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Vielfältige Fruchtfolgen – Was ist empfehlenswert?
Dr. Kerstin Jäkel, LfULG
In der Landwirtschaft werden unter der Voraussetzung der guten fachlichen Praxis Wege zu
mehr Umwelt- und Klimafreundlichkeit sowie höherer Biodiversität gesucht. Unter den
Klimabedingungen Deutschlands steht dafür prinzipiell eine Vielzahl von Fruchtarten zur
Verfügung. Doch die Landwirtschaft benötigt vor allem Fruchtfolgesysteme mit
hoher
Gesamtproduktivität
. Diese können, bei Wechsel der Fruchtarten und bei Beachtung
vorschriftsmäßiger Bewirtschaftung, durchaus auch
ökologisch
positiv sein. Sind beide
Ziele erreicht, können wir von einem
nachhaltigen Anbau
sprechen.
Neben den Marktfrüchten wie Getreide, Raps und Zuckerrüben haben sich auf leichten
diluvialen Böden unter Einfluss des mitteldeutschen Trockengebietes zur Nahrungs-,
Futtermittel- und Rohstoffproduktion besonders Fruchtfolgen mit Mais, Getreideganzpflanzen
und Sorghumhirsen bewährt. Getreide-GPS erreicht zwar nicht die höchsten Trockenmasse-
Erträge, weist aber sehr geringe Ertragsschwankungen auf. Im Vergleich zu Mais besitzen
die wärmeliebenden Futterhirsen und Sudangrashybriden aufgrund eines ausgedehnten
Faserwurzelsystems ein höheres Bodenwasserausschöpfungsvermögen. Sie verfügen
außerdem über eine größere Hitze- und Trockentoleranz und können somit vor allem in
niederschlagsarmen Jahren und in Regionen mit ausgeprägten Trockenphasen das
Ertragsrisiko deutlich senken.
Eine mehrjährige Nutzung von Leguminosen-Gras-Gemengen bei 2–4 Schnitten im Jahr
überzeugt auf trockenen Standorten ertraglich nicht. Leguminosen-Gras-Gemenge sind
jedoch als „Gesundungsfrucht“ ökologisch von großer Bedeutung. In trockeneren Regionen
eignen sich Luzerne-Gras-Gemenge, bei besserer Wasserversorgung, Mischungen aus
Luzerne und Rotklee.
Auch Zwischenfrüchte bieten viele ökologische Vorteile, sowohl zur Gründüngung (Ölrettich,
Gelbsenf, Phacelia) als auch zur ertraglichen Nutzung. Dafür eignen sich zum Beispiel
Grünroggen oder Sudangrashybriden. Für die wasserzehrenden Weidelgräser reicht das
Wasserangebot auf trockenen Standorten in vielen Jahren oft nicht aus. Die
Zweikulturnutzung ist auf Grund des Mehraufwandes für den Anbau und die Ernte von zwei
Kulturen oft nicht gewinnbringend.
Um die Landschaft mit Farbe und die Bienen mit Blüten zu versorgen, reicht es oftmals aus,
wenige Akzente zu setzen. So können z.B. an Feldrändern oder zur Angleichung
unregelmäßiger Schlagstrukturen kleinere Streifen mit Blühpflanzen eingefügt werden. Als
Blühpflanzen eignen sich vor allem die Durchwachsene Silphie mit ihren großen gelben
Blüten und Blühmischungen, die ein- und mehrjährig zur Verfügung stehen. Betriebe mit
Biogasanlage können diese Blühstreifen nach der Ernte in der Biogasanlage verwerten.
Bei unserer Getreide und Raps dominierenden Landwirtschaft bietet jede weitere
Kulturpflanze einen Beitrag zu mehr Vielfalt in den Fruchtfolgen. Auch der Mais kann hierfür
einen guten Beitrag leisten, wenn er räumlich verteilt und nicht mehrere Jahre hintereinander
auf demselben Schlag steht. Auch Agrarumweltmaßnahmen und Greening können hier gute
Akzente setzen.