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Nummer 61, seit 1999
Jahre nur für Euch!

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20 Jahre sind in der heutigen Welt mit ihren immer schnelleren Veränderungen ein langer
Zeitraum. Deshalb kann die Gefangenenzeitung HaftLeben zum Jubiläum mit Stolz auf ihre
vielfältigen Leistungen zurückblicken - umso mehr, wenn es sich um eine von engagierten
inhaftierten Frauen der Justizvollzugsanstalt Chemnitz verfasste Zeitung handelt. Unter den
bundesweiten
Gefangenenzeitungen
nimmt
sie
eine
positive
Stellung
ein.
Die
Justizvollzugsanstalt Chemnitz verlegt die informative Gefangenenzeitung HaftLeben seit
1999 in Eigenregie der Inhaftierten. Unter Leitung des ehrenamtlichen Mitarbeiters Lutz Richter
sammeln die Redaktionsmitglieder
Informationen, schreiben selbst und informieren.
Sie gewähren damit Einblicke in die Chemnitzer Frauenvollzugsanstalt aus Sicht der Frauen.
Eine lebendige Zeitung braucht Freiräume. So kann über Alles geschrieben werden, was bewegt,
belastet oder Freude macht. Und so ist aus den verschiedensten Artikeln über die Jahrzehnte
eine bunte Mischung aus Bildern, Informationen und Humor entstanden. Eine lebendige Kultur
braucht Begegnung, Austausch und Informationen. Dazu leistet die Gefangenenzeitung, die
sich insbesondere als Begleiter und Sprachrohr der inhaftierten Frauen versteht, auf Probleme im
Haftalltag aufmerksam macht und sich unter anderem für einen humanen Strafvollzug einsetzt,
einen wertvollen Beitrag. Dank der Publikation kann auch die interessierte Öffentlichkeit erreicht
werden.
Aus all diesen Gründen danke ich Herrn Lutz Richter und dem Redaktionsteam für ihr
Engagement und ihre Arbeit.
Eike König-Bender
Anstaltsleiterin
Grußwort der Anstaltsleitung
*** 06/1999 erste Ausgabe der „HaftLeben“ - von 2 Bediensteten, 5 Jugendlichen ***
Foto: 09/2016, F29 Architekten, Archiv HL

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Haft Leben
3
„Ellis“ Kaffeekränzchen
……..…..……..……...…..
4
20 Jahre „HaftLeben
….…………...………….
5 bis 7
HL - Gedicht
…………….…...…………………..............
8
GefangenenMitVerantwortung
…….…………….
9
Treffen der Redaktionen „HaftLeben“,
JVA-C, und „Der Riegel“, JVA-DD
….………..
10
Eine Zusammenstellung von Gedanken
zum Grundgesetz, Artikel 1, der Redaktion
der
Chemnitzer
Gefangenenzeitung
„HaftLeben“
………………….…..…………..
11bis 18
Die BAG-S informiert
..…………………...….……..
19
Eine Zusammenstellung von Gedanken
zum Grundgesetz, Artikel 1, der Redaktion
der Dresdener Gefangenenzeitung
„Der Riegel“
..………………………………...
20 bis 24
Leserbrief - Kräutersoße
..……………...….……..
25
HL-Preisrätsel
...….…...…..………………...
26 und 27
Kirche 2019
.……..…………………………...….……..
28
Impressum
….………...………..…………………….....
29
HL-Rezepte
…….………...……..……………………….
31
HL-Rätsel
…….………………………...
30 und 32 bis 34
Der „HaftLeben“-Spruch des Quartals
stammt diesmal aus der Feder von
Immanuel Kant, deutscher Philosoph
* 22.04.1724, † 12.02.1804
Die Pflicht gegen sich selbst
besteht darin, daß der Mensch
die Würde der Menschheit in
seiner eigenen Person
bewahre.
Wir wünschen Stephanie,
Yvonne und Manuela alles
Gute für die Zukunft!
Danke für eure Mitarbeit in der
Redaktion „HaftLeben“.
Es gibt Menschen, für die würde
ich in den Knast gehen und es
gibt Menschen, wegen denen
würde ich in den Knast gehen.
Unbekannt
Inhaltsverzeichnis
Die gesamte Redaktion „HaftLeben“
bedankt sich bei Florian aus der JVA
Dresden für das extra für uns
entworfene Titelbild!
Danke Flori und alles Gute für Dich!
*** 09/1999 Ausgabe „HaftLeben“, Heft 2 ***
Auf den folgenden Seiten sehen sie unten Ereignisse
der Gefangenenzeitung „HaftLeben“
Rechts sehen Sie jeweils alle bisherigen Titelbilder
der „HaftLeben“

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
4
„Ellis“ - Kaffeekränzchen
Miau meine lieben Katzenfreunde...
NEWS - DROGGENSCHMUGGEL IN DIE JVA, SO
WIRD´S RICHTIG GEMACHT!!!
Ahhh - 80 % mehr Leser, wenn die Überschrift ins
Interessengebiet fällt, aber bevor ihr den Tipp
bekommt, müsst ihr bis zum Schluss lesen. Wenn
ihr wollt?!? Katztizia sitzt mir im Nacken und fährt
die Krallen aus, mau...denn wir wollen niemanden
nötigen. Warum die Überschrift? Weil ich seit 10
Jahren Pfötchenabdrücke in eurem Heft hinterlasse
und selbst manch Stammgäste kennen mich nicht,
mauz... Traurig, ihr Bildchengucker! Daher möchte
ich, dank der Überschrift, eure Neugier nutzen, um
mich kurz vorzustellen - Name: Elli, Geburtsdatum:
14.03.2009, Aufgabenbereich: Fellpflege, Fressen
und Spionage. Für alle die, die gerade nix checken -
die heiße Mietze da oben auf dem Bild bin ich, miau!
Und wenn ihr fleißig arbeitet, schleich ich mich, like
a catwomen, durchs Haus 1-2-3, ab und zu durch
den OV - aber da wohnt ja kaum jemand. Ein Fall für
"Kater Mario deckt auf"! Wahrscheinlich dachte man,
lieber haben als hätte! Oder ist das Gebäude des
OV‘S noch nicht fertig gebaut? Oh Gott, mir wird
gerade so einiges klar, man beschäftigt denselben
Bauherren und Planer des Berliner Flughafens,
welcher parallel noch mit der Entrauchungsanlage
beschäftigt ist. Aber hey Mädels, lasst den Kopf
nicht hängen, denn beim täglichen Herumstreunern
habe ich eine Entdeckung gemacht...Etage XY -
unter uns gesagt, mein ehemaliges Katzenklo,
dachte da wohnt keiner und da roch es immer nach
Anschiss oder Einschiss, wie sagt man das denn in
eurer Sprache? Ihr wisst, was ich meine… hab da
immer mit dem unangenehmen Geruch markiert -
Pssst...sagt es keinem! Womit ich euch aber jetzt
glücklich stimmen will ist... Station XY ist bewohnt -
richtige Stimmungspiste, nicht!
Aber mehr los, als im OV. „Freiwillige“, Schwangere,
bevorzugt Hebammen, auch ungelernt, ältere freche
Damen, ruhige, formbare, stumme, taube, Ja-
Sager… Versteht das nicht falsch Mädels, aber da
ist auf einem Dorffriedhof mehr Stimmung, da ist
einmal in drei Monaten ne Beerdigungsfeier und an
warmen Tagen kommt mal jemand Blumen gießen,
miau... Hätte ich die Namensschilder nicht gesehen,
hätte ich weiter gedacht, da wohnt nur ein
„WhatsApp-Kackhaufen“.
Weiter geht’s… für diejenigen, die es in diesem Jahr
nur zum Essen holen aus der dunklen Höhle
namens Bett geschafft haben und Vorhänge
aufziehen und Lüften unter Ruhestörung des Winter-
schlafs zählten… Es ist Frühling, AUFSTEHEN,
mauz! Der Blick aus dem Fenster kann sich
manchmal lohnen, wenn die Mietzen auf dem Hof
mit den Bällen spielen, mau! Für die, die seit
längerem auf dem Trockenen sitzen - lest nochmal
Ahhh… gemerkt, da steht mit DEN, nicht mit IHREN
Bällen!
Und
auch schön zu
sehen, dass es
eine AG gibt -
Volleyball - da
schau ich auch
gern zu, miau... Nur
leider ist das nur mittwochs und für die
Anzahl der Frauen, die hier „überleben“, eine
geringe Spieleranzahl. Warum kann keiner parallel
Tischtennis spielen oder Federball? Da schlägt man
drei Mäuse mit einer Kralle, miau! Bevor ich es
vergesse - WARNUNG - ACHTUNG - WICHTIG -
Ach so, falsch... Crystal, Heroin, Gras, hab ich eure
Aufmerksamkeit? Ja? Okay... Danke! Also bitte
sammelt keine Kleeblätter und nehmt diese mit auf
den Haftraum, denn die Erfahrung hat uns bzw.
einer von uns (keine Namen, da unbekannt
verzogen) „teuer“ bezahlen lassen, denn diese
scheinbar täuschend echten Glücksbringer bringen
maximal
einen
positiven
Drogentest.
Wobei
vermutlich dein Name keine unbedeutende Rolle
spielt oder dein Vorhaben wie zum Beispiel 2/3 oder
1/2 Strafanhörung. Und auf dem Steinweg, der
schon Spuren an den Füßen hinterlassen hat, weil
die spitzen Kanten sich durch deine Fußsohlen
bohren, manchmal sogar tief ins Fleisch, miaaauuu!
Aber du spürst den Schmerz nicht mehr, du
blendest ihn aus, denn du siehst den Horizont und
der Tag erweckt den Anschein, als würde er nach
einer Chance aussehen. Wären da nicht diejenigen,
welche eins zu eins die Charaktereigenschaften des
hässlichen Zwergs vom „Singenden, klingenden
Bäumchen“ angenommen haben und dir auf deine
letzten Meter noch einen Felsen in den Weg legen.
Erschöpft fällst du auf die Kleewiese und probierst
nichts ahnend von dem dir bekannten Glücksklee,
lecker schmecker schleck… plötzlich stand der
„Fänger“ mit seiner „Flöte“ neben dir, welche eine
Doppelfunktion hatte - Wischtest - kein Problem für
dich - bist dir deiner Sache sicher, paar Minuten
später... POSITIV! Deine Erschöpfung hat dich
unvorsichtig gemacht, dabei hast du nicht gemerkt,
welchen perfiden Plan man verfolgte. Du dachtest,
der Fels sei die Hürde und blendest die eigentliche
Gefahr aus, doch aus KleeeehHC wurde THC, 2/3
Ade!
Da
soll
man
noch
uneingeschränktes
Vertrauen haben, die „Behörden“ seien über jeden
Zweifel erhaben...tzzz...!!!
Brauch bald eine Katzenbrille, bin ja nicht mehr die
Jüngste, mauz...
Sagt mal, liegt das an meinen schlechten Augen
oder sind hier neue junge Damen in blau
anwesend?
Die Menschleins hier lassen euch jedenfalls
ausrichteten: Vergesst nicht, dass wir hier genauso
Menschen sind wie ihr!
Eure Elli
*** 03/2000 Ausgabe „HaftLeben“ Heft 3 ***

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Haft Leben
5
In eurem Namen:
20 Jahre
„Haft
Leben“
Wir alle, die je in der Redaktion die
Gefangenenzeitung mitgestalteten,
haben diese 20 Jahre für euch „abgesessen“!
Danke für
eure
Lesetreue!
20 Jahre HaftLeben
*** 09/2000 Ausgabe „HaftLeben“ Heft 4 ***

Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
6
20 Jahre HaftLeben
*** 2001 wurden 3 Hefte der Gefangenzeitung veröffentlicht ***
Rückblick auf 20 Jahre unserer
Gefangenenzeitung „HaftLeben“
Auf fast allen rechten Seiten dieser Ausgabe
seht ihr die Titelbilder
aller bisherigen Ausgaben.
In unserem Zeitstrahl, auf fast jeder Seite unten,
haben wir wichtige Ereignisse der „HaftLeben“
und der JVA Chemnitz dargestellt.
Falls wir etwas vergessen haben, ist das
ausversehen passiert und wir bitten das zu
entschuldigen.
(HL/HB/Red.)
Wenn ich so in unser Archiv der
letzten 20 Jahre HaftLeben reinschaue, stelle ich
fest, wie wenig sich die Hauptthemen über die
Jahre geändert haben und in fast jeder Ausgabe
finden sich Themen die über die Jahre immer mal
wieder von den Redakteurinnen neu bearbeitet
werden. Es ist trotzdem erstaunlich, wie viele
unterschiedlich Themen in diesen 20 Jahren von
uns aufgegriffen worden. Alle Ausgaben unter-
scheiden sich, obwohl wie gesagt, sich viele
Themen wiederholen. Jede Redakteurin hat eben
ihre eigene persönliche Sichtweise zum Thema.
Und ja, die Themen kommen ja von uns selbst. Ihr
sprecht uns an oder schreibt an die Gefan-
genenzeitung über den HL-Briefkasten. Falls euch
etwas bedrückt, findet sich meist auch ein Weg in
die Redaktion „HaftLeben“. Vielen Dank für eure
Ideen, wenn auch manches nicht so direkt in der
Zeitung abgedruckt werden kann, wie ihr manchmal
möchtet. Ihr wisst sicher warum
Wir haben schon über Träume oder Kosmetik, über
Haare und Psyche geschrieben.
Doch das Themas Drogen und vieles was damit in
Zusammenhang zu sehen ist, war aber besonders
oft in den „HaftLeben“-Heften zu lesen. Fast
genauso oft beschäftigte uns das Thema Hygiene
von euren herausgeworfenen Abfällen bis zu den
im Pausenhof gesichteten unerwünschten Getiers.
Probleme, die manche von euch eigentlich erst zu
Problemen machen – denkt da mal darüber nach!!!
Ab und an verirrt sich auch mal eine Frage in den
HL-Briefkasten,
genauso
wie
Kippen
oder
Zigaretten, letzthin schenkte man uns sogar einen
Knopf.
Umso schöner ist es, wenn wir wirklich tolle Sachen
wie Gedichte oder, wie Anfang Juni, eine super
Geschichte im Briefkasten gefunden haben.
Dankeschön Anonymus, melde dich doch mal
vertraulich bei uns oder Adriana.
Auf jeden Fall vielen Dank dafür.
Diese Geschichte von Anonymus findet ihr
übrigens etwas weiter hinten.
Ab und an hat die Redaktion auch schon gehört,
dass die im hinteren Teil abgedruckten Rezepte
von der einen oder anderen nachgekocht oder
gebacken wurden. Das freut die Redaktion
besonders, da bei der Erstellung vieles auf die
Bedingungen hier in Haft angepasst und manchmal
auch vorher probiert werden muss.
Die anderen Frauen und ich freuen uns jedenfalls
immer über eure Ideen, Tipps und Vorschläge. Also
los Mädels, ran an die Stifte und schreibt, was euch
nicht
gefallen, was euch fehlt, was ihr in eurer
Gefangenenzeitung „HaftLeben“ lesen wollt.
Diese Möglichkeit der Kommunikation mit eurer
Redaktion HL wird leider viel zu selten genutzt -
schade.
Wir alle sollten statt einfach nur die Zeit abzusitzen,
öfter mal über tiefsinnigere Dinge nachdenken und
auch mit der richtigen Person bzw. dem richtigen
Menschen darüber sprechen, um nicht völlig
abzustumpfen.
Die letzte und die kommenden Ausgaben sollen
genau dafür der Anfang sein, um euch die Augen
und Herzen zu öffnen. Beschäftigt euch auch mal
mit zwischenmenschlichen Themen, die, die uns
die Augen öffnen, wie zum Beispiel Menschlichkeit,
Würde, Werte und unsere eigene Zukunft.
Ist euch eigentlich schon der kleine Abstand
zwischen
und
auf jeder unserer neueren Titelseiten aufgefallen?
Das ist unser gewollter Abstand zwischen beiden!
Wir sind zwar noch hier drinnen,
doch wir blicken in unsere positive
Zukunft - in unser neues Leben!

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Haft Leben
7
(HL/KU/Red.)
20 Jahre sind nun schon
vergangen seit dem Tag, als sich die ersten
Redaktionsmitglieder, vier junge Männer,
und zwei Stationsbedienstete in der Teil-
anstalt Kaßberg zusammensetzen und die
erste
Chemnitzer
Gefangenenzeitung
„HaftLeben“ zum Leben erweckten. Die
Frage, die sich alle stellten, war: „Okay, wir
wollen eine Zeitung machen, aber wie nur?“
Vier Monate wurde bis zum „Kopieren“
dieser Zeitung fleißig daran gewerkelt. Seit
1999 hat sich natürlich einiges verändert
bzw. verbessert, wie zum Beispiel die
grafische Gestaltung. Nach dem kopieren
wurde gedruckt! Es wurden mit Hilfe der
Gefangen und aus deren Vorschlägen oder
auch Kritiken die verschiedensten Themen
aufgegriffen, die dem einen oder anderen
hilfreich waren und das Interesse der
Nachfrage geweckt haben. Im Laufe der
Jahre
wurden
immer
wiederkehrende
Problematiken aufgegriffen, zum Beispiel
das Thema Drogen und Sucht im Vollzug,
Liebe und Partnerschaft sowie Gesetze und
deren Durchsetzungsmöglichkeiten in der
Haft.
2008 - Nach einer dreijährigen „Zwangs-
pause“, u. a. wegen der Eröffnung der
Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen
und der damit verbundenen Verlegung aller
jugendlichen Gefangenen, ist die Gefan-
genenzeitung im Jahr 2008 wieder aus dem
Schlaf erwacht. Engagierte Inhaftierte hatten
sich für die Wiederbelebung eingesetzt.
Bereits in der zweiten Ausgabe nach der
Wiederbelebung starteten wir im August
2008 in ein neues Zeitalter: Das erste „Haft
Leben“-Heft
mit
farbigem
Cover
ist
erschienen.
Herr
Richter
begann
2008
mit
einer
Redaktion nur für die Frauen in der
Teilanstalt Reichenhain. Gemeinsam mit
Herrn Thieme vom Kaßberg war er für einen
kleinen Teil der HL verantwortlich. Wie Herr
Richter erzählte, gab es gleich mal richtigen
Stunk unter den beiden Redaktionen. 2009 -
„Streik der Männer-Redaktion“ vom
Kaßberg! Die neugegründete Redaktion der
Chemnitzer Gefangenenzeitung „Haft
Leben“ in der Teilanstalt Reichenhain, nur
noch Frauen, muss alleine das komplette
Heft Nr. 21 erstellen. Leider hat es etwas
länger gedauert und so wurde das Heft erst
im Mai 2009 veröffentlicht!
Zehn Jahre HL wurde auf dem Titelbild mit
einem Feuerwerk gefeiert.
Anfang 2010, als die Schließung der
Teilanstalt Kaßberg beschlossen wurde, ist
die „HaftLeben“ zu einer reinen Frauen-
Gefangenenzeitung geworden.
Bis auf wenige Männer im offenen Vollzug
sind in Chemnitz nur noch Frauen inhaftiert.
In der Justizvollzugsanstalt Chemnitz sind
Frauen aus den Bundesländern Sachsen
und Thüringen inhaftiert.
Auch die Zeitungen wie „Freie Presse“,
„Morgenpost“ und der „Lokalanzeiger“ haben
schon
ab
und
an
über
unsere
Gefangenenzeitung
und
unseren
Chef-
redakteur (will er gar nicht hören) berichtet.
Im Dezember 2011, noch im „Europäischem
Jahr der Freiwilligentätigkeit“ wurde die
Redaktion mit dem 3. Dritten Demokratie-
preis
der
SPD-Landtagsfraktion
ausge-
zeichnet.
Neben Herrn Thieme und Herrn Richter
durften einige Frauen der Redaktion mit zur
Auszeichnungsfeier nach Leipzig fahren.
Seit 2017 ist unsere Gefangenenzeitung
sogar online, für alle, die sie auf der Seite
der JVA Chemnitz finden, lesbar.
https://www.justiz.sachsen.de/jvac/
content/950.htm
Mithilfe unseres Redaktionschefs, und hier
gilt es zu erwähnen, dass es sich um eine
ehrenamtliche Tätigkeit handelt und Herr
Richter dafür seine Freizeit opfert, um eine
ansehnliche Zeitschrift zu erstellen, konnten
bisher nur Erfolge verbucht werden und
dafür danken wir dir!
Auch unsere Elli sollte nicht in Ver-
gessenheit geraten. Obwohl sie nun schon
um einige Jahre gealtert ist, dreht sie immer
noch ihre Runden, um das eine oder andere
zu beobachten und uns mitzuteilen, auch
dafür sind wir ihr sehr dankbar! Wir
bedanken uns für die Treue unserer Leser,
die positive und negative Kritik und hoffen
auf weiterhin erfolgreiche Zusammenarbeit
mit unserem Lieblingsredaktionschef, der
stets mit Herz und Seele dabei ist!
20 Jahre HaftLeben
*** Bis 12/2002 wurden 4 „HaftLeben“-Hefte auf dem Kaßberg erstellt ***

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
8
Gedanken zum Grundgesetz, Artikel 1
Treffen mit der Redaktion „Der
Riegel“ aus der JVA Dresden
(HL-HB)
Am 11.04.2019 fand das diesjährige
Treffen mit den Frauen der Redaktion „HaftLeben“
und den Männern der Redaktion „Der Riegel“ aus
der JVA Dresden statt.
Unser Treffen wurde, wie auch in den vergangenen
Jahren, von unseren Chefs Professor Kleinert von
der Dresdener Redaktion „Der Riegel“ und Lutz
Richter von der „HaftLeben“ moderiert.
Beiden Herren gilt ein besonderer Dank, da sie mit
ihren privaten Spenden für Kaffee, Limonade,
frisches Obst und noch die eine oder andere
Kleinigkeit gesorgt haben. Leider haben die JVA
Chemnitz und die JVA Dresden für so ein Treffen
keinerlei Mittel. Das ist armselig und traurig.
Wir alle saßen in einer gelockerten Atmosphäre
zusammen. Nach der Vorstellung lasen wir unsere
selbst
geschriebenen
Artikel
zum
Thema
„Gedanken zum Grundgesetz, Artikel 1“ vor. Dieser
Artikel beginnt mit:
„Die Würde des Menschen ist
unantastbar“.
Hier merkten wir schnell, wie sinnvoll, interessant
und wichtig solche Treffen sind, da jeder Mensch
anders ist, unterschiedliche Ansichten hat und
verschiedene Erfahrungen gemacht hat oder
machen musste. Dadurch bekamen wir auch
andere Sichtweisen gezeigt und konnten unsere
mit den anderen teilen. Jeder Text wurde nach dem
Vorlesen sachlich kritisiert, obwohl sich der Kritik
nicht immer alle anschlossen.
Doch lesen sie selbst, in diesem „HaftLeben“-Heft
drucken wir einige ausgewählte Texte ab.
Diese tollen Texte inspirierten uns auch noch für
die anschließenden Gespräche, in denen es auch
um die nächsten Themen in unseren Gefan-
genenzeitungen ging.
Sogar die Anstaltsleiterin Frau König-Bender ließ
es sich nicht nehmen, uns einen „Arbeitsbesuch“
abzustatten und der Diskussion zu lauschen.
Dieser Tag hat einen sehr positiven Eindruck
hinterlassen und ich denke, ich spreche für alle
Teilnehmer,
wenn
ich
sage,
dass
ein
Zusammenfinden
dieser
Art
wirklich
öfters
geschehen sollte!
Wir danken allen an der Organisation
Beteiligten. Danke, dass sie uns dieses Treffen
ermöglichten, uns unterstützen und uns um
eine sehr positive Erfahrung
reicher gemacht haben.
Foto: Redaktion „Der Riegel“
*** 2003 schaffte die wechselnde Redaktion nur die Hefte 12 und 13 der „HL“ ***

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Haft Leben
9
G
efangenen
M
it
V
erantwortung
*** Bis 12/2004 wurden Ausgaben 2 „HaftLeben“ und ein „HL“-Sonderheft gedruckt ***
(HL/PAF)
So, wieder gibt es etwas zu
berichten, in unserer März-Sitzung hat sich
ganz schön viel zusammengetragen….
Besuch
Viele werden die Situation kennen, man hat
Besuch mit den Liebsten, unterhält sich, isst
und trinkt etwas. Da haben wir doch schon
den Punkt „trinken“, irgendwann muss man
dann natürlich auch mal auf die Toilette.
Passt auf…
- nach 1h wird abgebrochen
- nach 2h dürfen ältere Frauen und
Schwangere auf die Toilette
- alles was über 2 1/2h geht, da könnt ihr mit
den Beamten vom Besuch sprechen, es
dürfte also kein Problem sein.
Katalog
Wir alle konnten über den Otto-Katalog
Sachen bestellen/erwerben. Das wird nun
ein Ende haben, da Otto keine Kataloge
mehr herstellen wird, nun ja wir leben im 21.
Jahrhundert - es lebe das Internet. Aber
keine Sorge, es wird Ersatz angeboten, ab
April wird es den Katalog „BonPrix und
Hessnatur“ geben. Wie wir erfahren haben,
gibt es weiterhin den Otto-Katalog.
Zahnarzt
Lange war bei uns kein Zahnarzt im Haus,
so ist das eben manchmal. Es gab ja aber
eine gute Alternative, Zwickau und Wald-
heim haben den Bohrer für uns frei gegeben,
nett oder nicht.
Renovierung
Ihr werdet es sicher alle schon
mitbekommen haben, dass endlich mit den
Renovierungsarbeiten begonnen wurde.
Beginn ist im EG, man arbeitet sich dann
langsam nach oben. Wir werden auch neue
Möbel bekommen, die heller sind.
Telio
ENDLICH: ab 01.06.2019 werden die Tarife
pro Minute niedriger und zwar wie folgt…
- Festnetz 0,06 €
- Handy
0,12 €
Ins Ausland
- Festnetz 0,09 €
- Handy
0,19 €
HL - in eigener Sache:
Wo bleiben eure Leserbriefe?!
(HL-LM/KU) Nach langer Überlegung und
Rücksprache mit verschiedenen Frauen
aus unserer Redaktion möchte ich mich
nun mit einer Bitte an euch wenden.
Schreibt Leserbriefe! Ich weiß, dass man
nicht immer die Lust hat etwas zu
machen, man wird hier drinnen träge,
nimmt sich etwas fest vor und hat am
Ende doch nichts gemacht, weil die Lust
einen verlassen hat. Alles wird einem hier
hinterhergetragen
und
größtenteils
abgenommen, ich weiß.
Also Frauen, in euren Köpfen ist sicher
genauso viel los wie in meinem. Anstatt
Kritik über die erschienene HaftLeben nur
verbal zu äußern, nehmt euch doch
einfach mal Stift und Papier und schreibt
auf, was euch beschäftigt, gebt uns
Themenvorschläge, Verbesserungsideen
oder was euch sonst noch einfällt, nehmt
kein Blatt vor den Mund, das tut ihr ja
sonst auch nicht und in diesem Fall
würden wir uns sehr darüber freuen! Also
bitte, schreibt uns und steckt es in den
„HaftLeben“ Briefkasten, wir freuen uns
drauf!

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
10
Von Mensch zu Mensch
(HL/PAF)
Im Grundgesetz der Bundesrepublik
Deutschland steht im
Art 1. (1) Die Würde des Menschen ist
unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist
Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Sie
wird
als
unveränderliches
Grundrecht
angesehen und entsteht schon mit der Zeugung,
was jedoch umstritten ist. Die Würde des
Menschen
ist
somit
oberster
Wert
des
Grundgesetzes.
Die Würde des Menschen - Was ist das?
„Als Menschenwürde versteht man die Vorstellung,
dass alle Menschen unabhängig von irgend-
welchen Merkmalen wie etwa Herkunft, Geschlecht
oder Alter denselben Wert haben, da sie sich alle
durch ein dem Menschen einzig gegebenes
schützenswertes Merkmal auszeichnen, nämlich
die Würde.
Die Menschenwürde und die Menschenrechte
stehen als unveräußerliche Rechte über der
Verfassung und über den Gesetzen eines jeden
Staates.
Die Staatsgewalt hat Angriffe auf die Menschen-
würde sowohl rechtlich wie auch tatsächlich zu
behindern und entsprechende Vorkehrungen hier-
gegen zu treffen.“
So, nun nochmal auf Deutsch und was ich darunter
verstehe.
Die Würde ist, was uns von anderen unterscheidet,
was uns abhebt, uns ausmacht, was uns
gezeichnet hat. Sie ist unser Gemeinwesen, denn
der Mensch hat die Freiheit, sein Wesen selber zu
schaffen.
Wo ist eigentlich meine Würde, wo steht sie, wie
weit geht sie und wo wird sie mal enden?
Meine
Würde
ist
mein
Dasein,
meine
Persönlichkeit, mein Wesen, meine Charakter-
eigenschaften,
meine
Seele
sowie
intensive
Gedanken, die nur mir gehören, dass was ich erlebt
und gesehen habe, was mich geprägt hat.
Aber auch das, was mich für andere besonders
macht.
Die Würde ist, denke ich, wie ein Fingerabdruck,
sie ist einzigartig, einmalig und sagt, wer wir sind.
Jeder hat also ein Merkmal, was sich zum anderen
abhebt.
Vielleicht ist es ja auch die bloße Existenz. Wir sind
ja alle von Geburt aus anders.
Zählt denn eigentlich die Mentalität auch dazu,-
schließlich ist es die Denk- und Anschauungs-
weise, die Sinnes- und Geistesart und was ist mit
dem Temperament, es ist die Wesens- und
Gemütsart. Dann ist da noch die Kultur.
Es sind so viele kleine Dinge, die mit in die Würde
einfließen und uns beeinflussen. Was ist zum
Beispiel mit Vorbildern, von ihnen schauen wir uns
doch auch einiges ab.
Ich denke, dass die Würde der Grundbaustein von
allem ist, also von unseren Gefühlen, dem Denken
und Handeln, unserem Charakter, den Stärken und
Schwächen usw.
Wir sollten sie schützen, denn sie ist das
wichtigste, was wir ganz allein, also nur für uns,
besitzen.
Ab wann besitzen wir aber eigentlich die Würde,
haben wir sie schon als Kind, liegt sie in der DNA.
Mh, wir werden ja alle erzogen, also werden wir ja
in eine Richtung geleitet oder besser gesagt, wir
werden in die Welt hineinerzogen. Uns wird gelernt,
was wir dürfen und was nicht, also wird man ja
beeinflusst und man kann in den Kinderjahren
schon sehen, wie man mal werden wird. Immerhin
ist ja klar, dass wir in unseren jungen Jahren noch
gar nicht bewusst selber entscheiden können, da
wir noch nicht wissen, was es überhaupt bedeutet.
Nur irgendwie besitzen wir ja schon eine gewisse
Würde, auch wenn es Unterbewusst ist. Oder?
Also, wenn ich an meine Kindergarten- und
Schulzeit zurückdenke, dann habe ich mir schon da
nicht alles gefallen lassen. Nun kann man sagen,
du wurdest so erzogen oder das hat was mit
Selbstbewusstsein zu tun. Das hat es ja auch
irgendwo, ich meine im Kindergarten und auf der
Grund- und Mittelschule kopiert man ja größtenteils
von den anderen.
Gedanken zum Grundgesetz, Artikel 1
Bild: © Joachim Heller, Airbrush
*** 2005 bis 2007, die Redaktion „HaftLeben“ gibt es nicht mehr ***

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Haft Leben
11
Weiter von Seite 10
Aber als ich dann so 14-15 Jahre war, hab
ich mich dann bewusst nicht unter meiner
Würde behandeln lassen.
Unter meiner Würde, was bedeutet das
denn schon wieder?
Um diese Frage zu beantworten, muss ich
mir erst mal die Frage stellen - Für was
stehe ich alles ein?
Für Ehrlich- und Aufrichtigkeit, für Loyalität
und Toleranz, für Respekt und Treue, dass
und vieles mehr preise ich an und lebe es,
so gut es geht.
Ich
möchte
darunter
nicht
behandelt
werden.
Ich bin eine aufrichtige Person und möchte
auch so behandelt werden, mit dem
gewissen Respekt und Achtung.
„Jedes Menschenleben ist gleich wertvoll,
jeder Mensch besitzt die gleiche Würde.
jeder einzelne hat daher einen Anspruch,
dass sich der Staat schützend vor sein
Leben stellt.“
Ich selbst wurde meiner Würde schon
zweimal beraubt, was auch für eine
gewisse Zeit mein persönlicher Untergang
war.
Ich habe mich nutzlos, hilflos, gedemütigt,
körperlich
schwach,
zerbrechlich,
ver-
lassen, kalt und benutzt gefühlt.
Als ich in den Spiegel gesehen habe, habe
ich ein Wrack, ein Nichts gesehen. Ich war
mir selber nichts mehr wert gewesen und
wollte nicht mehr sein.
Meine Würde als Frau existierte nicht mehr.
Mir wurde einfach alles genommen.
Und dann hier, man muss sich vor zwei
Beamten entkleiden, sich bücken und
husten.
Entwürdigung pur.
Muss man sich denn heutzutage wirklich
seine Würde noch verdienen. Kommt es
wirklich auf die Nützlichkeit des Menschen
an und die Leistung, die er erbringt. Es
heißt doch eigentlich „Die Menschenwürde
kann dem Menschen nicht genommen
werden, wohl aber kann der Achtungs-
anspruch
verletzt
werden,
den
jeder
einzelne Mensch als Rechtspersönlichkeit
hat und der ihm Kraft seines Menschseins
zukommt. Der Schutz der Menschenwürde
bedeutet daher zunächst den Schutz vor
der Verletzung dieses Achtungsanspruchs.
Der Staat hat daher alles zu unterlassen,
was die Menschenwürde beeinträchtigen
könnte.“
Mh, okay, gut, aber wo war mein und dann
unser aller Schutz bitte.
Mein „Ich“ wurde damals einfach benutzt
und missbraucht, dabei hat doch niemand
das
Recht,
über
mein
Wesen
zu
bestimmen.
Ich hatte meine Würde verloren, sie war
einfach weg.
Ich hatte gegen meine eigenen Prioritäten
verstoßen und gegen all das, worauf ich
soviel Wert gelegt hatte.
Ich habe einfach aufgegeben.
Ich habe meine Würde nie vergessen und
sie steht heute höher als je zuvor.
Meine neues Leben soll würdig verlaufen
und ich möchte selber bestimmen sowie
mich frei in meiner Persönlichkeit entfalten
können.
Wenn die Zeit dann ran ist, möchte ich in
Würde sterben und auch nach meinem Tod
nicht mein persönlichen Achtungsanspruch
verlieren.
„Meine Würde ist mein Leben und mein
Leben ist unantastbar und nur von mir
beeinflussbar“
Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass
wir uns nicht bekämpfen sollten oder gar
ausschließen.
Wir sollten UNS alle achten. Es ist egal, ob
wir unterschiedlicher Herkunft sind, ob wir
verschiedene Sprachen sprechen oder
welche Nationalität wir pflegen.
Wir sind alle verschieden, doch in unseren
Adern fließt das Blut, gleich rot.
Gedanken zum Grundgesetz, Artikel 1
*** 06/2008 die Redaktion HaftLeben arbeitet nach fast 3 Jahren wieder ***

Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
12
(HL-KU)
Wenn es um das Thema „Würde“ geht, ist
der erste Gedanke bei uns Gefangen hier in der
JVA Chemnitz kein positiver, denn sofort denkt
man daran, wie entwürdigend es ist, hier
anzukommen und alles abgeben zu müssen, von
den privaten Klamotten angefangen bis hin zu dem
wenigen Schmuck, der einem gelassen wird.
Genau darüber denke ich allerdings nicht nach! Mir
kommt sofort nur ein Gedanke und der gilt meinem
Russen, meinem geliebten Verlobten, der trotz der
ganzen Scheiße, die wir beide im Laufe unserer
8jährigen Beziehung angestellt haben, immer noch
zu mir hält und das gilt es, meiner Meinung nach,
sowas von zu würdigen! Er hat es geschafft, als
einer der wenigsten direkt in der ersten Woche
meines „Zwangsurlaubs“ einen Besuchstermin
ohne mein Zutun zu vereinbaren und mir damit
schon die erste Überraschung bereitet. Zuhause
wurden
meine
Sachen
alle
fein
säuberlich
eingepackt und versandfertig gemacht, so dass
nicht irgendeiner von den „Bummis“ in unserem
Kreis auf die Idee kommt, sich das eine oder
andere unter den Nagel zu reißen. Ich denke, fast
alle von uns hier drinnen wissen um die Angst, die
uns anfänglich Tag und Nacht begleitet, was wohl
aus unseren Sachen wird, unserer Wohnung und
den vielen Kleinigkeiten, welche uns lieb und teuer
sind. Viel zu oft hört man von Wohnungen, die von
fremden Leuten einfach dreist geplündert werden,
alles Mögliche wird einfach entwendet, um die
Sucht nach Drogen oder Geld zu stillen. Selbst vor
dem geliebten Haustier wird nicht Halt gemacht!
Ich kann von Glück reden, dass mir so etwas
erspart geblieben ist und das habe ich nur meinem
Russen zu verdanken, der nicht nur mich, sondern
meine Sachen mit Würde behandelt und so schützt,
dass
ich
nachts
ruhig
schlafen
kann.
So
selbstverständlich war das für mich nämlich
anfänglich nicht, denn als mein Russe für ein Jahr
inhaftiert wurde und ich frei war, war ich genau
einer dieser „Bummis“, der einfach dreist seine
Sachen genommen und verkauft oder gegen
Drogen eingetauscht hat, um meinen immer höher
ansteigenden Konsum befriedigen zu können.
Heute tut mir das unendlich leid und ich würde nicht
noch einmal auf die Idee kommen, so einen Fehler
zu begehen. Nun wurde ich inhaftiert und in mir
stieg die Angst, er könne dasselbe mit meinen
Sachen machen. Mit Liebe hat das nichts zu tun, es
steht außer Frage, dass wir uns immer geliebt
haben und uns immer lieben werden, es war
damals einfach meine Sucht und die Einsamkeit,
die mich dazu getrieben hat. Er muss zwar im
Moment ohne mich und mit unseren 4 gemein-
samen Kindern allein klarkommen, aber er hat das
Glück, nicht drogenabhängig zu sein und so lief es,
entgegengesetzt aller meiner Befürchtungen, ganz
anders. Er hat mir nie einen Vorwurf aus meinen
Fehlern gemacht, für ihn sind das nur materielle
Dinge, die keinen Wert hatten und alles was zählt
ist, dass wir zusammenhalten und weiterhin durch
dick und dünn gehen. Ich habe daraus gelernt,
dass es wichtig ist, sich gegenseitig zu ehren und
zu lieben und sich gegenseitige Würde zuteil
kommen zu lassen!
*** 08/2008 erstes farbiges Cover der „HaftLeben“ ***
Die Würde des Menschen...
(HL/HB)
Jemanden würdevoll zu behandeln, sollte
eine Selbstverständlichkeit in unserer heutigen Zeit
sein. Würdelos zu behandeln, also so, als wäre man
nichts wert, ist für mich gleich zu setzen mit
Unmenschlichkeit. Nur was bestimmt eigentlich den
Wert eines Menschen? Seine Persönlichkeit, sein
ganzes ''Dasein'', seine Werte. Aber was ist denn
mit ''Werten'' gemeint? Ich denke, der Wert eines
Menschen ist abhängig wofür er lebt, kämpft und
steht.
Die Würde eines Menschen ist für mich alles das,
was sich in keinem materiellen Wert widerspiegelt
und nichts, was man wortwörtlich anfassen kann.
Dennoch gibt es Situationen im Leben, in denen
Menschen ihre Würde freiwillig abgeben und andere
Situationen, in denen wir sie durch andere verlieren.
Nur wenn die Würde das Einzigste ist,
was wirklich nur uns gehört und
uns niemand nehmen kann, warum können dann
teilweise fremde Menschen damit umgehen wie sie
wollen? Für die Menschen, die sie freiwillig
abgeben, wird es sicherlich gute Gründe geben
oder gegeben haben. Alles andere scheint für mich
unwürdig.
Mensch
Würde
Leben
Gedanken zum Grundgesetz, Artikel 1

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Haft Leben
13
Gedanken zum Grundgesetz, Artikel 1
Der Menschheit Würde ist
in eure Hand gegeben,
Bewahret sie!
Sie sinkt mit euch!
Mit euch wird sie sich heben!
Friedrich von Schiller (1759 - 1805)
*** 09/2008 Herr Richter beginnt mit der Arbeit in der Redaktion ***
(HL/OT)
Das Thema Würde ist ein sehr
umfangreiches und kraftvolles Wort! Und da
fängt es auch oft an. Nehmen wir z. B. die
JVA Chemnitz. Jeder der hier einfährt,
denkt sofort nur an das Negative, vom
Hören und Sagen. Wenn ich es mal aus
meiner Sicht beschreiben darf und ehrlich
bin, dann habe ich dasselbe gedacht. Aber
in der gesamten Zeit, die ich nun hier bin,
muss ich auch mal einiges dementieren!
Und auch mal ganz klar sagen, dass auf
jeden Fall mal ein Dankeschön zum
Vorschein gebracht werden muss! Und das
genau an die Bediensteten, die ihre
Menschlichkeit nicht vor dem Tor geparkt
haben! Die trotz alledem, egal warum man
hier ist, menschlich und würdevoll mit
einem umgehen. Die, die einem auch mal
das Gefühl vermitteln, das man nicht das
Letzte ist, die einem auch mal zum lachen
bringen, die zuhören und auch mal den
einen oder anderen Tipp geben, wenn man
manchmal nicht weiter weiß. Es reichen
auch oft nur lieb gemeinte Worte, wo man
sich auch stückweit sicher sein kann, dass
diese auch ehrlich gemeint sind. Wo es
nicht heißt „ja selbst schuld“ oder man
einfach nur abwertend behandelt wird. Hier
drin ist es oft nicht leicht. Aber das ist
schnell egal, wenn das Lächeln aufkommt.
„Beispielsweise“ die Musik ist laut und die
Tür ist auf, da gibt es echt „Ausnahme-
Beamte“ die nicht sofort brüllen, Musik
leiser und Tür zu. Im Gegenteil, es gibt die,
die sogar lachen und einfach mal mitsingen.
Außenstehende können sich das gar nicht
vorstellen, was solche Momente bewirken
können!
Schön
wenn
eine
gewisse
Harmonie entsteht, man fühlt sich gleich ein
kleines Stück wohler. Dann gibt es leider
noch die Schattenseite! Die Bediensteten
die das komplette Gegenteil davon sind.
Die ihre Macht ziemlich weit ausspielen und
richtig Freude daran haben, einem das
Leben hier so unangenehm wie möglich zu
gestallten. Und genau diese Situationen
sind sehr oft einfach nur unerträglich,
obwohl
man sich stets
bemüht,
die
Höflichkeit zu bewahren, ist das oft einfach
nur erniedrigend. Genau da, wo man
innerlich schon fast am platzen ist und
eigentlich mal so richtig auf den Tisch
hauen will, muss man sich bremsen!
Provozieren ist nicht gut. Denn genau das
versuchen
die
meisten,
einem
zum
Ausrasten zu bringen. Um dann den
besagten
ROTEN-Knopf
drücken
zu
können und das aus purer Freude - um zu
sehen, was passiert. So habe ich jedenfalls
manchmal das Gefühl! Aus genau solchen
Gründen fragt man sich wirklich, wer hier
würdig oder unwürdig erscheint! FAKT ist,
dass das Gute immer noch das Schönste
zum wertschätzen ist.
Die Tatsache ist,
dass es wirklich Bedienstete gibt, die
einfach nur toll sind, weil sie genau so sind
wie sie sind. Genau aus diesen Gründen
haben sich die Beamte ein großes Danke-
schön verdient, weil sie diese positiven
Eigenschaften an den Tag bringen. Und
nicht ihre Vorteile daraus ziehen.
Danke für ihre Arbeit!

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
14
„Die Würde des Menschen ist
unantastbar“
(HL/PAF)
Klingt das nicht wie das Paradies, wie ein
Versprechen?
Doch gibt es das Versprechen auch hier im Knast?
Die Menschen sollen sich frei entfalten dürfen und
ihre Freiheit, selbst bestimmen können.
Freie Entfaltung?
Wer hinter Gefängnismauern lebt oder kein Geld
zum Leben hat, für den ist nicht mehr viel übrig
vom würdigen Leben. Doch gerade in solchen
Situationen braucht man die Menschenwürde am
meisten und dringendsten. Die Menschenwürde hat
viele Bedeutungen, doch am Ende verspricht sie
doch, dass am Menschsein etwas bleiben muss,
selbst wenn die Freiheit auf eine Größe von ca.
10 m² geschrumpft ist.
Die
Wahrheit
ist
jedoch:
Der
Schutz
der
Menschenwürde wurde aus der Hölle geboren. Tut
mir leid, aber so ist es leider nun mal.
1977 beschloss das Bundesverfassungsgericht in
ihrer Lebenslang-Entscheidung, dass auch lebens-
lange Haft mit der Menschenwürde vereinbar ist,
obwohl kaum jemand 15, 20 Jahre ohne Schäden
an Leib und Seele überstehen kann. Das Gericht
setzte aber hinter der Vereinbarung ein großes
ABER. Menschenwürdig sei der Strafvollzug nur
dann, wenn dem Gefangenen zumindest die
Chance verbleibt, je wieder der Freiheit teilhaftig zu
werden. Das ist auch so ein schöner Satz, mit dem
gewisse Konsequenzen auf sich kommen –
Therapieangebote, Resozialisierungsbemühungen
und vielleicht doch eine vorzeitige Entlassung.
Leider ist die Menschenwürde somit auch noch
messbar geworden.
Unser Dasein darf aber nicht in den Hintergrund
geraten, wir dürfen und wollen uns entfalten, auch
hier.
Das Gericht sagte auch, „Selbst durch unwürdiges
Verhalten geht die Menschenwürde nicht verloren.
Sie kann keinem Menschen genommen werden“.
Da stellt sich mir die Frage – Wer wird bei dieser
Aussage konkret angesprochen. Alle Menschen
oder alle außer den Gefangenen?
Was bedeutet denn unwürdiges Verhalten – Essen
klauen, weil man kein Geld hat, über jemanden
urteilen, obwohl man die Person nicht kennt,
egoistisch sein und mal nur an sich denken, für
seine Rechte kämpfen, auch wenn man nur eine
Nummer ist…was heißt es und wo werden
Unterschiede
gemacht.
Darf
man
überhaupt
Unterschiede machen, alle Menschen haben doch
das gleiche Recht auf Würde. Aber warum werden
männliche Gefangene dann würdiger behandelt als
weibliche oder ist das nur ein Gerücht?
Wir alle sollten würdevoll behandelt werden, auch
wenn wir uns unwürdig verhalten haben.
Aber, vielleicht bedeutet Menschenwürde doch
nur – Hoffnung!
*** 05/2009 die HL-Frauen-Redaktion erstellt ihr erstes „HaftLeben“-Heft ***
Gedanken zum Grundgesetz, Artikel 1
Foto: Kleinert,
Red. Der Riegel, DD

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Haft Leben
15
Gedanken zum Grundgesetz, Artikel 1
Die Würde…
(HL-BFM)
In meinem Leben gibt es ein
paar viele Menschen, die es definitiv
verdient haben, sie zu würdigen, aber in
meinem Leben gibt es noch ein sehr
wertvolles Lebewesen, die es gleicher-
maßen verdient hat, schon allein für ihre
bedingungslose Liebe und Treue über all
die Jahre.
Ihr Name: Boncuk!
Wenn es sowas wie Liebe auf den ersten
Blick gibt, dann war es bei ihr definitiv so.
Nicht ganz 14 Jahre ist es her, da sah ich
sie zum ersten Mal auf einem Foto und
mein innerstes Gefühl sagte, wir gehören
zusammen. Ich war 18 und Verantwortung
ein Fremdwort. Jeder hoffte, dass es ihr
nicht wie Fritzel ergeht. Fritzel war der
Hund, den ich mir mit 6 Jahren vom
Weihnachtsmann gewünscht habe. Die
Rasse - Mehrschweinchen. Schnell hatte
ich das Interesse verloren, dennoch hatte
Fritzel ein schönes Leben, dank meiner
Schwester.
Die
Zweifel
waren
also
nicht
ganz
ungerechtfertigt. Kurze Zeit später war sie
auch schon an meiner Seite. Vor meinem
Elternhaus warteten schon Freunde und
Familie. Begeisterung sah irgendwie anders
aus, aber das ändert sich ganz schnell, da
sie mit ihrer tapsigen und unbeholfenen Art
jeden um ihre Pfoten wickelte. Ich war
beruhigt, aber die größte Hürde stand mir
noch bevor.
MEIN VATER. Sein zweiter Vorname -
AUTORITÄT. Ich wohnte noch zu Hause
und habe Ihn nicht um Erlaubnis gefragt, da
ich seine Antwort schon kannte. War halt
ein kleines Schlitzohr. Ratlosigkeit machte
sich breit, denn ich wusste nicht, wie ich es
ihm schonend beibringe. Und ich hatte
schon sein Gesicht vor Augen, mit diesem
strengen Blick, welcher jedes Kind in eine
Schockstarre versetzte und seine tiefe
Stimme, mit den Worten - Solang du deine
Füße unter meinen Tisch setzt ......... !
Gedanklich, packte ich schon Koffer.
Fuck.. Sein Schlüssel .... Improvisation war
gefragt. Der Schlüssel drehte sich im
Schloss.
Die Tür geht auf. Meine Worte stürzten auf
ihn ein - Hey wir müssen mal reden
(fragende Blicke seinerseits).
Ich setzte meinen Hundeblick auf, der hat
schon manchmal gezogen und passte ja
irgendwie auch zum Thema.
Ich atmete tief ein und wieder aus und
sagte: „Ich habe mir etwas gekauft!“
Darauf er: „Aha was denn? Eine Jacke?“
Ich: „Einen Hund ....“ Puhhh, es war raus,
aber seine Nasenflügel weiteten sich -
schlechtes Zeichen. Er war sauer und
fragte was für eine Rasse?
Ich: „Einen American Staffordshire Terrier.“
Es wird laut und er sagt wütend ..: „WAS,
so ein Kampfhund kommt mir nicht ins
Haus“ und wollte wissen, wo der Hund im
Moment ist! Nach kurzem Zögern verriet
ich mein Versteck, wollte ihn nicht noch
mehr verärgern, also sagte ich: „bei meiner
Schwester“.
Er machte nicht den Anschein, als könnte
man noch irgendwas an seiner Meinung
ändern. Enttäuscht und den Tränen nah -
ging ich raus, um eine zu rauchen. Als ich
wieder von draußen rein kam - KEINER
MEHR DA. Mein Vater weg. Oh Oh ...
Ich rannte zu meiner Schwester und mein
Vater war vor Ort...und ein Wunder...er
lebt...der böse Kampfhund hat ihn noch
nicht zerfetzt.
Irgendwas war passiert...er saß neben
Boncuk und niemand sagte ein Wort, er
schaute
auch
nicht
mehr
böse...er
entspannte sich, denn Boncuk strahlte eine
unglaubliche
Ruhe
aus...mir
fiel
ein
Brocken vom Herzen und ich musste
grinsen, was nicht unbemerkt blieb, denn er
sagte: „Warum grinst du so, das letzte
Wort ist noch lange nicht gesprochen!“
Darauf ich: „Ich grinse nur, weil ich glücklich
bin...glücklich darüber, dass deine Hände
noch dran sind, denn bei so einem Hund
weiß man nie…“ (Aber ich grinste, weil ich
sah, dass er sie mag).
Ja ja... provokant...es trug auch nicht dazu
bei, dass sich seine Laune besserte, aber
ich hoffte darauf, dass ich bei ihm einen
kleinen Denkprozess ankurbeln kann und
scheinbar mit Erfolg, denn wir durften
bleiben….
Abbildung ähnlich, free, Wikipedia
*** 2009 10 Jahre Chemnitzer Gefangenenzeitung „HaftLeben“ ***

Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
16
*** 2009
noch zwei „HL“-Hefte folgten ***
Weiter von Seite 15 …
(Aber auch wenn er sich dagegen entschieden
hätte...hatte ich meine Entscheidung zuvor bereits
getroffen
- ich gehe meinen Weg mit ihr
zusammen...)
Ich war so glücklich...ab nun hieß es 24/7 wir zwei…
Denn ganz so verantwortungslos war ich nicht, denn
im Vorfeld habe ich mit meinem Chef besprochen,
dass Boncuk ein warmes Plätzchen in der Werkstatt
bekommt.
Ich liebte die Spaziergänge mit ihr, sie war noch so
"klein" und neugierig, wollte alles erkunden - wie ich.
Schnell lernten wir, dass man an der Straße
stehenbleiben muss, denn ohne Leine laufen ist viel
entspannter, für beide.
Die Menschen, denen wir bei unseren Spazier-
gängen begegneten, erfreuten sich an ihr und
machten Komplimente, wie niedlich sie doch sei und
so wohlerzogen.
Sie hat die Aufmerksamkeit in vollen Zügen
genossen, denn man hat sich extra Zeit genommen,
um sie zu streicheln und ausgiebig zu kraulen.
Manchmal sind uns auch Leute begegnet, die extra
für sie ein Leckerli dabei hatten, falls man uns
begegnete.
Ich war so stolz auf sie und jeden Tag aufs Neue hat
sie mir die Bestätigung gegeben, dass ich die
richtige Entscheidung mit ihr getroffen hatte. Sie war
immer
freundlich
und
aufgeschlossen,
allen
Menschen gegenüber, bis auf Betrunkene, aber die
riechen auch nach Alkohol und bewegen sich
seltsam, also konnte man ihr das nicht verübeln,
dass sie auf Abstand gegangen ist. Aber bis auf die
Ausnahme erfreute sie sich an allen Menschen, egal
ob groß oder klein, jung oder alt, dick oder dünn,
das spielte keine Rolle, ihre Rute war vergleichbar
mit einem Propeller, so dass sie ihr Hinterteil
unkontrollierbar mit bewegte...
Die Zeit verflog und unverständlicher Weise wächst
ein Junghund... wie konnte das passieren - Ironie -
off...
Ihr Kopf ist gewachsen, sie hatte einen schönen
muskulösen Körper und brachte 21 Kg auf die
Waage. Ein wunderschöner Hund und alles war wie
immer, also zu mindestens hat sich für uns zwei
nichts geändert. Aber dennoch war irgendwas
anders. Es hat eine Weile gedauert, bis ich es
verstanden hatte … sie hingegen hat gleich ver -
standen, was Fakt ist...
Keiner freut sich mehr. Der Propeller deutete nur
noch an, aber als keine Reaktion von den Menschen
kam, über die sie sich immer gefreut hat, gab es bei
den Spaziergängen auch keinen richtigen Grund
mehr zu wedeln.
Es hat mir das Herz zerrissen, wie erwartungsvoll
sie die Menschen angeschaut hat, aber keine
Freude mehr zu sehen war... ich hätte ihr gern
erklärt, dass es nicht ihre Schuld war und, dass die
Menschen innerlich hässlich geworden sind. Die, die
sie damals süß fanden, stehengeblieben sind, um
sie mit Streicheln zu überhäufen, für die war sie
nicht mal mehr einen Blick wert. Man hat sogar die
Straßenseite gewechselt.
Gern hätte ich ihr gesagt, dass Menschen viel Zeit
vor dem Fernseher verbringen und mit medien-
manipuliertem Denken/Ansichten durch die Welt
steuern, wobei das Gehirn ihre Funktion einstellt
und auf Stand-by geschalten ist.
Eigene Meinung bilden war gestern, in den ihren
Augen ist sie nicht mehr süß, weil sie zu dieser
Bestie aus dem Fernsehen mutiert ist, von der die
ganze Welt berichtet. Sie besitzt Fähigkeiten, wie
z. B. Kiefer aushängen, wenn sie zubeißt - ich habe
gedanklich schon einen Dauerauftrag beim Tierarzt
eingerichtet, da wir wahrscheinlich nach jeder
Mahlzeit, die sie zu sich nimmt, ihre Kiefer
einrenken lassen müssen. Fuck, die Kosten! Und
gefährlich ist sie und die Beißkraft beträgt Tonnen!
Am besten gleich alle Zähne ziehen lassen, zum
Schutz und Erhalt der Menschheit.
Als ob das nicht schon genug wäre, erntete ich auch
immer mehr Kopfschütteln, derweil gingen wir nur
Gassi, wie immer...!
Wir hatten unsere Daseinsberechtigung irgendwie
verloren. Zum Kopfschütteln kam jetzt noch hinzu,
dass man mich darüber belehrte, was ich für einen
Hund besitzen würde und dass solche Hunde an der
Leine geführt werden müssen und nicht zu
vergessen einen Maulkorb...etc.
In meinem Kopf plante ich Neuverfilmungen von
sämtlichen Horrorfilmen und täglich bettelnden
neuen Darsteller um die Hauptrolle.
Anfangs
machten
mich
die
Reaktionen
der
Menschen so wütend, dass ich nicht in der Lage
war,
besonnen
und
cool
mit
der
Situation
umzugehen, aber mit der Zeit stumpft man einfach
ab, denn kein Mensch sollte mir mehr die Freude an
unseren Spaziergängen nehmen und es zeigte mir
auch, dass geistige Duelle mit Unbewaffneten
keinen Spaß machten und noch weniger machten
sie Sinn. Viel zu oft habe ich mich über die
Dummheit
dieser
Menschen
aufgeregt
und
verzweifelt versucht, in leeren Köpfen ein Echo
hervorzurufen, aber das war die reinste Zeit-
verschwendung. Ich sehe Boncuk mit anderen
Augen, denn das hat sie einfach verdient. Sie wurde
mit Liebe erzogen und bekanntlich erntet man, was
man sät.
Für mich ist ein Hund nicht nur ein Haustier,
vielmehr ein Familienmitglied, ein Seelenpartner,
der
mit
seinem
Mensch
Freud
und
Leid
gleichermaßen teilt.
Ein treuer Begleiter, der auch soziale Funktionen
einnimmt.
Gedanken zum Grundgesetz, Artikel 1

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Haft Leben
17
*** 2010 wurden 4 Ausgaben der Gefangenenzeitung „HaftLeben“ gedruckt ***
Weiter von Seite 16 …
Der alles erdenkliche macht, um zu gefallen,
dem man blind vertrauen kann und auch
blind vertraut.
Der sich zu dir legt, wenn es einem nicht gut
geht, er wacht über seine Menschen, wenn
sie schlafen, er vermittelt ein Gefühl der
Sicherheit, denn seine Sinne sind derart
ausgeprägt, dass er Unbekanntes oder
Gefahr lange vor dem Eintreffen anzeigt.
Er spendet Wärme, bringt einen zum
Lachen, wirkt beruhigend, freut sich, wenn
man
nach
Hause
kommt,
treibt
an
aufzustehen und rauszugehen. Sie sind
auch in der Lage, uns Menschen zu dem
Gefühl zu verhelfen, wertvoll & liebenswert
zu sein. Sie zeigen sogar Freude am
Ungenügenden, dass wir ihnen manchmal
bieten. Selbst an Tagen, wo man sich selbst
nicht einmal ertragen kann, bleibt der Hund
dir stets zugewandt. Welcher Mensch würde
das tun? Wie kann man einem Lebewesen
so unrecht tun, das bereitwillig sein Leben
opfern würde, um das eines Menschen zu
retten oder seine Bedürfnisse zurückzu-
stellen,
um
die
des
Menschen
zu
befriedigen. Hunde sind eindeutig die
besseren „Menschen“.
Dennoch ist jeder Hund von Grund auf
anders, mit Ecken und Kanten, Macken -
Eigenarten, aber vor allem haben sie eine
Seele und Gefühle. Sie spüren Freude,
Leid, Schmerzen etc. Und somit besitzen sie
auch eine Würde und ein Recht darauf, mit
Würde behandelt zu werden und nicht wie
eine Sache, ein Gegenstand.
Summa summarum heißt das für mich,
solange Menschen denken, dass Tiere
nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass
Menschen nicht denken!
Gedanken zum GG und HL - Briefkasten
Post an uns - Hört, hört
Leute, ich muss jetzt einfach mal etwas los
werden. Bitte nehmt die folgenden Zeilen
nicht als Angriff auf, ich bin einfach der
Meinung,
endlich
mal
etwas
auszusprechen, was ich schon viel eher
hätte machen sollen.
Fangt an, endlich euren „Arsch“ zu
bewegen und selbst die Initiative zu
ergreifen. Ihr wollt immer so viel und das
am besten schon gestern. Bitte geht doch
mal selber den Weg, redet mit der
Anstaltsleiterin
zur
Leitersprechstunde,
sprecht eure Anliegen an. Wenn ihr etwas
bewegen wollt, dann meldet euch bei der
GMV an oder werdet Mitglied in der
Gewerkschaft.
Ich kann langsam nicht mehr. Ich bin in der
GMV nebenbei noch in der Gewerkschaft,
schreibe mit den Mädels an Artikeln für
unsere Haftzeitung, jede Woche gehe ich
zur Leitersprechstunde, um mir eure
Fragen beantworten zu lassen. Therapien
habe ich auch noch ein paar, dazu kommt
noch der tägliche Haftklatsch, den ich mir
jeden Tag reinziehen muss.
Jeden Tag ist irgendetwas anderes dafür!
Es ist ein Wunder, dass ich neben meinen
eigenen Problemen noch aufrecht stehe.
Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht.
Ich habe mir das alles selber ausgesucht,
ich weiß, ich möchte aber eben auch etwas
bewegen, vielleicht auch erreichen können,
für uns. Doch bitte, tut was.
Ich bin nicht Mutter Theresa oder gar
Moses.
Ich komm nicht mal mehr dazu, etwas
privates zu tun, wenn ich mich in meiner
Zelle umschaue, sehe ich unzählige Lehr-
bücher.
Ich werd euch nicht im Stich lassen und
weiterhin da sein, wenn ihr ein Anliegen
habt,
wo
ich
euch
jetzt
persönlich
weiterhelfen kann, dann schreibt einen
Zettel/Brief und werft ihn unten in den GMV
Briefkasten.
Denkt aber vorher auch drüber nach, ob ihr
es vielleicht nicht erstmal selber versuchen
könnt, das Problem zu lösen.
Die Depression klopft schon an.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
18
Post zum Thema hat uns auch aus Werl, einer JVA
in Nordrhein-Westphalen erreicht.
(JVA Werl/RS)
Die Würde des Menschen ist ein
rein
philosophisches
Konstrukt.
Laut
UNO-
Menschenrechtsdeklaration (Artikel 1):“Alle
Menschen sind frei und gleich an Würde und
Rechten geboren. […]“ würde dies bedeuten, dass
in unserer westlichen Welt der in Reichtum
geborene Mensch mit demselben Maß gemessen
wird, dieselben Bildungschancen hat wie der aus
einem sozialem Brennpunkt. Allein der „kleine
Unterschied“, als Frau geboren zu sein, reicht auch
in unseren Breiten aus, um diesen hehren
Grundsatz nicht verwirklicht zu sehen. Oder man
nimmt den Satz wörtlich und die Würde ändert sich
ab dem Zeitpunkt der Geburt (aber auch da
werden wir in manchen Ländern eines Besseren
belehrt, wenn der Embryo nicht männlichen
Geschlechts ist). Die Würde des Menschen steigt
potenziell zu seiner Macht oder sinkt mit seiner
Ohnmacht. Täglich erleben wir, wie unsere
„Würde“ der Willkür des Einzelnen oder dem
Nutzen des Systems untergeordnet wird. In meiner
U-Haft hatten die Hafträume die Toiletten direkt am
Eingang. Wenn also „das Brett“ aufging, war man
ungeschützt
den
Blicken
aller
Vorbeigeher
ausgesetzt. Und nicht, dass zum Teil auch
weibliche Bedienstete sich an dem Anblick gestört
hätten, nein, man bekam freundlich seine Post
überreicht und je nach Gusto auch noch ein
kleines Schwätzchen angeboten.
Nun
will
ich
unsere
allwissende Wikipedia
bemühen:
Würde
(von
althochdeutsch
wirdî;
mittelhochdeutsch wirde) ist sprachgeschichtlich
verwandt mit dem Wort „Wert“ und bezeichnete
anfänglich den Rang, die Ehre, das Verdienst oder
das Ansehen einer Person.
Laut Giovanni Pico della Mirandola, einem
Philosophen der Renaissance, dem man die
Erstdefinition des Begriffes zuschreibt, macht die
Würde des Menschen seine Selbstbestimmung
aus, die Freiheit also, sein Leben selbst zu
schaffen.
Friedrich Schiller und Bertold Brecht sehen die
Würde des Menschen darin, dass er sich über
seine Triebe erhebt („erst kommt das Fressen,
dann die Moral“). Und hier bin ich gerne dabei,
solange der Mensch nur aus Eigennutz handelt,
sich nur die Taschen vollstopft und nach ihm die
Sintflut - so lange wird dieser Begriff der
Menschenwürde ein utopisches und lächerliches
Schlagwort bleiben. Wir bekommen es vorgelebt:
Wenn du richtig gut lügen kannst und von Bankrott
zu Bankrott reicher wirst, dann bist du auch
irgendwann US-Präsident.
Die Würde des Menschen beginnt bei uns selbst.
Wenn es uns gelingt, dem Gegenüber mit
derselben Hochachtung zu begegnen, wie wir
selbst erwarten, erst dann sehe ich den Weg. Das
Ziel ist aber selbst dann noch weit. „Liebe deinen
Nächsten, wie dich selbst“, hat ein Revoluzzer vor
gut zweitausend Jahren propagiert - ein guter Plan!
*** 2011 HL veröffentlicht erste Bilder vom Haus III ***
Gedanken zum Grundgesetz, Artikel 1
30.04.2019
Rechtsprechung: SGB II während
einer Haftunterbrechung
Der Sozialrechtsexperte Dr. Manfred Hammel hat
die BAG-S auf einige interessante Entscheidungen
hingewiesen, die wir Ihnen an dieser Stelle
vorstellen möchten.
1.
LSG Niedersachsen-Bremen, Urteil vom 26.
Februar 2019 (Az.: L 11 AS 474/17):
Kurzinfo: Leistungsanspruch nach dem SGB II für
die
Zeiten
einer
stationären
Krankenhausbehandlung
sowie
einer
Anschlussheilbehandlung
während
einer
Haftunterbrechung.
2. LSG München, Beschluss Bayern vom 21.
Januar 2019 (L7 As 24 /19 BER)
Kurzinfo:
Grundsicherungsleistung:
Kein
Leistungsausschluss
bei
Probewohnen
im
Maßregelvollzug.
3. LSG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 25.
Februar 2019 (L 21 AS 2118/18 B ER, L 21 AS
2119/18 B )
Kurzinfo: Leistungsberechtigtung nach dem SGB II
bei einer Langzeitbeurlaubung einer Straftäterin aus
dem Maßregelvollzug.
(HL/Red.) Genaue Informationen zu den obigen
Hinweisen erhalten Sie über Ihren Anwalt.

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Haft Leben
19
*** 2011 insgesamt erscheinen 4 Hefte der „HaftLeben“ ***
Informationen
15.05.2019
Spezielle
Beratungs-
und
Unterstützungsangebote
für
Kinder von Inhaftierten
Mit
kostenlosen
Ferienfreizeiten
wird
beispielsweise
in
Schleswig-Holstein
Kindern und Jugendlichen mit inhaftierten
Eltern
Unterstützung,
Beratung
und
Unterhaltung angeboten.
Kinder
inhaftierter
Eltern
sind
einem
besonders großen Risiko ausgesetzt, im
Verlauf
ihres Lebens eine
psychische
Erkrankung zu erleiden oder selbst straffällig
zu werden.[1] Daher ist es sehr wichtig,
Kinder und Jugendliche mit inhaftierten
Eltern systematisch zu unterstützen und zu
betreuen,
um
diesen
Negativfolgen
vorzubeugen.[2] Die Straffälligenhilfe ist
vielerorts bemüht, den betroffenen Kindern
und Jugendlichen eine intensive Beratung
und individuell zugeschnittene Angebote zu
ermöglichen.
Beispielsweise bietet die Straffälligenhilfe
der stadt.mission.mensch in Kiel in diesem
Jahr kostenlose Ferienfreizeiten für alle
Kinder und Jugendlichen mit inhaftierten
Eltern in Schleswig-Holstein.
Das
Programm
soll
die
Kinder
und
Jugendlichen
in
lockerer
Atmosphäre
zusammenbringen und ihnen die Möglichkeit
bieten, sich gegenseitig kennenzulernen und
bei Bedarf auszutauschen. Kleine Abenteuer
und gemeinschaftliche Erlebnisse zu teilen,
bei
denen
die
Inhaftierung
nicht
verschwiegen werden muss, kann sehr
entlastend auf die Kinder und Jugendlichen
wirken und sie können ganz unbeschwert
Spaß
miteinander
haben.
In
den
Sommerferien können alle Interessenten an
einer Kinderwattwanderung oder einem
Indianer-Camp
teilnehmen,
in
den
Herbstferien wartet beispielsweise ein Husky
-Abenteuer
oder
ein
Besuch
im
Zoologischen Museum.
Wer
Interesse
an
dem
kostenfreien
Veranstaltungs- und Beratungsangebot hat,
kann
sich
hier
über
das
erlebnispädagogische
Ferienfreizeitprogramm
2019
informieren
und bereits frühzeitig den Anmeldebogen
ausfüllen. Bei Bedarf werden die Familien
auch bei der An- und Abreise unterstützt.
08.04.2019
Rentenversicherung
für
Inhaftierte
-
Antwort
der
Bundesregierung
Am
7.
März
2019
antwortete
die
Bundesregierung (Drucksache 19/8234) auf
die
kleine
Anfrage der
Abgeordneten
Markus Kurth, Sven Lehmann, Beate Müller
- Gemmeke, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen zum Stand
der Einbeziehung der Strafgefangenen und
Sicherungsverwahrten in die gesetzliche
Rentenversicherung (Drucksache 19/7887).
Die Bundesregierung macht in ihrer Antwort
deutlich, dass die Länder weiterhin keine
Bereitschaft signalisieren, die bei einer
Einbeziehung der Strafgefangenen und
Sicherungsverwahrten anfallenden Beiträge
zu tragen.
Dies
haben
die
Beschlüsse
der
Fachministerkonferenzen erneut bestätigt.
Für die Bundesregierung kommt jedoch
eine Übernahme der Kosten durch die
Versichertengemeinschaft oder den Bund
nicht in Betracht, da der Strafvollzug
Ländersache ist und daher die Länder die
Rentenversicherungsbeiträge
vollständig
tragen müssen.
Es ist zu befürchten, dass weitere Jahre ins
Land ziehen werden bis Strafgefangene und
Sicherungsverwahrte in die gesetzliche
Rentenversicherung einbezogen werden.
Die BAG-S wird sich weiter für eine rasche
Umsetzung einsetzen.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
20
Aber man kann nicht nur in der eigenen Würde
verletzt werden, Wie oft verletzen wir die der
anderen, weil es vielleicht gerade auch nicht
anders ging oder ohne, dass wir es merkten:
Habe ich selbst die Würde anderer verletzt?
Gefragt, wann und wo ich die Würde anderer
verletzt habe, fallen mir zuerst Situationen ein, die
vergangen sind. Es ging dabei um Beziehungen zu
mir lieben Personen. Ich will nur ein Beispiel
nennen. Ich habe meine im Sterben liegende Oma
im Krankenhaus zurückgelassen, obwohl sie mich
anflehte: „Hol mich hier raus!“ Vielleicht hängt auch
deshalb seit Jahren in meinem Schlafzimmer das
Bild von einer gebeugten alten Frau, die ihre vollen
Einkaufstaschen
in
ihr
uraltes
schlesisches
Fachwerkhaus trägt.
Mit dem, was da passiert ist, habe ich mich
irgendwie arrangiert. Es gibt ja immer gute Gründe,
weshalb man meint, nicht anders zu können - und
weil meine Oma meist sehr nachsichtig mit uns
Enkeln war, hoffe ich, dass sie es trotz meines
Versagens auch in diesem letzten Fall sein kann.
Solcher Art fallen mir auch andere Situationen ein,
wo ich den Eindruck gewonnen habe, dass mir
mein Verhalten nachher vielleicht, vielleicht und
hoffentlich vergeben wird.
Aber dann fallen mir Dinge ein, die alltäglich sind.
Sie sind nicht Vergangenheit, sondern passieren
immer wieder. Ich merke, dass ich das oft
verdränge. Die Frage danach, wo ich die Würde
anderer
verletze,
spült
ein
Bild
aus
dem
Unbewussten in mein Bewusstsein und beschäftigt
mich seither sehr.
Es geht um eine Erfahrung, die ich in den Jahren
meiner Arbeit im Knast immer wieder gemacht,
aber schnell zu vergessen versucht habe. Es geht
um die weißen Antragszettel, die von Gefangenen
in die Briefkästen des Anstaltsbeirats geworfen
werden. Es war und ist nicht selten, dass ich die
Bitte um ein Gespräch nicht erfülle. Dafür gibt es
natürlich viele Gründe: Als Ehrenamtlicher bin ich
zu selten in der JVA, der Inhaftierte war gerade auf
Hofgang oder zum Besuch, als ich ihn auf der Piste
treffen wollte oder er war bereits gegen seinen
Willen in eine andere JVA verlegt, es gibt ja sonst
so viel zu tun und so weiter und sofort. Aber alle
diese mehr oder weniger guten Gründe ändern
nichts daran, dass mich jetzt die Frage beschäftigt,
wie oft ich hier die Würde der Antragsteller verletzt
habe. Möglicherweise war der Antrag ja nicht eine
Routinebitte, mit der man andere beschäftigt, ohne
dass man wirklich selbst was will. Möglicherweise
habe ich dazu beigetragen, die Resignation des
Antragsstellers zu verstärken: „Es hat ja doch alles
keinen Sinn, es ist doch egal was ich schreibe“. Ich
habe es oft von Gefangenen gehört, wie sie sich
beschwert haben darüber, dass sie auf ihre
Anträge an Mitarbeiter der JVA wochenlang keine
Antwort erhalten haben und ich habe mich mit
ihnen empört darüber. Und umgekehrt: wenn sie
mit Respekt davon berichteten, dass eine/r mal
schnell reagiert hat, freute mich das sehr. Jede
Nichtbeachtung des anderen, der um Beachtung
bittet, ist für mich eine Verletzung seiner Würde.
Leider muss ich feststellen, dass hier auch ich oft
zu den „Würdeverletzern“ gehöre. Und mich darum
mehr bemühen will, dass das seltener wird.
Ansonsten
bin
ich
auf
gnädige
Nachsicht
angewiesen.
Redaktion „Der Riegel“, JVA-DD, Prof. Kleinert
*** 12/2011 die gesamte Redaktion „HL“ wird in Leipzig mit dem SPD-Demokratie-Preis 2011 ausgezeichnet ***
Gedanken zum Grundgesetz, Artikel 1
Foto: JVA-C, Haus III Archiv HL/LR

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Haft Leben
21
Die Würde geht vorüber und
vorbei.
Die Würde des Menschen ist unantastbar?
Hammerweg!
Auf dem Weg zum Riegel!
Die großen Schlüssel rasseln.
Das schwere Tor gibt mir Einlass.
Ich darf rein!
Quer über den Hof zum nächsten Tor.
Oben grau, unten grau, rechts grau, links
grau.
Selbst blau ist grau.
„Wie spät ist es?“ schallt es mir undeutsch
aus
dem
Halbdunkel
eines
Fensters
entgegen.
Ein Fenster, mehr Gitter als Fenster.
„Was soll das!“ denke ich.
„Was soll das! Stör mich nicht! Mach mich
nicht an! Ich bin nicht wie Du! Bin anders!
Bin von Draußen! Komm nur kurz hierher!
Nicht mal ein Wärter, der hier Jahrzehnte
eingeschlossen ist!
Komm hierher mit leichtem Schauer! Ach
wie furchtbar ist das hier!
In zwei Stunden bin ich wieder weg!
Kann Dir doch egal sein, wie spät es ist, ob
drei oder vier oder Tag oder Nacht! Du sitzt
und sitzt! Wozu soll ich also antworten!
Außerdem gehörst Du gar nicht dazu! Siehst
aus wie einer Dieser von Irgendwoher! Nicht
mal ein richtiger deutscher Verbrecher! Bist
bald wieder dort wo Du her kommst!
Wirtschaftsflüchtling oder so! Warum bist Du
nicht dortgeblieben, wo Du herkommst! Tja,
gut geht‘s Dir in unserem Gefängnis! Besser
als in Deinem Land!
Stör mich nicht! Quatsch mich nicht an! Ich
bin voll in Gedanken! Über Würde soll ich
schreiben! Über Menschenwürde! Das ist
wichtig! Quatsch mich nicht an! Das mit der
Würde ist viel wichtiger!
Tolle Sätze gibt‘s dazu! Ein Schiller meinte
„Nichts mehr davon, ich bitt euch. Zu essen
gebt ihm, zu wohnen. Habt ihr die Blöße
bedeckt, gibt sich die Würde von selbst.“ und
ein Brecht brachte es auf den Punkt: „Erst
kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“
Tja. Da kannst Du mit Deiner Uhrzeit nicht
mithalten! Weswegen bist Du hier? Willst
was zu Essen? Hast Du doch jeden Tag,
und Drogen auch, frei Haus! Also frag nicht!
Klag nicht! Für Deine Familie auch! Essen
und keine Drogen! Na aber, und wo denn!
Irgendwo in Syrien oder Afrika gar! Da geh
doch dahin!
Ist doch ganz einfach. Sagte doch schon
eine französische Königin: „Wenn sie kein
Brot mehr haben, sollen sie doch Kuchen“
essen. Stimmt aber gar nicht. Wird ihr nur
unterstellt. Stattdessen bat sie ihren Henker
um Entschuldigung, weil sie ihm auf die
Füße getreten war: "Mein Herr, ich bitte Sie
um Verzeihung, ich tat es nicht mit Absicht."
Das nenn ich Würde!
Und Du mit Deinem albernen „Wie spät ist
es?“
Geh über den Hof! Schau nicht rechts nicht
links!
Hat
mich
da
eben
einer
angesprochen?
War da was? Eine Frage? Auf so eine Frage
zu antworten, noch dazu so Einem, ist nun
wirklich unter meiner Würde. Das berührt
mich nicht! Die nächste Tür fällt brüllend ins
Schloss!
„Oder?“ Ja
Redaktion „Der Riegel“, JVA-DD, H. Jäkel
Gedanken zum Grundgesetz, Artikel 1
*** 2012
werden wieder 4 „HL“-Hefte in der JVA Waldheim gedruckt ***
Foto oben links: free,
WordPress.com

Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
22
*** 12/2013 wurden 4 Ausgaben der Gefangenenzeitung „HaftLeben“ gedruckt ***
Würde/Respekt
(Redaktion „Der Riegel“ - JVA-DD/Th)
Ich möchte
den sehr vielschichtigen Begriff „Würde“ in meinem
Beitrag gern auf das kleinste gemeinsame Vielfache
herunterkürzen, den Respekt.
Respekt unter den Gefangenen, Respekt gegenüber
den
Bediensteten,
aber
auch
Respekt
der
Bediensteten gegenüber den Gefangenen bzw.
Respekt der Justiz im allgemeinen gegenüber
unserer Anstalt.
1.
Respekt unter den Gefangenen
Ich persönlich behandele jeden Mitgefangenen so,
wie ich gern von ihm behandelt werden möchte.
Dass dies nicht immer und überall der Fall ist, ist mir
dabei jedoch völlig bewusst. Unser Verhalten,
insbesondere untereinander, macht uns unseren
Aufenthalt hier entweder leichter oder schwerer und
letztlich hat es jeder selbst in der Hand, wie er sich
den anderen gegenüber gibt, was er sagt, wie er
handelt. Es ist ganz natürlich, dass nicht jeder mit
jedem gut kann, das ist „draußen“ so und hier nicht
anders.
Ein
respektvoller,
sprich,
vernünftiger
Umgang ist meines Erachtens nach dennoch
jederzeit machbar. Und wenn sich überhaupt keine
Basis für ein halbwegs akzeptables Auskommen
findet, dann lässt sich der Umgang immer noch auf
ein absolutes Minimum reduzieren.
2.
Respekt gegenüber den Bediensteten
Respektvolles
Verhalten
gegenüber
den
Bediensteten ist in meinen Augen ein absolutes und
daher unverzichtbares Muss. Das beinhaltet auch
die
Fähigkeit,
Verständnis
für
den
durchaus
stressigen und mitunter nicht immer einfachen Alltag
des Personals aufbringen zu können. Es wird immer
wieder Situationen geben, in denen ich mich, in
denen wir uns nicht in dem Maße gewertschätzt
fühlen, wie wir es vielleicht in diesem Moment gerne
gehabt hätten. Das ist normal und dafür sind vielerlei
Faktoren verantwortlich, oftmals welche, die wir
selbst gar nicht beeinflussen können, egal wie
einwandfrei unser Verhalten in dem Moment gerade
war. Denn grundsätzlich gilt auch hier die zwar
einfache, aber dafür umso zutreffendere Formel „Wie
man es in den Wald hineinruft, so schallt es auch
wieder heraus“ Und zumindest das „Hineinrufen“ hat
jeder
von
uns
in
der
eigenen
Hand.
Selbstverständlich nicht nur während der Haftzeit,
sondern
auch
danach
mit
den
jeweiligen
Gegenübern im „normalen“ Leben. Ein vernünftiger
Umgang mit den Bediensteten öffnet uns auch hier
drinnen im wahrsten Sinne des Wortes Türen oder
verschließt sie nachhaltig Diese Entscheidung trifft
letztlich aber jeder mit und für sich selbst.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, allen Beamten
zu danken, die mich auf meinem Weg bis hierhin im
A- und C-Haus begleitet haben; das war vom
Verhalten her absolut „großes Kino“ und ich
betrachte
das
auch
alles
andere
als
selbstverständlich. Danke!!! Ich durfte sehr viel
Menschlichkeit erfahren, etwas, wovon ich vor
meiner Haft überhaupt nicht dachte, dergleichen
ansatzweise hier zu finden.
3.
Respekt der Bediensteten gegenüber den
Gefangenen
Ein Thema, das einige durchaus zurecht kritisch
sehen. Auch da gibt es allerdings folgendes zu
beachten,
dass
das
Personal
teilweise
Entscheidungen und Anordnungen durchsetzen
muss, die sie selbst nicht zu verantworten hat, deren
Umsetzung ihnen mitunter sehr schwer fällt.
Grundsätzlich habe ich absolutes Verständnis, wenn
Bedienstete gegenüber „nicht ganz pflegeleichten“
Insassen auch mal einen härteren Ton einschlagen.
So wirklich leicht machen es einige von uns ihnen ja
nun wirklich nicht. Manchmal entlädt sich der
angestaute Frust dann leider auch mal verbal in der
falschen Situation, am falschen Gefangenen. Das
sollte nicht passieren, kann aber. Wir sind, glaube
ich, allesamt alt genug, um eventuelle Missver-
ständnisse in einem kurzen, vernünftigen Gespräch
zu klären und aus der Welt zu schaffen. Ich würde es
mir zumindest wünschen. Genauso individuell wie
jeder Inhaftierte sind auch die „Wärter“, jeder hat mal
einen guten, jeder hat mal einen schlechten Tag.
Deshalb gilt: Auch als Bediensteter haben Sie es in
der
Hand,
wie
Sie
mit
uns
Gefangenen
kommunizieren und generell umgehen, mit Ihrem
Verhalten
gegenüber
uns
haben
Sie
nicht
unerheblichen Anteil an den zu erwarteten Gegen-
reaktionen. Nicht immer, ich weiß. Aber dennoch
können Sie dem Ganzen eine gewisse Tendenz
geben, das jedenfalls ist meine persönliche Meinung
dazu.
4.
Respekt der Justiz im Allgemeinen gegen-
über unserer Anstalt
Ich weiß nicht, ob ich jetzt unter Umständen den
falschen Ansprechpartner gewählt habe. Ich finde es
jedoch mindestens mal bedenklich, dass, wer auch
immer dies zu verantworten hat, trotz des bekannten
und offenkundigen Personalmangels in meinen
Augen nichts entsprechend verändert wird. Im
Gegenteil, aus Gesprächen höre ich heraus, dass es
sich mittlerweile um einen Dauerzustand handelt.
Die Fragen, die ich mir dabei stelle, sind jedoch
„Ist das auf Dauer akzeptabel?“
„Erweist man damit nicht unter Umständen den
Bediensteten bzw. den resozialisierungswilligen
Gefangenen gleichermaßen einen Bärendienst?“
„Ist unter diesen Umständen ein vernünftiger und
sinnbringender Strafvollzug überhaupt möglich“?
Kann
Personal,
welches
mitunter
tagtäglich
körperlich
oder
psychisch
bewusst
an
die
Belastungsgrenze gebracht wird, nachhaltig die
erforderliche,
qualitativ
hochwertige
Leistung
erbringen oder nimmt man wissentlich in Kauf,

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Haft Leben
23
Die Würde des Menschen ist
unantastbar! Oder doch nicht?
(Redaktion „Der Riegel“ - JVA-DD/Jacob)
Grundgesetz Artikel 1 erster Absatz besagt:
"Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Sie
zu
achten
und
zu
schützen
ist
Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."
Einzug ins Grundgesetz fand dieser Artikel
im Lichte der grausamen Verbrechen des NS
-Regimes und des zweiten Weltkrieges. Nie
wieder sollten in Deutschland Menschen in
ihrem Sein, aufgrund von Merkmalen wie
Herkunft, Geschlecht, Religion aber auch
Besitz
usw.
unterschiedliche
Rechte
zustehen. Ziel sollte also sein, dass alle
Menschen
aufgrund
ihres
Menschseins
gleich sind und ihnen daraus ein Minimum an
Rechten zusteht, die ein menschenwürdiges
Leben garantieren. Das bestehen dieses
Artikels ist durch die Ewigkeitsklausel (Art.
79 Abs. 3) gesichert. Formell scheint die
Würde
des
Menschen,
zumindest
in
Deutschland, also gesichert.
Was im Kopf also ein logischer und
nachvollziehbarer Grundsatz ist, der im
ersten Moment keiner Diskussion bedarf,
stellt sich bei längerem Nachdenken als
weitaus schwieriger dar.
Ist es überhaupt möglich ein Leben zu
führen, dass immer und überall die Würde
der Menschen garantiert und respektiert?
Wie gestaltet sich das Problem, wenn
jemand aus einer würdelosen Situation
heraus, andere Menschen in ihrer Würde
verletzt? Ist die Würde des Menschen ein
Privileg, welches man sich leisten können
muss?
Verstoßen wir schon gegen die Würde des
Menschen, wenn wir Produkte kaufen, von
denen
wir
wissen,
dass
sie
unter
menschenunwürdigen Bedingungen herge-
stellt wurden?
An dieser Stelle würden mir noch viele
weitere Fragen und Folgefragen einfallen.
Gleichzeitig glaube ich aber, dass jeder
Mensch eine andere Antwort auf diese
Fragen hätte. Sicher gibt es Fälle, wo alle
sagen würden, das verstößt gegen die
Menschenwürde und das nicht. Je komplexer
der Fall aber wird, desto schwieriger wird es,
eine gemeinsame Antwort zu finden.
Deshalb glaube ich, dass dieser Rechts-
grundsatz nicht nur das sein sollte, sondern
gleichzeitig eine Mahnung an uns alle,
unsere Handlungen und Entscheidungen an
der Würde des Menschen zu messen und
dafür
zu
kämpfen,
dass
wirklich
alle
Menschen ein würdevolles Leben führen
können.
*** 2014
15 Jahre ehrenamtliche Arbeit in der „HaftLeben“-Redaktion ***
Weiter von Seite 22:
dass gewisse Dinge,
eventuell ja das
Personal selbst, infolgedessen einfach auf der
Strecke bleiben?“
5.
Zusammenfassung
Das
tägliche
Zusammensein
in
einer
Justizvollzugsanstalt ist kein Selbstläufer und
bedarf mitunter viel Arbeit und nicht weniger
Kompromisse. Dennoch haben es alle hier
täglich Anwesenden selbst in der Hand, wie
der nicht immer einfache und reibungslose
Haftalltag verlaufen soll, jeder kann seinen
kleinen
Anteil
zu
einem
vernünftigen,
respektvollen und somit auch trotz der
Umgebung
würdevollen
Miteinander
bei-
steuern. Letztlich sitzen wir als Gefangene
und Bedienstete im gleichen Boot bzw.
verbringen hier gemeinsam einen nicht
unerheblichen Teil des Tages zusammen.
Und wie der aussehen und verlaufen soll, das
bestimmt niemand sonst außer wir selbst.
„Gefangen sein heißt nicht automatisch, nicht
auch frei sein zu können. Ich persönlich sehe
meine Inhaftierung vom ersten Moment an
eindeutig als Chance und habe zudem ganz
klare Ziele. Wenn ich schon, im Nachhinein
betrachtet, auch völlig zurecht, hier sein
muss, dann habe ich auch die verdammte
Pflicht, meinen Aufenthalt bestmöglich zu
nutzen und umgekehrt auch das Privileg, viele
positive Erfahrungen (ja, die gibt es auch hier
zur
Genüge)
zu
sammeln,
viele
nette
Menschen,
Gefangene
und
Bedienstete
gleichermaßen, kennenzulernen, denen ich
„draußen“ wahrscheinlich nie begegnet wäre.
Ich befinde mich mitten in einem Abschnitt,
von dem ich früher nicht mal ansatzweise im
Traum dachte, dass er mal Teil meines
Lebens wird. Das war so nicht geplant, aber
eines, das macht es ganz sicher nicht mit
mir…es wirft mich nicht um. Ganz im
Gegenteil, ich nutze jeden Tag und klettere
Schritt für Schritt die imaginäre Leiter wieder
nach oben, denn „draußen“, „draußen“ wartet
noch seit 2005, dem Beginn meiner Sucht, ein
interessantes, spannendes und vor allem
tolles Leben auf mich, dass gern weitergelebt
werden möchte. Also dann, auf geht’s, ich bin
auf der Zielgeraden .

Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
24
Die Würde des Menschen ist unantastbar -
und was machen wir daraus?
(Redaktion „Der Riegel“ - JVA DD/ SK)
Auch wenn
wir ganz klare Worte in unserem Grundgesetz für
Menschenrechte
und
Menschenwürde
niedergeschrieben haben, so wird es doch nie
möglich sein, dass jeder in Deutschland ein Dach
über seinen Kopf hat oder dass sich täglich
irgendeiner in seiner Würde nicht verletzt fühlt.
Würde ist so was von individuell, so individuell wie
ALLE MENSCHEN auf unseren GLOBUS.
Die Würde hat somit Milliarden Fassetten hoch
Zehn! „mal gut, mal sehr gut, mal weniger gut, mal
gar nicht gut, mal, mal, mal und nochmal Mal.“
Der Duden liegt gerade vor mir und ich bin echt stark
überrascht, wie wenig Wörter mit Würde darin-
stehen. Ganz ehrlich, ich dachte wirklich, da stehen
immens mehr Kombinationen drin.
Als erstes steht natürlich die Würde, gleich danach
würdelos,
W ürdelosigkeit,
W ürdenträger/in,
würdevoll, würdig, würdigen, Würdigkeit und zum
Schluss die Würdigung.
Ich kann mir für meine Story gleich ein paar Wörter
von den aufgelisteten aussuchen.
Zuerst möchte ich über eine würdelose Situation im
Gefängnis
schreiben,
was
natürlich
irgendwie
naheliegend ist, weil es meine Person auch immer
wieder mal betrifft. Es geht um das komplett nackt
machen bei Urinkontrollen und um die Tatsache,
dass man seine Arschbacken auch noch dabei
auseinander zu ziehen hat.
Schon wenn ich in dieses dreckige Badezimmer
oberhalb des med. Dienstes geführt werde, da
kommt das Gefühl der Entwürdigung auf. Dieses
Gefühl wird weiter ganz stark von der schmutzigen
Decke unterstützt, die man mir als Fläche zum
Ausziehen bereitstellt oder jedem, der sich dieser
URINKONTROLLE beugen muss. Die Decke dient
allein nur dem Zweck, dass man nicht so nackt wie
man ist, auf den kalten Fliesen stehen muss. Sie soll
den Akt der kompletten Entblößung wahrscheinlich
angenehmer machen. Keine Ahnung!!!
Erstrecht hilft es mir nicht, eine Empathie fähige
Person als durchführende Kraft an meiner Seite zu
haben oder zwei bis drei. Ehrlich gesagt, irgendwie
unterstützt dies nur mein schon inneres Gefühl der
Entwürdigung. Warum das??? Naja weil er durch
seine Empathie versteht, wie kacke das ist!!!
Okay, jetzt bin ich nackt, meine Kleidung wird unter
die Lupe genommen.
Ich bin der Inspektionssituation bis auf die nackte
Haut wortwörtlich ausgeliefert.
Einer oder zwei Beamte Inspizieren, kontrol-
lieren……..
Mir ist kalt, mich ekelt es!
Jetzt kommt der Zeitpunkt, wo ich meine Fußsohlen
zeigen muss und danach kommt gleich noch der
Kontrollblick zwischen meine Arschbacken. Yippie
hey…
Ja das muss sein, denn ich könnte ja etwas in
meinem Kofferraum dabei haben, womit ich die
Urinprobe verfälschen könnte. Nach diesem echt
erniedrigenden Szenario darf ich wieder Socken und
meine Badeschlappen anziehen, danach kommt der
Gang zur Toilette, um meinen Urin in einen Becher
abzulassen. Mit dem Becher in der Hand komme ich
den Wünschen der Exekutive nach, doch davor
fallen mir noch die ganzen gelben Urinflecken auf.
Die Toilettenschüssel ist gelb gesprenkelt!
Einfach nur würg, pfui….
Tiefer kann man gar nicht mehr sinken und mit
diesem Gedanken fülle ich den Becher bis zum
Rand auf, damit ich das Gefühl bekomme, mit
diesem übervollen Becher zahle ich es ihnen ein
bisschen etwas Heim. Sorry.
Also schön ist definitiv etwas anderes!
*** 12/2014 durch die „Zickenatmosphäre“ haben wir nur 3 „HL“ erstellen können ***
Gedanken zum GG und Leserbrief
Teil 1: Leserbrief -
Kräutersoße im Hotel Gitterblick
(HL/Anonymus)
Heute steht Kräutersoße auf dem
Menü, ob es wohl mit frischen Kräutern sein wird?
Es sollte auf jeden Fall etwas mehr Grün in den
Alltag bringen als die schweren Vorhänge vor den
Fenstern. Ohne konkreten Tagesplan ordne ich ein
paar liegengebliebene Schreiben und sortiere meine
Gedanken für eine außerplanmäßige Antwort, die ich
heute noch formulieren müssen werde. Ein Blick auf
die Uhr kündigt mir das baldige Eintreffen des
Zimmerservice an, mit besagter Kräutersoße im
Menü. Ich spitze die Nase. Meine Fensterfront liegt
auf
derselben
Seite
des
Hotels
wie
die
Küchenfenster - vielleicht könnte ich erschnuppern,
um
welche
Kräuter
es
sich
handelt.
Der
Zimmerservice ist pünktlich, denke ich und gehe,
das Tablett an der Tür entgegenzunehmen. Die
Schell-Dame reicht die Mahlzeit und wünscht mir
"Guten Appetit". Esse ich gleich am Bett oder mache
ich mir zwischen dem Schriftkram Platz? Ehe ich
mich entscheide, packt mich die Neugier auf die
Soße. Ich hebe die metallene Glocke und da ist gar
kein Grün. Kartoffeln, Blumenkohlröschen auf einem
Karottenbett, daneben das Filet, umgeben von
Braun.
Dieses
"Braun"
hatte
den
Namen
"Kräutersoße" nicht verdient und hatte sicherlich nie
ein Kräuterlein gesehen. Eine Geschmacksprobe
bestätigt nur das Urteil der Augen: Kräutersoße ist
das nicht! Der Rest der Mahlzeit ist ansprechend,
wenn ich es von der nichtidentifizierbaren Soße
fernhalte. Ist mir das wichtig genug, gleich wieder
nach dem Zimmerservice zu läuten? Ich entscheide
mich dagegen und vertiefe mich nach dem Verzehr
wieder in meine Angelegenheiten. Ich werde die
Schell-Dame beim Abholen des Geschirrs darauf
ansprechen.
Weiter auf Seite 25

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Haft Leben
25
*** 12/2015
wurden 4 Ausgaben der Gefangenenzeitung „HaftLeben“ gedruckt ***
Teil 2: Leserbrief -
Kräutersoße im Hotel Gitterblick
So vergeht einige Zeit bis zum erwarteten
Klopfen. Wer öffnet, ist nicht die Schell-
Dame, mit der sich fast immer reden lässt,
sondern die Wortkarge Eichel-Dame. Sie
übergeht meinen verwunderten Blick und
bemüßigt
sich
allein
ihrer
Aufgabe.
Üblicherweise stört mich der kommuni-
kative
Abstand
wenig,
da
ich
ihre
eigenwilligen Lautformen oft schwer ver-
stehe. Das Rätsel um die Kräutersoße
möchte ich aber lösen. Bevor mir die
Eichel-Dame
die
Tür
vor
der
Nase
zuschlägt, frage ich, warum es heute keine
Kräutersoße gäbe? Ob es Lieferprobleme
gab? Da nimmt der Blanko-Gesichts-
ausdruck
der
Eichel-Dame
eine
vorwurfsvolle Färbung an: die Menü-
angaben seien immer korrekt, hätte ich
etwas anderes in Erinnerung, so wäre das
wohl Einbildung. Spricht‘s und lässt mich
stehen, ehe ich eine Erwiderung formu-
lieren kann. Nun rufe ich doch beim
Zimmerservice an, nicht um mich zu
beschweren, sondern um Informationen zu
sammeln. Die Stimme am anderen Ende
kenne ich nicht - im Nachhinein ärgert es
mich, nicht nachgefragt zu haben - denn sie
sagt mir, dass tatsächlich Kräutersoße im
Menü steht. Zu meiner konkreten Mahlzeit
könne sie allerdings nichts sagen und
Lieferengpässe wolle sie nicht kommen-
tieren.
Da
müsse
ich,
am
besten
persönlich, nachfragen. Ist das jetzt eine
Einladung in die Küche? Flugs beende ich
meine Post und gehe zur Rezeption. Dort
treffe ich auf die wechselhafte Grün-Dame.
Sie ist manche Tage freundlich und
hilfsbereit.
Ich
konnte
jedoch
schon
Situationen miterleben, in denen sie in
barschem Ton zu mauern scheint. Ich
versuche, ihr Gesicht im Gespräch mit dem
Gast vor mir zu beobachten, ob der Frage,
was für einen Tag sie heute erwischt haben
mochte. Ich behalte ein wenig Hoffnung,
obgleich es in dem Hin und Her nicht um
Soße
geht.
Mit
neutralem
Gesichts-
ausdruck nimmt die Grün-Dame meine
adressierten
und
frankierten
Briefe
entgegen. Bei den Fragen nach dem Menü
und der Hotelküche verfinstert sich ihr
Blick. Zur Küche gäbe sie mir keine
Auskünfte und eine Kopie des Menüs
könne sie mir nicht geben. Es seien keine
vorhanden. Die Schlange hinter mir ist so
lang, dass ich mich dagegen entscheide,
eine Diskussion anzustoßen. Für mich ist
die Konfrontation höchstens vertagt. Die
Grün-Dame und ich sind uns einfach nicht
grün. Zufälligerweise läuft mir die Schell-
Dame über den Weg, als ich zum
Spaziergang in der Parkanlage des Hotels
unterwegs bin. Sie begegnet mir wie immer
freundlich und mit einem offenen Ohr. An
den Wortlaut des Menüs könne sie sich
nicht erinnern. Hätte es "Kräutersoße" sein
können? Ich verneine. Sie kann mir
stehenden Fußes nicht helfen, wolle aber
eine
Kopie
des
Menüs
für
mich
organisieren. Ob es morgen Kräutersoße
gibt? Den Abend bin ich gefesselt vom
faszinierenden
Flimmerkistenprogramm
und finde frustlos den Pfad in den
Zauberwald. So bemerke ich fast gar nicht,
wie mit der Morgenpost auch die Menü-
kopie unter meinem Türschlitz landet. Da
steht sie, die Kräutersoße, die alles, nur
das nicht war. Da steht sie auch für heute.
Ich mache mich, nachdem ich mich
statthaft gekleidet habe, auf zur Rezeption -
das ist jetzt schon deutlich mehr Aufwand,
als die ganze Sache wert ist. Ich trete mit
meiner kleinen einseitigen Trophäe an
ihren Tisch und spreche das gestrige
Thema wieder. Die Grün-Dame liest über
die Seite und mit jeder Zeile wird die
Verärgerung in ihrem Gesicht deutlicher.
Ich frage, ob die Angabe denn für heute
stimme? Nun darf ich mir anhören, dass
das Menü nur Informationscharakter habe.
Kopien seien für Gäste nicht gedacht. Um
meine Trophäe gebracht, kann ich das
Mittagessen leider nur ohne Beweismittel
erwarten. Das Klopfen reißt mich nicht vom
Hocker, ich möchte aber die Glocke vor
Zeugen heben. So gehe ich der Eichel-
Dame
entgegen,
von
der
ich
doch
mindestens Ehrlichkeit erwarte. Ich belasse
das Tablett noch in ihren Händen und lüfte
das heutige Geheimnis - butterfarbene
Soße neben Rosenkohl, Schnitzel und
Klößen. Ich blicke zur Eichel-Dame auf, die
mir verständnislos und ungeduldig die
Mahlzeit hinhält. Sie schließt wortlos die
Tür. Ich setze mich an den Schreibtisch. Ich
lasse die Augen zum Fenster schweifen -
wo der Blick genauso viel Freiheit findet wie
Kräuter in der Soße zu finden sind!
(HL/Red. gekürzt ) Danke für Deine nette
Geschichte Anonymus! Gerne weiter so.

Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
26
Nachfragen und -lesen sind ausdrücklich
erlaubt! Nur eine Antwort ist richtig.
1. Was bedeutet das aus dem Griechischen
stammende Wort Melancholie?
A: rote Tränen
B: schwarze Galle
C: gelbes Blut
D: grüner Magensaf
2. Magnum stand in der gleichnamigen TV-Serie
öfters auf Kriegsfuß mit den Dobermännern ...?
A: Siegfried und Roy
B: Bernard und Bianca
C: Zeus und Apollo
D: Scott und Huutsch
3. Hat der Immobilienmakler ein paar stattliche
Häuser verkauft, ist er sozusagen ...?
A: Villen los
B: Unter würvig
C: Ge vügig
D: Volg sam
4. Manche Märchen enden mit der Zeile: "Und
wenn sie nicht gestorben sind, ..."?
A: verführen sie die Bräute
B: machen sie fette Beute
C: beklauen sie die Leute
D: so leben sie noch heute
5. Fast jede PC-Tastatur hat eine Taste mit der
Aufschrift ...?
A: Pils
B: Weizen
C: Kölsch
D: Alt
6. Was stärkt die Abwehrkräfte?
A: saunieren
B: ferkelmilzen
C: schweinelebern
D: eberherzen
7. Wird jemand nach seinem Personenstand
gefragt, sollte er darüber Auskunft geben, ob
er ...?
A: männlich oder weiblich ist
B: verheiratet ist
C: berufstätig ist
D: getauft ist
8. Wer nur ein Schlückchen vom Zuckerrohr-
Branntwein probieren will, nippt mal kurz ...?
A: bor Kum
B: feh Marn
C: am Rum
D: rü Gen
9. Völlig normal ist es, wenn der ...?
A: Merkur auf Diät geht
B: Mars dünner wird
C: Saturn hungert
D: Mond abnimmt
10. Was trägt eine Klapperschlange noch im
Erwachsenenalter durch die Wüste?
A: Kuscheltier
B: Windel
C: Rassel
D: Schnuller
11. Welche anatomische Besonderheit zeichnete
die Neandertaler aus?
A: flüchtende Ohren
B: weglaufende Nase
C: fliehende Stirn
D: entspringendes Herz
12. Was gehört nicht zu den gängigen
Kommandos bei der Hundedressur?
A: Zieh Leine !
B: Gib Pfötchen !
C: Hol´s Stöckchen !
D: Mach Männchen !
13. Was finden viele Frauen erstrebenswert?
A: Libellenbrüste
B: Wespentaille
C: Fliegenfigur
D: Käferpo
HaftLeben-Preisrätsel

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Haft Leben
27
14. Was tragen Fußballer?
A: Tetrakacke
B: Bimist
C: Monopipi
D: Trikot
15. Was besitzt jeder Mann mit modisch gut
sortiertem Kleiderschrank?
A: Kellnerinnenschürze
B: Barkeepersocken
C: Kochmütze
D: Oberhemd
Verschiedene Preise u. a.
(Produktbeispiele)
Aus allen Einsendungen mit mindestens
acht richtigen Antworten werden die
Gewinnerinnen gezogen. Meistens eine
Gewinnerin pro Station.
Es gilt dabei der Zeitpunkt der Abgabe!
Leider nur für die JVA Chemnitz!
Wie mache ich mit?
Die Lösungen bitte auf dem Lösungsbogen
ankreuzen und mit Name, Haftraumnummer,
Alter sowie ob Raucher oder Nichtraucher
angeben.
Lösungsblatt
ausschneiden
und
in
den
Briefkasten der Redaktion (z. B. Ausgang zum
Hof) bis zum
02.08.2019
einwerfen.
Name, Vorname:
________________________________________
Haftraum: __________
Haus:__________
Alter:
__________
Nichtraucher
Raucher
Jul
2019
A
B
C
D
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
Die Redaktion dankt dem Sponsor Rudolf H.
für die zur Verfügung gestellten Preise!
HaftLeben-Preisrätsel

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
28
Kirche 2019
Träume
Neulich als ich morgens aufwachte, hatte ich eben
noch geträumt - bis mein Wecker klingelte. Ich
fühlte mich nicht besonders ausgeschlafen, denn
dieser Traum hatte mich sehr bewegt. Mein Tag
begann wie gewohnt. Dennoch blieb das Gefühl,
dass das Geträumte noch weiter beschäftigte. Am
liebsten
hätte
ich
mit
jemandem
darüber
gesprochen, aber es gab keine Gelegenheit dazu.
Träume sind Kunstwerke unserer Seele. Wir haben
sie nicht in der Hand. Sie können unbequem sein,
sie können uns berühren und manchmal auch
bedrücken oder auch neue Wege zeigen oder etwas
Wichtiges verdeutlichen. Symbole und Bilder in
Träumen lassen sich oft deuten. Träume können für
uns Menschen zu Schlüsselerlebnissen werden,
wenn wir uns an sie erinnern.
In Träumen verarbeiten wir Menschen, was wir
erlebt haben. Es ist ein Geschenk, dass unsere
Seelen so etwas erleben können. Auch, wenn es
nicht immer leicht und schön ist, was wir Menschen
träumen.
Erinnern Sie sich an Träume, die Sie geträumt
haben? Manche Träume wiederholen sich auch.
In der jüdisch-christlichen Tradition der Bibel spielen
Träume eine wichtige Rolle, z. B.: Als
Jakob
aus
Beersheba vor seinem Bruder Esau floh, nachdem
er ihn um sein Erstgeburtsrecht betrogen hatte,
machte er am Abend Rast, wälzte einen großen
Stein dorthin, wo er schlafen wollte, und legte sich
nieder. Und er hatte einen Traum: Er träumte von
einer Treppe, die wie eine Leiter auf der Erde stand
und bis an den Himmel reichte. Boten Gottes, also
Engel, kamen und stiegen auf dieser Leiter bis zum
Tor des Himmels. Und sie gingen in das Tor, und
andere kamen aus dem Tor und stiegen hinunter
zur Erde. Und Gott selbst stand da und sprach zu
Jakob: „
Ich bin der Gott deines Vaters Abraham und
der Gott Isaaks.
Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen
Nachkommen geben. Ihr werdet ein großes Volk
werden, ... ich werde dich nicht verlassen, bis ich
getan habe, was ich dir zugesagt habe.“
Am Morgen
erinnerte sich Jakob an diesen Traum. Dort, wo er
übernachtet hatte, wo er von der Himmelsleiter
geträumt hatte, stellte er zur Erinnerung einen
besonders großen Stein auf, salbte ihn nach altem
Brauch mit Öl und nannte die Stelle „Bethel“, Haus
Gottes. Durch dieses Traumerlebnis fühlte sich
Jakob, der einen großen Erbbetrug begangen hatte,
als Mensch gesehen und gehalten. Viele Jahre
später kehrte er nach Hause zurück und versöhnte
sich mit dem Bruder. Auch davor begegnete ihm
Gott in einer Nacht. Der Traum des Jakob aus dem
Alten Testament ist nicht der einzige Traum, den die
Bibel überliefert. Da sind die Träume, die
Joseph
am Hof des Pharao
in Ägypten hatte. Das Buch
Daniel
erzählt von einem schlimmen Alptraum des
babylonischen Königs Nebukadnezar. Im Traum
befiehlt Gott den
drei Sterndeutern
aus dem
Morgenland, nicht wieder zu König Herodes zurück-
zukehren und von dem neugeborenen Jesus in der
Krippe zu erzählen. Sie reisen daraufhin auf einem
anderen Weg von Bethlehem wieder zurück in ihr
Land. Im Traum werden dann auch
Maria und
Joseph
von einem Engel zur Flucht nach Ägypten
veranlasst, um ihr Kind Jesus zu retten. Und in der
Nacht vor der Verurteilung Jesu träumt die
Frau
des Statthalters Pilatus
davon, dass Jesus
unschuldig ist.
Wenn Sie mögen, schreiben Sie doch mal einen
Traum auf, an den Sie sich erinnern und dem Sie
nachgehen möchten. Auch mit mir als Seelsorgerin
könnten Sie darüber sprechen.
Ich wünsche Ihnen gutes Träumen. Bleiben Sie
behütet!
Anne Straßberger, evangelische Seelsorgerin
Bild: Lizenzfrei Pixelio.de

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Haft Leben
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Auflösung des Rätsels aus „HaftLeben“ 04-2018
1 - C, 2 - A, 3 - D
4 - A, 5 - B, 6 - C,
7 - D, 8 - B, 9 - D,
10 - A, 11 - C, 12 - B,
13 - B, 14 - D, 15 - C
Gewonnen haben diesmal:
EG: Nicole S.
Stat. 1: Julie L.
Stat. 2: Jasmin K.
Stat. 3: Steffi N.
Stat. 4: Eva B.
Stat. 5: Keine Beteiligung
Stat. 6: Keine Beteiligung
Stat. 7: Katja P.
Haus III: Marie-Louise R.
Haus IV: Keine Beteiligung
Mutter und Kind: Keine Beteiligung
(Alle Stationsangaben gültig zum Zeitpunkt der
Abgabe)
Herzlichen Glückwunsch!
Reproduktionen von Artikeln, auch nur auszugs-
weise, nur mit schriftlicher Genehmigung der
Redaktion „HaftLeben“ und gegen kostenfreie
Zusendung eines Belegexemplars.
Für namentlich gekennzeichnete Beiträge (alle
angegebenen Kürzel sind mit Klarnamen hinter-
legt), übernimmt die Redaktion lediglich die
presserechtliche Verantwortung, diese müssen
nicht unbedingt die Meinung der Redaktion
wiedergeben.
Bei eingesandten Manuskripten und
Leserbriefen setzen wir das Einverständnis zum
honorarfreien Abdruck und zur sinnwahrenden
Kürzung voraus.
Für eingesandte Manuskripte, Briefe und Unter-
lagen jeglicher Art wird keine Haftung über-
nommen.
Herausgeberin:
Frau König-Bender,
Anstaltsleiterin der JVA Chemnitz (V. i. S. d. P.)
HL-Redaktionsteam: PAF, BFM, H.B., KU,
SM; OT
Betreuer:
Herr Richter
ehrenamtlicher Betreuer
Frau Gläser
ehrenamtliche Betreuerin
Frau Böttcher
Bedienstete, JVA-Chemnitz
E-Mail:
HaftLeben@T-Online.de oder
HaftLeben@Live.de
Redaktionsschluss für die Ausgabe 03/2019:
16.08.2019
Bild: Lizenzfrei Pixelio.de
Anschrift der Redaktion “HaftLeben“:
Justizvollzugsanstalt Chemnitz
Redaktion der Gefangenenzeitung „HaftLeben“
Thalheimer Straße 29
09125 Chemnitz
HL - Impressum

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
30
Rätsel aus HL 01/2014
*** 12/2016 wurden 4 Ausgaben der Gefangenenzeitung „HaftLeben“ gedruckt ***

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Haft Leben
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HL - Rezepte
*** 12/2017 wurden 4 Ausgaben der Gefangenenzeitung „HaftLeben“ gedruckt ***
Apfelstrudel
Zutaten:
4 Äpfel (600 g)
Saft einer ½ Zitrone
1 Msp. Zimt
40g Mandelstücke
100 g brauner Zucker
80 g Butter
120 g Strudel (4 Teigblätter) 1 EL gemahlene Mandeln
Zubereitung
Backofen auf 200 Grad vorheizen. Die Äpfel schälen, entkernen und in kleine Stücke
schneiden. Mit Zitronensaft, Zimt, Mandelstücken und 50 g Zucker mischen.
Die Butter zerlassen. Eine ofenfeste Form mit etwas flüssiger Butter ausstreichen. Ein
Blätterteigblatt so in die Form legen, das die Ränder überhängen. Mit Butter bestreichen
und ein zweites Teigblatt darauflegen. Den Teigboden mit gemahlenen Mandeln
bestreuen. Die Apfelmischung mittig auf den Teig geben. Die überhängenden
Strudelblätter darüber schlagen. Ein drittes Teigblatt auf den Strudel legen, mit Butter
bestreichen und darauf das vierte Blatt legen. Die Seiten der beiden oberen Blätter
vorsichtig unter den Strudel schieben. Mit der restlichen zerlassenen Butter bestreichen.
Mit dem verbliebenen Zucker und Mandelstücken bestreuen. Den Strudel im heißen Ofen
etwa 30 Minuten backen.
Getrocknete Apfelringe
Zutaten:
1 Msp. Salz
1 EL Zitronensaft
1 Kg Äpfel
Zubereitung
In einer Schüssel 1 Liter Wasser mit Salz und Zitronensaft verrühren. Die Äpfel schälen,
entkernen und in etwa 5 mm dicke Scheiben schneiden. Die Ringe für etwa 10 Minuten in
das Zitronenwasser legen, damit sie nicht braun werden. Anschließend auf Kuchengitter
vollständig abtropfen lassen. Den Backofenrost mit Backpapier belegen und die Apfelringe
nebeneinander darauf verteilen. Ofen auf 50 Grad (Umluft) stellen und die Äpfel darin 4-5
Stunden trocknen lassen. Sie sind fertig, wenn sie sich ledrig anfühlen und brechen
lassen.
Eierschecke
Boden:
3 Becher Quark
2 Eier
1x Puddingpulver
200 g Zucker
Belag:
3/8 Liter Milch
100 g Zucker
100 g Butter
5 Eier
1 Pck. Puddingpulver
3/8 l Milch und 100 g Zucker nehmen und Pudding kochen lassen. Butter dazugeben und
auskühlen lassen. Eigelb unterrühren, Eischnee schlagen und unterheben. Dann bei 160°
C Umluft 40-50 Minuten backen, nicht länger. Während der Backzeit den Ofen wenn
möglich nicht öffnen, da sonst die Schecke einfällt.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
32
Rätsel aus HL 04/2016
*** 12/2018 wurden 4 Ausgaben der Gefangenenzeitung „HaftLeben“ gedruckt ***

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Haft Leben
33
Rätsel aus HL 04/2017
*** 2019 Bisher wurden 2 HL-Hefte gedruckt ***

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 61, Juli 2019
34
Rätsel aus HL 04/2018
HL -
Rätsel

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Retro aus - © HaftLeben 01-2017
Retro aus - © HaftLeben 02-2015
Retro aus - © HaftLeben 03-2016
Retro aus - © HaftLeben 01-2013

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Wir lächeln.!
Jetzt!