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Jahresbericht

Jahresbericht
2020
www.drogenbeauftragte.de

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2
Jahresbericht 2020
2
1
Inhaltsverzeichnis
1
Prävention
9
1.1
Maßnahmenpaket für die Tabakprävention und E-Zigaretten
9
1.1.1 Neue Werbegrenzen für Tabakprodukte und E-Zigaretten
10
1.1.2 Umfassende Inhaltstoffregulierung für E-Zigaretten
14
1.1.3 Erhöhung der Tabaksteuer
14
1.2
Fortentwicklung der Alkoholprävention
15
1.3
Besserer Spielerschutz beim Glücksspiel
19
1.4
Gesunder Umgang mit digitalen Medien
21
1.4.1 Kampagne„Familie.Freunde.Follower“
22
1.4.2 Novellierung des Jugendschutzgesetzes
28
1.5
Cannabisprävention für Jugendliche und junge Erwachsene
29
1.5.1 Kampagne „Mach Dich Schlau“
30
1.5.2 Maßnahmenpaket für die Cannabisprävention in den Schulen
32
1.6
Mehr Unterstützung für Kinder aus suchtbelasteten Familien
34
1.6.1. Besseres Zusammenspiel der Sozialsysteme
34
1.6.2 Förderprojekte auf Bundesebene
35
1.6.3 Gezielte Unterstützung während der SARS-CoV-2-Pandemie
37
2
Behandlung und Beratung
39
2.1
Stärkung der kommunalen Suchtberatung
39
42
10
22
30

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3
3
4
5
2.2
Stabilisierung der Suchtbehandlung während der
SARS-CoV-2-Pandemie
40
2.3
Behandlung und Beratung beim Konsum von
Alkohol
42
2.4
Mehr Gewicht für die Raucherentwöhnung
44
3
Schadensreduzierung
47
3.1
Sicherung der Substitutionsbehandlung
48
3.1.1 Runder Tisch Substitutionsbehandlung
48
3.1.2 Flexible Regelungen für die Pandemiezeit 50
3.2
Einsatz von Naloxon
54
3.3
Drogenkonsumräume
55
3.4
Folgeerkankungen HIV, Hepatitis B und C
56
3.5
Analysegestützte Beratung – eine Option?
57
4
Angebotsreduzierung und Strafverfolgung
59
4.1.
Erweiterung des BtMG und des NpSG
59
4.2
Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität
60
5
Internationale Tätigkeitsfelder
65
5.1
Deutschlands Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union
65
5.1.1 Mehr Unterstüt-
zung für vulnerab-
le Gruppen
66
5.1.2 Zukünftige
EU-Drogenstrategie
70
50
62
68

 
4
Jahresbericht 2020
Vorwort
In der Drogen - und Suchtpolitik geht es um aktiven Gesundheits-
schutz unserer Gesellschaft. Es geht um die Frage, wie wir heute
miteinander leben, welche Chancen der Einzelne auf eine bessere
Zukunft hat und wie die Weichen für unser weiteres Miteinander
gestellt werden sollen.
Persönlich habe ich mich daher vom ersten Tag an in diesem Politik-
feld einer größtmöglichen Offenheit verschrieben: Zuhören, verstehen,
die Probleme hinter der sichtbaren Sucht kennenlernen. Denn – das
merkt man schnell – kaum etwas in der Drogen- und Suchtpolitik ist
nur schwarz, kaum etwas nur weiß, alles hat seine Schattierungen, da
genügt nicht der erste Eindruck. Vor allem aber – und das geht mit der
Offenheit einher – habe ich mir selbst größtmöglichen Pragmatismus
verordnet. Kein Konzept ist richtig, weil es schon immer so war, keines
ist grundsätzlich falsch, weil es das der anderen ist.
Drogen- und Suchtpolitik ist vielfältig. Sie ist gleichzeitig Gesund-
heits-, Sozial-, Sicherheits-, Wirtschafts-, ja, auch Außen- und Ent-
wicklungspolitik – und selbst diese Aufzählung ist nicht abschließend.
Kaum ein Politikfeld ist ideologisch so besetzt wie dieses, obwohl
nahezu jeder für sich in Anspruch nimmt, nur „das Beste“ zu wollen.
Klar, es geht um Freiheit, um Verantwortung, um Werte, um Überzeu-
gungen und immer wieder auch darum, tradierte Bilder und Meinun-
gen infrage zu stellen.
Wenn auf den folgenden Seiten über Sucht und Drogenmissbrauch in
unserer Gesellschaft berichtet wird, wird deutlich, dass eines beson-
ders wichtig ist: Prävention. Jeder muss sich bewusst sein, was er tut
und welche Auswirkungen das auf die eigene Gesundheit, die Familie
und das soziale Umfeld hat. Prävention ist in weiten Teilen eine
Aufgabe von Bundesländern und Kommunen. Das ist auch richtig, weil
sie die erforderliche räumliche Nähe zu den betroffenen Menschen
haben. Der Bund unterstützt hierbei nach Kräften und stellt die
Weichen, um dort, wo es erforderlich ist, Lücken zu schließen.
Wichtig ist für mich stets die Antwort auf die Frage: Wo und bei welchen
Themen kann ich als Drogenbeauftragte der Bundesregierung einen
Unterschied machen? Was kann ich aus meinem Amt heraus bewegen,
und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt und in naher Zukunft?
Ein Themenschwerpunkt hat sich – insbesondere durch die zur
Verfügung stehenden Zahlen – deutlich gezeigt: der Cannabiskonsum
Jugendlicher. Während im Jahr 2020 so wenig Jugendliche rauchen und
Alkohol trinken wie noch nie seit Beginn unserer Erhebungen, ist der
frühe und regelmäßige Cannabiskonsum immer deutlicher zu einem
Problem geworden. Das zeigen vor allem die Behandlungszahlen von
Kliniken und ambulanten Einrichtungen. Gerade deshalb hat die
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in enger Abstimmung
mit mir ein umfangreiches Maßnahmenpaket für die Cannabispräven-
tion in den Schulen und im Jugendalter auf den Weg gebracht. Ein
zentraler Baustein dabei ist: „Mach Dich Schlau“, die erste Präventions-
und Informationskampagne zu Cannabis in den sozialen Medien.
Neue Wege gehen wir auch beim Thema Medienkonsum. Digitale
Medien sind für uns mittlerweile unverzichtbar. Sie sind vielseitig,
können uns schnell weltweit miteinander vernetzen und Informatio-
nen verschaffen, die wir ansonsten mühsam nachschlagen müssten.

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5
Der Umgang mit digitalen Medien muss aber auch erlernt werden. Das
gilt gerade dann, wenn es um Kinder geht. Gemeinsam mit der
Staatsministerin für Digitalisierung, Frau Dorothee Bär, habe ich unter
der Überschrift „Familie.Freunde.Follower“ eine Kampagne mit Tipps
für eine gesunde Nutzung digitaler Medien in den Familien aufgelegt.
Grundlage dabei sind Handlungsempfehlungen des Berufsverbandes
der Kinder- und Jugendärzte.
Über allem stand und steht in dem Berichtszeitraum – auch für die
Drogen- und Suchtpolitik – das Thema SARS-CoV-2-Pandemie:
Welche Auswirkungen hat Corona auf Kinder und Jugendliche?
Welche auf Menschen mit Suchterkrankungen? Welche auf die
lebenswichtigen Strukturen unseres Suchthilfesystems? Für mich war
vom ersten Tag an klar: Die Hilfe für Suchtkranke darf auch in der
Krise keinen Tag ausbleiben. Deshalb haben wir frühzeitig mit einer
Eilverordnung die Rahmenbedingungen für die Substitutionsbehand-
lung angepasst und gemeinsam mit den zuständigen Bundesministe-
rien, den Bundesländern und den Sozialversicherungsträgern den
Fortbestand der Beratungs- und Behandlungsangebote bestmöglich
abgesichert. Darüber hinaus haben viele engagierte Menschen
mitgewirkt, um unser Suchthilfesystem vor Ort aufrechtzuerhalten.
Hierfür danke ich von ganzem Herzen. Corona gefährdet aber nicht
nur das Suchthilfesystem. Die Pandemie und ihre Folgen schaffen
auch besondere Präventionserfordernisse: Nie war es so sinnvoll, das
Rauchen zu beenden. Nie war es so wichtig, Alkoholmissbrauch zu
bekämpfen. Nie war es so essenziell, genau hinzuschauen, was in den
Familien in der Nachbarschaft passiert. Gerade die Kinder
Suchtkranker brauchen jetzt
besondere Hilfe. Auch hierfür
haben wir Stück für Stück die
Weichen gestellt. Das freut mich
ganz besonders.
Mit vielem sind wir bereits vorange-
kommen, einiges liegt noch vor uns. Hier nur
einige Stichworte: Sicherung der flächendeckenden Substitutionsver-
sorgung, weiterer Ausbau von Angeboten zur Schadensminderung,
etwa bei der Versorgung mit dem lebensrettenden Medikament
Naloxon, und die Umsetzung der Beschlüsse der AG Hilfen für Kinder
psychisch kranker und suchtkranker Eltern. Ebenso wichtig ist eine
Stärkung der Bekämpfung der organisierten Kriminalität im Bereich
des Drogenhandels. Bei all diesen Themen muss es weitergehen.
Hierfür bitte ich Sie, meine Damen und Herren, herzlich um Ihre
Unterstützung, offen und ganz pragmatisch!
Ihre
Daniela Ludwig MdB

6
Jahresbericht 2020

7
Die deutsche Drogen- und Suchtpolitik beruht
– wie in der Nationalen Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik beschrieben –
auf vier Säulen:
Es bedarf eines breiten „Instrumentenkastens“, um der Komplexität
von Drogen und Suchtfragen gerecht zu werden. Erforderlich ist ein
abgestimmtes Zusammenspiel von Angebots- und
Nachfragereduzierung.
In diesem Bericht werden aus jedem der vier genannten Handlungs-
bereiche relevante Entwicklungen vorgestellt. Hinzu kommen aktuelle
Entwicklungen aus der internationalen Zusammenarbeit in
Drogenfragen.
Suchtprävention
Beratung und
Behandlung
Schadens-
reduzierung
Angebotsreduzierung
und Strafverfolgung

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8
Jahresbericht 2020 | Prävention

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9
1 Prävention
Die erste Säule unserer deutschen Drogenpolitik ist die Prävention.
Präventionsmaßnahmen verfolgen den Zweck, den Einstieg in den
Konsum legaler und illegaler Drogen zu verhindern bzw. hinauszuzö-
gern und ein riskantes Konsumverhalten, einen Suchtmittelmissbrauch
frühzeitig zu erkennen und zu reduzieren. Im Rahmen seiner Zustän-
digkeit trifft der Bundesgesetzgeber regulierende Vorkehrungen zur
Verfügbarkeit, zur Sichtbarkeit und zum Umgang mit Suchtstoffen
(Verhältnisprävention). Hinzu kommen verhaltensbeeinflussende
Maßnahmen, etwa die Aufklärungsarbeit der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Auftrag der Bundesregierung
(Verhaltensprävention).
1.1
Maßnahmenpaket für die Tabakprävention
und E-Zigaretten
Wie im Koalitionsvertrag vereinbart, konnte die Tabakprävention des
Bundes 2019 „gezielt ergänzt“ werden. Hierbei wurden auch die von
E-Zigaretten ausgehenden Gesundheitsgefahren umfassend
adressiert.
ABBILDUNG 1
Daniela Ludwig MdB, Drogenbeauftragte der Bundesregierung bei der
Prämierung des DGUV-Präventionswettbewerbes „Jugend will sich-er-leben“
„Ich habe mich vom ersten Tag als Drogen-
beauftragte dafür eingesetzt, Verdampfer
und Erhitzer ins Tabakaußenwerbeverbot
einzubinden. Wir leisten damit aktiven
Jugend- und Gesundheitsschutz und stärken
die Prävention auf ganzer Linie!“
Daniela Ludwig

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10
Jahresbericht 2020 | Prävention
1.1.1
Neue
Werbegrenzen
für
Tabakprodukte
und E-Zigaretten
In diesem Jahr gelang, was in der vergangenen Legislaturperiode noch
an Widerständen aus dem Deutschen Bundestag gescheitert war. Am
2. Juli 2020 wurde im Parlament ein von den Regierungsfraktionen
eingebrachter Entwurf für ein Zweites Gesetz zur Änderung des
Tabakerzeugnisgesetzes verabschiedet. Am 18. September 2020 hat
auch der Bundesrat dem Gesetzentwurf zugestimmt.
Nach der bislang geltenden Rechtslage war die Werbung für Tabaker-
zeugnisse und nikotinhaltige elektronische Zigaretten in den Diensten
der Informationsgesellschaft (vor allem im Internet), in Hörfunk und
Fernsehen sowie in Printmedien mit Ausnahme von Fachzeitschriften
des Tabakhandels und Rauchergenussmagazinen unzulässig. Auch das
Sponsoring von grenzüberschreitendenden Veranstaltungen war
bereits länger verboten.
ABBILDUNG 2
Weitere Werbebeschränkungen für Tabakerzeugnisse und nikotinhaltige
elektronische Zigaretten
„Aus unserer Sicht sind die vorgesehenen
weiteren Werbebeschränkungen für Tabak-
erzeugnisse, E-Zigaretten und Nachfüllbehälter
inklusive nikotinfreie E-Zigaretten überfällig.“
Julia Klöckner, Bundesministerin für
Ernährung und Landwirtschaft

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11
Das Gesetz sieht folgende Neuerungen vor:
Ein Verbot der Außenwerbung für herkömmliche Tabakprodukte
ab dem 1. Januar 2022, für neuartige Tabakerzeugnisse (Erhitzer) ab
dem 1. Januar 2023 und für (nikotinhaltige und -freie) E-Zigaretten
ab dem 1. Januar 2024. Ausgenommen sein soll lediglich die
Werbung an Außenflächen des Fachhandels,
ein Verbot der Kinowerbung bei Filmen mit einer FSK unter 18 ab
dem 1. Januar 2021,
ein Verbot der gewerbsmäßigen Ausspielung und der kostenlosen
Abgabe von Zigaretten, Tabak zum Selbstdrehen und Wasserpfei-
fentabak außerhalb der Geschäftsräume des Fachhandels ab dem
1. Januar 2021,
ebenfalls ab dem 1. Januar 2021 eine Ausdehnung des Verbots der
audiovisuellen Werbung von nikotinhaltigen E-Zigaretten auf
nikotinfreie.
Insbesondere auf Jugendliche hat Werbung eine besonders starke
Wirkung. Kinder und Jugendliche sind sensibel für Tabakwerbung
bzw. Werbung für andere nikotinhaltige Produkte. Bereits ein älterer
Cochrane-Report (Link zur Cochrane Library:
Bit.ly/2cspKkV
) fand
19
verwertbare Studien mit mehr als 29.000 Rauchern, die den
Einstieg in den Tabakkonsum mit der Verfügbarkeit von Werbung in
Verbindung brachten.
Die Wahrnehmung von Werbung 12- bis
17-jähriger Nichtraucher geht nach einer
Studie an über 10.000 Jugendlichen mit
einem höheren Risiko für einen späteren
Tabakkonsum einher. Gleiches gilt für
Werbung für E-Zigaretten: Auch diese
erhöht das Risiko für einen späteren
Tabakkonsum.
Der Einbezug von E-Zigaretten in die
Werbeverbote ist auch deshalb wichtig, weil
der Effekt von E-Zigaretten als Einstiegs-
droge bei Jugendlichen größer ist, als bislang
angenommen. Jugendliche experimentierten
häufiger mit konventionellen Zigaretten,
wenn sie zuvor E-Zigaretten konsumiert
hatten.

12
Jahresbericht 2020 | Prävention
Die folgende Tabelle stellt die jährlichen Werbeausgaben für Tabaker-
zeugnisse in den Jahren 2017 und 2018 dar (frühere Daten vgl.
Drogen- und Suchtbericht (DSB) 2019).
2017
2018
Direkte Werbung, davon:
98.008
63.409
Werbung
in Printmedien
93
50
Außenwerbung
95.865
61.968
Werbung im Kino
2.047
1.368
Werbung im Internet
3
2
Sonstige Werbung
0
22
Keine Zuordnung
-
-
Promotion
141.561
122.332
Sponsorship
7.810
7.754
Gesamte Werbeausgaben
247.379
193.495
Hintergrund:
Gerade mit Blick auf Jugendliche und junge Erwachsene ist Deutsch-
land in der Tabakprävention seit Jahren sehr erfolgreich. Der Anteil
rauchender Jugendlicher befindet sich auf einem historischen
Tiefstand. Nur noch 5,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen gaben zuletzt
an, zu rauchen. Der Anteil der Jugendlichen, der noch nie geraucht hat,
steigt stetig und liegt mit 85,1 Prozent so hoch wie nie zuvor. Der
Anteil rauchender 18- bis 25-jähriger Erwachsener markiert mit
21,2 Prozent einen Tiefststand (BZgA, Drogenaffinitätsstudie 2019).
Ebenfalls sichtbar, aber nicht gleichermaßen groß sind die Erfolge bei
Erwachsenen. Der Anteil der rauchenden Männer im Alter von 18 bis
64 Jahren beträgt noch immer 26,4 Prozent, der Anteil der rauchenden
Frauen 20,2 Prozent. Insgesamt rauchen in Deutschland etwa
14,4 Millionen Menschen (ESA 2018).
Aus zahlreichen Studien ist bekannt, dass Rauchen bei verschiedenen
Bevölkerungsgruppen unterschiedlich stark verbreitet ist. Der Anteil
der rauchenden Jugendlichen und Erwachsenen aus sozial benachtei-
ligten Bevölkerungsgruppen mit einem niedrigen sozioökonomischen
Status ist größer als jener in sozial bessergestellten Teilen der Bevölke-
rung. Besonders deutlich wird dieser Unterschied bei Männern und
Frauen im Alter von 30 bis 44 Jahren. Während 50 Prozent der Männer
und 40 Prozent der Frauen mit niedrigem Sozialstatus in dieser
Altersgruppe rauchen, sind dies bei hohem Sozialstatus 26 Prozent der
Männer und 16 Prozent der Frauen (Jahrbuch DHS 2020).
TABELLE 1
Jährliche Tabakwerbeausgaben (in 1.000 Euro),
alle Angaben gerundet

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„Mehr als ein Viertel aller Krebserkrankun-
gen sind auf Tabakkonsum zurückzuführen.
Wer raucht, geht außerdem ein erhöhtes
Risiko ein, schwer an Corona zu erkranken.
Tabak ist ein Tod auf Raten, daran gibt es
nichts zu rütteln!“
Daniela Ludwig
13
Rauchen ist trotz aller Präventionserfolge noch immer das größte
vermeidbare Gesundheitsrisiko in unserer Gesellschaft. Im Jahr 2018
starben, dies hat eine Berechnung ergeben, ca. 127.000 Menschen an
den Folgen des Rauchens. Dies sind 13,3 Prozent aller Todesfälle in
Deutschland.
Rauchen ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für Herz-Kreis-
lauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Krebs und Diabetes.
Rauchen ist die bedeutendste Ursache für chronisch obstruktive
Lungenerkrankungen – COPD (zu den gesundheitlichen Auswirkungen
insgesamt DKFZ, Tabakatlas Deutschland 2020). Es verursacht
verschiedene Krebsarten, wobei die Lunge in besonderem Maße
betroffen ist. Bis zu 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle sind auf das
Rauchen zurückzuführen.
Gerade während der durch das SARS-CoV-2 verursachten Pandemie
hat sich gezeigt, welche weiteren zusätzlichen Gesundheitsgefahren
mit dem Rauchen verbunden sind. Raucherinnen und Raucher gehören
zu dem Personenkreis, für den ein erhöhtes Risiko für einen schweren
Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 besteht. So
empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eine wichtige
SARS-CoV-2-Präventionsmaßnahme, den Tabakkonsum zu beenden.
ABBILDUNG 3
Eröffnung der Jahrestagung 2019

14
Jahresbericht 2020 | Prävention
1.1.2 Umfassende Inhaltstoffregulierung für
E-Zigaretten
Neben die Werbebeschränkungen tritt eine neue Regulierung nikotin-
freier E-Zigaretten: Mit dem Zweiten Gesetz zur Änderung des
Tabakerzeugnisgesetzes werden zum 1. Januar 2021 die zentralen
Vorgaben des Tabakrechts von den nikotinhaltigen auf nikotinfreie
elektronische Zigaretten und Nachfüllbehälter übertragen. Konkret
bedeutet dies, dass an die Inhaltsstoffe nikotinfreier Nachfüllbehälter
in Zukunft die gleichen Anforderungen gestellt werden wie an die
nikotinhaltigen.
Nikotinfreie Produkte werden aufgrund einer europarechtlichen
Differenzierung bisher lediglich als Verbraucherprodukte betrachtet,
die den weniger strengen Anforderungen des Produktsicherheits- und
Chemikalienrechts unterliegen. Diese Praxis hat sich zunehmend als
problematisch herausgestellt. Hintergrund ist die weitverbreitete
Veräußerung sogenannter Shake’n Vape-Nachfüllbehälter (gemeinsa-
me Veräußerung nikotinfreier Nachfüllbehälter mit sogenannten
„Nikotinshots“, durch welche die bestehende Inhaltstoffregulierung
für nikotinhaltige E-Zigaretten faktisch umgangen wird).
Auch wenn in E-Zigaretten kein Tabak verbrannt wird und deshalb
insbesondere die mit diesem Verbrennungsprozess assoziierten
Risiken entfallen, birgt der Konsum dieser Produkte gesundheitliche
Gefahren. So besteht, werden nikotinhaltige Nachfüllbehälter genutzt,
zunächst ein erhebliches Suchtrisiko. Hinzu kommen unter anderem
Schädigungen der Blutgefäße und eine entzündungsfördernde
Wirkung. Einen Überblick über weitere mögliche gesundheitliche
Auswirkungen des E-Zigarettenkonsums bietet eine aktuelle Übersicht
des DKFZ:
https:/
/www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/
Publikationen/sonstVeroeffentlichungen/
E-Zigaretten-und-Tabakerhitzer-Ueberblick_
Oktober_2020.pdf
1.1.3
Erhöhung
der
Tabaksteuer
Drittes Element des Maßnahmenpaketes ist eine Erhöhung der
Tabaksteuer. Entsprechend den Vorgaben des Tabaksteuergesetzes
(TabStG) stieg zum 15. Februar 2020 der Mindeststeuersatz für
Zigaretten an. Legt man den gewichteten durchschnittlichen Kleinver-
kaufspreis für Zigaretten zugrunde, resultiert daraus jetzt ein Mindest-
steuersatz von 16,36 Cent pro Zigarette (zuvor 16,14 Cent). Inklusive
der Mehrwertsteuer ergibt sich damit insgesamt ein Steueranteil von
rund drei Vierteln des Verkaufspreises.

 
15
Mehr erfahren
In Europa bestehen gemeinsame Vorschriften für die Besteue-
rung von Tabakwaren. Es gelten Mindestsätze, die eine höhere
Besteuerung durch die EU-Mitgliedstaaten ermöglichen (RICHT-
LINIE 2011/64/EU DES RATES vom 21. Juni 2011 über die
Struktur und die Sätze der Verbrauchsteuern auf Tabakwaren)
Die EU-Mitgliedstaaten haben die Europäische Kommission
Anfang Juni 2020 aufgefordert, die Besteuerung von Tabakwaren
an neue Entwicklungen anzupassen. Beispielsweise werden
Tabakerhitzer derzeit lediglich vom niedrigen Auffangsteuersatz
für Pfeifentabak erfasst, während E-Zigaretten gar nicht dem
Anwendungsbereich der Richtlinie über Verbrauchsteuern auf
Tabak unterliegen.
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/
TXT/PDF/?uri=CELEX:32011L0064&qid=155972
2884204&from=EN
1.2
Fortentwicklung der Alkoholprävention
Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, riskante Konsummuster bei
Alkohol weiter zu senken. Zur Verringerung des Alkoholkonsums und
zur Prävention von Krankheiten, die in Verbindung mit Alkoholkonsum
stehen, führt die BZgA seit vielen Jahren zielgruppenspezifische
Präventionskampagnen und -programme durch. Diese Kampagnen
werden fortentwickelt und an den aktuellen Handlungsbedarf
angepasst. Die Aktivitäten der BzgA werden seit Jahren durch die
Private Krankenversicherung unterstützt.
Alkoholprävention während der Pandemie
Die WHO empfiehlt, den Alkoholkonsum während der SARS-CoV-2-
Pandemie weitestgehend einzuschränken. Dazu werden derzeit
Studien durchgeführt, deren Ergebnisse noch nicht vorliegen.
Die BZgA hat frühzeitig das Thema Alkoholkonsum in der durch das
SARS-CoV-2 verursachten Pandemie aufgegriffen. Sie empfiehlt u. a.,
Alkohol als Anlass für das Rauchen zu vermeiden und umgekehrt:
https://ec.europa.eu/germany/
news/20200210-eu-tabakbesteuerung_de
https:/
/www.euro.who.int/en/health-topics/
disease-prevention/alcohol-use/publications/2020/
fact-sheet-alcohol-and-covid-19-what-you-need-
to-know-2020

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16
Jahresbericht 2020 | Prävention
Menschen neigen dazu, mehr zu rauchen, wenn sie Alkohol trinken.
Und Rauchen kann zu einem schwereren Verlauf einer SARS-CoV-2-
Erkrankung führen.
Zudem wurden die Angebote der Kampagne „Kenn-dein-Limit“ an die
Pandemiebedingungen angepasst. Auch wurden für den Online-Schul-
untericht vermehrt Materialien der Aufklärungskampagne „Null
Alkohol – Voll Power“ nachgefragt, da die Voll-Power-Schultour
pandemiebedingt nicht stattfinden konnte. Die Kampagne spricht
12- bis 16-Jährige an.
Ausweitung der Aufklärungskampagne
„Alkoholfrei Sport genießen“
Im Frühjahr 2020 konnte durch die BZgA der Deutsche Schützenbund
(DSB) als neues Mitglied im Aktionsbündnis „Alkoholfrei Sport
genießen“ begrüßt werden. Die Kampagne der BZgA richtet sich an
Trainerinnen und Trainer sowie andere erwachsene Vereinsmitglieder,
um in der Kinder- und Jugendarbeit für einen verantwortungsvollen
Umgang mit Alkohol im Sportverein zu sensibilisieren und alkoholfreie
Veranstaltungen durchzuführen. Die Drogenbeauftragte ist Schirm-
herrin von „Alkoholfrei Sport genießen“. Sie wirbt unter den Sportver-
bänden für ein noch größeres Engagement in der Alkoholprävention
– im Breiten-, aber auch im Spitzensport.
Hintergrund: Im April 2016 schlossen sich der Deutsche Olympische
Sportbund (DOSB), der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der Deutsche
Turner-Bund (DTB), der Deutsche Handballbund (DHB) und der DJK
Sportverband zum Aktionsbündnis „Alkoholfrei Sport genießen“
zusammen.
ABBILDUNG 4
Aktion „Alkoholfrei Sport genießen“ auf der
Jahrestagung der Drogenbeauftragten 2019
www.kenn-dein-limit.de/aktuelles/artikel/
alkohol-und-corona/

17
Die Maßnahmen des Bundes werden durch andere Akteure ergänzt.
Zwei aktuelle Beispiele:
GKV-Bündnis für Gesundheit stellt 2 Millionen Euro für
Alkoholprävention zur Verfügung
Von den Krankenkassen werden durch das GKV-Bündnis für Gesundheit
mit Unterstützung der BZgA verschiedene Projekte und Programme zur
Verringerung des Alkoholkonsums und zur Prävention der damit in
Verbindung stehenden Erkrankungen durchgeführt. Im Jahr 2020
wurden hierfür Mittel in Höhe von rund zwei Millionen Euro eingeplant.
Es wurde eine Vielzahl von evidenzbasierten Handlungsempfehlungen
für Eltern im Umgang mit dem Alkoholkonsum ihrer Kinder entwickelt.
Aus abgeschlossenen Forschungsaktivitäten des GKV-Bündnisses für
Gesundheit zur Alkoholprävention im Speziellen sind u. a. eine Studie
zur Bestandsaufnahme schulbasierter Modelle zur Reduktion oder
Verhinderung von riskantem Alkoholkonsum bei Kindern, Jugendli-
chen und jungen Erwachsenen sowie ein systematischer Review zur
Prävention des Alkoholmissbrauchs bei Kindern, Jugendlichen und
jungen Erwachsenen verfügbar.
Ein signifikanter Rückgang ist mittlerweile beim Alkoholkonsum
Jugendlicher und junger Erwachsener zu verzeichnen – wie beim
Tabak zeigen die vielfältigen Präventionsanstrengungen Wirkung:
Der regelmäßige Alkoholkonsum junger Menschen in Deutsch-
land entwickelt sich seit den 1970er-Jahren insgesamt rückläufig,
2019 waren es 9,5 Prozent der 12- bis 17-Jährigen. 1979 trank ein
Viertel (25,4 Prozent) dieser Altersgruppe regelmäßig.
Eine solch ausgeprägte Bewegung ist beim Konsum Erwachsener
noch nicht erkennbar:
Fast jeder fünfte Erwachsene (18,1 Prozent) hat 2018 einen
riskanten Alkoholkonsum, ein geringer Rückgang gegenüber der
Erhebung aus dem Jahr 2015 mit 21,4 Prozent. Dies spiegelt sich
auch bei der Alkoholabhängigkeit wider. Beispielsweise waren
2018 3,1 Prozent der Erwachsenen abhängig gegenüber 3,4 Pro-
zent im Jahr 2012 (Institut für Therapieforschung (IFT), Epidemo-
logischer Suchtsurvey (ESA) 2012, 2015/2018).
Info

18
Jahresbericht 2020 | Prävention
Unterstützung für FASD-Betroffene
Alkohol ist ein Zellgift, das auch in kleinen Mengen die Entwicklung
des Fötus beeinträchtigen und zu schwerwiegenden Schädigungen
beim Kind führen kann – von Fetalen Alkoholspektrumstörungen
(FASD) bis hin zur schwersten Form, dem Fetalen Alkoholsyndrom
(FAS). Ziel der Bundesregierung ist eine frühere Erkennung der
Erkrankung und eine bessere Versorgung Betroffener. Daher fördert
das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gemeinsam mit dem
Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege das
Kompetenzzentrum FASD in München. Im Zentrum erhalten Betroffe-
ne, ihre Angehörigen und häufig auch die Pflegefamilien umfassende
Unterstützung.
„Kinder mit einer fetalen Alkoholspektrum-
störung brauchen kompetente Hilfe, um sich
so gut wie möglich zu entwickeln.
Das Thema FASD muss einfach jeder kennen!
Wer gut informiert ist, ist auch weniger
verunsichert!“
Daniela Ludwig
Zudem weist die Drogenbeauftragte auf vielfältige Weise auf die
Gesundheitsrisiken von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft hin.
Neben konkreten Informationen für Betroffene stellt sie umfassende
Materialien zur Unterstützung der Diagnostik sowie zur Information
bezüglich der im Zusammenhang mit FASD auftretenden sozialrecht-
lichen Fragen zur Verfügung.

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19
1.3
Besserer Spielerschutz beim Glücksspiel
Im Juli 2021 tritt der neue Glücksspielstaatsvertrag der Bundesländer
in Kraft. Dieser schafft einen neuen Rechtsrahmen insbesondere für
das Spiel im Netz. Doch auch heute schon gelten klare Regeln, sowohl
für Kasinos, als auch für das Automatenspiel und die vielfältigen
Online-Angebote. Die Drogenbeauftragte tritt nachdrücklich für eine
wirkungsvolle Durchsetzung der bestehenden Regeln zum Spieler-
und Jugendschutz sowie die Untersagung illegaler Angebote ein.
ABBILDUNG 5
Intensiver Austausch mit Innenministern und Medienkonzernen
Selbst zu Zeiten der SARS-CoV-2-Pandemie haben Anbieter unerlaub-
ter Online-Casinos im Fernsehen intensiv für ihre Angebote geworben
– und das teilweise zur besten Sendezeit. Gerade während der
Beschränkungen des öffentlichen Lebens erreichte die Werbung mehr
Personen als zuvor. Die Drogenbeauftragte hat die Innenminister der
Bundesländer aufgefordert, konsequent gegen Unternehmen vorzu-
gehen, die für Glücksspiel im Fernsehen werben. Darüber hinaus hat
sie die Medienkonzerne aufgefordert, die Ausstrahlung unerlaubter
Glücksspielwerbung zu unterlassen.
Die BZgA klärt über die Gefahren des Glücksspiels auf und bietet
Betroffenen Hilfe: Die Kampagne
„Spiel nicht bis zur Glücksspiel-
sucht“
informiert über ein Internetportal über Glücksspielsucht und
bietet regionale Hilfeangebote bei problematischem oder süchtigem
Spielverhalten an.
www.spielen-mit-verantwortung.de

20
Jahresbericht 2020 | Prävention
„Check dein Spiel“
ist ein Internetangebot mit Wissens- und Selbst-
test und evaluiertem Online-Verhaltensänderungsprogramm „Check
out“. Zudem können auf der Seite Broschüren zum Thema Glücksspiel
auf Deutsch und in ausgewählten Fremdsprachen bestellt werden. Ein
weiteres professionelles und niedrigschwelliges Angebot bietet die
BZgA-Telefonberatung zur Glücksspielsucht. Unter der kostenlosen
Telefonnummer 0800-1372700 werden täglich anonyme Beratungen
und Informationen angeboten.
www.check-dein-spiel.de
Ein Forschungsbericht der BZgA zu „Glücksspielverhalten und
Glücksspielsucht in Deutschland“ kommt zu folgenden
Ergebnissen:
In Deutschland leben ca. 229.000 Menschen mit
problematischem
und
ca. 200.000 mit pathologischem Glückspielverhalten.
Das Suchtpotenzial ist bei Automaten- und Casinospielen,
sei es terrestrisch oder online, am größten.
Bei Sportwetten zeigt sich ein erhöhtes Risiko.
Lotterien weisen das geringste Risiko auf.
Ein Viertel der Glücksspielenden gibt regelmäßig mehr als
50 Euro pro Monat für Glücksspiel aus.
Hauptmotive für das Glücksspielen sind „der Wunsch nach
Geldgewinn“ und „Spaß haben wollen“.
Mehr als 60 Prozent aller Glücksspielenden geben an, durch
Glücksspiel einen finanziellen Verlust erlitten zu haben.
Info

 
21
1.4
Gesunder Umgang mit digitalen Medien
Einer der Handlungsschwerpunkte der Drogenbeauftragten betrifft
den gesunden und suchtfreien Umgang mit digitalen Medien.
„Digitale Medien sind für uns mittlerweile
selbstverständlich, gehören einfach zum
Leben dazu. Trotzdem müssen wir genau
wissen, wie viel Surfen, Chatten oder Gamen
in Ordnung ist und ab wann es ‚zu viel‘ wird.
Dafür brauchen wir klare Regeln und prakti-
sche Tipps. Gerade Eltern müssen ihren Kin-
dern die digitale Welt erklären, sie begleiten
und selbst ein gutes Vorbild sein.“
Daniela Ludwig

22
Jahresbericht 2020 | Prävention
1.4.1
Kampagne„Familie.Freunde.Follower“
Mit ihrer Kampagne „Familie.Freunde.Follower“ bietet die Drogenbe-
auftragte eine fachlich abgestimmte und niedrigschwellige Hilfestel-
lung für einen gesunden Alltag mit Bildschirmmedien in den Familien.
Eine aktuelle bevölkerungsrepräsentative Erhebung im Auftrag der
Drogenbeauftragten macht deutlich, dass der Informationsbedarf zur
Bildschirmmediennutzung erneut gestiegen ist.
Aus diesem Grund wurde die bisherige Aktion „Leben mit Medien“
umfassend überarbeitet und als Kampagne mit dem Titel „Familie.
Freunde.Follower“ gestartet. Wesentliche Grundlage der Kampagne
sind die offiziellen Empfehlungen der Kinder- und Jugendärzte zum
Umgang mit Bildschirmmedien, die im Auftrag des BMG erarbeitet
wurden.
Die Kampagne wird gemeinsam mit vielen Partnern realisiert, unter
anderem der Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär MdB,
der Kultusministerkonferenz und dem Bundeselternrat.
Seit Kampagnenbeginn wurden vielfältige Aktivitäten und zahlreiche
Maßnahmen realisiert. Beispielsweise wurden ein Flyer und ein Plakat
entwickelt, ein Radiospot erstellt und Social-Media-Inhalte erarbeitet.
Im Rahmen des Projektes Klasse2000 hat die Drogenbeauftragte die
Patenschaft für eine Schulklasse übernommen und bundesweit
Grund- und Sonderschulen in einem Mailing über das Projekt und die
Kampagne „Familie.Freunde.Follower“ informiert.
Die Erstauflage des Flyers und des Plakats lag bei jeweils 35.000 Ex-
emplaren und war bereits im Oktober 2020 weitgehend vergriffen. Die
Kampagnenpartner haben im IV. Quartal 2020 umfassend über ihre
Kommunikationskanäle auf die Kampagne hingewiesen. Bundespres-
seamt (BPA) und BMG haben die Tipps in ihren Kanälen aufgegriffen
und die Sichtbarkeit dadurch deutlich erhöht. Der Radiospot konnte
mit Unterstützung des BPA an zahlreiche Rundfunkanbieter zur
ABBILDUNG 6
Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage (2.069 Personen
deutschlandweit ab 18 Jahren) im Auftrag der Drogenbeauftragten der
Bundesregierung: Meinungstrend INSA, Juli 2020
der Befragten sagen:
„Schulen sollten mehr
Medienkompetenz
vermitteln.“
Unterstützung erwünscht
Eine aktuelle Erhebung zum Mediengebrauch ergab:

image
image
image
image
23
ABBILDUNG 8
Daniela Ludwig MdB, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, und
Dorothee Bär MdB, Staatsministerin für Digitalisierung
ABBILDUNG 7
Kampagnenmotive „Familie.Freunde.Follower“
„Die Aktion
‚Familie.Freunde.Follower‘
vermittelt wertvolle Tipps
zum Umgang mit digitalen
Medien. Medienkompetenz
ist ein Megathema, damit
digitale Medien Spaß und
nicht krank machen!“
Daniela Ludwig
kostenlosen Ausstrahlung vermittelt werden. Ein weiterer Schwer-
punkt ist die Dialogreihe #upDATE, in der zahlreiche Fachgespräche,
Ortstermine und Best-Practice-Besuche gebündelt werden.
Die Kampagne wird sich in den kommenden Monaten verstetigen und
Familien an möglichst vielen Kontaktstellen (z. B. in Kitas, Schulen,
Wartebereichen, im Web, über Social Media und Pressearbeit)
ansprechen.
www.familiefreundefollower.de
Zeit für die
Familie?
bildschirmfrei!
Essenszeit ist
Vorbild?
Ihre Gewohnheiten ab!
Kinder schauen sich

image
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24
Jahresbericht 2020 | Prävention
Hintergrund:
Im Mai 2019 hat die WHO die Diagnose pathologische Computer-
spielnutzung (Internet Gaming Disorder) in die 11. Revision der
International Classification of Diseases (ICD-11) aufgenommen. In
diesem Katalog finden sich alle weltweit verbreiteten Diagnosen. Er
soll 2022 in Kraft treten.
Die riskante und pathologische Nutzung von Computerspielen und
Social Media nach den neuen ICD-11-Kriterien der WHO wurde durch
das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters
am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erstmalig untersucht.
Die Studie ging auch der Frage nach, ob es unter den Bedingungen der
durch das Coronavirus SARS-CoV-2 verursachten Pandemie zu einer
Veränderung des Nutzungsverhaltens von Kindern und Eltern
gekommen ist.
ABBILDUNG 9
Kampagne Familie.Freunde.Follower – Best-Practice-Besuch im LIN

25
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
15,8
9,4
keine regelmäßige
Nutzung
71,5
79,2
unauffällige Nutzung
10
#
8,2
+
riskante Nutzung
2,7
*
3,2
§
pathologische
Nutzung
Im Herbst 2019 waren nach den neuen ICD-11-Kriterien rund 3 Prozent aller
Kinder und Jugendlichen süchtig nach Gaming oder Social Media
Quelle: DAK-Längsschnittstudie „Mediensucht 2020 –
Gaming, Social-Media in Zeiten von Corona“
Angaben in Prozent
#
Entspricht ca. 535.000 der
10- bis 17-Jährigen in Deutschland
+
Entspricht ca. 438.700 der
10- bis 17-Jährigen in Deutschland
*
Entspricht ca. 144.500 der
10- bis 17-Jährigen in Deutschland
§
Entspricht ca. 171.200 der
10- bis 17-Jährigen in Deutschland
Gaming
Social Media
10- bis 17-Jährigen ein riskantes Spielverhalten. Pathologisches
Gaming wird bei 2,7 Prozent festgestellt. Die Zahl der betroffenen
Jungen liegt mit 3,7 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die der
Mädchen (1,6 Prozent). In absoluten Zahlen sind von riskanter oder
pathologischer Nutzung damit fast 700.000 Kinder und Jugendliche
betroffen.
Erste Zwischenergebnisse dieser neuen, von der Krankenkasse DAK
initiierten repräsentativen Längsschnittstudie wurden zusammen mit
der Drogenbeauftragten im Juli 2020 vorgestellt. In rund 1.200 Fami-
lien wurden die Häufigkeiten pathologischer und riskanter Internet-
nutzung für Spiele und soziale Medien bei Kindern und Jugendlichen
betrachtet. Das Ergebnis: Im September 2019 zeigen 10 Prozent der
ABBILDUNG 10
DAK-Studie „Mediensucht 2020 – Gaming, Social-Media in Zeiten von Corona“

26
Jahresbericht 2020 | Prävention
ABBILDUNG 11
DAK-Studie „Mediensucht 2020 – Gaming, Social-Media in Zeiten von Corona“
Laut der Studie nehmen während des Frühjahrslockdowns die
Nutzungszeiten deutlich zu. Im Vergleich zum September 2019 steigt
im Mai 2020 die Spieldauer in der Woche um 75 Prozent an. Werktags
klettern die durchschnittlichen Gamingzeiten von 79 auf 139 Minuten
an. Am Wochenende gibt es einen Anstieg um fast 30 Prozent auf
193 Minuten pro Tag.
Ähnlich problematisch wie Onlinespiele sind Social-Media-Aktivitäten.
Im September 2019 zeigen 8,2 Prozent der befragten Kinder und
Jugendliche eine riskante Nutzung. Das entspricht hochgerechnet fast
440.000 der 10- bis 17-Jährigen. Eine pathologische Nutzung wird bei
rund 170.000 Jungen und Mädchen (3,2 Prozent) festgestellt. Während
des Lockdowns steigen die Social-Media-Zeiten werktags um 66 Pro-
zent an – von 116 auf 193 Minuten pro Tag.
0
50
100
150
200
250
Werktags nutzten Kinder und Jugendliche während des Lockdowns sehr viel länger
Games und soziale Medien als noch vergangenes Jahr
79,19
***
138,59
+75,01%
115,96
***
192,93
+66,38%
Gaming
Social Media
Quelle: DAK-Längsschnittstudie „Mediensucht 2020 –
Gaming, Social-Media in Zeiten von Corona“
durchschnittliche Minuten pro Tag
Regelmäßige Nutzung = Nutzung mindestens 1 × die Woche
Signifikanzen:
***
p < 0,001

27
Gaming und soziale Medien werden vor allem genutzt, um Langeweile
zu bekämpfen oder soziale Kontakte aufrechtzuerhalten. Rund ein
Drittel der Jungen und Mädchen will online aber auch der „Realität
entfliehen“ oder Stress abbauen. Laut Studie geben 50 Prozent der
Eltern an, dass es in ihrer Familie vor und unter der durch das Corona-
virus SARS-CoV-2 verursachten Pandemie keine zeitlichen Regeln für
die Mediennutzung gibt.
Ob die Mediensucht durch Schulschließungen und eingeschränkte
Freizeitaktivitäten tatsächlich wächst, soll die Längsschnittstudie in
einer abschließenden Befragung der teilnehmenden Familien im
Frühjahr 2021 zeigen.
OMPRIS – Onlinebasiertes Motivationsprogramm zur Reduktion
des problematischen Medienkonsums und Förderung der
Behandlungsmotivation bei Menschen mit Computerspiel-
abhängigkeit und Internetsucht:
Im August 2020 startete OMPRIS, ein onlinebasiertes Motivations-
programm zur Reduktion von problematischem Medienkonsum.
Finanziert wird das Projekt durch Mittel des Innovationsfonds des
Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Das Forschungsprojekt
unter Leitung der Klinik für Psychosomatische Medizin und
Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums Bochum im
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zielt darauf ab, einer
chronischen Suchtentwicklung entgegenzuwirken. Problematische
Internet- und Computerspielnutzung soll möglichst früh erkannt
und präventiv behandelt werden. Dafür wurde ein onlinebasiertes,
durch Beraterinnen und Berater begleitetes Selbsthilfeprogramm
entwickelt und erprobt, das frühzeitig bei Betroffenen die Motiva-
tion zur Verhaltensänderung stärken und Suchtsymptome reduzie-
ren soll. Betroffene können an diesem Programm online teilneh-
men und werden somit am Ort ihrer problematischen Nutzung
abgeholt. Es gibt unterschiedliche Module und Gruppen, je
nachdem, welche Art der schädlichen Internetnutzung vorliegt:
Computerspielsucht, Cybersexsucht, allgemeine Internetsucht oder
die Abhängigkeit von sozialen Medien.
Info

image
28
Jahresbericht 2020 | Prävention
1.4.2 Novellierung des Jugendschutzgesetzes
Einen Beitrag zum Schutz von Kindern und Jugendlichen leistet der
Jugendmedienschutz – vorausgesetzt, er ist auf der Höhe der Zeit und
insbesondere der technischen Entwicklung. Die aktuelle Rechtslage
stammt noch aus der Zeit von CD-ROM und Videokassette. Das
federführende Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend (BMFSFJ) hat einen Referentenentwurf vorgelegt, der den
Kinder- und Jugendmedienschutz umfänglich an die aktuellen, aber
auch technischen Rahmenbedingungen anpassen soll. Künftig sollen
alle hauptsächlich von Kindern und Jugendlichen genutzten interakti-
ven Internetdienste ihre Angebote so gestalten, dass Minderjährige
etwa durch sichere Voreinstellungen sowie Melde-und Beschwerde-
systeme besser geschützt sind. Die Drogenbeauftragte setzt sich dafür
ein, dass auch suchtfördernde Faktoren in der Beurteilung der entwick-
lungsbeeinträchtigenden Wirkung von Medien berücksichtigt werden.
ABBILDUNG 12
Austausch zum Medienkonsum mit BVKJ und DAKJ

 
29
1.5
Cannabisprävention für Jugendliche und junge
Erwachsene
Einen besonderen Handlungsschwerpunkt setzt die Drogenbeauftrag-
te bei der Aufklärung über die mit dem Konsum von Cannabis
verbundenen Gesundheitsrisiken. Denn: Keine andere Droge ist bei
Jugendlichen so sehr ein Thema.
„Es ist an der Zeit, die Hemmschwelle zu
überwinden, über illegale Drogen offen
und ehrlich zu sprechen. Damit Kinder
und Jugendliche die gesundheitlichen
Risiken des Cannabiskonsums kennen und
richtig einschätzen können, müssen wir mit
ihnen in ihren Kommunikationskanälen
sprechen.“
Daniela Ludwig
Es wird geschätzt, dass fast jeder zehnte Cannabiskonsument eine
Abhängigkeit entwickelt. Beginnt man bereits im Jugendalter, Canna-
bis zu konsumieren, so liegt die Wahrscheinlichkeit bei 17 Prozent.
Cannabis kann die Hirnleistung beeinträchtigen. Abhängig vom
Konsumverhalten zeigen sich zum Teil erhebliche Beeinträchtigungen
bei der Lern- und Erinnerungsleistung, aber auch negative Auswirkun-
gen auf andere kognitive Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Problem-
lösen und Denkleistung. Insbesondere beim Konsum im Jugendalter
ist unklar, ob diese Schäden reversibel sind.
Die neue Website
www.cannabispraevention.de
richtet sich adressa-
tenspezifisch an Jugendliche,
ihre Bezugspersonen sowie Lehr- und
Fachkräfte. Die sachlich-informative Website wird kontinuierlich und
crossmedial erweitert (u. a. mit Kurzvideos, interaktiven Tools,
Printmedien), durch Social Media beworben und ergänzt das etablierte
BZgA-Portal drugcom.de, das sich an konsumaffine Personen wendet.
www.cannabispraevention.de

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30
Jahresbericht 2020 | Prävention
1.5.1 Kampagne „Mach Dich Schlau“
Auf Initiative und unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten
der Bundesregierung, Daniela Ludwig, hat die BZgA einen Kreativwett-
bewerb zur Social-Media-Cannabisprävention im Jugendalter veran-
staltet. Aufgerufen waren kreative Akteure, Ideen für die Entwicklung
und Umsetzung eines digitalen Präventionskonzeptes einzureichen.
Ziel ist die jugendgerechte Vermittlung von Faktenwissen und
Präventionsbotschaften zu Cannabis. Dabei sollen vorrangig 14- bis
18-Jährige nichtkonsumierende Jugendliche erreicht werden.
Das am 29. Mai 2020 gestartete Social-Media-Präventionsprojekt soll
der Zielgruppe dort begegnen, wo sie tagtäglich miteinander kommu-
niziert sowie Fotos und Stories teilt: in den sozialen Netzwerken. Ziel
ist es, junge Menschen über die gesundheitlichen Risiken des Canna-
biskonsums zu informieren, sie über die möglichen Langzeitfolgen
aufzuklären und ihre Gesundheits- und Risikokompetenz zu stärken.
Mit der Aufforderung „Mach Dich Schlau!“ sollen Jugendliche über
Infotainmentformate (sog. Short-Stories) von Influencern zu Risiken
des Cannabiskonsums aufgeklärt und motiviert werden, diese
weiterzuverbreiten. Darüber hinaus soll ein reger Dialog ange stoßen
und auf die neuen bundesweiten Angebote der BZgA zur Cannabisprä-
vention aufmerksam gemacht werden.
Die Kampagne korrespondiert mit einem neuen Informationsportal.
Parallel hat der Bund die neue Webseite
www.cannabispraevention.de
für Jugendliche entwickelt. Diese ergänzt das BZgA-Informations-
angebot
www.drugcom.de
, das sich vorrangig an drogenaffine junge
Erwachsene richtet. Begleitet wird der Start des Internetangebots
www.cannabispraevention.de
von der Social-Media-Kampagne
„Mach Dich schlau“.
Diese soll junge Menschen zur kritischen Ausein-
andersetzung mit der Substanz Cannabis anregen.
ABBILDUNG 13
Pressekonferenz zum Start der Social-Media-Kampagne „Mach Dich Schlau!“
(v. l. n. r. Kay Lübbers BUZZ; Daniela Ludwig MdB, Drogenbeauftragte der
Bundesregierung; Prof. Dr. Heidrun Thaiss, Direktorin der BZgA)

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image
image
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31
Neben Informationen für Jugendliche bietet die neue Seite auch einen
Service für Eltern, Lehr- und Fachkräfte. Schulen werden zusätzlich
mit neuem BZgA-Unterrichtsmaterial zum Thema Cannabis unter-
stützt, das auch digital eingesetzt werden kann.
Mit der begleitenden Social-Media-Kampagne „Mach Dich schlau“ der
Agentur BUZZ MEDIEN aus Berlin wird das prämierte Konzept eines
Kreativwettbewerbs umgesetzt, den die BZgA gemeinsam mit der
Drogenbeauftragten der Bundesregierung im Frühjahr 2020 durchge-
führt hat.
Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Deutsch-
land. Aktuelle Daten der BZgA belegen, dass bundesweit 10,4 Prozent
der 12- bis 17-Jährigen Cannabis schon einmal konsumiert haben. Bei
den 18- bis 25-Jährigen sind es bereits 46,4 Pro-
zent. Klinische Studien zeigen, dass der Konsum
von Cannabis mit erheblichen Gesundheitsrisi-
ken verbunden ist.
„Mit der Aktion ‚Mach Dich
Schlau‘ betreten wir Neuland
bei der Cannabisprävention.
‚Mach Dich Schlau‘ soll dabei
helfen, dass Kinder und
Jugendliche selbstbewusst,
laut und deutlich ‚Nein‘ zu
Cannabis sagen!“
Daniela Ludwig
ABBILDUNG 14
Social-Media-Cards zu Cannabisfakten
ABBILDUNG 15
Logo der Social-Media-
Kampagne „Mach Dich Schlau!“

32
Jahresbericht 2020 | Prävention
1.5.2 Maßnahmenpaket für die Cannabisprävention in
den Schulen
In einigen Bundesländern etablierte, personalkommunikative Präven-
tionsangebote in den Settings Schule, Berufsschule oder Jugendfrei-
zeiteinrichtung, u. a. der Parcours „Cannabis – Quo vadis?“ und der
„Methodenkoffer Cannabisprävention“, werden im Rahmen einer
Zuwendung durch die BZgA mit Mitteln des Bundes bis 2021 auf
Wirksamkeit, Optimierungspotenzial und eine bundesweite Transfer-
tauglichkeit evaluiert.
Für die schulische Cannabisprävention ist seit diesem Jahr zudem
neues didaktisches Unterrichtsmaterial für die Klassen 8 bis 12
verfügbar, das in Zukunft noch um Filmmaterialien ergänzt wird. Die
Unterrichtsmaterialien sind ausdrücklich auch als digitale Angebote
konzipiert, um beispielsweise in Homeschooling-Konzepte eingebun-
den werden zu können.
https:/
/www.starkstattbreit.nrw.de/
Methodenkoffer-Cannabis-Praevention

33
Im Bereich der Forschung liegen Ergebnisse einer Sekundäranalyse
der in verschiedenen Jahren und Regionen erhobenen „SCHULBUS“-
Daten zum Cannabiskonsum im Jugendalter in einer themenspezi-
fischen Analyse vor.
Diese Studie wird seit 2004 regelmäßig von der Sucht.Hamburg
gGmbH in Hamburg und anlasssorientiert in anderen Regionen
Deutschlands durchgeführt, um die Hintergründe bei Schülerinnen
und Schülern im Alter von 14 bis 17 Jahren systematisch zu erfassen.
Unter anderem konnte mit dieser Sekundäranalyse Folgendes
festgestellt werden:
Jugendliche, die grundsätzlich kein Interesse am
Cannabiskonsum haben,
gehen in ihrer Freizeit häufiger kreativen Hobbies nach,
begeistern sich verstärkt für das Lesen von Büchern zum reinen
Vergnügen,
pflegen generell intensivere Kontakte zu ihren verschiedenen
Bezugspersonen,
sprechen sich nicht nur in Bezug auf Cannabis, sondern auch mit
Blick auf den Zugang zu anderen Suchtmitteln für eher strengere
staatliche Regelungen aus,
scheinen in ihrer Konsumverzichtshaltung gefestigt und würden,
wenn der Zugriff auf Cannabis für Erwachsene gelockert werden
würde, nicht in den Konsum einsteigen.
Konsumerfahrene Jugendliche – und insbesondere diejenigen
unter ihnen mit problematischem Konsum – fallen u. a. dadurch
auf, dass
die ersten Konsumerfahrungen in sehr jungem Alter erfolgen,
auch im schulischen Kontext Cannabis konsumiert wird,
zunehmende Konsumintensität mit Rückzugstendenzen
einhergeht und fernab der ‚klassischen Settings‘ auch allein zu
Hause Cannabis konsumiert wird,
die Loslösung vom Elternhaus früher erfolgt und der Bezug zu
gleichaltrigen Peers intensiviert wird,
die schulische Gesamtsituation spürbar schlechter eingeschätzt
wird,
sich eine deutliche Unzufriedenheit in allen relevanten Alltags-
aspekten und v. a. in Bezug auf die eigene Person und auf das
Leben insgesamt abzeichnet.
Die Erkenntnisse sind insbesondere in Bezug zu den Motiven der
Jugendlichen, die kein Cannabis konsumieren, und für den Ausbau
des Lebenskompetenzansatzes für die Cannabisprävention der BZgA
von Bedeutung.
Info
www.sucht-hamburg.de

 
34
Jahresbericht 2020 | Prävention
1.6
Mehr Unterstützung für Kinder aus
suchtbelasteten Familien
Langfristige Suchtprävention beginnt im Kindesalter. Besonders gefährdet,
später eine eigene Suchterkrankung oder andere psychische Erkrankun-
gen zu entwickeln, sind die Kinder suchtkranker Eltern: Schätzungen
zufolge entwickelt jedes dritte von ihnen später eine eigene Suchterkran-
kung, ein weiteres Drittel eine andere psychische Erkrankung. Die
Forschung zeigt jedoch, dass diese Entwicklung beeinflussbar ist.
Betroffene Kinder und Jugendliche können begleitet und gestärkt
werden, lange bevor eine eigene Störung auftritt. Die Spannbreite der
Möglichkeiten ist groß. Sie reicht von einem aufmerksamen Umfeld
über ehrenamtliche Patenschaften bis zu professionellen Einzel- oder
auch Gruppenangeboten. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel
gesetzt, die Situation der Kinder suchtkranker Eltern zu verbessern.
„Mit dem Abschlussbericht liegt endlich eine
Blaupause vor, was Politik und Gesellschaft
tun können, um die Situation der Betroffenen
zu verbessern. Jetzt müssen diese Empfehlun-
gen möglichst schnell in der Praxis umgesetzt
werden, damit die Hilfe dort ankommt, wo sie
dringend gebraucht wird!“
Daniela Ludwig
In Deutschland leben circa 3 Millionen Kinder mit mindestens einem
suchtbelasteten Elternteil. Damit ist jedes 4. bis 5. Kind betroffen.
Der Großteil davon, ca. 2,65 Millionen Kinder, lebt in einem
Haushalt mit alkoholkranken Eltern, ca. 40.000 bis 60.000 Kinder
haben Eltern, die illegale Substanzen konsumieren. Hinzu
kommen Verhaltenssüchte, etwa die Glücksspielabhängigkeit.
Info
1.6.1. Besseres Zusammenspiel
der Sozialsysteme
Im Dezember 2019 hat die von der Bundesregierung eingesetzte
Arbeitsgruppe „Kinder psychisch und suchtkranker Eltern“ (AG KpkE)
ihren gemeinsam von Expertinnen und Experten sowie den zuständi-
gen Ressorts der Bundesregierung erarbeiteten Abschlussbericht
vorgelegt.
„Sucht im Elternhaus bedeutet für viele
Kinder eine extreme Belastung: Dauerstress,
Verunsicherung und Scham bestimmen
ihren Alltag. All das bleibt nicht ohne
Folgen.“
Daniela Ludwig

35
Der Abschlussbericht ist online auf der Webseite der AG KpkE
abrufbar. Dieser enthält einen breiten Strauß an Empfehlungen, auf
die sich die Mitglieder der AG nach intensiven und teils kontroversen
Diskussionen verständigen konnten. Dazu gehören u. a.
Empfehlungen,
den Aufbau interdisziplinärer und systemübergreifender Netz-
werke zu fördern,
die Familien in ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld auf kommu-
naler oder regionaler Ebene zu unterstützen,
einen besseren Zugang zu präventiven Leistungen für Kinder und
Jugendliche aller Altersgruppen sowie für ihre Familien zu
schaffen,
Familien bei der Orientierung an den Schnittstellen der Leistungs-
systeme im Sinne einer Lotsenfunktion zu unterstützen und
die Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit zwischen der
Kinder- und Jugendhilfe und dem Gesundheitswesen zu
verbessern.
Auch wird empfohlen, das derzeit noch bestehende Erfordernis des
Vorliegens einer „Not- und Konfliktlage“ beim eigenen Beratungsan-
spruch nach dem SGB VIII für Kinder und Jugendliche zu streichen.
BMG und BMFSFJ haben zugesagt, die in ihren Zuständigkeitsbereich
fallenden Empfehlungen zeitnah umzusetzen. Hiermit wurde bereits
begonnen. Beispielsweise wurde die gesetzliche Sicherstellung im
SGB V zur wechselseitigen Informationsübermittlung über erbrachte
Leistungen der Krankenkassen und der Träger der Jugendhilfe zur
besseren Abstimmung und Kooperation (Empfehlung 13, Information
des ÖGD und der Jugendhilfe über Leistungen der GKV in Lebenswel-
ten) geregelt. Der Inhalt dieser Empfehlung wurde bereits mit dem
Masernschutzgesetz umgesetzt. Weitere Schritte werden folgen,
u. a. durch das Kinder- und Jugendschutzgesetz.
1.6.2 Förderprojekte auf Bundesebene
Unterstützt werden die oben genannten Ziele u. a. durch seitens des
BMG geförderte Projekte zur Aufklärung über psychische Erkrankun-
gen und Suchterkrankungen, zur Entstigmatisierung von psychischen
und suchterkrankten Menschen sowie zur besseren Kooperation der
Akteure.
Dazu zählt u. a. das Projekt „Steuerungswissen und Handlungs-
orientierung für den Aufbau effektiver interdisziplinärer Versor-
gungsnetzwerke für suchtbelastete Familien (IKJ Mainz)“. Mit
diesem Projekt soll untersucht werden, unter welchen Rahmen-
bedingungen der Aufbau funktionaler Versorgungsstrukturen
gelingen kann und ob das Konzept der kooperativen Leistungser-
www.ag-kpke.de
bringung zwischen Jugend- und Suchthilfe in der Praxis

36
Jahresbericht 2020 | Prävention
funktioniert, um suchtbelastete Familien und ihre Kinder wirksam
zu unterstützen.
Im Rahmen des Projektes „SHIFT PLUS“ wird die Entwicklung und
Evaluierung eines Gruppenprogramms für drogenabhängige Eltern
mit Kindern zwischen 0 und 8 Jahren gefördert. Ziel ist es, die
Elternkompetenzen und die Resilienz zu stärken sowie die Bereit-
schaft und Fähigkeit von Eltern zu Abstinenz und Inanspruchnahme
von Hilfen zu unterstützen.
Auch das BMFSFJ fördert Projekte, welche die Vernetzung der Akteure
unterstützen, etwa das Projekt „Bundesweite Vernetzung von Akteu-
ren des Hilfesystems für Kinder suchtkranker Eltern“ des Interessen-
verbandes NACOA.
Einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der kommunalen
Präventionsstrukturen mit Blick auf Kinder aus suchtbelasteten
Familien leistet zudem das GKV-Bündnis mit seinem kommunalen
Förderprogramm. Darin wird das Thema „Kinder und Jugendliche
aus suchtbelasteten und/oder psychisch belasteten Familien“
direkt adressiert. Für diese Zielgruppe kann jede Kommune in
Deutschland eine Förderung in Höhe von circa 110.000 Euro
binnen vier Jahren erhalten, mit der zielgruppenspezifische
Projekte (u. a. zur Alkoholprävention) in kommunaler Verantwor-
tung umgesetzt werden können.
Der GKV-Spitzenverband fördert das kommunale Engagement
durch einen Sonderpreis im Rahmen des Bundeswettbewerbs
„Vorbildliche Strategien kommunaler Suchtprävention“. Das
Thema des Sonderpreises im Jahr 2020 lautete: „Gesundheitsför-
derung und Prävention für Kinder aus suchtbelasteten Familien“.
Maßnahmen weiterer Akteure:
https:/
/www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/
kinder-und-jugend
https:/
/www.gkv-buendnis.de/foerderprogramm/
zielgruppenspezifische-interventionen/

37
1.6.3 Gezielte Unterstützung während der
SARS-CoV-2-Pandemie
Gerade Kinder aus suchtbelasteten Familien leiden besonders unter
den Folgen der SARS-CoV-2-Pandemie: In der Phase des Lockdowns
wachsen die Belastungen in den Familien noch einmal, weil Unterstüt-
zung durch das schulische oder wohnörtliche Umfeld wegfällt oder
Hilfsangebote nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Die
Bundesregierung hat deshalb vielfältige Maßnahmen ergriffen, um
Kinder suchterkrankter Eltern während der SARS-CoV-2-Pandemie
bestmöglich zu schützen und zu unterstützen.
Auf Initiative der Drogenbeauftragten fördert das Bundesgesund-
heitsministerium deshalb kurzfristig das Projekt „KidKit Learning“,
mit 150.000 Euro. Unter anderem wird KidKit im Rahmen dieses
Projektes ein Schulungsprogramm für Lehrerinnen und Lehrer zur
Erkennung von Kindern aus suchtbelasteten Familien und dem
richtigen Umgang mit ihnen entwickeln und etwa 200 Pädagogin-
nen und Pädagogen entsprechend schulen.
Das BMFSFJ fördert zudem das Online-Angebot „Innovative
Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten von Corona – Forum Transfer“
(
www.forum-transfer.de
), welches das Institut für Sozialpädagogi-
sche Forschung
Mainz gemeinsam mit der Internationalen
Gesellschaft für erzieherische Hilfen, dem Deutschen Institut für
Jugendhilfe- und Familienrecht sowie der Universität Hildesheim
aufgebaut hat. Auf der Webseite finden sich u. a. aktuelle
Hinweise, Empfehlungen und fachlich systematisierte Beispiele
„guter Praxis“ zu den verschiedenen Themenbereichen der
Kinder- und Jugendhilfe zur Bewältigung der besonderen Situation
für die Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe und Online-
Seminare zu unterschiedlichen Themenfeldern.
Zudem hat das BMFSFJ die Telefon- und Online-Beratungs-
angebote ausgebaut und die „Nummer gegen Kummer“
(
www.nummergegenkummer.de
) gestärkt, um die Erreichbarkeit
des Kinder-
und Jugendtelefons, des Elterntelefons sowie der
Online-Beratung für junge Menschen zu erhöhen. Das BMFSFJ hat
außerdem die Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erzie-
hungsberatung e. V. (
www.bke.de
) aufgestockt und die Beratungs-
kapazität
um 40 Prozent erhöht. Des Weiteren wurden das
Beratungsportal Jugendmigrationsdienste (
www.jmd4you.de
) und
das Beratungsportal Off Road
Kids für junge Menschen auf der
Straße (
www.sofahopper.de
) ausgebaut. Außerdem fördert das
BMFSFJ
seit dem 1. Mai 2020 den Ausbau des Online-Beratungs-
angebotes von „JugendNotmail“ (
www.jugendnotmail.de
). Damit
verbunden
ist auch die Förderung der Entwicklung einer „App“, um
das Angebot von „JugendNotmail“ auch auf mobilen Endgeräten
verfügbar zu machen.

image
38
Jahresbericht 2020 | Behandlung und Beratung

 
39
Angebote der Behandlung und Beratung machen die zweite Säule der
Nationalen Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik aus.
Ambulante Einrichtungen führen 86 Prozent der Behandlungs- und
Beratungsmaßnahmen durch. Davon entfallen wiederum 83 Prozent
auf die Drogen- und Suchtberatung. Hinzu kommen Maßnahmen der
ambulanten Rehabilitationsbehandlung. In stationären Einrichtungen
stellen die Suchtbehandlungen mit einem Anteil von 93 Prozent die am
häufigsten angebotene Maßnahme dar. Im Jahr 2018 wurden in 861
ambulanten und 137 stationären Einrichtungen, die sich an der
Deutschen Suchthilfestatistik (DSHS) beteiligt haben, 325.052 ambu-
lante Maßnahmen und 31.188 stationäre Behandlungen durchgeführt.
2.1
Stärkung der kommunalen Suchtberatung
Ein Eckpfeiler unseres Suchthilfesystems sind die übergreifenden oder
auf spezielle Abhängigkeitserkrankungen fokussierten Suchtbera-
tungsangebote vor Ort. Sie sind in der Regel kommunal finanziert. Mit
ihrer Jahrestagung 2019 „Sucht im Fokus – Kommunen engagiert vor
Ort“ hat die Drogenbeauftragte die kommunalen Gestaltungsmöglich-
keiten in der Suchtprävention und -beratung sowie Fragen der
ambulanten Suchtbehandlung in den Fokus der suchtpolitischen
Debatte gerückt.
Hintergrund waren die vielfältigen Berichte über kontinuierlich
steigende Anforderungen an die Arbeit der Beratungseinrichtungen
2 Behandlung und Beratung
bei zugleich stagnierender oder lediglich minimal steigender finanziel-
ler Ausstattung, etwa der „Notruf Suchtberatung – stabile Finanzie-
rung jetzt“ der Suchthilfeverbände vom April 2019. Sowohl eine
vorausgehende wissenschaftliche Aufarbeitung als auch die Tagung
selbst bestätigten die vielfach kritische Beschreibung der Mittelaus-
stattung der Beratungseinrichtungen. Allerdings zeigte sich auch, dass
sich die Situation in den Kommunen erheblich unterscheidet. Deutlich
wurde zudem, dass sowohl die Kommunen als auch die Träger der
Beratungseinrichtungen über Möglichkeiten verfügen, die Effizienz der
eigenen Arbeit in diesem Feld zu steigern, und hiervon bisher ebenfalls
sehr unterschiedlich Gebrauch gemacht wird.
„Sucht ist eine Krankheit und sie ist behandel-
bar. Umso wichtiger ist, dass jeder die Bera-
tung und Behandlung bekommt, die er
braucht. Schon vor Corona habe ich landauf,
landab für eine ausreichende Finanzierung
der Beratungsstellen geworben. Jetzt in der
Coronakrise ist ein echter Kraftakt erforder-
lich, um die Beratung zu bieten, die benötigt
wird – sowohl von den Einrichtungen selbst
als auch von jenen, die sie bezahlen.“
Daniela Ludwig

 
40
Jahresbericht 2020 | Behandlung und Beratung
Ebenfalls entscheidend für den Erfolg suchttherapeutischer
Maßnahmen ist die nachfolgende berufliche Perspektive. Die
Bundesregierung unterstützt die Teilhabemöglichkeiten sucht-
kranker Menschen durch verschiedene spezifische Maßnahmen:
Im Mai 2020 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales
(BMAS) einen zweiten Förderaufruf zum Bundesprogramm
„Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben – rehapro“
gestartet. Im Rahmen des Bundesprogramms rehapro sollen
neue Wege gefunden werden, um die Erwerbsfähigkeit von
Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen besser als
bisher zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Mit der Erprobung
innovativer Ideen und Konzepte im Bereich der medizinischen
und beruflichen Rehabilitation möchte das BMAS wirksame
Info
Ansätze identifizieren, die verstetigt und in das Regelangebot der
Jobcenter und Rentenversicherungsträger übernommen werden
können. Zwei aktuelle Beispiele: Das Projekt der Deutschen
Rentenversicherung Oldenburg-Bremen „Steuern mit dem
Rehakompass: Alle in einem Boot.“ zielt auf ein besseres Schnitt-
stellenmanagement zur frühzeitigen Ermittlung des Rehabilita-
tionsbedarfs und rechtzeitigen Vermittlung in die Rehabilitation
von Menschen mit Suchterkrankungen (SEMRES) ab.
Mit dem Modellprojekt Berufsorientierte Teilhabebegleitung in
der Rehabilitation von Abhängigkeitserkrankungen (BORA-TB)
erprobt die Deutsche Rentenversicherung Westfalen eine
Teilhabebegleitung als neue Leistung für abhängigkeitserkrankte
Rehabilitanden.
2.2
Stabilisierung der Suchtbehandlung während der
SARS-CoV-2-Pandemie
Die wohl zentrale Herausforderung für Leistungs- und Kostenträger in
der Suchthilfe besteht zurzeit darin, die Durchführung der Maßnah-
men der Suchtbehandlung trotz der mit der Coronakrise verbundenen
Gefahren und Anforderungen zu sichern. Gerade zu Beginn der Krise
kam es zu bzw. drohten vielfältige Einschränkungen. Hintergrund
waren etwa die COVID-19-Verordnungen der Bundesländer, die
Krankenhausplanung, Regelungen der Renten- bzw. Gesetzlichen
Krankenversicherung (GKV) oder der bloße Mangel an Schutzausrüstung.
Nach einer kurzen Phase der Orientierung und der Intervention seitens
der Drogenbeauftragten machten sowohl die Rentenversicherung als

image
image
41
ABBILDUNG 16
Social-Media-Post im
Lockdown: Suchtbehand-
lung aufrechterhalten
auch die GKV deutlich, dass Leistungen für suchterkrankte Menschen
grundsätzlich weitergeführt und auch neue Leistungen bewilligt
werden sollten. Die Leistungsträger haben dazu Empfehlungen für die
Durchführung der Leistungen einer (ganztägig) ambulanten und
stationären Rehabilitation Abhängigkeitskranker herausgegeben. Ziel
ist es dabei, auch zu Zeiten der Pandemie erforderliche Leistungen
nahtlos zur Verfügung zu stellen, und zwar in den Teilbereichen
„stationäre Rehabilitation“, „ganztägig ambulante
Rehabilitation“, „ambulante Rehabilitation“ und
„Suchtnachsorge“. Zudem bietet die Deutsche
Rentenversicherung eine spezielle Beratung zu den
mit Corona verbundenen Fragen in ihrem Bereich an.
Ganz wesentlich ist es in der Pandemie, die Substitu-
tionsbehandlung weiterhin uneingeschränkt zu
ermöglichen. Daher wurden mehrere Regelungen der
Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV)
an die besondere Situation angepasst (mehr dazu siehe
Kapitel 3.1).

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42
Jahresbericht 2020 | Behandlung und Beratung
2.3
Behandlung und Beratung beim Konsum
von Alkohol
Um Ärztinnen und Ärzte bei der Ansprache von Patientinnnen und
Patienten zu unterstützen, die einen gesundheitlich bedenklichen
Konsum von Alkohol aufweisen, haben BZgA und Bundesärztekammer
im Rahmen des Projektes „Kenn dein Limit“ einen Leitfaden entwickelt
mit dem Titel „Alkoholkonsum bei Patientinnen und Patienten
ansprechen“. Dieser ist ab sofort kostenfrei bei der BZgA bestellbar.
Den Leitfaden ergänzend bietet die BZgA ein Faltblatt „Alkoholkon-
sum bei Patientinnen und Patienten ansprechen. Auszüge aus dem
ärztlichen Manual“ mit wesentlichen Informationen.
Ein Überblick über die in ambulanten und stationären Suchthilfeein-
richtungen gestellten Hauptdiagnosen zeigt die Bedeutung von
Alkoholerkrankungen im Behandlungsspektrum (gefolgt von Erkran-
kungen im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Cannabinoiden
und Opioiden).
ABBILDUNG 17
Ärztliches Manual zur Prävention und Behandlung von riskantem,
schädlichem und abhängigem Konsum
https:/
/www.kenn-dein-limit.de/alkohol/
infomaterial/beratungsmanuale/detail/?
tx_bzgashop_fe6[articleNumber]=1225&
tx_bzgashop_fe6[parentArticles]=0&
cHash=e52b2335f3b52075bdc0bb2a03eaaa03

43
9,8 %
Opioide
4,1 %
19,3 %
Cannabinoide
9,5 %
0,7 %
Sedativa
0,8 %
2,9 %
Kokain
2,9 %
6,3 %
Stimulanzien
6,2 %
1,0 %
Tabak
0,1 %
3,7 %
7,5 %
0,9 %
Esstörungen
0,1 %
Andere psychotrope
Substanzen
5,0 %
3,0 %
Pathologisches
Glücksspiel
1,2 %
0,3 %
Exzessive
Mediennutzung
49,0 %
Alkohol
65,4 %
Quelle: Deutsche Suchthilfestatistik (DSHS)
Datenjahr 2019
Ambulante
Einrichtungen
Stationäre
Rehabilitations-
einrichtungen
Verteilung der Hauptdiagnosen
(ambulante Einrichtungen – stationäre Rehabilitationseinrichtungen)
ABBILDUNG 18
Übersicht zu Behandlungsdiagnosen in ambulanten und stationären Einrichtungen

 
44
Jahresbericht 2020 | Behandlung und Beratung
2.4
Mehr Gewicht für die Raucherentwöhnung
Circa 30 Prozent der stationär behandelten Patientinnen und Patien-
ten in Deutschland sind Tabakkonsumierende. Die Tabakentwöhnung
als wichtigste therapeutische Maßnahme trägt wesentlich dazu bei,
die Symptomatik und Prognose von Patientinnen und Patienten mit
einer chronischen obstruktiven Lungenerkrankung (chronic obstructive
pulmonary disease, „COPD“), Asthma und interstitiellen Lungen-
erkrankungen zu verbessern. Entsprechendes gilt für kardiovaskuläre
Erkrankungen und eine Vielzahl anderer Erkrankungen. Außerdem
senkt ein Rauchausstieg das Risiko von Krebserkrankungen
beträchtlich.
Gerade während der SARS-CoV-2-Pandemie wächst der Handlungs-
druck noch einmal. Nach aktuellem Studienstand gehören Raucherin-
nen und Raucher zu dem Personenkreis, für den ein erhöhtes Risiko
für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit
COVID-19 besteht. Dies bestätigen sowohl die BZgA
(vgl.
www.infektionsschutz.de/coronavirus/fragen-und-
antworten/ansteckung-und-krankheitsverlauf.html
) als auch die
Weltgesundheitsorganisation
(WHO) in ihrem Statement vom
11. Mai 2020.
„Heute fangen viel weniger Menschen mit
dem Rauchen an als noch vor 20 Jahren. Das
ist ein Erfolg! Dennoch müssen wir weiter
daran arbeiten, dass Raucher zu Nicht-
rauchern werden. Dafür brauchen wir neue
Impulse: Rauchausstiegskampagnen mit
klaren Botschaften und eine Diskussion über
eine umfangreichere Unterstützung der
Krankenkassen!“
Daniela Ludwig

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45
Schon heute unterstützt die GKV den Rauchausstieg. Das geltende
Recht sieht die Möglichkeit einer anteiligen Unterstützung von
verhaltenstherapeutischen Interventionen durch die Krankenkassen
gemäß § 20 SGB V („Prävention“) vor.
Im Frühherbst fand im BMG ein Fachgespräch zur Klärung des
weiteren Handlungsbedarfs statt.
Unter der Schirmherrschaft und in Zusammenarbeit mit der Drogen-
beauftragten ruft im Herbst 2020 eine breit angelegte Kampagne der
Krankenkasse BARMER zum Rauchausstieg auf. Sie adressiert dabei
unter anderem die mit dem Rauchen verbundenen
Umweltbeeinträchtigungen.
ABBILDUNG 19
Drogenbeauftragte und BARMER starten Rauchstoppkampagne
https://youtu.be/JI3Bdgd0SKU

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46
Jahresbericht 2020 | Schadensreduzierung

 
47
3 Schadensreduzierung
Überlebenshilfen und Maßnahmen zur Schadensreduzierung bilden
die dritte Säule der Nationalen Strategie. „Harm reduction“ kann
helfen, drogenbedingte Todesfälle oder konsumbedingte Infektionen
zu verhindern und die gesundheitliche und soziale Situation von
Drogenkonsumenten und -konsumentinnen zu verbessern. Häufig
schafft erst die gesundheitliche und soziale Stabilisierung die Voraus-
setzungen für weitere therapeutische Maßnahmen.
2019 starben in Deutschland 1.398 Menschen im Zusammenhang mit
dem Konsum von Drogen. Dies bedeutet einen Anstieg von 9,6 Pro-
zent gegenüber dem Vorjahr (1.276). Haupttodesursache waren, wie in
den vergangenen fünf Jahren, Überdosen von Opioiden wie Heroin
oder Morphin sowie Überdosen in Kombination mit anderen Substan-
zen. Besonders auffällig ist die Zunahme der Zahl der Todesfälle
aufgrund der Folgen des langjährigen Drogenmissbrauchs. Der Anteil
derjenigen, die aufgrund von Langzeitschädigungen in Kombination
mit Intoxikationsfolge starben, stieg im letzten Jahr signifikant von 38
auf 172.

 
48
Jahresbericht 2020 | Schadensreduzierung
3.1
Sicherung der Substitutionsbehandlung
Mit der Drogenersatztherapie – auch Substitution genannt – steht
eine Behandlung zur Verfügung, die vielen Opioidabhängigen eine
gesundheitliche sowie soziale Stabilisierung ermöglicht. Die Versor-
gungslage insbesondere in ländlichen Gegenden ist jedoch nach wie
vor nicht zufriedenstellend. Hinzu kommt, dass immer mehr Substitu-
tionsärztinnen und -ärzte in den Ruhestand gehen, sich aber gleichzei-
tig viel zu wenige neue Ärztinnen und Ärzte finden, die eine Substitu-
tionsbehandlung in ihren Praxen anbieten wollen. Dem stehen
steigende Patientenzahlen gegenüber.
„Substitution kann Leben retten und dabei
helfen, wieder Stabilität ins Leben zu bekom-
men. Wir brauchen deshalb dringend eine
flächendeckende Substitutionsversorgung.
Gerade in ländlichen Gebieten muss da noch
einiges passieren. Und wir müssen dringend
mehr Ärztinnen und Ärzte dafür gewinnen,
diese Behandlung anzubieten!“
Daniela Ludwig
3.1.1
Runder
Tisch
Substitutionsbehandlung
Die Drogenbeauftragte hat Ende Juni 2020 Vertreter der Kassenärzt-
lichen Vereinigungen, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und
der Bundesärztekammer zu einem Runden Tisch eingeladen und zu
weiteren konkreten Maßnahmen zur Sicherstellung der Substitutions-
behandlung aufgerufen. Dabei hat die Drogenbeauftragte insbesonde-
re gegenüber den Kassenärztlichen Vereinigungen den Wunsch
Modell Substitutionspakt Baden-Württemberg:
In Baden-Württemberg wurde im November 2019 eine Vereinba-
rung getroffen, um zeitnah die Substitutionsversorgung vor Ort
im Sinne des komplexen und teilhabeorientierten Behandlungs-
ansatzes zu verbessern und zu stabilisieren. Die Beteiligten sind
das Ministerium für Soziales und Integration, die KV Baden-
Württemberg, die Landesärztekammer, die Krankenkassen, der
Land- und der Städtetag, die Landessstelle für Suchtfragen, die
Landesapothekerkammer und die Deutsche Rentenversicherung
Baden-Württemberg.
Info

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49
ABBILDUNG 20
Runder Tisch Substitution auf Einladung der Drogenbeauftragten
geäußert, den guten Beispielen einiger Bundesländer zu folgen und
unter Berücksichtigung der vielfältigen Flexibilisierungen, die das
Bundesrecht seit der letzten Reform der Betäubungsmittel-Verschrei-
bungsverordnung (BtMVV) vorsieht, umfassende Schritte zur Siche-
rung der Versorgung einzuleiten. Es wurde allseits vereinbart, den
begonnenen Dialog fortzusetzen.
Weiterentwicklung der Betäubungsmittel-
Verschreibungsverordnung
Ein Ziel der 3. Verordnung zur Änderung der
BtMVV aus dem Jahr 2017 ist es, mehr
Ärztinnen und Ärzte zur Durchführung von
Substitutionsbehandlungen zu bewegen und
in ländlich strukturierten Gebieten die
Behandlung der Patienten flächendeckend
sicherzustellen. Inwieweit dies mithilfe der
neuen Regelungen gelingt, wird derzeit
evaluiert. Ein besonderer Fokus dabei sind die
Effekte der 3. BtMVVÄndV aus Versorger- und
Patientensicht. In mehreren Untersuchungs-
modulen werden länderübergreifend sowie
für einzelne Bundesländer (KV-/Ärztekam-
merbezirke) die routinemäßig erfassten
Informationen projektbegleitend erhoben und
systematisch ausgewertet. Zudem werden
Ärztinnen/Ärzte, Patientinnen/Patienten und
Apothekerinnen/Apotheker (in definierten
Modellregionen) direkt befragt.
Info

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50
Jahresbericht 2020 | Schadensreduzierung
3.1.2 Flexible Regelungen für die Pandemiezeit
Die Drogenbeauftragte hat sich bereits vor dem Lockdown dafür
eingesetzt, Maßnahmen zur Sicherung der Substitutionsbehandlung
während der SARS-CoV-2-Pandemie einzuleiten – Versorgungslücken
können für Substitutionspatienten und -patientinnen lebensgefährlich
sein.
Mit der SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung vom
21. April 2020 hat das BMG so auch frühzeitig wesentliche Regelungen
der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) an die
pandemiebedingten Herausforderungen angepasst. Zentrale Ziele
waren die Aufrechterhaltung der Versorgung und die Senkung der
Infektionsgefahr für Patientinnen, Patienten und Praxispersonal.
Beispielsweise dürfen Substitutionsärztinnen und -ärzte jetzt mehr
Patientinnen und Patienten behandeln als in Normalsituationen.
ABBILDUNG 21
Social-Media-Post zur EilVO BtMVV neue Substitutionsregeln in der Pandemie

51
Außerdem hat sich die Drogenbeauftragte an die Gesundheitsministe-
rinnen und Gesundheitsminister der Bundesländer sowie die Vorstän-
de der Kassenärztlichen Vereinigungen gewandt und diese aufgefor-
dert, im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten alles zu tun, um die
Versorgung während der Krise zu sichern. Dies betrifft sowohl die
ärztliche Vergütung als auch die Ausübung der Aufsicht oder die
Versorgung mit Schutzausrüstung.
Ferner dürfen Ärztinnen und Ärzte nach sorgfältiger Abwägung
Patientinnen und Patienten mehr Substitutionsmittel verschreiben,
und zwar für bis zu sieben, in bestimmten Fällen bis zu 30 Tage. Ist
eine Einnahme des Medikaments unter Beobachtung von medizini-
schem, pharmazeutischem oder pflegerischem Personal nicht möglich,
kann der Arzt nach seinem Ermessen anderes Personal mit dieser
Aufgabe beauftragen. Um auch außerhalb der Arztpraxis eine kontinu-
ierliche ambulante Betreuung von Substitutionspatientinnen und
Substitutionspatienten zu ermöglichen, können Apothekenboten
eingesetzt werden. Der Patient hat dann das Substitutionsmittel vor
den Augen des Apothekenboten einzunehmen. Bei der Verschreibung
von Folgerezepten dürfen Ärzte von einer persönlichen Konsultation
absehen. Alle Maßnahmen dienen dazu, dort, wo medizinisch gut
vertretbar, Infektionsrisiken zu minimieren und die Substitutionsver-
sorgung sicherzustellen.
"Man kann sich nicht über Drogenkonsum
auf der Straße oder Spielplätzen beschweren
und gleichzeitig die Augen vor wirksamer,
niedrigschwelliger Schadensminimierung
– Beispiel Substitution – verschließen."
Daniela Ludwig
Sehr begrüßt hat sie vor diesem Hintergrund die Eröffnung einer
neuen Substitutionsambulanz im Drob Inn Beratungs- und Gesund-
heitszentrum St. Georg in Hamburg Anfang April 2020. Hiermit wurde
nicht nur eine zusätzliche zentrale Anlaufstelle für Substitutionspa-
tientinnen und -patienten eingerichtet. Gleichzeitig wurden die
Voraussetzungen für eine Behandlung nicht krankenversicherter
Patientinnen und Patienten geschaffen. Man erhofft sich davon unter
anderem eine Aufnahme bislang unbehandelter Opioidabhängiger in
Hamburg in die Substitutionsbehandlung.

52
Jahresbericht 2020 | Schadensreduzierung
Aktuelles Substitutionsregister
Jährlich veröffentlicht das Bundesinstitut für Arzneimittel und
Medizinprodukte (BfArM) einen Bericht zum Substitutionsregister.
Alle Ärzte, die Substitutionsmittel für Opioidabhängige verschreiben,
haben der Bundesopiumstelle im BfArM bestimmte Angaben zu
melden.
2019 haben insgesamt 2.607 Substitutionsärzte Patienten an das
Substitutionsregister gemeldet.
Die substituierenden Ärzte melden dem Substitutionsregister für jeden
Substitutionspatienten das Substitutionsmittel mit seiner Wirkstoff-
bezeichnung (Methadon, Levomethadon, Buprenorphin etc.).
Das überwiegend gemeldete Substitutionsmittel ist Methadon mit
38,1 Prozent, dessen Anteil jedoch seit 2002 jährlich um etwa 2 Pro-
zent zurückgeht (Abbildung 5). Der Anteil von Levomethadon hin-
gegen steigt kontinuierlich an und hat inzwischen 35,9 Prozent
erreicht. Der Anteil von Buprenorphin liegt seit fünf Jahren konstant
bei ca. 23 Prozent.
Die Anzahl der Substitutionsärztinnen und -ärzte ist zwar insgesamt
seit 2015 mit etwa 2.600 noch weitgehend stabil. Allerdings droht
aufgrund des hohen Altersdurchschnitts der substituierenden
Ärztinnen und Ärzte in den kommenden Jahren aus Altersgründen ein
erheblicher Rückgang.
Bundesland
gemeldete Patienten
am Stichtag 1.
Juli 2019
substituierende
Ärzte in 2019
Baden-Württemberg
10.257
399
Bayern
8.411
336
Berlin
5.584
147
Brandenburg
106
17
Bremen
1.774
57
Hamburg
3.952
92
Hessen
7.696
217
Mecklenburg-Vorpommern
275
29
Niedersachsen
7.806
258
Nordrhein-Westfalen
25.765
726
Rheinland-Pfalz
2.241
85
Saarland
665
19
Sachsen
669
47
Sachsen-Anhalt
749
33
Schleswig-Holstein
3.391
123
Thüringen
401
22
TABELLE 2
Übersicht zur Substitutionsbehandlung in den Bundesländern
Quelle: Bundesinstitut für
Arzneimittel und Medizinprodukte/
Substitutionsregister

≤ 0,5
5,25
≥ 10,0
keine substituierenden
Ärzte registriert
53
ABBILDUNG 22
Anzahl der meldenden, substituierenden Ärzte pro 100.000 Einwohner je Kreis
bzw. kreisfreie Stadt im 1. Halbjahr 2019
In Kreisen und kreisfreien Städten mit weißen Flächen sind keine substituierenden Ärzte registriert.
Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte/Substitutionsregister

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54
Jahresbericht 2020 | Schadensreduzierung
3.2
Einsatz
von
Naloxon
Etwa die Hälfte aller drogenbedingten Todesfälle in Deutschland steht
im Zusammenhang mit einer Opioidvergiftung. Naloxon ist ein
Antiopiat und kann die Wirkungen einer Überdosis für einige Zeit
aufheben und somit kurzfristig Leben retten. Obwohl Naloxon in Form
eines Nasensprays seit zwei Jahren an Konsumentinnen und Konsu-
menten verschrieben werden kann und erstattungsfähig ist, wird es
noch nicht flächendeckend eingesetzt.
„Naloxon ist einfach, schnell und rettet Leben!
Ich setze mich mit aller Kraft dafür ein, dass
dieses Nasenspray in ganz Deutschland
verfügbar ist!“
Daniela Ludwig
Bayern erprobt – nachfolgend zu Projekten anderer Bundesländer
– die Vergabe von Naloxonsprays an Abhängige zusammen mit einer
Notfallschulung, an der auch Angehörige teilnehmen können, in einem
Modellprojekt. Im Rahmen dieser Schulungen werden sowohl
Konsumierende als auch ihr Umfeld auf den Notfall vorbereitet.
Die Drogenbeauftragte strebt weitere Schritte an, um die Verbreitung
von Naloxon in der „Szene“ zu erhöhen. Eine Ausstattung von
ABBILDUNG 23
Erfahrungsaustausch zum Einsatz von Naloxon
Mitarbeitenden niedrigschwelliger Drogenhilfeeinrichtungen, Street-
workern, Freunden und Familienmitgliedern wird auch durch die WHO
und die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht
(EMCDDA) empfohlen.

image
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55
ABBILDUNG 24
Besuch im Drogenkonsumraum Eastside
3.3
Drogenkonsumräume
Drogenkonsumräume bieten Schwerstabhängigen eine Möglichkeit
zum Konsum selbst mitgebrachter Substanzen unter risikominimie-
renden Bedingungen. Drogenkonsumräume stehen für einen prakti-
zierten Safer Use sowie die Minimierung und die Vermeidung von
weiteren Schäden und Infektionen durch den Konsum. Sie stellen
steriles Spritzbesteck, Pflaster, Tupfer und sonstige Einwegmaterialien
kostenfrei zur Verfügung. Zudem trägt die Verlagerung des Drogen-
konsums von der Straße in einen Drogenkonsumraum dazu bei, dass
öffentlicher Raum von konsumspezifischen Verunreinigen und
Szeneansammlungen entlastet wird. Der Besitz der mitgebrachten
illegalen Substanz zum Eigenverbrauch wird an diesen Orten geduldet.
Das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) erlaubt unter bestimmten
Voraussetzungen den Betrieb von Drogenkonsumräumen. Nach
§ 10a BtMG, der die Mindestanforderungen an diese Einrichtungen
gesetzlich festlegt, können die Bundesländer per Verordnungen die
Voraussetzungen zur Erteilung einer Erlaubnis für den Betrieb von
Drogenkonsumräumen definieren. Hiervon haben 8 Bundesländer
Gebrauch gemacht. Im September 2020 hat in Bremen der erste
Drogenkonsumraum seine Türen geöffnet. Damit steigt die Zahl
der Drogenkonsumräume in Deutschland auf 28.
Info
„Drogenkonsumräume sind extrem wichtige
Anlaufstellen, um riskante Folgen des Kon-
sums zu reduzieren, und zwar sowohl für die
Konsumenten als auch für die Allgemeinheit.
Ich stehe ohne Wenn und Aber zu diesem
Konzept und habe große Hochachtung vor
allen, die dort arbeiten.“
Daniela Ludwig

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56
Jahresbericht 2020 | Schadensreduzierung
3.4
Folgeerkankungen HIV, Hepatitis B und C
Seit März 2020 können Suchthilfeeinrichtungen und Einrichtungen der
Sucht- und Aidshilfe niedrigschwellige Schnelltests auf HIV und
Hepatitis C durchführen, ohne dass die Anwesenheit eines Arztes
erforderlich ist. Möglich ist dies aufgrund einer Änderung des Infek-
tionsschutzgesetzes und einer Anpassung der Medizinprodukteabga-
benverordnung. Suchthilfeeinrichtungen können hierdurch eine
umfassendere Beratung anbieten und den Weg in eine Behandlung
begleiten.
Besonders gefährdete Personengruppen für die Infektion mit HIV
oder Hepatitis B und C sind injizierende Drogenkonsumierende. Das
RKI schätzt, dass in Deutschland zwischen 176.000 und 476.000 Men-
schen mit Hepatitis C infiziert sind. Studien zeigen, dass die Hepati-
tis-C-Prävalenz in Deutschland bei injizierenden Drogengebrauchen-
den zwischen 37 und 75 Prozent und die bei Gefängnisinsassen
zwischen 8,6 und 17,6 Prozent liegt. In der Allgemeinbevölkerung liegt
sie bei ca. 0,3 Prozent. Ein häufiger Infektionsgrund ist das Verwenden
und Teilen gebrauchter Spritzen. Hepatitis C kann mit Medikamenten
mittlerweile gut behandelt und oft geheilt werden. Auch eine früh
erkannte und konsequent behandelte HIV-Infektion lässt sich
mittlerweile gut aufhalten.
ABBILDUNG 25
Besuch im Drogenkonsumraum des „Eastside“, Frankfurt a. Main

image
 
57
3.5
Analysegestützte Beratung – eine Option?
Viele illegale Drogen sind in den vergangenen Jahren potenter
geworden. Gleichzeitig variiert der Reinheitsgehalt illegaler Drogen
erheblich. Immer wieder gelangen verunreinigte oder megapotente
Drogen auf den Schwarzmarkt. Für Konsumierende kann dies schwere
körperliche, wenn nicht sogar tödliche Folgen haben. In den letzten
fünf Jahren ist die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Kokain,
Amphetamin und synthetischen Drogen von 143 auf 268 gestiegen.
Vor diesem Hintergrund spricht sich die Drogenbeauftragte für eine
deutliche Intensivierung der Prävention auch gegenüber illegalen
Drogen aus. Außerdem setzt sie sich für eine unvoreingenommene
Prüfung der Potenziale und der rechtlichen Realisierbarkeit einer
sogenannten „Analysegestützten Beratung“ ein. Hierbei handelt es
sich um eine Form des Drug-Checkings, bei der nicht die stoffliche
Analyse, sondern ein Beratungsgespräch durch geschulte Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeiter der Suchthilfe im Vordergrund steht. Im
Februar 2020 hat das BMG zu einem orientierenden Fachgespräch
eingeladen. Daran nahmen neben der Drogenbeauftragten u. a. Ver-
treter der Bundesländer, der Suchthilfe und der Polizei teil. Die
Diskussion zeigt, dass die Positionen sowohl im Bund als auch unter
den Ländern noch weit auseinanderliegen.
ABBILDUNG 26
Besuch eines Drug-Checking-Projektes in Österreich

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58
Jahresbericht 2020 | Angebotsreduzierung und Strafverfolgung

 
59
4
Angebotsreduzierung
und
Strafverfolgung
Maßnahmen der Angebotsreduzierung und Strafverfolgung stellen die
vierte Säule der Nationalen Strategie der Drogen- und Suchtpolitik
dar. Einen rechtlichen Rahmen setzen diesbezüglich insbesondere das
BtMG und das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG). Die Anlagen
des BtMG und die Anlage des NpSG wurden im Juli dieses Jahres an
den aktuellen Stand der Erkenntnisse angepasst. Ein besonderes
Augenmerk galt dabei synthetischen Cannabinoiden – gut 90 Prozent
der sichergestellten neuen psychoaktiven Stoffe gehören dieser
Stoffgruppe an:
4.1.
Erweiterung des BtMG und des NpSG
Das synthetische Cannabinoid 5F-MDMB-PICA, das sich als nicht nur
gering psychoaktiv und als in besonderer Weise gesundheitsgefähr-
dend erwiesen hat und im größeren Ausmaß missbräuchlich verwen-
det wurde, wurde in die Anlage des BtMGs aufgenommen. Der Besitz
dieses Cannabinoids ist nunmehr strafbar.
Auch die Anlage des NpSG wurde angepasst und die unter Nummer 2.1.4
definierte Seitenkette der von Indol, Pyrazol und 4-Chinolon abgeleite-
ten Verbindungen durch Neufassung von Buchstabe b und Anfügung
von Buchstabe c erweitert, sodass nunmehr weitere synthetische
Cannabinoide vom Anwendungsbereich des Gesetzes erfasst werden.
„Weder Strafverfolgung noch Prävention ,
weder Schadensminderung noch Behandlung
machen für sich allein Sinn – wir brauchen all
diese Elemente gemeinsam. Mit dem BtMG
und dem NpSG haben wir zwei wirkungsvolle
und klug aufeinander abgestimmte Instru-
mente im Kampf gegen die organisierte
Drogenkriminalität.“
Daniela Ludwig

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60
Jahresbericht 2020 | Angebotsreduzierung und Strafverfolgung
4.2
Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität
In Deutschland ist die Bekämpfung der Drogenkriminalität – im Sinne
einer konsequenten und effektiven Strafverfolgung – Aufgabe der
Polizei der Bundesländer und des Bundeskriminalamts (BKA). Im
Bereich der Bekämpfung der international organisierten Drogenkrimi-
nalität wirken weiter die Generalzolldirektion und das Zollkriminalamt
(ZKA) mit. Das BKA ermittelt in Fällen des international organisierten
Drogenhandels von besonderer Bedeutung. Ziel ist nicht allein die
Aufklärung einzelner Straftaten, sondern vielmehr das Aufdecken von
Zusammenhängen, was ein Vorgehen gegen kriminelle Organisationen
ermöglicht. In der Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität
des BKA ist eine eigene Gruppe für Rauschgiftkriminalität angesiedelt.
34 Prozent der geführten Ermittlungsverfahren wegen organisierter
Kriminalität stehen im Zusammenhang mit Rauschgifthandel. Für den
Kampf gegen Straftaten im Internet hat das BKA im April 2020 die
Abteilung Cybercrime eingerichtet. Dies ist ein wichtiger Schritt
angesichts der fortschreitenden Digitalisierung und des wachsenden
Rauschgifthandels über das Internet.
ABBILDUNG 27
Erfahrungsaustausch mit dem Hamburger Zoll
„Wir müssen in der Prävention nachlegen,
gerade beim Thema Kokain. Hierbei brau-
chen wir mehr gemeinsames Engagement
und ein gut abgestimmtes Vorgehen in den
kommenden Jahren!“
Daniela Ludwig

61
Bundeslagebild Rauschgiftkriminalität 2019
Die Anzahl der in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erfassten
Rauschgiftdelikte stieg bereits im neunten Jahr in Folge an. Im Jahr
2019 lag dieser Wert mit 359.747 erfassten Rauschgiftdelikten
2,6 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Der internationale
Rauschgifthandel ist weiterhin Hauptbetätigungsfeld Organisierter
Kriminalität. Am Gesamtvolumen der Straftaten (5.436.401) betrug
der Anteil der Rauschgiftdelikte 2019 ca. 7 Prozent. Da Rauschgift-
kriminalität sog. „Kontrollkriminalität“ ist, d. h., dass der weit
überwiegende Anteil der polizeilichen Erkenntnisse zu diesem
Phänomen durch eigeninitiierte (Kontroll-)Maßnahmen der
Strafverfolgungsbehörden gewonnen wird, ist von einem hohen
Dunkelfeld auszugehen.
Im Jahr 2019 wurden 31.474 Handelsdelikte mit Cannabis
registriert (-1,2 Prozent). Der Anteil der Cannabishandelsdelikte an
allen Rauschgifthandelsdelikten entsprach rund 60 Prozent. Damit
bleibt Cannabis das mit Abstand meist gehandelte Betäubungsmit-
tel in Deutschland.
Auch im Jahr 2019 wurden mit 4.460 deutlich mehr Kokainhandels-
delikte festgestellt als im Vorjahr (+9,8 Prozent). Der Anteil der
Kokainhandelsdelikte an der Gesamtzahl der Rauschgifthandels-
delikte betrug ca. 8 Prozent. Seit dem Jahr 2017 sind die Sicherstel-
lungsmengen von Kokain in Deutschland signifikant angestiegen.
Nachdem im Jahr 2017 mit rund 8 Tonnen eine Rekordsicher-
stellungsmenge in Deutschland verzeichnet wurde, belief sich
die Gesamtsicherstellungsmenge im Jahr 2018 auf mindestens
5 Tonnen und erreichte im Jahr 2019 mit mindestens 10 Tonnen
ein neuerliches Rekordniveau.
Bei den Heroinhandelsdelikten war im Jahr 2019 ein Anstieg um
6,8 Prozent zu verzeichnen. Der Anteil der Heroinhandelsdelikte an
allen Rauschgifthandelsdelikten lag bei ca. 4 Prozent. Vereinzelt
werden Heroingroßsicherstellungen in Deutschland festgestellt.
Für das Jahr 2019 lässt sich eine Gesamtmindestmenge von
ca. einer Tonne feststellen, darunter eine Großsicherstellung von
690 Kilogramm. Im November 2019 wurden in Kasachstan
1,1 Tonnen Heroin sichergestellt, die nach Deutschland transpor-
tiert werden sollten. Es handelt sich um die bisher größte für
Deutschland bestimmte Heroinsicherstellung.

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62
Jahresbericht 2020 | Angebotsreduzierung und Strafverfolgung
Im Jahr 2019 wurden 1.620 Handelsdelikte mit kristallinem
Methamphetamin (Crystal) registriert (-9,4 Prozent). Der Anteil der
Crystalhandelsdelikte an allen Rauschgifthandelsdelikten lag bei
ca. 3 Prozent. In der Vergangenheit erfolgten die meisten Sicher-
stellungen von Crystal Meth in Regionen nahe der Tschechischen
Republik. Auch die Verbreitung von Crystal Meth war eher in den
Bundesländern Sachsen, Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und
mit Abstrichen in Brandenburg und Berlin zu verzeichnen. Dies hat
sich in den vergangenen ein bis zwei Jahren grundlegend geändert.
Das meiste in Deutschland sichergestellte Crystal Meth stammt
inzwischen aus den Niederlanden. In Deutschland wurden im Jahr
2019 mindestens 211,3 kg Crystal Meth sichergestellt (2018:
129,1 kg; + ca. 64 Prozent).
Der Handel mit Amphetamin ist 2019 um 6 Prozent zurückgegan-
gen. Der Anteil der Amphetaminhandelsdelikte an allen Rausch-
gifthandelsdelikten lag mit rund 11 Prozent allerdings auf dem
Vorjahresniveau und war somit weiterhin das am zweithäufigsten
gehandelte Betäubungsmittel in Deutschland. Der Anteil der
Handelsdelikte mit Ecstasy an allen Rauschgifthandelsdelikten
betrug ca. 5 Prozent.
Nachdem im Jahr 2018 in Deutschland zwei professionelle illegale
Großlabore im deutsch-niederländischen Grenzgebiet (NRW)
sichergestellt werden konnten, erfolgte auch im Jahr 2019 die
Zerschlagung eines hochprofessionellen Großlabors zur Amphet-
aminherstellung in NW sowie die Sicherstellung eines
ABBILDUNG 28
Drogenbeauftragte mit Drogenspürhund

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63
sogenannten Umwandlungslabors (Herstellung von Amphetamin
aus Amphetaminöl) und Tablettierplatzes (Herstellung von
Ecstasytabletten) in Berlin. Damit setzte sich ein möglicher Trend
der Verlagerung von Produktionskapazitäten aus den Niederlanden
nach Deutschland fort. Insgesamt wurden im Jahr 2019 31 illegale
Labore in Deutschland sichergestellt (v. a. zur illegalen Herstellung
von Amphetamin oder Methamphetamin). Dies bedeutet einen
deutlichen Anstieg der absoluten Laborsicherstellungszahlen
gegenüber dem Jahr 2018 (19 Labore), wobei mit Ausnahme der
beiden bereits genannten Fälle die Labore nur geringe Produk-
tionskapazitäten aufwiesen.
Eine weiterhin steigende Bedeutung weist der Vertrieb von
Betäubungsmitteln und Neuen psychoaktiven Stoffen (NPS) über
das Internet/Darknet auf. Es werden durch Strafverfolgungsbehör-
den im In- und Ausland z. B. immer wieder Darknet-Marktplätze
vom Netz genommen und Strafverfahren gegen sog. TOP-Vendo-
ren geführt. Die daraus erlangten Erkenntnisse zu den Verkaufs-
handlungen und zu dem Verkaufsvolumen verdeutlichen ein
immenses Ausmaß der Nutzung dieses Vertriebsweges für den
deutschen Rauschgiftmarkt.
Im betrachteten Zeitraum machten synthetische Cannabinoide mit
Abstand den größten Anteil der untersuchten NPS aus (über
80 Prozent der Fallzahlen mit rund 93 Prozent der erfassten
Sicherstellungsmengen). Sicherstellungsfälle von phenethylamin-
bzw. cathinonhaltigen Produkten sind nach Einführung des NpSG
deutlich zurückgegangen und haben nur noch einen Anteil von
11 Prozent. Sicherstellungen von Produkten mit opioidhaltigen
NPS, einschließlich Fentanyl-Derivaten, erfolgen nach Auswertung
der kriminaltechnischen Ergebnisse bisher in Deutschland nur in
geringfügigem Maße. Ihr Anteil liegt im gesamten Erfassungszeit-
raum konstant unter 1 Prozent.
ABBILDUNG 29
Vorstellung des Bundeslagebildes Rauschgiftkriminalität 2019
Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS)

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64
Jahresbericht 2020 | Internationale Tätigkeitsfelder

 
65
5
Internationale
Tätigkeitsfelder
Auf dem internationalen Parkett tritt die Drogenbeauftragte für einen
regelbasierten, multilateralen und ausgewogenen Ansatz in der
Drogen- und Suchtpolitik ein. Dies betrifft auch die entwicklungspoli-
tische Dimension der Drogenpolitik. Dieser Ansatz basiert auf den drei
Suchtstoffübereinkommen der Vereinten Nationen (VN), respektiert
die universellen Menschenrechte und stellt den Menschen in den
Mittelpunkt. Besonderes Augenmerk richtet sie im Rahmen der
laufenden deutschen Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union
(EU-Ratspräsidentschaft) auf die Stärkung der europäischen Zusam-
menarbeit in den Bereichen Prävention, Beratung/Behandlung/Hilfen
zum Ausstieg, Maßnahmen zur Schadensreduzierung und Repression.
5.1
Deutschlands Präsidentschaft im Rat der
Europäischen Union
Das drogenpolitische Programm der deutschen EU-Ratspräsident-
schaft lässt sich in zwei Bereiche unterteilen: Zum einen rückt die
Präsidentschaft Themen in den Vordergrund, die aus deutscher Sicht
auch europaweit größerer Beachtung bedürfen. Zum anderen wird die
Präsidentschaft – wie jede andere auch – durch regelmäßige Aufgaben
des jeweiligen Ratsvorsitzes geprägt. Dazu gehören die wiederkehren-
den Dialoge mit Drittstaaten und die Vorbereitung von Sitzungen und
Verhandlungen auf Ebene der Vereinten Nationen (VN), einschließlich
derjenigen zu den Empfehlungen zu Cannabis und cannabisverwand-
ten Stoffen der WHO (insbesondere informelle Sitzungen, die
wiedereröffnete 63. Sitzung der Suchtstoffkommission der Vereinten
Nationen (CND) und die 64. Sitzung der CND). Unter deutschem
Vorsitz berät der Rat derzeit über eine neue EU-Drogenstrategie
2021-2025.

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66
Jahresbericht 2020 | Internationale Tätigkeitsfelder
5.1.1 Mehr Unterstützung für vulnerable Gruppen
Auf Initiative der Drogenbeauftragten wirbt Deutschland im Rahmen
seiner EU-Ratspräsidentschaft für eine Drogenpolitik, die den
Bedürfnissen jener Menschen Rechnung trägt, die besonders gefähr-
det sind, einen gefährlichen Drogenkonsum zu entwickeln oder in
besonderer Weise unter den Folgen von Drogen und ihren Begleit-
erscheinungen zu leiden. Dies können beispielsweise Kinder sucht-
kranker oder psychisch kranker Eltern, Langzeitarbeitslose, Menschen
mit Behinderungen, aber auch Schwerstabhängige oder Kleinbäuerin-
nen und Kleinbauern in Drogenanbaugebieten sein.
ABBILDUNG 30
Eröffnung der ersten virtuellen Konferenz der Nationalen
Drogenkoordinierenden der EU-Mitgliedstaaten
„Wenn wir in der Drogenpolitik langfristig
etwas erreichen wollen, müssen wir früher
ansetzen. Wir müssen jenen zur Seite stehen,
die besonders gefährdet sind, Drogen zu
konsumieren. Hierzu gibt es in verschiedenen
Mitgliedstaaten schon sehr gute Ideen. Auch
die deutsche EU-Ratspräsidentschaft wollen
wir nutzen, um die Prävention bei besonders
gefährdeten Gruppen und die Frühinterven-
tion voranzutreiben. Nicht nur bei uns, son-
dern in ganz Europa.“
Daniela Ludwig

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67
Im Mittelpunkt einer virtuellen Konferenz aller Drogenkoordinieren-
den der EU-Mitgliedstaaten auf Einladung der Drogenbeauftragten
standen deshalb folgende Fragen: Wie kann schon im Rahmen der
Prävention der besonderen Vulnerabilität mancher Gruppen Rechnung
getragen werden? Welche Möglichkeiten der Frühintervention
bestehen? Welche Instrumente der Schadensreduzierung stehen zur
Verfügung? Um einen Einblick in die Arbeit vor Ort zur Prävention und
Schadensminimierung im Partysetting (1), die Substitutionsbehand-
lung (2) sowie die Arbeit eines Drogenkonsumraumes (3) zu vermitteln,
(1) Prävention im Partysetting
http:/
/safernightlife.ndc-euro2020.de
(2) Substitution vor Ort
http:/
/substitution.ndc-euro2020.de/
(3) Ein Drogenkonsumraum von innen
http:/
/harmreduction.ndc-euro2020.de
wurden im Rahmen des Treffens verschiede-
ne
virtuelle Exkursionen zu Einrichtungen
der Suchthilfe angeboten. Mit einem
internationalen Exkurs widmete sich die
Konferenz auch der besonderen Situation
von Kleinbäuerinnen und -bauern in
Drogenanbaugebieten und dem deutschen
Engagement im Bereich „Alternativer
Entwicklung“.

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68
Jahresbericht 2020 | Internationale Tätigkeitsfelder
ABBILDUNG 31
Visuelles Protokoll des NDC-Meetings am 14. Oktober 2020

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69

70
Jahresbericht 2020 | Internationale Tätigkeitsfelder
Allgemein dienen EU-Drogenstrategien dazu, eine gemeinsame
Position der EU im Bereich der europäischen Drogen- und Suchtpolitik
mit Blick auf neue Herausforderungen zu entwickeln und bewährte
Ansätze weiter zu festigen. Zur derzeitigen Strategie gehören zwei
aufeinanderfolgende Drogenaktionspläne, die ihrer Umsetzung dienen.
Diese Dokumente berücksichtigen auch die von der EU und ihren
Mitgliedstaaten eingegangenen internationalen Verpflichtungen. Die
EU-Drogenstrategie zielt darauf ab, „das Wohl der Gesellschaft und
des Einzelnen zu wahren und zu steigern, die Volksgesundheit zu
schützen, der Öffentlichkeit ein hohes Maß an Sicherheit zu bieten und
das Drogenphänomen mit einem ausgewogenen, integrierten und
faktengestützten Konzept anzugehen“ (EU-Drogenstrategie (2013–
2020)). Um diese Ziele zu erreichen, ist die aktuelle EU-Drogenstrategie
in die beiden Bereiche Reduzierung der Drogennachfrage und Reduzie-
rung des Drogenangebots sowie in die drei bereichsübergreifenden
Themen Koordinierung, internationale Zusammenarbeit sowie
Forschung, Information, Überwachung und Evaluierung gegliedert.
Info
Auf EU-Ebene arbeiten verschiedene Organe und Gremien aus
unterschiedlichen Blickwinkeln gemeinsam an der Umsetzung
dieser Strategie: Neben der EU-Kommission ist dies vor allem der
Rat der EU. In diesem pflegen die Mitgliedstaaten der EU vor allem
in der Ratsarbeitsgruppe Horizontale Gruppe „Drogen“ (HDG) einen
intensiven Austausch. Hier findet die Koordinierung der gemeinsa-
men Drogenpolitik statt und es werden Beschlüsse des Rates der EU
zu Drogenfragen vorbereitet. In der HDG laufen zudem alle
Informationen über drogenbezogene Fragen zusammen, die in
anderen Ratsarbeitsgruppen und Gremien behandelt werden
(beispielsweise Gesundheit, Strafrecht und Zoll).
Maßgeblich beteiligt
ist darüber hinaus – neben vielen anderen Akteuren – die Europäische
Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD). Zu ihren
Aufgaben gehört die Bereitstellung von objektiven und auf europäi-
scher Ebene vergleichbaren Informationen über die Drogen- und
Drogensuchtproblematik und ihre Folgen. Einmal jährlich gibt die
EBDD den Europäischen Drogenbericht heraus.
5.1.2 Zukünftige EU-Drogenstrategie
Am 24. Juli 2020 hat die EU-Kommission die Ergebnisse der Evaluation
der EU-Drogenstrategie (2013-2020) und des zugehörigen aktuellen
EU-Drogenaktionsplans 2017-2020 vorgelegt. Gleichzeitig
veröffentlichte sie im Rahmen ihrer Sicherheitsstrategie 2020-2025
auch eine Mitteilung „EU-Agenda zur Drogenbekämpfung und
Aktionsplan für den Zeitraum 2021-2025“. Es kommt Deutschlands

 
71
5.1.3 Erfahrungsaustausch über die Folgen der
SARS-CoV-2-Pandemie
Die deutsche Präsidentschaft im Rat der EU wird stark vom weiteren
Verlauf der durch das Coronavirus SARS-CoV-2 verursachten Pande-
mie und ihrer Bewältigung geprägt. Dies trifft auch auf den Bereich
der Drogenpolitik zu. Aus diesem Grund hat die Ratspräsidentschaft
beschlossen, als drittes Thema die Bewältigung der Auswirkungen
dieser Pandemie auf den Drogenbereich in den Mittelpunkt ihrer
Arbeit zu stellen. Zum Austausch der jeweiligen Erfahrungen und
Konzepte dient insbesondere die für die Drogenpolitik zuständige
Ratsarbeitsgruppe Horizontale Gruppe „Drogen“ (HDG).
5.2
Vereinte Nationen: Deutschland steht zum
regelbasierten Multilateralismus
Deutschland setzt im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit
mit der Drogenbeauftragten an der Spitze auf einen regelbasierten
und vertrauensvollen Multilateralismus, um dem Weltdrogenproblem
entgegenzutreten. Im Zentrum dieses regelbasierten Multilateralismus
stehen die VN und ihre Institutionen. Deutschland bringt sich
gemeinsam mit seinen europäischen Partnern aktiv ein, um das
bestehende internationale Drogenkontrollsystem zu stärken und
fortzuentwickeln. Dabei ist Deutschland einer der größten Geldgeber
für das Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung der VN (United
Nations Office on Drugs and Crime – UNODC).
„Die von der EU-Kommission vorgelegte
Drogenagenda betont zu Recht den Bereich
Angebotsreduzierung. Die Menge illegaler
Drogen auf dem Markt ist mittlerweile ein
echtes Sicherheitsproblem. Dabei dürfen
jedoch die Nachfragereduzierung und die
Schadensminderung nicht vernachlässigt
werden – ganz im Gegenteil!“
Daniela Ludwig
Präsidentschaft im Rat zu, die Diskussion der Ergebnisse der Evaluie-
rung und die Beratungen der Kommissionsmitteilung „EU-Agenda zur
Drogenbekämpfung und Aktionsplan für den Zeitraum 2021-2025“ im
Rat der EU zu moderieren. Es bleibt abzuwarten, inwieweit der Rat der
EU dieses Dokument in eine neue EU-Drogenstrategie einfließen
lassen wird. Eine neue EU-Drogenstrategie ist notwendig, da die
aktuelle Strategie Ende 2020 ausläuft.

72
Jahresbericht 2020 | Internationale Tätigkeitsfelder
Die Institutionen der Vereinten Nationen im Bereich der Drogenpolitik
Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung der Vereinten
Nationen (UNODC)
Das Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung der Vereinten
Nationen (United Nations Office on Drugs and Crime – UNODC)
unterstützt die Mitgliedstaaten in ihrem Kampf gegen illegale
Drogen, Kriminalität und Terrorismus. Es ist in allen Regionen der
Welt mit einem umfangreichen Netz von Außenstellen tätig. Es
fungiert als Sekretariat für den Internationalen Suchtstoffkontrollrat
und die Suchtstoffkommission und gibt – neben seinen zahlreichen
anderen Aktivitäten – den jährlichen Weltdrogenbericht heraus (zum
World Drug Report 2020).
Klassifizierung von Substanzen, spricht Empfehlungen zur Umset-
zung der Suchtstoffübereinkommen in Form von Resolutionen aus
und fungiert als Lenkungsgremium für das UNODC. Die CND
besteht aus 53 Mitgliedern, die nach regionaler Verteilung vom
Wirtschafts- und Sozialrat der VN (Economic and Social Council
– ECOSOC) gewählt werden.
Internationales Suchtstoff-Kontrollamt der Vereinten Nationen
Die zentrale Aufgabe des Internationalen Suchtstoff-Kontrollamtes
der VN (International Narcotics Control Board – INCB) ist es, die
Einhaltung der Suchtstoffübereinkommen der VN zu überwachen.
Es ist somit ‚Hüter‘ der internationalen Suchtstoffübereinkommen.
Das INCB sitzt in Wien und besteht aus 13 regierungsunabhängigen
Expertinnen und Experten, die vom ECOSOC gewählt werden. Sein
Jahresbericht 2019 kann hier aufgerufen werden.
Suchtstoffkommission der Vereinten Nationen
Die Suchtstoffkommission (Commission on Narcotic Drugs – CND)
ist das zentrale drogenpolitische Gremium der Vereinten Nationen
und tagt jährlich meist im März in Wien. Sie ist zuständig für die
https://wdr.unodc.org/wdr2020/
https:/
/www.incb.org/documents/Publications/
AnnualReports/AR2019/Annual_Report_
Chapters/English_ebook_AR2019.pdf

73
Die Vorstellungen über die zukünftige Fortführung der internationalen
Drogenpolitik und Drogenkontrolle driften seit Jahren auseinander.
Dies erschwert die internationale Zusammenarbeit. Dennoch haben
sich die in der CND versammelten Staaten 2019 auf eine Minister-
erklärung zur Fortentwicklung und Stärkung der internationalen
Drogenpolitik verständigt. Die zähen Verhandlungen im Vorfeld
zeigten, dass es immer schwieriger wird, die Bruchlinien zwischen
Staaten, die eine repressiv geprägte Drogenpolitik verfolgen, und jenen
Staaten, die Menschenrechte und Therapien in den Vordergrund
stellen, zu überbrücken.
Deutschland ist gewähltes Mitglied der CND. Im Zentrum der
diesjährigen Sitzung stand die politische Debatte um sechs Emp-
fehlungen der WHO zur Umgruppierung von cannabis- und can-
nabisverwandten Stoffen in den Anhängen der internationalen
Suchtstoffübereinkommen. Für die ursprünglich vorgesehene Abstim-
mung hatte der Rat der EU im Februar 2020 einen Standpunkt gefasst.
Dieser hätte von den in der CND vertretenen EU-Mitgliedstaaten
(u. a. Deutschland) im Namen der EU vertreten werden müssen. Eine
Einigung über die sechs Empfehlungen der WHO war weder im Vor-
feld noch während der 63. Sitzung der CND zu erreichen. Selbst das
Anliegen der EU und westlicher Partner, wenigstens über einen Teil
der WHO-Empfehlungen abzustimmen, war als Minderheitsposition
nicht durchzusetzen. Eine Abstimmung über die sechs WHO-Empfeh-
lungen wurde deshalb auf die wiedereröffnete 63. Sitzung der CND
im Dezember 2020 vertagt. Bis dahin sollen über informelle Sitzungen
weitere Folgenabschätzungen vorgenommen werden. Derzeit prüft
der Rat der EU, inwiefern sein im Februar 2020 verabschiedeter Stand-
punkt für die im Dezember 2020 vorgesehene Abstimmung im Rah-
men der wiederzueröffnenden 63. Sitzung einer Aktualisierung bedarf.

74
Jahresbericht 2020 | Internationale Tätigkeitsfelder
Bis auf wenige Ausnahmen haben alle Mitgliedstaaten der Vereinten
Nationen die drei Suchtstoffübereinkommen ratifiziert. Sie dienen
den übergeordneten Zielen, die Gesundheit der Menschen vor den
Gefahren von Betäubungsmitteln und psychotropen Substanzen zu
schützen, den Zugang zu bestimmten Betäubungsmitteln für die
medizinische Anwendung sicherzustellen sowie medizinische und
wissenschaftliche Forschung an kontrollierten Substanzen zuzulas-
sen. Die Konventionen entfalten völkerrechtliche Bindung. Auch die
Bundesrepublik Deutschland hat die drei Suchtstoffübereinkommen
ratifiziert.
Einheits-Übereinkommen von 1961 über Suchtstoffe
Dieses Übereinkommen ersetzte insgesamt neun davor abgeschlos-
sene Drogenabkommen durch einen einheitlichen völkerrechtlichen
Vertrag und bildet bis heute die Basis der weltweiten Drogenkon-
trolle. Das Einheits-Übereinkommen teilt Drogen nach ihrer
Verkehrsfähigkeit in vier Klassen ein. Zu den aufgeführten Drogen
gehören unter anderem Heroin, Kokain und Cannabis.
Übereinkommen von 1971 über psychotrope Stoffe
Mit diesem Übereinkommen wurde die internationale Dro gen kon-
trolle um zusätzliche (synthetische) psychotrope Stoffe erweitert.
Die zentralen Suchtstoffübereinkommen der Vereinten Nationen:
Die Liste enthält vier Tabellen kontrollierter Stoffe, geordnet nach
dem Ausmaß der Reglementierung. Aufgelistet sind unter anderem
Amphetamine, Barbiturate und LSD.
Übereinkommen der Vereinten Nationen von 1988 gegen den
unerlaubten Verkehr mit Suchtstoffen und psychotropen Stoffen
Das Übereinkommen beinhaltet zusätzliche völkerrechtliche
Verpflichtungen, um die weltweite Zusammenarbeit gegen Drogen-
schmuggel und -handel, unerlaubte Herstellung und Abgabe von
Betäubungsmitteln zu verbessern.
Die drei zentralen Suchtstoff übereinkommen der
Vereinten Nationen:
https:/
/www.unodc.org/unodc/en/commissions/
CND/conventions.html

 
75
5.3
Entwicklungspolitische Dimension des
Weltdrogenproblems
Im Rahmen des internationalen Dialogs und seiner EU-Ratspräsident-
schaft im zweiten Halbjahr 2020 setzt Deutschland international
Akzente für die Stärkung entwicklungsorientierter Ansätze in der
Drogenpolitik. Nach Auffassung der Bundesregierung sind weder ein
„Krieg gegen Drogen“ noch ein Bruch des Dro gen kon trollregimes der
VN die richtigen Wege aus der illegalen Drogenökonomie. Hierbei
müssen entwicklungsorientierte Ansätze auch international zuneh-
mend eine noch wichtigere Rolle spielen. Eine gemeinsam mit
Thailand und Peru im Rahmen der 63. Sitzung der CND eingebrachte
Resolution zu Alternativer Entwicklung unterstreicht dies.
Die Drogenbeauftragte ist Schirmherrin des Vorhabens Global Partner-
ship on Drug Policies and Development (GPDPD). In diesem Projekt
fördert die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit
(GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) den drogenpolitischen Dialog
auf internationaler Ebene und setzt bilaterale Beratungsmaßnahmen in
ausgewählten Partnerländern um. Die Beratungsmaßnahmen zielen
auf einen verbesserten Umgang mit der entwicklungs- und gesund-
heitspolitischen Dimension des globalen Drogenproblems sowie der
Förderung der Menschenrechte in der globalen Drogenpolitik. Im Jahr
2019 wurden Pilotvorhaben und Beratungsmaßnahmen in Kolumbien,
Myanmar und Thailand aufgesetzt und zuletzt gemeinsam mit den
nationalen Partnern fortgeführt.
Gleichzeitig wurde eine weitere Partnerschaft mit Albanien gestartet.
Das Spektrum der Maßnahmen richtet sich nach den konkreten
Beratungsanfragen der Länder. Im Februar 2020 richtete die Drogen-
beauftragte gemeinsam mit dem BMZ, den Regierungen der Nieder-
lande und Norwegens sowie den Nichtregierungsorganisationen
Inter national Drug Policy Consortium und Transnational Institute das
diesjährige Brandenburg Forum on Drugs and Development Policies
aus. Diese Plattform hat sich zu einem zentralen Forum für Regierun-
gen entwickelt, die Alternative Entwicklung, Gesundheit und Men-
schenrechte als Maßstäbe in der globalen Drogenpolitik stärken will.
„Wir können den Anbau und Handel mit
illegalen Drogen nicht nur bei uns bekämp-
fen. Das muss ganz klar schon in den Anbau-
ländern beginnen. Dies ist aber nicht nur eine
Aufgabe für die Polizei. Die Kleinbäuerinnen
und -bauern in den Regionen brauchen auch
eine realistische Alternative zu Kokain und Co.
Genau hier setzen unsere Projekte zur Alter-
nativen Entwicklung an. Sie sind ein unver-
zichtbarer Baustein unserer Politik.“
Daniela Ludwig

76
Jahresbericht 2020 | Internationale Tätigkeitsfelder
Für einige Entwicklungsländer ist die ungelöste Drogenproblematik
zu einem der größten Entwicklungshemmnisse geworden. Insge-
samt unterstützt die Drogenbeauftragte gemeinsam mit dem BMZ
die Alternative Entwicklung als eine weitere Maßnahme zur
Reduzierung des Drogenangebots. Im Rahmen eines integrierten
Ansatzes zu ländlicher Entwicklung sollen strukturelle Veränderun-
gen in marginalisierten Regionen angestoßen werden. Dies ge-
schieht u. a. durch eine Diversifizierung der landwirtschaftlichen
Produktion – legale Alternativen sind zum Beispiel Kakao, Kaffee
oder Mangos – durch die Eröffnung bzw. Erweiterung des Marktzu-
gangs für legale Produkte, die Förderung des Zugangs zu Landtiteln
sowie die Verbesserung der ländlichen Infrastruktur und öffentli-
cher Dienstleistungen. Alternativen zum Drogenpflanzenanbau
können auch außerhalb der Landwirtschaft liegen, zum Beispiel im
Ökotourismus oder örtlichem Kunsthandwerk.
Info
Dadurch werden die wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedin-
gungen nachhaltig verbessert und somit die Abhängigkeit der
Kleinbäuerinnen und Kleinbauern vom Drogenpflanzenanbau
verringert. Eine enge Einbindung der lokalen Bevölkerung, insbeson-
dere die Stärkung der Rolle von Frauen sowie eine geschlechtersen-
sible Ausgestaltung der Maßnahmen, ist dabei wesentlich. Neben
sozioökomischen Maßnahmen wird eine nachhaltige Boden- und
Waldnutzung ebenfalls gefördert. Somit leisten Projekte der
Alternativen Entwicklung auch einen Beitrag zum Umwelt- und
Waldschutz. Erfolgreiche Beispiele aus Asien und Lateinamerika
zeigen, dass die wirtschaftliche Entwicklung der betroffenen
Regionen mit der Reduzierung des Anbaus einhergeht. Die deutsche
Entwicklungszusammenarbeit förderte 2019 Maßnahmen der
Alternativen Entwicklung in Kolumbien, Laos und Myanmar,
implementiert durch die GIZ oder UNODC.

 
77
Abkürzungsverzeichnis
B
BfArM
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
BKA
Bundeskriminalamt
BORA-TB
Berufsorientierte Teilhabebegleitung in der Rehabilita-
tion von Abhängigkeitserkrankungen
BPA
Bundespresseamt - Presse- und Informationsamt der
Bundesregierung
BMAS
Bundesministerium für Arbeit und Soziales
BMG
Bundesministerium für Gesundheit
BMFSFJ
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend
BtMG
Betäubungsmittelgesetz
BtMVV
Betäubungsmittelverschreibungsverordnung
BtMVVÄndV
Betäubungsmittelverschreibungsänderungsverordnung
BZgA
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
C
CaPRis
Cannabis: Potential und Risiken: Eine wissenschaftliche
Analyse
CND
Commission on Narcotic Drugs
COPD
Chronisch obstruktive Lungenerkrankungs
D
DAK
Deutsche
Angestellten
Krankenkasse
DFB
Deutscher
Fußball-Bund
DHB
Deutscher
Handballbund
DHS
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V.
DKFZ
Das Deutsche Krebsforschungszentrum
DOSB
Deutsche Olympische Sportbund
DSB
Drogen- und Suchtbericht
DSHS
Deutsche
Suchthilfestatistik
DTB
Deutscher
Turner-Bund
E
EBDD
Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und
Drogensucht
ECOSOC
Economic and Social Council
EMCDDA
Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und
Drogensucht
ESA
Epidemologischer
Suchtsurvey
F
FAS
Fetales
Alkoholsyndrom
FASD
Fetale
Alkoholspektrumstörungen

78
Jahresbericht 2020
G
G-BA
Gemeinsamer
Bundesausschuss
GIZ
Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH
GKV
Gesetzliche
Krankenversicherung
GPDPD
Global Partnership on Drug Policies and Development
H
HCV
Hepatitis-C-Virus
HDG
Horizontale
Gruppe
„Drogen“
I
ICD
Internationale Statistische Klassifikation der Krank-
heiten und verwandter Gesundheitsprobleme
IFT
Institut
für
Therapieforschung
IKJ
Institut für Kinder- und Jugendhilfe
INBC
International Narcotics Control Board
J
JDB
Jahresbericht
Drogenbeauftragte
K
KV
Kassenärztliche
Vereinigung
L
LSD
Lysergsäurediethylamid
LWL
Landschaftsverband
Westfalen-Lippe
M
MdB
Mitglied des Deutschen Bundestages
N
NACOA
National Association for Children of Alcoholics (deut-
sche Partnerorganisation)
NPS
Neue psychoaktive Stoffe
NpSG
Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz
NRW
Nordrhein-Westfalen
O
ÖGD
Öffentlicher
Gesundheitsdienst
OMPRIS
Onlinebasiertes Motivationsprogramm zur Reduktion
des problematischen Medienkonsums

79
P
PKS
Polizeiliche
Kriminalstatistik
R
RKI
Robert-Koch-Institut
S
SAN
Statistisches
Auswerteprogramm
NPS
SCHULBUS
Schüler- und Lehrkräftebefragungen zum Umgang mit
Suchtmitteln
SEMRES
Schnittstellenmanagement zur frühzeitigen Ermittlung
des Rehabilitationsbedarfs und rechtzeitige Vermittlung
in Rehabilitation von Menschen mit Suchtproblemen
SGB
Sozialgesetzbuch
T
TabStG
Tabaksteuergesetz
U
UNODC
United Nations Office on Drugs and Crime
V
VN
Vereinte
Nationen
W
WHO
Weltgesundheitsorganisation
Z
ZKA
Zollkriminalamt

 
80
Häufigkeit des Konsums
legaler und illegaler Suchtstoffe
Suchtstoff
Konsumhäufigkeit
2015
2018/2019
Rauchen
30-Tage-Prävalenz Erwachsene (18 bis 64 Jahre) *
28,7 %
23,4 %
Gelegentliches bis häufiges Rauchen 12- bis 17-Jährige **
9,6 %
7,2 %
Gelegentliches bis häufiges Rauchen 18- bis 25-Jährige **
29,7 %
28,8 %
Wasserpfeife
30-Tage-Prävalenz Erwachsene (18 bis 64 Jahre) *
keine Angabe
4,2 %
30-Tage-Prävalenz 12- bis 17-Jährige **
8,3 %
7,2 %
30-Tage-Prävalenz 18- bis 25-Jährige **
15,8 %
15,2 %
E-Zigaretten
30-Tage-Prävalenz Erwachsene (18 bis 64 Jahre) *
2,9 %
4,0 %
30-Tage-Prävalenz 12- bis 17-Jährige **
2,0 %
3,7 %
30-Tage-Prävalenz 18- bis 25-Jährige **
3,0 %
5,9 %
E-Shisha
30-Tage-Prävalenz Erwachsene (18 bis 64 Jahre) *
keine Angabe
keine Angabe
30-Tage-Prävalenz 12- bis 17-Jährige **
2,7 %
1,8 %
30-Tage-Prävalenz 18- bis 25-Jährige **
1,5 %
2,3 %
Tabakerhitzer
30-Tage-Prävalenz Erwachsene (18 bis 64 Jahre) *
keine Angabe
0,8 %
30-Tage-Prävalenz 12- bis 17-Jährige **
keine Angabe
0,1 %
30-Tage-Prävalenz 18- bis 25-Jährige **
keine Angabe
0,8 %
Alkohol
Riskanter Konsum Erwachsene *
15,4 %
13,0 %
Alkoholabhängigkeit Erwachsene *; 2012: 3,7 %
keine Angabe
3,4 %
Regelmäßiger Alkoholkonsum 12- bis 17-Jährige **
10,9 %
9,0 %
Regelmäßiger Alkoholkonsum 18- bis 25-Jährige **
33,7 %
32,3 %
Rauschtrinken 12- bis 17-Jährige **
14,1 %
14,7 %
Rauschtrinken 18- bis 25-Jährige **
38,2 %
40,6 %
Cannabis
12-Monats-Prävalenz Erwachsene *
6,1 %
7,1 %
30-Tage-Prävalenz Erwachsene *
3,1 %
3,0 %
Abhängigkeit Erwachsene *; 2012: 0,5 %
keine Angabe
0,6 %
12-Monats-Prävalenz 12- bis 17-Jährige **
7,3 %
8,1 %
12-Monats-Prävalenz 18- bis 25-Jährige **
15,3 %
24,1 %
Amphetamine
12-Monats-Prävalenz Erwachsene *
1,0 %
1,2 %
12-Monats-Prävalenz 12- bis 17-Jährige **
0,3 %
0,3 %
12-Monats-Prävalenz 18- bis 25-Jährige **
2,0 %
2,8 %

 
81
NPS = Neue Psychoaktive Stoffe
Die Werte von 0,0 % sind gerundet. Nur wenige der Befragten gaben an, diese Stoffe konsumiert zu haben.
* ESA, IFT 2018/2015/2012
** Drogenaffinitätsstudie, BZgA 2019/2015.
Suchtform
Konsumhäufigkeit
2015
2019
Glücksspiel
Pathologisches Glücksspiel 16- bis 70-Jährige,
BZgA Glücksspielverhalten
0,3 %
0,34 %
Problematisches Glücksspiel 16- bis 70-Jährige,
BZgA Glücksspielverhalten
0,4 %
0,39 %
Häufigkeit von Verhaltenssüchten
Methamphetamin
12-Monats-Prävalenz Erwachsene *
0,2 %
0,2 %
12-Monats-Prävalenz 12- bis 17-Jährige **
0,0 %
0,0 %
12-Monats-Prävalenz 18- bis 25-Jährige **
0,4 %
0,3 %
Ecstasy
12-Monats-Prävalenz Erwachsene *
0,6 %
1,1 %
12-Monats-Prävalenz 12- bis 17-Jährige **
0,5 %
0,5 %
12-Monats-Prävalenz 18- bis 25-Jährige **
2,2 %
3,6 %
Opiate
(inkl. Heroin)
12-Monats-Prävalenz Erwachsene *
0,3 %
0,4 %
12-Monats-Prävalenz 12- bis 17-Jährige **
0,0 %
0,0 %
12-Monats-Prävalenz 18- bis 25-Jährige **
0,0 %
0,1 %
Kokain
12-Monats-Prävalenz Erwachsene *
0,6 %
1,1 %
12-Monats-Prävalenz 12- bis 17-Jährige **
0,3 %
0,2 %
12-Monats-Prävalenz 18- bis 25-Jährige **
1,2 %
2,9 %
Crack
12-Monats-Prävalenz Erwachsene *
0,02 %
0,1 %
12-Monats-Prävalenz 12- bis 17-Jährige **
0,0 %
0,0 %
12-Monats-Prävalenz 18- bis 25-Jährige **
0,0 %
0,2 %
NPS
12-Monats-Prävalenz Erwachsene *
0,9 %
0,9 %
12-Monats-Prävalenz 12- bis 17-Jährige **
0,0 %
0,1 %
12-Monats-Prävalenz 18- bis 25-Jährige **
0,3 %
0,2 %
LSD
12-Monats-Prävalenz Erwachsene *
0,3 %
0,3 %
12-Monats-Prävalenz 12- bis 17-Jährige **
0,2 %
0,2 %
12-Monats-Prävalenz 18- bis 25-Jährige **
0,9 %
1,5 %
Medikamente
Abhängigkeit Erwachsene *; 2012: 5,1 %
keine Angabe
3,2 %
Schmerzmittel: Abhängigkeit Erwachsene *; 2012: 3,4 %
keine Angabe
2,5 %
Schlaf- und Beruhigungsmittel: Abhängigkeit Erwachsene *; 2012: 1,7 %
keine Angabe
0,7 %

 
82
Jahresbericht 2020
Danksagung
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung dankt den Bundeslän-
dern, Verbänden, Institutionen, Projektpartnern und allen anderen
Mitwirkenden für ihre Beiträge zum Jahresbericht.
Ihr Dank richtet sich ebenso an die Bundesministerien, insbesondere
an das Bundeskanzleramt und das Auswärtige Amt, das Bundesminis-
terium des Innern, für Bau und Heimat sowie das Bundeskriminalamt,
das Bundesministerium für Gesundheit, das Bundesministerium für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Beauftragte der Bundesre-
gierung für Kultur und Medien, das Bundesministerium für Arbeit und
Soziales, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft,
das Bundesministerium der Finanzen, das Bundesministerium der
Justiz und für Verbraucherschutz, das Bundesministerium der Verteidi-
gung, das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
sowie an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung.
Ebenso dankt sie dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen, der
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, dem Robert Koch-In-
stitut, der Deutschen Rentenversicherung und der Deutschen Gesell-
schaft für Internationale Zusammenarbeit.
Besonderer Dank gilt dem Institut für Therapieforschung München
und der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht
sowie dem Deutschen Krebsforschungszentrum.
Der Jahresbericht der Drogenbeauftragten (JDB) der Bundesregierung
ist online abrufbar unter:
www.drogenbeauftragte.de

83

 
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Jahresbericht 2020
Impressum/Hinweise
Herausgeber:
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung
beim Bundesministerium für Gesundheit
11055 Berlin
Redaktion:
Marina Horn, Thomas Altenburg
Redaktionsassistenz: Philipp Hellbach
Inhalt: (Ansprechperson)
Marina Horn
Stand:
November 2020
Gestaltung/Satz:
Orca Affairs GmbH
Lektorat:
Orca Affairs GmbH
Druck:
Hausdruckerei im BMAS/
Lieblingsdrucker GmbH
Wenn Sie Bestellungen aufgeben möchten:
Best.-Nr.:
BMG-D-11039
Jahresbericht der Drogenbeauftragten 2020
Telefon:
030/18 272 2721
Schreibtelefon für Gehörlose und Hörgeschädigte:
gebaerdentelefon@sip.bundesregierung.de
Schriftlich:
Bundesregierung
Postfach 48 10 09
18132 Rostock
E-Mail:
publikationen@bundesregierung.de
Telefax:
030/1810 272 2721

Gender-Hinweis:
In dieser Publikation wurde auf gendergerechte Sprache geachtet.
Wird an einzelnen Stellen nur das generische Maskulinum verwendet,
so ist das ausnahmsweise der Lesbarkeit geschuldet.
Hinweis:
Diese Publikation (Print- und Onlineausgabe) wird im Rahmen der
Öffentlichkeitsarbeit der Drogen beauftragten der Bundesregierung
herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlbewer-
bern und Wahlbewerberinnen oder Wahlhelferinnen und Wahlhelfern
während des Wahlkampfes zum Zweck der Wahlwerbung verwendet
werden. Dies gilt für Europa-, Bundestags-, Landtags- und Kommu-
nalwahlen. Missbräuchlich sind besonders die Verteilung auf Wahl-
veranstaltungen und an Informationsständen der Parteien sowie das
Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Informationen
oder Werbemittel.
Untersagt ist gleichfalls die Weitergabe an Dritte zum Zweck der
Wahlwerbung. Unabhängig davon, wann, auf welchem Weg und in
welcher Anzahl diese Schrift dem Empfänger zugegangen ist, darf
sie auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevor stehenden Wahl nicht
in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der Bundes-
regierung zugunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden
könnte.
Bildnachweise
:
Titel, Seiten 2, 3, 5, 9-11, 13, 16, 19, 22-24, 28, 30, 31 (Hintergrund), 43,
45, 51, 52, 55-59, 62, 64, 65, 68, 69: Drogenbeauftragte
Seite 8: © Arthimedes/shutterstock.com
Seiten 25, 26: DAK Gesundheit
Seiten 31 (Abbildungen 14, 15), 44: BZgA
Seiten 38, 48, 60, 66: © tai1 1/shutter stock.com
Seite 47: BARMER
Seiten 70, 71: Drogenbeauftragte/Anne Lehmann