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Nummer 60, seit 1999
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(HL/BF) Erst mal einen ganz großen Dank an Maria
Claus, wie toll sie kurzfristig für die verstorbene Frau
Köhler, „HaftLeben“ berichtete im letzten Heft, das
Krippenspiel mit den Gefangenen einstudiert und
somit den jährlichen Höhepunkt ermöglicht hat.
Das Krippenspiel war ein großer Kontrast zu dem im
letzten Jahr, was keineswegs negativ gemeint sein
soll. Es war sehr modern, die Sprache war
zeitgemäß und ich war positiv angetan, es war
interessant und manchmal sogar amüsant, da ich so
eine moderne Version noch nie gesehen hatte,
obwohl mir die Geschichte dahinter sehr wohl
bekannt war, hatte nicht nur ich sehr schönen
Nachmittag gemeinsam mit vielen anwesenden
Ehrenamtlichen. Für uns Gefangene war auch das
Treffen mit den anderen beim gemeinsamen
Kaffeetrinken sehr schön. Vielen Dank an alle, die
mitgeholfen haben, dieses weihnachtliche Highlight
zu organisieren und zu gestalten. Dankeschön!
Ich habe auch danach nur positive Feedbacks gehört
und wir hoffen, dass Ihnen, Frau Claus, die
Zusammenarbeit mit den Gefangenen ebenso Spaß
gemacht hat und natürlich möchten wir auch den
Darstellern für diese Aufführung danken. Ich
jedenfalls freue mich schon auf das nächste Jahr!
Rockfloor
(HL-HB) Am
30.11.2018 besuchte uns für einen etwa
90-minütigen Auftritt die Band "Rockfloor".
Eine Party-Coverband aus Geyer (Erzgebirge),
bestehend aus den Mitgliedern Aileen, Matthias,
Reinhard,
Christian
und
Mirko.
Sie
spielten
abwechslungsreiche,
tanzbare
Rockmusik
mit
hohem Qualitätsanspruch. Bei ihrem Auftritt hier in
der JVA Chemnitz zeigten sie sich sehr offen und
unterhaltungslustig. Durch bekannte Lieder wie zum
Beispiel „Sleeping in my car“ von Roxette, „Millionen
Lichter“ von Christina Stürmer oder „November
Rain“ von Guns N` Roses brachten sie eine
unvergleichbare Party-Stimmung in unseren doch
eher tristen Haftalltag, was hier für uns von sehr
hohem Wert ist.
Dafür möchte ich mich im Namen aller ganz herzlich
bedanken, wir hoffen auf ein Wiedersehen und
wünschen euch nur das Beste für die Zukunft.
Vielen Dank für euren Auftritt!
Bischof Ipold in der JVA Chemnitz
Der Chor der JVA
Am Ende des Krippenspiels
Die Darstellerinnen mit Frau Claus und Lippold
Fotos: HL/LR, 12/2018
Foto: Rockfloor

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„Ellis“ Kaffeekränzchen
……..…..……..……...…..
4
Menschlichkeit hier?
……………...………….
5 bis 7
Wie Kinderaugen unsere „Welt“
hier sehen
……………….…...…………………....
8 und 9
GefangenenMitVerantwortung
…….…......……
10
Nicht nur hier stimmt was nicht!
.…………....
11
Post an die HL-Redaktion
…..….……..
12 und 13
Freizeit
…..……………………………...……….
14 und 15
Familien-Weihnachtsfeier
………………………..
16
Neues Jahr - neue Vorsätze?
...… .….
17 bis 20
Theater Scheselong
....…………….....……………
21
Die Gheto-Knacki-Braut
….….……………...…...
22
Leserbriefe an die Redaktion
„Haft Leben“
.....................................................……..
23
HL-Preisrätsel
...….…...…..………………...
24 und 25
HL-Song
………...………...……..……………………….
26
Nach(t)gedanken
……...………………….………….
27
Kirche 2019
.……..…………………………...….……..
28
Impressum
….………...………..…………………….....
29
HL-Rezepte
…….………...……..……………………….
31
HL-Rätsel
…….………………………...
30 und 32 bis 34
Der „HaftLeben“-Spruch des Quartals
stammt diesmal aus der Feder von Peter
Hohl, (*1941), deutscher Journalist
Manche Menschen kommen in
ein dunkles Zimmer und
beginnen emsig zu arbeiten.
Sie ergründen die Ursachen
der Dunkelheit, finden
Schuldige und erstellen ein
mittelfristiges Konzept zur
schrittweisen Reduzierung der
Finsternis.
Und dann kommt einer und
macht einfach das Licht an.
Inhaltsverzeichnis
Wir wünschen Antje und Anne-
Kathrin alles Gute für die
Zukunft!
Danke für eure Mitarbeit in der
Redaktion „HaftLeben“.
Herzlichen Dank an Claudia
Löffelmann für die
Genehmigung zum Abdruck
ihrer Zeichnung auf unserer
Titelseite.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
4
Ellis“ Kaffeekränzchen
Miau, miau, man oh man, könnt ihr euch vorstellen,
wie lang ein Katzentag sein kann, mind. 24 Std,
wenn nicht sogar noch viiiiel länger.
Ich jedenfalls steh auch schon früh um 6 Uhr mit
euch auf, denn ich möchte nichts, gar nichts, vom
allgemeinen Wahnsinn verpassen.
Wenn ihr dann alle auf Arbeit seid, fängt
mein ,,Arbeitstag" also erst mal an. Was man da
alles so mitbekommt, lässt mein Fell zu Berge
stehen, unglaublich, was erwachsene Menschen
für Äußerungen treffen - man fühlt sich als
zartfühlendes Kätzchen, schnurrrrrr, wirklich sofort
mit angesprochen - geht es euch auch so?
Es scheint mir manchmal, dass die gar nicht
merken, was sie da so raushauen!
Fühlt sich jemand angesprochen? Nachdenken!
Miau, miau, ich als Katze höre auch euer Flüstern!
Bei meiner Wanderung bin ich mal in der Bücherei
vorbei und wollte mir mal ein Katzenbuch
anschauen, um zu erfahren, wie andere Katzen so
leben und welche Kater vor paar Jahren HIP
waren. Aktuell geht hier nix! Jedenfalls frage ich
mich: Warum gibt es solche Haltungsunterschiede?
Mhmmm, ob es daran liegt, dass mein Fell eine
andere Farbe hat? Weil ich Elli heiße? Gefällt
denen mein Name nicht? Oder gar, weil ich miaue,
wenn man mir auf den Schwanz tritt? Wonach
richtet sich die Haltung eigentlich?
Das verletzt mich, denn auch ich habe ein Recht
auf artgerechte Haltung!
Als ich dann unter den Tischen langlief, um meinen
Rücken an den Tischbeinen zu schruppen, kam der
Mäusefänger in den Raum, der ganz interessiert
daran war, wie viele hässliche gaaanz dicke Mäuse
(auch Ratten genannt) in seine Fallen gegangen
sind.
Was hat das zu bedeuten? Wenn ich alles
rausposaune, was die Ratten für Lieder singen,
werde ich dann öfter gestreichelt? Schnurrrrr.
Bekomme besseres Essen? Ein kuschligeres Bett?
Verbessert das gar die allgemeinen Bedingungen?
Fragen über Fragen.
Was waren das für Melodien, welche der
Ratenfänger von Hameln damals auf seiner Flöte
spielte. Kennt die heute keiner mehr? Natürlich
klingt dieses Musik-Angebot verlockend, aber ich
bin Elli und ich fange meine Mäuse selbst und an
Ratten habe ich seeehr wenig Interesse, die
schmecken
verdorben!
Wie
wohl
seine
Erfolgsquote sein wird, werden wir wohl nie
erfahren. Und ja, es liegt sehr viel auch daran, dass
ihr das ganze übrige Zeug zum Fenster entsorgt,
statt es in die Tonnen zu bringen - eklig!
Und ja, ich bin sehr böse darüber, was jeder
Einzelne für eine Macht hat, um anderen Vorteile
zu verschaffen, obwohl doch eigentlich alle gleich
behandelt werden sollten. Was im Umkehrschluss
Ja auch heißt,
dass er auch
die Macht hat,
N a c h t t e i l e
jedem
Einzelnen
zu
verschaffen.
Ich bin danach
gleich auf in
meine Wohnhöhle gerannt, weil ich darüber nicht
hinweggekommen bin und das ganze natürlich
auch in Frage stelle, geht dass, was mir widerfährt,
mit rechten Dingen zu oder ist das ebenso eine
Benachteiligung meiner ganzen Rasse?
Ich habe gleich meine Freundin „Fussel“ angerufen,
um mich bei ihr, auf gut katzisch gesagt, mal richtig
auszukotzen, dass tat richtig gut und jetzt, ojemine,
ist mein Telio-Guthaben leer, obwohl ich wirklich,
ich schwöre mit meiner erhobenen Pfote, nur 3 Std.
telefoniert habe, aber so ist dass, wenn die
Kätzchen einmal anfangen etwas, nur seeeehr
wenig, zu plaudern.
Sie hat mir jedenfalls dann was ganz Neues
erzählt, es gibt jetzt ein neues deutsches (?)
Geschlecht –
Divers
– habt ihr so was schon
gehört? Was soll ich jetzt nur meinen süßen
Katzenkindern sagen? Ist es vorbei mit Katze und
Kater und wie nenne ich ein/e Divers-Cat?
Welchen Namen bekommt sie?
Jedenfalls meint die „Fussel“, dass sie eine Divers-
Cat hat - in ihrer Geburtsurkunde wird nun nicht
mehr weiblich stehen, sondern Divers. Fussel
meint,
dass
sie
sich
keinem
Geschlecht
dazugehörig fühlt.
Es beginnt halt mit jedem Wurf eine neue Zeit!
Beziehen wir das mal auf unser Leben hier in
Chemnitz, wie wird damit umgegangen?
Wo kommt der, die „Diverse“ hin – in ein Männer-
oder in ein Frauengefängnis?
Bekommt „er, sie“ jetzt separate Toiletten? Wenn
sie sich entkleiden müssen, wer ist dann dabei
anwesend?
Schon wieder Fragen über Fragen.
Was bedeutet DIVERS überhaupt? Ich werde mich
mit diesem Thema mal genauer auseinandersetzen
und euch in der nächsten „HaftLeben“ berichten,
was ich in Erfahrung bringen konnte.
Vielleicht gibt es hier schon 1-2 „Miezen“, denen es
so oder ähnlich geht, aber sie haben noch nie den
Mut gehabt darüber zu sprechen, dann nehmt
einen Stift in eure zarten Pfoten und schreibt mir
eure Katzenmeinung darüber. Einfach in den
Briefkasten von der „HaftLeben“, auch gern
Anonym, einwerfen - meine Diener holen das dann
schon ab!
Eure Elli

Haft Leben
5
Menschlichkeit hier?
Was ist für mich Menschlichkeit
(HL/LM) Ich glaube eine genaue Beschreibung und
die Meinung eines jedem für dieses Thema zu
finden, wird nicht möglich sein. Doch ich kann Euch
sagen, was es für mich bedeutet oder wie ich die
Menschlichkeit wahrnehme. Laut dem schlauem
Wikipedia heißt es, dass „die Menschlichkeit das
Denken und Handeln“ eines Jeden ist. Jeder hat
somit seine ganz eigene Individualität und das ist
auch gut so, denn wie sollten wir sonst voneinander
lernen. Was heißt für mich Menschlichkeit: Wenn ich
so darüber nachdenke, schwirren viele Fragen in
meinem Kopf rum. Ist es der Mensch an sich? Ist es
sein Auftreten? Die Art, wie er Dinge macht? Was er
im Laufe seines Lebens alles lernt beziehungsweise
gelernt hat?
Wie und was man sagt? … Denken und Handel,
man kann es nicht minimieren. Aber ich würde
sagen, dass es das wahre Ich ist, also die
Authentizität eines Jedem. Leider hat die
Menschlichkeit keinen großen Raum mehr in
unserem Land, die Jugend hat kein Respekt mehr
gegenüber Autoritätspersonen, man denkt lieber an
sich, als einer älteren Dame den Platz im Bus
anzubieten, man kommt mit Messern in die Schule
und bedroht die Lehrer.
Wo soll das alles nur noch enden, dass hat für mich
nichts mit Menschlichkeit zu tun. Für mich heißt es
klar, offen mit seiner Meinung umgehen zu können
oder sogar zu dürfen, zu helfen, ob dem Menschen
oder den Tieren, das spielt keine Rolle. Der Respekt
steht an erster Stelle, wir sollten unseren Eltern, den
Großeltern mit Respekt begegnen.
Für mich hat Menschlichkeit hier(!!!) einen ganz
neuen Stellenwert bekommen, seitdem ich in Haft
bin, lernt man erst mal Dinge zu schätzen und
intensiv darüber nachzudenken. Ich bin unendlich
dankbar für jeden Tag, den ich am Leben bin, dass
ich immer neu dazulerne, dass ich gut erzogen
worden bin, dass ich geliebt werde und lieben
darf….Ich habe in meinen jungen Jahren schon so
viele Eindrücke, Gefühle, Niederlagen … erfahren
müssen und all das hat mich zu der gemacht, die
ich heute bin.
Natürlich bin ich nicht auf alles stolz, aber ich bin
stolz - auf mich selbst.
Keiner ist perfekt, doch genau das macht uns doch
einzigartig. Egal wie ihr seid oder was ihr fühlt, ob
Schmerz, Wut, Hass, Liebe, Glück etc., das gehört
zum Leben und zur Menschlichkeit dazu.
Wir lassen uns viel zu sehr von anderen leiten, wir
tun das, was uns gesagt wird, aber das sollte nicht
das Ziel unseres Seins sein.
Was soll ich euch sagen, seid selbst die
Menschlichkeit!
(HL-HB) Das Wort Menschlichkeit oder Unmensch-
lichkeit wird von uns allen so oft genutzt. Doch
wenn ich genauer darüber nachdenke, fällt mir so
viel dazu ein und gleichzeitig denke ich, es ist für
viele irgendwie etwas anderes. Menschlichkeit
bedeutet für mich, gut mit meinen Mitmenschen
hier umzugehen, aber ebenso gut zu mir zu sein.
Da stellt sich nur die nächste Frage, was genau ist
denn gut oder schlecht? In diesem Zusammen-
hang würde ich als „gut“, anderen Menschen
weder psychisch noch physisch zu schaden,
andere zu akzeptieren so wie sie sind mit all ihren
Stärken und Schwächen und diese auch wert-
zuschätzen, meinen.
Unmenschlichkeit bedeutet für mich demzufolge
das komplette Gegenteil und absolute Gleich-
gültigkeit. Einige sind sicherlich der Meinung, dass
man mit jedem Menschen respektvoll umgehen
sollte - aber wirklich mit jedem? Ich bin der
Meinung, Respekt müsse man sich, wenn man es
erwartet, auch verdienen. Durch nichts Materielles,
sondern mit Charakter und dem eigenen Ich. Man
kann nicht etwas erwarten, was man selbst nicht
ist oder bereit ist zu geben.
Rückblickend habe ich viele Fehler gemacht,
welche sich in meinem Denken und Handeln als
unmenschlich widerspiegeln. Aber Fehler machen
ist doch wiederum auch menschlich, oder?
Viele Gedankengänge klingen und sind irgendwie
widersprüchlich. Das könnte daran liegen, dass es
bei allen Dingen immer mehrere Sichtweisen gibt,
die man beachten sollte und deshalb gibt es
meiner Meinung nach keine allgemeine Definition
zu dem Thema Menschlichkeit.
Jeder ist individuell und somit auf eine eigene Art
und Weise menschlich und unmenschlich.
Menschlichkeit hat die Kraft, sich und andere zu
verändern und bleibende Spuren in den Menschen
und in der Welt zu sehen.
Wir neigen dazu, Erfolg eher nach
der Höhe unserer Gehälter oder nach
der Größe unserer Autos zu
bestimmen als nach dem Grad
unserer Hilfsbereitschaft und dem
Maß unserer Menschlichkeit.
Martin Luther King, amerikanischer Geistlicher und
Bürgerrechtler, * 15.01.1929, † 04.04.1968

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
6
Freiheit ist Menschlichkeit!?
(HL-Mani) Freiheitsdrang ist menschlich! Unsere
Mitmenschen draußen leben in Freiheit. Für sie ist
die Freiheit normal und nichts besonderes, aber für
uns Inhaftierte ist es das, wonach wir uns am
stärksten sehnen. Unser Traum ist, dass endlich
alle Türen offen sind, dass wir nicht überall
bewacht werden und fast alles, was wir tun
möchten,
genehmigt
werden
muss.
Gegen-
sätzlicher geht es kaum.
Auf der einen Seite: selbstbestimmtes Leben mit
Familie, Freundschaften, Leben in Freiheit. Auf der
anderen Seite: kontrolliertes, fremdbestimmtes
Leben, Sehnsucht nach dem Partner, den Kindern
oder Freunden, Freiheitsentzug.
Dazwischen: eine sechs Meter hohe Mauer.
Doch gibt es nur draußen die Freiheit? Die äußere
Freiheit ganz bestimmt, aber darauf müssen wir
noch warten. Die innere Freiheit können wir jedoch
schon jetzt bekommen. Innerlich frei ist man, wenn
man sein Ego und vieles, was uns in Besitz nimmt,
loslassen kann. Was nicht nur für uns Häftlinge gilt.
Menschlichkeit ist es ein Gewissen zu haben?!
Was ist eigentlich das Gewissen? Dieses kleine, oft
störende „Instrument“ in unserem Kopf? Dieser
kleine Mann im Ohr, der sich meist dann zu Wort
meldet, wenn wir ihn gar nicht hören wollen?
Psychologisch gesehen ist unser Gewissen eine
eingebaute Ampelanlage mit Alarmfunktion. Zeigt
die "Ampel" auf grün, haben wir etwas erlaubtes
getan und fühlen uns brav.
Zeigt sie aber auf rot, dann ist etwas verbotenes im
Spiel und unser sprichwörtlich schlechtes Gewissen
meldet sich und quält uns normalerweise.
So gesehen ist unser Gewissen auch abhängig von
unserer Erziehung, dem Glauben oder ähnlichem.
In anderen Kulturkreisen gelten andere Regeln, und
das gute oder schlechte Gewissen meldet sich an
anderen Stellen zu Wort. Was nun? Brauchen wir
nun nicht mehr auf unser Gewissen zu hören, weil
doch alles nur Erziehung, Kultur, Glaube oder
anderes ist?
Meine Antwort lautet:
Nicht von meinen Eltern oder sonst etwas anderen
lasse ich mein Gewissen bestimmen, sondern allein
durch
mich.
Dann
kann
ich
gewissenhafte
Entscheidungen treffen und im tiefsten Innern
gewiss sein - ein gutes Gewissen zu haben.
Menschlichkeit und Knast -
Das passt nicht zusammen
(HL/BAF) Für mich ist Menschlichkeit sehr wichtig,
aber sie hat hier leider gar keinen hohen
Stellenwert, weder unter Gefangengen noch mit
Bediensteten, so ist es öfters mein Eindruck. Aber
zum Glück gibt es da auch Ausnahmen, wofür man
danken muss, denn es lässt hoffen auf ein
besseres Miteinander.
Ich habe mich gefragt, habe ich als Gefangene
überhaupt ein Recht auf Menschlichkeit, wenn ich
jemandem das Recht darauf abgesprochen habe?
Ich weiß es leider nicht, was aber nichts daran
ändert, dass ich mir wünschen würde mehr
Menschlichkeit zu erfahren.
Denn auch Fehler machen ist menschlich und
niemand kann von sich behaupten, fehlerfrei
durchs Leben gegangen zu sein. Auch jene nicht,
die jetzt über unser Leben entscheiden.
Viele Gefangene sind hier, weil ihr Handeln in der
Vergangenheit „unmenschlich“ war, aber behandelt
man
Unmenschlichkeit
mit
Unmenschlichkeit?
Oder zeigt man mit Menschlichkeit, dass es auch
einen anderen Weg gibt? Am schlimmsten finde ich
jedoch, dass man nur eine NUMMER ist, dass zeigt
häufig der Umgang und manche Entscheidungen
die hier getroffen werden. Entscheidungen die
meiner Meinung nach nicht immer nach der
Schwere der „Schuld", sondern manchmal nach
Gesicht und Sympathie getroffen werden. Die
Angst, dass Außenstehenden darüber berichtet
wird, scheint manchmal der „Vater des Gedankens“
zu
sein,
schade
eigentlich.
Böse
Zungen
behaupten sogar, dass manches hier filmreif
umgesetzt werden könnte, so wie man es nur aus
Serien oder Filmen kennt wie z. B „Prison Break“.
Weiter auf der nächsten Seite!
Solange uns die Menschlichkeit
miteinander verbindet, ist egal,
was uns trennt.
Ernst Ferstl, österreichischer Lehrer und
Schriftsteller, * 19. Februar 1955
Menschlichkeit hier?
Foto: HL/Archiv, A. Thieme

Haft Leben
7
Menschlichkeit hier?
In der Serie ging es dabei darum, das ein Mann
unschuldig wegen Mord inhaftiert wird und der
Bruder ihn aus dem Gefängnis befreit und nach und
nach alles aufgedeckt wird, wie vernetzt und
durchtrieben dieses System eigentlich ist und kein
normaler Mensch auf solch Bösartigkeiten kommt.
Es ist sehr erstaunlich, wie viele Menschen, die
ohne Drogenproblematik inhaftiert werden, plötzlich
abhängig sind von diversen Tabletten oder harten
Drogen, damit sie diese harte Zeit in einem
deutschen Gefängnis überstehen. Na, woran liegt
das wohl? Bestimmt nicht, weil sie alleine in ihren
Zimmern Party machen wollen, sondern vielleicht
einfach mal diesen ganzen Stress hinter sich
lassen, nicht daran denken, was kommt als
nächstes.
Man müsste mal alles aufzählen, was in den letzten
Jahren nicht nur hier zusammengekommen ist, aber
das wissen die wohl die meisten selbst. Am besten,
alle wiegen sich weiterhin in Sicherheit, denn
bislang hat ja alles super funktioniert, zumindest
meistens. Wir hoffen alle, dass man sich aus den
erwähnten Gründen das Leben nimmt und vorher
zudem noch einen Brief nach draußen schreibt, wo
drin steht, aus welchen Gründen.
Dann stürzt hoffentlich das mühsam erbaute Haus
der Scheinwelt plötzlich zusammen und jeder denkt
nur noch an seinen eigenen Arsch.
Sol heißen, ich sehe die Menschlichkeit hier drinnen
mehrfasch in Gefahr!
Oft gibt es mir auch zu denken, dass man meine
Akte hier besser kennt als mich und danach werde
ich behandelt, leider manchmal auch behandelt.
Nicht immer und nicht von jeden, das bitte ich dabei
zu beachten.
Aber ich bin nicht meine Akte, ich bin viel mehr
als ein paar Seiten Papier!
Nun frage ich noch: Sollte man nicht alle oder
zumindest viele Umstände kennen, um zu urteilen?
Ich bin immer noch fest überzeugt, dass manchmal
ein persönliches Gespräch viel mehr als ein Blick in
die Akten bringt. Ich jedenfalls warte darauf und
natürlich auf Sie.
Und ja, ich bin ein Mensch und möchte es auch hier
bleiben!
Das Göttliche
Edel sei der Mensch,
Hilfreich und gut!
Denn das allein
Unterscheidet ihn
Von allen Wesen,
Die wir kennen.
Heil den unbekannten
Höhern Wesen,
Die wir ahnen!
Ihnen gleiche der Mensch!
Sein Beispiel lehr’ uns
Jene glauben.
Denn unfühlend
Ist die Natur:
Es leuchtet die Sonne
Über Bös’ und Gute,
Und dem Verbrecher
Glänzen wie dem Besten
Der Mond und die Sterne.
Wind und Ströme,
Donner und Hagel
Rauschen ihren Weg
Und ergreifen
Vorüber eilend
Einen um den andern.
Auch so das Glück
Tappt unter die Menge,
Faßt bald des Knaben
Lockige Unschuld,
Bald auch den kahlen
Schuldigen Scheitel.
Nach ewigen, ehrnen,
Großen Gesetzen
Müssen wir alle
Unseres Daseins
Kreise vollenden.
Nur allein der Mensch
Vermag das Unmögliche:
Er unterscheidet,
Wählet und richtet;
Er kann dem Augenblick
Dauer verleihen.
Er allein darf
Den Guten lohnen,
Den Bösen strafen,
Heilen und retten,
Alles Irrende, Schweifende
Nützlich verbinden.
Und wir verehren
Die Unsterblichen,
Als wären sie Menschen,
Täten im Großen,
Was der Beste im Kleinen
Tut oder möchte.
Der edle Mensch
Sei hilfreich und gut!
Unermüdet schaff er
Das Nützliche, Rechte,
Sei uns ein Vorbild
Jener geahneten Wesen!
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)
Der Not ist jede Lust entsprossen,
Und unter Schmerzen nur gedeiht
Das Liebste, was mein Herz
genossen,
Der holde Reiz der Menschlichkeit.
Friedrich Hölderlin (1770 - 1843),
deutscher Theologe, Dramatiker und Lyriker

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
8
(HL-LM/FB) Als ich meine Tochter gefragt hatte,
wie sie es findet, dass Mama hier ist, kam genau
diese obige Antwort. In mir hat sich alles
zusammen gezogen und ich hätte am liebsten
geheult, doch ein Blick in ihre wunderschönen
blauen Augen und das Lachen hat mir Mut
gegeben. Auch wenn sie noch so jung sein mag
und vielleicht noch nicht alles versteht, bin ich mir
sicher, dass sie eine ganze Menge mitbekommt.
Für sie mag das Gefängnis ein großer Spielplatz
sein, der zweimal im Monat für sie und mich
geöffnet hat, wo man sich Süßigkeiten am Auto-
maten kaufen kann, wo man nicht nur drinnen,
sondern auch draußen spielen kann, wo es einen
Raum für sie und mich gibt.
Wir sollten unseren Kindern die grausame Wahrheit
nur zum Teil beibringen, nur um ihnen nicht noch
mehr weh tun. Meiner Meinung nach sollten wir
unsere Kinder schützen und mit der Wahrheit ihnen
gegenüber behutsam umgehen.
Die Mam wohnt jetzt hier, in einem großem Haus,
was sich Justizvollzugsanstalt nennt, sie hat ihr
eigenes Zimmer und wohnt mit vielen anderen
Muttis/Frauen zusammen.
Wenn ich meine Kleine mit zu mir nehmen würde,
dann würde sie in allem etwas positives sehen. Wir
würden ein Wettrennen über den Gang machen
und uns dann auf Mamas Bett oder in ihren Augen
gesehen Hüpfburg schmeißen. Wenn wir die Decke
übers Bett hängen lassen, haben wir eine Höhle,
mein Schrank und das Fach am Schreibtisch ist
das Geheimfach.
Ich mache mir viele Vorwürfe und verachte mich
selbst, wie kann ich meinem Kind nur so weh tun -
ich wollte sie doch nur beschützen.
Mittlerweile habe ich gelernt, nicht mehr alles
negativ zu sehen, was bringt es meiner Kleinen,
wenn sie eine kaputte Mama hat, denn ich muss
stark sein, denn ich habe ihr gegenüber immer
noch eine große Verantwortung.
Auch wenn es sich widerspricht, es ist noch meine
Pflicht, ich möchte meiner Tochter immer eine gute
Mutter zu sein und sie schützen.
Sie hat es nicht verdient, Schmerz zu empfinden,
darum versuche ich stets mein Bestes zu geben,
dass es ihr gut geht, es ihr an nichts fehlt.
Sie glücklich und in guten Händen zu wissen,
beruhigt mich ungemein.
Wir sollten unseren Kindern dankbar sein und
ihnen es jedes Mal zeigen, denn sie tragen in ihren
jungen Jahren schon eine enorme Last auf ihren
noch sooo kleinen Schultern.
Ich glaube, wir sollten auch öfter versuchen, die
Welt mit Kinderaugen zu sehen, mit einer gewissen
Leichtigkeit und Unbeschwertheit.
Wie Kinderaugen unsere „Welt“ hier sehen
Die Realität -
Haftraum im Haus I
Foto: HL, A. Thieme, 08/2009
Zitat: (meine Tochter, 5 Jahre)
„Das ist schon schlimm das du hier bist, weil du bei mir sein sollst.
Aber ich komm dich ja immer besuchen und du mich auch
und das ist schön.“

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Haft Leben
9
Wie Tochter, 5 Jahre, sich „Muttis-Zimmer“ vorstellt:
Wie Chiara, 10 Jahre, sich „Muttis-Zimmer“ vorstellt:
Z
immer
Wie Kinderaugen unsere „Welt“ hier sehen
Herzfenster
Kuckucksuhr
Bett
Spielzeug-Lokomotive
Sofa mit Eulen-Kissen
Teppich mit Pflanze
Schreibtisch
mit Einhorn-
Lampe

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
10
(HL-LM) So Mädels, nun heißt
es mal wieder schauen, was
das Jahr 2019 bringen wird in
der GMV. Ich werde euch ein
paar Dinge aufzählen, die
besprochen sowie geändert
wurden.
Die Hausordnung -
auf jeder Station liegt im Dienstzimmer eine
Hausordnung aus, diese könnt Ihr euch ausleihen.
Waschmaschinen -
nun könnt ihr endlich loslegen mit dem Waschen,
aber achtet bitte darauf, dass die Maschinen ein
langes Leben haben, also nicht zu viel reinstopfen!
TV-Sender -
die meisten haben es sicher schon gehört, wir
bekommen mehr Sender. Es sollen um die
angeblich 60 verschiedene TV-Sender werden, wir,
die GMV Mitglieder, haben so eine Liste zur
Auswahl bereits bekommen. Fragt uns!
Leider müsst ihr euch noch etwas gedulden – Ende
2019 werden diese Sender wohl erst für uns alle
zur Verfügung stehen.
Leitersprechstunde -
wenn ihr möchtet und euch nicht sicher seid, dann
könnt ihr euch eine Zeugin mitnehmen, nicht
vergessen, diese auch noch mit anzumelden.
Massak Gespräch -
wir die GMV Mitglieder treffen uns zweimal im Jahr
mit einem Vertreter der Fa. Massak zum Gespräch,
also wenn ihr Produktvorschläge habt, dann
schreibt doch bitte an die GMV und werft den Brief
in den Briefkasten in der 53.
Freizeitmaßnahmen -
wie ihr mitbekommen habt, werden nicht mehr so
viele Freizeitaktivitäten angeboten, was natürlich
schade ist, jedoch wird schon an einem neuem
Konzept gefeilt, also habt noch etwas Geduld.
Zurzeit wird Zumba, Butinette-Bastelgruppe und
der Teddybär-Kurs angeboten. Für die Redaktion
„HaftLeben“ könnt ihr euch auch anmelden.
Nur noch als kurze Info:
Auch zu eurer Vollzugsplanung könnt ihr, wenn ihr
möchtet, Angehörige oder Vertraute mit einladen!
Wenn euch noch etwas auf dem Herzen liegt oder
ihr noch mehr Ideen oder Vorschläge habt, dann
schreibt uns. Post einfach in den GMV-Briefkasten
in der 53 werfen!
GefangenenMitVerantwortung

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Haft Leben
11
(HL-LM) Wer in dieser Zeit mit offenen Augen durch
seine Heimat geht, der braucht schon starke Nerven
und eine gehörige Portion Selbstbeherrschung, um
bei all dem, was hierzulande vor sich geht, noch die
Fassung zu bewahren. Nicht nur draußen, sondern
auch hier drinnen muss man sich zusammenreißen.
Ein Papier, das bei den meisten auch unter dem
Namen „Grundgesetz“ bekannt ist, besagt, dass in
der BRD alle Macht vom Volke ausgehen soll. Doch
Papier ist geduldig. Die Realität sieht leider anders
aus. Wir,
die Gefangenen, haben nur wenig bis gar
nichts zu melden. Schon traurig das alles, auch
wir
sollten ernst genommen werden. Wir haben so
schon
viel auf den Schultern zu tragen. Wir sind
eben nur Gefangene die aus der Unterschicht
kommen. Wirklich? Sollte man uns nicht fördern und
uns ein Vorbild sein - die Regeln - das Gesetz gibt
es, doch mit der Umsetzung dieses Textes gibt es
überall in Sachsen Probleme. Kurz, an uns, den
Gefangenen, liegt es nicht immer, am Geld und dem
überall fehlenden Personal wohl schon ehr.
Müssen
nur wir uns an Regeln halten? Wichtige Ent-
scheidungen werden, ohne mit der Wimper zu
zucken, über die Köpfe, nicht nur der Gefangenen,
hinweg entschieden. Wenn es um Therapien geht
oder um die Vollzugsplanung, alles wird vorher
schon festgelegt und somit „beschlossen“. Es ist ja
nicht so, dass wir zu allem eine eigene Meinung
haben und so wünscht man sich dazu immer öfters
ein persönliches Gespräch und das nicht nur zum
Leitertag!
Tja, es scheint doch immer öfters zu stimmen, wenn
unsereins auf Boden der JVA steht, gibt man sehr,
sehr viele Rechte, auch über sich, ab. Wir sind
somit zum Zuschauen verdammt, unsere Zukunft
liegt also in den Händen von „anderen“.
Wir sind Menschen und wir haben Rechte!
Vergessen? Ja, wir haben gegen das Gesetz
verstoßen und ja, dafür haben wir ein Urteil und
eine Strafe bekommen. Ich bin schon eine Weile
hier und hab schon so einiges mitbekommen, aber
was zurzeit hier los ist, ist kaum noch zu glauben,
geschweige denn zu verstehen. Erklärungen über
diese und das Umsetzen der Probleme lassen sich
nicht von heute auf morgen ändern, dass verstehe
ich - doch Jahre oder gar Jahrzehnte müssen es
auch nicht sein.
Jeder einzelne versucht hier über
die Runden zu kommen, jeder auf seine Art und
Weise.
Der eine schert sich einen Dreck um sich und die
anderen und wieder andere machen bei vielem mit,
weil sie wirklich was ändern möchten. Viel bringt es
leider nicht, denn in die Papiere kommt nur, was
von der Leitung gewollt und bestimmt wird! Wie man
es also macht, es ist eh verkehrt. Am Ende
bekommt man sogar noch gesagt, man tut zu viel.
Zuviel?! Das man wirklich etwas verändern möchte,
sieht man hier im Haus sehr selten - ist wohl nicht
erwünscht. Darf man seine Meinung sagen oder
bekommt gar in die Akte einen Stempel? Einfacher
wird es hier nicht und klarer leider auch nicht.
Wir sind nicht dumm, auch wenn ihr glaubt, wir
würden manches nicht mitbekommen.
Glaubt uns, wir bekommen genug mit - leider!
Hört endlich auf, stetig nach Ausreden zu suchen
und uns irgendwas zu erzählen, ich sehe manche
Missstände und die schreien förmlich zum Himmel.
Zurechtbiegen und beschönigen hilft auch nur eine
gewisse Zeit, irgendwann kommt das Kamel und
„frisst das Gras weg“ und dann ist das „Übel“ in der
gefürchteten Öffentlichkeit, ist immer so!
Bei aller Liebe, noch kann man nicht alles mit
„Ordnung und Sicherheit“ begründen.
Wegschauen hilft nicht - die Probleme müssen
schnell(er) gelöst werden!
Wir, die Gefangenen, sind nicht hier, um dumm
rumzuhocken, sondern um zu lernen - für das
neue Leben und der Großteil von uns will das
auch! Wir waren Täter und manche sind zudem
noch Opfer, jetzt sind wir hier und in der Zukunft
wollen wir unser „neues“ Leben, auch mit eurer
Hilfe, neu gestalten. Wir wollen und wir
brauchen Hilfe, hier und später auch draußen!
Manche nennen das auch Resozialisierung!
Und, eine Nummer wollen wir für euch auch nicht
mehr sein, wir alle haben einen eigenen Namen!
Jeder!
Nicht nur hier stimmt was nicht!
Foto: HL, A. Thieme, 08/2009

Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
12
Ein Erfahrungsbericht nach 3,5-jähriger
Haft die Entlassung auf Therapie nach
§35 BtmG
Nach mehr als 3 Jahren Haft in der JVA Chemnitz
wurde ich im Dezember 2018 nach §35 BtmG
vorzeitig auf Therapie entlassen. Hierauf hat die
JVA
weniger Einfluss, da dies die jeweilig
zuständige Staatsanwaltschaft entscheidet und auch
die Anforderungen nicht so hoch sind. Für eine
reelle Chance, mit § 35 herauszukommen, bedarf es
lediglich einer Kostenzusage, eines Therapieplatzes
und bestenfalls dem Nachweis, dass regelmäßig die
Suchtberatung aufgesucht wurde. Da ich 2015
inhaftiert
wurde
und
bis
November
2018
nachweislich monatlich die Suchtberatung besucht
hatte und mir dies auch immer bestätigen ließ, war
das meiner Staatsanwaltschaft ein ausreichender
Motivationsnachweis.
So … aber ich sollte ja erzählen, wie es mir so
ergangen ist nach der Haftentlassung. Nun … ich
war zunächst eines der Glückskinder, die von den
sich häufenden „Stillstandrazzien“ betroffen waren.
Ich hatte im Vorfeld mittels VG51 an die Kammer
darum gebeten, bitte als Erste entlassen zu werden,
da ich um 11:00 Uhr in Römhild ankommen sollte
und sich in drei Jahren auch einiges in der „HABE“
anhäuft.
Punkt 9:00 Uhr ging der Alarm los … alles
Einschluss … und bis halb zwölf tat sich gar nix.
Somit stand ich dann 12:10 Uhr mit unendlich vielen
Kisten vor der JVA und auch meine Leute, die mich
abholten, hatten das Vergnügen, bei herrlichstem
Nieselregen fast 5 Stunden warten zu müssen.
Erstmal großes Begrüßungstrara und weg da …
irgendwohin … nur schnell wech! Auf zu Rewe,
einen Kaffee trinken und erstmal sehen, wie nun
weiter. Da es eh zu spät war für Römhild … hab ich
dort angerufen … und bin erstmal einkaufen
gegangen. Klamotten, Drogerie, alles was ich so
noch brauchte für meinen Therapieaufenthalt. Eine
Nacht bei Freunden in Dresden geschlafen und am
nächsten Tag los nach Römhild. Dort angekommen,
musste ich vor allem anderen erstmal UK abgeben
… dann Einzug in mein Zimmer.
Auf Therapie gibt es i.d.R. immer Doppelzimmer ,
(Suchterkrankung ist meist auch eine Beziehungs-
störung). Nach Ewigkeiten in der Einzelzelle war
selbst das eine echte Herausforderung für mich. Ich
war so die ersten 2 - 3 Wochen komplett reizüber-
flutet, obwohl ich hier echt mitten im Nirgendwo bin.
So viele Menschen …, die auch noch alle mit mir
reden wollen … bzw. mich kennenlernen. Der erste
Einkauf in einem kleinen Rewe-Markt war übelst
anstrengend, aber auch irgendwie lustig. Ich stand
mit offenem Mund vor dem jeweiligen Regal und
konnte mich bei so viel Auswahl ewig nicht
entscheiden … hab so zwei Stunden für meinen
ersten Einkauf benötigt. ;)
Und über den „normalen“ Umgangston hab ich mich
übel gefreut … Menschen, die einen nett begrüßen,
die „Danke“ und „Bitte“ sagen, einem die Hand
reichen, selbst die Bäckerfrau, die mir meine
Brötchen einpackt und den Cappu fertig macht …
alle waren plötzlich nett zu mir und ich bin froh
solche Unworte, wie bspw. „Abkübeln“, „Ablaufen“
und ähnlichen Wortmüll nicht mehr hören zu
müssen (Haftjargon).
Von meinem letzten Therapeuten hatte ich gelernt,
das Gute im Schlechten zu suchen … bzw. zu
finden. Das Gute am Schlechten der Haft: Ich bin
dankbar für kleine Dinge, ich bin aufmerksamer
dafür und weiß echte Zugewandtheit sehr zu
schätzen.
Ich freu mich über ein Lächeln, über die ersten
Sonnenstrahlen, das Vogelgezwitscher morgens
vorm Fenster, ein freundliches und respektvolles
Miteinander, meinen Lieblingskäse zum Frühstück
….
Die ersten acht Wochen gibt es keine Heimfahrten
und die ersten zwei Wochen darf man das
Klinikgelände nicht verlassen. Möglich, dass dies für
viele eine Eingrenzung oder auch Belastung ist …
für mich war es das überhaupt nicht. Ich war ganz
froh darüber, dass ich in kleinen Schritten in der
Zivilisation ankommen durfte. Nach mehr als drei
Jahren purer Monotonie in Haft … waren wirklich die
kleinsten
und
einfachsten
Alltagsdinge
eine
Challenge für mich und ich war die ersten zwei, drei
Wochen relativ schnell erschöpft von den vielen
neuen Eindrücken und Gegebenheiten.
Inzwischen bin ich kurz vor dem Ende der Therapie
… hab nur noch einen Monat und ein paar
zerquetschte … ich war schon einmal auf Heimfahrt
in meiner neuen Heimat Dresden. Ich hab viel Kraft
getankt, viele liebe Menschen kennengelernt, auch
einige kommen und gehen sehen, auch vieles
gelernt über mich bzw. mir bewusst gemacht … ich
freu mich auf meinen Neustart. Ich kann jedem die
Therapie empfehlen … und für mich gilt: je offener
die Einrichtung ist bzw. je offener das Therapie-
konzept ist, desto näher dran am Alltag und der
Realität. Mir nutzt es gar nicht, wenn ich in einer
abgeschotteten „Käseglocke“ mit 1000 Verboten
Therapie mache … da wäre bei mir der Rückfall
sicher schon bei der ersten Heimfahrt vorprogram-
miert. Denn wenn ich von Null auf Hundert komme
… und nicht während der Therapie lerne, wie ich mit
prekären Situationen umgehen kann … wie soll ich
das dann nach der Entlassung aus der Einrichtung
im Alltag schaffen? Da ist dann plötzlich niemand
mehr da, der den ganzen Tag Regeln aufstellt und
kontrolliert und ahndet.
Natürlich gelten hier auch klare Regeln und
Vorgaben und es gibt das „Punktesystem“ … ist
aber nah am Leben und die roten und grünen
Punkte,
die
dann
an
der
Wand
hängen,
verdeutlichen einem auch, wie die letzte Woche so
lief.
Ab acht roten Punkten gibt es eine Konferenz mit
dem Chefarzt und den zuständigen Therapeuten.
Auch bei Rückfall gibt’s eine Konferenz.
Post an die HL-Redaktion

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Haft Leben
13
AHG Reha-Fachklinik in 98631 Römhild, Thüringen
Foto: Einrichtung
Und je nachdem, wie die Therapeuten die jeweilige
Motivation einschätzen - bleibt oder geht man.
Rückfälle direkt im Klinikgelände … führen zwangs -
läufig zur Entlassung, da dadurch Mitpatienten
gefährdet werden. Ansonsten kann man den
Rückfall z. B. auf Heimfahrt direkt hier aufarbeiten,
was in meinen Augen Sinn macht. Ich kenne mich
in meinen ersten Rückfallsituationen und die
Gedanken, die ich damals so hatte. „Oh, weh! Nun
hab ich schon wieder versagt, die ganze Therapie
war umsonst … alles umsonst … usw.“ Mit der Zeit
und mit der Anzahl an Therapien und auch mit so
unendlich viel Zeit während der Haft, um klaren
Kopfes nachzudenken und zu reflektieren und mit
der Anzahl an Rückfällen … hab ich inzwischen ein
paar Säulen, die ich auch immer früher nutze bzw.
einschalte. Ich hab für mich akzeptiert, dass
Rückfälle kein Weltuntergang sein müssen - je
früher ich agiere im Rückfall, desto sanfter der
Absturz. Wenn ich also schon während meines
Aufenthaltes in Therapie ernsthaft den Rückfall
aufarbeiten kann, umso geringer die Gefahr, wieder
volle Kanne abzustürzen. Wer geht schon direkt
zum Suchtberater, wenn er drauf ist und von
Therapie fliegt? Da dann wieder ins Hilfesystem
hineinzukommen … schwierig und meist erst
mittels Druck von außen eine Option. (bevor-
stehende Gerichtsverfahren, Jugendamt, usw.).
Ohne meine Inhaftierung wäre es gut möglich, dass
ich im Straßengraben gelandet wäre, weil ich mal
wieder völlig dicht Auto fahre oder ähnliches. Also
hat selbst die Haft Sinn gemacht in meinem Fall
und ich hatte zuvor noch nie in meinem Leben so
viel Zeit für mich.
Wie die Strukturen im jeweiligen Vollzug sind …
hmmm naja, da kann ich Chemnitz kaum etwas
gutes abgewinnen. Der erhobene Zeigefinger wirkt
halt nicht auf mich … wäre das so leicht, um einen
Süchtigen vom Stoff wegzubekommen - gäbe es
kaum noch Gefangene in den JVAs. Mich wundert,
dass es leider wenig(er) Fachkompetenz in
Chemnitz gibt, da gefühlt 90 % der Insassinnen
süchtig sind und es eine Vielzahl an „Drehtür-
Insassen“ gibt.
Ich bin jedenfalls sehr froh und dankbar dafür, dass
ich hier nun offen über meinen Konsum und meine
Gedanken sprechen kann - ohne direkt Restriktion
und/oder Bestrafung fürchten zu müssen. Keine
Ahnung, ob ich alles das schaffe, was ich mir so
vorgenommen habe.
Ich stress mich nicht mehr damit, ich muss auch
nicht perfekt sein und/oder irgendwem gefallen
oder es irgendwem recht machen … so mit dem
Alter kommt auch die Gelassenheit, um Dinge
hinzunehmen, wie sie sind. Und … was ich ganz
schnell gelernt hatte im Knastalltag … „Nein“ zu
sagen - möglichst ohne sich zu rechtfertigen und
sich somit abgrenzen von dem, was eh nervt und
nicht guttut.
Das heißt nicht, dass ich empathielos oder herzlos
bin - im Gegenteil. Ich weiß ziemlich genau, was
mir guttut und somit auch meinem Gegenüber.
Besser ein kurzes, klares und vielleicht auch
schmerzhaftes „Nein“, als ewige verlogene
Versprechen oder Ausreden, die viel langfristiger
Schaden anrichten. Mit einem kurzen Nein oder
auch Ja sorge ich für Klarheit und somit für ganz
deutlich gezogene Grenzen, die es zu achten gilt.
Von mir und von meinem Gegenüber. Viel zu
anstrengend … ich brauche meine Energie für
andere Dinge.
Summa summarum … ich konnte viel Zeit für mich
nutzen während meiner Haft, mit wenig Unter-
stützung - aber immerhin gab es ein paar wenige
Menschen, die nicht nur mit der erhobenen Hand
bzw. mit erhobenem Zeigefinger arbeiteten und die
haben mir sehr oft geholfen und denen bin ich auch
heute noch dankbar. Sei es der ganz normale
Umgangston, den eine „Schließerin“ an den Tag
legt oder auch einfach nur ein gutes Gespräch mit
einem aufmerksamen Zuhörer, der dann nicht
direkt Ratschläge verteilt, denn Ratschläge sind
auch nur Schläge. Was bei dem einen funktioniert,
muss nicht zwangsläufig bei mir klappen. Jeder
tickt anders und jeder muss seinen eigenen Weg
gehen mit seinen eigenen Erfahrungen.
So … ich drücke jedem von euch die Daumen für
eine vorzeitige Entlassung aus der Haft.
Euer Niesel
Post an die HL-Redaktion

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
14
Liebe Leserinnen,
jetzt seid ihr gefragt!
(HL/BF) Derzeit sind unsere Freizeitangebote eher
bescheiden. Nun möchten wir von euch wissen -
wie würdet ihr gern eure Freizeit gestalten? Worauf
hättet ihr mal Lust, wo ihr euch auch vorstellen
könntet, dies längerfristig zu machen. Sprecht ihr
z. B. Fremdsprachen und habt Interesse daran, zu
unterrichten?
Oder
Thementage - wo man sich als „Gruppe“ trifft &
vorgebebene/aktuelle Themen bespricht, sachlich
diskutiert, Meinungen & Erfahrungen austauscht.
Oder
Gibt es Frauen unter uns, die gern Gesellschafts-
spiele spielen,wie Rommé, Poker, Siedler, Schach,
Mensch ärger dich nicht etc., aber ihr habt nicht
den geeigneten Spielpartner auf eurer Station?
Ihr wollt mal bei einer Koch- und Backgruppe
mitwirken?
Oder
Eine Tischtennisgruppe?
Teilt uns eure Meinung über die Vorschläge mit
oder bringt ganz neue Ideen an & wir versuchen, in
enger Zusammenarbeit mit der GMV diese
bescheidene Situation zu ändern. Es geht auch
ganz einfach, auf der nächsten Seite findet ihr ein
paar Vorschläge, wo ihr auch noch bei „sonstiges“
eure Ideen vermerken könnt und auf dem Weg zum
Hof könnt ihr diesen Zettel ganz einfach in den
Haftleben-Briefkasten werfen ( Haus 1 - Zum Hof -
an der rechten Wand ), ( Haus 2 - Zum Hof - an der
linken Wand).
Noch in eigener Sache:
Im Jahr 2018 blieb unser Haftleben-Briefkasten
oft leer, denn bis auf die ausgefüllten Rätsel
(auch merklich weniger) verirrte sich nur noch
eine
Zigarette
darin,
was
die
Redaktion
„HaftLeben“ als sehr schade empfindet.
Grundsätzlich sind eure Meinungen, Kritiken,
Verbesserungsvorschläge, Anregungen für uns
sehr wichtig, nicht nur für die Gefangenen-
zeitung, sondern auch für die Gefangenen-
mitvertretung oder die Gefangenengewerk-
schaft, also für euch!
Bei Interesse bitte das jeweilige ankreuzen oder
ergänzen! Mehrfach ist erlaubt.
Bitte Name, Vorname und Haftraum nicht
vergessen auf den Zettel zu schreiben!
Name, Vorname:
Haftraum:
Thementag
Gesellschaftsspiele
Koch- und Backgruppe
Tischtennisgruppe
Yoga
Tanzen lernen,
welchen Tanzstil?
Fremdsprachen lernen,
welche?
Fremdsprachen unterrichten,
welche?
Bastelgruppen,
welche?
sonstiges (bitte einzeln noch
dazu schreiben)
Freizeit

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Haft Leben
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Hier findet ihr einiges, was derzeitig an Freizeitmaßnahmen in der JVA Chemnitz läuft.
Da wir nur viermal im Jahr erscheinen, ist eine aktuelle Liste nicht immer gewährleistet.
Stand: 08.02.2019
Ergänzungen bitte an die Redaktion „HaftLeben“.
Übrigens würden uns auch Eure Meinung und Erlebnisberichte von euren jeweiligen Gruppen sehr
interessieren.
Freizeit
Was
Wie oft
Durchführung
Besonderheiten/Anmeldung
HaftLeben
wöchentlich
Ehrenamt
Donnerstags, Antrag, Fr. Böttcher
Zumba
wöchentlich
Frau Böttcher
Antrag – meist montags
Origami
1x/Monat
Ehrenamt
Antrag
Volleyball
wöchentlich
Bedienstete
Antrag (nur im Sommerhalbjahr und
wetterabhängig)
Federball
wöchentlich
Bedienstete
Antrag (nur im Sommerhalbjahr und
wetterabhängig)
Chor
14tägig
Ehrenamt
Antrag
Schmökerrunde
wöchentlich
selbstständig
Antrag
Teddynähkurs
14tägig
Ehrenamt
Antrag
Buttinette-
Bastelgruppe
wöchentlich
Bedienstete
Antrag (Materialien müssen selbst finanziert
werden)
Stationssport
3x/Woche
selbstständig
mündlich beim Stationsdienst
Kraftsport
3x/Woche
selbstständig
Antrag (jedoch lange Wartefrist, da
begrenzte TN-Zahl)
Autogenes Training
14tägig
Pfarrer
Antrag
Rosenkranzgebet
14tägig
Pfarrer
Antrag
Schwarzes Kreuz
1x/Monat
Ehrenamt
Eintrag in den Aushang auf Station
Konzerte
unregelmäßig
Bedienstete
Antrag
Glaubenskurs
wöchentlich
Pfarrer
Antrag
Gottesdienst
14tägig
Pfarrer
Antrag
Foto: Archiv, HL/LR, 05/2009

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
16
Der Spaß kam für alle Beteiligten
an diesem Vormittag nicht zu kurz!
(HL-MANI) Am 08.12.2018 fand in unserer JVA
eine Familien-Weihnachtsfeier statt, bei der sich im
Vorfeld
jede Gefangene
mit
seiner
Familie
anmelden konnte. Solche und ähnliche Veran-
staltungen geben uns als Inhaftierte und unseren
Familien die Chance, sich neben den regulären
Besuchszeiten und ohne den zusätzlichen Abzug
von Besuchsstunden, zu sehen.
Es ist quasi eine Chance, zusätzlich Zeit mit
Angehörigen, Kindern und Partnern zu verbringen.
Die Feier fand im Zwischenbau der Station 4 statt
und wurde in Zusammenarbeit mit den Sozial-
arbeitern Frau Seifert und Herrn Pfretzschner
organisiert.
Vielen Dank an dieser Stelle für diese
Möglichkeit.
Wir (alle, die zu dieser Feier mit ihren Familien
angemeldet waren), hatten die Möglichkeit, durch
Sonderauf- und -umschluss, für die Kinder und
Angehörigen, kleine Geschenke zu basteln, Salate,
Würstchen, Kaffe und Kuchen vorzubereiten sowie
die Örtlichkeit kreativ zu dekorieren.
Ein Dankeschön von Chiara an alle ,
die diese Weihnachtsfeier
ermöglicht und gestaltet haben!
Vielen Dank auch für die zusätzlichen Spenden
von Stollen und Kaffee.
Es wurde im Vorfeld durch alle Teilnehmer ein Plan
sowie eine Einkaufsliste erstellt. Um diesen Einkauf
günstig halten zu können und um auch Produkte
kaufen zu können, die nicht auf der Massak-Liste
stehen wie Schokoladenholkörper, kaufte der
Sozialdienst für uns zusätzlich ein (nach Sperrung
eines min. Betrages auf dem jeweiligen Hausgeld).
So war es uns möglich, z. B. für die Kinder auch
eine kleine süße Weihnachtsüberraschung darzu-
bieten. Wir hatten zur Weihnachtsfeier, die in dem
Zeitrahmen von 10:30 Uhr bis 13:30 Uhr stattfand,
neben Weihnachtsmusik und dem vorbereiteten
Essen
auch
Spiele
zur
Verfügung
gestellt
bekommen. Diese nutzten wir natürlich auch gerne,
wie man unschwer auf dem oberen Bild erkennen
kann. Alles in allem war es eine sehr schöne und
gelungene Weihnachtsfeier und wir haben jede
zusätzliche Minute mit unseren Familien genossen.
Ich fände es schön, wenn auch zu anderen
Festlichkeiten
solche
Möglichkeiten
gegeben
werden ( z. B. Ostern). Dies hilft nicht nur den
Kindern, mental damit fertig zu werden, dass Mama
Weihnachten nicht mit zu Hause ist.
Bild links: JVA-C Seifert
Bild oben: Chiara/HL/LR
Familien-Weihnachtsfeier in der JVA Chemnitz

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Haft Leben
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NEUES JAHR - NEUES GLÜCK - NEUE VORSÄTZE
(HL-HB) Wer abnehmen möchte, sollte sich unter anderem über die Kalorienangabe von Lebensmitteln
informieren. Es ist also eine wichtige Information, die vor allem beim Abnehmen eine wichtige Rolle spielt.
Übergewicht ist das Ergebnis eines andauernden zugeführten Energieüberschusses über einen längeren
Zeitraum und das muss nicht einmal viel sein. Selbst wenn der Körper jeden Tag nur einen kleinen
Energieüberschuss zu viel hat, wird dieser kontinuierlich abgespeichert und das kann dann zu
Gewichtsproblemen führen. Sich also einen Überblick über die tägliche Kalorienzufuhr zu machen, ist der
erste Schritt, um eventuelle Probleme in der Ernährung aufzudecken und vielleicht sogar zu lösen.
Kalorientabelle - eine kleine, schnelle Übersicht

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
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NEUES JAHR - NEUES GLÜCK - NEUE VORSÄTZE
Apfel-Bananen Smoothie
Zutaten für 2 Personen:
- 1 Banane
- 1 Apfel
1 Banane
- 100 ml Milch
(- evtl. Zucker )
Alle Zutaten in den Mixer geben, so lange mixen,
bis man keine Stückchen mehr sieht.
Es geht genauso mit dem Pürierstab.
Am besten gut gekühlt genießen
Avocado Kiwi Apfel Smoothie
Zutaten für 2 Personen:
- 1/2 Avocado
- 2 Kiwis
- 250 ml Orangensaft
- 200 ml Apfelsaft
- 100 ml Wasser
- 1 Spritzer Zitronensaft
Avocado schälen, entkernen, klein schneiden. Kiwi
und Banane schälen, klein schneiden. Alles in einen
Mixerbecher geben, zusammen mit Apfelsaft,
Zitronensaft und Wasser mixen
Kleine Tipps
keine zuckerhaltigen Getränke
bei Butter, Öl und Margarine nur die Hälfte nehmen
3 geregelte Mahlzeiten
Frustessen vermeiden
langsamer essen = weniger essen (Sättigungsgefühl tritt erst nach etwa 15 Minuten ein)
gesund naschen (Möhren und/oder Gurkensticks)
bunt ist gesund (Obst und Gemüse sind gute Satt- und Wachmacher)
Der Grund, warum so viele nach einer Diät dann ganz schnell wieder zunehmen, ist der sogenannte
JO-JO-Effekt. Der Körper befindet sich noch immer im ''Notfallmodus'' und benötigt eigentlich nur wenig
Energie. Wenn dann aber wieder normal gegessen wird, kann der Körper auch schon bei ganz normalen
Essensmengen zunehmen. Die ganze Arbeit war dann schlussendlich umsonst. Die Kunst beim
Abnehmen liegt also darin, den Körper an seine Reserven gehen zu lassen, ohne dabei in diesen
„Notfallmodus'' zu gelangen. Dauerhaft abnehmen funktioniert am besten, wenn man seine täglichen
Kalorien leicht reduziert und dabei den Verbrauch erhöht. Viele machen den Fehler, von heute auf morgen
ihre ganze Ernährung umzustellen. Doch es ist sinnvoller, kleine Veränderungen zu Gewohnheit zu
machen und sich somit Stück für Stück einer kalorienärmeren Ernährung anzugewöhnen. Man sollte bei
solchen Umstellungen immer langfristig denken. Jede noch so kleine Ersparnis lässt dich deinem Ziel ein
Stück näherkommen. Besser in kleinen Schritten, als mit Vollgas und dann wieder völlig zurückzufallen.

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Haft Leben
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NEUES JAHR - NEUES GLÜCK - NEUE VORSÄTZE
Bridging
- einfache Übung
Rückenlage, Füße sind in 90°-Beugung angestellt,
Arme liegen neben dem Körper, Becken anheben
bis der Körper eine gerade Linie bildet
leichtes Absenken des Beckens von ca. 5 cm und
wieder Anheben zur geraden Linie
3 x 15 Wiederholungen
Bridging
- Variation
Rückenlage, Füße sind in 90°-Beugung angestellt,
Arme liegen neben dem Körper, Becken anheben
bis der Körper eine gerade Linie bildet
leichtes Absenken des Beckens von ca. 5 cm und
wieder Anheben zur geraden Linie
3 x 15 Wiederholungen
Vierfüßler
- für Fortgeschrittene
Vierfüßlerstand, Kopf in Verlängerung des Rückens
halten, Rücken bildet eine Gerade
Ein Bein nach hinten anheben und
ausstrecken, Fußspitze anziehen
Wechselseitig durchführen, jede Seite 5 x 10 -
15 Sekunden halten
gegen gleichen Arm nach vorne strecken,
Blick ist weiter nach unten gerichtet
wechselseitig durchführen, jede Seite 5 x 10-
15 Sekunden halten
Sit-ups
- einfache Übung
Sitz auf den Boden, Füße sind angewinkelt und mit
der ganzen Fußsohle auf dem Boden aufgestellt,
Oberkörper ist aufrecht, Hände liegen auf den
Oberschenkeln
Langsames Vorbeugen des Oberkörpers, bis ein
leichtes Ziehen im Bauch zu spüren ist
Rücken bleibt gerade
10-15 Sekunden Position halten und zurück in die
Ausgangsposition
3 x 8-12 Wiederholungen

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
20
NEUES JAHR - NEUES GLÜCK - NEUE VORSÄTZE
Innerer Schweinehund
Ein Mangel an Motivation und Disziplin und der
innere Schweinehund gewinnt. Immer wieder
nehme ich mir dies und das vor und schlussendlich
endet es in den meisten Fällen im Nichtstun. Statt
mich zu motivieren, bereue ich es dann ewig. Nur
wohin mich der einfache Weg gebracht hat, sehe
ich jeden Tag. Dabei weiß ich, dass Veränderung
so viel gutes bringen kann, statt wie gewohnt in der
bequemen Komfortzone zu bleiben. Wer dem
inneren Schweinehund den Kampf ansagen will,
muss zuerst erkennen, dass jeder selbst die
Verantwortung für seine Entscheidungen und
Handlungen übernimmt. Bedeutet, wer den Arsch
nicht hoch bekommt, soll dann auch nicht
rumheulen, wie unzufrieden er mit sich ist.
Zweitens muss man bereit für Veränderungen sein.
Es ist zwar etwas Ungewohntes, aber wir
Menschen gewöhnen uns so schnell an Neues und
wenn man ehrlich zu sich selbst ist, weiß man
auch, dass es nur besser werden kann! Man sollte
es zudem nie für andere tun, nur für sich selbst,
denn dann lässt die Motivation langfristig gesehen
auch nicht nach. Auch das Aufschieben von einem
Tag oder auf nächste Woche fühlt sich vielleicht
erstmal gut an, aber am Ende wenn dann der
Tag X gekommen ist, finden sich wieder neue
Ausreden. Lieber gleich damit beginnen, denn
wenn man wirklich sein Ziel erreichen möchte,
muss man sowieso zuerst anfangen. Bevor man
anfängt, sollte man jedoch nicht planlos loslegen.
Ein konkreter Plan, was, wie viel und wie lange
man Sport machen will, darf nicht fehlen, denn
dann ist auch bald die nötige Routine eingekehrt.
Um sich dem inneren Schweinehund nicht alleine
stellen zu müssen, ist es von Vorteil, zu zweit den
Kampf anzutreten. Das motiviert, baut auf und
animiert zum Weitermachen. Am besten eignet sich
jemand, der ein ähnliches oder gleiches Ziel hat.
Als letzten Tipp noch, es gibt keine Ausreden. Hat
man eine Ausrede, läuft man Gefahr, immer wieder
eine zu finden und schon fällt man leicht wieder in
alte Gewohnheiten. Also Mädels, der Weg ist das
Ziel, man muss nur den ersten Schritt tun, der Rest
ist Kopfsache.
Marianne Reepen -
Der innere Schweinehund
DER SCHWEINEHUND
Es lebt bei mir ein Schweinehund,
rührt schwer sich von der Stell,
Er knurrt in mir, ganz ungesund,
wenn morgens es wird hell.
Will aus dem Körbchen nicht heraus:
„Du dummer Hund du! - Ei der daus,
willst du wohl aus dem Bett heraus!“
Er dreht sich hin und wälzt sich her.
Ich denk, der schafft’s heut nimmermehr
und kneife in sein Fell.
Dann steht er ächzend auf - nicht schnell
und gähnt so und tut sich schwer.
Letztendlich kommt er auf die "Beene,"
beleidigt noch, - mit viel Gestöhne
und geht dann langsam, stapf - stapf -
stapf,
zuerst mal hin - zum Futternapf.
O Gott! - Dann trinkt der seinen Tee
und deutet an, wo’s ihm tut weh.
Ich schimpf mit ihm: „Du dummer Hund -
du treibst mir’s wieder viel zu bunt.“
Das macht doch alles keinen Sinn.
Ich glaub’- muss mal zum Flüst’rer hin,
der wird es sicherlich doch schaffen,
dass du, mein Hund, dich auf kannst raffen.
Wer kennt ihn nicht, den Schweinehund? :-)

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Haft Leben
21
Theater Scheselong in der JVA
EIN MENSCHENRECHT FÜR ANNE
Ein Theaterprojekt über das Leben und Schicksal
des Mädchens Anne Frank
(HL-HB) Am 07.12.2018 gab es für alle
Ausbildungsbetriebe eine Vorstellung zu den
Tagebucheinträgen der Anne Frank.
(Annelies Marie Frank wurde am 12.06.1929 in
Frankfurt am Main als jüdisches Mädchen
geboren. Am 12.06.1942 wurde sie 13 Jahre alt
und bekam zu ihrem Geburtstag ein rot-weiß
kariertes Tagebuch geschenkt, in welchem sie
sich unter anderem über abstrakte Themen wie
dem Glauben an Gott, Liebe und Sexualität
äußerte ebenso wie ihre Gedanken und
Erlebnisse. Anne war mit ihrer Familie, darunter
ihrem Vater Otto, ihrer Mutter Edith, ihrer
Schwester Margot Betti und weiteren Ver-
steckten im Hinterhaus wie Hermann, Auguste
und Peter van Pels sowie Fritz Pfeffer. Es gilt
als gesichert, dass das Versteck verraten
wurde, nur der Täter ist noch nicht identifiziert.
Nach dem Krieg wurde es von ihrem Vater Otto
veröffentlicht. Das Tagebuch der Anne Frank
gilt
heute
als
einzigartiges
menschliches
Dokument aus der Zeit des Holocaust und die
Autorin
als
Symbolfigur
aller
unschuldig
Verfolgten. Anfang März 1945, kurz vor
Kriegsende, fiel sie dem nationalsozialistischem
Völkermord im KZ in Bergen-Belsen zum
Opfer.)
Während die zwei Frauen viele Tagebuch-
einträge realistisch nachspielten, bezogen sie
auch super ihr Publikum, uns, mit ein und am
Ende gab es dazu eine Diskussionsrunde zum
Thema Flüchtlinge, Deutsche, Gewalt und
Herrschaft. Nachdem viele ihre persönlichen
Ansichten erklärt hatten und wir dann langsam
zum Ende kommen mussten, gaben sie uns viel
„input“ mit auf den Weg. Vielleicht hat es ja den
einen oder anderen zum Umdenken, in
manchen Hinsichten, bewegt.
Wir bedanken uns bei den Schauspielern für die
lehrreiche Zeit, den Weg, den sie extra auf sich
genommen haben und natürlich für den Einblick
in die Vergangenheit.
Noch viel mehr zum Thema ''Anne Frank'' findet
ihr in der Bücherei.
Dort gibt es auch das Buch und mehrere
Verfilmungen zum Thema und Leben von Anne
Frank.
Buch: EFB 207
DVD:186

Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
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Die Ghetto-Knacki-Braut
Quelle und Originalgeschichte, mit freundlicher Genehmigung der
Gefangenenzeitung der JVA Rosdorf
(HL/Mani) Die
„Ghetto-Knacki-Braut“
ist eine
Spezies, die es nur in den Justizvollzugsanstalten
gibt. Diese seltene Gattung ist aber im Gegensatz
zu vielen selten gewordenen Individuen gar nicht
scheu oder ängstlich. Zumindest ist das die erste
Wahrnehmung des interessierten Beobachters. Die
„Ghetto-Knacki-Braut“
fällt eher durch ihre
Verhaltensweisen auf. Diese könnten vielseitig sein
und es ist unter den
„Ghetto-Knacki-Bräuten“
ein
Unterschied festzustellen. Je nach Herkunftsland
und Alter unterscheiden sich die verschiedenen
Arten in ihren Auffälligkeiten.
Die
„Dröhn-Ghetto-Knacki-Braut“
, schon von
weitem ist ihre Anwesenheit zu hören. Aus ihrem
Haftraum dringen dumpfe Bass-Geräusche mit oft
nicht definierbaren Lauten, welche die
„Dröhn-
Ghetto-Knacki-Braut“
voller Inbrunst als „Musik“
bezeichnet. Es geht dem bemitleidenswerten
Geschöpf nicht darum, Musik zu hören.
Vielmehr kann man es als Mitteilung an die
Umgebung betrachten, welche wohl folgendes
beinhalten soll: Ich bin cool, meine Musik (so
umschreibt die Ärmste die Geräusche, die aus
ihrem Haftraum dringen) ist die einzig Wahre.
Meine Nachbarinnen hören diese Musik nun auch,
ob sie wollen oder nicht! Dass sie an ihrem
Verhalten nichts ändert, ist wohl der Tatsache
geschuldet, dass sie die Bitten ihrer Umgebung
nicht hört, dafür ist das Gehör schon zu sehr in
Mitleidenschaft gezogen worden.
Die
„Muff-Ghetto-Knacki-Braut“,
hier liegt der
Fokus auf einer anderen Wahrnehmung. Nicht zu
hören, aber schon Meilen gegen den Wind zu
riechen. Diese Gattung könnte in jeder Wüste
überleben, Wasser ist ein gänzlich unbekanntes
Element. Selten kommt die
„Muff-Ghetto-Knacki-
Braut“
mit diesem Element in Berührung.
Einzige Chance ist der Gang über Freiflächen bei
Regenfall. So kann man dann auch beobachten,
dass diese Spezies verschreckt versucht, Unter-
schlupf zu suchen oder sich unter ihre (zumeist
auch
in
erbärmlichen
Zustand
befindlichen)
riechenden Klamotten zurückzuziehen.
Da die eigene Wahrnehmung völlig abgestumpft ist,
wird die
„Muff-Ghetto-Knacki-Braut“
auch nichts
dazu bewegen, sich zu säubern. So haben alle in
der Nähe befindlichen Mitbewohnerinnen auch
jeden Tag mit dem typischen muffig, schweißigem
Frauengeruch zu leben. Das geht schon an die
Belastungsgrenze und der Riechkolben jedes
anderen verätzt.
Die
„Schnorrer-Ghetto-Knacki-Braut“
,
der schlei-
chende Schrittgang, stetig um sich kreisender Blick,
sind die größten Merkmale dieser Spezies. Immer
freundlich und wohltuend beginnt sie die Konver-
sation mit ihrem ausgewählten Opfer. Ihr ganzes
Verhalten ist auf ein Ziel ausgerichtet. „Ich will
etwas umsonst haben, koste es, was es wolle."
Welch ein herrlicher Widerspruch des Vokabulars
der deutschen Sprache: beginnend zumeist mit
einem freundlichen „haste mal“ oder „kannst mal“,
kann die Sprache bei nicht sofortigem Erreichen
seines Zieles schon nach kurzer Zeit umschlagen:
es geht schnell über zu: „stell dich nicht so an“ oder
auch „das werde ich mir merken“.
Wobei es mit dem Merken nicht weit her ist, hat die
„Schnorrer-Ghetto-Knacki-Braut“
ihr Ziel
erreicht, vergisst sie schnell, wer ihr gegenüber
wohl gesonnen war. Etwas zurückzubekommen, ist
ein schier unmögliches Unterfangen und man sollte
seine Gabe somit direkt als „Verlust“ verbuchen.
Die
„Müll-Ghetto-Knacki-Braut“,
diese Gattung
ist am schwersten auszumachen. Sie agiert gerne
in unbeobachteten Momenten. Fühlt sie sich sicher,
folgt umgehend der Griff zum Fenster, um selbiges
zu öffnen. Der Müll fliegt (zumeist in einem Winkel
von mindestens 30 Grad) seitlich aus dem Fenster.
Der Winkel wird so gewählt, dass der Verdacht
zuerst auf die unbescholtene Nachbarin fällt.
Siegessicher wird so alles an Geschenken
entsorgt, was nicht mehr gebraucht wird. Die
„Müll-
Ghetto-Knacki-Braut“
legt oft einen großen Wert
auf Außenwirkung.
Sie schleicht zumeist gepflegt durch ihr Revier und
beteiligt sich gerne an Gesprächen über ihre
Gattung im sicheren Glauben, nicht entlarvt werden
zu können. Das Problem besteht darin, dass sie
denkt, nie erwischt zu werden.
Doch in der Regel ist sie längst entlarvt und nur auf
ihr selbstsicheres Auftreten nicht zu recht gewiesen
worden. Zigarettenkippen auf dem Flur auszu-
treten, ist ihre Art von Rebellion gegen das System
und ein ganz klares Zeichen, dass es sich um die
„Müll-Ghetto-Knacki-Braut“
handelt, die stets
dafür sorgt, dass die Hofkolone auch ihren Müll
entsorgt.
Die
„Ich-weiß-was-Ghetto-Knacki-Braut“
,
oh,
Vorsicht! Diese Gattung hat ein ausgeprägtes
Mitteilungsbedürfnis und vor ihr ist wirklich niemand
sicher. Sollte es mal dein Bestreben sein, eine
Neuigkeit schnellstmöglich in der ganzen Anstalt
verteilt zu wissen, gibt es nichts Besseres, als sich
der
„Ich-weiß-was-Ghetto-Knacki-Braut“
anzu-
vertrauen.
Erzähle ihr die Nachricht, die verbreitet werden soll,
unter der Bedingung der absoluten Verschwiegen-
heit und es ist so sicher wie das Amen in der
Kirche, dass die Neuigkeit sich wie ein Lauffeuer
verbreitet.
Weiter auf der folgenden Seite

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Haft Leben
23
Fortsetzung:
Da die
„Ich-weiß-was-Ghetto-Knacki-Braut“
null
Selbstwertgefühl hat und in der Regel ein Mitläufer
ist, reagiert sie auf Geflüster und Heimlichtuerei
äußerst sensibel.
So ist sie auch schnell zu entlarven und die
Mehrheit der Insassen nutzt sie zu gerne, um zu
erfahren, welches Gerücht gerade aktuell ist. Da
aber ihre Verschwiegenheit gegen null tendiert,
wird sie aber nie etwas Interessantes zu berichten
haben, sondern im Gehege nur ausgenutzt.
Anmerkung der Redaktion:
Gelacht über die Beschreibung der einzelnen
Individuen? Gut, soll ja auch ein wenig zur
Erheiterung beitragen. Aber auch zum Nachdenken
und über das eigene Verhalten anregen. Denn
egal, welche „Ghetto-Knacki-Braut“ einem über den
Weg läuft, sie trägt nicht gerade zum Wohlbefinden
innerhalb des Gemäuers bei. Das neue Jahr hat
angefangen, wie wärst mal mit neuen Vorsätzen?
_________________________________________
Leserbriefe an die Redaktion
Leserbriefe an die Redaktion
Kommunikation -
funktioniert, aber über Umwege
Das miteinander Reden ist wohl mit einer der
wichtigsten Dinge in unserem Leben. Ohne
funktioniert es einfach nicht. Vor allem hier im
Knast ist es eines, was meiner Meinung nach an
erster Stelle stehen sollte. Es hängt so viel davon
ab, doch hier muss die Kommunikation immer
wieder zahlreiche Umwege machen.
Man schreibt Anträge, z. B. an die Kammer, weil
man wissen möchte, ob das Paket schon da ist -
weil sich darin etwas sehr wichtiges befindet, der
Antrag geht erst mal an die Geschäftsstelle, dann
in die Kammer, wo er zur Seite gelegt wird.
Am Ende nimmt man ihn sich in die Hand und
schreibt drauf „Ja, sie werden geholt, wenn Zeit
dafür ist“ - Nett!
Der Antrag kommt zurück und wird einem eröffnet -
kein Wunder, dass man sich darüber aufregt. Wie
wäre es mit einem schnellen Telefonat und man
bearbeitet den Vorgang gleich ab, anstatt den
Antrag mit „Humor“ und schlagfertigen, leider
ablehnenden Worten zu beantworten.
Mich stinkt so etwas an - immer alles über Dritte.
Am Ende kommt es erst Tage später bei einem
selbst an. Wichtig, halt nur für mich und nicht für
die anderen. Leider!
Nehmen wir hier die GMV-Sitzung als Beispiel,
jeden ersten Montag im Monat ist diese Sitzung -
ok, dass wissen wir schon mal. Man bereitet sich
darauf vor, man fragt die Mädel‘s was man
ansprechen soll und geht mit einem vollen Kopf
und dem Gedanken „hoffentlich vergesse ich
nichts“ zum Treffen - und dann wartet man und
wartet - ausgefallen, nicht mal der Stationsdienst
wusste Bescheid, läuft würde ich meinen und ja es
gibt auch hier Telefone - ich habe sie schon
gesehen!
Die Namen der Schreiberinnen sind, in den
meisten Fällen, der Redaktion „HaftLeben“
bekannt.
Hallo - wer auch immer,
manchmal habe ich es hier richtig satt, öfters, um
nicht zu sagen laufender Sport-, Umschluss- und
Aufschlussausfall, wir sagen hier, das ist
Verwahrvollzug und nicht nach dem Gesetz!
Zeit für die Kontrollen ist und war doch auch Zeit -
ich kann das jedenfalls nicht verstehen und leide,
ist das wirklich so von der Leitung und dem
Ministerium so bestimmt? Den Bediensteten geht
es auch nicht besser, so hört man es jedenfalls
von der einen oder anderen. Bei Facebook
schreibt man auch schon über uns hier, das hat
mein Bruder mir berichtet. Dem haben es die
Kumpels gesagt. Irre.
Macht was, bevor hier alles zusammenbricht!!!
Foto: HL, A. Thieme, 08/2009

Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
24
Nachfragen und -lesen sind ausdrücklich
erlaubt! Nur eine Antwort ist richtig.
1. Lastwagen, die besonders viel transportieren,
haben umgangssprachlich zusätzlich noch ...?
A: eine Blockad
B: einen Aussetzer
C: einen Hänger
D: ein Brett vorm Kopf
2. Was sollte ein Schüler möglichst nicht schon
in der 7. Klasse bestehen?
A: Vaterschaftstest
B: Bundesjugendspiele
C: Französisch-Vokabeltest
D: Biologieklausur
3. Was darf bei echten "Spaghetti alla
carbonara" nicht fehlen?
A: gestreifte Sahne
B: geringelter Parmesan
C: gepunktetes Ei
D: gewürfelter Speck
4. Die idealen Gläser für schwere Rotweine
sind ...?
A: dickbauchig
B: langhalsig
C: schmalschultrig
D: dünnbeinig
5. Wer wurde von der Regenbogenpresse
jahrelang kurz BB genannt?
A: Boris Becker
B: Brigitte Bardot
C: Benjamin Blümchen
D: Bertolt Brecht
6. Wo sind Wagenstandsanzeiger von großer
Hilfe?
A: Parkhaus
B: Kinderkrippe
C: Bahnhof
D: Supermarkt
7. Der Name des Käsegerichts "Raclette" ist
abgeleitet von Französich "racler" was so viel
heißt wie ...?
A: dünsten
B: wenden
C: anbraten
D: abschaben
8. Wer in der ehemaligen DDR Urlaub in der
"Villa Sachsenruh" machte, der ...?
A: erholte sich auf dem eigenen Balkon
B: schlief in einem Dachzelt für den Trabant
C: saß im Gefängnis
D: hatte eine Datscha im Grünen
9. Woran denken viele beim Begriff "Sardelle"?
A: Anseksisten
B: Anpaschas
C: Anmatschos
D: Anchovis
10. Welchen Bären sucht man im Tierlexikon
vergeblich?
A: Problembär
B: Kragenbär
C: Eisbär
D: Braunbär
11. Was hat die Feuerwehr auch im Sommer
nicht immer dabei?
A: Wasserschlauch
B: Sprungtuch
C: Durstlöscher
D: Drehleiter
12. Was ist durch ein Artenschutz-
Übereinkommen unter internationalen Schutz
gestellt?
A: Suppengrün
B: Suppenschildkröte
C: Suppenhuhn
D: Suppenkaspar
13. Gelatine ist im Handel erhältlich als Pulver
oder als ...?
A: Würfel
B: Blatt
C: Paste
D: Flüssigkeit
HaftLeben-Preisrätsel

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Haft Leben
25
14. Für die Zubereitung welchen Gemüses gibt
es im Handel einen speziellen Kochtopf?
A: Mais
B: Kürbis
C: Zucchini
D: Spargel
15. Justus von Liebig erfand 1852 mittels
Extraktion den Vorläufer des ersten ...?
A: Süßstoffes
B: Tomatenmarks
C: Brühwürfels
D: Milchpulvers
Verschiedene Preise u. a.
(Produktbeispiele)
Aus allen Einsendungen mit mindestens
acht richtigen Antworten werden die
Gewinnerinnen gezogen. Meistens eine
Gewinnerin pro Station.
Es gilt dabei der Zeitpunkt der Abgabe!
Leider nur für die JVA Chemnitz!
Wie mache ich mit?
Die Lösungen bitte auf dem Lösungsbogen
ankreuzen und mit Name, Haftraumnummer,
Alter sowie ob Raucher oder Nichtraucher
angeben.
Lösungsblatt
ausschneiden
und
in
den
Briefkasten der Redaktion (z. B. Ausgang zum
Hof) bis zum
02.05.2019
einwerfen.
Name, Vorname:
________________________________________
Haftraum: __________
Haus:__________
Alter:
__________
Nichtraucher
Raucher
Mrz
2019
A
B
C
D
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
Die Redaktion dankt dem Sponsor Rudolf H.
für die zur Verfügung gestellten Preise!
HaftLeben-Preisrätsel

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
26
HL-Song
GEBOREN, UM FREI ZU SEIN
Wir sind geboren, um frei zu sein
Wir sind zwei von Millionen, wir sind nicht allein
Wir sind geboren, um frei zu sein
Wir sind zwei von Millionen, wir sind nicht allein
Wir sind geboren um frei zu sein aber das geht nicht
Sagen sie, und dann schließen sie meinen Käfig
Denn dieser Vogel darf nicht fliegen, weil er kein
Adler ist
Auch machen was er will und denken was er will
darf er nicht
Was soll das? Lass mich machen, denk nicht dass
ich dumm bin
Ich bin schlau genug um zu wissen was ihr sagt ist
Unsinn
Und genau das macht euch Angst, ich weiß es, legt
mich lieber an die Leine
Ich und meine Jungs machen sonst Dummheiten
aus Langeweile
Mein Kopf geht immer mehr kaputt, aber ich nehm's
nicht hin
Wir folgen alle einem großem Arsch, so wie das
Leben stinkt
Langsam geht die Luft aus denn
(Wir leben im Zuchthaus)
Und egal was es kostet, du musst raus
Wir sind geboren, um frei zu sein
Wir sind zwei von Millionen, wir sind nicht allein
Wir sind geboren, um frei zu sein
Wir sind zwei von Millionen, wir sind nicht allein
Wir sollten fliegen wie Libellen in den Himmel
Doch stattdessen sitzen wir hier wie im Keller und
verschimmeln
Man, wir trocknen aus, wir verwelken, Los, pack
schnell was in den Rucksack!
Nichts wie weg, ich zieh durchs Land, und mach
kaputt was mich kaputt macht
Ich lass Druck ab, keiner hält mich klein, wo kann
das hinführen?
Ich geh ganz nach oben, auf das Dach, ich will den
Wind spüren
Doch solang wir Leben geht das alles mal vorbei
Ich bin nicht kleinlich nur auf Rio bin ich neidisch,
weil er frei ist
Okay, es gibt so manches das ich nicht begreife
Aber eines weiß ich ganz genau, und zwar: Alles ist
scheiße!
Langsam geht die Luft aus denn
(Wir leben im Zuchthaus)
Und egal was es kostet, du musst raus
Wir sind geboren, um frei zu sein
Wir sind zwei von Millionen, wir sind nicht allein
Wir sind geboren, um frei zu sein
Wir sind zwei von Millionen, wir sind nicht allein
Ah, atme ein, atme aus!
Wenn du wie wir zwei deine Freiheit willst, dann sag
es laut
Geh auf die Straße raus! Schreib's auf Plakate rauf
Lass deine Hoffnung nicht zusammen fallen wie ein
Kartenhaus
Geh und sag es jedem, wir wollen Spaß am Leben
Wir wollen es jetzt, wWir wollen nicht warten bis
zum Garten Eden!
Die Welt ist unser, kommt, wir mischen sie auf, denn
wir müssen hier raus!
(Wir müssen hier raus!)
Wir sind geboren, um frei zu sein (ja, ah)
Wir sind zwei von Millionen, wir sind nicht allein
(aha, yeah)
Wir sind geboren, um frei zu sein (yeah, ah)
Wir sind zwei von Millionen, wir sind nicht allein
Songwriter: Ralph Moebius / Konstantin Scherer / Vincent Stein / Ralph
Steitz / Paul Wuerdig
Songtext von Geboren um frei zu sein © Sony/ATV Music Publishing
LLC, BMG Rights Management
Künstler: Sido
Album: Blutzbrüdaz – die Mukke zum Film, Veröffentlicht: 2011, Genre:
Hip-Hop/Rap
Foto: Free, Wikipedia, HH 2004

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Haft Leben
27
Nach(t)-gedanken
Die obigen Bilder weisen auf die Europäische
Konvention für Menschenrechte hin. Wo ich die
Bilder her habe, weiß ich schon gar nicht mehr.
Diese Konvention wurde bereits 1950 veröffentlicht
und seitdem wird sie ab und an ergänzt. Wer mehr
darüber wissen möchte, der darf gerne mal
nachfragen/„googeln“. Allerdings sollten Sie viel Zeit
dafür einplanen.
Die Bildtexte sollte ich vielleicht für die der
bayrischen(?) Sprache nicht kundigen „übersetzen“:
Links: „
Irgendwas wirst Du schon verbrochen
haben, umsonst wirst Du nicht eingesperrt.“
Mitte:
„Sperren wir ihn gleich nochmal ein! Der hat
eh nichts daraus gelernt!“
Rechts:
„Wie können Sie nur so einen verteidigen,
so wie der ausschaut, ist er sicher kriminell.“
Irgendwie werde ich mit solchen, manchmal sogar
noch auf die Frauen hier in Chemnitz abgestimmten
Sprüchen selbst konfrontiert.
Die, die hier einsitzen und die, die hier arbeiten,
kennen solche Sprüche sicher viel besser als ich.
Trotzdem gehen sie mir diesmal auch in Verbindung
zu unserem Heftthema - Menschenrechte nicht aus
dem Kopf.
Meiner Meinung nach urteilen viele, auch Freunde
und Bekannte, vorschnell über Menschen, die sie
nicht persönlich kennen. Doch so etwas, wie oben
beschrieben, sollte es nicht geben.
Es ist wirklich schwer, Menschen einzuschätzen, ich
weiß, von was ich rede, da ich in meinem früheren
Berufsleben tagtäglich zu solchen Einschätzungen
„gezwungen“ wurde. Ich selbst attestiere mir bis
heute eine sehr gute Durchschnittsquote beim
richtigen Einschätzen von Leuten. Doch das schützt
mich auch nicht immer vor Fehlern - leider.
Jedenfalls habe ich bei meiner langjährigen „Arbeit“
in der Redaktion „HaftLeben“ schon sehr sehr viele
und sehr interessante Frauen mehr oder weniger
gut kennengelernt. Auch eine Lebenserfahrung, die
ich heute nicht mehr missen möchte.
Einige der Artikel, besonders die, wo es diesmal um
die Kinder der Gefangenen geht, beschäftigen mich
sehr. Auch ich bin der Meinung, dass diese Kinder
gemeinsam mit ihren Müttern die Strafe aus dem
Urteil mit „absitzen“ müssen.
Von uns, der Gesellschaft,
völlig unbeachtet - leider.
Wie hieß es früher in manchem Kinderspiel - „mit
gefangen - mit gehangen“.
Also sind diese Kinder irgendwie doch mit gestraft
und das völlig unschuldig!
Übrigens, sich „Fremden“ so in einer Zeitung wie
dieser zu „öffnen“, erstaunt mich genauso, wie die
Freude, die Trauer und das Leid mit den Kindern
und
der
Familie,
falls
die
überhaupt
noch
„vorhanden“ ist, zu teilen. Die Redakteurinnen
versuchen auf wenigen Zeilen dieser erwähnten
Artikel das niederzuschreiben, was sie bedrückt. Die
nächtelangen trüben Gedanken dann noch in einer
doch recht positiven Sichtweise niederzuschreiben,
dafür ziehe ich jedenfalls meinen Hut.
Mit lieben Grüßen, Ihr manchmal schlafloser,
Lutz Richter

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
28
Kirche 2019
Nackt unter Wölfen
Ich hatte kaum schlafen können. Der Film „Nackt
unter Wölfen“ zu später Stunde im Fernsehen hatte
mich beschäftigt. Wie kann ein Mensch so denken,
fühlen und handeln? Die Frage hatte mich, wie
schon so oft, beschäftigt. Der Film wird zumindest
den älteren Leserinnen aus DDR-Zeiten bekannt
sein. Das Buch dazu und auch der Film waren zum
Klassiker der DDR-Zeit geworden. Es wird das
Schicksal
eines
damals
dreijährigen
Jungen
geschildert, der von Häftlingen des Konzen-
trationslagers Buchenwald unter lebensbedroh-
lichen Verhältnissen versteckt wird und der Willkür
der SS-Soldaten, denen die Gefangenen aus-
gesetzt waren. Mich hatte es neugierig gemacht, ob
dieser Junge eine Fiktion oder Wirklichkeit
gewesen sei. Deshalb hatte ich darüber ver-
schiedene Artikel im Internet gelesen. Einer der
Artikel schildert das Schicksal des Jungen Stefan
Jerzy Zweig. Er war mit seinen drei Jahren der
offiziell jüngste Häftling des Lagers. Durch die
Initiative von Häftlingen hatte er überleben können.
Aus der realen Vorlage wurde ein Mythos um einen
Jungen, der mit drei Jahren im Koffer seines Vaters
ins
Lager
geschmuggelt
worden
war.
Von
Häftlingen war das Kind entdeckt und unter Einsatz
ihres eigenen Lebens versteckt worden. Konflikte
waren vorprogrammiert, auch unter den Häftlingen,
weil es darunter auch Personen gegeben hatte, die
einen Widerstand vorbereiteten und Waffen bereits
ins Lager geschmuggelt waren. Es ist wahr-
scheinlich nicht nur für mich peinlich, wie
Menschen
ihre
eigene
Macht
über
andere
Menschen missbrauchen oder missbraucht haben,
weil sie andere nur nach ihrer „Nutzbarkeit“ zu
eigenen Gunsten beurteilen.
In einem anderen Fall schilderte mir eine Person,
die
über
ihr
eigenes
Schicksal
ein
Buch
geschrieben hatte, wie berechnend sie eine andere
Person erschossen hatte. Diese hatte sich „im
eigenen Geschäftsbereich“ des Mörders breit
machen wollen. Der Mörder war dafür für mehrere
Jahre verurteilt worden. In Gesprächen hatte er
erkannt, dass es wichtig sei, seine bisherige
Denkweise zu verändern. Heute ist er getauft und
glücklicher als früher. Er berichtet nun offen über
sein früheres Fehlverhalten, in dem nur Geld und
eigene Macht über andere Menschen eine Rolle
gespielt hatten. Sein Bestreben ist heute, nach der
Bibel zu leben.
Zur „Aufarbeitung“ des gesehenen Filmes „Nackt
unter Wölfen“ hatte ich die Sätze in der Bibel
gelesen und anschließend mit dem Grundgesetz in
Verbindung gebracht.
Sind diese heute durch unsere Art des Denkens
vieler in unserer Gesellschaft überholt?
Sind wir wieder in Gefahr, zu „Wölfen“ zu werden?
Es gibt aber auch heute Menschen, die erkannt
haben:
Röm 15,
1
Wir müssen als die Starken die
Schwäche derer tragen, die schwach sind, und
dürfen nicht für uns selbst leben.
2
Jeder von uns soll Rücksicht auf den Nächsten
nehmen, um Gutes zu tun und (die Gemeinde)
aufzubauen.
3
Denn auch Christus hat nicht für sich selbst
gelebt; in der Schrift heißt es vielmehr:
Die
Schmähungen derer, die dich schmähen, haben
mich getroffen.
Wir sind dann stark, wenn wir vergessen, was
es heißt,
sich in den Vordergrund zu rücken, den
Reichtum und die Macht über andere Menschen
auszuüben. So gilt nicht nur für die Politiker
unseres Staates, darauf zu achten, was in unserem
Leben zu beachten ist:
Art. 1 GG – Menschenwürde/-rechte. Wirkung
der Grundrechte
*
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie
zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller
staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu
unverletzlichen und unveräußerlichen Menschen-
rechten als Grundlage jeder menschlichen Gemein-
schaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der
Welt.
Art. 3 GG – Gleichheit/Gleichberechtigung
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der
Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der
Gleichberechtigung von Frauen und Männern und
wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile
hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes,
seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache,
seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens,
seiner religiösen oder politischen Anschauungen
benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf
wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Filmplakat: von 1963:
DEFA-Stiftung,
Klaus Wittkugel

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Haft Leben
29
HL - Impressum
Auflösung des Rätsels aus „HaftLeben“ 04-2018
1 - A, 2 - A, 3 - B
4 - D, 5 - D, 6 - B,
7 - B, 8 - C, 9 - C,
10 - A, 11 - C, 12 - D,
13 - A, 14 - C, 15 - B
Gewonnen haben diesmal:
EG: Susanne Z.
Stat. 1: Nadine R.
Stat. 2: Keine Beteiligung
Stat. 3: Edwina D.
Stat. 4: Sandra M.
Stat. 5: Adriana M.
Stat. 6: Mandy G.
Stat. 7: Dajana D.
Haus III: Jessica H.
Haus IV: Keine Beteiligung
Mutter und Kind: Keine Beteiligung
(Alle Stationsangaben gültig zum Zeitpunkt der
Abgabe)
Herzlichen Glückwunsch!
Reproduktionen von Artikeln, auch nur auszugs-
weise, nur mit schriftlicher Genehmigung der
Redaktion „HaftLeben“ und gegen kostenfreie
Zusendung eines Belegexemplars.
Für namentlich gekennzeichnete Beiträge (alle
angegebenen Kürzel sind mit Klarnamen hinter-
legt), übernimmt die Redaktion lediglich die
presserechtliche Verantwortung, diese müssen
nicht unbedingt die Meinung der Redaktion
wiedergeben.
Bei eingesandten Manuskripten und
Leserbriefen setzen wir das Einverständnis zum
honorarfreien Abdruck und zur sinnwahrenden
Kürzung voraus.
Für eingesandte Manuskripte, Briefe und Unter-
lagen jeglicher Art wird keine Haftung über-
nommen.
Herausgeberin:
Frau König-Bender,
Anstaltsleiterin der JVA Chemnitz (V. i. S. d. P.)
HL-Redaktionsteam: L.M., Mani, BF, H.B.,
Betreuer:
Herr Richter
ehrenamtlicher Betreuer
Frau Gläser
ehrenamtliche Betreuerin
Frau Böttcher
Bedienstete, JVA-Chemnitz
E-Mail:
HaftLeben@T-Online.de oder
HaftLeben@Live.de
Redaktionsschluss für die Ausgabe 02/2019:
16.05.2019
Bild: Lizenzfrei Pixelio.de
Anschrift der Redaktion “HaftLeben“:
Justizvollzugsanstalt Chemnitz
Redaktion der Gefangenenzeitung „HaftLeben“
Thalheimer Straße 29
09125 Chemnitz

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
30
HL - Rätsel

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Haft Leben
31
HL - Rezepte
Bilder ähnlich, Quelle:
www.Chefkoch.de
Chemnitzer-JVA-Kaiserschmarren
(für 4 Personen)
4 Eier
40 g Zucker
1 Prise Salz
1 Beutel Vanillezucker
375 ml Milch
125 g Mehl
Butter
Puderzucker
Eier trennen. Eiweiß zu steifem Schnee schlagen. Eigelb, Zucker, Salz, Vanillezucker schaumig rühren.
Milch und Mehl nach und nach zugeben. Eischnee unterheben. Teig 30 Minuten ziehen lassen, Butter in
einer Pfanne erhitzen. Teig portionsweise beidseitig braten und dann in kleine Stücke zerteilen.
Mit Puderzucker bestreuen.
Big Chief Omlette
( für 2 Personen)
300 g Tomaten (grob würfeln)
2 Zwiebeln (fein würfeln)
8 Peperoni, mild (grob würfeln)
8 Oliven, ohne Stein (vierteln)
6 Eier
Salz, schwarzer Pfeffer, Paprikapulver
4 Knoblauchzehen (pressen)
4 EL Olivenöl
2 EL Wasser
20 g Parmesan, gerieben
125 g Mozzarella (grob würfeln)
Zutaten, wie in der Zutatenliste beschrieben, vorbereiten. Eier und Wasser verquirlen. Alle Zutaten (jedoch
nicht den Mozzarella) unter die Eimasse rühren. Öl in der Pfanne erhitzen, Eimasse einfüllen, mit
Mozzarella belegen und mit geschlossenem Deckel bei schwacher Hitze ca. 5 Minuten garen, bis die
Masse gestockt ist. Kann nach Belieben auch mit Schinkenwürfel, Salamiwürfeln, Basilikum und weiteren
Pizzabelägen erweitert werden.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
32
HL - Rätsel

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Haft Leben
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HL - Rätsel
HL -
Rätsel

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 60, Ostern 2019
34
HL - Rätsel
HL -
Rätsel

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© HaftLeben 01-2019, Foto: Simone Hainz_pixelio.de
© HaftLeben 01-2019, Foto: pixelio.de, powerd by HaftLeben
© HaftLeben 01-2019 , Foto: Lutz Richter, powerd by HaftLeben
© HaftLeben 01-2019, ABa81_pixelio.de, powerd by HaftLeben

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Du kannst Dir nicht
vorstellen, wie viel ich über
Dich nachdenke.