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Memorandum
des
Klima-Netzwerks
Sachsen
zur
multifunktionalen Nutzung meteorologischer Messungen im GB SMUL
(21. Juni 2018)
Vorbemerkung:
Im
Rahmen
des
Energie-
und
Klimaprogramms
des
Freistaates
Sachsen
(Kabinettsbeschluss vom 12.03.2013, Fortschreibung in aktueller Legislaturperiode) ist das
LfULG als staatliche Fachbehörde für die kontinuierliche Auswertung von Beobachtungen
und die Bewertung des Klimawandels sowie der Klimafolgen im Freistaat Sachsen
zuständig. Es wirkt an der Ermittlung der Betroffenheit und der Identifikation von Risiken
durch den Klimawandel sowie der Entwicklung von Anpassungsstrategien mit. Für die
Wahrnehmung dieser Aufgaben ist eine verlässliche klimatologische Datengrundlage
unverzichtbar.
Die Konsequenzen aus der Neuausrichtung/Automatisierung der DWD-Messnetze wurden
sowohl auf Bundesebene (BLAG KliNa unter Vorsitz Sachsen, Bund-Länder-Fachgespräch)
als auch auf Landesebene (GB SMUL: KliNeS, AG Klimafolgen) thematisiert. Aus
sächsischer Sicht ergeben sich folgende Kernfragen:
-
Gefährdet die Strategie ein qualitativ gesichertes langfristiges Klima- und
Klimafolgen-Monitoring der Länder und damit die Entwicklung und Fortschreibung
spezifischer Anpassungsstrategien?
-
Könnten aus fachlicher Sicht zukünftig zusätzliche Anstrengungen im Freistaat
Sachsen zum Erhalt eines qualitativ gesicherten Klima- und Klimafolgen-Monitoring
erforderlich werden, z.B. Ausbau/Ergänzung der Landesmessnetze?
Zur fachlich fundierten Bearbeitung der aufgeworfenen Fragen wurde vom LfULG das FuE-
Projekt
Analyse
und
Bewertung
der
gemessenen
meteorologischen
Datengrundlage
im
Freistaat
Sachsen
sowie
Erzeugung
eines
Klima-Referenzdatensatzes
vergeben und in
Zusammenarbeit mit Vertretern aus den verschiedenen Einrichtungen im GB SMUL
durchgeführt. Aufgabenschwerpunkte waren hier:
-
Inventur nationaler (DWD) und landeseigener (GB SMUL) Messnetze hinsichtlich
meteorologischer Messungen (inkl. deren Messstandards);
-
Analyse
und
Bewertung
der
Messrealität
bzgl.
der
räumlich-zeitlichen
Datenverfügbarkeit;
-
Identifizierung von Möglichkeiten zur zielgerichteten Ergänzung der Daten aus den
nationalen Messnetzen durch Daten aus landeseigenen Messnetzen;
-
Erzeugung eines Klima-Referenzdatensatzes (Version 1.0: 1961-2015) für den
Freistaat Sachsen.
Kenntnisstand
Die Inventur der nationalen und landeseigenen Messnetze hinsichtlich meteorologischer
Messungen im Rahmen des o.g. FuE-Vorhabens zeigte einerseits den für langfristige

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klimatologische Auswertungen als problematisch erachteten starken Rückgang an
Niederschlagsstationen des DWD. Andererseits wurde mit dem Aus- und insbesondere
Aufbau der sächsischen Landesmessnetze ab Mitte der 1990iger Jahre eine kontinuierlich
zunehmende Informationsdichte geschaffen.
Vor
diesem
Hintergrund
wurden
die
Möglichkeiten
einer
fachlich
zulässigen
Zusammenführung voneinander unabhängiger Messnetze untersucht. So können die
Niederschlagsdaten der meisten Landesmessnetze in Sachsen wahrscheinlich mit nur
geringfügiger Bearbeitung genutzt werden. Bei anderen Klimaelementen gibt es
systematische
Abweichungen,
da
die
Standards
der
Messgeräte
und
die
Aufstellbedingungen nicht komplett mit denen des DWD übereinstimmen. Diese
Abweichungen können – unter Anwendung spezifischer Methoden – z.T. minimiert werden.
Andere Elemente, wie z.B. die Windgeschwindigkeit, entziehen sich wahrscheinlich einer
solchen Korrektur. Die aus der Datenverfügbarkeit (Stationsdichte) resultierende Messrealität
wurde analysiert. Die Verringerung von Niederschlagsstationen des DWD in den letzten 15
Jahren wirkt sich auf die Qualität der Ableitung von gesicherten klimatischen
Flächeninformationen negativ aus. Die damit einhergehenden Fehler können im Monat bis
zu 30 % betragen. Von einer weiteren Reduktion des Niederschlagsmessnetzes wird daher
dringend abgeraten. Auch die künftige Nutzung von Fernerkundungsdaten hängt von der
Qualität, Dichte und Verteilung von Bodenstationen ab.
Empfehlung zum weiteren Vorgehen
Das
Klima-Netzwerk
Sachsen
(KliNeS)
empfiehlt
eine
multifunktionale
Nutzung
meteorologischer Messungen im GB SMUL zu organisieren, um eine zielgerichtete
Ergänzung der DWD-Messnetze durch Daten aus den Landesmessnetzen erreichen zu
können. Als sinnvolle Maßnahmen werden angestrebt:
-
Vereinheitlichung des Datenmodells zur Verwaltung;
-
Vereinheitlichung der Kategorisierung von Metadaten;
-
Vereinheitlichung der Meßsensorik;
-
Entwicklung einer Recherche- & Abfrageplattform im GB SMUL.
Perspektivisch sollen hier auch Fernerkundungsdaten (Radar, Satellit) Berücksichtigung
finden.
Die AG Klimafolgen im GB SMUL bietet sich als Gremium zur konzeptionellen Entwicklung
und Umsetzung der Maßnahmen an, da die Mitarbeit der jeweiligen Fachaufsicht für die
verschiedenen Landesmessnetze unbedingt erforderlich ist.
Bei der Konzeptionierung ist darauf zu achten, dass zur Nach-/Prozessierung von
Radarniederschlägen ein turnusmäßiger (z.B. jährlich, ggf. auch real-time) Datentransfer
zum DWD erfolgen kann. Ende 2020 ist die messtechnische Erfassung der Klima-
Normalperiode 1991-2020, des ersten datenseitig von der Referenzperiode 1961-1990
unabhängigen Mittelungszeitraums, abgeschlossen. Daher empfiehlt sich dann auf der
Grundlage
der
umgesetzten
Maßnahmen
die
Fortschreibung
des
Klima-
Referenzdatensatzes Sachsen zur Version 2.0 (1961-2020).
Die Empfehlung zur multifunktionalen Nutzung meteorologischer Messungen im GB SMUL
durch das KliNeS fügt sich konsequent in die Reihe bereits früher veröffentlichter
Stellungnahmen des KliNeS ein:

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-
Wert
langjähriger
Messreihen
der
Klimaelemente
(12.11.2009);
-
Abgestimmte
Erhebung
und
Zusammenführung
meteorologischer
Daten
(17.11.2011).
Beschluss:
Das Klima-Netzwerk Sachsen bittet das LfULG, gemeinsam mit LTV, SBS und BfUL die
entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, um eine multifunktionale Nutzung der
meteorologischen Daten aus den verschiedenen Landesmessnetzen im GB SMUL zu
ermöglichen.