image
Salafismus
Ideologie, Erscheinungsformen
und aktuelle Entwicklungen

2
Impressum
Herausgeber:
Landesamt für Verfassungsschutz, Stabsstelle
Gestaltung und Satz:
SV SAXONIA Verlag GmbH/SAXONIA Werbeagentur
Druck:
Druckerei Oskar Görner GmbH
Redaktionsschluss:
21. November 2017
Bezug:
Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden beim:
Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen
Neuländer Straße 60, 01129 Dresden
Telefon: +49 351 85850
Telefax: +49 351 8585500
E-Mail: verfassungsschutz@lfv.smi.sachsen.de
Internet:
www.verfassungsschutz.sachsen.de
Verteilerhinweis
Diese Informationsschrift wird von der Sächsischen Staatsregierung im Rahmen
ihrer verfassungsmäßigen Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit heraus-
gegeben. Sie darf weder von Parteien noch von deren Kandidaten oder Helfern
im Zeitraum von sechs Monaten vor einer Wahl zum Zwecke der Wahlwerbung
verwendet werden. Dies gilt für alle Wahlen. Missbräuchlich ist insbesondere die
Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an Informationsständen der Parteien sowie
das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Informationen oder
Werbemittel. Untersagt ist auch die Weitergabe an Dritte zur Verwendung bei der
Wahlwerbung. Auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl darf die
vorliegende Druckschrift nicht so verwendet werden, dass dies als Parteinahme des
Herausgebers zu Gunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden könnte.
Diese Beschränkungen gelten unabhängig vom Vertriebsweg, also unabhängig davon,
auf welchem Wege und in welcher Anzahl diese Informationsschrift dem Empfänger
zugegangen ist. Erlaubt ist jedoch den Parteien, diese Informationsschrift zur Unter-
richtung ihrer Mitglieder zu verwenden.
Copyright
Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die des
Nachdruckes von Auszügen und der fotomechanischen Wiedergabe, sind dem
Herausgeber vorbehalten.

image
1
Vorwort
Fast täglich hören wir von schweren Terroranschlägen, die
häufig viele Menschenleben fordern.
Immer wieder werden als Täter gewaltbereite Islamisten identifi-
ziert. Sie versuchen Angst und Schrecken zu verbreiten, um den
Boden für fundamentale politische, gesellschaftliche und reli-
giöse Veränderungen zu bereiten, an deren Ende ihr Kalifat, eine
totalitäre Herrschaftsform des politischen Islam stehen soll.
Die meisten der weltweit zu beklagenden Opfer von Terroran-
schlägen sind Muslime, doch der Hass der Terroristen richtet
sich genauso gegen Christen und vermeintlich »Ungläubige«
sowie gegen die Errungenschaften westlicher Demokratien wie
Gleichberechtigung, Toleranz und Freiheit – und das mit einem
mörderischen Aktionsplan, von dem jeder betroffen sein kann.
Eine extremistische Erscheinungsform des Islam und zugleich
die am stärksten wachsende ist der politische Salafismus, der
auch im Freistaat Sachsen Strukturen hat und wesentliche
Werte unserer freiheitlichen Verfassungsordnung ablehnt.
In der Aufklärung von Gefahrenlagen und der Abwehr schwerer
Straftaten sind insbesondere die Sicherheitsbehörden gefor-
dert. Gleichwohl kann jeder durch aufmerksames und sensibles
Verhalten dazu beitragen, dass sich Risiken verringern lassen.
Hierzu ist eine gut informierte Öffentlichkeit eine wichtige
Voraussetzung. Gut informiert sind wir, wenn wir eine ausrei-
chende Kenntnis haben von den politisch-religiösen Motiven
und Zielvorstellungen der extremistischen Akteure und ihren
möglichen Vorgehensweisen.
Die vorliegende Broschüre will hierzu einen Beitrag leisten. Sie will
auch einen Beitrag gegen pauschale Islamfeindlichkeit leisten, die
gerade nicht zwischen Islam und Islamismus unterscheidet.
Gordian Meyer-Plath
Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen

2
Inhaltsverzeichnis
1. Begriffe
3
Islam
3
Islamismus
4
Wahhabismus
6
2. Was ist Salafismus?
7
3. Erscheinungsformen des Salafismus
10
Politischer Salafismus
10
Jihadistischer Salafismus
11
4. Personenpotenzial und Organisation
des Salafismus
12
5. Zentrale Begriffe und Konzepte der
salafistischen Ideologie
14
tauhid (Monotheismus)
14
shirk (Vielgötterei, Polytheismus)
16
al-wala wa-l-bara (Loyalität und Lossagung)
16
takfir (Exkommunizierung)
17
6. Attraktivität des Salafismus
18
7. Aktionsformen
19
8. Internet
22
9. Radikalisierung und Ausreisen in den Jihad
24
10. Terrororganisation
IslamIscher staat
26
11. Gegenmaßnahmen
29
12. Unterstützungsangebote
30
Glossar
32

3
1. Begriffe
1. Begriffe
Wer heute die Zeitung aufschlägt oder im Internet unterwegs
ist, wird unweigerlich Begriffen begegnen, deren genaue
Bedeutungen sich ihm oder ihr nicht von selbst erschließen:
Islam, Muslime, Islamismus, Islamist, Salafismus, Wahha-
bismus, Islamfeindlichkeit und einige mehr. Jeder dieser
Begriffe steht für komplexe Themenfelder, die sich teilweise
inhaltlich überschneiden und doch zumeist deutlich vonein-
ander getrennt werden müssen.
Diese Begriffsfülle kann zu unbeabsichtigten Gleichsetzungen
etwa von einer durch das Grundgesetz geschützten Religion
(Islam) und einer extremistischen politischen Ideologie (Isla-
mismus) führen. Bisweilen ist eine solche Gleichsetzung, wie
etwa im Falle islam- bzw. muslimfeindlicher Propaganda durch
Rechtsextremisten, durchaus gewollt, um alle Muslime als
potenzielle Islamisten zu stigmatisieren. Umso wichtiger ist es,
sich die Bedeutungen der Begriffe vor Augen zu führen und zu
differenzieren.
Islam
Der Islam ist eine Religion, Muslime
sind die Angehörigen des Islam. Als
Weltreligion mit rund 1,6 Milliarden
Anhängern unterteilt sich der Islam in
unterschiedliche Gruppen, die sich
sowohl durch regionale Besonder-
heiten als auch durch theologische Positionen voneinander
unterscheiden. Die beiden Hauptgruppen sind der sunnitische
und der schiitische Islam. Doch auch der sunnitische und der
schiitische Islam
sind vielfältig und
nicht homogen.
Die Ausübung des
Islam wird von
den Verfassungs-
schutzbehörden
nicht beobachtet.
Art. 4 GG, Abs. 1 und 2
(1) Die Freiheit des Glaubens, des Ge-
wissens und die Freiheit des religiösen
und weltanschaulichen Bekenntnisses
sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religions ausübung
wi
r
d
g
e
w
ähr
l
eist
e
t
.

4
1. Begriffe
Im Gegenteil, es ist Aufgabe des Staates und damit auch des
Verfassungsschutzes das in Art. 4 Grundgesetz (GG) verbriefte
Recht auf Glaubensfreiheit zu schützen.
Islamismus
Der Islamismus ist eine politische Ideologie, deren Anhänger
sich auf religiöse Normen des Islam berufen und diese poli-
tisch ausdeuten. Die Anhänger des Islamismus sind Islamisten.
Wichtig ist, dass Islam und Islamismus nicht gleichgesetzt
werden. Auch wenn der Begriff des Islamismus auf den Islam
hindeutet, so unterscheidet der Verfassungsschutz deutlich
zwischen dieser politischen Ideologie und der durch das
Grundgesetz geschützten Ausübung der Religion des Islam.
Islamisten sehen im Islam nämlich nicht nur eine Religion,
sondern auch ein rechtliches Rahmenprogramm für die
Gestaltung aller Lebensbereiche: Von der Staatsorganisation
über die Beziehungen zwischen den Menschen bis ins Privat-
leben jedes Einzelnen.
Islamisten streben Gesellschaften an, die strikt durch die
Scharia, die sie als ganzheitliche islamische Rechtsordnung
verstehen, organisiert sind. Der Interpretationsspielraum
bezüglich dessen, was die Scharia genau beinhaltet, ist groß.
Islamisten interpretieren die Scharia als von Gott verordnete
Rechtsordnung für Staat und Gesellschaft. Auf Deutschland
übertragen würde die Einführung dieser Art der Scharia
bedeuten, dass das Grundgesetz, aber auch andere wesent-
liche Rechtsnormen abgeschafft würden. Islamisten richten
sich in ihrer politisierten Interpretation der Scharia oft auch
gegen die Mehrheit der Muslime, die in diesen islamischen
Werten und Regeln ausschließlich einen Leitfaden für ihre
religiöse Praxis sehen.
In seinem Absolutheitsanspruch widerspricht der Islamismus
in erheblichen Teilen der verfassungsmäßigen Ordnung der
Bundesrepublik Deutschland. Insbesondere werden durch die
islamistische Ideologie die demokratischen Grundsätze der
Trennung von Staat und Religion, der Volkssouveränität, der
religiösen und sexuellen Selbstbestimmung, der Gleichstellung

5
1. Begriffe
der Geschlechter sowie das Grundrecht auf körperliche Unver-
sehrtheit verletzt.
Das Weltbild, das hinter der islamistischen Ideologie steht, mag
archaisch anmuten. Doch ist der Islamismus ein Phänomen der
Moderne, das versucht, Antworten auf andauernde gesell-
schaftliche und politische Konflikte zu geben.
Die Entstehung des modernen Islamismus ist ohne den euro-
päischen Kolonialismus des 19./20. Jahrhunderts im Nahen
und Mittleren Osten kaum zu verstehen. In jener Zeit entwi-
ckelten die islamistischen Vordenker ihre grundlegenden
ideologischen Vorstellungen, um den europäischen Mächten
eigene, islamisch geprägte Ideen zur Gestaltung von Staat
und Gesellschaft entgegenzusetzen. Sie waren der Überzeu-
gung, dass die europäischen Staaten die Muslime nur deshalb
unterjochen konnten, weil sich diese vom wahren Islam abge-
wandt hätten. Die Annahme, von westlichen, nicht islamischen
Mächten bedroht zu sein, ist auch heute noch ein beständiges
Motiv islamistischer Propaganda. Vor allem gewaltorientierte,
jihadistische Organisationen leiten aus dieser vermeintlichen
Bedrohung des Islam die
Notwendigkeit zum Kampf
gegen ihre angeblichen
Feinde ab.
Bis heute haben sich unter-
schiedliche Formen der
islamistischen Ideologie
herausgebildet, die von den
politischen und gesellschaft-
lichen Bedingungen in den jeweiligen Entstehungsorten geprägt
sind. Die islamistische Ideologie gibt es sowohl im sunnitischen
als auch im schiitischen Islam. Das islamistische Spektrum bein-
haltet legalistische Organisationen, die bestrebt sind, innerhalb
des vom Staat vorgegebenen rechtlichen Rahmens ihre Ziele
durchzusetzen und Gewalt grundsätzlich ablehnen. Solche
Organisationen wie etwa die sunnitische
MusliMbruderschaft
,
setzen vor allem darauf, die Menschen in ihrem Umfeld zu aus
ihrer Sicht wahren Muslimen zu erziehen. Ebenso umfasst das
islamistische Spektrum solche Organisationen, die Gewalt als
ein Mittel unter vielen befürworten und diese unter Umständen
Islamismus beginnt dort,
wo religiöse islamische
Normen als für alle
Menschen verbindliche
Handlungsanweisungen
gedeutet und – bisweilen
unter Zuhilfenahme von
Gewalt – durchgesetzt
werden sollen.

6
1. Begriffe
in akuten Konflikten in dem
Herkunftsland ihrer Akteure
anwenden. Dies ist beispiels-
weise der Fall bei der schi-
itischen
hizb allah
(Partei
Gottes), die in ihrem Kampf
gegen Israel und im syrischen
Bürgerkrieg Gewalt einsetzt.
Darüber hinaus beinhaltet das
islamistische Spektrum terro-
ristische Organisationen, die
vorwiegend zum Mittel der Gewalt greifen. Beispiele dafür sind
die unterschiedlichen
al-Qaida
-Gruppierungen oder der soge-
nannte
islaMische staat
, dessen Anhänger nicht mehr nur im Irak
und Syrien, sondern zunehmend auf der ganzen Welt aktiv sind.
Die Reformbewegung der islamistischen Vordenker wird als
»klassische Salafiyya« bezeichnet. Sie ist nicht zu verwech-
seln mit dem Salafismus, der uns heute beschäftigt. Denn die
Akteure der klassischen Salafiyya betonten, anders als die
heutigen Salafisten, dass der Islam mit der Moderne vereinbar
sei. Sie sahen den Gedanken der Reform als wesentlichen Be-
standteil des Islam. Der ursprüngliche Islam sollte nicht un-
reflektiert übernommen, sondern innerhalb einer modernen
Gesellschaft angewandt werden. Allerdings, angelehnt an die
islamische Frühzeit, sahen auch die islamistischen Vordenker
im Islam nicht nur eine Religion, sondern ein allumfassen-
des System für Staat und Gesellschaft. Konsequenterweise
lehnten sie säkulare Staatssysteme als unislamisch ab, nicht
zuletzt weil sie diese unweigerlich mit den europäischen Ko-
lonialherren verknüpften.
Wahhabismus
Der Wahhabismus ist ebenso wie der Salafismus eine Erschei-
nungsform des Islamismus. Wahhabismus und Salafismus
sind sich ideologisch so ähnlich, dass beide Begriffe oftmals
synonym verwandt werden. Tatsächlich wurde der Salafismus
ideologisch stark vom Wahhabismus beeinflusst. Der Wahha-
bismus ist die Staatsdoktrin Saudi-Arabiens und geht auf die
Lehren des Muhammad Ibn Abd al-Wahhab (1703–1792) zurück.
Die Scharia beinhaltet die
Gesamtheit der islami-
schen Rechtsmeinungen.
Bei der Scharia handelt
es sich nicht um ein ko-
difiziertes Gesetzesbuch,
sondern um die Ansamm-
lung von Interpretationen
der islamischen Primär-
quellen Koran und Sunna.

7
2. Was ist Salafismus?
2. Was ist Salafismus?
Der Salafismus ist eine besonders radikale und die derzeit
dynamischste islamistische Bewegung in Deutschland, aber
auch international. Er ist eine Strömung innerhalb des sunni-
tisch geprägten Islamismus. Salafisten glorifizieren einen
idealisierten Ur-Islam des 7./8. Jahrhunderts und versuchen
dem Propheten Muhammad und den ersten drei Generationen
der Muslime in ihrer Religionsausübung und Lebenspraxis
nachzueifern. Die bloße Orientierung an den Gründergenerati-
onen des Islam, die von vielen Muslimen gewürdigt werden, ist
nicht extremistisch. Extremistisch wird diese Orientierung an
der islamischen Urgesellschaft dann, wenn idealisierte Werte
und Regeln der islamischen Frühzeit in ein ganzheitliches poli-
tisches Programm gegossen werden, das verbindlich durchge-
setzt werden soll.
Der Begriff Sala-
fismus leitet sich
von den frühen
Muslimen des
7./8. Jahrhunderts
ab. Im Arabischen
werden sie als
»al-salaf al-salih«
bezeichnet, was
übersetzt die
»
re
ch
t
s
ch
a
f
f
e
n
e
n
Altvorderen« oder die »frommen Vorfahren« bedeutet. Die meis-
ten Salafisten lehnen den Begriff »Salafist« ab und bezeichnen
sich entweder als »Leute der Tradition und der Gemeinschaft«
(»ahl al-sunna wa-l-jama’a«) oder einfach als Muslime.
Salafisten sind der Auffassung, dass der Islam ausschließlich in
der islamischen Frühzeit richtig verstanden und gelebt worden
sei. Sie streben nach der Wiederherstellung dieses angeblich
einzig authentischen Islam. Konsequenterweise behaupten sie,
dass nur sie selbst wahre Muslime seien, weil nur sie den aus
ihrer Sicht ursprünglichen Islam praktizieren.
Der Begriff Salafismus leitet sich
vom Arabischen »al-salaf al-salih« ab.
Übersetzt ins Deutsche bedeutet das
»die frommen Vorfahren« oder »die
rechtschaffenen Altvorderen“. Damit
sind die ersten drei Generationen der
Muslime in der islamischen Frühzeit
(7./8. Jahrhundert) gemeint. An ihnen
orientieren sich Salafisten in ihrer
Glaubens- und Lebenspraxis.

8
2. Was ist Salafismus?
Für Salafisten ist der »richtige« Glaube eng mit dem »richtigen«
Handeln verknüpft. Um das aus ihrer Sicht richtige islamische
Handeln ermitteln zu können, nehmen sich Salafisten den
Propheten Muhammad und die frommen Altvorderen zum
Vorbild. Sie meinen den exakten authentisch-islamischen
Glauben und die Lebens- und Glaubenspraxis ihrer muslimi-
schen Vorbilder durch die strikte wörtliche Auslegung des
Korans und der Sunna bestimmen zu können. Ausschließlich
die wortgetreue Auslegung dieser islamischen Quellen könne
das richtige Handeln garantieren.
Alle Entwicklungen im Islam, die nach der von Salafisten als
authentisch erachteten islamischen Frühzeit eingesetzt haben,
wie etwa die Entstehung der etablierten islamischen Rechts-
schulen, aber auch liberale Formen des Islam, die Vereinbar-
keit mit der Demokratie und die Gleichheit der Geschlechter,
lehnen Salafisten ab. Sie behaupten, dass all diese Entwick-
lungen in der Jahrhunderte alten islamischen Ideengeschichte
»unerlaubte Neuerungen« (arab. »bid’a«) seien, die den authen-
tischen Islam verfälschten. Von diesen vermeintlichen Fehl-
entwicklungen müsse der Islam rigoros gereinigt werden. Mit
dieser Auffassung grenzen sich Salafisten von den meisten
etablierten Formen des Islam ab. Selektiv greifen sie Schriften
und Positionen einzelner Islamgelehrter auf und verbinden sie
versatzstückartig mit jeweils eigenen Interpretationen von
Koran und Sunna
Die Hauptquellen im Islam sind der Koran und die Sunna.
Der Koran ist die Heilige Schrift des Islam. Muslime glauben,
dass er das an die Menschen gesandte Wort Gottes sei. Der
Begriff Sunna bedeutet wörtlich »gewohnte Handlungswei-
se«, »Brauch«. Sie beinhaltet die Gesamtheit der Überliefe-
rungen von Worten, Taten und Unterlassungen des Prophe-
ten Muhammad und seinen engen Gefährten. Die einzelne
Überlieferung wird als Hadith bezeichnet. Die Sunna gibt
Muslimen Hinweise darauf, wie Muhammad und die frühen
Muslime die dem Koran entnommenen Glaubenssätze in
der Lebenspraxis umgesetzt haben. Salafisten verengen
die Vielfältigkeit des Islam auf die Aussagen in Koran und
Sunna und ignorieren die über Jahrhunderte gewachsenen
Entwicklungen im islamischen Recht, der Philosophie und
der Theologie.

9
2. Was ist Salafismus?
Aussagen aus Koran und Sunna. Infolgedessen kann nicht von
dem Salafismus als homogene Bewegung gesprochen werden,
denn dafür sind die Positionen innerhalb dieser Ideologie zu
unterschiedlich.
Das politische Ziel und die ideologischen Grundpositionen
aller Salafisten sind jedoch trotz der Unterschiede die Glei-
chen, etwa die Errichtung eines schariakonformen politischen
Systems mit einem Kalifen als politische und religiöse Autorität
an der Spitze. Sie streben damit die völlige Umgestaltung von
Staat und Gesellschaft auf der Grundlage religiöser Normen
an. Salafisten unterscheiden sich allerdings in den Mitteln, mit
denen sie ihr Ziel erreichen möchten. Insbesondere das Mittel
der Gewalt ist umstritten.

10
3. Erscheinungsformen des Salafismus
3. Erscheinungsformen des Salafismus
Der Salafismus ist keine einheitliche Bewegung. Er lässt sich aus
sicherheitsbehördlicher Perspektive in eine politische und eine
jihadistische Ausprägung aufschlüsseln. Die Übergänge zwischen
beiden Formen sind fließend. In Deutschland und auch in Sachsen
sind überwiegend politische Salafisten aktiv, die auf den Einsatz
strategischer Gewalt zur Erreichung ihrer Ziele verzichten.
Politischer Salafismus
Politische Salafisten versuchen, ihre Ideologie durch inten-
sive Propagandatätigkeiten zu verbreiten. Diese Bemühungen
bezeichnen sie als »da’wa«, was übersetzt »Einladung«
(zum Islam) bedeutet und mit aggressiver Missionierung
umschrieben werden kann. Politische Salafisten zielen auf die
langfristige Veränderung der Gesellschaft, indem die Bevölke-
rung umerzogen werden soll.
Das Mittel der Gewalt zur Erreichung ihrer Ziele lehnen poli-
tische Salafisten in der Regel ab und distanzieren sich auch
zumeist vom Terrorismus. Doch ist Gewalt strukturell in der
salafistischen Ideologie angelegt. So befürworten sie etwa die
Durchsetzung von religiös begründeten Körperstrafen in dem
von ihnen angestrebten Staatssystem, z. B. das Abtrennen von
Gliedmaßen bei Diebstahl, Auspeitschungen bei von ihnen als
illegitim angesehenen Liebesbeziehungen, Tötungen im Falle
der Apostasie (»Abkehr vom Glauben«) etc.
Die langfristige Wirkung politisch-salafistischer Propaganda
darf in ihrer Gefährlichkeit nicht unterschätzt werden. Sie
vermag dauerhaft die Denkweise junger Menschen in Bezug
auf den säkularen demokratischen Staat zu beeinflussen.
Denn die politisch-salafistische Ideologie lehnt das hiesige
politische System ab, teilt Menschen aufgrund ihrer Religion
und ihres Geschlechts unterschiedliche Wertigkeiten zu und
befürwortet Körperstrafen, die im völligen Widerspruch zur
freiheitlichen demokratischen Grundordnung stehen.

image
11
3. Erscheinungsformen des Salafismus
Jihadistischer Salafismus
Jihadistische Salafisten setzen vor allem auf das Mittel der
Gewalt, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Während die
meisten Muslime den Jihad als inneren Kampf gegen die eigenen
persönlichen Unzulänglichkeiten betrachten, verstehen ihn Jiha-
disten vor allem als militärischen Kampf. Sie sind der Auffassung,
dass der bewaffnete Kampf gegen die Feinde des Islam eine indi-
viduelle Pflicht eines jeden Muslims sei. Jihadisten argumentieren,
der Islam sei bedroht durch unislamische Kräfte, die in die islami-
sche Welt eingedrungen seien. Ihr Jihad, den sie als notwendige
Verteidigung des Islam interpretieren, richtet sich daher nicht nur
gegen den Westen, sondern auch gegen politische Führer in isla-
misch geprägten Staaten. Ihnen werfen Salafisten vor, vom Islam
abgefallene Marionetten des Westens zu sein. Vielfach werden
Muslime so zu Zielen jihadistischer Gewalt.
Es hat sich gezeigt, dass fast alle islamistisch-terroristischen
Netzwerke und Einzelpersonen, die in Deutschland aktiv
geworden sind, salafistisch geprägt sind beziehungsweise
sich in salafistischen Milieus entwickelt haben. Der Salafismus
kann daher als ideologischer Nährboden des islamistischen
Terrorismus bezeichnet werden.
Jihad bedeutet übersetzt »Anstrengung«. In erster Linie bedeutet
Jihad den Kampf gegen die inneren Unzulänglichkeiten zu führen
(sog. Großer Jihad). Der Jihad, der primär von den jihadistischen
Salafisten propagiert wird, ist der militärische Jihad gegen die
vermeintlichen Feinde des Islam (sog. Kleiner Jihad). Zeitgenössi-
sche Jihadisten behaupten, dass es die individuelle Pflicht eines
jeden Muslims sei, den gewaltorientierten Jihad zu führen.
Quelle: RUMIYAH 11/2017

12
4. Personenpotenzial und Organisation des Salafismus
4. Personenpotenzial und
Organisation des Salafismus
Das Personenpotenzial salafistischer Bestrebungen verzeichnet
deutschlandweit Jahr um Jahr deutliche Zuwächse. Ein Ende
dieser Entwicklung ist bislang nicht abzusehen. Aufgrund einer
sich abzeichnenden Kräfteverschiebung innerhalb der islamis-
tischen Szene in den gewaltorientierten bzw. jihadistischen
Bereich gewinnt der jihadistische Salafismus zunehmend an
Bedeutung.
12.000
200
10.000
160
8.000
140
6.000
100
120
180
80
40
4.000
60
2.000
2011
2012
2013
2014
2015
2016
20
0
0
3.800
90
100
100
130
170
190
4.500
5.500
7.000
8.350
9.700
Deutschland
Sachsen
Personenpotenzial salafistischer Bestrebungen
in Deutschland und in Sachsen
Kennzeichnend für den Salafismus als dynamische, heterogene
Bewegung sind weniger feste Strukturen, vielmehr sind seine
Anhänger in losen Netzwerken organisiert. Knotenpunkte
dieser Netzwerke sind Prediger und/oder vermeintliche Islam-
gelehrte, die regelmäßig im In- und Ausland Vorträge halten,
und um die sich ihre Anhänger sammeln. Feste, formale

13
4. Personenpotenzial und Organisation des Salafismus
Organisationsstrukturen sind in der salafistischen Bewegung
selten zu finden. Bisweilen bilden sich örtliche salafistische
Vereine, die häufig gleichzeitig als Träger salafistisch geprägter
Moscheen dienen. Unterschiedliche salafistische Prediger sind
in solchen Vereinen oftmals zu Gast oder treten regelmäßig
als Imame auf. Auch wirken salafistische Einzelpersonen und
Kleinstgruppen als Multiplikatoren der salafistischen Ideologie.
In Sachsen bildet die Al-Rahman-Moschee in Leipzig den
Schwerpunkt salafistischer Aktivitäten. Sie ist zugleich die
größte Moschee-Gemeinde in Sachsen. Der Imam der Einrich-
tung, Hassan DABBAGH, ist ein überregional bekannter sala-
fistischer Prediger, der in der Vergangenheit deutschlandweit
in verschiedenen salafistischen Moscheen häufig zu Gast war
und Seminare bzw. Vorträge hielt.

14
5. Zentrale Begriffe und Konzepte der salafistischen Ideologie
5. Zentrale Begriffe und Konzepte
der salafistischen Ideologie
Salafisten nutzen zur Propagierung ihrer Ideologie Begriffe
und Konzepte, die teilweise auch in der Religion des Islam
verankert sind. Salafistische Ideologen politisieren diese
eigentlich religiös besetzten Begriffe und laden sie ideologisch
auf, so dass sie einen extremistischen Inhalt bekommen. Nicht
zuletzt durch ihre starke mediale Präsenz erringen Salafisten
mit ihren Aussagen über allgemein islamische Begriffe und
Konzepte die Deutungshoheit über deren Bedeutung. Auf diese
Weise prägen Salafisten das Bild, welches sich die Öffentlich-
keit über die Religion des Islam macht, einseitig. Unter dem
Deckmantel religiöser Rhetorik verbreiten Salafisten ihre poli-
tische Botschaft. Das erschwert es, ideologische Propaganda
von legitimer Religionsausübung zu unterscheiden. Folgende
Begriffe und Konzepte nutzen Salafisten regelmäßig zur reli-
giösen Legitimierung ihrer Ideologie:
tauhid (Monotheismus)
Das zentrale Konzept in der salafistischen Ideologie ist der
»tauhid«, die Lehre von der absoluten Einheit und Einzigkeit
Gottes. Der im »tauhid« zum Ausdruck kommende Glaube an
den einen Gott ist in einer monotheistischen Religion wie dem
Islam von zentraler Bedeutung. Im islamischen Glaubens-
bekenntnis nimmt das Bekenntnis zu dem einen Gott einen
bedeutenden Stellenwert ein.
Salafisten überspitzen und politisieren dieses islamische
Monotheismus-Prinzip. Sie fordern mittels des »tauhid« alle
Muslime auf, ihr komplettes Handeln auf Gott, dem absolut
zu gehorchen sei, auszurichten. Salafisten nutzen den »tauhid«
als Maßstab für jegliches islamkonforme Handeln. Entspricht
das Handeln eines Muslims – sei es noch so profan wie das
Verhalten beim Einkaufen oder die Art der Kleiderwahl – nicht
den Ansprüchen von Salafisten an das vermeintlich richtige
islamische Handeln, so führen sie dies mit Bezug auf den
»tauhid« auf mangelnden Glauben zurück. Auf diese Weise

image
15
5. Zentrale Begriffe und Konzepte der salafistischen Ideologie
urteilen Salafisten häufig
darüber, ob jemand ein
wahrer Muslim ist oder nicht,
und üben einen nicht unbe-
trächtlichen sozialen Druck
auf andere Muslime aus.
Darüber hinaus leiten Sala-
fisten aus dem »tauhid«-
Prinzip ab, dass Gott die
absolute Herrschafts- und
gesetzgebende Gewalt
zukomme. Gott sei somit
der alleinige Souverän und
die Scharia das von ihm
offenbarte und damit einzig
legitime Gesetz. Dem habe
der Mensch sich zu unterwerfen. Folglich lehnen Salafisten die
parlamentarische Demokratie, also die Volkssouveränität und
die von Menschen gemachten Gesetze, strikt als unislamisch
ab. Denn durch die Anwendung nicht-islamischer Verfas-
sungsordnungen sowie die Akzeptanz der parlamentarischen
Demokratie verletze man die von ihnen allein Gott zugeschrie-
bene absolute Herrschafts- und gesetzgebende Gewalt.
Jihadistische Salafisten
sind der Auffassung, dass
politische Führer in isla-
mischen Staaten, die von
Menschen gemachte Gesetze
anwenden, das »tauhid«-
Prinzip verletzten und damit
legitime Ziele des militanten
Jihads seien. Darüber hinaus
behaupten Jihadisten, dass
die persönliche Aufopferung
im Kampf zur vermeintlichen
Verteidigung des Islam die
höchste Form des »tauhid«
sei.
Quelle: RUMIYAH 7/2017
Der ausgestreckte Zeigefinger symbo-
lisiert in salafistischen Kreisen die
absolute Souveränität Gottes.
Salafismus
und Demokratie
Salafisten lehnen die
parlamentarische Demo-
kratie als un islamisch ab.
Sie meinen, dass allein
Gott die Herrschafts- und
gesetzgebende Gewalt
zukomme. Die Scharia
sei das einzige legitime
Gesetz, da Gott es offen-
bart habe. Die Demokratie
sei eine Gegenreligion zum
Islam, die Beteiligung an
demokratischen Prozessen
eine schwere Sünde.

16
5. Zentrale Begriffe und Konzepte der salafistischen Ideologie
shirk (Vielgötterei, Polytheismus)
Salafisten verknüpfen eng mit ihrem politisierten »tauhid«-
Prinzip den Begriff des »shirk«, der mit Vielgötterei oder Poly-
theismus übersetzt werden kann, und von ihnen als eine große
Sünde angesehen wird. Er steht dem Monotheismus-Prinzip
des »tauhid« diametral entgegen. Ebenso wie den »tauhid«
beziehen Salafisten »shirk« keineswegs nur auf die religiöse
Sphäre. Salafisten bezeichnen die Demokratie als eine Gegen-
religion zum Islam, da die Volkssouveränität die von ihnen
geforderte absolute Unterwerfung unter Gott unterlaufe.
Denn Menschen würden ihre Macht in der Demokratie durch
Menschen erhalten und somit seien sie Gott quasi als Götzen
(sog. »taghut«) gleichstellt. Die Demokratie sei deshalb gleich-
bedeutend mit einer Götzenherrschaft. Salafisten erklären
jegliche Formen demokratischer Herrschaft als für Muslime
unbedingt zu meidenden »shirk«.
al-wala wa-l-bara (Loyalität und Lossagung)
Mit dem Konzept »al-wala wa-l-bara«, das so viel wie Loya-
lität zum Glauben und Lossagung vom Unglauben bedeutet,
fordern Salafisten die absolute Loyalität zu Gott und die
Abkehr von jeglichen privaten und politischen Kontakten und
Allianzen zu bzw. mit Nicht-Muslimen. Jihadistische Salafisten
ziehen aus der Lossagung auch die Pflicht, jene muslimischen
Herrscher zu bekämpfen, die angeblich unislamisch regieren,
indem sie etwa menschengemachte Gesetze anwenden.
Mit dem Konzept der Loyalität und Lossagung teilen Salafisten
die Welt in zwei gegensätzliche Lager: Auf der einen Seite sie
selbst, die vermeintlich wahren Muslime, auf der anderen
Seite die Ungläubigen (arab. »kuffar«), als welche sie sowohl
Muslime bezeichnen, die ein anderes als das salafistische
Islamverständnis haben, als auch Nicht-Muslime jedweder
Religion oder Weltanschauung. Salafisten grenzen sich auf
diese Weise bewusst von der Mehrheitsgesellschaft ab. Die
Lossagung zieht sich bis in die einzelnen Familien hinein:
Salafistische Prediger fordern oft von ihren Anhängern, dass
sie sich selbst von ihren engsten Familienangehörigen abzu-
wenden hätten, sofern diese nicht auch die Lebensweise der

17
5. Zentrale Begriffe und Konzepte der salafistischen Ideologie
Salafisten übernähmen. Kontakte zu Nicht-Muslimen seien
jeweils nur zu »da’wa«-Zwecken legitim.
ta
kfi
r
(E
x
kommun
i
z
ie
r
ung
)
Insbesondere im jihadistischen Salafismus spielt das »takfir«-
Konzept eine wichtige Rolle. Jihadisten nutzen dieses Konzept,
um jenen Muslimen, die nicht der salafistischen Ideologie
folgen, ihren Glauben abzusprechen und sie zu Ungläubigen
zu erklären. Damit werden sie aus jihadistischer Perspektive
zu Feinden des Islam, so dass Gewaltanwendung gegen sie
religiös legitimiert werden kann.
Demokrat
Islam
Volksvertreter
All
a
h/Gott
Demo
krat
Muslim
Gibt einem Vertreter (z. B. Poli-
tiker) das Recht der Umsetzung
(durch seine Wahl!)
schreibt das Recht
der
Gesetzgebung
Allah zu
Gibt dem Muslim (z. B.
Khalifa) das Recht der
Umsetzung
schreibt das
Recht der
Gesetzgebung
sich selbst zu
Wahlteilnahme eines
Muslims würde seine Aner-
kennung des Gesetzgeber-
rechtes an den Demokraten
bedeuten – damit wäre er
ungläubig
Quelle: Vgl.
www.tauhid-islam.blogspot.de
(Stand: 19. Dezember 2016)

image
18
6. Attraktivität des Salafismus
6. Attraktivität des Salafismus
Salafistische Prediger sind oft charismatische Personen,
die in deutscher Jugendsprache und versiert über moderne
Kommunikationswege im Internet mit jungen Menschen
kommunizieren. Sie inszenieren sich als Vorbilder und greifen
die Bedürfnisse junger Menschen nach Identität, Geborgen-
heit, Lebenssinn und Orientierung, aber auch das Bedürfnis
provozieren zu wollen, gezielt auf, um sie für ihre Ideologie zu
gewinnen. Salafisten bieten jungen, Sinn suchenden Menschen
einfache Antworten auf die essentiellen Fragen des Lebens.
Dabei teilen sie die Welt in Gut und Böse, verboten und erlaubt
ein. Salafistische Netzwerke bieten diesen Menschen Halt als
vermeintliche Ersatzfamilie, die von Gott privilegiert werde.
Sie vermitteln jungen Menschen ein Gefühl der Zugehörigkeit
und der Überlegenheit. Dabei nutzen Salafisten den Idealismus
junger Menschen, sich für etwas Höheres einsetzen zu wollen,
sowie klassische Generationenkonflikte aus, um sie von ihren
Familien zu entfremden und gegen Staat und Gesellschaft
aufzubringen.
Quelle: Facebook-Profil Islamisches Erwachen (Stand: 29. November 2016)

image
19
7. Aktionsformen
7. Aktionsformen
Die Anhänger des Salafismus sind in hohem Maße aktionsori-
entiert. Der Kern der Aktivitäten von Salafisten ist die »da’wa«-
Arbeit (Mission). Es ist Salafisten ein großes Anliegen, möglichst
viele Menschen von ihrer Ideologie zu überzeugen. Das gilt
in besonderem Maße für die politischen Salafisten, da sie es
sich zur Aufgabe gemacht haben, in einem längeren Prozess
die Mehrheitsgesellschaft zu vermeintlich wahren Muslimen
zu erziehen und so über kurz oder lang Staat und Gesellschaft
in ihrem Sinne umzuformen. Salafisten sind davon überzeugt,
dass sie für ihre »da’wa«-Arbeit von Gott belohnt werden. Jeder
Salafist ist folglich zur »da’wa«-Arbeit angehalten und entspre-
chend vielseitig kann sie ausgestaltet sein.
Ein bekanntes Mittel der »da’wa«-Arbeit ist das Werben für
den vermeintlich wahren Islam. Bei solchen Gelegenheiten
sprechen Salafisten Passanten in deutschen Innenstädten
auf ihren Glauben an, verteilen Informationsmaterialien,
Koranausgaben und Flugblätter. Insbesondere auf Muslime,
die nicht der salafistischen Ideologie folgen, wird bei solchen
»da’wa«-Aktivitäten Druck
ausgeübt, um sie zum Sala-
fismus zu bekehren.
Ein besonders populäres
Beispiel dafür war die
Koranverteilaktion »LIES! Im
Namen Deines Herrn, der
Dich erschaffen hat«. Dazu
wurden deutschlandweit
Islam-Infostände initiiert.
In Sachsen fanden diese in
der Vergangenheit z. B. in
Leipzig und Dresden statt.
Ziel dieser Aktion war es,
eine Koranausgabe an jeden
Haushalt in Deutschland zu
verteilen.
Quelle: Facebook-Profil
die wahre
r
eligion
(Stand: 24. Juni 2016)

image
20
7. Aktionsformen
Verantwortlich für das Projekt und die Bereitstellung der
Koranexemplare war das salafistische Predigernetzwerk
die
w
ahre religion
um den Kölner Prediger Ibrahim
abou nagie
. Im
November 2016 wurde der Verein und somit auch die »LIES!«-
Kampagne verboten, weil sie sich gegen die verfassungsmä-
ßige Ordnung und den Gedanken der Völkerverständigung
richtete.
Eine wesentliche Rolle in der Verbreitung der salafistischen
Ideologie spielen in Deutschland Islamseminare, Großver-
anstaltungen von Salafisten auf Marktplätzen und kleinere
Vorträge von salafistischen Predigern. Während der Islamse-
minare tritt eine Reihe von Predigern auf, die sich vor allem
an junge Menschen, die noch keine Anhänger des Salafismus
sind, aber auch an Salafisten, richten. Auf solchen Seminaren,
die häufig mehrere Tage andauern, wird durch gemeinsame
Aktivitäten ein Gemeinschaftsgefühl geschaffen. Attraktiv ist
die auf diese Weise vermittelte Ideologie deshalb, weil sie Halt
suchenden Menschen feste Regeln für ihre Lebensführung
vorgibt. Zudem vermitteln solche Gemeinschaftsveranstal-
tungen und die salafistische Ideologie das Gefühl, einer von
Gott bevorzugten Elite anzugehören.
Salafisten verweisen stets darauf, dass nur sie am Tag des
Jüngsten Gerichtes von Gott errettet würden. Denn sie seien
die Gruppe der Muslime, die als einzige dem wahren Islam
folge und denen Gott daher den Einzug ins Paradies verspro-
chen hätte. Die Gewissheit als einzige muslimische Gruppe
Quelle: RUMIYAH 6/2017

21
7. Aktionsformen
ins Paradies einzuziehen, entnehmen sie beispielsweise einem
Ausspruch des Prophet Muhammad aus der Sunna: »Meine
Gemeinde wird sich in 73 Gruppen aufteilen, von denen nur
eine errettet sein wird. Alle anderen 72 Gruppen werden ihren
Platz im Höllenfeuer nehmen.« Die Überzeugung, dass ihnen
als einzigen das Paradies sicher sei, während alle anderen
Menschen Höllenqualen zu erleiden hätten, nutzen Sala-
fisten, um mittels einer Angstpädagogik ihre Anhänger auf
ihre Ideologie einzuschwören. Es soll der Eindruck vermittelt
werden, dass eine Errettung vor den Höllenqualen nur durch
die absolute Unterwerfung unter Gottes vermeintlichen Willen
und durch schariakonformes Verhalten möglich ist. Insbeson-
dere auf Islamseminaren wird diese Angstpädagogik intensiv
genutzt, um neue Anhänger zu missionieren.

image
22
8. Internet
8. Internet
Salafistische Prediger verbreiten ihre Ideologie in hohem Maße
über das Internet. Ihre Onlineangebote, Schriften, Videos,
sowie Audios dominieren die deutschsprachigen Informa-
tionsangebote über den Islam im Internet. Durch die hohe
Medienpräsenz erreicht salafistische Propaganda weite Kreise
der Gesellschaft in Deutschland. Häufig sind Internetange-
bote von Salafisten auf den ersten Blick nicht als solche zu
erkennen. Ihre Internetauftritte sind oftmals mehrsprachig,
multimedial, graphisch aufwändig gestaltet und zumeist auf
dem aktuellen Stand der technischen Entwicklung, so dass sie
ihre Zielgruppe, junge Menschen, mit ihrem Angebot erreichen.
Prominente Angehörige der salafistischen Netzwerke stellen
nicht nur ihre Vorträge online, sie bieten zudem virtuelle Fort-
bildungen an, die salafistische Schulungsmaßnahmen vor Ort
ergänzen oder ersetzen.
Die Frauenkirche in Dresden – ein belieber Versammlungsort der Kreuzzügler,
der darauf wartet, niedergebrannt zu werden
Quelle: RUMIYAH 11/2017

23
8. Internet
Relevant ist das Internet nicht nur für den politischen, sondern
auch für den jihadistischen Salafismus. Die im Internet
verbreitete Propaganda von jihadistischen Salafisten und die
Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten in Online-Netzwerken
auszutauschen, ermöglicht es, dass sich Aktivisten und
Sympathisanten des globalen, gewaltorientierten Jihad als
Teil einer einzigen Bewegung begreifen. Davon profitieren
insbesondere jihadistisch-salafistische Organisationen, die
ihre Ideologie über das Internet weltweit verbreiten und um
Anhänger werben. Die Grenzen zwischen Sympathisanten
solcher Organisationen und den eigentlichen Kämpfern,
verschwimmen zunehmend. Sympathisanten können sich
über das Internet mit Lehrmaterialien, das von Organisationen
wie
al-Qaida
und dem sogenannten
islaMischen staat
(IS) zur
Verfügung gestellt wird, versorgen, um sich die Fähigkeiten
für den gewaltorientierten Jihad eigenständig zu Hause anzu-
eignen. Impulse dafür liefern Online-Magazine wie INSPIRE
oder RUMIYAH. Das letztgenannte fungiert als Sprachrohr
des IS und erscheint, wie auch das keiner speziellen Terror-
organisation zuzuordnende Magazin KYBERNETIQ, u. a. auch
in deutscher Sprache. Sogenannte »Home Grown«-Terroristen
können sich mit Hilfe solcher gezielten Propaganda in ihren
Heimatländern jihadistisch betätigen, ohne unmittelbar in eine
terroristische Gruppierung eingebunden zu sein.

image
24
9. Radikalisierung und Ausreisen in den Jihad
9. Radikalisierung und
Ausreisen in den Jihad
Radikalisierungsprozesse und deren Hintergründe sind viel-
fältig. Jeder Radikalisierungsfall ist individuell ausgestaltet.
Ein typisches Radikalisierungsprofil existiert nicht. Biogra-
phien von jungen Menschen, die sich salafistisch radikalisiert
haben, zeigen, dass sie aus unterschiedlichsten sozialen
Milieus entstammen und das Spektrum der Bildungsabschlüsse
komplett abdecken: Unter den Radikalisierten befinden sich
gleichermaßen Schulabbrecher und Universitätsabsolventen,
Personen mit und ohne Migrationshintergrund, Konvertiten
und muslimisch sozialisierte Personen, Männer und Frauen.
Ähnlich wie in Fällen einer Radikalisierung im Rechtsextre-
mismus existiert eine Reihe von sozialen Einflussfaktoren, die
häufig eine Rolle im Radikalisierungsprozess spielen können,
allerdings nicht zwangsläufig spielen müssen. Oftmals sind
eine altersbedingte, durch familiäre Verhältnisse bedingte
Orientierungslosigkeit und die daraus resultierende Suche nach
Werten, Anerkennung, Gemeinschaft und Geborgenheit ein
Grund. Auch Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen
können zur Radikalisierung junger Menschen beitragen.
Eine salafistische Radikalisierung, die in der Teilnahme am
gewaltorientierten Jihad enden kann, findet zumeist über
Kontakte im persönlichen Umfeld (z. B. über Freunde und
Bekannte, salafistische
Prediger etc.) statt. Das
Internet genießt im Alltag
junger Menschen einen
hohen Stellenwert und
spielt entsprechend bei der
Radikalisierung eine große
Rolle. Es hat sich als das
Kommunikationsmedium
erwiesen, über das erste
Kontakte in salafistische
bzw. jihadistische Netzwerke
Quelle: RUMIYAH 7/2017
ermöglicht werden. Auch

25
9. Radikalisierung und Ausreisen in den Jihad
finden Jugendliche im Internet zielgruppengerecht aufbe-
reitete Informationen über die salafistische Ideologie sowie
jihadistische Propaganda, in der für die Ausreise in den Jihad
etwa nach Syrien oder den Irak geworben wird. Jihadistische
Propagandisten werben oftmals für die Ausreise in den Jihad,
indem sie jungen Menschen Klischees von Abenteuer, Gemein-
schaft und Lagerfeuerromantik vermitteln. Zudem appellieren
jihadistische Propagandisten an die Ehre der Muslime, sich im
Kampf für Gerechtigkeit, für die Unterdrückten und die Schwa-
chen einzusetzen. Dass die Beschreibungen der Zustände in
den sogenannten Jihad-Gebieten kaum mit den tatsächlichen
Gegebenheiten vor Ort übereinstimmen, stellen Jugendliche
oft erst nach ihrer Ausreise fest.
Es liegen derzeit Erkenntnisse zu mehr als 950 (Stand: Oktober
2017) deutschen Islamisten bzw. Islamisten aus Deutschland
vor, die in Richtung Syrien/Irak gereist sind, um dort auf
Seiten des
islaMischen staates
und anderer terroristischer Grup-
pierungen an Kampfhandlungen teilzunehmen oder diese in
sonstiger Weise zu unterstützen. Unter ihnen befinden sich
auch einzelne Personen aus Sachsen. Ein junger Mann ist
zwischenzeitlich in seine sächsische Heimat zurückgekehrt,
ein im Sommer 2016 nach Syrien ausgereistes Mädchen aus
dem Landkreis Bautzen wurde im Juli 2017 durch irakische
Sicherheitskräfte in Mossul aufgegriffen und dort inhaftiert.
Etwa ein Fünftel aller ausgereisten Personen ist weiblich.
Der überwiegende Teil der insgesamt ausgereisten Personen
ist jünger als 30 Jahre. Aktuell zeichnet sich eine verringerte
Ausreisedynamik ab. Ursächlich dafür sind insbesondere die
verstärkten Anstrengungen der Sicherheitsbehörden, solche
Ausreisen in den Jihad zu unterbinden, aber auch die sich deut-
lich verschlechternden Bedingungen vor Ort und die massiven
militärischen Rückschläge des IS in Syrien und dem Irak.

26
10. Terrororganisation
islaMischer staat
10. Terrororganisation
IslamIscher staat
Der derzeit attraktivste Jihad-Schauplatz für salafistisch
radikalisierte junge Menschen ist Syrien bzw. der Irak. Insbe-
sondere die jihadistische Organisation
islaMischer staat
(IS), die
mittlerweile weltweit operiert, konnte zunehmend Jihadisten
aus Deutschland und vielen anderen westlichen Staaten für
sich gewinnen.
Der Propagandaapparat des IS ist professionell aufgestellt. So
werden Verlautbarungen des IS nicht nur auf Arabisch veröf-
fentlicht, sondern über verschiedene Sprachrohre auch auf
Englisch, Deutsch, Französisch und weiteren Sprachen.
Ein Ziel besteht darin, radikalisierte Islamisten zur Ausreise in
die Kampfgebiete zu motivieren. Insbesondere gut ausgebil-
dete Personen, etwa Ingenieure, Ärzte, Informatiker werden
explizit aufgefordert, sich am Aufbau des vermeintlichen
Staatswesens zu beteiligen. Ebenso rekrutiert der IS über seine
Propaganda Kämpfer. Darüber hinaus ruft der IS zu Anschlägen
im Westen auf. Dieses Vorgehen entspricht dem Konzept des
individuellen Jihad, das bereits von
al-Qaida
propagiert wurde.
Der Erfolg des IS in Syrien und im Irak sowie die professionellen
Propagandaaktivitäten wirkten sich auf die salafistische Szene
in Deutschland aus. So nahmen die jihadistisch motivierten
Ausreisen nach Syrien und in den Irak zu, nicht zuletzt, weil es
möglich erschien, in einem vermeintlich wahrhaft islamischen
Staat zu leben bzw. an dessen Gestaltung mitzuwirken. Denn
die Etablierung einer islamistisch ausgestalteten Pseudo-
Staatlichkeit betrachten viele Salafisten als den Beginn der
Verwirklichung ihrer ideologischen Ziele.
Im zunehmenden Maße sind auch radikalisierte Frauen aus
Europa in Richtung Syrien und Irak ausgereist. Sie werden,
wie auch Männer, von der Aussicht, einen vermeintlich wahr-
haft islamischen Staat aufzubauen, angezogen. Insbesondere
reisen Frauen mit dem Ziel aus, einen Jihadisten zu heiraten,
um ihn als Ehefrau zu unterstützen und gemeinsame Kinder im
Sinne der salafistischen Ideologie vor Ort zu erziehen. Darüber
hinaus spielen Frauen in der Propagandatätigkeit des IS eine

image
27
10. Terrororganisation
islaMischer staat
wichtige Rolle. So werben sie aktiv junge Frauen in ihrer west-
lichen Heimat zur Ausreise an, indem sie das Leben vor Ort
und die Ehe mit einem Jihadisten als vollkommene Erfüllung
schildern. Weiterhin betätigen sich Frauen in der Erstellung
von jihadistischen Online-Publikationen.
In der jüngeren Vergangenheit musste der IS massive militäri-
sche und territoriale Verluste hinnehmen, was seine Schlagkraft
als islamistische Terrororganisation vor Ort deutlich schwächte.
Während der IS militärische Rückschläge in Syrien und dem Irak
erlitt, erweiterte sich jedoch sein Operationsfeld zunehmend
auf die ganze Welt. Davon zeugen die weltweiten jihadistischen
Im Juni 2014 rief der Anführer des IS, Abu Bakr
al-baghdadi
,
ein Kalifat auf den von seiner Terrormiliz beherrschten
Gebieten im Irak und Syrien aus und ernannte sich selbst
zum Kalifen (Anführer) aller Muslime weltweit. Der IS hat
mit der Ausrufung dieses Kalifats seinen Führungsan-
spruch im globalen Jihad, insbesondere auch gegenüber
den unterschiedlichen Organisationen
al-Qaidas
, deutlich
gemacht. Inzwischen haben sich unterschiedliche jihadis-
tische Gruppierungen weltweit von
al-Qaida
losgesagt und
dem IS die Gefolgschaft erklärt. Der IS ist damit die derzeit
bedeutendste und gleichzeitig in ihren Aktivitäten brutalste
jihadistische Organisation weltweit. Allerdings verzeichne-
te der IS seit 2016 massive territoriale Verluste durch das
militärische Eingreifen der Anti-IS-Koalition. Der IS verliert
damit an Attraktivität, selbst wenn er als jihadistische Ter-
rororganisation deshalb noch lange nicht besiegt ist.

image
28
10. Terrororganisation
islaMischer staat
Terroranschläge, die im Namen des IS, beziehungsweise für die
der IS die Verantwortung übernahm, begangen wurden. Insbe-
sondere zahlreiche europäische Länder wie Frankreich aber auch
Deutschland waren davon betroffen.
Eine erhebliche Gefährdung für die innere Sicherheit Deutsch-
lands geht nicht nur vom individuellen Jihad, sondern auch von
Rückkehrern aus Syrien und dem Irak aus. Rückkehrer, die sich an
Kampfhandlungen beteiligen oder sich in einem terroristischen
Lager haben ausbilden lassen, genießen einen hohen Stellenwert
in jihadistisch-salafistischen Kreisen. Es besteht die Gefahr,
dass sie – möglicherweise mit einem gezielten Auftrag des IS
ausgerüstet – hier in Deutschland in jihadistisch-terroristischer
Absicht aktiv werden. Weiterhin ist in Betracht zu ziehen, dass
Rückkehrer zur Radikalisierung junger Menschen beitragen und
möglicherweise zur Ausreise in den Jihad oder zu islamistisch
motivierten Straften vor Ort animieren.
Quelle: AL-FURAT MEDIA

image
29
11. Gegenmaßnahmen
11. Gegenmaßnahmen
Die deutschen Sicherheitsbehörden setzen weiterhin alles
daran, die Ausreise von jihadistisch Radikalisierten nach Syrien
und in den Irak zu verhindern. So entziehen sie beispielsweise
Reisepässe von Ausreisewilligen, beschränken die Gültigkeit
von Personalausweisen auf Deutschland und untersagen die
Ausreise.
Im September 2014 erließ der Bundesminister des Inneren
ein Betätigungsverbot für den IS in Deutschland. Seither ist
jegliche Werbung für den IS über soziale Medien oder auf
Demonstrationen, die Unterstützung des IS in Form von Geld-
und Materialspenden oder das Anwerben von Kämpfern sowie
das Verwenden und Verbreiten des IS-Logos strafbar.
IS-Flagge
Verboten

30
12. Unterstützungsangebote
12. Unterstützungsangebote
Salafistische Ideologen versuchen jungen Menschen einen
allumfassenden Lebensentwurf zu vermitteln, der Antworten
auf alle Fragen und persönliche Probleme liefert. Die gesamte
Gesellschaft ist gefordert, diesen zumeist jungen Menschen
vielfältige eigene Unterstützungsangebote zu unterbreiten, um
Salafisten und anderen Extremisten nicht das Feld zu überlassen:
Unterstützung in der (beruflichen) Selbstfindung
Gezielte Jugendarbeit
Einbinden in demokratische Prozesse
Ausgrenzung und Stigmatisierung verhindern
Aufklärung über Gefahren des Extremismus
Landesamt für Verfassungsschutz
Das Landesamt für Verfassungsschutz bietet ggf. in Koopera-
tion mit weiteren Partnern Unterstützung an im Bereich:
Sensibilisierungs- und Fortbildungsveranstaltungen zum
Themenfeld Islamismus, Salafismus, Radikalisierung
Beratung zu islamistischen Bestrebungen
Bewertung islamistischer Medienangebote
Gerne können Sie mit uns Kontakt aufnehmen:
Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen
Neuländer Straße 60
01129 Dresden
Telefon:
0351 8585 0
E-Mail: verfassungsschutz@lfv.smi.sachsen.de
Internet:
www.verfassungsschutz.sachsen.de

31
12. Unterstützungsangebote
Koordinierungs- und Beratungsstelle
Radikalisierungsprävention (KORA)
Die Koordinierungs- und Beratungsstelle Radikalisierungsprä-
vention (KORA) ist Teil des Demokratie-Zentrums Sachsen und
bietet Beratung bei Verdacht auf Hinwendung von Personen
zu radikal islamistischen Ideen an. Weiterhin organisiert KORA
Fortbildungs- und Sensibilisierungsveranstaltungen.
Koordinierungs- und Beratungsstelle Radikalisierungsprävention
SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR SOZIALES UND
VERBRAUCHERSCHUTZ
Geschäftsbereich Gleichstellung und Integration
Albertstraße 10
01097 Dresden
Beratungshotline:
0351 564 564 9
(Montag bis Freitag 9-16 Uhr)
E-Mail: kora@sms.sachsen.de
Internet:
www.demokratiezentrum.sachsen.de
Bundesamt für Verfassungsschutz
Hinweistelefon islamistischer Terrorismus
Das Hinweistelefon ist ein Werkzeug zur Terrorismusbekämp-
fung. Ihre Hinweise können von großer Bedeutung sein und
möglicherweise Menschenleben retten.
Telefon:
0221 792 3366
E-Mail:
HiT@bfv.bund.de
Das Hinweistelefon ist rund um die Uhr erreichbar. Von montags
bis freitags ist in der Zeit von 9–15 Uhr eine Betreuung auf
türkisch oder arabisch möglich.

32
12. Glossar
Glossar
al-salaf al-salih
»die rechtschaffenen Altvorderen«, mit
denen die ersten drei Generationen von
Muslimen bezeichnet wurden.
al-wala wa-l-bara
Loyalität gegenüber Gott und Lossa-
gung vom Unglauben und vermeintlich
Ungläubigen.
Hadith
Überlieferung von Aussprüchen, Taten
und Unterlassungen des Propheten
Muhammad und seiner Gefährten.
Jihad
»Anstrengung, Bemühung«, bezieht sich
auf das innere Bemühen des Gläubigen,
gegen die eigene Triebseele zu kämpfen
und sich an religiöse Gebote zu halten.
Insbesondere im Jihadistischen Sala-
fismus bezieht sich Jihad auf den mili-
tanten Kampf gegen die vermeintlichen
Feinde des Islam.
kafir/kuffar
»Ungläubiger/Ungläubige«
Scharia
Gesamtheit der islamischen Rechtsmei-
nungen, die über die Interpretation der
islamischen Hauptquellen Koran und
Sunna ermittelt werden.
shirk
»Vielgötterei«, Polytheismus
Sunna
»Brauch«, bezieht sich auf die Gesamt-
menge der überlieferten Aussprüche,
Taten und Unterlassungen des Propheten
Muhammad und seiner Gefährten, vgl.
Hadith.
tauhid
Monotheismus

image
Herausgeber:
Landesamt für Verfassungsschutz, Stabsstelle
Gestaltung und Satz:
SV SAXONIA Verlag GmbH/SAXONIA Werbeagentur
Druck:
Druckerei Oskar Görner GmbH
Redaktionsschluss:
21. November 2017
Bezug:
Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden beim:
Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen
Neuländer Straße 60, 01129 Dresden
Telefon: +49 351 85850
Telefax: +49 351 8585500
E-Mail: verfassungsschutz@lfv.smi.sachsen.de
Internet:
www.verfassungsschutz.sachsen.de
Wir bedanken uns bei den Kolleginnen und Kollegen
der Landesbehörde für Verfassungsschutz Nieder-
sachsen, die uns ihre Informationsbroschüre zum Sala-
fismus freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben
und die wir zu einem großen Teil übernommen haben.