nachweise
(mittels PCR) und Positivenraten) .......................................................................................................................................................................19
Amtliche Lebensmitteluntersuchung
2.1: Übersicht über Probeneingänge und Beanstandungen .................................................................................................................................20
2.2: Untersuchung amtlicher Lebensmittelproben .................................................................................................................................................22
2.3:
Untersuchung von Erzeugnissen, die dem Weinrecht unterliegen ............................................................................................................25
2.4: Untersuchung von Tabakerzeugnissen ...............................................................................................................................................................25
2.5: Untersuchung amtlicher Bedarfsgegenständeproben ...................................................................................................................................25
2.6: Untersuchung kosmetischer Mittel.....................................................................................................................................................................25
2.7: Untersuchung ausgewählter Warengruppen, aufgeschlüsselt nach Produktgruppen .........................................................................26
2.8:
Zusatzstoffuntersuchungen in Lebensmitteln und Kosmetika
....................................................................................................................
28
2.9:
Beispiele aus der Untersuchung kosmetischer Mittel - Vitamin A- und E-Verbindungen in Hautpflegeprodukten
...................28
2.10: Elementanalytik: Anzahl der Proben und Beanstandungen
.........................................................................................................................29
2.11: Untersuchungen auf Dioxine, dioxinähnliche und nicht-dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle
(inkl. Proben NRKP + Monitoring) .......................................................................................................................................................................30
2.12: Mykotoxine, ausgewählte Untersuchungsergebnisse ....................................................................................................................................31
2.13: Untersuchungen von Lebensmitteln auf Bestandteile aus gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP),
geordnet nach untersuchter Spezies ..................................................................................................................................................................32
2.14: Untersuchungen von Lebensmitteln auf Bestandteile aus gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP),
geordnet nach Warengruppen .............................................................................................................................................................................32
2.15: Untersuchungen auf Allergene (Anzahl untersuchte Proben), aufgeschlüsselt nach Warenobergruppen.....................................33
2.16: Pflanzenschutzmittel-Rückstandssituation in Lebensmitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs
...........................................34
2.17: Beanstandete Proben aufgrund von Überschreitungen der geltenden Rückstandshöchstgehalte (RHG) gemäß
Verordnung (EG) Nr. 396/2005 und Rückstands-Höchstmengenverordnung (RHmV)
........................................................................35
2.18: Untersuchung auf ausgewählte organische Schadstoffe
.............................................................................................................................36
2.19: Untersuchung von Lebensmitteln auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) ...........................................................36

│3
2.20: NRKP - Anzahl der Untersuchungen in den einzelnen Stoffgruppen (nach RL 96/23/EG) für verschiedene Tierarten nach
Probenahme von tierischen Erzeugnissen oder an Tieren im Erzeugerbetrieb .......................................................................................37
2.21: NRKP - Anzahl der Untersuchungen in den einzelnen Stoffgruppen (nach RL 96/23/EG) für verschiedene Tierarten nach
Probenahme an Tieren im Schlachtbetrieb .......................................................................................................................................................37
2.22: Untersuchung auf pharmakologisch wirksame Stoffe in Proben aus der amtlichen Lebensmittelüberwachung ........................38
2.23: Zusammenstellung von positiven Proben (MRL-Überschreitungen oder Nachweis verbotener bzw. nicht zugelassener
Stoffe) .........................................................................................................................................................................................................................39
2.24: Zusammenstellung von Proben mit Rückständen pharmakologisch wirksamer Stoffe, deren Konzentrationen die
zulässigen Höchstwerte bzw. den MRPL nicht überschreiten ...................................................................................................................39
2.25: Bakteriologische Hygienekontrolluntersuchungen, Salmonellen-Serotypen in Tupferproben ..........................................................40
2.26: Bakteriologische Fleischuntersuchung und biologischer Hemmstofftest
................................................................................................
40
2.27: Salmonellenfunde und nachgewiesene Serovare in Lebensmitteln ..........................................................................................................41
2.28: Untersuchungen und Nachweise von Listeria monocytogenes in Lebensmitteln
.................................................................................42
2.29: Untersuchungen und Nachweise von Campylobacter in Lebensmitteln ..................................................................................................42
2.30: Untersuchungen und Nachweise von humanpathogenen Yersinia enterocolitica in Lebensmitteln
..............................................42
2.31: Nationaler Rückstandskontrollplan – Biologischer Hemmstofftest .........................................................................................................43
2.32: Untersuchung loser Wasserproben .....................................................................................................................................................................43
2.33: Untersuchung von Lebensmitteln auf Aromastoffe .......................................................................................................................................43
2.34: Bestimmung der Fettsäureverteilung sowie des Milchfettgehaltes in Lebensmitteln
.........................................................................44
2.35: Bestimmung von Cholesterolgehalten in Lebensmitteln ..............................................................................................................................44
2.36: Untersuchung von Frittierfetten
..........................................................................................................................................................................44
2.37: Chemische Untersuchungen tierischer Lebensmittel ....................................................................................................................................45
Veterinärmedizinische Tierseuchen- und Krankheitsdiagnostik
3.1: Sektionen ....................................................................................................................................................................................................................46
3.2:
Sektionen - Trend (in Klammern Anteil Sektionsprogramm) .......................................................................................................................47
3.3:
Untersuchungen zur Überwachung und Nachweis von ausgewählten anzeigepflichtigen Tierseuchen
........................................47
3.4:
Untersuchungen zur Überwachung und Nachweis von ausgewählten meldepflichtigen Tierkrankheiten
....................................48
3.5: Tollwutuntersuchungen - Tierarten ....................................................................................................................................................................48
3.6: Tollwut - Kontrolluntersuchungen von Füchsen
.............................................................................................................................................49
3.7: Tollwutuntersuchungen und Nachweise - Trend ............................................................................................................................................49
3.8: TSE - Untersuchungen
............................................................................................................................................................................................50
3.9: TSE - Untersuchungen - Trend .............................................................................................................................................................................50
3.10: Bienenkrankheiten - Trend
....................................................................................................................................................................................51
3.11: Parasitologie - Proben und Untersuchungen ...................................................................................................................................................51
3.12: Parasitologie - Proben und Ergebnisse ..............................................................................................................................................................51
3.13: Parasitologie der Fische - Untersuchungen und
Ergebnisse........................................................................................................................54
3.14: Bakteriologie, Mykologie - Probenarten, Anzahl und Untersuchungen ...................................................................................................54
3.15: Untersuchungen auf Salmonellen .......................................................................................................................................................................55
3.16: Ergebnisse der Salmonellentypisierung ausgewählter Tierarten ................................................................................................................55
3.17: Untersuchungen auf Campylobacter spp. aus Kot- und Organproben .....................................................................................................56
3.18: Andrologische und gynäkologische Proben und Untersuchungen
.............................................................................................................56
3.19: Mastitisdiagnostik - Proben und Untersuchungen nach Kategorien ........................................................................................................57
3.20: Mastitisdiagnostik - Erregernachweise
.............................................................................................................................................................57
3.21: Serologische Untersuchungen und Ergebnisse ................................................................................................................................................58
3.22: Virusnachweise - Anzüchtungen .........................................................................................................................................................................60
3.23: Sonstige Antigen - Nachweise (ELISA/Hämagglutination) ..........................................................................................................................
60
3.24:
Molekularbiologie ....................................................................................................................................................................................................61
3.25: BVD-Virus - Untersuchungen und Ergebnisse beim Rind .............................................................................................................................64
3.26: BVD-Virus-Antikörper - Jungtierfenster............................................................................................................................................................64
3.27: Blauzungenkrankheit - Untersuchungen und Ergebnisse ............................................................................................................................64
3.28: Blauzungenkrankheit - Trend
...............................................................................................................................................................................65
3.29 Aviäre Influenza - Proben und Ergebnisse
........................................................................................................................................................65
3.30: Paratuberkulose - Proben und Ergebnisse
........................................................................................................................................................65
3.31: Paratuberkulose - Trend (nur Rind) ....................................................................................................................................................................66
3.32: Schmallenbergvirus - Untersuchungen und Ergebnisse ...............................................................................................................................66
3.33: Schmallenbergvirus - Trend ..................................................................................................................................................................................66
3.34: Klassische und Afrikanische Schweinepest - Proben von Haus- und Wildschweinen .........................................................................67
3.35: Klassische und Afrikanische Schweinepest - Trend........................................................................................................................................67
3.36: Elektronenmikroskopie - Proben und Erregernachweise ..............................................................................................................................68

4 │
Öffentlichkeitsarbeit
Publikationen ........................................................................................................................................................................................................69
Publikationen LUA........................................................................................................................................................................................................70
Vorträge, Lehrveranstaltungen ........................................................................................................................................................................................
70
Sonstige Öffentlichkeitsarbeit
.........................................................................................................................................................................................74
Mitarbeit in zentralen Gremien, Ausschüssen, Arbeitsgruppen .............................................................................................................................75
Ausbildung/Praktikantenbetreuung/Hospitationen ...................................................................................................................................................77
Teilnahme an Betriebskontrollen, Vor-Ort-Begehungen .........................................................................................................................................78
Abkürzungen........................................................................................................................................................................................................79

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│5
Vorwort
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit dem Jahresbericht für das Jahr 2018 stellt die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen
(LUA) neben einem Überblick über die im letzten Jahr erfolgten Untersuchungen, Kontroll- und Beratungstätigkeiten ausgewählte
Schwerpunkte und Herausforderungen dar.
Als Bestandteil des öffentlichen Gesundheitsdienstes obliegt der LUA insbesondere die Untersuchung und Beurteilung von Human-,
Lebensmittel- und Veterinärproben. Große Krisen oder Skandale waren im Jahr 2018 nicht zu verzeichnen, aber die Überwachungs-,
Plan- und Monitoringuntersuchungen waren fachlich anfordernd und brachten zum Teil unerwartete Ergebnisse.
Im Fachbereich Humanmedizin bildeten wiederum hohe Probenzahlen zur Abklärung infektiöser Durchfallerkrankungen einen
be-
sonderen Schwerpunkt. Nachgewiesen wurden dabei verschiedene virale und bakterielle Erreger in fast gleichen Anteilen. Bei den
Untersuchungen auf sexuelle übertragbare Krankheiten (HIV, Syphilis, u. a.) und Hepatitis-Virus-Infektionen war ein Anstieg der
Probenzahlen festzustellen, die Positivraten entsprachen denen der Vorjahre.
Im Bereich der amtlichen Lebensmitteluntersuchung einschließlich der Bedarfsgegenstände und Kosmetika betrug die Beanstan-
dungsquote bei den mehr als 21.000 untersuchten Proben 16,9%. Dies bedeutet erneut einen leichten Anstieg gegenüber dem
Vorjahr. Der überwiegende Teil der Beanstandungen betraf fehlerhafte Kennzeichnungen. Der Anteil gesundheitsschädlicher Proben
lag mit 0,24% auf weiterhin niedrigem Niveau, so dass die Sicherheit der Lebensmittel, Bedarfsgegenstände und Kosmetika auch
im letzten Jahr gegeben war.
In der veterinärmedizinische Diagnostik waren erneut hohe Probenzahlen im Rahmen von Abklärungsuntersuchungen nach Salmo-
nellennachweisen bei verschiedenen Tierarten zu verzeichnen. Zudem führte die 2. Änderung der Tierärztlichen Hausapothekenver-
ordnung seit März 2018 zu vermehrten Einsendungen von Proben und einem deutlich Anstieg von Antibiogrammen. Herausragend
war die Zahl der Großtiersektion (Nutztiere), die 2018 mit 1.158 Tierkörpern einen Höchststand erreichte und die LUA in diesem
Bereich an die Kapazitätsgrenzen führte. Erstmals wurde das West-Nil-Virus bei einem erkrankten Pferd nachgewiesen. Die Inten-
sivierung der Überwachungsuntersuchungen infolge der weiteren Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Europa ließ die
Wildschweinproben auf über 6.800 anwachsen.
Die überwiegend unauffälligen Befunde und negativen Ergebnisse in allen drei Fachbereichen sind Beleg für einen aktiven,
präventi-
ven gesundheitlichen Verbraucher- und Infektionsschutz, der unter Mitwirkung der LUA die Gesundheit von Mensch und Tier sichert.
Das komplette Leistungsspektrum der LUA einschließlich der Daten und Ergebnisse des Jahres 2018 finden Sie auf der
LUA-Home-
page unter
www.lua.sachsen.de.
Im Namen der LUA-Mitarbeiter und der an diesem Bericht Beteiligten wünsche ich eine interessante und informative Lektüre.
Dr. Gerlinde Schneider
Präsidentin

6 │
Humanmedizinische infektions-, hygiene- und um-
weltbezogene Diagnostik und Beratungstätigkeit
Übersicht über das Leistungsspektrum
Die Abteilung „Medizinische Mikrobiologie und Hygiene“ um-
fasst am LUA-Standort Dresden die Fachgebiete, die
mikrobio-
logische Labordiagnostik auf bakterielle, virale, parasitäre und/
oder Pilz-Infektionserreger aus menschlichen Untersuchungs-
materialien durchführen sowie die wasserhygienischen mik-
robiologischen und chemischen Laborbereiche. Aufgrund der
Verfügbarkeit eines modernen Labors der Schutzstufe 3 kann
auch mit Krankheitserregern, die ein erhöhtes Gefährdungspo-
tenzial besitzen, also mit Keimen der Risikogruppe 3, gearbeitet
werden. Am LUA-Standort Chemnitz der Abteilung sind neben
der Infektionsepidemiologie und Gesundheitsberichterstattung
auch die Fachgebiete angesiedelt, die umweltmedizinische und
kommunalhygienische Fragestellungen sowie Themen der
Hy-
giene der Gesundheits-, Gemeinschaftseinrichtungen und von
Kurorten bearbeiten.
Die folgenden Ausführungen zum Leistungsspektrum sowie die
Beiträge im Textteil stellen nur einige Haupttätigkeitsfelder vor,
ohne dass sie jedoch das gesamte Arbeitsspektrum der
Abtei-
lung abbilden können.
Schwerpunktmäßig wurden in den
Laboratorien am Standort
Dresden
folgende Untersuchungsaufgaben wahrgenommen:
]
Diagnostik zum Nachweis und zur Abklärung von (Infek-
tions-)Erregern
]
beim Auftreten bevölkerungsmedizinisch relevanter über-
tragbarer Krankheiten (z. B. bei Häufungen, Ausbrüchen,
in Gemeinschaftseinrichtungen etc.)
]
nosokomialer Infektionen sowie mit speziellen und Multi-
Resistenzen (z. B. MRSA, VRE, 3MRGN, 4MRGN)
]
sexuell übertragbarer Infektionen (STI)
]
mit bevölkerungsmedizinischer Relevanz bei Asylbewer-
bern
]
im Rahmen von Sentinels (z. B. Influenza-Sentinel,
En-
terovirus-Surveillance)
]
mit bevölkerungsmedizinischer Relevanz bei derem neuen
Auftreten oder bei deren schneller Verbreitung (emerging
infectious diseases)
]
mit erhöhtem Gefährdungspotenzial (z. B. Erreger der Risi-
kogruppe 3 wie
Mycobacterium tuberculosis
)
]
Kontrolle von Trinkwasser aus zentralen Wasserversorgungs-
anlagen hinsichtlich bakteriologischer und chemischer Para-
meter
]
Kontrolle von EU-Badegewässern und „wilden Badestellen“
hinsichtlich bakteriologischer Parameter, gegebenenfalls
einschließlich Blaualgen
Nach wie vor waren im Berichtsjahr wieder infektiöse
Gastro-
enteritiden die häufigsten gemeldeten Infektionskrankheiten in
Deutschland und Sachsen, im Freistaat mit insgesamt 29.156
übermittelten Erkrankungsfällen (LUA-Homepage, Tabelle 1.33).
Bei den Probenmaterialien, die im Rahmen von Häufungen und
Ausbrüchen von Infektionskrankheiten sowie von infektiösen
Erkrankungen in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergär-
ten, Schulen, Alten- und Pflegeheimen etc. entnommen wurden,
stand daher vor allem die Abklärung infektiöser Durchfall-Er-
krankungen im Vordergrund. So wurden 2018 insgesamt 19.817
Untersuchungen auf darmpathogene Bakterien, Viren oder Pa-
rasiten durchgeführt. Bei 8,4 % der Untersuchungen gelang ein
Erreger-Nachweis. Im Untersuchungsgut der LUA Sachsen lag
2018 die Nachweisrate bei der viralen Gastroenteritis-Erreger-
Diagnostik bei 13,3 %, bei der parasitären bei 10,6 % und bei
der bakteriellen bei 5,8 %. Seit Jahren haben bei den viralen
Durchfall-Erregern die Noroviren (2018: 38,0 %), seit 2015
bei den bakteriellen Erregern EHEC (2018: 23,0 %) den
größ-
ten prozentualen Anteil an den in der LUA Sachsen geführten
Gesamt-Nachweisen (LUA-Homepage, Tabellen 1.8 und 1.9,
siehe Textbeitrag „Ungebetene Gäste im Magen-Darm-Trakt
des Menschen – Nachweis von Darmpathogenen an der LUA
Sachsen 2018). Die Meldezahlen für Gesamt-Sachsen des
Jah-
res 2018 weisen ebenfalls die Noroviren als häufigste Ursache
viral bedingter Gastroenteritiden aus, die bakteriell verursach-
ten Durchfall-Erkrankungen gehen allerdings am häufigsten auf
Campylobacter
spp. und
Clostridium difficil
e zurück.
Als weiterer Tätigkeitsschwerpunkt ist die bakteriologische/
serologische/molekularbiologische Diagnostik sexuell übertrag-
barer Infektionen (STI) und auf Hepatitis-Virus-Infektionen zu
nennen. Sie wird vor allem für die AIDS/STI-Beratungsstellen der
Gesundheitsämter im Rahmen ihrer Präventionsarbeit durchge-
führt (LUA-Homepage, Tabellen 1.1, 1.4, 1.21, 1.22 und 1.26,
siehe Textbeitrag „Überblick über die serologische Untersu-
chungstätigkeit 2018“). Chlamydia trachomatis-Infektionen,
die häufigsten STIs, und die Gonorrhoe sind in Deutschland
bis-
lang nur in Sachsen meldepflichtig, wobei im Berichtsjahr 97
C. trachomatis
- und 17 Gonokokken-Infektionen pro 100.000
Einwohner übermittelt wurden (LUA-Homepage, Tabelle 1.33).
Die Positivenraten der 2018 in der LUA Sachsen untersuchten
7.176 Materialien auf
C. trachomatis
-DNA und 7.100 Proben
auf
Neisseria gonorrhoeae
-DNA lagen bei 3,4 % und 2,1 %
(sie-
he Textbeitrag „Molekularbiologische Diagnostik – ausgewählte
Untersuchungen 2018“).
Die Ergebnisse der im Laborbereich Wasserhygiene 2018
durch-
geführten Untersuchungen von Trinkwasser aus zentralen Was-
serversorgungsanlagen und von EU-Badegewässern finden sich
auf der LUA-Homepage in den Tabellen 1.27 – 1.29. Der Text-
beitrag setzt folgenden Schwerpunkt: „Trinkwasser in der Zen-
tralen Trinkwasserversorgung des Freistaates Sachsen –
Pflan-
zenschutzmittel- und Biozidprodukt-Wirkstoffe sowie deren
Metabolite“.
Die Tätigkeit der in den Bereichen
Umweltmedizin, Kommu-
nalhygiene, Hygiene der Gesundheitseinrichtungen, Hygiene
der Gemeinschaftseinrichtungen und Kurorthygiene
arbeiten-
den Fachgebiete war im Jahr 2018 auf folgende Schwerpunkte
ausgerichtet:

│7
]
Stellungnahmen zu umwelthygienischen Problemen
]
Umweltmedizinische Expositions- und Gefährdungsabschät-
zung, Immissionsprobleme
]
Gesundheitsverträglichkeitsprüfungen im Rahmen von Pla-
nungs- und Genehmigungsverfahren
]
Untersuchungen im Bereich der Raumlufthygiene (z. B. In-
nenraumchemikalien, Schimmelpilze, Lüftungsproblematik in
Gemeinschaftseinrichtungen)
]
Umsetzung der Sächsischen Badegewässer-Verordnung, Be-
richterstattung zu Badegewässern gemäß EU-Richtlinie
]
Untersuchungen, Stellungnahmen und Beratungen zur Um-
setzung hygienischer Anforderungen in Gesundheits- und
Gemeinschaftseinrichtungen
]
Länderübergreifende Mitarbeit an der Erarbeitung von Emp-
fehlungen und Richtlinien zum Thema Hygiene (z. B. Erstel-
lung von Rahmenhygieneplänen)
]
Beurteilung von Anträgen zur staatlichen Anerkennung als
Kur-/Erholungsort aus hygienischer Sicht
]
Pollenmessstelle in Kooperation mit der Stiftung Deutscher
Polleninformationsdienst
An die Fachgebiete herangetragen wurden unter anderem
verschiedene hygienische Fragestellungen, die oft engen
Zu-
sammenhang mit mikrobiologischen Problemen aufwiesen. Im
Bereich der Umweltmedizin sei hier vor allem auf die Schim-
melpilz-Problematik in Innenräumen verwiesen (siehe Textbei-
trag „Umweltmedizinische und umwelthygienische Untersu-
chungs- und Beratungstätgikeit“), im Bereich der Hygiene z. B.
auf die Problematik der Ausbreitung multiresistenter Erreger
in Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen (siehe Text-
beitrag „Hygiene der Gesundheits- und Gemeinschaftseinrich-
tungen, Kurorthygiene“, siehe „Übersicht über das Leistungs-
spektrum“). In der Kommunalhygiene und bei der Hygiene der
Gemeinschaftseinrichtungen standen unter anderem Anfragen
zur Bau- und Siedlungshygiene (z. B. Bauleitplanungen, natür-
liche Beleuchtung, Lärmbelastung, Lüftung) und zu Bauprojekt-
Beurteilungen verschiedenartiger Gemeinschaftseinrichtungen
im Vordergrund.
Die Zusammenfassung der Meldedaten zu Infektionskrankheiten
aus den regionalen sächsischen Gesundheitsämtern sowie Über-
prüfung, Bewertung und Weiterleitung dieser Daten und von in
Sachsen erhobenen Daten zum Impfstatus von Kindern in Kin-
dertagesstätten und Schulen an das Robert Koch-Institut (RKI)
sind Aufgaben des Fachgebietes „
Infektionsepidemiologie,
Gesundheitsberichterstattung
“. Krankheitsbezogene Analysen,
epidemiologische Einschätzungen, Gesundheitsberichterstat-
tung sowie die Weitergabe wissenschaftlicher Informationen
sind weitere Tätigkeiten des Fachgebiets. Aus epidemiologischer
Sicht ist für das Berichtsjahr insbesondere die sehr stark
ausge-
prägte Influenza-Epidemie zu erwähnen, in deren Verlauf fast
50.000 Influenza-Erkankungen in Sachsen gemeldet wurden
(siehe Textbeitrag „Influenza, FSME und Herpes zoster –
Eck-
punkte des Jahres 2018 aus dem Blickwinkel der
Infektionsepi-
demiologie“). Darüber hinaus war im Fachgebiet umfangreiche
Beratungstätigkeit, insbesondere beim gehäuften Auftreten von
Infektionskrankheiten und im Rahmen von Erkrankungsausbrü-
chen, zu leisten. Auch die Auswertung des Datenmaterials der
Sächsischen Impfdatenbank in Kooperation mit dem SG IT ge-
hört zum Aufgabenfeld des Fachgebiet 1.6.
Auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand gehaltene Empfeh-
lungen zur Verhütung und Bekämpfung bestimmter epidemio-
logisch bedeutsamer übertragbarer Krankheiten (Herdbekämp-
fungsprogramme), die fachgebietsübergreifend verfasst werden,
geben dem Sozialministerium, Gesundheitsämtern, Kranken-
häusern und Ärzten vor Ort ein wichtiges Instrument bei ihren
Anstrengungen zur Prävention in die Hand.
Die Fachgebiete der Abteilung „Medizinische Mikrobiologie und
Hygiene“ leisteten somit auf der Grundlage des Gesetzes über
den Öffentlichen Gesundheitsdienst im Freistaat Sachsen wie in
den vergangenen Jahren auch im Jahr 2018 eine ausgedehnte
umweltmedizinische, hygienische und infektiologisch-seuchen-
hygienische Untersuchungs- und Beratungstätigkeit, die er-
gänzt wurde durch eine intensive Vortrags-, Fortbildungs- und
Schulungstätigkeit sowie durch die Erstellung verschiedener
Veröffentlichungen, Informationsmaterialien, Empfehlungen
und Stellungnahmen.
Die Arbeit in den auf Landesebene etablierten Arbeitsgemein-
schaften im Rahmen des Netzwerkes multiresistenter Erreger
im Freistaat Sachsen (MRE-Netzwerk Sachsen) wurde
fortge-
setzt. Auch 2018 wirkten LUA-Mitarbeiter als Mitglieder bzw.
Koordinatoren der AG „Hygienemaßnahmen/Kommunikation“
sowie der AG „Surveillance und Antibiotika-Strategie“ mit. Im
Berichtsjahr wurden die Untersuchungen zur „Prävalenzstudie
zum Vorkommen multiresistenter Erreger in Sachsen“ abge-
schlossen, bei der 1.718 Personen aus Krankenhäusern,
Alten-
pflegeheimen und niedergelassenen Arztpraxen auf MRSA, VRE
und 3MRGN/4MRGN gescreent wurden. Die für dieses Projekt
benötigten finanziellen Mittel wurden durch das SMS
bereitge-
stellt. Das Fachgebiet „Hygiene der Gesundheitseinrichtungen,
Hygiene der Gemeinschaftseinrichtungen, Kurorthygiene“ führ-
te 2018 wiederum vielfältige Beratungstätigkeiten für die
Ge-
sundheitsämter zu konkreten MRE-Fragestellungen durch. Des
Weiteren unterstützte es regionale Netzwerke aktiv, beispiels-
weise mit Vorträgen zu Fortbildungsveranstaltungen, unter
an-
derem in den Kreisen Nordsachsen, Meißen, Mittelsachsen und
Bautzen sowie der Stadt Leipzig.
Die humanmedizinische Abteilung der LUA Sachsen übernimmt
gemäß der „Gemeinsamen Verwaltungsvorschrift des SMS und
des SMI für eine Bereitschafts- und Reaktionsplanung zur Be-
kämpfung außergewöhnlicher Gefahren und Schadenslagen
durch Bedrohungen von Menschen mit Infektionserregern“ die
epidemiologische Schlüsselfunktion für den Ansatz des Ma-
nagements und der Kontrolle auf dem Gebiet der Humanmedi-
zin. Dazu gehören die
]
Interpretierung der Untersuchungsergebnisse und Erarbei-
tung entsprechender Schlussfolgerungen
]
Erarbeitung von speziellen Maßnahmeplänen zur Verhütung
und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten
]
Wissenschaftliche Beratung der Krisenstäbe „Infektions-
schutz“ der Behörden des Öffentlichen Gesundheitsdienstes.
So erfolgte im Jahr 2018 die Überarbeitung des Plans der
„Maß-
nahmen beim Auftreten bedrohlicher Infektionskrankheiten
(HCID), z. B. Virale Hämorrhagische Fieber (VHF), Lungenpest,
Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom (SARS)“.

8 │
Influenza, FSME und Herpes zoster - Eckpunkte des Jahres 2018 aus
dem Blickwinkel der Infektionsepidemiologie
Influenza
Das Jahr 2018 begann aus infektionsepidemiologischer Sicht
mit einer Influenza-Epidemie bisher nicht erreichten Ausmaßes.
Ab der 2. Kalenderwoche (KW) 2018 war in Sachsen eine
Zu-
nahme sowohl der Influenzavirus-Nachweise als auch der
Mel-
dezahlen zu verzeichnen. Die Influenzawelle 2017/2018
erreich-
te ihren Höhepunkt, währenddessen die epidemische Schwelle
überschritten wurde, ab der 8. bis einschließlich der 12. KW
2018 und endete erst nach der 15. KW 2018, dauerte also im
Vergleich zu Vorjahren sehr lange an. Insgesamt wurden ab der
40. KW 2017 bis einschließlich der 17. KW 2018 im Freistaat
47.765 Influenza-Erkrankungen meldetechnisch erfasst. Seit
Einführung des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) im Jahr 2001
kam noch nie eine so hohe Zahl an Influenza-Erkrankungen zur
Meldung. In der Saison 2017/2018 dominierten in Sachsen wie
auch bundesweit Influenza B-Viren deutlich mit 76 % vor
Influ-
enza A-Viren. Die Influenza B-Viren wiederum waren zu 99 %
der Yamagata-Linie zuzuordnen, einem Virusstamm, der nur im
Vierfach-Grippeimpfstoff enthalten war. Die Influenza A-Viren
gehörten vor allem dem Subtyp A(H1N1)pdm09 an, der Subtyp
A(H3N2) wurde nur sehr vereinzelt identifiziert. Der Anteil der
nachgewiesenen Influenzatypen veränderte sich während der
Saison: die Zahl der Influenza A-Virusnachweise nahm stetig zu
und zum Ende der Saison wurden mehr Influenza A- als
Influen-
za B-Viren detektiert. Demzufolge wurde eine sehr ausgeprägte
Influenza B-Welle noch durch eine Influenza A-Welle verstärkt
(Abbildung 1).
Verglichen mit Vorjahren erkrankten in der Saison 2017/2018
wie schon in der Vorsaison 2016/2017 verhältnismäßig viele,
vor allem ältere Erwachsene. 43 % aller gemeldeten Fälle
be-
trafen Patienten, die älter als 44 Jahre waren. Die am meisten
betroffenen Altersgruppen bildeten mit 29 % aller insgesamt
Erkrankten die älteren Erwachsenen (45 bis 64 Jahre), gefolgt
von den 25- bis 44-Jährigen mit 22 % und den über
64-jähri-
gen Senioren mit 14 %. Nur insgesamt 35 % der Erkrankungen
traten bei Kindern und Jugendlichen auf. In den meisten
Influ-
enzasaisons tragen Kinder und Jugendliche mehr als die Hälfte
bis zu zwei Dritteln der Erkrankungslast.
In Sachsen verstarben in der Saison 2017/2018 insgesamt 176
Patienten nachweislich an Influenza. Dies stellt einen weiteren,
traurigen Rekord dar. Die bisher meisten Todesfälle waren mit
83 Betroffenen in der Vorsaison 2016/2017 registriert worden,
was schon damals einen Höchstwert dargestellt hatte. Die wäh-
rend der Saison 2017/2018 gemeldeten Todesfälle betrafen 84
Frauen und 91 Männer im Alter zwischen 37 und 97 Jahre sowie
ein 1-jähriges Kind. Der Altersmedian lag bei 82 Jahren.
Der ausführliche Bericht zum Influenza-Sentinel im Freistaat
Sachsen ist unter dem Link:
http://www.gesunde.sachsen.de/
download/lua/LUA_HM_Influenza_Sentinel_2017_2018.pdf
veröffentlicht.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Im April 2018 wurden neben dem Vogtlandkreis, der seit 2014
durch das Robert Koch-Institut als FSME-Risikogebiet
einge-
stuft wird, mit den Landkreisen Bautzen und Zwickau sowie
dem Erzgebirgskreis drei weitere Kreise in Sachsen in die Liste
aufgenommen.
Zu FSME-Risikogebieten werden Regionen erklärt, in denen
für Einwohner oder Besucher mit Zeckenexposition ein Erkran-
kungsrisiko besteht, das präventive Maßnahmen, sprich vor
allem die Empfehlung der verfügbaren Schutzimpfung gegen
FSME, begründet. Dieses Erkrankungsrisiko wird anhand der
gemäß Infektionsschutzgesetz an das Gesundheitsamt und von
dort weiter über die LUA Sachsen (als zuständige Landesstel-
le) an das Robert Koch-Institut gemeldeten FSME-Fälle der
Vorjahre errechnet. In die Risikoberechnung werden nicht nur
die im jeweiligen Stadt- bzw. Landkreis gemeldeten bzw. dort
erworbenen Fälle einbezogen, sondern auch die Fallzahlen der
angrenzenden Kreise.
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
8.000
1
4
7
10
13
16
19
22
25
28
31
34
37
40
43
46
49
52
Anzahl
Meldewochen
Influenza, nicht typisiert
Influenza B
Influenza A
Abbildung 1:
Gemeldete Influenzavirus-Nachweise in Sachsen 2018

│9
Wie aus Tabelle 1 ersichtlich, haben die in Sachsen registrierten
FSME-Erkrankungen in den letzten Jahren zugenommen. Auch
der Anteil von autochthon, das bedeutet in Sachsen erworbenen
Infektionen, ist angestiegen.
Tabelle 1: Gemeldete FSME-Erkrankungen in Sachsen
2008 - 2018
Jahr
Fälle gesamt
davon autochthon
2008
1
1
2009
4
2
2010
6
2
2011
5
5
2012
4
3
2013
9
7
2014
15
13
2015
5
5
2016
10
7
2017
21
17
2018
12
8
Im Jahr 2018 kamen im Freistaat Sachsen insgesamt zwölf
Er-
krankungen an FSME zur Meldung. Die Infektionsorte lagen bei
acht der Fälle wahrscheinlich in Sachsen (davon drei im
Vogt-
landkreis, zwei im Stadtkreis Dresden und je einer in den
Land-
kreisen Bautzen, Görlitz bzw. Sächsische Schweiz-Osterzgebir-
ge), bei zwei Fällen in Tschechien und bei je einem Erkrankten in
Polen bzw. Baden-Württemberg. Bei den Betroffenen handelte
es sich um Erwachsene, vier Frauen und sieben Männer, im
Al-
ter zwischen 20 und 80 Jahren sowie einen 7-jährigen Jungen.
Der Altersdurchschnitt betrug 47 Jahre. Sieben der Patienten
litten nur unter grippalen Krankheitszeichen und Kopfschmer-
zen, während fünf Patienten eine neurologische Symptomatik
aufwiesen (Enzephalitis und Meningitis also Entzündung des
Gehirns bzw. seiner Häute). Eine Behandlung im Krankenhaus
war bei neun der Patienten erforderlich. Bis auf zwei Erkrankte,
die eine komplette FSME-Grundimmunisierung belegen
konn-
ten, wobei diese in einem Fall bereits im Jahr 2008 erfolgte und
demzufolge hätte aufgefrischt werden müssen, waren alle Pati-
enten nicht gegen FSME geimpft.
Ausblick
: Am 12.02.2019 wurde der Landkreis Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge aufgrund der in den vergangenen fünf
Jahren übermittelten Fallzahlen als Risikogebiet deklariert. Eine
Ausweisung weiterer Risikogebiete im Freistaat Sachsen ist für
die Zukunft anzunehmen.
Herpes zoster (Gürtelrose)
Gürtelrose wird durch das Varizella-zoster-Virus ausgelöst,
das bei Erstkontakt Varizellen (Windpocken) verursacht. Nach
Abklingen der Varizellen verbleibt das Virus lebenslang in den
Nervenzellen und kann zu einem späteren Zeitpunkt als Herpes
zoster wieder auftreten (sog. Virus-Reaktivierung). Die Anzahl
der Herpes zoster-Erkrankungen wird in Deutschland auf über
300.000 pro Jahr geschätzt. Gemäß sächsischer
IfSG-Meldever-
ordnung sind die Erkrankung sowie der Tod an Herpes zoster
seit 15.12.2011 durch den Arzt namentlich an das zuständige
Gesundheitsamt zu melden. Eine Meldepflicht für die Gürtelrose
besteht in Deutschland außer in Sachsen nur in Brandenburg.
Obwohl jährlich an die 40.000 Fälle bei der Kassenärztlichen
Vereinigung Sachsen abgerechnet werden, wird bislang bedau-
erlicherweise nur ein sehr geringer Teil dieser Erkrankungen
auch gemeldet. Allerdings ist eine kontinuierliche und deutliche
Zunahme der Erkrankungszahlen bzw. Fallmeldungen im
Lau-
fe der letzten Jahre zu verzeichnen. Im Jahr 2018 wurden in
Sachsen insgesamt 1.757 Erkrankungen an Gürtelrose übermit-
telt, was einer Inzidenz von 43 Erkrankungen pro 100.000
Ein-
wohner entspricht. Zwei Frauen im Alter von 83 bzw. 92 Jahren
und ein 78-jähriger Mann mit bestehenden Grunderkrankungen
verstarben 2018 an den Folgen einer Herpes zoster-Erkrankung
(Abbildung 2).
Die Sächsische Impfkommission (SIKO) spricht sich bereits seit
dem Jahr 2010 in ihren Impfempfehlungen für die Herpes
zos-
ter-Impfung aller Personen über 50 Jahre aus. Seit Dezember
2018 empfiehlt nun auch die Ständige Impfkommission (STIKO)
allen Personen ab 60 Jahre die Gürtelrose-Schutzimpfung als
Standardimpfung. Personen mit einer Grundkrankheit oder
Immunschwäche wird die Impfung bereits ab einem Alter von
50 Jahren nahegelegt. Eine durchgemachte Gürtelrose schützt
nicht davor, erneut zu erkranken. Deshalb ist auch dieser Perso-
nengruppe eine Impfung anzuraten.
0
250
500
750
1.000
1.250
1.500
1.750
2.000
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
Erkrankungen
Jahr
Abbildung 2:
Gemeldete Herpes zoster-Erkrankungen in Sachsen 2012 -
2018

10 │
Infektiöse Gastroenteritiden gehören zu den häufigsten
Erkran-
kungen überhaupt. Da die Symptome in den meisten Fällen
selbstlimitierend sind, Betroffene häufig keinen Arzt aufsuchen
und dieser meist keine Diagnostik durchführt, liegt laut orientie-
renden Schätzungen die Dunkelziffer der meisten Darminfektio-
nen etwa um den Faktor 10 über den Meldezahlen.
Für den Öffentlichen Gesundheitsdienst sind Darmpathogene
vor allem dann relevant, wenn der Verdacht auf eine lebensmit-
telbedingte Infektion besteht, wenn mehrere epidemiologisch
zusammenhängende Fälle auftreten, wenn besonders
schwer-
wiegende Erkrankungen vorliegen oder Personen erkranken, die
im Lebensmittelbereich tätig sind. Um eine Weiterverbreitung
von Infektionen zu verhindern, sind dann eine rasche mikrobio-
logische Diagnostik bei Erkrankten und gegebenenfalls Kontakt-
personen und erregerabhängig das Einleiten geeigneter Maß-
nahmen notwendig.
Etwa 60 % der gemeldeten infektiösen Gastroenteritiden in
Sachsen werden durch Viren verursacht, am häufigsten durch
Noroviren, gefolgt von Rotaviren. Der häufigste bakterielle
Er-
reger ist seit einigen Jahren
Campylobacter
spp., gefolgt von
Clostridium difficile
und Salmonellen. In den Einsendezahlen der
LUA Sachsen spiegelt sich allerdings neben der Häufigkeit eines
Erregers vor allem seine Bedeutung als Ausbruchsursache (z. B.
Norovirus) sowie seine Bedeutung im Infektionsschutzgesetz
(IfSG, z. B. EHEC) wieder.
2018 wurden durch die Gesundheitsämter, die Zentrale
Auslän-
derbehörde (ZAB) und die Justizvollzugsanstalten (JVA) insge-
samt 8.007 Stuhlproben mit 19.817
Untersuchungsanforderun-
gen auf enteropathogene Bakterien, Viren und/oder Parasiten an
die LUA Sachsen gesandt.
Bakteriologische Diagnostik
Insgesamt wurden 12.355 bakteriologische Untersuchungen
durchgeführt. Die Diagnostik umfasste die kulturelle Anzucht
von Salmonellen, Shigellen,
Campylobacter
spp.,
Yersinia
spp.,
darmpathogenen
Escherichia coli
, Vibrionen sowie der Lebens-
mittelvergifter
Bacillus cereus
und enterotoxinbildende
Sta-
phylococcus aureus
auf Selektivnährmedien, die Identifizierung
mittels biochemischer Verfahren oder MALDI-TOF-MS (Matrix
Assisted Laser Desorption Ionization – Time of Flight Mass
Spec-
trometry), gegebenenfalls die serologische Differenzierung so-
wie den Nachweis von Virulenzfaktoren.
Die Untersuchung auf enterohämorrhagische
E. coli
(EHEC) er-
folgte durch Nachweis der Shigatoxin-Produktion mittels En-
zym-Immuno-Assay (EIA) nach einem Anreicherungsschritt aus
der Stuhlprobe. Ein positiver Befund wurde mit molekularbio-
logischen Methoden (PCR) bestätigt, die auch eine Differenzie-
rung zwischen Shigatoxin 1 und 2 ermöglichen. Im Fall eines
Erstnachweises wurde dann die Keimisolierung zur weiteren
Charakterisierung (Bestimmen des O-Serotyps, gegebenenfalls
Nachweis der Intiminbildung) durchgeführt. Die
Clostridium dif-
ficile
-Infektion und die lebensmittel-assoziierte Toxininfektion
durch
Clostridium perfringens
wurden durch Untersuchung auf
erregerspezifische Toxine mittels EIA nachgewiesen.
Die am häufigsten angeforderte Untersuchung war im
Be-
richtsjahr die EHEC-Diagnostik. Die Positivenrate lag bei 9 %
(383/4.252, Tabelle 2). Von 109 Erstnachweisen waren 48
(44 %) Shigatoxin 2-positiv (mit oder ohne Shigatoxin
1-Bil-
dung), bei 65 (60 %) von ihnen gelang die kulturelle Anzucht. Es
wurden 19 verschiedene EHEC-Serovare mit unterschiedlichen
Virulenzmerkmalen identifiziert, am häufigsten
E. coli
O91:H14
(LUA-Homepage, Tabelle 1.14).
Auch bei den Untersuchungen auf Salmonellen lag die Positi-
venrate bei 9 % (208/2.307, Tabelle 2). Im Berichtsjahr machte
der Serovar
Salmonella Typhimurium
mit 50,4 % mehr als die
Hälfte der Erstnachweise aus, gefolgt von
Salmonella Enteritidis
mit 30,6 %, alle anderen der 17 identifizierten Serovare waren
deutlich seltener (< 4 % der Erstnachweise, LUA-Homepage,
Tabelle1.10). In Sachsen lag die Inzidenz der Salmonellose mit
22,3 pro 100.000 Einwohner im Berichtsjahr deutlich unter dem
5-Jahres-Mittelwert, es wurden keine größeren Ausbrüche be-
kannt.
2018 wurden an der LUA Sachsen in 62 von 1.366
Stuhlpro-
ben (4,5 %)
Campylobacter
spp. nachgewiesen. Bei 84,1 % der
Erstnachweise handelte es sich um
Campylobacter jejuni
(Abbil-
dung 3), bei 13,6 % um
Campylobacter coli
und bei 2,3 % um
Campylobacter upsaliensis
(1 Fall, Tabelle 2, LUA-Homepage,
Tabelle 1.12). Die Campylobacter-Enteritis ist deutschlandweit
die häufigste bakteriell verursachte meldepflichtige Durchfall-
erkrankung mit seit Jahren leicht ansteigender Tendenz. 2018
stieg die Zahl der gemeldeten Campylobacteriosen in Sachsen
im Vergleich zum Vorjahr um ca. 8 % (von 4.961 Fälle 2017
auf 5.338 im Jahr 2018). Infektionen mit
Campylobacter
spp.
sind weltweit verbreitet und zeigen eine saisonale Häufung in
der warmen Jahreszeit. Der Erreger besiedelt den Darmtrakt von
Wild-, Nutz- und Haustieren. Als wichtigste Infektionsquellen
gelten Geflügelfleisch, Rohmilch und nicht ausreichend
durch-
erhitztes Fleisch. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung des
Erregers intensiviert das Nationale Referenzzentrum (NRZ) für
Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger des Robert
Koch-Instituts (RKI) die Campylobacter-Surveillance. Deshalb
sendet die LUA Sachsen seit Dezember 2018 alle Erstisolate an
das NRZ.
Im Jahr 2018 wurden an der LUA Sachsen 7 Patientenproben
eines Ausbruchs in einer Grundschulklasse untersucht. Die-
se hatte im Rahmen eines Bauernhofbesuchs unpasteurisierte
Milch verkostet, woraufhin 12 von 19 Teilnehmern erkrankten.
An der LUA Sachsen wurde sowohl in den 7 Patientenproben
als auch in der eingesandten Rohmilch
C. jejuni
nachgewiesen.
Alle Isolate wurden zur Typisierung an das NRZ des RKI und an
das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gesandt, wo der
epidemiologische Zusammenhang durch Genomsequenzierung
bestätigt wurde.
Parasitologische Diagnostik
2018 wurden an der LUA Sachsen 899 Stuhlproben
mikrosko-
pisch auf intestinale Helminthen untersucht, davon waren 590
Ungebetene Gäste im Magen-Darm-Trakt des Menschen -
Nachweis von Darmpathogenen an der LUA Sachsen 2018

image
│11
Proben durch die ZAB eingesandt worden, überwiegend von
Asylsuchenden aus Sub-Sahara-Afrika. In 114 (12,7 %) Proben
wurden mikroskopisch Wurmeier bzw. Würmer 11 verschiedener
Arten nachgewiesen, in 12 Proben erfolgten Doppelnachweise.
Am häufigsten wurde eine Infektion mit
Schistosoma mansoni
detektiert (39,7 % der Gesamtnachweise), gefolgt von
Infekti-
onen durch Hakenwürmer (26,2 %) und dem Zwergbandwurm
Hymenolepis nana
(14,3 %), alle anderen Arten wurden deutlich
seltener gefunden (< 6 % der Nachweise, Tabelle 2,
LUA-Home-
page, Tabellen 1.17 und 1.18).
Infektionen durch
Giardia lamblia
wurden in 38 von 365
unter-
suchten Stuhlproben (10,4 %) mittels Antigen-Nachweis im EIA
diagnostiziert. Cryptosporidien wurden in 30 von 153
Untersu-
chungen (19,6 %) nachgewiesen (Methode: EIA und
Mikrosko-
pie). Bei
Entamoeba histolytica
erbrachten 302 Untersuchungen
kein positives Ergebnis (Tabelle 2, LUA-Homepage, Tabelle 1.19).
Virologische Diagnostik
Im Berichtsjahr wurden 5.744 Untersuchungen auf
darmpa-
thogene Viren durchgeführt, in 763 Fällen erfolgte ein
positi-
ver Nachweis (13,3 %). Die höchste Positivenrate mit 36,7 %
(632/1724) erbrachte die Norovirus-Diagnostik mittels mole-
kularbiologischer Methoden (RT-PCR). Bei Rota-, Adeno- und
Astroviren lagen die Nachweisraten bei 6,9 %, 1,8 % und 1,0 %
(Methode: EIA) und damit auf vergleichbarem Niveau wie in den
Vorjahren. Die Einsendungen erfolgten größtenteils im Rahmen
von Gastroenteritis-Ausbrüchen in Kinder-, Altenpflege- und
medizinischen Einrichtungen (Tabelle 2, LUA-Homepage, Tabel-
le 1.16).
Tabelle 2: Spektrum der nachgewiesenen darmpathogenen Erreger im Jahr 2018
Erreger
Anzahl der Nachweise
Nachweise in % zur Anzahl der
durchgeführten Untersuchungen
Nachweise in % zur Gesamtzahl der
nachgewiesenen darmpathogenen
Erreger
Noroviren
632
36,7
38,0
Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC)
383
9,0
23,0
Salmonella spp.
207
9,0
12,4
intestinale Helminthen
114
12,7
6,8
Rotaviren
94
6,9
5,6
Campylobacter spp.
62
4,5
3,7
Shigella spp.
40
1,7
2,4
Giardia lamblia
38
10,4
2,3
Cryptosporidium spp.
30
19,6
1,8
Adenoviren
24
1,8
1,4
Astroviren
13
1,0
0,8
Yersinia enterocolitica
12
1,3
0,7
Clostridium difficile (Toxine A+B)
8
7,4
0,5
Darmpathogene Escherichia coli (außer EHEC)
8
0,9
0,5
Bacillus cereus
0
0,0
0,0
Clostridium perfringens (Enterotoxin)
0
0,0
0,0
Entamoeba histolytica
0
0,0
0,0
Staphylococcus aureus, enterotoxinbildend
0
0,0
0,0
Vibrio cholerae
0
0,0
0,0
Gesamtzahl der nachgewiesenen darmpathoge-
nen Erreger
1.665
8,4
100,0
Abbildung 3:
Campylobacter jejuni auf Karmali-Selektivagar

image
12 │
Schwerpunkte der serologischen Routinediagnostik im Berichts-
jahr 2018 waren - wie auch in den Vorjahren - die Antikörper-
Bestimmungen von impfpräventablen Erkrankungen sowie die
Screening-Untersuchungen auf HIV-Infektionen, Hepatitis und
Syphilis.
Die detaillierte Darstellung der Untersuchungszahlen sowie
einen Überblick zum gesamten serologischen Untersuchungs-
spektrum des Fachgebietes im Berichtsjahr 2018 geben die
Ta-
bellen 1.21 bis 1.25, die auf der LUA-Homepage einsehbar sind.
Im Berichtsjahr 2018 wurden insgesamt 19.037 humane
Serum-
proben in 77.206 Einzelanalysen (einschließlich der Antikörper-
Bestimmungen im Neutralisationstest) untersucht (Abbildung
4). Damit ist die Gesamtzahl der in 2018 untersuchten Seren
im Vergleich zum Vorjahr um ca. 15 % gestiegen (2017: 16.503
Seren für 74.568 Untersuchungen).
Mit 54,1 % (41.763/77.206) wurde nahezu die Hälfte aller
se-
rologischen Untersuchungen im Jahr 2018 von Einrichtungen
des Öffentlichen Gesundheitsdienstes beauftragt (2017: 57,4
%). Im Probenpool für diese Untersuchungsanforderungen
wer-
den auch asylbedingte Serumproben registriert, die nicht aus
den Erstuntersuchungsstellen der Zentralen Ausländerbehörde
Sachsens, sondern von dem jeweils örtlich zuständigen
Ge-
sundheitsamt für noch nicht durchgeführte bzw. zusätzliche
Untersuchungen sowie für Kontrolluntersuchungen eingesandt
wurden. Ebenso zählen auch Serumproben von „Unbegleiteten
minderjährigen Ausländern“ (UMA) dazu. Das jeweils
angefor-
derte Untersuchungsspektrum für UMA ist nicht standardisiert,
sondern immer eine Einzelfallentscheidung des jeweils örtlich
zuständigen Gesundheitsamtes. Im Durchschnitt wurden für
diese Serumproben jeweils 10 bis 12 verschiedene serologische
Untersuchungsparameter angefordert.
Im Berichtsjahr lag der Anteil der Untersuchungen für
Jus-
tizvollzugsanstalten und Landespolizeidirektionen bei 6,3 %
(2017: 5,1 %).
Die serologischen Untersuchungen, die gemäß der VwV Asylbe-
werbergesundheitsbetreuung (vom 29.07.2015) im Rahmen der
ärztlichen Erstuntersuchung durch die ZAB beauftragt wurden,
lagen im Berichtsjahr anteilig bei 39,5 % (30.506/77.206). Im
Vorjahr betrug ihr Anteil 37,5 %. Insgesamt wurden im
Berichts-
jahr 5.513 Serumproben aus EU der ZAB registriert (2017: 5.922
Serumproben).
Ca. 98 % der asylbedingten Serumproben in 2018 wurden auf
die serologischen Parameter Hepatitis A-IgM-Antikörper (HAV-
IgM-AK) und Hepatitis B-surface-Antigen (HBsAg) untersucht.
Zum Routinespektrum gehörten ebenfalls Untersuchungen zur
Bestimmung des Immunstatus der Asylbegehrenden gegen das
Masern-, Mumps-, Röteln- und Varizella-Zoster-Virus (MMRV-
Titer). In Einzelfällen wurde das serologische Routinespektrum
um zusätzliche Untersuchungsanforderungen erweitert. Dies
diente zur Ermittlung bzw. zum Ausschluss von Infektionskrank-
heiten oder von übertragbaren Krankheitserregern, wie zum Bei-
spiel der Ausschluss von HIV-Infektion (117 Untersuchungen),
Hepatitis C-Virus-Infektion (195 Untersuchungen auf HCV-An-
tikörper) und Syphilis (61 Untersuchungen).
Die detaillierte Darstellung der Untersuchungszahlen und der
Ergebnisse der serologischen Diagnostik von Asylbewerberpro-
ben zur Immunstatusbestimmung (MMRV-Titer) bzw. auf HAV-
IgM-Ak, HBsAg, HCV-Ak, HIV-Infektion und Syphilis, getrennt
nach den verschiedenen Herkunftsländern der Asylsuchenden,
kann auf der LUA-Homepage (Tabellen 1.24 und 1.25) abgerufen
werden.
HIV-Infektion
Serologische Untersuchungen zum Ausschluss einer HIV-In-
fektion (HIV-Screening: Testung auf Antikörper gegen HIV-1
und HIV-2 sowie HIV-p24 Antigen) wurden im Berichtsjahr bei
insgesamt 8.011 Blutproben durchgeführt. Die
Untersuchungs-
proben kamen von den STD/AIDS-Beratungsstellen der Gesund-
heitsämter, der ZAB, den Justizvollzugsanstalten und den Lan-
despolizeidirektionen.
Im Vergleich zum Vorjahr ist ein Probenzuwachs von ca. 10 % zu
verzeichnen (2017: 7.307 Untersuchungen). Insbesondere
wa-
ren höhere Probenzahlen aus den STD/AIDS-Beratungsstellen zu
beobachten (2017: 6.836 Seren; 2018: 7.385 Seren). Außerdem
haben sich im Berichtsjahr die Probenzahlen des HIV-Screenings
von Asylsuchenden im Vergleich zu 2017 mehr als verdoppelt
(2017: 48 Seren; 2018: 117 Seren).
Im HIV-Screening positiv getestete (reaktive) Proben (77 von
8.011) wurden zusätzlich in einem Antikörper-basierten
Bestä-
tigungstest mittels Immunoblot-Verfahren geprüft. Dabei wur-
den 57 Seren (0,71 %) als „positiv“ bestätigt. Dies entspricht
einer Gesamt-Positivenrate von 0,71 % (57/8.011). Im Vorjahr
lag diese bei 0,72 % (53/7.307). Im Berichtsjahr handelte es
sich in allen Fällen um HIV-1-Infektionen. Bei keinem der HIV-
Positiven wurden eindeutig Antikörper gegen das HI-Virus Typ
2 nachgewiesen. Bei 2 HIV-Infizierten war die HIV-1-Infektion
bereits bekannt.
Die 57 HIV-1-positiven Blutproben in 2018 konnten 41
Patien-
ten zugeordnet werden. Dies entspricht einer patientenbezoge-
nen Positivenrate von 0,51 % (41/8.011). Im Vorjahr waren bei
0,71 % (52/7.307) der in der LUA Sachsen untersuchten
Patien-
ten HIV-Antikörper nachgewiesen worden.
Bei 6 Asylbegehrenden (Probeneinsendungen aus EU der ZAB)
wurde eine HIV-1-Infektion diagnostiziert, was einer Positiven-
rate von 5,1 % (6/117) entspricht.
Überblick über die serologische Untersuchungstätigkeit 2018
Abbildung 4:
Vorbereitung von Serumproben für serologische Untersuchungen

│13
Syphilis
Der Antikörper-Nachweis gegen
Treponema pallidum
ist wich-
tiger Bestandteil der Syphilis-Diagnostik. Die Serodiagnostik im
Fachgebiet basiert auf einer Stufendiagnostik mit Such- und
mehreren Ergänzungstesten.
Im Berichtsjahr wurden insgesamt 4.330 Serumproben für die
Syphilis-Serologie registriert. Im Vergleich zum Vorjahr sind
die Untersuchungsanforderungen zur Syphilis-Serologie um
ca. 18 % gestiegen (2017: 3.684). Haupteinsender waren - wie
auch bei der HIV-Serologie - die STD/AIDS-Beratungsstellen der
Gesundheitsämter.
Im gesamten Untersuchungsgut von 2018 (4.330 Seren) betrug
die Rate der positiven Antikörper-Nachweise gegen
T. pallidum
12,6 % (546/4.330). Bei 59 der 4.330 eingesandten
Serumpro-
ben (1,4 %) konnte ein akute und behandlungsbedürftige
Syphi-
lis-Infektion nachgewiesen werden. Doppelinfektionen mit HIV
und
T. pallidum
wurden in 11 Fällen beobachtet.
Die Zahl der Serumproben von Asylsuchenden (Probeneinsen-
dungen aus EU der ZAB) zum Ausschluss einer Syphilis hat sich
im Berichtsjahr gegenüber dem Vorjahr verdoppelt (2018: 61
Seren/2017: 29 Seren). Alle 61 asylbedingten Serumproben
waren im Suchtest negativ (kein Nachweis von Treponemen-
Antikörpern).
Virushepatitis
Eine wesentliche Aufgabe im Rahmen der serologischen Hepa-
titisdiagnostik ist die Beurteilung der Infektiosität bei Proban-
den mit nachgewiesener Hepatitis A-, B- und C-Virusinfektion.
Durch eine Impfung kann eine Infektion mit dem
Hepatitis A-
Virus (HAV)
wirksam verhindert werden. Ist der Immunstatus
nicht bekannt, sind bei einem Erkrankungsgeschehen Umge-
bungsuntersuchungen notwendig.
Im Berichtsjahr wurden insgesamt 4.184 Bestimmungen von
HAV-IgG-Antikörpern (Anti-HAV-IgG) durchgeführt. Die Pro-
beneinsendungen kamen zu ca. 80 % (3.357 Serumproben) aus
Einrichtungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Es wurde
hier eine Hepatitis-A-Immunität (Nachweis von Anti-HAV-IgG)
von 59,2 % ermittelt (1.986/3.357).
Bei entsprechender Klinik ist der Nachweis von Anti-HAV-IgM
im Serum für eine frische HAV-Infektion beweisend. In 211
Fällen wurde 2018 eine Bestimmung der HAV-IgM-Antikörper
(Anti-HAV-IgM) zum Ausschluss einer akuten HAV-Infektion
angefordert. In 3 dieser untersuchten Proben war Anti-HAV-IgM
nachweisbar. Für eine Probe wurde ein grenzwertiges Ergebnis
für Anti-HAV-IgM ermittelt.
Die im Rahmen der 2018 routinemäßig durchgeführten Anti-
HAV-IgM-Untersuchungen für Asylsuchende (Probeneinsendun-
gen aus EU der ZAB) umfassten insgesamt 5.356 Bestimmun-
gen (2017: 4.881). Die Nachweisrate für HAV-IgM-Antikörper
lag unter 0,1 % (4/5.356). Bei 0,7 % der untersuchten Seren
(36/5.356) ergab die Analyse ein grenzwertiges Ergebnis für
Anti-HAV-IgM. In diesen Fällen wurden serologische
Verlaufs-
kontrollen bzw. der Nachweis von HAV-RNA mittels PCR emp-
fohlen. Für 137 Serumproben wurde eine Untersuchung auf
He-
patitis-A-Immunität (Nachweis von Anti-HAV-IgG) angefordert.
Die Hepatitis-A-Immunitätsrate bei Asylsuchenden lag für diese
Proben bei 89,1 % (122 von 137 Seren).
Eine chronische
Hepatitis B-Virus (HBV)
-Infektion wurde im
Berichtsjahr bei insgesamt 199 Personen ermittelt. In 165 Fällen
waren Asylsuchende aus EU der ZAB betroffen (3,0 % der 5.411
eingesandten ZAB-Proben).
Die Auswertung der gesamten Laborergebnisse zu HBV im Be-
richtsjahr ergab für 7 Personen den Nachweis einer akuten HBV-
Infektion. Dies betraf 4 Probeneinsendungen aus dem
Öffent-
lichen Gesundheitsdienst sowie 3 aus Justizvollzugsanstalten.
Die
Hepatitis C-Virus (HCV)
-Infektion wird vor allem durch
Blutprodukte übertragen. Wie in den Vorjahren wurde die
sero-
logische HCV-Untersuchung im Wesentlichen (95,9 % der
Un-
tersuchungen) von den STD/AIDS-Stellen der Gesundheitsämter
sowie von Justizvollzugsanstalten und Landespolizeidirektionen
angefordert. Zum Teil handelte es sich um Kontrolluntersuchun-
gen von Personal nach Nadelstichverletzungen bzw. um Ver-
laufskontrollen im Zusammenhang mit der „Anti-D-Prophylaxe
1978/79“.
Die serologische Labordiagnostik einer HCV-Infektion im
Fach-
gebiet Serologie/Virologie basiert gemäß klinischer Leitlinien
zunächst auf einen Suchtest zur Bestimmung von Antikörpern
gegen HCV (Anti-HCV). Reaktive Proben im Suchtest werden
dann in einem IgG-Antikörper-basierten-Bestätigungstest
(Immunoblot-Verfahren) geprüft. Zum Ausschluss einer akuten
HCV-Infektion wird der direkte Nachweis von HCV-RNA mittels
PCR-Verfahren empfohlen.
Der Gesamt-Probenumfang für Anti-HCV-Bestimmungen um-
fasste im Berichtsjahr 4.775 Seren. Darunter waren insgesamt
195 Serumproben von Asylsuchenden aus EU der ZAB. Im Be-
richtsjahr wurde in 137 Fällen das reaktive Ergebnis im HCV-
Suchtest mittels Immunoblot bestätigt. Dies entspricht einer
Positivenrate von 2,9 % (137/4.775).
Bei alleiniger Betrachtung der asylbedingten HCV-Untersuchun-
gen in 2018 ergibt sich eine Positivenrate von 30,8 % (60 positiv
bestätigte Fälle von 195 untersuchten Proben). Im Vorjahr lag
diese bei 15,4 %. Über die Hälfte (56,7 %) der Asylbewerber, die
in 2018 für Anti-HCV positiv getestet wurden, hatte als
Heimat-
land Georgien angegeben.
Das
Hepatitis E-Virus (HEV)
ist weltweit der häufigste virale
Auslöser einer akuten Hepatitis. Auch in Deutschland werden
HEV-Infektionen als häufigste Ursache einer akuten viralen
He-
patitis registriert, wobei zumeist von einer autochtonen Über-
tragung ausgegangen wird. Die serologische Labordiagnose einer
akuten HEV-Infektion basiert im Fachgebiet auf der getrennten
Bestimmung von IgG- und IgM-Antikörpern mittels ELISA und
Immunoblot (Nachweis von Anti-HEV-IgG und Anti-HEV-IgM).
Im Berichtsjahr 2018 wurden insgesamt 576 HEV-Antikörper-
Untersuchungen durchgeführt. Bei insgesamt 40 Serumproben
(Positivenrate 6,9 %) waren gleichzeitig Anti-HEV-IgM und
Anti-HEV-IgG bzw. nur isoliertes Anti-HEV-IgM nachweisbar,
was mit einer akuten HEV-Infektion vereinbar ist. Bei dieser
Konstellation empfiehlt sich die zusätzliche Durchführung einer
HEV-NAT (Nukleinsäure-Amplifikations-Test).
Immunstatusbestimmungen gegen MMRV
Die durchschnittlichen Seroprävalenzen von IgG-Antikörpern
gegen MMRV bei den im Jahr 2018 analysierten Serumproben
von Asylbewerbern lagen - wie auch im Vorjahr - bei allen
Pa-
rametern über 82 %.
Die Tabelle 25 zeigt eine Zusammenfassung der Untersuchungs-
zahlen und Immunitätsraten der untersuchten Asylbewerber ge-
gen MMRV nach den verschiedenen Herkunftsländern.

14 │
Diagnostik bakterieller STI-Erreger – Doppelinfektion mit
Chlamydia trachomatis und Neisseria gonorrhoeae
Im Rahmen der Diagnostik sexuell übertragbarer Infektionen
(STI – sexually transmitted infections) werden im Fachgebiet 1.3
(Molekularbiologie) Abstriche (Rachen-, Anal-, Urethral-, Cervi-
xabstrich) und Urin (Probenahmehinweise siehe LUA-Homepage
„Laborinformation zur Gewinnung von Urinproben für die mik-
robiologische Diagnostik auf
Chlamydia trachomatis und Neis-
seria gonorrhoeae
“ - jeweils für Frauen und Männer“) mittels
Multiplex-Real-Time PCR-Assay auf
C. trachomatis
und
N. go-
norrhoeae
untersucht.
In den letzten 10 Berichtsjahren stieg die Zahl der
untersuch-
ten Proben stetig von 2.794 in 2009 auf 7.087 in 2018 an
(Ab-
bildung 5). Der Positivenanteil der getesteten Proben mit dem
Nachweis eines oder beider STI-Erreger war in diesem Zeitraum
nur geringfügigen Änderungen unterlegen und betrug zwischen
4,7 % und 5,8 %. Dabei überwog die Zahl positiver
C. tracho-
matis
-Nachweise (48 – 68 % der STI-Positivnachweise) die
po-
sitiver
N. gonorrhoeae
-Nachweise (29 – 49 %) sowie die Zahl
der Doppeldetektionen von
C. trachomatis
und
N. gonorrhoeae
(2 – 11 %).
Die Zahl der Proben, in denen sowohl
C. trachomatis
als auch
N. gonorrhoeae
nachgewiesen wurden, stieg von 5 bzw. 3 in
2009/2010 auf 19 in 2011 und 23 in 2012 bis 2014 (Abbildung
6). In diesem Zeitraum war der Anteil der Doppeldetektionen an
den STI-Positivnachweisen mit 9,6 - 11 % am höchsten. Danach
nahm die Zahl der Doppeldetektionen wieder ab auf 17 Nach-
weise (4,7 %) in 2018.
Zu beachten ist bei dieser Auswertung, dass aufgrund der ano-
nymisierten Patientendaten nicht ausgeschlossen werden kann,
dass von einem Patienten mehrere Proben zu einem Zeitpunkt
untersucht und positiv getestet wurden, das heißt, die Zahl der
Doppeldetektion von
C. trachomatis
und
N. gonorrhoeae
kann
die Zahl infizierter Personen übersteigen.
Betrachtet man alle im Zeitraum 2009 bis 2018
eingesende-
ten STI-Proben geschlechtsspezifisch, so unterscheidet sich der
Anteil der Doppelinfektionen an den STI-Probeneinsendungen
zwischen Männern und Frauen nur gering. In den Jahren 2009
bis 2018 wurden insgesamt 34.687 Proben, die Männern
ent-
nommen wurden, untersucht. In 125 Proben (0,36 %) wurde
sowohl
C. trachomatis
als auch
N. gonorrhoeae
nachgewiesen.
In 11.035 Untersuchungsmaterialien von Frauen wurden in 34
(0,31 %) beide STI-Erreger detektiert.
Bei Männern betraf die Hälfte aller Doppeldetektionen (61
Nachweise/49 %) die Altersgruppe der 21- bis 30-Jährigen
(Ab-
bildung 7). Bei Frauen war am häufigsten (14 Nachweise/41 %)
die Altersgruppe der 21- bis 25-Jährigen davon betroffen.
Dieser Trend der höheren Co-Infektionsraten in jüngeren
Al-
tersgruppen ist vergleichbar mit Daten aus den USA [1, 2] und
Kanada [3], die zeigen, dass Patienten von 25 bzw. 30 Jahren
oder jünger häufiger mit
C. trachomatis
und
N. gonorrhoeae
co-
infiziert waren als ältere.
Quellen:
[1] Lyss, S. B.; Kamb, M. L.; Peterman, T. A.; Moran, J. S.;
New-
man, D. R.; Bolan, G.; Douglas Jr., J. M.; Latesta, M.; Malotte,
C. K.; Zenilman, J. M.; Ehret; J.; Gaydos, C. und Newhall,
W. J.; Project RESPECT Study Group. Chlamydia
trachoma-
Molekularbiologische Diagnostik - Überblick und ausgewählte
Unter-
suchungen 2018
3,4%
1,7%
11,0%
9,9%
9,6%
10,0%
5,9%
5,2%
5,4%
4,7%
0
50
100
150
200
250
300
350
400
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
Anzahl der Positivnachweise
Anzahl der Doppeldetektionen
Jahr
weiblich
männlich
Positivnachweise
Abbildung 6:
Anzahl der Doppeldetektionen nach Geschlecht sowie Anzahl
der Positivnachweise im Zeitraum 2009 - 2018
10%
22%
27%
14%
7%
6%
2%
11%
21%
41%
9%
12%
0%
15%
0%
3%
0
10
20
30
40
50
16-20
21-25
26-30
31-35
36-40
41-45
45-50
>50
Anzahl der Doppeldetektionen
Alter
männlich
weiblich
Abbildung 7:
Altersverteilung von Frauen und Männern mit
Doppeldetek-
tionen sowie der prozentuale Anteil der Doppeldetektionen
bezogen auf das Geschlecht im Zeitraum 2009 - 2018
5,3%
5,8%
4,7%
5,2%
5,1%
4,9%
5,2%
5,5%
5,3%
5,1%
0
1000
2000
3000
4000
5000
6000
7000
8000
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
1000
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
Anzahl der Proben
Anzahl der Positvnachweise
Jahr
CT-Positive
NG-Positive
CT-NG-Positive
Probenzahl
Abbildung 5:
Anzahl positiver C. trachomatis- und/oder N. gonorrhoeae-
Nachweise sowie Anzahl der jährlich untersuchten Proben im
Zeitraum 2009 - 2018

│15
tis among patients infected with and treated for Neisseria
gonorrhoeae in sexually transmitted disease clinics in the
United States. Ann. Intern. Med. 2003; 139: 178-85
[2] Ginocchio, C. C.; Chapin, K.; Smith, J. S.; Aslanzadeh, J.;
Snook, J. und Gaydos, C. A. Prevalence of Trichomonas va-
ginalis and coinfection with Chlamydia trachomatis and
Neisseria gonorrhoeae in the United States as determined
by the Aptima Trichomonas vaginalis nucleic acid
amplifi-
cation assay. J. Clin. Microbiol. 2012; 50: 2601-2608
[3] Forward, K. R. Risk of coinfection with Chlamydia
tracho-
matis and Neisseria gonorrhoeae in Nova Scotia. Can. J. In-
fect. Dis. Med. Microbiol. 2010; 21: e84–e86
HIV-1-Diagnostik
Aufgrund der Änderungen der Leitlinien zur HIV-Diagnostik
wurde 2016 an der LUA Sachsen ein Real-Time RT-PCR-Assay
zur Bestimmung der Viruslast von HIV-1 etabliert. Eine HIV-
qRT-PCR ist unter anderem dann indiziert, wenn bei reaktivem
Screeningtest der Antikörper-basierte Bestätigungstest negativ
oder fraglich ausfällt sowie bei negativem Screeningtest und
dem begründeten Verdacht einer kürzlich erworbenen Infektion
(letzte potentielle Exposition gegenüber HIV liegt kürzer als 6
Wochen zurück bei Verwendung von Testsystemen der 4. Ge-
neration) [1].
Im Rahmen der HIV-Diagnostik beim Erstnachweis ist die Dyna-
mik virologischer HIV-Marker zu berücksichtigen [2]. Bei einer
primären HIV-Infektion ist ab dem Infektionszeitpunkt
]
nach durchschnittlich ca. 11 Tagen der erste HIV-RNA-Nach-
weis,
]
nach durchschnittlich ca. 16 - 18 Tagen der erste HIV-p24-
Antigen-Nachweis,
]
nach durchschnittlich ca. 22 Tagen der erste Nachweis HIV-
spezifischer Antikörper
möglich [1].
In einem Fallballspiel aus dem Berichtsjahr war der erste
Scree-
ningtest positiv, der Antikörper-basierte Bestätigungstest nega-
tiv. Es wurde eine Zweiteinsendung angefordert. Aufgrund des
Risikokontaktes der betreffenden Person innerhalb des oben
erwähnten Zeitrahmens sendete das verantwortliche Gesund-
heitsamt daraufhin Proben sowohl für die serologische Unter-
suchung als auch für die PCR zum Nachweis der HIV-RNA ein.
Das Ergebnis der zweiten Untersuchung gestaltete sich wie
folgt:
]
Screeningtest – positiv
]
Bestätigungstest – negativ
]
HIV-1 qRT-PCR – 9.140.000 Kopien/ml
Aufgrund der hohen Viruslast (laut Leitlinie gilt ein Ergebnis der
HIV qRT-PCR als positiv, wenn die Viruslast > 1.000 Kopien/ml
beträgt [1]), konnte bereits in einem frühen Stadium das Ergeb-
nis des Screeningtests bestätigt und damit eine HIV-Infektion
nachgewiesen werden. Zur Absicherung dieser Diagnose wurde
eine Kontrollprobe angefordert.
Quellen:
[1] Rabenau, H. F.; Bannert, N.; Berger, A.; Donoso Mantke, O.;
Eberle, J.; Enders, M.; Fickenscher, H.; Grunert, H.-P.; Gürtler,
L.; Heim, A.; Huzly, D.; Kaiser, R.; Korn, K.; Nick, S.; Kücherer,
C.; Nübling, M.; Obermeier, M.; Panning, M. und Zeichhardt,
H. Nachweis einer Infektion mit Humanem
Immundefizi-
enzvirus (HIV): Serologisches Screening mit nachfolgender
Bestätigungsdiagnostik durch Antikörper-basierte Testsys-
teme und/oder durch HIV-Nukleinsäure-Nachweis. Bundes-
gesundheitsbl. 2015; 58: 877-886
[2] Fiebig, E. W.; Wright, D. J.; Rawal, B. D.; Garrett, P. E.;
Schu-
macher, R. T.; Peddada, L.; Heldebrant, C.; Smith, R.; Conrad,
A.; Kleinman, S. H. und Busch, M. P. Dynamics of HIV
vire-
mia and antibody seroconversion in plasma donors: impli-
cations for diagnosis and staging of primary HIV infection.
Aids 2003; 17: 1871-1879.
Trinkwasserqualität in der Zentralen Trinkwasserversorgung des
Frei-
staates Sachsen - Pflanzenschutzmittel- und Biozidprodukt-Wirkstoffe
sowie deren Metabolite
Einleitung
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Biozidprodukten
bei der Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln soll zur
Erzielung einer ertragreicheren und qualitativ hochwertigen
Ernte führen. Doch aufgrund der langsamen Abbaubarkeit ei-
niger Wirkstoffe und der Abbaupodukte der eingesetzten Mittel
wird durch Versickerung unter Umständen auch das Grundwas-
ser belastet. Da ca. 70 % des Trinkwassers in Deutschland aus
Grund- und Quellwasser gewonnen werden [1], bildet ein kon-
sequenter Schutz der Trinkwasserressourcen, z. B. in Form von
Wasserschutzgebieten, die Basis für eine qualitativ hochwertige
Trinkwasserversorgung und folgt dem Vorsorgegrundsatz und
Minimierungsgebot (vorrangig der Vermeidung gegenüber Ent-
fernung bei Aufbereitung).
Der Oberbegriff „
Pestizide
“ leitet sich vom lateinischen „pestis“
(Geißel/Seuche/Unheil) ab. Sie werden in
Pflanzenschutzmit-
tel und Biozide unterteilt. Während Pflanzenschutzmittel dem
Schutz der Kulturpflanzen vor Schädlingen und Krankheiten
dienen, stehen bei Bioziden Aspekte des Produkt- und Gesund-
heitsschutzes im Vordergrund (zu den Bioziden gehören z. B.
Desinfektions- und Konservierungsmittel). Im Folgenden steht
der Begriff Pestizid für Pflanzenschutzmittel- und
Biozidpro-
dukt-Wirkstoffe.
Zulassung
Für eine Zulassung der Pestizidprodukte gelten sowohl in der EU
(Zulassung der Wirkstoffe) als auch in Deutschland (nationale
Zulassung von Produkten mit den in der EU zugelassenen Wirk-
stoffen) strenge Regeln. So muss unter anderem nachgewiesen
werden, dass die Produkte einerseits wirksam sind, andererseits

16 │
müssen sie bei einem sachgemäßen Einsatz für Anwender und
Umwelt unschädlich sein. Des Weiteren dürfen Rückstände in
Lebensmitteln und Trinkwasser die Gesundheit der Verbraucher
nicht gefährden.
Eine gesundheitliche Bewertung der Substanzen und auch der
Abbauprodukte wird durch das Bundesinstitut für Risikobewer-
tung (BfR) vorgenommen. Das Umweltbundesamt (UBA) beur-
teilt die möglichen Auswirkungen auf den Naturhaushalt.
Die in der Landwirtschaft bzw. im Gartenbau zugelassenen Mit-
tel werden weiter nach ihren Anwendungsbereichen differen-
ziert. Während gegen Schadinsekten Insektizide zur Verfügung
stehen, finden
Fungizide
zur Bekämpfung von unerwünschten
Pilzen unter anderem im Obst-, Hopfen- oder Weinbau An-
wendung.
Nematozide, Rodentizide
und
Molluskizide
werden
gegen Schlauch- und Rundwürmer, Nager und Schnecken ein-
gesetzt.
Herbizide
wirken ätzend oder hemmen die Zellteilung,
Keimung und Photosynthese von unerwünschten Pflanzen. Der
Zusatz von
Wachstumsregulatoren
soll das Umfallen der Ge-
treidehalme kurz vor der Ernte verhindern.
Pestizide und Trinkwasserverordnung (TrinkwV)
In zahlreichen internationalen Verordnungen (z. B. Biozid-Ver-
ordnung der EU [2]) und nationalen Verordnungen und Geset-
zen, z. B. Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung PflSchAnwV
2012 [3] sind unter anderem Zulassung, Inverkehrbringen und
Anwendung von Pflanzenschutzmitteln- bzw. Biozidprodukten
gesetzlich geregelt. Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel im
Trinkwasser wurden erstmals in der
Trinkwasserverordnung
vom 22.05.1986 [4] aufgenommen. In der aktuell gültigen
Fas-
sung der Trinkwasserverordnung [5] existiert in der Anlage 2,
Teil I, sowohl ein Grenzwert für Einzelsubstanzen in Höhe von
0,10 µg/l als auch für die Summe aller Pestizide von 0,50 µg/l.
Die Trinkwasserverordnung gibt als Überwachungsspektrum
Wirkstoffe und Metabolite (Abbauprodukte) der oben genann-
ten Anwendungsbereiche an, deren „Vorhandensein im be-
treffenden Wassereinzugsgebiet wahrscheinlich ist“. Einzelne
Bundesländer, darunter auch Sachsen, haben eine sogenannte
Landesliste erarbeitet, die die häufigsten Funde an Pestiziden
und deren Abbauprodukten in Grund-, Oberflächen-, Talsperren-
und Trinkwasser beinhalten. Die sächsische Landesliste wurde in
Zusammenarbeit der Landestalsperrenverwaltung, dem Sächsi-
schen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, dem
Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft,
dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbrau-
cherschutz und der Landesuntersuchungsanstalt für das Ge-
sundheits- und Veterinärwesen Sachsen erstellt und 2016 den
in Sachsen gelisteten Trinkwasserlaboren und Wasserversor-
gungsunternehmen zur Verfügung gestellt. Die Landesliste hat
Empfehlungscharakter, gibt aber Wasserversorgern und Über-
wachungsbehörden ein einheitliches Untersuchungsspektrum
als Orientierungshilfe an die Hand, welches den Anforderungen
der Trinkwasserverordnung gerecht wird. Sie enthält derzeit 45
Wirkstoffe und Metabolite. Die LUA Sachsen untersuchte von
2011 bis 2016 mehr als 100 Einzelsubstanzen; 2017 und 2018
wurde das Spektrum auf die Parameter der Landesliste reduziert.
Alle 3 Jahre wird erneut der ehemalige Untersuchungsumfang
vorgenommen, um die Landesliste gegebenenfalls um weitere
nachgewiesene Stoffe zu aktualisieren.
Abbauprodukte von Pestiziden und deren Bewertung
Die Abbauprodukte der Pestizide werden
Metabolite
genannt.
Es wird in relevante und nicht relevante Metabolite unterschie-
den.
Relevante Metabolite
besitzen eine definierte Restaktivität
oder ein pflanzenschutzrechtlich relevantes humantoxisches
oder ökotoxisches Wirkungspotential [5]. Für ihre Bewertung
nach Trinkwasserverordnung gilt der oben genannte Grenzwert
für Einzelsubstanzen von 0,10 µg/l. Eine
Grenzwertverletzung
von Pestiziden und relevanten Metaboliten kann
vorübergehend
bis maximal zum Erreichen eines stoffspezifisch festgelegten
Trinkwasser-Maßnahmenwertes (MW
TW
) geduldet werden, den
das Umweltbundesamt aus den vom Bundesinstitut für Ri-
sikobewertung festgesetzten Trinkwasser-Leitwerten (LW
TW
)
abgeleitet hat. Diese Trinkwasser-Maßnahmenwerte betragen
1,0 µg/l, 3,0 µg/l oder 10,0 µg/l.
Nicht relevante Metabolite
stellen bezüglich ihres verbliebenen
Wirkungspotentials im Vergleich zum Ausgangswirkstoff keine
Gefahr für Mensch und Ökosystem dar. Deren Bewertung im
Trinkwasser erfolgt gemäß Vorsorgeprinzip, das heißt es wer-
den sogenannte
G
esundheitliche
O
rientierungs
w
erte (GOW)
herangezogen, die dauerhaft duldbar sind. Die GOW betragen
entweder 1,0 oder 3,0 µg/l und werden vom Umweltbundesamt
festgelegt und veröffentlicht. Wird der GOW überschritten, so
müssen umgehend Maßnahmen zur Reduzierung des Gehal-
tes ergriffen werden. Das Umweltbundesamt empfiehlt,
wäh-
rend dieser Zeit einen Vorsorgemaßnahmenwert von maximal
10 µg/l nicht zu übersteigen.
Vorkommen in Sachsen
Pestizid-Wirkstoffe und relevante Metaboliten wurden in den
letzten Jahren nur vereinzelt weit unterhalb des Grenzwertes
der Trinkwasserverordnung nachgewiesen, so dass hier nur eine
Betrachtung ausgewählter nicht relevanter Metabolite erfolgt.
Da der Einsatz der verschiedenen Pestizide in der Landwirtschaft
sowie im Gartenbau anbauspezifisch erfolgt, ist in den einzelnen
Landkreisen und kreisfreien Städten Sachsens mit unterschied-
lichen Vorkommen an nicht relevanten Metaboliten zu rechnen,
sofern überhaupt nachweisbar. So sind z. B. Metazachlorsulfon-
säure (ESA) und Metazachloroxalamid (OA) Abbauprodukte des
Wirkstoffes Metazachlor, welcher beim Rapsanbau Anwendung
findet. Chloridazondesphenyl als Abbauprodukt des Wirkstoffes
Chloridazon wäre dagegen in Gegenden mit Zuckerrübenanbau
zu finden.
Die Abbildungen 8 – 10 enthalten Übersichten über die im
Zeit-
raum 2011 - 2018 an der LUA Sachsen untersuchten
Wasser-
versorgungsanlagen und der ermittelten Konzentrationen der
beispielhaft genannten nicht relevanten Metabolite, zusam-
mengefasst in Konzentrationsbereichen. Während für Metaza-
chlorsulfonsäure (ESA) und Chloridazondesphenyl der GOW 3,0
µg/l beträgt, wurde für Metazachloroaxalamid (OA) ein GOW
von 1,0 µg/l festgesetzt.
Im Untersuchungszeitraum wurden für Chloridazondesphenyl
5 Verletzungen des GOWs ermittelt und für Metazachloroxa-
lamid - trotz geringeren GOWs - nur eine. Bei Chloridazondes-
phenyl handelt es sich dabei in der Regel um eine einmalige
Überschreitung des GOWs, das heißt in den zuvor bzw. danach
liegenden Untersuchungsjahren wurde der GOW bei der Anlage
wieder eingehalten. Es ist auffällig, dass der Konzentrationsbe-
reich von 1,0 bis ≤≤3,0 µg/l lediglich 1 - 2x jährlich mit
Wer-
ten vertreten ist (in den Abbildungen kaum sichtbar), während
für Metazachlorsulfonsäure 7 - 10 % der Messwerte in diesem

│17
Bereich zu finden sind. Hier sind auch jährlich einige wenige
Überschreitungen des GOWs (maximal 5 pro Jahr) zu verzeich-
nen. Die Messwerte je Anlage sind meist stabil, so dass sich die
GOW-Überschreitung in der Regel auf die gleichen Anlagen
bezieht. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich das
Vorkommen der nicht relevanten Metabolite auf einem sehr
niedrigen Konzentrationsniveau bewegt und nur geringfügigen
Schwankungen unterliegt.
0
50
100
150
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250
300
350
400
450
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
Jahr
Anzahl der Analysen
Analysen gesamt
≤ 0,1µg/l
> 0,1µg/l bis ≤ 1µg/l
> 1µg/l bis ≤ 3µg/l
> 3µg/l bis ≤ 10µg/l
Abbildung 8:
Übersicht über die im Zeitraum 2011 - 2018 an der LUA Sachsen untersuchten Wasserversorgungsanlagen und der ermittelten Konzentrationen an
Metazachlorsulfonsäure (ESA)
0
50
100
150
200
250
300
350
400
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2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
Anzahl der Analysen
Jahr
Analysen gesamt
≤ 0,1µg/l
> 0,1µg/l bis ≤ 1µg/l
> 1µg/l bis ≤ 3µg/l
> 3µg/l bis ≤ 10µg/l
Abbildung 9:
Übersicht über die im Zeitraum 2011 - 2018 an der LUA Sachsen untersuchten Wasserversorgungsanlagen und der ermittelten Konzentrationen an
Metazachloroxalamid (OA)
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
Anzahl der Analysen
Jahr
Analysen gesamt
≤ 0,1µg/l
> 0,1µg/l bis ≤ 1µg/l
> 1µg/l bis ≤ 3µg/l
> 3µg/l bis ≤ 10µg/l
Abbildung 10: Übersicht über die im Zeitraum 2011 - 2018 an der LUA Sachsen untersuchten Wasserversorgungsanlagen und der ermittelten Konzentrationen an
Chloridazondesphenyl

18 │
Ausblick
Auch wenn die gemäß Trinkwasserverordnung vorgegebenen
Grenzwerte und die vom Umweltbundesamt herausgegebe-
nen gesundheitlichen Orientierungswerte eingehalten werden,
wird die Herausforderung der nächsten Jahre weiterhin in ei-
ner Reduzierung der Gehalte an Pestizid-Wirkstoffen und deren
Metabolite im Grund- und damit auch im Trinkwasser liegen.
Das ist nur durch Zusammenwirken von Behörden (z. B. durch
Zulassungsbeschränkungen oder Ausweisen von Wasserschutz-
gebieten), Landwirtschaft (z. B. Umstieg auf schonendere Mittel,
Grenzflächen oder Teilflächenbehandlung) und Herstellern (z. B.
Entwicklung neuer Produkte mit niedrigeren Aufwandsmengen
und guter Abbaubarkeit) möglich. Der Erfolg wird jedoch erst
in einigen Jahren sichtbar werden. Komplexe Analysegeräte
ermöglichen es, eine Vielzahl von Substanzen in immer nied-
rigeren Konzentrationen nachzuweisen. Das heißt nicht au-
tomatisch, dass das Trinkwasser nicht den Anforderungen der
Trinkwasserverordnung entspricht und nicht genussuntauglich
wäre. Vielmehr ist wichtig, die gefundenen Konzentrationen
unter Berücksichtigung oben genannter Grenz- bzw. gesund-
heitlicher Orientierungswerte hinsichtlich ihrer Relevanz einzu-
ordnen und erforderlichenfalls Maßnahmen zur Minderung der
Belastung einzuleiten.
Quellen:
[1] Umweltbundesamt. Rund um das Trinkwasser, 4. aktuali-
sierte Auflage, 2016
[2] Verordnung (EU) No. 528/2012 des Europäischen
Parla-
ments und des Rates vom 22. Mai 2012 über die
Bereit-
stellung auf dem Markt und die Verwendung von Biozid-
produkten (Biozid-Verordnung), veröffentlicht im Amtsblatt
der Europäischen Union Nr. L 167, S. 1 vom 27.09.2012
[3] Verordnung über Zulassungs- und Genehmigungsverfahren
für Pflanzenschutzmittel (Pflanzenschutzmittelverordnung
– PflSchMV), 15.01.2013, BGBl. Jahrgang 2013 Teil I Nr. 2,
S. 74-78, ausgegeben am 23. Januar 2013
[4] Verordnung über Trinkwasser und über Wasser für Lebens-
mittelbetriebe (Trinkwasserverordnung – TrinkwV) vom 22.
Mai 1986, BGBl. Jahrgang 1986, Teil I Nr. 22 S. 760-773
ausgegeben am 28. Mai 1986
[5] Verordnung über die Qualität von Wasser für den mensch-
lichen Gebrauch (TrinkwV) vom 3. Januar 2018, BGBl.
Jahr-
gang 2018, Teil I Nr. 2, S. 99-114, ausgegeben am 8. Januar
2018
[6] Umweltbundesamt. Gesundheitliche Orientierungswerte
(GOW) für nicht relevante Metabolite (nrM) von Wirkstof-
fen aus Pflanzenschutzmitteln, Fortschreibungsstand:
Ja-
nuar 2019
Hygiene der Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen,
Kurorthygiene
Beratungs- und Untersuchungstätigkeit
Wie in den Vorjahren war auch 2018 die Thematik
multiresis-
tenter bakterieller Erreger (MRE) ein wesentlicher Schwerpunkt
in der Arbeit des Fachgebietes (siehe Übersicht über das
Leis-
tungsspektrum).
Mit dem Erscheinen der Empfehlung der Kommission für Kran-
kenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Ro-
bert Koch-Institut (RKI) „Hygienemaßnahmen zur Prävention
der Infektion durch Enterokokken mit speziellen Antibiotikare-
sistenzen“ zum Ende des Berichtsjahres wurde eine wesentliche
Lücke in den offiziellen Hygiene-Empfehlungen geschlossen, da
eine entsprechende Empfehlung zu dieser, neben Methicillin-
resistenten
Staphylococcus aureus
(MRSA) und multiresistenten
gramnegativen, stäbchenförmigen Bakterien (MRGN), „dritten“
wichtigen Gruppe von MRE bisher noch fehlte. Somit können
nun die krankenhaushygienischen Gesichtspunkte beim Auf-
treten von insbesondere Vancomycin-resistenten Enterokokken
(VRE), vor allem in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrich-
tungen, besser und einheitlicher geregelt werden. Das gilt eben-
so für die Überwachungstätigkeit der Gesundheitsämter. Die
Inhalte der neuen KRINKO-Empfehlung wurden im Rahmen der
Fortbildungsveranstaltung für Mitarbeiter der
Gesundheitsäm-
ter sowie Hygienefachpersonal im November in Meißen von der
LUA Sachsen vorgestellt.
Fortgeführt wurde auch der fachliche Austausch mit den
Ge-
sundheitsämtern innerhalb der AG „Krankenhaushygiene“ am
LUA-Standort Chemnitz. Die jährlichen Treffen dieser AG
die-
nen dazu, sich fachlich auszutauschen und so die Aufgaben des
ÖGD in Fragen der infektionshygienischen Überwachung von
Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen zwischen der LUA
Sach-
sen und den Gesundheitsämtern detailliert abzustimmen und zu
koordinieren.
Im Auftrag der Gesundheitsämter erhielt die LUA Sachsen wie-
derum zahlreiche Bauprojekte von Gesundheits- und
Gemein-
schaftseinrichtungen zur fachlichen Bearbeitung und Stellung-
nahme. Schwerpunkt des Fachgebietes ist die Beurteilung der
räumlichen Gestaltung, von Funktionsabläufen und
Hygieneplä-
nen. Die Bereiche Siedlungshygiene und Tageslichtbeleuchtung
sowie Innenraumlufthygiene fallen dabei in die Zuständigkeit
des Fachgebietes „Umweltmedizin, Kommunalhygiene“ und sind
so vielfach Gegenstand gemeinsamer Projektbeurteilungen. Im
Berichtsjahr wurden Stellungnahmen zu insgesamt 18
Baupro-
jekten zu Neu-, Um- und Teilersatzneubauten in
Krankenhäu-
sern, Reha-Einrichtungen, Altenpflege-Einrichtungen (Heime,
Wohngruppen, Tagespflege) sowie Arztpraxen,
Kindereinrich-
tungen und Schulen erarbeitet.
Die operativen Tätigkeiten der Mitarbeiter des Fachgebietes
be-
inhalten die fachliche Unterstützung der Gesundheitsämter im
Rahmen ihrer infektionshygienischen Überwachungsaufgaben
nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) einschließlich verschiedener
Probenahmen und Messungen (siehe auch Kapitel
„Öffentlich-
keitsarbeit“). Schwerpunkte dieser Überwachungstätigkeiten
betrafen im Berichtsjahr wiederum Krankenhäuser, Arzt- und
Zahnarztpraxen, Altenpflegeheime sowie ambulante
Pflege-
dienste. Weiterhin wurde die LUA Sachsen in Ermittlungen bei
nosokomialen Infektionshäufungen oder gehäuften Nachweisen

│19
bestimmter Erreger in Krankenhäusern einbezogen. Erwähnens-
wert im Berichtsjahr ist der gehäufte Nachweis von
Bacillus
cereus
in der neonatologischen Abteilung eines Krankenhauses
im Freistaat Sachsen. Dem ansonsten nicht im Fokus der
Kran-
kenhaushygiene stehenden Erreger kommt hier eine Bedeutung
im Screening zu, da er bei dieser vulnerablen Patientengruppe
schwere Infektionen auslösen kann. Als Quelle der Keime konnte
die beauftragte Wäscherei ermittelt werden.
Immer größeres Gewicht bekam 2018 das bereits in den
Vor-
jahren wichtige Thema „Wohngruppen für ältere
pflegebedürf-
tige Menschen“. Wohngruppen haben als Alternative zur „klas-
sischen“ stationären Betreuungsform in Heimen in den letzten
Jahren an Bedeutung gewonnen. Seit Oktober 2014 gibt es, im
Zuge der Etablierung des ehemaligen (bundesweiten) Heimge-
setzes auf der Länderebene, mit dem Sächsischen Betreuungs-
und Wohnqualitätsgesetz (SächsBeWoG) und der Verordnung
des SMS zur Durchführung des Sächsischen Betreuungs- und
Wohnqualitätsgesetzes (SächsBeWoGDVO) in Sachsen eine ent-
sprechende Rechtsgrundlage für diese neuen Wohn- und Be-
treuungskonzepte.
Der im Januar 2017 etablierte „Runde Tisch“ zum Thema
„Wohn-
gruppen“, unter anderem mit Vertretern der Gesundheitsämter,
der Heimaufsicht, des Medizinischen Dienstes der Krankenver-
sicherung (MDK) und der LUA Sachsen, konnte im Juli 2018 mit
einem zweiten Zusammentreffen im SMS fortgesetzt werden.
Hierbei wurde mit juristischer Beratung insbesondere der
recht-
liche Rahmen für die infektionshygienische Überwachung der
Gesundheitsämter abgesteckt. Als Schwerpunkt wurden hier
Wohngruppen eingeschätzt, in denen Intensivpflege stattfindet.
Durch die Novellierung des § 23 des IFSG im Dezember 2018
wurde bundesweit endgültig eine klare Rechtsgrundlage ge-
schaffen. Nunmehr unterliegen Pflegedienste, die ambulante
Intensivpflege in Einrichtungen, Wohngruppen oder sonstigen
gemeinschaftlichen Wohnformen erbringen, der infektionshygi-
enischen Überwachung durch die Gesundheitsämter. Nach § 23
Abs. 6a IfSG darf sich diese Überwachung auch auf Orte erstre-
cken, an denen die Intensivpflege erbracht wird, das heißt bei
einzelnen Pflegebedürftigen im häuslichen Umfeld wie auch in
entsprechenden Wohngruppen.
Erwähnung finden soll auch die Mitarbeit der LUA Sachsen im
„Länder-Arbeitskreis zur Erstellung von Rahmenhygieneplänen
nach §§ 23 und 36 IfSG“. Im Berichtsjahr 2018 wurde die
No-
vellierung des Rahmenhygieneplanes für Dialyse-Einrichtungen
fortgeführt und bis fast zum Abschluss gebracht. Dabei wurde
das Gremium von einer Fachvertreterin für Hygienefragen aus
dem Dialysebereich unterstützt. Die Veröffentlichung dieses no-
vellierten Planes erfolgt voraussichtlich im ersten Quartal 2019,
wie üblich unter
www.uminfo.de/rahmenhygieneplaene-lak.
html bzw. anschließend auch auf der LUA-Homepage.
Auch die Vermittlung von Sachkenntnissen nach Sächsischer
Hygieneverordnung (SächsHygVO) als Voraussetzung zum Be-
treiben von Piercing-, Tattoo-, Fußpflege- oder Kosmetikstudios,
unter anderem auf den Gebieten Anatomie, Mikrobiologie, Hy-
giene und Instrumentenaufbereitung, wurde 2018 mit 2
Kur-
sen an jeweils 2 Tagen in Kooperation mit dem Gesundheitsamt
Meißen fortgesetzt.
Im Rahmen der nach den internationalen Gesundheitsvorschrif-
ten der WHO erforderlichen Zulassung von Gelbfieberimpfstellen
erfolgten 2018 gemeinsam mit dem SMS Vor-Ort-Begehungen
von Impfstellen an 6 Standorten (niedergelassener Arzt, Klini-
ken und Gesundheitsämter) zur Begutachtung der hygienischen
Voraussetzungen.
Am 17.11. 2018 fand im Hygienemuseum Dresden ein
Hygiene-
kongress statt. Hier war die LUA Sachsen mit 2 Fachvorträgen
zur infektionshygienischen Überwachung von Krankenhäusern
bzw. ambulanten medizinischen Einrichtungen durch den ÖGD
beteiligt.
Laboruntersuchungen
Die Labordiagnostik am Standort Chemnitz umfasst die gesam-
te Palette hygienisch-mikrobiologischer Untersuchungen. Diese
Laboruntersuchungen werden im Rahmen der operativen Tätig-
keit durch physikalische Methoden wie Luftpartikelzählungen,
Raumklima-, Luftströmungs- und Schallmessungen ergänzt.
Der Einsatz von Temperaturdatenloggern hat sich bei der Über-
prüfung von Desinfektionsverfahren für Medizinprodukte bzw.
Wäsche fest etabliert, insbesondere bei thermischen Verfahren.
Hier kann die Desinfektionswirkung durch Berechnung des A0-
Wertes (Norm für Reinigungs- und Desinfektionsgeräte) einge-
schätzt und auf den Einsatz von Bioindikatoren verzichtet wer-
den.
Alle Untersuchungen wurden im Auftrag der Gesundheitsäm-
ter durchgeführt und betrafen wiederum hauptsächlich Probe-
nahmen und Messungen in Krankenhäusern, Arztpraxen sowie
Altenpflegeheimen. Ferner wurden auch Probenmaterialien für
sächsische Justizvollzugsanstalten (JVA) untersucht. Dies trifft
vor allem für die JVA mit Krankenhaus in Leipzig zu. Hier wurden
insbesondere Oberflächenkontaktkulturen und Proben des
Be-
triebswassers in zahnmedizinischen Behandlungseinheiten zur
mikrobiologisch-hygienischen Untersuchung entnommen sowie
Testungen der Desinfektionsleistung von Reinigungs- und Des-
infektionsgeräten (RDG) zur Medizinprodukte-Aufbereitung und
von Waschverfahren durchgeführt.
In Jahr 2018 konnte der Laborbereich einschließlich der
Probe-
nahmemethoden erneut erfolgreich durch die DAkkS akkredi-
tiert werden.
Tabelle 1.32 gibt eine Übersicht ausgewählter hygienischer Un-
tersuchungen (mikrobiologische Untersuchungen und Messun-
gen mit Temperaturdatenloggern) in Gesundheits- und Gemein-
schaftseinrichtungen im Berichtsjahr.
Mitwirkung bei der staatlichen Anerkennung von Kur-
und Erholungsorten
Als Mitglied des Landesbeirates für Kur- und Erholungsorte am
Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Ver-
kehr (SMWA) obliegt der LUA Sachsen die Beurteilung der Vor-
aussetzungen der Antrag auf staatliche Anerkennung stellenden
Orte im Bereich Hygiene.
Im Berichtsjahr wurden 2 Wiederholungsprüfungen nach § 3a
Sächsisches Kurortegesetz (SächsKurG) bereits anerkannter Orte
durchgeführt, deren Prädikatisierung mindestens 10 Jahre
zu-
rückliegt.
Es handelte sich 2018 um folgende Städte/Gemeinden:
]
Stadt Auerbach/OT Beerheide und Schnarrtanne (Erholungs-
ort, Vogtlandkreis)
]
Gemeinde Sehmatal/OT Neudorf (Erholungsort, Erzgebirgs-
kreis)

20 │
Die Gemeinde Sehmatal stellte zusätzlich einen Neuantrag für
die OT Sehma und Cranzahl, wodurch das Prädikat „Staatlich
anerkannter Erholungsort“ auf das gesamte Gemeindegebiet er-
weitert werden konnte.
Alle zu beurteilenden Anträge wurden von der LUA Sachsen in
den zuständigen Fragestellungen der Hygiene
zusammenfas-
send als positiv bewertet, wenngleich, wie auch in den meisten
anderen bereits begutachteten Orten, in Teilbereichen Richt-
wertüberschreitungen für Lärm durch den Straßenverkehr fest-
zustellen waren. Im Rahmen des Neuantrages der Gemeinde
Sehmatal war ein weiterführendes Schallimmissionsgutachten
zur vollständigen Einschätzung notwendig.
Die zunächst erforderlichen Lärmvorbeurteilungen erfolgten
durch die LUA Sachsen, für die straßen- und schienenverkehrs-
bedingten Schallimmissionen in Kooperation mit dem Sächsi-
schen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
(LfULG). Im Berichtsjahr wurden 8 Lärmvorbeurteilungen
vor-
genommen.
Umweltmedizinische und umwelthygienische Untersuchungs- und
Beratungstätigkeit
Die Aufgabe des Fachgebietes
„Umweltmedizin/Kommunalhygi-
ene“ besteht darin, die im Freistaat Sachsen tätigen
Gesund-
heitsbehörden sowie andere öffentliche Stellen und
Fachbehör-
den im Schnittstellenbereich Umwelt und Gesundheitsschutz zu
beraten und gegebenenfalls mit Untersuchungen und Stellung-
nahmen zu unterstützen. Die rechtliche Grundlage hierfür bildet
das Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst im Freistaat
Sachsen (SächsGDG vom 11.12.1991). Dieses weist dem ÖGD in
Sachsen im „gesundheitlichen Umweltschutz“ (Umweltmedizin)
sowohl Aufgaben zur Überwachung hygienerechtlicher Vor-
schriften als auch zur Beobachtung und Bewertung der Wirkung
von Umweltfaktoren auf den Menschen zu.
Entsprechend seiner personellen und technischen Ausstattung
konzentriert sich das Fachgebiet dabei auf die Untersuchung
und Bewertung der Innenraumluft in öffentlichen Einrichtun-
gen (hauptsächlich in Schulen, Kindertagesstätten, Alten- und
Pflegeheimen, Einrichtungen des Gesundheitsdienstes sowie in
weiteren Gemeinschaftseinrichtungen gemäß § 8 SächsGDG).
Für den unmittelbaren Vollzug entsprechender
Überwachungs-
pflichten sind zwar die kommunalen Gesundheitsämter
zustän-
dig, infolge eines kontinuierlichen Bedarfs hat sich aber in den
letzten 25 Jahren zwischen der LUA Sachsen und den kommu-
nalen Gesundheitsbehörden eine intensive Kooperationsform
zur Unterstützung der kommunalen Ämter entwickelt, die sich
bei der Erfüllung entsprechender Vollzugsaufgaben generell be-
währt und als unabdingbar erwiesen hat. Die Gewährleistung
einer hygienisch und gesundheitlich unbedenklichen Raumluft-
qualität und die Möglichkeit, diese unter Regie des ÖGD auch
selber zu kontrollieren, ist für die Nutzer, Einrichtungsträger
sowie für die am Hygiene- bzw. Gesundheitsmanagement be-
teiligten Behörden (Gesundheitsämter, Baubehörden) sehr be-
deutend.
Das Fachgebiet verfügt über einen modernen akkreditierten
Analytik- und Laborbereich, mit welchem sowohl ein breites
Spektrum von Luftschadstoffen (sogenannte flüchtige
orga-
nische Verbindungen, FOV) als auch Schimmelpilze im
Innen-
raumbereich untersucht und beurteilt werden können. Die
innenraumbezogene Beratungs- und Untersuchungstätigkeit
umfasste 2018 insgesamt 258 Beratungsanliegen, davon
muss-
ten 137 Sachverhalte einer komplexen Innenraumanalyse auf
Schadstoff- und/oder Schimmelbelastungen (einschließlich
Ortsbesichtigung und Probenahme) unterzogen werden. Das
Gesamtprobenaufkommen des Schimmelpilzlabors belief sich
im Berichtsjahr 2018 insgesamt auf 7.367 Proben.
Inhaltlich umfasste die Beratungstätigkeit erneut ein breites
Spektrum von Anfragen, für die einerseits entweder sichtbare
oder vermutete Hygieneprobleme der Anlass waren (z. B. sicht-
bare Feuchte-Erscheinungen, vermutete
Schimmelpilzproble-
me, offensichtliche Lüftungsdefizite, vermutete
Feinstaubbe-
lastungen, vermutete Hygieneprobleme mit RLT-Anlagen), die
teilweise aber auch einen Beschwerdebezug aufwiesen (z. B.
wegen störenden Geruchswahrnehmungen, thermohygrischen
Unbehaglichkeiten, Zugerscheinungen, Lärmbelästigungen oder
ähnliches).
Einen weiteren Schwerpunkt im Fachgebiet bildete auch 2018
wiederum die Beratungstätigkeit zu gesundheitsbezogenen
Anfragen im Rahmen von öffentlichen Bauvorhaben sowie
von kommunal bedeutsamen Anlagen- und Gebietsplanungen
(Prüfung von Gesundheitsbelangen). Die Beteiligung der Behör-
den des ÖGD an gesundheitsbedeutsamen örtlichen
Planungs-
vorhaben ist explizit im SächsGDG vom 11.12.1991 verankert
und wird von den kommunalen Verantwortungsträgern als ein
wesentlicher Bestandteil kommunal- bzw. umwelthygienischer
präventivmedizinischer Tätigkeit angesehen. Es wurden im Be-
richtsjahr 2018 insgesamt 148 fernmündliche und schriftliche
Anfragen zu speziellen Gesundheitsbelangen aus den Bereichen
Bau-, Siedlungs- und Kommunalhygiene für die Gesundheits-
ämter und andere Behörden bearbeitet. In 52 Fällen hiervon
handelte es sich um komplexe gesundheitsbehördliche Amts-
hilfeersuchen (z. B. unter Einbindung in bauplanungsrechtliche
oder immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren), die
jeweils einer ausführlichen schriftlichen Fachberatung bzw.
Stellungnahme bedurften. Im Vordergrund standen hierbei
Neubauten und Standortprüfungen von Schulen und von Kitas,
Lüftungskonzepte in Niedrig- und Passivenergiebauten sowie
Gesundheitsverträglichkeitsaspekte von speziellen anlagenbe-
zogenen Immissionen (z. B. Gerüche, Luftschadstoffe, Staub-
und Bioaerosolimmissionen aus Industrie- und Tierhaltungsan-
lagen).
Gleichwohl erhielt das Fachgebiet aus den Kommunen auch im
Berichtsjahr 2018 wieder zahlreiche und außerordentlich breit
gefächerte Fragen zu aktuellen Umweltthemen mit einem
Ge-
sundheitsbezug bzw. zu Aspekten des Schutzes vor gesundheits-
gefährdenden Umwelteinflüssen (z. B. Umrüstung der
öffentli-
chen Straßenbeleuchtung auf LED, Ausbau des Mobilfunknetzes,
aktuelle Luftschadstoffprobleme, Ausbreitung resistenter Keime
über verschiedene Umweltpfade und vieles mehr). Dies bestätigt

image
│21
grundsätzlich die Position der WHO und nationaler Bundesober-
behörden, die immer wieder dafür plädieren, dem ÖGD eine
maßgebliche Rolle sowohl bei der Aufklärung und Information
über umweltbezogene Gesundheitsrisiken (qualifizierte
Risiko-
kommunikation) als auch für die Beobachtung der diesbezügli-
chen Verhältnisse und Entwicklungen zuzuschreiben und ihn für
diese verantwortungsvolle Aufgabe auch personell und materiell
adäquat auszustatten.
Untersuchungen zur Hygiene der Innenraumluft
Seit nunmehr fast zwanzig Jahren werden mikrobiologische
Untersuchungen von Innenraumproben zur Untersetzung von
entsprechenden Hygieneanforderungen bzw. für die Charakte-
risierung der Innenraumluftqualität durch das umweltmykolo-
gische Labor der LUA Sachsen für die Gesundheitsämter sowie
andere Behörden im Freistaat Sachsen entsprechend den
Rege-
lungen des ÖGD angeboten. Zusätzlich werden regelmäßig bei
komplexeren Fragestellungen die notwendigen Probenahmen
und Untersuchungen vor Ort wie z. B. Luftkeimuntersuchungen,
Messungen zu Fragen des Raumklimas und der
Raumluftquali-
tät, Inspektionen von Lüftungsanlagen durch die Mitarbeiter des
Fachgebietes durchgeführt. Diesen Messterminen, mit häufig
sehr vielen Einzelproben, schließt sich nach der Auswertung im
Labor immer eine problembezogene Bewertung und schriftliche
Zusammenfassung der Ergebnisse an. Das Probenaufkommen,
welches dem Labor in der Hauptsache durch die Gesundheitsäm-
ter der Landkreise, aber auch aus den Probennahmen der oben
beschriebenen Messtermine zugeleitet wird, umfasste im Jahr
2018 7.367 Einzelproben. Überwiegend wurden diese Proben
von den Gesundheitsämtern im Rahmen von Hygienekontrollen
bzw. bei Havarien in den laut ÖGD-Gesetz
überwachungspflich-
tigen Einrichtungen bzw. öffentlichen Gebäuden (Altenheime,
Praxen, Kindergärten, Schulen, Sporthallen etc.) genommen. Bei
Verdachtsfällen oder offensichtlichen Problemen mit Schim-
melpilzen in Innenräumen, besonders in Kindereinrichtungen
oder anderen sensibel genutzten Einrichtungen, sollte, da eine
gesundheitliche Bewertung des Problems für den Einzelnen
aufgrund fehlender Grenzwerte nach wie vor nicht möglich ist,
entsprechend sorgfältig untersucht und die Ergebnisse vor dem
Hintergrund der besonderen Nutzerspezifik ausgewertet
wer-
den. Die Gesundheitsämter in Sachsen führten z. B. in 18 dieser
Verdachtsfälle Begehungen in betroffenen Kindertagesstätten
durch. Die LUA Sachsen wurde zusätzlich in weiteren 5 Fällen
um eine fachtechnische bzw. messtechnische Unterstützung in
betroffenen Kindertagestätten gebeten. Neben den Proben zur
Schimmelproblematik in Innenräumen werden auch zunehmend
Proben aus Hygiene-Ermittlungen in Raumlufttechnischen An-
lagen im Labor untersucht. Diese Untersuchungen erfolgen auf
der Basis der im Januar 2018 neu überarbeiteten VDI-Richtlinie
6022 „Raumlufttechnik, Raumluftqualität -
Hygieneanforde-
rungen an raumlufttechnische Anlagen und Geräte (VDI-Lüf-
tungsregeln)“.
F
lüchtige
o
rganische
V
erbindungen (FOV) können zu
chemi-
schen Luftbelastungen in Innenräumen führen. Mit einer Pro-
benahme vor Ort und moderner gaschromatographischer Ana-
lysentechnik wird mit ca. 250 Einzelverbindungen ein großer
Teil der in die Raumluft gelangenden Chemikalien gemäß den
geltenden Normen (VDI-RL 2100 Bl. 2, DIN EN ISO 16000-5)
quantitativ bestimmt. Im Berichtsjahr 2018 wurden insgesamt
46 Amtshilfeersuchen auf chemische Raumluftanalysen an das
Fachgebiet herangetragen, was die Untersuchung von 96
Räu-
men nach sich zog.
Von diesen 96 Innenräumen wurden in 29 Fällen (= 30 %)
Über-
schreitungen des empfohlenen Zielwertes für die
FOV-Gesamt-
belastung der Luft festgestellt. Knapp 60 % der Innenräume
wies für einzelne chemische Substanzen bzw. Substanzgruppen
Überschreitungen von umweltmedizinisch begründeten Richt-
werten auf. Hier wurden Luftbelastungen erreicht, bei denen
aus gesundheitlichen Gründen oder vorsorglich entsprechende
Maßnahmen zur Ursachenermittlung und -beseitigung ange-
zeigt waren.
Wie in den letzten Jahren waren die häufigsten Anlässe, die
2018 zu Anfragen und entsprechenden Messaktivitäten führten,
wieder mit Neubautätigkeiten, Sanierungs- bzw. Renovierungs-
arbeiten sowie mit Geruchsbelästigungen und
Befindlichkeits-
störungen verbunden. Aber auch in Räumen, in denen keine
baulichen Veränderungen stattfanden, werden immer wieder
Beschwerden angezeigt. Erhöhte FOV-Raumluftbelastungen
können durch zu schnelle Bauabläufe, minderwertige Pro-
duktauswahl und Baumaterialien sowie durch ungenügende Be-
rücksichtigung der Trocknungs- und Abklingphasen verursacht
werden. Durch ein mangelndes Lüftungsmanagement werden
die ungünstigen Raumluftverhältnisse zusätzlich verstärkt (Ab-
bildung 11).
Die seit Jahren bestehende Situation von kontinuierlich an die
Gesundheitsbehörden gerichteten innenraumbezogenen Be-
schwerden sprechen jedenfalls für ein nicht geringes
Problem-
potenzial bezüglich chemischer Innenraumbelastungen. Nach
unserer Einschätzung besteht hier ein ganz erheblicher Bedarf
für eine verbesserte bzw. stärkere Einbindung von Umwelt- und
Gesundheitsaspekten in das Management von entsprechenden
baulichen Maßnahmen, vordringlich in den von Kindern ge-
nutzten Gebäuden (darunter Neubau, Sanierungs- und Renovie-
rungsmaßnahmen sowie Neuausstattung von Kindertagesstät-
ten, Schulen, Horten, Sporträumen oder -hallen).
Badegewässerhygiene
Der Sommer 2018 war von einer besonderen Witterung, aber
auch Wetterextremen gekennzeichnet. Die lange sommerliche
Trockenperiode mit vielen Sonnenstunden lud nahezu unun-
terbrochen zum Baden ein. Nicht nur die Freibäder, auch die
Badestellen der Badeseen waren sehr gut frequentiert. Von vie-
len Badeseen wurden uns seitens der Gesundheitsämter Was-
sertemperaturen an den Badestellen von zeitweise ca. 28 °C
Abbildung 11: Regelmäßiges Lüften ist eine effektive Maßnahme zur Luftver-
besserung

22 │
gemeldet (Olbersdorfer See, Badesee Coswig-Kötitz, Filzteich).
An einigen dieser Badeseen werden die Besucherzahlen von
den Betreibern erfasst, hier zeigt sich auch im Vergleich zu den
Vorjahren eine durchweg sehr hohe Frequentierung der
Badege-
wässer im Berichtsjahr 2018 (Tabelle 3).
Tabelle 3: Besucherzahlen ausgewählter EU-Badegewässer
2018 und 2017
EU-Badegewässer
(Landkreis)
Besucherzahl 2018
Besucherzahl 2017
Filzteich (ERZ)
50.348
30.102
Greifenbachstauweiher
(ERZ)
72.410
37.918
Halbendorfer See (GR)
19.320
11.035
Speicher Niederwartha
(DD)
111.118
64.934
Stausee Oberwald (Z)
58.666
38.886
Diese Besucherzahlen sprechen für den hohen Stellenwert der
Badeseen als Naherholungsgebiete und unterstreichen die Not-
wendigkeit einer regelmäßigen Überwachung der hygienisch-
mikrobiologischen Badegewässerqualität.
In Sachsen sind aktuell 32 Badegewässer als EU-Badegewässer
registriert, davon werden derzeit 30 Talsperren bzw.
Tagebau-
restseen regelmäßig als EU-Badegewässer entsprechend der
EU-Richtlinie 2006/7/EG des Europäischen Parlaments über die
Qualität der Badegewässer und deren Bewirtschaftung bzw. de-
ren Entsprechung in der Sächsischen Badegewässer-Verordnung
(SächsBadegewVO) vom 15.04.2008 überwacht. Dies bedeutet,
dass ihre mikrobiologische Qualität regelmäßig und geplant
überwacht sowie langfristig statistisch ausgewertet wird. Zwei
EU-Badegewässer im Landkreis Bautzen wurden - wie bereits in
den Vorjahren auch - in der Saison 2018 aufgrund langfristiger
bergbaulicher Maßnahmen zur Stabilisierung der Uferbereiche
nicht in die Überwachung eingeschlossen. Der Überwachungs-
zeitraum der Badesaison erstreckt sich vom 15. Mai bis zum
15. September. Während der Saison werden die aktuellen Un-
tersuchungsergebnisse unter
https://www.gesunde.sachsen.de/
badegewaesser.php veröffentlicht. Die Qualitätseinstufung des
Berichtsjahres 2018 befindet sich im Tabellenteil des
Jahresbe-
richtes (LUA-Homepage, Tabelle 1.30). Im letzten Jahr zeichnet
sich für diese EU-Badegewässer im Freistaat Sachsen in
Aus-
wertung ihrer Untersuchungsergebnisse eine durchweg positive
Bilanz hinsichtlich der oben genannten mikrobiologischen In-
dikatorparameter Escherichia coli und Intestinale Enterokokken
ab. Allen 30 Gewässern konnte entsprechend den Vorgaben
der Badegewässerverordnung eine „ausgezeichnete“ mikrobio-
logische Qualität bestätigt werden. Eine Verschlechterung der
hygienisch-mikrobiologischen Wasserqualität im Zusammen-
hang mit den eingangs beschriebenen hohen Besucherzahlen,
der sommerlichen Hitzeperiode bzw. Trockenheit lässt sich für
keines dieser Gewässer nachweisen. Die zu erwartende Häufung
von Cyanobakterienblüten einschließlich den typischen Sicht-
tiefenbeanstandungen von deutlich unter einem Meter an den
Badestellen aufgrund der hohen Wassertemperaturen und der
hohen Sonneneinstrahlung blieb bei der Mehrzahl der EU-Ba-
degewässer ebenfalls aus. Auch hinsichtlich der Cyanobakteri-
enbelastung gab es im Vergleich mit den Vorjahren nicht mehr
Beanstandungen an den EU-Badegewässern. Für die Talsperre
Bautzen wurden vom Gesundheitsamt nur an zwei Tagen Ein-
schränkungen an der Badestelle durch Cyanobakterien gemel-
det. In diesem Zusammenhang ist aber auf eine für den Filzteich
untypische hohe Cyanobakteriendichte mit einer Sichttiefe
deutlich unter einem Meter am Ende der Saison 2018
hinzu-
weisen. Hier wurde sogar mit einem Warnhinweis seitens des
Gesundheitsamtes vom Baden abgeraten. Die hinsichtlich der
Cyanobakterienentwicklung insgesamt doch überwiegend un-
kritische Entwicklung hatte ihre Ursache in den ausbleibenden
Niederschlägen und den damit geringen Beeinflussungen der
Gewässer durch Nährstoffeinträge aus den Zuflüssen und
Ab-
schwemmungen. Bei verstärkten Nährstoffeinträgen infolge von
häufigeren Starkregenereignissen wäre eine deutliche stärkere
Cyanobakterienentwicklung wahrscheinlich gewesen.
Dennoch hinterließ dieser Sommer und insbesondere das starke
Niederschlagsdefizit und die damit verbundene lange
Trocken-
heit auch an den großen EU-Badegewässern des Freistaates
Sachsens deutliche Spuren. Vielfach waren damit Einschrän-
kungen im Badebetrieb bzw. bei der Strandnutzung verbunden.
Viele Badeseen dienen primär als Brauchwassertalsperre bzw.
bei Bedarf zur Niedrigwasseraufhöhung, sie sind in Zeiten des
Wassermangels Speicher. Der Speicher Borna wurde zur Nied-
rigwasseraufhöhung der Pleiße deutlich abgesenkt, auch an
den Talsperren Bautzen und Pöhl waren starke Absenkungen
des Wasserspiegels zu verzeichnen. Die Talsperre Pöhl hatte im
Herbst 2018 den niedrigsten Wasserstand seit 17 Jahren mit
mehr als 6 m unter dem Stauziel. Im Filzteich kam es nach
star-
kem Absinken des Wasserstandes zum Trockenfallen des Nicht-
schwimmerbereiches und zur Außerbetriebnahme des Sprung-
bereiches. Auch an den vielen Tagebaurestgewässern wurden
deutlich gesunkene Wasserstände registriert, am Olbersdorfer
See bei Zittau z. B. um ca. 1 m. Am Stausee Oberwald sank
der Wasserspiegel ebenfalls um fast einen Meter, wobei in den
Vorjahren immer nur Schwankungen um die 0,2 m im Sommer
verzeichnet wurden. Die lange Trockenphase von Februar bis
in den November 2018 wurde von lokal begrenzten und sehr
heftigen Unwettern im Mai (z. B. am 24.05.2018 im Vogtland
im Bereich der oberen Weißen Elster) unterbrochen, welche zu
Überschwemmungen führten. Hier kam es zu Beeinträchtigun-
gen an der Talsperre Pirk, welche im Einzugsgebiet der Weißen
Elster liegt. Angrenzende Einzugsgebiete waren nicht betroffen.
Langfristige Zerstörungen traten an der Badestelle der Talsperre
jedoch nicht auf. Bis zum Ablassen der Talsperre Pirk ab August
fand deshalb ein normaler Badebetrieb statt, ab August wurde
der Wasserspiegel in Vorbereitung von Reparaturarbeiten um ca.
9 m abgesenkt.
Zusätzlich zu diesen 30 großen Badeseen werden in Sachsen
noch etwa 128 kleinere Badestellen mit einer lediglich lokalen
Bedeutung im Sinne der gesundheitlichen Vorsorge und bei ei-
ner Nutzung durch Badegäste ebenfalls von den Gesundheits-
ämtern überwacht. Eine langfristige Probenplanung, eine statis-
tische Auswertung und gezielte Bewirtschaftung, wie sie für die
oben genannten EU-Badegewässer gefordert ist, erfolgt für die-
se kleinen Gewässer allerdings nicht. Insgesamt wurden damit
im Labor der LUA Sachsen während der letzten Badesaison 433
Proben aus Oberflächengewässern hinsichtlich ihrer hygienisch-
mikrobiologischen Badegewässerqualität überprüft, was in etwa
dem Probenaufkommen der letzten Jahre entspricht.

│23
Amtliche Lebensmitteluntersuchungen
Amtliche Futtermittelüberwachung
Übersicht über das Leistungsspektrum
In den Fachgebieten der beiden Abteilungen „Amtliche
Lebens-
mitteluntersuchungen“ der LUA Sachsen in Dresden und Chem-
nitz konnten auch 2018 wieder die in Abstimmung mit den
Lebensmittelüberwachungsämtern eingesandten Proben zielge-
richtet und risikobasiert untersucht und beurteilt werden. Dem
Probenplan entsprechend wurden insgesamt 21.146 Proben
(Lebensmittel einschl. Wein, kosmetische Mittel und Bedarfsge-
genstände) bearbeitet. Davon wurden 3.566 beanstandet. Dies
entspricht einer Beanstandungsquote von 16,9 %. Bei weiteren
1.521 Proben wurden Befundmitteilungen erstellt. Zumeist lag
hier der Verdacht auf Nichteinhaltung von Hygienevorschriften
vor, wobei die abschließende Bewertung durch die örtlichen Be-
hörden erfolgt.
Die detaillierte Auflistung der Beanstandungsgründe bezogen
auf die jeweiligen Warengruppen ist in den Tabellen 2.1 bis 2.7
(siehe LUA-Homepage) dargestellt.
Die Beanstandungsquote ist somit im Vergleich zum Vorjahr
nochmals angestiegen (2017: 16,0 %). In den Jahren 2014 lag
sie noch bei 12,2 %, 2015 bei 14,3 % und 2016 bei 14,9 %.
Wie in den vergangenen Jahren auch sind bei den Beanstan-
dungsquoten der einzelnen Warengruppen große Unterschiede
zu verzeichnen. Diese reichen von 1,1 % bei Eiern bis zu 73 %
bei Lebensmitteln für spezielle Verbrauchergruppen und diäte-
tische Lebensmittel.
Der Anstieg der Beanstandungsquote auf 16,9 % im letzten Jahr
führte dazu, dass sich die Anzahl an Warengruppen mit mehr
als 20 % beanstandeter Proben wiederum erhöhte. Insgesamt
wurden in 24 Warengruppen (Vorjahr: 20) derartig hohe
Quo-
ten erreicht (Abbildung 1). Unangefochten an der Spitze stehen
wie so oft in den vergangenen Jahren diätetische Lebensmit-
tel (73 %) und Nahrungsergänzungsmittel (56,1 %). Mit
deut-
lichem Abstand folgen Zusatzstoffe (39,4 %), Säuglings- und
Kleinkindernahrung (32,4 %), Speiseeis (31,9 %) sowie Fette
und Öle (31,7 %). Fette und Öle, Kaffee, Gewürze, Aromen und
Hilfsmittel sind hinzugekommen. Lediglich Fertiggerichte fielen
im Jahr 2018 wieder unter die 20 %-Marke. Über Gründe dieser
Entwicklung wird in den entsprechenden Abschnitten berichtet.
Der überwiegende Teil der Beanstandungen bei Lebensmitteln
und Kosmetika gründet sich auf irreführende oder nicht vor-
schriftsmäßige Kennzeichnung. Dies trifft vor allem auch für die
Warengruppen mit den höchsten Beanstandungszahlen zu. Wie
im Vorjahr stehen Verstöße gegen die Vorgaben der
Lebensmit-
telinformationsverordnung (LMIV) im Mittelpunkt, hinzu kom-
men unzulässige nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben
und insbesondere bei Nahrungsergänzungsmitteln irreführende
Wirkungsversprechen. Immer mehr in den Focus rücken dabei
auch Informationen, die über das Internet bereitgestellt wer-
den. Nicht zu vernachlässigen sind auch Verstöße gegen das
Zusatzstoffrecht in Form von fehlender Kenntlichmachung bzw.
unzulässiger Verwendung von Zusatzstoffen. Schließlich stellte
die fehlende oder fehlerhafte Angabe von Allergenen bei loser
Abgabe von Lebensmitteln einen weiteren Schwerpunkt bei den
Beanstandungen dar. Bei Bedarfsgegenständen mit Lebensmit-
tel- bzw. Körperkontakt waren neben stofflichen Mängeln
eben-
falls Kennzeichnungsmängel Hauptgründe für Beanstandungen.
Als gesundheitsschädlich wurden 51 Proben (49 Lebensmittel,
2 kosmetische Mittel) beurteilt. Dies entspricht 0,24 % aller
untersuchten Proben und liegt somit im Bereich der letzten
Jahre (jeweils 0,2 % - 0,3 %). Bei den Lebensmittelproben war
der Nachweis pathogener Keime die Hauptursache. Bei tieri-
schen Lebensmitteln waren vor allem Hackfleisch, Wurst und
Käse betroffen. Nachgewiesen wurden Listeria monocytogenes
(> 100 KbE/g) in Käse (2), Hackfleisch (3), Knackwurst (3),
Brüh-
wurst (1) und gegartem Entenfleisch (3); Salmonellen in
Hack-
fleisch (9) und Rohwurst (2) sowie VTEC in Rinderhackfleisch
(11), Wildknacker (2) und Rohmilchkäse (2). Erfreulich ist, dass
in verzehrfertigen nichttierischen Lebensmitteln im Berichts-
zeitraum keine krankmachenden Keime bzw. deren Toxine nach-
gewiesen werden konnten.
Hohe Gehalte an Aluminium in 1 Probe Matchatee, der Nach-
weis scharfkantiger Fremdkörper in 2 Proben, hohe Gehalte an
Patulin in 5 Proben Apfelsaft, hohe Gehalte Dithiocarbamaten in
1 Probe Kopfsalat sowie ein als „glutenfrei“ ausgelobtes Nudel-
gericht mit einem Gehalt von 3,5 g/kg Gluten führten ebenfalls
zur Beurteilung als gesundheitsschädlich.
Bei Kosmetika waren 1 Probe Shampoo aufgrund der mikrobio-
logischen Beschaffenheit und 1 Probe Tätowiermittel wegen ho-
her Gehalte an Nickel als gesundheitsschädlich zu beanstanden.
Als nicht zum Verzehr geeignet aufgrund von mikrobiologischer
Kontamination, vielfach kombiniert mit Verderbnis, wurden 152
Lebensmittelproben beurteilt. 42 weitere Proben mussten aus
anderen Gründen als Verzehr ungeeignet beurteilt werden. Dies
entspricht etwa 1 % aller untersuchten Proben.
Das Ergebnis der mikrobiologischen Untersuchung wies bei 271
Proben auf eine nachteilige Beeinflussung der einwandfreien
hygienischen Beschaffenheit des Lebensmittels durch Mikroor-
ganismen im Sinne von § 2 Abs. 1 Nr. 1 LMHV hin. In diesen
Fällen bestand der Verdacht, dass im Rahmen der Herstellung/
0,0 %
10,0 % 20,0 % 30,0 % 40,0 % 50,0 % 60,0 % 70,0 % 80,0 %
diätetische Lebensmittel
Nahrungsergänzungsmittel
Zusatzstoffe
Säuglingsnahrung
Speiseeis
Fette und Öle
Spielwaren
Tee, teeähnliche Erzeugnisse
Kaffee
Würzmittel
kosmetische Mittel
Aromen
alkoholfreie Getränke
Tabak, -erzeugnisse
Feine Backwaren
Spirituosen
BG zur Reinigung und Pflege
Hilfsmittel
weinähnliche Getränke
Süßwaren
Honig/Brotaufstriche
Wurstwaren
BG mit Körperkontakt
Gewürze
Abbildung 1:
Beanstandungsquoten für ausgewählte Warengruppen

24 │
Behandlung oder dem Inverkehrbringen die im Verkehr erforder-
liche Sorgfalt nicht beachtet wurde, was in Verbindung mit den
Ermittlungsergebnissen vor Ort durch die zuständige Behörde
zu klären ist.
An dieser Stelle soll und muss aber deutlich herausgestellt wer-
den: Die Sicherheit der Lebensmittel, Bedarfsgegenstände und
Kosmetika ist trotz des Anstiegs der Beanstandungen nicht ge-
sunken. Die weit überwiegende Zahl nicht rechtskonformer Pro-
ben weisen Mängel in der Kennzeichnung und Aufmachung auf;
die Verbraucher werden also nicht vollständig, fehlerhaft oder
irreführend über das Produkt informiert. Gesundheitliche Rele-
vanz hat dies in der Regel nicht. Ausgewählte Schwerpunkte der
Untersuchungstätigkeit werden in den folgenden Abschnitten
vorgestellt.
Um auch zukünftig die sich stetig steigernden Anforderungen
an die Untersuchungstätigkeit erfüllen zu können, ist eine mo-
derne und leistungsfähige apparative Ausstattung der Labora-
torien erforderlich. So wurde im Jahr 2018 der Gerätepark der
LUA Sachsen beispielsweise um ein GC-System für die
Pflan-
zenschutzmittelanalytik und ein LC-System für die Rückstands-
analytik von pharmakologisch wirksamen Stoffen erweitert. Auf
analytischem Gebiet sind im vergangenen Jahr eine Vielzahl
neuer Untersuchungsverfahren etabliert worden. Zu nennen
sind hier stellvertretend:
]
Erweiterung des Wirkstoffspektrums in der PSM-Analytik
und der Analytik vom PWS
]
Erweiterung des Tier- und Pflanzenarten- sowie des
Aller-
gennachweises mittels PCR
]
Erweiterung des Einsatzbereiches des MALDI-TOF zur
Identi-
fizierung von Mikroorganismen
Die Abteilungen der amtlichen Lebensmitteluntersuchung be-
teiligten sich auch im Jahr 2018 an Bundes- und
Landesüberwa-
chungsprogrammen. So wurden im Rahmen des Bundesweiten
Überwachungsplanes (BÜp) nahezu 100 Proben, im Rahmen des
Monitorings einschließlich des Projektmonitorings etwa 450
Proben und im Rahmen des Zoonosemonitorings etwa 175 Le-
bensmittelproben untersucht.
Landesweite Überwachungsprogramme (LÜP) fanden unter an-
derem zu den Themen „Dimethoat und weitere PSM in säch-
sischem Landwein“, „Hygienepraxis beim Betrieb von Geträn-
keschankanlagen für Bier“, „Kontrolle von Lebensmitteln auf
Dioxine, Furane und dl-PCB“, „Kontrolle pflanzlicher
Lebensmit-
tel auf PSM-Rückstände“ sowie „Überwachung von Fipronil und
anderen Akariziden/Bioziden in verarbeiteten Eierzeugnissen
und Geflügelfleisch“ statt. Weitere Untersuchungsschwerpunkte
im Rahmen von Überwachungsprogrammen waren die Allergen-
kennzeichnung bei Lebensmitteln, Kontrollen auf gentechnisch
veränderte Organismen, die Untersuchung loser Wasserproben,
Gehalte an PAK und Mykotoxinen in Lebensmitteln. Weiterge-
führt wurde das LÜP zur Kontrolle der Guten Herstellungspraxis
und rechtskonformen Fertigung von
Lebensmittelkontaktmate-
rialien im Rahmen von Betriebskontrollen.
Für spezielle Untersuchungen wird weiterhin die
Zusammenar-
beit mit den Untersuchungseinrichtungen in Thüringen und in
Sachsen-Anhalt im Rahmen der mitteldeutschen Kooperation
genutzt. Vor allem im Bereich der pharmakologisch wirksamen
Stoffe mit ihrem breiten Wirkstoffspektrum ist diese Zusam-
menarbeit von eminenter Bedeutung. Aber auch beim Nachweis
von Pflanzenschutzmitteln, Lebensmittelallergenen sowie
gen-
technisch veränderten Organismen, bei der Untersuchung von
kosmetischen Mitteln und Bedarfsgegenständen sowie beim
Bestrahlungs- und Tierartennachweis findet eine intensive
Zu-
sammenarbeit statt, wobei die Einarbeitung und Durchführung
von aufwendigen Analysenmethoden in den Arbeitsgruppen
zwischen den drei Bundesländern abgestimmt wird.
Mit erheblichem zeitlichem und personellem Aufwand wurden
im Berichtszeitraum erneut sachverständige Stellungnahmen zu
vielfältigen Fragestellungen für das Sächsische
Staatsministe-
rium für Soziales und Verbraucherschutz erarbeitet. Dies betraf
sowohl Kommentierungen von Gesetzesentwürfen als auch Ant-
worten auf Fachfragen und Anfragen von
Landtagsabgeordne-
ten sowie die Lieferung von diversen Untersuchungsdaten.
Das Personal der LUA Sachsen betätigte sich wiederum mit
einem nicht unbeträchtlichen Zeitanteil an der Ausbildung
von Lebensmittelchemikern im Rahmen des dritten Prüfungs-
abschnittes, an der Ausbildung von Chemielaboranten, an der
Weiterbildung von Tierärzten und an der Durchführung ver-
schiedenster Praktika. So schlossen 10 Praktikanten der
Lebens-
mittelchemie das praktische Jahr mit der Zweiten Staatsprüfung
zum(r) „Staatlich geprüften Lebensmittelchemiker(in)“ ab. Im
Oktober nahmen 10 neue Praktikanten diese Ausbildung auf,
wobei ein dreimonatiges Betriebspraktikum in die Ausbildung
integriert wurde.
Nicht zuletzt ist auf die engagierte Mitarbeit der Sachverstän-
digen in zentralen Gremien und Arbeitsgruppen zu verweisen.
Mit dieser Tätigkeit ist zum einen immer eine positive Außen-
wirkung der Landesuntersuchungsanstalt verbunden. Zum an-
deren leistet diese Tätigkeit einen unverzichtbaren Beitrag zur
notwendigen fachlichen Weiterbildung. Wissenschaftlicher Er-
fahrungsaustausch in diesen Gruppen und intensive
Fachdiskus-
sionen mit Kollegen aus anderen Bundesländern haben einen
unschätzbaren Wert für die tägliche Arbeit und sind nicht zu
ersetzen. Eine entsprechende Übersicht ist im Abschnitt
Öffent-
lichkeitsarbeit im Tabellenteil (siehe LUA-Homepage) enthalten.

│25
Die Untersuchung von Lebensmitteln auf pathogene Keime so-
wie Hygieneindikatoren mittels klassisch mikrobiologischer und
molekularbiologischer Methoden bleibt im Hinblick auf den ge-
sundheitlichen Verbraucherschutz weiterhin ein unabdingbares
Instrument der amtlichen Lebensmitteluntersuchung. Auch in
Zeiten globaler Handelswege und neuer Ernährungstrends und
–gewohnheiten ist die mikrobiologische Sicherheit zu gewähr-
leisten, um genusstaugliche und gesundheitlich unbedenkliche
Lebensmittel zu erzeugen. Neben Bakterien, Pilzen und Parasiten
sind es vor allem Viren, die lebensmittelassoziierte Erkrankun-
gen hervorrufen und dabei insbesondere Gruppenerkrankungen
in Gemeinschaftsverpflegungen bedingen. Neben den vom Tier
stammenden Lebensmitteln haben Nahrungsmittel pflanzlichen
Ursprungs ihren festen Platz in der Routineuntersuchung und
auch in Programmen auf verschiedenen Ebenen (EU-, Bundes-,
Landesebene) inne. Insbesondere rohe, pflanzliche Lebensmittel,
wie Beerenfrüchte, vorgeschnittenes und abgepacktes Obst, Ge-
müse und Salate oder auch thermisch unbehandelte Smoothies
bergen mikrobiologische Risiken in sich.
Der folgende Überblick gibt Aufschluss zu den in 2018 erzielten
mikrobiologischen Untersuchungsergebnissen. Eine detaillierte
Darstellung ist im Tabellenteil (siehe LUA-Homepage) zu finden.
Campylobacter
sind gramnegative, bewegliche Bakterien, wel-
che Durchfallerkrankungen auslösen können. Als Spätfolgen
sind auch Arthritiden sowie Autoimmunerkrankungen (Guil-
len-Barre`-Syndrom) bekannt. Aufgrund sehr anspruchsvoller
Wachstumsbedingungen vermehren sie sich nicht im Lebens-
mittel, allerdings liegt die Infektionsdosis auch nur bei etwa
100 KbE/g. Von 483 Untersuchungen auf Campylobacter an der
LUA Sachsen im Jahre 2018 entfielen 368 (und somit gut 75 %)
auf rohes Geflügelfleisch und Zubereitungen daraus. Die
Nach-
weisrate war in diesen Produktgruppen mit etwa 40 % wie in
den Jahren zuvor sehr hoch. Weitere Nachweise gelangen ledig-
lich in 3 Proben Rohmilch.
Salmonellen
gehören trotz stark zurückgegangener Fallzahlen
immer noch zu den häufigsten Ursachen bakteriell bedingter
Lebensmittelinfektionen. Zwei Ursachen dafür bilden vielfälti-
ge Infektketten sowie eine ausgeprägte Umweltpersistenz. In
2018 wurden an der LUA Sachsen etwa 10.000 Untersuchungen
auf Salmonellen durchgeführt. In 55 Proben gelangen Salmo-
nellennachweise, wovon 11 als gesundheitsschädlich beurteilt
werden mussten. Von den als gesundheitsschädlich eingestuften
Lebensmitteln stellt Hackepeter (8x) die am häufigsten
betrof-
fene Matrix dar. Wiederholt war das mit Abstand am
häufigs-
ten isolierte Salmonella-Serovar
S. Typhimurium
, gefolgt von
S.
Infantis
.
Listeria monocytogenes
ist ein grampositives, anspruchsloses,
fakultativ anaerob wachsendes Stäbchenbakterium und ubiqui-
tär in der Umwelt verbreitet. Listerien werden häufig als
Hygi-
eneindikatoren in allen Bereichen der Lebensmittelherstellung
herangezogen. Sie haben jedoch als pathogene Erreger
eben-
falls große Bedeutung und können insbesondere bei Risiko-
gruppen schwerwiegende Krankheitsbilder (unter anderem Me-
ningoencephalitis und Septikämien) hervorrufen. Die minimale
Infektionsdosis für empfindliche Verbrauchergruppen liegt bei
sehr niedrigen 100 KbE/g und die Mortalitätsrate kann hier sogar
50 % erreichen. Im Jahre 2018 wurden 2.365
Lebensmittelpro-
ben quantitativ auf
L. monocytogenes
untersucht. In 14 Proben
(0,6 %) wurde eine Keimzahl von >100 KbE/g festgestellt.
Hier-
unter fielen Hackepeter, Rohwürste, gegartes Entenfleisch, Käse
und eine Brühwurst. Da diese Erzeugnisse verzehrfertig sind,
mussten diese Proben als gesundheitsschädlich beurteilt wer-
den. Des Weiteren wurde in 7.038 Lebensmittelproben auf die
An- bzw. Abwesenheit von
L. monocytogenes
untersucht. Dabei
konnte in 455 Fällen (6,5 %) ein positiver Nachweis erbracht
werden. Betroffen waren insbesondere Fleisch,
Fleischzuberei-
tungen und Wurstwaren sowie Fisch und Fischerzeugnisse. Die
höchsten Nachweisraten waren mit 13,6 % bei
Fleischzuberei-
tungen zu verzeichnen.
Yersinia enterocolitica
ist ein gramnegatives Stäbchenbak-
terium, welches sein natürliches Reservoire in den Mandeln
und Darmlymphknoten des Schweins besitzt. Neben wässrigen
Durchfällen mit kolikartigen Bauchschmerzen treten häufig
Spätfolgen, wie z. B. persistierende Ileitis (Pseudocrohn) oder
Erythema nodosum, auf. Aufgrund ihrer bevorzugten Lokalisa-
tion im Schwein ist der Hygiene während des Schlachtvorgangs
besondere Aufmerksamkeit zu schenken. In 2018 wurden an der
LUA Sachsen insgesamt 625 Untersuchungen, vorrangig Hacke-
peter, auf humanpathogene
Y. enterocolitica
durchgeführt. In
insgesamt 47 Proben (7,5 %) Hackepeter wurde ein positiver
Nachweis erbracht.
Verotoxin-bildende E. coli (VTEC)
sind gramnegative, fakulta-
tiv anaerobe Stäbchenbakterien, welche schon bei geringen In-
fektionsdosen (100 KbE/g) Erkrankungen auslösen können. Auf
VTEC wurden insgesamt 483 Lebensmittelproben untersucht.
Davon waren 24 Proben VTEC positiv, wovon wiederum 14 Pro-
ben als gesundheitsschädlich beurteilt wurden. Dabei handelte
es sich in erster Linie um zum Rohverzehr bestimmtes Rinder-
hackfleisch sowie Knackwürste und Rohmilchkäse. Des Weiteren
ist festzustellen, dass Wildfleisch häufig mit VTEC kontaminiert
ist.
Noroviren im Lebensmittelbereich
Noroviren gehören zur Familie der Caliciviridae und sind
unbe-
hüllte Einzelstrang-RNA-Viren. Sie stellen eine häufige Ursache
für Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland dar. Die Inkuba-
tionszeit (6 bis 50 Stunden) sowie die Erkrankungsdauer (12 bis
48 Stunden) sind im Vergleich zu anderen Infektionskrankheiten
bei einer Norovirusinfektion kurz. Über schwallartiges Erbrechen
und heftige Durchfälle werden infektiöse Viruspartikel in sehr
hohen Titern (105 – 1.011 Viruspartikel/g Stuhl)
ausgeschie-
den, teilweise auch noch zwei Wochen und länger nach dem
Abklingen von Symptomen. Eine Infektion kann bereits mit der
Aufnahme von 10 bis 100 Viruspartikeln geschehen und erfolgt
über Kontakt- und Schmierinfektionen oder durch das Einatmen
von Aerosolen. Auch die indirekte Übertragung über kontami-
nierte Lebensmittel ist möglich, wenn diese zuvor mit mensch-
lichen Ausscheidungen in Kontakt gekommen sind, z. B. über
verschmutzte Oberflächen, Hände oder kontaminierte Abwässer.
In der Umwelt sowie auf oder in Lebensmitteln können die Er-
reger über mehrere Wochen, im tiefgefrorenen Zustand sogar
über Jahre infektiös bleiben. Das Virus wird bei 80 °C innerhalb
weniger Sekunden inaktiviert. Eine Vermehrung von Noroviren
findet allerdings nur im menschlichen Organismus statt.
Erkran-
kungsgeschehen mit zahlreichen Betroffenen sind häufig und
Lebensmittelmikrobiologie und Lebensmittelhygiene

26 │
treten insbesondere in Gemeinschaftsverpflegungen wie
Schu-
len, Kindertagesstätten und Seniorenheimen vor allem in den
Wintermonaten gehäuft auf.
Im Lebensmittelbereich wurden insbesondere zusammengesetz-
te Nahrungsmittel und Buffetspeisen, Muscheln und Krusten-
tiere, Beerenfrüchte und Salate oder andere Gemüse als Ve-
hikel identifiziert. Humane Noroviren besitzen keinen eigenen
Stoffwechsel und können nicht im Labor angezüchtet werden.
Die Untersuchung erfolgt über den Nachweis eines spezifischen
Genabschnittes der Erreger mittels real-time RT-PCR (Reverse-
Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion). Das Verfahren eig-
net sich für den Nachweis von Norovirus-RNA in Lebensmitteln
und Tupferproben aus Umgebungsuntersuchungen, welche ein
wichtiges Instrument zum Nachweis von Kontaminationen der
Umgebung und zur Erfolgskontrolle von Reinigung und Desin-
fektion darstellen.
An der LUA Sachsen erfolgte 2018 die Untersuchung von 94
Tupfereinsendungen mit 792 Einzeltupfern auf Noroviren. Es
handelte sich dabei überwiegend um Verdachtsproben, welche
im Rahmen von Erkrankungsgeschehen in Gemeinschaftsein-
richtungen entnommen worden sind. Die Umgebungsuntersu-
chungen enthielten meistens 5 bis 10 Einzeltupfer. In 31 (33 %)
Tupfereinsendungen konnten Noroviren in mindestens einem
Tupfer nachgewiesen werden. Insgesamt waren 93 Einzeltupfer
positiv.
Auch wenn die Probenahmestellen je nach Situation variierten,
erfolgten Nachweise an manchen Oberflächen auffällig häufig.
Servierwagen (14 Fälle), Türgriffe (21 Fälle) und
Handwaschbe-
cken (9 Fälle) wurden oft beprobt und waren in vielen Fällen
betroffen. Noroviren konnten sowohl in Küchenbereichen (Ar-
beitsplatten, Kühlschränke, Lichtschalter, Schranktüren, Wasch-
becken, Handtücher), Verpflegungsräumen (Stühle, Tische,
Warmhaltebecken), aber auch auf Personaltoiletten (Waschbe-
cken, Toiletten, Lichtschalter, Türklinken) nachgewiesen werden,
in einem Fall sogar an einem Desinfektionsmittelspender.
Es wurden zudem insgesamt 99 Lebensmittelproben – ebenfalls
fast ausschließlich im Rahmen von Erkrankungsgeschehen - auf
Noroviren untersucht. Meist gingen im Labor die tiefgefrore-
nen Rückstellproben von zubereiteten Speisen ein, welche im
Erkrankungszeitraum angeboten worden sind. In keiner dieser
Proben konnte das Virus nachgewiesen werden. Es ist somit da-
von auszugehen, dass die meisten der Erkrankungsgeschehen in
den Gemeinschaftseinrichtungen nicht über Lebensmittel über-
tragen werden, sondern der direkte Mensch-zu-Mensch-Kon-
takt oder Schmierinfektionen über kontaminierte Umgebungs-
oberflächen die wichtigsten Infektionsursachen darstellen.
Sind Personen an Noroviren erkrankt, ist die Erregerübertragung
auf andere Personen und deren Umgebung nach Möglichkeit
zu vermeiden. Dies stellt aufgrund der massenhaften Ausschei-
dung, der geringen Infektionsdosis und der hohen Umweltstabi-
lität des Virus eine Herausforderung dar. Neben den unbedingt
einzuhaltenden Tätigkeits- und Beschäftigungsverboten für er-
krankte Personen nach § 42 Infektionsschutzgesetz (IfSG) und
dem Besuchsverbot für Kinder unter 6 Jahren in Gemeinschafts-
einrichtungen nach § 34 Abs. 1 IfSG kann mittels betriebseige-
nem Hygieneplan - siehe hierfür den Norovirus-Gastroenteritis
Ratgeber des Robert-Koch-Institutes (RKI) [1] - und geeigneten
Desinfektionsmaßnahmen das Risiko für eine Erregerausbrei-
tung gemindert werden.
Die Untersuchungsergebnisse der LUA Sachsen zeigen immer
wieder, dass Hygienemaßnahmen vor Ort erfolglos waren, da
an den gleichen Stellen weiterhin Noroviren nachgewiesen
werden konnten. Noroviren zeichnen sich durch eine Resistenz
gegenüber zahlreichen chemischen Desinfektionsmitteln aus.
Eine Übersicht über die Wirksamkeiten einzelner Mittel befindet
sich in der Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und
anerkannten Desinfektionsmittel und –verfahren [2]. Die An-
wendung dieser Liste ist bei behördlichen Anordnungen durch
die Gesundheitsämter nach § 18 IfSG vorgeschrieben und
bie-
tet auch den Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäräm-
tern eine gute Orientierung. Die Desinfektionsmittelliste der
Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) für den
Lebensmittelbereich enthält für Bereiche mit hoher Belastung
keine viruziden Wirkstoffe und ist daher bei Erkrankungsaus-
brüchen mit Noroviren wenig hilfreich [3]. Wo keine behördli-
chen Anordnungen nach § 18 IfSG bestehen, sei an dieser Stelle
nur darauf hingewiesen, dass die in der Liste des RKI geführte
Substanz Chloramin-T in wässriger Lösung ebenso wirkt wie
Natriumhypochlorit, welches als Drogerieartikel über den Ein-
zelhandel bezogen werden kann. Die Leitlinien des international
anerkannten Codex Alimentarius betonen die Wirksamkeit von
Hypochlorit-Lösungen zur Inaktivierung von Viren und weisen
darauf hin, dass Oberflächen mit Lebensmittelkontakt vor der
Weiterverwendung gründlich mit sauberem Wasser gespült
werden müssen [4].
Quellen:
[1] RKI;
Norovirus-Gastroenteritis
RKI-Ratgeber;
Stand
08.02.2019;
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Epid-
Bull/Merkblaetter/Ratgeber_Noroviren.html; Zugang am
14.03.2019
[2] RKI; Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und
an-
erkannten Desinfektionsmittel und –verfahren; 17. Ausgabe
2017;
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaus-
hygiene/Desinfektionsmittel/Downloads/BGBl_60_2017_
Desinfektionsmittelliste.pdf?__blob=publicationFile,
Zu-
gang am 13.03.2019
[3] DVG; DVG-Desinfektionsmittelliste für den
Lebensmittelbe-
reich;
http://www.desinfektion-dvg.de/index.php?id=2034;
Zugang am 14.03.2019
[4] FAO; Guidelines on the application of general principles of
food hygiene to the control of viruses in food;
www.fao.org/
input/download/standards/13215/CXG_079e.pdf;
Zugang
am 15.03.2019
Molekularbiologische Untersuchung von Lebensmitteln
Das molekularbiologische Untersuchungsspektrum umfasst ver-
schiedene Methoden zum Nachweis von Allergenen, gentech-
nisch veränderten Organismen (GVO) und zur Pflanzen- und
Tierartdifferenzierung sowie von pathogenen Mikroorganismen
(Viren, Bakterien) in Lebensmitteln.
Die Anzahl in der EU zugelassener klassischer GVO ist auf über
150 gestiegen. Für die effiziente klassische GVO-Analytik
wer-
den die Proben in der LUA Sachsen zunächst auf genetische
Veränderungen (Elemente) untersucht (Screening), welche in
einer Vielzahl genetisch veränderter Organismen vorkommen
(z. B. der Blumenkohlmosaikviruspromotor P35S). Anschließend
werden positive Funde mit spezifischeren Verfahren (konstrukt-
oder eventspezifisch) näher charakterisiert mit dem Ziel, das
enthaltene Event nachzuweisen und zu bestimmen. Die Detek-

│27
tionswahrscheinlichkeit wurde durch zusätzliche Untersuchung
auf sogenannte im klassischen Screening negative Events (z. B.
gv-Mais MON87403) mit event-spezifischen Methoden erhöht.
Dafür wurden 4 neue Screeningverfahren und 3 neue eventspe-
zifische Methoden zum Nachweis von gentechnisch
veränder-
tem Mais eingeführt.
Von 182 untersuchten Proben wurden nur in 14 Proben Spuren
zugelassener GVO in Mengen unter 0,1 % nachgewiesen (z. B.
gv-Soja GTS-40-3-2, gv-Soja MON89788, gv-Soja MON87701).
Auffällig war eine Probe Reismehlmischung, in welcher Spu-
ren der zugelassenen gentechnisch veränderten Maislinie Bt11
gefunden wurden. Zur Klärung der Frage, ob es sich noch um
eine zufällige oder technisch nicht vermeidbare Kontamination
des Erzeugnisses mit gentechnisch verändertem Mais während
der Herstellung der vorliegenden Probe oder des Transportes der
verwendeten Ausgangsstoffe handelt, wurde eine Kontrolle im
Herstellerbetrieb empfohlen.
Der Europäische Gerichtshof hat mit dem Urteil vom 25.07.2018
festgestellt, dass auch die mit den neuen Mutageneseverfahren
hergestellten Mutanten gentechnisch veränderte Organismen
sind.
Für diese fehlen derzeit noch Sequenzinformationen,
Prüfver-
fahren und Referenzmaterialien.
Das Urteil erfordert die Entwicklung und Validierung von Nach-
weisverfahren für die mit den neuen Mutageneseverfahren her-
gestellten GVO - zunächst für die Anbau-relevanten Pflanzen
(zum Beispiel Raps der Firma CIBUS, Soja der Firma
Calyxt
).
Im Rahmen der Überprüfung der Allergenkennzeichnung von
Lebensmitteln wurden 497 Proben mit molekularbiologischen
und immunchemischen Methoden auf die allergenen Zutaten
Gluten/Weizen, Ei, Erdnuss, Soja, Milch, Schalenfrüchte, Sellerie,
Senf, Sesam, Lupine, Krustentiere und Fisch geprüft. In 155
Pro-
ben wurden Allergene gemäß LMIV Anhang II nachgewiesen, die
nicht entsprechend gekennzeichnet waren. Die Beanstandungen
betrafen überwiegend als lose Ware in Verkehr gebrachte Pro-
ben.
285 Proben wurden molekularbiologisch auf enthaltene Tierarten
untersucht, davon 15 Proben für das Sonderprogramm Corned
Beef. Für die Tierartendifferenzierung wurden neue spezifische
real-time PCR-Verfahren für die Tierarten Hase und Kaninchen
eingeführt. Beanstandungen betrafen in diesem Bereich nicht
oder falsch deklarierte Tierarten in Döner, Hackfleisch, Schinken,
Wildleberpastete, Schafskäse. Mehrfach wurde die untypische
Verwendung von Schweinefleisch z. B. in Döner, Gulasch,
Beef-
steak, Steak, Rinderbockwurst, Pferdeboulette, Lamm-/Rinds-/
Reh-Knacker oder Ragout Fin festgestellt.
Für die Identifizierung von Fischarten und weiteren Tierarten
durch PCR und Sequenzierung wurde die Zusammenarbeit mit
dem Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz im Rahmen
der Länderkooperation fortgesetzt.
Von 37 untersuchten Fischproben – davon 19 Proben Thunfisch
im Rahmen des Sonder-Überwachungsprogrammes OPSON VII -
waren mit Ausnahme einer als Heilbutt bezeichneten Probe, bei
der es sich um die Fischart Schwarzer Heilbutt handelte, nicht
zu beanstanden.
Chemische Untersuchung tierischer Lebensmittel
Im Jahr 2018 erfolgte bei 1.100 tierischen Lebensmitteln eine
chemische Untersuchung auf Inhalts- und Zusatzstoffe. Bei 290
Proben (26,4 %) erfolgte eine Beanstandung bzw. eine
Befund-
mitteilung (siehe LUA-Homepage, Tabelle 2.37).
Die meisten Beanstandungen bei der chemischen Untersuchung
tierischer Lebensmittel wurden auch 2018 wegen nicht korrekter
Bezeichnungen oder fehlender Ergänzungen in der Bezeichnung,
nicht korrekter Kennzeichnung allgemein bzw. Abweichungen
zur Nährwertkennzeichnung oder wegen fehlender oder nicht
Maßgaben konformer Kenntlichmachung von Zusätzen, Zusatz-
stoffen bzw. Allergenen ausgesprochen.
Wie in den Vorjahren erfolgte ein Großteil der Beanstandungen
bei
Fleisch- und Wursterzeugnissen
. Zu den oben genannten
Beanstandungsschwerpunkten stimmten hier zusätzlich Anga-
ben im Zutatenverzeichnis oder die mengenmäßigen Angaben
von Zutaten nicht mit den Analysenergebnissen überein. Auf-
fällig war erneut die mitunter fehlende Aufführung von mit-
verarbeitetem Bindegewebe, Wasser oder Speck im Zutaten-
verzeichnis bzw. die fehlende bzw. nicht in der Reihenfolge
korrekte Aufführung von Zutaten im Zutatenverzeichnis. Dazu
kamen Beanstandungen wegen fehlender Kenntlichmachung
von Zusätzen wie z. B. Wasser, Stärke oder Pflanzenöl in
Verbin-
dung mit der Bezeichnung und nicht korrekter oder unvollstän-
diger Bezeichnungen bei Würsten aus verschiedenen Tierarten.
Weitere Beanstandungsgründe waren erhöhte Verhältnisse von
Wasser:Eiweiß bzw. Fett:Eiweiß, zu geringe Gehalte an BEFFE
und BEFFEF in Würsten und zu hohe Wassergehalte in rohen
Schinken. Die fehlende Kenntlichmachung von Zusatzstoffen
war wie in den Vorjahren ein weiterer
Beanstandungsschwer-
punkt.
Beanstandungen bei
Fisch und Fischerzeugnissen
waren eben-
falls überwiegend nicht korrekte Kennzeichnungen, nicht zu-
treffende Nährwertangaben und fehlende Kenntlichmachungen
von Zusatzstoffen. Der im Berichtsjahr liegende
Untersuchungs-
schwerpunkt auf nicht deklarierte Wasserzusätze bei
Fischerei-
erzeugnissen wird im folgenden Beitrag ausführlich beschrieben.
Der überwiegende Teil der Beanstandungen bei
Milch, Milcher-
zeugnissen und Käse
erfolgte wie in den Vorjahren im
Zusam-
menhang mit der Kennzeichnung allgemein bzw. den speziellen
Kennzeichnungsvorschriften nach Käse-VO oder Milcherzeug-
nisse-VO bzw. der Nährwertkennzeichnung, wie z. B. Beanstan-
dungen im Zusammenhang mit Fettgehaltsbestimmungen in der
Trockenmasse, dem Wassergehalt in der fettfreien Käsemasse
und der Nichteinhaltung von Mindestgehalten bei Standarder-
zeugnissen.
Nicht gekennzeichneter Wasserzusatz bei Fischereier-
zeugnissen
Die Verfälschung von Lebensmitteln ist vermutlich so alt wie
die Geschichte der menschlichen Hochkulturen. Die Zugabe von
Wasser zu verschiedensten Lebensmitteln mit dem Ziel, das Ge-
wicht und somit den Verkaufspreis zu erhöhen, ist dabei alt-
hergebracht. Es existieren heute Methoden, um Wasserzusätze
auch in Fisch und Fleisch einzubringen. Mangels Kenntnis über
deren natürliche Zusammensetzung konnte ein Wasserzusatz
bei Fischereierzeugnissen in der Vergangenheit analytisch kaum
nachgewiesen werden. Verschiedene Arbeitsgruppen haben sich
mit der Thematik beschäftigt und die Zusammensetzung unbe-
handelter Fischereierzeugnisse für einige Fisch- und
Garnelen-
arten beschrieben [1, 2, 3].

image
image
image
28 │
Die Komplexität des modernen Lebensmittelrechts lässt es zu,
dass der Zusatz von Wasser zu Lebensmitteln grundsätzlich
zulässig ist, solange die kennzeichnungsrechtlichen Regularien
erfüllt sind, sprich, auf dem Etikett die Identität und die Zu-
sammensetzung des Lebensmittels korrekt wiedergeben werden.
Dies führt dazu, dass insbesondere im Lebensmittelgroßhandel
und in Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung
Fischerei-
erzeugnisse im Verkehr sind, auf deren Etiketten vom Hersteller
auf einen Wasserzusatz hingewiesen wird (Abbildung 2). Es ist
in diesen Fällen allerdings auch erforderlich, dass diese
Informa-
tion dem Endverbraucher vor dem Kaufabschluss zur Verfügung
steht.
Eine mögliche Kennzeichnung in der Speisekarte, auf dem Wa-
renschild oder dem Etikett könnte dann beispielhaft lauten
„Pangasiusfilet mit Wasserzusatz“ oder „Erzeugnis aus
Panga-
siusfilet und Wasser“. Derart bezeichnete Speisen sucht man in
der Gastronomie jedoch vergeblich. Informationen zur
Beschaf-
fenheit kommen somit auf Verbraucherebene nicht an.
Im Jahr 2018 wurden unverarbeitete Fischfilets und
Garnelen-
schwänze (roh, geschält, entdarmt, glasiert, tiefgefroren) aus
dem Lebensmitteleinzelhandel, bei denen Wasserzusätze nicht
gekennzeichnet waren, schwerpunktmäßig auf Zusatz von Was-
ser untersucht. Die Pangasiusfilets stammten ausnahmslos aus
Aquakultur in Vietnam, während es sich bei Kabeljau und
Alas-
ka-Seelachs um Wildfänge handelte. Die untersuchten Garnelen
stammten teils aus Aquakultur und teils aus Wildfängen.
Die Ergebnisse der Untersuchungen sind in Tabelle 1 aufgeführt.
Tabelle 1: Ergebnisse der Untersuchung auf Wasserzusatz
von als unbehandelt gekennzeichneten Fischerei-
erzeugnissen
Art des Le-
bensmittels
Wasserzu-
satz nachge-
wiesen
Verdacht auf
Wasserzu-
satz
kein Ver-
dacht auf
Wasserzu-
satz
Gesamt
Pangasius
8
4
1
13
Kabeljau
1
5
7
13
Alaska-
Seelachs
0
1
6
7
Garnelen
10
1
3
14
Gesamt
19 (40 %)
11 (23 %)
17 (36 %)
47 (100 %)
In insgesamt 19 von 47 untersuchten Proben konnte ein nicht
deklarierter Wasserzusatz festgestellt werden. Weitere 11 Pro-
ben waren zwar auffällig, konnten jedoch nicht eindeutig
zuge-
ordnet werden. Lediglich 17 Proben waren unverdächtig. Auffäl-
lig waren insbesondere Pangasiusfilets und Garnelenschwänze.
Die lebensmittelchemisch ermittelten Wasserzusätze betrugen
dabei regelmäßig sogar mehr als 20 % des Nettogewichtes.
Derart hohe Wasserzusätze führen zu sensorisch wahrnehm-
baren Veränderungen am Produkt. Bei den Prüfungen fielen
Garnelenschwänze beim Garen immer wieder durch eine starke
Wasserlässigkeit in Verbindung mit deutlichem Größenschwund
auf. Nicht selten traten dabei auch schaumige Proteinausfällun-
gen auf (Abbildung 3).
Unter den Fischfilets zeigte Pangasius nicht nur
lebensmittel-
chemisch, sondern auch sensorisch fast immer Auffälligkeiten.
Abweichungen stellten sich vordergründig als betont wabbelige
Konsistenz – insbesondere im gegarten Zustand – dar. Zudem
trat nach dem Erhitzen häufig eine Verklebung der
typischer-
weise leicht in ihre Segmente zerteilbaren Fischmuskelstruktur
auf, so dass nur noch eine kompakte und strukturlose Masse
vorlag (Abbildung 4).
Die Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig die Schaffung wis-
senschaftlicher Grundlagen der natürlichen Zusammensetzung
von Fischereierzeugnissen ist, damit die Verfälschung von
Le-
bensmitteln wirksam aufgedeckt werden kann. Die Rolle der Le-
bensmittelüberwachung kann an dieser Stelle gar nicht genug
betont werden, um dem aufgedeckten Missstand wirksam ent-
gegen zu treten. Wem nützt es, wenn dem Verbraucher reiner
Wein eingeschenkt wird, das Wasser aber im Fisch versteckt ist?
Quellen:
[1] Denker, M; Becker, P; Heinke, V.; Schütz, F.; Feldhusen, F.
Wasser-Eiweißgehalte von Kabeljau, Steinbutt und Flunder
aus der Ostsee. Lebensmittelchemie 2017; 71: 37-38
[2] Neuhaus H.; Denker, M.; Holthuis, D.; Feldhusen, F.; Bartelt
E. Zusammensetzung der Muskulatur unbehandelter Pan-
gasien (Pangasianodon hypothalamus) und Zander (Sander
lucioperca). J. Verbr. Lebensm. 2016; 11: 311–316
[3] Miller, A.; Kauer, T.; Barthel, J.; Demmel, A.; Habernegg, R.;
Scherb-Forster, J.; Wobst C. Untersuchung glasierter
Fi-
schereierzeugnisse auf zugesetztes Wasser: Entfernen des
Glasurwassers. Lebensmittelchemie 2018, 72: 52-56
Abbildung 2:
Pangasiusfilets mit deklariertem Wasserzusatz aus dem
Lebensmittel-Großhandel
Abbildung 3:
Garnelenschwanz mit Wasserzusatz. Die Struktur erscheint
betont glasig. Es sind im Garnelenfleisch eingeschlossene
Luft-
bläschen erkennbar.
Abbildung 4:
Pangasiusfilet mit Wasserzusatz nach dem Garen.
Schaumbläs-
chenbildung. Die Masse wirkt kompakt und wie geschmolzen.

image
image
image
│29
Im Berichtszeitraum wurden von 3.888 eingereichten
Lebens-
mittelproben 855 Proben beanstandet. Die
Beanstandungsquo-
te stieg im Berichtszeitraum auf 22,0 % (2016: 15,8 %, 2017:
20,4 %) erneut an.
Spitzenreiter mit einer Beanstandungsquote von 31,9 % ist die
Warengruppe „Speiseeis und Speiseeishalberzeugnisse“ (Waren-
code 42). Dicht gefolgt von Tee und teeähnlichen Erzeugnissen,
Kaffee und Kaffeeersatzstoffe und Feinen Backwaren mit jeweils
mehr als 25 % Beanstandungsquote. Im Vergleich zum Vorjahr
stieg die Quote bei Speiseeis und Kaffee jeweils um etwa 11,5 %.
Ebenfalls auf einem vergleichbaren Beanstandungsniveau von
ca. 16 % bis 22 % bewegen sich die Warengruppen Honige,
süße und nicht-süße Brotaufstriche, Teigwaren, Schokolade und
Brot und Kleingebäcke. Auffällig ist ein deutlicher Rückgang der
Beanstandungsquote für Honige von knapp 32 % im Jahr 2017
auf 22 % im Jahr 2018. Bei den übrigen Warengruppen ist eine
Stagnation bzw. leichter Anstieg der Beanstandungsquoten zu
verzeichnen. Lediglich die Gruppen Kakao und Zucker liegen mit
ihren Beanstandungsquoten unter 6 %.
Die Hauptbeanstandungsgründe der genannten Warengruppen
betrafen im Jahr 2018 analog zu 2017 erneut Mängel in der
Kennzeichnung allgemein sowie irreführende Angaben, unzu-
treffende Nährwertdeklarationen und nicht zugelassene oder
unzutreffende nährwert- und gesundheitsbezogene Aussagen.
Immer mehr in den Fokus rücken hierbei Informationen, welche
über das Internet bereitgestellt werden, seien es Pflichtangaben
oder auch Auslobungen und Bewerbungen. Häufig treten auch
Probleme bei der Umsetzung der Vorgaben bezüglich der An-
gabe allergener Zutaten bei nicht vorverpackten Lebensmitteln
auf. Zudem genügen oftmals freiwillig bereitgestellte Informa-
tionen, wie beispielsweise Zutatenverzeichnisse oder Nährwert-
deklarationen, auf sogenannten Produktinformationsblättern
ebenfalls nicht den Maßgaben der LMIV.
Die Zahl der Proben, die im Sinne des Art. 14 Abs. 2 Buchst. b der
Verordnung (EG) Nr. 178/2002 als nicht zum Verzehr geeignet
beurteilt wurden, lag mit 33 Beanstandungen deutlich über dem
Vorjahresniveau (19 Beanstandungen). 11 von 33 (33 %)
betra-
fen Beschwerdeproben, hinzu kam eine Vergleichsprobe zu den
Beschwerden. Ursache hierfür waren vor allem eine abweichen-
de Sensorik, Fremdkörper, unter anderem faserige Stoffreste in
einem Dinkelbrot (Abbildung 5), und Schädlingsbefall, unter an-
derem Made in Kräutertee (Abbildung 6).
Lediglich eine Probe (0,03 %) wurde als gesundheitsschädlich
nach Art. 14 Abs. 2 Buchst. a der Verordnung (EG) Nr. 178/2002
eingestuft. Dabei handelte es sich um eine Probe Matcha-Tee
aufgrund eines deutlich erhöhten Aluminium-Gehaltes unter
Berücksichtigung der Verzehrsempfehlungen.
Wachsender Beliebtheit erfreut sich im Bereich der Teeerzeug-
nisse aktuell unter anderem Matcha-Grünteepulver (Abbil-
dung 7), bei dem es sich um ein Pulver aus speziellen Sorten
japanischen Grüntees mit spezifischen Anbaumethoden handelt.
Dieses wird sowohl als Teeaufguss als auch vermischt mit ande-
ren Lebensmitteln wie z. B. Smoothies, Shakes und verschiede-
nen Backwaren verzehrt.
Die Besonderheit dieser Teezubereitung liegt darin, dass das
Pulver nicht abfiltriert oder dekantiert wird, sondern mit dem
Aufguss zusammen verzehrt wird. Aufgrund dieses kompletten
Verzehrs wird die deutlich erhöhte Aufnahme vermeintlich po-
sitiver Inhaltsstoffe intensiv beworben. Allerdings wird auch die
Kehrseite deutlich, dass damit auch weniger erwünschte Stoffe
in Gänze aufgenommen werden. In der Probe wurde ein Alumi-
nium-Gehalt von 2.350 mg/kg Teepulver nachgewiesen.
Getreideerzeugnisse, Backwaren, Süßwaren, Speiseeis, Tee, Kaffee
Abbildung 5:
Stoffreste Dinkelbrot
Abbildung 6:
Made in Kräutertee
Abbildung 7:
Matcha

image
30 │
Einen Grenzwert für Aluminium in Tee gibt es nicht. Zur Beur-
teilung dieses Wertes wurde der von der Europäische Behörde
für Lebensmittelsicherheit (EFSA) veröffentlichte TWI-Wertes
(tolerably weekly intake), also eine tolerierbare wöchentliche
Aufnahmemenge, für Aluminium in Höhe von 1 mg/kg Körper-
gewicht [1] herangezogen. Bereits bei einer Verzehrsmenge von
täglich knapp 3,6 g Teepulver, dies entspricht etwa 2-3 Por-
tionen Matcha-Tee oder weniger in Verbindung mit weiteren
Verzehrsprodukten, schöpft ein Erwachsener (60 kg) den TWI-
Wert vollständig aus. Zudem wird Aluminium auch über weite-
re Produkte aufgenommen, so dass bei Matcha-Konsumenten
mit einer deutlichen Überschreitung des TWI-Wertes über einen
längeren Zeitraum zu rechnen ist.
Freekeh – Getreideerzeugnis mit Tücken
Besonderes Augenmerk wurde 2018 unter anderem auf die
Un-
tersuchung von Freekeh (Abbildung 8) gelegt.
Bei Freekeh handelt es sich um Weizen, der unreif geerntet und
anschließend geröstet wird. Das Rösten des noch feuchten, grü-
nen Weizens dient einerseits der Verlängerung der Haltbarkeit,
andererseits wird durch den Röstvorgang das typisch rauchige
Aroma erzeugt. Seinen Ursprung hat Freekeh im östlichen
Mit-
telmeerraum. In den arabischen Ländern Jordanien, Palästina
und Libanon sowie in den nordafrikanischen Ländern Ägypten,
Tunesien und Algerien sind Gerichte mit Freekeh seit langem
Bestandteil der traditionellen Küche. Je nach Sprache wird der
geröstete, grüne Weizen auch Farik, Frike, Freekah oder Firik
ge-
nannt.
Der hierzulande besser bekannte Grünkern ist dem Freekeh sehr
ähnlich und unterscheidet sich hauptsächlich in der Getreideart.
Bei Grünkern handelt es sich um Dinkel aus der Gattung des
Weizens. Freekeh hingegen wird aus Hartweizen (
Triticum du-
rum)
hergestellt. Beide Getreideerzeugnisse werden als Beilage
ähnlich wie Reis oder Quinoa verwendet, aber auch in Suppen
und Salaten finden die Getreideerzeugnisse Anwendung.
Mittlerweile hat das merkwürdig klingende Lebensmittel auch
auf dem deutschen Markt Einzug gehalten. Im Internet wird es
unter anderem aufgrund seines hohen Ballaststoff- und Pro-
teingehaltes als neues Superfood gehandelt. Grund genug, das
Lebensmittel genauer unter die Lupe zu nehmen.
Im Rahmen der chemischen Untersuchungen in der LUA Sach-
sen konnten in 7 von 10 der 2018 untersuchten Freekeh-Proben
Aluminium
-Gehalte von mehr als 40 mg/kg, bis hin zu 94 mg/kg
festgestellt werden. Bei den im Zeitraum von 2011 bis 2018
un-
tersuchten Weizenproben (n = 549) lag der durchschnittliche
Aluminiumgehalt hingegen nur bei 3 mg/kg. Für Aluminium
existieren derzeit keine gesetzlichen Grenzwerte. Nach aktu-
ellem Stand der Forschung wirkt Aluminium nicht genotoxisch
und nicht kanzerogen auf den menschlichen Körper. Im Tierver-
such konnte jedoch festgestellt werden, dass Aluminium neuro-
und nierentoxisch wirkt und das Fortpflanzungssystem sowie
das sich entwickelnde embryonale Nervensystem beeinflusst [2].
Darüber hinaus gibt es Zusammenhänge mit Gehirnerkrankun-
gen wie Alzheimer, Parkinson und Multipler Sklerose. Die Bezie-
hung zwischen Aluminium und neurodegenerativen Krankheiten
ist jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht eindeutig geklärt [1].
Aufgrund des Akkumulationsverhaltens von Aluminium hat die
EFSA einen TWI von 1 mg/kg Körpergewicht festgelegt [2].
Alu-
minium ist in der Natur weit verbreitet. Es ist das dritthäufigste
in der Natur gefundene Element nach Sauerstoff und Silicium
und macht fast 8 % der Erdkruste aus. Die
Aluminium-Exposi-
tion beim Menschen erfolgt hauptsächlich über die orale Auf-
nahme von Lebensmitteln. Einige Lebensmittel enthalten von
Natur aus höhere Aluminium-Gehalte als andere. So enthalten
beispielsweise Gewürze wie Pfeffer, Curry- oder Paprikapulver
und fermentierte Lebensmittel wie Kakao, Tee und Kaffee Alu-
minium-Gehalte über 10 mg/kg. Durch Zusätze von
aluminium-
haltigen Lebensmittelzusatzstoffen sowie durch Übergänge von
aluminiumhaltigen Bedarfsgegenständen werden die Alumini-
umgehalte in Lebensmitteln zusätzlich erhöht. Unter Anbetracht
der Tatsache, dass Aluminium über viele Quellen aufgenommen
wird, sollte aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung
(BfR) der TWI höchstens zu 50 % durch ein Einzellebensmittel
ausgeschöpft werden [3]. In 4 von 10 Proben konnten
Alumini-
umgehalte festgestellt werden, bei denen ein Erwachsener mit
einem Körpergewicht von 60 kg durch eine tägliche
Aufnah-
memenge von ca. 50 g des Lebensmittels den TWI bereits zu 50
% ausgeschöpft. Diese Proben wurden aufgrund des erhöhten
Aluminiumgehaltes als für den Verzehr durch den Menschen un-
geeignet und somit als nicht sicher beurteilt.
Neben Aluminium konnte auch in einigen Proben das Schwer-
metall
Blei
nachgewiesen werden. In drei Proben lag der Gehalt
sogar über den in der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 für
Ge-
treide festgelegten Höchstgehalt von 0,2 mg/kg. Blei ist ein aus
gesundheitlicher Sicht betrachtet nicht unerheblicher Kontami-
nant. Die EFSA kommt zu dem Ergebnis, dass der derzeitige Grad
der Bleibelastung ein geringes bis vernachlässigbares Gesund-
heitsrisiko für die meisten Erwachsenen darstellt, es aber Be-
denken wegen möglicher Auswirkungen auf die neurologische
Entwicklung von Kleinkindern gibt [4].
Lebensmittel, die geräuchert, geröstet oder erhitzt werden, kön-
nen mit
PAK
(
polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstof-
fen
) verunreinigt werden. Diese entstehen als Nebenprodukte
bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material.
Chemisch gesehen sind PAK eine vielfältige Stoffgruppe aroma-
tischer Verbindungen, die aus zwei bis sieben Kohlenwasser-
stoffringen aufgebaut sind. Als Leitsubstanzen für PAK dienen
Benzo(a)pyren, Benzo(a)anthracen, Benzo(b)fluoranthene und
Chrysen. In allen 2018 untersuchten Freekeh-Proben konnten
PAKs nachgewiesen werden. In 4 von 11 Proben waren die Ge-
halte an Benzo(a)pyren mit 4 µg/kg bis 5,5 µg/kg auffällig hoch.
Für die Summe aus Benzo(a)pyren, Benzo(a)anthracen, Benzo(b)
Abbildung 8: Freekeh
fluoranthen und Chrysen konnten Gehalte bis zu 33,7 µg/kg

│31
ermittelt werden. Für Mensch und Umweltorganismen stellen
PAK eine besorgniserregende Stoffgruppe dar. Viele PAK haben
krebserregende, erbgutverändernde und/oder
fortpflanzungs-
gefährdende Eigenschaften. Einige PAK sind gleichzeitig per-
sistent, bioakkumulierend und giftig für Menschen und andere
Organismen. Somit stellt selbst eine geringe tägliche nahrungs-
bedingte Aufnahmemenge ein gewisses Risiko dar.
In zwei von insgesamt sieben untersuchten Proben konnten
darüber hinaus noch hohe Gehalte an
Mineralölkohlenwasser-
stoffen
bestimmt werden. Die an der LUA Sachsen untersuchten
Proben wiesen Gehalte an MOSH (gesättigte Mineralölkohlen-
wasserstoffe) der Kettenlänge C
10
bis C
50
von bis zu 8,8 g/kg auf.
Die aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) der Ket-
tenlänge C
10
bis C
50
wurden in Gehalten von bis zu 37,7 mg/kg
bestimmt. Entsprechend einer EFSA-Stellungnahme ist für
ali-
phatische Kohlenwasserstoffe der Kettenlänge C
16
bis C
35
von
der Möglichkeit der Akkumulation im menschlichen Fettgewebe
sowie in Milz, Leber und Lymphknoten auszugehen. Mangels ge-
eigneter toxikologischer Daten sieht sich die EFSA derzeit nicht
in der Lage, gesundheitlich basierte Richtwerte für eine noch
akzeptable Exposition gegenüber aliphatischen Kohlenwasser-
stoffen zu benennen. Aufgrund der verbreitet hohen Exposition
und Hintergrundbelastung sieht die EFSA die Aufnahme
alipha-
tischer Kohlenwasserstoffe im oben genannten Kettenlängen-
bereich mit Sorge. Besonders kritisch sieht die EFSA darüber
hi-
naus die Aufnahme aromatischer Kohlenwasserstoffe (MOAH).
In dieser Fraktion können krebserregende und mutagene
Sub-
stanzen enthalten sein. Die EFSA stuft die Exposition der
Ver-
braucher gegenüber MOAH als potenziell besorgniserregend
ein, das heißt, dass insbesondere für MOAH eine weitgehende
Minimierung des Gehaltes im Lebensmittel anzustreben ist [6].
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei den 2018 an der
LUA Sachsen untersuchten Freekeh-Proben auffällig hohe
Ge-
halte der Metalle Aluminium und Blei sowie auffällig hohe Ge-
halte der Kontaminanten PAK und Mineralölkohlenwasserstoffe
festgestellt wurden. Auch 2019 werden wieder verstärkt Proben
des gerösteten, grünen Weizens an der LUA Sachsen untersucht.
Quellen:
[1] Inan-Eroglu E, Ayaz A. Is aluminum exposure a risk factor
for neurological disorders?. J Res Med Sci 2018;23:51.
[2] Safety of aluminium from dietary intake - Scientific
Opini-
on of the Panel on Food Additives, Flavourings, Processing
Aids and Food Contact Materials. EFSA Journal (2008) 754,
1-34.
[3] Aluminium in Apfelsaft: Lagerung von Fruchtsäften nicht in
Aluminiumtanks, Gesundheitliche Bewertung Nr. 034/2008
des BfR vom 18. Juni 2008
[4] Scientific Opinion on Lead in Food - EFSA Panel on
Conta-
minants in the Food Chain (CONTAM); EFSA Journal 2010;
8(4):1570
[5] Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe - Umwelt-
schädlich! Giftig! Unvermeidbar?. Umweltbundesamt. Ja-
nuar
2016.
www.umweltbundesamt.de/publikationen/
polyzyklischearomatische-kohlenwasserstoffe
[6] Scientific Opinion on Mineral Oil Hydrocarbons in Food –
EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain. EFSA
Jour-
nal 2012;10(6):2704
Obst, Obsterzeugnisse, Gemüse, Gemüseerzeugnisse, Gewürze,
Fertig gerichte
Im Jahr 2018 wurden 3.966 Proben aus den Produktgruppen
vegane/vegetarische Ersatzprodukte, Suppen, Soßen, Hülsen-
früchte, Schalenobst, Ölsamen, Kartoffeln und
Kartoffelerzeug-
nisse, Frischgemüse, Gemüseerzeugnisse, Pilze, Pilzerzeugnisse,
Frischobst, Obsterzeugnisse, Konfitüren, Marmeladen und
Ge-
lees, Fertiggerichte und zubereitete Speisen sowie Gewürze und
Würzmittel untersucht. Dabei waren 517 Proben zu beanstan-
den, was einem Anteil von 13,0 % entspricht. Damit ist die
Be-
anstandungsrate im Vergleich zum Vorjahr (2017 14,1 %) leicht
gesunken.
Hauptbeanstandungsgrund waren mit 338 Beanstandungen
auch 2018 wieder Kennzeichnungsmängel. Hier ist
insbesonde-
re wieder die Beanstandung einer fehlenden oder fehlerhaften
Nährwertdeklaration zu nennen. Die Nährwertdeklaration ist
seit dem 13.12.2016 für alle vorverpackten Lebensmittel, bis auf
wenige Ausnahmen, verpflichtend.
Als gesundheitsschädlich wurden 2018 bei den oben
genann-
ten Warengruppen vier Proben beanstandet. In einer Probe En-
tenfleisch, vorgegart, welche als Beschwerdeprobe eingereicht
worden war, wurde
Listeria monocytogenes
quantitativ in einer
Zahl von 1,5 x 10
2
KbE/g nachgewiesen. Bei der sensorischen
Untersuchung wurde ein deutlich abweichender altfleischiger,
verdorbener Geruch festgestellt. Außerdem wiesen die weite-
ren Ergebnisse der mikrobiologischen Untersuchungen auf eine
nachteilige Beeinflussung der einwandfreien hygienischen
Be-
schaffenheit des Lebensmittels durch Mikroorganismen hin.
Auch ein Mittagessen aus einer Kita war gesundheitsschädlich.
Die „Nudeln mit Gulasch“ waren als „glutenfrei“ deklariert. Ein
an Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) erkranktes Kind litt nach
Verzehr des Mittagessens an Erbrechen und Bauchschmerzen.
Im Rahmen der molekular-biologischen Untersuchungen wurde
in diesem Essen DNA der glutenhaltigen Getreide Weizen/Rog-
gen nachgewiesen. Es wurde ein Glutengehalt von 3.456 mg/kg
bestimmt.
Ebenfalls als gesundheitsschädlich wurde eine Probe Bratnu-
deln mit Hühnerfleisch beurteilt. In dieser Probe befanden sich
4 spitze, scharfkantige Glassplitter. Des Weiteren wurde in einer
Probe Kopfsalat ein extrem hoher Gehalt für die Summe der
Dithiocarbamate festgestellt. Da die abgeschätzten Rückstands-
aufnahmen zur deutlichen Überschreitung der akuten Referenz-
dosis (ARfD) führten, konnte eine akute Gesundheitsgefährdung
von Kindern und Erwachsenen nicht ausgeschlossen werden.
Von den 1.023 auf Pflanzenschutzmittel untersuchten Proben
waren 25 Proben aufgrund der Überschreitung von Rückstands-
höchstgehalten zu beanstanden. Dabei handelte es sich um
4 Proben chinesisches Gemüse, 3 Proben Bockshornkleeblätter

image
32 │
(getrocknet), je 2 Proben Pilze, Radieschen und Papaya sowie
je eine Probe Porree, Kohlrabi, Himbeeren und Johannisbeeren
(tiefgefroren), Leinsaat, Petersilie, Kartoffeln, Erdbeeren, Broc-
coli, Mandarinen, Broccoli (tiefgefroren) und Nelken (gemah-
len). Außerdem waren 19 Proben aufgrund unzulässiger
Pflan-
zenschutzmittelanwendung zu beanstanden (siehe Abschnitt
Pestizide).
Der festgesetzte Höchstgehalt an Nitrat wurde im Jahr 2018
bei zwei Proben (Kopfsalat und Blattspinat, tiefgefroren) über-
schritten. Eine Probe Süßkartoffeln musste beanstandet werden,
weil der festgesetzte Höchstgehalt für Blei überschritten wurde.
Bei einer Probe Bio Bittere Aprikosenkerne wurde der Höchst-
gehalt für Blausäure einschließlich in Blausäureglycosiden ge-
bundener Blausäure von 20 mg/kg überschritten. Bei weiteren 5
Proben (getrocknete Feigen, 2x Paprikapulver, Haselnuss- und
Paranusskerne) wurden die festgesetzten Mykotoxin-Höchstge-
halte überschritten.
Die im Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 für
getrock-
nete Gewürze festgelegten Höchstgehalte für Benzo(a)pyren
und für die Summe von Benzo(a)pyren, Benz(a)anthracen, Chry-
sen und Benzo(b)fluoranthen wurde bei einer Probe
getrockne-
tem Schnittlauch überschritten.
Außerdem wurden 8 Proben beanstandet, weil technologisch
wirksame Zusatzstoffe für den entsprechenden Verwendungs-
zweck entweder nicht zugelassen oder die festgelegte Höchst-
menge überschritten war.
Eine vergleichsweise sehr geringe Beanstandungsrate von 9,4 %
wurde bei dem neuen Warencode 09 - Vegane/vegetarische
Er-
satzprodukte festgestellt. In das Kodiersystem 01 „Warenkode
für die amtliche Lebensmittelüberwachung“ wurde 2018 diese
Warengruppe neu eingefügt. Auf diese Warengruppe soll im
Fol-
genden näher eingegangen werden:
Der neue Warencode 09 - Vegane und vegetarische Le-
bensmittel
Vegane und vegetarische Lebensmittel liegen voll im Trend.
Industrie und Handel reagieren darauf mit einer breiten Pro-
duktpalette. Die Beweggründe für Konsumenten, diese Artikel
zu erwerben, sind vielschichtig. Sie reichen vom Gedanken der
gesunden Ernährung über den Tierschutz bis zum Anliegen der
Nachhaltigkeit.
Während Produkte wie Sojadrinks und Gemüsebratlinge schon
seit geraumer Zeit auf dem deutschen Markt vertreten sind,
nimmt das Angebot an veganen und vegetarischen Lebensmit-
teln mit zunehmender Produktvielfalt ständig zu.
Nachdem lange Zeit eine Definition der Begriffe „vegetarisch“
und „vegan“ in Deutschland und auch auf EU-Ebene vermisst
wurde, schließen nun die am 04.12.2018 veröffentlichten
Leit-
sätze für vegane und vegetarische Lebensmittel diese Lücke.
In der LUA Sachsen wurden im Jahr 2018 insgesamt 32
Erzeug-
nisse, die als vegane oder vegetarische Ersatzprodukte ausge-
lobt wurden, untersucht. Hierbei handelte es sich zum großen
Teil (20 Proben) um Ersatzprodukte für Wurstwaren, die im Jahr
2018 Gegenstand eines Zoonose-Monitoring-Programmes
wa-
ren. Weiterhin wurden Ersatzprodukte für Milch, Joghurt, Käse,
Fleisch, Fleischerzeugnisse, Fleischsalat und Mayonnaise zur
Untersuchung eingereicht (Abbildung 9).
Die Produkte wurden sensorisch, zum Teil mikrobiologisch und
auf verschiedene chemische Parameter untersucht. Dabei erga-
ben sich keine speziellen Beanstandungshäufigkeiten.
Einen weiteren Schwerpunkt der Untersuchung bildete die Be-
urteilung der Aufmachung und Deklaration dieser Erzeugnisse.
Auch hier ergaben sich außer einigen allgemeinen Verstößen
gegen Kennzeichnungsanforderungen keine spezifischen
Bean-
standungen bezüglich der Auslobung als vegan bzw. vegetarisch.
Inwieweit Verbraucher durch die Kennzeichnung veganer oder
vegetarischer Lebensmittel irregeführt werden, wurde an Hand
von Einzelfallbetrachtungen geprüft. In diesem Zusammen-
hang ist eine eindeutige Angabe im Hauptsichtfeld bezüglich
des veganen bzw. vegetarischen Charakters des Erzeugnisses zu
fordern. Weiterhin ist an einer gut sichtbaren Stelle der Verpa-
ckung auf die maßgeblich ersetzende Zutat hinzuweisen, z. B.
„mit Erbsenprotein“, „auf Sojabasis“, „mit Tofu“, „mit Seitan“,
„mit Milcheiweiß“.
Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die vorgelegten Pro-
dukte so deutlich als vegan bzw. vegetarisch beworben wurden,
dass eine Verwechslungsgefahr mit traditionellen Lebensmitteln
nicht bestand. Nicht zulässige Anteile an tierischen Bestandtei-
len konnten in vegan ausgelobten Lebensmitteln ebenfalls nicht
nachgewiesen werden.
Vegan
sind Lebensmittel, die keine Erzeugnisse tierischen Ur-
sprungs sind und bei denen auf allen Produktions- und Ver-
arbeitungsstufen keine Zutaten und Verarbeitungshilfsstoffe
verwendet werden, die tierischen Ursprungs sind.
Mikroorganismen (Bakterien, Hefen, Pilze) sind nichttierischen
Ursprungs und dürfen in veganen Lebensmittel verwendet
werden.
Vegetarisch
sind Lebensmittel, welche die Anforderungen an
vegane Lebensmittel erfüllen, bei deren Produktion jedoch
]
Milch,
]
Kolostrum,
]
Farmgeflügeleier,
]
Bienenhonig,
]
Bienenwachs,
]
Propolis oder
]
Wollfett/Lanolin aus von lebenden Schafen gewonnener
Wolle
oder deren Bestandteile oder daraus gewonnene Erzeugnisse
zugesetzt oder verwendet worden sein können.
Abbildung 9:
Proben aus dem Warencode 09

│33
Getränke
Im Jahr 2018 wurden 1.480 Getränkeproben zur Untersuchung
vorgestellt, davon wurden 240 Proben beanstandet. Die
Waren-
gruppe mit der höchsten Beanstandungsquote ist erstmalig die
Gruppe der Aromastoffe (26,3 %), dicht gefolgt von den
alkohol-
freien Erfrischungsgetränke (26,2 %), den Spirituosen (24,3 %)
und den weinähnlichen Getränken (23,0 %). Danach schließen
sich die Warengruppen der Mineral-, Quell- und Tafelwässer, der
Fruchtsäfte, der Biere, der weinhaltigen Getränke und der Weine
an (15,5 – 6,7 %). Die hohe Beanstandungsquote bei Aromen
ist hauptsächlich auf Kennzeichnungsverstöße zurückzuführen.
Schwerpunkte der Beanstandungen bildeten Aromaproben aus
dem Internethandel und Vanillearomen. Konkrete Informationen
können dem nachfolgenden Abschnitt „Food Fraud –
Authenti-
zitätsprüfung im Kontext von Aromen“ entnommen werden. Ein
weiterer Abschnitt widmet sich einem Mykotoxingeschehen in
Fruchtsaft. Der Fall zeigt, dass auch bei jahrelanger
kontinuierli-
cher Beprobung sächsischer Keltereien immer nur stichproben-
weise geprüft werden kann und Eigenkontrolluntersuchungen
durch den Hersteller nicht ersetzt werden können. Dass die-
se massive Kontamination mit dem Schimmelpilzgift Patulin
aufgedeckt wurde, ist letztendlich einer Bürgerbeschwerde zu
verdanken. Auf die Untersuchungsergebnisse von Wein, wein-
haltigen bzw. –ähnlichen Getränken wird im Kapitel „Amtliche
Außendienstaufgaben“ eingegangen.
Food Fraud – Authentizitätsprüfung im Kontext von
Aromen
Der Nachweis von Verfälschungen ist in den letzten Jahren
immer mehr in den Fokus der Lebensmittelüberwachung und
des Verbraucherschutzes gerückt. Unter dem Stichwort „Food
Fraud“ ist er derzeit in aller Munde. Was aber wurde im
vergan-
genen Jahr hinsichtlich der Überprüfung von Aromen bzw. aro-
matisierter Lebensmitteln hierzu getan? (siehe LUA-Homepage,
Tabelle 2.33)
Erstmals im Jahr 2018 wurden Aromaproben aus dem
Internet-
handel geprüft. Der Onlinehandel mit Erzeugnissen nach dem
LFGB wächst stetig und stellt die amtliche Kontrolle vor neue
Herausforderungen. Das Internet ist hierbei kein rechtsfreier
Raum. Die einschlägigen Rechtsvorschriften des stationären Be-
reichs gelten auch für den Internethandel. Von den 8
Aromap-
roben aus dem Internethandel musste bei 6 eine Beanstandung
ausgesprochen werden. Diese sehr hohe Beanstandungsquote
ist hauptsächlich auf Kennzeichnungsmängel zurückzuführen.
Auffällig sind Unstimmigkeiten zwischen den detaillierten An-
gaben auf dem Etikett und den Internetseiten. So wurden wi-
dersprüchliche Angaben zu den Zutaten bzw. aromatisierenden
Bestandteilen festgestellt. Die Angaben wurden als irreführend
bewertet.
Ein Schwerpunkt 2018 stellte die Prüfung von Vanillearomen
dar. Gerade bei Vanillearomen wird ein großes Potential für Ver-
fälschung gesehen. Aufgrund von Ernteausfällen sind die Preise
drastisch gestiegen, ungeachtet dessen ist eine verstärkte Nach-
frage nach Vanille zu verzeichnen. Außerdem ist ein deutlicher
Trend zu natürlichen Produkten wie echte Bourbon-Vanille ge-
geben (siehe Infobox „Bourbon Vanille“).
Nach aktueller Rechtslage darf der Begriff „natürlich“ in Verbin-
dung mit einer Bezugnahme auf ein Lebensmittel, eine Lebens-
mittelkategorie oder einen pflanzlichen oder tierischen
Aro-
maträger nur verwendet werden, wenn der Aromabestandteil
ausschließlich oder mindestens zu 95 Gewichtsprozent aus dem
in Bezug genommenen Ausgangsstoff gewonnen wurde. Bei der
Angabe „Bourbon-Vanille“ wäre ein Anteil von 5 Gewichtspro-
zent an natürlichen Aromastoffen, die nicht aus der Bourbon-
Vanille stammen, zulässig. Hinsichtlich der Auslegung dieses
95/5-Anteils gibt es zwischen den Sachverständigen der amt-
lichen Lebensmittelüberwachung und den Industrievertretern
grundsätzlich widersprechende Auffassungen. Die Sachverstän-
digen der amtlichen Lebensmittelüberwachung berücksichtigen
bei der Ermittlung des 95-%-Anteils nur die aromawirksamen
Bestandteile. Sie stützen sich auf das Gerichtsurteil des OLG
Düsseldorf (Az.: I-15 U 173/11), wo die Auffassung vertreten
wird, dass „der Begriff ‚Aromabestandteil‘, wie er in Art. 16 Abs.
4 oben genannten VO verwendet wird, so auszulegen ist, dass
damit die rein aromatisierenden Bestandteile unter Außeracht-
lassung des (neutralen) Trägerstoffes ... gemeint sind.“
Eine derartige Rechtsauslegung führte dazu, dass bei fünf als
„natürliches Bourbon-Vanillearoma“ deklarierten Erzeugnissen
Beanstandungen ausgesprochen werden mussten. Unter Zu-
grundelegung der natürlichen Gehalte von Aromastoffen wie p-
Anisaldehyd, Piperonal bzw. δ-Decalacton konnte nachgewiesen
werden, dass die in den Aromaproben vorgefundenen Gehalte
nicht aus der Vanilleschote stammen konnten und der
5-%-An-
teil deutlich überschritten wurde. Da die fraglichen Aromastoffe
außerdem sehr aromaaktiv sind, wird hier von einer unerlaubten
Verstärkung des Aromas ausgegangen. Letztlich wurde die Be-
zeichnung „Natürliches Bourbon-Vanillearoma“ als irreführende
Information bewertet.
Im Kontext mit einem möglichen Food Fraud steht auch die
Na-
türlichkeitsuntersuchung. Hierbei kommt die Enantiomerenana-
lytik zum Einsatz, die für ausgewählte Aromastoffe Rückschlüs-
se auf deren Natürlichkeit zulässt. Diese Analytik wurde in den
letzten Jahren schon erfolgreich eingesetzt und deshalb auch
2018 fortgesetzt. Hierbei wurden zahlreiche Lebensmittel -
stellvertretend seien Spirituosen und Speiseeis als auch Aromen
genannt - überprüft. Von den 100 Proben mussten immerhin
15 Proben beanstandet werden. Die Untersuchungsergebnisse
verdeutlichen die Notwendigkeit der Prüfung auf eine unzuläs-
sige Aromatisierung. Insbesondere dort, wo gesetzliche Rege-
lungen die ausschließliche Verwendung von natürlichen Aromen
vorschreiben bzw. dort, wo durch Werbung Natürlichkeit bzw.
Naturbelassenheit des Erzeugnisses bzw. seiner Zutaten beim
Verbraucher suggeriert wird, hat die Ermittlung der Enantiome-
renverhältnisse weiterhin seine uneingeschränkte Bedeutung.
Zudem erfolgte bei 140 Spirituosen die Prüfung der
Authenti-
zität durch eine gaschromatographische Analyse des Profils der
flüchtigen Bestandteile. Hier wurden keine Auffälligkeiten
fest-
gestellt. Auch hinsichtlich der Einhaltung von Höchstmengen
von unerwünschten Aromastoffen in diversen Lebensmitteln
(155 Proben) wurden erfreulicherweise keine Überschreitungen
ermittelt.
Zum Jahresende erhielt die LUA Sachsen erstmals Spirituosen-
proben aus dem Programm G@ZIELT. Hierbei handelte es sich
um Online- Proben von Spirituosen aus dem Ausland, die be-
sonders günstig angeboten wurden und bei denen der Verdacht
auf Verfälschung bestand. Die untersuchten Proben Whisky der

34 │
Marke „Johnny Walker“ ergaben keine Auffälligkeiten. Im Zent-
rum der Prüfungen stand eine Identitätsprüfung der Aromafrak-
tionen. Derartige Identitätsprüfungen gehören inzwischen zum
Standardrepertoire unserer Untersuchungen.
Patulin in Kernobstsäften
Schimmelpilzgifte sind aufgrund ihrer hohen Toxizität ein ernst-
zunehmendes Problem für die Sicherheit von Lebensmitteln. Im
Fruchtsaftbereich ist das Schimmelpilzgift Patulin von
besonde-
rer Bedeutung (siehe Infobox „Patulin“).
Zum Schutz der Verbraucher vor einer gesundheitlich nicht ver-
tretbaren Belastung sind in der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006
zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte
Kontaminan-
ten in Lebensmitteln zulässige Höchstgehalte für Patulin fest-
gelegt worden. Für Fruchtsäfte, rekonstituierte
Fruchtsaftkon-
zentrate und Fruchtnektar beträgt der Höchstgehalt 50 µg/kg.
Im Rahmen eines ständigen Landesüberwachungsprogramms
untersucht die LUA Sachsen jedes Jahr 30 – 40 Apfel- und
Bir-
nensäfte sächsischer Hersteller auf das Mykotoxin Patulin. In
den Jahren 2013 bis 2017 wurden bei insgesamt 176 Proben nur
2 Apfelsäfte mit Patulingehalten über der zulässigen Höchst-
menge von 50 µg/kg ermittelt (64 µg/kg; 308 µg/kg). Dieses
Ergebnis deckt sich mit einer Studie (SCOOP) aus dem Jahr 2002
[1], die EU-weit Daten zur Patulinbelastung verschiedener Pro-
dukte zusammenfasst. Die Ergebnisse zeigen eine in der Regel
seltene und geringfügige Belastung mit Patulin, bei einzelnen
Apfelprodukten aber auch Gehalte über 1000 µg/kg.
Eine derartig seltene, aber massive Belastung wurde 2018 in
einem Fruchtsaftbetrieb aufgedeckt. Ausgangspunkt des
Ge-
schehens war eine Beschwerdeprobe Apfelsaft. Als Beschwerde-
grund wurde ein auffälliger Geschmack angegeben. Die darauf-
hin durchgeführte Patulinbestimmung ergab einen Gehalt von
1.425 µg/kg. Eine umfangreiche Nachbeprobung zur Ermittlung
von Ausmaß und Ursache der Kontamination schloss sich an.
Dabei wurden in drei weiteren Chargen von klarem und natur-
trübem Apfelsaft Patulingehalte von 637 – 1.393 µg/kg
ermit-
telt. Diese Proben wurden nicht nur wegen Höchstmengenüber-
schreitung beanstandet, sondern auch als gesundheitsschädlich
eingestuft. Der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der
Europäischen Union (SCF) hat eine vorläufige maximal
tole-
rierbare tägliche Aufnahme (PMTDI) des Gemeinsamen FAO/
WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe
(JECFA) für Patulin von 0,4 µg/kg Körpergewicht befürwortet
[2]. Im Falle der Beschwerdeprobe berechnet die LUA Sachsen
für Kinder zwischen 2 und 5 Jahren, die täglich 150 ml des
Saf-
tes trinken, eine 34-fache Überschreitung des PMTDI-Wertes.
Es erfolgte eine Rückrufaktion der betroffenen Apfelsaftchargen
im Handel.
Die Europäische Kommission hat für Unternehmen der Apfelver-
arbeitenden Industrie Empfehlungen „zur Prävention und Redu-
zierung der Patulinkontamination von Apfelsaft und Apfelsaft-
zutaten in anderen Getränken“ [3] erarbeitet. Die Empfehlungen
beziehen sich auf die landwirtschaftliche Praxis, die Ernte, La-
gerung und Verarbeitung der Früchte und die Kontrolle der
End-
produkte. Entscheidend für die Minimierung des Patulingehaltes
ist das Aussortieren von angefaulten Früchten. Besonders
anfäl-
lige Apfelsorten für Kernfäule sollten durch stichprobenartiges
Aufschneiden auch auf innere Fäulnisbildung geprüft werden.
Sehr hohe Patulingehalte deuten außerdem auf Verschimmeln
eines gesamten Lagertanks durch eine sogenannte Sekundär-
kontamination hin. Neben dem Aussortieren angefaulter
Früch-
te sollte daher auf ein strenges Reinigungs- und Desinfektions-
regime sowie Kühllagerung bzw. schnelle Weiterverarbeitung
des frisch gepressten Saftes geachtet werden.
Quellen:
[1] Europäische Kommission, Report on Task for scientific
co-
operation (SCOOP). Report of experts participating in Task
3.2.8, Assessment of dietary intake of Patulin by the EU
Member States, March 2002.
[2] JECFA 1995: Evaluations of certain food additives and
con-
taminants, WHO Technical Report Series, No.859,1995
[3] Empfehlung der Kommission vom 11. August 2003 zur
Prä-
vention und Reduzierung der Patulinkontamination von Ap-
felsaft und Apfelsaftzutaten in anderen Getränken, Amts-
blatt Nr. L 202 vom 12/08/2003 S. 0054-0059
„Bourbon Vanille“
Bei Vanille handelt es sich um die fermentierte Kapselfrucht
der Gewürzvanille. Die geographische Herkunftsbezeichnung
„Bourbon-Vanille“ setzt voraus, dass das Ausgangsmateri-
al aus der botanischen Art „Vanilla planifolia“ mit Herkunft
von den „Vanille-Inseln“ (Madagaskar, Mauritius, Seychellen
und andere) stammen muss. Das Aroma der Bourbon-Vanille
wird dominiert von dem Aromastoff Vanillin. Während frü-
her Konzentrationen von 16.000 bis 24.000 mg Vanillin/kg
Schote üblich waren, wurden in letzter Zeit deutlich geringere
Vanillingehalte (7.800 mg/kg) festgestellt. Als
charakteristi-
sche Begleitstoffe treten vor allem p-Hydroxybenzaldehyd,
p-Hydroxybenzoesäure, Vanillinsäure, Vanillinalkohol und p-
Hydroxybenzylalkohol auf. Diese liegen in charakteristischen
Verhältnissen zueinander vor und können somit zum Authen-
tizitätsnachweis herangezogen werden. Weitere Minorkompo-
nenten wie Guajacol, Zimtsäuremethylester und Monoterpene
sind wichtig für das Flavour. Demgegenüber werden
Aroma-
stoffe wie p-Anisaldehyd, Piperonal und δ-Decalacton nur in
Spuren oder bisher gar nicht vorgefunden.
„Patulin“
Patulin ist als Mykotoxin ein sekundäres Stoffwechselprodukt
niederer Pilze der Gattungen Penicillium, Aspergillus und Bys-
sochlamys, vor allem von Penicillium expansum. Die wichtigs-
te Kontaminationsquelle für den Menschen ist von Braunfäule
befallenes Kernobst, insbesondere Äpfel.
Patulin ist ein fünfgliedriges ungesättigtes Lacton, das als
weißes, kristallines Pulver isoliert werden kann. Auf der Suche
nach neuen Antibiotika wurde es 1941 erstmalig isoliert. We-
gen der hohen Toxizität in Tierversuchen fand es jedoch keine
Anwendung in der Medizin. Es wurde als gentoxisch einge-
stuft. Außerdem wirkt es hämorrhagisch und leberschädigend.
Patulin ist gegenüber Hitze relativ beständig und im sauren
pH-Bereich stabil. Bei Verarbeitung angefaulter Früchte geht
Patulin daher fast vollständig in den Fruchtsaft über. Lediglich
bei einer Vergärung zu Wein wird das Toxin abgebaut.

│35
Im Jahr 2018 wurden 214 Nahrungsergänzungsmittel (NEM) zur
Untersuchung und Beurteilung eingereicht. 119 Proben (56 %)
entsprachen nicht den rechtlichen Vorgaben. Darüber hinaus
wurde bei elf weiteren Proben auf das Vorliegen von gering-
fügigen Abweichungen in der Kennzeichnung bzw. Bewerbung
schriftlich hingewiesen. Von 28 an das Landeslabor
Berlin-Bran-
denburg (LLBB) zwecks Abgrenzung Lebensmittel - Arzneimit-
tel abgegebenen NEM-Proben wurden 25 als nicht zugelassene
Arzneimittel eingestuft. Dies betraf im Wesentlichen Präparate
mit 5-Hydroxythryptophan, Alpha-Liponsäure und Ginkgo-Ex-
trakten.
Gezielte Probenahme bei sächsischen Inverkehrbringern
von Nahrungsergänzungsmitteln
Gemäß § 5 Abs. 1 NemV sind Nahrungsergänzungsmittel vor
dem erstmaligen Inverkehrbringen vom Hersteller oder Impor-
teur beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel-
sicherheit (BVL) unter Vorlage eines Etikettenmusters anzuzei-
gen (Erstanzeige). Bei wesentlichen Änderungen an Rezeptur
und Verzehrempfehlung ist für bereits angezeigte NEM eine
Änderungsanzeige erforderlich. Bei NEM, die bereits in einem
anderen EU-Mitgliedsstaat mit Anzeigepflicht in den Verkehr
gebracht wurden, sind gemäß § 5 Abs. 2 NemV sogenannte
Zweitanzeigen vorgeschrieben. Eine Überprüfung der Konfor-
mität des Produktes mit den geltenden lebensmittelrechtlichen
Vorgaben erfolgt im Zuge des Anzeigeverfahrens nicht.
Das BVL stellt die Anzeigen den für die Lebensmittelüberwa-
chung zuständigen Länderbehörden zur Verfügung. Im
Fachin-
formationssystem für Verbraucherschutz und Lebensmittelsi-
cherheit (FIS-VL) werden dabei für die einzelnen Bundesländer
Listen mit allen von Inverkehrbringern oder Herstellern ange-
zeigten Produkten generiert.
Seit Jahren ist ein kontinuierlicher Anstieg von in Deutschland
angezeigten NEM zu verzeichnen (Abbildung 10).
Obwohl die Zahl der für Sachsen angezeigten Produkte
schwankt, liegt sie seit 2013 konstant im unteren dreistelligen
Bereich (Abbildung 11).
Bisher wurde bei der Probenplanung verstärkt auf spezielle Pro-
grammschwerpunkte gesetzt und es lag in der Regel in der Hand
der Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter (LÜVÄ) zu
entscheiden, wo die Proben gezogen werden. Da die Probenah-
me vorrangig in etablierten Lebensmitteleinzelhandels- und
Drogeriemärkten erfolgte, kam es zwangsläufig wiederholt zur
Einsendung identischer Produkte. Regelmäßig beprobt wurden
in Sachsen ansässige NEM-Hersteller, im Internet gehandelte
Proben kamen vorrangig aus dem Amazon-Zentrallager Leipzig.
Um die Überwachung von Nahrungsergänzungsmitteln in Sach-
sen effektiver zu gestalten, werden seit 2018 die im FIS-VL
für Sachsen gelisteten Anzeigen stärker in die Probenplanung
einbezogen. Anhand dieser Liste wird eine LUA-interne Pro-
duktzusammenstellung erarbeitet. Nach Einsichtnahme in die
Anzeigen, Etiketten und gegebenenfalls Internetauftritte der
Produktverantwortlichen erfolgt eine Priorisierung nach Dring-
lichkeit der Probenahme. Im Fokus stehen dabei unzulässige
Zu-
taten, arzneimitteltypische Inhaltsstoffe sowie schwerwiegende
Kennzeichnungsmängel (z. B. krankheitsbezogene Bewerbung).
Diese Zusammenstellung wird inklusive Verweisen zur Eignung
der Produkte für verschiedene Untersuchungsprogramme (BÜP,
LÜP) im Rahmen der quartalsweisen Probenplanung über die
Landesdirektion Sachsen an die LÜVÄ übermittelt, sodass die
dort gelisteten Produktverantwortlichen bei der Probenahme
stärker berücksichtigt werden können.
Diese veränderte Vorgehensweise bei der Probenplanung er-
möglicht für NEM eine gezieltere Probenahme und verschafft
der LUA Sachsen und den LÜVÄ einen besseren Überblick über
die Marktsituation in Sachsen. Bereits bei der Bearbeitung
oben genannte Liste zeigte sich, dass ein Großteil der NEM
ausschließlich oder zusätzlich zum Vertrieb über Einzelhandel,
Apotheken etc. über das Internet verkauft wird. Zudem bieten
Firmen häufig Apotheken Produkte bzw. Produktkonzepte an,
die dann unter dem Namen und damit in Eigenverantwortung
der Apotheken vertrieben werden.
Die bisher eingereichten NEM-Proben sächsischer Inverkehr-
bringer haben - bedingt durch die vorgenommene Priorisierung
und die damit verbundene Abforderung kritischer Proben - eine
sehr hohe Beanstandungsquote. In Folge dessen gab es 2018
auch acht Fälle, bei denen als NEM vermarktete Produkte als
nicht zugelassene Arzneimittel eingestuft wurden, insbesondere
Ginkgoextrakt- und Melatoninhaltige Proben.
Nahrungsergänzungsmittel, diätetische Lebensmittel
0
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Anzeigen pro Jahr
Jahr
Abbildung 10: Anzeigen nach § 5 NemV in Deutschland (inkl. Zweit- und
Änderungsanzeigen)
0
50
100
150
200
250
300
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Anzahl der Erstanzeigen pro Jahr
Jahr
Abbildung 11: Anzeigen nach § 5 Abs. 1 NemV in Sachsen (Erst- und Zweitan-
zeigen)

image
36 │
Darf‘s ein bisschen mehr sein? – Der Koffeinkick für Be-
ruf, Schule und Sport
Im Jahr 2015 hat die EFSA ein wissenschaftliches Gutachten
zur Sicherheit von Koffein veröffentlicht. Darin kommt sie zu
dem Schluss, dass für gesunde Erwachsene eine Aufnahme von
200 mg Koffein als Einzeldosis bzw. innerhalb einer kurzen Zeit
keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Als Ta-
gesdosis werden 400 mg Koffein als gesundheitlich
unbedenk-
lich angesehen. Die angeführten Koffeinmengen gelten dabei
unter anderem auch für sportlich Aktive. Schwangere sollten
am Tag maximal 200 mg konsumieren, Stillende haben bei einer
Einzeldosis von 200 mg Koffein keine negativen Folgen für die
Gesundheit des Säuglings zu erwarten. Personen, die z. B. an
Krankheiten oder Beschwerden leiden, wurden in die oben ge-
nannte EFSA-Bewertung nicht einbezogen [1].
Koffein ist Inhaltsstoff zahlreicher Lebensmittel wie z. B. Back-
und Süßwaren, Erfrischungsgetränke sowie Nahrungsergän-
zungsmittel. Letztere enthalten Koffein entweder als alleinigen
ernährungsphysiologisch relevanten Stoff oder in Kombination
mit weiteren Stoffen wie z. B. Vitaminen, Aminosäuren, sekun-
dären Pflanzenstoffen. Ein nicht unerheblicher Teil dieser NEM
weist hohe bis sehr hohe Verzehrmengen an Koffein auf. Laut
Bewerbung sollen die Erzeugnisse der Gewichtsabnahme dienen
und die sportliche Leistungsfähigkeit erhöhen, aber auch der
positive Effekt auf Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksam-
keit und die daraus resultierende verbesserte Leistungsfähigkeit
in Beruf, Schule oder beim Studium werden in den Vordergrund
gerückt.
Im Rahmen des Zulassungsverfahrens nach der Health Claims-
Verordnung (HCV) wurden zahlreiche Anträge auf Zulassung
gesundheitsbezogener Angaben (Health Claims) zu Koffein ein-
gereicht. Die beantragten Health Claims, die einen positiven
Einfluss auf Wachheit oder kurzzeitige intensive körperliche
Aktivitäten zum Inhalt hatten, wurden von der EFSA als
wissen-
schaftlich nicht hinreichend gesichert angesehen und von der
Kommission abgelehnt. Gleiches gilt für Aussagen in Verbindung
mit Gewichtsmanagement wie erhöhte Fettverbrennung oder
Thermogenese. Anträge mit Bezug zu erhöhter Aufmerksamkeit
und Konzentration sowie zur Steigerung der Ausdauerleistung
und Ausdauerleistungsfähigkeit (beim Training) werden hin-
gegen als ausreichend belegt angesehen. Von der Kommission
bereits vorgelegte Verordnungsentwürfe zur Zulassung dieser
positiv bewerteten Koffeinclaims wurden jedoch vom
EU-Par-
lament aus gesundheitspolitischen Gründen zurückgewiesen.
Die entsprechenden Health Claims-Anträge befinden sich daher
im „on hold-Status“ und unterliegen somit den Übergangsvor-
schriften nach Art. 28 Abs. 5 bzw. 6 HCV [2].
Im Berichtszeitraum wurden koffeinhaltige Nahrungsergän-
zungsmittel mit dem Ziel angefordert, zu prüfen, inwieweit die
Aufnahmemengen an die Sicherheitsbewertung der EFSA
ange-
passt worden sind und mit welchen Werbeaussagen die Produk-
te vermarktet werden (Abbildung 12). Vor Veröffentlichung der
EFSA-Stellungnahme waren NEM im Handel, die in der
Einzel-
dosis teilweise deutlich über 400 mg Koffein aufwiesen. Von elf
untersuchten Proben enthielten drei Produkte mehr als 200 mg
Koffein in der Einzeldosis, nur für eine Probe wurde eine Tages-
verzehrmenge von über 400 mg Koffein empfohlen. Fünf Proben
wiesen unzulässige, auf das Gewichtsmanagement abzielende
Werbeaussagen auf. Sieben Proben wurden mit gesundheitsbe-
zogenen Angaben bezüglich Konzentration, Wachsamkeit bzw.
Ausdauerleistung beworben. Darüber hinaus waren einzelne
Proben als Trainingsbooster insbesondere im Bodybuilding aus-
gewiesen. Anzumerken ist, dass bei fünf Proben ausschließlich
im Internet Health Claims abgebildet waren und zwei weitere
auf dem Etikett lediglich auf die „pre workout“-Funktion des
Produktes abstellen.
Fazit unserer stichprobenartigen Kontrolle ist, dass sich eine
Vielzahl der Produktverantwortlichen an der Sicherheitsbewer-
tung der EFSA orientiert und die Koffeindosen entsprechend
angepasst wurden. Ein Großteil der Produkte richtet sich vor-
dergründig an sportlich Aktive. Da Sportler häufig eine
höhe-
re Koffeintoleranz aufweisen, findet man hier allerdings auch
Dosierungen, die über die als gesundheitlich unbedenklich ein-
gestuften Koffeinmengen hinausgehen. In Bezug auf die Bewer-
bung mit gesundheitsbezogenen Angaben ist festzuhalten, dass
trotz Nichtzulassung häufig mit Aussagen zu Gewichtskontrolle
bzw. Fettverbrennung geworben wird.
[1] EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies
(NDA): Scientific Opinion on the safety of caffeine; EFSA
Journal 2015;13(5):4102
[2]
http://ec.europa.eu/food/safety/labelling_nutrition/claims/
register/public/?event=register.home
„Koffein“
Koffein ist ein Alkaloid, das zu den psychoaktiven Substanzen
gezählt wird. Hauptsächlich wird Koffein über Kaffee aufge-
nommen, aber auch Tee- und Mateblätter, Guaraná, Kakao-
bohnen und die Kolanuss sind natürliche Koffeinquellen. Es hat
sowohl Einfluss auf das vegetative Nervensystem als auch das
Herz-Kreislauf-, Atem- und Nierensystem. Die erwünschte an-
regende Wirkung stellt sich bei Einzeldosen zwischen 50 und
200 mg ein. Es kommt zu einer verbesserten
Konzentrations-
fähigkeit, Wachsamkeit und körperlichen Leistungsfähigkeit.
Bei höheren Koffeinaufnahmemengen kann es je nach
indivi-
dueller Empfindlichkeit und möglichem Gewöhnungseffekt zu
unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Dazu zählen unter
anderem Nervosität, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen,
Wahr-
nehmungs- und Herzrhythmus-, aber auch gastrointestinale
Störungen. Koffein wird sehr schnell und vollständig vom Kör-
per aufgenommen. Koffein ist die am häufigsten konsumierte
pharmakologisch aktive Substanz. Die Wirkung tritt bereits
nach 15 bis 30 Minuten ein und kann über Stunden anhalten.
Abbildung 12: Koffeinhaltige Nahrungsergänzungsmittel

image
│37
Im Berichtszeitraum wurden im betreffenden Fachgebiet
ins-
gesamt 1.250 Proben aus den 4 genannten Produktgruppen
untersucht. Hiervon sind 218 Proben beanstandet worden, was
einer Beanstandungsquote von 17,4 % entspricht (2017: 1.328
Proben mit 12,3 % Beanstandungen).
Im Jahr 2018 gingen 223 Proben
Speisefette und –öle
(außer
Butter und reine Milchfette, siehe unten) zur Untersuchung ein.
Etwa ein Drittel davon (71 Proben, 32 %) war entweder
hin-
sichtlich der Kennzeichnung oder aufgrund der Beschaffenheit
zu bemängeln. Rund 68 % (48 Proben) der Beanstandungen
ent-
fielen auf nicht rechtskonforme Kennzeichnung. Bei 17 Proben
wurde der Verbraucher durch Angaben auf dem Etikett in die
Irre geführt. Ebenfalls ein großes Problem war die Bewerbung
von Fetten und Ölen mit nährwert- und gesundheitsbezogenen
Angaben. Bei 4 Proben wurde mit unzulässigen Aussagen be-
züglich der Gesundheit geworben.
Olivenöl – extra nativ oder extra verschnitten?
Kaum ein Speiseöl erfreut sich so hoher Beliebtheit wie Olivenöl.
Vor allem im Mittelmeerraum, wo sich das Hauptanbaugebiet
von Olivenbäumen befindet, ist es ein fester Bestandteil der
Er-
nährung. Mit knapp 70 % Anteil an der weltweiten Herstellung
ist die EU der größte Olivenölproduzent und –verbraucher glei-
chermaßen.
In Abhängigkeit von der Beschaffenheit der geernteten Oliven
und der Herstellungsmethode lassen sich Olivenöle unterschied-
licher Qualität gewinnen. Entsprechend ihrer Qualitätsmerk-
male sind die Öle nach der Verordnung (EWG) Nr. 2568/91 in
verschiedene Kategorien einordbar. Grundsätzlich ist dabei in
native und nicht native Olivenöle zu unterscheiden.
Das am meisten produzierte und in Verkehr gebrachte Olivenöl
ist das der Kategorie
nativ extra
. Es ist ein Öl erster
Güteklas-
se und wird direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen
Verfahren gewonnen.
Natives Olivenöl extra
hat einen Säurege-
halt von maximal 0,8 % und darf keinerlei sensorische Fehler
aufzeigen.
Olivenöl der Kategorie
nativ
unterscheidet sich von erstgenann-
tem dadurch, dass es einen höheren Säuregehalt und leichte
sensorische Abweichungen aufweisen darf. Auch
Lampantöl
zählt zu der Obergruppe der nativen Olivenöle, ist aber aufgrund
seiner mangelhaften Beschaffenheit nicht für den Verzehr durch
den Menschen geeignet und darf entsprechend nicht in Verkehr
gebracht werden.
Zu den nicht nativen Olivenölen zählen die Kategorien
raffinier-
tes Olivenöl, Olivenöl (bestehend aus raffinierten und nativen
Olivenölen), rohes Oliventresteröl, raffiniertes Oliventresteröl
und Oliventresteröl
. Hinsichtlich ihrer Beschaffenheit dürfen
davon nur
Olivenöl
und
Oliventresteröl
in Verkehr gebracht wer-
den, jedoch, ohne vermarktungstechnisch von großer
Bedeu-
tung zu sein.
Bei einem hochwertigem Produkt wie
nativem Olivenöl extra
,
welches sich durch eine hohe Nachfrage auf dem Markt aus-
zeichnet, ist es naheliegend, dass eine Verfälschung zum Bei-
spiel durch Verschnitt mit billigeren Speiseölen und einem so
herbeigeführten finanziellen Gewinn für Hersteller und
Ver-
markter reizvoll erscheint. Daher wird der wachsende Wettbe-
werbsdruck auf dem weltweiten Olivenölmarkt in Verbindung
mit expandierenden Märkten zunehmend von Produktfälschern
ausgenutzt.
Um die Qualität von Olivenölen und die Richtigkeit der dekla-
rierten Olivenölkategorie zu überprüfen, untersucht die LUA
Sachsen neben den Verderbnisparametern routinemäßig auch
diverse Authentizitätsparameter wie das Fettsäurespektrum, die
Iodzahl und den Brechungsindex. Zur Überprüfung der Herstel-
lungsmethode wird zudem ein UV-Differenzspektrum aufge-
nommen, aus welchem sich erkennen lässt, ob es sich um ein
natives Öl handelt oder Zusätze von raffiniertem Öl enthalten
sind.
Von den 223 zur Untersuchung eingereichten Proben Speiseöl/-
fett im Jahr 2018 waren 44 Proben Olivenöle, davon 42
native
Olivenöle extra
, 1
natives Olivenöl
und 1
Oliventresteröl
(Abbil-
dung 13). Etwa die Hälfte (21 Proben, 48 %) war sowohl
che-
misch, sensorisch als auch kennzeichnungstechnisch unauffällig
und daher nicht zu beanstanden. Zu 3 Proben (7 %) wurden
aufgrund kleinerer Mängel lediglich Befundmitteilungen ver-
fasst. Fast jede zweite Probe (20 Proben, 45 %) musste jedoch
beanstandet werden. Wie auch bei anderen Speiseölen waren
die meisten Mängel in der Kennzeichnung festzustellen (16 Pro-
ben, 36 %). Nicht selten sind solche Kennzeichnungsmängel
zu-
sätzlich irreführend für den Verbraucher. 3 Olivenöle verstießen
gegen sonstiges unmittelbar geltendes EU-Recht. So wurde bei-
spielsweise ein Olivenöl entgegen der Vermarktungsvorschriften
der Verordnung (EU) Nr. 29/2012 lose in Verkehr gebracht.
Positiv hervorzuheben ist, dass die wenigsten Olivenöle auf-
grund ihrer Beschaffenheit auffielen. Dennoch gab es auch 2018
wieder ein paar Ausnahmen. Von 42
nativen Olivenölen extra
entsprachen 5 Proben nicht den Qualitätsanforderungen der
angegebenen Olivenölkategorie. Ebenso erfüllte das untersuch-
te
Oliventresteröl
nicht die für diese Kategorie erforderlichen
Merkmale und wurde stattdessen als
raffiniertes Oliventresteröl
eingestuft, welches nicht im Einzelhandel vermarktet werden
darf. Trotz der festgestellten Qualitätsmängel handelte es sich
bei diesen Proben dennoch um Olivenöl.
Eine Probe eines libanesischen Herstellers, welche als „natives
Olivenöl extra“ in Verkehr gebracht wurde, entpuppte sich als
Verschnitt mit einem anderen pflanzlichen Öl. Schon in der
sen-
sorischen Prüfung wurde festgestellt, dass das Öl einen für
Oli-
venöl untypischen Geruch und Geschmack aufwies. Eine wahr-
nehmbare, fruchtige Note war im Vergleich zu anderen nativen
Olivenölen nur sehr schwach ausgeprägt. Die für Olivenöl artei-
gene Schärfe und bittere Note waren nicht vorhanden.
Fette, Öle, Feinkost, Zusatzstoffe
Abbildung 13: diverse Olivenölproben

image
38 │
Die Feststellung konnte mit diversen chemischen Parametern
untersetzt werden. Typische Fettkennzahlen wie die Iodzahl und
der Brechungsindex wichen von den für Olivenöl zu erwarten-
den Werten ab. Aus der erhöhten Iodzahl ließ sich schlussfol-
gern, dass ein Öl mit höherem Gehalt an einfach bzw. mehrfach
ungesättigten Fettsäuren eingesetzt wurde. Das
Fettsäurespek-
trum (Abbildung 14), welches nach Derivatisierung der im Öl
enthaltenen Fettsäuren gaschromatographisch ermittelt wird,
verifizierte diese Theorie und zeigte einen für Olivenöl
unty-
pisch hohen Gehalt an der mehrfach ungesättigten Linolsäure.
Der Gehalt an Ölsäure, welche die Hauptfettsäure im Olivenöl
darstellt und in bedeutenden Mengen enthalten ist, war in der
Probe dagegen sehr gering.
Anhand der ermittelten Fettkennzahlen und der
Fettsäurever-
teilung kamen die LUA Sachsen zu dem Schluss, dass es sich
bei der untersuchten Probe nicht um ein natives Olivenöl extra
handelte. Stattdessen deuteten die chemischen Parameter auf
einen Verschnitt mit Sonnenblumenöl hin. Die tatsächliche Zu-
sammensetzung kann jedoch nur beim Hersteller vor Ort geklärt
werden.
Die Untersuchungszahlen des vergangenen Jahres zeigen, dass
es hin und wieder Fälle gibt, bei denen die Qualität der
Oliven-
öle nicht der deklarierten Kategorie entspricht. Gründe hierfür
können beispielsweise mindere Qualität der geernteten Oliven,
mangelhafte Herstellungsbedingungen oder schlicht eine zu
lang gewählte Mindesthaltbarkeit sein. Die mutwillige Täu-
schung der Verbraucher ist in solchen Fällen nicht unbedingt
zu erwarten. Anders sieht es bei der näher beschriebenen Probe
aus, welche mit anderem pflanzlichen Öl verschnitten wurde.
Der Beweggrund für die Beimischung eines anderen Pflanzenöls
liegt eindeutig in der Gewinnerzielung. Dafür wird die Irrefüh-
rung des Verbrauchers, der ein minderwertiges Produkt für einen
hohen Preis erwirbt, in Kauf genommen. Hierbei handelt es sich
glücklicherweise um Einzelfälle.
Es lässt sich abschließend festhalten, dass der überwiegende
Teil der in der LUA Sachsen untersuchten Olivenöle im Hinblick
auf ihre Beschaffenheit den rechtlichen Qualitätsanforderungen
entspricht. Hauptproblem bleibt die rechtskonforme Kennzeich-
nung.
Von den 105 eingegangenen Proben an
Butter und Butterer-
zeugnissen
(hier zumeist Kräuterbutter) waren 2018 immerhin
15 Proben (12x Butter, 3x Kräuterbutter, entspricht 14,3 %) zu
beanstanden, was eine bemerkenswerte Steigerung gegenüber
den vergangenen Jahren darstellt (z. B. 2017: 110 Proben mit
4 Beanstandungen, 3,6 %). Auffällig war hierbei
überraschen-
derweise die Vielgestaltigkeit der Beanstandungsgründe sowie
erstmals eine breit gefächerte Herkunft der beanstandenden
Proben. Als Beanstandungsgründe überwogen zahlenmäßig
Kennzeichnungsmängel (15), hier speziell nach LMIV und Ver-
ordnung (EU) 1308/2013. Nur in einem Fall entsprach die
Zu-
sammensetzung (Wassergehalt > 16 %) nicht den Vorgaben der
oben genannten EU-Verordnung. Die Butter eines Importeurs fiel
durch eine Reihe abweichender sensorischer Eigenschaften auf,
was eine Beurteilung nach § 11 Abs. 2 Nr. 2b) LFGB als
wert-
gemindert nach sich zog. 3 Butterproben wiesen eine zu hohe
Anzahl an Enterobakterien auf. Die Probe einer vorverpackten
Kräuterbutter eines Lebensmitteldiscounters wies nach Analyse
des Kochsalzgehaltes eine erhebliche Abweichung im Vergleich
zur angegebenen Nährwertdeklaration auf. Hier erfolgte eine
Beanstandung als irreführende Angabe i. S. Art. 7 Abs.1a) LMIV.
Auch bei den 2018 insgesamt 849 untersuchten
Feinkoster-
zeugnissen
dominierten wie 2017 kennzeichnungsrelevante
Sachverhalte als Hauptbeanstandungsgrund. Von den hierbei
insgesamt 110 beanstandeten Proben (13 %) waren 48 Proben
zumindest mit einem Beanstandungsgrund hinsichtlich der Kri-
terien der LMIV zu bemängeln. Die Beanstandungsquote ins-
gesamt stimmte somit fast mit 2017 (12,7 % bei 875 Proben)
überein. Ebenso ist im Ergebnis der Überprüfung die mangelhaf-
te oder fehlende Kenntlichmachung von Zusatzstoffen bei
Fein-
kosterzeugnissen in loser Angebotsform ein häufiger Befund. So
mussten dahingehend 21 Proben beanstandet werden.
Bei immerhin 10 Feinkostsalatproben waren die angegebenen
Gehalte zumeist für Fett und/oder Kochsalz als irreführende
Angaben zu beurteilen, da die analytisch ermittelten Werte zu
stark von den deklarierten Angaben abwichen. Auffällige mikro-
biologische Befunde wiesen bei 61 Feinkostsalaten auf
Hygie-
nemängel hin, welche als Kurzgutachten oder Befundmitteilung
dem jeweiligen LÜVA gesandt wurden. Hier besteht häufig der
Verdacht, dass im Rahmen der Herstellung/Behandlung oder
dem Inverkehrbringen die im Verkehr erforderliche Sorgfalt
nicht beachtet wurde, was in Verbindung mit den Ermittlungs-
ergebnissen vor Ort zu klären ist.
Die Bestimmung der
Fettsäureverteilung mittels Gaschroma-
tographie
ist eine wichtige Analysenmethode zur Authentizi-
tätsprüfung von Fetten und Ölen sowie für die Überprüfung der
Angaben über gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach
ungesättigte Fettsäuren in der Nährwertkennzeichnung von
Le-
bensmitteln allgemein. Im Berichtsjahr wurde die
Fettsäurever-
teilung von insgesamt 224 Proben bestimmt. Darunter waren
hauptsächlich Speiseöle, aber auch Nahrungsergänzungsmit-
tel, Kindernahrung, Milch und Schokolade. Dass diese Analy-
tik immer mehr an Bedeutung gewinnt, zeigen die steigenden
Untersuchungs- und Beanstandungszahlen. So hat sich die
Untersuchungszahl im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt.
Die Beanstandungsquote, welche im Vorjahr noch bei 2,5 % der
untersuchten Proben lag, ist im Jahr 2018 auf 8,0 % gestiegen.
Die
Zusatzstoffuntersuchungen in Lebensmitteln
stellen eben-
falls eine wichtige lebensmittelchemische Untersuchung dar
(siehe LUA-Homepage, Tabelle 2.8). Zu den am meist
verwende-
ten und somit schwerpunktmäßig untersuchten Zusatzstoffen
zählen vor allem Konservierungsstoffe, Farbstoffe und
Süßungs-
mittel. So wurden im Jahr 2018 mehr als 2.000 Proben bzw.
Teilproben auf Zusatzstoffe in den Servicefachgebieten unter-
sucht. Nur 1,2 % davon mussten wegen
Höchstmengenüber-
schreitung, Verwendung nicht zugelassener Zusatzstoffe oder
anderweitigen Abweichungen zu den Vorgaben der Verordnung
(EG) Nr. 1333/2008 befundet werden. Der weitaus größere Teil
der Beanstandung entfällt jedoch auf Mängel in der
Kennzeich-
nung bzw. der Kenntlichmachung der eingesetzten Zusatzstoffe
Abbildung 14: Ausschnitt des Fettsäurespektrums der verschnittenen Probe
in Lebensmitteln.
(blau) und von nativem Olivenöl extra (rot)

image
│39
Bedarfsgegenstände und kosmetische Mittel
Die Aktivitäten im Bereich Bedarfsgegenstände und kosmetische
Mittel im Berichtszeitraum lassen sich in folgende wesentliche
Schwerpunkte untergliedern:
]
Weiterführung des Landesüberwachungsprogramms (LÜP)
zur Kontrolle der Guten Herstellungspraxis und rechtskonfor-
men Fertigung von Lebensmittelkontaktmaterialien im
Rah-
men von Betriebskontrollen sowie weitere Teamkontrollen
von lokalen Betrieben
]
Analytische Untersuchung und Beurteilung von Plan-, Ver-
dachts- und Beschwerdeproben, Konsolidierung und
spezifi-
sche Erweiterung bereits bestehender Analysenmethoden
]
Kommentierung von Gesetzgebungsinitiativen, Aus- und
Weiterbildung
Schwerpunkte im Untersuchungsbereich
Bedarfsgegenstände
sind vor allem solche mit Lebensmittelkontakt (605 Proben,
Be-
anstandungsquote 17,9 %), Gegenstände mit nicht nur
vorü-
bergehendem Körperkontakt (202 Proben, Beanstandungsquote
21,3 %), Spielwaren und Scherzartikel (96 Proben,
Beanstan-
dungsquote 29,2 %) sowie Reinigungs- und Pflegemittel für den
häuslichen Bedarf und Mittel und Gegenstände zur Geruchsver-
besserung (97 Proben, Beanstandungsquote 23,7 %).
Von den insgesamt 1.001 Proben wurden 10,6 % aufgrund von
Kennzeichnungsmängeln beurteilt. Stoffliche Mängel waren bei
10,1 % der Proben Grund der Beanstandung. Für 128 Proben
wurden Befundmitteilungen übermittelt, in denen auf geringe-
re Mängel, Substanzgehalte im oberen Grenzwertbereich, das
Agieren im rechtlichen Graubereich, die Notwendigkeit der Prü-
fung der Eigenkontrollen oder die Prüfung eines Sachverhalts in
einem anderen Zuständigkeitsbereich (z. B. Chemikalien- oder
Marktüberwachung) hingewiesen wurde.
Im Untersuchungsbereich
kosmetische Mittel
wurden 2018
insgesamt 759 Proben zur Untersuchung eingereicht. Von den
eingereichten Proben waren 202 (26,6 %) zu beanstanden. Bei
weiteren 34 Proben (4,5 %) wurde schriftlich auf bestehende
Mängel hingewiesen, eine formale Beanstandung wurde nicht
ausgesprochen. Insgesamt ist die Beanstandungsrate im Ver-
gleich zu den vergangenen Jahren unverändert hoch.
Wie in den letzten Jahren beruht der Großteil der Beanstandun-
gen auf fehlerhaften Kennzeichnungen (137 Proben; 67,8 % der
Beanstandungen). Irreführende Werbeaussagen auf Verpackun-
gen und/oder Werbeprospekten bzw. auf den Internetseiten der
Hersteller standen bei 58 der beanstandeten Proben (28,7 %)
im Fokus der Beurteilung. Die Überschreitung gesetzlich
vor-
geschriebener Höchstkonzentrationen bzw. die Anwesenheit
verbotener Stoffe wurde bei 22 Proben (10,9 %) festgestellt.
Weitere 22 Proben enthielten Stoffe, die entsprechend der EU-
Kosmetik-VO bestimmte Kennzeichnungsvorschriften erfordern,
die nicht eingehalten wurden. Dies betraf im Wesentlichen die
fehlende Kennzeichnung allergener Duftstoffe in der Liste der
Bestandteile.
Ein kosmetisches Mittel wurde im Berichtsjahr 2018 aufgrund
seines mikrobiellen Status als nicht sicher im Sinne des Art. 3
der EU-Kosmetik-VO beurteilt. Im Rahmen einer G@zielt-
Produktrecherche wurden weiterhin zwei Tätowiermittel un-
tersucht, die im vergangenen Jahr aufgrund hoher Schwerme-
tallgehalte (Nickel und Blei) eine ernste Gefahr im Sinne von
Artikel 12 Richtlinie 2001/95/EG (RAPEX) darstellten. Auch die
2018 geprüften Produkte jeweils anderer Chargen enthielten
vergleichbare Mengen an Nickel und Blei, was zeigt, dass die
Verunreinigungen unabhängig von der Produktionscharge kaum
schwanken und die eingesetzten Farbmittel für die Verwendung
in einem Tätowiermittel keine ausreichende Reinheit besitzen.
Bambusbecher - eine gute und ökologische Mehrwegop-
tion?
Der Konsum von „Coffee-to-go“ ist Teil des heutigen Lebens-
stils geworden. Die Abgabe der Heißgetränke erfolgt oft in Ein-
wegbechern aus Kunststoff oder kunststoffbeschichteter Pappe.
Die Becher haben bereits nach kurzer Zeit ihren Zweck erfüllt,
werden danach weggeworfen und erhöhen damit deutlich das
Müllaufkommen. Ein gesteigertes Umweltbewusstsein lässt
immer mehr Verbraucher zu Mehrwegalternativen greifen. Im
Trend liegen sogenannte Bambusbecher. Sie sind leicht, stoßfest
und in vielfältigen Designs erhältlich. Die im Handel angebote-
nen Bambusbecher werden gerne mit Worten wie „biologisch
abbaubar“, „ökologisch“, „nachhaltig“; „natürlich“, „aus
Na-
turmaterialien“ und „umweltfreundlich“ beworben. Das heißt,
Nachhaltigkeit und Ökologie der Produkte werden besonders
hervorgehoben und es entsteht der Eindruck, dass das Produkt
ausschließlich aus Naturmaterialen besteht.
Neben Coffee-to-go-Bechern gibt es weitere Produkte wie z. B.
Teller, Schüsseln und Trinkbecher auf dem Markt, die den Zusatz
„Bambus“ im Produktnamen tragen (Abbildung 15).
Allerdings ist die strukturgebende Komponente dieser Gegen-
stände ein Kunstharz. Einen Hinweis darauf bekommt man
durch die Angabe „enthält Melaminharz“. Vermutlich ist jedoch
nicht allen Verbrauchern bekannt, dass es sich hierbei um die
Bezeichnung für einen Kunststoff handelt. Bambusfasern, Mais-
mehl und andere natürliche Bestandteile dienen lediglich als
Füllmaterial. Entscheidend für die Form, Stabilität, Robustheit
und Haltbarkeit der Gegenstände ist der verwendete Kunststoff.
Daraus folgt eine Einordung als Bedarfsgegenstand aus Kunst-
stoff und die Produkte unterliegen demzufolge den Bestimmun-
gen der Kunststoffverordnung (EU) Nr. 10/2011.
Abbildung 15: Geschirr aus Bambusfasern - und Melaminharz als Bindemittel

image
40 │
Melaminharz ist nicht sonderlich hitzebeständig. Bei Tempera-
turen über 70 °C kann sich das Material zersetzen und Melamin
und Formaldehyd, die Monomere des Materials, freisetzen. Für
beide Substanzen ist in der Kunststoffverordnung geregelt, bis
zu welcher Höchstmenge diese Stoffe bei bestimmungsgemä-
ßem und vorhersehbarem Gebrauch des Gegenstandes auf das
Lebensmittel übergehen dürfen. Dabei sind Gegenstände mit
dem Füllstoff „Bambus“ offenbar weit weniger beständig als
herkömmliches Melamingeschirr.
Im Jahr 2018 wurden an der LUA Sachsen insgesamt neun
Pro-
ben mit der Bezeichnung bzw. der Auslobung „Bambus/Bamboo“
untersucht. Allgemein wurde bei allen Produkten die Natürlich-
keit der eingesetzten Materialien in den Vordergrund gestellt.
Bei zwei Produkten fehlten jedoch jegliche Hinweise auf die
Verwendung von Kunstharz zur Herstellung. Diese Produkte
wurden durch Weglassen relevanter Informationen mit Eigen-
schaften beworben, die nicht vollständig zutreffen, wodurch
jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit die Kaufentscheidung
um-
weltbewusster Verbraucher maßgeblich beeinflusst wird.
Kennzeichnung, Werbung und Aufmachung dürfen Verbraucher
nach Art. 3 Abs. 2 der VO (EG) 1935/2004 nicht irreführen.
Die-
sem Gebot wurde bei diesen zwei Proben nicht entsprochen.
Bei zwei weiteren Proben wurden Stoffübergänge von Melamin
und Formaldehyd in Lebensmittel bestimmt, die deutlich über
der jeweils zulässigen Höchstmenge lagen. Diese Produkte
ent-
sprachen nicht den Anforderungen an die Zusammensetzung
und wurden als nicht verkehrsfähig im Sinne der Kunststoffver-
ordnung beurteilt.
Aufgrund der Marktpräsenz dieser Produkte sowie der Relevanz
im Hinblick auf den Gesundheitsschutz sowie möglicher irrefüh-
render Werbung der Verbraucher wird die verstärkte Untersu-
chung solcher Produkte fortgeführt.
Wabbelmassen - Spielspaß mit Risiko?
Wabbelmassen, auch Spiel- oder Knetschleime genannt, sind
bei Kindern sehr beliebt. Es gibt diese feuchten, oft glibberigen
Spielmassen in einer nahezu unüberschaubaren Vielzahl: mit
und ohne Überraschungsfigur oder Glitter, fruchtig, eher
che-
misch oder unauffällig riechend, grell bunt, in gedeckten Farben
oder mit Farbverläufen, mit fast flüssiger Konsistenz oder auch
knetbar, wobei Knetfiguren nicht lange erhalten bleiben,
son-
dern zerfließen (Abbildung 16).
Die Spielmassen werden je nach Konsistenz geformt, geworfen,
zu Fäden gezogen oder auch für das Erzeugen „unanständiger“
Töne verwendet. Man kann sie über die Hände laufen lassen, da-
rin auf Schatzsuche gehen oder eben einfach herummatschen.
In jedem Fall ist der Hautkontakt intensiv und länger anhaltend.
Manche Wabbelmassen werden in einer Form angeboten, die
auch ein „Verkosten“ nicht ausschließt. Mit Duftstoffen versetzt
und mit lebensmittelähnlicher Verpackung wecken diese die
kindliche Neugier.
Spielschleime basieren in der Regel auf Polyvinylalkohol und
Borsäure (oder Borax, ein Salz der Borsäure). Teilweise werden
zusätzlich Konservierungsmittel wie beispielsweise Isothiazoli-
none und Ester der p-Hydroxybenzoesäure eingesetzt. Die Zu-
gabe von z. B. Farbmitteln, Glitter und Duftstoffen dient nur der
Variation des Erscheinungsbildes.
Borsäure besitzt puffernde, die Konsistenz beeinflussende,
weichmachende sowie konservierende Eigenschaften und ist aus
diesem Grund als Multitalent für die Herstellung von Wabbel-
massen praktisch. Allerdings ist die Substanz nach der Verord-
nung (EG) 1272/2008 als reproduktionstoxisch der Kategorie 1B
eingestuft. Dieser Kategorie werden Stoffe zugeordnet, die auf-
grund tierexperimenteller Studien mit deutlichen Nachweisen
für eine Beeinträchtigung der Sexualfunktion und Fruchtbarkeit
sowie der Entwicklung als wahrscheinlich reproduktionstoxisch
für den Menschen betrachtet werden müssen. Mit ersten aku-
ten Beeinträchtigungen der Gesundheit, die klinisch noch nicht
auffällig sein müssen, ist nach der Stellungnahme „Borsäurege-
halte in Slimys zu hoch“ des BgVV (Vorgängerinstitut des BfR)
bei Dosierungen ab etwa 50 mg/kg KG zu rechnen. Borsäure
wird nach oraler Aufnahme vollständig resorbiert. Die dermale
Resorption wird für intakte Haut als geringfügig angegeben, al-
lerdings erfolgt durch aufgeraute, entzündete oder defekte Haut
eine rasche Aufnahme in den Körper [1].
Aufgrund dieser toxikologischen Eigenschaften wurden für
Spielzeug Grenzwerte für die Borlässigkeit im Rahmen der
SpielzeugRL 2009/48/EG festgelegt. Nach Anhang II Abschnitt
III Punkt 13 darf für flüssige und haftende
Spielzeugmateriali-
en (Kategorie II) ein Migrationsgrenzwert für Bor von 300 mg/
kg bzw. für trockene, brüchige, staubförmige oder geschmeidi-
ge Spielzeugmaterialien (Kategorie I) ein Migrationsgrenzwert
für Bor von 1200 mg/kg nicht überschritten werden. Die in der
Tabelle unter Punkt 13 (Anhang II Abschnitt III) aufgeführten
Migrationsgrenzwerte sind deshalb in Abhängigkeit vom Ma-
terial des betreffenden Spielzeugs oder Spielzeugbestandteils
unterschiedlich, da je nach Beschaffenheit verschiedene orale
Aufnahmemengen an Spielzeugmaterial zu erwarten sind.
Von den sieben Proben Wabbel- und Knetmassen, die an der LUA
Sachsen im Jahr 2018 hinsichtlich ihrer Borlässigkeit untersucht
wurden, waren drei Proben zu beanstanden. Der anzuwendende
Grenzwert der SpielzeugRL wurde jeweils deutlich
überschrit-
ten, akute Gesundheitsbeeinträchtigungen waren allerdings
aus den analysierten Migrationsmengen nicht zu erwarten. Da-
bei bleibt zu erwähnen, dass sich die einheitliche Einordnung
mancher Produkte in die oben genannten Kategorien I und II,
das heißt insbesondere bezüglich der Zuordnung „geschmeidig“
versus „flüssig, haftend“, schwierig gestaltet und von Seiten der
Hersteller, der Handels- sowie der amtlichen Laboratorien teil-
weise unterschiedlich gehandhabt wird.
Zwei der sieben Proben, davon eine, die bereits hinsichtlich ih-
rer Borlässigkeit auffiel, wurden aufgrund ihrer Gehalte an dem
Abbildung 16: Vielfalt der Wabbelmassen
Konservierungsmittel 2-Methyl-4-isothiazolinon (MI), eine da-

│41
von zusätzlich aufgrund des Gehaltes an 5-Chloro-2-Methyl-
4-isothiazolinon (CMI) beanstandet.
Nach Anhang II Anlage C der SpielzeugRL sind für wässrige
Spielzeugmaterialien, die zur Verwendung durch Kinder unter
36 Monaten bestimmt sind bzw. in anderem Spielzeug, das dazu
bestimmt ist, in den Mund genommen zu werden, die zulässigen
Gehalte an CMI und MI begrenzt. Für CMI gilt ein Grenzwert
von 0,75 mg/kg und für MI ein Grenzwert von 0,25 mg/kg. Die
etablierten Grenzwerte sind der jeweiligen Bestimmungsgrenze
gleichgesetzt, so dass die Beschränkung einem Einsatzverbot
gleichgesetzt werden kann.
Die Festlegung der aufgeführten Gehaltsgrenzwerte resultiert
aus den stark sensibilisierenden Eigenschaften der genannten
Substanzen.
Da Wabbelmassen in der Regel nicht für Kinder unter 36 Mona-
ten und für den oralen Kontakt vorgesehen sind, greifen diese
Beschränkungen formal nicht. Aus Sicht des Verbraucherschut-
zes ist jedoch nicht akzeptabel und aus den Begründungen zur
Verwendungsbeschränkung nicht ableitbar, warum nur wenig
älteren Kindern eine gegebenenfalls erhebliche Exposition ge-
genüber sensibilisierenden Substanzen beim Spielen zuzumuten
ist. Zudem ist die Fokussierung auf das „in den Mund nehmen“
hier unerheblich, da für die vorliegende Thematik vorrangig eine
dermale Exposition sowie gegebenenfalls Reaktion (Kontaktder-
matitis) von Bedeutung ist.
Aus diesen Gründen wurden die Produkte gemäß § 3 Abs. 1 i.
V. m. § 10 Abs. 2 der 2. ProdSV beurteilt, wonach Spielzeug,
einschließlich der darin enthaltenen chemischen Stoffe, bei be-
stimmungsgemäßer oder vorhersehbarer Verwendung und un-
ter Berücksichtigung des Verhaltens von Kindern die Sicherheit
oder Gesundheit der Benutzer oder Dritter nicht gefährden darf.
Aufgrund dieser Prüfergebnisse für das Jahr 2018 sind vertiefte
Untersuchungen entsprechender Produkte auch weiterhin vor-
gesehen.
„Parfümfreie“ Kosmetika - halten sie, was sie verspre-
chen?
Kosmetische Mittel werden oft vorrangig zur Reinigung und
Pflege von Haut und Haaren, zusätzlich aber auch zur
Vermitt-
lung von Geruchseindrücken verwendet. Dabei sollten die Duft-
stoffe im Idealfall ein angenehmes Riecherlebnis beim Verbrau-
cher hervorrufen und somit sein Wohlbefinden steigern.
Bei individueller Disposition können allerdings gewisse Duft-
stoffe abhängig von ihrer Konzentration und Anwendungsdauer
allergische Reaktionen auslösen. Deshalb regelt die EU-Kosme-
tikverordnung die Anwendung und Kennzeichnung für die be-
sonders potenten Substanzen dieser Stoffklasse. So müssen 26
allergene Duftstoffe in der Liste der Bestandteile verpflichtend
angegeben werden, wenn ihre Konzentration in kosmetischen
Mitteln, die auf der Haut verbleiben, 0,001 % und solchen, die
abgespült werden, 0,01 % übersteigt. Daneben sind gewisse
Duftstoffe, die ebenfalls Inhaltsstoffe von duftgebenden Ingredi-
enzien oder natürlichen Parfümölen sein können, grundsätzlich
erlaubt, unterliegen aber hinsichtlich ihrer Höchstkonzentration
im fertigen Erzeugnis einer Beschränkung wie z. B. Methyleuge-
nol, 4-tert-Butyldihydrocinnamaldehyd oder Alpha-Damascone.
Durch die Kennzeichnungspflicht dieser potentiell allergenen
Duftstoffe kann es verkaufsfördernd sein, Kosmetika anzubie-
ten, die keine derartigen oder überhaupt keine Riechstoffe ent-
halten. Hersteller bieten deshalb seit vielen Jahren zunehmend
Produkte an, bei denen die Abwesenheit von Parfümstoffen im
Rahmen der Kennzeichnung und/oder Produktwerbung beson-
ders hervorgehoben wird. Dabei werden z. B. Formulierungen
wie „parfümfrei“, „ohne Duftstoffe“, „frei von Duftstoffen“, „un-
parfümiert“ oder „hypoallergen“ verwendet.
Nun stellen allerdings einige deklarationspflichtige
Duftstof-
fe multifunktionelle Stoffe dar und können auch zu anderen
Zwecken als zum Vermitteln von Geruchseindrücken verwendet
werden. Benzylalkohol wird z. B. zusätzlich als Lösungsmittel
und Konservierungsmittel eingesetzt, Farnesol wirkt zudem
desodorierend und konservierend. Als natürliche Inhaltsstoffe
können solche Substanzen ebenfalls in duftenden
Pflanzenex-
trakten oder etherischen Ölen enthalten sein.
Gemäß Art. 20 Abs. 1 der EU-Kosmetik-VO dürfen bei der
Kenn-
zeichnung, der Bereitstellung auf dem Markt und der Werbung
für kosmetische Mittel keine Texte, Bezeichnungen, Warenzei-
chen, Abbildungen und andere bildhafte oder nicht bildhafte
Zeichen verwendet werden, die Merkmale oder Funktionen
vor-
täuschen, die die betreffenden Erzeugnisse nicht besitzen.
Kosmetika mit multifunktionellen Wirkstoffen dürfen entspre-
chend, auch wenn diese Substanzen nicht gezielt zur Parfü-
mierung eingesetzt werden, nicht als „parfümfrei“ oder ähnlich
kenntlich gemacht sein, weil Verbraucher irregeführt werden
können.
Diese Thematik wurde nach 2013 erneut 2018 im Rahmen
ei-
nes Monitoring-Programms bearbeitet. Die LUA Sachsen hat
sich mit der Untersuchung von 20 Produktproben daran
betei-
ligt, welche gezielt unter dem Gesichtspunkt der werbenden
Hervorhebung der Abwesenheit von Parfüm bzw. Duftstoffen
in der Kennzeichnung im Handel entnommen wurden. Bei der
anschließenden Untersuchung waren die in der EU-Kosmetik-
VO im Anhang III unter den laufenden Nummern 45, 67 bis 92
aufgeführten allergenen Duftstoffe von besonderem Interesse.
Im Einzelnen wurden 15 Mittel zur Hautpflege wie z. B.
Kör-
perlotionen, Augen- und Gesichtscremes, Hand- und Fußcremes
sowie zwei Mittel zur Beeinflussung des Körpergeruchs, zwei
Sonnenschutzlotionen sowie ein Gesichtstonikum untersucht.
Bei drei Proben handelte es sich um zertifizierte Naturkosmetik.
Im Zusammenhang mit dem Verzicht auf Duftstoffe wurde in
der Kennzeichnung der untersuchten Kosmetika die Verwen-
dung für einen bestimmten Personenkreis beispielweise mit
folgenden Aussagen beworben: „für Neurodermitiker geeignet“,
„für Diabetiker empfehlenswert“ oder „für Babys besonders ge-
eignet“. Ein Hersteller richtete sich ganz gezielt an „Menschen
mit sensibler zu Allergien neigender Haut, die auf Parfümstoffe
verzichten wollen oder müssen“. Weitere werbende Hervorhe-
bungen bezogen sich auf die Hautbeschaffenheit wie beispiels-
weise „bei sensibler und überempfindlicher Haut“, „lindert
spür-
bar Trockenheit, Rauheit, Schuppung und Juckreiz“ oder „für
trockene und rissige Haut“.
Im Rahmen der an der LUA Sachsen durchgeführten Untersu-
chungen waren in 19 der 20 eingereichten Proben keine
de-
klarationspflichtigen Duftstoffe nachweisbar. Nur bei einem
Hautpflegeprodukt musste aufgrund des Nachweises von
Ben-
zylalkohol die Auslobung „parfümfrei“ in der Kennzeichnung des
kosmetischen Mittels beanstandet werden. Nach Aussagen des
Herstellers war Benzylalkohol Bestandteil des Konservierungs-
mittelsystems. Im Hinblick auf die Vorgaben gemäß Art. 20 Abs.

42 │
1 der EU-Kosmetik-VO wurde die Produktformulierung inzwi-
schen umgestellt, womit die Werbeaussage den gesetzlichen
Vorgaben entspricht.
Im Sinne des Verbraucherschutzes ist ein vorrangig positives Er-
gebnis für die speziell untersuchten Kosmetika in Bezug auf die
Gehalte an allergenen Duftstoffen zu verzeichnen: wo „kein Par-
füm“ draufstand, war auch in fast allen Produkten keines drin.
Henna – ein traditionelles, natürliches Färbemittel für
Haut und Haar
Der Extrakt des Hennastrauchs ist eines der gebräuchlichsten
natürlichen Färbemittel der Welt. Seine färbende Wirkung ist
bereits seit dem Altertum bekannt und wird auch heute noch
zur Färbung von Haut, Haaren, Nägeln und Wolle genutzt [2, 3].
Verantwortlich für die färbende Wirkung des Extraktes aus den
pulverisierten Blättern und Stängeln des in Nord- und Ostafrika
sowie weiten Teilen Asiens heimischen Hennastrauchs (Lawso-
nia inermis) ist der Farbstoff Lawson
(2Hydroxy-1,4-naphtochi-
non; CI Natural Orange 6). Dieser ist in Mengen von 1 - 2 % in
den getrockneten Blättern enthalten [2] und liegt in glykosi-
disch gebundener Form als Hennosid A, B und C vor. Nach
en-
zymatischer Hydrolyse und anschließender Oxidation entsteht
aus dem Aglykon der eigentliche orange bis fuchsrote Farbstoff
[2]. Um spezielle, auch dunklere, Farbtöne erzielen zu können,
werden häufig Mischungen aus Henna und anderen
farbgeben-
den Pflanzenbestandteilen, wie beispielsweise der Indigopflanze
(
Indigofera tinctoria
) und/oder der Färberdistel (
Carthamus tinc-
torius
), angeboten.
Besondere Vorsicht ist bei schwarzen Hennafärbungen geboten:
Diesen Mischungen wird in einigen Fällen der stark
sensibilisie-
rende Haarfarbstoff p-Phenylendiamin zur Farbintensivierung
und Verlängerung der Haltbarkeit zugesetzt. Ohne Zusatz eines
Oxidationsmittels zur Farbpaste ist die Gefahr einer
Sensibilisie-
rung durch direkte Applikation einer solchen Formulierung auf
die Haut besonders hoch und verantwortlich für das gehäufte
Auftreten teilweise sehr schwerwiegend verlaufender allergi-
scher Reaktionen nach solchen temporären Tätowierungen. Für
Henna selbst ist keine sensibilisierende Wirkung nachgewiesen
[4].
In Europa ist die Verwendung von Henna ausschließlich zur
Fär-
bung der Haare zulässig. Zur dekorativen Verzierung der Haut
sind weder Henna noch reines Lawson erlaubt, da sie nicht in
der Positivliste des Anhangs IV (für kosmetische Mittel zugelas-
sene Farbstoffe) der EU-Kosmetik-VO aufgeführt sind.
Trotz der in Europa unzulässigen Verwendung von Henna in kos-
metischen Mitteln zur Hautfärbung sind die traditionell in Afrika
und Asien verwendeten und hergestellten
Henna-Pasten bzw.
„Mehndi-Cones“
über den Internethandel auch in Deutschland
erhältlich.
Im Berichtsjahr wurde unter anderem ein Set, bestehend aus
drei verschiedenen, jeweils in Indien hergestellten Farbpasten,
entnommen bei einem Internethändler, zur Untersuchung ein-
gereicht. Beworben wurde das Produkt auf der Angebotsseite
des Händlers als „temporäres Henna Tattoo Kegel Kit“. Das Set
enthielt drei verschiedene Kegel mit bereits anwendungsberei-
ter Paste in den Farbtönen braun, rot und schwarz von zwei
verschiedenen Herstellern in Indien.
Im Rahmen der chemisch-analytischen Untersuchung konn-
te weder in der roten noch in der schwarzen Paste der Hen-
nafarbstoff Lawson nachgewiesen werden, ebenso wenig wie
p-Phenylendiamin. Stattdessen enthielten beide Proben die
häufig als Farbverstärker verwendete Pikraminsäure. Die
synthe-
tisch hergestellte Substanz ist entsprechend Anhang III, lfd. Nr.
280 der EU-Kosmetik-VO in kosmetischen Mitteln
ausschließ-
lich als Farbstoff in oxidativen und nichtoxidativen
Haarfärbe-
mitteln zulässig.
Da die beiden Proben nachweislich kein Lawson enthielten, ent-
sprach deren Bewerbung als Mittel für temporäre Hennatäto-
wierungen außerdem nicht dem Grundsatz des Art. 20 Abs. 1 der
EU-Kosmetik-VO i. V. m. Art. 2 und Anhang I, Abschnitt 2, Punkt
2.1. der Claims-VO, wonach ein Bestandteil gezielt vorhanden
sein muss, wenn in einer Werbeaussage für ein Produkt behaup-
tet wird, dass es diesen Bestandteil enthält.
In der braunen, als Mehndi Cone bezeichneten Paste, konnte
neben Lawson keiner der üblicherweise verwendeten syntheti-
schen Farbstoffe nachgewiesen werden. Bei dieser Probe
han-
delte es sich um das versprochene Produkt auf Henna-Basis.
Allerdings war das Mittel aufgrund der fehlenden Zulassung von
Henna in kosmetischen Mitteln zur Hautfärbung als nicht ver-
kehrsfähig zu beurteilen.
Im Berichtsjahr wurden insgesamt fünf
Naturhaarfarben auf
der Basis von Henna
untersucht. Diese werden vorrangig als
Pulvermischungen angeboten, die vor der Anwendung mit hei-
ßem Wasser zu einer Paste angerührt werden müssen. Nach
einer längeren Einwirkzeit von bis zu 2 Stunden entwickelt
sich die Farbe langsam und geht innerhalb von sechs bis acht
Stunden mit eiweißhaltigen Stoffen wie Haaren, Wolle, Sei-
de oder Haut, eine dauerhafte Verbindung ein. Das endgültige
Farbresultat erhält man nach dem Auswaschen der Farbpaste
nach Abschluss der Oxidationsreaktionen häufig erst nach 1 -
2 Tagen. Problematisch dabei ist das ungleichmäßige Aufzieh-
vermögen des Farbstoffs auf unterschiedliche Haarqualitäten,
so dass das Färbeergebnis nicht exakt bestimmt werden kann.
Einige Hersteller setzen ihren pflanzlichen Haarfarben deshalb
synthetische Farbstoffe zu, um einen gleichmäßigen und
inten-
siven Farbton garantieren zu können.
In zwei der untersuchten Proben wurde neben Henna auch der
synthetische Farbverstärker Pikraminsäure in rechtlich
zulässi-
gen Mengen nachgewiesen. Eine dieser beiden Proben wurde
als „Coloration aus natürlichen Pflanzenextrakten“ beworben.
Da das Farbpulver neben Henna ausschließlich Pikraminsäure
(INCI: Picramic Acid) und Wasser enthielt, wurde die Bewerbung
als nicht wahrheitsgetreu im Sinne des Art. 20 Abs. 1 der EU-
Kosmetik-VO i. V. m. Art. 2 und Anhang I Abschnitt Punkt 2.1 der
Claims-VO beurteilt. Die drei weiteren untersuchten Haarfärbe-
mittel enthielten als farbgebende Substanzen neben Henna aus-
schließlich weitere färbende Pflanzenextrakte wie z. B. Extrakte
der Indigopflanze und/oder der Färberdistel.
Im vergangenen Jahr fiel weiterhin ein pflanzliches
Haarfär-
bemittel auf, welches als „Henna black“ in Verkehr gebracht
wurde. Das Produkt enthielt entgegen der Produktbezeichnung
keine Anteile an Henna. Die versprochene Schwarzfärbung sollte
ausschließlich durch zwei verschiedene Indigo-Extrakte erzielt
werden. Nach überwiegender Sachverständigenmeinung müs-
sen pflanzliche Haarfärbemittel, die in der Bezeichnung den
Bestandteil „Henna“ ausloben, auch nennenswerte Anteile an
Lawsonia inermis
“ enthalten. Die Verwendung der Bezeichnung
„Henna schwarz“ bei Produkten, die keine solchen Bestandtei-
le beinhalten, täuscht ein Merkmal vor, welches diese Produkte
nicht besitzen. In diesen Fällen liegt ein Verstoß nach Art. 20
Abs. 1 der VO (EG) Nr. 1223/2009 vor [5].
Henna spielt als traditionelles, natürliches Färbemittel für Haut
und Haar auch in der heutigen Zeit noch eine große Rolle und

│43
Pflanzenschutzmittel-Rückstände in Lebensmitteln
Im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung wurden im
Berichtszeitraum insgesamt 1.420 Lebensmittelproben, davon
1.289 pflanzlichen und 131 tierischen Ursprungs, auf
Pflanzen-
schutzmittel-Rückstände untersucht. Der größte Probenanteil
(68,4 %) entfiel auf Frischobst/-gemüse sowie verarbeitetes
Obst und Gemüse (Konserven/Säfte/Trockenprodukte). Die Pro-
ben wurden sowohl in Filialen des Groß- und Einzelhandels als
auch auf Wochenmärkten und direkt in Erzeuger- bzw. verarbei-
tenden Betrieben entnommen.
Pflanzenschutzmittel (PSM) werden vor und nach der Ernte
pflanzlicher Erzeugnisse hauptsächlich zum Schutz gegen Pilz-
und Schädlingsbefall eingesetzt. Trotz vorschriftsmäßiger An-
wendung sind Rückstände chemischer Pflanzenschutzmittel in
den Erzeugnissen unvermeidbar. Zum Schutz von Mensch und
Natur verbietet der Gesetzgeber das Inverkehrbringen von Er-
zeugnissen, deren Rückstandsgehalte die EU-weit geltenden
Höchstgehalte überschreiten.
Über belastetes Futter und Wasser gelangen
Pflanzenschutzmit-
tel auch in den Organismus landwirtschaftlicher Nutztiere und
werden dort abgebaut, so dass Rückstände kaum nachweisbar
sind. Vereinzelt sind allerdings noch Spuren der seit mehr als
dreißig Jahren verbotenen persistenten, chlororganischen Wirk-
stoffe bestimmbar, die sich aufgrund ihrer guten Fettlöslichkeit
innerhalb der Nahrungskette Pflanze - Tier - Mensch anreichern.
Die ermittelte Belastungssituation der untersuchten Proben
pflanzlichen und tierischen Ursprungs ist in Tabelle 2.16 (siehe
LUA-Homepage) abgebildet. Die Proben mit gesicherten Über-
schreitungen der geltenden Rückstandshöchstgehalte sind in
Tabelle 2.17 zusammengestellt. Außerdem werden die Ergeb-
nisse der amtlichen Untersuchungen auf Pflanzenschutzmittel-
Rückstände in Lebensmitteln im Pestizidreport Sachsen auf den
Internetseiten des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales
und Verbraucherschutz veröffentlicht
(http://www.gesunde.
sachsen.de/Pestizidreport/).
Rückstandsuntersuchungen dienen nicht nur dem Ziel, die Ein-
haltung der geltenden Höchstgehalte zu kontrollieren, sondern
auch eventuelle unzulässige Anwendungen von PSM zu ermit-
teln. Nicht alle EU-weit genehmigten Pflanzenschutzmittel-
Wirkstoffe sind auch in Deutschland zugelassen. Die deutsche
Zulassungsbehörde ist das Bundesinstitut für Verbraucher-
schutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Es legt ebenfalls die
Anwendungsgebiete (Kultur/Schadorganismus) sowie Wartezei-
ten zwischen letzter Anwendung und Ernte fest. Im Berichts-
zeitraum wurden in insgesamt 24 Proben deutscher Herkunft
PSM-Rückstände bestimmt, die auf eine eventuelle unzulässige
Anwendung hinweisen. Der Gesetzgeber verbietet das Inver-
kehrbringen von Lebensmitteln mit Pflanzenschutzmitteln, die
nicht zugelassen sind oder die bei den Lebensmitteln oder deren
Ausgangsstoffen nicht angewendet werden dürfen.
Pflanzenschutzmittel-Rückstände in Obst und Gemüse
Insgesamt wurden 356 Proben Frischobst und 517 Proben
Frisch-
gemüse untersucht. Der Probenanteil von Erzeugnissen aus öko-
logischem Anbau betrug 4,9 % (22 Obst-, 21 Gemüseproben).
Von Erzeugern aus Deutschland stammten 430 (49,3 %) Proben,
davon 225 (25,8 %) von sächsischen Erzeugern.
Rückstandsfrei waren 316 (36,2 %) Proben, das heißt es wurden
keine PSM-Rückstände oberhalb der analytischen Bestimmungs-
grenze festgestellt. Wie zu erwarten waren auch die biologisch
erzeugten Proben unauffällig. Lediglich bei drei Bio-Obstproben
wurden PSM-Rückstände nachgewiesen. Im Bio-Anbau dürfen
die Erzeuger nur auf eine begrenzte Liste an Stoffen zurückgrei-
fen. Zudem dürfen im Sinne der VO (EG) Nr. 834/2007 die Stoffe,
die im Wesentlichen natürlichen Ursprung sind, nur bei erwiese-
nem Bedarf angewendet werden. Bei den gefundenen Rückstän-
den handelte es sich zum einen um den im Bio-Anbau zulässi-
gen Wirkstoff Spinosad, der in zwei Tafeltrauben nachgewiesen
wurde. Zum anderen wurde in einer Zitrone sehr geringe Anteile
an dem Schalenbehandlungsmittel Imazalil nachgewiesen. Der
gefundene Rückstand liegt allerdings Faktor 10-100 unter den
üblichen Anwendungsmengen, sodass hier von einer ungewoll-
ten Kontamination mit diesem Herbizid auszugehen ist.
Zu den Gruppen mit den geringsten PSM-Rückständen gehören
Sprossgemüse, wie Blumenkohl, Broccoli, Fenchel, Spargel und
Zwiebel. Hier wurden bei 80,9 % der Proben keine Rückstände
festgestellt. Bei Frischobst sind in der Gruppe der exotischen
Früchte wie Banane, Kaki, Mango oder Papaya, die geringsten
Belastungen mit Rückständen festzustellen. Bei 41,7 % der
Pro-
ben wurden keine Rückstände nachgewiesen. Zudem wurden im
Pestizide, Schadstoffe
der Markt hält entsprechende Produkte bereit. Traditionelle
Hennapasten zur Hautfärbung, wie sie in Afrika und Asien auch
zu rituellen Zwecken verwendet werden, sind in Europa nicht
verkehrsfähig. Dennoch sind derartige Produkte z. B. über das
Internet erhältlich oder werden insbesondere in Urlaubsregionen
an Straßenständen angeboten. Erfreulicherweise konnte in kei-
nem der hier untersuchten Haut- und Haarfärbemittel p-Pheny-
lendiamin nachgewiesen werden. Verbraucher, die mit dem Kauf
eines Haarfärbemittels auf Henna-Basis eine ganz natürliche
und ungefährliche Alternative zu den klassischen Oxidations-
haarfarben erwerben wollen, sollten die Liste der Bestandteile
genau unter die Lupe nehmen.
Quellen
[1] Borsäuregehalte in Slimys zu hoch. Stellungnahme des Bun-
desinstituts für Verbraucherschutz und Veterinärmedizin
vom 01.02.1995
https://mobil.bfr.bund.de/cm/343/borsa-
euregehalte_in_slimys_zu_hoch.pdf
[2] Handbook of natural colorants; Thomas Bechtold, Rita
Mussak; John Wiley & Sons, 06.04.2009
[3] Beitrag zu Henna und Henna-Mischungen auf der Internet-
seite
www.haut.de
[4] Pressemitteilung 14/2007; 18.07.2007; BfR warnt erneut
vor Henna-Tattoos
[5] Stellungnahme Nr. 2015/50 Zulässigkeit der Bezeichnung
„Henna schwarz“ für ein pflanzliches Haarfärbemittel ohne
Bestandteile von „Lawsonia inermis“; veröffentlicht im
Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit,
J. Verbr. Lebensm.,DOI 10.1007/s00003-016-1018-4

44 │
Berichtsjahr erstmalig vier Proben Zuckerrüben aus sächsischem
Anbau untersucht, die erfreulicher Weise frei von
Pflanzen-
schutzmittel-Rückständen waren.
In einem großen Anteil der Proben wurden jedoch
Mehrfach-
rückstände festgestellt. Bei 30,6 % der Gemüseproben und bei
59,3 % der Obstproben waren zwei oder mehr Rückstände
fest-
zustellen. Im Allgemeinen ist die Belastung von Obst mit Rück-
ständen höher als bei Gemüse (Abbildung 17). Dies ist vor allem
der leichteren Verderblichkeit und Anfälligkeit gegen Schador-
ganismen zuzuschreiben.
Rückstände oberhalb der geltenden Höchstgehalte enthielten
18 (1,5 %) Proben an Frischobst und -gemüse. Besonders
fie-
len im Berichtszeitraum sechs Proben an exotischem Gemüse
auf, die in einem Asia-Großhandel gezogen wurden. Zu den
Proben gehörten Süßblattbusch (Phrase ngot), Reisfeldpflanze
(Rau ngo), Wassersellerie (Can nuoc), langer Koriander (Min
Tau), Wassermimose (Rau giut) und chinesischer Fieberwein.
Die genannten Gemüsearten sind besonders in der asiatischen
Küche beheimatet. In vier der Proben wurden deutliche Über-
schreitungen der gesetzlichen Rückstandshöchstgehalte festge-
stellt. In einer der Proben (Wassersellerie) wurden vier in der
EU verbotene Wirkstoffe gefunden. Zudem führte der festge-
stellte Gehalt an dem zulässigen Pflanzenschutzmittel
Chlorpy-
rifos zur Überschreitung der toxikologischen Grenzwerte für die
einmalige (ADI) oder kurzzeitige (ARfD) Aufnahme. Da eine ge-
sundheitliche Beeinträchtigung durch den Verzehr des derartig
belasteten Lebensmittels nicht auszuschließen war, wurde eine
Informationsmeldung in das Schnellwarnsystems der Europäi-
schen Kommission eingestellt.
Tricyclazol in Reis und Reisprodukten
Der Wirkstoff Tricyclazol wird in Reiskulturen als Fungizid,
also pilzhemmender bzw. pilzabtötender Wirkstoff, eingesetzt,
wie z. B. gegen den Reisbrandpilz. In der Europäischen Union
ist der Wirkstoff allerdings nicht für die Verwendung in
Pflan-
zenschutzmitteln zugelassen. Diese Entscheidung erfolgte im
Rahmen der lebensmittelrechtlichen Vorgaben bereits 2008 und
wurde 2016 nach einem erneuten Zulassungsantrag bestätigt.
Mit dem Widerruf aller Zulassungen für Pflanzenschutzmittel,
die den Wirkstoff bis dahin enthielten, entfiel die
Notwendig-
keit, den bisher für Reis festgelegten Rückstandshöchstgehalt
von 1,0 mg/kg beizubehalten.
In diesem Fall wird der Rückstandshöchstgehalt für den
betref-
fenden Wirkstoff in der Regel auf die analytisch erreichbare Be-
stimmungsgrenze (hier: 0,01 mg/kg) festgesetzt. Dies erfolgte
2017 im Rahmen der Verordnung (EU) 2017/983 der
Kommis-
sion.
Wegen der langen Haltbarkeit von Reis wurde im Rahmen dieser
Verordnung eine Übergangsregelung geschaffen, um die norma-
le Vermarktung und den Verbrauch für Reis zu ermöglichen, der
bereits 2016 oder früher erzeugt worden war. Die Verordnung
(EU) 2017/983 galt für Reis daher erst ab dem 30. Juni 2017.
Da Basmatireis vor der Vermarktung einen zusätzlichen Rei-
fungsprozess durchläuft, gilt für diesen eine um 6 Monate ver-
längerte Übergangsfrist, die am 30. Dezember 2017 endete.
In den in der LUA Sachsen untersuchten Proben von Reis und
Reisprodukten wurden in den vergangenen Jahren wiederholt
Rückstände von Tricyclazol festgestellt. Bereits 2017 wurden in
3 Proben Basmatireis Tricyclazol-Rückstände zwischen 0,10 und
0,61 mg/kg ermittelt. In 4 Proben Langkornreis wurden bis zu
0,015 mg/kg Tricyclazol gemessen.
Wegen des in der Übergangszeit noch geltenden Rückstands-
höchstgehaltes von 1,0 mg/kg führten die Ergebnise von 2017
nicht zur Beanstandung.
Im Berichtszeitraum 2018 kam es bei 2 Reisproben zur
Über-
schreitung des (neuen) Rückstandshöchstgehaltes von
0,01 mg/kg: eine Probe Jasminreis wies 0,031 mg/kg und eine
Probe Basmatireis 0,035 mg/kg des Wirkstoffs auf.
Auch in Reisnudeln wurde Tricyclazol gefunden, der Gehalt lag
allerdings unter 0,01 mg/kg.
Diese Tendenz setzte sich auch im laufenden Jahr fort: bis zur
Erstattung des vorliegenden Jahresberichts wurde für eine Pro-
be Basmatireis eine Höchstgehaltsüberschreitung bei einem Ge-
halt von 0,084 mg/kg Tricyclazol festgestellt.
Auch bundesweit wurden in letzter Zeit häufig Reisproben
wegen Überschreitung des Höchstgehaltes für Tricyclazol be-
anstandet. In den letzten 4 Quartalsberichten des BVL zu den
Analysenergebnissen der Lebensmittelüberwachung waren da-
von insgesamt 17 Reisproben betroffen, darunter 10 Proben
Basmatireis.
Zur Beurteilung der gesundheitlichen Auswirkungen bei der
Aufnahme von Tricyclazol-Rückständen auf Verbraucher wur-
den die toxikologischen Daten des Wirkstoffs sowie die Ver-
zehrsmengen der europäischen Verbraucher für Reis heran-
gezogen. Die ermittelte Wirkstoffaufnahme lag selbst für den
höchsten gefundenen Rückstandsgehalt nur bei etwa 1 bis 2 %
des Referenzwertes, für den bei wissenschaftlichen Untersu-
chungen (noch) kein erkennbares Gesundheitsrisiko festgestellt
werden konnte. Eine akute Gefährdung der Gesundheit konnte
damit sowohl für Erwachsene als auch für Kleinkinder mit hoher
Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.
Aus der Arbeit der AG Dioxine
Im Jahr 2014 wurde die Arbeitsgruppe „Dioxin-AG“ in Sachsen
gegründet. Mitglieder sind Vertreter der LUA Sachsen und des
LfULG sowie der BfUL aus verschiedenen Fachbereichen, wie
Lebensmittel, Futtermittel, Landwirtschaft, Boden und Umwelt.
Somit liegen Informationen und Fachkompetenzen aus
meh-
reren Zuständigkeitsbereichen vor, welche gebündelt werden
können. Schwerpunkte der AG sind, wie der nachfolgende Fall
beispielhaft verdeutlichen soll, unter anderem die Beratung und
Unterstützung der zuständigen Akteure bei der Aufklärung und
der Ursachenforschung im Falle von Dioxinkontaminationen in
den verschiedenen Kompartimenten.
In einer zur Untersuchung an der LUA Sachsen eingereichten
Probe „Ente“ eines Direktvermarkters wurden Ende 2017
Ge-
233
126
74
38
23
10
8
4
1
83
62
64
53
41
24
12
12
5
0
50
100
150
200
250
0
1
2
3
4
5
6
7
> 8
Anazhl Proben
Anzahl Wirkstoffe
Gemüse
Obst
Abbildung 17: Mehrfachrückstände in Obst und Gemüse

│45
halte an Dioxinen (PCDD/F), dioxinähnlichen polychlorierten
Biphenylen (dl-PCB) und deren Summe festgestellt, die die gel-
tenden Höchstgehalte nach Verordnung (EG) Nr. 1881/2006
bzw. Auslösewerte gemäß Empfehlung 2013/711/EU deutlich
überschritten. Entsprechend der Empfehlung sollte die zustän-
dige Behörde in Fällen, in denen Gehalte an Dioxinen und/oder
dioxinähnlichen PCB über den Auslösewerten gefunden werden,
in Zusammenarbeit mit dem betroffenen Unternehmen Unter-
suchungen zur Ermittlung der Kontaminationsquelle einleiten
und Maßnahmen zur Beschränkung oder Beseitigung der Kon-
taminationsquelle treffen. Ziel ist die langfristige Reduzierung
des Anteils von Dioxinen und dioxinähnlichen Verbindungen in
Lebensmitteln, da auch heute noch einige Bevölkerungsgruppen
Mengen derartiger Verbindungen aufnehmen, die das toxikolo-
gisch vertretbare Maß übersteigen.
Erste, seitens des zuständigen Lebensmittelüberwachungs- und
Veterinäramtes und der unteren Bodenschutzbehörde durch-
geführte, Ursachenermittlungen wiesen darauf hin, dass gege-
benenfalls Abschwemmungen auf die Weideflächen aus einer
nahe gelegenen Deponie Grund für den Schadstoffeintrag sein
könnten. Die AG Dioxine, insbesondere die Abteilung Boden des
LfULG, wurde um Amtshilfe bei der Ermittlung der Ursachen für
die Kontaminationen in den Tierkörpern gebeten. Nach Abstim-
mung innerhalb der AG erfolgte bei einer Vor-Ort-Begehung im
Januar 2018 zunächst die Inaugenscheinnahme der Fläche zur
Freilandhaltung des betroffenen Geflügels. Zu diesem Zeitpunkt
standen dort keine Tiere mehr, aber es war erkennbar, dass noch
bis vor kurzem dort Enten und Gänse gehalten wurden. Es konn-
ten Hinweise auf wassergeschwemmte Einträge von Aschen/
Pigmenten aus einer nahe gelegenen Altablagerung festgestellt
werden. Die Oberflächenabdeckung der Ablagerung wurde
of-
fenbar durch Tiere durchbrochen, so dass bei Regen Material auf
die darunterliegende Weide verfrachtet wurde. Zur Ursachener-
mittlung wurden 7 Bodenproben entnommen. Bei diesen zeig-
ten sich im Oberboden der tiefer liegenden Auslaufflächen
deut-
lich erhöhte Konzentrationen an Dioxinen, dioxinähnlichen PCB
und weiteren Schadstoffen, welche eine maßgebliche Ursache
für die festgestellten Überschreitungen in den Geflügelproben
darstellten. Die zum Vergleich untersuchten Oberböden der hö-
her gelegenen Flächen zeigten hingegen keine Auffälligkeiten.
Um die Belastungssituation des landwirtschaftlichen Betriebes
weiter zu beobachten, wurde im Frühjahr 2018 eine Probe Eier
zur Untersuchung an der LUA Sachsen eingereicht. Die festge-
stellten Gehalte an Dioxinen und dl-PCB lagen deutlich unter
den geltenden Auslösewerten und Höchstgehalten. Ebenso
zeigten die im November 2018 an der LUA Sachsen analysierten
Enten des Erzeugers, welche auf anderen Flächen als die 2017
eingereichten Enten gehalten wurden, unauffällige Gehalte an
den untersuchten Schadstoffen.
Neben den beiden Sitzungen der „Dioxin-AG“ fand 2018 eine
gemeinsame Abschlusspräsentation bezüglich des
FuE-Vorha-
bens „PCDD/F und dl-PCB im Wirkungspfad Boden-Grünland-
Weiderind“, welches 2016 - 2018 durchgeführt und
ausgewer-
tet wurde, um den Pfad näher zu betrachten, statt. Bundesweite
Fleischuntersuchungen wiesen für die PCDD/F und dl-PCB auf
einen bedeutsamen Übergang bei Weiderindern in das Rind-
fleisch hin, was in den Lebensmittelproben einen hohen Anteil
an Überschreitungen der Höchstgehalte zur Folge hatte. Das
Vorhaben sollte anhand exemplarischer Untersuchungen klären,
ob und in welchem Umfang dieses Problem auch für typische
Situationen in der Mutterkuhhaltung im Freiland in Sachsen
be-
steht. Die Veröffentlichung der entsprechenden Publikation ist
für 2019 vorgesehen.
Amtliche Außendienstaufgaben
Weinüberwachung 2018: Qualität und Sicherheit der
edlen Tropfen gewährleistet – 99 % ohne Beanstandung
Im Berichtszeitraum wurden stichprobenartig auch wieder Kel-
tertrauben sächsischer Erzeuger auf
Pflanzenschutzmittelrück-
stände (PSM) untersucht. Die amtliche Probenahme erfolgte in
der Regel im Beisein des Weinkontrolleurs direkt bei der Lese
bzw. bei der Anlieferung der frischen Trauben zur Kelterung. Wie
in den letzten Jahren zeigten sich bei etwa Dreiviertel der 25
Proben Mehrfachrückstände an Pflanzenschutzmitteln
(maxi-
mal 11 Wirkstoffe), wobei der Großteil der verwendeten Wirk-
stoffe den Fungiziden zuzuschreiben ist. Bei den verwendeten
Pflanzenschutzmitteln handelte es sich durchweg um im
Wein-
bau in Deutschland zulässige Wirkstoffe in nicht zu beanstan-
denden Konzentrationen; unzulässige PSM-Wirkstoffe wurden
nicht bestimmt.
Erstmalig wurden im zurückliegenden Jahr zudem auch teilwei-
se gegorene
Traubenmoste
(Federweißer) aus Sachsen im
Rah-
men eines Monitoring-Programms hinsichtlich ihrer Gehalte an
PSM untersucht. Auch hier erwiesen sich die meisten der 23 un-
tersuchten Proben als unauffällig und waren nicht zu beanstan-
den. In zwei Proben waren keinerlei PSM-Rückstände, in einer
weiteren nur ein Wirkstoff bestimmbar. Die restlichen Proben
enthielten 2 bis 9 zulässige Wirkstoffe, jeweils deutlich
unter-
halb der gesetzlichen Höchstgehalte. Allerdings wurde in einem
sächsischen Federweißen das unzulässige Fungizid Spiroxamin
bestimmt und in einer weiteren Probe das im Weinbau ebenfalls
unzulässige Insektizid Pirimicarb geringfügig, aber signifikant
oberhalb der Bestimmungsgrenze analysiert.
Im Jahr 2018 wurde das vollumfängliche
Landesüberwachungs-
programm (LÜP) bezüglich PSM-Rückständen in sächsischen
Landweinen
weitergeführt. Es wurden 59 sächsische Landweine
durch den Weinkontrolleur in den Betrieben entnommen. Auch
hier erwiesen sich die meisten Erzeugnisse als gesetzeskonform.
Ein Rotling des Jahrganges 2017 war jedoch aufgrund des
Ge-
haltes an Iprodion auffällig; daneben wies dieser Wein
senso-
rische Fehltöne auf, war überschwefelt und auch hinsichtlich
seiner Etikettierung vorschriftswidrig. Die anderen untersuch-
ten Landweine waren hingegen bezüglich ihrer PSM-Gehalte
unauffällig. Zwei weitere Landweine waren überschwefelt, vier
Erzeugnisse waren sensorisch auffällig und ein Landwein ent-
sprach hinsichtlich seiner Etikettierung nicht den Rechtsvor-
schriften.
Die Untersuchung aller sächsischen
Qualitäts- und Prädikats-
weine
im Rahmen der amtlichen Qualitätsweinprüfung stellte
auch im Jahr 2018 einen Arbeitsschwerpunkt der Weinkontrolle
dar.

46 │
Aufgrund der Änderung der Weinrechtsdurchführungsverord-
nung Sachsen im September 2016 sind sämtliche Qualitäts- und
Prädikatsweine im Rahmen des Verfahrens der amtlichen Qua-
litätsweinprüfung obligatorisch an der LUA Sachsen zu unter-
suchen, wobei (für die Erzeuger kostenneutral) alle Erzeugnisse
auch auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht werden.
Im zurückliegenden Jahr wurden in diesem Zusammenhang 824
Weine analysiert, davon 562 Weine im Rahmen der Erstanstel-
lung auch auf PSM. 99,6 % der Weine waren hinsichtlich
ih-
rer PSM-Rückstände rechtskonform, lediglich bei zwei Weinen
(2017er Rotling) wurden abermals unzulässige PSM-Wirkstoffe
(Iprodion, Propamocarb) oberhalb der Bestimmungsgrenze ana-
lysiert. Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Iprodion sind
in Deutschland generell nicht zugelassen. Präparate mit dem
Wirkstoff Propamocarb sind in Deutschland zwar für einige Kul-
turen zugelassen (unter anderem für Kartoffeln und verschie-
dene Gemüsearten), eine Zulassung für den Weinbau besteht in
Deutschland jedoch nicht.
Durch die umfangreichen Untersuchungen sächsischer Weine
bzw. Weinbauerzeugnisse auf Pestizidrückstände konnte erneut
belegt werden, dass Weine und Weinerzeugnisse in Sachsen fast
ausnahmslos sauber und rechtskonform sind. Nur in wenigen
Einzelfällen wurden Rückstände unzulässiger PSM-Wirkstoffe
bestimmt. Die ermittelten Gehalte waren in keinem Fall
gesund-
heitsrelevant. Darüber hinaus waren jeweils keine großen
Wein-
mengen betroffen. Die Aufklärung der Eintragswege obliegt der
Pflanzenschutzmittelanwendungskontrolle des LfULG, wobei die
konkreten Gegebenheiten vor Ort detailliert zu prüfen sind.
Außer diesen Sonderprogrammen liefen zeitaufwändige Un-
tersuchungen von 122 Weinen, die von den Zollämtern einge-
schickt wurden und die Untersuchung von Planproben aus den
LÜVÄ. Hier sorgten abermals
Glühweine
und insbesondere auch
Fruchtglühweine von Weihnachtsmärkten für zahlreiche
Be-
anstandungen. Erneut waren einige Erzeugnisse unsachgemäß
hergestellt worden, so dass es zu vermeidbaren Geschmacks-
veränderungen und Alkoholeinbußen kam; drastisch waren die
Fälle eines Glühweins mit einem Alkoholgehalt von nur noch
3,9 %vol (von ursprünglich 8,8 %vol) sowie eines
Fruchtglüh-
weines mit 2,8 %vol (von 7,7 %vol), die in keiner Weise mehr
der Verkehrsauffassung entsprachen. Auch ein unzulässig „ge-
wässerter“ Glühwein wurde ermittelt. Zudem wurden zahlreiche
Kennzeichnungsmängel bei dieser Erzeugnisgruppe festgestellt.
Ungewöhnlich war ferner eine, aus mehreren Teilproben be-
stehende, Probe spanischer Weine bzw. weinhaltiger Getränke,
die bereits optisch durch eine leuchtend blaue Färbung auffiel,
deren Ursprung auf den Etiketten mit den Gehalten spezieller
natürlicher Anthocyane erklärt wurde. Bei der Analyse wurde
aber der künstliche Farbstoff Brillantblau (E 131) nachgewiesen,
der - ebenso wie eine gleichfalls nachgewiesene Aromatisierung
- hier unzulässig ist. Neben den nach wie vor häufigen
Bean-
standungen wegen Kennzeichnungsverstößen wie fehlende oder
falsche Allergenkennzeichnung, Alkoholabweichungen, unzu-
lässige Verwendung weinrechtlich geschützter Angaben sowie
sensorischer Auffälligkeiten (z. B. Böckser, untypische Alte-
rungsnote, Mäuselton, Esternote, Oxidationstöne) wurden zwei
überschwefelte sächsische Landweine sowie ein Quittenwein
mit einem zu hohen Aluminiumgehalt von 13 mg/l beanstandet.
Futtermittelüberwachung
Die amtliche Futtermittelüberwachung Sachsen ist für die
Überwachung der etwa 6.860 hiesigen
Futtermittelunterneh-
mer (Hersteller, Händler und Landwirte) zuständig. Auf Basis der
jährlich aktualisierten Risikoeinstufung wurden im Berichtsjahr
von den fünf Außendienstmitarbeitern der LUA Sachsen 921 In-
spektionen dieser Betriebe durchgeführt und dabei 873 amtliche
Proben entnommen, die vertragsgemäß an der Betriebsgesell-
schaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) in Nossen analy-
siert wurden.
Die im Innendienst tätigen Mitarbeiter sind unter anderem für
die Auswertung der Untersuchungsergebnisse und die Ahndung
von Verstößen gegen das Futtermittelrecht zuständig. Im Jahr
2018 wurden unter anderem fünf Verwarnungen
ausgespro-
chen und fünf Bußgeldverfahren eingeleitet. Bei den amtlichen
Probenahmen werden nicht nur Proben von sächsischen
Futter-
mittelherstellern entnommen, die örtliche Zuständigkeit für die
Ahndung von Verstößen liegt in dem Bundesland, in dem der
Hersteller des Futtermittels seinen Betriebssitz hat. In diesem
Zusammenhang wurden im vergangenen Jahr 18 Vorgänge an
die Futtermittelüberwachungsbehörden anderer Bundesländer
abgegeben.
Einen Arbeitsschwerpunkt bildeten auch im zurückliegenden
Jahr Salmonellenfunde in Futtermitteln (z. B. in
Extraktions-
schroten aus der Ölgewinnung), die – unabhängig vom Serovar –
eine Sperrung der betroffenen Charge und eine Rückverfolgung
der Liefer- bzw. Verarbeitungswege zur Folge haben.
EU-Audit zu Futtermittelzusatzstoffen
Im Frühjahr fand ein Auditbesuch von Vertretern der
Europäi-
schen Kommission, DG SANTE (Generaldirektion für Gesundheit
und Lebensmittelsicherheit) in Sachsen statt. Ziel dieses Audits
war die Überprüfung der amtlichen Kontrollen von
Futtermittel-
zusatzstoffen, ihren Zutaten und ihrer Rückverfolgbarkeit ge-
mäß der VO (EG) Nr. 882/2004 sowie insbesondere auch der
Fut-
termittelzusatzstoff-Verordnung (VO (EG) Nr. 1831/2003) und
der Futtermittelhygiene-Verordnung (VO (EG) Nr. 183/2005).
Das Audit umfasste die Planung und Durchführung der entspre-
chenden amtlichen Kontrollen. In Vorbereitung des Audits war
ein umfassender Fragebogen zu beantworten. Unter anderem
war die Verteilung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten der
zuständigen Behörden darzustellen und dabei insbesondere auf
die Planung und Durchführung der amtlichen Kontrollen von
Futtermittelzusatzstoffen und Vormischungen, ihren Zutaten
und ihrer Rückverfolgbarkeit einzugehen. Des Weiteren wurde
eine kurze Beschreibung der Verfahren für die Registrierung und
Zulassung von Herstellern, Einführern und Händlern von
Fut-
termittelzusatzstoffen/Vormischungen gewünscht. Dabei ging
es insbesondere um die Darstellung der Mechanismen, mit de-
nen sichergestellt wird, dass die Verzeichnisse der betreffenden
Futtermittelunternehmer aktuell sind und alle derartigen
Un-
ternehmer umfassen. Daten zu registrierten bzw. zugelassenen
sächsischen Herstellern, Importeuren und Händlern von
Futter-
mittelzusatzstoffen/Vormischungen bzw. von Zutaten für deren
Herstellung sowie zu Herstellern von Mischfuttermitteln, die
Futtermittelzusatzstoffe/Vormischungen verwenden, waren
de-
tailliert zuzuarbeiten. Ebenso waren im Vorfeld der EU-Kontrolle
die Grundlagen für die risikoorientierte Planung und Durchfüh-
rung der amtlichen Futtermittelkontrollen zu beschreiben sowie
die Qualifikation und Schulung des Personals nachzuweisen.
Die Eingangsbesprechung (Opening Meeting) für das Audit fand
am 13. März 2018 im Bundesamt für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin statt. Neben dem Audit-
team unter Leitung eines schwedischen Kollegen nahmen das
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL),

image
│47
das BVL, Vertreter der Amtlichen Futtermittelüberwachung von
den Kontrollbesuchen unmittelbar betroffenen Bundesländern
Mecklenburg-Vorpommern, Bayern und Sachsen daran teil.
Anschließend wurden in Sachsen je ein Hersteller von
Futtermit-
telzusatzstoffen und ein Händler von Futtermittelzusatzstoffen
besucht. Dabei wurden nicht die Betriebe, sondern die Behörde
überprüft. Seitens der LUA Sachsen nahmen zwei Kontrolleure
der Amtlichen Futtermittelüberwachung an den
Betriebsbesu-
chen teil, welche die gesamte Dokumentation vorzulegen hat-
ten (z. B. Kontrollberichte, Checklisten, Probenahmeprotokolle,
Laborberichte, Zulassungsbescheide). Auch sämtliche betriebli-
chen QM-Dokumente, vor allem HACCP-Konzepte, betriebliche
Eigenkontrollen, Homogenitätsprüfungen und Deklarationen
wurden benötigt. Anfangs stellte sich das besuchte Unterneh-
men selbst kurz vor und ein kurzer Rundgang zu einzelnen Berei-
chen des Betriebes wurde durchgeführt. Die Auditoren verteilten
an die Kontrolleure klare, zum Teil sehr umfassende Aufgaben,
insbesondere im Bereich der Rückverfolgbarkeit, zu Rückstell-
proben, HACCP, Analyseauswertung, Qualitätssicherung, Dekla-
ration und Probenahme. Nach kurzer Vorbereitungszeit mussten
die Kontrolleure die gestellten Fragen und Nachfragen
umfas-
send beantworten, so dass der Verlauf des Audits sehr einer
Prüfungssituation glich. Jeweils nach Abschluss des Audits im
Betrieb gab es ein Gespräch zwischen dem Auditteam und den
Schlachtbetrieben durchgeführt (siehe LUA-Homepage, Tabelle
2.20 bis 2.24).
Einsatz von Farbstoffen in der Fischzucht
Aufgrund der Überfischung der Weltmeere und damit
verbun-
denen stagnierenden Fangquoten wildlebender Fische bilden
Aquakulturen mittlerweile einen wichtigen Eckpfeiler in der Ge-
winnung von Nahrungsmitteln. Fische aus Aquakultur werden
regelmäßig auf Rückstände von Tierarzneimitteln untersucht.
Insbesondere Malachitgrün (MG) und die oxidierte Leukoform,
das Leukomalachitgrün (LMG) treten als Rückstandsbildner im-
mer wieder in Erscheinung. Aber auch Kristallviolett (KV), Leu-
Kontrolleuren, an dem die Betriebsvertreter nicht teilnahmen.
Im Anschluss wurde durch das Auditteam ein kurzes Statement
im Beisein des Betriebes abgegeben.
Die Abschlussbesprechung (Closing Meeting) fand in gleicher
Zusammensetzung wie die Eingangsbesprechung am 22. März
2018 im BVL in Berlin statt. Hier gab das Auditteam erste
Ein-
schätzungen zu den geprüften Unterlagen und den durchge-
führten Kontrollen im Rahmen der Betriebsbesuche ab. Kurze
Diskussionen zu den angesprochenen Punkten waren möglich.
Abschließende Aussagen sollten erst im Auditbericht zu finden
sein. Insgesamt wurde den beteiligten Kontrolleuren eine hohe
Fachkenntnis und großes Engagement bescheinigt.
Im Ergebnis des Audits kann festgestellt werden, dass die
Fut-
termittelüberwachung in Sachsen den gestellten Anforderungen
gerecht wird und das Audit sehr erfolgreich absolviert hat. Im
Verlauf des Audits gab es jedoch auch einige wertvolle
Denk-
anstöße, wie bestimmte Verfahrensweisen noch optimiert wer-
den können. Das betrifft beispielsweise die Versiegelung von
Rückstellmustern, die Zeit- und Handlungsabläufe bei Anträgen
auf Zulassung, die abschließende Ergebnisdarstellung bei allen
durchgeführten Kontrollen, die Sicherung kurzer Transportzei-
ten der Futtermittelproben zum Labor und die Beurteilung von
Analyseergebnissen, die per nicht akkreditiertem Verfahren im
Labor ermittelt wurden.
Pharmakologisch wirksame Stoffe
Im Jahr 2018 wurden insgesamt 1.509 Proben auf
pharmako-
logisch wirksame Stoffe untersucht. Davon entfallen 877
Pro-
ben auf den NRKP und 632 Proben entstammen der amtlichen
Lebensmittelüberwachung. In 9 NRKP-Proben wurde der MRL
überschritten bzw. wurden verbotene Stoffe nachgewiesen.
In 32 Proben wurden Rückstände pharmakologisch wirksamer
Stoffe gefunden, deren Konzentrationen die zulässigen Höchst-
werte bzw. den MRPL nicht überschritten.
Insgesamt wurden im Rahmen des NRKP 2.476 Einzeluntersu-
chungen auf pharmakologisch wirksame Stoffe in den einzelnen
Stoffgruppen (nach RL 96/23/EG) in Proben aus Erzeuger- bzw.
Abbildung 18: Malachitgrünabbau bei 45 Tagen Halbwertszeit
R
2
R
5
R
4
R
1
R
6
R
3
R
4
R
6
R
4
3'
4'
5'
5
4
3
3'
2
5'
4'
N
C
+
N
N
Abbildung 19: Strukturformel der Triphenylmethan-Farbstoffe

48 │
kokristallviolett (LKV), Brillantgrün (BG) und Leukobrillantgrün
(LBG) gehören zur chemischen Stoffgruppe der Triphenylme-
than-Farbstoffe. Nach der Verabreichung werden die
Substan-
zen von den Fischen rasch aufgenommen und zu den farblosen
Leukobasen verstoffwechselt. Diese werden im Fett gespeichert
und bilden lang persistierende Rückstände. Die Halbwertszeit
liegt bei etwa 45 Tagen. In Studien wurden 250 Tage nach
Be-
handlung noch Rückstände festgestellt (Abbildung 19). Man
kann also illegal behandelte Fische sehr lange Zeit nicht in
Ver-
kehr bringen. Selbst wenn Jungfische oder Fischeier behandelt
würden, könnten im Speisefisch noch Rückstände vorhanden
sein. Ebenso ist eine Rekontamination aus dem Teichschlamm
nicht auszuschließen.
Die chemischen Eigenschaften können wie folgt zusammenge-
fasst werden (nach Römpp) [1]:
Name
Abk.
R
1
R
2
R
3
R
4
R
5
R
6
Malachitgrün
MG
H
H
H
CH
3
CH
3
Leuko malachitgrün
LMG
H
H
H
CH
3
CH
3
Kristallviolett
KV
H
H
H
CH
3
CH
3
CH
3
Leuko kristallviolett
LKV
H
H
H
CH
3
CH
3
CH
3