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Digitale Hochschulbildung
in Sachsen
Fachtagung

 
3
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
....................... 4
Grußwort
...................... 6
Hochschullandschaft in Sachsen
..... 8
Podiumsbeiträge ................ 10
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin für
Wissenschaft und Kunst .............10
Oliver Janoschka
Geschäftsstellenleiter Hochschulforum
Digitalisierung, Stifterverband für die
Deutsche Wissenschaft ..............15
Dr. Barbara Getto
Leiterin Arbeitsbereich
Hochschule.Digital, Learning Lab,
Universität Duisburg-Essen...........21
Markus Kreßler
Kiron Open Higher Education Berlin... 28
Erste Diskussionsrunde
........... 34
Digitale Hochschulbildung in Sachsen -
Best Practice Beispiele sächsischer
Hochschulen ................... 48
1. Videocampus Sachsen ............ 49
2. Open Engineering.................51
3. Flipped Classroom ............... 53
Digitales Lehren und Lernen an
sächsischen Hochschulen ........... 57
Podiumsdiskussion
Wie sind die sächsischen Hochschulen
in der digitalen Hochschullehre heute
aufgestellt – wo geht es hin?
...... 61
Zweite Diskussionsrunde
.......... 67
Teilnehmerinnen und Teilnehmer
.... 79
Einen Clip zur Tagung finden Sie unter
www .smwk .sachsen .de
,
sowie unter:
https://www f. acebook c. om/smwk .sachsen .de/
Gleichstellungshinweis
Ist zur besseren Lesbarkeit nur auf die weibliche
oder männliche Person Bezug genommen, so sind
damit immer beide Gruppen gemeint.

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4
Vorwort
Sachsens Hochschulen sind in der digitalen Welt
angekommen. Sie verfügen über gute digitale In-
frastrukturen, die natürlich dem technischen Fort-
schritt immer angepasst werden müssen. Doch die
Technik ist das Eine. Wie die digitalen Möglichkei-
ten die Lehre und Bildung unterstützen können, ist
das Andere. Auch die akademischen Bildungsein-
richtungen müssen auf die rasanten Veränderun-
gen in der Gesellschafts- und Arbeitswelt durch
die Digitalisierung reagieren und sie können davon
profitieren. Die Fortschritte zur Umsetzung dieses
Themas an den sächsischen Hochschulen sind auf-
grund unterschiedlicher Ansichten und Herange-
hensweisen aber noch sehr heterogen.
Die Digitalisierung in der Hochschulbildung ist eine
neue Kernaufgabe der sächsischen Hochschulent-
wicklung, denn der Einsatz digitaler Technologi-
en erleichtert individualisiertes und kooperatives
Lernen, unterstützt inklusive Bildungsansätze und
erhöht damit die Qualität und Chancengerechtig-
keit unseres Bildungssystems. Wenn wir die Digi-
talisierung an unseren Hochschulen erfolgreich
voranbringen wollen, müssen wir auf diesem Weg
viele mitnehmen – von den Lehrenden bis zu den
Studierenden. Um das Thema übergreifend zu dis-
kutieren und um die konkreten sächsischen Be-
sonderheiten zu besprechen, haben wir alle Betei-
ligten der Hochschulen, der Berufsakademie, viele
Fachexperten und Abgeordnete des Sächsischen
Landtages zu dieser Tagung ins Wissenschaftsmi-
nisterium nach Dresden eingeladen.
Allein seit 2001 wurden insgesamt mehr als 200
Projekte zur Modernisierung der Lehre an sächsi-
schen Hochschulen im Bereich E-Learning unter-
stützt. Das SMWK stellt allein in den Jahren 2017
und 2018 insgesamt 1,5 Millionen Euro dafür zur

5
Verfügung. Allerdings benötigen sowohl die Hoch-
schuldidaktik als auch E-Learning eine gemeinsa-
me Perspektive, um erfolgreich flächendeckend in
den Hochschulen wirken zu können. Dringlichste
Aufgabe ist es, die didaktischen Methoden auch
beim Einsatz digitaler Medien zu verbessern und
in die breite Anwendung zu bringen – Kooperatio-
nen zwischen den Hochschulen und Fachkulturen
sind dabei besonders wichtig. Digitale Medien sind
kein Selbstzweck. Sie sind Teil didaktischer Lehr-
und Lernkonzepte. Diese gilt es fachspezifisch und
praxisnah zu entwickeln. Lehren und Lernen, der
Erwerb von Kompetenzen sollen damit verbessert
und individueller ermöglicht werden. Dazu benö-
tigen wir Vernetzungen und hochschuldidaktische
Forschung.
Denn es gilt, aus den neusten Forschungsergebnis-
sen, Modellprojekten und Best-Practice-Ansätzen
eine noch stärkere Breitenwirkung zu erzielen. Es
geht darum, das Lernen zu intensivieren, damit
Lernergebnisse zu verbessern und Kompetenzen
zu entwickeln, letztlich um einen weiteren Wandel
der Lehre von der Wissensvermittlung hin zu einer
Kompetenzentwicklung. Die Offenheit der Lehren-
den auch an den Hochschulen zur Veränderung der
Lehrkonzepte ist dafür zentrale Voraussetzung.
Dabei stehen wir nicht am Anfang. Sachsens
Hochschulen sind mit Unterstützung meines Mi-
nisteriums bereits seit mehr als 15 Jahren beim
Einsatz digitaler Medien in der Lehre aktiv. Beson-
dere Stärke im Freistaat Sachsen ist die koordi-
nierte Arbeit im Verbund mit einer guten Koopera-
tion aller interessierten Hochschulen. Dank an den
Arbeitskreis E-Learning, der dies leistet.
Wie im Strategiepapier zur Digitalisierung in der
Hochschulbildung zusammengefasst wird, unter-
stützen Angebote des Hochschuldidaktischen Zen-
trums Sachsen für die Lehrenden den Prozess des
Einsatzes digitaler Medien und dienen insbesonde-
re der nachhaltigen Verbreitung durch die Kompe-
tenzentwicklung bei den Lehrenden. Gute Akzep-
tanz finden die an den Hochschulen im Freistaat
eingesetzten Lernplattformen, die auf stetig stei-
gende Nutzerzahlen verweisen können. Zusätzlich
existieren an den Hochschulen selbst zahlreiche
Aktivitäten neben den im Rahmen des Arbeits-
kreises E-Learning der Landesrektorenkonferenz
initiierten Projekten. Dies reicht von technischen
und didaktischen Schulungen oder Beratungen der
Lehrenden über die Koordinierungsstellen E-Lear-
ning mit eigenem Personal bis hin zur Einrichtung
von Kompetenzzentren zum E-Learning und der
Etablierung von eigenen Digitalisierungsstrate-
gien.
Dies alles wollten wir mit der Fachtagung am 23.
Mai 2018 reflektieren, gute Beispiele vorstellen
und offene Fragen diskutieren. Die Broschüre do-
kumentiert den Verlauf der Tagung in Wort und
Bild.
Die Veranstaltung dient der Weiterentwicklung der
Digitalisierungsstrategie des Freistaates Sachsen,
»Sachsen Digital«.
Dr . Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst

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6
Grußwort
Die Digitalisierung nahezu aller unserer Lebensbe-
reiche schreitet unaufhaltsam voran. Anwendun-
gen künstlicher Intelligenz oder Technologien wie
Blockchain werden Wirtschaft und Gesellschaft in
kurzer Zeit ein anderes Gesicht geben. Aber auch
Bildungs- und Kommunikationsprozesse werden
sich wandeln.
Die Sächsische Staatsregierung misst dem digita-
len Wandel eine hohe Bedeutung bei und hat des-
halb bereits zu Beginn des Jahres 2016 als eines
der ersten deutschen Bundesländer eine Digitali-
sierungsstrategie beschlossen. Um den Freistaat
Sachsen unter Nutzung der neuen Technologien zu
einer wirtschaftlich, wissenschaftlich und kultu-
rell führenden Region zu entwickeln, werden unter
dem Dach von »Sachsen Digital« fünf strategische
Ziele verfolgt: (1) die Entwicklung der digitalen In-
frastruktur und des Breitbandausbaus, (2) die Ge-
währleistung der Informations- und Cybersicher-
heit, (3) die Gestaltung von Kompetenz und »Guter
Arbeit« im digitalen Zeitalter, (4) die Stärkung der
Innovationskraft sowie (5) das Vorantreiben der
Digitalisierung der Verwaltung und öffentlicher
Institutionen.
Die dynamische Strategie wird unter Einbeziehung
relevanter Akteure kontinuierlich weiterentwi-
ckelt. Deshalb hat das Wirtschaftsministerium
die Veranstaltung »Digitalisierung der Hochschul-
bildung« am 23. Mai 2018 gern aus Mitteln von
»Sachsen Digital« unterstützt. Als Querschnitts-
thema umfasst die Digitalisierung der Hochschul-
landschaft nicht nur technische und organisato-
rische, sondern auch didaktische, rechtliche und
strategische Fragen, wie sich an der Vielfalt der
hauptsächlich durch das Wissenschaftsministeri-
um eingebrachten Maßnahmen in »Sachsen Digi-

7
tal« in diesem Bereich zeigt: Der Arbeitskreis E-Le-
arning der Landesrektorenkonferenz sächsischer
Hochschulen wird ebenso unterstützt wie das
Landesdigitalisierungsprogramm für Wissenschaft
und Kultur sowie die Einführung einer Datenbank
zur Erfassung von Doktoranden. Als Beauftragter
der Staatsregierung für Digitales begrüße ich die
weitergehenden strategischen Aktivitäten des
Wissenschaftsministeriums in diesem Bereich
ausdrücklich.
Die digitale Innovationskraft eines Standor-
tes ist von den Ergebnissen erfolgreicher For-
schungs- und Entwicklungstätigkeiten abhängig.
Zwar verfügt Sachsen über eine exzellente For-
schungslandschaft sowie sehr innovative mittel-
ständische Unternehmen. Bei der Verwertung von
Forschungsergebnissen im wirtschaftlichen Alltag
besteht allerdings – wie überall in Deutschland
– noch Potenzial. Ziel ist es, die Wettbewerbsfä-
higkeit der Forschungseinrichtungen und ihre Ko-
operationsfähigkeit mit der Industrie auf hohem
Niveau zu erhalten und zu optimieren.
Auch die Anwendung und Entwicklung neuer digi-
taler Geschäftsmodelle unterstützen wir mit allen
Maßnahmen der Innovations-, Technologie- und
Gründungsförderung. Kleine und mittlere Unter-
nehmen und Ausgründungen aus Hochschulen
stehen dabei besonders im Fokus. Doch digitale
Bildung endet nicht in der Hochschule: So startete
das Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und
Verkehr im Juni 2018 einen Aufruf für Modell- und
Transfervorhaben zur Einführung digitalgestützter
Lernwerkzeuge in der beruflichen Aus- und Wei-
terbildung. Bildung und Weiterbildung sind im
digitalen Zeitalter zunehmend wichtige Eckpfeiler
für den unternehmerischen Erfolg.
Stefan Brangs
Staatssekretär im Sächsischen Staatsministeri-
um für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr,
Beauftragter der Staatsregierung für Digitales
(CDO)

8
Hochschullandschaft in Sachsen
Hochschulstandorte in Sachsen
LEIPZIG
CHEMNITZ
A 4
A 72
A 38
A 4
A 14
A 72
Mittweida
Plauen
Glauchau
Breitenbrunn
Zwickau
z
Universität Leipzig
z
Hochschule für Musik und Theater Leipzig
„Felix Mendelssohn Bartholdy“
z
Hochschule für Grafik und Buchkunst
z
Hochschule für Technik, Wirtschaft und
Kultur Leipzig
z
Studienakademie Leipzig
z
Hochschule Mittweida
z
Technische Universität Chemnitz
z
Studienakademie Glauchau
z
Westsächsische Hochschule Zwickau
z
Studienakademie Plauen
z
Studienakademie Breitenbrunn

9
DRESDEN
CHEMNITZ
Bautzen
A 4
A 13
A 17
Freiberg
Zittau
Görlitz
Riesa
z
Technische Universität Dresden
z
Hochschule für Bildende Künste Dresden
z
Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden
z
Palucca Hochschule für Tanz Dresden
z
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
z
Studienakademie Dresden
z
Hochschule Zittau/Görlitz
z
Studienakademie Riesa
z
Technische Universität
Bergakademie Freiberg
z
Studienakademie Bautzen
Weitere staatlich anerkannte Hochschulen sowie Hochschulen der Verwaltung finden Sie unter:
www.studieren.sachsen.de

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10
Podiumsbeiträge
»Die Digitalisierung ist in unser Leben ein-
gedrungen. Mit dem Prozess dieser Digi-
talisierung erleben wir zurzeit den größten
technologischen und gesellschaftlichen
Umbruch seit der Industrialisierung vor
über 200 Jahren.«
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst

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11
Einführung
Microsoft-Chef Bill Gates hat bereits im Jahr 2010
die These formuliert, dass in fünf Jahren die besten
Vorlesungen der Welt kostenlos im Netz zu finden
sein werden und dass dies besser sei als jede ein-
zelne Hochschule. Acht Jahre später können wir
konstatieren: Die These ist noch nicht Wirklichkeit
geworden. Ob sie es je sein wird – dahinter setze
ich ein Fragezeichen. Auf alle Fälle wird das Thema
Digitalisierung – oder nennen wir es Leben, Lernen,
Bildung in der digitalen Welt – in all seinen Fa-
cetten noch stärker in das öffentliche Bewusstsein
rücken.
In den letzten Jahren ist es zu einer massiven Zu-
nahme an Digitalisierungsinstrumenten gekom-
men – Facebook, Instagram oder YouTube. Allein
bei YouTube werden in jedem Monat sechs Milli-
arden Stunden Videomaterial hochgeladen. Die
Welt ist digital geworden. 90 Prozent der heute
verfügbaren Daten entstanden in den letzten zwei
Jahren. Es gibt derzeit weltweit vier Milliarden In-
ternetnutzer. In Deutschland sind 89 Prozent aller
Menschen aktiv im Netz unterwegs, 41 Prozent
nutzen Social Media-Angebote. Im Durchschnitt
ist jeder in Deutschland Lebende über vier Stun-
den und 40 Minuten täglich im Internet unterwegs
– das sind über drei Stunden mehr als in jedem
anderen Medium.
Die Digitalisierung ist in unser Leben einge-
drungen .
Mit dem Prozess dieser Digitalisierung
erleben wir zurzeit den größten technologischen
und gesellschaftlichen Umbruch seit der Industri-
alisierung vor über 200 Jahren. Ähnlich wie damals
können wir beobachten, dass neue Entwicklungs-
impulse vielfältige und tiefgreifende Verände-
rungen in nahezu allen Lebensbereichen in Gang
setzen. Der große Unterschied zu damals ist die
atemberaubende Geschwindigkeit, mit der sich der
Wandel vollzieht. An dieser Stelle sei auf die vierte
sächsische Landesausstellung im Jahr 2020 zum
Thema Industriekultur hingewiesen. Hier werden
wir den Blick zurückwerfen auf das Zeitalter der
Industrialisierung, aber auch nach vorn und fra-
gen: Was macht heute den industriellen Wandel
aus, der bei vielen Menschen Sorgen und Ängste
– im besten Fall Fragen – erzeugt?
Gemeinsam wollen wir uns heute über die Chancen
und Perspektiven der Digitalisierung an den Hoch-
schulen mit dem besonderen Schwerpunkt der
Hochschulbildung austauschen. Die Sächsische
Staatsregierung hat dem Thema Digitalisierung
schon seit einigen Jahren eine zentrale Bedeutung
zugeschrieben – mit dem Koalitionsvertrag haben
wir als eines der ersten Bundesländer seit 2015 ei-
nen Beauftragten der Staatsregierung für Digita-
lisierung im Wirtschafts- und Arbeitsministerium.
Seit 2016 gibt es mit »Sachsen Digital«
eine alle
Bereiche einschließende sächsische Digitalisie-
rungsstrategie. Sie stellt den Handlungsleitfaden
für alle Aktivitäten der Staatsregierung im Bereich
Digitales dar. Sie ist eine dynamische Strategie,
also eine Strategie, die stetig fortgeschrieben
wird. Im Mittelpunkt stehen fünf strategische
Leitziele: digitale Infrastruktur entwickeln und
Breitbandausbau fördern, Informations- und Cy-
bersicherheit gewährleisten, Kompetenz und »gute
Arbeit« im digitalen Zeitalter gestalten, digitale
Innovationskraft stärken sowie die Digitalisierung
der Verwaltung und öffentlicher Institutionen vo-
rantreiben.
Dr. Eva-Maria Stange

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12
Dr. Eva-Maria Stange
Die fünf strategischen Ziele
werden derzeit mit
über 110 Maßnahmen der verschiedenen Minis-
terien untersetzt. Auch das Wissenschaftsminis-
terium beschäftigt sich mit dem Schwerpunkt Di-
gitalisierung auf ganz vielfältige Weise. Der erste
Schwerpunkt liegt im Bereich Forschung auf dem
Gebiet der Informatik wie zum Beispiel Big Data,
Medizininformatik, Intelligente Systeme, Künstli-
che Intelligenz oder Digital Humanities. Ein wei-
terer Aspekt ist die IT-Infrastruktur, die wichtigste
Voraussetzung überhaupt. Hier geht es um den
Breitbandausbau, der von der Staatsregierung in-
tensiv unterstützt wird, um Hochleistungsrechner,
Datenspeicherung und -verarbeitung, Lizenzen,
Archivierung und Identity Management oder ge-
meinsame Cloud-Lösungen, um nur einige Stich-
worte zu nennen.
Eine dritte Dimension liegt im inhaltlichen Be-
reich .
Hier denke ich an die Digitale Bibliothek,
an das Urheberrecht oder an Strategien zu Open
Access und übergreifende Fragestellungen wie das
Management von Forschungsdaten – Stichwort In-
frastrukturdatenmanagement, ein Wortungetüm,
hinter dem sich momentan noch viele Fragezei-
chen verbergen – oder der Erhalt des kulturellen
Erbes mit Hilfe der Digitalisierung – Stichwort
Landesdigitalisierungsprogramm der Sächsischen
Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbiblio-
thek Dresden.
Heute möchten wir mit Ihnen über das Thema
Lehre ins Gespräch kommen. Das Ihnen vorab
übermittelte Diskussionspapier »Strategie der Di-
gitalisierung in der Hochschulbildung« soll dafür
die Grundlage bieten. Ich möchte mich an dieser
Stelle herzlich bei Lars Mühlbach und allen Mit-
wirkenden bedanken, die diese Diskussionsgrund-
lage erarbeitet haben. Unser Ziel ist es, digitale
Bildung als das Fundament für technologische
Innovationen und gesellschaftliche Teilhabe zu
etablieren und langfristig zu garantieren. Digitale
Medien und Werkzeuge treten zunehmend an die
Stelle analoger Verfahren oder ergänzen diese und
erschließen dabei neue Perspektiven.
Sie bringen aber auch eine Vielzahl von neuen
Fragestellungen, zum Beispiel:
Wie werden die medialen und technologi-
schen Veränderungen im Hochschul- und
Wissenschaftssystem aufgegriffen und wie
können diese aktiv genutzt werden? Welche
Strukturen bilden Hochschulen, aber auch au-
ßeruniversitäre Forschungseinrichtungen aus,
um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen
und die Risiken zu begrenzen?
Welche Auswirkungen ergeben sich für
die Infrastrukturbedarfe – ein spannendes
Thema in der Diskussion mit dem Bund – für
Arbeitsprozesse, für rechtliche Rahmenbedin-
gungen, aber auch Kontrollmechanismen oder
Leistungsdimensionen in Lehre, Forschung
und Administration?

13
Wie können die neuen digitalen Medien zur
Verbesserung der Qualität in der Lehre bei-
tragen oder wie wird überhaupt das Lehren
und Lernen in der Hochschule von morgen
aussehen und organisiert sein? Hoffentlich
individueller, unabhängiger von Orts- und
Zeitpräsenzen.
Was bedeutet der digitale Wandel für die
Wechselwirkungen zwischen den Bereichen
Forschung, Lehre, Verwaltung sowie für die
Schnittstellen zwischen dem Hochschul-
system und seinen angrenzenden Systemen
wie dem Arbeitsmarkt, der Schule oder dem
Wirtschafts- und Wissenschaftsbereich?
Welche Kompetenzen und Fähigkeiten werden
morgen oder übermorgen gebraucht und wo wer-
den diese überhaupt vermittelt? Diese Grundlagen
durchziehen das gesamte Bildungssystem, begin-
nend bei den Kindertagesstätten über die Schule
bis in die Hochschulen.
Durch neue Kommunikations- und Informati-
onsstrukturen
entstehen neue Möglichkeiten für
Bildung: neue didaktische Mittel, Verbreitungswe-
ge und Zugang zu Wissen. Der Einsatz der neuen
Technologien ermöglicht und erleichtert indivi-
dualisiertes und kooperatives Lernen, unterstützt
inklusive Bildungsansätze – ein brennendes The-
ma unserer Gesellschaft – und erhöht damit die
Qualität und Chancengerechtigkeit in unserem
Bildungssystem. Auf Seiten der Hochschulen gibt
es inzwischen einige Strategien beziehungsweise
Empfehlungen zur digitalen Bildung. So hat bei-
spielsweise das Bundesministerium für Bildung
und Forschung die »Bildungsoffensive für die di-
gitale Wissensgesellschaft« gestartet und die Kul-
tusministerkonferenz hat mit dem Beschluss zur
»Bildung in der digitalen Welt« sowie das Hoch-
schulforum mit seinen Empfehlungen eine inten-
sive Debatte zur Digitalisierung angestoßen. Diese
wird auch im Freistaat Sachsen geführt. Wir ha-
ben einen engen Austausch mit allen Beteiligten,
so wird zum Beispiel die Weiterentwicklung von
E-Learning-Konzepten seit Jahren durch den Ar-
beitskreis E-Learning der Landesrektorenkonferenz
Sachsen aktiv verfolgt. Dieser Arbeitskreis wurde
vor mehr als zehn Jahren ins Leben gerufen. In den
Jahren seit 2001, als sich sächsische Hochschulen
zum Bildungsportal Sachsen zusammenschlossen,
wurden mehr als 200 Projekte zur Modernisierung
der Lehre an sächsischen Hochschulen auch von
Seiten des Ministeriums finanziell unterstützt.
Nun gilt es, aus den neuesten Forschungsergeb-
nissen, Modellprojekten und Best-Practice-Ansät-
zen eine noch stärkere Breitenwirkung zu erzielen,
denn nicht alle Hochschullehrerinnen und -lehrer
können sich für die neuen Medien und die verän-
derte Technik begeistern. Hier gibt es noch mehr
Aufklärungsarbeit zu leisten und Angebote der
Vermittlung zu schaffen. Dazu erfolgt eine enge
Zusammenarbeit mit dem im Jahr 2008 entstan-
denen Hochschuldidaktischen Zentrum Sachsen.
Unser Diskussionspapier »Strategie der Digitali-
sierung in der Hochschulbildung«
soll den Einsatz
digitaler Instrumente und Methoden in der Hoch-
schullehre unterstützen. Die Strategie verfolgt da-
bei folgende Ziele:
1.
Erschließung der Potentiale zur Verbesserung
der Qualität der Lehre,
2.
Verbesserung des Studienerfolges,
3.
Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der säch-
sischen Hochschulen,
4.
Erhöhung der internationalen Sichtbarkeit.
Die Ziele sollen durch Ergänzungen der Präsenz-
lehre mit digitalen Lehr- und Lernangeboten er-
reicht werden. Die neuen technischen Möglichkei-
ten sollen Lehr-/Lernprozesse gezielt unterstützen
und möglichst vielfältige Lehr- und Lernszenarien
ermöglichen.
Die verschiedenen Szenarien, welche die Einbin-
dung digitaler Medien
in die Lehre bietet, kön-
nen helfen, das Lernen zu intensivieren und damit
Lernergebnisse zu verbessern und Kompetenzen zu
erweitern. Neue Ansätze wie das Inverted-Class-
room-Modell, in dem die Wissensvermittlung
der klassischen Vorlesung ins Digitale verlagert
wird und Präsenzveranstaltungen zur intensiven,

image
14
interaktiven und kollaborativen Zusammenarbeit
genutzt werden, finden zunehmend Anwendung.
Integriertes Lernen beziehungsweise Blended Le-
arning kann in diesem Verständnis die Vorteile
des digitalen Lernens und des Lernens in Präsenz
in neue pädagogische und didaktische Konzepte
überführen.
Ein kurzer Diskurs in die Vergangenheit: Zwischen
West und Ost gab es bei der Anwendung der ersten
Computer im Unterricht einen gravierenden Unter-
schied. Im Osten waren es die Fachdidaktiker des
Unterrichts, die die Programme entwickelt haben,
im Westen waren es die Informatiker. Das ist ein
Phänomen, das mit der Digitalisierung hoffentlich
überwunden ist und heute solche Instrumente
miteinander entwickelt werden.
Zurück zu den heutigen Anforderungen:
Es geht
um den Wandel von der Wissensvermittlung hin zu
einer Kompetenzentwicklung durch aktivierendes
Lernen und kollaboratives Arbeiten, ein Prozess,
der mit dem Bolognaprozess eingeleitet wurde.
Das Ergebnis des Bolognaprozesses bzw. die Ein-
führung von Bachelor- und Masterstudiengängen
sollte die Kompetenzentwicklung und nicht allein
die Vermittlung von Wissen sein. Dies führt aber
letztlich mit den heutigen Möglichkeiten dazu,
dass die Studierenden eine größere Eigenver-
antwortung für ihren eigenen Lernprozess über-
nehmen müssen, wenn sie die neuen Formen der
Lehre aktiv nutzen und mitgestalten wollen. Auf
diese Aufgabe müssen aber auch junge Menschen
vorbereitet werden und zwar über den gesamten
Bildungsweg hinweg. Gerade hier gibt es noch
viel zu tun, wenn wir daran denken, dass die Di-
gitalisierungsstrategie des Bundesministeriums für
Bildung und Forschung erst vor etwa zwei Jahren
erschien.
Viele Fragen, Entwicklungen, Umsetzungen sind
noch offen
– und deshalb freue ich mich heute
sehr auf den fachlichen Austausch und wünsche
uns allen eine intensive Diskussion. Ich bin fest
davon überzeugt, dass alle hier die Chancen und
Perspektiven der Digitalisierung wirklich nutzen
wollen. Ich denke, es sollte unsere gemeinsame
Aufgabe sein – auch aus dieser Fachkonferenz her-
aus – unseren Hochschulen Rüstzeug mitzugeben,
um diese Chancen nutzen zu können. Letztend-
lich geht es darum, Bildung für jeden, auch in den
Hochschulen, besser zugänglich zu machen.

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15
»Es ist jetzt notwendig, aus den vielen ein-
zelnen Projekten hin zu einem Gesamtsys-
tem zu kommen.«
Oliver Janoschka
Geschäftsstellenleiter Hochschulforum Digitalisierung
Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

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16
Oliver Janoschka
Hochschulen im digitalen Wandel
Vielen Dank für Ihre Ausführungen, liebe Frau
Staatsministerin Stange. Ich möchte Ihr Eingangs-
beispiel gleich aufgreifen, aber etwas anders ak-
zentuieren: Es gibt immer wieder Personen wie Bill
Gates, die sich medial zu Wort melden und das
Ende der klassischen Hochschulen einläuten. Ich
werde dem nicht das Wort reden, glaube aber, so
wie es hier jetzt schon angeklungen ist, dass es ein
Momentum gibt; für Gestaltung, für Veränderung
der Hochschulen. Was aus unserer Wahrnehmung
dafür ganz entscheidend ist, ist das Zusammen-
spiel der verschiedenen Akteure. Insofern freut
es mich, dass das Land Sachsen schon mit einer
Digitalisierungsstrategie für die Hochschulbildung
einen Anfang gemacht hat, und dass hier schon
seit Jahren im Bereich E-Learning intensiv zusam-
mengearbeitet wurde. Bologna wurde angespro-
chen. Wir haben ein Policy-Paper herausgebracht
zu
Bologna-Digital
, weil wir denken, dass das jetzt
der richtige Zeitpunkt ist, um auf dieser Ebene da-
rüber ins Gespräch zu kommen.
Was ist denn eigentlich zu tun?
Wie können die
Länder gerade hier in Europa und darüber hinaus
intensiv zusammenarbeiten? Das ist keine Selbst-
verständlichkeit. Die Verwaltung ist mit aufgeru-
fen, aber es ist kein Prozess, den man verwalten
kann. Es ist viel dynamischer, es braucht neue Ak-
teurskonstellationen. Wir haben, das ist erwähnt
worden, mit dem
Hochschulforum Digitalisierung
seit 2014 einen Anfang gemacht, in der ersten
Phase mit über siebzig Experten in sechs Arbeits-
gruppen. Jetzt sind wir in der zweiten Phase und
gehen stärker von der Sensibilisierung hin zur Um-
setzung. Aber: Was ist in den Hochschulen bereits
los? Was ist da vielleicht noch zu tun?

17
Die Grundthese stimmt nach wie vor:
Wir sind
davon ausgegangen, dass der digitale Wandel ei-
nerseits eine zusätzliche Herausforderung ist und
gleichzeitig für viele der bestehenden anderen
Herausforderungen neue Chancen bietet. Die In-
ternationalisierung ist angesprochen worden, das
Erreichen neuer Zielgruppen, vielleicht mit einer
diverser werdenden Studierendenschaft. Da kann
die Digitalisierung, da können digitale Medien eine
Antwort liefern. Aber sie tun es nicht automatisch.
Ich möchte auf die Frage aufmerksam machen:
Wie sind denn künstliche intelligenzbasierte Sys-
teme in der Lage, unsere Arbeit zu unterstützen?
Wie sind Assistenzsysteme schon heute im Einsatz
und wie könnten sie es vielleicht morgen sein? Da
sind viele Fragen aufgeworfen, und es ist noch
nicht durchbuchstabiert, wie das in die klassische
Lehre, in die Präsenzhochschule einwirken kann.
Wie sieht nun der Weg aus in die Zukunft?
Schön
wäre es, wenn er so geradlinig wäre, wie eine
Gleisstrecke, die man einfach nur ablaufen muss.
Ein zentraler Aspekt ist: Wie ist denn die Archi-
tektur? Wenn Sie Ihre Hochschule einmal anschau-
en, ist das vielleicht nicht die Zukunft. Wir sind in
Deutschland überwiegend Präsenzhochschulen.
Wenn Sie sich eine Vorlesung, einen Vorlesungs-
saal anschauen, dann sehen Sie, dass diese meist
noch nicht dafür ausgerichtet sind, besonders in-
teraktiv zu sein. Neudeutsch heißt es jetzt Lab,
Hub, Makerspace. Sie finden sich bestimmt auch
in Sachsen. Aber genau diese Frage, wie die Hoch-
schule als ein Ort gestaltet werden kann, in dem
verschiedene Gruppen zusammenkommen, bei-
spielsweise mit Startups, mit Wirtschaftsvertre-
tern und wie das für die Studierenden neue Chan-
cen bieten kann, ist noch nicht beantwortet. Auch
hier braucht es eine entsprechende Architektur.
Natürlich gibt es eine Reihe von Beispielen,
wie
das digital ablaufen kann. Das Modell der
Ham-
burg Open Online University
ist eines, das erst vor
wenigen Jahren gestartet wurde. Ich war bei der
Auftaktrunde von Herrn Scholz in Hamburg dabei.
Da hatte man ursprünglich gedacht, man macht
eine MOOC-Plattform. Daraus ist aber etwas an-
deres entstanden, ein sehr interessantes Projekt, in
dem alle Hamburger Hochschulen zusammen über
eine Plattform arbeiten. Professoren stellen für
neue Zielgruppen entsprechende Kurse zur Verfü-
gung und bieten damit auch die Möglichkeit, An-
teil zu nehmen am Wissen, das in den Hochschulen
vorhanden ist.
Wir haben mit dem Bundesministerium für Bil-
dung und Forschung
im letzten Jahr eine Ver-
einbarung getroffen, in der es um die Frage geht,
wie für das gesamte Land im Zusammenspiel mit
Europa einerseits, aber mit den Ländern anderer-
seits, eine Infrastruktur (weiter-) entwickelt wer-
den kann. Die daraus hervorgegangene
Machbar-
keitsstudie
wird in Kürze veröffentlicht werden.
Es wird bei uns auf der Webseite die Möglichkeit
geben, sich diese runterzuladen und es wird dort
zentral diskutiert werden. Und dabei wird schnell
klar; je nachdem, mit wem Sie sprechen, gibt es
ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie sehr man
hochschulübergreifend, länderübergreifend solch
eine Struktur braucht, was diese können soll und
was nicht.
Weshalb nun braucht es Mut?
Wir hatten letzte
Woche das
Netzwerk Surf
aus den Niederlanden
bei uns hier in Berlin, die eine Accelerator-Agenda
für die Digitalisierung verabschiedet haben. Surf
ist ein Netzwerk, bei dem alle niederländischen
Hochschulen zusammenkommen und in der Ac-
celerator Agenda haben sie sich auf acht Hand-
lungsfelder verständigt. Was ich dabei besonders
spannend finde, ist das Zusammenspiel, dass die
Hochschulen eigenes Geld in die Hand nehmen, um
diese acht Handlungsfelder zu entwickeln und sich
darauf bewerben müssen. Und dann kommt das
Ministerium und stellt praktisch zusätzliche Mittel
zur Verfügung, um schneller an diesen Handlungs-
feldern entlang neue Prototypen zu entwickeln,
neue Maßnahmen umzusetzen.
Noch ein anderes internationales Beispiel:
Ich
hatte das Glück, vor kurzem wieder an der Ost-
küste in Boston und New York zu sein. Das dortige

18
MIT Media Lab hat seit letztem Jahr einen
Preis
für Disobedience
ausgerufen. Es zeichnet damit
Wissenschaftler aus, die sich gegen Widerstände
mutig auf den Weg gemacht haben, ihre Über-
zeugungen und Arbeitsergebnisse zu vertreten.
Und es ist, wenn Sie sich das historisch anschau-
en, durchaus häufiger der Fall, dass man erstmal
gegen den Strom schwimmen muss, um etwas
Neues in Gang zu bekommen. Hier werden ausge-
zeichnete Wissenschaftler mit einem solchen Preis
gewürdigt. Ich erwähne dies, weil es aus meiner
Wahrnehmung ganz anschaulich war in Boston,
wie man davon ausgeht, dass man wirklich muti-
ger neue Dinge probiert. Alleine der Abstand von
fünf Jahren zeigt das sowohl in der Architektur am
Campus wie auch in den Onlineprozessen mit den
Mitarbeitern. Natürlich sind das andere Verhält-
nisse, aber ich glaube durchaus, dass auch hier in
Deutschland ein ganz gehöriger Part davon mög-
lich ist, zum Beispiel bei den Lernszenarien. Das ist
bei uns in der ersten Phase veröffentlicht worden.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, was Sie dort
als Hochschule machen können. Die RWTH Aachen
hat sich auf den Weg gemacht und gesagt: Wir
schauen in unserem
Exploratory Teaching Space
,
wie wir das kopieren können. Das heißt, sie haben
eigene Mittel dafür zur Verfügung gestellt, dass
Professoren neue Konzepte probieren, was sie dort
in diesen Bereichen machen können.
Das Besondere und Bemerkenswerte war,
dass
sie das genauso online zur Verfügung stellen. Das
heißt, Sie können sich jetzt auf der Webseite an-
schauen, was diese Professoren gewollt haben. Es
ist nicht das Ziel, dass Sie damit durchschlagend
Erfolg haben müssen. Natürlich ist das schön, aber
etwas anderen zur Verfügung zu stellen, bringt
Anregungen. Wenn ich jetzt mit meinem anderen
Blickwinkel schaue, als Programmleiter: Wir ha-
ben in NRW eine Kooperation mit dem Land für
die sogenannten
Digi-Fellows
. Die Zahl der Per-
sonen, die sich aus Aachen auf dieses Fellowship
beworben haben, ist extrem hoch. Innerhalb dieser
Kultur der Hochschule wird wertgeschätzt, wenn
sich Professoren damit beschäftigen und nicht nur
mit der Forschung. Ein anderes Beispiel wird Ihnen
gleich genauer präsentiert.
Kiron
hat mit seinem
Angebot für Geflüchtete ein online-basiertes Stu-
dium ermöglicht und findet mit den Hochschulen
Vereinbarungen, wie man am Campus weiter stu-
dieren kann. Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie
Innovation made in Germany möglich ist und viele
Akteure mutig daran arbeiten, dass das Wirklich-
keit wird und viele erreicht.
Kompetenzvermittlung war genannt worden .
Es
gibt zwei Aspekte, die ich hier markieren möchte.
Der eine geht zurück auf eine
HFD-Studie
. Im Jahr
2016 wurden knapp 30.000 Studierende über die
CHE-Umfrage befragt und die meisten lassen sich
als PDF-Nutzer einordnen und nur die wenigsten
als sogenannte Digital-Allrounder. Man hat ja im-
mer das Bild des Digital Natives. Das Interessante
bei dieser Auswertung war: Die Korrelation basiert
darauf, wie die Lehrenden das einsetzen. Das heißt,
viele Studierende nehmen erst dann eine andere
Abzweigung, wenn der Lehrende in der Lage ist,
mit diesen Möglichkeiten so zu arbeiten, dass die
Studierenden das erreicht. Je mehr das ins Studium
integriert ist, desto mehr kommt dabei heraus.
Es gibt noch einen zweiten Aspekt:
Wie stellen
sich Studierende das eigentlich selbst vor? Wie
möchten sie gerne lernen? Ich bin überzeugt da-
von, dass das eine Dimension ist, die es in deut-
schen Hochschulen noch als Schatz zu heben gilt,
nämlich wie Studierende in einer anderen Rolle
ihren Lernprozess mitgestalten können. Und das
ist nicht nur das Selbstlernen, sondern es ist auch
die Wahrnehmung, was eigentlich passiert. Kiron
ist ein schönes Beispiel. Wir sehen andere, wo sich
Studierende viel mehr auch als Beteiligte aktiv an
diesem Gestaltungsprozess beteiligen. Wir möch-
ten gerne eine Arbeitsgruppe mit solchen Studie-
renden, den
Digital Changemakern
ab Sommer
2018 starten, um gemeinsam deren Wahrnehmung
und Themen sichtbar zu machen.
Es ist jetzt notwendig,
aus den vielen einzelnen
Projekten hin zu einem Gesamtsystem zu kom-
men. Wie können eigentlich in den Hochschulen
die Personen miteinander daran arbeiten? Wir ha-

image
19
Oliver Janoschka
ben ganz verschiedene Gruppen zusammengeführt
und sind jetzt stärker dabei, in Beratungsprozes-
sen sowohl mit den politischen Akteuren als auch
mit den Hochschulen daran zu arbeiten. Ich werde
nicht auf die Details eingehen, es gibt viele Kanäle,
in denen wir präsent sind. Aber es sei einfach noch
einmal gesagt: Jede Studie, die wir herausgebracht
haben, ist
online
verfügbar. Sie können sie auch
bei uns in Papierform bestellen, zumindest den
Abschlussbericht.
Ich möchte noch kurz auf eine weitere
Studie
von
uns eingehen, die unter deutschen Hochschulen
gefragt hat: Was sind eigentlich die größten He-
rausforderungen? Das wurde vom Hochschul-In-
formations-System HIS im Jahr 2016 erhoben. Das
Interessante ist, dass es gar nicht nur um das Geld
geht, sondern, dass es vor allen Dingen um die Fra-
ge der Personalressourcen bzw. dahinterliegend
auch der Arbeitsteilung geht. Natürlich ist das ein
Problem. Wir haben aktuell gerade einen
Blog-
beitrag
von der Kollegin Janica Ionica aus Sach-
sen-Anhalt, die sich angeschaut hat: Wie lang sind
die Befristungen der aktuell ausgeschriebenen
Stellen? Wenn Sie jemanden dabei haben, der nur
für ein Jahr in einem Projekt dabei ist, dann kann
man sich vorstellen, dass der Kompetenzaufbau in
der Institution begrenzt ist. Wir glauben, das geht
noch sehr viel weiter in der Frage, wie eigentlich
diese neuen Prozesse unterstützt werden, wie man
mit Personen zusammenarbeiten kann, die viel-
leicht nicht so leicht an die Hochschule zu bekom-
men sind. Die RWTH-Aachen macht gute Erfah-
rungen mit den sogenannten Fakultätskümmerern,
Personen, die in besonderer Weise ansprechbar
sind als Kollegen, von Kollegen zu Kollegen.
In unserer Wahrnehmung bleibt es auch zentral
zu schauen,
welche Experten es denn eigentlich im
Feld gibt. Wir haben selber einen
Call for Experts
gestartet. Interessant ist zum Beispiel ja auch die
Frage: Welche Frauen sind eigentlich in deutschen
Hochschulen engagiert? Das war für uns auch eine
hervorragende Möglichkeit, besser zu verstehen,
wer über unsere Kreise hinaus ist hier eigentlich
kompetent dabei und kann in die entsprechenden
Arbeitsprozesse bei uns auch mit eingebunden
werden.
Netzwerke schaffen ist wichtig,
Sie haben hier
schon eins, wir arbeiten auch daran und ich glau-
be, auch innerhalb der Hochschule muss das in ei-
ner stärkeren Weise als bisher ausgebaut werden.
An der Stelle sei nochmal angemerkt: Es gibt auch
bei uns ein länderübergreifendes
Netzwerk für
die Hochschullehre
. Ich habe mir das angeschaut,
einige Hochschulen aus Sachsen sind nicht da-
bei. Das Hochschulforum lebt davon, dass es eine
breite Beteiligung gibt. Wir freuen uns, wenn bald
alle Hochschulen aus Sachsen mit dabei sind. Dort
werden sie stärker involviert, zu Veranstaltungen
eingeladen. Wir haben entsprechende Online- und
Offline-Formate. Was besonders interessant sein
wird: Wir werden in Kürze ein sogenanntes Com-
munity-Zertifikatsprogramm starten, wo Perso-
nen, die mit digitaler Lehre beschäftigt sind, einge-
laden werden, ihre Aktivtäten in einer Beta-Phase
auf einer Plattform bei uns zu hinterlegen; nähere
Infos dazu dann ab Herbst 2018.

20
Wir hoffen, dass daraus ein wirklicher Fundus
entsteht, um zu sehen, welche Kompetenzmodelle
und Entwicklungsstufen es in Zukunft geben kann.
Es braucht auch neue Formate. Wir haben damit
gute Erfahrungen gemacht, intensiv zusammenzu-
kommen in sogenannten
Season-Schools
, wo eine
kleine Gruppe für drei Tage ihre eigenen Fälle dis-
kutiert und sich gegenseitig Unterstützung bietet.
An der Stelle die Frage: Welche Möglichkeiten gibt
es über die hochschuldidaktischen Zentren, auch
neue Formate auszuprobieren? Dieses Peer-to-
Peer-Moment funktioniert auf allen Ebenen.
Ein Kernaspekt, der in Ihrer Strategiebildung
in
dem vorliegenden Papier zum Ausdruck kommt, ist
aus unserer Wahrnehmung, dass die Hochschullei-
tungen eine zentrale Rolle haben. Wir freuen uns,
dass die HTW Dresden bei unserem sogenannten
Peer-to-Peer-Programm
im letzten Jahr als erste
Hochschule aus Sachsen mit dabei war. Wir ha-
ben wieder Neubewerbungen aus Sachsen erhal-
ten. Bald wissen wir, wer in der nächsten Runde
die sechs Hochschulen sind, die wir intensiv be-
gleiten können. Wir arbeiten parallel daran, dass
die Ressourcen, die wir entwickelt haben, online in
den nächsten Monaten zur Verfügung stehen, weil
es durchaus gewollt ist, dass andere Hochschulen
Anteil daran nehmen und sich auch ohne diese in-
tensive Begleitung in dem Peer-to-Peer-Strategie-
programm damit auseinandersetzten können.
Es ist eine banale Grunderkenntnis,
dass es einen
Unterschied macht, ob man nur darüber redet oder
ob man wirklich innerhalb der Hochschule ernst-
haft in die Auseinandersetzung geht und schaut,
was die Vorstellungen und Wertebilder sind. Dort
begegnet man dann der Frage: »Weshalb wollen
wir das machen? Wir sind doch gut, Campus läuft,
Studierende kommen, Geld bekommen wir sowie-
so.« Ich überspitze das bewusst, aber die Chancen,
die sich hier verbergen und über die Gestaltungs-
notwendigkeiten intensiver zu verständigen, ist
ein Kernaspekt. Dass es dafür dann entsprechende
Anreize braucht, ist klar. Schön, dass es hier in Ih-
rer Landesstrategie zum Ausdruck kommt, dass Sie
von der Deputats-Seite her darauf eingehen und
neue Dinge möglich machen wollen. Insgesamt
sind die Aspekte der Governance und Kommuni-
kation keine Selbstverständlichkeit, zum Beispiel
dass die Bibliotheksvertreter mit den Professoren
oder Dekanen überhaupt ernsthafter reden über
Fragen wie: »Wo wollen wir eigentlich hin? Wel-
ches Profil haben wir und welche Handlungsmög-
lichkeiten sehen wir als nächstes? Was lässt sich
noch tun?« Ich habe Hochschulvertreter kennen-
gelernt, die wussten noch nicht einmal, was die Bi-
bliothek eigentlich genau anbietet. Ich werde das
nicht vertiefen, möchte aber markieren: Hier gibt
es noch deutlich Luft nach oben für produktiven
Austausch.
Diesen Austausch wollen wir auch im Hoch-
schulforum
länderübergreifend weiter unterstüt-
zen und wir freuen uns, wenn Sie sich persönlich
einbringen. Einbringen ist das letzte Stichwort;
denn dazu haben Sie in unserer
Themenwoche
Ende September 2018 in Berlin mit zahlreichen
Veranstaltungen und Formaten verschiedene
Möglichkeiten zu lernen, was andere tun und tie-
fer einzusteigen in die Herausforderungen, die es
zu bewältigen gilt.
Ich wünsche Ihnen und uns dabei weiterhin viel
Erfolg und freue mich auf den weiteren Austausch;
heute und in der nächsten Zeit.

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21
»Lernen ist ein sozialer Prozess. Er findet
im digitalen Raum statt, aber weiterhin
auch im analogen Raum.«
Dr. Barbara Getto
Leiterin Arbeitsbereich Hochschule.Digital, Learning Lab,
Universität Duisburg-Essen

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22
Digitale Hochschulbildung in Deutschland
Ich habe im Vorfeld dieser Veranstaltung sehr auf-
merksam Ihr Strategiepapier gelesen – nicht nur,
weil Strategiepapiere ein Forschungsthema von
mir und aktuell ein Schwerpunkt ist, sondern auch,
weil wir in Nordrhein-Westfalen in den letzten
Wochen und Monaten daran gearbeitet haben, ein
Papier zu erstellen für die Digitalisierung an den
Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Ich habe
das als sehr anstrengenden Prozess erlebt, als sehr
produktiven Prozess, als sehr aufregenden Prozess.
Ich beglückwünsche Sie zu diesem Ergebnis. Ich
denke, das ist nicht selbstverständlich, dass so et-
was in dieser Form gelingt. Ich weiß um die Arbeit,
die dahinter steckt.
Was mir besonders gefallen hat
,
ist, dass Sie mit
einem Kapitel beginnen, das Grundverständnis
heißt. Ich habe in vielen Diskussionen erlebt, die
ich als mediendidaktische Beraterin hatte oder die
ich in der Beratung von Hochschulen zur Frage
von Strategien hatte, wie das mit der Digitalisie-
rung in Hochschulen so geht. Die Frage ist, was
Sie darunter überhaupt verstehen, also was für Sie
die Digitalisierung der Bildung eigentlich bedeu-
tet. Welche mentalen Bilder haben Sie im Kopf?
Denken Sie an Fernlehre, an Videoaufzeichnun-
gen, welche Ängste haben Sie im Kopf, denken
Sie an das Ersetzen von Lehrpersonal? Ich finde,
das sind ganz wichtige Themen, über die man sich
im Klaren sein muss, weil Sie in keinem Fall davon
ausgehen können, dass Ihr Gegenüber die gleiche
Vorstellung davon hat, wenn Sie über digitale Bil-
dung in der Hochschule sprechen. Und Sie haben
das in sehr wenigen Sätzen sehr präzise auf den
Punkt gebracht. Wenn man so einen Konsens erst
einmal herstellt, ist das eine sehr, sehr gute Aus-
gangsbasis.
Für mich lösen digitale Medien
soziale Inter-
aktionsprozesse nicht ab. Lernen ist ein sozialer
Prozess. Er findet im digitalen Raum statt, aber
weiterhin auch im analogen Raum. Das erlebe ich
als Lehrende, so mache ich es mit meinen Studie-
renden. Ich erlebe natürlich meine Lehre als die
Dr. Barbara Getto

23
in einer digitalen Welt, einer zunehmend digita-
len Welt, in der es selbstverständlich ist, digitale
Medien einzusetzen. Wenn man dieses Bild von
Bildung in einer digitalen Welt hat, schließt sich
die Frage an, wie wir da hinkommen? Das ist der
Fokus meiner Forschung am Learning Lab. Wir un-
tersuchen dort genau diese Transformationspro-
zesse durch Digitalisierung in den verschiedenen
Bildungsbereichen, ich mache das für den Bereich
Hochschule.
Wenn wir Digitalisierung als etwas begreifen,
was erst einfach nur ein technischer Fortschritt
ist, dann können wir im Grunde genommen eigent-
lich alles so machen wie bisher, nur mit techni-
schen Hilfsmitteln, was das Ganze in der Organisa-
tion erleichtert. Aber Sie ahnen, dass die Potentiale
digitaler Medien damit nicht ausgeschöpft sind.
Wird Digitalisierung als rein technisches Thema
begriffen, braucht man keine Strategiepapiere,
auch keine neuen didaktischen Konzepte, sondern
dann macht man im Grunde genommen das Glei-
che wie immer, nur mit Computern. Da wollen Sie
natürlich nicht hin, ich habe Ihr Papier gelesen.
Wir erleben, dass die Realität hier anders aus-
sieht. Also wir unterscheiden gar nicht unbedingt
zwischen digitalen und analogen Lernräumen,
sondern wir erleben, dass die physischen Räume
zunehmend digitaler werden. Oftmals gibt es den
analogen Raum, durchdrungen von digitalen Me-
dien und digitaler Kommunikation. Gleichzeitig
sehen wir, dass die virtuellen Klassenzimmer und
Lernräume durch immer mehr bereichert werden:
die Kommunikation, Interaktion, Gruppenarbeiten,
was wir klassischerweise erst einmal intuitiv in der
Präsenzlehre sehen würden.
Durch diese Veränderung, die die Digitalisierung
für uns bedeutet, stellt sich die Frage: Welche
Kompetenzen braucht man dafür? Es gibt da dieses
Gefühl, dass wir vielleicht irgendetwas anders ma-
chen müssen. Es gibt Angst, abgehängt zu werden.
Ich möchte die Frage der digitalen Kompetenzen
etwas historisch bzw. klassisch aufrollen. In den
Siebzigern war der Begriff der Medienkompetenz
etwas, was eher außerhalb der Schule stattfand.
Medienkompetenz brauchte man außerhalb der
Schule für den Konsum von Medien, also Fernse-
hen, in der Freizeit. Eine Reflexion darüber konnte
durchaus in der Schule stattfinden. Wir haben so-
zusagen Kompetenzen, die ganz klar in den Schul-
unterricht, in die Bildungsinstitution gehören, Me-
dien zählen aber nicht in dem Sinne dazu.
Wenn wir heute davon sprechen,
dass wir in ei-
ner digitalen Welt leben, dass wir Bildung in ei-
ner digitalen Welt anbieten, ist es nicht mehr eine
Parallelwelt in der Freizeit, sondern die digitalen
Medien sind in der gesamten Welt, in allen Le-
bensbereichen und es ist ein Querschnittsthema,
was sich in allen Fachbereichen wiederfindet. Wir
können das Thema schwerlich separat behandeln.
Medienkompetenz können wir nicht übersetzen in
das Heute, sondern der Zugang ist ein anderer. Wir
können digitale Kompetenzen nicht in dem Sinne
schulen, so wie wir Medienkompetenz schulen
konnten.
Beim klassischen Weg haben wir eine Lebens-
und Arbeitswelt,
die digitalen Themen wirken auf
die Bildungsinstitution ein. Die Bildungsinstitution
bereitet die Schüler und die Studierenden darauf
vor, wie sie in dieser Lebens- und Arbeitswelt
zurechtkommen. In diesem Zusammenhang sind
Themen wie der instrumentelle Umgang, die Re-
flexionsfähigkeit und so weiter wichtig. Wir haben
auch die Implikationen der Digitalisierung für die
Bildung und Gesellschaft. Aber wenn wir das jetzt
konsequent denken, dann ist das nicht etwas, das
nebeneinander passiert, sondern das integrativ ist.
Instrumentelle Fähigkeiten sind die eine Seite, aber
die Durchdringung in Bildungsinstitutionen, aber
auch in unsere Lebens- und Arbeitswelt, ist das
Neue. Wenn wir beim Stichwort Lebens- und Ar-
beitswelt sind: Hochschulen, so erlebe ich das ganz
oft, sehen es als ihren Auftrag, die Studierenden
für die Lebens- und Arbeitswelt auszubilden. Wir
wissen jedoch nicht, wie die Arbeitswelt von über-
morgen aussehen wird. Aber wir ahnen, dass sie
zunehmend digitaler sein wird. Das wirft die Frage
auf, wie wir dann zusammenarbeiten.

image
24
Dr. Barbara Getto
Ein Workspace ist für mich das Sinnbild dafür,
wie wir vielleicht in Zukunft mit digitalen Medi-
en arbeiten. Die Workspaces sind etwas Typisches
für das sehr zeitlich und örtlich versetzte Arbeiten
– in Projekten, in sich immer wieder veränderten
Konstellationen. Das ist natürlich etwas, worauf
Hochschulen mit einer klassischen Vorlesung in
dem Sinne nicht vorbereiten. Sondern diese Kolla-
boration an dieser Stelle – ortversetztes Arbeiten,
sich immer wieder auf neue Projektsituationen
einlassen können, mit digitalen Medien arbeiten –
da ist, denke ich, die Herausforderung.
Zwei Gedanken zum Begriff Digital Native:
Wir
haben vielfach die Hoffnung, dass die nachkom-
mende Generation das wohl irgendwie schon
können wird, das mit der Digitalisierung. Das ist
einfach die Hoffnung, dass die, die jünger sind als
wir und mit den digitalen Medien aufwachsen,
selbstverständlicher mit Medien umgehen werden
als wir. Die Nutzung digitaler Medien im Freizeit-
bereich ist aber etwas ganz anderes als beispiels-
weise, das Internet für eine wissenschaftliche
Recherche zu nutzen. Natürlich benutze ich Goo-
gle, wenn ich für einen Artikel recherchiere oder
wenn ich meine Forschung mache. Aber die Frage
ist dann weniger, nutze ich oder nicht, sondern:
Wie können Studenten tatsächlich die Qualität
von Beiträgen einschätzen? Wie verstehen sie es,
mit diesen Medien umzugehen? Was heißt zitieren
im digitalen Zeitalter usw.? Das sind ganz andere
Kompetenzen, die dafür erforderlich sind. Es sind
ganz andere Fragen.
Eine andere Frage:
Wenn ich mit den digitalen
Medien oder Programmen, die ich kenne, gut zu-
rechtkomme, heißt das nicht, dass ich mit dem, das
in den nächsten zehn Jahren auf mich einwirkt, zu-
rechtkomme. Wichtig ist die Frage der Selbstlern-
kompetenz. Wie reflektiere ich den Umgang mit
digitalen Medien? Wie eigne ich mir das selber an?
Wie erkenne ich, was sinnvoll für mich, für meine
Arbeit ist und was kann mir die Kommunikation,
die Interaktion erleichtern?
Früher haben wir von E-Learning gesprochen,
heute sprechen wir von Digitalisierung von Studi-
um und Lehre, weil wir erleben, dass das Thema
doch etwas weiter geht, als einzelne Lehrveran-
staltungen zu digitalisieren. Oft wird in der Wer-
bung der Eindruck vermittelt, mit digitalen Medien
kann man super überall lernen, ganz einfach auf
Knopfdruck. Sogar beim Snowboarden setze ich

25
mich mal hin und kann mal schnell ein Compu-
ter-Based Training durchklicken. Das sind natürlich
fürchterliche Bilder, die mit der Realität wenig zu
tun haben.
Wir erleben zudem einen Diskurs,
der zunehmend
schrill geführt wird, wo Ängste geschürt werden:
Die Digitalisierung revolutioniert, die Digitalisie-
rung macht dumm oder einsam, die Digitalisie-
rung ist negativ. Auf der anderen Seite gibt es
diese Hoffnung, digitale Medien revolutionieren
die Bildung. Sowohl dieser euphorische wie auch
der ängstliche Ansatz haben eines gemeinsam. Sie
glauben, die Digitalisierung macht das. Ich würde
sagen: Nein, wir müssen das machen. Wir müssen
uns entscheiden zwischen einem Digitaldetermi-
nismus, der uns vorschreibt, was wir machen sol-
len, oder der Frage nach der eigenen Gestaltung.
Sie ahnen, dass ich natürlich sagen würde, wir
wollen selbst gestalten.
Und weshalb wollen wir eigentlich digitale Medi-
en einsetzen?
Wir sprechen heute über Potentiale
und da wieder über viele Hoffnungen, die uns in
den letzten zehn, zwanzig Jahren untergekommen
sind: damit man leichter lernt, schneller, besser,
vielleicht auch, damit das Lernen billiger wird. Die
Realität ist da eine andere: Das mit dem leichte-
ren Lernen durch digitale Medien hat sich schon
einmal nicht unbedingt herausgestellt. Schneller
vielleicht nicht unbedingt. Besser und billiger?
Ich habe noch nicht erlebt, dass man einen Cent
dadurch gespart hat, dass man digitale Medien
einsetzt. Man kann natürlich gewisse organisato-
rische Prozesse effizienter gestalten. Es gibt eine
Studie, die wir immer gern zitieren, eine Meta-Me-
ta-Analyse der Studien zum Einsatz digitaler Me-
dien der letzten fünfzehn Jahre zu der Frage, lernt
man denn jetzt besser oder nicht mit Medien? 12
Prozent haben eine bessere Behaltensleistung.
Das Bemerkenswerte ist vor allem,
dass die Er-
gebnisse über diese Zeit relativ konstant bleiben.
Es gibt keine großen Ausschläge, weder ein sehr
viel besseres Lernen durch digitale Medien, aber
auch kein Abfallen des Lernens. Das ist einerseits
beruhigend, andererseits enttäuschend, wenn man
erwartet hätte, dass hier mehr passiert. Wenn man
sagt, auf jeden Fall lernen die Schüler alle schlech-
ter, dann wäre das ja eine Antwort. Aber wir stellen
fest, digitale Medien – das ist die Kernaussage die-
ser Meta-Meta-Analyse - sind kein Selbstzweck,
sie machen die Lehre nicht a priori besser. Aber
sie bieten Potentiale, Lehr-/Lernprozesse anders zu
gestalten. Es kommt auf die Akteure an. Die Rol-
le der Lehrpersonen des didaktischen Settings ist
etwas, was sich in diesen Studien immer wieder-
findet. Das heißt, wir müssen uns weiter darüber
Gedanken machen, wie wir didaktische Konzepti-
onen, wie wir mediendidaktisch aktiv werden, wie
wir gestalten. Und die Frage stellen: Wie können
wir die Potentiale nutzen? Es gibt viele Beispiele
dafür, wie man eine bessere Lehr-/Lernmethode
mit digitalen Medien unterstützen kann, wie man
das Lernen flexibler gestalten kann, wie man damit
stärker auf die Diversität der Studierenden einge-
hen kann, wie man durch digitale Medien stärkere
individuelle Zugänge schaffen kann und wie man
auf eine Lebens- und Arbeitswelt vorbereiten
kann, die zunehmend digitaler ist.
Wie gelingt das nun an den Hochschulen?
Der
Frage stellen wir uns schon ziemlich lange. Es geht
nicht darum, ob es besser ist, digital oder analog
zu lernen. Das ist eine Frage, die wir uns an den
Hochschulen nicht mehr stellen. Es geht darum,
wie wir Potentiale der Digitalisierung an unseren
Hochschulen nutzen können. Wollen wir das, was
wir bislang machen, anders gestalten, mit neuen
Lerninhalten und Zielen? Oder wollen wir uns ganz
anders aufstellen und die digitalen Medien nutzen,
um neue Zielgruppen, neue Märkte zu erschließen,
eine neue Studierendenschaft zu ergründen? Oder
wollen wir unsere vorhandenen Programme anders
gestalten?
Über die Frage der Veränderungsprozesse
der
Hochschulen, des Change Managements der
Hochschulen gibt es schon lange Forschungen. Sie
kennen vielleicht alte Veröffentlichungen aus den
Siebzigern. »Lose gekoppeltes System« nannte sich
Hochschule dann, es trifft teilweise immer noch

26
zu. 2012 hat die Hochschulforscherin Frau Kehm
die Hochschulen noch als besondere und unvoll-
ständige Organisationen bezeichnet. Und es ist
natürlich eine Frage, als was man eine Hochschule
sieht, als was für eine Organisationsform? Hat man
eher ein institutionelles Verständnis von der Hoch-
schule oder was für eine Organisation hat man
hier? Wir erleben in den Veränderungsprozessen
an Hochschulen, dass Machtmittel kaum greifen.
Es entspricht nicht der Kultur der Hochschulen in
Deutschland, dass von oben entschieden werden
kann. Und doch erleben wir, dass mit den Strate-
giethemen, mit den Digitalisierungsthemen sich
eine Wechselwirkung ergibt zwischen dem, was
Hochschulen strategisch entscheiden und den
Graswurzel-Bewegungen aus der Vergangenheit.
Womit Hochschulen tatsächlich Schwierigkeiten
haben, ist das Thema des Aufforderungscharak-
ters, der aus der Hochschule selbst kommt, weil die
Lehrpersonen an Hochschulen sich eher mit ihrer
Scientific Community identifizieren, Karrierewege
außerhalb der eigenen Hochschule diskutiert und
ermöglicht werden und die eigene Hochschule sich
doch recht schwer tut, Anreize zu liefern. Daher
besteht schon lange die Frage, wie wir das mit dem
E-Learning in die Breite bekommen – angefangen
von Pionierphasen in den neunziger Jahren, wo es
um die Frage ging, wie man mit digitalen Medi-
en die Hochschullehre über kooperative Ansätze
gestalten kann. Das Bildungsportal Sachsen ist,
denke ich, in dieser Zeit entstanden. Das Entschei-
dende ist doch, wie bekommt man solche Leucht-
turmprojekte, wo ausprobiert wird, welche medi-
endidaktischen Konzepten passen, in die Breite?
Mit welchen Kompetenzentwicklungsmaßnahmen
kann man was erreichen usw.?
Das Thema der Digitalisierungsstrategie
ist hier
ein ganz Wichtiges. Wir haben in der ersten Pha-
se des Hochschulforums Digitalisierung in der
Themengruppe »Change Management und Orga-
nisationsentwicklung« die Frage diskutiert: Was
macht eine gute Digitalisierungsstrategie aus? Es
geht nicht um die Frage, Digitalisierungsstrategie
um der Digitalisierung willen, sondern zur Beför-
derung der Hochschulentwicklung. Das ist an der
Stelle eine Chance. Wenn Sie diese Zielvorstellung
haben, dann können Sie die anderen Maßnahmen,
Meilensteine, Verbindlichkeiten usw. im Grunde
genommen ganz einfach ableiten. Dann haben Sie
Ihre Digitalisierungsstrategie.
Die zentrale Frage ist hier,
welche übergeordne-
ten Ziele die Hochschulen mittels Digitalisierung
erreichen wollen. Es stellt sich dann die Frage: Wie
können digitale Medien dazu beitragen, das Profil
der Hochschule weiter zu entwickeln? Aber diesen
Perspektivwechsel konsequent durchzuziehen,
das ist tatsächlich etwas, was ich in meiner Ar-
beit häufig als Herausforderung empfinde. Wollen
wir bestehende Lernangebote verbessern? Wollen
wir eine bessere didaktische Qualität erreichen?
Wollen wir neue Zielgruppen ansprechen oder
uns ganz neu orientieren? Und diese Fragen sind
natürlich wichtig zu beantworten, wenn Sie eine
Strategie aufsetzen.
Die Kultusministerkonferenz empfiehlt den
Hochschulen, Strategien zu schreiben und sagt:
»Potentiale liegen darin, dass sie ihr eigenes Profil
damit befördern.« Und ja, das ist bestimmt so. Wir
haben in Nordrhein-Westfalen rund 40 staatliche
Hochschulen und haben in vielen verschiedenen
Workshops, in vielen Runden mit den Hochschul-
leitungen an der Frage gearbeitet, wo sie ihre stra-
tegischen Ziele im Kontext der Digitalisierung von
Studium und Lehre sehen. Wir haben das syste-
matisch untersucht und festgestellt, dass es zwei
Tendenzen gibt. Die eine ist, die Digitalisierung als
Modernisierungstrend mit einem eher institutio-
nellen Verständnis der Hochschule zu befördern
und auf der anderen Seite Digitalisierung zur Pro-
filierung zu nutzen. Auf verschiedenen Ebenen
gibt es diese Tendenz, sich zwischen diesen beiden
Richtungen zu entscheiden. Sie haben beispiels-
weise in Ihrem Strategiepapier geschrieben, dass
Sie eine bessere Positionierung der sächsischen
Hochschulen im Wettbewerb wollen, ganz klar,
das ist ein Profilierungsthema für Sie. Und was
das dann wiederum für die einzelne Hochschule
bedeutet, dass sie sich dementsprechend verhält,

27
aber sich mit dem Thema innerhalb Sachsens viel-
leicht nicht mehr von den anderen Hochschulen
abgrenzen kann.
Das sind alles Reflexionsmomente,
die man auf
den verschiedenen Ebenen – auf denen der einzel-
nen Lehrstühle, der Fakultäten – beachten muss.
Idealerweise heißt Strategie ja, wir haben eine ge-
teilte und am besten noch diskursiv entwickelte,
gemeinsam entwickelte strategische Ausrichtung,
eine Zielvorstellung, die wir organisational-opera-
tiv, aber auch auf der individuellen Ebene umset-
zen wollen. Wir sollten hier die individuelle Ebene
auch nicht unterschätzen. Gerade die Lehrenden
sind gefragt. Sie sind die, die digitale Medien in
der Lehre einsetzen – oder eben nicht. Das ist auch
eine Frage des Selbstbilds, der Motivation und des
empfundenen Auftrags, wie Lehre zu gestalten ist.
Es stellt sich außerdem die Frage, was sie dafür
brauchen.
Die Kompetenzentwicklung an Hochschulen,
ist
eine Frage, die wir uns im Hintergrund stellen müs-
sen, dass der Einsatz digitaler Medien in der Lehre
eine ganz neue Arbeitsteiligkeit erfordert. Also,
dass wir nicht mehr im stillen Kämmerlein unsere
Lehrveranstaltungen vorbereiten, sondern unter
Umständen einen Termin im Medienzentrum brau-
chen, wenn wir eine Vorlesung aufzeichnen wollen.
Dass wir ganz anders mit Programmen arbeiten,
die zunehmend selbsterklärend sind. Es stellt sich
die Frage: Bieten Hochschulen unterstützende
Maßnahmen im Sinne von zentralem Support an?
Oder ist die Kompetenzentwicklung eher eine, die
darauf fußt, dass Lehrende sich die Kompetenzen
selbst aneignen? In der Praxis ist es meistens ein
Zwischenspiel. Also es ist dann doch in der Regel
nicht ein Entweder-oder, sondern wir erleben, dass
es ineinander greift.
Aber wie setzt man das nun alles um?
Es ist nicht
so einfach, diesen Veränderungsprozess aus der
Perspektive der Hochschulentwicklung tatsächlich
in der Breite zu gestalten. Wir haben das Problem
Top-Down-Strategie – ein Management-Thema –
das wäre dann eher etwas, was von oben nach un-
ten entschieden wird. Und auf der anderen Seite:
Was ist mit den Graswurzelbewegungen? Was ist
mit den motivierten, engagierten Lehrenden, die
sich immer schon für innovative Lehre einsetzten?
Was ist mit den vielen Leuchtturmprojekten? Und
dann wieder auf der anderen Seite die Perspektive
der Strategieentwicklung, dass man diese Aktivi-
täten bündeln muss, etwas Gemeinsames haben
muss und nicht einen bunten Flickenteppich aus
verschiedenen Projekten. So merken wir, dass es
umstritten ist, ob Bottom-Up oder Top-Down für
Bildungseinrichtungen der ideale Weg sind und
dass wir eher sagen, dass es eher eine Verzahnung
sein muss, ein diskursiver Prozess, in dem man mit
Kommunikation zu einer gemeinsamen Zielvorstel-
lung kommen kann.
Letztlich ist die Umsetzung an den Hochschulen
auf drei Bereiche runter zu brechen, die Sie wahr-
scheinlich gar nicht überraschend finden werden.
Das ist einmal der Bereich des Möglichmachens,
also dass ich überhaupt die Kompetenz habe, digi-
tale Medien in der Lehre einzusetzen. Anreize, Mo-
tivation für Lehrende zu geben, die Deputatsver-
rechnungen haben Sie angesprochen, finanzielle
Anreize, sind immer wieder ein Thema: Dem Mehr-
aufwand, den die Lehrenden tragen, Rechnung
zu tragen, eine Wertschätzung für Lehre und für
die Bereitschaft, sich für innovative Lehre Zeit zu
nehmen und einzusetzen, ist an der Stelle ein ganz
wichtiges Thema. Und dann die Frage des doch
sehr diffusen, schwer zugänglichen Bereichs der
Organisationskultur. Wie kann ich mich als Hoch-
schule, als Bildungseinrichtung so geben, dass es
naheliegt, dass es einen Aufforderungscharakter
gibt, digitale Medien einzusetzen. Ich denke, dass
hier eine Strategie ein klares Commitment sein
kann, das an der Stelle sehr hilfreich ist.

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»Damit versuchen wir natürlich, unse-
ren Beitrag zu einer größeren Vision zu
leisten: Chancengleichheit im Zugang zu
Hochschulwissen.«
Markus Kreßler
Kiron Open Higher Education Berlin

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Digitales Onlinestudium -
Erfahrungen einer digitalen Bildungseinrichtung
Wir waren Pioniere, die einfach losgestartet sind.
Es war ganz gut, dass wir nicht so viel über die
fachlichen Hintergründe der Digitalisierung und
der Hochschulwelt wussten, sonst hätten wir das
Projekt wahrscheinlich niemals gestartet. Ganz
kurz dazu, wie die Idee entstanden ist. Ich habe
im Jahr 2013 in Kalifornien studiert, wo es ganz
normal war, dass ein Professor gesagt hat: »Macht
mal bitte einen MOOC, im Unterricht tauschen
wir uns dann aus und ich versuche, meine For-
schungskompetenzen mit einzubringen und mehr
in Projekten mit euch zu arbeiten.« Wieder zurück
in Deutschland war das Höchste, was ich an Di-
gitalisierung an meiner eigenen Universität erle-
ben durfte, dass meine Vorlesung aufgenommen
wurde. Das fand ich schon sehr schön, weil man
sich das Ganze dann immer in anderthalbfacher
Geschwindigkeit vor der Klausur anschauen konn-
te und eigentlich von überall aus lernen kann. Ich
habe mich sehr gewundert, warum die Wissens-
vermittlung durch Online-Ressourcen innerhalb
der Lehre in Deutschland noch so wenig verbreitet
war.
Als ich nach Berlin gezogen bin,
um meinen
Master zu studieren, habe ich mit Geflüchteten
gearbeitet und eine Plattform für bürgerliches
Engagement gegründet. Dadurch bin ich mit ei-
nem Projekt in Verbindung gekommen, bei dem
ich psychosoziale Beratungsgespräche mit Ge-
flüchteten durchgeführt habe. Hierbei konnte ich
feststellen, dass es viele akademisch vorgebildete
Geflüchtete in Deutschland erstaunlich schwer
haben, weil die Einstiegshürden auf dem Weg in
die Hochschule so hoch sind. Die Idee von Kiron
war in der Theorie relativ einfach: Lass uns Open
Educational Resources, die es bereits gibt, bündeln
und daraus ein konsistentes Programm machen, so
dass Geflüchtete in der Zeit studieren können, in
der sie noch keinen Zugang zum konventionellen
Hochschulsystem haben. Damit versuchen wir na-
türlich, unseren Beitrag zu einer größeren Vision
zu leisten: Chancengleichheit im Zugang zu Hoch-
schulwissen. Es ist gefühlt schon ewig so, dass es
immer wieder dieselben Herausforderungen gibt.
Meine Mutter beispielsweise hat mir erzählt, dass,
als sie aus der DDR nach Westdeutschland kam, ihr
Chemiepädagogikstudium nicht anerkannt wurde.
Viele Geflüchtete befinden sich heute in dieser
Situation: Der Hochschulabschluss, der in ihrem
Heimatland erworben wurde, wird hier nicht als
äquivalent angesehen.
Bei Geflüchteten kommen nun natürlich
noch
viele andere Probleme dazu: Die bürokratischen
Prozesse brauchen Zeit. Man muss die Sprache
lernen, um das geforderte Sprachniveau zu errei-
chen, das an einer Hochschule als Zulassungsvor-
aussetzung vorausgesetzt wird, meist C1, in man-
chen Fällen auch B2. Sowohl Finanzierung als auch
fehlende Dokumente stellen ein großes Problem
dar – es sind viele Themen, die den Hochschulzu-
gang von Geflüchteten erschweren. Natürlich gibt
es bestehende Lösungsansätze. Das Engagement
in Studienkollegs oder in den Integra- und Wel-
come-Programmen muss wirklich hervorgehoben
werden, wenn es darum geht, Geflüchteten den
Zugang zu Hochschulinstitutionen zu ermöglichen
und zu erleichtern. Ich bin mir aber sicher, dass
man durch digitale Lösungen viele bestehende
Probleme in größerem Rahmen angehen könnte.
Viele dieser Angebote sind für eine große Zahl
an Geflüchteten
gar nicht zugänglich, weil es bei-
spielsweise in der jeweiligen Region keine Hoch-
schule gibt und weil die Informationslage für Ge-
flüchtete oft einfach verwirrend ist. Zudem haben
geflüchtete Menschen häufig keine Bleibepers-
pektive in Deutschland – wir hatten das Problem
im letzten Jahr unter anderem immer wieder mit
afghanischen Geflüchteten. Eine hochschulunab-
hängige Plattformlösung kann auch für diese Fälle
zunächst einen Zugang zu Hochschulbildung bie-
ten, den sie dann vielleicht in einem anderen Land
anwenden können.

image
30
Markus Kreßler
Ich möchte unser Modell
kurz aus Sicht eines
Studierenden beschreiben. Wir haben am Beginn
erst einmal eine Beratungsplattform – den Kiron
Navigator – der ein paar grundlegende Fragen
klärt: Was ist Kiron eigentlich? Wie können wir die
Studierenden beim Zugang zu einer Hochschule
unterstützen, abhängig davon, in welchem Land
sie sich befinden? Und was gibt es bei fehlen-
dem Schulabschluss sonst für Anlaufstellen? Wir
informieren unsere Studierenden auch, dass sie
ungefähr ein B1/B2-Niveau im Englischen brau-
chen, damit sie unsere Kurse verstehen können,
versuchen aber wirklich, alles so niedrigschwellig
wie möglich zu halten. Bei der Aufnahme in unser
Programm, muss man zudem durch ein Dokument
den Status als Geflüchteter/Asylsuchender nach-
weisen.
Es gibt drei verschiedene Phasen:
Die gerade be-
schriebene Orientierungsphase, die Studienphase
und dann der Übergang in das Offline-Studium.
In der Studienphase können die Studierenden Mo-
dule abschließen, die später im Idealfall an Hoch-
schulen angerechnet werden können. Das Ganze
funktioniert, da wir ein Curriculum haben, das
modularisiert ist und in dem wir konkrete Lern-
ziele definiert haben. Wir arbeiten quasi daran,
dieselbe Sprache wie die Hochschulen zu sprechen
und orientieren uns auch an denselben Standards,
soweit sie für uns umsetzbar sind. Diese Lernziele
spiegeln das wider, was die meisten Hochschulen –
Fachhochschulen und Universitäten – in ihren ein-
führenden Semestern vermitteln. Wir bilden also
ein Kerncurriculum ab. Darüber hinaus gehen wir
Partnerschaften mit Hochschulen ein, was bedeu-
tet, dass wir mit der Hochschule eine Vereinbarung
für die grundlegende Anrechenbarkeit unserer Mo-
dule treffen. Das bedeutet leider noch nicht, dass
dies dann am Ende auch wirklich stattfindet, aber
für die Studierenden ist es dennoch gut, mit uns
studiert zu haben, da sie sich schon auf ihr späte-
res Fachstudium vorbereiten.
Dennoch haben wir bereits Studierende,
die Leis-
tungspunkte angerechnet bekommen haben. Die
meisten im Bachelor, wir haben aber sogar Stu-

31
dierende, die vorläufig in ein Masterstudium ein-
geschrieben wurden, und ihre fehlenden Kompe-
tenzen durch Kiron-MOOCs nachweisen durften.
Auch eine kombinierte Anrechnung von Kompe-
tenzen aus Studiengängen aus dem Heimatland
und Kiron-Modulen haben wir schon erlebt. Es
zeigt sich wirklich, dass viel mehr möglich ist, als
wir zu Beginn angenommen haben. Interessanter-
weise haben wir auch Studierende, die sich be-
wusst nichts anrechnen lassen wollen, weil sie die
Einführungsvorlesungen als sehr wichtig für die
soziale Integration in ihr neues Umfeld betrach-
ten. Ein Übergang an eine Partnerhochschule ist
zwar leichter, im Prinzip steht es aber jedem Stu-
dierenden frei, sich an einer anderen Hochschule
zu bewerben.
Das Modell, das hinter unseren Modulen steht,
ist ein Mix aus verschiedenen Open Educational
Resources, hauptsächlich MOOCs. Das sind Kurse,
die Hochschulen über Plattformen wie Coursera
oder edX digital frei zur Verfügung stellen. Wir be-
nutzen aber auch andere Formate, beispielsweise
Fallstudien im Studiengang Wirtschaftswissen-
schaften. Das ist prinzipiell natürlich gut skalier-
bar, da die Kurse auf eine große Zahl von Ler-
nenden ausgerichtet sind und frei verfügbar sind.
Wichtig ist aber, dass wir nur die Kurse nehmen,
die zu unserem Curriculum passen. Um es etwas
konkreter zu machen. Man kann sich unsere Lern-
plattform als Knotenpunkt zwischen vielen Platt-
formen vorstellen: Wir verlinken die Studierenden
von unserer Plattform zu den großen MOOC-An-
bietern, beispielsweise edX, Coursera, FutureLearn
oder Saylor. Deren Kurse binden wir in unserem
Curriculum ein, wenn sie zu den Lernzielen beitra-
gen können; wir haben den Vorteil, dass wir da aus
einer großen Vielzahl von Kursen genau die Pas-
senden suchen können. Aber darüber hinaus bieten
wir den Studierenden auch Vorbereitungskurse an.
Darauf können sie immer zurückgreifen, wenn sie
Probleme bei gewissen Themen haben oder noch-
mal ihre Grundlagen überprüfen wollen.
Unsere Studierenden haben die Möglichkeit,
ihr
Curriculum bei uns immer an ihre zeitlichen Res-
sourcen anzupassen. Das ist ein großes Thema bei
unserer Zielgruppe! Wir haben Studierende, die
nebenbei ihre Familien versorgen und die natürlich
keine 40 Stunden die Woche aufbringen können.
Und für diese ist unsere flexible Lösung besonders
geeignet, weil sie auch nur fünf bis zehn Stunden
in der Woche lernen können. Dann dauert das na-
türlich entsprechend länger auf unserer Plattform
Kurse zu absolvieren die sie auf die Hochschu-
le vorbereiten, aber es bietet ihnen trotzdem die
Möglichkeit die Zeit sinnvoll zu nutzen, bevor oder
während sie sich an einer Hochschule bewerben.
Viele dieser Online-Kurse haben bereits Unter-
stützungs-
und Beratungsstrukturen, beispiels-
weise in Form von Foren. Gleichzeitig bringt Kiron
aber einen Aspekt ins Spiel, den wir Blended Lear-
ning 2.0 nennen: Wir sorgen dafür, dass die spezifi-
schen Bedürfnisse unserer Zielgruppe berücksich-
tigt werden, beispielsweise Community Building
und die Einbettung von einzelnen Kursen in ein
größeres Ganzes. Um den Studierenden also die
Möglichkeit zu geben, sich auszutauschen und die
Inhalte unserer Kurse besser zu verknüpfen, bie-
ten wir noch eine zusätzliche Ebene an Unterstüt-
zungsmaßnahmen und interaktiven Lernformaten
wie Online-Tutorials an. Das sind Lehrformate, die
beispielsweise über ein Google-Classroom-Format
laufen, wo wir in Kleingruppen gemeinsam die
Inhalte aus den Kursen besprechen und so auch
die Interaktion und das Peer-to-Peer-Learning
fördern.
Hier muss ich hervorheben,
wie genial die Zu-
sammenarbeit mit freiwilligen Akademikerinnen
und Akademikern ist, die uns in dieser Arbeit
unterstützen, weil sie Geflüchtete unterstützen
wollen! Zusätzlich gibt es beispielsweise noch
Offline-Events, die von unseren Studierenden na-
türlich sehr gerne genutzt werden. Dazu kommen
einige Regionalgruppen und ein paar Lernzentren
mit Computern und stabilem Internetzugang, so-
dass wir für viele die Möglichkeit schaffen, unsere
Kurse wahrzunehmen. Wir haben auch ein Forum
auf der Plattform, wo unsere Studierenden mitein-
ander interagieren, sich Fragen stellen können und

32
zum Teil auch selbstständig Lerngruppen bilden.
Dieser Bereich ist mir sehr wichtig, denn er zeigt,
wie viel wir dazu gelernt haben. Anfangs haben wir
das nicht genug bedacht, aber inzwischen bieten
wir personalisierte Formate für gewisse Studieren-
dengruppen an, beispielsweise auch, um weibliche
Studierende stärker zu fördern. Wir haben aktuell
eine Gender-Ratio von ungefähr 80 zu 20, also in
etwa ähnlich wie der Anteil weiblicher Geflüchte-
ter in INTEGRA Programmen – entsprechend ar-
beiten wir an Maßnahmen, um Frauen in Gruppen
nicht allein dastehen zu lassen und sie zu fördern,
gerade auch im MINT Bereich.
Darüber hinaus bieten wir Studierenden,
die In-
teresse daran haben, ein dreimonatiges digitales
Mentoring-Programm an. Sie bekommen dabei
eine Mentorin/einen Mentor, der mit ihnen die He-
rausforderungen des Online-Studiums reflektiert,
eigene Stärken und Schwächen auslotet, Lernstra-
tegien analysiert und vor allem ein Ziel definiert.
Wir haben festgestellt, dass das für unsere Ziel-
gruppe extrem wichtig ist: Die Lebensrealitäten
unserer Studierenden sind sehr vielfältig und es
braucht schon eine klare Zielstellung für ein Stu-
dium. Was will man eigentlich mit dem Studium
machen? Ansonsten gibt es für viele Geflüchtete
schnellere Angebote, um in den Arbeitsmarkt zu
kommen.
Darüber hinaus haben wir eine Language School,
in der unsere Studierenden Online-Deutschkurse
machen können und auf Sprachlern-Apps zugrei-
fen können. Das ist ein sehr wichtiges Angebot bei
Kiron, wenn die Studierenden an die Hochschule
wechseln wollen. Englischsprachige Studienpro-
gramme auf Bachelor-Niveau sind sehr selten in
Deutschland. Unsere Empfehlung ist also, immer
Deutsch bis zum Niveau B2 oder besser C1 zu
lernen, so dass die Studierenden die Zugangsvo-
raussetzungen der Hochschulen erfüllen können.
Und darüber hinaus hat Kiron ein Help-Zentrum,
in dem Studierende ihre Fragen zum Studium stel-
len können. Dieses Tool ist sehr hilfreich, weil es
die Anzahl der persönlichen Anfragen stark redu-
ziert. Die Kiron Studierenden müssen dafür nicht
zu einer Sprechstunde, sondern stellen ihre Fragen
direkt online. Auf Basis der Anfrage finden die
Studierenden dann schnell hilfreiche Artikel, die
viele Fragen schon beantworten. Die offenen Fra-
gen beantworten wir dann natürlich im direkten
Austausch.
Aktuell haben wir 3300 Studierende
bei uns auf
der Plattform – ungefähr 40 Prozent davon sind
in Deutschland. Unsere Fokusländer, in denen wir
Studierenden die meisten Services anbieten kön-
nen, sind Deutschland, Jordanien und der Libanon.
Hier arbeiten wir verstärkt an der letzten Phase,
dem strukturierten Austausch mit den Hochschu-
len. Wir versuchen dabei, den Hochschulübergang
für unsere Studierenden so gleitend wie möglich
zu gestalten und beraten sie in Einzelgesprächen.
Interessanterweise haben wir trotzdem Studie-
rende, die sich aus anderen Ländern einschreiben,
beispielsweise aus Indonesien. Um auch diesen
Studierenden etwas anbieten zu können, arbeiten
wir inzwischen vermehrt mit Fernuniversitäten,
beispielsweise mit Open Universities und auch der
FernUni Hagen. Mit dieser Entwicklung hatten wir
anfangs gar nicht gerechnet und Kiron versucht
gerade, sein Modell zumindest etwas anzupassen,
um auch diese Studierenden zukünftig besser zu
unterstützen.
Viele unserer Studierenden
gehen auch einen
ganz anderen Weg und beginnen eine Ausbildung.
Wir haben beispielsweise Informatik-Studierende,
die anfangen selbst zu coden, bevor sie einen Ab-
schluss haben. Das sind Geflüchtete, die bei Fir-
men arbeiten oder eine Ausbildung als Fachinfor-
matiker anfangen, die Zertifikate von Kiron können
hierbei auch beim Einstieg helfen. Oft hatte Kiron
hier zudem einen Einfluss dadurch, dass wir das
Narrativ geändert haben: der Identitätswechsel
vom Geflüchteten zum Studierenden kann positive
Auswirkungen auf individueller Ebene sowie auf
die Bewerbung haben.
Um das alles kurz zusammenzufassen:
Am An-
fang die visionäre Idee, dass es ein bisschen mehr
braucht. Uns wurde aber klar, dass unsere Idee der

image
33
Nutzung von OER eine Art Ökosystem von Unter-
stützungsmaßahmen benötigt. Unsere Programme
wären außerdem nicht gelungen, wenn wir nicht
viele gute Partnerhochschulen gehabt hätten, die
uns trotz der anfänglich fehlenden Erfahrung im
Hochschulbereich unterstützt haben, da sie unsere
Vision geteilt haben. Das gilt aus meiner Sicht für
alle Innovationen in diesem Bereich: Man braucht
starke Netzwerke, um gut arbeiten zu können.
Abschließend möchte ich Eindrücke
von ei-
nem unserer Studierenden geben. Der Student
hat gerade an einer unserer Partnerhochschu-
len sein Studium aufgenommen. Er ist im letzten
Wintersemester an die Hochschule gewechselt
und hat uns nach der ersten Vorlesung von sei-
nen Erfahrungen berichtet. Für ihn war das On-
line-Studium manchmal eine Herausforderung,
es bietet auch viele Vorteile: Besonders hat dem
Studenten die Tatsache gefallen, dass er sich von
überall vorbereiten konnte. Zudem war es für ihn
ein bedeutender Schritt, sein Studium endlich an
einer Hochschule fortzusetzen, den er mit anderen
Kiron-Studierenden im Kiron Forum teilen möchte,
als Motivationsanstoß. Interessanterweise hat er
in den MOOCs noch etwas anderes hervorgeho-
ben: Dem Studenten hat gefallen, dass man Feed-
back geben konnte, Kommentare schreiben durfte
und es regelmäßig Tests gab. Bei den Unis sind es
ja meist große Prüfungen am Ende der Vorlesung.
Da die deutsche Sprache eine große Herausforde-
rung ist, war er auch froh, erst einmal auf Englisch
bei Kiron lernen zu können und somit einen bes-
seren Einstieg zu haben. Kiron konnte für ihn also
viele Hürden abbauen!
Markus Kreßler

image
image
34
Erste Diskussionsrunde

image
image
35
Sven Kochale
Moderator
Unsere Experten, Frau Getto, Herr Kreßler, Herr
Janoschka, sind hier vorne. Vielleicht kommen Sie
untereinander schnell ins Gespräch. Markus Kreß-
ler, auf der Seite der Partner ist noch keine säch-
sische Institution gewesen, möglicherweise bloß
ein Versehen oder ein Lapsus. Gibt es denn Partner
hier aus Sachsen, die mit Ihnen kooperieren?
Markus Kreßler
Kiron Open Higher Education Berlin
Aktuell noch nicht, nein.
Sven Kochale
Moderator
Wer hätte denn Interesse an einem Austausch mit
Kiron? Oder weshalb eigentlich nicht? Gibt es di-
rekte Reaktionen auf Kiron oder auf Wissensver-
mittlung, auf die neuen Formen?
Prof. Dr. Gerhard Weber
Institut für Informatik, Professur
Mensch-Computer Interaktion, TU Dresden
Ich frage mich, inwieweit das Modell von Kiron ein
Problem lösen kann, das wir im Bereich informa-
tiktechnischer Studiengänge haben, denn hier ist
die Abbrecherquote relativ hoch. Deswegen würde
mich interessieren, wie Ihre Erfahrung damit ist,
dass die Studenten dabeibleiben. Ein großer An-
teil, ein Drittel der Studierenden, waren im Bereich
Computer Science. Werden die denn abgeschreckt
davon, das so weiterzumachen? Denn sie haben ja
noch keinen Abschluss, sie wissen ja nicht, was das
Studium später bringen wird und sind dann viel-
leicht doch bei den 50 Prozent, die wir verlieren.
Markus Kreßler
Kiron Open Higher Education Berlin
Das ist eine gute Frage. MOOCs haben generell
eine sehr hohe Abbrecherquote. Wir sind da schon
deutlich besser, was die einzelnen Kurse angeht,
weil unsere Studierenden – das muss man ehrlich
sagen – oftmals keine andere Wahl haben. Das ist
das einzige Programm, das für sie in Frage kommt.
Es steht natürlich das konkrete Ziel bei vielen da-
hinter, später an Hochschulen zu wechseln. Des-
halb meine Antwort: ja und nein. Wir verstehen
uns eher als Plattform, die eine Art Toolbox zur
Verfügung stellt, wo sich jeder das herausnehmen
kann, was er benötigt. Für einige Informatikstudie-
rende bei uns ist es so, dass sie noch Code Schools
parallel zu unserem Angebot machen und dann
oft Jobs oder Ausbildungsstellen angeboten be-
kommen und dann bestenfalls schnell in den Job
einsteigen. Das wird sich wahrscheinlich positiv
auf die Abbrecherquoten in diesem Studienbereich
auswirken. In anderen Bereichen würde ich wie-
derum sagen, dass Abbrecherquoten wahrschein-
lich dadurch gesenkt werden, weil das Studium
interaktiver und das MOOC-Curriculum einfach
machbarer ist, als für die Informatikstudierenden.
Sie haben einen klareren Weg an die Hochschule
Prof. Dr. Gerhard Weber

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36
und mehr Antrieb, das MOOC-Curriculum einmal
durchzumachen, wo den Informatikstudierenden
mehrere Wege offenstehen.
Prof. Dr. Gerhard Weber
Institut für Informatik, Professur
Mensch-Computer Interaktion, TU Dresden
Ich frage mich nun, was die Rolle der Mentoren
ist. Denn die Mentoren sind ja traditionell dafür
da, um eine Motivation aufzubauen und damit den
Studierenden entgegenzukommen. Sind die nun
so etwas wie Berufsvermittler oder Arbeitsplatz-
vermittler geworden? Wenn so viele dann in die
Industrie gehen und vielleicht dann ihre Studien
abbrechen, weil sie so ihren Arbeitsplatz besetzen
können?
Markus Kreßler
Kiron Open Higher Education Berlin
Beim Mentoring können unsere Studierenden zu-
sammen mit dem Mentor verschiedene Schwer-
punkte legen. Wir wollen, dass unsere Studie-
renden am Ende an die Hochschulen wechseln,
merken aber, dass das Mentoring für viele zu ei-
nem späteren Zeitpunkt relevant ist, wo es dann
eher um die Karriere geht. Die Mentoren sind
immer Vertreter von Firmen, die meist aus einem
Berufsfeld kommen, das für unsere Studierenden
potentiell interessant ist. Wir haben gesehen, dass
diese langfristige Perspektive, also nicht nur der
Hochschulabschluss an sich, sondern wirklich die
Perspektive auf einen konkreten Jobeinstieg dann
mit diesem Hochschulabschluss, unsere Studieren-
den während des Studiums motiviert. Das Mento-
ring sollte eigentlich einen Studienfokus haben,
aber manchmal entwickelt sich die Beziehung da-
hin, dass die Studierenden ein Praktikum oder ei-
nen Traineeplatz angeboten bekommen. Da sagen
wir natürlich nicht nein.
Prof. Dr. Thomas Köhler
Professur Bildungstechnologie, TU Dresden,
Direktor des Medienzentrums der TU Dresden;
Sprecher des Arbeitskreises E-Learning der
Landesrektorenkonferenz Sachsen
Eine Frage an Herrn Janoschka. Der Stifterver-
band engagiert sich nachdrücklich und schon seit
längerer Zeit für das Thema Digitalisierung der
Hochschulentwicklung. Was ist denn die Haupt-
motivation, den Hochschulen diese Aufgaben ins
Pflichtenheft zu schreiben? Was treibt die Akteure
an? Welche spezifischen Erwartungen bestehen,
wenn Sie diese Programme auflegen? Und weshalb
gerade diese Themen?
Oliver Janoschka
Geschäftsstellenleiter Hochschulforum
Digitalisierung, Stifterverband für die
Deutsche Wissenschaft
Wenn Sie sich den Stifterverband ansehen, dann
stellen Sie fest: Es gibt noch eine Reihe weite-
rer Handlungsfelder, die wir bespielen, also auch
MINT-Bildung, Lehrerbildung, chancengerechte
Bildung. Das sind gar nicht immer digital geprägte
Prof. Dr. Thomas Köhler

image
37
Themen. Bei der Digitalisierung kann man es, den-
ke ich, nicht über einen Kamm scheren. Wir haben
Partner, zum Beispiel die Nixdorf-Stiftung, für die
das aus ihrer Mission heraus ein Anliegen ist. Ins-
gesamt geht es dem Stifterverband um die Förde-
rung der Wissenschaft und Bildung und wir sind
sicher, dass die Digitalisierung bereits gegenwärtig
und noch stärker eine zentrale Herausforderung
der Zukunft ist. Das zeigt sich in den verschiede-
nen Programmen. Wir haben im Januar beispiels-
weise mit der Future-Skill-Initiative einen neuen
Schwerpunkt auf den Weg gebracht. Das erste
Programm ist Ihnen vielleicht teilweise schon jetzt
begegnet mit dem Thema Data Literacy, wo sich
Hochschulen bis Juni mit neuen Konzepten um
Fördermittel bewerben können. Das ist ein hochre-
levantes Thema, wenn man sich anschaut, wie der
Bedarf seitens der Wirtschaft ist. Insofern greifen
wir das an der Stelle auf, sehen es aber auch als
ein Innovationsmoment in der Frage, wie man
interdisziplinär Dinge bewegen kann. Wenn Sie
zum Beispiel in die USA nach Berkeley schauen,
dort wird interdisziplinär ausgebildet. Dort wird
gar nicht mehr nur aus der Informatik heraus für
die Kerngruppe das Angebot gemacht, sondern es
können Studierende anderer Fächer daran Anteil
haben. Diese innovativen und gut transferierbaren
Ansätze interessieren uns sehr und wir denken,
dass sie ein Potential hier in Deutschland haben,
gerade bei einem Thema, wo man vielleicht sonst
länger warten müsste, bis man es in der Breite
wiederfindet.
Prof. Dr. Wolfgang E. Nagel
Direktor des Zentrums für Informations-
dienste und Hochleistungsrechnen, TU Dresden
Ich bin Hochschullehrer, stehe regelmäßig vor etwa
350 Studenten und gebe mein Bestes. Ich glaube
aber, dass wir mit bisherigen Lehr/Lern-Konzep-
ten zu kurz greifen und würde Sie gern kurz auf
eine Reise mitnehmen. IBM hat 1997, sieben Jahre
nach der Vereinigung, mit Deep Blue – einem sehr
leistungsfähigen Hochleistungsrechner – und ei-
nem über Jahre von Spezialisten entwickelten sehr
leistungsfähigen Schachprogramm ein Gesamt-
system entwickelt, dass am Ende tatsächlich den
damals amtierenden Schachweltmeister Kasparov
geschlagen hat. Was wir wahrscheinlich verpasst
haben: Heute – 20 Jahre danach – werden 97 oder
auch 98 Prozent der Weltbevölkerung im Schach
geschlagen durch ein aktuelles Smartphone, wenn
es denn bloß eine leistungsfähige Schach-App hat.
Die meisten von uns haben ebenfalls nicht mitver-
folgt, dass in den letzten drei Jahren von Google
das Programm AlphaGo für das Spiel »Go« entwi-
ckelt worden ist, das zunächst 2016 die mensch-
lichen Meister im Go geschlagen hat. In seiner
heutigen Ausprägung als AlphaZero lernt die
Fortentwicklung dieses Programms jedes beliebige
regelbasierte Spiel innerhalb von drei Stunden an
Hand der Regeln und spielt es dann besser als je-
des andere speziell entwickelte Programm.
Wir erleben also dramatische Veränderungen, zum
Beispiel auch in der natürlichen Sprachinteraktion
zwischen Mensch und Computer, wie gerade bei
der Entwicklerkonferenz I/O von Google Anfang
Mai 2018 mit dem Google Assistant gezeigt. Diese
Entwicklung wird mittelfristig vielfältige Einflüs-
se auch auf unsere Arbeitswelten haben. In zehn
Jahren werden Call-Center häufig nicht mehr mit
Prof. Dr. Wolfgang Nagel

image
38
Menschen, sondern mit »intelligenten« Kommu-
nikationsmaschinen besetzt sein, die Ihnen nicht
nur Ihre Beschwerde in angenehmer Weise entlo-
cken, sondern bei nächster Gelegenheit auch den
gewünschten Versicherungsvertrag verkaufen. In
20 Jahren mag es vielleicht so sein, dass man ein
Modul »Rechnerarchitekt« einspielt und dann den
perfekten Hochschullehrer bekommt, der sich indi-
vidualisiert – abgestimmt auch auf den jeweiligen
Lerntyp – mit der Vermittlung dieses Spezialwis-
sens befasst. Und dies bei einem Zugriff auf alle
MOOCs dieser Welt, auf alle digitalisierten Bücher,
alle veröffentlichten Folien, also quasi auf unend-
liche Ressourcen. Auf dieser Basis kann jedem
Studierenden möglicherweise sein bester Weg zum
Lernen von Stoff präsentiert werden. Dann haben
wir vielleicht in 20 Jahren tatsächlich das Modul
des Hochschullehrers, das sich individuell um je-
den einzelnen Studierenden kümmert. Vielleicht
noch nicht perfekt, aber wahrscheinlich besser als
mir dies heute für 350 Studenten parallel gelingt.
Im Prinzip ist klar, dass sich bei einem solchen Sze-
nario die Lehre nicht nur an Hochschulen drama-
tisch verändern wird.
Für ein solches Szenario greifen die Konzepte, die
wir bisher diskutieren, aus meiner Sicht zu kurz. Ich
möchte in der Zukunft nicht von Firmen wie Goo-
gle getrieben werden, die heute schon an Themen
von überübermorgen forschen. Ich wünsche mir,
dass unsere Hochschulen kreativ mitforschen auf
diesem innovativen Feld. Denn das ist das, was ei-
gentlich für zukünftige Lehr/Lernkonzepte hochin-
teressant ist. Die klassische Lehr-Forschung muss
gemacht werden, ich bin begeistert, ich schaue
freudig zu. Allerdings sind viele E-Learning-Kon-
zepte in der alten Form nicht mehr zukunftsfähig.
Ich bin lange im Bildungsportal Sachsen aktiv und
weiß, dass wir vielfach zu langsam sind. Und bisher
häufig zu wenig Innovation in die Lehre bringen,
insbesondere wenn wir über die Lernplattformen
nur PDFs zur Verfügung stellen. Das mache ich
auch, wie viele meiner Kollegen, insgesamt zu we-
nig für eine attraktive Lehre heute. Aber wir bauen
eben parallel zum Beispiel eine Infrastruktur für
das Maschinelle Lernen auf, die zukünftig bei der
Untersuchung und Entwicklung von innovativen
Lehr-/Lernkonzepten als Basisbaustein durch vie-
le Kollegen genutzt werden kann und die Zeit ist
endlich. Aus meiner Sicht müssen wir dort etwas
tun, wir müssen investieren, wir müssen forschen.
Und wir müssen natürlich dann auch Materialien
produzieren, die mitgehen mit dieser Entwicklung.
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin für
Wissenschaft und Kunst
Was heißt forschen? Was genau soll erforscht
werden? Welche Forschungsfragen müssen wir
heute stellen, die mit dem Leben in der digitalen
Welt verbunden sind? Um diese Fragen geht es.
Ein kleiner Exkurs in die Robotik. Es war für mich
auf einer Messe ein Aha-Erlebnis, als ich gesehen
habe, was diese kleinen Roboter alles schon kön-
nen. Aber: Was ist das Besondere des Menschen?
Was passiert mit den Menschen und wie nehmen
wir die Menschen auf diesem Weg mit? Werden
auch diese Fragen erforscht? Damit verbindet sich
für mich ganz zentral die Frage: Was müssen Kin-
der und Jugendliche heute lernen, um sich in der
digitalen Welt zurechtzufinden? Sie wachsen mit
Dr. Eva-Maria Stange

image
39
dem iPhone auf, aber was müssen sie wirklich kön-
nen und welche Kompetenzen beherrschen? Das
sind Forschungsfragen, die ich derzeit sehe. Eine
weiterer Punkt: Welche Rolle haben Menschen in
diesem Prozess, wenn der Roboter, die Maschine
oder der Chip alles kann? Der Weg dahin ist für
mich das Interessante. In den Vorträgen ist deut-
lich geworden: Wir sind noch lange nicht in der
Breite angekommen, digitale Medien in der Lehre
oder gar in der Schule einzusetzen, denn wir haben
teilweise die Grundlagen dafür nicht. Wir haben
weder die Infrastruktur, noch haben wir die Pro-
gramme dafür, noch sind die Lehrer, die Pädago-
gen, die Hochschullehrer dafür so vorbereitet, dass
sie es wirklich in der Vielfalt einsetzen können.
Prof. Dr. Uwe Aßmann
Dekan der Fakultät Informatik,
TU Dresden
Im Vortrag von Kiron wurde die Rolle von Maker
Labs in der Ausbildung erwähnt. Das ist eine Be-
wegung, die weltweit hohe Wellen geschlagen
hat, weil Leute sich freiwillig engagieren, um ganz
praktische Lernerfahrungen zu machen. Wir haben
in der Informatik das Problem, dass wir versuchen
müssen, Interessengruppen der Gesellschaft an-
zusprechen, um mehr Studienanfänger zu bekom-
men, weil unsere Software-Industrie so schnell
wächst. Ich kann mir vorstellen, dass ein Konzept
wie ein Maker Lab oder ein Living Lab, wo man
mit Robotern experimentiert, für weite Gruppen
der Gesellschaft das Thema erschließt und die At-
traktivität des Studiums erhöht. Wir haben Erfah-
rungen mit Roboter Labs, beispielsweise haben wir
im ersten Semester ein LEGO Mindstorms-Roboter
Lab, das sehr gut läuft und immer im März unser
Gebäude mit Leben erfüllt. Aber das kostet sehr
viel Tutorengeld, an die 20.000 Euro jedes Jahr. Wir
können dieses Konzept nicht einfach skalieren, das
würde unsere Budgets sprengen.
Man sollte vielleicht darüber nachdenken, wie ge-
rade diese Maker Lab-Bewegung, diese Robotik
Lab-Bewegung, in der Lehre eingesetzt werden
kann, in Erstsemestern, im Fünftsemester, Bache-
lorstudium oder in einem Masterpraktikum. Denn
ich glaube, da kann man erleben, was solche Sys-
teme ausmachen. Wie ist bei Kiron die Erfahrung?
Wenn Sie nicht Präsenzlehre machen, da können
Sie natürlich keine Maker Labs machen oder keine
Living Labs. Wie überbrücken Sie diesen Konflikt?
Markus Kreßler
Kiron Open Higher Education Berlin
Wir sind alle große Freunde von Maker Labs bei
uns im Team, denn wir sind ein relativ junges Team.
Viele unserer Entwickler haben selbst in solchen
Labs gearbeitet. Das, wo unsere Leute studieren,
das sind keine Maker Labs, sondern nur Orte, an
denen es eine Internetverbindung und einen Hard-
warezugang gibt. Es gab beispielsweise Initiativen,
bei denen wir eine große Anzahl von Computern
und Hardware an Studierende hätten versenden
können. Doch das ist logistisch und von der Büro-
kratie her in Deutschland nicht möglich.
Darüber hinaus ist der Zugang zum Internet immer
noch schwierig. Im Asylbewerberleistungsgesetz
ist beispielsweise nicht festgelegt worden, dass in
Prof. Dr. Uwe Aßmann

image
40
Flüchtlingscamps Internet vorgeschrieben ist, ob-
wohl es für die Geflüchteten oftmals das einzige
Tor zur Welt und in ihre Heimat ist. Deswegen ar-
beiten wir immer noch mit einzelnen Hubs zusam-
men. Beispielsweise in Zaatari, einem der größten
Flüchtlingscamps in der MENA-Region, versuchen
Partner erste Study Center zu eröffnen, damit
Geflüchtete auch dort Zugang zu unserer Platt-
form haben. Das sind spannende Entwicklungen,
in der MENA-Region werden Maker Labs aktuell
ein immer wichtigeres Thema, viele Innovationen
und Gründungen entstehen daraus. Das wäre aber
etwas, das wir wahrscheinlich eher an Partner ab-
geben würden, um danach mit diesen Maker Labs
zusammenzuarbeiten.
Prof. Dr. Uwe Aßmann
Dekan der Fakultät Informatik, TU Dresden
Ich habe früher mit einem Cosmos-Elektronikbau-
kasten ein Radio gebaut. Ich weiß nicht, ob es das
noch gibt. Man könnte heute so etwas kollaborativ
aufbauen und ein verteiltes Maker Lab organisie-
ren. Ist Ihnen da etwas bekannt weltweit? Also,
dass man Baukästen verschickt und dann zusam-
men, quasi virtuell-kollaborativ, arbeitet?
Markus Kreßler
Kiron Open Higher Education Berlin
Da gibt es einige Projekte, zum Beispiel im schu-
lischen Bereich, die in die Richtung Coding, aber
genauso einfache Ingenieursarbeiten gehen. Im
Bereich Software Development selbst gibt es
mittlerweile tolle Plattformen, die automatisch
den Code analysieren, in Echtzeit Feedback ge-
ben, welche Fehler man gemacht haben könnte
und man somit eine Art Baukasten-Feedback-Me-
chanismus für alles Mögliche hat, was man gerne
bauen möchte.
Prof. Dr. Marlies Fröse
Rektorin, Evangelische Hochschule Dresden
Als Geistes- und Sozialwissenschaftlerin habe ich
zwei Anmerkungen zu diesem Thema: Zum einen
diskutieren wir hier vor allem eine technisch-ins-
trumentelle Ebene der Implementierung von Digi-
talisierung in Hochschulen. Die ökonomische Frage
ist dabei tatsächlich noch ausgeblendet. Wenn ich
der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) folge, kann
man vom Mehrfachen an Kosten ausgehen, die auf
uns zukommen werden. Und unklar ist ebenso der
gesamte Bereich der Datensicherheit, der noch
wenig thematisiert wird.
Was mir aber zum anderen Sorge macht, und da
würde ich gerne die Frage von Staatsministerin
Stange aufnehmen: Was und wie sollten Kinder
und Jugendliche im Zuge der Digitalisierung ei-
gentlich lernen? Das macht mir tatsächlich Sorge,
denn Erkenntnisprozesse in Erziehungs- und Bil-
dungsprozessen, gerade im sozial- und geisteswis-
senschaftlichen Bereich, brauchen Zeit. Da kom-
men wir mit Schnelligkeit und Kurzfristigkeit von
Lernprozessen allein nicht weiter.
Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Studien,
die darauf hinweisen, dass die Tablets de facto
Prof. Dr. Marlies Fröse

image
41
ablenken. Es gibt Hochschulen, die aufgrund der
Zunahme von Aufmerksamkeitsstörungen – von
Studierenden wohlgemerkt, die sich teilweise nicht
einmal mehr acht Minuten lang konzentrieren kön-
nen – darüber nachdenken oder teilweise schon
angefangen haben, Achtsamkeits- und Meditati-
onstrainings einzuführen, damit sie überhaupt in
der Lage sind, wieder einen Text zu lesen oder über
einen Tatbestand oder eine Logik nachzudenken.
Das sind Fragen, die wir hier noch nicht angespro-
chen haben: Wie verändert die Digitalisierung die
Qualität der Interaktion und das Leben und Lernen
an Hochschulen.
In den MINT-Fächern sieht das sicherlich etwas
anders aus, ich spreche als Geistes- und Sozial-
wissenschaftlerin. Das sind aber Fragen, die wir
im Kontext der Digitalisierung betrachten müssen.
Das Eine ist das technologisch-instrumentelle, or-
ganisatorische und finanzielle, und das Andere ist:
Wie laufen Bildungs- und Erkenntnisprozesse ab?
Sven Kochale
Moderator
Frau Dr. Getto, diese Kritik, dass Studierende, Ler-
nende immer öfter und stärker abgelenkt werden,
möglicherweise durch technischen Hilfsmittel,
durch die Digitalisierung: Was bedeutet das für
den Lernprozess, für die Wissensvermittlung? Die
Frage ist, ob dann tatsächlich das Tablet daran
schuld ist, dass Menschen nicht mehr so lange fol-
gen können.
Dr. Barbara Getto
Leiterin Arbeitsbereich Hochschule .Digital,
Learning Lab, Universität Duisburg-Essen
Diese Sorgen und Ängste sind mir nicht unbekannt.
Mir ist aber keine wissenschaftliche Studie in dem
Sinne bekannt, die das als unmittelbare Korrela-
tion so sieht. Deswegen finde ich das tatsächlich
schwierig zu beantworten. Ein Gedanke dazu: Es
gibt Dinge, die können Algorithmen besser als wir,
beispielsweise Entscheidungen vorbereiten, aber
Entscheidungen treffen, möchte ich mir nicht aus
der Hand nehmen lassen. Ich kenne keine Studie,
dass Aufmerksamkeitsdefizite unmittelbar durch
digitale Medien hervorgerufen werden. Aber es ist
bestimmt so, dass digitale Medien Ablenkungspo-
tential bieten.
Zu der Frage: Wie bereitet man seine Kinder, seine
Schüler, seine Studierenden darauf vor? Ich denke,
wie in allen Erziehungsfragen: vorleben. Es geht
um die Frage, wie leben wir als Gesellschaft und
wie leben wir mit digitalen Medien? Und da ist ja
nicht die Frage »ausmachen« oder »nicht ausma-
chen«, sondern die Frage, wie wir digitale Medi-
en nutzen. Wie können wir sie uns als Instrument
zunutze machen? Das ist dann doch eine Einstel-
lungsfrage.
Sven Kochale
Moderator
Herr Janoschka, erleben Sie, dass Deutschland,
vielleicht sogar Sachsen, da möglicherweise recht
zögerlich ist und eher die Bedenken in den Vorder-
grund stellt?
Dr. Barbara Getto

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42
Oliver Janoschka
Geschäftsstellenleiter Hochschulforum
Digitalisierung, Stifterverband für die
Deutsche Wissenschaft
Ich kann schon nachvollziehen, dass man sich mit
den Risiken und Gefahren auseinandersetzt, auch
in der Frage: Wie gehen wir mit unseren Kindern
in der Schule um? Da sind viele Dinge noch nicht
fertig in der Umsetzung. Aber wenn ich mir dann
anschaue, dass man in Finnland systematisch dazu
übergeht, praktisch nicht mehr fächerbasiert zu
unterrichten, sondern eher übergreifend, dann ist
das ein sehr interessantes Modell. Wir sollten nicht
zu sehr den »Spitzer-Modus« anschalten und sa-
gen: Das ist alles gefährlich. Es lohnt sich, in einem
reflektierten Sinne zu schauen. Die Deutschen sind
da – wenn ich das so pauschal sagen darf – durch-
aus bisher ganz gut damit gefahren, sich nicht Hy-
pes anzuschließen, umgekehrt darf die Devise aber
nicht lauten, sich zurückzulehnen und zu sagen:
»Schauen wir mal«.
Diesen Grad dazwischen, den müssen Sie an Ihrer
Hochschule beantworten. Was heißt das für die
Zukunft? Und den müssen vielleicht auch andere
Hochschulen in ihrer Weise beantworten.
Was haben wir heute für Antworten? Wenn Sie das
Bildungs-Startup Kiron hören, dann ist aus meiner
Wahrnehmung durchaus die Chance da, darüber
nachzudenken, wie man dieses Modell übertragen
kann. Sie wollen internationale Studierende, bzw.
in ganz Deutschland ist das ein Anliegen, wie kann
man das online-basiert ergänzen? Wenn wir vom
Übergang von der Schule zur Uni reden, lässt sich
das digital unterstützt mit einem Kiron-Begleit-
modell ganz anders machen als heute. Das ist aus
unserer Wahrnehmung »Innovation made in Ger-
many«. Dazu braucht man aber die Hochschulen,
die sich in einer anderen Weise engagieren, damit
auseinandersetzen und in Sachsen wie an anderen
Orten diese Auseinandersetzung mutiger führen.
Prof. Dr. Andreas Thor
Hochschule für Telekommunikation Leipzig
Ich möchte auf Herrn Nagel antworten, bei dem
ich in vielen Dingen mitgehen kann. Ich bin selbst
Hochschullehrer und Informatiker. Sie hatten so
geschlossen, dass wir das erforschen müssen. Und
da möchte ich Ihnen zurufen: Sie sind selber Teil
der Forschung. Warum sagen Sie, dass Sie »PDF
machen« mit 350 Studenten? Denn Sie haben kei-
ne Zeit! Aber Sie wissen eigentlich aus Ihrer Er-
fahrung, wie man es besser machen müsste. Ich
kann mir gut vorstellen, wenn Sie sich mit Ihren
Assistenten und Mitarbeitern unterhalten, dass
Sie dann schon sagen: »Ja, man müsste eigentlich
das und das machen, in meiner Grundlehre, in der
Rechnerarchitektur bei den vielen Studenten und
der hohen Durchfallquote.« Damit werden Sie au-
tomatisch Teil der Forschung, weil Sie die Defizite
erkennen, Lösungsstrategien entwickeln und die
Hindernisse wie zu wenig Geld, Personal und In-
frastruktur gut benennen können. Ich würde mir
wünschen, dass sich alle mehr mit einbringen.
Prof. Dr. Andreas Thor

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43
Prof. Dr. Hans Georg
Krauthäuser
Prorektor für Bildung und Internationales,
TU Dresden
Weshalb wurde das Modell von Kiron von den
sächsischen Universitäten nicht aufgegriffen? Das
ist die Frage, die sich durch die Einzelbeiträge ge-
zogen hat. Wie bekommen wir das jetzt tatsäch-
lich in die Breite? Warum wird noch verhältnismä-
ßig wenig tatsächlich in der Breite umgesetzt?
Zunächst einmal muss ich sagen: Herr Kreßler, ich
beneide Sie für die Freiheiten, die Sie haben und
wäre manchmal gerne in Ihrer Lage. Ich habe das
Gefühl, dass wir in der TU Dresden unheimlich viele
engagierte Leute haben, die aber wenig Zeit ha-
ben. Und dann werden sie zusätzlich, wenn sie et-
was verändern wollen, eigentlich noch behindert.
Es wurde die Frage gestellt: Warum machen die
Universitäten nicht mit? Ich glaube, wir brauchen
teilweise tatsächlich an das digitale Zeitalter an-
gepasste Rahmenbedingungen, die es uns stärker
als bisher ermöglichen, flexibel auf neue Anforde-
rungen zu reagieren.
Ein konkretes Beispiel: Momentan, wenn jemand
eine Lehr- oder Prüfungsform ändern will, dann
muss dafür die Ordnung neu geschrieben werden,
wir müssen eine Änderungssatzung machen. Das
muss Kiron nicht. Das ist ein Punkt, wo ich Sie sehr
beneide. Sie können einfach machen, Sie haben
diese Rahmenbedingungen nicht. Und da würde
ich mir ein bisschen Kiron in den sächsischen Uni-
versitäten wünschen. Ich denke, das ist ein Punkt,
wo uns das Ministerium sehr stark unterstützen
könnte.
Markus Kreßler
Kiron Open Higher Education Berlin
Wir haben natürlich mehr Freiheiten, weil wir
unser Programm erst einmal grundlegend neu
zusammenstellen können. Aber wir können es
nicht zusammenstellen, wie wir möchten, son-
dern analysieren ziemlich genau, was Hochschu-
len in den ersten Semestern machen, so dass die
Vergleichbarkeit unserer Learning Outcomes dann
einen Übergang an die Hochschulen ermöglicht.
Wir stellen uns immer komplett auf die Unis und
die Bedürfnisse der Geflüchteten ein und fahren
damit gut. Es gab bereits Fälle, bei denen wir mit
Hochschulen gemeinsam neue Wege ausprobiert
haben. Kiron hat das dann als Reallabor in die Pra-
xis umgesetzt und geprüft, wie das funktioniert.
Das sind beispielsweise Prüfungsformate, wo wir
mit den Unis gemeinsam arbeiten. Ist es eine Mo-
dulabschlussprüfung? Ist es ein Portfolio-Assess-
ment? Gibt es eine E-Assessment-Möglichkeit? Ist
es eine mündliche Prüfung? Wir haben in diesem
Bereich beispielsweise Modulabschlussprüfungen
erprobt, bei denen unsere Studierenden auch recht
gut abgeschnitten haben. Es geht also darum,
einiges auszuprobieren, aber andererseits haben
Hochschulen natürlich ihre Limitierungen. Albert
Einstein hat einmal gesagt: Wir müssen nicht al-
les neu erfinden im 21. Jahrhundert, sondern erst
einmal das, was da ist, in die Anwendung bringen.
Das ist unser Ansatz: nicht zu viel Neues einzu-
bringen, sondern zu versuchen, das Vorhandene
vielleicht ein wenig anders zu denken und in die
Tat umzusetzen.
Prof. Dr. Hans Georg Krauthäuser

image
44
Aline Bergert
Prof. Dr. Hans Georg
Krauthäuser
Prorektor für Bildung und Internationales,
TU Dresden
Ich weiß zu schätzen, dass Kiron die Frage beant-
wortet, aber sie geht tatsächlich in Richtung der
Staatsministerin.
Sven Kochale
Moderator
Ich darf Ihnen versichern, das werden wir im zwei-
ten Teil aufrufen.
Prof. Dr. Hans Georg
Krauthäuser
Prorektor für Bildung und Internationales,
TU Dresden
Die Frage ist: In welcher Weise könnten Rahmen-
bedingungen so angepasst werden, dass die säch-
sischen Hochschulen die Vorreiter bei diesem Pro-
zess sind und die guten Beispiele dann nicht mehr
aus Berkeley oder von Kiron kommen.
Aline Bergert
Projektkoordination Videocampus und
OERsax, TU Dresden/TU Bergakademie Freiberg
Im Kontext der Diskussion und der Frage »Wie
könnte man die Idee von Kiron in Sachsen um-
setzen?« möchte ich ein Erprobungsfeld anbieten:
das Fernstudium. Wir haben beispielsweise 580
Fernstudierende im Bereich Bauingenieurwesen
– davon viele Leute aus der beruflichen Bildung,
Berufstätige, Alleinerziehende, mittlerweile auch
Geflüchtete. Wir versuchen, das Ganze digital
aufzubereiten, was allerdings etwas schwierig ist.
Gerade hinter dem Fernstudium stecken viele tra-
dierte Lehrvorstellungen. Zur digitalen Aufberei-
tung des Präsenzunterrichtmaterials stehen wenig
zusätzliche Ressourcen zur Verfügung. Ich glaube,
das wirkliche Potential der Zielgruppe ist bei uns
noch nicht erkannt, auch die Anreize für die Leh-
renden, extra Material für die Fernstudierenden zu
produzieren. Die Frage an Frau Dr. Getto und an
Herrn Kreßler: Was können wir da machen? Haben
Sie da Tipps oder Anregungen?
Markus Kreßler
Kiron Open Higher Education Berlin
Fernhochschulen sind für uns unglaublich span-
nend, weil sie die Möglichkeit geben, unsere Stu-
dienabschlüsse auch im Ausland anzubieten – was
dem deutschen Bildungssystem die Möglichkeit
gibt, Bildung als Exportprodukt anzubieten. Wir
haben das gerade für Kiron-Studierende mit der
Fernuniversität Hagen zum ersten Mal gestartet.
Wir würden hier sehr gerne auch noch mit anderen
Hochschulen zusammenarbeiten.
Sven Kochale
Moderator
Frage meinerseits zum Portal für Flüchtlinge, das
Sie entwickelt haben: Denken Sie konkret über
neue Zielgruppen nach?

image
45
Markus Kreßler
Kiron Open Higher Education Berlin
Wir haben natürlich die Organisation mit dem Ziel
gestartet, das Problem für Geflüchtete zu lösen.
Wir wussten, dass das technologische Konzept
und die Lösung dahinter für andere Themenfelder
spannend sind. Es gibt viele Leute, die aufgrund
fehlender Mobilität nicht an eine Hochschule kom-
men. Das Ziel einer Organisation wie unserer ist es,
sich irgendwann abzuschaffen und die Ideen in ein
größeres System einzubringen. Deswegen würden
wir uns eher freuen, wenn bestehende universitäre
und zivilgesellschaftliche Strukturen das was wir
an Erfahrungen generieren auch auf andere Ziel-
gruppen anwenden und adaptieren.
Sven Kochale
Moderator
Frau Getto, kann es so funktionieren?
Dr. Barbara Getto
Leiterin Arbeitsbereich Hochschule .Digital,
Learning Lab, Universität Duisburg-Essen
Ein Aspekt ist: Man muss eine Betreuung für
Fernstudierende organisieren. Sie haben Ihre Ziel-
gruppe beschrieben und es ist oft so, dass sich
Personen, die sich für ein Fernstudium entschei-
den, auch in einer besonderen Lebenssituation
sind. Diese haben oft ganz besondere Heraus-
forderungen. Wir haben zwei berufsbegleitende
Online-Masterstudiengänge. Es ist Teil unseres
Forschungsfeldes, deswegen können wir da viele
Personalressourcen reinstecken. Wir haben erlebt,
dass eine starke soziale Bindung zu extrem niedri-
gen Abbruchquoten geführt hat. Das ist einerseits
aufwendig, aber es muss nicht unbedingt jemand
vom Personal sein, der 1 zu 1 die Betreuung macht.
Das können wir natürlich nicht leisten. Wir bilden
Gruppen, wir bringen genau diese kooperativen,
sozialen interaktiven Elemente in den Lernprozess.
Das ist tatsächlich wichtig: eine Verbindung, ein
Netzwerk. Die Betonung der sozialen Komponen-
ten ist wichtig. Ein anderes Thema, was bei der
Didaktik liegt, ist die Strukturierung der Inhalte.
Es ist berufsbegleitend, das heißt alle Online-Mas-
terstudenten bei uns waren oder sind berufstätig.
Man könnte unterstellen, dass sie sich selbst orga-
nisieren können. Trotzdem haben wir festgestellt,
dass wir die Module strukturieren müssen. Es muss
eine Berechenbarkeit geben, wie Material heraus-
gegeben wird. Das hat sich für uns so bewährt.
Prof. Dr. Heinz-Werner
Wollersheim
Professur für Allgemeine Pädagogik,
Universität Leipzig; Stellv . Sprecher des Arbeits-
kreises E-Learning der Landesrektorenkonferenz
Sachsen
Zu der Frage: Was wollen wir eigentlich erfor-
schen? Wir wissen eigentlich nicht wirklich genau,
wie Lernen funktioniert und was wir en détail tun
müssen, um Lernen zu unterstützen. Sicher sind
zwei Aspekte. Erstens: Lernen ist im Kern eine ak-
tive Handlung und nichts Rezeptives. Also kommt
es im Lehr-Lern-Kontext ganz entscheidend dar-
auf an, Menschen dazu zu bringen, selbst aktiv zu
arbeiten. Das Zweite ist: Wir wissen ziemlich ge-
Prof. Dr. Heinz-Werner Wollersheim

image
46
nau, was diesen Prozess wirkungsvoll unterstützt:
ein punktgenaues, schnelles Feedback. Also: Ak-
tives Lernen plus gutes und schnelles Feedback:
Damit sind wir bei der Frage Skalierung, die uns
insbesondere bei universitären Großveranstaltun-
gen erhebliche Schwierigkeiten bereitet, weil wir
bisher die Skalierung der Unterstützungssysteme
schlecht leisten können. Wir hoffen, dass wir mit
einigen laufenden und hoffentlich in Kürze begin-
nenden Forschungsprojekten weiterkommen.
Gleichzeitig würde ich sagen, dass wir im Kontext
von Digitalisierung zum ersten Mal in der Lage
sind, die Wirksamkeit unserer Lehre überprüfen
zu können. Das ist die neue Qualität. Wir haben
bisher mehr oder weniger starke Hypothesen da-
rüber, was in der Pädagogik funktioniert. Durch
die Digitalisierung bekommen wir aber die Daten,
um nachprüfen zu können, ob und was wie und
wann funktioniert. Das ist der Forschungskontext,
in dem ich dann vor dem Hintergrund der erwähn-
ten Individualisierung und Heterogenität unserer
Lerngruppen gerne forschend arbeite, solange das
an deutschen Universitäten mit deutschem Daten-
schutz überhaupt möglich ist.
Oliver Janoschka
Geschäftsstellenleiter Hochschulforum
Digitalisierung, Stifterverband für die
Deutsche Wissenschaft
Was ich dabei wichtig finde ist, wie bei Beispielen
von Kiron oder Opal, dass sie es hochschulüber-
greifend bewegen, dass man gar nicht auf die Idee
verfallen müsste, jeder macht seins, dass es gera-
de für ihre Disziplin spannend sein kann: Wie kann
man mit in einer Plattform gesammelten Daten
andere Zusammenhänge erkennen? Es entstehen
Synergie-Effekte, wenn Sie ein Tutoring von einer
Stelle zentral bedienen und sich Akteure von un-
terschiedlichen Hochschulen mit einbringen. Die-
se Möglichkeit würde ich darauf stark zuspitzen,
dass sie es als sächsische Hochschulen gemeinsam
angehen. Ich hatte vorhin das Beispiel von Bos-
ton genannt. Wenn Sie sich diese Micro-Mas-
ter bei Addix anschauen, sie haben genau diese
Handschrift. In dem Moment, wo eine Begleitung
mit dazukommt, haben Sie einen anderen Lerner-
folg und die Leute sind anders motiviert. Es gilt
zu übersetzen: Wie kann man hier eigentlich Be-
gleitangebote schaffen, die darüber hinausgehen?
Sven Kochale
Moderator
Danke für den Abschluss in der ersten Runde. Nach
der Pause steigen wir genauer in die sächsische
Hochschullandschaft ein.
Oliver Janoschka

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47

image
image
48
Digitale Hochschulbildung in Sachsen - Best
Practice Beispiele sächsischer Hochschulen

image
49
Sven Kochale
Moderator
Meine Damen und Herren, herzlich willkommen
zurück bei der Fachtagung Chancen und Perspek-
tiven der Digitalisierung in der Hochschulbildung.
Wir gehen jetzt in die zweite Runde. Hier werden
wir uns ausführlich und sehr konkret der Situati-
on widmen, die wir bei der Digitalisierung in der
Hochschulbildung in Sachsen vorfinden. Dabei
nehmen wir natürlich die Hinweise aus der ersten
Runde gerne auf. Wir reden über Finanzierungen
und Rahmenbedingungen. Wir werden dazu in
einer Podiumsdiskussion konkrete Erkenntnis-
se, Trends und Erfahrungen aus den sächsischen
Hochschulen diskutieren. Dabei werden wir ana-
lysieren, was sich beim Thema Digitalisierung an
den Hochschulen bereits tut. Damit sollte niemand
hinterm Berg halten. Möglicherweise gibt es eini-
ges zu berichten, das andere nicht kennen und als
Anregung mitgenommen werden kann.
Deshalb lernen wir zunächst drei gute Beispie-
le kennen, bei denen die digitale Technik bereits
in der Lehre eingesetzt wird. Wir starten mit
dem Videocampus Sachsen. Das ist eine Video-
plattform für Lerninhalte, an der sich mehre-
re universitäre Einrichtungen des Freistaates
Sachsen beteiligen und die jetzt an den Start
gegangen ist. Maßgeblich dafür verantwort-
lich ist Aline Bergert, sie ist die Projektkoordi-
natorin dieses Videocampus. Der ist angesiedelt
in Freiberg und Dresden sowie in Kooperation
mit vielen anderen Einrichtungen. Herzlich will-
kommen. Wir sind gespannt auf diese Einblicke.
1 . Videocampus Sachsen
Aline Bergert
Projektkoordination Videocampus und OERsax,
TU Dresden/TU Bergakademie Freiberg
Ich möchte Sie in den nächsten fünf Minuten auf
den Weg zum Videocampus Sachsen mitnehmen.
Wir haben beim Thema Digitalisierung nicht nur
politische oder wirtschaftliche Erwartungen, son-
dern ganz alltagspraktische Probleme. Uns geht es
um das Beispiel videobasierte Inhalte. Die Nach-
frage nach videobasierten Inhalten steigt kontinu-
ierlich und das nicht nur in der Lehre – Sichtwort
Vorlesungsaufzeichnung oder Umsetzung des Flip-
ped Classroom oder anderer innovativer Formate
– auch Forschung und Studierendenmarketing sind
ohne Videos nicht mehr denkbar.
Die große Herausforderung dabei ist:
Uns fehlt
dafür aktuell die Infrastruktur. Wir haben zwar
seit 2008 eine Videoplattform, Magma, aber diese
ist seitdem kaum weiterentwickelt worden. Sie ist
flashbasiert, nicht barrierefrei, nicht mobilfähig
und überdies sehr umständlich in der Handhabung.
Aline Bergert

50
Das hat zur Folge, dass sehr viele Lehrende auf
andere Lösungen umsteigen: auf die bekannten
freien Plattformen oder auf kommerzielle An-
bieter. Das führt auf einer Seite zu wirtschaftli-
chen Redundanzen und auf der anderen Seite zu
rechtlichen Grauzonen, von denen die meisten
Hochschulleitungen noch gar nicht so viel mit-
bekommen haben. Wenn wir den Blick auf andere
Bundesländer und die dortigen Hochschulen rich-
ten, dann sehen wir, sie sind alle viel weiter als wir.
Ich habe heute ein Beispiel aus Darmstadt mitge-
bracht, die OpenLearnWare Plattform: Das ist eine
schöne Möglichkeit, nicht nur die Lehre aufzuwer-
ten und zeitgerecht zu gestalten, sondern auch
ein tolles Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit der
Hochschulen.
Dieser Bedarf existiert seit 2014,
daher schlossen
sich damals Gleichgesinnte aus den Medienrechen-
zentren, Rechenzentren sowie aus der Lehre und
der Forschung aus mehreren sächsischen Hoch-
schulen zusammen. Wir wollten eine gemeinsame
sächsische Videoplattform auf die Beine stellen.
Diese sollte technisch innovativ sein und wirt-
schaftlich sinnvoll im Verbund betrieben werden
können; für die einzelnen Hochschulen anpassbar
und rechtlich einwandfrei sein. Einsatzgebiet ist
nicht nur die Lehre, sondern auch angrenzende
Bereiche der Hochschule wie Weiterbildung, For-
schung, Studierendenmarketing etc. Beispielswei-
se beim Fernstudium, in der Lehrerbildung und der
Schnittstelle zwischen Schule und Wirtschaft gibt
es einen hohen Bedarf an videobasierten Inhalten.
Wir haben für unsere Themenstellung
getrom-
melt und konnten 2015 im Verbund von acht
sächsischen Hochschulen eine umfangreiche
Machbarkeitsuntersuchung durchführen. Nach
einer grundlegenden Bedarfserhebung haben wir
uns angesehen, welche technischen Videoportal-
systeme es auf dem Markt gibt und die Bedarfe
der sächsischen Hochschulen am besten bedienen.
Nach einer abschließenden Wirtschaftlichkeits-
untersuchung und einigen vielversprechenden
Pilotprojekten wurden die Ergebnisse der Mach-
barkeitsuntersuchung in einer Publikation veröf-
fentlicht. Diese sind offensichtlich so stichhaltig,
dass wir jetzt seitens des SMWK das »Go« bekom-
men haben für die Umsetzung des Videocampus.
Wir arbeiten aktuell daran, die ausgesuchte Platt-
form an die Bedarfe der sächsischen Hochschu-
len anzupassen und natürlich in die vorhandene
technische Infrastruktur einzubinden. Plan un-
sererseits ist, dass wir das Ganze gemeinsam mit
der BPS GmbH im Jahr 2019 in den Regelbetrieb
führen können.
Nun werden Sie sich fragen,
was man denn
mit dieser Plattform machen kann. Es sind
drei Kernszenarien: 1.) Videos bereitstellen,
2.) Livestreaming und ganz wichtig für die didak-
tische Weiterentwicklung ist 3.) die Videointerak-
tion. Das heißt, dass man gemeinsam mit anderen
an Videos arbeiten kann, schneiden, kommentieren
oder auch andere Elemente wie Online-Tests inte-
grieren. Ich habe zwei Beispiele mitgebracht, zur
Videobereitstellung und zur Videointeraktion.
[Filmeinspielung Beispiel 1]
Videobereitstellung gibt es beispielsweise in der
virtuellen Fakultät der Bergakademie Freiberg. Auf
Basis einer Pilotplattform vom Videocampus wird
aktuell eine virtuelle Fakultät aufgebaut. Man kann
in der virtuellen Fakultät alle Formen von Medien
bereitstellen, nicht nur Videos. Dort werden alle
digitalen Angebote gebündelt – insbesondere die
Vorkurse zur Vorbereitung auf das Studium. Bei
einer Vorlesungs- oder Veranstaltungsaufzeich-
nung lässt sich das Tafelbild über einen Visualizer
einbinden und man sieht die oder den Vortragen-
den. Das alles lässt sich zusätzlich mit Online-Tests
kombinieren. Weiterhin werden mit dem Feature
Web TV aktuell die Infobildschirme bespielt.
[Filmeinspielung Beispiel 2]
Das zweite Szenario ist die Videointeraktion. An
der Hochschule für Musik und Theater Leipzig
verwendet man in der bei der Ausbildung von
Musikpädagogen sogenannte Mehrperspektiv-
videos. Das werden viele wahrscheinlich aus der
Sportübertragung kennen – besonders bei Fuß-
ballspielen. Das Prinzip lässt sich aber ebenso

51
für die Lehrerbildung anwenden und hilft bei der
Unterrichtsanalyse. Es gibt in diesem Beispiel drei
verschiedene Perspektiven desselben Unterrichts-
geschehens. Die Studierenden wählen unter einem
thematischen Fokus die passenden Einstellungen
aus und stellen einen Kurzfilm daraus zusammen.
So entstehen Analysevideos, die dann gemeinsam
ausgewertet werden können.
Wenn Sie Interesse haben und das gemeinsame
sächsische Videoportal mit seinen zahlreichen
Funktionen ausprobieren wollen, melden Sie sich
bitte gerne bei uns und machen Sie mit.
https://bit.ly/2uK1vb7
Sven Kochale
Moderator
Danke für diesen kurzen Einblick. Es ist deutlich
geworden, was alles bereits möglich ist, wenn sich
Gleichgesinnte zusammenschließen. Und es ist
deutlich geworden, wie viel konzeptionelle Vorar-
beit, technische Umsetzung und Personal dahinter
stecken. Das sieht fast nach einem eigenen Studi-
engang aus, um die nötigen Kenntnisse zu vermit-
teln. Damit sind wir beim nächsten Stichwort, bei
der technischen Plattform, die dafür notwendig ist.
Wie könnte eine Kooperation aussehen und wel-
cher Voraussetzung bedarf es dafür? Das hören wir
bei der Vorstellung des nächsten guten Beispiels
von Prof. Dr. Gerhard Thiem von der Hochschule
Mittweida. Er kümmert sich dort als Ingenieur und
Institutsleiter für Technologie und Wissenstransfer
um solche Plattformen beim Open Engineering.
2 . Open Engineering
Prof. Dr. Gerhard Thiem
Institut für Technologie- und Wissenstransfer,
Hochschule Mittweida, Mitglied des Arbeits-
kreises E-Learning der Landesrektorenkonferenz
Sachsen
Ich möchte Ihnen in meinem kurzen Beitrag dar-
über berichten, was in Richtung innovativer, digi-
taler Lernkonzepte an der Hochschule Mittweida
erarbeitet worden ist. Wir haben das bei uns zen-
tralisiert in einer wissenschaftlichen Einrichtung
– dem Institut für Technologie und Wissenstrans-
fer, dem ich vorstehe. Ich werde zum Ende meines
Beitrags zu dem in der Einladung erwähnten Refe-
renzprojekt Open Engineering kommen.
Wenn man sich die Historie anschaut,
kann man
eigentlich nur eines sagen: Digitale Hochschulbil-
dung braucht einen langen Atem. In Mittweida
war der Start 1998. Deshalb kann ich heute zwei
Jahrzehnte zusammenfassen. Es war in diesen 20
Jahren immer projektorientierte Arbeit in Europa-,
Bundes- und Landesprojekten. Die sächsischen
Initiativen haben unsere Arbeit deutlich geprägt,
beginnend mit der Landesinitiative Bildungsportal
Sachsen, die wir 2000 mitgegründet und 2001 ge-
startet haben. Unterstützt wurden wir langjährig
auch mit Mitteln aus dem Europäischen Sozial-
fonds (ESF).
Wir haben begonnen mit einem Europäischen
Sozialfonds-Projekt
Access Courses. Vor zehn
Jahren war es ein Thema, die Hochschulzugangs-
berechtigung durch Blended Learning unterstützte
Kurse zu ermöglichen. Das Modellprojekt war sehr
erfolgreich. Nach zwei bis drei Jahren hatten wir
ein entsprechendes Bildungsangebot realisiert.
Wir haben aber festgestellt, dass mit der Libera-
lisierung des sächsischen Hochschulgesetzes die
Zahl der Bewerber mit Facharbeiterabschluss gar
nicht mehr so groß ist. Aber wir haben eine neue

image
52
Prof. Dr. Gerhard Thiem
Zielgruppe gefunden, die für die Zukunft sehr in-
teressant sein wird. Das sind diejenigen, die als
Seiteneinsteiger ein Studium aufnehmen. Dem ha-
ben sich weitere Referenzprojekte im Bereich der
Ingenieurausbildung und zur Stärkung des akade-
mischen Mittelbaus angeschlossen.
Im Rahmen unserer langjährigen Forschungs-
tätigkeit
zu Bildungstechnologien haben wir uns
ausführlich mit Forschungsfragen zu neuen Lehr-/
Lerntechnologien beschäftigt. Ich möchte drei
kurze Schlagworte erwähnen, die uns über die Jah-
re intensiv beschäftigt haben. Das ist zum einen
die Gestaltung von angepassten Lehr-/Lernszena-
rien selbst. Zum zweiten geht es um die Akteure in
diesem Prozess.
Dabei stellt sich die Frage: Wie gewinnt man
den Professor, der aus der klassischen Lehre mit
PDF-Dateien kommt? Wie überzeugt man ihn, dass
mit Anreicherung von innovativen Lernkompo-
nenten ein Mehrwert entsteht? Das funktioniert
sowohl im Bereich der Vorlesung, der Seminare,
der Praktika, bis hin zur Prüfungsvorbereitung. Ein
dritter wichtiger Aspekt war die Frage: Wo präsen-
tieren wir diese Lernangebote? Sachsen hat sich
für den Weg des Bildungsportals entschieden und
wir haben bei uns im Hause, mit der Lernplattform
Opal Referenzlösungen entwickelt, die uns in die
Lage versetzen, einen beliebigen Modellstudien-
gang in dieser Plattform in verschiedenen Facet-
ten abzubilden. Dabei werden die unterschiedli-
chen Rollenkonzepte zwischen Studierenden, den
Hochschullehrern und anderen Mitwirkenden dar-
gestellt.
Zum Schluss möchte ich noch über drei Refe-
renzbeispiele reden .
Bei Access Course waren wir
durch die Unterstützung des Europäischen Sozi-
alfonds in der Lage, das gesamte Klientel aus der
beruflichen Praxis zu analysieren. Letztendlich
konnten wir ein Blended Learning Angebot dafür
entwickeln. Wir haben es in den letzten Jahren
weiterentwickelt, vor allem zu Wiederherstellung
der Studierfähigkeit nach längerer Berufstätigkeit.
Wir haben sehr deutliche Differenzierungen be-
züglich der Seiteneinsteiger, ob das Meister, Tech-
niker oder Studienabbrecher sind, festgestellt. Für
all diejenigen haben wir individuelle Zusatzange-
bote geschaffen. Heute gibt es einen Blended-Le-
arning-Kurs, der nun in den zehnten Jahrgang
geht. Darauf sind wir sehr stolz, wir haben inzwi-
schen mehr als 170 Personen den Wiedereinstieg
in die Hochschulbildung ermöglicht.
Ein anderes Referenzbeispiel
ist das Modellkon-
zept eines Weiterbildungs-Masterstudienganges
zum Thema Nachhaltigkeit in gesamtwirtschaft-
lichen Kreisläufen. Der Fokus liegt auf der Pass-
fähigkeit für die mittelständische Wirtschaft. Die
eigentliche bildungstechnologische Innovation ist,
dass wir nicht einfach im klassischen Sinne einen
Masterstudiengang entwickelt haben. Sondern
wir haben ein modulares Bildungsangebot auf
Masterniveau geschaffen, das die Optionen für
den Masterabschluss erhält. Besonders wertvoll
ist dabei, dass ein einheitlicher Lehrgestaltungs-

53
prozess für alle Lehrmodule entwickelt wurde.
Wir haben einheitliche Strukturen, die wir in der
berufsbegleitenden Durchführung, beginnend mit
der Auftaktpräsenzphase, Webinaren, Tutorien und
weiteren Präsenzblöcken bis zur Prüfung abbilden.
Auch hier sind die ersten drei Kurse mit gutem Er-
folg gelaufen.
Damit zum Stichwort Open Engineering:
ein Pro-
jekt aus der Bundesinitiative »Offene Hochschu-
le«. Das Kernproblem heißt hier: Durchlässigkeit
von Bildungswegen. Wir haben eine Vision auf-
gezeigt, wohlwissend, dass die nur für Einzelper-
sonen gültig sein wird – vom Facharbeiter bis zur
Promotion. Aber gemeinsam mit der TU Chemnitz
haben wir den Anspruch, Wege zu eröffnen, die
verschiedene Ein- und Ausstiegspunkte in diese
Plattform ermöglichen. Wir haben demzufolge
unterschiedliche Formate für die entsprechenden
Abschlüsse. Es gibt Hochschulzertifikate vom Vor-
bereitungs- bis zum Studienbegleitkurs. Natürlich
gibt es entsprechende Bachelor- und Masterange-
bote, insbesondere weiterbildend. Die TU Chemnitz
hat ein neues weiterbildendes Masterprogramm
mit dem Namen Innovation Engineering aufge-
legt. Gemeinsam sind wir im Augenblick dabei,
die beiden offenen Säulen Applied Engineering
und Strukturiertes Promotionsprogramm in der
zweiten Wettbewerbsphase »Offene Hochschule«
umzusetzen. Ich denke, dass wir damit an vielen
Stellen nachweisen konnten, dass es möglich ist,
digitale Bildungsangebote punktuell zu transfor-
mieren. Wenn ich zum Abschluss einen Satz sagen
darf: Wir haben exemplarisch gezeigt, dass vieles
geht und ein breites Know How erarbeitet wurde,
vor allem im Rahmen des Arbeitskreises E-Lear-
ning. Die große Herausforderung wird es sein, das
in die Fläche zu transportieren. Mittweida hat sich
jetzt das Ziel gesetzt, Referenzprojekte zu schaf-
fen für digitalisierte Studiengänge. Diese sollen in
der Lage sein, sowohl an der eigenen Hochschu-
le als auch in Kooperation mit Partnern national
und international Maßstäbe für die digitale Hoch-
schulbildung zu setzen.
Sven Kochale
Moderator
Danke Prof. Thiem von der Hochschule Mittwei-
da. Sie sehen, es gibt hier schon Strukturen, die
funktionieren und diese Transformation der digi-
talen Angebote hinein in den Präsenzbetrieb der
Hochschule möglich erscheinen lassen. Aber was
passiert denn an diesen Universitäten? Wie kann
denn Wissen auf digitaler Ebene neu oder anders
vermittelt werden, um die Einrichtungen spannen-
der zu machen? Genau darum kümmert sich die
TU Bergakademie Freiberg und wir sehen hier eine
Form des Flipped Classroom. Das Konzept sieht
vor, dass Lerninhalte ein bisschen umgedreht wer-
den und Studierende im besten Falle schon sehr
gut vorbereitet in die Hochschule kommen, um
dort das erlernte Grundwissen anzuwenden und zu
vertiefen. Wie gut oder schlecht das funktioniert,
darüber hat man in Freiberg schon Erfahrungen
sammeln können.

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54
3 . Flipped Classroom
Doris Geburek
TU Bergakademie Freiberg
Wir haben nun bereits einige Projekte kennen-
gelernt, welche eher semester- bzw. hochschul-
übergreifend sind. Ich möchte Ihnen jetzt zeigen,
was man an einem einzelnen Lehrstuhl oder einer
kleinen Professur konkret machen kann. Bei der
Umsetzung von unserem Projekt hatten wir viel
Hilfe vom Medienzentrum der TU Bergakademie
Freiberg.
Unser Modul heißt Cultural Studies of the USA .
Es ist als ganz klassische Vorlesung mit zwei Se-
mesterwochenstunden und drei Credit Points an-
gelegt. Die Unterrichtssprache ist Englisch und wir
verwendeten bisher immer ein gedrucktes Skript.
Wir unterrichten mithilfe von Filmclips aus Holly-
woodfilmen. Wir schauen uns an, was in den Fil-
men dargestellt wird, wie gesellschaftliche Aspek-
te aufbereitet werden und untermauern das mit
den entsprechenden Theorien. Die Studierenden
sollen daraus Besonderheiten der US-amerikani-
schen Kultur ableiten.
Die Filmclips waren
alle auf VHS Kassetten in ei-
ner großen Tasche – ungefähr 15 Stück. Damit ging
mein Chef dann in den Unterricht und holte die
große Technik raus mit Video-Player und Röhren-
fernseher. Da wurde vorgespult, zurückgespult,
gestoppt. Alles in Allem sehr zeitaufwendig. Am
Ende stand eine Klausur an, durch die die Stu-
dierenden die drei Credit Points erhalten haben.
Wir haben unglaublich viel Zeit für das Ansehen
der Videos und für die Technik, also Spulen, Pau-
sieren, etc., verwendet. Das war letztlich nicht viel
besser als der Folienmarathon, den jeder aus den
Vorlesungen kennt. Bis wir in die Analyse einstei-
gen konnten, blieb einfach kaum Zeit für Interakti-
on. Die Studierenden gingen nach dem Unterricht
nach Hause, saßen an ihren Schreibtischen und
versuchten die angeschnittene Analyse weiter zu
bearbeiten und sich an die gezeigten Filmaus-
schnitte zu erinnern. Das ist schwer.
Wir wollen aber natürlich,
dass die Studierenden
etwas mitnehmen und das geht nur durch mehr In-
teraktion in den Lehrveranstaltungen. Also haben
wir die Abläufe einfach umgedreht – geflippt. Die
Studierenden konnten nun zu Hause jederzeit die
Filme schauen. Dadurch hatten wir dann im Unter-
richt viel Zeit für Interaktion und Austausch. Für
die Digitalisierung haben wir unsere Allzweckwaf-
fe Opal bemüht und uns einen Kurs gebastelt. Darin
haben wir die Filmausschnitte zu den unterschied-
lichen Themen der Lehrveranstaltung vorbereitet.
Der Kurs enthält außerdem begleitende Aufgaben.
Die Studierenden schauen zu Hause also nicht nur
die Filme für den Unterricht, sondern widmen sich
ganz konkreten Aufgaben. Sogar die Analyse wird
im Selbststudium bereits angeschnitten. Jeder
Doris Geburek

55
Themenbereich enthält eine Linkliste mit Materi-
alien, die obligatorisch sind und durchgearbeitet
werden müssen. Ergänzt wird es durch weiteres
Material, wenn noch mehr Interesse besteht.
Der Nutzen dieser Art Lehre ist enorm .
Wir ha-
ben unseren Kurs begleitend evaluiert, einmal auf
Seite der Studierenden und einmal auf Seite der
Lehrenden. Auf Seite der Studierenden wurden drei
Sachen positiv wahrgenommen. Lobend erwähnt
wurden insbesondere der Raum, der für den Aus-
tausch bleibt, der engere Kontakt zum Dozenten
und die geforderte Art der Selbstorganisation. Je-
der kann sich den Aufgaben widmen wann und wo
er will. Aber es gab natürlich auch Klagen. Primär
wurde der Aufwand bemängelt. Die Studierenden
waren ja gewohnt, dass sie ein Mal pro Woche
in die Vorlesung gehen und kurz vor der Klausur
dann anfangen zu lernen. Sie liefern quasi Wissen
ab und vergessen es dann sofort wieder. Mit dem
Flipped Classroom haben wir sie gezwungen, sich
vorzubereiten. Viele waren einfach nicht gewohnt,
dass man sich vorher schon mit dem Material aus-
einandersetzt. Das kommt ihnen natürlich als Auf-
wand vor, obwohl es nur das Mindestmaß dessen
ist, was man in einem Hochschulstudium bringen
sollte.
Für uns als Lehrende haben sich
dadurch einige
Spannungsfelder ergeben. Wir fanden die ver-
mehrte Diskussion toll, wir konnten viel individu-
eller und flexibler auf die einzelnen Studierenden
eingehen; was wurde verstanden, wo muss man
nacharbeiten. Für uns stellt sich aber auch die Fra-
ge, was wir investieren und was die Studierenden
investieren und was dann im Ende rauskommt.
Die Klausurnoten beispielsweise waren am Ende
nämlich gar nicht so viel besser als bei der übli-
chen Lehrmethode. Das mag auch damit zu tun
haben, dass wir durch den Einsatz dieser Methode
auf einmal viermal so viele Teilnehmer hatten wie
sonst. Viele hatten auf einmal Lust, diese Art der
Lehre auszuprobieren.
Eine überraschende Erkenntnis,
die schon mehr-
fach angesprochen wurde, können wir bestätigen:
Die Medienkompetenz der angeblichen Digital
Natives wird sehr überschätzt. Da besteht wirk-
lich viel Aufholbedarf. Die Studierenden gehen mit
digitalen Geräten und Inhalten ziemlich naiv um.
Hätten wir kein Medienzentrum mit einer Dau-
er-Hotline gehabt, wären viele bereits mit der sim-
pelsten Nutzung von Opal überfordert gewesen.
Das liegt wohl auch an der allgemein verbreiteten
Konsumhaltung im Umgang mit digitaler Technik.
Die Menschen wollen, dass ihnen die Dinge auch
digital auf dem Silbertablett serviert werden.
Insgesamt hat sich aber gezeigt,
die Motivation
ist auf allen Seiten enorm. Wir können eindeutig
sagen, Flipped Classroom ist eine gute Methode,
um dem Folienmarathon zu entkommen. Man
muss aber die Stellschrauben kennen und diese
sehr individuell bedienen können.
Sven Kochale
Moderator
Vielen Dank. Soweit ein Schnelldurchlauf zum gu-
ten Beispiel Flipped Classroom. Die Chancen sind
da, Risiken aber auch. Eine interessante Kompo-
nente ist offensichtlich der innere Schweinehund.
Das hat dann etwas mit Lernkultur und Herangehen
an Aufgaben zu tun. Wir kommen gleich wieder in
die Diskussion. Das Podium hat sich dafür bereits
neu zusammengefunden. Wir schauen uns aber
zunächst aus übergeordneter Sicht an, was bei den
Bildungsinhalten in Sachsen passiert. Dafür haben
wir den Sprecher des Arbeitskreises E-Learning der
Landesrektorenkonferenz hier. Er ist Universitäts-
professor für Bildungstechnologie und heißt Prof.
Dr. Thomas Köhler von der TU Dresden, Institut für
Bildungspädagogik. Er wird beleuchten, wie sich
das digitale Lernen und Lehren an den sächsischen
Hochschulen darstellt.

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56

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57
Digitales Lehren und Lernen an
sächsischen Hochschulen
Prof. Dr. Thomas Köhler
Professur Bildungstechnologie, TU Dresden,
Direktor des Medienzentrums der TU Dresden; Sprecher des
Arbeitskreises E-Learning der Landesrektorenkonferenz Sachsen

58
Ich stehe stellvertretend hier für den Arbeitskreis
der Landesrektorenkonferenz, welcher mittlerwei-
le seit vielen Jahren dieses Themenfeld vertritt.
Wir denken darüber nach, wie es mit dem E-Learn-
ing weitergehen kann und wie wir uns hochschul-
übergreifend dafür aufstellen. Ich habe meinen
Beitrag in vier kleine Punkte geteilt, möchte ein-
führend etwas sagen zur institutionellen Struktur,
damit die Aufbauorganisationen transparent wer-
den. Dann möchte ich zur Arbeitsweise des Hoch-
schulverbundes sprechen und auf den Prozess der
Kooperation rund um das Online-Lernen eingehen.
Schließlich werde ich die Perspektiven aus Sicht
des Arbeitskreises resümieren, gewissermaßen als
Einstieg in die nachfolgende Diskussion.
Der Arbeitskreis E-Learning der Landesrektoren-
konferenz
Sachsen ist die Instanz, die zu weiten
Teilen hinter dem Bildungsportal Sachen steht. Das
Bildungsportal Sachen ist ein Hochschulverbund,
d.h. ein Netzwerk als institutionelle Verortung der
Kooperation. Alle sächsischen Hochschulen sind
im Arbeitskreis Mitglied, neben den staatlichen
Hochschulen sind eine Reihe von privaten Hoch-
schulen und die Berufsakademien dabei. Mittler-
weile hat sich dort in zehn bis fünfzehn Jahren
eine reichhaltige Landschaft an Kooperationsbe-
ziehungen entwickelt.
Uns treibt die Frage um,
wie sich die technologi-
sche und didaktische Transformation in die Breite
transportieren lassen, einerseits im Hinblick auf
die Qualifikation von Lehrkräften. Andererseits ist
der technologische Basisbetrieb abgesichert durch
die Bildungs-GmbH Sachsen, die das Lernmanage-
ment-System und andere Werkzeuge bereitstellt,
im Freistaat für die Hochschulen tätig ist und auf
Nachfrage auch für eine Reihe von Forschungs-
und Entwicklungsprojekten sowie für die weiteren
Bildungssektoren. Einige Berufsakademien nutzen
das Angebot und wir hoffen, dass sich weitere
anschließen. Wir haben im Arbeitskreis aber auch
eine enge Zusammenarbeit mit denjenigen Instan-
zen, die nicht direkt dem Bereich des SMWK an-
gehören, sondern in den Kultusbereich. Auch die
Hochschule für Verwaltung in Meißen ist inzwi-
schen Teil der Kooperation.
Im Tagesgeschäft begreifen wir den permanen-
ten Wandel
als Motor für die kontinuierliche Inno-
vation. Unser Tagesgeschäft sind Projekte, die auf
Strategievereinbarungen mit dem SMWK basieren.
Das Wissenschaftsministerium fördert seit vielen
Jahren finanziell zuverlässig, stellt Mittel bereit,
organisiert Ausschreibungen im wettbewerblichen
Verfahren und der AK eL begleitet diese mit unab-
hängiger fachlicher Begutachtung. Diese Projekte
setzen Erneuerungsanreize. Der Regelbetrieb wird
indes von den Hochschulen selbst getragen. Aktu-
ell arbeiten wir im Kontext einer Strategieorientie-
rung mit den Hochschulen zusammen an Entwick-
lungsthemen, die sich im Zeitraum 2017 bis 2021
ansiedeln. Wir haben strategische Handlungsfel-
der für die Hochschulen des Freistaates entwickelt
und veröffentlicht. Wir bewegen uns aber auch in
einem Kontext, der über Sachsen hinausgeht. Es
geht dabei um europäische Initiativen, die sächsi-
sche Digitalisierungsstrategie, die digitale Agenda
der Bundesregierung oder die Strategie der Kul-
tusministerkonferenz. Das sind Entwicklungen, die
unsere Arbeiten flankieren.
Soweit das Tagesgeschäft .
Doch was kommt
danach? Wir wissen, dass der nächste Quanten-
sprung kommt. Wir fragen uns aber, wie wir uns
darauf vorbereiten können. Natürlich kann man
das innovationstheoretisch nicht so ohne weite-
res auffangen oder vorbereiten. Aber es gibt eine
Reihe aktueller Herausforderungen, die uns um-
treiben, so zum Beispiel die Fragen nach Qualifika-
tionsqualität und Studienabbruch. Haben wir nicht
durch die Digitalisierung mittlerweile genügend
Daten, dass wir rechtzeitig Prognosen wagen kön-
nen? Können wir Studierende beobachten und den
Lehrkräften daraus resultierend Hinweise geben?
Dann geht es um die Frage, wie das Personal der
Hochschulen mitzunehmen ist. Es ist eine große
Herausforderung für die Motivation der Lehrkräf-
te, digitale Werkzeuge einzusetzen und diese in
fachlich geeigneter Weise weiterzuentwickeln.

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59
Das lässt sich nicht im Einzelfall vorgeben,
es
sind alle hochschulischen Akteure gefordert.
Letztlich kommt man zur Frage, wie lange es die
Hochschule in der gegenwärtigen Form noch ge-
ben wird? Wir müssen vorbereitet sein, um uns
in passender Hinsicht zu positionieren. Insofern
könnte den seit längerem verwendeten Begriff
des E-Learning auch ein neues Label ablösen:
digitalisierte Hochschulbildung. Aber vielleicht
greift auch dies zu kurz und wird in Zukunft durch
weitere Perspektiven abgelöst. Doch wie sehen
diese Perspektiven aus? Dies wird auch durch die
politischen Weichenstellungen und durch diverse
Bedarfe der Gesellschaft insgesamt beeinflusst,
nicht nur durch den Bildungssektor selbst. So
geht es um Belange des sächsischen Fachkräfte-
markts. Es geht aber auch um die Möglichkeit, in
ländlichen Räumen durch virtualisierte Angebote
Präsenz zu zeigen und Teilhabe zu ermöglichen. Es
geht zudem darum, wie durch Digitalisierung wis-
senschaftliches Know-How aus den Hochschulen
in die Gesellschaft transferiert werden kann.
Doch zurück zu den Hochschulen .
Mit Blick auf
die Studierenden, die zurzeit Werkzeuge wie das
Lernmanagementsystem OPAL, die Videoplattform
MAGMA und anderes nutzen, brauchen wir flexib-
le Angebote, die der Heterogenität der Studieren-
den gerecht werden. Das betrifft den Hochschul-
zugang, aber – wenn wir auf die Lehrerbildung
schauen – auch das Verlassen der Hochschulen in
Richtung der anderen Bildungssektoren. Hierbei
spielen digitale Werkzeuge eine Rolle, zum Beispiel
in Form von Kursen im Referendariat, die für die
hochschulnachlaufende Phase entwickelt wurden.
Für die an der Hochschule Lehrenden könnte sich
die Frage stellen, inwiefern sich der Aufwand für
akademische Lehre verändern oder gar erleichtern
lässt. Durch die Virtualisierung entstehen neuar-
tige didaktische Handlungsmöglichkeiten, die zum
Teil vollautomatisiert funktionieren.
Wenn man die verschiedenen Initiativen
der
Bundesländer rund um die online-gestützte Hoch-
schullehre, das sogenannte eLearning, vergleicht,

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60
dann zeigen sich sowohl unterschiedliche als
auch vergleichbare Ansätze. Der virtuelle Campus
Rheinland-Pfalz nutzt eine Lernplattform für fast
alle Hochschulen (OPAL). Beim Multimedia-Kontor
Hamburg gibt es einen anderen Ansatz. Dort gibt
es eine Verschränkung von Leistung rund um die
informationstechnische Infrastruktur der Hoch-
schulen der Hansestadt mit der Lehrerfortbildung.
Wiederum einen anderen Ansatz hat der Freistaat
Bayern gewählt. Dort wurde mit der Virtuellen
Hochschule Bayern ein Instrument entwickelt, um
Leistungen zwischen Hochschulen auszutauschen
oder zu verrechnen. Da geht es also eher um Ka-
pazitätssteuerung mithilfe von digitalen Werkzeu-
gen.
Diese Aufstellung ist nicht vollständig,
aber es
fällt auf: Wir haben in Sachsen keine virtuelle
Hochschule, wir sind aufgestellt als Präsenzhoch-
schulen, die im Hochschulverbund zusammen-
arbeiten. Unsere Arbeitsweise ist ein Garant für
Innovation, aber auch eine Schwachstelle, weil die
Nachhaltigkeit immer wieder neu diskutiert wer-
den muss. Und die kleinen Hochschulen berichten
uns, dass die Bereitstellung von Personal-Ressour-
cen für die Erstellung und Begleitung von digitalen
Lernobjekten weiterhin sehr herausfordernd ist.
Insofern wäre meine Frage die ich in die Diskussi-
on gebe: Sind die Hochschulen in diesem Verbund
zeitgemäß aufgestellt oder bedarf es weiterer Ent-
wicklungsimpulse? Wie könnten diese gestaltet
sein? Geht es um die inhaltliche oder organisati-
onale Perspektive?
Sven Kochale
Moderator
Dankeschön Prof. Köhler für diese Steilvorlage, die
wir gerne nutzen. Wie gut sind die Hochschulen
auf die Digitalisierung vorbereitet? Brauchen wir
sie in zehn bis zwanzig Jahren noch in der Form?
Oder sollte sich das ganz anders strukturieren –
im Freistaat Sachsen oder in großen Verbünden?
Die virtuelle Universität über allem? Prof. Thomas
Hofsäss, wenn ich Sie als erstes fragen darf: Wie
stellen Sie sich das in Zukunft vor?
Sven Kochale

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Podiumsdiskussion
Wie sind die sächsischen Hochschulen in der digitalen
Hochschullehre heute aufgestellt – wo geht es hin?

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62
Prof. Dr. Thomas Hofsäss
Prof. Dr. Thomas Hofsäss
Prorektor für Bildung und Internationales,
Universität Leipzig, Vorsitzender des Hochschul-
didaktischen Zentrums Sachsen
Ich stelle mir in 15 Jahren vor, dass es die Hoch-
schule in einer weiterentwickelten Form gibt.
Dass es möglicherweise etwas wie eine virtuelle
Hochschule Sachsen geben kann, die sich aus einer
ganzen Reihe von Verbundprojekten herauskris-
tallisiert, die wir auch im Kontext Digitalisierung
der Lehre und der Forschung haben. Ich nenne
hier beispielhaft den Arbeitskreis E-Learning.
Und möglicherweise erwächst so etwas aus der
sehr neuen Kooperation mit dem Hochschuldi-
daktischen Zentrum Sachsen (HDS). Wer Sachsen
kennt, der weiß, dass Sachsen schaut, was andere
machen. Das heißt, solange andere Bundesländer
ihre Hochschulen bis dahin nicht aufgelöst haben,
wird es in Sachsen nicht so sein. Wir sehen das in
ähnlicher Weise bei der Inklusion. Insoweit denke
ich, dass es wichtiger ist, sich zu überlegen, wie
gestalten wir die nächsten 15 Jahren in Bezug auf
die Digitalisierung. Ich habe den Eindruck, dass
wir dabei so schlecht nicht aufgestellt sind, was
die Lehre und die Grundinfrastruktur angeht. Da
wurde eine Reihe an Basics gelegt, was eine große
Herausforderung der Digitalisierung in der Hoch-
schulbildung ist, wie dieses auf die gesamte Fläche
der Hochschullandschaft ausgeweitet wird. Wir
haben eine sehr diverse Hochschullandschaft. Wir
haben unterschiedliche Steuerungsmöglichkeiten
innerhalb der Hochschulen. Die Universität Leipzig
zum Beispiel lebt sehr stark von Diskurs und Dis-
kussion. Die nimmt dezentrale Steuerungsimpulse
wahr und möchte sich zentral nicht einfach durch-
steuern lassen. Da mag es andere Hochschulen
in Sachsen geben, bei denen es etwas einfacher
ist. Doch das Durchsteuern von oben führt nicht
unbedingt zur Akzeptanz. Deshalb ist es beispiels-
weise wichtig, dass wir in Sachsen die Einrichtung
des Hochschuldidaktischen Zentrums haben. Diese
ist ein Angebot an alle Hochschulen, um sich für
Digitalisierung fit zu machen. Aufgabe der Hoch-
schulen ist es allerdings, ein Klima zu schaffen, in
dem es für die Lehrenden selbstverständlich ist,
sich für die Digitalisierung fit zu machen. Das muss
in 15 Jahren erreicht sein. Diese Fitness ist abhän-
gig von Fächerkulturen und Möglichkeiten, welche
Lehrformate umgesetzt werden können. Und sie
ist ein Stück weit davon abhängig, mit welcher
Überzeugungskraft wir unsere Kollegen dafür auf-
schließen können, dass Digitalisierung existenziell
für ihre Zukunft ist. Nicht nur für die Absolventen,
für die Hochschulen.
Sven Kochale
Moderator
Prof. Sonntag, Sie sind an der Hochschule für
Wirtschaft und Technik in Dresden der Prorektor
für Lehre und Studium. Ich bitte anhand einer ra-
dikalen These um Ihr Eingangsstatement: Müssen
wir möglicherweise Dinge abschaffen aus unserer
Hochschullandschaft? Müssen wir schließen oder
neue Konzepte entwickeln? Und was heißt es denn,
Lehrkräfte fit zu machen? Brauchen wir eine Art
Führerschein für digitale Kompetenz von Lehrkräf-
ten an unseren Hochschulen?

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63
Prof. Dr. Ralph Sonntag
Prorektor für Lehre und Studium an der
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dres-
den, Professur Marketing; Stellv . Sprecher des
Arbeitskreises E-Learning der Landesrektoren-
konferenz Sachsen
Die Frage ist mir zu schwarz-weiß gestellt. Es geht
hier nicht darum, dass wir eine Revolution in der
digitalen Hochschulbildung diskutieren, sondern
wie wir diese Veränderungsprozesse gestalten. Da-
mit haben die Hochschulen im Moment noch nicht
so viel Erfahrung. Hochschulen haben sehr viel
Erfahrung in Lehre, Forschung und Transfer, aber
mit organisatorischen internen Veränderungspro-
zessen eher nicht. Das ist ein evolutionärer Pro-
zess. Deswegen ist es die Frage, wie vernetzt die
Hochschullandschaft in 15 Jahren sein wird. Mo-
mentan findet eine Vernetzung vermehrt auf dem
Papier oder unter formalen Gegebenheiten statt,
aber keine intrinsisch motivierte Vernetzung der
verschiedenen Hochschultypen. Das wäre zu über-
legen, um dann auch digitale Bildungsangebote zu
ermöglichen. Ähnlich wie es mit virtuellen Hoch-
schulen in anderen Bundesländern gemacht wird.
Ich würde mehr diese Richtung sehen und überle-
gen; die Diskussion ist sehr technisch geführt und
hergeleitet. Für mich ist es eher die Frage, wie be-
kommen wir Didaktik und Digitalisierung zusam-
men? In der Diskussion kommt meistens heraus,
dass Digitalisierung in gewisser Weise ein Kataly-
sator für Didaktik ist. Wir fangen an, über Didaktik
nachzudenken, weil durch die Digitalisierung das
Thema noch mal aufgekommen ist. Das ist doch
ein Ansatz. Einen digitalen Führerschein benötigen
wir eher nicht.
Sven Kochale
Moderator
Gerade in der Führungsebene der Hochschulen
wird sicher viel darüber nachgedacht, wie passe
ich das Lehrangebot an die digitalen Erfordernisse
und Möglichkeiten an? Reden wir also nicht eher
über formale Abläufe, die sich ändern müssen?
Prof. Dr. Ralph Sonntag
Prorektor für Lehre und Studium an der
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dres-
den, Professur Marketing; Stellv . Sprecher des
Arbeitskreises E-Learning der Landesrektoren-
konferenz Sachsen
Formal sind wir rechtlich an das Hochschulge-
setz gebunden. Dort sind uns sehr entscheidende
Begrenzungen aufgezeigt, was uns limitiert. Das
Zweite, nicht Formale, ist eine Kultur des Auspro-
bierens, die von allen, die hier sind, geschätzt und
gefördert wird. Wir hatten in einem Vortrag das
Thema Wertschätzung. Anreize werden gegeben
über Wertschätzungen und nicht über einen for-
malen Prozess. Darum geht es doch: Wie beför-
dern wir das Thema? Natürlich ist eine Versteti-
gung von Themen sinnvoll, dafür benötigen aber
alle Freiräume. Wir müssen uns vorher im Klaren
darüber sein, ob und wie wir den Personen Raum
und Wertschätzung für ein Ausprobieren geben
können, die genau diesen Weg der Veränderung
beschreiben. Darüber müssen wir uns bewusst
werden, weniger über das Formale. Selbst wenn
wir das Hochschulgesetz ändern, damit wir ganz
viele Freiheiten haben, dann haben wir noch lange
Prof. Dr. Ralph Sonntag

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64
nicht die Personen, die diesen Prozess aktiv nach
vorne treiben. Die formale Sache ist die Basis und
das andere die Kultur.
Sven Kochale
Moderator
Herr Prof. Wollersheim, wie ist das bei Ihnen, wenn
jemand kommt und sagt, er habe da eine tolle Idee,
er wolle das mal ganz anders machen? Trifft er bei
Ihnen auf eine offene Tür?
Prof. Dr. Heinz-Werner
Wollersheim
Professur für Allgemeine Pädagogik,
Universität Leipzig; Stellv . Sprecher des Arbeits-
kreises E-Learning der Landesrektorenkonferenz
Sachsen
Unsere erste Frage ist immer, was bewirkt es Po-
sitives, was ist der Nutzen? Auf dieser Basis hoch-
schuldidaktischen Mehrwertes haben wir einige
Dinge entwickelt wie zum Beispiel die digitale Un-
terstützung kollaborativer Formen studentischen
Lernens. Wir haben beispielsweise die Erstellung
von Studienleistungen mit Peer-Reviews gekop-
pelt, weil wir ja nicht nur die Fähigkeit zur Erstel-
lung wissenschaftlicher Texte oder Präsentation
fördern wollen, sondern darüber hinaus Fähigkei-
ten in der Erstellung von Forschungsanträgen und
in der Wissenschaftskommunikation. Für die Stu-
dierenden bedeutet das eine erhebliche Arbeitsbe-
lastung, die diese Kombination von Anforderungen
mit sich bringt. Ich freue mich über den Einsatz
und das hohe Engagement, das die Studierenden
zeigen. Diese hochschuldidaktische Idee war zu-
erst da, und dann kommt der Zeitpunkt, wo man
über eine digitale Unterstützung nachdenkt. Ein
Peer-Assessment kann man klassisch per E-Mail
machen. Das ist ein sehr aufwändiger und damit
auch sehr fehleranfälliger Prozess. Wir haben dann
mit der Förderung des SMWK und in Kooperation
von Universität Leipzig und TU Dresden ein Tool
gebaut, mit dem das funktioniert. Die Entwicklung
geschieht also vernetzt, und für mich ist das eine
eher beglückende Erfahrung, die ich als Hoch-
schullehrer mache, dass ich sehr konstruktiv mit
vielen Kollegen an unterschiedlichen Hochschulen
zusammenarbeiten kann. Genau das bringt näm-
lich eine Verständigung über die Inhalte mit sich,
was ein letztlich sehr qualitätssteuernder Prozess
ist.
Sven Kochale
Moderator
Wir sind jetzt bei der Palucca Hochschule für Tanz
in Dresden. Tanzen und Digitalisierung, helfen Sie
mir, wie geht das zusammen?
Prof. Katharina Christl
Professur Choreografie,
Palucca Hochschule für Tanz Dresden
Es ist ganz klar, dass es eine komplett virtuelle
Palucca Hochschule für Tanz hoffentlich nie ge-
ben wird. Der menschliche Körper ist beim Tanz das
wichtigste Element. Trotzdem findet bei uns Digi-
talisierung statt, derzeit im Masterstudiengang
Choreografie. Dies ist eine spezielle Zielgruppe.
Prof. Dr. Heinz-Werner Wollersheim

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65
Prof. Katharina Christl
Wir reden hier von Choreografen, die schon vor
dem Studium aktiv im Berufsleben stehen. Man
möchte natürlich nicht durch den 2-jährigen wei-
terbildenden Masterstudiengang sein mühsam
aufgebautes Netzwerk verlieren, welches als meist
Freischaffender lebensnotwendig ist. Deshalb
überlegten wir: Wie kann man den Studiengang
so strukturieren, dass aktive Choreografen teil-
nehmen und gleichzeitig weiter kreativ arbeiten?
In dem Zusammenhang kam dann auch die Idee
mit dem E-Learning, bei dem bestimmte Theorie-
kurse digital angeboten werden. Damit kann auch
in den größeren Phasen des praxisorientierten
Selbststudiums, eine theoretische Unterstützung
geleistet werden und ein Verbund zum Studium
und zur Hochschule bleibt bestehen. Das E-Lear-
ning hat dabei geholfen, mobil und flexibel zu sein.
Wir haben dies 2016 pilotartig gestartet. Es war
klar, dass nicht alles sofort perfekt funktionieren
wird. Eine Schwierigkeit war die Selbstmotivation
der Studierenden. Wie organisiere ich meinen Tag?
In unseren E-Learning Kursen geht es nicht um
eine einfache Informationsabfrage oder ein Kom-
munikationstool, es ist keine schnelle Aktion à la
Social Network. Jeder muss den Umgang mit dem
Medium neu erlernen und sich organisieren, den
Lernstoff zu bearbeiten, um sich dann in angelei-
teten Forumsgesprächen austauschen zu können.
Das heißt: Alle müssen aktiv in der Gruppe sein,
welche in einer Größenzahl von sechs bis acht Stu-
dierenden sehr übersichtlich und intim ist. Das sind
Erfahrungen, die wir schrittweise im ersten Durch-
lauf gemacht haben und bei denen wir mit Verbes-
serungen erneut ansetzen werden. Zudem gab es
einstimmig von den Studierenden im Masterstudi-
engang Choreografie eine positive Rückmeldung.
Der Studiengang wurde positiv aufgenommen, ge-
rade weil er Flexibilität und Mobilität ermöglicht.

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Sven Kochale
Moderator
Wie schätzen Sie, Herr Prof. Köhler, die Neigung
im Lehrkörper der Hochschulen ein, sich selbst zu
hinterfragen, Grenzen zu überschreiten, offen für
Neues zu sein?
Prof. Dr. Thomas Köhler
Professur Bildungstechnologie, TU Dresden,
Direktor des Medienzentrums der TU Dresden;
Sprecher des Arbeitskreises E-Learning der
Landesrektorenkonferenz Sachsen
Wir haben seit mehreren Jahren verschiedene
Forschungen laufen und Promotionsprojekte ab-
geschlossen, in denen es um die Frage ging, in-
wieweit Adaption von neuartigen Technologien
wie E-Learning unter Lehrkräften in Schulen und
Hochschulen unterschiedlich verläuft und ob wir
dadurch differenzierende Erkenntnisse gewinnen
können. Ein Ansatz eines Promotionsstudenten
hat etwa gezeigt, dass es unterschiedliche Typen
gibt und dass man dies aufgreifend entsprechend
der Interventionsangebote oder der Schulungs-
angebote typenspezifisch gestalten kann. Das ist
eine Perspektive. Darüber hinaus könnte ich nicht
ohne weiteres sagen, dass es in Sachsen besonders
offene oder verschlossene, besonders digitalaffine
oder digitalfeindlichere Lehrkräfte gibt als anders-
wo. Möglicherweise gibt es Hochschultypen mit
einer bestimmten Fokussierung, die bei den Lehr-
kräften abzulesen ist. Ich tue mich aber schwer,
dies hier ad hoc zu bestätigen.
Prof. Dr. Thomas Köhler

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Zweite Diskussionsrunde

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68
Sven Kochale
Moderator
Aber vielleicht sind das genau die Typen, die wir
suchen müssen. Vielleicht kann sich der Dokto-
rand, den Sie gerade angesprochen haben, vorstel-
len und etwas genauer darauf eingehen.
Dr. Helge Fischer
Fachhochschule Dresden
Mein Promotionsvorhaben liegt jetzt einige Jahre
zurück. Ich hatte mich damals mit der Frage be-
schäftigt, ob sich die Übernahme von digitalen
Lehrinnovationen zwischen Lehrenden verschiede-
ner Fachkulturen, verschiedener Hochschulen oder
auch bei beruflichen Sozialisationen unterschei-
det. Ich kann sagen: Es gibt diese Unterschiede,
aber es ist natürlich schwierig, daraus jetzt ein Re-
zept abzuleiten. Ich konnte zeigen, dass viele Lehr-
kräfte von Pragmatismus angetrieben sind. Es gibt
viele Lehrende, die digitalen Bildungstechnologi-
en nicht enthusiastisch hinterherrennen, aber die
verstehen, wie es die Arbeit erleichtert. Die waren
vorzugweise in technischen Disziplinen der Fach-
hochschulen aufzufinden. Es gab die klassischen
Technik-Enthusiasten, die jede Innovation begrü-
ßen und dort ihren eigenen Stempel aufdrücken,
aber es gab auch diejenigen, die etwas zögerlich
waren. Die waren zu meiner Überraschung in dem
Alter, in dem sie in einem digitalen Umfeld aufge-
wachsen sein müssen. Viele junge Wissenschaftler
aus dem Bereich der Human- oder Sozialwissen-
schaften waren mit dem Thema Digitalisierung
bisher kaum in Berührung gekommen. Das lag nicht
daran, dass es bis zu diesem Zeitpunkt nicht karri-
ereförderlich war, sondern weil das Thema Digita-
lisierung eher als Thema der Lehre wahrgenommen
wurde und nicht als Thema der Forschung. Und die
klassischen Karrierewege eines Wissenschaftlers
werden nun mal primär über Forschungsleistungen
definiert. Das hat mich durchaus überrascht, weil
ich gedacht habe, diese Generation ist mit dieser
Technik aufgewachsen. Die können damit einfach
umgehen. Sie taten es an der Hochschule aber lan-
ge Zeit nicht, weil es nicht notwendig war. In letz-
ter Zeit gab es dabei aber schon einen Wandel, vor
allem aufgrund von Qualifizierungsprogrammen
etwa durch das Hochschuldidaktische Zentrum.
Auch die TU Dresden hat Maßnahmen ergriffen,
um die Gruppe von jungen Wissenschaftlern und
Juniorprofessoren aufzufangen und ihr einen Weg
zu zeigen, wie man Lehre kreativ leben und mit gu-
ter Lehre Reputationseffekte erzielen kann. Man
wird also sichtbar, wenn man gute Lehre macht.
Man ist nicht nur derjenige, der ein Fachbuch
schreibt, sondern in seiner Fach-Community durch
exzellente Lehre eine Reputation aufbaut. Diesen
Sinneswandel habe ich festgestellt.
Sven Kochale
Moderator
Herr Prof. Hofsäss, wie ist das bei Ihnen an der
Universität Leipzig? Auch ein gutes Pferd springt
nur so hoch, wie es muss? Könnte es helfen, wenn
es Regularien, Druck und Anstöße gibt, etwas zu
verändern?
Dr. Helge Fischer

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Prof. Dr. Thomas Hofsäss
Prorektor für Bildung und Internationales,
Universität Leipzig, Vorsitzender des Hochschul-
didaktischen Zentrums Sachsen
An der Universität Leipzig passiert da einiges. Es
bedarf einer Wertschätzungskultur für die Lehre
an einer Hochschule, das ist das A und O. Diese
Wertschätzungskultur muss sichtbar werden, etwa
durch Veranstaltungen wie »Tage der Lehre« oder
»Didaktik Happens«. Letzteres ist ein zweistündi-
ges Format, in dem sich alle Lehrenden austau-
schen. Dann ist es wichtig, im Rahmen der Quali-
tätssicherung den Fakultäten Rückmeldungen zur
Qualität der Lehre zu geben. Ein wichtiger Punkt
innerhalb von Fakultäten ist die Peer-to-Peer-Be-
ratung – also der Austausch von Modellen guter
Lehre. Dafür müssen die Hochschulleitung und das
Hochschuldidaktische Zentrum Raum geben. Ein
ganz praktisches Beispiel, welches wir im Hoch-
schuldidaktischen Zentrum haben, ist die digitale
Werkstatt. Vor Semesterbeginn veranstalten wir
sie als ein mehrtätiges Format, bei dem sich Leh-
rende aus allen Hochschulen Sachsens darüber
austauschen, was Kollegen beim Thema Digita-
lisierung des Lehrangebots bereits alles tun. Sie
werden entsprechend angeleitet durch Instruk-
tionsdesigner. Sie entwickeln gemeinsam Ideen,
das wird technologisch unterstützt. Das hat einen
unglaublichen Mehrwert. Dieser streut sich dann
wieder in den Hochschulen aus. Solche Formate,
bei denen eine selbstbestimmte Form des Lernens
möglich ist, sind wichtig.
Aber natürlich kann man sich fragen: Was mo-
tiviert einen Lehrenden, sich für einige Tage auf
nach Leipzig zu machen? Entweder muss es einen
Leidensdruck geben, oder – das sehen wir eher bei
jüngeren Kollegen – es gehört mittlerweile zu einer
wissenschaftlichen Vita, gute Lehre nachzuwei-
sen. Natürlich legen wir bei Berufungsverfahren
Wert darauf, was die Kandidaten für Ergebnisse
in der Lehr-Evaluation haben, ob es Bescheini-
gungen oder Zertifikate über die Beteiligung an
hochschuldidaktischen Formaten gibt. Das ist ein
externer Anreiz, aber ein gut untersetztes Ange-
bot, das dazu führen kann, dass in der Lehre mehr
gewagt wird.
Sven Kochale
Moderator
Wie erkenne ich denn gute Lehre Herr Prof. Wol-
lersheim? Was erwartet der Studierende heute von
seinem Dozenten?
Prof. Dr. Heinz-Werner
Wollersheim
Professur für Allgemeine Pädagogik, Universität
Leipzig; Stellv . Sprecher des Arbeitskreises
E-Learning der Landesrektorenkonferenz
Sachsen
Ich denke, gute Lehre geschieht dann, wenn »es
passt«. Dazu gehören zwei Seiten. Ich würde nicht
gerne von Lehre sprechen, sondern eher von einem
Lern-Coaching. Hochschuldidaktisches Prinzip
ist der Wechsel »from teaching to learning«. Das
heißt, Studierende stehen als Lerner im Fokus.
Meine Frage als Dozent wird zeitgemäßer Weise
nicht mehr sein: Wie kann ich ein brillanter Lehrer
sein und vor meinen Studierenden glänzen? Son-
Prof. Dr. Heinz-Werner Wollersheim

image
70
dern ich muss mich fragen: Was brauchen die Stu-
dierenden, um lernen zu können, wie kann ich sie
dabei unterstützen? Im »Constructive Alignement«
als Prinzip gehen wir genauso vor. Und dabei gibt
es kein Patenrezept, weil die Damen und Herren,
die vor mir sitzen, sehr unterschiedlich sind und
mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen kom-
men. Denen kann ich nicht mit der Methode »one
size fits all« gegenübertreten. Ich brauche also
etwas, das mich erkennen lässt, worin die Unter-
schiede bestehen – etwas, was mir hilft zu erken-
nen, wo genau der Punkt ist, wo mein Feedback
einhakt und den Lernerfolg beflügelt.
Ich bin in der Lehrerbildung tätig. Ich habe Jahr-
gangstärken von 1300 bis 1500 Studierenden im
Moment, durch die nachholende Lehrerbildung im
Freistaat Sachsen. Die engmaschige mentorielle
Unterstützung, wie sie im englischen Hochschul-
system zu finden ist, das geht so hier nicht. Des-
wegen benötigen wir Unterstützung durch digitale
Systeme, die mir genau zeigen: Wie kann ich mei-
ne Studierenden bei ihrem individuellen Lernweg
begleiten? Welche Daten kann ich bekommen, um
schlussfolgern zu können, in welchem Bereich sie
gut sind und in welchem Nachholbedarf besteht.
Wir würden gerne den Studierenden bei ihrem
Spaziergang durch den Garten des Wissens zuse-
hen.
Das ist ein ambitioniertes Ziel, das typischerwei-
se nicht mit einer Professur zu erreichen ist. Das
geht auch kaum mit einer Hochschule allein. Dafür
brauchen wir hochschulübergreifend Strukturen.
Wir analysieren das im Moment, Thomas Köhler
hat es ja gesagt, als Netzwerk. Netzwerke haben
den Charme, dass sie flexibel sind. Aber man muss
anmerken, dass diese nicht immer stabil sind. Wir
benötigen mehr. Vor allem brauchen wir eine Visi-
on, auf die wir hinarbeiten.
Wenn ich zehn Jahre in die Zukunft schaue, dann
wünsche ich mir, dass solche Prozesse wie Hoch-
schuldidaktik und Digitalisierung zusammenwach-
sen. Dann soll vielleicht nicht mehr von der digita-
len Bildung, sondern von der digitalen Mündigkeit
gesprochen werden. Ich wünsche mir in zehn
Jahren eine Struktur, die als Service- und Entwick-
lungszentrum mindestens auf Landesebene funk-
tioniert. Ob das Digital Lab oder Educational Lab
heißen soll, das lasse ich mal dahingestellt. Aber
wir benötigen Strukturen mit Entwicklungskompe-
tenz auf der technischen Ebene, die sich dann aufs
Engste mit der didaktischen Ebene assimilieren.
Wir sind mittlerweile soweit, dass ich als Didak-
tiker sagen kann, was ich brauche, und ich finde
jetzt Technologien, die mir helfen das umzusetzen.
Das ist der große Unterschied zu vor fünfzehn oder
zwanzig Jahren. Da waren E-Learning-Werkzeu-
ge etwas, worauf deren technische Entwickler so
stolz waren wie Jungs, deren elektrische Eisenbah-
nen unterm Weihnachtsbaum im Kreis herumfah-
ren.
Sven Kochale
Moderator
Herr Prof. Sonntag, würde es Ihnen reichen, die
Leipziger Einladung virtuell anzunehmen oder
braucht es noch mehr?
Prof. Dr. Ralph Sonntag

image
71
Prof. Dr. Ralph Sonntag
Prorektor für Lehre und Studium an der
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dres-
den, Professur Marketing; Stellv . Sprecher des
Arbeitskreises E-Learning der Landesrektoren-
konferenz Sachsen
Die Frage war ja, wie sieht das später aus? Ich
möchte dahin noch einmal zurückgehen. Es wurde
die sehr wichtige Wertschätzung erwähnt. Auch
wenn ich das noch mal wiederhole, es ist der Dreh-
und Angelpunkt. Ich kann dabei für die Hochschu-
len für Angewandte Wissenschaften in Sachsen
sprechen. Ich glaube, in vielen Diskussionen über
Hochschulen und was diese in Sachsen machen,
fokussieren wir ganz oft neue Aufgaben, wie etwa
den Transfer. Und manchmal gibt es ganz viele Er-
folgsgeschichten über Forschung oder die Wert-
schätzung von Forschung – aber wo bleibt gute
Lehre, was macht sie aus? Darauf gibt es keine
einheitliche Antwort, denn sie muss passen. Und
das ist sehr individuell. Die Studierenden stimmen
später mit den Füßen ab, ob Lehre passt und sie
mit Wissen und Kompetenz nach Hause gehen. Im
Bereich der Forschung ist es klar. Dort ist es ein
gewisser Betrag an Drittmitteln, den man darge-
stellt hat.
Für mich ist Wertschätzung eine gefühlte Gleich-
heit von Lehre, Forschung und Transfer in der
Kommunikation in Sachsen. Man muss erstmal
diese Aufgabe aussprechen, denn die Weiterent-
wicklung von Lehre ist nicht selbstverständlich
und bedarf eines gewissen Aufwands. Für For-
schung kann man einen Antrag stellen, um zu
sagen, ich brauche ein bestimmtes Gerät, um For-
schung betreiben zu können. Für eine neue Lehre
kann ich nicht unbedingt einen Antrag stellen und
sagen, ich will meine Lehre modernisieren. Wenn
man Lehrende fragt, ist da der Wunsch nach einer
gefühlten Gleichwertigkeit ihrer Kernkompetenz in
Kommunikation ein guter Schritt, um zu sagen: Es
ist lohnenswert, in den Bereich Lehre zu investie-
ren und diese weiterzuentwickeln. Dann kommen
wir zu der Frage, wann Lehre gute Lehre ist. Für
mich ist gute Lehre, wenn sie sich weiterentwi-
ckelt. Das wäre für mich ausreichend zu sagen,
jeder Dozent beschäftigt sich mit der Weiterent-
wicklung der Lehre.
Sven Kochale
Moderator
Frau Ministerin, mangelt es an Wertschätzung für
die Lehre?
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin für
Wissenschaft und Kunst
Bei mir mit Sicherheit nicht, sonst hätten wir heu-
te nicht zur dieser Tagung eingeladen. Ich bin froh,
dass wir noch zu diesem Punkt gekommen sind. Ich
verweise auf das Grundgesetz. Wir haben Freiheit
von Lehre, Studium und Forschung. Es ist vorhin
von Frau Getto dargestellt worden: Wir brauchen
für die Veränderung der Lehre einen Prozess von
unten nach oben und auch einen von oben nach
unten. Nur so funktioniert es. Ich habe es vorhin
schon gesagt, wir haben 2008 auf meine Initiative
hin das Hochschuldidaktische Zentrum Sachsen
Dr. Eva-Maria Stange

image
72
eingerichtet. Bis dahin hatten wir nichts in die-
ser Richtung, außer vielleicht einige versprengte
Gruppen wie in Leipzig oder an der Evangelischen
Hochschule Dresden. Das waren Einzelne, die erlebt
haben, dass wir in der Lehre einen großen Schu-
lungsbedarf haben. Wir sind schlichtweg davon
ausgegangen, dass ein Hochschullehrer so etwas
eben kann. Das ist übrigens insofern interessant, da
es zu DDR-Zeiten undenkbar war, dass jemand be-
rufen wurde, der nicht durch ein Hochschuldidak-
tisches Zentrum gegangen ist. Ich habe 2008 im
Zusammenhang mit der Erstellung unseres Hoch-
schulgesetzes darauf hingewirkt: Ich wollte in die
Berufungsordnung aufnehmen, dass die Berufung
auch davon abhängig ist, wie die Qualifikation in
der Lehre ist. Natürlich waren die Hochschulen
zunächst dagegen, dass wir das so machen. Es
hieß, das sei ein vollkommen sachfremdes Krite-
rium. In dem Kontext wurde aber klar: Wenn wir
gar kein Angebot haben für jemanden, der berufen
werden möchte, hochschuldidaktische Kompeten-
zen zu erwerben, dann können wir das schlecht
in die Berufungsordnung aufnehmen. So ist dann
das Hochschuldidaktische Zentrum entstanden.
Wir haben vor etwa anderthalb bis zwei Jahren
verstanden, dass es sinnvoll ist, unseren E-Lear-
ning-Arbeitskreis mit dem Hochschuldidaktischen
Zentrum zu verbinden. Denn wir haben festgestellt,
dass das Hochschuldidaktische Zentrum gar nicht
auf diese Kompetenzen zurückgreift. Heute habe
ich mehrfach gehört, dass diese Zusammenarbeit
mittlerweile positiv gesehen wird. Ob man das zu
einem Service- und Entwicklungszentrum zusam-
menführt, das lasse ich dahingestellt. Der E-Le-
arning-Arbeitskreis und das daraus hervorgegan-
gene Bildungsportal Sachsen war ein freiwilliger
Zusammenschluss der Hochschulen. Ich möchte
das gerne so belassen. Der E-Learning-Arbeitskreis
ist ein Arbeitskreis der Landesdirektorenkonferenz
und nicht ein Instrument des Ministeriums. Es ist
eigentlich ein Auftragnehmer der Hochschulen,
die adressieren, was sie an Bedarf für die Weiter-
entwicklung von Lehre haben. Das möchte ich so
beibehalten und nicht als Top-Down-Verfahren,
bei dem wir vielleicht ein gut ausgestattetes Zent-
rum hinsetzen. Ich will damit nicht sagen, dass wir
das nicht verstetigen wollen und es nicht gut aus-
gestattet sein muss. Aber es soll kein Instrument
des Ministeriums sein, sondern ein Instrument der
Hochschulen, die etwas adressieren möchten.
Sven Kochale
Moderator
Ich möchte das zuspitzen: Handzeichen, wer kennt
dieses Bildungsportal? Also die Mehrheit! Wer
nutzt das? Das sind schon weniger. Dann mal hi-
neingefragt, was fehlt Ihnen? Was würde Ihnen
konkret bei der Arbeit helfen?
Prof. Dr. Jürgen Sachse
Berufsakademie Sachsen/Dresden
Studienbereichsleiter Wirtschaft
Studiengangsleiter Wirtschaftsinformatik
Ich nutze das Bildungsportal. Opal ist für mich in
der Lehre effektiv und effizient einsetzbar für jede
Lehrveranstaltung. Ich kann ohne diese Portale
nicht leben. Mir fehlt für meine eigene Lehre nur
die Verknüpfung mit den externen Tools. Ich kann
meine Lehre durch Tagebücher protokollieren, aber
die Hochschule verlangt zum Beispiel von mir, dass
Dr. Jürgen Sachse

image
73
Sven Kochale
ich noch ein Lehrveranstaltungsprotokoll erstelle.
Die Integration von abrechnungstechnischen und
organisatorischen Dingen, die die Bildungsein-
richtung braucht – da kann man das Portal sicher
weiterentwickeln. Die Entwicklung eines übergrei-
fenden Instrumentariums über die einzelnen Teile,
Opal, Videocampus – ich glaube, das ist schon auf
einem guten Weg.
Sven Kochale
Moderator
Prof. Köhler, welche Erfahrung machen Sie mit den
Angeboten?
Prof. Dr. Thomas Köhler
Professur Bildungstechnologie, TU Dresden,
Direktor des Medienzentrums der TU Dresden;
Sprecher des Arbeitskreises E-Learning der
Landesrektorenkonferenz Sachsen
Vielleicht erklärt sich ein spezifischer Bedarf
immer vor dem Hintergrund des Typs der Hoch-
schule. Ob das eine Hochschule für Angewandte
Wissenschaften, eine Technische Universität oder
eine Berufsakademie ist – das führt dann zu un-
terschiedlichen Regularien. Aber im Großen und
Ganzen sind die Formate des Lehrens und Lernens
vergleichbar – es gibt Vorlesungen, Seminare, Vi-
deoseminare oder Online-Sequenzen, etc. Der Hin-
weis auf die Nutzbarkeit der Technologie, vor allem
der Hinweis auf die Anpassung des Bedarfs an die
domainspezifische Situation und die Verschrän-
kung mit anderen informationstechnologischen
Infrastrukturen – das scheint mir hier der wichtige
Punkt zu sein. Das findet nicht mehr losgelöst, also
als einzelne Lösung statt, sondern ist immer in eine
ganze Landschaft integriert. Diesen Gesamtblick
sollten wir vielleicht stärker beachten.
Ich spreche in dem Zusammenhang gerne von Pro-
duktion von Bildung. Wir hören das als Akademi-
ker und Wissenschaftler zwar nicht so gerne, aber
natürlich ist es ein Massenbetrieb, es geht mitun-
ter um 1300 Studierende in einer Vorlesung, und
das Lernen soll für alle mit der gleichen Qualität
möglich sein. Deswegen muss geklärt werden, wie
man die Produktionsinfrastruktur aufstellt und
mit welchen anderen Elementen im Hochschulbe-
trieb diese ausreichend verzahnt wird. Dabei muss
dann noch beachtet werden, dass es sich um keine
statischen Elemente und Anforderungen handelt,
sondern sich diese ständig weiterentwickeln, fa-
chinhaltlich und didaktisch-medientechnologisch.
Sven Kochale
Moderator
Ist es damit getan, einfach mehr Mittel ins System
zu stecken um dann zu schauen, ob eine Eigeniniti-
ative entsteht? Oder wie kann man das so steuern,
dass alle etwas davon haben?
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin für
Wissenschaft und Kunst
Ich lasse mich gern davon überzeugen, dass jetzt
gerade etwas bei der Entwicklung von Program-
men am Geld scheitert. Da müsste man dann

74
darüber reden. Das ist mir bisher nicht bewusst.
Wichtig ist, dass die Bedarfe angemeldet werden.
In der Diskussion ist deutlich geworden, dass es
sehr unterschiedliche Bedarfe gibt, die digitalen
Medien in der Lehre einzusetzen. Ich habe einen
Brief von den Kunsthochschulen erhalten, in dem
sie mitteilen, wie viel sie bereits im Bereich der
Anwendung digitaler Medien tun. Dort scheitert
es in der Tat an den Ressourcen, weil die Kunst-
hochschulen so klein sind. Das wird wahrscheinlich
bei der Berufsakademie genauso sein. Dort ist die
Aufgabe nicht durch eigene Ressourcen zu mana-
gen. Da müssen wir sehen, wie sich die Ressour-
cen zur Verfügung stellen lassen. Man kann sich
bei den Kunsthochschulen zusammenschließen
und gemeinsam Tools entwickeln, die spezifisch
für die Fächer dieser Hochschulart sind. Diese Fä-
cherspezifik ist ganz wichtig. Das trifft auch auf
das Heranführen von ausländischen Studierenden
an ein Studium in Deutschland zu. Auch dafür ist
ein bestimmtes Instrumentarium, ein Programm,
nötig. Das sieht vielleicht anders aus als ein Pro-
gramm, mit dem Abiturienten an ein einheitliches
Studienanfängerniveau herangeführt werden. In
einem technischen oder naturwissenschaftlichen
Fach wird das wieder anders sein als in den Sozi-
alwissenschaften.
Wir diskutieren das Thema gerade auf Bundese-
bene. Wir haben das Programm zur Qualitätsent-
wicklung in der Lehre. Es geht um die Verstetigung
dieses Bund-Länder-Programms. Jetzt wird die
Diskussion geführt, ob es analog zur Deutschen
Forschungsgemeinschaft eine Art Lehr-DFG, also
die wettbewerbliche Fördeung von Lehrkonzepten,
geben soll. Ich gestehe, wir Wissenschaftsminis-
ter der Länder sind skeptisch. Wir wissen, und das
ist vorhin angeklungen, an manchen Stellen fehlt
es uns nicht an Projektgeldern. Es fehlt uns ein-
fach an noch mehr kompetenten Leuten vor Ort.
Die Hochschulen sagen, sie brauchen eine bessere
Grundfinanzierung. Das ist auch unsere Sicht. Wir
sind nicht glücklich über die weitere Projektfi-
nanzierung, sondern wollen, dass die Qualität der
Lehre mit einer anderen Grundfinanzierung ver-
bunden wird. Da kann und soll sich der Bund mit
einklinken.
Wichtig ist aber bei der Diskussion, dass wir zu
einem stärkeren Austausch bundesweit kommen
über die Frage: Was ist eigentlich gute Lehre? Das
ist bisher hier nur angerissen worden und hier
erhoffe ich mir von der Forschung neue Erkennt-
nisse. Wo ist die hochschuldidaktische Forschung
eigentlich, die wir brauchen, um Lehre zu entwi-
ckeln? Wir reden davon, Lehre mit digitalen Ele-
menten weiterentwickeln zu wollen, aber wo ist
die Forschung dazu? Die vermisse ich genauso für
die Schule. Aber wo ist sie in der Hochschuldidak-
tik und wo kann man sie bündeln? Vielleicht kann
der Bund da etwas tun – mit dem Hochschuldidak-
tischen Zentrum und mit denjenigen, die sich mit
den digitalen Medien in der Lehre beschäftigen.
Nichts ist schwieriger, als gute Lehre oder Unter-
richt wissenschaftlich zu erfassen. Dafür müssen
wir die Kompetenzen bündeln.
Ich möchte noch etwas unterstreichen. Herr Pro-
fessor Krauthäuser hat einen wichtigen Punkt an-
gesprochen, bei dem ein bundesweiter Austausch
hilfreich wäre: Wo sind gesetzliche oder verfas-
sungsrechtliche Grenzen, die wir im Zusammen-
hang mit der Weiterentwicklung der Lehre und
Hochschuldidaktik überspringen müssen? Daten-
schutz ist ein riesiges Problem für uns. Wir haben
ein Hochschulzugangssystem, das verfassungs-
rechtlichen Grenzen unterliegt. Was ist denn von
neuen Medien zu hoffen, wenn wir solche Fesseln
haben, die wir nicht auf Landesebene brechen
können? Ich will damit nicht ablenken, wir müs-
sen unsere Hausaufgaben bei uns machen. Ich will
nur sagen, dass manche Dinge nicht bei uns liegen.
Diese Themen betreffen alle Bundesländer und
sollten dazu führen, dass wir datenschutz- oder
verfassungsrechtliche Fragen über Landesgrenzen
hinaus gemeinsam klären. Das könnte vielleicht
ein bundesweites Hochschuldidaktisches Zentrum
lösen.

image
75
Oliver Janoschka
Sven Kochale
Moderator
Herr Janoschka ist gerade hellhörig geworden,
vielleicht nicht nur weil es um den Austausch über
Sachsen hinausging?
Oliver Janoschka
Geschäftsstellenleiter Hochschulforum
Digitalisierung, Stifterverband für
die Deutsche Wissenschaft
Es ist immer die Frage, was die Länder für sich
machen, was sie gemeinsam tun. So wie das Pro-
jekt der Videoplattform hier dargestellt wurde
und für Sachsen eine Lösung ist, hätte man das
als Bundesprojekt mit einem entsprechenden Ver-
rechnungsmodell machen können. Man entwickelt
Services in einer neuen Form und macht diese län-
derübergreifend nutzbar. Das ist eine Aussage der
Machbarkeitsstudie, die ich erwähnt habe. Wo und
von wem werden die Services entwickelt und an-
geboten? Da herrscht sicher ein Vakuum. Die Situ-
ation ist unterschiedlich und länderspezifisch. Die
zweite Frage meint den Arbeitskreis E-Learning.
Das ist ja für ostdeutsche Länder in dieser Aus-
prägung nicht selbstverständlich. Aber was spricht
denn dagegen, dass man das in einem regionaleren
Sinn weiterentwickeln könnte? Dafür müsste über
Sachsen hinaus eine entsprechende Bedarfslage
vorhanden sein. Ein letzter Punkt: Es war bereits
von einem Blog-Post zum Lehramtsstudium die
Rede. Dort wird auf eine Studie verwiesen, die
vom Stifterverband mit unterstützt wird. Es geht
um Monitorlehrerbildung. Überschrieben ist es mit
»analog durchs Lehramtsstudium«. Der Blog kriti-
siert, dass es nach aktuellem Stand in den meisten
Bundesländern sehr enttäuschend mit der digita-
len Bildung aussieht. Es wird dann gefordert, dass
es einen verpflichtenden Anteil in den Lehramts-
studiengängen geben sollte und in der Weiterbil-
dung. Aber: Will man das überhaupt?
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst
Ich halte viel davon, dass wir uns länderübergrei-
fend austauschen und uns gegenseitig Kompeten-
zen zur Verfügung stellen. Ich bin überhaupt kein
Freund von Herrschaftswissen. Ich würde es be-
grüßen, wenn der Bund in dem Bereich nicht nur
Geld zur qualitativen Weiterentwicklung bei be-
stimmten Projekten bereitstellt, sondern wenn wir
etwas gemeinsam bewegen. Das sehen nicht alle
Ministerkollegen so, das weiß ich. Die Videoplatt-
form ist ein tolles Instrument. Kann sie anderen
zugänglich gemacht werden? An mir soll es nicht
liegen. Insofern müssen wir das einfach prüfen.
Geht es rechtlich, lizenztechnisch und wie kann
man das finanziell abgleichen? Beim Lehramt gebe
ich Ihnen vollkommen Recht. Wir haben insgesamt
viel zu spät angefangen, über das Thema Bildung
in der digitalen Welt nachzudenken. Wir haben
diese Sache auf uns zurollen sehen. Ich hatte vor-
hin meine eigene Erfahrung aus den 80er Jahren
geschildert. Aber dann gab es einen Abbruch, weil
der Impuls aus der Informatik kam und nicht aus
der Fachdidaktik. Ich bin froh, dass es nun einen
Bundesvorstoß zur Qualität der Lehre gegeben hat.
Lernen in der digitalen Welt ist ja nicht damit ge-
tan, dass jedes Kind ein Tablet vor sich liegen hat.

image
76
Es betrifft die Studierenden genauso. Wenn es kein
einheitliches didaktisches Vorgehen schon ab der
Schulbildung gibt, gibt es solche Effekte, dass Jun-
gen und Mädchen unterschiedliche Herangehens-
weisen an die Nutzung von Computer und Handys
haben. Wenn wir anfangen, Computer im Unter-
richt einzusetzen, kann man Jungen und Mädchen
zum Beispiel auch zeitweise getrennt unterrichten.
Jungen spielen mit Computern, Mädchen nutzen
sie als Wissensquelle. Wir haben einen ungeheuren
Nachholbedarf. Genauso spät hat es beim Thema
Lehramt eingesetzt. In der Lehramtsprüfungsord-
nung des Kultusministeriums ist sicher enthalten,
dass die Schüler an digitale Medien herangeführt
werden sollen. Aber wann wird das in die Lehrer-
bildung der Hochschulen so eingepflegt, dass alle
wissen, was es bedeutet, Kompetenzen für den
Umgang mit digitalen Medien zu bilden? Wir ma-
chen gerade beides gleichzeitig. Wir führen die Di-
gitalisierung in den Schulen ein und bereiten junge
Lehrer darauf vor. Zur gleichen Zeit müssen wir die
Hochschulen ausstatten. Alles passiert zur selben
Zeit, aber wir haben keine Erkenntnisse darüber,
ob wir es richtig machen. Das macht die Sache
schwierig. Deswegen könnten wir den Austausch
länderübergreifend auf den Weg bringen.
Sven Kochale
Moderator
Das könnte fast das Schlusswort gewesen sein.
Ich bedanke mich schon einmal für Ihre Aufmerk-
samkeit. Aber ich möchte die Runde noch einmal
abfragen: Sie haben einen Wunsch frei, was wür-
de Ihnen bei der Digitalisierungsgestaltung in den
nächsten Jahren helfen?
Prof. Dr. Thomas Hofsäss
Prorektor für Bildung und Internationales,
Universität Leipzig, Vorsitzender des Hochschul-
didaktischen Zentrums Sachsen
Für die Digitalisierungsgestaltung der sächsischen
Hochschulen wäre es sehr hilfreich, wenn das
Hochschuldidaktische Zentrum gemeinsam mit
dem Arbeitskreis E-Learning eine Strategie »Di-
gitale Hochschulbildung im Jahr 2028« nicht nur
entwickeln darf, sondern diese Konzeption im An-
schluss mit Ressourcen untersetzt würde.
Prof. Dr. Thomas Köhler
Professur Bildungstechnologie, TU Dresden,
Direktor des Medienzentrums der TU Dresden;
Sprecher des Arbeitskreises E-Learning der
Landesrektorenkonferenz
So viel Aufmerksamkeit, wie wir heute bekommen
haben, ist sehr hilfreich. Der Weg für unsere Kol-
legen und Klientel ist herausfordernd genug. Diese
Unterstützung tut sehr gut.
Prof. Dr. Heinz-Werner
Wollersheim
Professur für Allgemeine Pädagogik, Universität
Leipzig; Stellv . Sprecher des Arbeitskreises
E-Learning der Landesrektorenkonferenz
Sachsen
Nur einen Wunsch? Das finde ich schade. Die
Zusammenführung von Hochschuldidaktik und
Prof. Dr. Thomas Hofsäss

image
77
digitalisierter Hochschulbildung halte ich für das
Schlüsselthema für die Entwicklung der sächsi-
schen Hochschullandschaft. Dass wir das nicht
nur auf Sachsen beschränken, sondern uns mit den
anderen Bundesländern abstimmen, dafür sorgen
eigentlich schon die personalen Netzwerke, in de-
nen wir alle verwoben sind. Ein Kernanliegen wäre
tatsächlich, beide Institutionen in die Lage zu ver-
setzen, dass wir diese Strategien entwickeln und
stabil umsetzen können.
Prof. Dr. Ralph Sonntag
Prorektor für Lehre und Studium an der
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dres-
den, Professur Marketing; Stellv . Sprecher des
Arbeitskreises E-Learning der Landesrektoren-
konferenz Sachsen
Die sächsischen Hochschulen wollen digitale
Transformation machen – aus meiner Sicht wäre
es dafür gut, viel Freiraum zu haben. Vielleicht ist
virtuelle Hochschule ein Konstrukt, über das man
nachdenken darf.
Prof. Katharina Christl
Professur Choreografie,
Palucca Hochschule für Tanz Dresden
Vor allem kleinere Hochschulen benötigen bei
diesem Thema viel mehr Vernetzung mit anderen
Hochschulen. Wir sollten viel mehr Wissen und Er-
fahrungen teilen und zusammenarbeiten. Und na-
türlich braucht es mehr personelle Ressourcen, die
wir in unseren Kleinstrukturen einer Kunsthoch-
schule leider nicht zur Verfügung stellen können.
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst
Der einfachste und wichtigste Weg ist die Verbin-
dung von Hochschuldidaktischem Zentrum Sach-
sen und dem Arbeitskreis E-Learning. Da sollte
man sich jetzt einfach einmal zusammensetzen
und besprechen, wie dieses offensichtlich von al-
len gewollte Miteinander funktionieren kann. Ich
stehe dem vollkommen offen gegenüber. Auch die
Frage, ob man das mit weiteren Ressourcen un-
tersetzen kann, will ich nicht abweisen. Unsere
Hochschulen wissen, dass wir ihnen alle Ressour-
cen gegeben haben, die sie benötigen. Deswegen
muss man sehen, was noch zusätzlich nötig ist. Ich
habe das Ziel und den Wunsch, nicht alles, was wir
jetzt beim Thema digitale Hochschulbildung an-
schieben, auf die Sicht von drei Jahren zu machen,
sondern langfristig zu planen und zu konzeptio-
nieren. Wie soll die digitale Hochschule aussehen?
Was kann eine virtuelle Hochschule? Diese Fragen
müssen mitgedacht werden und benötigen baldige
Antworten. Wir wollen eine in jedem Falle offene
Hochschule. Diesen Anspruch verwirklichen wir
gemeinsam beim Thema Inklusion. Offenheit darf
aber nicht auf inklusive Beteiligung beschränkt
bleiben. Mein Wunsch ist es nach wie vor, mehr
Menschen ohne klassische Hochschulzugangsbe-
rechtigung einen Zugang zur akademischen Bil-
dung zu ermöglichen. Da steht Sachsen im Länder-
vergleich nicht gut da. Viele Studierende können
nur halbtags lernen, weil sie nebenbei jobben müs-
sen. Denjenigen würde es sehr helfen, ihr Studium
anders gestalten zu können. Deswegen wünsche
Prof. Katharina Christl

image
78
ich mir, dass gerade die Möglichkeiten der Indivi-
dualisierung durch digitale Medien in diesem Sinne
besser genutzt werden. Für mich kommt eine vir-
tuelle, offene Hochschule ohne jegliche Barrieren
aus, ohne soziale und ohne finanzielle Barrieren.
Das wäre mein Ideal. Die schwierigste Frage ist
immer die nach den personellen Ressourcen. Das
nehme ich mit. Wenn uns der Bund im Rahmen des
Hochschulpaktes auch in Zukunft bei der Finanzie-
rung der Hochschulen hilft, dann können wir das
Problem sicher lösen. Hier sind wir in Gesprächen
und ich hoffe sehr auf solche Spielräume.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um mich bei
allen zu bedanken, die heute einen eigenen Beitrag
eingebracht haben. Ich hoffe, es geht den Teilneh-
mern so wie mir, dass ich gedanklich einmal kom-
plett durch das Thema bin und nun weiß, was es
gibt, aber auch, wo die offenen Fragen sind – und
davon gibt es viele. Ich bin von Hause aus Leh-
rerin und Fachdidaktikerin und weiß, dass nichts
schwerer ist, als Lehre zu verändern, denn dafür
müssen sich Menschen ändern. Aber der Einsatz
von digitalen Medien in der Lehre ist eine Chance,
Lehre anders zu betrachten und anzugehen. Da bin
ich noch einmal beim Thema offene Hochschule.
Wir haben 50 Prozent eines Jahrgangs der Jugend-
lichen in den Hochschulen. Das ist eine große Auf-
gabe und eine große Verantwortung. Wenn wir an
die Lehre nicht individualisierter herangehen, wer-
den wir diese Aufgabe nicht bewältigen können.
Ich habe dazu heute ganz viel mitgenommen.
Vielen Dank Ihnen als Teilnehmer und Ihnen, Herr
Kochale, für Ihre Moderation.
Dr. Eva-Maria Stange

image
image
79
Teilnehmerinnen und Teilnehmer

80
Teilnehmer
Funktion
Einrichtung
Prof. Dr. Uwe Aßmann
Dekan der Fakultät Informatik
TU Dresden
Frank Aurich
Referent
Sächsisches Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst
Prof. Dr. Gundolf Baier
Prorektor für Bildung
Westsächsische Hochschule Zwickau
Dr. Bruno Bartscher
Referatsleiter
Sächsisches Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst
Jochen Beißert
Kanzler
Hochschule für Bildende Künste Dresden
Aline Bergert
Projektkoordination Videocampus
und OERsax
TU Dresden/TU Bergakademie Freiberg
Jacqueline Beyer
Referentin
Sächsisches Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst
Prof. Dr. Kerry Brauer
Stellv. Präsidentin
Berufsakademie Sachsen / Dresden
Hannes Bruchholz
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen
Landtag
Norbert Busch-Fahrinkrug
Referent
Sächsisches Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst
Prof. Katharina Christl
Professur Choreografie
Palucca Hochschule für Tanz Dresden
Prof. Dr. Maximilian Eibl
Prorektor für Lehre und Internati-
onales
TU Chemnitz
Gerald Eisenblätter
Referent für Bildung
SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag
Benjamin Engbrocks
Koordinator Gesamtprojekt
Verbund: Lehrpraxis im Transfer plus
Hochschuldidaktisches Zentrum Sachsen
(HDS)
Dr. Helge Fischer
Stabstelle Forschungskoordinator
Fachhochschule Dresden
Beate Fröhlich
Referentin
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft,
Arbeit und Verkehr
Prof. Dr. Marlies W. Fröse
Rektorin
Evangelische Hochschule Dresden
Doris Geburek
TU Bergakademie Freiberg
Dr. Barbara Getto
Leiterin Arbeitsbereich Hochschule.
Digital, Learning Lab
Universität Duisburg-Essen
Ariane Greubel
Referentin
Sächsisches Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst
Jana Halgasch
Koordination E-Learning/Digitali-
sierung
Hochschule für Technik und Wirtschaft
Dresden
Julia Henschler
Lehrbeauftragte
Hochschuldidaktisches Zentrum Sachsen
(HDS)
Prof. Dr. Thomas Hofsäss
Prorektor für Bildung und Internatio-
nales, Vorsitzender des Hochschuldi-
daktischen Zentrums Sachsen
Universität Leipzig
Paul Hösler
Konferenz Sächsischer Studierenden-
schaften
Oliver Janoschka
Geschäftsstellenleiter Hochschulfo-
rum Digitalisierung
Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

81
Teilnehmer
Funktion
Einrichtung
Prof. Oliver Jokisch
Vorsitzender des wissenschaftlichen
Beirats des HDS
Hochschuldidaktisches Zentrum Sachsen
(HDS)
Prof. Dr. Jürgen Kawalek
Leiter Zentrum für E-Learning
Hochschule Zittau/Görlitz
Sven Kochale
Moderator
Prof. Dr. Thomas Köhler
Professur Bildungstechnologie,
Direktor des Medienzentrums der TU
Dresden, Sprecher des Arbeitskreises
E-Learning der Landesrektorenkonfe-
renz Sachsen
TU Dresden
Prof. Dr. Hans Georg
Krauthäuser
Prorektor für Bildung und Interna-
tionales
TU Dresden
Markus Kreßler
Kiron Open Higher Education Berlin
Dr. Walter Kühme
Referatsleiter
Sächsisches Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst
Dr. Ramona Kusche
Leiterin des Prorektorats
Hochschulentwicklung
Hochschule Mittweida
Peter Lönnecke
Referatsleiter
Sächsisches Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst
Matthias Lüth
Referent für Lehre und Studium
StuRa TU Dresden
Christoph Mann
Mitglied des Arbeitskreises E-Lear-
ning der Landesrektoren
konferenz
Sachsen
Hochschule für Musik Carl Maria von Weber
Dresden
Holger Mann
Mitglied des Sächsischen Landtages
SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag
Sven Morgner
Geschäftsführer
BPS Bildungsportal Sachsen GmbH
Michael Moschke
Parlamentarischer Berater
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Lars Mühlbach
Referent
Sächsisches Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst
Prof. Dr. Wolfgang E. Nagel
Direktor des Zentrums für Informati-
onsdienste und Hochleistungsrechnen
TU Dresden
Adelheid Noack
Fraktion DIE LINKE. im Sächsischen Landtag
Prof. Dr. Frank Nolden
Rektor
Hochschule Meißen
Dagmar Oertel
Projektmitarbeiterin
Zentrum für Lehrerbildung, Schul- und Be-
rufsbildungsforschung der TU Dresden
Ulrich Pietsch
Referent Bewerberservice und
Rechtsangelegenheiten
Hochschule Mittweida
Florian Quitzsch
SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag
Prof. Dr. Detlef Rätz
Leiter des Zentrums für Informations-
technologie
Hochschule Meißen
Prof. Dr. med. Heinz Reich-
mann
Dekan der Medizinischen Fakultät
Carl Gustav Carus Dresden
Dr. Robert Reilein
Leiter Abteilung Anwendungen
Universitätsrechenzentrum Universität Leipzig

82
Teilnehmer
Funktion
Einrichtung
Dr. Andrea Reinartz
Geschäftsführerin
Zentrum für Lehrerbildung, Schul- und Be-
rufsbildungsforschung der TU Dresden
Sindy Riebeck
Projektleitung »Lehrerbildung in
Schulen und Hochschulen vernetzen«
TU Dresden
Dr. Klaus Riedel
Referatsleiter
Sächsisches Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst
Prof. Dr. Constanze Rora
Dekanin
Hochschule für Musik und Theater Leipzig
Felicitas Roth
Referentin
Sächsisches Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst
Dr. Matthias Rößler
Kanzler
Berufsakademie Sachsen / Glauchau
Lutz Ruhkopf
Referent
Sächsisches Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst
Prof. Dr. Jürgen Sachse
Studienbereichsleiter Wirtschaft,
Studiengangsleiter Wirtschaftsin-
formatik
Berufsakademie Sachsen / Dresden
Peter Schiller
Verwaltungsleitung
Evangelische Hochschule Dresden
Dr. Jens Schulz
Geschäftsstelle des Arbeitskrei-
ses E-Learning der Landesrek-
torenkonferenz Sachsen
Prof. Dr. Ralph Sonntag
Prorektor für Lehre und Studium,
Professur Marketing, Stellv. Sprecher
des Arbeitskreises E-Learning der
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Hochschule für Technik und Wirtschaft
Dresden
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin für
Wissenschaft und Kunst
Dr. Ralf Steiner
Kanzler
Westsächsische Hochschule Zwickau
Prof. Dr. Gerhard Thiem
Institut für Technologie- und Wissen-
stransfer, Mitglied des Arbeitskreises
E-Learning der Landesrektorenkonfe-
renz Sachsen
Hochschule Mittweida
Prof. Dr. Andreas Thor
Hochschule für Telekommunikation Leipzig
Prof. Dr. Volker Tolkmitt
Prorektor für Bildung
Hochschule Mittweida
Prof. Dr. Ralf Vollbrecht
Professur für Medienpädagogik
TU Dresden
Prof. Dr. Gerhard Weber
Institut für Informatik, Professur
Mensch-Computer Interaktion
TU Dresden
Dr. Ronald Werner
Abteilungsleiter
Sächsisches Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst
Prof. Dr. Heinz-Werner
Wollersheim
Professur für Allgemeine Pädagogik,
Stellv. Sprecher des Arbeitskreises
E-Learning der Landesrektorenkonfe-
renz Sachsen
Universität Leipzig

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Herausgeber
Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Wigardstraße 17 | 01097 Dresden
www.smwk.sachsen.de
Redaktion
Pressestelle Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Redaktionsschluss
August 2018
Gestaltung und Satz
K&C Advertising KG |
www.kucwerbung.de
Druck
Stoba-Druck
Auflage:
2000 Stück
Fotos:
Martin Förster (S. 4), Götz Schleser (S.6), alle weiteren Fotos: Klaus Gigga
Grafiken:
K&C Advertising KG, Freepik
Bezug:
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