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Merkblatt - Erste Maßnahmen in Krankenhäusern (Notaufnahmen) bei begründetem Verdacht auf das Vorliegen einer bedrohlichen
Infektionskrankheit (HCID)
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Erste Maßnahmen in Krankenhäusern (Notaufnahmen) bei begründe-
tem Verdacht auf das Vorliegen einer bedrohlichen Infektionskrank-
heit (HCID)
Stand: Mai 2019
1. Patient absondern
Möglichst in separatem Raum, Abstand zum Pati-
enten > 1,5 m (bei V.a. Lungenpest > 2 m) einhal-
ten
Kein Patiententransport
Personal mit direktem Kontakt auf ein Mindest-
maß reduzieren. Direkter Patientenkontakt nur mit
persönlicher Schutzausrüstung (PSA). Die be-
nannten Mitarbeiter (Kontaktpersonen) versorgen
nur diesen Patienten und bleiben im gesperrten
Isolierbereich.
Falls Symptomatik des Patienten es zulässt, soll-
ten gegebenenfalls Barrieremaßnahmen
am
Pati-
enten erfolgen (wie zum Beispiel das Tragen von
Handschuhen und Mund-Nasen-Schutz durch
den Patienten).
2. Bereich sperren
Kein Zutritt und Verlassen des Bereichs (Mitarbei-
ter, Patienten, Sonstige)
Türen und Fenster schließen
Raumlufttechnische Anlage gegebenenfalls ab-
schalten, hierzu Rücksprache mit dem Techni-
schen Dienst
Telefon Technik:
Entsprechende Informationen an Pforte
Telefon Pforte:
Gegebenenfalls Wachschutz einbeziehen
Telefon Wachschutz:
3. Information
Der
diensthabende Oberarzt
informiert das
zustän-
dige Gesundheitsamt
Telefon Gesundheitsamt:
Außerhalb der Dienstzeit:
Entscheidung über weitere Maßnahmen (zum
Beispiel Quarantäne oder Postexpositionspro-
phylaxe) gemeinsam mit dem Gesundheitsamt
und dem Behandlungszentrum
Information und Beratung durch:
Behandlungszentrum
Klinikum St. Georg Leipzig
Klinik für Infektiologie, Tropenmedizin, Nephrologie
und Rheumatologie
Delitzscher Straße 141
04129 Leipzig
www.sanktgeorg.de/medizinische-bereiche/kliniken-
abteilungen/infektiologietropenmedizin-nephrologie-
und-rheumatologie.html
Telefon: 0341 909-4005
Mobil:
0170 7618244
Telefax:
0341 0909-2630
Gegebenenfalls Einleitung der mikrobiologischen Di-
agnostik nach Rücksprache mit dem Konsiliarlabor
beziehungsweise der Landesuntersuchungsanstalt
für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen
(Adressenliste siehe Folgeseiten), (an Ausschluss
von Malaria denken)
4. Weitere Maßnahmen
Versorgung des Patienten nur mit persönlicher
Schutzausrüstung (siehe unten)
Handschuhe nach Kontamination wechseln. Nach
Ablegen der Handschuhe zweimalige
Händedes-
infektion
bis weit über das Handgelenk mit RKI-
gelistetem Händedesinfektionsmittel (Wirkungs-
bereich AB: geeignet für Bakterien und Viren)
durchführen
Desinfektionsmaßnahmen
(zum Beispiel Flä-
chen, Instrumente) mit RKI-gelisteten Präparaten
(Wirkungsbereich AB: geeignet für Bakterien und
Viren) in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt
Absprache mit dem Gesundheitsamt und dem Be-
handlungszentrum, ob die Entsorgung von
Ab-
wasser, inklusive Ausscheidungen (Stuhl,
Urin)
, über separat genutzte Toilette in das nor-
male Abwassersystem ohne vorherige Desinfek-
tion möglich ist
Wenn zutreffend, anschließend Toilettenbecken
sowie gegebenenfalls Steckbecken/Nachtstuhl
mit einem RKI-gelisteten Desinfektionsmittel (Wir-
kungsbereich AB) wisch- oder tauchdesinfizieren
(persönliche Schutzausrüstung beachten)
Wenn nicht zutreffend, Auffangen der Ausschei-
dungen in geeignetem, verschließbarem, durch-
stichsicherem, flüssigkeitsdichtem, desinfizierba-
rem, saugfähiges Material enthaltendem Gefäß.

 
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Merkblatt - Erste Maßnahmen in Krankenhäusern (Notaufnahmen) bei begründetem Verdacht auf das Vorliegen einer
bedrohlichen Infektionskrankheit (HCID)
Bei Bestätigung der Diagnose Entsorgung als in-
fektiöser Abfall (Abfallschlüssel 180103* nach
LAGA-Richtlinie)
Sammlung der
Abfälle
am Ort des Anfalles (Iso-
lierzimmer, gegebenenfalls Labor) in geeignetem,
flüssigkeitsdichtem Behälter. Bei feuchten/nassen
Abfällen Zellstoff beigeben. Bei Bestätigung der
Diagnose, Entsorgung als infektiöser Abfall (Ab-
fallschlüssel 180103* nach LAGA-Richtlinie)
Möglichst
Einmalartikel
verwenden
Einsatz medizinischer Geräte
auf das wirklich
Notwendige
reduzieren
(Geräte müssen bis zur
Schlussdesinfektion am Ort verbleiben!)
Alle
Kontaktpersonen
in Zusammenarbeit mit
dem Gesundheitsamt
registrieren
5. Gehäuftes
Auftreten einer Erkrankung
(Massenanfall)
Erste Maßnahmen siehe Punkte 1 bis 4
Festlegung weiterer Maßnahmen durch Amtsarzt
(§ 28 IfSG)
Vorbereitung durch Krankenhaus im Kranken-
hausalarmplan:
Festlegung der Regelungen zur persönlichen
Schutzausrüstung und zu den notwendigen
Vorgehensweisen
Räumliche Situation
Anzahl der Ein-/Mehrbettzimmer
Anzahl der Patientenzimmer mit Vorraum
Funktionsweise der RLT-Anlagen
Ver- und Entsorgungswege
Möglichkeiten der kurzfristigen Verlegung der
Patienten
6. Seuchenhygienische Notfallausrüstung
Die folgenden Gegenstände sollten für den Fall einer
kurzzeitigen Versorgung eines Patienten vor seiner
Verlegung in das Behandlungszentrum (Klinikum St.
Georg Leipzig) Bestandteil einer Notfallausrüstung
sein, die im Krankenhaus an zentraler Stelle depo-
niert wird und jederzeit zugänglich ist. Die Verant-
wortlichkeit und regelmäßige Kontrolle (zum Beispiel
vierteljährlich) sind zu dokumentieren.
Persönliche Schutzausrüstung (PSA):
Einmalschutzanzüge mit Kapuze und vorzugs-
weise mit Stiefelsocken (CE Kat. III, Typ 3B), bei
Tätigkeiten mit hohem Kontaminationsrisiko in
Kombination mit einer Plastik-Einmalschürze
Mindestens zwei Paar flüssigkeitsdichte Schutz-
handschuhe (mit Stulpen) tragen
FFP3-Halbmaske mit Ausatemventil, beschlag-
freie Schutzbrille und gegebenenfalls Gesichts-
schutzschild, sofern die FFP3-Maske keinen
Spritzschutz hat
Einmal-Überziehstiefel
(flüssigkeitsdicht)
oder
Gummistiefel S5
Zur Beachtung:
Vor dem Ablegen der Schutzkleidung muss eine
flächendeckende Wischdesinfektion der Schutz-
kleidung (außer Atemschutzmaske) erfolgen.
Das korrekte An- und Ablegen der PSA ist regel-
mäßig zu üben.
Sonstiges
Hygieneordnung Infektionsnotfall
Türschild „Kein Eintritt“
Einmalunterlagen
Viruzides Händedesinfektionsmittel (RKI-gelistet,
AB-Wirksamkeit)
Viruzides Flächendesinfektionsmittel (RKI-gelis-
tet, AB-Wirksamkeit)
Verschließbare Tonne für Entsorgung von infekti-
ösem Abfall (AS180103*)
OP-Füßlinge, die über die Socken gezogen wer-
den sollen
Klebeband, einseitig klebend, zur Fixierung der
Stulpen der Handschuhe am Schutzanzug und zur
Fixierung der Schnittstellen zwischen Kapuze des
Schutzanzuges, Rändern der Atemschutzmaske
und der Schutzbrille
7. Referenz- und Konsiliarlaboratorien
Nationales Referenzzentrum für tropische Infekti-
onserreger
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Straße 74
20359 Hamburg
www.bnitm.de
www.bnitm.de/labordiagnostik
Ansprechpartner: Herr Prof. Dr. E. Tannich
Telefon: 040 42818-270 oder -0 (Zentrale)
040 42818-211 (Mikrobiologische Zentraldiag-
nostik)
Telefax: 040 42818-265
E-Mail:
Labordiagnostik@bnitm-hamburg.de
Konsiliarlabor für Filoviren
Klinikum der Philipps-Universität Marburg
Institut für Virologie
Hans-Meerwein-Straße 2
34043 Marburg
www.uni-marburg.de/fb20/virologie/diagnostik
Ansprechpartner: Herr Prof. Dr. S. Becker
Herr Dr. M. Eickmann
Telefon: 06420 286-6254
06421 286-4315
Telefax: 06421 286-8962
E-Mail:
becker@staff.uni-marburg.de
eickmann@staff.uni-marburg.de

Merkblatt - Erste Maßnahmen in Krankenhäusern (Notaufnahmen) bei begründetem Verdacht auf das Vorliegen einer bedrohlichen
Infektionskrankheit (HCID)
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Robert Koch-Institut – Zentrum für Biologische
Gefahren und Spezielle Pathogene
ZBS1 – Speziallabor für hochpathogene virale
Erreger
Seestraße 10
13353 Berlin
Ansprechpartner: Herr Prof. Dr. A Nitsche
Frau Dr. L. Schrick
Telefon: 030 18754-2313 (Prof. Dr. Nitsche)
030 18754-2763 (Dr. Schrick)
Mobil:
0151 12196819
Telefax: 030 18754-2604
E-Mail:
NitscheA@rki.de
SchrickL@rki.de
Robert Koch-Institut – Zentrum für Biologische
Gefahren und Spezielle Pathogene
ZBS2 – Speziallabor für hochpathogene mikrobielle
Erreger
Seestraße 10
13353 Berlin
www.rki.de/zsb2
Ansprechpartner: Herr Prof. Dr. R. Grunow
Frau Dr. D. Jacob
Telefon: 030 18754-2100 (Prof. Dr. Grunow)
030 18754-2934 (Dr. Jacob)
Telefax: 030 18754-2110
E-Mail:
GrunowR@rki.de
JacobD@rki.de
Konsiliarlabor für Yersinia pestis
Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr
Abteilung für Bakterien und Toxikologie
Neuherbergstraße 11
80937 München
www.instmikrobiobw.de/einrichtungen/konsiliarla-
bore/konsiliarlabor-fuer-pest.html
Ansprechpartner: Herr PD Dr. H. Scholz
Frau Dr. S. Zange (Zentralbereich
Diagnostik)
Telefon: 089 992692-2805 (PD Dr. Scholz)
089 992692-3808 (Dr. Zange)
Telefax: 089 992692-3983
E-Mail:
Holger1Scholz@Bundeswehr.org
InstitutfuerMikrobiologie@Bundeswehr.org
SabineZange@Bundeswehr.org
Konsiliarlabor für Coronaviren
Institut für Virologie – Campus Charité Mitte,
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Helmut-Ruska-Haus
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Ansprechpartner: Herr Prof. Dr. C. Drosten
Herr Dr. V. N. Corman
Telefon: 030 450 525-092
Telefax: 030 450 525-907
E-Mail:
christian.drosten@charite.de
victor.corman@charite.de
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesund-
heits- und Veterinärwesen (LUA) Sachsen
Ansprechpartner: Zentrale
Telefon: 0351 8144-0
siehe auch Beschluss des Ausschusses für
Biologische Arbeitsstoffe (ABAS)