THEMENMONITOR:
INDUSTRIERELEVANTE FORSCHUNGS- UND
ENTWICKLUNGSAKTIVITÄTEN IN SACHSEN
2020

Themenmonitor Sachsen
2
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung .............................................................................................................................. 3
2
Forschungsstand ................................................................................................................. 5
3
Methodik ................................................................................................................................ 6
4
Themenschwerpunkte der sächsischen Innovationslandschaft ..................................... 8
4.1
Regionale Forschungsförderung .................................................................................. 8
4.2
Forschungsförderung des Bundes ............................................................................. 12
4.3
Europäische Forschungsförderung ............................................................................ 16
4.4
Wissenschaftlicher Output ......................................................................................... 18
4.5
Patentdaten ................................................................................................................ 20
4.6
Diskussion der Ergebnisse ........................................................................................ 23
5
Sachsens Spezialisierungsindex ...................................................................................... 26
6
Schlussfolgerungen ........................................................................................................... 30
7
Literaturverzeichnis ........................................................................................................... 31
Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und
weiblicher Sprachformen verzichtet. Im Sinne der Gleichbehandlung gelten sämtliche Personenbezeich-
nungen gleichwohl für alle Geschlechter.

Themenmonitor Sachsen
3
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1:
Förderfähige Kosten inklusive Eigenanteil nach Städten
(Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: Förderdaten der Sächsischen
Aufbaubank (SAB), Visualisierung: Tableau)
9
Abbildung 2:
Förderfähige Kosten inklusive Eigenanteil nach Städten, nur Unternehmen
(Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: Förderdaten der Sächsischen
Aufbaubank (SAB), Visualisierung: Tableau)
9
Abbildung 3:
Anteil von geförderten Projekten der jeweiligen Themengebiete in Prozent über
die Zeit (Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: Förderdaten der Sächsischen
Aufbaubank (SAB), Visualisierung: Tableau)
11
Abbildung 4:
Entwicklung von Themenschwerpunkten in der Landesförderung, - - (nimmt
deutlich ab) - (nimmt ab) 0 (keine Veränderung) + (nimmt zu) ++ (nimmt deutlich
zu), (Eigene Darstellung)
12
Abbildung 5
: Förderfähige Kosten inklusive Eigenanteil nach Städten
(Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: Förderkatalog des Bundes,
Visualisierung: Tableau)
13
Abbildung 6:
Förderfähige Kosten inklusive Eigenanteil nach Städten, nur Unternehmen
(Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: Förderkatalog des Bundes,
Visualisierung: Tableau)
13
Abbildung 7
: Anteil von geförderten Projekten der jeweiligen Top-15-Themengebiete in
Prozent über die Zeit (Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: Förderkatalog des
Bundes, Visualisierung: Tableau)
15
Abbildung 8:
Entwicklung von Themenschwerpunkten in der Bundesförderung, - - (nimmt
deutlich ab) - (nimmt ab) 0 (keine Veränderung) + (nimmt zu) ++ (nimmt deutlich
zu), (Eigene Darstellung)
16
Abbildung 9:
Förderfähige Kosten inklusive Eigenanteil nach Städten
(Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: CORDIS, Visualisierung: Tableau)
17
Abbildung 10:
Förderfähige Kosten inklusive Eigenanteil nach Städten, nur Unternehmen
(Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: CORDIS, Visualisierung: Tableau)
17
Abbildung 11:
Anzahl der Konferenzartikel nach Städten (Quelle: Eigene Auswertung,
Datenbasis: Scopus, Visualisierung: Tableau)
19
Abbildung 12:
Text Mining Ergebnis der Artikel Abstracts
(Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: Scopus, Visualisierung: VosViewer)
20
Abbildung 13
: Anzahl Patentdokumente nach Städten (Quelle: Eigene Auswertung,
Datenbasis: DOCDB von der EPO, Visualisierung: Tableau)
21
Abbildung 14
: Anteil an Patenten der jeweiligen Top-15-Themengebiete in Prozent über die Zeit
(Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: DOCDB von der EPO, Visualisierung:
Tableau)
22
Abbildung 15:
Entwicklung von Themenschwerpunkten in Patentdaten, - - (nimmt deutlich ab) -
(nimmt ab) 0 (keine Veränderung) + (nimmt zu) ++ (nimmt deutlich zu),
(Eigene Darstellung)
23
Abbildung 16
: Themenschwerpunkte der sächsischen Innovationslandschaft
(Eigene Darstellung)
24
Abbildung 17:
Spezialisierungsindex für Sachsen auf Basis bundesdeutscher Förderdaten
(Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: Förderkatalog des Bundes,
Visualisierung: Tableau)
27

Themenmonitor Sachsen
4
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Einleitung
Der Themenmonitor Sachsen der ZukunftsWerkstatt INDUSTRIE liefert einen Überblick über die the-
matische Ausrichtung wissenschaftlicher und industrieller Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im
Freistaat. Ziel ist es, relevante Themenentwicklungen (Trends) zu identifizieren und zu untersuchen, in
welchen Bereichen Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Freistaat besonders stark aufgestellt
sind und Potenzial für die Stärkung der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Sachsen
gehoben werden können. Der Themenmonitor Sachsen liefert damit eine wichtige Grundlage für die im
Rahmen der ZukunftsWerkstatt INDUSTRIE geplante Diskussion zur Weiterentwicklung industrieller In-
novations- und Wertschöpfungsnetzwerke, zur Förderung von Forschung und Gründung, zur Unterstüt-
zung von Transformationsprozessen und Hebung von Nachhaltigkeitspotenzialen sowie zur Entwick-
lung digitaler Dienste für Industrie 4.0.
In
Kapitel 1
wird zunächst eine Auswahl der aktuellen Untersuchungen zur Struktur und thematischen
Ausrichtung der sächsischen Innovationslandschaft referenziert und hinsichtlich der dort identifizierten
themenbezogenen Schwerpunkte in den Innovationsaktivitäten sächsischer Unternehmen und For-
schungsreinrichtungen ausgewertet. Diese Ergebnisse fließen im Weiteren in die Analyse des Themen-
monitors ein.
Kapitel 2
führt in das Untersuchungsdesign und die empirische Grundlage des Themen-
monitors ein.
Kapitel 3
liefert dann eine tiefergehende Analyse der Themenschwerpunkte der indust-
riebezogenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sächsischer Akteure. Dabei werden zunächst
in den Kapiteln 3.1 bis 3.3 Daten der Forschungsförderung von Land, Bund und Europäischer Union
ausgewertet. In Kapitel 3.4 werden Konferenzbeiträge internationaler wissenschaftlicher Konferenzen
ausgewertet. Abschließend liefert Kapitel 3.5 eine Analyse von nationalen Patentdaten. Die Zwischen-
ergebnisse werden in Form einer Synopse in Kapitel 3.6 zu Innovationsschwerpunkten zusammenge-
fasst. Während die bisherigen Analyseschritte zunächst inhaltliche Schwerpunktthemen identifiziert ha-
ben, liefert
Kapitel 4
die Ergebnisse des regionalen Spezialisierungsindex. Dieser gibt Aufschluss, in
welchen der Innovationsschwerpunkte der Freistaat im Bundesvergleich eine relevante Spezialisierung
aufbauen konnte und in welchen bislang weniger beachteten Themen Spezialsierungen vorliegen, auf
die industrie- und förderpolitisch aufgebaut werden kann.
Kapitel 5
verschränkt die Ergebnisse der
Analyse von Thementrends und Spezialisierungsindex und gibt einen Ausblick über mögliche Vertiefun-
gen in den kommenden Ausgaben des Themenmonitors Sachsen.

Themenmonitor Sachsen
5
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
1
Forschungsstand
Der Themenmonitor Sachsen bezieht in seine Analyse die Ergebnisse vorhergehender Untersuchungen
zur Innovationslandschaft in Ostdeutschland ein. Ausweislich des bisherigen Forschungsstandes ver-
fügt Sachsen industrie- und innovationspolitisch über eine hervorragende Ausgangslage: „Sachsen ist
ein traditioneller Industrie- und Technologiestandort, dessen Wirtschaftsstruktur in den vergangenen
zweieinhalb Jahrzehnten durch die Ansiedlung bzw. den Ausbau großer Betriebe im Bereich der for-
schungsintensiven Industrie gestärkt wurde.“ (Rammer, Gottschalk & Trunschke, 2020, S. 21) Sachsen
sticht dabei vor allem durch kontinuierliche FuE-Aktivitäten hervor. So sind Unternehmen hier besonders
erfolgreich, wenn es um die Weiterentwicklung von Produkten und die Reduzierung von Prozesskosten
geht. In einem Vergleich auf Basis von zwölf ausgewählten Innovationsvariablen liegt Sachsen nur bei
einer Variablen nicht an der Spitze der ostdeutschen Länder: Bei der Markteinführung neuer Produkte
liegt der Freistaat knapp hinter Berlin auf Platz zwei (Rammer et al., 2020, 22 f). Dabei zeichnet sich
Sachsen dadurch aus, dass es neben einer innovationsstarken Industrie auch über hohe Innovations-
tätigkeit im Dienstleistungssektor verfügt. So machen die FuE-Ausgaben in den Bereichen freiberufli-
cher, wissenschaftlicher und technischer Dienstleistungen sowie im Bereich Information und Kommuni-
kation jeweils rund ein Viertel der gesamten FuE-Ausgaben der sächsischen Wirtschaft aus (Rammer
et al., 2020, S. 16). Auch im Bereich der Gründungen verfügen insbesondere Leipzig und Dresden in
Ostdeutschland als urbane Zentren mit führenden wissenschaftlichen Institutionen über hervorragende
strukturelle Voraussetzungen für eine ausgeprägte Gründungskultur (Rammer et al., 2020, S. 100).
Diese strukturellen Voraussetzungen unterstützen Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Frei-
staat für erfolgreiche Innovationsvorhaben. So verfügt Sachsen mit Berlin über die höchsten Triade-
Patentzahlen
1
im Vergleich zu den übrigen ostdeutschen Ländern (Ihle, Meurer & Stolz, 2020, S. 44).
Die strukturelle Komplexität und Vielfalt der Innovationslandschaft im Freistaat zeigt sich auch in einer
2019 veröffentlichten Studie im Auftrag des SMWA (Berger et al., 2019). Die Untersuchung zeigt anhand
von Schlüsseltechnologien und wirtschaftlichen Zukunftsfeldern auf, in welchen Themenfeldern die
sächsische Innovationslandschaft stark aufgestellt ist und wie das soziotechnische Umfeld aus sozialen,
technologischen, ökologischen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungstrends auf den Innovati-
onsstandort Sachsen einwirken (Berger et al., 2019, S. 164). Auf Basis einer Analyse der Patentspezi-
alisierung identifizierte die Studie dabei die Bereiche „Neue und intelligente Materialien und Werkstoffe“,
„Photonik“, „Mikro- und Nanoelektronik“, „Nanotechnologie“ und „Fortgeschrittene Produktionstechno-
logien“ (Berger et al., 2019, S. 197). Mit Blick auf die Publikationsspezialisierung wurde hervorgehoben,
dass sächsische Akteure zu den genannten Themen äußerst publikationsstark sind (Berger et al., 2019,
S. 205). Als Zukunftsfelder mit besonders starkem Umsatzwachstum im Freistaat identifiziert die Studie
den Bereich Exploration, Gewinnung, Aufbereitung, Recycling und Weiterverarbeitung von Rohstoffen,
Digitale Kommunikation und Mobilität.
Neben den vorgenannten Studien gibt auch der Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG), wenn auch stark aggregiert, Einblicke in die thematische Landschaft in die von der DFG geför-
derten Projekte. Die Schwerpunkte der Fördermittelverteilung sind dabei die Bereiche Agrar-, Forstwis-
senschaften und Tiermedizin, Materialwissenschaft und Werkstofftechnik und Informatik, System- und
Elektrotechnik (Deutsche Forschungsgemeinschaft [DFG], 2018, S. 65).
1
Patente, die zugleich in den USA, der EU und Japan angemeldet sind.

Themenmonitor Sachsen
6
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
2
Methodik
Der Themenmonitor Sachsen hat den Anspruch, auf möglichst breiter Datenbasis Schwerpunkte der
Forschungs- und Entwicklungsaktivtäten in Sachsen zu identifizieren und diese in Relation zu deutsch-
landweiten und internationalen Trends zu diskutieren.
Datenbasis
Basis für die Analyse der
regionalen Forschungsförderung
bilden die Förderdaten der Sächsischen
Aufbaubank (SAB). Dabei sind in die hier vorgestellte Auswertung Förderdaten über einzelbetriebliche
FuE-Projektförderung und FuE-Verbundprojektförderung eingeflossen. Im Rahmen der Auswertung
wurde der Zeitraum 2006 bis 2020 berücksichtigt. Die Datengrundlage umfasste damit insgesamt 1.287
Projekte mit 938 sächsischen Institutionen und weiteren Partnern. Die SAB-Daten beinhalten unter an-
derem Angaben zur Provenienz und zum Organisationstyp der Zuwendungsempfänger. Eine themati-
sche Analyse der Förderschwerpunkte ist auf Basis einer vorangelegten Einteilung in Anwendungsge-
biete der FuE-Aktivitäten möglich. Eine Vorhabensbeschreibung, über die eine tiefergehende Analyse
der bearbeiteten Themen möglich wäre, liegt nicht vor.
Basis für die Analyse der
bundesweiten Förderdaten
bildet die Datenbank FÖRDERKATALOG des
Bundes. Sie enthält Daten zur Forschungsförderung des Bundesministeriums für Bildung und For-
schung (BMBF), zur direkten Projektförderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
(BMWi) in den FuE-Bereichen Energie-, Luftfahrtforschung, Multimedia und InnoNet sowie zu den Pro-
jektfördermaßnahmen "Energieforschung und Energietechnologien" des Bundesministeriums für Um-
welt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). Zur Analyse der Beteiligung sächsischer Organisatio-
nen an bundesweiten FuE-Projekten und deren Vernetzung mit anderen Organisationen wurden Pro-
jekte mit Beteiligung sächsischer Organisationen für den Zeitraum 2007 bis 2020 extrahiert. Insgesamt
wurden 3.044 Projekte mit 783 sächsischen Mittelempfängern und weiteren Partnern berücksichtigt.
Der Förderkatalog beinhaltet, ähnlich wie die Förderdaten der SAB, Angaben zu den Zuwendungsemp-
fängern. Dabei verfügt er über eine einheitliche Leistungsplansystematik, über die eine feingranulare
thematische Einordnung der Förderaktivitäten möglich wird. Eine Vorhabensbeschreibung, die eine
darüberhinausgehende Analyse der Inhalte der geförderten Projekte erlauben würde, liegt nicht vor.
Basis für die Analyse der
europäischen Förderdaten
bildet die Datenbank CORDIS der Europäischen
Kommission. Sie enthält von der Europäischen Kommission geförderte Forschungs- und Innovations-
projekte. Zur Analyse der Beteiligung sächsischer Organisationen an europäischen FuE-Projekten und
deren internationaler Vernetzung wurden Projekte mit Beteiligung sächsischer Organisationen für den
Zeitraum 2008 bis 2020 extrahiert. Insgesamt wurden 1.206 Projekte mit insgesamt 280 sächsischen
Zuwendungsempfängern berücksichtigt. Anschließend wurden die Daten mit weiteren Metadaten ange-
reichert. Die Datenbank verfügt über keine thematische Zuordnung der Projekte, wie dies im Falle der
SAB-Daten und der Daten der Bundesförderung der Fall ist. Im Unterschied zu den vorgenannten Da-
tenquellen verfügt CORDIS jedoch über Vorhabensbeschreibungen der Projekte. Auf Basis dieser Be-
schreibungen wurde mittels einer Text-Mining-Analyse sowie einer qualitativen Analyse der Projektin-
halte das Themenspektrum erfasst und auf die zugrundeliegenden FuE-Aktivitäten geschlossen.
Für die Analyse des
wissenschaftlichen Outputs
wurden Daten der Publikationsdatenbank Scopus
verwendet. Bei Scopus handelt es sich um die größte internationale Abstrakt- und Zitationsdatenbank
für peer-reviewed Literatur. Sie beinhaltet bibliographische Informationen inklusive Titel und Abstracts
wissenschaftlicher Veröffentlichungen (inkl. peer-reviewed Journals und Conference Proceedings, Mo-
nographien und Sammelbänden). Scopus liefert nach eigenen Angaben einen umfassenden Überblick

Themenmonitor Sachsen
7
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
über den weltweiten Forschungsoutput in den Bereichen Naturwissenschaft, Technologie, Medizin, So-
zialwissenschaften, Kunst und Geisteswissenschaften. Für die Analyse von Thementrends im Bereich
wissenschaftlicher Aktivitäten von Forschungseinrichtungen im Freistaat wurden insgesamt 13.385
Konferenzbeiträge mit (Co-)Autorenschaft sächsischer Wissenschaftsinstitutionen aus dem Zeitraum
2014 bis 2020 herangezogen. Für die Identifikation aktueller Forschungstrends bieten sich Konferenz-
beiträge insofern gegenüber der Auswertung von Zeitschriftenartikeln an, da Konferenzbeiträge in der
Regel in einer frühen Phase der Forschungsarbeiten vor teilweise langen Publikationsphasen veröffent-
licht werden.
Basis für die Analyse der
Patentdaten
bildet die DOCDB-Datenbank des europäischen Patentamtes
EPO. Sie umfasst nationale und internationale Patentdaten und die dazugehörigen bibliografischen Da-
ten. Für die Analyse wurden Patente mit der Beteiligung sächsischer Organisationen der in der DOCDB
enthaltenen Daten des deutschen Patent- und Markenamtes für den Zeitraum 2007 bis 2019 ausgewer-
tet. Insgesamt wurden 9.503 Patente mit insgesamt 3.350 sächsischen Patentanmeldern berücksichtigt.
Die Patentdaten werden von den Patentämtern mit einer einheitlichen Patentklassifikation (Internatio-
nale Patentklassifikation - IPC) versehen. Somit wird eine feingranulare thematische Einordnung der
Patente möglich. Eine Einsicht in entsprechende Patentdokumente ist über das Europäische Patentamt
online möglich, die eine darüberhinausgehende Analyse der Inhalte erlauben würde.
Sämtliche für den Themenmonitor ausgewerteten Datensätze wurden, sofern notwendig, für die Aus-
wertung aufbereitet. Bei der Beurteilung der Ergebnisse ist zu beachten, dass die betreffenden Daten-
banken Datenlücken oder -fehler beinhalten können. Grund hierfür sind fehlende oder verspätete Mel-
dungen relevanter Informationen im Projektzusammenhang. Zudem kommt es gelegentlich zu falschen
Angaben, speziell bei der Zuordnung der Zuwendungsempfänger zu den jeweiligen Organisationstypen.
Nicht alle diese Punkte können bei einer Datenbereinigung aufgelöst werden. Hinzu kommt, dass bei
der Bundesförderung nicht alle Förderprogramme von den Ministerien für die Überführung in den För-
derkatalog freigegeben werden. Dies gilt insbesondere für die ZIM-Förderung des BMWi, die von säch-
sischen Unternehmen stark nachgefragt ist, aber deren Daten zur Verwendung für Förderdatenanalysen
nicht zur Verfügung stehen.
Synthese der Ergebnisse
Um die aus der Datenanalyse resultierenden Ergebnisse abzubilden, werden die für jede einzelne Da-
tenbank identifizierten Themenschwerpunkte zusammen mit denen aus vorhergehenden Untersuchun-
gen zu Struktur und inhaltlicher Ausrichtung der sächsischen Innovationslandschaft (Kapitel 1) in einer
Synopse zusammengeführt und daraus resultierende Erkenntnisse analysiert.
Spezialisierungsindex
Während die in der Synopse zusammengeführten Thementrends zunächst eine Aussage darüber zu-
lassen, zu welchen Themen sächsische Unternehmen und Forschungseinrichtungen besonders aktiv
sind, erfolgt abschließend eine Analyse mittels Spezialisierungsindex. Dabei werden auf Basis der Bun-
desförderdaten des Förderkatalogs die Forschungsaktivitäten in Sachsen mit denen von Forschungs-
einrichtungen und Unternehmen in ganz Deutschland in Relation gesetzt.
Zur genaueren Betrachtung der regionalen thematischen Spezialisierung des Freistaates Sachsen
wurde exemplarisch für die Daten des Förderkataloges Spezialisierungsindizes für alle vorkommenden
Themen der Leistungsplansystematik berechnet und in einer Portfoliodarstellung abgebildet. Hierzu
wurden die Zahlen ins Verhältnis zu den im Bundesdurchschnitt vorliegenden Projekten gesetzt und

Themenmonitor Sachsen
8
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
gemeinsam mit der Anzahl geförderter Institutionen dargestellt, um Einzelförderungen und Clusterför-
derungen unterscheiden zu können. Der methodische Ansatz wurde aus der Regionalforschung ent-
lehnt und definiert die Berechnung des Lokalisationsquotienten, Standortquotienten oder Spezialisie-
rungsindex
2
folgendermaßen:
ܮܳ
௥௜
=
ܾ
ܤ
௥௜௜
ܾ
ܤ
Hierbei bezeichnen:
ܾ
die Anzahl der Förderprojekte in der Region
ݎ
,
ܾ
௥௜
die Anzahl der Förderprojekte in der Region
ݎ
im Themengebiet
݅
,
ܤ
die Anzahl der Förderprojekte im Referenzraum in diesem Fall für das gesamte Bundesgebiet,
ܤ
die Anzahl der Förderprojekte im Bundesgebiet im Themengebiet
݅
.
Für eine bessere Übersichtlichkeit wurde der Spezialisierungsindex auf Werte zwischen [-100, 100]
transformiert, d. h.
100∗tanh(ln
(ܮܳ
௥௜
))
.
Hiermit wird der Anteil, z. B. der Projekte im Themengebiet
݅
in einer Region
ݎ
, mit dem entsprechenden
Anteil des Themengebietes im bundesdeutschen Vergleich berechnet. Ein Lokalisationsquotient größer
als 1 zeigt an, dass das Themengebiet
݅
in der Region
ݎ
überdurchschnittlich stark vertreten ist. Ein
Lokalisationsquotient kleiner als 1 verdeutlicht eine unterdurchschnittliche Ausprägung des Themenge-
bietes in der Region. Bei einem Lokalisationsquotienten von 1 lässt sich kein regionaler Bedeutungsun-
terschied eines Themas im Vergleich zum Gesamtraum erkennen.
Mittels des daraus resultierenden Spezialisierungsindex lassen sich Rückschlüsse darauf ziehen, in
welchen Themenfeldern Sachsen eine in Relation zum Innovationsstandort Deutschland herausgeho-
bene Position entwickelt und wo Schlüsselkompetenzen des Innovationsstandortes Sachsen liegen.
3
Themenschwerpunkte der sächsischen Innovationslandschaft
3.1
Regionale Forschungsförderung
Für den Zeitraum 2006 bis 2020 sind in den ausgewerteten Daten der SAB insgesamt 1.287 Projekte
mit 938 sächsischen Zuwendungsempfängern und assoziierten Partnern identifiziert. Darunter befinden
sich 1.994 Unternehmen, 15 An-Institute, 6 Fachhochschulen, 6 Universitäten, 17 Fraunhofer-Institute
und -Zentren, 2 Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft, 2 Institute der Leibniz-Gemeinschaft, 1 Bundes-
forschungsinstitut und 27 sonstige Einrichtungen. Das Gesamtzuwendungsvolumen, das in diesem Zeit-
raum in Einzelvorhaben und Verbundprojekte über die SAB an Institutionen im Freistaat geflossen ist,
beläuft sich auf rund 1,04 Mrd. Euro, bei 1,77 Mrd. Euro förderfähigen Kosten.
Regionale Förderschwerpunkte (Abbildung 1) sind erwartungsgemäß die urbanen Zentren Dresden,
Leipzig und Chemnitz. Mit rund 987 Mio. Euro fließen mit Abstand die meisten Fördermittel nach Dres-
den. Auf Platz zwei folgt Leipzig mit rund 187 Mio. Euro und Chemnitz mit 185 Mio. Euro. Nach Freiberg
gingen insgesamt rund 72 Mio. Euro, nach Hohenstein-Ernstthal 24 Mio. Euro und nach Görlitz knapp
20 Mio. Euro. Auch eine gesonderte Auswertung ausschließlich für den Organisationstyp Unternehmen
2
Nachzulesen z. B.
in
https://www.uni-kassel.de/fb07/fileadmin/datas/fb07/5-Institute/IVWL/Kosfeld/lehre/regional/Kos-
feld_2015_Methoden_der_Regionalanalyse_mS.pdf
oder
https://www.wiwi.uni-passau.de/fileadmin/dokumente/fakultae-
ten/wiwi/dekanat/pdf_Passauer_Diskussionspapiere/VWL/Passauer_Diskussionspapiere_Beitrag_V-58-09.pdf.

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Themenmonitor Sachsen
9
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
zeigt, dass auch hier die urbanen Zentren mit Universitäten und Forschungseinrichtungen besonders
viel Förderung erfahren (Abbildung 2).
Abbildung 1:
Förderfähige Kosten inklusive Eigenanteil nach Städten (Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: Förderdaten
der Sächsischen Aufbaubank (SAB), Visualisierung: Tableau)
Abbildung 2:
Förderfähige Kosten inklusive Eigenanteil nach Städten, nur Unternehmen (Quelle: Eigene Auswertung, Daten-
basis: Förderdaten der Sächsischen Aufbaubank (SAB), Visualisierung: Tableau)

Themenmonitor Sachsen
10
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Der Großteil der Fördermittel floss an sächsische Unternehmen, insgesamt rund 780 Mio. Euro. Ein-
richtungen der Fraunhofer-Gesellschaft erhielten etwa 226 Mio. Euro. Universitäten und Fachhochschu-
len erhielten etwa 161 Mio. Euro an Fördermitteln vom Freistaat.
Die Aufschlüsselung der Fördermittel nach thematischer Zuordnung der Projekte ergibt folgende Rei-
henfolge: Mit etwa 409 Mio. Euro wurden Projekte im Themenbereich „Physikalische und Chemische
Technologien“ zu einer überwiegenden Mehrheit gefördert. Mit rund 324 Mio. Euro unterstützte der Frei-
staat Projekte im Bereich „Mikro-, Nano- und Optotechnologie“ und mit 302 Mio. Euro Vorhaben im The-
menfeld „Informations- und Kommunikationstechnologie“. Projekte zur Fertigungstechnologie erhielten
259 Mio. Euro und Projekte im Bereich „Biologische Forschung und Biotechnologie“ 134 Mio. Euro an
Fördermitteln. Diese Reihenfolge ist für sich genommen zunächst nur bedingt aussagekräftig, da sie
noch keine Aussagen über Themenkonjunkturen in der Förderung zulässt. Außerdem führen Angaben
zum Fördervolumen grundsätzlich zu Verzerrungen. So unterscheiden sich Förderquoten und damit die
Eigenanteile je nach Organisationstyp des Zuwendungsempfängers. Zusätzlich zu den 780 Mio. Euro
an Fördermitteln, die im Betrachtungszeitraum an Unternehmen flossen, verausgabten Unternehmen
ihrerseits einen Eigenanteil von zusätzlich rund 822 Mio. Euro. Um daher unabhängig vom Organisati-
onstyp zu identifizieren, welche Themen intensiv gefördert wurden, wird im Folgenden auf die Anzahl
der geförderten Projekte Bezug genommen. Wenn in einem Themenkomplex besonders viele Förder-
projekte festgestellt werden, ist dies außerdem ein Anzeichen dafür, dass es im Freistaat hier besonders
viele Akteure gibt, die an diesem Thema arbeiten. Es gibt demnach besonders viele Know-how-Träger.
Abbildung 3 zeigt für sämtliche Themenkomplexe der Fördersystematik der SAB den relativen Anteil an
Förderprojekten pro Jahr. Abbildung 4 liefert einen darauf aufbauenden, kondensierten Überblick über
die relative Entwicklung der einzelnen Förderthemen auf Basis einer qualitativen Einordnung durch die
Autoren dieser Studien. Die Grundgesamtheit bildet dabei die Anzahl der Förderprojekte in jedem Jahr.
Dabei zeigt sich zunächst, dass sich die Förderung über die SAB grundsätzlich durch eine hohe Konti-
nuität in der Themensetzung auszeichnet, während einzelne Themen in den vergangenen Jahren ver-
stärkt gefördert wurden. Dabei seien zunächst die Technologiefelder betrachtet, die hochvolumig geför-
dert wurden. Der Anteil von Förderprojekten im Bereich Mikro-, Nano- und Optotechnologie verstärkt
sich ab dem Jahr 2014 deutlich. Seither liegt der Anteil von Förderprojekten in diesem Technologiefeld
immer zwischen 13,21 % und 7,25 %. Der Anteil von Förderprojekten im Bereich Informations- und
Kommunikationstechnologie zeigt sich über den gesamten Betrachtungszeitraum trotz einer großen
Schwankungsbreite als äußerst stabil. Zwischen 2007 und 2019 sind in jedem Jahr zwischen 18,87 %
und 37,14 % der Förderprojekte in diesem Technologiefeld gefördert worden. Auch der Bereich Ferti-
gungstechnologien ist als Förderthema im gesamten Betrachtungszeitraum ein wesentlicher Förder-
schwerpunkt, mit anteilig zwischen 13,77 % und 30,19 % der jährlichen Förderprojekte. Mit einem ge-
ringen Anteil an den gesamten Förderprojekten werden durchgängig zwischen 13,41 % und 4,60 % aller
Projekte im Bereich Biologische Forschung und Biotechnologie gefördert.

Themenmonitor Sachsen
11
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Abbildung 3:
Anteil von geförderten Projekten der jeweiligen Themengebiete in Prozent über die Zeit (Quelle: Eigene Auswer-
tung, Datenbasis: Förderdaten der Sächsischen Aufbaubank (SAB), Visualisierung: Tableau)
Unter den Technologiefeldern mit besonders hoher Fördersumme sticht in der Zeitreihe der Bereich
physikalische und chemische Technologien hervor. Bis 2013 lag der Anteil von Projekten dieses Tech-
nologiefeldes an der Gesamtzahl geförderter Projekte zwischen 27,54 % und 16,09 %. Ab 2014 verän-
dert sich die Notation des Datensatzes und es werden ab 2015 sonstige physikalische Technologien
und Chemische Technologien differenziert ausgewiesen. Der Anteil von in diesem Themenfeld geför-
derten Projekten erreicht seit 2015 jedoch nicht mehr den hohen Anteil, der noch bis 2013 in beginnen-
den Förderprojekten zu verzeichnen war.
Aus der Zeitreihe ergeben sich darüber hinaus einige Hinweise auf Themengebiete, in denen in den
vergangenen Jahren offenbar verstärkt Projekte gefördert werden: So intensivierte sich ab 2015 die
Förderung im Bereich Pharmazie und Medizin. Bereits seit 2013 werden vermehrt Projekte im Bereich
5,75
10,75
2,27
10,00
8,54
3,62
4,35
3,77
3,81
2,86
2,38
2,90
2,65
2,30
5,38
3,98
3,62
2,17
5,66
1,90
2,38
2,90
1,77
5,75
2,15
2,84
2,50
2,44
2,90
0,95
1,90
2,38
5,80
6,19
3,77
10,48
10,48
8,33
8,70
6,19
2,86
4,76
1,45
4,42
16,09
17,74
26,70
21,67
24,39
27,54
26,09
13,21
0,95
7,62
2,38
0,88
2,30
2,15
0,57
1,22
1,45
3,26
3,77
3,81
3,57
2,90
1,77
4,60
8,06
5,68
7,50
13,41
9,42
5,43
7,55
11,43
5,71
7,14
5,80
9,73
4,60
3,76
1,70
4,17
1,22
5,80
3,26
13,21
11,43
10,48
8,33
7,25
10,62
8,05
5,91
9,66
2,50
8,54
2,17
5,43
3,81
11,43
17,86
10,14
8,85
19,54
21,51
25,57
17,50
19,51
13,77
17,39
30,19
14,29
19,05
21,43
27,54
22,12
31,03
22,58
21,02
34,17
20,73
29,71
32,61
18,87
37,14
27,62
19,05
24,64
24,78
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
sonstige
Energietechnologien
Umwelttechnologien
sonstige physikalische Technologien
Chemische Technologien
Physikalische und chemische Technologien
Pharmazie / Medizin
Medizintechnik
Biologische Forschung und Biotechnologien
Mikro-, Nano- und Optotechnologien
Material- und Werkstoffwissenschaften
Fertigungstechnologien
Informations- und Kommunikationstechnologien

Themenmonitor Sachsen
12
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
der Medizintechnik unterstützt. Seit 2016 sind verstärkt, konkret zwischen 8.85 % und 17,68 % der jähr-
lich beginnenden Förderprojekte, dem Technologiefeld Material- und Werkstoffwissenschaften zuge-
ordnet, nachdem der relative Anteil von Projekten in diesem Bereich, insbesondere von 2012 bis 2015,
deutlich geringer war.
Themenschwerpunkte
--
-
o
+
++
Energietechnologien
o
Umwelttechnologien
++
Sonstige physikalische Technologien
-
Chemische Technologien
Physikalische und chemisch Technologien
Pharmazie / Medizin
+
Medizintechnik
+
Biotechnologische Forschung und Biotechnologie
o
Mikro-, Nano- und Optotechnologie
++
Material- und Werktstoffwissenschaften
++
Fertigungstechnologien
o
Informations- und Kommunikationstechnologien
o
sonstige
-
Abbildung 4:
Entwicklung von Themenschwerpunkten in der Landesförderung, - - (nimmt deutlich ab) - (nimmt ab) 0 (keine
Veränderung) + (nimmt zu) ++ (nimmt deutlich zu), (Eigene Darstellung)
3.2
Forschungsförderung des Bundes
Für den Zeitraum 2007 bis 2020 wurden zur Auswertung der Bundesförderdaten insgesamt 6.115 Pro-
jekte mit 1.396 sächsischen Zuwendungsempfängern und weiteren Partnern identifiziert. Darunter wa-
ren 1.041 Unternehmen, 36 Fachhochschulen und Universitäten, 19 Fraunhofer-Institute und -Zentren,
1 Zentrum der Helmholtz-Gemeinschaft, 5 Institute der Max-Planck-Gesellschaft, 8 Institute der Leibniz-
Gemeinschaft. Die übrigen Empfänger sind An-Institute, öffentliche Institutionen, Vereine, Verbände,
Kammern und Stiftungen und Organisationen ohne spezifische Zuordnung.
Die förderfähigen Kosten, die in diesem Zeitraum in Einzelvorhaben und Verbundprojekten angegeben
wurden, belaufen sich auf rund 15,98 Mrd. Euro. Die regionale Verteilung in (Abbildung 5) zeigt dabei
ein ähnliches Bild wie bei der Auswertung der regionalen Förderdaten. So sind Dresden mit
7,9 Mrd. Euro, Leipzig mit 2,7 Mrd. Euro und Chemnitz mit 1,7 Mrd. Euro die Städte mit dem größten
Fördermittelzufluss, gefolgt von Freiberg mit immerhin 810 Mio. Euro. Auch eine gesonderte Auswer-
tung ausschließlich für den Organisationstyp Unternehmen zeigt, dass auch hier die urbanen Zentren
mit Universitäten und Forschungseinrichtungen besonders viel Förderung erfahren (Abbildung 6).

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Themenmonitor Sachsen
13
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Abbildung 5
: Förderfähige Kosten inklusive Eigenanteil nach Städten (Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: Förderkatalog
des Bundes, Visualisierung: Tableau)
Abbildung 6:
Förderfähige Kosten inklusive Eigenanteil nach Städten, nur Unternehmen (Quelle: Eigene Auswertung, Daten-
basis: Förderkatalog des Bundes, Visualisierung: Tableau)

Themenmonitor Sachsen
14
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Auf Basis der dem Förderkatalog zugrundeliegenden Förderplansystematik wurde eine thematische
Auswertung der thematischen Förderschwerpunkte durchgeführt. Dazu erfolgt eine teilweise der Leis-
tungsplansystematik entnommene, teilweise händisch vorgenommene Zuordnung der einzelnen För-
derprojekte zu aggregierten Themenkomplexen. Themenoffene Projekte und solche im Bereich der Bio-
masseförderung wurden in der Auswertung nicht berücksichtigt.
Damit sind die Themenkomplexe mit den meisten Förderprojekten im Betrachtungszeitraum Rohstoff-
und Ressourcenschonung (203 Projekte), Energieerzeugung, -speicherung, -verteilung und Energie-
technik (175), Agrar- und Forstwirtschaft (170), IT/Software (156), Medizin (113), Mikroelektronik (94),
Optische Technologien (83), Materialwissenschaften und Werkstoffe (83), Fertigungstechnik (82) und
Energieeffizienz (Industrie) (70).
Abbildung 7 zeigt für die 15 meistgeförderten Themen den relativen Anteil an Förderprojekten je Jahr.
Die Grundgesamtheit bildet dabei die Anzahl der Förderprojekte, die im jeweiligen Jahr in den TOP-15-
Themen gefördert wurden. Abbildung 8 liefert einen darauf aufbauenden, kondensierten Überblick über
die relative Entwicklung der einzelnen Förderthemen auf Basis einer qualitativen Einordnung durch die
Autoren dieser Studien. Projekte im Bereich Rohstoffe und Ressourcenschonung nehmen seit 2011
einen Schwerpunkt in der Förderung mit Anteilen von 10 % bis 20,70 % der TOP-15-Themen ein. Der
Themenbereich Energieerzeugung, -speicherung, -verteilung und Energietechnik nimmt ebenfalls seit
2011 durchgängig einen Anteil von 8,44 % bis 16,47 % der TOP-15-Themen ein. Der Anteil von Projek-
ten im Bereich IT/Software ist in den vergangenen zwei Jahren sinkend. Auch der Anteil von Projekten
im Bereich Medizin ist in der jüngeren Vergangenheit leicht rückläufig. Dafür steigt der Anteil von För-
derprojekten zum Themenkomplex der Mikroelektronik seit 2015. Bereits die Auswertung der regionalen
Förderdaten hatte einen zunehmenden Anteil von Förderung im Bereich der Mikro-, Nano- und Opto-
technologie gezeigt (Abbildung 3). Optische Technologien nehmen in ihrem Anteil an den TOP-15-The-
men in den vergangenen Jahren eher ab. Zuletzt lag ihr Anteil bei 3,65 % in 2018 und 3,14 % in 2019.
Im Themenfeld Materialwissenschaften und Werkstoffe ist lediglich in den Jahren 2010 und 2014 ein
hoher Anteil an Projekten zu verzeichnen gewesen. Seit 2015 liegt der Anteil von Projekten dieses
Themenkomplexes an den TOP-15-Förderthemen bei teilweise deutlich unter 1 %. Im gleichen Zeitraum
steigt der Anteil der durch den Freistaat Sachsen geförderten Projekte im Themenfeld Material- und
Werkstoffwissenschaften (Abbildung 3).

Themenmonitor Sachsen
15
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Abbildung 7
: Anteil von geförderten Projekten der jeweiligen Top-15-Themengebiete in Prozent über die Zeit (Quelle: Eigene
Auswertung, Datenbasis: Förderkatalog des Bundes, Visualisierung: Tableau)
Der Bereich der Produktionsforschung wird von Bundesseite ab 2015 mit Anteilen von 7,59 % bis
10,39 % der TOP-15-Themen gefördert. Nur 2017 lag der Anteil mit 1,96 % deutlich darunter. Zuletzt
fällt bei der Auswertung der TOP-15-Förderthemen auf, dass der technologieoffene Bereich „Transfer
und Geschäftsmodellentwicklung“ zuletzt mit steigenden Anteilen gefördert wurde. 2017 waren 11,11 %
aller Projekte in den 15 meistgeförderten Themen im Bereich Transfer und Geschäftsmodellentwicklung
angesiedelt; 2018 immerhin 7,27 %. Bei der Einordnung der Entwicklung dieses Förderanteils muss
berücksichtigt werden, dass die Fördermittelvergabe auch immer politische Entscheidungen reflektiert.
Nehmen Themen im Zeitverlauf also an Bedeutung in der Förderung zu oder ab, bedeutet dies in der
Regel, dass entsprechende förderpolitische Entscheidungen zur stärkeren Fokussierung bestimmter
Themen diesem Trend vorweggingen.
2,08
0,85
3,09
5,88
2,46
7,37
2,73
1,95
4,14
11,11
7,27
4,71
0,00
4,17
4,27
3,09
1,18
0,82
3,64
3,90
4,14
3,27
5,45
7,33
7,58
10,42
5,98
7,22
12,94
13,93
14,74
9,09
9,74
14,48
12,42
8,18
14,14
4,55
5,21
12,82
8,25
14,12
12,30
16,84
10,00
20,78
11,72
16,34
17,27
13,61
1,52
4,17
3,42
4,12
3,53
4,10
3,16
7,27
5,19
4,14
3,92
6,36
4,71
12,12
5,21
10,26
4,12
16,47
14,75
12,63
13,64
8,44
12,41
10,46
10,91
15,18
1,52
6,25
3,42
4,12
3,53
4,92
6,32
3,64
3,25
3,45
1,31
4,55
2,62
13,64
10,42
8,55
7,22
8,24
9,84
5,26
5,45
8,44
8,97
7,84
6,36
5,24
4,55
3,13
3,42
4,12
2,35
2,46
4,21
3,64
5,84
7,59
10,46
6,36
13,09
9,09
6,25
7,69
10,31
5,88
4,92
8,42
5,45
7,14
4,14
1,31
3,64
3,14
6,06
11,46
12,82
17,53
2,35
3,28
3,16
11,82
3,25
0,69
3,27
0,91
1,57
19,70
11,46
7,69
13,40
10,59
6,56
7,37
12,73
0,00
10,39
7,59
1,96
8,18
7,85
12,12
7,29
2,56
4,12
2,35
10,66
1,05
0,91
2,60
4,14
4,58
6,36
2,09
7,58
12,50
16,24
9,28
10,59
9,02
9,47
10,00
9,09
12,41
11,76
8,18
4,71
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
Transfer und Geschaeftsmodellentwicklung
Dienstleistungen
Agrar- und Forstwirtschaft
Rohstoff und Ressourcenschonung
Energieeffizienz (Industrie)
Energieerzeugung, -speicherung, -verteilung und Energietechnik
Kernenergie / Atomtechnik (Entsorgung, Rueckbau, Endlagerung)
Medizin
Mikroelektronik
Optische Technologien
Materialwissenschaften und Werkstoffe
Fertigungstechnik
Produktionsforschung
Digitalisierung / Industrie 4.0 / IoT
IT / Software

Themenmonitor Sachsen
16
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Themenschwerpunkte
--
-
o
+
++
Transfer und Geschäftsmodellentwicklung
+
Dienstleistungen
+
Agrar- und Forstwirtschaft
o
Rohstoff und Ressourcenschonung
+
Energieeffizienz (Industrie)
o
Energieerzeugung, -speicherung, -verteilung und Energietechnik
+
Kernenergie / Atomtechnik (Entsorgung, Rückbau, Endlagerung)
o
Medizin
-
Mikroelektronik
+
Optische Technologien
-
Materialwissenschaften und Werkstoffe
-
Fertigungstechnik
+
Produktionsforschung
++
Digitalisierung / Industrie 4.0 / IoT
o
IT / Software
-
Abbildung 8:
Entwicklung von Themenschwerpunkten in der Bundesförderung, - - (nimmt deutlich ab) - (nimmt ab) 0 (keine
Veränderung) + (nimmt zu) ++ (nimmt deutlich zu), (Eigene Darstellung)
3.3
Europäische Forschungsförderung
Für den Zeitraum 2008 bis 2019 wurden insgesamt 1.206 Projekte mit 280 sächsischen Zuwendungs-
empfängern und weiteren Partnern identifiziert, darunter 233 Unternehmen, 11 Fachhochschulen und
Universitäten, 18 Forschungseinrichtungen, darunter 2 Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft und 6 In-
stitute der Leibniz-Gemeinschaft. Die übrigen Zuwendungsempfänger sind öffentliche Einrichtungen o-
der nicht anderweitig zugewiesene Organisationen.
Das Fördervolumen, das in diesem Zeitraum nach Sachsen geflossen ist, beläuft sich auf rund
8,49 Mrd. Euro. Dabei konzentrieren sich die europäischen Fördermittel noch stärker als Bundesförder-
mittel auf die urbanen Zentren: 5,3 Mrd. Euro flossen nach Dresden, 1,64 Mrd. Euro nach Leipzig,
726 Mio. Euro nach Chemnitz. Mit 250 Mio. Euro wurden Projekte in Freiberg gefördert (Abbildung 9).

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Themenmonitor Sachsen
17
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Abbildung 9:
Förderfähige Kosten inklusive Eigenanteil nach Städten (Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: CORDIS, Visu-
alisierung: Tableau)
Abbildung 10:
Förderfähige Kosten inklusive Eigenanteil nach Städten, nur Unternehmen (Quelle: Eigene Auswertung, Daten-
basis: CORDIS, Visualisierung: Tableau)

Themenmonitor Sachsen
18
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Da für die europäische Förderung keine Leistungsplansystematik vorliegt, wurden die Themenschwer-
punkte mittels Text Mining auf Basis der Projektbeschreibungen vorgenommen. Dabei drückt die Nähe
von Begriffen zueinander aus, wie häufig diese in einem textlichen Zusammenhang vorkommen. Die
Stärke der Blasen drückt aus, wie häufig diese Begriffe insgesamt im Datensatz vorkommen.
Dabei konnten 10 Schwerpunktthemen identifiziert werden, zu denen sächsische Akteure forschen und
die von der Europäischen Union im Zeitraum 2008-2019 gefördert wurden. Die Schwerpunkte, in denen
sächsische Akteure gefördert werden, sind:
Biotechnologie Medizin, klinische Studien,
Material- und Werkstoffforschung,
Mikroelektronik,
Nano- und Optotechnologie,
Nuklearforschung,
Simulation,
Stammzellenforschung und –therapie,
Transistoren und Halbleiter und
Wetter- und Klimaforschung.
Die Reihung erfolgt dabei alphabetisch. Eine Analyse der Themenverläufe über die Zeit sowie eine
Analyse der Fördersummen nach Themenkomplex sind auf Basis der Datenbank nicht möglich.
3.4
Wissenschaftlicher Output
Zur Analyse von Publikationsschwerpunkten wissenschaftlicher Einrichtungen im Freistaat wurden auf
Basis der Datenbank Scopus mehr als 11.000 Konferenzbeiträge von ungefähr 6.000 sächsischen
Hochschulen, Fraunhofer-Instituten, Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft, Instituten der Leibniz-Ge-
meinschaft, Max-Planck-Instituten, weiteren Forschungsinstituten und publizierenden Unternehmen
ausgewertet. Besonders häufig waren sächsische Akteure dabei im Rahmen von Konferenzen der Be-
reiche Computer Science, Optical Engineering, Physics und Material Science vertreten.
Abbildung 11 zeigt, in welchen Regionen des Freistaates besonders publikationsstarke Organisationen
angesiedelt sind. Neben den urbanen und wissenschaftlichen Zentren Dresden, Leipzig und Chemnitz
sind mit Freiberg, Zwickau und Mittweida weitere sächsische Hochschulstandorte mit Publikationen ver-
treten.

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Themenmonitor Sachsen
19
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Abbildung 11:
Anzahl der Konferenzartikel nach Städten (Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: Scopus, Visualisierung:
Tableau)
Um zu identifizieren, zu welchen Themen sächsische Akteure besonders intensiv im Rahmen wissen-
schaftlicher Konferenzen publizieren, wurde eine bibliometrische Analyse durchgeführt. Abbildung 12
zeigt die Ergebnisse in Form farblich differenzierter Themencluster. Die Nähe der einzelnen Begriffe
zueinander zeigt an, welche Begriffe häufig in unmittelbarem textlichen Zusammenhang vorkommen.
Die Stärke der Blasen gibt Aufschluss darüber, wie häufig die einzelnen Begriffe im gesamten Datensatz
verwendet werden.
Das rot hervorgehobene Cluster (oben) markiert den Themenschwerpunkt Geowissenschaften. Dabei
bestehen enge thematische Beziehungen solcher Beiträge mit dem Themenkomplex, der weiter rechts
in der Abbildung blau hervorgehoben ist. Der blaue Komplex markiert das Thema Klimaforschung. Da-
bei beschäftigen sich die zugrundeliegenden Publikationen insbesondere mit den Folgen des Klima-
wandels auf Grundwasser, Bodenqualität und die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Das lila
hervorgehobene Cluster rechts markiert das Thema komplexe Algorithmen. Dabei geht es um den Ein-
satz algorithmischer Systeme in einem breiten Spektrum von Anwendungsbereichen, in der Spracher-
kennung, Medizin, Medizintechnik und Pflege, Elektromobilität, im Katastrophenschutz, der Biologie und
im Prozessmanagement. Das blau hervorgehobene Cluster (unten links) markiert das Themenfeld
Oberflächenbearbeitung. Das grün markierte Cluster beinhaltete Publikationen zum Themenschwer-
punkt Mikroelektronik, wobei ein Fokus der Publikationen auf optischen Analyseverfahren liegt. Das
gelbe Themencluster (Mitte) zeigt den Themenschwerpunkt Biomedizin- und Biochemie.

image
Themenmonitor Sachsen
20
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Abbildung 12:
Text Mining Ergebnis der Artikel Abstracts (Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: Scopus, Visualisierung:
VosViewer)
3.5
Patentdaten
Um die Umsetzung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in marktrelevante Lösungen abzubil-
den, wurden im Rahmen der Patentdatenanalyse 9.500 Patentdokumente von 3.349 Patentanmeldern
aus Sachsen im Zeitraum 2007 bis 2019 ausgewertet. Bei der Interpretation der Ergebnisse muss be-
rücksichtigt werden, dass die Daten bis 2018 vollständig, für 2019 jedoch zum Zeitpunkt der Erhebung
unvollständig vorlagen, da diese nach Anmeldung mindestens 18 Monate unter Verschluss sind.
Abbildung 13 zeigt, wie sich die im Betrachtungszeitraum angemeldeten Patente in Sachsen regional
verteilen. Analog zur Verteilung der Fördermittel und der Provenienz der wissenschaftlichen Publikatio-
nen konzentrieren sich die erteilten Patente stark auf die urbanen und wissenschaftlichen Hotspots im
Freistaat. Die meisten Patente wurden an Akteure aus Dresden (4790), Leipzig (998), Chemnitz (839)
und Freiberg (569) erteilt. Dabei ist die Abbildung der regionalen Verteilung von Patenten insofern ver-
zerrend, da hier Doppelzählungen nicht ausgeschlossen werden können, auch wenn z. B. zwei Institu-
tionen aus unterschiedlichen Regionen im Freistaat gemeinsam ein Patent anmelden.
Die meisten Patente wurden im Betrachtungszeitraum für Technologien in den Patenthauptklassen
3
Grundlegende elektronische Bauteile (1.706), Messen und Prüfen (806), Beschichten metallischer
Werkstoffe (558), Maschinenelemente- oder Einheiten (410), Medizin oder Tiermedizin; Hygiene (406),
3
Zusätzlich zur Patenthauptklasse können eine oder mehrere Nebenklassen für das Patent vergeben werden. Bei der Auszäh-
lung wurden in diesem Fall nur die vergebenen Hauptklassen berücksichtigt.
Geowissenschaften
Klimaforschung
Komplexe Algorithmen und Anwendungen
Oberflächenbearbeitung
Mikroelektronik
Biomedizin- und Biochemie

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Themenmonitor Sachsen
21
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Fördern, Packen, Lagern, Handhaben dünner oder fadenförmiger Werkstoffe (341), Möbel-, Haushalts-
gegenstände oder -geräte, Kaffeemühlen, Gewürzmühlen, Staubsauger allgemein (338), Werkzeugma-
schinen, Metallbearbeitung (303), Fahrzeuge allgemein (302) erteilt.
Abbildung 13
: Anzahl Patentdokumente nach Städten (Quelle: Eigene Auswertung, Datenbasis: DOCDB von der EPO, Visuali-
sierung: Tableau)
Abbildung 14 zeigt, wie sich die relativen Anteile der 15 im Freistaat häufigsten Patentkategorien im
Zeitraum 2007 bis 2017
4
räumlich verteilen. Abbildung 15 liefert einen darauf aufbauenden, kondensier-
ten Überblick über die relative Entwicklung der Patentkategorien auf Basis einer qualitativen Einordnung
durch die Autoren dieser Studien. Während einige Themen in ihrem Anteil unter den 15 häufigsten
Patentkategorien über den Betrachtungszeitraum eine relativ große Stabilität aufweisen, verändert sich
die Bedeutung einzelner Patentthemen über die Zeit erkennbar.
Eine besonders starke Veränderung zeigt sich im Bereich Grundlegende elektronische Bauteile. Wäh-
rend in der Spitze 2008 45,93 % aller Patente unter den 15 häufigsten Technologiefeldern in diesem
Bereich erteilt wurden, sank deren Anteil um mehr als die Hälfte auf zuletzt 15,73 % in 2018. Der Anteil
von Patenten im Bereich Messen und Prüfen liegt hingegen relativ konstant etwa zwischen 10 % und
15 % der häufigsten Patentthemen. Der Anteil von Patenten für Lösungen im Bereich Beschichten me-
tallischer Werkstoffe sank ebenfalls nach 11,98 % in 2013 auf 4,87 % 2018. Auch der Anteil von Paten-
ten für Maschinenelemente oder -einheiten sank zuletzt. Der Anteil von Patenten im Bereich Fördern,
Packen, Lagern, Handhaben dünner oder fadenförmiger Werkstoffe stieg hingegen von 2015 bis 2018
von 3,51 % auf 9,41 %. Noch stärker stieg der Anteil von Patenten für Möbel-, Haushaltsgegenstände
4
Die Daten für 2018 und 2019 unterliegen noch möglichen Änderungen, da der Geheimhaltungszeitraum von Patententen von
18 Monaten noch nicht verstrichen ist.

Themenmonitor Sachsen
22
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
oder -geräte, Kaffeemühlen, Gewürzmühlen, Staubsauger allgemein von 3,59 % in 2012 auf in der
Spitze 13,11 % in 2018.
Als weiterer Bereich stieg ab 2014 der Anteil von Patent für Werkzeugmaschinen und Metallbearbeitung
unter den 15 häufigsten Technologiefeldern. Weitere Themen, die starke Zuwächse erfuhren, waren
Patente im Bereich Baukonstruktion und Verarbeiten von Kunststoffen, Verarbeiten von Stoffen in plas-
tischem Zustand allgemein.
Bei all diesen Verschiebungen handelt es sich um relative Verschiebungen in den Anteilen an der Ge-
samtzahl der jährlich erteilten Patente für die TOP-15-Patentkategorien im Freistaat. Daher sind abneh-
mende Anteile, z. B. für elektronische Bauteile, nicht unbedingt gleichbedeutend mit rückläufigen Pa-
tentanmeldungen. Vielmehr deutet die Entwicklung der Patentanmeldungen in Sachsen an, dass sich
der Technologiestandort zunehmend erfolgreich ausdifferenziert.
Abbildung 14
: Anteil an Patenten der jeweiligen Top-15-Themengebiete in Prozent über die Zeit (Quelle: Eigene Auswertung,
Datenbasis: DOCDB von der EPO, Visualisierung: Tableau)
30,69
45,93
42,07
30,56
25,43
19,12
23,35
20,47
19,00
16,47
12,85
15,73
9,41
2,97
3,30
4,24
4,05
4,46
4,38
3,23
3,55
6,64
6,43
6,68
4,49
4,71
4,95
4,84
4,74
6,86
7,86
6,91
5,84
7,11
6,46
7,03
5,91
4,12
3,53
10,89
4,84
6,37
7,90
8,78
11,82
11,98
9,48
7,75
7,23
7,71
4,87
3,53
1,98
1,76
1,25
3,43
1,44
3,59
3,84
2,37
4,43
6,22
6,17
2,62
1,18
3,96
4,18
5,74
3,64
5,37
5,58
7,99
8,80
5,54
7,43
6,68
7,12
9,41
1,98
1,32
3,12
4,78
4,59
4,91
5,07
4,23
5,90
4,62
5,14
5,24
10,59
6,93
2,64
2,75
4,57
5,64
5,71
4,30
6,94
3,51
7,03
6,94
8,24
9,41
4,95
4,18
3,37
1,87
3,01
4,65
2,61
3,89
4,43
3,82
2,83
3,00
5,88
15,84
12,53
10,11
11,33
12,06
11,02
11,83
12,35
13,65
11,04
13,62
15,36
9,41
1,98
5,49
3,62
4,05
4,46
4,38
3,07
2,71
2,77
2,61
1,29
4,12
4,71
3,96
3,30
3,87
5,09
6,03
5,44
4,76
4,40
3,14
4,02
5,40
1,50
3,53
2,97
1,10
4,00
4,47
4,19
4,65
2,92
4,40
5,72
5,62
7,97
6,37
5,88
2,97
2,20
1,75
2,91
3,15
4,25
3,23
3,72
4,98
4,02
2,83
4,12
5,88
2,97
2,42
3,00
4,47
3,54
3,59
5,99
5,58
6,09
6,43
7,97
13,11
12,94
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
A47 - Möbel; Haushaltsgegenstände oder -geräte; Kaffeemühlen; Gewürzmühlen; Staubsauger allgemein
A01 - Landwirtschaft; Forstwirtschaft; Tierzucht; Jagen; Fallenstellen; Fischfang
E04 - Baukonstruktion
H02 - Erzeugung, Umwandlung oder Verteilung von elektrischer Energie
F24 - Heizung; Herde; Lüftung
G01 - Messen; Prüfen
B01 - Physikalische oder chemische Verfahren oder Vorrichtungen allgemein
B65 - Fördern; Packen; Lagern; Handhaben dünner oder fadenförmiger Werkstoffe
B60 - Fahrzeuge allgemein
A61 - Medizin oder Tiermedizin; Hygiene
B29 - Verarbeiten von Kunststoffen; Verarbeiten von Stoffen in plastischem Zustand allgemein
C23 - Beschichten metallischer Werkstoffe;...
F16 - Maschinenelemente oder -einheiten;...
B23 - Werkzeugmaschinen; Metallbearbeitung, soweit nicht anderweitig vorgesehen
H01 - Grundlegende elektrische Bauteile

Themenmonitor Sachsen
23
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Themenschwerpunkte
--
-
o
+
++
Möbel; Haushaltsgegenstände oder –geräte; Kaffeemühlen; Gewürz-
mühlen; Staubsauger allgemein
++
Landwirtschaft; Forstwirtschaft; Tierzucht; Jagen; Fallenstellen; Fisch-
fang
o
Baukonstruktion
++
Erzeugung, Umwandlung oder Verteilung von elektrischer Energie
o
Heizung; Herde; Lüftung
o
Messen; Prüfen
o
Physikalische, chemische Verfahren oder Vorrichtungen allgemein
o
Fördern; Packen; Lagern; Handhaben dünner oder fadenförmiger Werk-
stoffe
++
Fahrzeuge allgemein
o
Medizin oder Tiermedizin; Hygiene
o
Verarbeitung von Kunststoffen; Verarbeiten von Stoffen in plastischem
Zustand allgemein
+
Beschichten metallischer Werkstoffe
--
Maschinenelemente oder -einheiten
-
Werkzeugmaschinen; Metallbearbeitung, soweit nicht anderweitig vor-
gesehen
+
Grundlegende elektrische Bauteile
--
Abbildung 15:
Entwicklung von Themenschwerpunkten in Patentdaten, - - (nimmt deutlich ab) - (nimmt ab) 0 (keine Verände-
rung) + (nimmt zu) ++ (nimmt deutlich zu), (Eigene Darstellung)
3.6
Diskussion der Ergebnisse
Die Ergebnisse der Analysen von Förder-, Publikations-und Patentdaten sowie unter Einbezug der Er-
gebnisse von Berger et al. (2019) und DFG (2018) stellt Abbildung 16 die wichtigsten Innovations-
schwerpunkte des Freistaats Sachsen gegenüber. Jede der ausgewerteten Datenquellen hat für sich
genommen in der Ableitung von Schwerpunktthemen nur eine eingeschränkte Aussagekraft. Während
außer im Falle der Patentdatenanalyse in sämtlichen übrigen Datenbanken eine stark heterogene Da-
tenqualität vorliegt, sind vor allem die Förderdaten auf nationaler und europäischer Ebene stets das
Ergebnis politischer Entscheidungen über die Ausrichtung von Förderprogrammen. Daher bilden sie
nicht vollständig ab, wozu geforscht wird, sondern zu welchen beforschten Themen eine hohe Förder-
aktivität vorliegt.
Durch eine Synopse der unterschiedlichen Teilergebnisse der bisherigen Analyse lassen sich hingegen
Innovationsschwerpunkte für den Freistaat valideren. Um bisherige Untersuchungen in ihren Ergebnis-
sen mit einzubeziehen, wurden die identifizierten bisherigen Erkenntnisse zum inhaltlichen Profil säch-
sischer Forschungs- und Entwicklungsarbeit aus Kapitel 1 ebenfalls in die Identifikation von Innovati-
onsschwerpunkten mit einbezogen. Aus der Zusammenführung der Ergebnisse zeigt sich, dass sich
über weite Teile der ausgewerteten Datenquellen hinweg die Bereiche Material- und Werkstofffor-
schung, Informations- und Kommunikationstechnologie/Software, Mikroelektronik, Medizin und Medi-
zintechnik sowie Fertigungstechnologie als Schwerpunkte erweisen.

image
Themenmonitor Sachsen
24
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Abbildung 16
: Themenschwerpunkte der sächsischen Innovationslandschaft (Eigene Darstellung)
Material- und Werkstoffforschung
Förderpolitisch werden Vorhaben im Bereich der Material- und Werkstoffforschung auf allen drei be-
trachteten Ebenen (regionale, nationale, europäische Förderung) intensiv unterstützt. Mit Blick auf die
Inwertsetzung der geförderten Aktivitäten von Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen im Frei-
staat in diesem Themenfeld lässt sich erkennen, dass Technologien zur Materialbeschichtung (Fokus:
metallische Werkstoffe) und des Handlings (Fokus: dünne und fadenförmige Werkstoffe) einen Schwer-
punkt der Patentanmeldungen in Sachsen bilden. Zugleich arbeiten wissenschaftliche Einrichtungen
bereits intensiv an den neuen Lösungen im Bereich der Oberflächenbearbeitung.
Informations- und Kommunikationstechnologie und Software
Förderpolitisch werden Informations- und Kommunikationstechnologien und Software regional als auch
national intensiv unterstützt. Zusätzliches Potenzial könnte dieses Innovationsfeld durch die hohe For-
schungsaktivität sächsischer Akteure im Bereich der Entwicklung komplexer Algorithmen und darauf
basierender Anwendungen erhalten.

Themenmonitor Sachsen
25
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Mikroelektronik
Während wissenschaftliche Einrichtungen intensiv an künftigen Technologien im Bereich der Mikro-
elektronik arbeiten, erfährt der Bereich, in dem Sachsen traditionell stark aufgestellt ist, förderpolitisch
auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene intensive Unterstützung. Die Inwertsetzung zeigt sich
dabei insbesondere darin, dass grundlegende elektrische Bauteile sowie Mess- und Prüftechnologien
einen wesentlichen Schwerpunkt in den Patentanmeldungen sächsischer Unternehmen und For-
schungseinrichtungen ausmachen.
Medizin und Medizintechnik
Das Feld der Medizin und der Medizintechnik wird auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene
förderpolitisch intensiv unterstützt. Dabei fokussiert die Förderung der EU unter anderem auf den Spe-
zialbereich der Stammzellenforschung- und Stammzellentherapie. Insbesondere zum Spektrum der Bi-
omedizin und -chemie lässt sich darüber hinaus ein Publikationsschwerpunkt bei aktuellen wissen-
schaftlichen Veröffentlichungen identifizieren.
Fertigungstechnologie
Aufmerksamkeit erfahren Innovationsvorhaben im Bereich der Fertigungstechnik vor allem in der regi-
onalen und nationalen Förderung. Die Inwertsetzung von Innovationen in diesem Technologiefeld ge-
lingt dabei insbesondere in Form eines Patentschwerpunktes in den Kategorien Maschinenelemente
oder -einheiten und Werkzeugmaschinen.
Über die angeführten Innovationsschwerpunkte hinaus zeigt die Analyse, dass sich wissenschaftliche
Publikationen von Forschenden aus dem Freistaat bereits intensiv mit Themen zweier wichtiger Zu-
kunftsthemen befassen: Klimaforschung und komplexe Algorithmen und deren Anwendungsmöglich-
keiten. Während Künstliche Intelligenz unmittelbare Relevanz in unterschiedlichsten industriellen An-
wendungsbereichen hat, fokussieren sächsische Akteure in der Klimaforschung ganz wesentlich Fragen
der systemischen Resilienz. Folgen des Klimawandels zu minimieren und beherrschbar zu machen, hat
einerseits eine mittelbare Konsequenz für eine gesunde Industrie (und stabile Lieferketten). Darüber
hinaus können auch Industrieunternehmen auf Basis von Erkenntnissen zu Klimafolgen und Klimaresi-
lienz neue Produkte und Services entwickeln (z. B. im Bereich des zukunftsfähigen Supply Chain Ma-
nagements). Auffällig ist, dass beide Themenkomplexe bereits von der Europäischen Forschungsförde-
rung unterstützt werden: Neben Wetter und Klimaforschung werden Forschungs- und Entwicklungsak-
tivitäten zur Simulation (einem Anwendungsbereich algorithmischer Systeme) gefördert.

Themenmonitor Sachsen
26
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
4
Sachsens Spezialisierungsindex
Nachdem in Kapitel 3 auf breiter empirischer Basis und unter Einbezug vorhergehender Untersuchun-
gen Innovationsschwerpunkte identifiziert wurden, werden in diesem Kapitel die Ergebnisse der Analyse
des Spezialisierungsindex vorgestellt. Dieser gibt Aufschluss darüber, in welchen Innovationsfeldern
Sachsen über eine hochgradige Spezialisierung verfügt und zu welchen Themen zugleich viele Akteure
arbeiten. Der Spezialisierungsindex setzt dabei die Aktivitäten sächsischer und deutscher Akteure in ein
relatives Verhältnis und nutzt dazu die Daten der Bundesförderung. Diese liefern als einzige die Mög-
lichkeit, einen überregionalen Vergleich anzustellen, da bei den europäischen Förderdaten eine Leis-
tungsplansystematik fehlt und sich die regionalen Förderdaten per se nur auf Affiliationen innerhalb des
Freistaates beziehen (vgl. Kapitel 2). Die Ergebnisse des Spezialisierungsindex werden in Abbildung
17 dargestellt.

image
Themenmonitor Sachsen
27
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Abbildung 17:
Spezialisierungsindex für Sachsen auf Basis bundesdeutscher Förderdaten (Quelle: Eigene Auswertung, Daten-
basis: Förderkatalog des Bundes, Visualisierung: Tableau)
-80
-60
-40
-20
0
20
40
60
80
Spezialisierungdindex (transformiert)
0
50
100
150
200
250
300
350
111
139
170
265
313
272
10
12
19
43
62
M
N
O
Q
H
G
D
A
B
P
K
E
4
5
C
F
L
J
I
Legende
4 - Forschung für die Produktion - sonstige Projekte
5 - Entwicklung von Softwaremethoden und -werkzeugen
10 - Mitigation
12 - Untersuchungen zum Aufkommen von Holz und Agrarbiomasse, zur Mobilisierung von Nutzungs- und Produktionsreserven sowie zur Steigerung der Verwendung von Holz und Agrarrohstoffen einschließlich neuer Produktionsverfahren und Produkte
19 - Gesamtsystem Elektrofahrzeug (mit Fokus auf Fahrzeugelektronik und Energiemanagement, Fahrzeugkonzepte und Herstellungsverfahren)
31 - IKT
43 - Alternative Antriebstechnologien
62 - Förderinitiative Innovative Hochschule
111 - Strombasierte Erzeugung von Kraftstoffen
139 - Wasserversorgung
170 - Internetbasierte Wissensinfrastruktur
240 - Untersuchungen zur Reduktion von Risiken, die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und Pflanzenschutzverfahren für Mensch, Tier und Naturhaushalt entstehen können
255 - Digitale Prozesskette, Informationstechnische Mehrwertdienste
265 - Sicheres Cloud-Computing
272 - Untersuchungen und Konzepte zu den Möglichkeiten der Verbesserung der Markttransparenz für Verbraucher bei Waren und Dienstleistungen einschließlich der Verbesserung der Produkt- und der Prozesstransparenz innerhalb der Wertschöpfungskette
313 - Entwicklung bzw. Bewertung wissenschaftlicher und organisatorischer Verfahren zur Rückverfolgbarkeit und Kontrolle der Herkunft von Lebensmitteln und anderen Produkten einschließlich solcher aus ökologischer Produktion (z.B. mittels Isotopenanalyse)
A - CO2 Speicherung und Nutzung
B - Dünnschichttechnologien
C - Elektrochemische Speicher
D - Elektrotechnik
E - Energieeffizienz (Gebäude)
F - Energieeffizienz (Industrie)
G - Energieerzeugung, -speicherung, -verteilung und Energietechnik
H - Geowissenschaften
I - Kernenergie / Atomtechnik (Entsorgung, Rückbau, Endlagerung)
J - Materialwissenschaften und Werkstoffe
K - Mikroelektronik
L - Mikrosystemtechnik
M - Recycling/Aufbereitung/Entsorgung
N - Sonnenenergie
O - Wasserstofferzeugung und -speicherung
P - Medizin
Q - Medizintechnik

Themenmonitor Sachsen
28
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Die Ergebnisse zeigen, in welchen der zuvor identifizierten Innovationsschwerpunkte sächsische Ak-
teure nicht nur über eine hohe Aktivität, sondern auch über eine im deutschlandweiten Vergleich er-
sichtliche Spezialisierung verfügen.
Mikroelektronik und Elektrotechnik
Im Bereich Mikroelektronik und Elektrotechnik zeigt der Freistaat nicht nur traditionell hohe Forschungs-
und Entwicklungsaktivitäten, sondern auch eine ausgeprägte Spezialisierung. So ist der Komplex der
Mikroelektronik (Buchstabe K, Abbildung 17) dasjenige Innovationsfeld im Spezialisierungsindex, in
dem am zweitmeisten Akteure (191) in Sachsen gefördert werden - und das bei einer hohen Speziali-
sierung. Über eine geringfügig höhere Spezialisierung verfügt Sachsen bei Projekten der Kategorie
„Elektrotechnik“ (Buchstabe D, Abbildung 17). Hier werden dabei landesweit deutlich weniger Akteure
gefördert (41). Mehr Akteure erfahren Förderung im Bereich der Mikrosystemtechnik (78), bei mittlerer
Spezialisierung.
Digitale Technologien
Während das Innovationsfeld Informations- und Kommunikationstechnologie und Software zuvor als
Schwerpunkt sächsischer Innovationstätigkeit identifiziert wurde, zeigt der Spezialisierungsindex, dass
der Freistaat auch hier über eine ausgeprägte Spezialisierung verfügt. In der Förderkategorie „Informa-
tions- und Kommunikationstechnologie“ (Nr. 31, Abbildung 17) weist Sachsen eine mittlere Spezialisie-
rung auf. Insgesamt werden hier 38 Akteure gefördert. Eine höhere Spezialisierung weist der Index für
die Felder „Internetbasierte Wissensinfrastruktur“ (Nr. 170, Abbildung 17) und „Sicheres Cloud-Compu-
ting“ (Nr. 265, Abbildung 17) auf. Hier konzentriert sich die Aktivität im Freistaat jedoch in der Förderung
auf lediglich 6 respektive 10 Akteure. Die meisten Akteure im Innovationsfeld digitale Technologien sind
in der Förderkategorie „Entwicklung von Softwaremethoden und -werkzeugen“ (Nr. 5, Abbildung 17)
aktiv (142). Explizit in dieser Förderkategorie verfügt der Freistaat jedoch über eine leichte Unterspezi-
alisierung. Die Ergebnisse deuten an, dass in diesem Innovationsfeld ein Know-how-Transfer zwischen
den in den höher spezialisierten Förderkategorien aktiven Zuwendungsempfängern und dem breiteren
Akteurskreis der Förderkategorie „Entwicklung von Softwaremethoden und –werkzeugen“ möglicher-
weise zu einer stärkeren Konvergenz und Dynamik im gesamten Innovationsfeld führen.
Fertigungstechnologie
Im Innovationsfeld „Fertigungstechnologie“, das zuvor als Innovationsschwerpunkt im Freistaat identifi-
ziert wurde, verfügt Sachsen im bundesweiten Vergleich über eine ausgeprägte Spezialisierung. In der
Förderkategorie „Forschung für die Produktion – sonstige Projekte“ (Nr. 4, Abbildung 17) verfügt Sach-
sen über eine mittlere bis hohe Spezialisierung, während hier landesweit 109 Akteure gefördert werden.
Nur drei geförderte Akteure, jedoch eine der höchsten Spezialisierungen, weist der Index die Förderka-
tegorie „Digitale Prozesskette, Informationstechnische Mehrwertdienste“ (Nr. 255, Abbildung 17) aus.
Im Technologiefeld besitzt der Freistaat darüber hinaus eine mittlere bis hohe Spezialisierung bei ins-
gesamt 113 geförderten Akteuren im Bereich „Energieeffizienz (Industrie)“ (Buchstabe F, Abbildung 17).
Damit besitzt der Freistaat in einem wesentlichen Zukunftsfeld, bedingt durch die steigenden Anforde-
rungen an die Nachhaltigkeit industrieller Prozesse, im Bundesvergleich ausgeprägte Kompetenzen.
Material- und Werkstoffforschung
Während der Bereich Material- und Werkstoffforschung (Buchstabe J, Abbildung 17) zuvor als Innova-
tionsschwerpunkt identifiziert wurde, zeigt der Spezialisierungsindex, dass Akteure im Freistaat in die-
sem Technologiefeld in hoher Anzahl gefördert werden (138) und diese im Bundesvergleich über eine

Themenmonitor Sachsen
29
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
mittlere bis hohe Spezialisierung verfügen. Dabei weist das Technologiefeld in Teilen enge Verbindun-
gen zum Bereich Mikroelektronik und Elektrotechnik auf. In der Förderkategorie „Dünnschichttechnolo-
gie“ (Buchstabe B, Abbildung 17) werden insgesamt 18 Zuwendungsempfänger aus Sachsen identifi-
ziert. Diese verfügen zusammengenommen über eine mittlere bis hohe Spezialisierung. In einem für
das Innovationsfeld relevanten Teilgebiet, der Exploration von Werkstoffen aus Holz und Agrarstoffen
Verwendung (Nr. 12, Abbildung 17), weist der Index eine stark unterdurchschnittliche Spezialisierung
aus.
Medizin- und Medizintechnik
Im Kapitel 3.6 konnte der Bereich Medizin- und Medizintechnik als Innovationsschwerpunkt identifiziert
werden. Der Spezialisierungsindex bestätigt, dass eine relevante Anzahl an sächsischen Akteuren zu
den Themen Medizin (Buchstabe P, Abbildung 17) (107) und Medizintechnik (Buchstabe Q, Abbildung
17) (67) Förderung erfahren, der Freistaat allerdings über eine starke bis sehr starke Unterspezialisie-
rung im nationalen Vergleich verfügt.
Potenzialthemen
Auf Basis des Spezialisierungsindex können zwei Potenzialthemen identifiziert werden, in denen Sach-
sen über eine im Bundesvergleich hohe Spezialisierung verfügt, die jedoch in der Analyse der Innova-
tionsschwerpunkte nur am Rande in Erscheinung traten. Das erste Potenzialthema ist der Komplex
Energieerzeugung und -speicherung
. Dieses war in der Analyse der Förderdaten lediglich in Bun-
desförderdaten als ein Themenschwerpunkt erkannt worden. Der auf Basis der gleichen Daten erstellte
Spezialisierungsindex zeigt nun, dass in diesem Themenfeld in Sachsen eine teilweise sehr hohe Spe-
zialisierung mit einer relevanten Zahl geförderter Akteure vorliegt. So ist die Förderkategorie Energieer-
zeugung, -speicherung, -verteilung und Energietechnik (Buchstabe G, Abbildung 17) mit 361 Akteuren
das Technologiefeld mit den meisten geförderten Akteuren. Hier besitzt Sachsen eine leicht überdurch-
schnittliche Spezialisierung. In einem breiten Spektrum an Energietechnologien ist die Spezialisierung
des Freistaates im Bundesvergleich dabei noch deutlich ausgeprägter. Für die Förderkategorie „Son-
nenenergie“ (Buchstabe N, Abbildung 17) wird eine mittlere bis hohe Spezialisierung berechnet. Hier
werden insgesamt 85 Akteure gefördert. Zwar sind die meisten geförderten Akteure im Zuge der Insol-
venzwelle in der Branche (Hock, 2017) spätestens seit 2017 nicht mehr am Markt. Damit ist das Know-
how, welches über Jahre dank hoher Forschungsaktivitäten im Freistaat aufgebaut wurde nicht zwangs-
läufig verloren. Tatsächlich lässt sich in den Förderdaten erkennen, dass in jüngster Zeit weiterhin For-
schungsprojekte im Freistaat in diesem Themenfeld gefördert werden. Auch in der Förderkategorie
„Wasserstofferzeugung und -speicherung“ (Buchstabe O, Abbildung 17) (23 Zuwendungsempfänger)
und „Strombasierte Erzeugung von Kraftstoffen“ (Nr.111, Abbildung 17) (4 Zuwendungsempfänger) ver-
fügt Sachsen über eine hohe Spezialisierung. Die höchste Spezialisierung in diesem Technologiefeld
weist dabei die Förderkategorie „Elektrochemische Speicher“ (Buchstabe C, Abbildung 17) mit 11 Zu-
wendungsempfängern auf.
Das zweite Potenzialthema besitzt aufgrund der geringen Zahl an Förderempfängern nicht aus sich
heraus die gleiche Kritikalität wie der Bereich Energieerzeugung und -speicherung, doch es kann ange-
sichts der sich ausweitenden Ansprüche an Transparenz und Nachvollziehbarkeit im Kontext der Nach-
haltigkeit industrieller Produktion das Portfolio der sächsischen Innovationslandschaft bereichern. Im
Themenfeld
Transparente Liefer- und Wertschöpfungsketten
verfügt der Freistaat über eine leicht
überdurchschnittliche bis mittlere Spezialisierung (Nr. 313, 272, Abbildung 17).

Themenmonitor Sachsen
30
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
5
Schlussfolgerungen
Der Themenmonitor Sachsen konnte zeigen, in welchen Innovationsfeldern der Freistaat eine im natio-
nalen Vergleich ausgeprägte Spezialisierung vorweist. Dies ist insbesondere in für die sächsische In-
dustrie wichtigen Technologiefeldern, wie der Mikroelektronik, der Informations- und Kommunikations-
technik, der Fertigungstechnologie und der Material- und Werkstoffforschung, gelungen. Darüber hinaus
differenziert sich die Innovationslandschaft zunehmend aus. Das Kompetenzspektrum sächsischer Un-
ternehmen und Wissenschaftseinrichtungen erweitert sich insbesondere im Zusammenhang mit den
Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Künftig kommt es darauf an, das sich aus dieser Diffe-
renzierung ergebende Potenzial für eine Stärkung der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Frei-
staates zu nutzen. Das breite Spektrum an Innovationsthemen, zu dem sächsische Akteure eine auch
im nationalen Vergleich relevante Spezialisierung aufgebaut haben, bildet dafür eine hervorragende
Ausgangslage, um Synergien aus der Schaffung intersektoraler Innovationsvorhaben und Wertschöp-
fungsnetzwerke in Wert zu setzen. So schafft die hohe Spezialisierung des Freistaates im Bereich ener-
gieeffizienter Technologien in Verbindung mit dem ausgeprägten Innovationsschwerpunkt der Produk-
tionstechnik eine wichtige Voraussetzung, auf der aufbauend die Industrie in Sachsen potenziell zu
einem Leitanbieter für nachhaltige Fertigungstechnik entwickelt werden könnte. Dabei kann auch auf
spezialisiertes Know-how bei Transparenzlösungen für Liefer- und Wertschöpfungsketten zurückgegrif-
fen werden.
Eine ausgeprägte Spezialisierung im Bereich internetbasierten Wissensstrukturen und Sicheres Cloud
Computing schafft Synergiepotenzial in Verbindung mit der ebenfalls ausgeprägten Spezialisierung bei
der Digitalisierung von Prozessketten und der Entwicklung internetbasierter Mehrwertdienste. Voraus-
setzung dafür, dass bestehende Potenziale gehoben werden, ist die gezielte Vernetzung kritischer
Know-how-Träger aus dem Freistaat Sachsen über sektorale Grenzen hinweg.
Daraus wird deutlich, in welcher Weise der Themenmonitor die Arbeit der ZukunftsWerkstatt unterstützt.
Erstens liefert er eine konkrete inhaltliche Orientierung über Synergiepotenziale zur Weiterentwicklung
regionaler Innovations- und Wertschöpfungsbündnisse im Freistaat Sachsen. Zweitens zeigt er auf, an
welchen Stellen, insbesondere beim Thema Energieerzeugung und -speicherung sowie bei der Ent-
wicklung energieeffizienter Industrietechnologie, inhaltliche Ansatzpunkte dafür liegen, Sachsen zum
Leitanbieter bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft zu machen. Drittens verdeutlicht der The-
menmonitor, wo bereits heute hochspezialisiertes Know-how im Freistaat Sachsen vorhanden ist, um
die digitale Transformation zu gestalten.

Themenmonitor Sachsen
31
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
6
Literaturverzeichnis
Berger, M., Diekhof, J., Doherr, T., Egeln, J., Gottschalk, S., Hud, M. et al. (2019).
Analysen zum Inno-
vationsstandort Sachsen
(Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
(SMWA), Hrsg.). Dresden: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW); Fraun-
hofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI); Prognos AG. Zugriff am 24.02.2020. Ver-
fügbar unter https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/33220
Deutsche Forschungsgemeinschaft (Hrsg.). (2018).
Förderatlas 2018. Kennzahlen zur öffentlich finan-
zierten Forschung in Deutschland
.
Ihle, D., Meurer, P. & Stolz, C. (2020).
Entwicklung des Innovationsstandortes Ostdeutschland: Eine
Analyse der FuE- und Patentaktivitäten, der Gründungen sowie der F&I-Förderung
(Expertenkom-
mission Forschung und Innovation (EFI), Hrsg.).
Rammer, C., Gottschalk, S. & Trunschke, M. (2020).
Innovationstätigkeit der Unternehmen in Ost-
deutschland seit der Wiedervereinigung
(Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung
GmbH Mannheim (ZEW), Hrsg.).

Themenmonitor Sachsen
32
Zukunfts
Werkstatt
INDUSTRIE
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Redaktion:
VDI/VDE Innovation + Technik GmbH
Autoren:
Robert Peters, Kerstin Goluchowicz, Julian Stubbe, Antje Zehm
Gestaltung und Satz:
VDI/VDE Innovation + Technik GmbH
Redaktionsschluss: 28.09.2020
Copyright
Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die des Nachdruckes von Auszügen und der fotomecha-
nischen Wiedergabe, sind dem Herausgeber vorbehalten.

image
image
Die ZukunftsWerkstatt INDUSTRIE ist ein Projekt des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft,
Arbeit und Verkehr und wird mitfinanziert aus Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten
des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes.
durchgeführt von
industrie.sachsen.de/zukunftswerkstatt