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[1]
Erfolgreicher Übergang Schule - Beruf
Gemeinsame Ausgestaltung des Berufsorientierungsprozesses und
Förderung von Berufsorientierungsmaßnamen
im Freistaat Sachsen
Landesförderkonzeption
für die Jahre 2014 bis 2020
des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus
und
der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit

 
[2]
0. Handlungsbedarf
Wissenschaftlich-technische und gesellschaftliche Entwicklungen führen dazu, dass die An-
forderungen in der Arbeitswelt zunehmend wachsen, was sich intensiv auf die benötigten
Qualifikationen und Kompetenzen von Berufstätigen auswirkt. Diese dynamischen Verände-
rungen bewirken aber auch, dass die Arbeitswelt der heutigen Generation junger Menschen
fremder und weniger selbstverständlich gegenüber steht als ihren Eltern und Großeltern.
Selbst die Erwerbsbiografien der eigenen Eltern geben vielen Kindern und Jugendlichen
kaum noch ausreichend Orientierung.
Deshalb ist es eine vordringliche Aufgabe, Schülerinnen und Schülern aller Schularten in
einer für sie nachvollziehbaren Art und Weise die Perspektiven und Möglichkeiten aufzuzei-
gen, welche auf beruflichen Erfolg zielen, persönliche Entwicklungschancen bieten und so
Basis für ein erfülltes Erwachsenenleben sein können.
Jugendliche benötigen kontinuierliche Begleitung, klare Orientierung und praxisnahe Ange-
bote, um möglichst erfolgreich ihren Weg aus der Schule in die berufliche Tätigkeit zu finden.
Auf diesem Weg muss die junge Generation mit der für sie wichtigen Botschaft begleitet
werden: Wir brauchen euch.
Vor diesem Hintergrund kommt allen am Übergang von Schule in den Beruf Beteiligten eine
wichtige Rolle bei der Berufs- und Studienorientierung zu. Nur in Zusammenarbeit von Schu-
le, Berufsberatung und Unternehmen wird es gelingen, die Berufswahlkompetenz und Aus-
bildungsreife aller Schülerinnen und Schüler ausreichend zu fördern und sie zu einer Be-
rufswahlentscheidung zu befähigen, die sowohl ihren persönlichen Voraussetzungen und
Interessen als auch den Gegebenheiten im Freistaat Sachsen entspricht.
Die Berufswahlkompetenz und Ausbildungsreife der Schülerinnen und Schüler nachhaltig zu
verbessern, ist bereits langjähriges gemeinsames Ziel der Sächsischen Staatsregierung und
der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Sachsen (RD Sachsen). In der am 30.
April 2009 unterzeichneten Vereinbarung werden die Verantwortung der Schulseite für die
Steuerungs- und Koordinierungsprozesse zur Berufs- und Studienorientierung im Sächsi-
schen Staatsministerium für Kultus (SMK) festgehalten und Aussagen zur Zusammenarbeit
der Ministerien und mit weiteren Kooperationspartnern getroffen.
Die partnerschaftliche Abstimmung zwischen SMK und RD Sachsen dient der Erfüllung ihrer
gesetzlichen Aufträge nach dem Schulgesetz sowie nach den Vorgaben des Sozialgesetz-
buches Drittes Buch (SGB III) und unterstützt die Handlungsfelder des Strategiepapiers der
Bundesagentur für Arbeit „Perspektive 2025 - Fachkräfte für Deutschland“.
Mit dieser Landesförderkonzeption soll die gemeinsame Ausgestaltung des Berufsorientie-
rungsprozesses entsprechend den gesetzlichen Aufträgen sowie die Förderung ergänzender
Berufsorientierungsmaßnahmen für die Jahre 2015 bis 2020 festgeschrieben werden.

 
[3]
1. Aufgaben von Schule
1.1
Zielsetzung
Zentrale gemeinsame Ziele des SMK und der RD Sachsen sind die Verbesserung der Be-
rufswahlkompetenz, das Erreichen der Ausbildungsreife bzw. der Studierfähigkeit sowie der
gelingende Übergang von der Schule in den Beruf über eine duale Ausbildung oder ein Stu-
dium. Das SMK und die RD Sachsen unterstützen alle Schulen dabei, die Berufs- und Studi-
enorientierung zu optimieren und die individuelle Förderung für die einzelnen Schülerinnen
und Schüler noch zielgerichteter auszugestalten.
1.2
Kernelemente der Berufs- und Studienorientierung
1.2.1 Ökonomische Bildung und berufliche Orientierung im Unterricht
In der Sekundarstufe I der Oberschulen und der Förderschulen sowie in den Sekundarstufen
I und II der Gymnasien sind Berufs- und Studienorientierung fester Bestandteil des Unter-
richts. Grundlegende Kenntnisse über die Wirtschafts- und Arbeitswelt werden sowohl fach-
übergreifend als auch in einzelnen Fächern vermittelt, so in Arbeitslehre/Hauswirtschaft an
den Schulen zur Lernförderung, in Wirtschaft-Technik-Haushalt/Soziales an den Oberschu-
len sowie lernzielgleich unterrichtenden Förderschulen und in Gemeinschaftskun-
de/Rechtserziehung/Wirtschaft an den Gymnasien. In den Schulen für geistig behinderte
Menschen ist in der Werkstufe der Bereich „Arbeit und Beruf“ ebenfalls fester Bestandteil des
Unterrichts.
Es ist Aufgabe aller Schulen, die Kinder und Jugendlichen in einem praxis- und anwen-
dungsbezogenen Unterricht zu fördern, der vor allem auf Kooperation mit regional ansässi-
gen Unternehmen beruht. Im Rahmen von Praxiserfahrungen, Schülerbetriebspraktika und
Berufsorientierungsprojekten lernen die Schülerinnen und Schüler Berufsbilder und mögliche
Ausbildungsbetriebe kennen.
1.2.2 Schuleigenes Konzept zur Berufs- und Studienorientierung
Als Grundlage für eine systematische Berufs- und Studienorientierung ist die Erarbeitung
eines schuleigenen Konzeptes verpflichtend. Dieses ist Bestandteil des Schulprogramms
jeder weiterführenden Schule. Das Konzept ist die Basis für die Zusammenarbeit mit allen
Partnern der Berufs- und Studienorientierung.
Übergreifende Orientierung geben dabei inhalts- und altersspezifisch abgestimmte Kernziele.
Die von den Schulen erstellten Konzepte müssen sich an diesen Kernzielen für die jeweilige
Schulart und Klassenstufe orientieren und mit den von den Agenturen für Arbeit erstellten
Konzepten abgestimmt sein. Die Kernziele sind auch die Basis der Kooperationen von jeder
Schule mit Unternehmen, weil auf deren Grundlage eine systematische Berufsorientierung
aufgebaut und Projekte abgestimmt umgesetzt werden können.
1.2.3 Kooperation
Die Schule unterstützt die Schülerinnen und Schüler durch vielfältige betriebliche Kontakte,
reale Einblicke in die Arbeitswelt zu erhalten. Die Verpflichtung für die Schulen zur Zusam-
menarbeit mit berufsbildenden Schulen und Partnern aus der Wirtschaft ist im Sächsischen
Schulgesetz (§ 35 b) verankert.

 
[4]
Wegen ihrer besonderen Wirksamkeit und Praxisnähe sind Betriebspraktika obligatorisch.
Jede Schülerin und jeder Schüler soll während ihrer bzw. seiner Schulzeit mindestens ein
Betriebspraktikum ableisten. Sofern für Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums ein zwei-
tes Praktikum vorgesehen ist, soll dieses vorrangig im Sinne der Studienorientierung ausge-
richtet sein und möglichst an Hochschulen durchgeführt werden.
An den Förder- und Oberschulen werden Betriebspraktika als schulische Veranstaltungen in
den Formen „Blockpraktikum“ und „Praxistage“ durchgeführt. Für die Durchführung von Be-
triebspraktika kommen als Partner allgemeinbildender Schulen insbesondere Unternehmen
der Industrie, des Handwerks, des Handels und Verkehrs, der Landwirtschaft, des Dienstleis-
tungs- und Versorgungssektors, die öffentliche Verwaltung und soziale Einrichtungen sowie
Berufliche Schulzentren in Betracht.
Bei den Betriebspraktika von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förder-
bedarf ist auf die Spezifik des jeweiligen Förderschwerpunktes und auf die Zusammenarbeit
mit relevanten Partnern (z. B. Träger der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe, Integrati-
onsfachdienst, Rehabilitationspartner) zu achten.
1.2.4 Elternarbeit
Eine wichtige Aufgabe schulischer Berufs- und Studienorientierung ist es, die Eltern einzu-
binden und sie zu motivieren, den Berufsorientierungsprozess gemäß den Fähigkeiten, Inte-
ressen und Potenzialen ihres Kindes zu begleiten und zu unterstützen. Eltern sind auf Grund
ihres Vorbildcharakters nachweislich die wichtigsten Ansprechpartner bei der Berufswahl
ihrer Kinder. Die Herausforderung besteht darin, alle Eltern in diesen Prozess einzubinden.
Ziel aller Aktivitäten soll es sein, in vielfältiger Weise die Ressourcen und Kompetenzen der
Eltern im Prozess der beruflichen Orientierung zu nutzen.
1.2.5 Berufswahlpass
Der Berufswahlpass unterstützt die Strukturierung des Berufsorientierungsprozesses an der
Schule und dient der Sicherung von Ergebnissen. Darüber hinaus wird die Verantwortung
der Schule und ihrer Partner für die Berufs- und Studienorientierung als gemeinsame Aufga-
be gestärkt und regionale Einzelaktivitäten werden besser gebündelt.
Schülerinnen und Schülern sowie Eltern bietet der Berufswahlpass ein Ordnungsprinzip für
alle Angebote zur Berufs- und Studienorientierung ab Klassenstufe 7 und kann für die Be-
werbungsunterlagen herangezogen werden. Für jede Schülerin und jeden Schüler wird der
Berufsorientierungsprozess auf diese Weise strukturiert und über mehrere Jahre begleitet.
Der wiederholte Einsatz des Berufswahlpasses in verschiedenen Fächern und Bereichen
führt bei den Schülerinnen und Schülern zu einer verstärkten Unterstützung und zu Kontinui-
tät. Der Berufswahlpass schafft ein zusammenfassendes und vor allem individuelles Ergeb-
nis, das auch allen Partnern den Entwicklungsprozess nachvollziehbar und transparent wer-
den lässt.
Für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwer-
punkt geistige Entwicklung kommt ein vergleichbares Instrument, das Portfolio „Mein Ordner
Leben und Arbeit“, zum Einsatz.

 
[5]
1.2.6 Qualitätsentwicklung und -sicherung
Für eine Bewertung von Bedarfen, Maßnahmen und Projekten im Bereich der Berufs- und
Studienorientierung liegen Qualitätskriterien vor. Seit dem 1. Oktober 2009 werden diese
Kriterien bei der Bewertung von Projektvorschlägen zur Förderung von Berufsorientierungs-
projekten durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) bzw. die Bundesagentur für Arbeit (BA)
verbindlich angewendet. Sie ergänzen die Vorgaben der ESF-Richtlinie des SMK (Unterset-
zung im Förderbaustein) und die Rahmenbedingungen der BA zur vertieften Berufsorientie-
rung (§ 48 SGB III).
Das Qualitätssiegel für Berufs- und Studienorientierung ist ein schulisches Instrument der
Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung. Es dient den Schulen als Gradmesser für das
Erreichte sowie als weiterer Ansporn, und es trägt Wettbewerbscharakter. Mit dem Siegel
wird die stringente und konsequente Berufs- und Studienorientierung gewürdigt, bekannt
gemacht und weiterempfohlen. Die Verleihung des Siegels ist an Kriterien gebunden. Bei
nachweislicher Erfüllung der Kriterien durch die Schule erfolgt - ähnlich einer Zertifizierung -
die Vergabe des Siegels an die Schule.
Die Mitarbeit des Freistaates Sachsen und der BA im bundesweiten „Netzwerk Berufswahl-
SIEGEL“ sichert die kontinuierliche Weiterentwicklung der zugrunde liegenden Qualitäts-
standards.
2. Aufgaben der Agenturen für Arbeit
2.1
Grundsätze
In der Zusammenarbeit mit Schule ist die Vorbereitung der individuellen Berufs- und Ausbil-
dungsentscheidungen der Schülerinnen und Schüler verbindliche Aufgabe jeder Agentur für
Arbeit. Sie ist Spezialistin für die Berufsorientierung, für individuelle berufliche Beratung, für
berufskundliche Fragen und für aktuelle Informationen zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt
einschließlich der Ausbildungs- bzw. Arbeitsvermittlung.
Die Angebote der Agentur für Arbeit unterstützen die konzeptionelle Arbeit der Schule und
orientieren sich an den Kernzielen der jeweiligen Jahrgangsstufe.
Bei der Berufswahlvorbereitung von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufen I und II
wirken die Agenturen für Arbeit als gesetzlich bestimmter Partner mit. Dabei unterstützen sie
die Schülerinnen und Schüler bei der Berufsfindung, helfen ihnen, eigene Interessen und
Fähigkeiten realistisch einzuschätzen sowie Entscheidungen und Handlungsstrategien zu
erarbeiten und umzusetzen.
2.2
Gesamtkonzept zur Berufs- und Studienorientierung der RD Sachsen
2.2.1 Inhalt
Die Agenturen für Arbeit sind verpflichtet, die agenturspezifischen Angebote und Projekte
unter Einbeziehung der Träger für Grundsicherung jährlich, nach Schularten getrennt, zu
erarbeiten und dem einheitlichen sächsischen Gesamtkonzept zur Berufs- und Studienorien-
tierung (Berufsorientierungskonzept der RD Sachsen) als Anlage beizufügen.

 
[6]
Angebote der Agenturen für Arbeit:
- Festschreibung der verpflichtend durchzuführenden Maßnahmen (Mindestangebot)
- inhaltliche Schwerpunktsetzung in Anlehnung an die Kernziele in den einzelnen Schular-
ten
- zusätzliche, über den unter Punkt 2.3 aufgeführten Zeitrahmen hinausgehende Aktivitä-
ten für die Schulen oder einzelne Schülerinnen und Schüler sowie Eltern, Lehrerinnen
und Lehrer
Berufsorientierungsmaßnahmen (BOM)
- Setzung der inhaltlichen Schwerpunkte der zu fördernden Maßnahmen der Berufsorien-
tierung unter Beachtung der arbeitsmarktpolitischen Schwerpunkte der jeweiligen Agen-
tur für Arbeit
Die agenturspezifischen Anlagen zum Berufsorientierungskonzept der RD Sachsen sowie
die Schulkonzepte für Berufs- und Studienorientierung sind zwischen den Agenturen für Ar-
beit, den Schulen und den Beraterinnen bzw. Beratern Schule-Wirtschaft der Regionalstellen
der Sächsischen Bildungsagentur (SBA) abzustimmen.
2.2.2 Realisierung
Die Agenturen für Arbeit setzen in den Schulen das seitens der RD Sachsen formulierte
Mindestangebot je Schulart verpflichtend um. Ergänzt wird dieses durch zusätzliche Angebo-
te der Berufsorientierung durch die jeweilige Agentur für Arbeit und durch Beauftragung Drit-
ter im Rahmen der vertieften Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung nach § 48 SGB
III (Berufsorientierungsmaßnahmen). Die Angebote zur Berufs- und Studienorientierung so-
wie die Beratungsangebote der jeweils zuständigen Agentur für Arbeit sind Bestandteil des
schuleigenen Konzeptes der Berufs- und Studienorientierung.
2.3
Umsetzung der Angebote der Agenturen für Arbeit in den Schularten
2.3.1 Oberschulen
Die Oberschulen stellen den Agenturen für Arbeit zur Umsetzung der Berufs- und Studien-
orientierung einen Umfang von mindestens 6 Unterrichtsstunden pro Klasse zur Verfügung.
Die Angebote beginnen in der Regel in der Vorabgangsklasse.
Angebote:
- Schulbesprechungen im Klassenverband in der Schule mit einem Gesamtumfang von 2
Unterrichtsstunden pro Klasse
mögliche Inhalte:
o
Vorstellung des Dienstleistungsangebotes der Agentur für Arbeit einschließlich der
Informations- und Beratungsangebote
o
Bildungswege nach dem Schulabschluss
o
Zeitplan für den Berufswahlprozess
o
Überbrückungsmöglichkeiten
o
Informationen zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt

 
[7]
- Schulbesprechung im Berufsinformationszentrum (BiZ) mit einem Gesamtumfang von 2
Unterrichtsstunden und folgenden Zielen:
o
Vorstellen der medialen Angebote (Online- und Printmedien) der Bundesagentur für
Arbeit
o
Kennenlernen der Selbst- und Berufserkundungsmöglichkeiten
o
Selbsttest
o
Berufserkundung
- weitere 2 Unterrichtsstunden aus dem agenturspezifischen Angebot oder zu ergänzen-
den, von der Schule gewünschten Themen bzw. eine Elternveranstaltung in der Vorab-
gangsklasse oder am Beginn des letzten Schuljahres
Die Beratungsfachkräfte legen in enger Absprache mit der Schule den Zeitpunkt der Schul-
besprechungen fest, stimmen zusätzliche Angebote ab und koordinieren die Angebote zur
Berufsorientierung.
2.3.2 Förderschulen
Die Förderschulen stellen den Agenturen für Arbeit zur Umsetzung der Berufsorientierung
einen Zeitraum von mindestens 4 Unterrichtsstunden pro Klasse zur Verfügung.
Die Angebote beginnen in der Regel in der Vorabgangsklasse.
Angebote:
- Schulbesprechungen im Klassenverband mit einem Gesamtumfang von einer Unter-
richtsstunde und spätestens am Beginn des letzten Schuljahres eine einstündige Eltern-
veranstaltung
mögliche Inhalte:
o
Vorstellung des Dienstleistungsangebotes der Agentur für Arbeit einschließlich der
Informations- und Beratungsangebote
o
Bildungswege nach dem Schulabschluss
o
Zeitplan für den Berufswahlprozess
o
Überbrückungsmöglichkeiten
- Eine weitere Schulbesprechung im BiZ mit einem Umfang von 1 bis 2 Unterrichtsstun-
den und folgenden Zielen:
o
Vorstellen der medialen Angebote (Online- und Printmedien) der BA
o
Kennenlernen der Selbst- und Berufserkundungsmöglichkeiten
o
Selbsttest
o
Berufserkundung
-
gegebenenfalls weitere aus dem agenturspezifischen Angebot oder zu ergänzenden,
von der Schule gewünschten Themen
Die Beratungsfachkräfte legen in enger Absprache mit der Schule den Zeitpunkt der Schul-
besprechungen fest, stimmen zusätzliche Angebote ab und koordinieren die Angebote zur
Berufsorientierung.

 
[8]
2.3.3 Fachoberschulen, allgemeinbildende und Berufliche Gymnasien
Die allgemeinbildenden Gymnasien stellen den Agenturen für Arbeit zur Umsetzung der Be-
rufs- und Studienorientierung einen Umfang von mindestens 6 Unterrichtsstunden pro Klasse
zur Verfügung.
Die Fachoberschulen und Beruflichen Gymnasien stellen den Agenturen für Arbeit zur Um-
setzung der Berufs- und Studienorientierung einen Umfang von mindestens 2 Unterrichts-
stunden pro Klasse für Schulbesprechungen zur Verfügung.
Angebote:
- Schulbesprechungen in der Vorabgangsjahrgangsstufe, möglichst in den Deutschkur-
sen, mit einem Gesamtumfang von 2 Unterrichtsstunden
- Schulbesprechung im BiZ mit einem Gesamtumfang von 2 Unterrichtsstunden
mögliche Inhalte:
o
Vorstellung des Dienstleistungsangebotes der Agentur für Arbeit einschließlich der
Selbstinformationseinrichtungen
o
Bildungswege nach der Schule
o
Informationen zu Hochschularten, dualen Studienmöglichkeiten, Studienvorausset-
zungen sowie Studienabschlüssen
o
Studienbewerbungs- und -zulassungsverfahren
o
Informationen zu Ausbildungs- und Überbrückungsmöglichkeiten
o
Informationen zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt
o
Vorstellung der medialen Angebote der Bundesagentur für Arbeit und weiterer Part-
ner der Berufs- und Studienwahl
- 2 weitere Unterrichtsstunden aus dem agenturspezifischen Angebot oder zu ergänzen-
den von der Schule gewünschten Themen bzw. eine Elternveranstaltung, die in der Re-
gel im Vorabgangsjahr durchgeführt wird
Die Berufsberaterinnen und Berufsberater für akademische Berufe legen in Absprache mit
der Schule den Zeitpunkt der Schulbesprechungen fest.
2.4 Zusätzliche Angebote für Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten
Hierbei handelt es sich beispielsweise um zielgruppenorientierte, themenspezifische Semi-
nare oder Workshops und die Beteiligung an Tagen der offenen Tür oder Berufsinformations-
tagen in der Schule. Zur Unterstützung und zur Stärkung der Kompetenzen der Lehrerinnen
und Lehrer im Rahmen der Berufswahlvorbereitung können für diese gesonderte Vorträge zu
berufs- und studienwahlbezogenen Themen angeboten werden. Die Unterstützung kann
auch durch eine Beteiligung an der Lehrerfortbildung erfolgen.
Darüber hinaus arbeiten die Agenturen für Arbeit eng mit den Lehrkräften der Schulen zu-
sammen und stärken deren Kompetenz in Bezug auf die allgemeine Berufswahlvorbereitung,
indem sie ihnen Schriften, Veröffentlichungen und andere Informationen der BA u. a. zur
Lage und Entwicklung auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt zur Verfügung stellen. Auf
Wunsch erfolgt eine Unterweisung zu den medialen Angeboten der BA.

 
[9]
2.5. Weitere Angebote
2.5.1 Angebote für Eltern
Da Eltern einen großen Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder ausüben, müssen diese ak-
tiv in die Berufswahlvorbereitung und -entscheidung einbezogen werden. Dieses gilt insbe-
sondere für Eltern von Jugendlichen mit besonderem Unterstützungsbedarf im Sinne des
SGB III. In Absprache mit den Schulen werden deshalb zusätzliche Elternveranstaltungen
oder Seminare angeboten. Diese Elternveranstaltungen können im BiZ, der Schule, der
Hochschule oder in einem Unternehmen durchgeführt werden.
2.5.2 Angebote im BiZ
Die Angebote zur Berufsorientierung an den Schulen werden durch weitere Veranstaltungen
im BiZ ergänzt. Diese sind Bestandteil des Veranstaltungskalenders der Agentur für Arbeit,
welcher den Schulen zur Verfügung gestellt wird.
Im BiZ werden Vortragsveranstaltungen, Messen und Börsen, Workshops und Bewerberse-
minare durchgeführt. Weiterhin gibt es im BiZ:
- Möglichkeiten zur Nutzung der Online-Angebote der BA sowie für andere berufliche Re-
cherchen,
- ein vielseitiges Angebot an berufskundlichen Filmen,
- illustrierte Infomappen mit inhaltsreichen und zielgruppenspezifischen Berichten aus der
Berufspraxis,
- Bücher und Zeitschriften rund um das Thema Berufswelt,
- Informationen zu Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten im Ausland und
- Informationsmaterialien zum Mitnehmen.
2.5.3 Angebote für Unternehmen
Unternehmen sind nicht nur eine Zielgruppe der Berufsorientierung, sondern auch Partner
und Mitwirkende bei den Veranstaltungen zur Berufs- und Studienorientierung. Sie werden
aktiv beteiligt an der Gestaltung von Vortragsreihen, Ausstellungen, Messen und Börsen. Sie
erhalten die Möglichkeit, in den Agenturen für Arbeit ihre Ausbildungs- und Praktikumsange-
bote vorzustellen. Die Kontakte zu den Unternehmen auf Messen, im Arbeitskreis Schule-
Wirtschaft, zum Tag des Ausbildungsplatzes und auf weiteren Veranstaltungen werden ge-
nutzt, um über wichtige Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt sowie im Hochschulbe-
reich zu informieren und die Betriebe als Kooperationspartner für die Berufs- und Studienori-
entierung zu gewinnen.
3 Umsetzung gemeinsam geförderter Berufsorientierungsmaßnahmen
(BOM)
3.1
Abstimmung von Förderinstrumenten und Akteuren
Der Anspruch, mit Kompetenzen und Ressourcen verantwortungsbewusst umzugehen und
sie so einzusetzen, dass eine möglichst große und nachhaltige Wirkung entsteht, hat bereits

 
[10]
in der Vergangenheit dazu geführt, dass SMK und RD Sachsen den Einsatz ihrer Förderin-
strumente konsequent abstimmen und Maßnahmen gemeinsam planen. Resultierend aus
dem Erfordernis, bei den knapper werdenden Ressourcen Potenziale noch konsequenter zu
bündeln, ist eine weitere Maßnahmen- und Mittelkonzentration von SMK und RD Sachsen
angezeigt.
Davon berührt sind insbesondere die Verantwortungsbereiche der RD Sachsen gemäß § 48
SGB III, die ESF-Förderung des SMK und die im Rahmen der Initiative Bildungsketten sowie
der Berufseinstiegsbegleitung nach § 49 SGB III entwickelten Maßnahmen und Instrumente
mit Förderung des Bundes. Gemeinsames Ziel ist es, mit einem landesweit abgestimmten
Agieren für eine Verstetigung der zentralen Maßnahmen insbesondere auch im Hinblick auf
Höhe, Dauer und Anteile der Finanzierung bzw. Beteiligung an der Finanzierung zu sorgen.
Damit verknüpft sind Qualitätsansprüche sowie Transparenz und Verlässlichkeit für alle Ak-
teure.
Von zentraler Bedeutung ist darüber hinaus das Schaffen und Weiterentwickeln von regiona-
len Kooperationsstrukturen, um auch Synergien aus mehr Systematik und dem Einbinden
regionaler Ressourcen zu ziehen. Die weitere Unterstützung der im Jahr 2012 begonnenen
Einrichtung von „Regionalen Koordinierungsstellen Berufs- und Studienorientierung“ wird
dazu beitragen, dass die Landkreise und die Kreisfreien Städte dauerhaft die erforderliche
Koordination leisten können.
Mit Aufnahme der Tätigkeit der jeweiligen Regionalen Koordinierungsstelle arbeiten die
Landkreise/Kreisfreien Städte eng mit den regionalen Arbeitsgremien der Fachstelle der
Sächsischen Bildungsagentur und den Agenturen für Arbeit zusammen, um im Sinne einer
vorgeschalteten Bewertung beratend Einfluss auf die bei der Sächsischen Aufbaubank ein-
zureichenden Förderanträge nehmen zu können. Bündelung und Abstimmung zielen hier auf
die Erhöhung von Effektivität und Transparenz in der regionalen Beratungs- und Angebots-
struktur.
Die Landesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft fördert in diesem Prozess den Erfah-
rungsaustausch zwischen den Akteuren, steht Unternehmen, Schulen, aber auch kommuna-
len Verantwortungsträgern beratend zur Seite, agiert als Kontaktvermittler zu regionalen und
überregionalen Akteuren und initiiert Veranstaltungen auf Landesebene. Insbesondere un-
terstützt sie die regionalen Arbeitskreise Schule-Wirtschaft in ihren Bemühungen, Kooperati-
onsbeziehungen zu intensivieren und zu vernetzen.
3.2
Maßnahmen und Projekte der vertieften Berufsorientierung und Berufswahl-
vorbereitung gemäß § 48 SGB III sowie die Berufseinstiegsbegleitung gemäß §
49 SGB III
3.2.1 Zielgruppe
Projekte der vertieften Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung richten sich grund-
sätzlich an alle Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender Schulen. Berufsorientierungs-
maßnahmen sollen spätestens ab der Klassenstufe 7 systematisch mit dem Ziel durchge-
führt werden, die individuellen Kompetenzen, Perspektiven und Möglichkeiten aufzuzeigen

 
[11]
und einen zielsicheren Übergang in die duale Ausbildung oder ein Studium vorzubereiten.
Darüber hinaus tragen sie dazu bei, die Quoten der Schulabschlüsse zu erhöhen.
Die Berufsorientierungsmaßnahmen eröffnen der BA mit einer finanziellen Beteiligung von
bis zu 50 v. H. die Möglichkeit zusätzlicher Angebote, um ergänzend zu den berufsorientie-
renden Regelangeboten insbesondere der Schulen und der Agenturen für Arbeit (vgl.
Rah-
menvereinbarung
zwischen
der
Kultusministerkonferenz
und
der
BA
über
die
Zusammenar-
beit
von
Schule
und
Berufsberatung
vom
15.10.2004)
vertiefende Unterstützung anbieten zu
können.
3.2.2 Grundsätze
Die Dauer der einzelnen Projekte richtet sich bedarfsorientiert an Ziel, Inhalt und Zielgruppe
entsprechend den Qualitätskriterien zur Durchführung von Berufsorientierungsmaßnahmen
aus. Die Projekte sollen
- an die individuellen Bedarfe der Schülerinnen und Schülern angepasst sein,
- sich sinnvoll in den Schulalltag integrieren und auf das schuleigene Konzept zur Berufs-
und Studienorientierung abgestimmt sein,
- sich nach den Kernzielen zur Berufs- und Studienorientierung der jeweiligen Schulart
und Klassenstufe richten,
- die Arbeit mit dem Berufswahlpass einbeziehen und die Aktivitäten der Schülerinnen
und Schülern dokumentieren,
- die vielfältigen Angebote von Unternehmen und Einrichtungen zur Berufs- und Studien-
orientierung nutzen,
- relevante regionale Aktivitäten berücksichtigen und
- praktische Erfahrungen der Schülerinnen und Schülern in der Arbeitswelt ermöglichen.
3.2.3 Inhalte
Die Projekte sollen Schülerinnen und Schülern umfassende Informationen und einen vertief-
ten Einblick in die Berufs- und Arbeitswelt geben. Nachfolgend genannte Inhalte stellen we-
sentliche Bausteine von Projekten im Rahmen der vertieften Berufsorientierung und Berufs-
wahlvorbereitung dar:
- umfassende Informationen zu Berufsfeldern (allgemein und speziell),
- Interessenerkundungen,
- vertiefte Eignungsfeststellung durch den Einsatz von Potenzial- bzw. Kompetenzfeststel-
lungsverfahren,
- Strategien zur Berufswahl- und Entscheidungsfindung,
- fachpraktische Erfahrungen durch Einbindung des Lernortes Betrieb, insbesondere be-
trieblicher Praktika,
- Reflexion von Eignung, Neigung und Fähigkeiten zur Verbesserung der Selbsteinschät-
zung,

 
[12]
- Realisierungsstrategien ggf. mit sozialpädagogischer Begleitung und Unterstützung
während der Maßnahme.
Es sollen möglichst viele der genannten Inhalte in einem Projekt enthalten und systematisch
aufeinander abgestimmt sein. Folgende Bausteine sind als Einzelmaßnahmen nicht förder-
fähig, können jedoch Element einer Berufsorientierungsmaßnahme nach § 48 SGB III dar-
stellen:
- Bewerbungstraining,
- individuelle Begleitung der Teilnehmenden (Coaching),
- Förderung der Allgemeinbildung und muttersprachlicher Unterricht,
- Koordinierung von Berufsorientierungsangeboten.
3.2.4 Landesweite Angebote
3.2.4.1 Berufseinstiegsbegleitung
Zur Unterstützung abschlussgefährdeter Schülerinnen und Schüler wurden über bereits be-
stehende Möglichkeiten hinaus Programme zur "Berufseinstiegsbegleitung" aufgelegt. In
diesen Programmen erhalten die Teilnehmer eine individuelle Förderung. Die Berufsein-
stiegsbegleitung beginnt in der Klassenstufe 8 und erfolgt zeitlich befristet auch noch nach
Ende der allgemeinbildenden Schulzeit, um den erfolgreichen Einstieg in eine berufliche
Ausbildung abzusichern.
Ab Beginnjahrgang 2012/13 konnte unter Nutzung des Landes-ESF und mit Kofinanzierung
der RD Sachsen die Berufseinstiegsbegleitung im Freistaat Sachsen flächendeckend abge-
sichert werden. Jede Förderschule und jede Oberschule mit förderungsbedürftigen Schüle-
rinnen und Schülern wurde in das Programm aufgenommen.
Der Bund, vertreten durch BMBF und BMAS, wird die Berufseinstiegsbegleitung im Förder-
zeitraum 2014-2020 für insgesamt 5 Beginnjahrgänge (2014/15 bis 2018/19) aus Mitteln des
Bundes-ESF zu 50 Prozent kofinanzieren. Die Auswahl der Schulen und die Prozessbeglei-
tung erfolgen weiterhin in gemeinsamer Abstimmung zwischen RD Sachsen und SMK.
3.2.4.2 Praxisberater an Schulen
Im Zeitraum Januar 2014 bis Juli 2015 wird das Projekt „Praxisberater an Schulen“ als ge-
meinsam finanziertes Projekt des SMK und der RD Sachsen an 50 sächsischen Oberschu-
len modellhaft erprobt. Ziel ist, die Maßnahmen ab Schuljahr 2016/17 sachsenweit als flä-
chendeckendes Angebot für alle interessierten Oberschulen zu implementieren.
Durch die Praxisberatung soll die Berufsorientierung an sächsischen Oberschulen verbessert
und auf der Grundlage eines landesweit einheitlichen Potenzialanalyseverfahrens noch indi-
vidueller ausgerichtet und strukturiert werden. Entsprechend den Ergebnissen des Potenzi-
alanalyseverfahrens werden vom Praxisberater für jede Schülerin und jeden Schüler Ent-
wicklungspläne erstellt und mit dem/der Klassenlehrer/in, den Eltern und der Schülerin bzw.
dem Schüler abgestimmt und vereinbart.
Auf der Grundlage ihrer Berufserfahrung und nach einer intensiven, tätigkeitsbegleitenden
Fortbildung arbeiten die Praxisberater eng mit den Klassenlehrern/innen, der Berufsberatung

 
[13]
und allen für Berufsorientierung Verantwortlichen zusammen. Sie sind wöchentlich vollum-
fänglich an ihrer jeweiligen Schule tätig und damit zentrale Bezugspersonen für alle Fragen
der Berufs- und Studienorientierung. Ihre Tätigkeit an Schulen umfasst folgende Handlungs-
felder:
- Potenzialanalyseverfahren für Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 7 inkl. Aus-
wertung und Entwicklungsplanung,
- Durchführung von abgestimmter Berufsorientierung in den Klassenstufen 7 und 8 und
- Koordinierung/Abstimmung mit den Angeboten weiterer Akteure.
Die Umsetzung des Projekts (Ausschreibung, Einrichtung und Administration) erfolgt auf der
Grundlage einer Verwaltungsvereinbarung zwischen SMK und RD Sachsen.
Hierfür notwendige Unterlagen (z.B. Leistungsbeschreibung für die öffentliche Ausschrei-
bung oder Projektaufrufe) werden gemeinsam erarbeitet und umgesetzt.
3.2.4.3 Initiative Inklusion, Handlungsfeld 1
Im Rahmen ihrer Zusammenarbeit in der Allianz Arbeit + Behinderung haben das Sächsi-
sche Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz, das Sächsische Staatsministe-
rium für Kultus, die Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit und der Kom-
munale Sozialverband Sachsen eine gemeinsame Vereinbarung zur Umsetzung der Initiative
Inklusion unterschrieben. Die Richtlinie Initiative Inklusion des Bundesministeriums für Arbeit
und Soziales fördert nach Artikel 1 Maßnahmen zur verbesserten beruflichen Orientierung
schwerbehinderter Schülerinnen und Schüler, insbesondere mit sonderpädagogischem För-
derbedarf, aus Mitteln des Ausgleichsfonds. Die Umsetzung in Sachsen erfolgt derzeit durch
das Integrationsamt beim Kommunalen Sozialverband Sachsen, welches die Integrations-
fachdienste mit der Durchführung der Maßnahmen in den Schulen beauftragt.
Zur Zielgruppe gehören schwerbehinderte Schülerinnen und Schüler, die für die Aufnahme
einer Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auf Unterstützung angewiesen sind.
Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt
geistige Entwicklung werden insbesondere in der Werkstufe ergänzend zu den schulischen
Angeboten bei der beruflichen Orientierung durch folgende Maßnahmen unterstützt:
- die Durchführung einer anerkannten Potenzialanalyse einschließlich der Auswertung
und Besprechung zu Maßnahmenbeginn, soweit nicht bereits anderweitig erfolgt,
- Einbindung aller Beteiligten im Prozess der Berufsorientierung durch Etablierung eines
Unterstützerkreises,
- Praxistage sowie Praktika vorwiegend in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes,
- gemeinsame Praxisauswertung und Fallberatung im Unterstützerkreis, Mitwirkung bei
der Formulierung verbindlicher Ziele zwischen Schülerin bzw. Schüler, deren gesetzli-
chen Vertretern und der Agentur für Arbeit,
- Begleitung des Übergangs in das Arbeitsleben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ein-
schließlich der Erschließung und gegebenenfalls Koordinierung anderer Fördermöglich-

 
[14]
keiten sowie Unterstützung bei der Herbeiführung der rechtlichen Voraussetzungen
(Schwerbehinderteneigenschaft), soweit dies im Einzelfall erforderlich ist.
Gefördert werden Berufsorientierungsmaßnahmen, die in den Jahren 2011/2012 bis 2015/16
beginnen. Das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS)
strebt in Zusammenarbeit mit dem SMK und der RD Sachsen eine Verstetigung ab dem
Schuljahr 2016/17 an.
3.2.4.4 Berufliche Orientierung an Gymnasien
Die Berufs- und Studienorientierung am Gymnasium ist darauf ausgerichtet, Schüler zu un-
terstützen, eigenverantwortlich fundierte Entscheidungen für den Übergang in das Erwerbs-
leben zu treffen. Die Schüler sollen die Vielfalt der an das Gymnasium anschließenden Bil-
dungswege erkennen und ihre eigenen Neigungen, Begabungen und Potentiale in die Ent-
scheidungen für weitere Bildungswege einbeziehen. Neben Maßnahmen, die die Anforde-
rungen verschiedener Studiengänge verdeutlichen und die bis hin zur Teilnahme an einem
Frühstudium führen können, werden den Schülern zum Beispiel im Rahmen von Betriebs-
praktika auch Wege einer beruflichen Ausbildung aufgezeigt. Dabei sollen die Schüler Mög-
lichkeiten und Entwicklungschancen, die sich ihnen nach dem Studium oder der Ausbildung
eröffnen, kennen und beurteilen lernen. Insbesondere soll erreicht werden, dass Abiturienten
die Bereitschaft zur Weiterqualifizierung und zur Übernahme von Verantwortung im späteren
Erwerbsleben entwickeln.
Durch präventive und begleitende Förderstrukturen soll dem Entstehen von Wechseln des
Studiengangs oder sogar Studienabbrüchen entgegen gewirkt werden.
Die Agenturen für Arbeit können Maßnahmen der Berufs- und Studienorientierung an allge-
meinbildenden Gymnasien gemäß § 48 SGB III in dezentraler Verantwortung fördern, wenn
sich Dritte mit mindestens 50 % an den Gesamtkosten beteiligen. SMK und RD Sachsen
wirken darauf hin, notwendige Kofinanzierer zu gewinnen (z. B. Unternehmen, Schulen bzw.
deren Fördervereine, Kammern oder Kommunen).
3.2.4.5 Regionale Angebote
Die Planung und Einrichtung von regional oder auf einzelne Schulen begrenzte Berufsorien-
tierungsmaßnahmen nach § 48 SGB III liegt in Verantwortung der jeweiligen Agentur für Ar-
beit und der beteiligten Schulen. Grundlage für die Planung von Maßnahmen bildet jeweils
das schuleigene BO-Konzept.
Die Maßnahmen sollen die regionale Wirtschaftsstruktur angemessen berücksichtigen und
müssen die Regelangebote der Agentur für Arbeit und der Schule ergänzen. Dafür arbeiten
die Agenturen für Arbeit insbesondere mit den zuständigen Regionalstellen der Sächsischen
Bildungsagentur, den Regionalen Koordinierungsstellen der Landkreise und Kreisfreien
Städte, den Kammern und den Arbeitskreisen Schule-Wirtschaft zusammen.
Die Finanzierung der Maßnahmen erfolgt entsprechend § 48 SGB III bis zu 50 % aus Mitteln
der Bundesagentur für Arbeit mit Kofinanzierung durch den Freistaat Sachsen aus Mitteln
des ESF auf der Grundlage der ESF-Richtlinie des SMK. Mit der Umsetzung der ESF-

 
[15]
Finanzierung ist die Sächsische Aufbaubank (SAB) betraut. Zwischen SAB und RD Sachsen
bzw. den regional zuständigen Agenturen für Arbeit gibt es eine regelmäßige Abstimmung
und Bewertung zu eingereichten Förderanträgen für Berufsorientierungsmaßnahmen. Die
Bewilligung und Abrechnung erfolgt nach einem abgestimmten und sachsenweit einheitli-
chen Verfahren auf den Grundlagen der Bestimmungen der Geschäftsanweisung Berufs-
orientierungsmaßnahmen nach § 48 SGB III (GA BOM) der BA und der ESF-Richtlinie des
SMK.
Berufsorientierungsmaßnahmen nach § 48 SGB III können darüber hinaus auch durch ande-
re Dritte (z. B. Unternehmen, Schulen bzw. deren Fördervereine, Kammern oder Kommu-
nen) kofinanziert werden. In diesen Fällen erfolgt die Abwicklung entsprechend der Ge-
schäftsanweisung BOM.
3.2.5 Geplante Finanzvolumen
SMK und RD Sachsen fördern gemeinsam Maßnahmen und Projekte der vertieften Berufs-
orientierung und Berufswahlvorbereitung (Berufsorientierungsmaßnahmen) gemäß § 48
SGB III.
Das Pilotprojekt „Praxisberater an Schulen“ an den 50 Schulstandorten soll fortgeführt wer-
den. Die dafür notwendigen Landesmittel wurden im Doppelhaushalt 2015/2016 durch das
SMK eingeplant.
Mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds sollen im ESF-Förderzeitraum 2014-2020 durch
das SMK die Fördergegenstände „Praxisberater an Schulen“ (bedarfsorientierte Ausweitung)
und „Maßnahmen der Berufsorientierung“ mit bis zu 14.000 T€ bzw. 7.000 T€ gefördert wer-
den.
Die RD Sachsen beabsichtigt, die genannten Maßnahmen im erforderlichen Umfang mitzufi-
nanzieren. Die für die Durchführung der Maßnahmen notwendige Kofinanzierung wird durch
die Arbeitsagenturen in ihren jährlichen Haushaltsplänen im erforderlichen Umfang berück-
sichtigt.
Nähere Regelungen werden durch Verwaltungsvereinbarungen zwischen dem SMK und der
RD Sachsen festgelegt.
3.3
Grundsätze der Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen SMK und RD Sachsen erfolgt kontinuierlich
und auf allen Verantwortungsebenen. In Umsetzung der gemeinsamen Vereinbarung finden
bereits seit Anfang 2009 regelmäßig gemeinsame Arbeitstreffen, Workshops und Informati-
onsveranstaltungen zwischen Verantwortlichen des SMK und der RD Sachsen sowie zwi-
schen Beratern Schule-Wirtschaft der Sächsischen Bildungsagentur, Berufsberatern der Ar-
beitsagenturen und Lehrern für Berufsorientierung statt. Die Abstimmungen auf Arbeitsebene
erfolgen stets anlassbezogen.
Die 2012 auf Abteilungsleiterebene des SMK bzw. der Ebene des Geschäftsführers Operativ
der RD Sachsen begonnene Abstimmung in regelmäßigen Quartalsgesprächen soll fortge-

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[16]
setzt werden. Im Fokus stehen dabei auch Informationen zu aktuellen Entwicklungen im je-
weiligen Geschäftsbereich.
In Kooperationsprojekten tragen die Projektpartner gemeinsam die Verantwortung für die
Projektplanung, das Projektcontrolling, die Projektkoordination, das Projektmarketing, die
Projektdokumentation sowie für die Begleitung der Projektbeteiligten in den jeweiligen Ve-
rantwortungsbereichen. Zu allen Projektinhalten stimmen sich die Projektpartner zielführend
ab. Notwendige Änderungen zu den abgestimmten Aktivitäten und Fördermaßnahmen sind
nur im Einvernehmen durchzuführen, welches frühestmöglich hergestellt werden soll.
Zur gemeinsamen Landesförderkonzeption und den gemeinsamen Projekten findet eine ab-
gestimmte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit statt.
4. In-Kraft-Treten
Diese Kooperationsvereinbarung gilt für den Förderzeitraum 2014 bis 2020 und tritt rückwir-
kend zum 01.01.2015 in Kraft. Änderungen oder Ergänzungen werden gemeinschaftlich in
Schriftform vorgenommen.
Die Kooperationsvereinbarung wird aus wichtigem Grund, insbesondere bei der Neuausrich-
tung von Rahmenbedingungen der Förderung bzw. veränderter Schwerpunktsetzung bei der
Haushaltsaufstellung, angepasst.
Dresden,
den
Brunhild Kurth
Sächsische Staatsministerin
für Kultus
Dr. Klaus Schuberth
Vorsitzender der Geschäftsführung
der Regionaldirektion Sachsen
der Bundesagentur für Arbeit