Kerstin Jäkel, Anke Dietzsch, Reik Becker
Erfahrungen mit dem Anbau von KUP in Sachsen
Zusammenfassung:
Die Etablierung von Kurzumtriebsplantagen (KUP) schreitet nur langsam voran. Die
Anlage einer KUP hat vielfältige Vorteile für Umwelt und Landwirtschaft. Neben einer
regionalen Wertschöpfung können viele ökologische Vorteile genutzt werden. Jedoch
ergeben sich für den Anbau auch viele regionale Hemmnisse. Neben
unzuverlässigen politischen Rahmenbedingungen und einer überproportionalen
Bürokratie beim KUP-Anbau, ist es vor allem die unzureichende Absicherung für eine
wirtschaftliche Vermarktung, die die Landwirte am Anbau von schnellwachsenden
Baumarten hindern. Noch längst sind nicht alle Fragen zum Anbau und zur
Verwertung geklärt. Bei einer Umfrage äußerten die Landwirte, dass noch
erheblicher Beratungs-, Informations- und Forschungsbedarf besteht.
Abstract:
The establishment of short rotation coppice plantations is progressing only slowly.
Positive effects can therefore be expected for agriculture, nature and the environment
through the system of short rotation coppices in landscape. In addition to improve-
ments in regional added values several ecological advantages and synergies can be
used. However there are still regional barriers. These included unreliable political
conditions, unnecessary bureaucracy and especially a high level of insecurity in
marketing of timber. There still remain questions to be answered about cultivation
and utilization of fast growing trees. The results of a survey still indicate a consi-
derable need for advisory, information and research.
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Überblick zum Anbau von KUP in Sachsen
Sachsen verfügt über einen geringen Anteil an KUP-Flächen. Die Standorte mit den
jeweiligen Betriebsgrößen sind in Abbildung 1 dargestellt.

image
Abb. 1: Übersicht KUP Flächen Sachsen
Zurzeit werden in Sachsen auf 271 ha (Stand Juli 2014) schnellwachsende
Baumarten im Kurzumtrieb angebaut. Davon 245 ha auf landwirtschaftlicher
Nutzfläche. Bei einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 906.637 ha in Sachsen hat
die KUP-Wirtschaft den marginalen Anteil von 0,03 %. Unter den Dauerkulturen
(5596 ha) nimmt sie einen Anteil von 4,4 % ein. Rückblickend auf die Anbaufläche
von 184 ha auf landwirtschaftlicher Fläche im Jahr 2010, konnte ein Anstieg des
Anbaus um 33 % in den letzten 4 Jahren auf landwirtschaftlicher Nutzfläche
festgestellt werden.
Bei der Baumartenverteilung dominiert die Pappel mit ca. 150 ha, gefolgt von der
Weide mit ca. 96 ha. Den geringsten Anteil nimmt die Robinie mit 17 ha ein. Ein
verschwindend geringer Anteil ist bei den weiteren zugelassenen Baumarten wie
Birke, Erle, Esche und Eiche zu verzeichnen. Die am meisten gepflanzten Sorten bei
den Pappeln sind die verschiedenen Max-Klone 1-5 gefolgt von den Sorten
Androscoggin, Muhle Larsen und Hybrid 275. Bei der Weide dominiert der
schwedische Klon Tordis, gefolgt von Inger, Tora und Sven.
Es gibt in Sachsen 37 Betriebe, die Kurzumtriebsplantagen auf 67 Flächen
bewirtschaften. 4 Betriebe bewirtschaften Flächen von über 21 bis 38 ha, wobei sich
bei einem Betrieb 5 Flächen auf den Bereich Süd- bis Südwest Sachsen verteilen.
Der Hauptanteil von 20 Betrieben hat Flächengrößen unter 3 ha (0,18 bis 2,93 ha).
Die genauen Zahlen zeigt Tab. 1.

Tab. 1: Flächengrößenverteilung KUP Sachsen
KUP Fläche je
Betrieb
Anzahl
Betriebe
Ø
Flächengröße/Betrieb
Anteil an KUP Fläche
Sachsen
in ha
in ha
in ha
in %
≤ 3
20
1,05
22,37
8,25
3,1 - 10
6
5,03
30,17
11,13
10,1 - 20
7
14,77
98,78
36,44
> 20
4
29,94
119,77
44,18
30 von 37 Betrieben wurden im Laufe des Projektzeitraumes befragt. 7 Betriebe
lehnten eine Befragung ab bzw. war eine Befragung aufgrund mangelnder
Kontaktdaten nicht möglich.
Im Rahmen eines Fragebogens wurden allgemeine Angaben zur Fläche, wie
Standortseigenschaften, zur Pflanzung (Reihenabstände, Pflanzgut, Pflanzverfahren,
Zaun), zu verwendeten Sorten aber auch zu Umtriebszeiten und zu durchgeführten
Ernten gemacht.
Die Hälfte der Betriebe strebt einen kurzen Umtrieb mit Ernten aller 3-5 Jahre an.
Knapp 1/3 der Betriebe plant mit einer mittleren Umtriebszeit aller 6-8 Jahre. 2
Betriebe setzen auf lange Umtriebszeiten von bis zu 20 Jahren. 3 Betriebe sind sich
über den Erntezeitpunkt noch im Unklaren. Je nach Wuchsleistung und Marktlage
wollen sie spontan entscheiden.
Bei der Frage: Wo sehen Sie noch Informationsbedarf, wurde nach Pflegetechnik für
die
mechanische
Unkrautregulierung,
nach
Erntealternativen
zum
Gehölzmähhäcksler und nach zugelassenen Schädlingsbekämpfungsmitteln gefragt.
2
Überblick zu Trocknung und Verwertung
Weiterhin beinhaltete der Fragebogen Fragen nach Verwertung/Trocknung und evtl.
Vermarktungsmöglichkeiten.
Die
spätere
Vermarktung
und
die
damit
zusammenhängende Frage der Trocknung sind bei 5 Betrieben noch ungeklärt. Bei
25 Betreibern ist ein Abnehmer bekannt, wobei 8 Betriebe davon das Holz im
Eigenbedarf verarbeiten. Ein Großteil der Betriebe strebt eine Vermarktung
erntefrisch frei Feld an. Einige Betriebe nutzen das Dombelüftungsverfahren zur
Trocknung der Hackschnitzel bzw. setzen auf einen längeren Umtrieb und trocknen

die Stangen am Feldrand zum anschließenden Hacken nach Bedarf. Nur 2 Betriebe
verfügen über eine Biogasanlage und nutzen die Abwärme zur Trocknung der
Holzhackschnitzel.
Bei 5 Produzenten war zum Zeitpunkt der Pflanzung ein, meist großer, Abnehmer
bekannt, der jedoch zwischenzeitlich Insolvenz anmeldete oder aus anderen
Gründen nicht mehr als Abnehmer fungiert.
Ein Kooperationsvertrag, in dem sich der spätere Abnehmer an der Anlage der
Fläche beteiligt, besteht derzeit nur bei einem Betreiber.
Fast 2/3 der befragten Betriebe könnten sich eine Flächenerweiterung vorstellen,
wenn dauerhafte Abnehmerstrukturen vorhanden sind. Als Hauptproblem wurde
dabei die Flächenverfügbarkeit (meist keine Eigentums – sondern Pachtflächen)
gesehen.
Aus diesen Erfahrungen heraus ist es sinnvoller, kleinere regionale Kreisläufe
zu etablieren. Dort ist die Motivation der Landwirte, als Energieholzproduzent
aufzutreten, wesentlich höher.
3
Förderung und rechtliche Rahmenbedingungen
Ebenso wurde nach in Anspruch genommenen
Fördermöglichkeiten und
Beratungsbedarf
gefragt. Für die landwirtschaftlichen Flächen größer 0,3 ha wurde
die Betriebsprämie in Anspruch genommen. Die Inanspruchnahme einer
Investitionsförderung haben nur 3 Betriebe genutzt. Mindestens 3 Betriebe erhielten
Unterstützung, da die Flächen im Rahmen von Forschungsprojekten angelegt
wurden. Die geringe Inanspruchnahme der Investitionsförderung ist mit Unwissenheit
der Beteiligten (Förderdschungel) und Scheu vor dem Verwaltungsaufwand zu
begründen.
Bei
3
zusätzlichen
Betrieben
stellte
sich
heraus,
dass
die
Definition
Kurzumtriebsplantage und welche Baumarten darunter zählen, noch völlig unklar
war. Diese Betriebe haben aus Unwissenheit den falschen Nutzungscode für die
Direktzahlungen in der Landwirtschaft angegeben.
Auf dem Gebiet besteht noch erheblicher Aufklärungsbedarf, zumal in der neuen
Förderperiode KUP als Greening Maßnahme angerechnet werden kann und ab 2015
die Investitionsförderung in Sachsen auf die LEADER – Regionen übergeht.

Ebenso kam oft die Grünland-Problematik zur Sprache. Durch die Vorgabe, das
bestehende Dauergrünland zu erhalten sowie durch naturschutzfachliche Auflagen
und Regelungen ist die Anlage von KUP auf Grünland derzeit nicht möglich. Beim
Anbau einer KUP ändert sich der Status Dauergrünland in Dauerkultur, was rechtlich
einen Grünlandumbruch darstellt.
Der größte Wunsch der Anbauer und Landwirte bestand nach einfachen,
kontinuierlichen gesetzlichen Regelungen und Fördermöglichleiten mit einem
geringen verwaltungstechnischen Aufwand.
In nachfolgender Tabelle werden die
Hemmnisse
für den verstärkten Ausbau von
KUP-Anlagen zusammengefasst.
Tab.: 2 Hemmnisse für eine verstärkte Etablierung von KUP
gesetzliche
Rahmenbedingungen
Landwirtschaft
Verwertung
zu viele rechtliche
Vorschriften
unflexible Teilnahme am
Marktgeschehen durch
Flächenbindung
fehlende Anbieter –
Verwerter - Plattform
unzureichende
Förderausrichtung, trotz
ökologischem Tatbestand
unsichere
Ertragserwartung
zu wenig innovative
Vermarktungsmodelle
Mindestinvestitionsvolumen
von 20.000,- €
keine jährlichen
Geldeinnahmen
Vermarktungsrisiken:
Absatz, Preis,
Eigenverwertung
Begrenzung auf bestimmte
Baumarten
hohe Etablierungskosten
unzureichende oder keine
Anschubförderung
Begrenzung auf Ackerland
Ernte kostenintensiv
langjährige Verträge nötig
ImmissionsschutzRL für
kleine Anlage
Anbau-, Absatz- und
Vermarktungsrisiko
KUP nicht mit anderer
Biomasse im EEG
gleichgestellt
hoher Anteil Pachtflächen
kaum weitere Flächen
verfügbar

Vielfältige Informationen zum Thema KUP–Anbau und -Verwertung findet man auf
der Projekthomepage
www.agrofornet.de
bzw.
www.energieholz-portal.de
.
Eine
komplette Broschüre zu Schnellwachsenden Baumarten im Kurzumtrieb ist unter
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/13410
abrufbar.
Kontakt
Dr. Kerstin Jäkel, Referentin
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Tel.-Nr.: 035242 631-7204
E-Mail: Kerstin.Jaekel@smul.sachsen.de
Homepage:
www.smul.sachsen.de