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Klima und Umwelt
Abteilung Klima, Luft, Lärm, Strahlen
Abteilung Agrarmeteorologie, Dienstort
Leipzig
Referat Klima, Luftqualität
Kärrnerstr. 68, 04288 Leipzig
Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden
www.dwd.de
www.lfulg.sachsen.de
Kap. 1: F. Böttcher
Kap. 2: Dr. J. Franke
Kap. 3: Mitarbeiter der Referate 42, 43, 45;
BfUL, LTV
Kap. 4: Dr. D.-R. Eisenhauer (SBS)
Kap. 5.1: Dr. G. Riehl
Kap. 5.2: Martin Sacher, Dr. Wolfgang Karalus,
Maik Panicke, Dr. Walter Schmidt,
Dan Zederer
Kap. 6: Ch. Kröling
Kap. 7: A. Pausch, Dr. A. Hausmann
Bearbeiter:
Dr. Andrea Hausmann
Abteilung/Referat:
5/51
E-Mail:
andrea.hausmann@smul.sachsen.de
Telefon:
0351 2612-5100
Redaktionsschluss:
30.01.2020
Internet:
http://www.lfulg.sachsen.de
2019 Wetter trifft auf Klima
Fazit:
Die aktuellen Änderungen im Temperatur- und Niederschlagsregime begünstigen zu-
nehmend Aufbau und Ausmaß von Trockenheit.
Zwei extrem trockene und warme Jahre hintereinander haben die Trockenheit in
Sachsen bis in tiefe Bodenschichten hinein verschärft. Die Temperaturen stiegen
schneller als in den Klimaprojektionen abgebildet. Grundwasserdürre, Niedrigwasser
in den Flüssen, schwer geschädigte Wälder und schwankende Erträge in Landwirt-
schaft und Gartenbau sind die Folgen.

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2
1
Einordnung der Jahreswitterung 2019 in Europa und Deutschland, Phänologie
Das Jahr 2019 war ein weiteres zu warmes Jahr in Folge. Im globalen Maßstab wurde vom
COPERNICUS-Klimawandeldienst festgestellt, dass es als das zweitwärmste in dem bei
diesem Service zur Verfügung stehenden Datensatz ist. So ähnlich liegen auch die Resultate
der anderen Datenzentren. Beim Vergleich der globalen Temperaturanomaliekarten 2018
und 2019 fällt auf, dass auch 2019 überwiegend dort, wo im Vorjahr die Maxima oder Minima
diese positiven oder negativen Abweichungen zu finden sind. Das deutet auf eine im Durch-
schnitt ähnliche globale Zirkulationsverteilung hin.
Im europäischen Maßstab wird es als das bisher wärmste Jahr geführt. Der flächenhafte
Vergleich der Temperaturabweichung vom Normalwert im Sommer offenbart, dass die Aus-
dehnung des Gebietes mit einer positiven Lufttemperaturabweichung von über 4 Kelvin ge-
genüber 2019 noch einmal zugenommen hat und es sogar Regionen im Südwesten Polens
und im Nordosten Österreichs gibt, die sogar eine um über 5 Kelvin (K) höhere Sommertem-
peratur aufwiesen, als im klimatologischen Mittel von 1961-1990 zu erwarten gewesen wäre.
Im Flächenmittel über Deutschland war 2019 nach 2018 und 2014 das drittwärmste Jahr
(
Abbildung 1
). Teile der östlichen Bundesländer konnten sogar mit dem wärmsten Jahr auf-
warten, dass seit 1881 registriert wurde, dabei sind verbreitet 11 der 12 Monate als zu warm
einzustufen. Nur der Mai war 1 bis 2 K zu kühl. Ihm folgte jedoch ein Juni mit mehr als 5 K
Abweichung. In den Tieflandregionen waren wieder viele Landstriche mit einer Jahresmittel-
temperatur von 10 bis zum Teil über 11 Grad C vertreten. In den gebirgigeren Standorten
lagen die Werte zwar darunter, aber hinsichtlich der Abweichungen vom Normalwert ist kein
Unterschied zwischen Bergland und Tiefland zu erkennen. Hier gibt es eine Trennlinie, die in
etwa von Bremen nach München gezogen werden kann. Westlich davon war es zwar auch
zu warm, aber die Abweichung der Jahresmitteltemperatur erreichte nicht die 2-K-Marke.
Östlich der genannten Linie wurde diese Marke erreicht und überschritten.
Abbildung 1: Anomalie der Jahresmitteltemperatur über Deutschland bezogen auf die
Normalperiode 1961-1990 im Zeitraum 1881 bis 2019
Trotz der im Mittel höheren Lufttemperatur war die Anzahl von Sommer- und heißen Tagen
deutlich geringer als 2018. Besonders im Januar gab es kurze winterliche Intermezzi aber
insgesamt war auch die kalte Jahreszeit deutlich zu mild.

3
Es fiel zwar 2019 mehr Niederschlag in Deutschland als 2018, aber auch 2019 war nur in
einem Gebiet vom Emsland längs der Nord- und Ostseeküsten von normalen Jahresnieder-
schlagssummen auszugehen (
Abbildung 2
). In den allermeisten Regionen wurde durch
nochmals bis zu einem Viertel geringere Niederschlagsmengen das Defizit nicht abgebaut,
sondern verstärkte sich. Bilanziert man die gefallene Niederschlagsmenge seit 2017, zeigt
sich, dass Ende 2019 über die drei Jahre in vielen Regionen ein Defizit von zum Teil über
250 mm aufgelaufen ist. Ähnliche kumulierte Niederschlagsdefizite gab es bezogen auf die
Jahressumme zuletzt in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts, also vor mehr als 40
Jahren. Nach dem Sommer 2018 waren die Bodenwasservorräte bis in tiefere Schichten
unter 1 bis 2 m erschöpft und wurden durch die Niederschläge nicht aufgefüllt, so dass 2019
gegenüber 2018 ein noch schnellerer Rückgang des Bodenwassergehaltes erfolgte und bei-
spielsweise unter Winterweizen erst Ende September 2019 wieder den Bodendürrebereich
mit Bodenfeuchtewerten von unter 30 Prozent des pflanzenverfügbaren Wassers verlassen
konnte.
Die Pflanzenentwicklung startete 2019 im Mittel über Deutschland etwa 9 Tage früher als
normal (
Abbildung 3
). Das ist auf den milden Winter 2018/19 zurückzuführen. Die ersten
stäubenden Haselsträucher waren um den Monatswechsel vom Januar zum Februar zu er-
leben. Die Verfrühung hielt bis zum Beginn des Frühsommers, festgemacht am Erblühen der
Dolden des Schwarzen Holunders an. Der vergleichsweise kühle Monat Mai dämpfte dann
die phänologische Entwicklung und nach einem in etwa normal ablaufenden Frühsommer
sorgte der warme Juni für einen schnellen Übergang zu einem langen Hochsommer, der in
einen vergleichsweise kurzen Spätsommer überging. Einem ausgedehnten Früherbst folgten
sowohl hinsichtlich Eintrittszeit als auch Andauer normale Voll- und Spätherbstwochen und
mit nur zwei Tagen Verspätung begann der phänologische Winter mit dem Blattfall der Stiel-
eiche. Die Entwicklung der Pflanzenwelt in Sachsen wich nur marginal von dem für Deutsch-
land beschriebenen Verlauf ab.

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4
Abbildung 2: Anomalie der Jahresniederschlagssumme in Prozent über Deutschland
im Jahr 2019 bezogen auf die Normalperiode 1961-1990
Abbildung 3: Darstellung der phänologischen Entwicklung 2019 im Vergleich der
Normalperiode 1961-1990

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5
2
Klimatologische Einordnung für Sachsen und seine Landkreise
2.1
Langjährige Entwicklung der Lufttemperatur
In Abbildung 4 sind die jährlichen Abweichungen (in Kelvin, K) des Flächenmittels der Jah-
resmitteltemperatur gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen abgebildet.
2019 wurde mit +2,3 K als «extrem zu warm» eingestuft und ist das wärmste Jahr seit 1881.
Es fällt auf, dass in den letzten knapp 30 Jahren in Sachsen fast ausnahmslos überdurch-
schnittlich warme Jahre auftraten, was auch in der dekadischen Entwicklung der Lufttempe-
ratur in einem markanten Anstieg über die letzten vier Dekaden 1981-1990 bis 2011-2020
(messtechnisch bis 2019 erfasst) zum Ausdruck kommt (Abbildung 5).
Auf der Grundlage von Auswertungen der sächsischen Klimaprojektion „WEREX-VI-
Ensemble“ ist davon auszugehen, dass sich dieser Erwärmungstrend bis zum Ende des 21.
Jahrhunderts weiter fortsetzt. Unter Berücksichtigung des Unsicherheitsbereiches liegen 80
Prozent der Realisierungen (zwischen 10 % und 90 %) in einem Entwicklungsintervall zwi-
schen +1,5 K und +5 K, gegenüber 1961-1990, bis zum Ende des lfd. Jahrhunderts
(Abbildung 5).
In Abbildung 6 sind die jährlichen Abweichungen (in Kelvin, K) der Jahresmitteltemperatur
gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 als Flächenmittel für sächsische Landkreise (oh-
ne kreisfreie Städte) abgebildet.
Abbildung 4: Abweichungen der Jahresmitteltemperatur (K) gegenüber 1961-1990 in
Sachsen, 1881 bis 2019

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6
Abbildung 5: Abweichungen der mittleren Jahresmitteltemperatur (K) für Dekaden ge-
genüber 1961-1990 in Sachsen, 1881 bis 2100 (1881-2019 gemessene Daten, 2001-2100
Projektionsdaten WEREX-VI-Ensemble)
Abbildung 6: Abweichungen der Jahresmitteltemperatur (K) für 2019 vs. 1961-1990 in
sächsischen Landkreisen (Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)

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7
In Abbildung 7 sind die jährlichen Abweichungen (in Kelvin, K) der Temperatur für den Som-
mer gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 als Flächenmittel für Sachsen und für säch-
sische Landkreise (ohne kreisfreie Städte) abgebildet. Mit +3,3 K war der Sommer der
wärmste seit 1881.
Abbildung 7: Abweichungen der Mitteltemperatur (K) für 2019 vs. 1961-1990 im Som-
mer in Sachsen (links) und sächsischen Landkreisen (rechts) (Daten: DWD, Datenver-
arbeitung & Kartenerstellung: LfULG)
In Abbildung 8 ist die chronologische Abfolge wärmerer und kühlerer Jahreszeiten in Sach-
sen im Zeitraum Winter 2000/01 bis Herbst 2019 dargestellt. Diese Abbildung dokumentiert
das zunehmend höhere thermische Niveau, auch vor dem Hintergrund der Kumulation. Seit
1881 ist der Abschnitt von Sommer 2013 bis Herbst 2019 (26 Jahreszeiten) der längste, in
dem durchgehend alle Jahreszeiten über ihrem Referenzwert lagen.
Abbildung 8: Chronologische Abfolge positiver und negativer Abweichungen der Luft-
temperatur für Jahreszeiten gegenüber 1961-1990 in Sachsen, Winter 2000/01 bis
Herbst 2019

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8
2.2
Langjährige Entwicklung des Niederschlags
Generell ist der Niederschlag, im Vergleich zur Temperatur, eine raum-zeitlich sehr hetero-
gene Größe, was den Umgang mit diesem wichtigen Klimaelement schwierig macht.
In Abbildung 9 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) des Flächenmittels des Jah-
resniederschlages gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen abgebildet. Das
Jahr 2019 war mit -14 % «zu trocken». In Abbildung 9 fällt auf, dass im Vergleich zur Luft-
temperatur keine klare Entwicklung in den Jahresniederschlagssummen sichtbar wird.
Auf der Grundlage von Auswertungen der sächsischen Klimaprojektion „WEREX-VI-
Ensemble“ ist davon auszugehen, dass sich die in der lfd. Dekade 2011-2020 (messtech-
nisch bis 2019 erfasst) bisher beobachtete Entwicklung des mittleren Jahresniederschlages
kontinuierlich bis zum Ende des 21. Jahrhunderts fortsetzt. Unter Berücksichtigung des Un-
sicherheitsbereiches liegen 80 Prozent der Realisierungen (zwischen 10 % und 90 %) in ei-
nem Entwicklungsintervall zwischen -5 % und -30 %, gegenüber 1961-1990, bis zum Ende
des lfd. Jahrhunderts (Abbildung 10).
In Abbildung 11 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) des Jahresniederschlages
gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 als Flächenmittel für sächsische Landkreise (oh-
ne kreisfreie Städte) abgebildet.
Abbildung 9: Abweichungen des Jahresniederschlages (%) gegenüber 1961-1990 in
Sachsen, 1881 bis 2019

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9
Abbildung 10:
Abweichungen des mittleren Niederschlages im Jahr (%) für De-
kaden gegenüber 1961-1990 in Sachsen, 1881 bis 2100 (1881-2019 gemessene Daten,
2001-2100 Projektionsdaten WEREX-VI-Ensemble)
Abbildung 11:
Abweichungen des Jahresniederschlags (%) für 2019 vs. 1961-
1990 in sächsischen Landkreisen (Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung:
LfULG)

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10
In Abbildung 12 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) der Niederschlagssummen für
den Sommer gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 als Flächenmittel für Sachsen und
für sächsische Landkreise (ohne kreisfreie Städte) abgebildet. Mit -39 % war der Sommer
«extrem zu trocken».
Abbildung 12:
Abweichungen des Niederschlags (%) für 2019 vs. 1961-1990 im
Sommer in Sachsen (links) und sächsischen Landkreisen (rechts) (Daten: DWD, Da-
tenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)
In Abbildung 13 ist die chronologische Abfolge trockener und feuchter Jahreszeiten in Sach-
sen im Zeitraum Winter 2000/01 bis Herbst 2019 dargestellt. In dieser Darstellung zeigt sich
auf den ersten Blick keine der Temperatur vergleichbare Entwicklung an (vgl. Abbildung 8),
allerdings werden feuchtere und trockenere Abschnitte erkennbar.
Abbildung 13:
Chronologische Abfolge positiver und negativer Abweichungen
des Niederschlages für Jahreszeiten gegenüber 1961-1990 in Sachsen, Winter 2000/01
bis Herbst 2019

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11
2.3
Langjährige Entwicklung eines Trockenheitsmaßes (
de Martonne
-Index)
Der Index nach
de Martonne
zielt auf die pflanzenphysiologische Wirkung des Niederschlags
ab und liefert ein einfaches Maß für die Trockenheit eines Lebensraumes. Er ist definiert mit
dM = P/(T+10), wobei P der Niederschlag (mm) eines Bezugszeitraumes (z.B. Jahreszeit)
und T die Mitteltemperatur (°C) des Bezugszeitraums ist. Die Temperatur fungiert hier als
Proxy für die Verdunstung. Der
de Martonne
-Index harmoniert mit der klimatischen Wasser-
bilanz und kann als atmosphärische Rahmenbedingungen für Feuchte- und Trockenphasen
interpretiert werden. Aufgrund der geringen Datenanforderung lassen sich vergleichsweise
lange Zeitreihen für dM berechnen und hinsichtlich Klimawandel bewerten.
In Abbildung 14 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) des Flächenmittels für den
de
Martonne
-Index auf Jahresbasis gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen
abgebildet. Das Jahr 2019 hatte mit -24 % einen Wert angenommen, der mit «extrem zu tro-
cken» eingestuft wurde und Ausdruck einer ausgeprägten trockenen und warmen bodenna-
hen Luftschicht ist. Aus Abbildung 14 geht hervor, dass hier bereits seit 6 Jahren eine Ten-
denz besteht.
Auf der Grundlage von Auswertungen der sächsischen Klimaprojektion „WEREX-VI-
Ensemble“ ist davon auszugehen, dass sich die in der lfd. Dekade 2011-2020 (messtech-
nisch bis 2019 erfasst) bisher beobachtete Entwicklung des mittleren
de Martonne
-Index auf
Jahresbasis kontinuierlich bis zum Ende des 21. Jahrhunderts fortsetzt. Unter Berücksichti-
gung des Unsicherheitsbereiches liegen 80 Prozent der Realisierungen (zwischen 10 % und
90 %) in einem Entwicklungsintervall zwischen -15 % und -45 %, gegenüber 1961-1990, bis
zum Ende des lfd. Jahrhunderts (Abbildung 15).
Abbildung 14:
Abweichungen des de-Martonne-Index (%) gegenüber 1961-1990
in Sachsen, 1881 bis 2019, Jahr

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12
Abbildung 15:
Abweichungen des de-Martonne-Index im Jahr (%) für Dekaden
gegenüber 1961-1990 in Sachsen, 1881 bis 2100 (1881-2019 gemessene Daten, 2001-
2100 Projektionsdaten WEREX-VI-Ensemble)
In Abbildung 16 ist die chronologische Abfolge trockener und feuchterer Jahreszeiten in
Sachsen im Winter 2000/01 bis Herbst 2019 dargestellt. Diese Abbildung dokumentiert, dass
seit Herbst 2013, mit wenigen Ausnahmen, vermehrt atmosphärische Bedingungen auftra-
ten, die einen Aufbau/Ausprägung von Trockenheit begünstigen.
Abbildung 16:
Chronologische Abfolge positiver und negativer Abweichungen
des de-Martonne-Index für Jahreszeiten gegenüber 1961-1990 in Sachsen, Winter
2000/01 bis Herbst 2019

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13
2.4
Langjährige Entwicklung der Sonnenscheindauer
In Abbildung 17 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) des Flächenmittels der Jah-
ressumme für Sonnenstunden gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen ab-
gebildet. Das Jahr 2019 wurde mit +25 % als «viel zu sonnenreich» eingestuft. In Abbildung
17 fällt auf, dass in Analogie zur Lufttemperatur die letzten knapp 30 Jahre weitgehend über-
durchschnittlich sonnenreich, mit Auftreten von extrem sonnenreichen Jahren, gewesen sind,
was auch in der dekadischen Entwicklung sichtbar ist (Abbildung 18). Diese Zunahme ist
auch vor dem Hintergrund einer verbesserten Luftqualität infolge eines verminderten Aero-
solgehaltes zu sehen.
Das WEREX-VI-Ensemble projiziert bis zum Ende des 21. Jahrhunderts eine Fortsetzung
der dekadischen Entwicklung für die seit 1951 vorliegenden Messungen innerhalb eines Un-
sicherheitsbereiches (80% der Realisierungen) in der Größenordnung +10 % bis +35 %, ge-
genüber 1961-1990 (Abbildung 18).
In Abbildung 19 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) der Jahressumme für Son-
nenstunden gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 als Flächenmittel für sächsische
Landkreise (ohne kreisfreie Städte) abgebildet.
Abbildung 17:
Abweichungen der Jahressonnenstunden (%) gegenüber 1961-
1990 in Sachsen, 1951 bis 2019

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14
Abbildung 18:
Abweichungen der mittleren Jahressonnenstunden (%) für Deka-
den gegenüber 1961-1990 in Sachsen, 1951 bis 2100 (1951-2019 gemessene Daten,
2001-2100 Projektionsdaten WEREX-VI-Ensemble)
Abbildung 19:
Abweichungen der jährlichen Sonnenscheindauer (%) für 2019 vs.
1961-1990 in sächsischen Landkreisen (Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartener-
stellung: LfULG)

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15
In Abbildung 20 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) der Sonnenstundensummen
für den Sommer gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 als Flächenmittel für Sachsen
und für sächsische Landkreise (ohne kreisfreie Städte) abgebildet. Mit +30 % war der Som-
mer 2019 der zweitsonnenreichste seit 1951
Abbildung 20:
Abweichungen der Sonnenscheindauer (%) für 2019 vs. 1961-1990
im Sommer in Sachsen (links) und sächsischen Landkreisen (rechts) (Daten: DWD,
Datenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)
In Abbildung 21 ist die chronologische Abfolge der prozentualen Abweichungen sonnenrei-
cherer und sonnenärmerer Jahreszeiten in Sachsen im Winter 2000/01 bis Herbst 2019 dar-
gestellt. In Analogie zur Lufttemperatur (Abbildung 8) ist auch bei den Sonnenstunden eine
Entwicklung hin zu wesentlich länger andauernden Zeitabschnitten mit sonnenreicheren Jah-
reszeiten festzuhalten.
Abbildung 21:
Chronologische Abfolge von Abweichungen der Sonnenstunden
für Jahreszeiten gegenüber 1961-1990 in Sachsen, Winter 2000/01 bis Herbst 2019

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16
2.5
Zusammenfassende klimatologische Einordnung für Lufttemperatur, Nieder-
schlag und Sonnenscheindauer
Abbildung 22 zeigt eine zusammenfassende klimatologische Einordnung für die Elemente
Lufttemperatur, Niederschlag und Sonnenstunden auf der Basis von Jahres-, Jahreszeiten-
und Monatswerten.
Die farblichen Hervorhebungen betreffen die Randbereiche der Verteilungen über die jewei-
ligen Abweichungen seit Datenverfügbarkeit und zielen auf das Sichtbarmachen von Extre-
men in den unterschiedlichen Zeitskalen Monat, Jahreszeit und Jahr ab.
Abbildung 22:
Zusammenfassende klimatologische Einordnung des Jahres 2019
in Sachsen (Datenzeitraum: 1881 bis 2019; Hinweis zur oberen Abbildung: scheinbare
Inkonsistenzen in den Zahlenangaben beruhen auf Rundungsungenauigkeiten, maß-
gebend sind die Größenordnungen) und verwendete Perzentile und deren Eigenschaft
für die Lufttemperatur (2. von oben), den Niederschlag (3. von oben) und die Sonnen-
stunden (unten)
2.6
Besonderheit im Witterungsverlauf
Die hier gemachten Aussagen verstehen sich in Ergänzung zum Kapitel 3 „Besonderheit im
Witterungsverlauf – Anmerkungen zur Trockenheit 2018“ des Berichtes von 2019
(
https://www.klima.sachsen.de/download/Jahresrueckblick2018_Fachbeitrag_2019-01-
24_final.pdf
)
und beleuchten die Abfolge der Monate November 2017 bis Dezember 2019.
Über die Monate November 2017 bis Dezember 2019 hat sich ein ca. 22prozentiges Nieder-
schlagsdefizit gegenüber 1961/90 in Sachsen aufgebaut, ca. 335 mm Niederschlag, der dem

17
Boden fehlt und in etwa der Hälfte des mittleren Jahresniederschlages in Sachsen entspricht
(Abbildung 23, Abbildung 24).
Infolge des im Mittel mit +2,2, K gegenüber 1961-1990 sehr hohen thermischen Niveaus in
Sachsen (siehe Abbildung 25) erhöhte sich über diesen Zeitraum die potentielle Verdunstung
(Sättigungsdefizit der Atmosphäre) um ca. +18 % bzw. 235 mm (Abbildung 26), was eine
stark erhöhte Sogwirkung auf die Landoberfläche zur Folge hat, worauf diese in Abhängig-
keit des Wasserdargebotes mit entsprechenden Verdunstungsraten reagiert. Somit wird die
Wirkung des (kumulativen) Niederschlagdefizites im System Boden-Pflanze-Atmosphäre
temperaturbedingt verstärkt.
Folge des gleichzeitigen und anhaltenden Auftretens ist eine flächendeckende und weitgrei-
fende Ausschöpfung des Wassers bis in tiefere Bodenschichten (Abbildung 27). Aufgrund
der anhaltenden atmosphärischen Bedingungen konnte das über die 10 Monate von Februar
2018 bis November 2018 aufgebaute 45prozentige Niederschlagsdefizit (vs. 1961/90) von
dem 75prozentigen Niederschlagsüberschuss aus den darauffolgenden 2 Monaten Dezem-
ber 2018 und Januar 2019 hier nicht zur Kompensation bzw. Entschärfung beitragen!
Bei Wassermangel wird die aktuelle Verdunstung unterdrückt, was eine zusätzliche Erwär-
mung der bodennahen Luft zur Folge hat.
Fazit:
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die gegenwärtigen Änderungen im
Temperatur- & Niederschlagsregime Aufbau und Ausmaß von Trockenheit zunehmend be-
günstigen! Folgende Merkmale stehen hierbei im Vordergrund:
Längerfristige Niederschlagsdefizite (Trockenheit) & kurzfristige Niederschlagsüber-
schüsse (Starkregen) treten gleichzeitig auf.
Hohe Temperaturen verstärken infolge der Verdunstung die Wirkung eines Nieder-
schlagdefizites.
Die gemessene Temperaturentwicklung schreitet im Vergleich zur projizierten schneller
voran.
Niederschlags- & Temperatur-Extreme treten gleichzeitig und anhaltend auf.

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18
Abbildung 23:
Verlauf des kumulierten Niederschlages (mm) von November 2017
bis Dezember 2019 in Sachsen (Daten: DWD, Datenverarbeitung: LfULG)
Abbildung 24:
Abweichungen des kumulierten Niederschlages von November
2017 bis Dezember 2019 vs. 1961-1990 in sächsischen Landkreisen: links in (mm),
rechts in (%) (Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)

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19
Abbildung 25:
Abweichungen der Monatsmitteltemperatur (K) von November
2017 bis Dezember 2019 vs. 1961-1990 in Sachsen (Daten: DWD, Datenverarbeitung:
LfULG)
Abbildung 26:
Abweichungen der kumulierten potentiellen Verdunstung von No-
vember 2017 bis Dezember 2019 vs. 1961-1990 in sächsischen Landkreisen: links in
(mm), rechts in (%) (Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)

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20
Abbildung 27:
Relative Trockenheit im Bodenhorizont bis 180cm Tiefe in Sach-
sen: klassifizierte Abweichung des Bodenfeuchte-Index SMI für den 27.01.2020 (Ende
eines 30-Tage-Zeitraumes) vs. 1951-2015 (Quelle: UFZ-Dürremonitor)

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21
3
Auswirkungen der Witterung 2018/19 auf die Ressource Wasser
3.1
Wasserhaushaltliche Einordnung der Jahre 2018 und 2019
Das Niederschlagsdefizit betrug im Sachsenmittel 2018 rund 33 % und 2019 rund 14 %. Ins-
gesamt »fehlten« im Mittel demnach rund 330 mm (oder Liter pro Quadratmeter) an Nieder-
schlag (bei einem mittleren Jahresniederschlag von rund 700 mm). Dieses ausgeprägte De-
fizit hat zwangsläufig Auswirkungen auf den Wasserhaushalt.
Ein wichtiger Kennwert zur Bewertung des Wasserhaushalts ist die sogenannte Klimatische
Wasserbilanz (KWB). Sie ist die Differenz aus der Niederschlagssumme und der potentiellen
Verdunstung. Die potentielle Verdunstung ist dabei ein Maß für die unter optimalen Verduns-
tungsbedingung und maximaler Wasserverfügbarkeit mögliche Verdunstung über Gras. Die
tatsächliche Verdunstung ist in der Regel kleiner als die potentielle Verdunstung.
Grundsätzlich ist in Sachsen die KWB im Jahres- und Flächenmittel positiv – es fällt also
mehr Niederschlag, als potentiell verdunstet. Dieses »Plus an Niederschlag« lässt sich für
Sachsen im mehrjährigen (1981–2010) Flächenmittel mit circa 140 mm (Liter pro Quadrat-
meter) beziffern. Im Wasserhaushaltsjahr (November bis Oktober) 2018 betrug die KWB hin-
gegen im Flächenmittel circa
-220
mm, im Wasserhaushaltsjahr 2019 ca. -20 mm. Insbeson-
dere die Monate April bis Oktober wiesen in beiden Jahren (Ausnahme: Mai 2019) eine deut-
lich unter der Erwartung liegende KWB auf (
Abbildung 28
).
Abbildung 28: Vergleich der Klimatischen Wasserbilanz der Wasserhaushaltsjahre
2018 und 2019 mit der mehrjährigen Erwartung (1981 bis 2010)
Bei negativen KWB-Werten ist es aber nicht so, dass der verfügbare Niederschlag aus-
schließlich für die Verdunstung aufgebraucht wird. Wie bereits erwähnt, vor allem bei
schlechter Wasserverfügbarkeit ist die tatsächliche Verdunstung sehr viel geringer als die
potentielle Verdunstung. So gelangt also auch ein – wenn auch unterdurchschnittlicher –
Anteil des Niederschlags zum Abfluss oder ins Grundwasser. Abfluss und Grundwasserneu-
bildung sind damit gegenüber den typischen Verhältnissen reduziert, was unter anderem zu
Niedrigwasser führt, da bei länger andauerndem Trockenwetter der Abfluss in den Fließge-
wässern in der Regel aus dem Grundwasser gespeist wird.

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22
3.2
Entwicklung der Bodenfeuchte an ausgewählten Standorten
Die folgenden Aussagen beziehen sich auf Beobachtungen des LfULG an vier Boden-
Dauerbeobachtungsflächen (»BDF II«; Tabelle 1, Abbildung 30):
Tabelle 1: Boden-Dauerbeobachtungsflächen in Sachsen
Standort
Beschreibung des anzutreffenden Bo-
dens
Köllitsch (Nordsachsen, Aue / Elbaue)
Vega aus Auensediment
Hilbersdorf (Osterzgebirge / Östlicher Erzgebirgsnor-
drand)
Braunerde aus Lösslehm über Gneis
Lippen (Nordostsachsen, Kippe / Muskauer Heide)
Regosol aus Kippsand
Schmorren (Mittelsachsen / Mittelsächsisches Lösshü-
gelland)
Kolluvisol über Parabraunerde-
Tschernosem aus Lösslehm
Abbildung 29: Lage der vier Boden-Dauerbeobachtungsflächen
Die Bodenfeuchte erreichte in den Jahren 2018/2019 in Folge der lang anhaltenden Tro-
ckenheit ausgeprägte und außergewöhnliche Minima (siehe beispielhaft nachfolgende Abbil-
dung). Auch die mittlere Bodenfeuchte ist in den vergangenen Jahren rückläufig. Der kriti-
sche Bodenwassergehalt, d. h. der permanente Welkepunkt (PWP) als Grenze des für
Pflanzen gerade noch nutzbaren Wassers, wurde jedoch (noch) nicht erreicht.

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23
Abbildung 30: Beispielhafte Entwicklung von Niederschlag und Bodenfeuchten in un-
terschiedlichen Tiefenniveaus an der Boden-Dauerbeobachtungsfläche Köllitsch
Durch die Niederschläge Ende 2018/Anfang 2019 stiegen die Bodenfeuchten wieder an,
erreichten aber im Frühling 2019 nicht überall die normalen Auffüllungswerte. Am Ende des
Jahres 2019 sind immer noch Defizite beim Auffüllen der nutzbaren Feldkapazität im Wurzel-
raum (nFKWe) feststellbar. Am stärksten ist das Defizit der nFKWe in Jahren 2018/2019 in
den Böden der Lössgebiete (BDF Schmorren) ausgeprägt. Das maximale nFKWe-Defizit
wurde jedoch hier am Ende 2003 gemessen. In einigen Regionen Sachsens (vor allem im
Erzgebirge – Beispiel BDF Hilbersdorf) gab es im Frühling 2019 einen Überschuss an nutz-
barer Feldkapazität und es kam zu einer moderaten Sickerwasserbildung bzw. potentiellen
Grundwasserneubildung.
Anders die Situation in Regionen, wo die Trockenheit ausgeprägter war; vor allem Ost- und
Nordsachsen sind hier zu nennen. Beispielhaft dafür sei im Folgenden noch kurz auf die den
Einfluss der Witterung auf den Bodenwasserhaushalt und die Grundwasserneubildung an
der Lysimeterstation Brandis (östlich von Leipzig) eingegangen werden.
3.3
Bodenwasserhaushalt am Standort Brandis (Lysimeterstation)
Die folgende Abbildung 31 zeigt den Verlauf der Bodenwasserhaushaltsgrößen Nieder-
schlag, reale Verdunstung, Grundwasserneubildung und Bodenwasserausschöpfung auf der
Basis von Monatswerten der Jahre 2017 bis 2019 am Beispiel eines für Sachsen typischen
Braunerde-Pseudogley (Geschiebelehm). Die im Referenzzeitraum 1981–2010 beobachte-
ten monatlichen Mittelwerte sowie Streuungen für jede Größe und jeden Monat sind durch
Boxplots repräsentiert.

image
24
Abbildung 31: Verlauf der monatlichen Summen des korrigierten bodengleichen Nie-
derschlags, der realen Verdunstung, der Bodenwasserausschöpfung sowie der
Grundwasserneubildung für die Jahre 2017, 2018 und 2019 für ein Braunerde-
Pseudogley Lysimeter.
Die grauen Boxplots repräsentieren die im Referenzzeitraum 1981–2010
beobachteten Verteilungen der jeweiligen monatlichen Größen und dienen der statistischen Einord-
nung.
Mit rund 569 mm am Standort ist der (korrigierte) Jahresniederschlag im Jahr 2019 knapp
120 mm höher als im Vorjahr, aber dennoch deutlich unter dem mehrjährigen Mittel des Re-
ferenzzeitraumes (1981–2010) von 673 mm. Die überdurchschnittlichen Niederschläge im
Dezember 2018 und Januar 2019 konnten das außergewöhnliche Bodenwasserspeicherde-
fizit aus dem Trockenjahr 2018 nicht vollständig auffüllen. Die Monate Februar und März
2019 wiesen durchschnittliche, bzw. unterdurchschnittliche Niederschlagssummen auf, wel-
che in Kombination mit zunehmenden Verdunstungssummen des Weizenbestandes nur zu
einer kurzen und späten Auffüllung des Bodenwasserspeichers führten. In der Folge konnte
erst im März 2019 eine signifikante Grundwasserneubildung beobachtet werden. Im Ver-
gleich zur Referenzperiode setzte die Grundwasserneubildung damit 5 Monate verspätet ein
und fiel mit nur 12 % der mittleren Jahresmengen außergewöhnlich niedrig aus. Zusammen-
fassend ist anzumerken, dass 2019 am Standort Brandis das sechste Jahr in Folge mit einer
stark unterdurchschnittlichen Grundwasserneubildung darstellt. Zwischen 2014 und 2019
konnten insgesamt nur 30 % der langjährigen Grundwasserneubildung beobachtet werden.
3.4
Auswirkungen der Witterung auf die Grundwasserstände
Für den 50-jährigen Zeitraum 1970 bis 2019 ist für Sachsen eine Abnahme der mittleren
Grundwasserstände von ca. -13 cm zu verzeichnen. Am stärksten ist dabei das Sommer-
halbjahr mit -17 cm und am schwächsten der Zeitraum Januar bis März mit -6 cm betroffen.
In den beiden Jahren 2018 und 2019 entwickelte sich durch die Kombination aus Nieder-

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25
schlagsmangel und hoher (potentieller) Verdunstung eine ausgeprägte Grundwasserdürre.
2019 sanken die Grundwasserstände gegenüber 2018 im Landesmittel von Sachsen noch-
mals.
Die folgende Abbildung 32 enthält den mittleren Jahresgang für die vieljährigen Reihen 1970
bis 1988 sowie 1989 bis 2019, im Vergleich mit der Entwicklung der Einzeljahre 2017, 2018
und 2019. Dabei zeigt sich, dass die Grundwasserstände 2017 noch wiederaufgefüllt werden
konnten, während die Rückgänge der Grundwasserstände infolge der ausgeprägten Tro-
ckenheit 2018/19 noch nicht wieder ausgeglichen werden konnten. Am Ende der Jahre 2018
bzw. 2019 fehlten im Landesmittel gegenüber dem jüngeren Bezugszeitraum 1989 bis 2019
ca. 20 bzw. 40 cm.
Abbildung 32: Vergleich mittlerer Jahresgänge von 108 repräsentativen Grundwas-
sermessstellen in Sachsen
Auffällig ist bei der aktuellen Grundwasserdürre in 2018 und 2019, im Unterschied zur letzten
Grundwasserdürre von 1991 und 1992, dass die Grundwasserstände im Landesmittel im
Zeitraum Januar bis März jeweils auf einem für die Jahreszeit normalen Niveau liegen und
erst zum Sommer hin rapide absinken (Abbildung 33).

26
Abbildung 33: Mittlerer Grundwasserstand am Jahresbeginn von 108 repräsentativen
Messstellen in Sachsen 1970 bis 2019
Im Landesmittel der spätsommerlichen Tiefstwerte der Grundwasserstände entspricht die
gegenwärtige Grundwasserdürre der bisher letzten Grundwasserdürre der Jahre 1991 und
1992 (Abbildung 34). Mit der sich auch für diesen Winter abzeichnenden Fortsetzung des
Niederschlagsmangels ist die weitere Verschärfung der bestehenden Grundwasserdürre im
laufenden Jahr 2020 nicht auszuschließen.
Abbildung 34: Mittlerer Grundwasserstand des Zeitraumes August - Oktober von 108
repräsentativen Messstellen in Sachsen 1970 bis 2019
3.5
Entwicklung der Niedrigwassersituation 2019 und Vergleich zu 2018
Folgende Auswertungen stützen sich auf den in Sachsen gebräuchlichsten Niedrigwasser-
kennwert, den mittleren Niedrigwasserdurchfluss MNQ, der an den Stationen des gewässer-
kundlichen Pegelnetzes bestimmt wird. Es handelt sich dabei um den arithmetischen Mittel-
wert der kleinsten Tagesmittel des Durchflusses im gesamten bisher vorliegenden Beobach-
tungszeitraum an diesen Standorten. Die Aussagekraft dieser Werte, die erst mit Beobach-
tungsreihenlängen ab 30 Jahren gegeben ist, wächst mit jedem weiteren Beobachtungsjahr.
Ab dem Mai 2018 war an den gewässerkundlichen Pegeln, entsprechend der Einordnung
gemäß des MNQ-Schwellenwertes, Niedrigwasser zu verzeichnen. Die folgende Abbildung
35 zeigt den qualitativen Verlauf des Niedrigwassers in Sachsen in den Jahren 2018 und
380
400
420
440
460
480
500
520
540
1970
1975
1980
1985
1990
1995
2000
2005
2010
2015
2020
Grundwasserstand [cm u. GOK]
Mittlerer Grundwasserstand unter der Geländeoberkante
Mittelwert für Januar bis März 1970 - 2019
gemittelt über 108 Messstellen in Sachsen
380
400
420
440
460
480
500
520
540
1970
1975
1980
1985
1990
1995
2000
2005
2010
2015
2020
Grundwasserstand [cm u. GOK]
Mittlerer Grundwasserstand unter der Geländeoberkante
Mittelwert für August bis Oktober 1970 - 2019
gemittelt über 108 Messstellen in Sachsen

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27
2019 anhand des Anteils von Pegeln mit einem Durchfluss unterhalb des MNQ zum Stichtag
(wöchentliche Erhebung).
Abbildung 35: Qualitativer Verlauf des Niedrigwassers in Sachsen in den Jahren 2018
und 2019
Aus der
Abbildung 36
wird ersichtlich, dass sich in beiden Jahren ab dem Frühsommer eine
ausgeprägte Niedrigwasserlage herausgebildet hatte, welche bis in den Winter hinein an-
hielt. Grundsätzlich war im Jahre 2018 die Niedrigwassersituation etwas stärker ausgeprägt,
als im Folgejahr 2019. Einzelne Niederschlagsereignisse brachten einen kurzzeitigen, aller-
dings nicht nachhaltigen Rückgang des Anteils der Pegel mit Niedrigwasserführung (»Za-
cken« im Verlauf).
Folgende Abbildung stellt die beiden Jahre 2018 und 2019 direkt gegenüber. Bemerkenswert
ist, dass die Wasserführung aktuell zum Stichtag 27. Januar 2020 – vergleichbar mit dem
Zustand Ende Juni/Anfang Juli 2018 und 2019 – schon bei rund 30 Prozent der Pegel unter-
halb des MNQ bewegt.
Abbildung 36: Anteil sächsischer Pegel mit Durchfluss kleiner als Niedrigwasser-
Schwellenwert in [%]

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28
Ursache dafür ist, dass – abgesehen vom Westerzgebirge und seinem Vorland – im Frei-
staat nach wie bodenwasserhaushaltliche Defizite vorliegen (siehe auch nachfolgende Abbil-
dung 37). In Nord- und vor allem Ostsachsen belaufen sich diese auf schwereren und mäch-
tigeren Böden mittlerweile auf einige hundert Millimeter (Liter pro Quadratmeter). Erst wenn
diese Defizite ausgeglichen sind, kann es zu einer nachhaltigen Erholung der Wasserführung
kommen. Sollte die Witterung in den kommenden Monaten nicht überdurchschnittlich nass
ausfallen, so ist davon auszugehen, dass sich im Frühsommer 2020 erneut eine ausgepräg-
te Niedrigwassersituation einstellen wird.
Abbildung 37: Modellierter Bodenwassergehalt in % der nutzbaren Feldkapazität zum
05.01.2020 (Quelle: DWD)
Die folgende Auswertung bezieht sich nicht auf einen zeitlich konstanten Kennwert, wie den
MNQ, sondern legt eine tagesscharfe statistische Einordnung der gesamten Beobachtungs-
reihe in Unterschreitungs-Perzentile zu Grunde (gewissermaßen beobachtete Häufigkeiten
für die Unterschreitung eines bestimmten Durchflusses an einem bestimmten Tag). Eine
zehnprozentige Unterschreitungshäufigkeit (10er-Perzentil) für einen bestimmten Wert be-
deutet dabei, dass in der zu Grunde liegenden Beobachtungsreihe dieser Wert in einem von
zehn Fällen unterschritten wurde (oder für das 1er-Perzentil nur in einem von hundert Fäl-
len). Der Verlauf des 50er-Perzentils entspricht dabei durchschnittlichen Bedingungen (Me-
dian).
Die folgende
Abbildung 41
liefert solch eine Perzentil-Auswertung für die Pegel Dres-
den / Elbe, Görlitz / Lausitzer Neiße, Bautzen 1 / Spree sowie Neuwiese / Schwarze Elster.

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29
Abbildung 38: Ganglinien des Durchflusses für die Jahre 2018 und 2019 an ausge-
wählten Pegelmessstellen vor dem Hintergrund des typischen Häufigkeitsregimes der
Durchflüsse (Perzentile)
Grundsätzlich war die Niedrigwassersituation 2018 in vielen Teilen Sachsens mit der des
Jahres 2019 vergleichbar. Vor allem in den Flussgebieten Spree und Schwarze Elster jedoch
(Beispiele Bautzen 1 und Neuwiese) waren in 2019 teilweise noch geringere Durchflüsse als
im Jahre 2018 zu beobachten. So unterschritt am Pegel Neuwiese an 89 Tagen der Durch-
fluss das MNQ(Jahr). Im Jahr 2018 war dies an 54 Tagen der Fall. Die Schwarze Elster fiel
im August 2019 abschnittsweise zwischen Neuwiese und Senftenberg trocken.
Aufgrund der anhaltend extremen Niedrigwassersituation in der Schwarzer Elster und der
Spree war auch 2019 eine länderübergreifende Abstimmung der wasserwirtschaftliche Maß-
nahmen zwischen Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Berlin notwendig, um die
Folgen der Trockenheit auf die Abflüsse und die Wasserbeschaffenheit der Spree und
Schwarzen Elster und ihrer Nebengewässer zu bewältigen. Dabei wurden für die Niedrig-
wasseraufhöhung und Sulfatverdünnung der Abfluss der Spree aus den Talsperren Bautzen
und Quitzdorf bis zum 23.09.2019 mit insgesamt 20 Mio. m³ gestützt.

30
Die Durchflüsse an den sächsischen Elbepegeln bewegten sich 2019 meist unterhalb der
monatstypischen Mittelwerte (MQ(Monat)) und in den Sommermonaten unter MNQ. Ein un-
bedeutendes Hochwasser trat im März auf. Dabei wurde 18./19.03.2019 am Pegel Schöna
der Richtwert der Alarmstufe 1 von 400 cm um 3 cm überschritten. Hochwasser wurde davor
letztmalig am 24.02.2017 mit einem Wasserstand von 402 cm am Pegel Schöna beobachtet.
Danach ging die Wasserführung in der Elbe kontinuierlich zurück. Bereits Ende März lagen
die Durchflüsse an den Pegeln unter MQ(Monat) und verblieben bis zum Ende des Jahres
mit kurzen Unterbrechungen im Juni und Oktober darunter. Von Ende Juni bis Anfang Okto-
ber fielen die Durchflüsse sehr oft unter MNQ und wie in den vergangenen vier Jahren zeig-
ten sich aufgrund der niedrigen Wasserstände erneut die zahlreiche Hungersteine in der
Elbe.
Am 29.07.2019 wurde am Pegel Dresden der niedrigste jährliche Tagesmittelwert des Was-
serstandes und des Durchflusses mit einem Wasserstand von 49 cm und Durchfluss von
78,8 m³/s registriert. Zur Einordnung: im Vorjahr 2018 wurde am Pegel Dresden am
23.08.2018 der niedrigste Tagesmittelwert des Wasserstandes und des Durchflusses seit
Inbetriebnahme der größeren tschechischen Stauanlagen 1964 mit W = 45 cm und Q = 74,2
m³/s registriert. Den abflussarmen Jahren 2015, 2016, 2017 und 2018 ist nunmehr ein weite-
res Jahr gefolgt, dass durch extremes Niedrigwasser gekennzeichnet war.
Aufgrund der lang anhaltenden geringen Wasserführung der Elbe wurde am 15.07.2019 mit
dem »Messprogramm für hydrologische Extremextremereignisse an der Elbe (Niedrigwas-
ser)« der Flussgebietsgemeinschaft Elbe begonnen. Die Wasserbeschaffenheit der Elbe
wurde an den Sondermessstellen statt im monatlichen, im 14-täglichen Turnus beprobt. Von
den untersuchten Parametern befanden sich die überwiegende Anzahl Ergebnisse im elbe-
typischen Bereich. Am 14.10.2019 fand die letzte Beprobung im Rahmen des Messpro-
grammes statt.
Es ist festzuhalten, dass es vor allem im Zeitraum Juli/August sowohl 2018 als auch 2019
eine signifikante Anzahl von Messstellen mit Durchflüssen unterhalb der ersten Perzentile
gab. An einigen Messstellen wurden sogar 2018/2019 die bis dato geringsten Durchflüsse
beobachtet (NNQ).
Damit ist die aktuelle und möglicherweise noch nicht abgeschlossene (siehe oben) Niedrig-
wasserperiode sicher als außergewöhnlich, aber mitnichten als extremstes Ereignis (bezo-
gen auf Durchflussmengen) seit Beginn der regelmäßigen Beobachtungen (in Sachsen seit
1909) einzustufen. Eine fundierte extremwertstatistische Auswertung und vergleichende
Einordnung ist erst nach Ende der Niedrigwasserperiode sowie nach Vorliegen abschließend
geprüfter Daten für 2019 möglich (Mitte 2020). Dabei sind dann auch die Beeinflussungen
des trockenheitsgesteuerten Niedrigwasserdurchflusses durch wasserrechtlich festgesetzte
Niedrigwasseraufhöhungen durch Stauanlagen, Sumpfungswassereinleitungen aus Tage-
bauen sowie bedeutsame Einleitungen gereinigten Abwassers aus großen Kläranlagen zu
berücksichtigen.

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31
3.6
Auswirkungen auf Talsperren (Beispiele)
Die monatelang anhaltende Trockenperiode 2018 mit wenig bis sehr wenig Niederschlag
wurde ab Dezember 2018 beendet. Die darauffolgenden Wintermonate 2019 brachten viel
Niederschlag, teils als Schnee. Vor allem in den Gebirgsregionen, in denen die Trinkwasser-
talsperren liegen, bildete sich eine Schneedecke aus. Die Folgemonate fielen erneut über-
wiegend niederschlagsarm aus.
In
Abbildung 39
n sind beispielhaft Niederschlagsmessungen an den LTV-Stauanlagen von
Januar 2018 bis Dezember 2019 dargestellt, die vor allem das sich bis November 2018 auf-
gebaute Niederschlagsdefizit ausweisen. Für die dargestellten zwei Talsperren summiert
sich das Niederschlagsdefizit von Anfang 2018 bis Ende 2019 für die TS Lichtenberg
auf -455 mm und die TS Lehnmühle auf -433 mm.
Abbildung 39: Verlauf Niederschläge und Niederschlagssummen an den Talsperren
Lehnmühle und Lichtenberg
Die vergleichsweise großen Wasservorräte in der Schneedecke in den Gebirgsregionen
wurden im Februar und März 2019 abflusswirksam. Die erhöhten Zuflüsse konnten in den
Talsperren gespeichert werden. Die teilweise weit abgesenkten Stauräume füllten sich wie-
der. An den Trinkwassertalsperren im System Lehnmühle/Klingenberg war im März bzw.
April 2019 das Stauziel wieder erreicht. Das heißt, der für die Wasserversorgung genutzte
Betriebsraum war zu 100 % wieder gefüllt (Abbildung 40).

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32
Abbildung 40: Vergleich der Füllstände des Talsperrensystems Lehnmühle-
Klingenberg (Summe) bezogen auf das Stauziel für die Jahre 2018 und 2019
Im weiteren Jahresverlauf war ab April 2019 eine überdurchschnittlich warme Witterung zu
verzeichnen. Von April bis August war es trocken bis sehr trocken. Auch der November und
der Dezember waren vergleichsweise erneut sehr trocken. Die Zuflüsse zu den Trinkwasser-
talsperren gingen ab Mai 2019 deutlich zurück. In den Monaten Juli bis September waren
ähnlich geringe Zuflüsse zu beobachten, wie in der Trockenperiode 2018. Die Rohwasser-
abgaben an die Wasserwerke zur Trinkwasseraufbereitung konnten aber ohne Einschrän-
kungen bereitgestellt werden.
Wegen der geringen Talsperrenzuflüsse sank die Talsperrenfüllung in 2019 stetig; aber nicht
so deutlich wie im Jahr 2018. Das Minimum der TS-Füllung des Jahres 2019 war am Ende
des Jahres zu beobachten; bei weiter ausbleibenden Niederschlägen wird die TS-Füllung
also noch weiter sinken. Der Füllstand vom Januar 2020 weist bereits in diese Richtung.
Während in den Einzugsgebieten der Talsperren Klingenberg und Lehnmühle erhöhte Nie-
derschläge im Dezember 2018 und Januar 2019 fielen, fehlten diese Niederschläge im Ein-
zugsgebiet der Talsperre Bautzen (gilt für den gesamten ostsächsischen Raum). In Folge
dessen konnte beispielsweise die TS Quitzdorf (Brauchwassertalsperre) bis zum Beginn der
Bewirtschaftungsperiode Mai 2019 nicht wieder bis zum Stauziel gefüllt werden.
Die TS Bautzen (Abbildung 41) konnte hingegen trotz der geringen Niederschläge 2018/19
bis zum Beginn der Bewirtschaftungsperiode 2019 bis ans Stauziel aufgefüllt werden, muss-
te aber ab Juni 2019 wieder abgestaut werden, um die Minderwasserabgaben im Rahmen
der wasserrechtlich festgesetzten Niedrigwasseraufhöhung der Spree erfüllen zu können
(siehe folgende Abbildung). Ende 2019 bewegte sich der Inhalt der TS Bautzen ungefähr auf
einem Niveau vergleichbar mit dem Ende 2018.

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33
Abbildung 41: Bewirtschaftung der Talsperre Bautzen (Spree) in den Jahren 2018/19
4
Auswirkungen auf Wald und Forstwirtschaft – Risiko wird Wirklichkeit
Stürme, Nassschnee, Trockenheit, Dürreperioden treffen seit dem Jahr 2017 auf Fichten-
und Kiefernforste.
Massiver Schneebruch in den Mittelgebirgslagen, das Sturmtief Eberhard, welches zu weite-
ren massiven Schäden im Löß-Hügelland und im Erzgebirgsvorland führte sowie der erneut
extrem warm-trockene Witterungsverlauf im Jahr 2019, führten in Sachsens Wälder zu einer
äußerst kritische Entwicklung (Beispiel Colditzer Forst,
Fehler! Verweisquelle konnte nicht
gefunden werden.
; Waldschäden und Schadholzbergung,
Fehler! Verweisquelle konnte
nicht gefunden werden.
). Regionale Einbrüche in der Funktionalität der sächsischen Kultur-
landschaft sind nicht mehr auszuschließen. Betroffen wären insbesondere die Wirkungen
von Wäldern auf den Landschaftswasserhaushalt, den Boden- und Klimaschutz aber auch
auf die Erholungsfunktion.
Das unmittelbare Aufeinanderfolgen von mehreren Jahren mit extremen warm-trockenen
Witterungsverläufen ist in dieser Kontinuität eine bisher unbekannte ökophysiologische Si-
tuation, die neben direkten, trockenheitsbedingten Vitalitätsverlusten bis hin zum Absterben
von Waldbäumen, komplexe Interaktionen in den Wald- und Forstökosystemen auslöst.
Im Fall der Fichten- und Kiefern-Forste ist deren Widerstandpotenzial überschritten. Die stark
eingeschränkte Abwehrkraft der Bäume, ein auf großer Fläche homogenes Nahrungsange-
bot und optimale Wärmebedingungen, haben zu Massenvermehrungen von holz- und rin-
denbrütenden Insekten geführt. Als Folge sind großflächige Störungen – ein Absterben der
Baumschicht – zu erwarten. Mit einem „Waldsterben 2.0“ hat das jedoch nichts zu tun. Prin-
zipiell handelt es sich um einen gesetzmäßigen Prozess in der Produktionsdynamik dieser
Forstökosysteme, der durch ein Zusammenwirken von äußeren Faktoren, z. B. Stürme, Dür-
reperioden, und einer Aktivierung von inneren Faktoren, die diese Ökosysteme wegen ihrer
stark eingeschränkten Fähigkeit zur Selbstorganisation regulieren können, ausgelöst wird.
Dem entspricht z.B. die gegenwärtige Massenvermehrung von holz- und rindenbrütenden
Insekten.

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34
Abbildung 42:
Landbedeckung Colditzer Forst 2017 und 2019 (Datenquelle: ESA,
https://sentinel.esa.int/web/sentinel/missions/sentinel-2
)

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35
Abbildung 43:
Waldschäden und Schadholzbergung, Fotos: SBS

36
Der reale Klimawandel verstärkt die Intensität solcher Prozesse. Kritische Bedingungen für
die Vitalität einzelner Baumarten häufen sich, standörtliche Grenzbereiche für deren Vor-
kommen weiten sich aus, Massenvermehrungen von Insektenarten erreichen ein größeres
Ausmaß, bisher unterschiedliche Entwicklungsbedingungen, wie z.B. das Wärmeangebot
entlang eines Höhengradienten, gleichen sich zunehmend an. So war der Buchdrucker bis in
Höhenlagen um 700 m ü. NN in der Lage eine dritte Generation anzulegen. Ein neues Phä-
nomen.
Dem funktionalen Einbruch in den Fichten- und Kiefern-Forsten folgt die Systemerneuerung,
auf „Freiflächen“ durch deren natürliche Wiederbewaldung.
Die Frage ist, ob, in welchem Maße und in welcher Zeit dieser natürliche Prozess zur Befrie-
digung der verschiedensten Bedürfnisse der Menschen als Teil der sächsischen Kulturland-
schaft beiträgt. Der Beantwortung dieser Frage sollte wiederum die Intensität entsprechen,
mit der wir solche natürlichen Prozesse gestalten.
Die Massenvermehrung des Buchdruckers in den Fichten-Forsten hat, im wirtschaftlichen
Sinn, im Buchdruckerjahr 2019 / 20 im Gesamtwald zu einem Schadholzanfall von 1,7 Mio.
m³ geführt, davon 774.000 m³ im Staatswald [Quelle: Digitales Forstschutzkontrollbuch,
31.12.2019]. Gegenüber dem Buchdruckerjahr 2018/19 ist das etwa eine Verdoppelung der
Schadholzmenge. Eine kritische, aber dennoch realistische Prognose, geht für das Jahr
2020 in den Fichten-Forsten Sachsens von einem erneuten Schadholzanfall von etwa 2,5
Mio. m³ aus. Dabei handelt es sich jedoch nicht um das potenzielle Ende der gegenwärtigen
Kalamitätsspirale.
In Sachsen sind etwa 110.000 – 130.000 ha Fichten-Forste einer Entwicklungsphase zuzu-
ordnen, die durch eine hohe bis sehr hohe Anfälligkeit gegenüber Sturmschäden und Buch-
druckerbefall charakterisiert ist. Dem entspricht ein Holzvorrat von etwa 48 Mio. m³.
Die planmäßige jährliche Holznutzung im Gesamtwald des Freistaates Sachsen lag in der
Periode 2002 – 2012 [Bundeswaldinventur³] bei 2,5 Mio. m³. Diese Relation verdeutlicht die
Dramatik einer potenziellen Entwicklung.
Ein ähnlicher Prozess vollzieht sich in den Kiefern-Forsten des Tieflandes, wo 2019 Dürre,
holz- und rindenbrütende Insekten, zum Teil auch Pilzbefall zu einem Schadholzanfall von
400.000 m³ führten, bisher mit einer Konzentration auf speicherdürren bis speichertrockenen
Sandböden.
Der Blick über Sachsen hinaus verdeutlicht die europäische Dimension des Problems. Die-
ser entspricht in den Jahren 2017 bis 2019 ein Schadholzanfall von mindestens 180.000.000
m³ [EUWID, November 2019].
Die Arbeitskapazitäten, der Holzmarkt und damit die wirtschaftliche Situation von Forstbe-
trieben aller Eigentumsformen, sind unter diesen Bedingungen das Nadelöhr für ein effizien-
tes Krisenmanagement.
Der Witterungsverlauf 2020/2021 entscheidet zusammen mit einer effektiven Sanierung der
Fichten, die vom Buchdrucker nach dessen Überwinterung frisch befallen werden, über die
Ausweitung seiner Massenvermehrung. Das gilt prinzipiell auch für holz- und rindenbrüten-
den Insekten in den Kiefern-Forsten.
Aber selbst ein Witterungsverlauf, der für die Vitalität der Bäume förderlich aber für die Ent-
wicklungsbedingungen von holz- und rindenbrütenden Insekten eher ungünstig ist, bedeutet
keinesfalls das Ende des sich vollziehenden Systemeinbruchs von Fichten- und Kiefern-

image
37
Forsten, sondern lediglich eine mehr oder weniger ausgeprägte zeitliche Verzögerung dieses
Prozesses.
Insgesamt ist diese Entwicklung ein Indikator für die Verletzlichkeit (Vulnerabilität) der säch-
sischen Kulturlandschaft im Klimawandel.
Der Waldumbau puffert diese Vulnerabilität erheblich. Im Staatswald wurde in drei Jahrzehn-
ten systematisch und planmäßig auf einer Fläche von mindestens 80.000 ha, das ist mehr
als ein Drittel der Fläche des Staatswaldes, unter den gefährdeten Fichten und Kiefern eine
zweite Waldschicht geschaffen - das Potenzial für einen „Zukunftswald“ mit einer vielfältigen
Baumartenzusammensetzung aus Weißtanne, Buche, Ahornarten, Eichenarten, Hainbuche,
Lindenarten, Vogelkirsche und Douglasie und damit einer hohen Anpassungsfähigkeit ge-
genüber einer nicht prognostizierbaren Entwicklung von Wald-Lebensgemeinschaften im
Klimawandel (Abbildung 44).
Abbildung 44:
Absolute Flächenanteile der Bestockungstypen unter Schirm
Waldinventuren machen diese enorme Leistung messbar.
Vorsorge, die nicht den Rehen und Hirschen geopfert werden darf. Hierin besteht eine der
vorrangigen Aufgabe der Jagd als Umweltleistung.
Auf den Freiflächen, die mit dem bisherigen Kalamitätsverlauf entstanden sind und weiter
entstehen werden, ohne solche Anfangsstadien eines neuen Waldes, werden wir diese im
Zusammenwirken mit der Natur schaffen (Abbildung 45). In diesem Prozess werden wir
Baumarten ergänzen, die für das potenzielle innere Beziehungsgefüge der neuen Wälder als
Lebensgemeinschaft in einem unbekannten Klima wichtig sein können.
Die neu entstehenden Wälder werden zu unserem Zusammenleben mit der sächsischen
Kulturlandschaft beitragen, als deren Teil wir uns verstehen müssen. In solchen Wäldern
fließt Wasser nicht schnell an der Oberfläche ab und nimmt Humus und Boden mit sich, son-
dern sickert überwiegend in den Waldboden ein. Von dort aus wirkt es als Lebensgrundlage
von Wäldern, Bächen, Flüssen und für uns selbst. Es entwickeln sich ausgeglichene Nähr-
stoffkreisläufe. Die Wirkung als Kohlenstoffsenke baut sich erneut auf und wird zunehmend

38
durch die langlebigen Baumarten geprägt und konsolidiert sich im Beziehungsgefüge der
Wald-Lebensgemeinschaft und ihrer Umwelt. Ein Beitrag zum Klimaschutz.
Wir müssen uns aber auch entscheiden, in welchem Maße wir Holz aus heimischen Wäldern
für unsere Bedürfnisse nutzen wollen. Dabei sollten wir uns bewusst sein, dass nur die Ver-
wendung von regional (!!) und in hohem Maße ökologisch, ökonomisch wie sozial nachhaltig
produziertem Holz, einen positiven ökologischen „Fußabdruck“ aufweisen kann. (Abbildung
45)
Das globale Holzaufkommen wird überwiegend durch die industriemäßige Holzproduktion in
Plantagen und die explorative Nutzung von Wäldern unter in Inkaufnahme von großflächigen
Waldverlusten bestimmt.
Wir müssen uns also entscheiden, ob wir unsere Bedürfnisse aus diesen Rohstoffquellen
oder aus einem Leben mit unserer Landschaft, der Nutzung von Holz aus einer ökologisch
orientierten Waldbewirtschaftung, befriedigen wollen.

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39
Abbildung 45: Waldentwicklung mit und ohne Einzäunung, Fotos: SBS

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40
5
Auswirkungen auf die Landwirtschaft
5.1
Grünland und Feldfutter
Eine Nachwirkung der Trockenheit des Jahres 2018 war auch im Vegetationsjahr 2019 noch
zu spüren, am Jahresende bestand immer noch ein enormes Wasserdefizit im Unterboden.
Im Dauergrünland war der Ertragsausfall zwar nicht ganz so heftig wie 2018, aber auch 2019
gab es in den Regionen mit großem Bodenwasser- und Niederschlagsdefizit keine Chance
zur Reservebildung von Futterkonserven.
Die Grünlanderträge waren 2019 mit durchschnittlich 47,4 dt/ha Trockenmasse bei den Wie-
sen und 47,7 dt/ha Trockenmasse bei den Weiden (einschl. Mähweiden und Almen) um
7,4 dt/ha Trockenmasse (Wiesen) bzw. 5,5 dt/ha Trockenmasse (Weiden (einschl. Mähwei-
den und Almen)) etwas höher als 2018. Gegenüber dem Jahr 2018 entspricht dies einem
relativen Mehrertrag von 19 % bei den Wiesen bzw. 13 % bei den Weiden (einschl. Mähwei-
den und Almen),
Abbildung 46
(Datenquelle: Statistisches Landesamt).
Abbildung 46:
Erträge im Grünland 2015 bis 2019, Datenquelle: Statistisches
Landesamt
Die Erträge im Feldfutterbau waren 2019 mit durchschnittlich 62,9 dt/ha Trockenmasse bei
den Leguminosen (z. B. Klee, Kleegras, Luzern) und 67,7 dt/ha Trockenmasse beim Feld-
gras um 6,1 dt/ha Trockenmasse (Leguminosen) bzw. 10,5 dt/ha Trockenmasse Feldgras)
höher als 2018. Gegenüber dem Jahr 2018 entspricht dies einem relativen Mehrertrag von
11 % bei den Leguminosen bzw. 18 % beim Feldgras; Abbildung 47 (Datenquelle: Statisti-
sches Landesamt).
Sowohl beim Grünland als auch im Feldfutterbau (ohne Silomais) waren die Erträge 2019
immer noch um etwa 25 % niedriger als im Mittel der Jahre 2015 bis 2017, d. h. eine Reser-
vebildung von Futterkonserven als Vorsorge für künftige Trockenperioden war nicht oder nur
eingeschränkt möglich.

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41
Abbildung 47:
Erträge von Leguminosen und Feldgras im Futterbau 2015 bis
2019, Datenquelle: Statistisches Landesamt
Die Silomaisflächen waren in ihrer Bestandsentwicklung sehr unterschiedlich und teilweise
durch einen hohen Unkrautbesatz (Tiefwurzler) gekennzeichnet, der eine zügige Jugendent-
wicklung der Maisbestände erschwerte. Die Silomaiserträge haben sich infolge der unter-
schiedlichen Wasserversorgung in der Wachstumsphase sehr unterschiedlich entwickelt,
teilweise war neben dem Masseertrag auch die Kolbenbildung mangelhaft.
Der Ertragsrückgang beim Silomais gegenüber dem Mittel der Jahre 2015 bis 2017 betrug
29 % und war damit noch höher als beim Grünland und übrigen Feldfutter; Abbildung 48 (Da-
tenquelle: Statistisches Landesamt).
Abbildung 48:
Erträge von Silo- und Grünmais(einschließlich Lieschkolben-
schrot 2015 bis 2019
, Datenquelle: Statistisches Landesamt
Nach zwei trockenen Jahren ist es dringend notwendig, in 2020 Voraussetzungen für einen
breiter aufgestellten Futterbau zu schaffen und somit das Ertragsrisiko zu mindern. Vor die-
sem Hintergrund gewinnt der mehrjährige Ackerfutter- sowie Zwischenfruchtanbau an Be-
deutung. Die stärkere Einbindung von Leguminosen als Reinsaat bzw. Gemengepartner
spielt dabei eine tragende Rolle

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42
5.2
Ausgewählte Ackerkulturen
Allgemeine Einschätzung
Die ersten sechs Monate des Jahres 2019 waren in Sachsen vom Wetter her sehr unter-
schiedlich. Im ersten Halbjahr 2019 fehlte in Sachsen der erforderliche Niederschlag. Größe-
re Trockenschäden traten fast überall in Sachsen auf. Dies gilt insbesondere für Nordsach-
sen (Quelle: Statistisches Landesamt). Insgesamt setzte sich die Trockenheit des Jahres
2018 in abgeschwächter Form fort; eine umfassende Wiederbefeuchtung der im Trockenjahr
2018 bis in größere Bodentiefen ausgetrockneten Ackerböden fand nicht statt. Aus diesem
Grund war 2019 bei den Ackerkulturen in der Regel nur eine mäßige Ertragsbildung möglich,
mit allerdings hohen Ertragsunterschieden zwischen den Regionen in Sachsen, bedingt so-
wohl durch die Standortbedingungen (z. B. leichte Böden mit geringer bzw. bindigere Böden
mit hoher Wasserhaltefähigkeit) als auch regional hohen Niederschlagsdefiziten.
Abbildung 49:
Anbaufläche und mittlerer Kornertrag von Winterweizen in Sach-
sen 2007 bis 2019, Datenquelle: Statistisches Landesamt
Winterweizen
Vor Winter entwickeln sich größtenteils gleichmäßige Weizenbestände, aber meist
schwächer als in den Vorjahren.
Milder Winter 2019 verhindert Auswinterungsschäden bei Weizen.
Ende des Winters 2018/19: geringfügiger Schneeschimmelbefall regional im Erzgebirge.
Niederschläge Ende April / Anfang Mai 2019 fördern Weizenbestände.
Ährenschieben und Blüte bei Wintergetreide waren später feststellbar als im Trockenjahr
2018.

43
Dominierende Blattkrankheit 2019 war Braunrost - aber geringere Befallsintensität als
2018.
2019 kaum Probleme hinsichtlich des Befalls mit Ährenfusariumpilzen mit der Folge ge-
ringster Mykotoxin-Gehalte.
Hohe Sommertemperaturen bedingen meist frühzeitiges Abreifen der Bestände und einen
frühen Erntestart bei guten Erntebedingungen.
Auf „leichten“ Standorten in Nordsachsen wurde verbreitet notreife, kleinkörnige Winter-
weizenware (Schmachtkörner) geerntet.
Ernteverzögerungen in Spätreifegebieten im August 2019.
Spätsaaten mit Ertragsdepressionen, aber nicht so extrem wie 2018.
Keine nennenswerten Fallzahlprobleme aufgrund der trockenen Erntebedingungen 2019.
Auf Trockenstandorten in Nordsachsen: bezüglich Qualitätsparametern häufig niedrige
Tausendkornmasse und Hektolitergewichte.
Laut Statistischem Landesamt Sachsen (12/2019) liegt der mittlere Winterweizenertrag
2019 bei 70,7 dt/ha (= 4 % unter 10-Jahresmittel bis 2018 und 8 % über dem Weizen-
durchschnittsertrag 2018 mit 65,4 dt/ha) (s.
Abbildung 49
) bei regional sehr starker Diffe-
renziertheit des Ertrags (18,0 dt/ha Weizenertrag auf leichten Standorten bis 101,0 dt/ha
Weizenertrag auf bindigeren Standorten).
Wintergerste
Trockene Böden erschwerten im Herbst 2018 die Wintergerstenaussaat mit der Folge von
teilweise ungleichmäßigem Feldaufgang (z. T. auch bedingt durch Niederschlagsereignis-
se verkrustete Böden).
Gleichmäßige Entwicklung vor Winter auf Löß- und Verwitterungsstandorten.
Milder Winter 2018/19 ohne frostbedingte Auswinterungsschäden.
Befall mit Schneeschimmel in höheren Lagen des Erzgebirges Ende des Winters 2018/19
– Ausdünnung von Beständen.
2019 vorerst sehr trockenes Frühjahr; Niederschläge im Zeitraum Ende April / Anfang Mai
fördern Gerstenbestände bei überwiegend geringem Krankheitsdruck.
verbreitet Trockenstress ab Juni 2019, Bodenwasser reicht meist noch für die Kornfüllung
bei Gerste.
Kein nennenswertes Lager in der Gerste, Halmknicken wurde erst kurz vor der Ernte fest-
gestellt.
Gerste kann Niederschläge im späten Frühjahr 2019 nutzen, dies bringt 2019 akzeptable
Erträge mit durchschnittlich 73,6 dt/ha (7 % über 10-jährigem Mittel bis 2018) im Vergleich
zu durchschnittlich 61,0 dt Gerstenertrag/ha im Jahr 2018 (entsprechend rund 17 % Gers-
tenmehrertrag 2019 gegenüber dem durchschnittlichen Wintergerstenertrag von 2018).
Hinsichtlich dem Qualitätsparameter Hektolitergewicht gab es Probleme infolge der hitze-
bedingten raschen Abreife im Juni 2019 auf ganz „leichten“ Standorten.

44
Winterraps
Winterrapsaussaat im Herbst 2018: erhebliche Trockenheit im August und September
2018 führte zu sehr schwierigen Aussaat- und Auflaufbedingungen; Rapsbestände waren
deshalb zum Teil lückig und mit zu geringer Bestandesdichte, Auflaufen des Rapses er-
folgte in mehreren Phasen. Auf Grund schlechter und sehr ungleicher Feldaufgänge wur-
den in Sachsen viele Rapsflächen im Herbst 2018 umgebrochen und mit anderen Kultu-
ren bestellt (besonders Wintergetreide (plus 12.100 ha) sowie Mais (plus 10.700 ha)). Als
Folge davon Rückgang der Rapsanbaufläche 2019 in Sachsen auf 96,9 Tsd. ha gegen-
über 125,9 Tsd. ha im Jahr 2018 (Rückgang 2019 gegenüber 2018: - 23,1 % ; (s.
Abbil-
dung 50
; Datenquelle: Statistisches Landesamt)).
Keine Auswinterungsschäden im insgesamt milden Winter 2018/19.
Frühjahr 2019: Frühes und starkes Auftreten von Rapsschädlingen (z. B. Gefleckter Kohl-
triebrüssler ab Februar 2019), Fröste während der Knospenbildung und der Blüte, teilwei-
se unzureichende Schotenausbildung bzw. Schotenabwurf.
Hitze im Juni und Juli 2019 führt zu einer raschen Entwicklung der Bestände und teilweise
frühzeitigen Reife; Krankheitsdruck insgesamt gering.
Winterrapsertrag lag 2019 bei durchschnittlich 33,5 dt/ha (plus 10 % zum Vorjahr 2018;
minus 10 % zum zehnjährigen Mittel); die Ertragsunterschiede zwischen den einzelnen
Regionen Sachsen waren 2019 durch das hohe Niederschlagsdefizit wieder besonders
groß (0,0 dt/ha auf leichten Standorten z. B. in Nordsachsen und 46,0 dt/ha auf Löß-
standorten (Quelle. Statistisches Landesamt).
Ölgehalte vieler Rapspartien deutlich unterdurchschnittlich, hervorgerufen durch die ra-
sche hitze- und trockenheitsbedingte Abreife.
Rapsaussaat im Herbst 2019: Bestellung durch Trockenheit im August 2019 erneut
vielerorts erschwert (s.
Abbildung 51
); Auflaufen teilweise verzögert, zum Teil lückige und
in Bezug auf das Entwicklungsstadium heterogene Bestände (s.
Abbildung 52
); Aussaat-
probleme waren aber 2019 nicht so stark wie im Vorjahr 2018.
Herbstentwicklung 2019 mit regionalen und lokalen Unterschieden: Je nach Auflauftermin
von schwächerer und ungleicher Pflanzenentwicklung über normal bis überwachsene
Rapsbestände.

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45
Abbildung 50:
Anbaufläche und mittlerer Kornertrag von Winterraps in Sachsen
2007 – 2019, Datenquelle: Statistisches Landesamt
Abbildung 51:
Trockene Aussaatbedingungen zu Raps im Herbst 2019
erschweren die Rapskeimung (Foto: M. Grunert, LfULG)

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46
Abbildung 52:
Sehr ungleicher Rapsbestand infolge Trockenheit im Herbst 2019
(Quelle: M. Grunert, LfULG)
Kartoffeln
Mit Ausnahme des Monats Mai 2019 herrschten 2019 durchweg überdurchschnittliche
Temperaturen, insbesondere im Juni 2019.
Erneut ausgeprägte Trockenheit 2019 auf vielen Standorten in Sachsen; dabei wirkt noch
das Wasserdefizit aus dem Vorjahr 2018 nach, denn die Böden sind in tieferen Schichten
weitgehend ausgetrocknet. Allerdings regional und lokal deutliche Unterschiede aufgrund
von Niederschlägen in eng begrenzten Räumen.
Kartoffelkrautwachstum ist teilweise eingeschränkt, dadurch wird der Reihenschluss nicht
überall erreicht.
Krautfäule erlangt nur geringe Bedeutung; andere pilzliche Schaderreger wie Alternaria
und Verticillium treten teilweise stärker in Erscheinung.
Besonderheit bei Pflanzkartoffeln 2019: Außergewöhnlich hoher Virusbesatz.
Kartoffelertrag in 2019 bei 344 dt/ha (plus 9 % zum Vorjahr 2018; minus 15 % zum zehn-
jährigen Mittel).
Die Stärkegehalte sind in vielen Kartoffelpartien deutlich erhöht.
Mais
Aufgrund ungünstiger Wetterverhältnisse konnte Mais vielerorts erst Anfang Mai ausge-
sät werden
Durch niedrige Temperaturen in der ersten Maihälfte 2019 erhebliche Verzögerung des
Aufgangs sowie Kälteschäden bei bereits aufgelaufenem Mais (gelbe Pflanzen).
Kompensation der anfänglichen Entwicklungsrückstände durch deutlich überdurchschnitt-
liche Temperaturen im Juni.
Niederschlagsdefizite im Juni und Juli wirkten sich je nach Höhe der Defizite auf das
Längenwachstum der Maispflanzen aus.

47
Besonders auf D-Standorten führte Wassermangel in diesem Zeitraum neben sehr inho-
mogenen Wuchshöhen auch verbreitet zu kolbenlosen Pflanzen.
Der Zeitpunkt für die weibliche Blüte lag im langjährigen Mittel und es wurden auf den
meisten Standorten keine Befruchtungsprobleme beobachtet.
Die Kolbenentwicklung war mit Ausnahme der durch Trockenheit stärker beeinflussten
Standorte gut.
Die Erträge bei Silomais/Grünmais lagen 2019 bei durchschnittlich 298,4 dt/ha (mit 35 %
Trockenmasse). Gegenüber dem Silomais-Durchschnittsertrag von 272,7 dt/ha im Jahr
2018 bedeutet dies einen Mehrertrag von durchschnittlich rund 26 dt/ha im Jahr 2019
(entsprechend rund 9 % Mehrertrag 2019 gegenüber dem Erntejahr 2018) (Quelle: Sta-
tistisches Landesamt). Im Vergleich zum Mittel der Jahre 2015 bis 2017 betrug der Er-
tragsrückgang 2019 beim Silomais jedoch 29 % (Quelle: Statistisches Landesamt, s. a.
Kapitel 5.1).
6
Auswirkungen auf den Garten- und Weinbau
Der Garten- und Weinbau belegt in Sachsen zurzeit eine Fläche von rund 8.000 ha. Neben
Apfel zählen derzeit noch Sauerkirschen und Erdbeeren zu den wichtigsten Obstarten. Der
Anbau konzentriert sich auf den Raum um Borthen und Dürrweitzschen. Markerbsen, Spei-
sezwiebeln und Buschbohnen dominieren das Anbauspektrum im Gemüsebau, der vor allem
in der Lommatzscher Pflege und im Raum Leipzig beheimatet ist. Das sächsische Weinan-
baugebiet umfasst eine bestockte Rebfläche von 510 ha.
In den letzten Jahren lassen sich folgende allgemeine Tendenzen für den Garten- und Wein-
bau ableiten:
Die Ausdehnung der Vegetationsperiode begünstigt schrittweise den Anbau von Sorten,
die bislang in unserer Region nicht anbauwürdigt waren. Die Zahl von Anbausätzen im
Gemüsebau steigt.
Milde Winter führen zu einem frühen Knospenaufbruch und einer immer früheren Obst-
blüte. Dies kann die Gefahr von Spätfrostschäden bei allen Obstarten, insbesondere
aber bei den früh blühenden Süßkirschen und Birnen erhöhen. In milden Wintern kön-
nen kurze Phasen mit Starkfrösten bei Weinreben zu erheblichen Ausfällen führen.
Niederschlagsarme Winter, Wärme- und Trockenperioden im April und Mai führen z.B.
bei Markerbsen immer häufiger zu Trockenschäden infolge zu geringer Wasserverfüg-
barkeit aus dem Boden.
Sommerliche Hitzeperioden mit extrem hohen Temperaturen und Trockenheit führen zu
erheblichen Qualitätseinbußen durch Sonnenbrandschäden im Obst- und Weinbau, bei
Speisezwiebeln oder auch zu Ozonschäden bei Buschbohnen. Wassermangel reduziert
signifikant die Produktqualität. Ein sicherer Anbau der meisten gartenbaulichen Kulturen
wird nur noch mit Zusatzbewässerung möglich sein.
Stark wechselnde Witterungsabläufe während der Vegetation führen zu Stress und zu
Problemen in der Kulturführung und -terminierung, zu krankheitsanfälligen Beständen
und nicht selten zu Ertragseinbußen.
Extreme Wetterereignisse (Starkregen, Hagel, Sturm) führen teilweise zum vollständigen
Verlust der Ernte und erfordern sehr kostenintensive Schutzmaßnahmen (z. B. Hagel-
schutznetze, Regenschutz bei Süßkirschen).

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48
Die schrittweise Klimaerwärmung führt zum verstärkten Auftreten von schwer bekämpf-
baren Krankheiten und Schädlingen. Besonders bei Apfelschorf und -mehltau, Mehltau
und Fusariosen bei verschiedenen Gemüsearten sowie Viruserkrankungen ist eine star-
ke Zunahme zu beobachten. Mit dem Auftreten der Kirschessigfliege werden der Wein-
bau sowie der Anbau von Weichobst vor neue Herausforderungen gestellt. Ähnlich ver-
hält es sich beim Apfel mit der marmorierten Baumwanze.
Das Jahr 2019 kann für den sächsischen Gartenbau als extrem eingestuft werden. Neben
einer erneuten und lang anhaltenden Trockenheit, welche sich an das Trockenjahr 2018
nahtlos anschloss, führten häufige und mehrtägige Spätfrostereignisse im Frühjahr und
schwere Hagelereignisse im Juni zu erheblichen Ertrags- und Qualitätseinbußen in vielen
gartenbaulichen Kulturen.
Im Baumobstanbau konnten auf Flächen ohne Hagel durchschnittliche Erträge erzielt werden
(
Abbildung 53
). Verluste durch nässebedingtes Aufplatzen von Kirschen blieben in diesem
Jahr gering.
Äpfel verzeichneten großflächig extreme Schäden durch Hagel, was einen Großteil der Ware
unverkäuflich machte. Aufgrund der europaweit geringen Erntemengen besteht eine erhöhte
Nachfrage nach Mus- oder Schälware sowie Mostobst. Ein gewisser Anteil der beschädigten
Früchte kann über diesen Weg abgesetzt werden, was jedoch die hohen Produktionskosten
bei weitem nicht deckt.
Einen Eindruck von der Schutzwirkung der Hagelnetze bei Äpfeln auf Versuchsflächen des
LfULG in Pillnitz vermittelt
Abbildung 54
.
Abbildung 53:
Ertrag der wichtigsten Baumobstkulturen 2011 bis 2019
Neben den großflächigen Hagelereignissen, welche ebenfalls die Früchte an den Erdbeer-
pflanzen stark schädigten, sorgten bei Erdbeeren im Besonderen die Spätfrostereignisse,
Mitte April bis Ende Mai, für erhebliche Ertragseinbußen ohne Vliesabdeckung.

49
Im Gemüseanbau waren, wie schon 2019, erhebliche Ernteausfälle zu verzeichnen. Dies
betraf besonders die für Sachsen wichtigen Verarbeitungsgemüsearten Markerbsen und
Buschbohnen. Im Anbaugebiet in der Lommatzscher Pflege ist vornehmlich Wassermangel
infolge unzureichender Bewässerungsmöglichkeiten als Ursache für die Ertragsminderungen
zu nennen. Die Ertragsausfälle durch zu kleine Zwiebeln, die die vorgeschriebene Vermark-
tungsgröße von 40 mm Durchmesser verfehlten und deshalb nicht vermarktet werden konn-
ten, sind in etwa vergleichbar mit denen aus 2018. Bewässerungsverbote in den Trockenzei-
ten, die zum Teil ausgesprochen wurden, führten zu einer zusätzlichen Wasserverknappung
in den Kulturen. Vereinzelt kam es regional auch in den Gemüsekulturen zu Hagelschäden.
Im Weinanbau waren die Erträge sehr differenziert. Ursache hierfür war die erneute starke
Trockenheit. Sandige, wasserdurchlässige Standorte, sowie viele Junganlagen wiesen er-
hebliche Mindererträge auf. Ältere Reben, besonders auf lehmigen Böden mit guter Wasser-
speicherkapazität verzeichneten hingegen durchschnittliche bis überdurchschnittliche Erträ-
ge. Im Gegensatz zum Vorjahr wurden auch Schäden durch Sonnenbrand verzeichnet. Die
späten Niederschläge vor der Rieslinglese förderten das Auftreten von Fäulniserregern in
den späten Rebsorten.

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50
Abbildung 54:
Ergebnisse zur Schutzwirkung von Hagelnetzen auf 2 Versuchsflächen des LfULG in Pillnitz,
Fotos: Ch. Krölin
g

51
7
Auswirkungen auf die Luftqualität
Die durch den Klimawandel bedingten Änderungen der Witterung sind mit sowohl positiven
als auch negativen Folgen für die Luftqualität verbunden. Wichtige meteorologische Größen
sind insbesondere die Temperaturverläufe im Winter (Dezember bis Februar) und im Som-
merhalbjahr (März bis Oktober).
In milden Wintern wird weniger Energie für Gebäudeheizungen benötigt. Kraftfahrzeugmoto-
ren erreichen schneller die optimale Betriebstemperatur. Deshalb werden wenige Luftschad-
stoffe aus Schornsteinen und Auspuffanlagen ausgestoßen. Inversionswetterlagen, die un-
günstige Ausbreitungsbedingungen für Luftschadstoffe darstellen, sind in milden Wintern
seltener. In der Folge werden niedrigere Konzentrationen von verbrennungsbedingten Luft-
schadstoffen, insbesondere Feinstaub registriert (Abbildung 55)
Im klimatologischen Vergleich waren alle Winter seit 2013/14 zu warm. Die Wirkung der
Maßnahmen in den sächsischen Luftreinhalteplänen wurde dadurch unterstützt. Die letzten
an den Luftgütemessstationen festgestellten Überschreitungen beim Feinstaub PM10-
Tagesgrenzwert traten 2014 auf (Abbildung 56).
Die Klimaprojektionen lassen eine Fortsetzung der zu warmen Winter erwarten (Abbildung
57). Trotzdem können weiterhin einzelne kalte Winter oder längere Kälteepisoden auftreten,
die erneute PM10-Grenzwertüberschreitungen begünstigen.
Abbildung 55:
Anzahl der PM10-Tagesgrenzwertüberschreitungen an 22 durch-
gängig messenden Stationen im Winter im Vergleich zur Abweichung der Wintertem-
peratur
-3
-2
-1
0
1
2
3
4
5
0
50
100
150
200
250
300
350
400
2006/7
2007/8
2008/9
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2018/19
Abweichung Wintertemperatur in [K]
Anzahl Einzelüberschreitungen
PM10-Tagesgrenzwertüberschreitungen im Winter
(01.12. - 29.02.)
Anzahl Einzelüberschreitungen
Temperaturabweichung

image
image
52
Abbildung 56:
Überschreitungen des PM10-Tagesgrenzwertes 2010 bis 2019
Abbildung 57:
Entwicklung der Wintertemperatur in Sachsen
Negativ auf die Luftqualität wirken sich die gestiegenen Temperaturen insbesondere in der
warmen Jahreszeit aus. Hohe Temperaturen und intensive Sonneneinstrahlung begünstigen

53
die Bildung des Luftschadstoffes Ozon aus Vorläuferstoffen wie z. B. Stickoxiden und leicht-
flüchtigen Kohlenwasserstoffen.
Die lange Ozon-Messreihe von der Luftgütemessstation in Radebeul-Wahnsdorf zeigt ab
Anfang der 70er Jahre bis Ende der 90er Jahre einen deutlichen Anstieg der Ozonkonzentra-
tionen im Jahresmittel. Danach schwächte sich dieser Anstieg etwas ab. 2018 und 2019 wa-
ren
heiße
Jahre. Die Ozon-Messreihe zeigt für diese beiden Jahre noch einmal Zuwächse im
Vergleich zum schon hohen Niveau der letzten Jahre. (Abbildung 58). Die witterungsbeding-
ten Unterschiede in den Monatsmitteln der Lufttemperatur korrespondieren mit den Jahres-
gängen der Ozonkonzentration.
Die gesetzlichen Ozon-Zielwerte zum Schutz der Gesundheit und der Vegetation (vgl.
39. BImSchV) werden seit Jahren auf dem Erzgebirgskamm und zuletzt vereinzelt auch im
Tiefland überschritten. Die Langfristzielwerte werden in ganz Sachsen überschritten.
Für die Zukunft lassen die Klima-Projektionen keine Entspannung bei der Ozonproblematik
erwarten (Abbildung 59). Die meteorologischen und sonstigen Bedingungen für Ozonbildung
und –abbau sind äußerst komplex, es gibt noch erheblichen Forschungsbedarf. Verschiede-
ne Institutionen, auch das LfULG, beschäftigen sich damit.
Abbildung 58:
Jahresgang der Ozonkonzentration in Radebeul-Wahnsdorf
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Jan Feb März Apr
Mai Juni
Juli
Aug Sep Okt
Nov Dez
Ozonkonzentration in [μg/m
3
]
Mittelwert 1974-79
Mittelwert 1980-89
Mittelwert 1990-99
Mittelwert 2000-09
8-Jahresmittelwert 2010-17
2018
2019

image
54
Abbildung 59:
Entwicklung der Sommertemperatur in Sachsen